Sonderausgabe 125 Jahre Brauerei Aying · Februar 2003 - Ayinger

ayinger

Sonderausgabe 125 Jahre Brauerei Aying · Februar 2003 - Ayinger

Sonderausgabe 125 Jahre Brauerei Aying · Februar 2003

’sBräuhaus ’sBräuhaus

125 Jahre Bierkultur

"Von uns das erste Bier ausgeschenkt, sehr gut und alles

voll Leut. Michl und Müller von Höhenkirchen solche Räusch,

dass sie zehnmal umgeworfen."

(Tagebucheintrag von Johann Liebhard am 02. Februar 1878)


Liebe Freunde des Hauses,

liebe Leserinnen, liebe Leser,

es gibt Tage, da denkt man auch als Unternehmer

eher zurück als an die Zukunft. In diesen Wochen

ist das der Fall. Und dabei empfinde ich Dankbarkeit

gegenüber all denen, die über die vielen Jahre

und Jahrzehnte mitgeholfen haben, unser Unternehmen

aufzubauen. Schau ich mir die alten Fotografien

an, sehe ich Mitarbeiter, die ich zum Teil persönlich

nie gekannt habe. Und doch fühle ich mich

ihnen genauso verbunden wie unserer heutigen

Belegschaft, mit der ich täglich zu tun habe. Ich entsinne

mich vieler Kunden und Lieferanten unserer

Brauerei, die über die Jahre hinweg zu echten

Freunden wurden. Und in den vergilbten Bildern

sehen mich die Gesichter meiner Vorfahren an, und

ich denke an Einsatz, Engagement, Erfolge und an

den Willen zur Selbstständigkeit, sowie an die Liebe

zur Heimat über alle Generationen hinweg.

Es ist ein Blick zurück nach vorne, auf die Wurzeln

des Unternehmens, ohne die ein Wachsen nie möglich

gewesen wäre und niemals sein könnte. Auf die

Wurzeln, die gerade in der heutigen Zeit einen entscheidenden

Halt geben. In einem Markt, in dem

Gigantomanie und eine auf kurzfristigen Profit ausgelegte

Geschäftspolitik so viele Werte hinwegfegen,

die einen langfristigen Erfolg erst ermöglichen.

Diese tiefe Verankerung in dem was wir Heimat

nennen ist der Nährboden unseres Unternehmens,

der Marke "Ayinger", auf dem sie gedeiht, blüht und

Ertrag bringt zum Wohle aller - im Betrieb, in der

Gemeinde, in der ganzen Region.

Das Produkt Bier hat hierzulande eine weit tiefere

Bedeutung als in so manch anderen Ländern und

Gegenden. Es ist das gesellschaftliche "Bindemittel"

einer Kultur, in der Werte wie Geselligkeit, Nachbarschaft,

Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Heimatverbundenheit

eine große Rolle spielen.

So manifestiert sich denn auch die Marke "Ayinger"

in einer entsprechenden "Welt", die in unserem

schönen Dorf und der umgebenden Landschaft erlebund

spürbar wird. Unser Heimatmuseum, der uralte

Sixthof, Liebhards Bräustüberl, der Brauereigasthof,

die benachbarte alte Kegelbahn und die ehemalige

Brauerei, die Biergärten - sie stehen stellvertretend

für diese Welt der Bierkultur. Sie zeigen die Qualität

von Tradition im besten Sinne. Gleichwie sie sich

wiederum in Ayinger Bieren widerspiegelt.

Dieses alles zu bewahren und zu pflegen ist mein

größtes Anliegen. Damit das auch die nächsten 125

Jahre gelingt, darf man sich bei aller Tradition dem

Fortschritt nicht verschließen. Die neue Brauerei ist

gebaut für eine Zukunft, in der es sich lohnt, in Harmonie

mit den alten bewährten Werten zu leben. Sie

ist der Brückenschlag zu den Herausforderungen

unserer Zeit: die Bewahrung unserer Umwelt, der

sozialen Sicherheit, des gesellschaftlichen Konsens.

Und schließlich ist sie gebaut für Produkte, deren

Qualität Bestand hat und die die Werte unserer

125jährigen Geschichte auch in den nächsten Jahrzehnten

repräsentieren.

In diesem Sinne - wohl bekomm's!

PS.: Ganz herzlich möchte ich mich an dieser Stelle bei meiner Tante Annie Zehentmair, Dieter Appel,

Dr. Ursula und Dr. Dieter Staimmer sowie meinem Sohn Franzi bedanken, die einen erheblichen Beitrag zum

Zusammentragen der Firmengeschichte geleistet haben.


Maibaum 1903

125 Jahre Brauerei Aying

Eine Generationen- und (Bier)Kulturgeschichte aus Bayern

Die Gründungs-Ära

– Johann (1845 bis 1910) und

Maria Liebhard

Im Jahr 1876 übernahm der

Gründervater der Brauerei Aying,

Johann Liebhard, von seinen

Eltern das land- und forstwirtschaftliche

Anwesen "Zum Pfleger"

mit Tavernwirtschaft und Metzgerei,

das schon seit ca. 1810 im

Besitz der Familie war. Seine Frau

Maria, eine Posthalterstochter aus

Markt Schwaben war, wie übrigens

alle Frauen aus den Bräugenerationen,

bei der Bewirtschaftung die

wichtigste Stütze.

Johann Liebhard würde man heute

einen visionären Unternehmer

nennen.

In der wirtschaftlichen Hochstimmung

in den 70er Jahren des

19. Jahrhunderts, nach dem Sieg

Deutschlands über Frankreich,

reifte in ihm der Entschluß, eine

eigene Brauerei zu gründen. Dazu

gab es sicher mehrerlei Gründe:

Die Größe des Liebhardschen Anwesens

mit der dazugehörigen Tavernwirtschaft

und Landwirtschaft

mit vielen Mitarbeitern und auch

die Nachfrage von umliegenden

Wirten. Und sicher auch das Vorbild

seines Nachbars Anton Schuster, der

Johann Liebhard, Gründer der Brauerei

im Sixthof 1873 eine Brauerei

gründete. Dies war in dieser Zeit

nicht so außergewöhnlich, so gab es

allein in Bayern um 1880 etwa 6000

Brauereien. Heute sind davon noch

rund 650 in Betrieb.

1877 begann Johann Liebhard mit

dem Bau seiner Brauerei, was eine

erhebliche Investition darstellte:

Rein baulich mussten Räume für

ein Sudhaus, Gär- und Lagerkeller

und eine Mälzerei geschaffen

werden. Sämtliche Einrichtungsgegenstände

mussten per Bahn

antransportiert und dann mit Pferd

und Wagen von Sauerlach, dem

Das Liebhardsche Anwesen „Zum Pfleger“ mit Gastwirtschaft um 1890


Das Liebhardsche Anwesen mit dem dazugehörigen neu erbauten Brauereigebäude 1896

nächstgelegenen Bahnhof, angefahren

werden. Nachdem Johann

Liebhard selbst kein Brauer war,

stellte er als ersten Braumeister

Johann Radler ein. Damals konnte

man nur im Winter, von Michaeli

(29. September) bis Georgi

(23. April), wegen der natürlichen

Kälte Bier brauen.

Am 2. Februar 1878 war es endlich

soweit: Johann Liebhard schreibt in

sein Tagebuch: "Heute erstes Bier

ausgeschenkt ...."

Schon in den ersten Jahren hatte er

auch Wirtshäuser als Kunden: Der

Sojerwirt in Egmating (Familie

Stürzer), der Wirt in Aschbach

(Familie Lechner), Wirtshäuser in

Pframmern, Grubmühle, Faistenhaar,

Sauerlach, Markt Schwaben

und Forstinning. Auch seine Schwester

Barbara Steyrer, die Wirtin in

Keferloh war, bezog von ihrem

Bruder das Bier, und das war nicht

wenig, wenn der stark besuchte

Viehmarkt in Keferloh stattfand.

Es war für Johann Liebhard

bestimmt von Bedeutung, dass

Anton Schuster, sein Nachbar

vom Sixthof, 1890 jung gestorben

ist, und dessen 18jähriger Sohn

das Anwesen nicht halten konnte.

1895 wurde der Sixthof

zertrümmert und Johann Liebhard

konnte am 30. 10. 1897 die

Familienfoto mit Belegschaft um 1898: In der Mitte Johann Liebhard mit seiner Frau Maria, umrahmt von den Töchtern Anna, Maria

und Ulla. Vorne links sitzt der erste Braumeister Johann Radler, neben den Eltern des Brauereigründers: Ursula und Peter Liebhard.


Der Sixthof, seit 1978 das Ayinger Heimatmuseum

Hofstelle von Mathias Braun

kaufen. Das machte ihn zum

alleinigen Bräu von Aying.

Neben dem laufenden Betrieb der

Land-, Forst- und Gastwirtschaft

und der neuen Brauerei hat Johann

Liebhard immer an weitere Entwicklungsmöglichkeiten

gedacht.

Es war die Zeit des technischen

Fortschritts.

August Zehentmair

Johann Liebhard hatte keine männlichen

Erben. Am 3. Mai 1904 heiratete

seine älteste Tochter und Erbin

Maria den Landwirts- und Ziegeleibesitzerssohn

aus Perlach August

Zehentmair. Bald nach der Eheschließung

übergab Johann Liebhard

den Besitz in Aying an seine Tochter

und seinen Schwiegersohn, die den

Der damalige Ayinger Bürgermeister

Michael Kometer und

Johann Liebhard waren es, die das

Projekt einer Lokalbahn vorantrieben.

Die Gemeinde Peiß

übernahm 1898 eine entsprechende

Zahlung an die Stadt München,

um das Projekt nicht zu gefährden.

Der Einsatz lohnte sich. Die Freude

war groß, als am 2. März 1900 um

1.12 Uhr die Postadjunktin Maria

Betrieb engagiert weiterführten.

Schon 1910 verstarb der Gründer

der Brauerei.

Mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges

begannen schwere Zeiten

für die Familie. August Zehentmair

musste für 4 Jahre in den Krieg

ziehen. Seine Frau war mit den

kleinen Töchtern Maria, Kreszentia

und Annie ganz auf sich gestellt und

führte dabei umsichtig den Betrieb

durch diese Zeit. Den bayrischen

Brauereien wurde 1916 bis 17 nur

noch 35% des üblichen Malzkontingents

zugewiesen. In den danach

folgenden zwei Jahren wurde es

sogar auf nur noch 15% reduziert.

Deshalb wurde auch in Aying nur

mehr Dünnbier mit 1,5- 2 %

Stammwürze gebraut.

Nach Ende des Kriegs 1918 kehrte

August Zehentmair wieder heim.

Die folgenden Jahre der Wirtschaftskrise

waren hart. Große

Liebhard, spätere Frau Zehentmair,

die Depesche entgegennehmen

konnte: "unsere Bahn ist genehmigt".

Am 28. Mai 1904 wurde die erste

Probefahrt durchgeführt. Die

Fahrkarte von Aying nach

München kostet 43 Pfennig.

Auch dem technischen Fortschritt

in der Kommunikation war

Johann Liebhard aufgeschlossen:

Am 12. Juni 1904 wurde der erste

private Telefonanschluß über die

Telegraphenanstalt in Aying in

seinem Hause eingerichtet.

Viehmarkt auf dem Dorfplatz in Aying

Durch schwere Kriegszeiten und Wirtschaftskrisen

– August (1880 bis 1936) und Maria Zehentmair

Absatzschwierigkeiten aufgrund

der schlechten finanziellen Lage

der Bauern, den wichtigsten

Abnehmern der Brauerei, waren

ein schwerer Schlag für den Bräu.

Überdies brannte 1921 auch noch

das Jacklhaus, ein Wirtschaftsgebäude,

das zum Hof der Liebhards

gehörte, bis auf die Grundmauern

nieder.

Die Brauerei Liebhard mit neuem

Kühlschiff 1928


Peter Vorleitner mit Ayinger Bierlaster Ende der 30er Jahre

Die Flaschenabfüllerei 1938: Braumeister Xaver Döbl bei der Füllmengenkontrolle,

rechts daneben Biersieder Alois Altweck

August Zehentmair vor dem damals üblichen Transportmittel: einer Schleipfe (Wagen mit

Kufen) voller hölzerner Biertragerl

August und Maria Zehentmair

errichteten an diesem Platz den

1923 fertiggestellten Brauereigasthof

Aying, für den sie tief in die Kasse

greifen mussten. Die galoppierende

Inflation zwang den Bräu einen

Kredit aufzunehmen, den er mit

Grund und Boden absichern

konnte, dessen Rückzahlung ihn

aber durch sinkende Bodenpreise

und zunehmenden Geldwert in

weitere Schwierigkeiten brachte.

Nachdem Zehentmair alle Reserven

mobilisiert hatte, konnte die

Restschuld getilgt werden.

Nach all den vielen Rückschlägen

ging es wieder bergauf. Der technische

Fortschritt wurde konsequent

auch für die Brauerei genutzt. 1911,

16 Jahre nach dem letzten Haberfeldtreiben,

war Aying an den

elektrischen Strom angeschlossen

worden, was die Voraussetzung für

die Technisierung darstellte. Bis

Mitte der 20er Jahre war nur Fassbier

zum Ausschank gekommen.

Danach jedoch wurde zunehmend

Flaschenbier verlangt, so dass 1926

eine Flaschenwasch- und Füllanlage

angeschafft wurde. Der Gärkeller

musste erweitert werden und ein

neues Kühlschiff, mit dem dafür

typischen Gebäude, wurde im Jahre

1928 errichtet. Durch die Stillegung

der Schloßbrauerei Egmating vergrößerte

sich der Kundenkreis und

der Ausstoß konnte beträchtlich

gesteigert werden.

1927 wurde der erste Lastwagen,

Fabrikat Hansa-Lloyd, gekauft.

Damit war es endlich möglich, das

Bier auch über weite Strecken zu

befördern, ohne daß es an Qualität

verlor. Die Pferdefuhrwerke gehörten

der Vergangenheit an. Nun

konnte die Bierlieferung in die Landeshauptstadt

München beginnen.

Allein die Hälfte der Gesamtproduktion

von 10000 hl im Jahre

1929 wurde in München verkauft!

Der erste Wirt in München war der

Bayrische Hiasl der Familie Tröber,


die auch heute noch gute Kunden

der Brauerei Aying sind.

Doch das Wachstum der Brauerei

wurde durch die Nationalsozialisten

1933 eingeschränkt. Mittelständischen

Brauereien wurde

verboten über einen gewissen

Ausstoß hinauszuwachsen und

nur noch ganz bestimmte Gebiete

durften beliefert werden.

Ganz unverhofft verstarb August

Zehentmair am 5. März 1936 im

56. Lebensjahr. Ebenfalls ohne

männlichen Erben, traten seine

älteste Tochter Maria Kreszenz und

ihr Mann Franz Inselkammer aus

Siegertsbrunn die Nachfolge an.

Franz Inselkammer stammte aus

dem stattlichen Anwesen "Zum

Zehetmair" gleich neben der Kirche

in Siegertsbrunn, zu dem eine

Landwirtschaft, Gastwirtschaft und

ein Sägewerk, auch 1878 gegründet,

gehörten. Die Familie saß schon

annähernd 300 Jahre auf diesem

Hof. Am 5. September 1932 heiratete

Franz Inselkammer die älteste

Tochter vom Bräu Maria Kreszenz.

Vorerst wohnten sie in Siegertsbrunn.

Nach dem plötzlichen Tod

von August Zehentmair trug seine

Witwe ihrem Schwiegersohn die

Leitung der Brauerei und der

ganzen Ökonomie in Aying an.

Er überlegte nicht lange und die

Familie zog bald nach Aying um.

Dies war eine glückliche

Entscheidung. Tatkräftig ging Franz

Inselkammer ans Werk. Unterstützt

wurde er dabei von seiner Schwägerin

Annie Zehentmair, die in

seiner 50 jährigen Unternehmertätigkeit

in Aying seine engste und

vertrauensvolle Mitarbeiterin war.

In den schwierigen Kriegs- und

Nachkriegszeiten sank der Ausstoß

Unser erster Bierverleger in München: Herr Seeliger

Eine Epoche der Wirtschaftsblüte

– Franz (1902 bis 1986) und

Maria Kreszenz Inselkammer

bis 1951 auf 13000 hl. Mit dem

allgemeinen wirtschaftlichen

Aufschwung und dem Einsatz von

Franz Inselkammer ging es schnell

wieder aufwärts. So stiegen die

Ausstoßzahlen fünf Jahre später

bereits auf 27000 hl und 1963 lag

man schon bei 76000 hl. Das lag

auch daran, dass er in den 50er

Franz Inselkammer senior

LKW-Parade vor dem Brauereigasthof anlässlich einer Fahrzeugweihe 1963


Jahren die Produktion von alkoholfreien

Getränken aufgenommen

hat. Auch der Bräu der 3. Genera-

tion war ein sehr fähiger Unternehmer.

So hat er neben vielen anderen

1953 die Chance wahrgenommen

1932 wird die Aussteuer von Maria Inselkammer auf dem Kuchlwagen nach

Siegertsbrunn gebracht

Maria Kreszenz Inselkammer vor dem Bild ihres Gatten

Die drei Söhne von Franz und Maria Inselkammer:

Franz, August und Peter (von links) in jungen Jahren

und die berühmte Volkssängerbühne,

das "Platzl" in München

gegenüber dem Hofbräuhaus gekauft.

Natürlich wird seitdem dort

das Ayinger Bier ausgeschenkt. Aber

viel wichtiger ist es, dass damit der

Markenbegriff in München eingeführt

war, an prominentester Stelle.

Er erreichte damit eine Sonderstellung

unter den Landbrauereien.

Auch in der Brauerei wurde gewaltig

investiert: Im neu erbauten Sudhaus

installierte der Vater des heutigen

Bräu 1957 das weltweit erste

Hydroautomatik-Sudwerk der Firma

Steinecker. In dem alten Stall wurde

eine neue Mälzerei eingerichtet,

Gär- und Lagerkeller, sowie Füllereimaschinen

wurden erneuert.

Auch der 40 Jahre lang verpachtete

Brauereigasthof in Aying brauchte

eine Runderneuerung. So setzten

Franz und Maria Kreszenz ein mutiges

neues Konzept um: Mitten auf

dem Land bauten sie ihren Brauereigasthof

zu einem feinen Restaurant

mit Hotel aus. Maria Kreszenz

übernahm selbst die Leitung. Ihr

zur Seite stand ein fähiger elsässer

Gourmetkoch. Sie errungen spektakulären

Erfolg: Das Gästebuch

liest sich wie ein Almanach quer

durch die High-Society aus Politik,

Kultur und Wirtschaft. Bis zu ihrem

Tod 2001, sechs Wochen nach

ihrem 90. Geburtstag, kümmerte

sich Maria Kreszenz herzlich um

ihre Gäste. Viele Auszeichnungen

in den namhaften Restaurantführern

hat der Brauereigasthof errungen

und zählt heute zu den 500 besten

Restaurants der Bundesrepublik.

Dazu hat er eine gewichtige, positive

Ausstrahlung für die Brauerei.

Anfang der 70er Jahre wurde durch den

Ausbau der Brauereischänke, heute

Liebhard`s Bräustüberl, eine weitere

Attraktion in Aying geschaffen.

Besonders stolz waren Franz und

Maria Kreszenz auf ihre 3 Söhne.

1963 trat der älteste Sohn Franz

nach einer fundierten Ausbildung


als Dipl. Braumeister in Weihenstephan

und Dipl. Kaufmann in das

elterlichen Unternehmen ein. Er

war eine wichtige Stütze seines

Vaters. Die Brauerei wuchs ständig

weiter. 1970 wurden verschiedene

Anlagen der Brauerei zu klein und

man beschloß, eine neue moderne

Abfüllanlage mit Filtration und

Versand am Ortsrand zu bauen. 1972

wurde sie in Betrieb genommen und

hatte eine Stundenleistung von

30000 Flaschen. Mit einem Ausstoß

von 160000hl erlebte die Brauerei

1978 einen Rekord in der Firmengeschichte

und stieg auf Rang 50 unter

den knapp 1000 Brauereien Bayerns

auf. Die gute Ausstoßentwicklung

wurde auch gefördert durch den Zukauf

zweier Brauereien: dem Höllbräu

in Traunstein und dem X. Münchbräu

in Feldkirchen bei München.

Franz Inselkammer war Unternehmer

durch und durch. Daß man

wirtschaftlich auf mehreren Beinen

stehen musste, war einer seiner

ehernen Grundsätze. Deshalb engagierte

er sich schon in frühesten

Jahren in der Holzwirtschaft und auf

dem Immobiliensektor. Investitionen,

die sich rentierten und seinen

drei Söhnen Franz, August und Peter

zugute kamen. Älter geworden, ver-

Nach zwei Generationen ohne

männliche Erben konnte wieder

den Söhnen das Unternehmen

übergeben werden. Es war

selbstverständlich, daß der älteste

Sohn Franz in die Fußstapfen des

Vaters in Aying getreten ist.

Franz Inselkammer jun. war maßgeblich

an allen Aktivitäten im

weiteren Ausbau der Brauerei beteiligt.

Von Anfang an legt Franz

Inselkammer größten Wert auf die

Qualität seiner Biere. Er lebt die

von ihm zum zentralen Begriff

teilte er seinen Besitz gerecht an sie,

so daß jeder für ein bestimmtes

Ressort verantwortlich ist. Gemäß

der Tradition kümmert sich Franz,

der älteste Sohn, fortan um die

Brauerei, Sohn Peter ist Herr über

das Münchner Platzl mit dem zugehörigen

Hotel und Gustl kaufte die

bekannte Firma Isartaler Holzhaus.

Bei aller Selbstständigkeit in der

Führung der 3 Unternehmen durch

die 3 Söhne, repräsentieren sie eine

wirtschaftliche Einheit.

Im Platzl und bei Isartaler Holzhaus

beginnt bereits die nächste Generation

zu wirken: Nach erfolgreichem

Abschluß des betriebswirtschaftlichen

Studiums sind Peter jun. und

August jun. schon in die Firmenleitung

eingetreten.

In seiner 60-jährigen Unternehmertätigkeit

verfocht Franz Inselkammer

stets die Meinung, dass der Mittelstand

ein zentraler Bestandteil einer

freiheitlichen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung

sei, von dem aus

zahlreiche Impulse zum Wohle aller

ausgehen müssen. Er zählte zu den

Brauer-Persönlichkeiten, die die

Nachkriegsgeschichte des Braugewerbes

bestimmt haben.

Regionalität als Nische im Wettbewerb der

Großbrauereien – Franz und Angela Inselkammer

gewordene Bierkultur. Und mit ihm

die ganze Brauerei-Belegschaft.

Nahezu ununterbrochen werden

seit Jahren seine Bierspezialitäten

mit höchsten Auszeichnungen

bedacht, wovon sicherlich die

anerkanntesten die Goldmedaillen

der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft

(DLG) sind.

"Die Erhaltung unserer Selbstständigkeit

ist unser oberstes

Ziel. Ums Überleben geht es

vor allem im mittelständischen

Braugewerbe."

Aying 1958

In den 60er Jahren sollte der

Großflughafen in den Hofoldinger

Forst gebaut werden. Franz

Inselkammer machte seinen ganzen

Einfluß geltend, um dies zu verhindern,

und war maßgeblich an der

Gründung der Schutzgemeinschaft

Hofoldinger Forst beteiligt.

Vom Ministerpräsident Franz Josef

Strauß wurde Franz Inselkammer

für seine Lebensleistung mit dem

Bayrischen Verdienstorden ausgezeichnet.

Das sagte Franz Inselkammer

bereits vor vielen Jahren, als die

Übermacht der Großbrauereien

und internationalen Braukonzerne

noch lange nicht so dominant war

wie heute.

Doch diese Übermacht, gespeist

mit vielen Werbemillionen, bietet

auch eine entscheidende Marktlücke,

die Franz Inselkammer

gezielt besetzt. Mit einer ebenso

einfachen, wie klugen Schlussfolgerung:

Bier ist ein bodenständiges,

ein traditionelles Produkt.


Otto Ebner (2.v.r.) und seine Blaskapelle begrüßen zusammen mit den Ayinger

Vereinen die S-Bahn 1972

Besonders in Bayern.

Heimatverbundenheit, Regionalität,

Ehrlichkeit, Handwerksorientierung

sind nur einige Begriffe,

die hierzulande mit der Braukunst

in Verbindung gebracht werden.

Großkonzerne genießen naturgemäß

in diesem Zusammenhang

weit weniger Glaubwürdigkeit

als kleine oder mittelständische

Privatbrauereien.

Aying, ein noch heiles Dorf im

Münchner Südosten, verkörpert

im besten Sinne die Werte einer

unverfälschten, traditionellen

Bierkultur. Diese Welt rund um

das bayerische Nationalgetränk ist

gegenwärtig. Jeder, der einmal in

Aying gewesen ist, kann das nachvollziehen.

Konsequent erhob Franz

Inselkammer solche markanten

Charakteristika zu Markenwerten,

die Marke Ayinger in bester

Produktqualität repräsentiert.

Die Verwirklichung neuer Ideen

und die Anwendung modernster

Der Trachtenverein Goldbergler aus Helfendorf überbringt im März 1983 Angela und

Franz Inselkammer zur Geburt ihres Sohnes Franzi nach altem Brauch einen 8 Meter

langen Weisatzopf.

Technik unter Beibehaltung der

traditionellen Werte - dafür steht

der Bräu Franz Inselkammer. Zum

100 jährigen Jubiläum der Brauerei

präsentiert er den Bauernhof

"Der Sixthof" als Heimathaus der

Öffentlichkeit, um die Wurzeln

unserer Vorfahren lebendig zu

halten. Ein alter Getreidekasten

aus Peiß, der dem Straßenbau im

Wege stand, wird restauriert und

im Garten des Brauereigasthofs

aufgestellt. Eine Bierwanderkarte

wird erstellt, um möglichst vielen

Menschen die schöne Natur und

die guten Wirtshäuser rund um

Aying zu erschließen. Die Brauereischänke

wird liebevoll zu Liebhard’s

Bräustüberl um- und ausgebaut und

nach dem Brauereigründer benannt.

Immer ist Franz Inselkammer aufgeschlossen

für Kooperationen mit

anderen mittelständischen Brauereien

zur gegenseitigen Stärkung.

Mit 14 mittelständischen Privatbrauereien

hat er eine Einkaufsgemeinschaft

gegründet. Auch unter

diesem Aspekt übernahm 1991 die

Brauerei Aying die Abfüllung für

die Brauerei Reutberg und andere

befreundete Brauereien in der

Region. In England gibt es sogar

eine Brauerei, die Ayinger sehr

erfolgreich in Lizenz braut.

Auf der Suche nach einer eigenständigen

Wasserversorgung, dem

wichtigsten Element zur Bierherstellung,

initiierte der Bräu

Probebohrungen in der Nähe

der Brauerei. Heute sprudelt aus

Die drei Kinder von Franz und Angela

Inselkammer: Barbara, Franz und Ursula


Die 1999 neu eröffnete Brauerei Aying

176 Meter Tiefe das kostbare Gut in

bester Mineralwasserqualität. Dieser

Tiefbrunnen ist die einzige Quelle

dieser Art im ganzen Münchner

Umland. Seit 1999 wird das Wasser

nicht nur zum Brauen genutzt,

sondern eigens in Flaschen abgefüllt

und unter der Marke PrimAqua in

den Handel gebracht.

Wer als mittelständische Brauerei

mit den Großbrauereien mithalten

will, muss konkurrenzfähig bleiben.

Kreativität, Qualität, Regionalität

und Innovation - in nichts werden

diese Aspekte deutlicher als in der

1999 fertiggestellten neuen Brauerei,

mit der Franz Inselkammer seine

Ideale verwirklichte. Am 15.Oktober

1999 wurde von Ministerpräsident

Dr. Edmund Stoiber diese

Brauerei der Zukunft eröffnet. Sie

ist ein Musterbeispiel wie Modernität

und Tradition eine wegweisende

Verbindung eingehen können.

Mit seinem ganzheitlichen Konzept

der Regionalität hat Franz

Inselkammer eine wirkungsvolle

Antwort auf die wachsende Undurchschaubarkeit

der deutschen

Brauereilandschaft und deren

Produkt Bier gefunden. Die Frage,

wie regional die Brauerei Aying

tatsächlich ist, wurde 2oo2 sogar

wissenschaftlich von der Universität

Augsburg untersucht. Das

Ergebnis dieser bundesweit ersten

Regionalbilanz über die ökologi-

sche, ökonomische und soziokulturelle

Vernetzung eines mittelständischen

Unternehmens mit seiner

Region wurde mit einem so genannten

Nachhaltigkeitsfaktor von

170 von 200 Punkten bewertet.

Franz Inselkammer setzt sich unermüdlich

für die Belange des Mittelstands

ein, für den Erhalt der Umwelt

und für seine Heimat mit ihren

kulturellen Werten. 36 Jahre war er

im Ayinger Gemeinderat; er war

Präsident des Bayr. Brauerbundes,

heute Ehrenpräsident, und hat in

vielen weiteren Institutionen und

Verbänden wichtige Funktionen.

Am 16. Juli 2002 erhielt der Bräu

für seine Leistungen und sein

Engagement in der Gesellschaft

durch den bayerischen Ministerpräsidenten

Dr. Edmund Stoiber

den Bayerischen Verdienstorden.

Wie bereits erwähnt, spielten auch

immer die Frauen des jeweiligen

Bräus von Aying eine wichtige Rolle.

So auch Angela Ruf, Tochter einer

Unternehmerfamilie aus Höhenkirchen,

die Franz Inselkammer 1977

heiratete. Schon seit etlichen Jahren

führt sie den Brauereigasthof und das

Hotel und leitete die grundlegende

Renovierung des Hauses im Jahr

2002. So erstrahlt dieses Schmuckstück

bayrischer Bier- und Speisekultur

mit seinen 34 liebevoll

ausgestatteten Hotelzimmern heute

Der Brauereigasthof nach seinem Umbau 2002

prächtiger denn je. Feinschmecker

und Freunde gehobener bayrischer

Gastronomie aus aller Welt fühlen

sich hier wohl.

Die Weiterführung ihres Werkes ist

für Franz und Angela Inselkammer

gesichert. Der künftige Bräu von

Aying, Franz Inselkammer jun.,

hat nach erfolgreich beendetem

Gymnasium in der Klosterbrauerei

Andechs eine Brauer- und Mälzerlehre

begonnen, der noch ein Studium

der Betriebswirtschaft folgen

wird. Tochter Ursula absolviert

nach dem Abitur eine Lehre zur

Hotelfachfrau und wird beruflich

wahrscheinlich in die Fußstapfen

ihrer Mutter treten. Die älteste

Tochter Barbara, verheiratet mit

Hans Roth, bescherte ihren Eltern

drei prächtige Enkelkinder.

Für die Fortsetzung dieser Generationen-

und Bierkulturgeschichte

aus Bayern ist also gesorgt.

Angela und Franz Inselkammer


Willkommen zum

Brau-Erlebnis!

Lernen Sie die Geheimnisse der

Braukunst kennen und verkosten

Sie feinste Bier-Spezialitäten!

Jedes Jahr unterstreichen wertvolle

nationale und internationale

Auszeichnungen den hohen

Anspruch der Brauerei

Aying, echte Bierkultur

zu pflegen. Bei einer eindrucksvollen

Brauerei-

Führung machen wir Sie

gerne mit dem Brauprozess

für unsere vielgepriesenen Bierspezialitäten

vertraut. Und zwar in

einer der fortschrittlichsten und

engagiertesten

Privatbrauereien

Bayerns.

Dabei können

Sie die einzelnenProduktionsschritte

von den Rohstoffen

bis hin

zum Endprodukt

verfolgen.

Die abschlies-

sende Verkostung unserer Stammsorten

wird jeden Bierkenner und

Genießer endgültig von der einzigartigen

Qualität unserer Spezialitäten

überzeugen.

Nähere Informationen über

Gruppen- und Einzelführungen,

über Preise und Termine erfahren

Sie unter Telefon 08095 - 8890.

Wir freuen uns

auf Ihr Kommen!

Brauerei Aying Franz Inselkammer, 85653 Aying, Tel. 0 80 95 / 8 80, Fax 0 80 95 / 88 50 · www.ayinger-bier.de

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine