Heimat - Der Schwarzwald von A bis Z
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V, DNE, TG<br />
<strong>Der</strong> <strong>Schwarzwald</strong> <strong>von</strong> A <strong>bis</strong> Z<br />
Eine Anzeigen-Sonderveröffentlichung<br />
des SÜDKURIER vom 17.02.2017
2 <strong>Heimat</strong> HEIMAT <strong>von</strong> VON A <strong>bis</strong> BIS Z<br />
SÜDKURIER FREITAG, 17. NR. FEBRUAR 40 | SWM 2017<br />
EDITORIAL<br />
Liebe Leserinnen und Leser<br />
Es ist einige Jahre her, dass das Goethe-Institut<br />
nach dem schönsten<br />
deutschen Wort gesucht hat. Gewonnen<br />
hat das Wort „Habseligkeiten“.<br />
Unter den schönsten Wörtern wurde<br />
ein anderes aber auffällig oft vorgeschlagen:<br />
<strong>Heimat</strong>. Ein Wort, das es wie<br />
Heimweh nur im Deutschen gibt.<br />
<strong>Heimat</strong> war über lange Jahre ein angestaubter<br />
Begriff, er galt als gestrig,<br />
überholt, kleinbürgerlich. Er passte<br />
nicht in die neue Zeit, in der alles zunehmend<br />
gleich nah und gleich fern<br />
zu sein schien. Wurzeln schienen hinderlich.<br />
Flexibilität, Dynamik, Mobilität,<br />
das war der Begriff <strong>von</strong> Modernität.<br />
Überall klebte ein Verfallsdatum<br />
drauf: auf dem Wohnort, dem Arbeitsplatz,<br />
der Beziehung. In Zeiten der<br />
Globalisierung ist alles möglich, nichts<br />
muss.<br />
Und plötzlich war die Sehnsucht<br />
nach der <strong>Heimat</strong> wieder da, nach einem<br />
kleinen, heilen und überschaubaren<br />
Mikrokosmos in einer immer komplexer<br />
werdenden Welt. Nach örtlich<br />
erzeugten Lebensmitteln, nach regionalen<br />
Krimis oder dem Dialekt. <strong>Der</strong><br />
Schriftsteller Theodor Fontane hatte<br />
das im 19. Jahrhundert kommen sehen.<br />
„Erst die Fremde lehrt uns, was<br />
wir an der <strong>Heimat</strong> besitzen.“<br />
Doch was ist <strong>Heimat</strong> eigentlich? Ist<br />
es ein Gefühl, ein nostalgisches vielleicht?<br />
Oder sind es die prägenden<br />
Orte der Kindheit, die der persönlichen<br />
Entwicklung, wo man jede Straße,<br />
jeden Weg kennt und kein Navigationssystem<br />
braucht, Familie und<br />
Freunde hat, man die Menschen auf<br />
der Straße mit Namen grüßt oder gegrüßt<br />
wird, im Chor singt, im Verein<br />
Fußball spielt oder im Gemeinderat<br />
sitzt, die regionale Tageszeitung liest<br />
und wo man nicht nur wohnt und arbeitet,<br />
sondern lebt und sich zu Hause<br />
fühlt.<br />
Das alles ist <strong>Heimat</strong>. Sie hat so viele<br />
Gesichter wie das Leben. <strong>Heimat</strong> begegnet<br />
uns ständig, in den Vereinen<br />
genauso wie in der Kultur und in der<br />
Wirtschaft. Und wie bunt sie hier zwischen<br />
<strong>Schwarzwald</strong>, Hochrhein und<br />
Bodensee tickt, das haben unsere Redakteure<br />
und Reporter in dieser Beilage<br />
aufgeschrieben – <strong>von</strong> A <strong>bis</strong> Z.<br />
Ich wünsche Ihnen bei diesem<br />
Streifzug durch Ihre <strong>Heimat</strong> viel<br />
Freude.<br />
Torsten Geiling<br />
SÜDKURIER NR. 40 | SWM<br />
FREITAG, 17. FEBRUAR 2017<br />
IMPRESSUM<br />
Verlag und Herausgeber:<br />
SÜDKURIER Medienhaus GmbH<br />
Max-Stromeyer-Straße 178<br />
78467 Konstanz<br />
www.suedkurier.de<br />
Anzeigen<br />
Michael Schmierer<br />
Redaktion:<br />
Roland Burger, Michael Schnurr, Melanie<br />
Völk, Gudrun Trautmann, Jörg-Peter Rau,<br />
Claudia Wagner, Roland Wallisch<br />
Produktmanagement:<br />
Maria-Therese Friedrich<br />
Layout:<br />
Ute Schönlein, Jessica Steller,<br />
Alexander Bernhardt<br />
Titelbild:<br />
Gyula Gyukli, fotolia<br />
Gestaltung: Vicky Hermann<br />
6 Manuael Doser aus Brigachtal hat mit dem Rad die halbe Welt<br />
erkundet. Er hatte viel zu Erzählen.<br />
7 Nicht nur der Feldberg lockt. Die Touristiker<br />
haben sich zusammengeschlossen. .<br />
11 Ein kultureller Höhepunkt ist das<br />
Narrenmuseum in Bad Dürrheim.<br />
Druck:<br />
Druckerei Konstanz GmbH<br />
www.druckerei-konstanz.de<br />
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SÜDKURIER NR. 40 | | SWM<br />
<strong>Heimat</strong> HEIMAT VON A BIS Z<br />
FREITAG, 17.<br />
SÜDKURIER NR. FEBRUAR<br />
FREITAG, 17. FEBRUAR 40 | SWM <strong>von</strong> 2017<br />
2017 A <strong>bis</strong> Z 3<br />
<strong>Heimat</strong> <strong>von</strong> A <strong>bis</strong> Z 3<br />
Awie Ausblick<br />
VON DEN SCHWARZWALD-<br />
REDAKTIONEN<br />
Vom Stadtjubiläum <strong>bis</strong> zur Gesundheitswoche<br />
Ein kleiner Ausschnitt<br />
aus dem Jahreskalender<br />
der Festereignisse im<br />
<strong>Schwarzwald</strong><br />
In Villingen-Schwenningen wird dieses<br />
Jahr die urkundliche Ersterwähnung<br />
<strong>von</strong> Schwenningen, Tannheim und<br />
Villingen vor 1200 Jahren gefeiert. Zusammen<br />
mit vielen Bürgern tragen an<br />
die 30 Vereine die Hauptlast der über<br />
60 Veranstaltungen. Viele Vereine und<br />
Bürger ließen sich mobilisieren, berichtete<br />
Kulturamtsleiter Andreas Dobmeier.<br />
Einer der Höhepunkte ist die lange<br />
Tafel am 16. Juli. Dann verbinden 600<br />
Tische die beiden großen Stadtbezirke.<br />
Tannheim musste ausgeklammert<br />
werden, weil es nicht machbar gewesen<br />
sei, den kleinen Ortsteil auch noch<br />
anzubinden. Allerdings richtet Tannheim<br />
am 1. April den Festakt aus. In<br />
der Ausstellung „Wie tickt Villingen-<br />
Schwenningen“ ab 24. Juni ist sogar<br />
eine Abschrift der Urkunde aus dem<br />
neunten Jahrhundert aus dem Kloster<br />
St. Gallen zu sehen. Am Wochenende<br />
21. <strong>bis</strong> 23. Juli findet das Landestreffen<br />
der Bürgerwehren mit einem Großen<br />
Zapfenstreich statt und das Historische<br />
Grenadiercorps bietet Kanonendonner<br />
über Villingen.<br />
Erstmals in derselben Urkunde erwähnt<br />
ist der Donaueschinger Stadtteil<br />
Pfohren. Dieser feiert dieses Ereignis<br />
Im Juni gibt es wieder ein Stadtfest in Donaueschingen.<br />
BILD: JÜRGEN MÜLLER<br />
Das Grenadiercorps bietet im Jubiläumsjahr der mittlerweile recht großen <strong>Schwarzwald</strong>stadt<br />
Kanonendonner über Villingen. BILD: VEREIN<br />
unter anderem vom 30. Juni <strong>bis</strong> 2. Juli<br />
mit einem mittelalterlichen Fest rund<br />
um die über 500 Jahre alte Entenburg<br />
und einem Bühnenprogramm. Mit der<br />
Erwähnung in der <strong>von</strong> Kaiser Ludwig<br />
am 4. Juni 817 verfassten Urkunde, ist<br />
Pfohren ersturkundlich älter als Donaueschingen,<br />
das 1989 sein 1100-Jähriges<br />
gefeiert hatte.<br />
In Donaueschingen gibt es am 24. und<br />
25. Juni nach der Premiere des Donauquell-Festes<br />
zu deren Wiedereröffnung<br />
im vergangenen Jahr eine Neuauflage<br />
im Residenzbereich.<br />
Ein besonderes kommunalpolitisches<br />
Ereignis findet im Herbst in<br />
Bräunlingen statt. Nach über 30 Dienstjahren<br />
geht Jürgen Guse in den Ruhestand<br />
und die Bräunlinger erhalten<br />
durch ihre Wahl einen neuen Bürgermeister.<br />
Zur Spielstraße wird Hüfingen wieder<br />
am 21. Mai. An den <strong>Heimat</strong>tagen 2012<br />
im Städtedreieck gehörte dieses Spielwochenende<br />
in Hüfingen und Bräunlingen<br />
zu den beliebtesten Veranstaltungen,<br />
weshalb dieser Spielspaß<br />
zurecht in Serie ging.<br />
Gleich drei Dorfjubiläen werden<br />
dieses Jahr in der Raumschaft Blumberg<br />
gefeiert. In Hondingen wird<br />
die urkundliche Ersterwähnung vor<br />
1200 Jahren gefeiert. <strong>Der</strong> Festakt ist<br />
am 1. April im Hondinger Gemeinschafthaus.<br />
Passend dazu erstellt ein<br />
Arbeitskreis eine Ausstellung zur Geschichte<br />
des Dorfes, durch das Goethe<br />
auf dem Weg in die Schweiz gekommen<br />
sein könnte, wie ein ehemaliger<br />
Rektor recherchiert hat. Am 24. und<br />
25. Juni ist dann das Hondinger Dorffest<br />
zum Jubiläum. 850 Jahre wird das<br />
Grenzdorf Nordhalden dieses Jahr.<br />
Zum Festakt am 13. Mai liefert der<br />
Blumberger <strong>Heimat</strong>forscher Dietrich<br />
Reimer eine Fortschreibung der 1982<br />
erschienenen Ortschronik <strong>von</strong> Gottfried<br />
Sauter. Am 1. und 2. Juli steigt in<br />
Nordhalden das zweitägige Dorffest<br />
zum Jubiläum. Vor 700 Jahren wurde<br />
Kommingen auf dem Randen das erste<br />
Mal urkundlich erwähnt, doch der<br />
Ort ist wahrscheinlich schon 2000 Jahre<br />
alt. Die Komminger sind fleißig und<br />
bescheiden, offiziell gefeiert wird das<br />
Jubiläum am 29. Juli. Daran schließt<br />
sich am 30. und 31. Juli das Sommerfest<br />
des Musikverein Kommingen an.<br />
Zum sechsten Mal präsentieren der<br />
Kameramann und Journalist Rainer<br />
Jörger und das SÜDKURIER-Medienhaus<br />
in St. Georgen am 18. und 19.<br />
März die Bergstadtgeschichten. Rainer<br />
Jörger sucht eine Königin, er hat es<br />
mit einer echten Saubande zu tun und<br />
er wirft einen Blick hinter die Kulissen<br />
der Produktion <strong>von</strong> aufwändigen Werbeclips.<br />
Eine St. Georgener Sängerin<br />
wird portraitiert und ein demnächst in<br />
den Ruhestand wechselnder Musiker<br />
wird aus seinem musikalischen Leben<br />
berichten. Auch werden sich wieder<br />
<strong>Der</strong> Mediziner Johannes Probst hat die St.<br />
Georgener Gesundheitswoche ins Leben gerufen.<br />
Im April findet die Woche der Gesundheit<br />
zum 25. Mal statt. BILD: ROLAND SPRICH<br />
Grundschüler auf die Jagd nach kuriosen<br />
Nachrichten machen.<br />
1992 hat der Mediziner Johannes<br />
Probst die St. Georgener Gesundheitswoche<br />
ins Leben gerufen. Ziel war damals<br />
wie heute, die St. Georgener zu<br />
den gesundesten Bürgern im Land zu<br />
machen. In diesem Jahr findet die einwöchige<br />
Veranstaltungsreihe Anfang<br />
April bereits zum 25. Mal statt. Laut<br />
Initiator Johannes Probst ist dies ein<br />
landesweit einmaliges Jubiläum, das<br />
bei der Eröffnungsveranstaltung gebührend<br />
gefeiert werden wird. Bei den<br />
Vorträgen <strong>von</strong> Medizinern und Therapeuten<br />
soll Wissen vermittelt, Hemmungen<br />
ab- und Vertrauen aufgebaut<br />
werden. Und nicht zuletzt sollen die<br />
Besucher zu einem gesünderen Lebensstil<br />
animiert werden.<br />
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– 2017 würde ich es werden.“<br />
Melanie Wintermantel (Krankenschwester aus Villingen)<br />
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44 <strong>Heimat</strong> HEIMAT <strong>von</strong> VON A <strong>bis</strong> BIS Z<br />
SÜDKURIER FREITAG, 17. NR. FEBRUAR 40 | SWM 2017<br />
Bwie Bücher<br />
Eva-Maria Bast gibt mit<br />
„Women’s History“ ein<br />
Geschichtsmagazin für<br />
Frauen heraus<br />
Was der <strong>Schwarzwald</strong> Frauen verdankt<br />
SÜDKURIER NR. 40 | SWM<br />
FREITAG, 17. FEBRUAR 2017<br />
VON JULIA RIESS<br />
Bücher sind Eva-Maria Basts große<br />
Leidenschaft. In Bücherregal stehen<br />
inzwischen nicht nur tausende Exemplare<br />
anderer Autoren, sondern auch<br />
38 selbst verfasste Bücher, vornehmlich<br />
mit historischem Schwerpunkt.<br />
Im Dezember hat sich die erste Ausgabe<br />
des neuen Magazins Women’s History<br />
dazu gesellt. Damit habe sie sich<br />
den Traum erfüllt, ein eigenes Magazin<br />
auf den Markt zu bringen.<br />
Mit Women’s History will der Bast<br />
Medien Verlag aus Überlingen am Bodensee<br />
eine Marktlücke in Deutschland,<br />
Österreich und in der Schweiz<br />
füllen. Women’s History ist das erste<br />
deutschsprachige Geschichtsmagazin<br />
über Frauen. Und es hat noch eine<br />
Besonderheit, erklärt Eva-Maria Bast:<br />
„Das Lokale finden wir auch bei einer<br />
solchen Zeitschrift wichtig. Darum<br />
wird es zu jeder Ausgabe ein <strong>Schwarzwald</strong>-Booklet<br />
mit regionalen Frauengeschichten<br />
geben.“<br />
Die Autorin Eva-Maria Bast will die Geschichte<br />
<strong>von</strong> Frauenpersönlichkeiten bekannt<br />
machen.<br />
Eine ganze Serie: Die Geheimnisse der <strong>Heimat</strong>, die zunächst im Süden gesucht und gefunden<br />
wurden, werden mittlerweile deutschlandweit aufgespürt.<br />
Das Grundkonzept ist dasselbe, das<br />
auch für die erfolgreichen Buchreihen<br />
aus dem Hause Bast – die „Geheimnisse<br />
der <strong>Heimat</strong>“ (die auch aus Villingen-Schwenningen,<br />
Donaueschingen<br />
und als Kindergeheimnisse für den<br />
<strong>Schwarzwald</strong> vorliegen) und die „Kalenderblätter“<br />
– gilt: Geschichtswissen<br />
entstauben und in kleinen Häppchen<br />
an den Leser weitergeben. Women’s<br />
History widmet sich allen interessanten<br />
Frauen der Geschichte, erklärt<br />
Bast: Mütter, Herrscherinnen, Heilerinnen,<br />
Karrierefrauen, arm und reich,<br />
aus aller Welt. Neben Frauenporträts<br />
in den Ressorts „Starke Frauen“,<br />
„Dunkle Frauen“ oder „Fantastische<br />
Frauen“ wird auch stets ein aktuelles<br />
Thema herangezogen und der historische<br />
Hintergrund dazu beleuchtet.<br />
Jede Ausgabe beschäftigt sich mit einem<br />
Schwerpunktthema wie „Sissis<br />
Schwestern“ oder „Historische Hochzeiten“.<br />
Außerdem enthält das 100 Seiten<br />
starke Heft Rezepte, Leben-und-<br />
Wohnen-Themen, Interviews, Mode-,<br />
Schmuck- und Beautythemen. „Natürlich<br />
alles mit historischem Bezug –<br />
und in einer ausgewogenen Mischung<br />
aus wirtschaftlichen, politischen, wissenschaftlichen<br />
und gesellschaftlichen<br />
Themen “, so Bast.<br />
Lokale Persönlichkeiten und Themen<br />
erhalten auch bei Women’s History<br />
besondere Aufmerksamkeit. Dank<br />
der Kooperation mit dem SÜDKU-<br />
RIER ist das Magazin in der Region<br />
mit einem auf das Cover aufgeklebten<br />
<strong>Schwarzwald</strong>-Booklet erhältlich. In<br />
diesem werden lokalhistorische Frauengeschichten<br />
präsentiert. Bast: „<strong>Der</strong><br />
<strong>Schwarzwald</strong> hält viele spannende<br />
Themen bereit. Im Booklet der aktuellen<br />
Ausgabe erfährt der Leser etwa die<br />
Geschichte aus dem Jahr 1770, als die<br />
14-jährige Marie Antoinette auf ihrer<br />
Durchreise den <strong>Schwarzwald</strong> in helle<br />
Aufregung versetzt. Sie ist auf dem<br />
Weg zu ihrem frischvermählten Gatten,<br />
dem französischen Thronfolger<br />
und späteren König Ludwig XVI.“ <strong>Der</strong><br />
SÜDKURIER veröffentlicht parallel lokalhistorische<br />
Inhalte in Form einer<br />
Serie mit dem Titel „Frauen in der Geschichte“.<br />
Bereits erschienen sind Beiträge<br />
über die Todtmooser Lebkuchenweiblein,<br />
die Feldbergmutter Fanny<br />
Mayer und die Villingerin Eva Fleiglin,<br />
die als Hexe verurteilt wurde.<br />
Das nächste Heft<br />
Women’s History erschien erstmals<br />
am 1. Dezember, Heft 2 wird ab dem<br />
2. März im Zeitschriften- und Buchhandel,<br />
bei den Geschäftsstellen des<br />
SÜDKURIER und im Internet unter<br />
www.womens-history.de/abo erhältlich<br />
sein. Jeweils am ersten Donnerstag<br />
der Monate März, Juni, September und<br />
Dezember kommt eine neue Ausgabe in<br />
den Handel.<br />
Cwie Chöre<br />
VON RAINER BOMBARDI<br />
<strong>Der</strong> Gesang steht im Mittelpunkt<br />
Chöre in der Region bereichern<br />
einerseits das kulturelle<br />
Leben, andererseits<br />
erweitern sie auch den<br />
Horizont der Sängerinnen<br />
und Sänger<br />
Wer kennt nicht die entspannende<br />
Wirkung des Singens, sei es unter der<br />
Dusche oder beim Mitsingen eines<br />
Liedes im Auto oder auf einer Wanderung?<br />
Singen steigert das Wohlbefinden,<br />
regt Gehirn, Atmung und den<br />
Kreislauf an und hebt das Glücksgefühl.<br />
Mit Gesang fällt nach einem arbeitsreichen<br />
Tag der Stress ab.<br />
<strong>Der</strong> Präsident im <strong>Schwarzwald</strong>-Baar<br />
Chorverband Wolfgang Denecke ist<br />
überzeugt, dass solche Vorteile mit dafür<br />
sorgen, dass die Zahl der Sängerinnen<br />
und Sänger in den kommenden<br />
Jahren nicht abnimmt. Doch die Landschaft<br />
der Chöre und Gesangsvereine<br />
der Region befindet sich seit einigen<br />
Jahren im Wandel.<br />
Gefragt sind Chöre, die klar definierte<br />
Gesangsprojekte, neuartige Veranstaltungsformen<br />
umsetzen und bereit<br />
sind, für ein gut gemischtes Repertoire<br />
für alle Altersklassen zu sorgen,<br />
welches sie kontinuierlich erweitern.<br />
Kurzum: <strong>Der</strong> Gesang rückt verstärkt<br />
in den Fokus, weshalb es in der Zwischenzeit<br />
wieder vermehrt Kirchenchöre<br />
gibt, die über eine erfreuliche<br />
Mitgliederzahl verfügen.<br />
Auch im <strong>Schwarzwald</strong>-Baar-Kreis<br />
gibt es hierfür jede Menge positiver<br />
Beispiele. Zu ihnen zählen unter vielen<br />
anderen das Villinger Zähringer-Chörle,<br />
der Laetitia Chor aus Furtwangen,<br />
die Stinner-Chöre oder die thematisch<br />
ausgerichteten Villinger Gospelchöre<br />
Get Gospel oder Chorus Mundi.<br />
Viele <strong>von</strong> ihnen sind im Schwarzwal-<br />
Baar Chorverband organisiert, der<br />
Die Beliebtheit gemischter Chöre nimmt zu – hier im Bild singt der Gesangverein Unterbaldingen.<br />
BILDER: RAINER BOMBARDI<br />
aktuell 46 Gesangvereine und Chöre<br />
im gesamten Kreisgebiet zählt. Hinzu<br />
kommen die beiden Schwenninger<br />
Gesangsvereine Liederkranz und<br />
Frohsinn, die historisch bedingt dem<br />
Chorverband <strong>Schwarzwald</strong>-Baar-Heuberg<br />
angehören.<br />
Je kleiner die Gemeinde ist, denen<br />
sie angehören, umso mehr beteiligen<br />
sich die Chöre am Ortsgeschehen. Das<br />
festigt die Gemeinschaft, solange die<br />
Einsatzbereitschaft der Chormitglieder<br />
nicht überstrapaziert wird.<br />
„Wir sind <strong>von</strong> unserem klassischen<br />
Sommerfest zur Sommerserenade auf<br />
den Terrassen des Brändbaches übergegangen.<br />
<strong>Der</strong> Erfolg ist umwerfend<br />
und die Mitglieder haben wesentlich<br />
weniger Arbeit“.<br />
Bernhard Hauser, Vorsitzender des MGV<br />
Bräunlingen<br />
Zur Gewinnung neuer Mitglieder<br />
gehen die Chöre auch neue Wege. Da<br />
sich in den klassisch strukturierten<br />
Vereinen der Altersdurchschnitt oft<br />
laufend erhöht, sind viele dazu übergegangen,<br />
verstärkt die Kinder und Jugendlichen<br />
wieder einzubinden. Das<br />
geschieht erfolgreich in vom Chorverband<br />
geförderten Kooperationen zwischen<br />
Schulen und Vereinen oder mit<br />
Neugründungen <strong>von</strong> Abteilungen.<br />
Zu Letzteren zählt beispielsweise<br />
Just for femmes – der Projektchor ist<br />
innerhalb des Männergesangvereins<br />
(MGV) Sängerkreis Villingen eine eigenständige<br />
Abteilung, und zwar nur<br />
für Frauen. Das Ziel des Ensembles ist<br />
es, aktiv und mit dem gemeinsamen<br />
Spaß am Singen zu unterhalten.<br />
Doch ein zentraler Ansatz ist es,<br />
möglichst früh mit Kinder und Jugendlichen<br />
in Gesangsprojekten in der<br />
Hoffnung zu kooperieren, dass sie sich<br />
nach der Ausbildung an die schönen<br />
Zeiten im Chor erinnern. Kooperationen<br />
mit Schulen sind im Chorverband<br />
<strong>bis</strong>lang die Concordia aus Vöhrenbach,<br />
der Sängerkreis Villingen, der<br />
MGV Blumberg oder der Sängerkreis<br />
Villingen eingegangen. Auch zwei Kinderchöre<br />
aus St. Georgen und Furtwangen<br />
sind Mitglied im Verband.<br />
Nicht alle diese Vorhaben funktionieren<br />
auf Anhieb, doch mit der Bereitschaft<br />
zur Weiterentwicklung ist<br />
ein großer Schritt getan. Im <strong>Schwarzwald</strong>-Baar<br />
Chorverband ist die Zahl<br />
der reinen Männerchöre noch relativ<br />
hoch und beträgt 50 Prozent. Denecke<br />
ist überzeugt, dass sich dieser Anteil<br />
in den kommenden Jahren verstärkt in<br />
Richtung Frauenchöre und gemischte<br />
Chöre entwickelt.<br />
Und wie steht es mit dem Liedgut<br />
Die Zusammenarbeit mit Schulen ist wichtig, um Kinder für den Chorgesang zu begeistern.<br />
<strong>Der</strong> Schulchor der Villinger Bickebergschule kooperiert mit dem Sängerkreis Villingen.<br />
„Die Mitwirkung in Projektchören<br />
und Chorvereinigungen ist im Aufwind.<br />
Die Mischung zwischen Vereinsleben<br />
und Gesang muss passen.“<br />
Wolfgang Denecke, Präsident im <strong>Schwarzwald</strong>-Baar<br />
Chorverband<br />
– muss das Repertoire nicht <strong>bis</strong>weilen<br />
etwas entstaubt werden, um Chöre<br />
attraktiver zu machen für junge Sägerinnen<br />
und Sänger? „Englisch ist nicht<br />
gleich modern“, sagt Denecke und<br />
räumt so mit der Mär auf, dass fremdsprachig<br />
gesungene Lieder mit einer<br />
Modernisierung gleichzusetzen sind.<br />
Die Wahl der Stücke muss auch bei jenen,<br />
die sich weiterentwickeln möchten,<br />
auf den Chor zugeschnitten sein.<br />
Denecke nennt den MGV aus Sunthausen,<br />
der den Alpenrock für sich<br />
entdeckte, oder die gut strukturierten<br />
Chöre innerhalb des MGV Leipferdingen,<br />
deren Mut zur Erneuerung reüssierte.<br />
Doch auch im Verband ist ein Trend<br />
zu kleineren Chören und Ensembles<br />
erkennbar, bei denen der Gesang im<br />
Mittelpunkt steht. „Wir stehen mitten<br />
im Wandel, packen wir die Herausforderungen<br />
an“, sagt Denecke.<br />
Präsident Wolfgang Denecke vom <strong>Schwarzwald</strong>-Baar<br />
Chorverband.<br />
<strong>Der</strong> Chorverband<br />
<strong>Der</strong> <strong>Schwarzwald</strong>-Baar Chorverband<br />
umfasst knapp 50 Mitgliedschöre zwischen<br />
Tennenbronn und Leipferdingen<br />
sowie zwischen Ippingen und Furtwangen<br />
– und damit auch <strong>von</strong> außerhalb<br />
des <strong>Schwarzwald</strong>-Baar-Kreises. Die<br />
beiden Schwenninger Chöre gehören<br />
dem Chorverband <strong>Schwarzwald</strong>-Baar-<br />
Heuberg an. Hinzu kommen diverse<br />
t Projekt- und Kirchenchöre, die sich<br />
steigender Beliebtheit erfreuen. Die<br />
Mitgliedschöre im Verband sind rundum<br />
versichert und die Gema-Gebühren<br />
sind für alle ihre Konzerte mit einem<br />
geringen Beitrag abgedeckt. (bom)
SÜDKURIER NR. 40 | | SWM<br />
<strong>Heimat</strong> HEIMAT VON A BIS Z<br />
FREITAG, 17.<br />
SÜDKURIER NR. FEBRUAR<br />
FREITAG, 17. FEBRUAR 40 | SWM <strong>von</strong> 2017<br />
2017 A <strong>bis</strong> Z 5<br />
<strong>Heimat</strong> <strong>von</strong> A <strong>bis</strong> Z 5<br />
Dwie Do-it-yourself<br />
VON TOBIAS LANGE<br />
Ein Schrauber vor dem Herrn<br />
Schmiedemeister Georg<br />
Mink aus Dauchingen ist<br />
ein Restaurator <strong>von</strong> alten<br />
Fahrzeugen<br />
Für Georg Mink, Spitzname Panzerschorsch,<br />
aus Dauchingen ist das einfache<br />
Austauschen <strong>von</strong> Fahrzeugteilen<br />
ein Unding. <strong>Der</strong> Schlosser- und<br />
Schmiedemeister legt noch selbst<br />
Hand an und repariert und restauriert<br />
in seiner Freizeit alte Autos, Traktoren,<br />
Motorräder und andere Fahrzeuge.<br />
Seine Devise: „Selber machen. Dann<br />
weiß ich, was gemacht wurde.“<br />
Wann genau er mit seiner Bastelei<br />
an alten Maschinen angefangen<br />
hat, das weiß der Dauchinger heute<br />
nicht mehr. „Das Hobby betreibe ich<br />
seit vor 1980“, erinnert er sich aber. Er<br />
schweißte damals die Kabine eines<br />
Heinkel Kabinenrollers, als ihm der<br />
Gedanke kam, dass er auch ein solches<br />
Gefährt haben wolle. Was er dann am<br />
Ende bekam war ein in seine Einzelteile<br />
zerlegter Roller, ein Puzzle, bei dem<br />
auch noch Teile fehlten. Doch statt<br />
sich darüber aufzuregen, nahm Georg<br />
Mink die Herausforderung an und die<br />
Bastelleidenschaft war geweckt.<br />
Bei seinem Hobby kommt Georg<br />
E<br />
wie<br />
Königsfeld ist Vorreiter<br />
beim Klimaschutz an<br />
kommunalen Gebäuden<br />
VON CHRISTINA NACK<br />
Energie<br />
Georg Mink repariert in seiner Freizeit Fahrzeuge. Dabei nimmt der Schlosser- und Schmiedemeister<br />
auch mal einen Motor auseinander. BILDER: TOBIAS LANGE<br />
Mink auch sein Beruf zugute. Es gibt<br />
viele Ersatzteile, die man heute nicht<br />
mehr bekommen würde, erklärt er. In<br />
solchen Fällen stellt er die Teile selbst<br />
her und baut sie zusammen. Das ist<br />
aber auch der Punkt, der sein Hobby<br />
zum Hobby macht. „Manche Sachen<br />
zu richten, würde sich im alltäglichen<br />
Leben nicht mehr lohnen.“ Zu hoch<br />
wären Personal- und Materialkosten.<br />
Eine besondere Beziehung hat Georg<br />
Mink, dessen Vater eine Landwirtschaft<br />
betrieb, zu Traktoren. Sein<br />
älterster ist ein Dampftraktor Baujahr<br />
1917. „Den muss man noch heizen.<br />
Das ist ganz was Seltenes.“ Aber<br />
Sie war für Königsfeld schon ein zentrales<br />
Thema, als der Begriff noch nicht<br />
in Mode war und Baden-Württemberg<br />
noch eine schwarze Regierung hatte.<br />
Unter Grün-Rot erhielt das Bemühen<br />
um Ressourcen schonendes Wirtschaften<br />
eine neue Gewichtung auch<br />
in der Förderpolitik; der Gemeinde boten<br />
und bieten sich immer wieder willkommene<br />
Gelegenheiten zu weiterer<br />
ökologischer Profilierung. So wurde<br />
Königsfeld <strong>von</strong> der Landesregierung<br />
als Modellgemeinde für Kommunale<br />
Nachhaltigkeits-Berichterstattung eingeladen.<br />
Das Mitwirken in einem Pool<br />
<strong>von</strong> rund 25 Gemeinden mit <strong>bis</strong> zu<br />
15 000 Einwohnern kostete Königsfeld<br />
einen Beitrag <strong>von</strong> nur 700 Euro.<br />
Ziel war ein gemeinsamer Leitfaden<br />
für eine nachhaltige Entwicklung.<br />
Während solche Positionspapiere für<br />
größere Städte schon seit längerem<br />
existieren, fehlten für kleinere Kommunen<br />
Grundlagendaten. Das Modellprojekt<br />
wurde <strong>von</strong> der Hochschule<br />
auch ein Schützenpanzer, dem er auch<br />
seinen Spitznamen „Panzerschorsch“<br />
verdankt, gehört zu seinen Schätzen.<br />
Außerdem befinden sich Bagger und<br />
Raupen, ein Steinbrecher, eine fahrende<br />
Holzsäge, mehrere PKW und Motorräder<br />
und ein „kompletter Feuerwehrlöschzug“<br />
inklusive Drehleiter<br />
in seiner Sammlung. Je ausgefallener,<br />
desto besser.<br />
Sein persönliches Lieblingsstück<br />
ist aber ein LG 315 Laster <strong>von</strong> Mercedes,<br />
den er zu einem Cabrio umgebaut<br />
hat. Mehr als ein Jahr hat er abends<br />
und am Wochenende an diesem Fahrzeug<br />
gearbeitet. Als er den Laster in<br />
Damit hat alles angefangen: <strong>Der</strong> Heinkel Kabinenroller, Baujahr 1958, ist das erste Fahrzeug,<br />
das Georg Mink restauriert hat.<br />
der Nähe <strong>von</strong> Frankfurt abholte, seien<br />
Dach, Sitze und Tank kaputt gewesen,<br />
erinnert sich Georg Mink. Die ganze<br />
Fahrt über habe er deshalb einen Benzinkanister<br />
neben sich halten müssen.<br />
„Auf dem Parkplatz haben die Leute<br />
schon komisch geguckt“, sagt er.<br />
Bei seinen Fahrzeugen geht es dem<br />
Dauchinger nicht unbedingt darum,<br />
Schönheitspreise zu gewinnen. „Die<br />
Fahrzeuge müssen laufen“, sagt er.<br />
Dabei schreckt er auch nicht vor vermeintlichen<br />
Schrotthaufen zurück.<br />
Einen solchen wieder zum Laufen zu<br />
bringen, „das ist auch Selbstbestätigung“,<br />
meint der Bastler.<br />
Eine energetische Vorbild-Gemeinde<br />
allem Lob für die Energieeffizienz sah<br />
die Studie Verbesserungspotenzial in<br />
der demographischen Ausrichtung<br />
– insbesondere der Kernort drohe zu<br />
überaltern.<br />
Von 2008 <strong>bis</strong> 2011 nahm Königsfeld<br />
am Bio-Diversitäts-Check teil, um<br />
die Öko-Bilanz insbesondere in sensiblen<br />
Feucht- und Waldgebieten zu<br />
verbessern. 2005 machte Königsfeld<br />
beim Wettbewerb EnergieSparKommune<br />
mit. Weil sie seit 1998 regelmäßig<br />
Energieberichte erarbeitet und sich<br />
um den Abbau <strong>von</strong> Defiziten bemüht,<br />
wurde die Gemeinde bundesweit mit<br />
dem dritten Platz ausgezeichnet.<br />
Die Solar-Gemeinde will den eigenen<br />
Strombedarf nur aus regenerativen<br />
Energiequellen bestreiten, die<br />
aber sollen möglichst regional und<br />
günstig sein. Darum bedient sie sich<br />
des Services einer Dienstleistungsgesellschaft,<br />
die der baden-württembergische<br />
Gemeindetag ins Leben rief. Sie<br />
berücksichtigt bei ihrer Suche nach<br />
Zur Person<br />
Georg Mink wurde 1962 in Dauchingen<br />
geboren und ist <strong>von</strong> beruf Schlosser-<br />
und Schmiedemeister. Mit seinen<br />
Fahrzeugen ist er auf Ausstellungen,<br />
zum Beispiel bei der Südwestmesse,<br />
zu sehen. Außerdem hatte er und einer<br />
seiner Traktoren einen Auftritt in dem<br />
Film Ende der Schonzeit <strong>von</strong> 2013. Auf<br />
seinem Youtube-Kanal Panzermink<br />
ist sein Schützenpanzer in Aktion zu<br />
sehen. (tol)<br />
günstigem Öko-Strom nicht nur Großkonzerne,<br />
sondern explizit auch kleinere,<br />
regionale Anbieter. Dies tut sie<br />
im Auftrag mehrerer Kommunen, die<br />
den Strom im Verbund einkaufen, so<br />
dass die einzelne Gemeinde vom Mengenrabatt<br />
profitiert.<br />
Die Umstellung der Straßenbeleuchtung<br />
war 2011 ein großer Wurf<br />
in Sachen Energie-Effizienz. Mit einem<br />
bundesweiten Programm wurde<br />
in den Ortsteilen der Austausch<br />
<strong>von</strong> Energie fressenden Koffer- und<br />
Pilzleuchten durch moderne Halogen-Metalldampflampen<br />
gefördert.<br />
Außerdem hatte sich Königsfeld als<br />
federführende Gemeinde zusammen<br />
mit den Nachbarkommunen Villingen-Schwenningen,<br />
St. Georgen und<br />
Mönchweiler erfolgreich um den Bundeswettbewerb<br />
Kommunen in neuem<br />
Licht beworben, an dem sich 140<br />
Städte und Gemeinden beteiligt hatten.<br />
Nur zehn <strong>von</strong> ihnen wurden berücksichtigt,<br />
darunter München, Erfurt,<br />
Freiburg, Trier – und eben auch<br />
das interkommunale <strong>Schwarzwald</strong>-<br />
Quartett. Zusammen erhielt es zwei<br />
Millionen Euro für die Umstellung<br />
herkömmlicher Lichtsysteme auf moderne<br />
LED-Technologie (Light Emitting<br />
Diode); Königsfeld freute sich<br />
riesig über eine hundertprozentige<br />
Förderung <strong>von</strong> 800 000 Euro. Durch<br />
die beiden Projekte konnte die Gemeinde<br />
den Stromverbrauch <strong>von</strong> 75<br />
Prozent ihrer Straßenbeleuchtung auf<br />
etwa die Hälfte reduzieren.<br />
Als Solarkommune und Naturwaldgemeinde<br />
nutzt Königsfeld auch die<br />
Windenergie. Sie kam 2015 in Gestalt<br />
eines 180 Meter hohen Windrads auf<br />
Buchenberger Gemarkung nach zähem<br />
Anlauf in Schwung.<br />
Das Projekt lag lange auf Eis respektive<br />
in ministeriellen Schubladen,<br />
denn die Landesregierung hatte den<br />
Bau eines weiteren Windrads auf dem<br />
Brogen erst nach zehnjähriger Planungszeit<br />
genehmigt.<br />
Eine Delegation aus<br />
Königsfeld wird im<br />
vergangenen Jahr im<br />
Kloster Maulbronn<br />
<strong>von</strong> Umweltminister<br />
Franz Untersteller<br />
(Mitte) ausgezeichnet.<br />
BILD: PATRICK<br />
GANTER<br />
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Elektro-CarSharing in Königsfeld<br />
Elektro-CarSharing in Königsfeld<br />
Elektro-CarSharing in Königsfeld<br />
Das Freibad wird schon seit Jahrzehnten<br />
mit Sonnenenergie beheizt, Königsfeld<br />
ist Vorreiter ebenso bei den<br />
aktuellsten Technologien, die Klimaschutz<br />
und Energieersparnis verbinden.<br />
Auch mit der energetischen<br />
Sanierung der kommunalen Gebäude<br />
geht die Gemeinde mit gutem Beispiel<br />
voran. Mit der Anschaffung eines<br />
Elektroautos will sie ebenfalls motivierendes<br />
Vorbild für ihre Einwohner<br />
sein. Im Februar 2016 wurde die zertifzierte<br />
Solarkommune und Naturwaldgemeinde<br />
zudem mit dem European<br />
Energy Award geadelt, ein hochkarätiges<br />
Qualitätssiegel für nachhaltigen<br />
Klimaschutz und Energieeffizienz.<br />
Die erste öffentliche Solaranlage<br />
entstand 1999 auf dem Dach der Königsfelder<br />
Grund- und Hauptschule.<br />
Um den finanziellen Kraftakt stemmen<br />
zu können, hatten Gemeinde,<br />
Schule, Bürgerinnen und Bürger gemeinsam<br />
in die Solarstrom AG investiert.<br />
Für dieses gemeinschaftliche Pionierprojekt<br />
zeichnete die Deutsche<br />
Umwelthilfe Königsfeld als bundesweit<br />
erste Solarkommune aus.<br />
Nürtingen begleitet. Konkretes Ergebnis<br />
für die eigene Gemeinde war 2014<br />
ein 65seitiger Nachhaltigkeitsbericht,<br />
in der ihr insbesondere in energiepolitischer<br />
Hinsicht ein hervorragendes<br />
Zeugnis ausgestellt wurde. Für einen<br />
Zeitraum <strong>von</strong> zehn Jahren wurden 24<br />
Indikatoren untersucht. Bürgermeister<br />
Fritz Link betont in seinem Vorwort<br />
zur Expertise, dass der Gedanke der<br />
Nachhaltigkeit alle Felder kommunalen<br />
Handelns inklusive der Generationengerechtigkeit<br />
durchdringe. Bei<br />
Energiespar-, Energiespar-, Klimaschutz- Klimaschutz- und und<br />
Energiespar-, Solarkommune Solarkommune<br />
Klimaschutz- und<br />
Solarkommune
66 <strong>Heimat</strong> HEIMAT <strong>von</strong> VON A <strong>bis</strong> BIS Z<br />
SÜDKURIER FREITAG, 17. NR. FEBRUAR 40 | SWM 2017<br />
F<br />
wie Fahrrad<br />
Manuel Doser aus<br />
Brigachtal berichtet <strong>von</strong><br />
seiner Reise. Seit<br />
Dezember ist er zurück<br />
VON KLAUS DORER<br />
Mit dem Fahrrad um die halbe Welt<br />
Am Anfang war es schon die pure<br />
Abenteuerlust mit einem normalen<br />
Fahrrad quer durch Europa, <strong>bis</strong> nach<br />
Asien zu reisen, berichtet Manuel Doser.<br />
Am Ende sei es sehr viel mehr gewesen:<br />
„Auf der 16-monatigen Reise<br />
haben wir einerseits tolle Menschen<br />
kennengelernt und viele unbezahlbare<br />
Eindrücke erlebt, andererseits jedoch<br />
auch viele Länder mit bettelarmen<br />
Menschen gesehen. Mit „Wir“ meint<br />
der Überauchener seinen 25-jährigen<br />
Kompagnon Patrick Scholz aus Salem,<br />
den er über Facebook kennengelernt<br />
hatte und der ihn während der 13 500<br />
Kilometer langen Reise begleitete. „Wir<br />
haben uns vor Beginn der Reise ein<br />
paar Mal getroffen und schnell festgestellt,<br />
dass wir ähnliche Wertevorstellungen<br />
haben, dazu sind wir beide Vegetarier“,<br />
so Doser. Mit seinem Kumpel<br />
habe er sich also die ganze Zeit bestens<br />
verstanden.<br />
Am 17. Dezember 2016 ist Doser<br />
nach Deutschland zurückgekehrt und<br />
berichtet nun im SÜDKURIER-Interview<br />
<strong>von</strong> den Erlebnissen. Er sitzt am<br />
Küchentisch im Elternhaus des Brigachtaler<br />
Teilorts Überauchen. Ein wenig<br />
wirkt er wie der kleine Bruder <strong>von</strong><br />
Schauspieler Leonardo DiCaprio. Mit<br />
seinen stahlblauen Augen und seiner<br />
Geschafft – selbst die höchsten Berge waren für den 23-jährigen Manuel Doser aus Überauchen<br />
kein Problem. BILD: PRIVAT<br />
Löwenmähne hätte er gut und gerne<br />
an der Seite des Hollywood-Stars im<br />
Film „The Revenant“ in eiskalten Seen<br />
schwimmen oder durch tiefe Wälder<br />
der Rocky Mountains streifen können.<br />
Talent hätte er jedenfalls. Denn Doser<br />
war früher einmal auf der bekannten<br />
Donaueschinger „Bühne 94“ als<br />
Schauspieler aktiv.<br />
Auch musikalisch hat der 23-Jährige<br />
einiges drauf, das wurde ihm wohl<br />
in die Wiege gelegt, denn Vater Helmut<br />
arbeitet als Musiker. Als Straßenmusiker<br />
verdienten sie sich auf ihrer Reise<br />
dann auch immer wieder ein kleines<br />
Zubrot. „Viele Menschen haben uns<br />
durch ihre Hilfsbereitschaft und Gastfreundlichkeit<br />
überrascht“, berichtet<br />
Doser. Die Menschheit sei also gar<br />
nicht so schlecht, wie allgemein hin<br />
immer behauptet wird. Außer einem<br />
geklauten Tachometer, gab es während<br />
der ganzen Reise keinerlei negative<br />
Vorkommnisse. „Schlimmer waren da<br />
schon die Naturgewalten, wie Starkregen,<br />
Hitze, Kälte oder heftige Gewitter“,<br />
so Doser. Auf diese Weise seien<br />
jedoch immer wieder beeindruckende<br />
Bilder entstanden, die Manuel Doser<br />
und Reise- und Reportagefotograf,<br />
Patrick Scholz sehr zahlreich machten<br />
und ins Internet gestellt haben.<br />
Am Anfang war noch Manuels<br />
Freundin Lorena Menda aus Obereschach<br />
mit dabei. Am 1. August 2015<br />
war das Paar zunächst Richtung Bodensee<br />
aufgebrochen, um dort Reise-<br />
Partner Patrick aufzunehmen. Dann<br />
ging´s Richtung Österreich, als erster<br />
großer Zielpunkt galt Kroatien, berichtet<br />
Doser. „Dort kamen wir nach mehreren<br />
Zwischenstopps, zirka vier Wochen<br />
später an.“ Von Split aus flog die<br />
Freundin zurück. „Das war <strong>von</strong> vorne<br />
herein so geplant“, so Doser.<br />
Als nächstes stand Süd-Osteuropa<br />
auf dem Plan, Albanien, Montenegro<br />
und Griechenland waren die Etappen.<br />
Übernachtet wurde meist im Freien,<br />
sehr oft in einer Hängematte. Gekocht<br />
Manuel Doser kehrte am 17. Dezember zurück<br />
nach Brigachtal. BILD: DORER<br />
SÜDKURIER NR. 40 | SWM<br />
FREITAG, 17. FEBRUAR 2017<br />
Zur Person<br />
Manuel Doser ist ein waschechter Überauchener.<br />
Im Brigachtaler Teilort ist er<br />
zusammen mit zwei älteren Geschwistern<br />
aufgewachsen. <strong>Der</strong> ehemalige<br />
Schüler der Karl-Brachat-Realschule<br />
lies sich nach seiner Schulzeit in einer<br />
Tannheimer Schreinerei zum Schreiner<br />
ausbilden. Später arbeitete er in<br />
seinem Beruf in Friedrichshafen. <strong>Der</strong><br />
23-Jährige macht derzeit eine Fortbildung<br />
zum Energieberater. Neben reisen<br />
nennt der sportbegeisterte junge Mann<br />
klettern, surfen und Fitnessstudio als<br />
Hobbys (kd).<br />
habe man mit einem einfachen Benzinkocher.<br />
Statt sanitärer Anlagen<br />
wurden Flüsse oder Seen genutzt. Bei<br />
schlechterem Wetter suchten sie schon<br />
mal leerstehende Gebäude als Schlafplatz<br />
auf. Für eine ausführlichere Körperpflege<br />
verbrachten sie auch manche<br />
Nächte im Hotel.<br />
Als nächstes ging´s Richtung Griechische<br />
Inseln. Mit einer Fähre setzte<br />
das Duo nach Kreta über. „Dort stand<br />
ich zum ersten Mal auf einem Surfbrett,<br />
das war echt klasse“, berichtet<br />
Doser. Es folgte die Osttürkei. Dann<br />
wurde es langsam Winter. In einem<br />
Klettercamp in der Türkei überwinterten<br />
die beiden. Dort hatten sie dann<br />
Zeit sich der Straßenmusik und dem<br />
Geldverdienen zu widmen. Mit eigener<br />
Musik unterstützte das Duo zudem ein<br />
Sozial-Projekt. „Wir wollten auf jeden<br />
Fall etwas zurückgeben.“ So produzierten<br />
sie mit einem Aufnahmegerät<br />
eigene Lieder und brannten diese auf<br />
CD. Dadurch konnten sie ein Hilfsprojekt<br />
in Afrika mit mehreren Hundert<br />
Euro unterstützen.<br />
Nach dem kurzen Winter ging´s im<br />
Frühjahr 2016 schließlich Richtung<br />
Asien über Georgien, Armenien und<br />
dem Iran. „In Tadschikistan haben wir<br />
dann einen 4655 Meter hohen Berg mit<br />
dem Fahrrad erklommen. Da wurde<br />
die Luft mit der Zeit ganz schön dünn“,<br />
erinnert sich Doser. Über Kirgistan<br />
und Kasachstan erreichten sie schließlich<br />
China Dort war die chinesische<br />
Mauer das Highlight. Insgesamt sei<br />
das Land wegen der Sprachbarrieren<br />
und hoher Kosten aber schwierig gewesen.<br />
Danach war Schluss: „Es klingt<br />
vielleicht ein <strong>bis</strong>schen merkwürdig,<br />
aber mit der Zeit gab es bei mir eine<br />
Art Reizüberflutung, ich hätte mich<br />
für Neues nicht mehr so richtig öffnen<br />
können, so dass ich mich entschlossen<br />
hab, nicht mit Patrick nach Südostasien<br />
weiter zu reisen. Länder wie Thailand<br />
und Indonesien wolle er jedoch<br />
irgendwann einmal nachholen.<br />
Gwie Glaube<br />
VON RENATE BÖKENKAMP<br />
Mit Herz und Sinnen auf Gottes Pfaden<br />
Pfarrer Paul Dieter Auer<br />
aus St. Georgen ist viel<br />
unterwegs. <strong>Der</strong> gebürtige<br />
Freiburger ist Fasnachter<br />
<strong>von</strong> Jugend an<br />
Wenn Paul Dieter Auer nicht gerade<br />
Mitarbeiterbesprechungen abhält<br />
oder mit dem Pfarrgemeinderat diskutiert,<br />
ist er unterwegs. Zusammen<br />
mit Ralf de Vries, Hauswirtschafter,<br />
Diplom-Theologe und rechte Hand<br />
<strong>von</strong> Auer, werden auswärtige Freunde<br />
besucht und auch Stätten der frühen<br />
Christenheit. Dass sie ein beliebtes<br />
Reiseleiter-Team sind, da<strong>von</strong> zeugen<br />
diverse Pilger- und Gemeindereisen<br />
wie zum Beispiel nach Rom, Spanien<br />
oder im Juni vergangenen Jahres nach<br />
Südtschechien. Auer pflegt Kontakte,<br />
kirchliche, weltliche, nennt die Gläubigen<br />
seine Geschwister, auch die anderer<br />
Konfessionen. In diesem Jahr führt<br />
die Gemeindereise nach Israel.<br />
2016 machte er 270 Hausbesuche.<br />
„Die Menschen zu Hause zu besuchen<br />
ist besser als im Pfarrhaus eine<br />
Sprechstunde abzuhalten.“ Mit dem<br />
Auto unterwegs ist Auer zu Messfeiern,<br />
Hochämtern und Versammlungen<br />
auch in Tennenbronn. <strong>Der</strong> Schramberger<br />
Ortsteil vervollständigt seit 2008<br />
die Seelsorgeeinheit St. Georgen-Tennenbronn.<br />
„Das sind zwei ganz unterschiedliche<br />
Kirchengemeinden.“<br />
Diakon Andreas Wolfgarten, Pastoralreferent<br />
Benedikt Müller und die<br />
Pfarrsekretärinnen Monika Lüttecke<br />
und Sonja Herrmann gehören zum<br />
Team.<br />
Vor 17 Jahren kam Paul-Dieter Auer<br />
nach St. Georgen: „Die Stadt hat eine<br />
Den Jahresschlussgottesdienst der Seelsorgeeinheit St. Georgen-Tennenbronn hielt Pfarrer<br />
Paul Dieter Auer in der St. Johann-Baptist-Gemeinde. BILD: RENATE BÖKENKAMP<br />
interessante Kirchengeschichte“. Vom<br />
Benediktiner-Kloster St. Georg (1065<br />
<strong>bis</strong> 1655) ausgehend, war St. Georgen<br />
<strong>bis</strong> ins 19. Jahrhundert evangelisch.<br />
Mit der Industrialisierung, dem Zuzug<br />
<strong>von</strong> auswärtigen Arbeitern, änderte<br />
sich das. 1880 fand der erste katholische<br />
Gottesdienst mit 263 Katholiken<br />
auch aus Peterzell, Brigach und<br />
Stockburg statt. Mit dem Bau der ersten<br />
Kirche 1889/90 und der Erhebung<br />
zur katholischen Pfarrei im Jahre 1907<br />
begann die Gemeindearbeit mit fast<br />
800 Katholiken. Dass der evangelische<br />
Johann-Georg Schultheiß 1870 beim<br />
Erz<strong>bis</strong>chof in Freiburg um die Einrichtung<br />
einer katholischen Pfarrei bat,<br />
kann als frühes Zeichen <strong>von</strong> Ökumene<br />
gedeutet werden. „Die Ökumene<br />
ist wichtig“, sagt Auer. Am 31. Januar<br />
widmeten sich zum Beispiel der evangelische<br />
Pfarrer im Ruhestand, Winfried<br />
Frech, und er der Reformation im<br />
Lutherjahr.<br />
Keine nennenswerten Veränderungen<br />
zeigt die Statistik der vergangenen<br />
vier Jahre der Seelsorgeeinheit. Wie<br />
im gesamten Dekanat <strong>Schwarzwald</strong>-<br />
Baar bleiben Kirchenzugehörigkeit wie<br />
Gottesdienstbesuche stabil. Auch die<br />
Zahl der Kommunikanten bleibt etwa<br />
gleich. Um die 30 Austritte wurden<br />
2013 und 2015 gezählt, 2014 doppelt<br />
so viele, was auf die Missbrauchsfälle<br />
und den Umgang mit ihnen zurückgeführt<br />
werden kann. Dem stehen nur<br />
wenige Wiederaufnahmen entgegen.<br />
<strong>Der</strong> Glaube sei wichtig in der heute gespaltenen<br />
Gesellschaft. „Glaube heißt<br />
Zeugnis geben und auf dem Boden der<br />
christlichen Botschaft bleiben“, um so<br />
auch den rechtspopulistischen Tiraden<br />
entgegen zu treten.<br />
Pfarrer wollte der in Freiburg geborene<br />
Auer schon als 17-Jähriger werden.<br />
Auf das humanistische Gymnasium<br />
gehen, das lehnten die Eltern ab.<br />
Auer schmunzelt: „Das Schulgeld wurde<br />
gerade aufgehoben und ich durfte<br />
auf das Gymnasium“. Seine Studienfächer<br />
waren später unter anderem Geschichte,<br />
Philosophie, Griechisch, Latein,<br />
Archäologie und Theologie.<br />
<strong>Der</strong> Beruf, eher die Berufung prägt<br />
seinen Alltag, schließt die fröhlichen<br />
Seiten des Lebens mit ein. „Ich bin<br />
Die Gemeindereise der Seelsorgeeinheit St. Georgen-Tennenbronn führte 2016 durch<br />
Tschechien. Hier steht die Gruppe vor dem Jan-Hus-Haus in Husinec. BILD: THOMAS SCHÖLLHORN<br />
Leitung und Lenkung<br />
Die Seelsorgeeinheit St. Georgen-Tennenbronn<br />
ist eine <strong>von</strong> elf im Dekanat<br />
<strong>Schwarzwald</strong>-Baar mit 6800 Katholiken.<br />
Zu den Pfarrgemeinden St. Georg in St.<br />
Georgen gehören 4500 Gläubige <strong>von</strong><br />
13 200 Einwohnern und zu St. Johann<br />
Baptist in Tennenbronn 2300 <strong>von</strong> etwa<br />
3700 Einwohnern. Ihr leitender Pfarrer ist<br />
Paul-Dieter Auer, dem zwei Pfarrbüros, ein<br />
Seelsorgeteam und die Pfarrgemeinderäte<br />
zur Seite stehen. Er sieht sich als „Verwaltungsangestellter<br />
mit Predigtauftrag“ und<br />
ist dem Dekanat unterstellt. Die römischkatholische<br />
Kirche in Deutschland ist eine<br />
Gesellschaft des öffentlichen Rechts und<br />
Fasnachter seit frühester Jugend“, gesteht<br />
Auer und mischt Jahr für Jahr<br />
kräftig mit. Ob an der Wieberfasnet<br />
oder bei den Narrenpredigten. Sein<br />
Spott enthält dicke Brocken Wahrheit.<br />
„Das bin ich mir schuldig“, bekräftigt<br />
er seine oft sehr direkte Aussagekraft.<br />
an enge Verwaltungsstruktur gebunden.<br />
Das Dekanat <strong>Schwarzwald</strong>-Baar in Villingen<br />
betreut im Landkreis elf Seelsorgeeinheiten<br />
mit 89 000 Katholiken, 63 Pfarrgemeinden,<br />
13 Pfarrer und Hauptamtliche<br />
ohne Weihe. <strong>Der</strong>zeit amtiert Dekan Josef<br />
Fischer. Das Dekanat ist dem Erz<strong>bis</strong>tum<br />
Freiburg unterstellt, das 26 Dekanate<br />
lenkt und leitet. <strong>Der</strong> Dekan berät im persönlichen<br />
Gespräch mit den leitenden<br />
Pfarrern die jeweiligen Leitbilder und Pastoralkonzeptionen,<br />
die auf den Diözesanen<br />
Leitlinien und den formulierten Standards<br />
für das Erz<strong>bis</strong>tum Freiburg festgelegt sind.<br />
Für St. Georgen-Tennenbronn will Pfarrer<br />
Auer die Gemeindegruppen beider Pfarrgemeinden<br />
so zusammen führen, dass sie<br />
eine Einheit bilden. (boe)<br />
Die Mußestunden verbringt Auer gern<br />
mit Musik <strong>von</strong> Gustav Mahler oder Richard<br />
Wagner. Die Erzdiözese Freiburg<br />
hat zunächst dem fast 70-Jährigen<br />
noch zwei kirchliche Wanderjahre<br />
gewährt. Kommentar Auer: „Zu Hause<br />
sitzen und nichts tun, das geht nicht.“
SÜDKURIER NR. 40 | | SWM<br />
<strong>Heimat</strong> HEIMAT VON A BIS Z<br />
FREITAG, 17.<br />
SÜDKURIER NR. FEBRUAR<br />
FREITAG, 17. FEBRUAR 40 | SWM <strong>von</strong> 2017<br />
2017 A <strong>bis</strong> Z 7<br />
<strong>Heimat</strong> <strong>von</strong> A <strong>bis</strong> Z 7<br />
Hwie Hochschwarzwald<br />
VON THOMAS SCHRÖTER<br />
Eine Dachmarke mit Erfolg<br />
15 Kommunen aus dem<br />
Hochschwarzwald<br />
kooperieren, gründen die<br />
HTG und vermarkten die<br />
Region gemeinsam<br />
Was, wenn nicht mehr jeder <strong>von</strong> uns<br />
sein eigenes touristisches Süppchen<br />
kocht, sondern wir unsere Kräfte bündeln<br />
und unter einer Dachmarke gemeinsame<br />
Sache machen? Von den<br />
Synergieeffekten einer gemeinsamen<br />
Marketing-Organisation, bei der unsere<br />
Tourismus-Aktivitäten gebündelt<br />
und koordiniert werden, würden wir<br />
letztlich alle profitieren.<br />
Von diesen Überlegungen ließen<br />
sich zehn Städte und Gemeinden im<br />
Hochschwarzwald leiten, die sich bereits<br />
für den Bau des Badeparadieses<br />
in Titisee-Neustadt zu einem Zweckverband<br />
formiert hatten, und hoben<br />
2009 die Hochschwarzwald-Tourismus<br />
GmbH (HTG) aus der Taufe. Seither<br />
konzentriert die HTG unter der Dachmarke<br />
„Hochschwarzwald“ sämtliche<br />
Aktivitäten im Tourismusmarketing –<br />
und das mit Erfolg: Mittlerweile gehören<br />
der HTG 15 Städte und Gemeinden<br />
aus dem Einzugsgebiet Hochschwarzwald<br />
an und auch die Übernachtungszahlen<br />
sprechen sehr positiv für sich.<br />
Laut Angaben der HTG sind die Übernachtungszahlen<br />
<strong>von</strong> 2,5 Millionen im<br />
Jahr 2010 auf heute 3,7 Millionen angewachsen,<br />
Tendenz weiter steigend.<br />
Bei allem Erfolg, ein Selbstläufer war<br />
die HTG nicht, wie Geschäftsführer<br />
Thorsten Rudolph bestätigt: „Trotz des<br />
einheitlichen Willens der zehn Zweckverbandsgemeinden<br />
eine gemeinsame<br />
Marketing-Organisation zu gründen,<br />
gab es zu Beginn natürlich auch<br />
viel Überzeugungsarbeit zu leisten. In<br />
der Zwischenzeit belegen aber auch<br />
die Zahlen, dass die Idee völlig richtig<br />
war, und wir uns auf einem guten<br />
Weg befinden. Dass sich inzwischen<br />
sechs weitere Gemeinden unserer Gesellschaft<br />
angeschlossen haben, ist<br />
zudem ein Beweis der guten Entwicklung.<br />
Ein großes Dankeschön gebührt<br />
<strong>Der</strong> höchste Berg im <strong>Schwarzwald</strong>, der Feldberg,<br />
ist eine im Winter <strong>von</strong> Gästen wie Einheimischen<br />
gleichermaßen stark frequentierte<br />
Region. BILD: ACHIM MENDE<br />
den damals verantwortlichen Bürgermeistern<br />
und Gemeinderäten, die diese<br />
großartige Idee einer gemeinsamen<br />
Tourismusgesellschaft ohne Kirchturmdenken<br />
auf den Weg gebracht haben.“<br />
Als besonders prägnante Meilensteine<br />
auf dem HTG-Erfolgspfad führt<br />
Thorsten Rudolph die Hochschwarzwald<br />
Card, das Ferienwohnungskonzept<br />
„Kuckucksnester“ sowie Aktivitäten<br />
der HTG in der E-Mobilität und<br />
der Nachhaltigkeit ins Feld. „Die Einführung<br />
der Hochschwarzwald Card<br />
im Jahr 2010 gehört sicherlich zu den<br />
wichtigsten Entwicklungen. Inzwischen<br />
wird die Freizeitkarte <strong>von</strong> mehr<br />
als 370 Gastgebern angeboten und beinhaltet<br />
an die 100 kostenlose Attraktionen.<br />
Gut ein Drittel der Übernachtungsgäste<br />
in unserer Ferienregion<br />
nutzen die Hochschwarzwald Card.<br />
Auch das Konzept der Kuckucksnester,<br />
das im vergangenen Jahr den Deutschen<br />
Tourismuspreis gewonnen hat,<br />
geht auf und zeigt, dass der Bedarf für<br />
hochwertige Ferienwohnungen groß<br />
ist. Die Kuckucksnester waren und<br />
sind auch ein Anstoß für verschiedene<br />
Ferienwohnungs-Besitzer in der<br />
Region, in die Ausstattung ihrer Wohnungen<br />
zu investieren und somit die<br />
Gesamtqualität in diesem Bereich zu<br />
steigern. Wir konnten auch die E-Mobilität<br />
stark vorantreiben und haben<br />
dazu eine neue Reiseführer-App entwickelt,<br />
die der veränderten Informationssuche<br />
unserer Gäste Rechnung<br />
trägt. Seit dem Frühjahr 2016 ist<br />
der Hochschwarzwald außerdem als<br />
nachhaltiges Reiseziel zertifiziert. Unser<br />
einzigartiger Weihnachtsmarkt in<br />
der Ravennaschlucht, der sich in den<br />
vergangenen Jahren zu einer immer<br />
beliebteren Attraktion für Gäste aus<br />
nah und fern entwickelt hat, wird beispielsweise<br />
zu 100 Prozent mit Strom<br />
aus erneuerbaren Energiequellen versorgt“,<br />
erläutert der HTG-Geschäftsführer.<br />
Auch für die in mittelfristiger Perspektive<br />
anstehenden Herausforderungen,<br />
darunter die fortschreitende<br />
Digitalisierung, die auch vor dem<br />
Tourismus nicht Halt macht, sieht Rudolph<br />
die HTG gut aufgestellt: „Wir<br />
müssen und werden die Marke Hochschwarzwald<br />
weiterentwickeln. Dabei<br />
wird es wichtig sein, Bedürfnisse<br />
und Informationsverhalten der Gäste<br />
und potenziellen Gäste zu analysieren.<br />
Durch unsere Kommunikationsplattform<br />
„Mein Hochschwarzwald“<br />
und die neue Reiseführer-App werden<br />
wir unseren Service weiter verbessern.<br />
Wir erkennen, welche Attraktionen<br />
wie stark genutzt werden und können<br />
darauf reagieren. Aber nicht nur die<br />
Digitalisierung, auch der Klimawandel<br />
stellt uns vor Herausforderungen. Das<br />
müssen wir genau beobachten. Wir<br />
fühlen uns dafür aber gut aufgestellt“,<br />
betont der HTG-Geschäftsführer.<br />
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Das Badeparadies <strong>Schwarzwald</strong> in Titisee-Neustadt gehört zu den touristischen Alleinstellungsmerkmalen<br />
des Hochschwarzwalds. BILD: BADEPARADIES SCHWARZWALD<br />
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<strong>Der</strong> Titisee ist für Urlauber ein Muss. Er gehört zu den beliebtesten Ausflugszielen im Hochschwarzwald.<br />
BILD: HOCHSCHWARZWALD TOURISMUS GMBH<br />
Eine Organisation für 15 Kommunen<br />
Die Idee, gemeinsam den Tourismus in der<br />
Region nachhaltig zu vermarkten, gab den<br />
Impuls, die Hochschwarzwald Tourismus<br />
GmbH zu gründen.<br />
➤➤Gründungsgemeinden: Die Hochschwarzwald<br />
Tourismus GmbH (HTG)<br />
wurde am 1. Januar 2009 als ein Zusammenschluss<br />
aus den zehn Orten<br />
Breitnau, Eisenbach, Feldberg, Friedenweiler,<br />
Hinterzarten, Lenzkirch,<br />
Löffingen, Schluchsee, St. Märgen und<br />
Titisee-Neustadt gegründet. Entstanden<br />
ist die Gesellschaft aus einem<br />
Zweckverband, der sich für den Bau<br />
des Badeparadieses in Titisee-Neustadt<br />
formiert hatte.<br />
➤➤Die Erweiterung: Am 1. Januar 2011<br />
wurde St. Peter als elfter Ort aufgenommen,<br />
im Jahr 2012 kamen St. Blasien<br />
und Häusern hinzu. Im Jahr 2014<br />
stieß das Rothauser Land zur Hochschwarzwald<br />
Tourismus GmbH und<br />
2015 schließlich die Bergwelt Todtnau.<br />
Damit umfasst das Unternehmen heute<br />
15 Orte mit insgesamt 58 000 Einwohnern.<br />
➤➤Einzugsbereich: Zur Hochschwarzwald<br />
Tourismus GmbH gehören 21<br />
Tourist-Informationen, die sich auf<br />
die jeweiligen Städte und Gemeinden<br />
verteilen. Geographisch gesehen<br />
erstreckt sich das Einzugsgebiet über<br />
780 Quadratkilometer und weist mit<br />
dem Schluchsee als größtem See im<br />
<strong>Schwarzwald</strong>, dem Titisee als größtem<br />
Natursee, dem Feldberg als höchstem<br />
Berg der deutschen Mittelgebirge sowie<br />
der Wutachschlucht als größtem<br />
Canyon Deutschlands die bekanntesten<br />
und markantesten Ausflugziele des<br />
<strong>Schwarzwald</strong>es auf. (ts)<br />
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88 <strong>Heimat</strong> HEIMAT <strong>von</strong> VON A <strong>bis</strong> BIS Z<br />
SÜDKURIER FREITAG, 17. NR. FEBRUAR 40 | SWM 2017<br />
I<br />
wie Ingenieurskunst<br />
Prozessgenauigkeit in Tausendstelmillimetern:<br />
Die St. Georgener Firma baut Spannsysteme und<br />
arbeitet mit namhaften Firmen zusammen.<br />
VON JENS WURSTHORN<br />
Sterman packt präzise zu<br />
Industrielle Produkte, seien es Autos<br />
oder Maschinen, fügen sich aus unzähligen<br />
Einzelteilen zusammen. Passende<br />
Bearbeitungsprozesse verleihen<br />
diesen Werkstücken Form und Funktion.<br />
In der automatisierten Fertigung<br />
kommt es darauf an, dass die fixierten<br />
Rohlinge möglichst präzise, schnell<br />
und materialsparend bearbeitet werden.<br />
Hier kommt das St. Georgener<br />
Unternehmen Sterman Technische<br />
Systeme als Qualitäts- und Technologieführer<br />
in der Sonderspanntechnik<br />
ins Geschäft. Die 2000 gegründete<br />
Firma arbeitet mit namhaften Firmen<br />
zusammen. „Was haben der Hybridmotor<br />
des BMW i8, ein künstliches<br />
Hüftgelenk, oder ein Rad des ICE gemeinsam?“<br />
stellt Peter Sterman eine<br />
Frage, die der Firmenchef umgehend<br />
beantwortet. In allen befinden sich<br />
komplexe Bauteile, die auf Sterman-<br />
Spannsystemen bearbeitet werden.<br />
Rund zwei Drittel des Umsatzes<br />
macht Sterman mit Spannsystemen,<br />
die Wertschöpfungstiefe beträgt stolze<br />
85 Prozent. Das heißt, im Gewerbegebiet<br />
Hagenmoos werden die technischen<br />
Lösungen nicht nur entwickelt<br />
und montiert, auch alle Einzelteile der<br />
Spannsysteme entstehen in der eigenen<br />
Fertigung. Die Welt der Spannsysteme<br />
ist ein Risikobereich, der Erfolgsgarant<br />
heißt Problemlösung. Dass<br />
Sterman-Produkte die Parameter der<br />
J<br />
wie Jagd<br />
Vor dem Gesetz und <strong>von</strong><br />
ihrem Selbstverständnis<br />
her sind Jäger dem<br />
Artenschutz und dem<br />
Naturerhalt verpflichtet<br />
VON THOMAS SCHRÖTER<br />
Sterman in Kennziffern<br />
Johannes (links) und Peter Sterman.<br />
BILD: FIRMA<br />
In den 16 Jahren, seit Peter Sterman einen<br />
Drei-Personen-Betrieb im Keller eines<br />
Wohnhauses gründete, schrieb die Firma<br />
eine Erfolgsgeschichte, die sich zuletzt in<br />
der zweiten Auszeichnung als Wachstums-<br />
Champion der Branche Maschinen- und<br />
Anlagenbau widerspiegelt. Unter dem vom<br />
Magazin Fokus gekürten Kreis der Preisträger<br />
rangiert Sterman mit einem Umsatzwachstum<br />
<strong>von</strong> jeweils 15 <strong>bis</strong> 20 Prozent in<br />
den vergangenen fünf Jahren. Einige Jahre<br />
wuchs Sterman in einem innerstädtischen<br />
Fabrikgebäude auf dem so genannten TB-<br />
Areal. 2009 wurden neue Büro- und Produktionsräume<br />
in einer herrlichen Waldrandlage<br />
im Gewerbegebiet bezogen: zeitgleich<br />
mit Ausbruch der Banken- und Wirtschaftskrise.<br />
Trotz Krediten und Auftragsrückgängen<br />
schaffte es Sterman nicht nur, den<br />
Stamm <strong>von</strong> damals 24 Beschäftigten in<br />
2009 zu halten, sondern auch Zeitreserven<br />
Schwarzwildbestände, deren man<br />
kaum noch Herr werden kann, eine<br />
zumindest latente Seuchengefahr,<br />
dazu Wildtiere, die Siedlungsgebiete<br />
als Lebensraum für sich entdecken<br />
und zunehmende Kritik aus Teilen der<br />
Gesellschaft an der Jagd als solcher –<br />
die Herausforderungen, vor denen die<br />
Jäger stehen, sind zahlreich, wie Reinhold<br />
Elsäßer, selbst passionierter Jäger<br />
und Leiter des Hegerings Immendingen,<br />
erläutert.<br />
Die beinahe schon explosionsartige<br />
Zunahme der Schwarzwildbestände<br />
sei, betont der Hegeringleiter,<br />
ein europaweites Problem. Die Wildschweine<br />
richten erhebliche Flurschäden<br />
an, bei den Jägern liegt es, im Verein<br />
mit den Grundstücksbesitzern die<br />
Schwarzwildpopulationen und damit<br />
die Schäden einzudämmen. Das<br />
sei, so Elsäßer, leichter gesagt als getan:<br />
„Schwarzwild darf grundsätzlich<br />
das ganze Jahr über bejagt werden,<br />
allerdings mit einer ganz wesentlichen<br />
Einschränkung: In den Monaten<br />
März und April nur in der offenen<br />
Landschaft und im Wald nur <strong>bis</strong> zu<br />
einem Abstand <strong>von</strong> 200 Metern vom<br />
Waldaußenrand.“ Eine, wie der passionierte<br />
Jäger meint, wenig praktikable<br />
Beschränkung. Erschwerend komme<br />
noch hinzu, dass die Schwarzkittel angesichts<br />
zunehmender Mais-Monokulturen<br />
in Kombination mit vergleichsweise<br />
milden, schneearmen Wintern,<br />
fast schon „paradiesische Zustände“<br />
vorfinden.<br />
„Seuchen treten insbesondere dann<br />
auf, wenn Überpopulationen vorhanden<br />
sind“, greift Reinhold Elsäßer eine<br />
weitere Herausforderung auf, vor die<br />
er nicht nur die Jägerschaft gestellt<br />
sieht, und führt ein Beispiel an: „Baden-Württemberg<br />
ist seit etwa 15 Jahren<br />
tollwutfrei. Das wird nicht zwangsläufig<br />
so bleiben. Wenn der Fuchs als<br />
Hauptüberträger nur eingeschränkt<br />
– erwachsene Tiere sieben Monate pro<br />
Jahr, Jungfüchse unter bestimmten<br />
Voraussetzungen weitere drei Monate<br />
– oder, wie im Falle <strong>von</strong> Nationalparks<br />
gar nicht bejagt werden darf.“ Weil zudem<br />
Seuchen wie die Vogelgrippe oder<br />
die Afrikanische Schweinepest nicht<br />
vor Landesgrenzen Halt machen, sieht<br />
Elsäßer das Thema Seuchenbekämpfung<br />
als einen kommenden Schwerpunkt<br />
jagdlicher Betätigung.<br />
Als so genannte Kulturfolger entdecken<br />
verschiedene Tierarten, darunter<br />
der Fuchs, aber auch ursprünglich<br />
nicht in Deutschland beheimatete<br />
Arten wie der Waschbär, menschliche<br />
Siedlungen als Lebensbereich für sich.<br />
Ein Grund dafür ist der zunehmende<br />
Flächenverbrauch, der den angestammten<br />
Lebensraum der Tiere begrenzt<br />
und ihre Reviere zerschneidet.<br />
„Meldungen über Wildtiere, die sich<br />
in unmittelbarer Nähe des Menschen<br />
und damit in so genannten befriedeten<br />
Gebieten, in denen aus nachvollziehbaren<br />
Gründen mit Schusswaffen<br />
nicht gejagt werden kann und darf,<br />
aufhalten, häufen sich. Hier sind insbesondere<br />
die Kommunen gefragt, im<br />
Verein mit der Jägerschaft Lösungen<br />
zu finden, etwa in Form <strong>von</strong> Lebendfallen“,<br />
erklärt der Hegeringleiter.<br />
Zu kämpfen haben die Jäger auch<br />
mit Kritik, die ihnen aus Teilen der<br />
Gesellschaft entgegenschlägt. Nicht<br />
wenige betrachten die Jagd als solche<br />
als obsolet. Diese Einschätzung,<br />
betont Reinhold Elsäßer, entspringe<br />
einer kurzsichtigen Betrachtungsweise<br />
und lasse sich sachlich keinesfalls<br />
halten. „Das Jagdrecht als Teil<br />
Karsten Voigt arbeitet an einem Bearbeitungszentrum, das für einen Automobilhersteller<br />
hergestellt wird. BILD: JENS WURSTHORN<br />
des Grundstückseigentums ist ebenso<br />
grundrechtlich garantiert wie die<br />
Jagdausübung. <strong>Der</strong> Grundstückseigentümer<br />
überträgt die gesetzliche Verpflichtung<br />
zu Artenschutz und Naturerhalt<br />
auf den Jagdpächter“, ruft<br />
Elsäßer in Erinnerung. Jäger wirkten,<br />
so der Hegeringleiter weiter, nachhaltig<br />
für ein ökologisches Gleichgewicht<br />
in Wald und Flur, sie seien für<br />
ihre handwerkliche Betätigung hervorragend<br />
ausgebildet und staatlich<br />
geprüft. „Den Artenschutz zu fördern,<br />
um vielfältige, gesunde und den landestypischen<br />
Verhältnissen angepasste<br />
Wildbestände zu erhalten, zählt zu<br />
den Kernfunktionen der Jagd. Im Gegensatz<br />
zu vielen selbsternannten Naturschützern<br />
sind wir Jäger staatlich<br />
geprüfte Fachleute“, betont Reinhold<br />
Elsäßer. Unter dem Motto „Natur erleben<br />
und vom Jäger lernen“, so Elsäßer,<br />
unterbreiteten die Jäger der interessierten<br />
Öffentlichkeit vielfältige Informationsangebote.<br />
Reinhold Elsäßer<br />
gibt sich damit nicht zufrieden und<br />
will deren Spektrum künftig noch erweitern.<br />
Standardlösung hinter sich lassen, haben<br />
mit Erfahrung und Vertrauen zu<br />
tun. Wo ganz unterschiedliche Materialien<br />
mit jeweils individuellem Stoffverhalten<br />
mal geschmiedet, gegossen<br />
oder komplett bearbeitet werden, ergeben<br />
sich im Entwicklungsprozess Gefahren.<br />
„Man vertraut uns“, beschreibt<br />
der 57 Jahre alte Geschäftsführer, der<br />
Konstruktion und Entwicklung verantwortet,<br />
den Umstand, dass Sterman<br />
oft schon in der Planungsphase<br />
eines neuen Werkstücks konsultiert<br />
wird: auch wenn der Bremszylinder<br />
oder das Turboladergehäuse erst drei<br />
Jahre später in Produktion gehen wird.<br />
Wichtige Kunden finden sich unter<br />
anderem in der Automobilbranche.<br />
Und weil Sterman – mal mehr,<br />
mal weniger intensiv – mit allen drei<br />
großen deutschen Konzernen Daimler,<br />
VW und BMW zusammenarbeitet,<br />
„unterliegen mehr als 90 Prozent<br />
unserer Verträge Geheimhaltungsvereinbarungen“,<br />
erläutert Johannes Sterman.<br />
<strong>Der</strong> 31-jährige Betriebswirt leitet<br />
das Marketing und den Vertrieb. Die<br />
immer schnelleren Innovationsschübe<br />
und die ausgeklügelten Arbeitsprozesse<br />
im Automobilbau faszinieren<br />
Vater und Sohn Sterman. Etwa im<br />
Motorenbau. Beim Downsizing werden<br />
Verbrennungsmotoren mit immer<br />
kleinerem Hubraum und höherer<br />
Wirksamkeit entwickelt. Antriebskonzepte<br />
werden mit Hybrid- und Elektromotoren<br />
vielfältiger, aber auch diffiziler.<br />
Wohl dem, der komplexe Dreh-,<br />
Fräs- oder Schleifprozesse nicht nur<br />
auf den Tausendstelmillimeter genau<br />
und materialsparend, sondern sekundenschnell<br />
abwickelt.<br />
Individuelle Bearbeitungszentren<br />
mit mehreren Stationen sind konsequente<br />
Weiterentwicklungen aus<br />
Spannprozessen. So ist der Maschinenbau<br />
vor der Mess- und Wuchttechnik<br />
und der Medizintechnik der zweitstärkste<br />
Bereich bei Sterman. <strong>Der</strong>zeit<br />
entsteht in der eigenen Fertigung für<br />
einen Kunden aus der Automobilbranche<br />
ein 18 Tonnen schweres Bearbeitungszentrum<br />
mit vier Stationen, fünf<br />
Spannsystemen und 24 gesteuerten<br />
NC-Achsen.<br />
in die Entwicklung zu stecken. 2016 wurden<br />
den 1800 Quadratmetern Nutzfläche<br />
ein 800-Quadratmeter-Produktionsanbau<br />
mit Kantine hinzugefügt, doch jetzt schon<br />
zeichnet sich weiterer Platzbedarf ab. Eine<br />
bereits zugekaufte Geländereserve oberhalb<br />
des modernen, transparenten Gebäudekomplexes<br />
erlaubt eine weitere räumliche<br />
Abbildung des Wachstums.<br />
Parallel zum Umsatz, der sich 2016 auf<br />
etwa neun Millionen Euro belief, klettert die<br />
Zahl der Beschäftigten. Nach zwölf Neueinstellungen<br />
allein in 2014/2015 beträgt die<br />
Mitarbeiterzahl nun 50. Sieben Personen<br />
sind in der Adminstration beschäftigt, 31 in<br />
der Produktion und die Zahl <strong>von</strong> 13 Ingenieuren,<br />
ensprechend einem Drittel Beschäftigten,<br />
bilden den eigenen Anspruch “ für<br />
jedes Werkstück ein eigenes Spannsystem“<br />
ab. An ihm arbeiten inzwischen vier Stermans.<br />
Neben Johannes, Peter und Controlling-Chefin<br />
Martina Sterman bringt Alexander<br />
Sterman seine Kenntnisse seit 2015 als<br />
Ingenieur in der Konstruktion ein. (wur)<br />
Schwarzkittel und andere Herausforderungen<br />
Reinhold Elsäßer ist passionierter Jäger und<br />
Vorsitzender des Hegerings Immendingen.<br />
Wirkt auf den ersten Laienblick possierlich, ist aber ein Raubtier und dringt als Kulturfolger<br />
auch gerne in menschliche Siedlungsgebiete vor: der Waschbär. BILD: PETER STEFFEN/DPA<br />
SÜDKURIER NR. 40 | SWM<br />
FREITAG, 17. FEBRUAR 2017<br />
Die Neozoen<br />
Auch in Deutschland machen sie sich breit:<br />
Neozoen (altgriechisch für „neues Lebewesen“),<br />
ursprünglich nicht hier beheimatete<br />
Tiere. Zu deren bekanntesten Vertretern zählen<br />
Waschbär, Marderhund und Mink<br />
➤➤Waschbär: Die ursprüngliche <strong>Heimat</strong><br />
des Waschbären – ein Raubtier,<br />
das zur Gattung der Kleinbären zählt<br />
– sind das südliche Kanada, die Vereinigten<br />
Staaten <strong>von</strong> Amerika und Mittelamerika<br />
sowie Teile der ehemaligen<br />
Sowjetunion. 1929/30 sind einige Tiere<br />
aus einer Pelztierzuchtfarm in Rheinland-Pfalz<br />
entwischt. Zudem wurde<br />
der Waschbär 1934 offiziell – sprich:<br />
<strong>von</strong> einheimischer Menschenhand<br />
– in Hessen angesiedelt. Seitdem verbreitet<br />
sich der Kleinbär in Deutschland<br />
und Mitteleuropa.<br />
➤➤Marderhund: Als Pelztier wurde der<br />
Marderhund in den 30er-Jahren des<br />
20. Jahrhunderts im europäischen Teil<br />
der damaligen Sowjetunion ausgesetzt<br />
und breitete sich schnell nach Westen<br />
aus. Mittlerweile ist er vor allem in<br />
Osteuropa (Tschechien, Finnland, Rumänien,<br />
Ungarn und Polen), aber auch<br />
in Deutschland verbreitet. Seine ursprüngliche<br />
<strong>Heimat</strong> ist Ostasien, dort<br />
insbesondere China, Korea, Japan und<br />
Ostsibirien. <strong>Der</strong> Marderhund zählt zur<br />
Familie der hundeartigen Raubtiere,<br />
sein nächster Verwandter ist der Polarfuchs.<br />
➤➤Mink: <strong>Der</strong> Mink sieht seinem nächsten<br />
europäischen Verwandten, dem<br />
Nerz, zum Verwechseln ähnlich, ist<br />
aber deutlich größer. Das Landraubtier<br />
stammt ursprünglich aus Nordamerika<br />
und zählt zur Familie der<br />
Marder. Anfang des 20. Jahrhunderts<br />
zur Pelzgewinnung nach Europa gebracht,<br />
gelangten immer wieder Farmtiere<br />
– nicht selten durch so genannte<br />
„Befreiungsaktionen“ radikaler Tierschützer<br />
– in die freie Wildbahn, so<br />
dass zahlreiche Freilandvorkommen<br />
entstanden sind. (ts)
SÜDKURIER NR. 40 | | SWM<br />
<strong>Heimat</strong> HEIMAT VON BIS Z<br />
FREITAG, 17.<br />
SÜDKURIER NR. FEBRUAR<br />
FREITAG, 17. FEBRUAR 40 | SWM <strong>von</strong> 2017<br />
2017 A <strong>bis</strong> Z 9<br />
<strong>Heimat</strong> <strong>von</strong> A <strong>bis</strong> Z 9<br />
Kwie Kulturschätze<br />
VON STEFAN SIMON<br />
Vom Orpheus-Mosaik zur Flower-Power<br />
Ein kleiner Rundgang<br />
durch die Region zeigt<br />
Beispiele für spannende<br />
Kunst- und Kulturschätze<br />
<strong>von</strong> der Antike <strong>bis</strong> zur<br />
Gegenwart<br />
Mit dem Kunst- und Kulturangebot<br />
großer Metropolen wie Berlin kann<br />
sich die Region <strong>Schwarzwald</strong>-Baar-<br />
Heuberg zwar nicht messen, doch<br />
auch in der vermeintlichen Provinz<br />
findet man Kulturschätze, oft vor Ort<br />
entstandene und teils uralte.<br />
Wie etwa das Keltische Fürstengrab<br />
im Villinger Franziskaner-Museum.<br />
Dort ist ein Blick direkt in die 2600 Jahre<br />
alte Grabkammer des Fürsten vom<br />
Magdalenenberg möglich. <strong>Der</strong> Hügel<br />
südlich vor Villingen ist mit 33 000<br />
Kubikmeter Volumen das größte keltische<br />
Grabmal im mitteleuropäischen<br />
Raum. Eine Auswahl der wichtigsten<br />
Beigaben wie Schmuck, Waffen und<br />
Alltagsgegenstände ergänzt die Ausstellung.<br />
Die Raritäten geben Einblick<br />
in die Welt der frühen Kelten, als deren<br />
mächtigste Grablege der Magdalenenberg<br />
<strong>bis</strong> heute in der Fachwelt gilt.<br />
Weiter geht die Zeitreise nach Rottweil<br />
ins Dominikanermuseum, einem<br />
Zweigmuseum des Archäologischen<br />
Landesmuseums Baden-Württemberg.<br />
Die Abteilung Römisches Rottweil<br />
– Arae Flaviae begleitet die Besucher<br />
am 4. August des Jahres 186 durch<br />
das seinerzeit römische Rottweil, beginnend<br />
morgens auf dem Forum, zu<br />
verschiedenen öffentlichen und privaten<br />
Terminen <strong>bis</strong> hin zum Festmahl<br />
am Abend. Rekonstruktionen und interaktive<br />
Bereiche ergänzen die Ausstellung.<br />
Im Zentrum der Ausstellung<br />
steht ein Kunstschatz: das Orpheus-<br />
Mosaik, das für Rottweil aber auch<br />
generell für die Römerzeit in Baden-<br />
Württemberg <strong>von</strong> zentraler Bedeutung<br />
ist. Noch eine Kostbarkeit gibt es: eine<br />
antike hölzerne Schreibtafel mit Nennung<br />
der Stadt als municipium aus<br />
dem Jahr 186. Dank ihr gilt Rottweil als<br />
einzige römische Ansiedlung Baden-<br />
Württembergs, die in der Antike bereits<br />
den Status als Stadt innehatte.<br />
Das römische Arae Flaviae wurde<br />
bereits zu Beginn der 70er-Jahre des<br />
ersten nachchristlichen Jahrhunderts<br />
unter Kaiser Vespasian gegründet. Bis<br />
zur Anlage einer Stadt befanden sich<br />
hier zunächst fünf nacheinander belegte<br />
Militärlager, darunter ein Legionslager,<br />
zu beiden Seiten des Neckars.<br />
<strong>Der</strong> Name (flavische Altäre)<br />
verweist auf ein zentrales Heiligtum<br />
für das Kaiserhaus, das sich hier befunden<br />
haben muss. Die Objekte erzählen<br />
<strong>von</strong> der bewegten römischen<br />
Vergangenheit mit verschiedenen Bevölkerungsschichten<br />
und Berufsgruppen,<br />
mit Zivilisten und Soldaten.<br />
Fast 2000 Jahre später sind die Edelstahlskulpturen<br />
des Künstlers Erich<br />
Hauser entstanden, die das Stadtbild<br />
der ältesten Stadt Baden-Württembergs<br />
prägen. Hauser lebte und arbeitete<br />
<strong>von</strong> 1969 <strong>bis</strong> 2004 auf dem Gelände<br />
der ehemaligen Saline in Rottweil.<br />
Das 1969 erbaute frühere Wohnhaus<br />
dient heute als Museum. <strong>Der</strong> Skulpturenpark<br />
Erich Hauser ist ein Gesamtkunstwerk.<br />
Auf dem Areal sind 100<br />
Werke aus den Hauptschaffensphasen<br />
des Stahlbildhauers ausgestellt.<br />
Die frühesten Arbeiten stammen<br />
aus den 1960er-Jahren: prismatische<br />
Körper voller Arbeitsspuren, die eine<br />
geistige Verwandtschaft zum Informel<br />
erkennen lassen. Daneben stehen die<br />
Säulen- und Röhrenformationen aus<br />
den 70er-Jahren, der Zeit der größten<br />
internationalen Erfolge Erich Hausers.<br />
Aus den späten 80er- und 90er-Jahren<br />
stammen die spitz ausgreifenden Plastiken<br />
voller überraschender Licht- und<br />
Formeffekte, die mit der Grundform<br />
des Dreiecks spielen.<br />
Die Reise geht weiter nach<br />
St. Georgen, wo im Garten der Villa der<br />
Familie Grässlin eine frühe Hauser-<br />
Plastik steht. Sie verweist auf das Fundament<br />
der vielfältigen und umfangreichen<br />
Kunstsammlung, die an vielen<br />
Orten in der Bergstadt zu erleben ist.<br />
Das Orpheus-Mosaik aus dem antiken<br />
Rottweil.<br />
Mit dem Sammeln <strong>von</strong> Werken der<br />
Kunstströmung Informel haben die Eltern<br />
die Grundlagen gelegt. Ein besonderes<br />
Meisterwerk besitzt die Familie<br />
mit einer seltenen Leinwandarbeit<br />
des Künstlers Wols. Eine, zwei Generationen<br />
später sind die Arbeiten jener<br />
international renommierten Künstler<br />
entstanden, die die Grässlin-Kinder<br />
sammelten und die das Stadtbild heute<br />
für alle sichtbar prägen. Martin Kippenbergers<br />
„Transportabler Lüftungschacht“<br />
steht in einer Grünanlage, sein<br />
„Inselbuch“ in der Schalterhalle der<br />
Sparkasse, Georg Herolds überlebensgroße<br />
Skulptur übt Hochsprung in der<br />
Hauptstraße und Franz Wests knallig<br />
bunte „Sitzwuste“ laden im Park zum<br />
Verweilen ein.<br />
Diese überregional beachtete massive<br />
Bespielung des öffentlichen Raums<br />
mit zeitgenössischer Kunst aus privatem<br />
Besitz findet ihr kleineres Pendant<br />
in Donaueschingen. Das 2009<br />
eröffnete Museum Art Plus neben<br />
dem Schlosspark zeigt nicht nur zeitgenössische<br />
Kunst in seinen Räumlichkeiten,<br />
es bringt die Kunst auch<br />
direkt zum Betrachter. Auf dem Museumsvorplatz<br />
dominiert der fünf Meter<br />
hohe „Lightning Strike“ des britischen<br />
Bildhauers David Nash. Direkt<br />
daneben bringt der Künstler Paul<br />
Schwer mit seiner aus verformten Plexiglasplatten<br />
bestehenden Lichtplastik<br />
„Gulff“ Farbe in die Brigach und vor<br />
der Donauhalle sorgt Stefan Rohrer<br />
mit seiner bunten Autoskulptur „Flower<br />
Power“ für Aufsehen.<br />
<strong>Der</strong> kleine Rundgang zu den Gesamtkunstwerken<br />
und den Einzelobjekten<br />
in der Region zeigt, dass es auch<br />
in der vermeintlichen Provinz Kunstschätze<br />
<strong>von</strong> überregionaler Bedeutung<br />
zu entdecken gibt.<br />
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Ein besonders großer Kunstschatz der Region: <strong>Der</strong> Skultpurenpark der Kunststiftung Erich<br />
Hauser in Rottweil ist ein Gesamtkunstwerk. Auf dem weitläufigen Areal sind etwa 100 Werke<br />
aus den drei Hauptschaffensphasen des Stahlbildhauers ausgestellt. BILD: STEFAN SIMON<br />
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10 <strong>Heimat</strong> HEIMAT VON <strong>von</strong> A BIS <strong>bis</strong> Z<br />
SÜDKURIER FREITAG, 17. NR. FEBRUAR 40 | SWM 2017<br />
L<br />
wie Laufen<br />
Den Stadtfestlauf in St. Georgen glänzt mit<br />
weichem Untergrund und schöner Landschaft<br />
VON ROLAND SPRICH<br />
700 Startern ist das Wetter ganz egal<br />
Kaum eine andere Sportart wie Laufen<br />
hat so viel Zuwachs an Begeisterten,<br />
die in ihrer Freizeit aus reiner Freude<br />
oder mit gesundem sportlichem Ehrgeiz<br />
bei der Sache sind. Entsprechend<br />
gibt es immer wieder neue Laufwettbewerbe.<br />
Einer der jüngsten ist der St.<br />
Georgener Stadtfestlauf. 2011 wurde<br />
die Laufveranstaltung ins Leben gerufen.<br />
Mittlerweile hat sich der Stadtfestlauf<br />
zu einer wichtigen Sportveranstaltung<br />
in der Region etabliert.<br />
Lauftechnisch bietet der Lauf viele<br />
Varianten. Strecken stehen <strong>von</strong><br />
10,5-Kilometer <strong>bis</strong> zum Halbmarathon<br />
zur Verfügung. Für weniger konditionsreiche<br />
Läufer gibt es den Fünf-Kilometer-Lauf<br />
rund um den Bärenplatz.<br />
Schüler laufen 1300 Meter. Die Kleinsten<br />
können beim 400-Meter-Lauf losrennen.<br />
Nordic Walker machen sich<br />
auf die 10-Kilometer-Strecke.<br />
Organisiert wird der Lauf <strong>von</strong> der<br />
Stadt St. Georgen und dem Förderverein<br />
des Turnvereins. Gerhard Mengesdorf,<br />
Vorsitzender des Turnvereins,<br />
erklärt, worin sich der Stadtfestlauf<br />
<strong>von</strong> anderen Stadtläufen unterscheidet.<br />
„Auf der einen Seite verbindet der<br />
Stadtfestlauf das Angebot auf dem<br />
Stadtfest mit der Möglichkeit, sich<br />
sportlich zu betätigen. Das zweite ist,<br />
denke ich, dass unsere Laufstrecke<br />
sehr attraktiv ist. Die Strecke durch<br />
den Hochwald ist landschaftlich interessant,<br />
aber auch <strong>von</strong> den Wegen. Die<br />
Läufer laufen wenig auf Asphalt, sondern<br />
viel auf weichem Untergrund.“<br />
Damit der Lauf reibungslos über die<br />
Bühne geht, sind zwischen 60 und 80<br />
Helfer im Einsatz, die neben der kompletten<br />
Organisation auch die Verpflegung<br />
der Sportler sicherstellen. Damit<br />
vor allem Laufanfänger die Strecke<br />
einschätzen können und als kleine<br />
Vorbereitung für die Teilnehmer, bietet<br />
der Turnverein rund zwei Wochen<br />
zuvor Trainingsläufe auf der Laufstrecke<br />
an.<br />
Dass sich der St. Georgener Stadtfestlauf<br />
zu einer derart beliebten Veranstaltung<br />
entwickelt, hat Gerhard<br />
Mengesdorf <strong>von</strong> Anfang an gehofft.<br />
„Was uns noch viel mehr freut, ist die<br />
Tatsache, dass wir die Teilnehmerzahl<br />
in den Jahren weitgehend halten konnten.“<br />
Mittlerweile hat sich die Zahl der<br />
Teilnehmer bei zwischen 600 und 700<br />
Startern eingependelt. Lediglich im<br />
Bereich der Nordic Walker gab es in<br />
der Vergangenheit eine kleine Flaute.<br />
Was, wie Mengesdorf sagte, daran gelegen<br />
habe, dass es in diesem Bereich<br />
keine Technikschiedsrichter gab und<br />
in Einzelfällen Walker gegen die Laufregeln<br />
verstoßen haben und sich dadurch<br />
einen Vorteil in der Ergebnisliste<br />
verschafften. „Wir haben darauf<br />
reagiert und uns entschieden, dass die<br />
Preise nicht nach den Zeiten vergeben<br />
werden, sondern diese ausgelost werden.“<br />
So hat künftig jeder Nordic Walking-Teilnehmer<br />
die Chance, einen<br />
Preis zu bekommen.<br />
Auch aus Sicht der Teilnehmer bietet<br />
der St. Georgener Stadtfestlauf eine<br />
Bis zu 700 Teilnehmer starten beim St. Georgener Stadtfestlauf in verschiedenen Disziplinen.<br />
BILD: ROLAND SPRICH<br />
gute Mischung der angebotenen Laufstrecken,<br />
die den Lauf sowohl für ambitionierte<br />
Läufer als auch für Laufanfänger<br />
attraktiv macht. Tanja Palmer,<br />
ambitionierte Sportlerin und regelmäßige<br />
Teilnehmerin am Stadtfestlauf,<br />
kann das bestätigen. Sie findet einen<br />
weiteren Vorteil. „Ich empfinde die<br />
Streckenführung mit viel Waldboden<br />
und, für unsere Gegend, mit wenig Höhenmetern<br />
als sehr angenehm und abwechslungsreich.<br />
Zu Beginn läuft man<br />
im Wald und am Ende wird man durch<br />
die Zuschauer ins Ziel gepusht, fühlt<br />
sich aber entlang der Strecke nicht unter<br />
Dauerbeobachtung.“ Auch die Verpflegung<br />
vor und nach dem Lauf lobt<br />
Tanja Palmer. „Vor allem, dass auch<br />
der letzte Läufer außer Wasser noch<br />
etwas abbekommt.“ In diesem Jahr findet<br />
der siebte St. Georgener Stadtlauf am Samstag,<br />
1. Juli statt.<br />
Wenn der Papa anfeuert, dann schaffen<br />
auch die Jüngsten Teilnehmer beim Bambinilauf<br />
den Weg ins Ziel. BILD: ROLAND SPRICH<br />
SÜDKURIER NR. 40 | SWM<br />
FREITAG, 17. FEBRUAR 2017<br />
In der Nachbarschaft<br />
Stadtlauf Donaueschingen: Die sechste<br />
Auflage des Stadt- oder Schutzengellaufs<br />
in Donaueschingen steht am 5.<br />
August an und <strong>bis</strong>lang nahmen jedes<br />
Jahr mehr Läufer teil. <strong>Der</strong> Lauf wurde<br />
<strong>von</strong> einer Mutter zur Unterstützung<br />
der Mukoviszidose-Forschung ins<br />
Leben gerufen, deren Kinder <strong>von</strong> der<br />
heimtückischen Stoffwechselkrankheit<br />
betroffen sind. Die Läufer beteiligen<br />
sich mit einem Startgeld. Sparkasse<br />
und AOK sind als Sponsoren mit<br />
10 000 und 3000 Euro dabei. So kamen<br />
2016 stolze 24 000 Euro zusammen.<br />
13 000 Euro flossen an die Nachsorgeklinik<br />
in Tannheim, 11000 gehen in<br />
die Mukoviszidose-Forschung. Wer<br />
beim nächsten Schutzengellauf mitlaufen<br />
will, kann mittwochs in einer<br />
Laufgruppe trainieren, die stets um<br />
18.30 Uhr beim Donaucenter (Sportgeschäft)<br />
startet. (gvo)<br />
Stadtlauf Villingen: Einmal im Jahr findet<br />
der große Stadtlauf <strong>von</strong> Villingen<br />
statt. <strong>Der</strong> Lauf wird <strong>von</strong> der Volksbank<br />
<strong>Schwarzwald</strong> Baar Hegau und dem<br />
Caritasverband für den <strong>Schwarzwald</strong>-<br />
Baar-Kreis gemeinsam unter dem<br />
Motto „laufend mithelfen“ veranstaltet.<br />
<strong>Der</strong> Erlös des Laufs kommt dem<br />
Caritasverband für den <strong>Schwarzwald</strong>-<br />
Baar-Kreis zu Gute. Die Begeisterung<br />
für den Lauf nimmt mit jedem Jahr<br />
zu. 2016 trotzten 2500 Läufer der Hitze.<br />
Das ist die absolute Rekordteilnehmerzahl.<br />
Es kam eine Spendensumme<br />
<strong>von</strong> 17 756 Euro zusammen. Seit dem<br />
ersten Stadtlauf 2006 sind 116 605 Runden<br />
zurückgelegt worden und 134 254<br />
Euro <strong>von</strong> der Volksbank für den guten<br />
Zweck an den Caritasverband geflossen.<br />
(ang)<br />
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SÜDKURIER NR. 40 | | SWM<br />
<strong>Heimat</strong> HEIMAT VON BIS FREITAG, 17.<br />
SÜDKURIER NR. FEBRUAR<br />
FREITAG, 17. FEBRUAR 40 | SWM <strong>von</strong> 2017<br />
2017 A <strong>bis</strong> Z 11<br />
<strong>Heimat</strong> <strong>von</strong> A <strong>bis</strong> Z 11<br />
Mwie Mobilität<br />
Felix Duffner aus<br />
Furtwangen ist ein Pionier<br />
der alternativen Mobilität.<br />
Er fährt ein Twike<br />
VON STEFAN HEIMPEL<br />
Eine etwas andere Art der Fortbewegung<br />
ist das Elektromobil Twike, wie<br />
es in Furtwangen <strong>von</strong> Felix Duffner<br />
angeboten wird. Zum einen ist es eines<br />
der ersten serienmäßigen Elektromobile<br />
im allgemeinen Straßenverkehr,<br />
zum anderen aber hat es auch noch<br />
die Besonderheit, dass es auf Wunsch<br />
auch noch mit Pedal ausgestattet ist.<br />
Auch beim Blick auf die Reifen sieht<br />
man noch immer die Verwandtschaft<br />
dieses kleinen elektrischen Autos zum<br />
Fahrrad.<br />
Das Elektroauto mit Pedal<br />
1998 entschied sich Felix Duffner,<br />
für sich selbst ein solches Twike anzuschaffen<br />
und gleichzeitig als Niederlassung<br />
für dieses Unternehmen tätig<br />
zu werden. Im gleichen Jahr konnte<br />
er auch bereits das erste Twike verkaufen.<br />
Zwei Jahre später entschied er<br />
sich, sich diesem Fahrzeug als Hauptberuf<br />
zu widmen. Er erhielt eine Montageschulung<br />
im Werk und begann<br />
2000 für sechs Jahre, in Furtwangen<br />
die Endmontage durchzuführen, was<br />
unter recht einfachen Bedingungen<br />
möglich ist. Als dann die Serienfertigung<br />
nach Deutschland kam, beendete<br />
Felix Duffner die Montage, kümmert<br />
sich aber weiter um den Service<br />
dieser Fahrzeuge.<br />
Er hat inzwischen in Baden-Württemberg<br />
und darüber hinaus viele<br />
Kunden. Er bietet hier einen speziellen<br />
mobilen Service an, die Fahrzeuge<br />
können also jeweils am eigenen<br />
Standort repariert werden. Außerdem<br />
verkauft er weiter neue und gebrauchte<br />
Fahrzeuge. Auch wenn das Twike 3<br />
Felix Duffner tankt ein Twike an der Stromtankstelle im Hof. BILDER: STEFAN HEIMPEL<br />
Nwie Narretei<br />
VON SABINE NAIEMI<br />
<strong>Der</strong> weite Horizont der Baar ist das Tor<br />
zur schwä<strong>bis</strong>ch-alemannischen Fasnet,<br />
der Narrenschopf Bad Dürrheim<br />
als deren Zeugnis seit 2014 immaterielles<br />
Kulturerbe. Vom „einfachen“<br />
Fasnetsmuseum zum Zentralmuseum<br />
war es ein weiter Weg. <strong>Der</strong> Verein Narrenschopf<br />
Bad Dürrheim wurde 1980<br />
gegründet und übernahm 1981 <strong>von</strong> der<br />
Kur- und Bäder GmbH Bad Dürrheim<br />
den Betrieb des Fastnachtsmuseums.<br />
2008 wurde der Verein nicht nur Narrenschopf-Betreiber,<br />
sondern auch Eigentümer<br />
des Museums. Bemerkenswert<br />
ist, dass die beiden ersten der drei<br />
Kuppeln des 1973 errichteten Museums<br />
aus der ehemaligen Saline Rottweil<br />
aus der Zeit um 1830 stammen<br />
und damals dort als Speicher dienten.<br />
Die drei Kuppeln verleihen dem Narrenschopf<br />
sein charakteristisches Gesicht.<br />
Das Museum der schwä<strong>bis</strong>chalemannischen<br />
Fastnacht im Kurpark<br />
Dürrheims ist mit 1200 Quadratmeter<br />
Ausstellungsfläche das größte Museum<br />
seiner Art in Deutschland. Die Exponate<br />
der Ausstellung sind <strong>von</strong> den<br />
Mitgliederzünften zur Verfügung gestellt<br />
und reichen teilweise <strong>bis</strong> in das<br />
17. Jahrhundert zurück. Zu den Besonderheiten<br />
zählen zwei Stiftungen<br />
– einmal die Maskensammlung der<br />
K. H.-Estermann-Stiftung und zum<br />
zweiten die hochwertigen Masken und<br />
Schemen der Villinger Fasnet aus der<br />
Manfred Merz-Sammlung.<br />
Träger des Museums ist die Vereinigung<br />
Schwä<strong>bis</strong>ch-Alemannischer<br />
Narrenzünfte (VSAN). <strong>Der</strong> am 16. November<br />
1924 in Villingen gegründete<br />
Verband mit Sitz in Bad Dürrheim ist<br />
eine der ältesten Narrenvereinigungen<br />
Deutschlands und ist ein Zusammenschluss<br />
<strong>von</strong> 68 Mitgliederzünften<br />
und sieben Partnerzünften aus den<br />
Regierungsbezirken Tübingen, Freiburg,<br />
Schwaben sowie fünf Kantonen<br />
der deutschsprachigen Schweiz. Rund<br />
10 000 Besucher pro Jahr kommen ins<br />
Museum.<br />
Dabei wird am Konzept des Museums<br />
immer wieder gefeilt. Größter<br />
Einschnitt war nach 30 Jahren Dauerausstellung<br />
im Jahr 2011 die Sanierung<br />
und Umsetzung der Neukonzeptionierung,<br />
in welche die Vereinigung<br />
800 000 Euro investierte. Nach Abschluss<br />
der Neukonzeptionierung<br />
präsentiert das Museum nach seiner<br />
Neueröffnung am 28. Januar nun nach<br />
neuesten museumswissenschaftlichen<br />
und museumspädagogischen<br />
Kriterien unterhaltsam Fastnachtsgeschichte.<br />
Per Audioguide und App erleben<br />
die Besucher Fasnetsgeschichte<br />
in verschiedenen Sprachen.<br />
Nicht nur die Ausstellung ist mehrere<br />
Besuche wert. Das Programm bietet<br />
im Jahresverlauf jede Menge Abwechslung.<br />
Dazu gehören beispielsweise<br />
inzwischen älter als 20 Jahre ist, ist es<br />
dank laufender Fortentwicklung unter<br />
anderem bei der Stromspeicherung<br />
immer noch aktuell und vor allem eine<br />
echte Alternative zu Fahrzeugen mit<br />
Verbrennungsmotor.<br />
Das Twike verbraucht auf 100 Kilometer<br />
vier <strong>bis</strong> sieben Kilowattstunden<br />
Energie. Wenn der benötigte Strom direkt<br />
aus Wind- oder Sonnenenergie gewonnen<br />
wird, entstehen auch bei der<br />
Stromerzeugung weder Abgase noch<br />
Feinstaub. Die aktuellen Lithium-Ionen-Akkus<br />
haben eine lange Lebensdauer,<br />
die weit höher ist, als die Garantie<br />
des Herstellers. Aktuell wird bereits<br />
ein sehr vielversprechendes Nachfolgemodell<br />
mit ganz neuen Möglichkeiten<br />
entwickelt.<br />
Natürlich bietet Felix Duffner seinen<br />
Kunden und anderen Interessenten<br />
kostenlose Probefahrten oder die<br />
Ein Mann, viele Energiekonzepte<br />
Nicht nur alternative Fortbewegung<br />
und Mobilität, auch die alternative<br />
Energienutzung ist ein ganz wichtiges<br />
Ziel für Felix Duffner. Bereits während<br />
seines Studiums im Maschinenbau,<br />
dann aber schon mit dem Schwerpunkt<br />
Energietechnik, hatte er ein<br />
zweites Mobilitätsprojekt ins Leben<br />
gerufen: Mit weiteren Interessenten<br />
gründete er 1993 das Furtwanger „Teilauto“<br />
und war hier auch im Vorstand<br />
tätig. Dieser CarSharing-Verein floriert<br />
und hat aktuell etwa 30 Mitglieder, seit<br />
einigen Jahren ist hier auch ein zweites<br />
Fahrzeug im Betrieb. Nicht zuletzt<br />
ist der Furtwanger CarSharing-Verein<br />
auch mit anderen entsprechenden<br />
Vereinen in Südbaden vernetzt.<br />
Möglichkeit, das Twike zu mieten. Außerdem<br />
führt er regelmäßig für Interessenten<br />
Touren mit Leihfahrzeugen<br />
beispielsweise zum Feldberg durch.<br />
Immer wieder ist der Diplom-Ingenieur<br />
Felix Duffner auch kompetenter<br />
Gesprächspartner für Gäste aus der<br />
ganzen Welt, die sich für diese alternative<br />
Art der Fortbewegung interessieren.<br />
So waren beispielsweise 2015 Studenten,<br />
Wissenschaftler und junge<br />
Unternehmer aus Südafrika in<br />
Deutschland unterwegs, um sich, finanziert<br />
vom südafrikanischen Wissenschaftsministerium,<br />
über die Möglichkeiten<br />
der Elektromobilität zu<br />
informieren. Zwei Tage lang waren die<br />
Gäste aus Südafrika dazu auch im Naturfreundehaus<br />
Brend in Furtwangen<br />
zu Gast und informierten sich bei Felix<br />
Duffner.<br />
1999 installierte Duffner auf seinem<br />
Anwesen ein erstes Blockheizkraftwerk,<br />
um das eigene Anwesen und mit<br />
der Zeit auch Nachbarn mit Wärme<br />
und auch Elektrizität zu versorgen. Vor<br />
zwei Jahren wurde dieses Blockheizkraftwerk<br />
erneuert: Die neue Anlage<br />
produziert die vierfache Menge an<br />
Strom und Wärme. Aktuell sind fünf<br />
Häuser mit ihrer Heizung an dieses<br />
Heizkraftwerk angeschlossen, auch<br />
ein benachbartes Studentenwohnheim<br />
dazu stoßen.<br />
Für die Sommermonate mit geringem<br />
Wärmebedarf wurde vor zwei Jahren<br />
noch eine Fotovoltaik-Anlage montiert.<br />
Mit dem Strom werden Teilnehmer<br />
auch direkt aus dem eigenen Netz<br />
Fasnet-Geschichte unter drei Kuppeln<br />
<strong>Der</strong> Narrenschopf in Bad<br />
Dürrheim gehört zum<br />
immateriellen Kulturerbe<br />
des <strong>Schwarzwald</strong>es<br />
Im Foyer des Narrenschopfes finden aus den Stiftungen heraus immer wieder interessante<br />
Wechselausstellungen ihren Raum. BILD: SABINE NAIEMI<br />
<strong>Der</strong> Narrenschopf in Bad Dürrheim bietet das ganze Jahr über kulturelle Vielfalt, wie etwa<br />
bei der langen Museumsnacht in Verbindung mit der Narrenbörse. Die Narren der Vereinigung<br />
feiern, die Narrenfiguren im Hintergrund geben den Rahmen ab. BILD: SABINE NAIEMI<br />
Kein Auto, aber auch kein Fahrrad. Das Twike<br />
schnurrt über die <strong>Schwarzwald</strong>höhen.<br />
versorgt, wobei aber die gleiche Menge<br />
an Strom auch noch ins öffentliche<br />
Netz eingespeist werden kann.<br />
Schließlich gründete Felix Duffner den<br />
Verein „Energiewende e.V.“. Von besonderer<br />
Bedeutung ist hier die Tatsache,<br />
dass dieser Verein nun mit fünf<br />
Prozent am Kraftwerk der Linachtalsperre<br />
und der dortigen Stromproduktion<br />
beteiligt ist, hier vor Ort also auch<br />
Linacher Strom vertreibt. Und aus<br />
diesem Verein heraus wurde noch eine<br />
Unternehmergesellschaft gegründet,<br />
die künftig ähnliche Energieprojekte<br />
wie das eigene Blockheizkraftwerk an<br />
anderen Standorten realisieren soll.<br />
www.duffner-energieanlagen.de<br />
www.energiewende-ev.de<br />
<strong>Der</strong> Narrenschopf<br />
<strong>Der</strong> Narrenschopf Bad Dürrheim ist<br />
ein Museum, das sich mit dem Brauchtum<br />
der schwä<strong>bis</strong>ch-alemannischen<br />
Fastnacht beschäftigt. Geöffnet ist das<br />
Museum <strong>von</strong> Dienstag <strong>bis</strong> Samstag<br />
jeweils <strong>von</strong> 14 <strong>bis</strong> 17 Uhr, Sonntag und<br />
an Feiertagen <strong>von</strong> 11 <strong>bis</strong> 17 Uhr.<br />
Informationen stehen im Internet unter<br />
www.narrenschopf.de.<br />
Kontakt unter Telefon 07726-6492,<br />
oder per E-Mail unter: info@narrenschopf.de.<br />
verschiedene Sonderausstellungen<br />
und darüber hinaus zahlreiche Veranstaltungen.<br />
Wie die lange Museumsnacht<br />
nach dem Motto „Wir packen<br />
das Fäscht beim Schopf“ am 6. Mai in<br />
Verbindung mit der jährlichen Narrenbörse.<br />
Kulturgeschichtliche Überlegungen<br />
zum (Un-)Sinn der Fastnacht<br />
am Beispiel Löffingens waren zum<br />
Beispiel Inhalt des Vortrages <strong>von</strong> Matthias<br />
Wider, Geschichtsdidaktiker und<br />
Kulturbeauftragter des Vereins Laternenbrüder<br />
Löffingen, am 4. Februar.<br />
<strong>Der</strong> Narrenschopf wird sich mit einer<br />
Museumsrallye für Kinder im Rahmen<br />
des Familientages beim Lichterfest am<br />
20. August beteiligen, noch ohne konkreten<br />
Termin steht aber dennoch ein<br />
Auftritt des Kabarettisten Thomas Moser<br />
aus Villingen auf dem Programm.<br />
Vorträge, Lesungen und Theateraufführungen<br />
in lockerer Folge runden<br />
das Museumsprogramm ab.<br />
Nach Konsolidierung der Besucherzahlen<br />
im vergangenen Jahr mit leichter<br />
Tendenz zur Steigerung richtet sich<br />
2017 der Blick auf weiterer Steigerung<br />
der Besucherzahlen. Besonders bei<br />
den szenischen Lesungen und thematischen<br />
Führungen hätte man gute<br />
Resonanz verzeichnet, berichtet Kathleen<br />
Mönicke, Geschäftsführerin des<br />
Museums. „Die Kuppel 3 bietet einen<br />
tollen Hintergrund für Veranstaltungen<br />
und wird auf Anfrage auch vermietet“,<br />
so Mönicke weiter.<br />
Thematische Führungen wie hier mit Monika Link (rechts im Bild) bereichern das ganze Jahr<br />
über das Programm des Fastnachtsmuseums Narrenschopf. BILD: SABINE NAIEMI
12 <strong>Heimat</strong> HEIMAT VON <strong>von</strong> A BIS <strong>bis</strong> SÜDKURIER FREITAG, 17. NR. FEBRUAR 40 | SWM 2017<br />
Z<br />
Owie Outdoor<br />
VON RAMONA LARHZAL<br />
Traumpfade abseits <strong>von</strong> Loipen und Pisten<br />
Schneeschuhwanderern<br />
bieten sich bei Touren<br />
zauberhafte Aussichten<br />
Pulverschnee bedeckt die Landschaft<br />
und die Sonne verwandelt den sonst<br />
eher dunklen <strong>Schwarzwald</strong> <strong>bis</strong> in den<br />
letzten Winkel in eine glitzernde und<br />
funkelnde Märchenlandschaft. Dieses<br />
idyllische Postkartenmotiv begeistert<br />
die Touristen im Ferienland <strong>Schwarzwald</strong><br />
und lässt nicht nur die Herzen<br />
der Wintersportler höher schlagen.<br />
<strong>Der</strong> perfekte Zeitpunkt, um an die frische<br />
Luft zu gehen und diese wunderbare<br />
Winterlandschaft hautnah<br />
zu erleben. Doch wohin des Weges?<br />
Am liebsten in die unberührte Natur,<br />
abseits <strong>von</strong> gebahnten Loipen und<br />
Pisten, weg <strong>von</strong> all dem Trubel. Aber<br />
kommt man da überhaupt hin, wenn<br />
alles so verschneit ist?<br />
Diese Momente genießt Rolf Lehmann<br />
ganz besonders. <strong>Der</strong> sportliche<br />
Rentner aus St. Georgen bietet Wanderungen<br />
mit Schneeschuhen an und<br />
freut sich bei tagelangem Schneefall<br />
immer ganz besonders über diese flexible<br />
Sportart bei der jeder, auch ohne<br />
Vorkenntnisse, mitmachen kann. „Wir<br />
müssen noch nicht einmal warten, <strong>bis</strong><br />
die Loipen oder Pisten präpariert sind.<br />
Mit unseren Schneeschuhen können<br />
wir direkt los“, erklärt er begeistert.<br />
Auf Neuschnee mache das Wandern<br />
mit den überdimensionalen Schuhen<br />
erst richtig viel Spaß. „Dorthin, wo<br />
es am Schönsten ist“, bringt er seine<br />
Gruppen, sodass auch geübte, ortskundige<br />
Wanderer Neues entdecken<br />
und unbekannte Aussichten genießen<br />
können. „Durch die große Oberfläche<br />
der Schneeschuhe, die direkt an<br />
den Schuh montiert werden, wird das<br />
Einsinken im tiefen Schnee verringert,<br />
sodass fast jedes verschneite Gelände<br />
begangen werden kann“, erklärt er.<br />
Für Schneeschuhwanderungen stehen genügend Leih-Schuhe zur Verfügung.<br />
Pwie Panorama<br />
VON ALEXANDER HÄMMERLING<br />
Ein fantastisches Alpenpanorama belohnt Frühaufsteher bei einer Belchen-Schneeschuhwanderung.<br />
Das Thermometer zeigt um 8 Uhr morgens -30 °C. BILDER: STEFFEN W. ESSLINGER<br />
Sommers wie winters bietet der Panoramaweg<br />
zwischen der Brenzstraße<br />
und dem Waldfriedhof einen fantastischem<br />
Ausblick auf Schwenningen.<br />
Jahrelang machte er seinem Namen<br />
aber keine Ehre: <strong>Der</strong> Weg war durch<br />
Gestrüpp zugewuchert. Jetzt wurde<br />
er endlich saniert. Jedoch findet die<br />
Geschichte aktuell immer noch ihre<br />
Fortsetzung in den Haushaltsberatungen<br />
im Gemeinderat, der Schlussstein<br />
der Sanierung ist erst gesetzt, wenn<br />
die Treppe zwischen dem Brenz- und<br />
Panoramaweg, der sogenannte Knieschepper,<br />
wieder hergerichtet ist.<br />
„<strong>Der</strong> seltsame Name der Treppe<br />
rührt daher, dass der unbequeme Abstand<br />
zwischen den Stufen und Höhenunterschied<br />
geradezu zum Stolpern<br />
verlocken“, so der SPD-Stadtrat<br />
und stellvertretender Vorsitzender des<br />
Schwenninger <strong>Heimat</strong>vereins, Siegfried<br />
Heinzmann. Im Haushalt 2016<br />
wurden 100 000 Euro für die Treppensanierung,<br />
die 2017 erfolgen soll, bereitgestellt.<br />
Heizmann fragt sich, ob<br />
dieser Betrag ausreicht. Die Treppe mit<br />
knapp 100 Stufen soll vollständig abgerissen<br />
und wieder aufgebaut werden.<br />
Bis dato ist unklar, ob unter ihr Wasserleitungen<br />
zum Friedhof verlaufen,<br />
deren Berücksichtigung bei den Bauarbeiten<br />
einen enormen, finanziellen<br />
Mehraufwand nach sich ziehen würden.<br />
„Ferner sind ursprünglich Mittel<br />
<strong>von</strong> 370 000 Euro für Weg und Treppe<br />
eingeplant gewesen. Was mit dem Rest<br />
passiert, wird sich hoffentlich bei den<br />
Haushaltsdebatten klären“, so Heinzmann.<br />
Denn für die Instandsetzung<br />
des Wegs fielen <strong>bis</strong>her 25 000 Euro seitens<br />
des Forstamtes und knapp 50 000<br />
Euro seitens des Stadtbauamtes an.<br />
Eben jene Summe wurde zwischen<br />
Sanierungsbeginn in der vorletzten<br />
Novemberwoche 2015 und der Einweihung<br />
des Wegs am 7. September 2016<br />
<strong>bis</strong>her aufgewendet. Oberbürgermeister<br />
Rupert Kubon und Baubürgermeister<br />
Detlev Bürer gaben sich zur Einweihung<br />
die Ehre. „<strong>Der</strong> Panoramaweg<br />
hat nun endlich wieder Panorama“,<br />
freute sich auch der stellvertretende<br />
Forstamtsleiter Roland Brauner. Kubon,<br />
seinerzeit frisch aus dem Wanderurlaub<br />
im Thüringer Wald zurückgekommen,<br />
betonte, wie wichtig<br />
bequeme Wanderwege sind. Im Zentrum<br />
der Einweihung standen jedoch<br />
die Protagonisten vom Schwenninger<br />
<strong>Heimat</strong>verein, vom Necklemer Bürgerverein<br />
und vom Schwä<strong>bis</strong>chen Albverein<br />
(Ortsgruppe Schwenningen).<br />
Alleine ihrer hartnäckigen Initiative<br />
ist der jetzige Zustand zu verdanken.<br />
Immer wieder beanstandeten Bür-<br />
Erlebnisreiche Tour: Diese Schneeschuhwanderung<br />
führt auf den Belchen.<br />
Immer mittwochs, vorausgesetzt es<br />
liegt Schnee, wandert Rolf Lehmann<br />
mit einer Gruppe vom Hirzwald über<br />
Brigach, weiter in Richtung Oberkirnach<br />
zum Kesselberg, wo dann je nach<br />
Fitness der Teilnehmer entschieden<br />
wird, ob die zweieinhalb Stunden lange<br />
Tour noch ein wenig verlängert oder<br />
der Weg direkt zurück zum Hirzwald<br />
eingeschlagen wird. Dort kann in geselliger<br />
Runde noch eingekehrt werden.<br />
Aber auch ganz individuell gestaltet<br />
der geübte Führer seine Touren.<br />
„Wir haben Anmeldungen <strong>bis</strong> in<br />
den März hinein“, erzählt Marianne<br />
Kieninger <strong>von</strong> der Tourist-Info in St.<br />
Georgen. Sie ist für die Organisation<br />
der Wanderungen und den Verleih der<br />
Schneeschuhe zuständig. „Im gesamten<br />
Ferienland stehen 220 Kilometer<br />
geräumte Rund- und Zielwanderwege<br />
für Schneeschuhe zur Verfügung.<br />
Diese können je nach Kondition ausgewählt<br />
werden“, ergänzt sie. So können<br />
also auch Schneeschuhbegeisterte<br />
auf eigene Faust loswandern. Die<br />
Schneeschuhe zum Ausleihen und die<br />
passende Wanderkarte gibt es für eine<br />
günstige Tagespauschale in den Tourist-Infos<br />
in St. Georgen, Schönwald<br />
und Furtwangen.<br />
Für den Naturführer Richard Krieg<br />
vom <strong>Schwarzwald</strong>verein Furtwangen<br />
spielt der Landschafts- und Naturschutz<br />
beim Schneeschuhwandern<br />
eine wichtige Rolle. „Vor allen Dingen<br />
die Wildtiere, aber auch die jungen<br />
Pflanzen unter dem Schnee müssen<br />
geschützt werden“, erklärt der ehrenamtliche<br />
Wanderführer. Vor allem für<br />
Schneeschuhwanderer, die ohne Führer<br />
losgehen, sei es wichtig, auf den<br />
ausgeschilderten Wegen zu bleiben<br />
und sich an die vorgegebenen Regeln<br />
zu halten. Beliebt sind seine Touren<br />
auch bei den Patienten der Kinderrehabilitationsklinik<br />
Katharinenhöhe.<br />
Wenn sie mit den Schneeschuhen<br />
durch die verschneite Landschaft<br />
wandern, tritt für einige Stunden das<br />
Schicksal der Patienten in den Hintergrund<br />
und sie können die überwältigenden<br />
Landschaftseindrücke genießen.<br />
Die Schneeschuhwanderungen des<br />
<strong>Schwarzwald</strong>verein Schwenningen<br />
finden je nach Schneelage beispielsweise<br />
auf dem Herzogenhorn oder<br />
auch am Feldberg statt. „Hierfür stehen<br />
fünf vereinseigene Führer und 20<br />
Paar Schneeschuhe zur Verfügung“,<br />
erklärt der Vorsitzende Steffen Esslinger.<br />
Mit den fünf Sonntagstouren im<br />
neuen Jahr begeistern die Wanderführer<br />
ihre Teilnehmer. „Die Ziele werden<br />
immer erst eine Woche vor dem<br />
<strong>Der</strong> lange Weg zum Panoramablick<br />
Jetzt ist der Panoramaweg in Schwenningen wieder<br />
eine Perle der Erholung für Jung und Alt. Aber auch<br />
nach über fünf Jahren fehlt noch ein letzter Schliff<br />
ger den sichteinschränkenden Wildwuchs<br />
am Panoramaweg, für den sich<br />
in der Verwaltung seit seiner Aufhübschung<br />
zur Landesgartenschau 2010<br />
keiner richtig zuständig fühlte. Bei<br />
einer Begehung des Panoramawegs<br />
kommentierte Heinzmann zu dem<br />
Aufgang, einer kurzen Treppe unweit<br />
der Pauluskirche, den Anwesenden<br />
gegenüber: „Vorsicht, die ist lebensgefährlich.“<br />
Das Ergebnis der Begehung<br />
war die Übergabe einer Mängelliste<br />
mit Antrag auf Beseitigung am 16. April<br />
2015, an die Stadtverwaltung. <strong>Der</strong><br />
Gemeinderat genehmigte schließlich<br />
die Maßnahme, die Federführung für<br />
die Planung hatte der Forstamtsleiter<br />
Tobias Kühn, das Stadtbauamt war<br />
ebenfalls beteiligt. Jedoch wird bereits<br />
bei der Planung der Verkehrssicherungshiebs<br />
sichtbar, dass selbst Pachtverhältnisse<br />
der Anrainergrundstücke<br />
unklar sind. Die Verträge stammen<br />
aus der Nachkriegszeit. So war auch<br />
das Liegenschaftsamt beteiligt.<br />
<strong>Der</strong> Panoramaweg und seine Sanierung<br />
Gut fünf Jahre haben sich die Arbeiten am<br />
Panoramaweg hingezogen. Ein Überblick,<br />
was dort alles gemacht wurde.<br />
➤➤Maßnahmen zur Landesgartenschau:<br />
2010 erfuhr der Panoramaweg zur<br />
Landesgartenschau, damals völlig zugewuchert,<br />
einen notdürftigen Eingriff.<br />
Eine etwa zehn Meter breite<br />
Schneise in der Mitte des knapp 500<br />
Meter langen Wegs, wurde für eine<br />
Blickmöglichkeit auf die Dächer der<br />
Stadt geschlagen. Die aufgestellten<br />
Geschichte und Kauftipps<br />
Das Schneeschuhwandern hat eine<br />
lange Tradition und mit dem Fund<br />
eines rund 6000 Jahre alten Schneeschuhs<br />
am Gurgler Eisjoch in Südtirol<br />
konnten Archäologen im September<br />
2016 beweisen, dass bereits vor Ötzi<br />
Schneeschuhe als Fortbewegungsmittel<br />
genutzt wurden. Vor allem in<br />
schneereichen Regionen fertigten sich<br />
die Menschen mit den unterschiedlichsten<br />
Materialen Schneeschuhe an<br />
und erleichterten sich mit diesen praktischen<br />
Hilfsmitteln, die die Trittfläche<br />
vergrößern und so das Einsinken in den<br />
Tiefschnee vermeiden, den Gang durch<br />
den Schnee. Im 19. Jahrhundert verwandelte<br />
sich das Schneeschuhlaufen<br />
immer mehr zur Freizeitbeschäftigung<br />
und wurde vor einigen Jahren zum regelrechten<br />
Trend für Jung und Alt.<br />
Beim Kauf <strong>von</strong> Schneeschuhen muss<br />
zu allererst geklärt werden, wo und<br />
zu welchem Zwecke die Schneeschuhe<br />
eingesetzt werden. So können im<br />
Mittelgebirge beispielsweise auf die<br />
Steighilfen verzichtet werden. Die Größe<br />
des Schneeschuhs richtet sich nach<br />
dem Körpergewicht und der Schrittlänge.<br />
Da die Schneeschuhe an den<br />
eigentlichen Schuh montiert werden,<br />
sind knöchelhohe Winterschuhe wichtig.<br />
Für eine gute Balance und auch um<br />
Kraft zu sparen sind Stöcke mit breiten<br />
Schneetellern für das Schneeschuhwandern<br />
unabdingbar. (ral)<br />
Termin bekannt gegeben, sodass wir<br />
beste Schneebedingungen garantieren<br />
können“, erklärt der Vorsitzende. Außer<br />
knöchelhohen Winterschuhen und<br />
winterfester, atmungsaktiver Kleidung<br />
müssten die Teilnehmer keine besonderen<br />
Kenntnisse mitbringen.<br />
Ein Höhepunkt in den Wintermonaten<br />
sind die Schneeschuhwanderungen<br />
bei Vollmond. In der Dämmerung<br />
geht es los und sobald der Mond hinter<br />
dem Wald hervortritt, wird die Landschaft<br />
hell erleuchtet.<br />
SPD-Stadtrat Siegfried Heinzmann engagierte sich für den Panoramaweg. Auch im Winter<br />
ist sein Ausblick zum genießen. BILDER: ALEXANDER HÄMMERLING<br />
SÜDKURIER NR. 40 | SWM<br />
FREITAG, 17. FEBRUAR 2017<br />
Holzbänke waren jedoch schnell wieder<br />
marode und brüchig.<br />
➤➤Sanierung <strong>bis</strong> Herbst 2016: Zunächst<br />
wurde das Gestrüpp am Abhang beseitigt.<br />
Auch an der dem Wald zugewandten<br />
Seite wurden die Äste zwei<br />
Meter Tief geschlagen. <strong>Der</strong> Asphalt<br />
wurde aufgefräst, die Strecke arrondiert,<br />
geschottert, gewalzt, die Höhenunterschiede<br />
ausgeglichen und mit einer<br />
Sandauflage als Feinbelag bedeckt.<br />
Die kurze Treppe am Aufgang abgerissen<br />
und als Rampe mit Geländer<br />
gestaltet. Barrierefrei war der Aufgang<br />
bereits zuvor.<br />
➤➤Gestiftete Bänke: Fünf Bänke, gestiftet<br />
durch die beteiligten Vereine und<br />
dem Unternehmen Hattler & Sohn,<br />
zieren nun den Paronamaweg. Die<br />
vom Forstamt ausgestellte Rechnung<br />
beträgt hierfür symbolisch 1500 Euro.<br />
Bei den Bänken handelt es sich um mit<br />
Granit unterbaute Edelvarianten der<br />
Sitzmöglichkeiten. (häm)
SÜDKURIER NR. 40 | SWM<br />
FREITAG, 17. FEBRUAR 2017<br />
<strong>Heimat</strong> SÜDKURIER FREITAG, 17. NR. FEBRUAR 40 | SWM <strong>von</strong> 2017 A <strong>bis</strong> Z 13<br />
<strong>Heimat</strong> <strong>von</strong> A <strong>bis</strong> Z 13<br />
Qwie Quelle<br />
VON GÜNTER VOLLMER<br />
Die Donau und ihre Quellen<br />
Die Diskussionen um die<br />
richtige Donauquelle<br />
werden nie verebben<br />
Donau, Neckar, Brigach, Breg – der<br />
<strong>Schwarzwald</strong>-Baar-Kreis bezeichnet<br />
sich zu Recht als Quellenland. Mit der<br />
Donau nimmt hier zudem der mit über<br />
2800 Kilometern zweitlängste europäische<br />
Fluss seinen Anfang. Wie lange<br />
die Donau nun wirklich ist, bleibt umstritten.<br />
Donaueschingen wie Furtwangen<br />
hegen Anspruch auf deren<br />
Ursprung. <strong>Der</strong> Quellenstreit zwischen<br />
wird heute eher mit Humor genommen,<br />
zuletzt beim Quellenfest im vergangenen<br />
Juni, als eine närrisch angehauchte<br />
Furtwanger Delegation die<br />
Einweihungsfeierlichkeiten der Quellfassung<br />
nach langer Sanierungszeit<br />
humorvoll gestört hatte.<br />
Es war 1954, als ein Feriengast, der<br />
Zahnarzt Ludwig Oehrlein aus Würzburg,<br />
zum Dank der Stadt eine Expertise<br />
fertigte. Darin spricht der<br />
Mann Furtwangen mit dem unstrittig<br />
längsten Zufluss die Donauquelle zu.<br />
Furtwangen beschriftete fortan Verkehrsschilder<br />
zur Bregquelle bei der<br />
Martinskapelle fortan mit Donauquelle.<br />
Dies kann man in einem kleinen<br />
Prospekt nachlesen, der 2016 wieder<br />
aufgelegt wurde. Darin geht es um den<br />
richtigen Quellstandort, verfasst <strong>von</strong><br />
Bernhard Everke. <strong>Der</strong> frühere OB Donaueschingens<br />
war es auch, der 1981<br />
den Quellenstreit erst entfacht und<br />
landesweit bekannt gemacht hatte. Die<br />
Donauquellen-Schilder in Furtwangen<br />
störten ihn. Beim Landesparteitag der<br />
CDU in den Donauhallen bat er den<br />
jüngst verstorbenen Roman Herzog,<br />
damals Innenminister des Landes, in<br />
einem offensiv gehaltenen Grußwort<br />
um eine schriftliche Bestätigung der<br />
Donauquelle für Donaueschingen.<br />
Noch im selben Jahr wurde Everke<br />
vom Innenministerium bestätigt, dass<br />
die Bregquelle in den amtlichen Reisekarten<br />
nicht mehr als Donauquelle<br />
eingetragen werde.<br />
Das Gerangel um die meisten Quelltouristen<br />
hat sich längst gelegt. Wer<br />
sich für den Fluss interessiert, macht<br />
halt zwei Bilder, eins in Donaueschingen<br />
und eines an der Martinskapelle.<br />
Genau genommen ist die Donau nur<br />
ein recht kurzer Fluss, der über die<br />
Versinkungen bei Immendingen und<br />
Fridingen zur Aachquelle wird und somit<br />
zum Zufluss des Rheins. Im Rekordjahr<br />
1921 versank die Donau bei<br />
Immendingen an 309 Tagen vollständig.<br />
Mit dem Bau eines Stollens durch<br />
den Möhringer Berg griff der Mensch<br />
1963 ein und führt damit dauerhaft<br />
Donauwasser an der Versinkungsstelle<br />
hinter Immendingen vorbei. Noch<br />
älter ist ein Stollen bei Fridingen. Ohne<br />
diese Eingriffe wären bei Vollversinkung<br />
die beiden Nebenflüsse Krähenbach<br />
(Möhringen) und Elta (Tuttlingen)<br />
die Quellflüsse der Donau.<br />
Die sanierte Donauquelle in Donaueschingen. BILDER: GÜNTER VOLLMER<br />
Quellen-Studium<br />
Quell-Sanierung: Die Donauquelle wurde<br />
<strong>von</strong> Frühjahr 2013 <strong>bis</strong> Mitte November<br />
2015 einer grundlegenden und technisch<br />
wie denkmalpflegerisch anspruchsvollen<br />
Sanierung unterzogen. In den vergangenen<br />
Jahren zerfiel der in den Boden versenkte<br />
Donauquelltopf mit seinen hochwertigen<br />
Bildhauerarbeiten immer mehr,<br />
da die rückwärtige, immerhin rund 130<br />
Jahre alte Abdichtung der Steine zum Erdreich<br />
hin nicht mehr funktionierte. 2,6 Millionen<br />
Euro wurden für die anspruchsvolle<br />
Sanierung der Donauquelle einschließlich<br />
der Umgestaltung des Areals, dem Neubau<br />
der Treppenanlage und des Aufzugs<br />
ausgegeben.<br />
Quellgebiet: Die Donauquelle ist eine so<br />
genannte Karst-Aufstoß-Quelle. Da<strong>von</strong><br />
gibt es 15 im Bereich des Schlossparks.<br />
Die Donauquelle hat eine Schüttung <strong>von</strong><br />
50 <strong>bis</strong> 150 Sekundenliter. Die Bregquelle<br />
bei Furtwangen erbringt einen Liter<br />
pro Sekunde. <strong>Der</strong> römische Feldherr und<br />
spätere Kaiser Tiberius sah, nach einem<br />
Bericht des Geographen Strabon, 15 v.<br />
Das Relief zeigt<br />
Besuchern den Verlauf<br />
der Donau <strong>bis</strong><br />
ins Schwarze Meer.<br />
Mutter Baar zeigt der jungen Donau den Weg. Dahinter ist einer der<br />
Kirchtürme der Stadtkirche zu sehen.<br />
Chr. „nach einer Tagesreise“ vom See<br />
gegen Norden „die Quellen der Donau“<br />
und somit, so folgert der ehemalige OB<br />
Bernhard Everke, die Quellen im heutigen<br />
Schlosspark.<br />
Quell-Geschichte: 1292 wird die Donauquelle<br />
urkundlich erwähnt. Und schon<br />
zu Zeiten der Kelten, so Everke, habe die<br />
Breg „Brege“ geheißen.<br />
Quellenstreit I: Schon 1720 wird um die<br />
richtige Quelle gestritten. Allmendshofen<br />
wollte die Donauquelle haben. Die Juniperusquelle<br />
habe mit 150 Sekundenliter<br />
die größere Schüttung und sei deshalb die<br />
eigentliche Donauquelle. <strong>Der</strong> Streit wurde<br />
erst 1933 gelöst, als Allmendshofen <strong>von</strong><br />
Donaueschingen eingemeindet wurde.<br />
Namensquelle: Was ist entscheidend für<br />
den Flussnamen: Weltweit hat sich die historisch<br />
gewordene Bezeichnung durchgesetzt<br />
und nicht der längste oder etwa der<br />
wasserreichere Quellfluss. <strong>Der</strong> Missouri<br />
ist der längere Zufluss, dennoch heißt der<br />
Fluss <strong>bis</strong> zur Mündung Mississippi. Beim<br />
Ganges ist auch der Bramaputra der längere<br />
Zufluss. Und deutlich mehr Wasser<br />
führt der Inn bei Passau in die Donau, verliert<br />
dort aber seinen Namen. (gvo)<br />
Rwie Reiter<br />
VON ROGER MÜLLER<br />
Die Reiterstadt<br />
Durch das Fürstenberg-<br />
Reitturnier im Schlosspark<br />
ist Donaueschingen für<br />
Pferdesportler ein fester<br />
Begriff geworden<br />
Eines der traditionsreichsten Turniere in Europa,<br />
das CHI in Donaueschingen, beging im<br />
vergangenen Jahr seinen 60. Umlauf.<br />
BILD: ROGER MÜLLER<br />
Wohlfühlen – mit einem Hauch <strong>von</strong> Kohlensäure<br />
Weite Mündung,<br />
spürbar besser zu öffnen.<br />
www.bad-duerrheimer.de<br />
Die kleine Baarmetropole Donaueschingen<br />
hat neben der Donauquelle<br />
und den bekannten Musiktagen auch<br />
einen großen Namen als Reiterstadt.<br />
Neben dem CHI im Donaueschinger<br />
Schlosspark, zählen auch inzwischen<br />
das Fest der Pferde auf den Immenhöfen<br />
und der Fürstenberg Polo Cup zu<br />
namhaften Reitsportveranstaltungen<br />
auf internationalem und nationalem<br />
Parkett.<br />
Zweifelsohne ist das CHI Donaueschingen,<br />
welches heute unter S.D.<br />
Joachim zu Fürstenberg Gedächtnisturnier<br />
firmiert, das Reitsportspektakel<br />
im Herbst in Deutschland<br />
schlechthin. Zudem ist es eines der<br />
traditionsreichsten Reitsportturniere<br />
in Europa. Kaum irgendwo sonst gibt<br />
es die Kombination aus Springen, Fahren,<br />
Dressur und Polo in einem Veranstaltungsformat.<br />
Die Anfänge des CHI Donaueschingen<br />
gehen auf das Jahr 1954 zurück, in<br />
dem erstmals ein nationales Turnier<br />
ausgetragen wurde. Fünf Jahre später<br />
nahmen auch schon Reiter aus dem<br />
benachbarten Ausland teil. Nach den<br />
Landesmeisterschaften 1964, wurde<br />
das Turnier ein Jahr später erstmalig<br />
als CHI Donaueschingen ausgetragen<br />
und war somit international. Schon<br />
1976 war Donaueschingen Austragungsort<br />
der deutschen Meisterschaften<br />
in Springen und Dressur. Die Vierspännerfahrer,<br />
die seit 1976 beim CHI<br />
vertreten sind, richteten im Jahr 2000<br />
ebenfalls die deutschen Meisterschaften<br />
aus.<br />
Die Reitsportveranstaltung zieht jedes<br />
Jahr internationale Spitzensportlern<br />
an, und wird zudem als Höhepunkt<br />
für die Nachwuchsreiter der<br />
Region gehandelt. Durch die Station<br />
der Young Masters League (European<br />
Youngster Cup, eine europaweite Turnierserie<br />
für Springreiter <strong>bis</strong> 25 Jahre)<br />
können so Nachwuchsreiter und Talente<br />
<strong>von</strong> morgen die ganz große Turnierluft<br />
schnuppern. Die Mischung<br />
aus Spitzensport und Volksfestcharakter,<br />
die mitunter über 25 000 Besucher<br />
an den vier Turniertagen in das<br />
Reitstadion im fürstlichen Schlosspark<br />
lockt, macht die Veranstaltung so besonders.<br />
Zu den Höhepunkten der Turniergeschichte<br />
zählen die Ausrichtung der<br />
Europameisterschaften der Vierspännerfahrer<br />
1977, die Austragung des<br />
CHIO der Bundesrepublik Deutschland<br />
anstelle Aachens im Jahr 1986<br />
und die Durchführung der Europameisterschaften<br />
der Dressurreiter 1991<br />
sowie der Springreiter im Jahr 2003.<br />
Im vergangenen Jahr wurde die Veranstaltung<br />
bereits zum 60. Mal ausgetragen.<br />
Auf nationaler Ebene zählt mittlerweile<br />
das Fest der Pferde auf den<br />
Immenhöfen ebenfalls zu einem der<br />
schönsten Turniere im Ländle. Die<br />
zweitgrößte Reitsportveranstaltung<br />
<strong>von</strong> Donaueschingen auf den Immenhöfen<br />
feierte im abgelaufenen Jahr<br />
ihren 20. Umlauf, und wurde zudem<br />
zum zweiten Mal als internationales<br />
Turnier ausgeschrieben. Auch diese<br />
Veranstaltung besticht neben Spitzenreitsport<br />
der Springreiter mit einem<br />
ausgefeilten Rahmenprogramm und<br />
hat ebenfalls Volksfestcharakter. Zudem<br />
legen die Veranstalter beim Fest<br />
der Pferde Wert auf das familiäre Flair,<br />
welches dem Turnier <strong>bis</strong> heute auch<br />
aufgrund der Internationalität nie verloren<br />
gegangen ist.<br />
Seit 2006 richtet das Fürstenhaus<br />
zu Fürstenberg den „Fürstenberg Polo<br />
Cup“auf dem Gelände des Donaueschinger<br />
Polo Clubs aus. Acht Teams<br />
der Medium Goal Klasse kämpfen hier<br />
um den Turniersieg. Hier trifft sich die<br />
Poloszene mit Spielern aus Deutschland,<br />
Frankreich, Italien, Schweiz, Brasilien<br />
und Argentinien. Umrahmt wird<br />
das Turnier an allen drei Spieltagen<br />
<strong>von</strong> einem großen Ausstellerbereich,<br />
denn auch hier ist man bedacht darauf,<br />
vielen Besuchern und Interessierten<br />
den Polosport näher zu bringen.<br />
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14 <strong>Heimat</strong> HEIMAT VON <strong>von</strong> A BIS <strong>bis</strong> SÜDKURIER FREITAG, 17. NR. FEBRUAR 40 | SWM 2017<br />
Z<br />
Swie Skisport<br />
VON EBERHARD STADLER<br />
David Ketterers Traum vom Skiweltcup wird wahr<br />
Nach zwei schlechten<br />
Jahren ist der Skifahrer<br />
wieder im Aufwind. In den<br />
USA kehrte die Lockerheit<br />
wieder zurück<br />
Einmal mit Felix Neureuther und Fritz<br />
Dopfer im Skiweltcup an den Start<br />
gehen und gegen die Weltelite antreten:<br />
Das ist der große Traum <strong>von</strong> David<br />
Ketterer, dem Skirennfahrer vom<br />
Schwimm- und Skiclub Schwenningen<br />
(SSC). Jetzt endlich wird sein Traum<br />
wahr. <strong>Der</strong> Deutsche Skiverband hat<br />
ihn für die Weltcup-Slalomrennen in<br />
Kitzbühel sowie beim Nachtrennen in<br />
Schladming angemeldet.<br />
Seit einigen Jahren kämpft der<br />
23-jährige Nationalteamfahrer um den<br />
Anschluss an die Weltspitze im Slalom<br />
und Riesenslalom – allerdings ohne<br />
den Durchbruch zu schaffen. Im August<br />
hat er daher einen großen Schnitt<br />
gemacht und seinen Lebensmittelpunkt<br />
in die USA verlegt. Seinen skifahrerischen<br />
Ambitionen hat der Tapetenwechsel<br />
Flügel verliehen. „Zur Zeit<br />
stehen alle Pfeile nach oben“, freut sich<br />
der Leistungssportler im Gespräch mit<br />
dem SÜDKURIER.<br />
David Ketterer, in Villingen-<br />
Schwenningen aufgewachsen als<br />
jüngster <strong>von</strong> vier Brüdern, hat eine<br />
mustergültige Skifahrer-Karriere hinter<br />
sich. Vom Bezirkskader schaffte er<br />
es <strong>bis</strong> in die Nationalmannschaft, fuhr<br />
dort im Europacup, der zweithöchsten<br />
Rennserie. 2012 machte der junge<br />
Mann, der in seiner <strong>Heimat</strong>stadt<br />
mehrfach zum Sportler des Jahres<br />
gewählt wurde, richtig Schlagzeilen.<br />
T<br />
wie<br />
Die Tanzschule Seidel hat<br />
sich einen guten Ruf<br />
erworben, weit über<br />
Donaueschingen hinaus<br />
VON ROGER MÜLLER<br />
Tanzschule<br />
David Ketterer (mitte) auf dem Siegerpodest<br />
in Panorama (Kanada). BILD: PRIVAT<br />
Sie gehört europaweit zu einer der erfolgreichsten<br />
Tanzschulen wenn es<br />
um HipHop und Videoclip-Dancing<br />
geht: die Tanzschule Seidel mit Filialen<br />
in Singen, Villingen, Backnang und<br />
Donaueschingen. Sie steht aber auch<br />
als Synonym für den Tanzsport allgemein,<br />
sei es vom Tanzkurs bei Schülern,<br />
Erwachsenen oder tanzfreudigen<br />
Kindern. Einige Hundert alleine<br />
in Donauschingen, im Alter zwischen<br />
drei und 70 Jahren besuchen regelmäßig<br />
die Kurse.<br />
Tanzen verbindet, neue Freundschaften<br />
entstehen beim HipHop-<br />
Kurs, das soziale Verhalten wird allgemein<br />
gefördert, und vor allem der<br />
Spaß am Bewegen wird in der Tanzschule<br />
Seidel ganz groß geschrieben.<br />
Die Tanzschule Christian Seidel gibt<br />
es seit 1997. In einem kleinen Saal in<br />
einem Singener Kaufhausgebäude fing<br />
alles an, dann wechselte man 1999 die<br />
Räumlichkeiten und zog in die Scheffelstraße<br />
in Singen, wo auch heute<br />
noch die Tanzkurse stattfinden. Aktuell<br />
laufen die Planungen für einen<br />
großen Neubau in Singen. 2004 wurde<br />
eine zweite Tanzschule in Donaueschingen<br />
eröffnet. Seit Anfang dieses<br />
Jahres gehört auch das Twist in der Donaueschinger<br />
Josefstraße als öffentliche<br />
Bar, Eventlocation und Tanzsaal<br />
dazu. Dazwischen wurde 2008 aber<br />
auch nach Villingen expandiert, 2014<br />
realisierte man dort mit einem Neubau<br />
das <strong>bis</strong>her größte Projekt der Tanzschule.<br />
Einen Herzenswunsch jedoch erfüllte<br />
sich Christian Seidel dann noch<br />
vor drei Jahren mit der Eröffnung einer<br />
Filiale in seiner <strong>Heimat</strong>stadt Backnang.<br />
Inzwischen wuchs auch der Mitarbeiterstamm<br />
auf 29 in vier Filialen<br />
an. „Das Tanzen boomt, und das auch<br />
bei der jüngeren Generation“, so Christian<br />
Seidel. „Kindergartenkinder ab<br />
drei Jahren flitzen wöchentlich in unsere<br />
Tanzschulen, rhythmische Bewegungen<br />
und Kombinationen werden<br />
auf bekannte Kinderlieder mit viel Leidenschaft<br />
erlernt“, erläutert Seidel sein<br />
Konzept.<br />
Aber auch für Kids und Jugendliche<br />
gibt es jede Menge Programm. Hip-<br />
Hop und Videoclipdancing für alle Altersklassen<br />
<strong>von</strong> 7 <strong>bis</strong> 20 Jahren werden<br />
angeboten. Nur am Handy und an der<br />
Ist wieder in der Erfolgsspur: David Ketterer (23) Skifahrer aus Hochemmingen, hier in der<br />
Weihnachtspause in seiner <strong>Heimat</strong> in Hochemmingen. BILD: JOCHEN HAHNE<br />
Die richtige Adresse für HipHop<br />
Spielkonsole zu sitzen ist out – Tanzen<br />
ist jetzt in. Auf die neuesten Hits werden<br />
den Kindern und Jugendlichen<br />
coole Bewegungen und tolle Schrittkombinationen<br />
beigebracht. Von harten<br />
HipHop Beats <strong>bis</strong> zu ruhigen Balladen<br />
ist alles dabei. Durch die Vielfalt<br />
kann jeder seinen eigenen Stil entdecken,<br />
was auch das Selbstbewusstsein<br />
fördert.<br />
Seit 2004 nimmt die Tanzschule<br />
Christian Seidel auch an Wettbewerben<br />
teil. Dabei war sie auch schon<br />
mehrfach Gastgeber in Donaueschingen.<br />
Ihre Tänzerinnen und Tänzer<br />
sind bei den Contests europaweit mit<br />
am erfolgreichsten. Zahlreiche Pokale<br />
mit Süddeutschen -, Deutschen –<br />
und Europameistertiteln konnten sie<br />
schon gewinnen. Durch die Leidenschaft<br />
und Motivation, die alle Tanzlehrer<br />
täglich mit in die Kurse bringen,<br />
werden Kinder, Jugendliche und Erwachsene<br />
gefördert. Vom Einsteigerkurs<br />
<strong>bis</strong> zum Profikurs, es ist für Jeden<br />
was dabei.<br />
Ein Riesen-Spektakel, wenn die Jüngsten der Tanzschule Seidel ihr Vortanzen vor den Eltern<br />
zum Besten geben. BILD: ROGER MÜLLER<br />
Trauriges Kapitel<br />
<strong>Der</strong> grausamste Tage im Leben der<br />
begeisterten Skifahrfamilie Ketterer<br />
aus Schwenningen ereignete sich am<br />
5. September 2005. Seinerzeit starb<br />
Davids Ketterers Bruder Samuel, damals<br />
13 Jahre alt, bei einem tragischen<br />
Seilbahnunglück in Skigebiet Sölden<br />
im Ötztal. Damals löste sich <strong>von</strong> einem<br />
Hubschrauber, der die Seilbahn an der<br />
Schwarzen Schneid überflog, ein 700<br />
Kilogramm schwerer Betonkübel. <strong>Der</strong><br />
Kübel krachte auf die Stahlseile der<br />
Gondelbahn – neun Menschen, darunter<br />
mehrere Nachwuchsfahrer des<br />
Schwä<strong>bis</strong>chen Skiverbandes, wurden<br />
durch die Wucht aus den Gondeln geschleudert<br />
und starben. Inzwischen,<br />
sagt David Ketterer, hat er mit diesem<br />
Schicksalschlag seinen Frieden gemacht,<br />
wenngleich diese Wunde nie<br />
verheilen werde. Wichtig war für ihn,<br />
sagt er selbst, dass die Familie gemeinsam<br />
versucht hat, das Unglück aufzuarbeiten.<br />
Dass er nach einigen Jahren<br />
wieder zum Skifahrtraining nach Sölden<br />
zurückgekehrt ist und sich auch,<br />
gemeinsam mit einem seiner Brüder,<br />
mit dem Unglückspiloten ausgesprochen<br />
hat, habe ihm geholfen, das Trauma<br />
zu verarbeiten, berichtet er. (est)<br />
Er wurde Deutscher Vizemeister im<br />
Slalom, hinter Topfahrer Fritz Dopfer.<br />
Eine Ansage. 2014 wurde er bei der<br />
Junioren-Weltmeisterschaft in Slowenien<br />
Vierter, im Team holte er Bronze.<br />
Viele erwarteten damals, dass Ketterer<br />
bald im Weltcup auftauchen wird.<br />
Doch in der Saison 2014/15 legte ihn<br />
eine Rückenverletzung lahm. Dabei<br />
hatte er sich bereits für das Weltcup-<br />
Auftaktrennen in Sölden qualifiziert.<br />
Ketterer, inzwischen nach Innsbruck<br />
umgezogen, wo er ein Wirtschaftsstudium<br />
aufnahm, arbeitete ver<strong>bis</strong>sen<br />
an seinem Comeback: Er will den<br />
Erfolg erzwingen und im Europacup<br />
die Punkte holen, die ihn zum Start<br />
im Weltcup berechtigen. Doch auch<br />
die Saison 2015/16 wird nicht die seine.<br />
Es gelingt ihm nicht, seine guten<br />
Trainingsleistungen in gute Resultate<br />
umzusetzen. Es fehlt das Glück – und<br />
auch die Lockerheit. „Ich bin ein Typ,<br />
der hohe Erwartungen an sich selber<br />
hat. Vielleicht habe ich mich zu sehr<br />
unter Druck gesetzt“, vermutet er.<br />
<strong>Der</strong> fehlende Erfolg hat ihn frustriert.<br />
Und auch nachdenklich gemacht,<br />
ob er seine Zukunft allein auf<br />
die Karte Leistungsport setzen soll.<br />
David Ketterer will sich nicht auf sein<br />
Glück verlassen. Für ihn tut sich im<br />
Sommer 2016 eine neue Chance auf.<br />
<strong>Der</strong> Leistungssportler bekommt ein<br />
Stipendium an der Universität <strong>von</strong><br />
Colorado in der Stadt Boulder in den<br />
USA, mitten in den Rocky Mountains.<br />
Für die Uni ist der Spitzensportler aus<br />
Deutschland ein toller Fang für das<br />
Skiteam der Hochschule. Für ihn eine<br />
Chance. Dort kann er zwei Dinge unter<br />
einen Hut bringen: Das Skifahren<br />
und eine Ausbildung. An der Uni<br />
studiert er seither Maschinenbau mit<br />
Schwerpunkt Physik. Und nebenher<br />
trainiert er im Skiteam. Die Universität<br />
bezahlt sein Studium, das Training,<br />
den Lebensunterhalt. Und das vier<br />
Jahre lang. <strong>Der</strong> Unterschied zum Studium<br />
in Innsbruck ist für David Ketterer<br />
der entscheidende: Er will sein<br />
Studium stärker in den Vordergrund<br />
stellen.<br />
Damit hat sich das Leben des Leistungssportlers<br />
stark verändert. Training<br />
und Studium laufen täglich<br />
parallel. Die Zeit für körperliche Regeneration<br />
in dieser Doppelbelastung ist<br />
kürzer geworden, Freizeit nicht vorgesehen.<br />
Doch David Ketterer kommt<br />
damit prima klar, fühlt sich in Boulder<br />
pudelwohl. Die Zeit am Schreibtisch,<br />
so merkt er, wirkt sich positiv auf<br />
seine Trainingsmotivation aus. „Da<br />
wird man richtig heiß aufs Skifahren“,<br />
schmunzelt er.<br />
Auch im Maschinenbaustudium<br />
hängt er sich rein. „Die Ketterers sind<br />
eine Familie <strong>von</strong> Maschinenbauern in<br />
der vierten Generation“, berichtet er.<br />
„Das ist schon mein Ding“. Auch der<br />
Vater ist studierter Ingenieur und Geschäftsführer<br />
eines Unternehmens in<br />
Schwenningen. Mit diesem Studium<br />
will er sich auch beweisen, „dass ich<br />
mehr kann als nur Skifahren“.<br />
David Ketterers Hoffnung, dass ihn<br />
der Tapetenwechsel in die USA neu<br />
motivieren wird, hat sich erfüllt. Die<br />
Zweigleisigkeit aus Studium und Sport<br />
hat ihm die Lockerheit zurückgebracht.<br />
Mit sensationellem Ergebnis:<br />
Bei den ersten beiden Slaloms um den<br />
Nordamerika-Cup im kanadischen<br />
Ski-Ressort Panorama fuhr er kurz vor<br />
Weihnachten gleich zweimal aufs Siegerpodest.<br />
Bei den Universitätsrennen<br />
holte aus bei zwölf Rennen fünfmal<br />
Platz 1.<br />
Ketterer ist so in Topform, dass ihn<br />
der DSV kurzfristig für die beiden Slalom-Klassiker<br />
in Kitzbühel und Schladming<br />
in den Weltcup berufen hat.<br />
„Ich bin mega happy“, freut sich der<br />
Hochemminger.<br />
Sie haben viel Spaß, die Tänzerinnen und Tänzer der Hip Hop Gruppe ab 14 Jahren. Von<br />
links: Leila Balti, Jessica Nesrat, Marielle Furger, Ricardo Gomes, Desideria Cuffari, Aselina<br />
Kraus. BILD: ROGER MÜLLER<br />
Für alle Semester ist was dabei, hier beim<br />
Tanzkreis, wo Alex und Carmen Fetzer das<br />
Tanzbein schwingen. BILD: ROGER MÜLLER<br />
SÜDKURIER NR. 40 | SWM<br />
FREITAG, 17. FEBRUAR 2017<br />
Jeden Monat Partys<br />
Im Donaueschinger Lokal Twist, das<br />
<strong>von</strong> der Tanzschule betrieben wird,<br />
finden monatlich Ü30-Partys statt,<br />
selbstredend kann hier auch der ein<br />
oder andere Standardtanz aufs Parkett<br />
gelegt werden. Bands bietet man hier<br />
ebenfalls eine Plattform. Man kann<br />
aber auch einfach auf einen Cocktail<br />
hereinschauen. Inzwischen werden in<br />
drei Tanzsälen aufgrund des großen<br />
Angebots und der Nachfrage an sieben<br />
Tagen die Woche Kurse angeboten. Mit<br />
dem Twist wird das Angebot der Tanzschule<br />
Seidel abgerundet. Höhepunkt<br />
ist der Auftritt der jüngsten Tänzer, die<br />
ihren Eltern zeigen, was sie gelernt<br />
haben. Die Fitnessbegeisterten können<br />
sich beim Zumba austoben, die sechs<br />
Tanzlehrer mit ihren acht Aushilfen,<br />
sind für alle Stilrichtungen ausgebildet.<br />
www.ts-seidel.de
SÜDKURIER NR. 40 | | SWM<br />
<strong>Heimat</strong> HEIMAT VON BIS FREITAG, 17.<br />
SÜDKURIER NR. FEBRUAR<br />
FREITAG, 17. FEBRUAR 40 | SWM <strong>von</strong> 2017<br />
2017 A <strong>bis</strong> Z 15<br />
<strong>Heimat</strong> <strong>von</strong> A <strong>bis</strong> Z 15<br />
Uwie Urlaub<br />
Erholung in reiner <strong>Schwarzwald</strong>luft<br />
Die Gemeinden des Verbundes Ferienland locken mit<br />
unberührter Natur. Eine Gästekarte macht Museen und<br />
Busse kostenlos. Besucher aus Baden-Württemberg<br />
führen die Statistik an<br />
VON ROLAND SPRICH<br />
Dank Konuskarte können Feriengäste während<br />
ihres Aufenthalts öffentliche Verkehrsmittel<br />
wie die <strong>Schwarzwald</strong>bahn kostenlos<br />
nutzen. BILDER: ROLAND SPRICH<br />
Vielfältig mobil<br />
Kostenlos unterwegs: Feriengäste können<br />
während ihres Aufenthalts eine Vielzahl<br />
<strong>von</strong> Einrichtungen kostenlos oder<br />
ermäßigt nutzen. Mit der <strong>Schwarzwald</strong>-<br />
Gästekarte Konus ist sind Bus und Bahn<br />
ebenso gratis nutzbar wie die Hallenbäder<br />
in St. Georgen und Schönwald, die Freibäder<br />
in allen vier Ferienlandgemeinden,<br />
Finanzkrisen, Bürgerkriege und Terroranschläge<br />
haben in betroffenen<br />
Ländern unweigerlich auch Auswirkungen<br />
auf den Tourismus. Stand die<br />
Türkei <strong>bis</strong>lang ganz weit oben in der<br />
Gunst der Deutschen als Ferienziel,<br />
dürften die jüngsten Terroranschläge<br />
dem touristisch ohnehin geschwächten<br />
Land in diesem Jahr weitere Einbußen<br />
bescheren. Auch andere Reiseziele<br />
wie Tunesien und Ägypten haben<br />
in den vergangenen Jahren deutlich<br />
an Attraktivität bei deutschen Urlaubern<br />
eingebüßt. Zu groß schätzen diese<br />
das Sicherheitsrisiko ein. Wer sich<br />
nicht zusammen mit Tausenden anderen<br />
Touristen an den Stränden der<br />
hoffnungslos überfüllten Ausweichdestinationen<br />
wie Mallorca oder Gran<br />
Canaria tummeln will, sucht eine Alternative<br />
im eigenen Land. Und die<br />
bietet der <strong>Schwarzwald</strong>, und hier insbesondere<br />
das Ferienland mit den Gemeinden<br />
Schonach, Schönwald, St.<br />
Georgen und Furtwangen.<br />
Die Zahlen belegen es. In den vergangenen<br />
Jahren sind die Übernachtungszahlen<br />
im Ferienland <strong>Schwarzwald</strong><br />
kontinuierlich gestiegen. „Wir<br />
hatten <strong>von</strong> 2014 zu 2015 eine Steigerung<br />
bei den Gästeankünften <strong>von</strong><br />
88 200 auf 91 300 Gäste. Das ist ein<br />
Zuwachs <strong>von</strong> 3,5 Prozent“, freut sich<br />
Julian Schmitz, Geschäftsführer des<br />
Ferienlandes. Erholung in reiner<br />
<strong>Schwarzwald</strong>luft entwickelt sich offenbar<br />
zum neuen Urlaubstrend. <strong>Der</strong> Geschäftsführer<br />
des Ferienlandes weiß,<br />
was die Gäste im Ferienland suchen.<br />
„Die Gäste, die zu uns kommen, wollen<br />
in erster Linie unberührte Natur<br />
erleben“, so Schmitz. Bei Wanderern<br />
und Mountainbikern ist das Ferienland<br />
gleichermaßen beliebt. „Die<br />
Gäste schätzen, dass wir mit unseren<br />
Premiumwanderwegen und Mountainbikestrecken<br />
eine komplette Infrastruktur<br />
vorhalten, die viele Gäste<br />
anzieht. Wo es aber dennoch möglich<br />
ist, sich alleine zu fühlen.“ Außerdem<br />
liegen verschiedene Ausflugsziele nah<br />
beieinander.<br />
Doch das Ferienland hat weit mehr<br />
zu bieten als sanft geschwungene<br />
<strong>Schwarzwald</strong>hügel und gute Luft. In<br />
den einzelnen <strong>Schwarzwald</strong>gemeinden<br />
kommen Erholungssuchende und<br />
Aktivurlauber gleichermaßen auf ihre<br />
Kosten. Bei verschiedenen Sportangeboten,<br />
Minigolf, Angeln, Geocaching,<br />
Reiten und vielem mehr können sich<br />
die Gäste körperlich betätigen und<br />
anschließend beispielsweise im großen<br />
<strong>Schwarzwald</strong>-Badezuber entspannen.<br />
Kulturell Interessierte finden<br />
eine Vielzahl an Museen. So lädt in St.<br />
Georgen beispielsweise das Deutsche<br />
Phonomuseum ein, in Furtwangen<br />
wird die Uhrengeschichte im Deutschen<br />
Uhrenmuseum lebendig gehalten.<br />
Im Winter laden Rodelbahnen<br />
und über 30 Langlaufloipen ein. Auch<br />
der alpine Skispaß kommt nicht zu<br />
kurz. Zehn Skilifte sorgen an Skihängen<br />
für ungetrübten Skispaß vom Anfänger<br />
<strong>bis</strong> zum Fortgeschrittenen.<br />
Dank der Gästekarte ist neben der<br />
kostenlosen Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel<br />
auch der Eintritt in viele<br />
Museen sowie in Frei- und Hallenbäder<br />
und an den Skiliften der Region<br />
für die Gäste kostenlos oder stark ermäßigt.<br />
„Das ist ein tolles Bonusprogramm<br />
und hilft an Regentagen“, sagt<br />
Schmitz.<br />
Die Gästestruktur zeigt, bei wem das<br />
Ferienland ganz besonders beliebt ist.<br />
Bei den inländischen Gästen liegen<br />
die Besucher aus Baden-Württemberg<br />
ganz vorn. „Das ist sicherlich mit der<br />
Nähe begründet“, sagt Julian Schmitz.<br />
Auch aus Bayern sind die Gäste<br />
schnell angereist, gefolgt <strong>von</strong> Gästen<br />
aus Rheinland-Pfalz und Nordrhein-<br />
St. Georgen als eine der vier Ferienlandgemeinden hat neben einem großen Naturbadesee<br />
auch eine Vielzahl <strong>von</strong> Museen zu bieten.<br />
Minigolfanlagen und Skilifte im gesamten<br />
Ferienland. In viele Museen gibt es ebenfalls<br />
freien oder ermäßigten Eintritt.<br />
Erlebnisreich unterwegs: Unter dem<br />
Motto Wandern-Genießen-Erleben kann<br />
man das Ferienland <strong>von</strong> einer ganz anderen<br />
Seite kennenlernen. Ob Wissenswertes<br />
über Flora und Fauna am Wegesrand, ob<br />
ein Besuch blühender Bauerngärten mit<br />
heimischen Kräutern und Gewürzen oder<br />
eine sagenhafte Wanderung zu geheimnisvollen<br />
Orten wie der Blindensee: Stets wird<br />
den Feriengästen die Urlaubsregion Ferienland<br />
<strong>von</strong> einer völlig neuen Seite gezeigt.<br />
Genussvoll unterwegs: Ob ein herzhaftes<br />
Vesper nach einer ausgiebigen Wanderung<br />
oder ein festliches Menü – eine Vielzahl<br />
gastronomischer Betriebe im Ferienland<br />
bieten zahlreiche kulinarischer Möglichkeiten<br />
<strong>von</strong> der regionalen <strong>bis</strong> zur internationalen<br />
Küche. Da ist für jeden Gaumen das<br />
Richtige dabei. (spr)<br />
Westfalen. Aus dem Ausland liegen<br />
israelische Gäste vorne, gefolgt <strong>von</strong><br />
Schweizern und Franzosen. „Interessant<br />
ist, dass wir bei den Campingtouristen<br />
die meisten Gäste aus Spanien<br />
und Italien haben“, so der Ferienlandgeschäftsführer.<br />
Ein weiterer Aspekt, den die Gäste<br />
im Ferienland <strong>Schwarzwald</strong> schätzen,<br />
ist das gastronomische Angebot. Geboten<br />
wird gut bürgerliche und gehobene<br />
badische Küche ohne Schnickschnack.<br />
Gekocht wird mit frischen,<br />
regionalen Produkten <strong>von</strong> hoher Qualität.<br />
Übrigens hat der fehlende Schnee zu<br />
Beginn der Winterzeit praktisch keine<br />
negativen Auswirkungen auf die Buchungen.<br />
„Wir haben praktisch keine<br />
Absagen bei den Gastgebern wegen<br />
fehlenden Schnees zu verzeichnen.<br />
Aber wenn es schneit, bekommen wir<br />
verstärkte Anfragen“, weiß Schmitz.<br />
Die Gemeinde Schonach aus der Luft. Hier ist der Erholungsfaktor groß.<br />
Ob im Sommer oder im Winters: Wegen solcher Aussichten wie hier über Brigach kommen Feriengäste gerne ins Ferienland.<br />
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am 11. märz 2017<br />
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16 <strong>Heimat</strong> HEIMAT VON <strong>von</strong> A BIS <strong>bis</strong> SÜDKURIER FREITAG, 17. NR. FEBRUAR 40 | SWM 2017<br />
Z<br />
Vwie Vielfalt<br />
Zwischen Fürstenberg und Seeterrassen<br />
Schöne Plätze in der<br />
Region gibt es reichlich.<br />
Besucher habe die<br />
Qual der Wahl<br />
SÜDKURIER NR. 40 | SWM<br />
FREITAG, 17. FEBRUAR 2017<br />
AUS UNSEREN REDAKTIONEN<br />
Was soll man sich schon aussuchen an<br />
Sehenswertem, Schönem oder einfach<br />
Interessantem? Eine Auswahl wird<br />
immer ein Stück weit willkürlich sein.<br />
Wir haben uns einfach für diese vier<br />
Orte entschieden.<br />
<strong>Der</strong> Fürstenberg<br />
Oben ist immer schön. Das ist beim<br />
Fürstenberg auf der Baar nicht anders.<br />
Hier kann man seinen Blick über<br />
die weite Hochebene der Baar <strong>bis</strong> zum<br />
Feldberg, den Alpen oder der Schwä<strong>bis</strong>chen<br />
Alb schweifen lassen. Aber auch<br />
der Berg hat einiges zu erzählen. Das<br />
fängt schon beim Namen an. Dieser ist<br />
nicht, wie viele denken, <strong>von</strong> den Fürsten<br />
zu Fürstenberg – damals noch die<br />
Grafen zu Fürstenberg – abgeleitet,<br />
die hier ab dem 13. Jahrhundert residierten,<br />
sondern er ist der „Vürderste“,<br />
also der vorderste Berg der „Länge“,<br />
die ihrerseits zum Baarjura zwischen<br />
Schwä<strong>bis</strong>che Alb und <strong>Schwarzwald</strong><br />
gehört.<br />
Einerseits kann man heute hier oft<br />
ganz alleine seine Runde auf einem<br />
schmalen Wanderpfad um die in Teilen<br />
bewaldete Kuppe ziehen und hier<br />
bei guter Thermik Gleitschirmflieger<br />
bei ihrem faszinierenden Hobby beobachten.<br />
Spannend und informativ<br />
ist aber auch eine offizielle Führung,<br />
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Nicht nur im Winter ein Highlight: der Magdalenenberg in Villingen. Hier zu sehen die große Eiche, die den Berg säumt. BILD: BRÄUN<br />
Energie verbindet<br />
die Region<br />
die <strong>von</strong> der Stadt Hüfingen (huefingen.<br />
de) angeboten wird. Geologie, Bebauung,<br />
Leben und Wirken auf dem Berg<br />
erwandert Führerin Veronika Albicker<br />
seit 2014 mit ihren Gästen. Denn<br />
einst standen hier oben die Häuser der<br />
damaligen Stadt Fürstenberg, <strong>bis</strong> sie<br />
vor 175 Jahren durch einen verheerenden<br />
Brand vernichtet wurden. Lediglich<br />
ein mit Ziegeln gedecktes Haus<br />
blieb stehen. Dieses wurde mit der<br />
Neuansiedlung des Dorfes am Fuße<br />
des Berges abgetragen und an neuer<br />
Stelle wieder aufgebaut. Für den neuen<br />
Standort hatte man sich entschieden,<br />
weil sich die Zeiten geändert hatten<br />
und man sich vor Angreifern nicht<br />
mehr auf dem Berg schützen musste.<br />
Zudem war die Wasserversorgung am<br />
neuen Standort durch Brunnen gewährleistet.<br />
(gvo)<br />
<strong>Der</strong> Magdalenenberg<br />
Einen Ausblick über die Stadt und<br />
einen Einblick in die Geschichte der<br />
Menschheit – all das bietet der Magdalenenberg<br />
im Süden <strong>von</strong> Villingen. Mit<br />
einem Volumen <strong>von</strong> 33 000 Kubikmetern<br />
ist der Magdalenenberg der größte<br />
hallstattzeitliche Grabhügel Mitteleuropas.<br />
Vor allem im Winter ist er zudem<br />
ein beliebtes Ziel für Langläufer.<br />
Wer das erste Mal den Hügel besteigt,<br />
dem weisen Schautafeln den Weg<br />
durch die wichtigsten geschichtlichen<br />
Ereignisse wie die Entdeckung der<br />
Grabkammer und die Ausgrabung des<br />
gesamten Hügels in den 70er und 80er-<br />
Jahren. Und wer nach der Besteigung<br />
des Hügels noch mehr über die Kelten<br />
erfahren möchte, der kann die Dauerausstellung<br />
Keltisches Fürstengrab<br />
Magdalenenberg im Franziskanermuseum<br />
in der Villinger Innenstadt besuchen.<br />
(ang)<br />
Das Schwenninger Moos<br />
Ein besonderer Anziehungspunkt in<br />
der Doppelstadt Villingen-Schwenningen<br />
ist das gut 120 Hektar große Naturschutzgebiet<br />
Schwenninger Moos. Ob<br />
Sonntagsspaziergänger, Jogger oder<br />
Touristen – früher oder später kommt<br />
jeder einmal im Moos vorbei. Und je<br />
nach Jahreszeit zeigt sich in dem in<br />
den 70er-Jahren renaturierten Regenmoor<br />
die Natur <strong>von</strong> ihrer schönsten<br />
Seite. Neben der Naherholungsqualität<br />
wohnt dem Moos auch eine historische<br />
Bedeutung inne: Denn dort hat<br />
der Neckar seinen Ursprung. Einzusehen<br />
ist die Neckarquelle zwar nicht<br />
direkt, aber ein etwa drei Kilometer<br />
langer Wanderweg um das Moor und<br />
ein kurzer Steg lassen Einblicke in die<br />
Hochmoorvegetation zu. Zahlreiche<br />
Führungen bieten zudem einen Überblick<br />
über das, was im Moor vor sich<br />
geht und wie ein Moor überhaupt entsteht.<br />
Im Schwenninger Moos verläuft<br />
auch die Europäische Hauptwasserscheide<br />
zwischen dem Einzugsgebiet<br />
<strong>von</strong> Nordsee und Schwarzem Meer sowie<br />
eine weitere unsichtbare Grenze:<br />
die ehemalige Landesgrenze zwischen<br />
dem Königreich Württemberg und<br />
dem Großherzogtum Baden. Während<br />
der Stadtteil Schwenningen an der<br />
Quelle des Neckars liegt, der über den<br />
Rhein in die Nordsee fließt, liegt das<br />
badische Villingen an der Brigach, einem<br />
Zufluss der Donau. (ang)<br />
Neue Seeterrassen<br />
Die viel gepriesene <strong>Schwarzwald</strong>landschaft<br />
und Kleinode der Erholung<br />
hat man in und um St. Georgen direkt<br />
vor der Haustüre. Die Bergstadt ist <strong>von</strong><br />
Wald umgeben. Ein Trimm-Dich-Pfad<br />
lädt zur sportlichen Betätigung ein.<br />
Auch im Winter lohnt sich ein Spaziergang<br />
durch das Schwenninger Moos. BILD: ANJA<br />
GREINER<br />
Von verschiedenen Aussichtspunkten<br />
aus lockt der Postkartenblick über<br />
unberührte Natur. Bei Spaziergängen<br />
durch die Wälder kann man frische<br />
Luft und Erholung pur tanken. Daneben<br />
gibt es einige besondere Kleinode.<br />
Am Klosterweiher wurden im vergangenen<br />
Jahr drei Seeterrassen gebaut.<br />
Die ansprechenden Flächen ragen<br />
knapp über die Wasseroberfläche und<br />
bieten einen Panoramablick auf das<br />
Naturfreibad. Tief herunterhängende<br />
Äste der Bäume spenden selbst an<br />
heißen Sommertagen Schatten. Hier<br />
kann man nicht nur die Beine im Wasser,<br />
sondern auch die Seele baumeln<br />
Veronika Albicker leitet die Führung über<br />
den Fürstenberg. BILD: JÜRGEN ALBICKER<br />
lassen. Wer gerne zu Fuß unterwegs ist<br />
und sich vor einem kurzen, aber kräftigen<br />
Anstieg nicht scheut, dem empfiehlt<br />
sich ein Spaziergang auf der Langen<br />
Gasse, oberhalb <strong>von</strong> Brigach. Die<br />
Belohnung des Anstiegs ist ein einzigartiger<br />
Blick auf die Bergstadt. Und<br />
auf die <strong>Schwarzwald</strong>bahn, die hier im<br />
Stundentakt verkehrt. Auch im Stockwald<br />
kann man den Alltag getrost hinter<br />
sich lassen. <strong>Der</strong> weite Blick über<br />
sanft geschwungene Hügel und die<br />
weitgehend unberührte Natur laden<br />
zum Verweilen und Entschleunigen<br />
ein. (spr)<br />
StadtwerkeVillingen-Schwenningen GmbH<br />
Ihr Energieversorger<br />
www.svs-energie.de<br />
Auf den neuen Seeterrassen am Klosterweiher in St. Georgen lässt es sich herrlich entspannen.<br />
BILD: ROLAND SPRICH
SÜDKURIER NR. 40 | | SWM<br />
<strong>Heimat</strong> HEIMAT VON BIS FREITAG, 17.<br />
SÜDKURIER NR. FEBRUAR<br />
FREITAG, 17. FEBRUAR 40 | SWM <strong>von</strong> 2017<br />
2017 A <strong>bis</strong> Z 17<br />
<strong>Heimat</strong> <strong>von</strong> A <strong>bis</strong> Z 17<br />
Wwie Wissenschaft<br />
Investionen in Innovationen<br />
Eine hohe Patentdichte zeichnet den Kreis Tuttlingen<br />
aus. Aesculap investiert in Forschung und Entwicklung<br />
VON JUTTA FREUDIG<br />
<strong>Der</strong> Landkreis Tuttlingen ist nicht nur<br />
ein wirtschaftsstarker Raum mit weit<br />
überdurchschnittlicher Arbeitsplatzdichte,<br />
er weist auch eine hohe Patentintensität<br />
auf, die seine Nachbarlandkreise<br />
übertrifft und nahezu doppelt<br />
so hoch liegt wie die deutschlandweite<br />
Quote. Das bestätigt eine auf dem etablierten<br />
Zukunftsatlas 2016 basierende<br />
Prognos-Studie. Forschung und Entwicklung<br />
nehmen in den Unternehmen<br />
des Landkreises, <strong>von</strong> denen einige<br />
Weltmarktführer in ihren Branchen<br />
sind, wesentlichen Raum ein. In wissenschaftlicher<br />
Hinsicht haben Kreis<br />
und Stadt seit der Schaffung des Hochschulcampus<br />
Tuttlingen rasch aufgeholt,<br />
sind auf dem Weg, deutlich mehr<br />
Hochqualifizierte an den Standort zu<br />
binden.<br />
Die Prognos-Studie sieht in der Region<br />
Tuttlingen eine starke industrielle<br />
Basis „mit ausgeprägter Branchenkonzentration“<br />
und sehr hoher Innovationskraft<br />
und Technologie-Orientierung.<br />
Die Branchenkonzentration<br />
bezieht sich in diesem Fall vor allem<br />
auf den Unternehmensbereich Medizintechnik,<br />
der bundesweit am stärksten<br />
im Landkreis Tuttlingen vertreten<br />
ist. Renommierte Medizintechnikhersteller<br />
wie zum Beispiel Aesculap,<br />
Karl Storz oder KLS Martin zählen zu<br />
den „global Playern“ und investieren<br />
für ihre Innovationen jährlich Millionen<br />
Euro.<br />
Von der zukunftsorientierten Ausrichtung<br />
ihres Unternehmens, das<br />
2015 einen Umsatz <strong>von</strong> 1,7 Milliarden<br />
Euro erzielte, profitieren allein am<br />
Standort Tuttlingen 3542 Mitarbeiter<br />
der Firma Aesculap. Innovationen des<br />
Unternehmens standen jüngst auch im<br />
Mittelpunkt der Vorstellung der aktuellen<br />
Geschäftslage. „Wir glauben,<br />
dass es den digitalen Operationssaal<br />
geben wird“, erklärte Vorstandsvorsitzender<br />
Hanns-Peter Knaebel in seinen<br />
Ausführungen zum Thema Forschung<br />
und Entwicklung bei Aesculap. Das<br />
Gesundheitswesen selbst befinde sich<br />
noch in einem frühen Stadium der Digitalisierung,<br />
in der Medizintechnik<br />
sei aber eine Zunahme der digitalen<br />
Anwendungen zu verzeichnen.<br />
Durch solche digitale Lösungen<br />
solle ein Mehrwert für den Patienten,<br />
das medizinische Personal und<br />
das gesamte Gesundheitssystem erzielt<br />
werden, so Knaebel. „Bestehende<br />
Produkte können schrittweise digital<br />
unterstützt werden“. Aesculap stellte<br />
in diesem Zusammenhang sein neues<br />
Navigationssystem „Ortho-Pilot Elite“<br />
vor, das den Operateur während des<br />
Eingriffs beim exakten Positionieren<br />
der Implantat-Komponenten unterstützt.<br />
Millimeter für Millimeter genau<br />
wird mithilfe einer Infrarotkamera<br />
und den zugehörigen Sendern die<br />
Position <strong>von</strong> Ober- und Unterschenkelknochen<br />
sowie der Instrumente<br />
bestimmt und das Implantat eingebracht.<br />
In enger Abstimmung mit Chirurgen<br />
integrierten die Teams <strong>von</strong> Pro-<br />
Ein <strong>von</strong> Aesculap weiterentwickeltes Navigationssystem unterstützt den Operateur beim Positionieren <strong>von</strong> Implantat-Komponenten. Im Bild<br />
Vorstandsvorsitzender Hanns-Peter Knaebel (Mitte), die Produktmanager Sebastian Weindel (links) und Sascha Arno BILD: JUTTA FREUDIG<br />
duktmanagement, Entwicklung und<br />
Produktion bei Aesculap die Hinweise<br />
der Anwender in das System. Neben<br />
der Langlebigkeit des Implantats<br />
galt es dabei für Stabilität im Kniegelenk<br />
über den gesamten Bewegungsablauf<br />
hinweg zu sorgen, vom Strecken<br />
<strong>bis</strong> zum Beugen des Beins. Immerhin<br />
hat die Qualität des Bewegungsumfangs<br />
entscheidende Auswirkung auf<br />
die Patientenzufriedenheit. Besonders<br />
berücksichtigt wurden bei dem System<br />
auch die individuellen Präferenzen<br />
des Arztes. Dieser kann bei seiner<br />
Arbeit mit dem neuen Ortho-Pilot Elite<br />
zwischen der Steuerung per drahtlosem<br />
Fußpedal, per Gestenkontrolle<br />
oder mittels eines eigens konzipierten<br />
Multifunktions-Instruments wählen.<br />
Eine <strong>von</strong> Aescualp und einem Partnerunternehmen<br />
speziell für das System<br />
entwickelte Infrarotkamera mit<br />
erweitertem Messvolumen deckt einen<br />
größeren Messbereich ab und vereinfacht<br />
für das OP-Team die Positionierung<br />
des Geräts im OP hinsichtlich<br />
Sichtbarkeit der Sender. <strong>Der</strong> modulare<br />
Aufbau des Systems und die drahtlose<br />
Kommunikation wichtiger Komponenten<br />
ermöglichen es den Kliniken,<br />
die Navigation effizienter einzusetzen.<br />
Zusätzliche Software-Features unterstützten<br />
den Mediziner bei Studien<br />
und Forschungsarbeiten rund um die<br />
Knieendoprothetik.<br />
Mit dem innovativen „Ortho Pilot<br />
Elite“ kann aus der Sicht <strong>von</strong> Aesculap<br />
dem heutigen hohen Qualitäts- und<br />
Dokumentationsanspruch <strong>von</strong> Patient,<br />
Krankenhaus und Gesundheitsbehörden<br />
Rechnung getragen werden.<br />
Arzt, Patient und Wissenschaft profitierten<br />
gleichermaßen <strong>von</strong> der Neuentwicklung,<br />
mit der Aesculap in diesem<br />
Frühjahr die vierte Generation<br />
des bildfreien Navigationssystems erst<br />
in Europa und anschließend weltweit<br />
einführen wird.<br />
Ein Blick auf die<br />
Stadt Tuttlingen –<br />
sie nennt sich selbst<br />
„Weltzentrum für<br />
Medizintechnik“,<br />
und das hat zweifellos<br />
seine Berechtigung.<br />
BILD: DPA<br />
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<strong>Der</strong>perfekte Ausgangspunkt<br />
für großartige Lebensläufe<br />
Wirtschaft im Landkreis Tuttlingen<br />
Sehr hohe wirtschaftliche Dynamik, deutlicher<br />
Beschäftigungszuwachs und hohe Investitionsquote<br />
kennzeichnen laut aktueller<br />
Prognos-Studie den Landkreis Tuttlingen.<br />
➤➤Arbeitsplatzdichte ist groß: Auf die<br />
135 000 Einwohner des Landkreiseses<br />
Tuttlingen kommen aktuell 75 000 Arbeitsplätze.<br />
Das macht 60 Stellen je 100<br />
Einwohner aus, was deutlich über den<br />
Nachbarkreisen und den Quoten <strong>von</strong><br />
Land und Bund liegt. Bei der Beschäftigungs-Entwicklung<br />
spielt der Kreis<br />
mit ausgesprochen hoher Dynamik<br />
auf. In den Jahren zwischen 2005 und<br />
2015 kamen über 11 000 neue Arbeitsplätze<br />
hinzu. Rund 400 Firmen sind<br />
kreisweit tätig.<br />
➤➤Medizintechnik führt an: Was den<br />
Branchenmix im Kreis Tuttlingen angeht,<br />
so führt die Medizintechnik die<br />
Liste klar an, gefolgt <strong>von</strong> der Metallverarbeitung,<br />
dem Maschinenbau,<br />
der Elektrotechnik und Elektronik.<br />
Die Zahl der Einpendler aus anderen<br />
Landkreisen ist laut Studie sehr stark<br />
angestiegen. Vor allem aus den Kreisen<br />
Zollernalb, Konstanz, Sigmaringen<br />
und Rottweil kommen die Menschen,<br />
um im Kreis Tuttlingen zu<br />
arbeiten.<br />
➤➤Infrastruktur verbessern: Trotz guter<br />
Zukunftsperspektiven bleiben für den<br />
Landkreis und seine Kommunen weitere<br />
Zielsetzungen. Die Verkehrsinfrastruktur<br />
und die unterdurchschnittliche<br />
Intensität beim Wohnungsbau, vor<br />
allem bei den Mehrfamilienhäusern<br />
müssen verbessert werden.<br />
JUTTA FREUDIG<br />
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18 <strong>Heimat</strong> HEIMAT VON <strong>von</strong> A BIS <strong>bis</strong> SÜDKURIER FREITAG, 17. NR. FEBRUAR 40 | SWM 2017<br />
Z<br />
Xwie Xylophon<br />
Als Orchesterinstrument unverzichtbar<br />
Das Xylophon gehört für<br />
Schlagzeuger in<br />
Blasorchestern fest zur<br />
Ausbildung dazu. Die<br />
Schlagzeugabteilung der<br />
Musikakademie Villingen-<br />
Schwenningen arbeitet<br />
erfolgreich<br />
SÜDKURIER NR. 40 | SWM<br />
FREITAG, 17. FEBRUAR 2017<br />
VON CLAUDIA HOFFMANN<br />
„Wenn man es mit Streichinstrumenten<br />
vergleicht, ist das Xylophon<br />
eher die Geige, das Marimbaphon<br />
das Cello.“ Frank Neu ist Dozent für<br />
Schlagzeug und Percussion an der gemeinnützigen<br />
Musikakademie Villingen-Schwenningen.<br />
Er hat jahrelange<br />
Unterrichtserfahrung und viele seiner<br />
Schüler sind <strong>bis</strong> auf Bundesebene<br />
bei verschiedenen Wettkämpfen<br />
und Vorspielen erfolgreich. Frank Neu<br />
ist mit Leib und Seele Schlagzeuger<br />
und beherrscht die ganze Palette der<br />
Schlaginstrumente. Das Xylophon ist<br />
eher ein Orchesterinstrument, da es<br />
einen sehr „knalligen und durchdringenden<br />
Klang“ hat. Durch den Einsatz<br />
der Schlägel könne man viel in Sachen<br />
Klangfarbe steuern: „Das ist schon ein<br />
gewaltiger Unterschied, ob man Hartgummi<br />
oder Holz verwendet“, erklärt<br />
Frank Neu.<br />
In der normalen Ausbildung spiele<br />
das Xylophon im Vergleich zum Marimbaphon<br />
eher eine untergeordnete<br />
Rolle. „Interessant wird es für Schüler,<br />
die später im Blasorchester spielen<br />
wollen, hier ist es ein absolutes Muss“,<br />
erklärt Frank Neu. Das deutlich größere<br />
Marimbaphon mit seinem weicheren<br />
Klang gehe dagegen im Orchester<br />
eher unter. “Das ist das deutlich<br />
bessere Solo-Instrument und bei den<br />
Schülern als solches auch sehr beliebt.“<br />
Wer sich im Studium für die Orchestermusik<br />
entscheidet, spielt auch<br />
viel Xylophon. In der Musikpädagogik<br />
und Sonderpädagogik werden Xylophone<br />
verwendet, bei denen einzelne<br />
Klangstäbe leicht auswechselbar<br />
sind, um einzelne Akkorde oder Melodielinien<br />
zusammenzustellen und so<br />
musikalische Laien an die Musik heranzuführen.<br />
Xylophone gehören zu<br />
den Kerninstrumenten des Orffschen<br />
Schulwerks.<br />
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Montage<br />
Nicht unterschätzt werden sollte das Xylophon – hier mit Jan Ludwig und dem Villinger Musiklehrer Frank Neu (<strong>von</strong> links). BILD: JOCHEN HAHNE<br />
Die Noten sind im Prinzip für beide<br />
Instrumente gleich, für die Marimba<br />
werden – wie beim Klavier – die Noten<br />
auf zwei Systemen notiert. Das untere<br />
System steht im Bass-Schlüssel, das<br />
obere im Violinschlüssel.<br />
Seit einiger Zeit können sich Schüler,<br />
die an den Wettbewerben „Jugend<br />
musiziert“ teilnehmen, sogar eigens<br />
für den Bereich „Mellets“ anmelden.<br />
Ein Mellet ist ein Schlagstabspiel, also<br />
ein Xylophon, Marimbaphon, Glockenspiel<br />
oder Vibraphon. Frank Neu<br />
hat auch schon selbst Schlagzeug-Literatur<br />
komponiert, die heute bei vielen<br />
Wettbewerben gespielt wird.<br />
Im Moment bereiten sich Frank Neu,<br />
seine Kollegen an der Musikakademie<br />
und viele Schüler auf ein ganz besonderes<br />
Konzert vor: Am Sonntag, 12.<br />
März treten sie mit dem Sinfonieorcherster<br />
Villingen-Schwenningen auf:<br />
Die Besucher hören eine Uraufführung,<br />
komponiert <strong>von</strong> Jörg Iwer „Landschaft<br />
mit Moor“ – Konzertstück für<br />
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fünf Schlagzeuggruppen, Metronom<br />
und Orchester“. „Das wird für die Besucher<br />
und die Schüler gleichermaßen<br />
eine sehr spannende Sache“, sagt<br />
Frank Neu. Er freut sich auf die Weltpremiere<br />
im Franziskaner-Konzerthaus.<br />
Beim Sinfonieorchester ist er<br />
seit vielen Jahren Stimmführer für das<br />
Schlagwerk und spielt Pauke.<br />
Das Xylophon wurde zum ersten<br />
Mal im „Danse macabre“ <strong>von</strong> Camille<br />
Saint-Saëns (1874) in der sinfonischen<br />
Musik eingesetzt. Es findet auch in der<br />
Tanz- und Unterhaltungsmusik Verwendung.<br />
Bekannte Beispiele sind der<br />
Säbeltanz aus dem Ballett Gayaneh<br />
<strong>von</strong> Aram Chatschaturjan, Orffs Carmina<br />
Burana, Fossilien aus „Karneval<br />
der Tiere“ <strong>von</strong> Camille Saint-Saëns<br />
sowie das berühmte Solostück „Erinnerungen<br />
an Zirkus Renz“ <strong>von</strong> Gustav<br />
Peter. „Viele kennen das Instrument<br />
auch aus dem Hexenritt in Hänsel und<br />
Gretel <strong>von</strong> Engelbert Humperdinck“,<br />
so Frank Neu. Auch die Komponisten<br />
Igor Strawinsky, Maurice Ravel und<br />
Sergej Prokofieff haben höchst anspruchsvolle<br />
Werke geschrieben, in<br />
denen das Xylophon vorkommt. In vielen<br />
außereuropäischen Musikkulturen<br />
nehmen Xylophone eine wichtige Stellung<br />
ein. In Afrika sind Xylophone weit<br />
verbreitet, in Westafrika als Balaphon,<br />
im Süden <strong>von</strong> Uganda als Amadinda<br />
mit zwölf und als Akadinda mit <strong>bis</strong><br />
zu 22 Klangstäben und in Malawi als<br />
Valimba.<br />
Rund um die Musikakademie<br />
➤➤<strong>Der</strong> Unterricht: An der Musikakademie<br />
Villingen-Schwenningen werden<br />
zurzeit 114 Schülerinnen und Schüler<br />
im Bereich Schlagzeug/Percussion<br />
unterricht. Als Lehrer sind Frank Neu,<br />
Joe Kenny, Markus Kurz, Sascha Jäger,<br />
Benjamin Heil, Simon Schrenk und<br />
Mario Fritz tätig. Interessenten können<br />
sich unter 07721/8787-148 bei der<br />
Musikakademie unverbindlich melden.<br />
➤➤<br />
Xylophon: Das Xylophon, auch Xylofon<br />
(aus dem griechischen, Bedeutung:<br />
Holz, Laut,Ton), ist ein Aufschlagidiophon,<br />
dessen Stäbe aus Holz oder<br />
Bambus bestehen und mit Schlägeln<br />
angeschlagen werden. Xylophone gehören<br />
zur Familie der Schlagstabspiele<br />
(englisch mallet percussion), zu deren<br />
wichtigsten Vertretern in Europa die<br />
Marimba, das Glockenspiel und das<br />
Vibraphon zählen. <strong>Der</strong> Ursprung der<br />
Hier das deutlich kleinere Xylophon im Vergleich zu einem Marimbaphon (rechts), das vier<br />
Oktaven umfasst. Als Soloinstrument ist das Marimba geeigneter, das Xylophon ist für eine<br />
Orchesterbesetzung enorm wichtig. BILD: CLAUDIA HOFFMANN<br />
Xylophone liegt in Asien und Afrika.<br />
Anfang des 16. Jahrhunderts waren sie<br />
in Deutschland als Hölzernes Gelächter<br />
oder Strohfiedel bekannt. Durch<br />
die unterschiedliche Länge der Stäbe<br />
wird die Tonhöhe festgelegt. Die Stäbe<br />
sind im Bereich der Schwingungsknoten<br />
ihrer Grundresonanzfrequenz<br />
gelagert.<br />
➤➤Konzert: Am Sonntag, 12. März, findet<br />
um 17 Uhr das Konzert „Musikzirkus-<br />
Zirkusmusik“ des Sinfonieorchesters<br />
Villingen-Schwenningen statt.<br />
Dirigent Jörg Iwer hat für die Schlagzeugabteilung<br />
der Musikakademie<br />
ein Werk komponiert: Landschaft mit<br />
Moor – Konzertstück für fünf Schlagzeuggruppen,<br />
Metronom und Orchester.<br />
Die Besucher erleben also eine<br />
Weltpremiere. Außerdem stehen die<br />
Werke „Rheinische Kirmestänze“ <strong>von</strong><br />
Bernd Alois Zimmermann und die 1.<br />
Sinfonie C-Dur <strong>von</strong> Georges Bizet auf<br />
dem Programm. Karten gibt es für 26,<br />
22 und 18 Euro im Ticketshop im Franziskaner-Kulturzentrum<br />
(07721/82-<br />
2525).<br />
➤➤Komponist und Pädagoge: Frank Neu<br />
ist Diplom Musikpädagoge und Orchestermusiker,<br />
er spielt regelmäßig<br />
beim Sinfonieorchester Villingen-<br />
Schwenningen, der Südwestdeutschen<br />
Philharmonie in Konstanz und<br />
der Württembergischen Philharmonie<br />
in Reutlingen mit. Er ist Dozent<br />
an der Bundesakademie in Trossingen<br />
und der Hochschule für Musik in<br />
Trossingen. Frank Neu ist Komponist<br />
für Schlagzeugliteratur und Fachgruppenleiter<br />
der Schlagzeugklasse und<br />
Dozent für Pre-College an der Musikakademie<br />
VS gGmbH. 2012 erhielt er<br />
den Kulturpreis <strong>Schwarzwald</strong>-Baar für<br />
Innovative Projekte. (cho)
SÜDKURIER NR. 40 | | SWM<br />
<strong>Heimat</strong> HEIMAT VON BIS FREITAG, 17.<br />
SÜDKURIER NR. FEBRUAR<br />
FREITAG, 17. FEBRUAR 40 | SWM <strong>von</strong> 2017<br />
2017 A <strong>bis</strong> Z 19<br />
<strong>Heimat</strong> <strong>von</strong> A <strong>bis</strong> Z 19<br />
Ywie Yoga<br />
VON UWE SPILLE<br />
Yoga als Weg der Selbstheilung<br />
Auch in der Region ist die<br />
indische Trendsportart<br />
beliebt<br />
Yoga gehört zu den beliebtesten Arten<br />
der körperlichen Ertüchtigung. Sie<br />
kann, wenn gewollt, mit einem mehr<br />
oder weniger spirituellen Hintergrund<br />
verbunden werden. Denn Yoga kommt<br />
ursprünglich aus Indien und stellt ein<br />
ganzes System an vorwiegend geistigen<br />
Übungen dar. Die gesundheitlichen<br />
Vorteile des körperlichen Yoga<br />
sind dabei unbestritten und gehören<br />
seit Jahren auch zu den Leistungen,<br />
die <strong>von</strong> den Krankenkassen, soweit<br />
die gesetzlichen Vorgaben erfüllt sind,<br />
präventiv unterstützt werden.<br />
Auch in der Region ist Yoga gut eingeführt,<br />
regelrecht institutionalisiert.<br />
Erst vor zwei Wochen stellten sieben<br />
Yogalehrer in St. Georgen ihre Arbeit<br />
vor. Und im Sommer 2014 brachte<br />
der junge Yogalehrer Joram „Jogi<br />
Jori“ Schirmaier gar über 100 yogabegeisterte<br />
Mitmenschen im Park der<br />
Schwenninger Möglingshöhe zum<br />
gemeinsamen Ausüben <strong>von</strong> Krähe,<br />
Baum und Skorpion, wie nur einige<br />
der Übungen betitelt werden.<br />
Eine, die den Weg des Yoga eingeschlagen<br />
hat und heute im eher kleinen<br />
Rahmen ihre Erfahrungen weitergibt<br />
ist Gianna Timpanaro. Die<br />
VON JÜRGEN MÜLLER<br />
Jeden Morgen um vier Uhr aufstehen<br />
und bei Wind und Wetter die Zeitung<br />
austragen – für viele eine Horrorvorstellung.<br />
Nicht so für Elsbeth Albert<br />
aus Hüfingen – die rüstige Rentnerin<br />
bringt den Lesern im Bereich der<br />
Donauhallen in Donaueschingen<br />
seit über 40 Jahren den SÜDKURIER.<br />
„Das frühe Aufstehen macht mir überhaupt<br />
nichts aus, inzwischen brauche<br />
ich nicht einmal mehr einen Wecker“,<br />
sagt die 69-Jährige. „Ich genieße vielmehr<br />
die frühe Stunde, vor allem im<br />
Frühjahr, wenn die Vögel wieder zwitschern<br />
und die Blumen ihre Köpfe raus<br />
strecken – manchmal noch aus dem<br />
letzten Schnee.“<br />
Apropos Schnee, die gebürtige Bühlerin<br />
aus der schönen Ortenau erinnert<br />
sich noch heute an ihren ersten Tag<br />
beim SÜDKURIER im März 1973. „Bei<br />
der damaligen Geschäftsstelle in der<br />
Karlstraße lagen riesige Schneehaufen“.<br />
Nachdem sie in Villingen gearbeitet<br />
hatte und ihren Mann Karl-Heinz<br />
kennen lernte, wollte Elsbeth Albert<br />
nach der Geburt der ersten Tochter<br />
Gianna Timpanaro praktiziert den Weg des Yoga seit ihrer Krebserkrankung. BILD: SPILLE<br />
Diagnose Brustkrebs im Jahr 2008 hatte<br />
sie für über ein Jahr „vollkommen<br />
aus der Bahn geworfen und orientierungslos<br />
gemacht“, wie sie heute in der<br />
Rückschau erzählt.<br />
Damals kam sie erstmals in Kontakt<br />
mit Yoga. Und wusste sofort, dass dies<br />
mehr sein sollte als nur eine vorübergehende<br />
Beschäftigung mit einigen<br />
körperlichen Übungen.<br />
„Ich war regelrecht getrieben <strong>von</strong><br />
der Faszination für diesen Übungsweg,<br />
der sich mir offenbarte“, erzählt<br />
Gianna Timpanaro. Über ein örtliches<br />
Yoga Zentrum fand sie einen Zugang<br />
zu einer Ausbildung zur Yogalehrerin.<br />
„Diese zwei Jahre waren für mich<br />
prägend. Auch wenn ich heute meinen<br />
ganz eigenen Weg des Yoga beschreite“,<br />
so Timpanaro.<br />
Seither versucht sie, Yoga in ihrem<br />
Alltag zu integrieren und nicht nur<br />
Z<br />
wie Zusteller<br />
Seit über 40 Jahren trägt Elsbeth Albert rund um die<br />
Donauhallen in Donaueschingen den SÜDKURIER aus<br />
wieder etwas tun und ein <strong>bis</strong>schen<br />
Geld verdienen. So bewarb sie sich<br />
beim SÜDKURIER und übernahm zunächst<br />
die Krankheitsvertretung für<br />
ein älteres Ehepaar. Nur wenig später<br />
bekam sie den Bezirk um die Donauhallen,<br />
dem sie <strong>bis</strong> heute treu geblieben<br />
ist – auch, nachdem sie 1976 mit<br />
ihrem Mann ins eigene Haus nach Hüfingen<br />
gezogen ist. „Ich habe nie in Betracht<br />
gezogen, den Zustellbereich zu<br />
wechseln.“<br />
„Es gab nie größere Reklamationen“,<br />
sagt Elsbeth Albert nicht ohne<br />
Stolz. Nur einmal musste sie durch<br />
Verzögerungen beim Druck wegen<br />
einem Leser ihren Laufweg ändern.<br />
Die stets zuverlässige Austrägerin ist<br />
ohne Probleme in knapp einer Stunde<br />
durch. Probleme bereiten ihr lediglich<br />
zu volle Briefkästen. „Manchmal<br />
sind andere Blätter drin und ich kann<br />
die Zeitung nicht ganz rein stecken.“<br />
So hört sich ihr größter Wunsch, dass<br />
die Briefkästen am Morgen leer sind,<br />
relativ bescheiden an. „Frau Albert ist<br />
eine <strong>von</strong> vielen zuverlässigen Mitarbeitern<br />
und Mitarbeiterinnen im Zustelldienst.<br />
Wir sind froh, dass sie nach<br />
die körperliche, sondern vor allem die<br />
geistige Seite zu kultivieren. Und es<br />
auch an andere im kleinen Rahmen<br />
weiterzugeben. Vier, maximal sechs<br />
Personen umfassen ihre Kurse, die sie<br />
den Bedürfnissen der teilnehmenden<br />
Personen anpasst.<br />
Dabei geht es ihr nicht vorrangig<br />
um die körperliche Flexibilität. „Das<br />
ist zwar ein schönes Ziel, aber das zur<br />
Ruhe kommen steht für mich an erster<br />
Stelle“ so Timpanaro. Sie weiß aus<br />
eigener Erfahrung, wie wichtig dies für<br />
eine Selbstheilung ist.<br />
Die Methode des Yoga sieht Gianna<br />
Timpanaro als Möglichkeit, Veränderungen<br />
zu spüren und herbeizuführen<br />
statt sich auszupowern. Dass dies alles<br />
andere als einfach ist, weiß die zweifache<br />
alleinerziehende Mutter allerdings<br />
nur zu genau.<br />
„Sich um diese alltäglichen Dinge zu<br />
„Ich genieße die frühe Stunde“<br />
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kümmern, Kinder, Schule, Haushalt,<br />
auch dem gesellschaftlichen Druck<br />
standzuhalten, das braucht Kraft. Und<br />
genau da stecke ich voll im irdischen“.<br />
Yoga hilft ihr bei dieser Bewältigung,<br />
vor allem steuert es den Humor bei,<br />
den es braucht, um auch über schwierige<br />
Phasen des Alltags, insbesondere<br />
der eigenen Gesundheit hinwegzukommen.<br />
„Wenn mich mal wieder einer meiner<br />
hyperaktiven Anfälle oder geistigen<br />
Ausfälle heimsuchen, dann muss<br />
ich heute, im Gegensatz zu früher,<br />
drüber schmunzeln“, sagt Timpanaro.<br />
Sie schließt mit einer überraschenden<br />
Aussage. „Das Leben ist schön.<br />
Aber ich bin meiner Krankheit zutiefst<br />
dankbar. Sie hat mich zu dem gemacht<br />
was ich heute bin, wo ich stehe. Und<br />
vor allem hat sie mich gelehrt zu erkennen,<br />
das weniger mehr sein kann“.<br />
so vielen Jahren noch immer bei uns<br />
ist. Ihre Leistung ist – wie auch <strong>von</strong><br />
den vielen Kollegen Kolleginnen – bewundernswert“,<br />
betont Karl-Heinz<br />
Schmidt, Regionalleiter <strong>Schwarzwald</strong><br />
der Direkt-Kurier Zustell GmbH.<br />
Auf die Frage nach einer lustigen<br />
Gegebenheit in den letzten 43 Jahren<br />
fällt der sympathischen Austrägerin<br />
spontan ein: „Eines Morgens kam<br />
mir ein kleiner Knirps im Schlafanzug<br />
und barfuß entgegen, der schon<br />
ganz früh ausgebüchst war. Allerdings<br />
war die Tür noch offen und so wusste<br />
ich gleich, wo der Junge zuhause war.<br />
Die Eltern hatten ebenfalls den Verlust<br />
bemerkt und kamen mir entgegen.<br />
Sie haben das ganze mit Humor<br />
gesehen.“ Nicht ganz so lustig war, als<br />
Elsbeth Albert, auch früh am Morgen,<br />
eine verwirrrte Frau aufgegriffen hat.<br />
„Ich habe sie in mein Auto gesetzt und<br />
bei der Polizei abgeliefert“, so die Zustellerin<br />
der Tat, die sich in den über 40<br />
Jahren nie bedroht gefühlt hat und so<br />
ohne Angst ihren Job verrichtet.<br />
Richtig krank war Elsbeth Albert<br />
eigentlich nur einmal in dieser Zeit:<br />
„2013 bin ich beim Austragen auf einer<br />
Eisfläche ausgerutscht und schwer<br />
gestürzt. Da hatte ich einige Zeit Probleme<br />
mit meinem Rücken, aber inzwischen<br />
ist alles wieder gut.“ Inzwischen<br />
unterstützt sie im Winter bei Schnee<br />
und Glatteis ihr Mann. Fit hält sich<br />
die Zustellerin mit Schwimmen, „wir<br />
wohnen direkt gegenüber dem Aquari<br />
in Hüfingen“, und beim wöchentlichen<br />
Lauftreff. „Für den Lauftreff habe<br />
ich eine Druckereibesichtigung beim<br />
SÜDKURIER organisiert und alle waren<br />
begeistert.“ In Schwung hält die<br />
dreifache Mutter inzwischen auch das<br />
vierjährige Enkelkind.<br />
Aufzuhören hat Elsbeth Albert noch<br />
nie ernsthaft in Betracht gezogen: „Ich<br />
Geistig und körperlich<br />
Yoga ist ein Sanskritwort und bedeutet<br />
„Joch“. Ein Joch ist ein Zuggeschirr, mit<br />
dem Tiere vor einen Wagen oder Pflug<br />
gespannt werden. Ähnlich verhält es<br />
sich mit der indischen Tradition des<br />
„Yoga“. Mittels geistiger und körperlicher<br />
Übungen soll der Übende in die<br />
Lage versetzt werden, sein „höheres<br />
Selbst“ zu realisieren. Bekannt ist Yoga<br />
den meisten allerdings eher über die<br />
körperliche, gymnastisch anmutende<br />
Art und Weise der Betätigung, die im<br />
traditionellen Ashtanga Yoga (Asht –<br />
Acht, Anga – Gruppe, Teil) die Gruppe<br />
der so genannten „Asanas“ ausmacht.<br />
<strong>Der</strong> indische Yogameister Krishnamacharya<br />
gilt als „Vater des modernen<br />
Yoga“, das in seiner „Hatha Yoga“ Form<br />
mit kraftvollen Körperübungen sehr<br />
früh schon im Westen beliebt wurde.<br />
Viele Lehrer des größten Yogaverbandes<br />
in Deutschland, des „Bund deutscher<br />
Yogalehrenden“ berufen sich auf<br />
diese Tradition. Auch das dieser Tradition<br />
entstammende „Iyengar Yoga“<br />
fand aufgrund seines präzisen Übungsaufbaus<br />
viele Anhänger. Das „Integrale<br />
Yoga“, <strong>von</strong> Sri Aurobindo entwickelt,<br />
weist dazu starke spirituelle Züge auf,<br />
genau wie auch die der Gemeinschaft<br />
Yoga Vidya. Ihre Wurzeln sieht diese<br />
Bewegung in dem indischen Yogi Swami<br />
Sivananda. Nachdem die Gruppe<br />
1995 <strong>von</strong> Volker Bretz (Sukadev) gegründet<br />
wurde, ist sie heute der zweitgrößte<br />
Verband in Deutschland. (us)<br />
möchte auf jeden Fall <strong>bis</strong> zum nächsten<br />
Jubiläum weiter machen, nicht zuletzt<br />
wegen dem guten Essen – das hat<br />
auch mein Mann gemeint“, schmunzelt<br />
sie.<br />
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