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RE KW 07

Aus vergangenen Tagen

Aus vergangenen Tagen Das waren noch fröhliche Tage im Lechthal! „Es verschlich sich noch kein Winter, wo nicht Masken giengen.“ „Einigkeit und Zusammenhalt – das gilt heute nicht mehr! Daher kommt es auch, dass den originellen Maskenzügen der Boden entzogen ist. An geeigneten Persönlichkeiten, derartige oder ähnliche Vergnügungn ins Leben zu rufen und auszuführen, würde es keineswegs mangeln. Können wir diese alten Volksbelustigungen nur noch als culturhistorisch interessante Facta darstellen?“ (Josef Bernhard Moll, stud. phil., 23.1.1893) Von Peter Linser RUNDSCHAU Seite 18 In alter Zeit wird sich an den langen Winterabenden der bäuerliche Zeitvertreib auf das häusliche Spinnen, das Reparieren bäuerlichen Geräts, das nachbarliche Kartenspiel und den abendlichen Heimgarten beschränkt haben. Die schlechten winterlichen Verbindungen zu den Nachbarorten brachten wohl auch Langeweile für die Jungen mit sich und sie kamen auf „dumme“ Gedanken. Schon der Pfarrer Johann Steffelmayr aus dem Schwabenland, er war von 1700 bis 1722 in Elbigenalp, nannte in einem Schreiben an den Generalvikar in Augsburg seine Pfarre, auch wegen der Abgelegenheit, „einen erschröcklichen Ort“. Und der „Duerfer“ Pfarrer Dr. Mellson meldete am 23. Dezember 1745 dorthin, „man drohte, ihn todtzuschlagen oder zu erschießen, wenn er nicht fortgienge, und wirklich wurde eines Abends mit einem schweren lärchenem Prügel mit großem Lärm ein Fenster in seinem Widum eingestoßen und zertrümmert, so daß er schon vermeinte, jetzt gehe das Morden würklich an“. Johann Anton Falger, der „Vater des Lechtales“ schreibt im etwas wunderlichen Ton des alten Lithographen: „An den langen Abenden, wenn beim flackernden Kaminfeuer die Spinnräder ein Lied von der alten Zeit summen, sitzen die Burschen beisammen und halten Rath über die lustigen Umzüge, welche sie heuer wieder bereiten wollen. Der Fasching hat nicht nur die Lust am Ranzen geweckt, sondern auch Verkleidungen und Aufführungen aller Art finden großen Anklang. Die Maskenzüge, die in Scene gesetzt werden sollen, sich in den Mittelpunkt der Thätigkeit und des Erfindens gerückt.“ Weiters berichtet er über den Ursprung und die Weiterentwicklung der Maskenzüge, wie er es teils aus der Überlieferung, teils als Augenzeuge und Mitwirkender verfolgen konnte. Und so hielt er dieses schriftlich fest: „Unser Nationalfest, möchte ich sagen, war die Fasnacht, und zahlrieche schöne Bälle fanden statt; oft in kleinen, niederen Hütten war alles munter und fröhlich. Selbst am Abendheimgarten wurde zur Abwechslung getanzt und ungestört war man vergnügt. Zu Ende des vorigen Jahrhunderts aber kamen als etwas Neues fürs Thal die Maskeraden, von meinem Vetter Eusebius Lumpert unverhofft als ein neues Vergnügen ins Thal gebracht. Ungefähr anno 1785 kam unvermuthet zum Engelwirt Marzell Knitl hier mein Vetter Eusebius Lumpert mit noch drei seiner Freunde zum ersthenmale als Masken. Herr Pfarrer Schulz (recte: F. Solan Scholz, von 1773 bis 1803 in Elbigenalp, Anm.) war als Gast dort und meinte, das wären fremde Leute, weil man im Thale nie so etwas sah. Man kann sich denken, wie die unerfahrenen Menschen im Thal mögen sich gewundert und gestaunt haben, solche fremdartigen Dinge zu sehen, wo sie schwerlich das Wort Masken früher kannten.“ Dieses Ereignis könnte den Anfang des Maskenlaufens im Lechtal dargestellt haben, denn der Chronist berichtet weiter: „Und seit dem Jahre 1787 verschlich sich noch kein Winter, wo nicht Masken giengen, doch nicht immer große Züge. Gewöhnlich am unsinnigen Donnerstag fahren die Masken z.B. nach Steeg oder Elmen, süäter wegen großer Maschinen, die nicht leicht fortzubringen waren, nur bis Untergiblen, wo oft Züge von 70 bis 80 Personen waren, mit vielem Aufwand. Und Menschen kamen ungemein viel, sogar von Steeg und Forchach, und nie sah man hier so viele Menschen als damals. Beim Thalboten Kropf in Giblen wurden dann verschiedene Spiele und Künste gezeigt, um die Fremden zu ergötzen.“ Die angänglichen Fahrten in ein entferntes Dorf fanden in den damals gebräuchlichen Rennschlitten statt. Oft nahmen zehn bis zwölf AUSSERFERNER SEIT 1922 NACHRICHTEN Maschine mit fünf beweglichen Figuren. Von Pferden gezogenes Schiff. RS-Repros: Linser Schlitten mit Maskierten daran teil. Falger beschreibt die Szenerie: „Auf den beiden Schlittensohlen war eine lange Kist, die „Renntruhe“, befestigt. Vorne am Schlitten war etwa ein Kopf oder Drachen. Die Weibspersonen saßen nach einer Seite, die Männer quer an der Renntruhe. Ueberhaupt ein kalter Sitz, alles offen und frei, das Ross hatte am Halse das lärmende Geröll mit vielen Rollern. In Steeg wurde dann gewöhnlich beim „Löwen“, der jetzigen „Post“, getafelt und gezecht, worauf die Rückfahrt beim spärlichen Schimmer der Gestirne angetreten wurde.“ Dass die Geistlichkeit in dem losen Fasnachtstreiben oft einen heimlichen oder offenen Sittenverfall vermutete, ist naheliegend, aber nicht immer zutreffend. Es gab sicherlich Vorstellungen, die den heiligen Zorn der Geistlichkeit erregten. Auch Falger, der zuweilen griesgrämige Chronist, verstand sich auf manchen Seitenhieb, um die „alten Zöpfe“ abzuschneiden. Als weltläufiger Mann, der auch das Stadtleben in München gut kannte, brachte er wohl manche neue Idee und Anschauung der mit der französischen Revolution verbundenen Aufklärung ins abgeschiedene Lechtal. Es gab aber auch Zeiten, wo selbst der örtliche Priester gerne die Masken sah. Ein solcher Seelsorger war 15./16. Februar 2017

SEIT 1922 RUNDSCHAU SEIT 1922 Johann Anton Falger (1791-1876). Lichtschachtabdeckung nach Maß Rufen Sie uns an: 05263/6377 www.flitec.at der Südtiroler Josef Leimgruber, der von 1817 bis 1821 als Frühmesser und dann bis zu seinem Tod im Dezember 1833 Pfarrer in Elbigenalp war. „Wie sehr er diesen Vergnügen zugethan war, beweist wohl dei Thatsache, dass er selbst gestattete, aus der Kirche Stoffe zu den Kleidern zu nehmen! Unter ihm fanden denn auch die meisten Maskenzüge statt. Die späteren Aufführungen kamen jedoch größtentheils unter dem heftigen Widerspruch der geistlichen Obrigkeit zustande.“ Die Vorbereitung zu einer Fasnachtsaufführung war auch einmal ins Pfarrhaus gedrungen. Das damalige Oberhaupt der Pfarre hielt es nun für seine Pflicht, nach dem Gottesdienst „gegen die Uebelthäter die Hölle und ihre Schrecken loszulassen“. Seine Schwester wusste von der Sinnlosigkeit der Strafpredigt und meinte zu ihm: „Mach den Lech aufwärts rinnen, wenn’s kannst!“ Über den Verfall des Mummenschwanzes in Eligenalp lässt sich Falger in bitteren Worten vernehmen: „Auch das unschuldige Vergnügen gönnt man uns am Ende nicht, der Mensch soll kein Reutte Vergnügen haben. BEMERKENSWERT: Prospekte und Beilagen in dieser RUNDSCHAU • SPORTCENTER REUTTE, Reutte Stiftungen, dass andere gut leben können, nimmt man an, aber selbst soll man nichts an Vergnügen haben. – Man lässt den jungen Leuten auch kein Vergnügen, die Nachkommenden werden schläfrige Leute, ohne Freud und Leben; wie Salz und Speise nothwendig ist, ebenso nothwendig bedarf der Mensch Vergnügen. Die Pflanzen müssen auch Licht haben, um gedeihen zu könne. – Wer kann gerne in Tirol sein? Ich nicht, und werde nie gerne da sein, beschränkt wurde man hier von allen Seiten, keine Freude gönnt man uns, alles nur still und schläfrig soll leben. Selbst als Maske zu gehen wurde nicht gern gesehen. Da es noch bessere Zeiten waren, vergönnt man uns munter zu sein; o wäre ich wieder in Weimar oder im glücklichen Amerika!“ Mögen die „culturhistorisch interessanten Facta“ eine baldige Auferstehung erleben! Mit zitternder Hand schrieb Falger in hohem Alter auf eine lithographische Darstellung eines Maskenumzuges: „Das waren noch fröhliche Zeiten im Lechthal!“. Quellen: Falgerchronik, J. B. Moll (Vortrag am 23. Jänner 1893), Tinkhauser/Rapp, 1891. Tierheim Reutte Funker ist ein sechs Jahre alter Kurzhaar Collie Mix. Der Rüde ist sehr verschmust, anhänglich und ruhig im Umgang. Er tobt sehr gerne mit seinem Ball im Schnee herum und genießt jeden Spaziergang. Die Nähe der Menschen ist Funker sehr wichtig und man hat das Gefühl, er möchte jedem gefallen. Artgenossen sind für den Schönen kein Problem, solange sie nicht allzu aufdringlich sind. Mit Katzen hat er noch wenig Erfahrung gemacht. Er reagiert manchmal etwas ängstlich auf zu schnelle Bewegungen oder zu laute Geräusche. Daher wünscht er sich ein ruhigeres Zuhause mit älteren Kindern, die schon etwas Hundeerfahrung haben. Funker freut sich auf Interessenten und Besucher. Er wartet im Tierheim Reutte. Tel. 0664- 4556789. ZUBAU abgeschlossen! Ihr Partner am Bau 15./16. Februar 2017 Der verschmuste und anhängliche Funker wünscht sich ein neues Zuhause. Foto: Tierheim Reutte AUSSERFERNER NACHRICHTEN A-6671 Weißenbach, Sommer 5, Tel. 05678/20145, Fax. 05678/20137 www.luni.at info@luni.at Seite 19