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9 Markt notleidender Kreditforderungen

9.1 Allgemeine Informationen

Rund neun Jahre nach den ersten Transaktionen hat

sich der Handel mit Kredit-Portfolios notleidender

Forderungen in Deutschland etabliert. Für die Verkäufer

ist der Kredithandel ein Instrument zur Sicherung

der Liquidität. Vor allem im Bankbereich ermöglicht

der Verkauf von notleidenden Darlehensforderungen

(Non-Performing Loans, im Folgenden kurz „NPL‘s“

genannt) privaten wie öffentlichen Banken, Sparkassen,

Landesbanken und Volksbanken, ihre laufenden Aktivitäten

zur Verbesserung ihrer Risikostruktur voranzutreiben

und eröffnet ihnen zusätzliche Chancen, ihre

Position im Markt und ihre Ertragskraft zu stärken. In

Deutschland sind derzeit überwiegend Abwicklungsdienstleistungsunternehmen

mit der Verwertung von

NPL-Portfolios mit Fokus auf die Verwertung von

Immobilien beschäftigt, wie z. B. Hudson Advisors

Germany GmbH, Hoist Immobilien AG, Immofori

AG, Servicing Advisors Deutschland GmbH oder Situs

Global Servicing GmbH. Das gehandelte Volumen von

Kredit-Portfolios stieg seit 2004 stetig an, wobei eine

klare Trennung zwischen NPL-Portfolios und solchen

mit ordnungsgemäß bedienten Darlehen nicht möglich

ist, da in Teilen gemischte Forderungspakete veräußert

wurden. Diesen Markt dominieren laut Marktbericht der

„Deutsche Bank Research“ Immobiliendarlehen. Rund

2/3 vom Nominalkreditvolumen der verkauften Portfolios

entfallen auf Kredite, die allein mit Immobilien

besichert sind. Verkäufer sind zu großen Teilen Kreditinstitute.

Als Käufer sind bislang überwiegend internationale

Investmentbanken aufgetreten, wie beispielsweise

Lone Star, Goldman Sachs, JP Morgan, Citigroup,

Shinsei und Merrill Lynch. Die Höhe des Kaufpreises

wird von der Qualität der enthaltenden Kredite, deren

Sicherheiten sowie der Qualität der Informationen über

die Kreditnehmer bestimmt. Grundsätzlich gilt hier, je

besser die Daten sind, desto geringer fällt die Risikoeinschätzung

aus und desto höher ist der zu zahlende

Kaufpreis. Weitere Marktinformationen sind den „NPL

Europe“-Studien von PricewaterhouseCoopers und der

„European Non-Performing Loan Report“ von Ernst &

Young zu entnehmen; vgl. „www.publity.de“.

9.2 Übertragung der

Kreditforderungen

Die Vergabe von Krediten zählt zu den zentralen Säulen

des Bankgeschäfts. Traditionell markiert der Vertragsabschluss

den Beginn einer langfristigen Beziehung zum

Kunden, die mindestens bis zur Fälligkeit des Kredites

andauert. Bei Leistungsstörungen übernimmt die Bank

selbst die Abwicklung oder Sanierung mit ihren Workout-Abteilungen

als „Intensivbetreuung“. Um jedoch

die Struktur ihrer Aktiva und den Einsatz des Kapitals

zu optimieren, veräußern deutsche Banken seit einigen

Jahren vermehrt Kredite. Hierbei kann es sich um einzelne

notleidende Kredite oder ganze Portfolios unterschiedlichen

Typs handeln, wie beispielsweise Unternehmenskredite,

Konsumentenkredite, Kredite an private

Haushalte und besicherte oder unbesicherte Kredite

(Non-Performing Loans). Nachteilig wirkt sich diese

Art von Transaktionen oftmals auf die Reputation der

veräußernden Bank aus. Ein Kreditverkauf wird von

den Kunden und der Öffentlichkeit häufig als Vertrauensbruch

angesehen. Als besonders problematisch gilt

dabei, wenn ein Forderungskäufer mit der Abwicklung

der Darlehen beginnt und die Sicherheiten verwertet.

Insbesondere angelsächsischen Forderungskäufern und

den von ihnen beauftragten Abwicklungsdienstleistern

wird vorgeworfen, die Kredite ohne Rücksicht auf die

Interessen der Kreditnehmer zu verwerten und an einer

gütlichen Einigung im Einzelfall nicht interessiert zu sein.

Dabei werden die vielfältigen volkswirtschaftlichen Vorteile

übersehen und eine differenzierte Betrachtung der

unterschiedlichen Typen von Kreditnehmern unterbleibt

meist. Kreditnehmer, deren Verträge verkauft und dann

ggf. abgewickelt werden, sind bereits über einen längeren

Zeitraum ihren vertraglichen Verpflichtungen zu Zins-

und Tilgungsleistungen gegenüber den Kreditgebern

nicht nachgekommen. Liegt dagegen keine Vertragsverletzung

des Kunden vor, treten die Kreditaufkäufer

in den bestehenden Vertrag mit seinen Konditionen ein.

Insofern ergibt sich aus dem Verkauf von Kreditforderungen

durch die Banken kein direkter Nachteil für die

Kreditnehmer (Darlehensschuldner). Generell ist eine

Übertragung von Kreditforderungen ohne Zustimmung

des Kreditnehmers möglich. Hierbei gehen alle Rechte

und Pflichten auf den Käufer über. In dem Spezialfall des

Verkaufs notleidender Forderungen, insbesondere also,

wenn das Darlehen gekündigt wurde, weil der Kreditnehmer

nicht nur vorübergehend zahlungsunfähig oder

nicht zahlungswillig ist, ist nach der Rechtsprechung

des Bundesgerichtshofes (BGH-Urteil vom 27.02.2007)

eine Übertragung von Kreditforderungen generell ohne

Zustimmung des Kreditnehmers möglich. Der Verkauf

der Forderungen ändert nichts an der Möglichkeit des

Kreditnehmers, gegen den neuen Gläubiger die gleichen

Einwendungen geltend zu machen, wie zuvor gegen den

ursprünglichen Forderungsinhaber, den Kreditgeber.

Insbesondere bleiben die vertraglichen Vereinbarungen

über Zinsen und Gebühren, Laufzeiten und sonstige

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