COMPACT-Magazin 09-2016

compactmagazin

Ausgabe 9/2016 | 4,95 EUR

www.compact-online.de

Terrorists

welcome

Merkel gibt Mördern Asyl

Kein Amok

Das München-Massaker

Berlin kaputt

Moscheen und Migranten

Der Putsch

USA gegen Erdogan

Pokemon

Monster fressen Nerds

Dossier: Die neue Protestjugend

Opposition

Dossier: Die neue Protestjugend

Querfront – nicht links, nicht rechts

Hip, konservativ, Hip, rebellisch – die – die Identitären kommen!


Ehrlicher Journalismus in Zeiten der Lüge.

Die schweigende Mehrheit kann die Verhältnisse zum Tanzen bringen,

wenn sie ihre Stimme wiederfindet. COMPACT ist ihr Lautsprecher, weil

wir drucken und verbreiten, was andere nicht zu schreiben wagen.

Unterstützen Sie uns jetzt mit einem Abo! Als Dankeschön genießen

Sie exklusive Vorteile:

COMPACT-Abonnenten

bekommen das Magazin, bevor es am Kiosk erhältlich ist,

jeden Monat in einer Versandtasche bequem nach Haus!

zahlen kein Porto!

erhalten ein Buch oder eine DVD ihrer Wahl gratis!

sparen bei COMPACT-Konferenzen bis zu € 60,– am Eintrittspreis!

haben freien Eintritt zu der monatl. Veranstaltungsreihe COMPACT-Live!

www.mut-zum-abo.de

Weltkrieg

gegen Putin

Die NATO marschiert

Stasi 2.0

IM Kahane und das Internet

Cop-Killer

Rassenkrieg in den USA

Hofer exklusiv

FPÖ-Kandidat vor Wahlsieg

Wikinger im Glück

Liebeserklärung an Island

Wollt Ihr den

Himmel

totalen

hilf!

Maas?

Kein Volk, kein Recht,

keine Freiheit

Die neue Christenverfolgung

Brüssel-Terror

Unwetteropfer

Merkels Schande

Kein Geld für Deutsche

Wahlbetrug

Böhmermann

Je suis Arschgeige

Bananenrepublik Österreich

Anakonda

RFID-Chip

NATO an der Ostfront

Spion unter der Haut

Deutsches Bier

Dossier: Nach Die Nach dem neue dem Brexit

Opposition

Brexit

Dossier: Hoffen auf Trump

Zurück zum Original

Ausgabe 8/2016 | 4,95 EUR

www.compact-online.de

Querfront – nicht links, nicht rechts

So So hassen hassen die die EU-Eliten das das Volk Volk

US-Wahlkampf im Schatten des Islam-Terrors

Dossier: Protestparteien

Ausgabe 7/2016 | 4,95 EUR

www.compact-online.de

Von Grün bis AfD – Tops und Flopps

Ausgabe 5/2016 | 4,95 EUR

www.compact-online.de



Neuer Erscheinungstermin:

Samstag ist der neue Donnerstag!

Ab 1. Oktober am Kiosk:

das nächste COMPACT-Magazin

Ausgabe 9/2016 | 4,95 EUR

www.compact-online.de

Ausgabe 8/2016 | 4,95 EUR

www.compact-online.de

Terrorists

welcome

Merkel gibt Mördern Asyl

Kein Amok

Das München-Massaker

Berlin kaputt

Moscheen und Migranten

Der Putsch

USA gegen Erdogan

Pokemon

Monster fressen Nerds

Weltkrieg

Wollt Ihr den

totalen

gegen Putin

Die NATO marschiert

Stasi 2.0

Maas?

Kein Volk, kein Recht,

keine Freiheit

IM Kahane und das Internet

Cop-Killer

Rassenkrieg in den USA

Hofer exklusiv

Unwetteropfer

Kein Geld für Deutsche

Wahlbetrug

FPÖ-Kandidat vor Wahlsieg

Bananenrepublik Österreich

Wikinger im Glück

Anakonda

Liebeserklärung an Island

NATO an der Ostfront

Dossier: Nach Die dem neue Brexit Opposition

Dossier: Hoffen auf Trump

Dossier: Die neue Opposition

Dossier: Die neue Protestjugend

So hassen die EU-Eliten das Volk

Querfront – nicht links, nicht rechts

US-Wahlkampf im Schatten des Islam-Terrors

Querfront – nicht links, nicht rechts

Hip, konservativ, rebellisch – die Identitären kommen!

Ausgabe 7/2016 | 4,95 EUR

www.compact-online.de

Immer wieder samstags…

kommt die Wahrheit ans Licht.

Ab sofort gönnt sich COMPACT zwei Tage mehr

Zeit für die Redaktion. Statt wie bisher donnerstags

erscheint das einzig wahre Monatsmagazin nun

immer samstags.

Mut zum Abo zahlt sich aus!

COMPACT-Abonnenten erhalten das aktuelle

Magazin 4 bis 5 Tage vor dem offiziellen Erscheinungstermin

und genießen weitere exklusive

Vorteile (siehe Übersicht links).

Unterstützen Sie uns jetzt:

Bestellen Sie Ihr persönliches COMPACT-Abo per

Telefon unter 03327-569 86 11 oder senden Sie uns

den ausgefüllten Coupon per Post oder Fax zu.

Ausfüllen. Ausschneiden. Abschicken. Prämie sichern!

Ja, ich will COMPACT ab Nr........./20...... mit 59,40 EUR (inkl. Versandkosten innerhalb

Deutschlands) für 12 Ausgaben abonnieren und meine Wunschprämie kassieren!

Ja, ich will COMPACT ab Nr........./20...... mit 83,40 EUR (inkl. Versandkosten ins Ausland)

für 12 Ausgaben abonnieren und meine Wunschprämie kassieren!

Ich freue mich auf meine Abo-Prämie COMPACT-Spezial Nr. 9 «Zensur in der BRD».

Absender / Lieferadresse

Name, Vorname

Straße, Hausnummer

PLZ, Ort

Email

Telefon

Unterschrift

Einzugsermächtigung

Hiermit ermächtige ich COMPACT-Magazin GmbH widerruflich, den Abo-Betrag umgehend

zulasten meines Kontos per Lastschrift einzuziehen.

Bankverbindung

Kontoinhaber

Bank

IBAN (Kto-Nr.)

BIC (Bankleitzahl)

Kündigung

Das Abonnement verlängert sich jeweils automatisch, wenn es nicht bis 14 Tage vor Erscheinen der

jeweils letzten Ausgabe gekündigt wurde.

Unterschrift

Ausgefüllten Vordruck per Post an:

COMPACT-Magazin GmbH, Am Zernsee 9, 14542 Werder (Havel)

Oder per Fax an:

+49-(0)33 27 / 569 86-17

Abo online holen:

www.mut-zum-abo.de


COMPACT Themen

Titelthema

Terrorists welcome – Merkel gibt Mördern Asyl

Politik

Berlin kaputt – Moscheen und Migranten

Dossier

Identitäre – Die neue Protestjugend

Leben

Pokemon – Monster fressen Nerds

05 Editorial

06 Zitate des Monats

07 Foto des Monats

08 Leserbriefe

09 COMPACT Intern

10 Köpfe des Monats

Titelthema

11 Terrorists welcome

von Jürgen Elsässer

16 Sie kommen als Türkei-Touristen

von Karel Meissner

17 Requiem für Jolanta

von Martin Müller-Mertens

20 Alles Amok – oder was?

von Marc Dassen

Politik

23 Moscheen und Migranten

von Martin Müller-Mertens

26 Feuer und Steine

von Martin Müller-Mertens

29 «Kaischi hat das Lebenswerk von Axel

Springer verjuckelt»

Interview mit Peter Bartels

32 Der amerikanische Putsch

von Marc Dassen

35 Ritterschlag für den Prinzen

von Philipp Huemer

39 «Kurz ist isoliert»

Interview mit

Harald Vilimsky/Johannes Hübner

40 ab-in-den-tod.de

Interview mit Reinhard Rade

Dossier

44 «Wir stehen in der Tradition der Rebellion»

Interview mit Martin Sellner

47 Ein Ziel, viele Strömungen

von Martin Sellner

50 Die Glut in der Asche

von Alina Wychera

Leben

53 Monster fressen Nerds

von Alexander Markovics

55 Edle Wilde

von Harald Harzheim

58 Jagd auf Phantome

von Bernd Schumacher

61 «Bedingt abwehrbereit»

von Helmut Roewer

65 BRD-Sprech _ Einzelfall

von Manfred Kleine-Hartlage

66 Harzheims Klassiker _ Caligula

von Harald Harzheim

COMPACT Impressum

Herausgeber & Verlag

COMPACT-Magazin GmbH

Geschäftsführer Kai Homilius

Am Zernsee 9, 14542 Werder (Havel)

E-Mail verlag@compact-magazin.com

Website www.compact-online.de

Vertrieb, Bestellungen, Abo-Betreuung

Fon 03327-5698611

Fax 03327-5698617

E-Mail vertrieb@compact-magazin.com

Bankverbindung COMPACT-Magazin GmbH

Mittelbrandenburgische Sparkasse

BIC: WELADED1PMB

IBAN: DE74 1605 0000 1000 9090 49

Redaktion

E-Mail redaktion@compact-magazin.com

Chefredakteur Jürgen Elsässer (V.i.S.d.P.)

Chef vom Dienst Martin Müller-Mertens

Cover Iris Fischer

Fotoquellen Cover picture alliance/abaca

Tithi Luadhtong/shutterstock

Layout/Bild Steffen Jordan

COMPACT-Online Arne Fischer

E-Mail fischer@compact-magazin.com

Anzeigenakquise

E-Mail anzeigen@compact-magazin.com

Gedruckt in Deutschland

Erscheinungsdatum der nächsten Ausgabe

Samstag, den 1. Oktober 2016

Redaktionsschluss

14. August 2016

4


COMPACT Editorial

Erdogan, Putin und Merkel

Wir leben in einer Bananenrepublik. Die Mutti an

unserer Spitze leckt die Stiefel – oder Schlimmeres –

fremder Despoten. In der Regel kommt das Herrchen

von Frauchen aus Übersee, bisweilen ist es auch ein

Kommissar aus Brüssel, zur Zeit vorwiegend der Sultan

vom Bosporus. Erdogan kann sich in Deutschland alles

erlauben: Nach eigenem Gusto schickt er uns Hunderttausende

seiner Glaubensbrüder über die Balkanroute,

lässt seine Landsleute in Armeestärke zum Demonstrieren

aufmarschieren und andersdenkende Türken,

aber auch deutsche Parlamentarier so wüst bedrohen,

dass sie Polizeischutz brauchen. Seine fünfte Kolonne

warnt er vor jeder Assimilation, sie sollen sich ja

nicht den Deutschen angleichen – für ihn ist das nämlich

«Völkermord». Majestät fühlt sich auch schnell

gekränkt – dann gewährt ihm seine feiste Haremsdame

das ius ultimae noctis: Er darf ein letztes Mal

den Beleidigungsparagrafen in Anspruch nehmen, den

sie eigentlich abschaffen will, und die deutsche Justiz

gegen einen bescheuerten, aber insgesamt harmlosen

Kabarettisten in Marsch setzen.

Wären wir auch nur ein bisschen selbstbewusst,

würden wir dem Bosporus-Gröfaz klare Kante zeigen:

seine hierzulande agitierenden Imame heimschicken

und dafür unsere Soldaten zurückholen; die Bundesmarine

in die Ägäis entsenden und alles, was da über

Schlauchboote herandümpelt, auf kleinen Inseln festsetzen

(übrigens ein Vorschlag des österreichischen

Außenministers); die EU-Beitrittsverhandlungen mit

einem Veto aus Berlin stoppen; dem Familiennachzug

anatolischer Kopftuch-Omas einen Riegel vorschieben;

die hier lebenden Türken vor die Wahl stellen, entweder

ihre Pässe mit dem Halbmond abzugeben oder künftig

auf Hartz-IV und ähnliche Sozialleistungen zu verzichten.

Die dann sicherlich randalierenden Ghetto-Rambos

wären ein Fall für die Bundespolizei, die sich schon

lange darauf freut, den Typen zu zeigen, wo der Hammer

hängt. Wetten, dann wäre schnell Ruhe im Karton?

Aber all das wird erst möglich sein, wenn wir die

Türken-Mutti aus Berlin verjagt und einen guten Deutschen

an die Macht gebracht haben. Ein solcher Eiserner

Kanzler bräuchte gewisse Qualitäten des alten Bismarck

– oder auch des aktuellen Erdogan. Damit sind

wir bei der anderen Seite der Medaille. Denn so empörend

es ist, wie sich der Osmane gegenüber Deutschland

aufspielt – er kann das nur tun, weil unsere Politiker

vor ihm katzbuckeln. Und wie er umgekehrt sein

eigenes Land regiert, geht uns außerhalb des Feuilletons

nichts an und nötigt mir sogar einen gewissen

Respekt ab: Bei der Niederschlagung des von den

USA zumindest begünstigten Putsches vom 15. August

bewies er hohen persönlichen Mut. Dass sein Volk,

quer über alle Parteigrenzen hinweg, seither mehr

denn je hinter ihm steht, ist verständlich. Die Millionen-Kundgebung

in Istanbul war ein eindrucksvoller

Ausdruck nationaler Solidarität – bravo! Die 40.000

Erdogan-Anhänger in Köln jedoch demonstrierten

imperiale Anmaßung – das geht gar nicht!

Kehren wir endlich von der One-World-Ideologie

zum Prinzip der nationalen Souveränität zurück: Andere

dürfen sich nicht bei uns einmischen – und wir nicht

bei ihnen. Wer das ganz gut kapiert hat, ist Wladimir

Putin. Die Annäherung zwischen ihm und Erdogan

nach dem Putsch erinnert ein bisschen an den Hitler-

Stalin-Pakt: Obwohl sich beide – die von 1939 und die

von 2016 – eigentlich hassten wie die Pest, schlossen

sie, nachdem sie von den Westmächten enttäuscht

und betrogen worden waren, zum beiderseitigen Vorteil

ein Zweckbündnis. Die Chancen, dass das dieses

Mal länger hält als vor 75 Jahren, sind nicht schlecht:

Putin scheint Erdogan schon von der Unterstützung des

IS abgebracht zu haben – und versüßt ihm den neuen

Kurs mit der Aussicht auf ein großes Pipeline-Geschäft.

Seine MiGs demonstrieren jeden Tag am Himmel über

Syrien, dass die Türken keinen falschen Schritt machen

dürfen. Diese Sprache ist die einzige, die der Sultan

versteht – da er sie selbst spricht. Wollen wir Deutschen

sie nicht endlich auch wieder lernen?

Chefredakteur Jürgen Elsässer.

Foto: Jörg Gründler

5


COMPACT Zitate des Monats

Sie nennen sie Tante Merkel…

Foto: picture alliance / dpa

Terrorists welcome

Ami go Home!

«Die syrische Regierung warf den USA und

Frankreich vor, ihre Bomben auf Zivilisten

statt auf Terrorbanden abzuwerfen.» (Spiegel

Online, 21.7.2016)

Der Krisenmacher

«George Soros ist dafür bekannt, den Finger in

die Wunde zu legen. (…) So wettete er zuletzt

100 Millionen Euro gegen die Deutsche Bank –

kurz nachdem er vor einer neuen Bankenkrise

gewarnt hatte.» (N24 Online, 21.7.2016)

nick niedergelassen. Mitsamt Gefolge und mit

Duldung der Behörden.» (Welt Online, 5.8.2016)

Wo er Recht hat

«In den meisten europäischen Ländern sind

die Medien nicht frei. Vor allem in Deutschland

sind sie überhaupt nicht frei. (…) Sie

werden alle vollständig von einem Kontrollmechanismus

geleitet.» (Der türkische Außenminister

Mevlüt Cavusoglu, Süddeutsche Zeitung

Online, 5.8.2016)

COMPACT speaks

6

«Wir werden eines Tages Europa erobern.

Nicht wir wollen, nein, wir werden. Darin sind

wir uns sicher.» (Abu Qatada, ein deutscher IS-

Krieger, im Interview mit Jürgen Todenhöfer, Dezember

2014)

«Deutschland ist ein starkes Land. (…) Wir

haben so vieles geschafft, wir schaffen das.

Wir schaffen das, und wo uns etwas im Wege

steht, muss es überwunden werden.» (Angela

Merkel, 31.8.2015)

«Es gab und es gibt Hinweise von Nachrichtendiensten

aus dem Ausland, dass sich Terroristen

unter die Flüchtlinge mischen.» (Bundesinnenminister

Thomas de Maizière, 9.10.2015)

«Angesichts der Zustände an den Grenzen ist

die Rechtsordnung von der deutschen Politik

ausgesetzt. (…) Asylsuchende werden von

der deutschen Bundeskanzlerin eingeladen

nach Deutschland zu kommen.» (Amtsgericht

Passau begründet in einem Urteil Strafmilderung

für serbischen Schleuser, zitiert in Welt am Sonntag,

8.11.2015)

«Die Terroristen sind keine Flüchtlinge.»

(Bundesjustizminister Heiko Maas, Welt Online,

24.3.2016)

«Ich bin heute wie damals davon überzeugt,

dass wir es schaffen, unserer historischen

Aufgabe (…) gerecht zu werden. Wir schaffen

das.» (Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundespressekonferenz,

28.7.2016)

Majestätsbeleidigung

«Er beschimpfte Hannelore Kraft als ”korruptes

Pack” und verglich ihren IQ mit dem eines

Toastbrots. Nun ist ein 53-Jähriger zu einer

Geldstrafe von 2.250 Euro verurteilt worden.»

(Spiegel Online über einen Kritiker der NRW-

Ministerpräsidentin, 20.7.2016)

Die guten Terroristen

«Die Islamisten sind Aleppos letzte Hoffnung

// Während die USA und Europa zusehen, wie

Hunderttausende Menschen in Aleppo ausgehungert

werden, kommen Islamisten den

Eingeschlossenen zu Hilfe. Angeführt werden

sie von einer Terrormiliz. (Spiegel Online,

2.8.2016)

Sprachlos integriert

«Mein Vater ist ein frommer Muslim, spricht

kaum Deutsch, kann weder lesen noch schreiben,

ist aber integrierter als viele Funktionäre

der AfD (…).» (Sawsan Chebli, Sprecherin des

Auswärtigen Amtes, Frankfurter Allgemeine Zeitung,

3.8.2016)

Steini, der Drachentöter

«Außenminister Frank-Walter Steinmeier

(SPD) (…) schaue mit großer Sorge auf das

”Ungeheuer des Nationalismus”, das sich weltweit

ausbreite. ,”Hassprediger” wie Trump, die

Verantwortlichen des Brexit und die AfD eine,

dass sie mit den Ängsten der Menschen Politik

machten.» (Spiegel Online, 4.8.2016)

Schreibtischtäter

«Auch gegen eine handfeste Abreibung für

Rechtsextremisten oder Farbeierwürfe auf

die protzigen Villen der schlagenden Verbindungen

ist nicht allzu viel einzuwenden.» (Taz

Online, 4.8.2016)

Wenn der Sultan kommt

«Romantisch gelegen, von Wäldern und Seen

umgeben. So liegen die Krickenbecker Seen

nahe der Stadt Nettetal am Niederrhein. In

genau diesem Idyll (…) hat sich der Herrscher

des Emirats Dubai Mitte Juli zum Pick-

«Er ist der Gründer des IS.» (Donald Trump über

Barack Obama, Wahlkampfauftritt, 10.8.2016)

Kolbenfresser im Jobmotor

«Deutsche Wirtschaft profitiert von kultureller

Vielfalt // Das zeigt eine Studie der Bertelsmann

Stiftung. (…) Die Stiftung spricht gar

von einem Jobmotor.» (Deutschlandfunk Online,

11.8.2016)

Killer unter sich

«Ich will Assad einschüchtern. (…) Ich will sein

Büro mitten in der Nacht bombardieren.» (Mike

Morell, ehemaliger CIA-Direktor, Interview bei

Charlie Rose, 8.8.2016) – «Ich salutiere Mike

Morell für seine Moral und politische Klarheit,

wenn es darum geht, wie man mit dem Assad-

Regime, Iran und Russland fertig wird.» (Bild-

Redakteur Julian Reichelt, Twitter, 12.8.2016)

Abschiedsgeschenk

«USA wollen Atomwaffen in Deutschland modernisieren

// US-Präsident Obama hat kurz vor

Ende seiner Amtszeit die letzte Entwicklungsphase

für eine neue Version nuklearer Bomben

gebilligt.» (Deutsche Welle Online, 12.8.2016)

AKP-nahe türkische Zeitung portraitiert Merkel mit Hitlergruß,

nachdem das Bundesverfassungsgericht die

Live-Übertragung einer Rede Erdogans bei der Türkendemonstration

in Köln Ende Juli 2016 verboten hatte.

Foto: picture alliance / dpa


COMPACT Foto des Monats

Der Sultan lässt jubeln. Seit dem Scheitern des Militärputsches in der Türkei am 16. Juli verharrt das Land im Taumel. Nahezu jeden Abend strömen die Anhänger von Präsident

Recep Tayyip Erdogan zu Massenkundgebungen zusammen. Den vorläufigen Höhepunkt bildete der 7. August, als eine Million Türken den Staatschef auf einer «Demokratie- und Märtyrerversammlung»

in Istanbul frenetisch feierten. Auch die Oppositionsparteien CHP und MHP durften dabei ihre volle Übereinstimmung mit der Politik der Regierung unter Beweis

stellen. Die Begeisterung der Demonstranten dürfte echt gewesen sein. Erdogans Beliebtheit stieg seit dem gescheiterten Coup von 47 auf 68 Prozent. Foto: picture alliance / abaca

7


COMPACT Leserbriefe

8

Weltkrieg

gegen Putin

Die NATO marschiert

Stasi 2.0

IM Kahane und das Internet

Cop-Killer

Rassenkrieg in den USA

Hofer exklusiv

FPÖ-Kandidat vor Wahlsieg

Wikinger im Glück

Liebeserklärung an Island

Dossier: Nach Die Nach dem neue dem Brexit

Opposition

Brexit

So Querfront So hassen hassen die – die EU-Eliten nicht links, das nicht das Volk

rechts Volk

Zu COMPACT allgemein

Ausgabe 8/2016 | 4,95 EUR

www.compact-online.de

Ich finde es erfreulich, was Sie und Ihr gesamtes

Team leisten. Jeden Monat legen sie ein

hochwertiges (Aufmachung und Inhalt) Magazin

vor, ein Magazin, das sehr zu empfehlen

ist. Ich habe meinen Zeitschriftenhändler

bewegen können, Ihr Monatsmagazin und die

Sonderausgaben in sein Sortiment aufzunehmen,

und sie verkaufen sich hervorragend. Insbesondere

das Spezialheft Islam ist ein «Renner».

Konservativer, per Website-Kommentar

Ich bin eifriger Leser – genieße und verinnerliche

jede Zeile. Ich stehe zu 100 Prozent hinter

dem Magazin und den Redakteuren. Einfach

gut recherchiert und auf den Punkt gebracht.

Freue mich auf jede Ausgabe und will

versuchen, bei einer der nächsten Veranstaltung

in der Region Sachsen mit dabei zu sein.

Friedrich Bravo, per Facebook-Kommentar

Hallo liebes COMPACT-Team, danke, dass es

Euch gibt! Ich habe große Angst vor diesen

machtbesessenen und menschenverachtenden

Politikern, die das eigene Land verachten

und verraten! Warum gehen wir nicht Seite

an Seite mit den hier lebenden Russen auf die

Straße? Wir sind doch so viele! Auf was warten

wir denn noch?

Christine Ratsch, per YouTube

Die neue Ausgabe ist hervorragend. Ein Magazin,

praktisch frei von Werbung, vollgestopft

mit gut recherchierten Artikeln. Ich lese jede

Ausgabe von COMPACT, aber das August-Heft

toppt alle bisherigen. Der Berger-Artikel und

das Hofer-Interview sind erste Sahne.

Florian Bendau, per Facebook-Kommentar

Mal seit Langem wieder eine Ausgabe, die

mir nicht gleich beim Titelthema schon auf

den Sack ging. Wegen so wichtiger Themen

hab’ ich mal COMPACT abonniert, nur um dann,

gefühlt 100 Ausgaben, AfD-Lobhudeleien und

«Hilfe, die Flüchtlinge kommen, um uns zu meucheln»

zu bekommen.

Benny Schniepp, per Facebook-Kommentar

Das Titelbild wirkt sympathischer als im Vormonat.

Hatte auch ein bisschen Angst, dass

Ihr etwas mit dem Thema Türkei macht und

Ärger bekommt.

Heidi Heidegger, per Website-Kommentar

Zum Editorial «Nizza:

Wir sind im Krieg»

Zum Täter von Nizza

muss man sagen, dass

er durchaus als Kleinkrimineller

bekannt war. Außerdem hat er die

Tat geplant, und er hat sich auch eine Schusswaffe

besorgt. So ganz aus heiterem Himmel

ist dieser Anschlag also nicht passiert. Laut

Medien wurden 100.000 Euro an seine Familie

überwiesen. Wie ist er an diese Summe gekommen?

Etwa durch «Kleinkriminalität»?

Natija08, per YouTube

Die Islamisten begehen ihre Taten selbstverständlich

aus dem Islamismus heraus. Daran

wird auch nicht gezweifelt. Nur: Von wem bekommen

sie die Befehle zur Ausführung? Die

Polizei hat bereits bekanntgegeben, dass die

Attentäter von Würzburg und Ansbach vorab

Anweisungen per Handy bekommen haben.

Von wem? Von der ISIS? Wahrscheinlich. Und

wer kontrolliert die ISIS?

Sebastian H., per Website-Kommentar

Zu «Weltkrieg

gegen Putin»

Wer Kriegshetze mitbetreibt

– und dies gilt

für den Großteil der

westlichen und insbesondere der deutschen

Medien sowie für die meisten Systemparteien

– ist ein Schwerstverbrecher und gehört

mit aller Strenge abgeurteilt.

J. Graf, per Website-Kommentar

Ich glaube nicht, dass es zu einem Dritten

Weltkrieg gegen Russland kommen wird. Eher

sehe ich einen Krieg der Religionen auf uns zukommen.

Mal abwarten, ob Trump sich vielleicht

mit Putin verbündet, und sie dann gemeinsam

gegen den IS vorgehen. Dann könnte

es in Europa ungemütlich für die «Zugeroasten»

werden. Normalo, per Website-Kommentar

Zu «Die Herrenmenschin»

Man sollte auch eine

Stiftung ins Leben rufen,

die sich um die Opfer

dieser Linksterroristen kümmert und die Täter

öffentlich an den Pranger stellt! Das wird

dann sicher verboten.

Steffen Reuter, per Facebook-Kommentar

Das Horrorbild vom «rechtsextremen Deutschland»

ist ein Deckmantel, unter welchem sich

die wirklichen Extremisten, die Feinde der Demokratie,

der Informations- und Meinungsfreiheit,

die Todfeinde des aufgeklärten Bürgers

verstecken, und ihr Süppchen kochen, das

verdächtig nach rot-grüner (= brauner) Diktatur

stinkt. Karl Fredrich, per Website-Kommentar

Zu «Das Schweigen

der Lämmer»

Gerade, dass solche

Leute wie Berger [Autor]

gehört werden, ist richtig.

Sie repräsentieren nämlich durchaus die

Mehrheit ihrer Gruppe [der Homosexuellen].

Ralf Josef, per Facebook-Kommentar

Zum Dossier

«Nach dem Brexit»

Deutschland soll raus

aus der EU und sich den

freien Völkern Europas

anschließen – für ein neues freies Europa ohne

amerikanische Einflüsse. Kevin Interrante, per

Facebook-Kommentar

Jedes europäische Land ist in einer Individualität

zu erhalten und weiter zu führen. Ein vereintes

Europa – Ja! Aber kein vereintes Europa

für die Großkonzerne. Es wird Zeit, alle Großkonzerne

zu annullieren und wieder dem Volke

zuzuführen. Diese Konzernführer, diese Verbrecher,

müssen alle vor den Kadi.

Kurt Liebisch, per Facebook-Kommentar

Demokratie? Volksentscheide? Faire Wahlen?

In Deutschland? Wann? Gauck hat es doch gesagt:

Das Problem sind nicht die Eliten, das

Problem ist momentan die Bevölkerung. Und

die Rassisten der Konformistenpresse blasen

ins selbe Horn. Ekelhaft!

Direkter Demokrat, per Website-Kommentar


COMPACT Intern

Österreich liest mit. Foto: billard-weingartner.at

5. Konferenz für Souveränität | 2016 * COMPACT spricht Klartext. Foto: COMPACT

Islam

Gefahr für Europa

Sonder-Ausgabe Nr. 10 | 8,80 EUR (D) · spezial.compact-online.de

Ab soforf im Handel!

Deutschland hört zu. Foto: COMPACT

9,90 Euro (A), 13 sFr (CH)

COMPACT in Wien

COMPACT in Köln

Grundwissen: Koran, Scharia und Dschihad als akute Bedrohung unserer Freiheit

Geschichte: Raubzüge und Kolonisierung unter der grünen Fahne des Propheten

Gegenwart: Warum der Islam mit unserem Grundgesetz nicht vereinbar ist

Zukunft: Wie wir das Abendland und unsere Werte verteidigen können

COMPACT in Berlin

Bislang ist COMPACT nur in Deutschland

am Kiosk zu kaufen. Wer in anderen Ländern

lebt, muss es per Post beziehen, im Einzelversand

oder im Abonnement. Nun haben wir immerhin

zwei Verkaufspunkte außerhalb der

Bundesrepublik etabliert.

Ein ganz heißer Tipp ist das spanische Teneriffa,

eine der ganzjährig sonnigen Kanareninseln.

Dort betreibt Joachim Sondern – im

Zweitberuf Chef der lesenswerten Plattform

buergerstimme.com – ein Reformhaus, das

lebhaft von deutschen Urlaubern frequentiert

wird. Dort kann man sich ab September mit

der neuesten Ausgabe von COMPACT versorgen

und sich dann am Strand durch die Seiten

fressen. Adresse: Reformhaus Botanico, Avda.

Marques de Villanueva del Prado Canary Center,

Local 48, 38400 Puerto de la Cruz.

In Österreich wird das geschichtsträchtige

Kaffeehaus Weingartner in Wien unsere

erste Verkaufsstelle sein. Einen Steinwurf vom

Westbahnhof in der Goldschlagstraße 6 gelegen,

hält das Lokal schon seit den Zeiten der

k.-u.-k.-Monarchie die Traditionen dieser Form

von Gastlichkeit hoch: Man kann dort stundenlang

sitzen und alle möglichen in- wie ausländischen

Presseerzeugnisse studieren – und

zwischendrin eine Partie Billard spielen, und

zwar in der ehrwürdigen Carambolage-Version.

COMPACT liegt dort selbstverständlich kostenlos

zum Lesen aus, kann aber auf Nachfrage

auch käuflich erworben werden.

Wir planen weitere Verkaufsstellen in Österreich,

haben den Kiosk-Start aber erst einmal

auf 2017 vertagt: Gut Ding will Weile haben.

«Für ein Europa der Vaterländer – Gegen Islamisierung

und Fremdherrschaft» lautet das

Motto der 5. COMPACT-Souveränitätskonferenz

in Köln. Ausgerechnet in der Multikulti-

Hochburg am Rhein wird ein Gipfeltreffen all

jener stattfinden, die unseren Kontinent und

seine historischen Nationen nicht verloren

geben wollen. Erstmals treffen Vertreter der

wichtigsten patriotischen Parteien im deutschsprachigen

Raum zusammen: Aus Österreich

reist Johannes Hübner an, der außenpolitische

Sprecher der FPÖ; aus der Schweiz der

Walliser Minister Oskar Freysinger (SVP), der

2008 über eine Volksabstimmung das Minarettverbot

in der Alpenrepublik durchsetze; aus

Deutschland schließlich Björn Höcke, den viele

in der AfD als Garanten einer dezidiert volksfreundlichen

Orientierung sehen. Darüberhinaus

bemühen wir uns um einen Redner des

Front National von Marine Le Pen.

Weitere Prominente haben schon in den

letzten Jahren die Zuhörer begeistert: der

Staatsrechtler Karl Albrecht Schachtschneider,

der langjährige tschechische Präsident Vaclav

Klaus, die ehemalige außenpolitische Sprecherin

der Duma Natalia Narotchnitskaya, der

britische Publizist John Laughland und Matthias

Sellner, der neue Rudi Dutschke. Von

COMPACT runden der Philosoph Peter Feist

und Chefredakteur Jürgen Elsässer das Tableau

ab.

Wir rechnen mit über 1.000 Leuten. Je früher

Sie buchen, umso größer sind Ihre Aussichten

auf ein garantiertes und günstiges Ticket.

Apropos: COMPACT-Abonnenten können beim

Kartenkauf bis zu 60 Euro sparen. Vorher abonnieren

lohnt sich!

Wer am 21. Juli, kurz nach der Axt-Attacke

in einem Zugabteil bei Würzburg und kurz

vor dem Bombenattentat von Ansbach, nicht

den Weg nach Berlin-Mitte fand, der verpasste

wirklich etwas. Knapp 150 Gäste waren

an diesem Abend zur Vorstellung der neuen

COMPACT-Spezial-Ausgabe Islam – Gefahr für

Europa gekommen. Die Diskussion war spannend

wie lange nicht. Zum Glück für alle Ferngebliebenen:

Auf compact-online.de und You-

Tube kann das Video der Veranstaltung angesehen

werden. Manfred Kleine-Hartlage und

Thor von Waldstein, Autoren von COMPACT-

Spezial, diskutierten mit Chefredakteur Jürgen

Elsässer die wichtigsten Fragen für das

von Asylwahnsinn und Islamterror gebeutelte

Deutschland. Wie umgehen mit dem islamistischen

Wahn? Wie die eigene Kultur bewahren?

Der Schlagabtausch der Referenten war

für alle Zuschauer ein Genuss – und vor allem

deshalb prickelnd, weil die Referenten

bei aller übereinstimmenden Polemik gegen

Zuwanderung und Bevölkerungsaustausch

in Grundsatzfragen verschiedene Haltungen

einnahmen. Während Kleine-Hartlage die islamische

Kultur und ihren Expansionstrieb kritisierte

und Elsässer einen Krieg des radikalen

Sunnitentums gegen Europa konstatierte,

bezeichnete von Waldstein den Islam als den

«falschen Feind». Es sei Teil der angloamerikanischen

Geostrategie, Okzident und Orient gegeneinander

auszuspielen.

Wer in Zukunft keine COMPACT-Live Veranstaltung

verpassen will, sollte die Ankündigungen

auf unserer Webseite im Auge behalten.

Abonnenten haben freien Eintritt!

9


COMPACT Köpfe des Monats

Foto: picture alliance / AA

Foto: Informationen aus Einsiedel

Foto: picture alliance / dpa

Karrieristin des Monats

_ Sawsan Chebli

Fußballer des Monats

_ Michel Dinzey

Was macht eigentlich

_ Nadija Sawtschenko

10

Noch verkündet sie als Vize-Sprecherin des

Auswärtigen Amtes die Politik Frank-Walter

Steinmeiers. Doch vielleicht wird die 38-Jährige

schon bald selbst ein Ressort leiten. Mit

Berlins Regierendem Bürgermeister Michael

Müller (SPD) trat Sawsan Chebli im Juli bereits

zu einem gemeinsamen Sommerinterview

über den Islam in Deutschland an. Immerhin

dürfte Müller nach der Berlin-Wahl im

September ein neues Kabinett zusammenstellen.

Denkt er dabei an Chebli als Nachfolgerin

von Integrationssenatorin Dilek Kolat, die

in den letzten Jahren eher mit Personalquerelen

im eigenen Haus als durch politische Erfolge

auffiel?

Die Positionen der praktizierenden Muslimin

– auf das Kopftuch verzichtet sie lediglich

aus Karrieregründen – würden jedenfalls

gut zur durchaus wahrscheinlichen rot-grünroten

Koalition an der Spree passen. «Mein

Vater ist ein frommer Muslim, spricht kaum

Deutsch, kann weder lesen noch schreiben, ist

aber integrierter als viele Funktionäre der AfD,

die unsere Verfassung in Frage stellen», verkündete

sie mit Chuzpe.

Irgendwie tolerant sollten Muslime gegenüber

christlichen Gebräuchen wie dem Weihnachtsfest

schon sein. Doch Empfehlungen an

ihre Religionsgemeinschaft sind ihr offenbar

nicht recht: Mit der Scharia hat Chebli kein erkennbares

Problem. Die ungläubigen Eingeborenen

wüssten einfach nicht, was der Begriff

bedeutet: «Scharia heißt auf Deutsch: Weg

zur Quelle, also der Weg zu Gott.» Demnächst

steht das auf SPD-Plakaten, wetten? (fb)

Toleranz und Respekt werden gerne groß

geschrieben beim Zweitligisten FC St. Pauli.

Wie schnell es mit diesen Werten am Millerntor

vorbei sein kann, musste jetzt der einstige

Star Michel Dinzey erleben. Sein früherer Verein

schmiss den Mittelfeldspieler Ende Juli

aus der Altliga-Mannschaft.

Das Verbrechen des Kickers: Am 15. Juni

unterstützte er die asylkritischen Proteste

im sächsischen Einsiedel. Der Deutsch-Kongolese

hatte in Chemnitz einen ehemaligen

Mannschaftskollegen besucht und anschließend

an einer Demonstration teilgenommen.

«Ich habe nichts Rechtes gesehen, gute Gespräche

geführt», sagte er anschließend der

Hamburger Morgenpost. Auch ein Foto, das

den Ex-Profi vor einem COMPACT-Plakat zeigt

(siehe oben), postete der 43-Jährige. Umgehend

ergoss sich ein Shitstorm über den einstigen

Publikumsliebling.

Dabei dürfte Dinzey scharfen Gegenwind

gewöhnt sein – gut 20 Jahre wehte er ihm

von den gegnerischen Fankurven ins Gesicht.

1972 in Berlin geboren, begann Dinzey seine

Profikarriere 1994 beim VfB Stuttgart. Später

avancierte er zum Stammspieler unter anderem

bei Hertha BSC und dem FC St. Pauli. Mit

1860 München winkten ihm im Jahre 2000 sogar

Einsätze in der Champions League. Doch

Trainer Werner Lorant schickte ihn aufgrund

von Differenzen kaum auf den Rasen. 33 Mal

lief Dinzey zudem für die kongolesische Nationalmannschaft

auf. Die aktuelle Hetze trifft ihn.

Er habe nicht erwartet, «dass die Leute mit so

einem Hass reagieren». (km)

Sie ist Heldin der Ukraine. Sie ist ausgebildete

Kampfpilotin. Sie ist Abgeordnete des

Parlaments. Sie ist Mitglied des Europarates.

Ihr Name ist Nadija Sawtschenko. – Sie ist

«Verräterin des Volkes», «Putin-Agentin», «irre»

und «gehört gevierteilt». Die Rede ist auch hier

von Nadija Sawtschenko.

Zwischen Huldigung und Verteufelung

liegen nicht einmal zwei Monate. Die mittlerweile

35-Jährige kämpfte im Osten der

Ukraine gegen prorussische Separatisten.

Darauf folgten Gefangennahme und Gerichtsverfahren

in Russland. Das Urteil: schuldig der

Beihilfe zum Mord an russischen Journalisten,

22 Jahre Lagerhaft. Während des Prozesses

trat sie mehrmals in den Hungerstreik, zeigte

dem Richter ihren Mittelfinger und Wladimir

Putin ihre Verachtung.

Putin begnadigte sie. Im Mai 2016 kehrte

Sawtschenko in die Heimat zurück. Man erwartete

jetzt ihren Mittelfinger für Putin im

Parlament. Sie aber sprach sich für das Ende

des «Brudermordes» aus und schlug vor, mit

den Separatisten direkt zu verhandeln – ein Tabubruch

für die ukrainische Kriegspartei. Darüber

hinaus beschuldigte sie die Machthaber in

Kiew, den Krieg in der Ostukraine angefangen

und sich an ihm eine goldene Nase verdient zu

haben. Das war schlimmer als Tabubruch. Das

war Majestätsbeleidigung des Präsidenten Petro

Poroschenko. Der gab den «unabhängigen»

Medien den Befehl: «Fass!»… Anfang August

trat Sawtschenko in den Hungerstreik – nicht

mehr im russischen Gefängnis, sondern in der

«demokratischen» Ukraine. (pu)


COMPACT Titelthema

Terrorists welcome

_ von Jürgen Elsässer

Merkel gibt Mördern Asyl: Von Paris und Brüssel über Würzburg, Reutlingen und Ansbach

zieht sich die Blutspur, die vermeintliche Flüchtlinge durch friedliche Städte und

Dörfer gezogen haben. Sie kamen, weil die Bundeskanzlerin Deutschland zum Multikulti-

Paradies gemacht und die Grenzen geöffnet hat.

Es war der Sommer der Kanzlerin – ein blutiger

Sommer. Hunderte von Übergriffen auf Frauen in Freibädern

und auf Polizisten in Problemvierteln konnten

die Lügenmedien verschweigen und zu Einzelfällen

bagatellisieren. Aber als der fundamentalistische

Terror, den man zuvor nur in Fernsehaufnahmen aus

Städten im Ausland gesehen hatte, Ende Juli die Bundesrepublik

erreichte, gewann der Schrecken für die

Deutschen eine neue, eine erfahrbare Dimension. Der

Axtkiller von Würzburg, der Machetenmörder von Reutlingen,

der Nagelbomber von Ansbach – sie alle waren

als Flüchtlinge gekommen, sie alle waren Moslems.

Die Bundeskanzlerin sah sich in keinem dieser Fälle

bemüßigt, die Schreckensorte aufzusuchen und den

Verletzten in den Krankenhäusern ihre Solidarität zu zeigen.

Während sie vor einem Jahr ihre Amtsgeschäfte

unterbrochen hatte, um in Aufnahmelagern mit den

Asylbewerbern für Selfies zu posieren, blieb sie in diesen

Horrortagen, als die ganze Nation in Angst und

Panik war, eisern in ihrem Urlaubsort an der Uckermark.

Keine Selbstkritik, nirgends

Erst am 28. Juli bequemte sich Angela Merkel zu

einer vorgezogenen Bundespressekonferenz nach Berlin

– aber nur, um ihre Landsleute ein weiteres Mal zu

verhöhnen. Erneut bekräftigte sie die Politik, durch die

sie im September 2015 Deutschland zum Magneten für

die weltweiten Migrationsströme gemacht hat: «Ich

bin heute wie damals davon überzeugt, dass wir es

schaffen, unserer historischen Aufgabe – und dies ist

Sie wiederholte die

verhasste Formulierung:

«Wir schaffen

das.»

Vorgriff auf unsere Zukunft? Wehrlose

Deutsche werden nach den

Todesschüssen in München am

22. Juli aus der Gefahrenzone

eskortiert. Foto: picture alliance /

SZ Photo

11


1

COMPACT Titelthema

Terror-Deutschland

Offiziell bestätigte islamistische Anschläge seit 2011

Herford

August 2014

Messerattacke

Essen 16.4.2016

Bombenattentat

3 Verletzte

Köln

Düsseldorf

Hamburg

Berlin

Hannover 26.2.2016

Messerangriff

1 Verletzter

Ramstein

Frankfurt/M.

Würzburg 18.7.2016

Axtangriff

1 Toter, 5 Verletzte

Frankfurt/M. 2.3.2011

Schusswaffenangriff

2 Tote

Ansbach 24.7.2016

Bombenanschlag

1 Toter, 15 Verletzte

Anschläge

Quelle: wikipedia

geplante Anschläge

Grafik: COMPACT

12

Die zerstörte Glasscheibe eines

Schaukasten eines Fotostudios, aufgenommen

am 25.7.2016 in der Altstadt

von Ansbach (Bayern), einen

Tag nach der Bombenexplosion.

Foto: picture alliance / dpa

Mohamed Daleel.

Foto: picture alliance / AP Photo

Hochglanzmagazin des Islamischen

Staates. Foto: Dabiq

eine historische Bewährungsaufgabe in Zeiten der Globalisierung

– gerecht zu werden.» Arrogant wiederholte

sie die mittlerweile im Volk verhasste Formulierung:

«Wir schaffen das. Und wir haben im Übrigen

in den letzten elf Monaten sehr, sehr viel bereits

geschafft.» Wie müssen sich bei diesen Worten die

Menschen fühlen, die in den letzten elf Monaten

Opfer von Merkels Refugees-welcome-Kurs geworden

sind? Die «Würde des Menschen ist unantastbar»,

führt die CDU-Politikerin aus – und begründet mit diesem

Grundgesetzartikel, warum man keinem Asyl verweigern

dürfe. Dass auch wir Inländer ein Recht auf

Würde, auf Eigentum und auf körperliche Unversehrtheit

haben und sie im Amtseid geschworen hat, Schaden

vom deutschen Volk abzuwenden – das kam ihr

nicht über die Lippen.

Bundesinnenminister Thomas de

Maizière kassierte das Burka-Verbot.

Wer immer gehofft hatte, in der Union würde das

sture «Weiter so» ihrer Frontfrau einen Aufschrei provozieren,

musste sich mit einem Sturm im Wasserglas

begnügen. Die CSU attestierte ihr «Blauäugigkeit» und

wiederholte ihre schon im Frühjahr zahnlos gewordene

Drohung, 2017 einen eigenen Kanzlerkandidaten aufzustellen.

Die Innenminister der Unions-regierten Länder

brachten zwar kurzfristig einen Forderungskatalog

in Umlauf, der auch ein Ende der doppelten Staatsbürgerschaft

und ein Burka-Verbot umfasste – doch Bundesinnenminister

Thomas de Maizière kassierte die

Vorlage. Realistisch sind für ihn nur eine Aufstockung

der Polizei, ein Mehr an Videoüberwachung und rigorosere

Abschiebungen – Punkte, die schon oft angekündigt

worden sind, ohne dass dies zu Resultaten

geführt hätte.

Milde für die Mörder

Ausdrücklich betonte Merkel auf dieser Pressekonferenz:

«Wir befinden uns in keinem Krieg oder keinem

Kampf gegen den Islam.» Was aber, wenn die

Anhänger des Propheten uns ihrerseits schon längst

den Krieg erklärt haben? Der 17-jährige Riaz Khan

Ahmadzai, der am 18. Juli in einem Regionalzug bei

Würzburg mit Axt und Messer auf Mitreisende einhieb,

sagte in seinem Bekennervideo: «Jeder Mudschahed

wird zu Euch kommen und Euch in Euren eigenen

Häusern töten. (…) Wie Ihr seht, habe ich in Eurem

Land gelebt. Ich habe in Euren Häusern meinen Plan

gemacht und werde Euch in Euren Häusern und auf der

Straße töten, so dass Ihr Frankreich vergessen werdet.»

Es wirft ein grelles Schlaglicht auf die Blindheit,

wenn nicht den Verrat der politischen Klasse, dass

die Frankfurter Allgemeine Zeitung dieselbe Seite,

auf der sie diese Kriegserklärung des jungen Afghanen

zitierte, unter anderem mit der dämlichen Frage

aufmachte: «War der Angreifer von Würzburg psychisch

krank oder ein überzeugter Islamist?» Letzteres

ist für die Journaille offensichtlich erst dann erwiesen,

wenn jemand einen Mitgliedsausweis des Islamischen

Staates mit sich führt – ein Bekennervideo

genügt nicht… Noch abstoßender waren nur die Kritik

der grünen Politikerin Renate Künast an dem finalen

Todesschuss, mit dem die Polizei den Dschihadisten

schließlich gestoppt hatte, und die Islamverstehe-


COMPACT Titelthema

rei des Bundespräsidenten im Bild-Interview zwei Tage

nach Würzburg. Man müsse Lösungen suchen «auch

bei der sozialen Integration, denn die Mehrheit der

terroristischen Mörder kommt aus dem gesellschaftlichen

Abseits», salbaderte Joachim Gauck. Dabei hat

Deutschland dem Axtkiller ein Maximum an «sozialer

Integration» geboten! Der minderjährige Asylbewerber

war zunächst monatelang in einem früheren Kolpingheim

untergebracht – die «besonders gute Unterkunft»

(FAZ) kostete den Steuerzahler in seinem Fall

satte 50.000 Euro. Zwei Wochen vor der Tat durfte er

dann sogar noch in eine Pflegefamilie wechseln. «Alles

schien sich gut zu entwickeln; er bekam eine Praktikumsstelle

in einer Bäckerei, eine Lehrstelle war in

Aussicht», schreibt die FAZ. Doch die Gastfreundschaft

führte den Fanatiker gerade nicht an unsere Gesellschaft

heran, sondern offerierte ihm eine komfortable

Ruhezone zur Vorbereitung seiner Verbrechen.

Die Heim-Unterbringung des späteren

Axtkillers kostete den Staat

50.000 Euro.

Auf ähnliche Weise wurde der Anschlag in Ansbach

durch falsch verstandene Rücksicht möglich

gemacht. Der Asylantrag des späteren Bombenlegers

Mohamed Daleel wurde im Dezember 2014 abgelehnt,

weil er aus dem sicheren Drittstaat Bulgarien

gekommen war. Doch zur Rückführung dorthin kam es

nicht – unter anderem, weil Harald Weinberg, Nürnberger

Bundestagsabgeordneter der Linkspartei, sich

für sein Bleiberecht einsetzte, sodass Daleels Abschiebung

im Februar 2015 ausgesetzt wurde. Erst Mitte Juli

2016 – also 16 Monate später! – wurde dem Syrer mitgeteilt,

dass er jetzt ausreisen müsse – und auch dagegen

hätte er noch einen Monat lang Zeit zum Widerspruch

gehabt. Weinberg bereute übrigens auch nach

der Bluttat seinen Einsatz für Daleel nicht: «Nach allem,

was ich damals wusste, würde ich heute wieder so

entscheiden.»

Totaler Kontrollverlust

Von Anfang an profitierten die Killer von der – von

oben angeordneten! – Passivität des Staates. Der Würzburger

Täter reiste im Juni 2015 ein, also sogar noch

vor Beginn der großen Flut, und trotzdem schaffte es

die Bundespolizei schon zu diesem Zeitpunkt meistens

nicht, von Asylbewerbern Fingerabdrücke zu nehmen –

so rutschte auch Ahmadzai durch. Personaldokumente

hatte er ebenfalls nicht vorzuweisen – dennoch glaubte

man seiner Angabe, dass er erst 16 Jahre alt sei. Deswegen

durfte er «das für unbegleitete minderjährige

Flüchtlinge übliche Prozedere» durchlaufen und gleich

erhebliche Privilegien in Anspruch nehmen: «einen möglichst

sofortigen Zugang zu Schule und Ausbildung,

Inobhutnahme durch das Jugendamt, Unterbringung in

einer speziellen Unterkunft» (FAZ, 22. Juli). Als dieser

Skandal nach dem Würzburger Attentat «quälende Fragen

nach der sicherheitspolitischen Lage in Deutschland»

(ebenda) aufwarf, verteilte das Bundesamt für

Migration und Flüchtlinge ein Placebo. «Alle Flüchtlinge

in Deutschland seien mittlerweile registriert und

polizeilich überprüft», wurde eine Behördensprecherin

am 2. August zitiert. Das stieß tags darauf selbst dem

systemkonformen Mitteldeutschen Rundfunk sauer auf:

«Zweifel sind erlaubt, schließlich sprechen Landespolitiker

wie Ministerpräsident [Reiner] Haseloff in Magdeburg

von 100.000 oder mehr Menschen, die illegal

kamen und von denen niemand weiß, wo sie leben.»

Bruch des Dublin-

Vertrages

Das Dublin-Abkommen sieht vor,

dass Flüchtlinge nur in dem Land

Asyl bekommen können, in dem

sie zum ersten Mal EU-Territorium

betreten und einen Antrag

stellen. Die Bundesregierung

hält sich nicht an dieses Abkommen

und schickt fast niemanden

nach – zum Beispiel – Griechenland

oder Italien zurück.

Vertragstreu verhält sie sich

nur, wenn andere Staaten von

Deutschland verlangen, ihnen

Asylbewerber abzunehmen, weil

sie über die BRD dorthin weitergereist

sind. Durch die assymetrische

Auslegung des Dublin-Abkommens

ist die absurde

Situation entstanden, dass die

Bundesrepublik im ersten Halbjahr

2016 mehr Asylanten von

den Vertragspartnern übernahm

(6.657) als an diese überstellte

(1.758).

Pässe? Haben die meisten Flüchtlinge

sowieso nicht. Foto: picture

alliance / dpa

Refugees dürfen Merkel auch ganz

nahe kommen. Foto: pa /dpa

Internet-Video – Angreifer von Würzburg Riaz Khan Ahmadzai.

Foto: picture alliance / dpa

13


Cover_1_RZ_SPEZIAL_8_digital.indd 1 15.08.16 22:15

COMPACT Titelthema

9,90 Euro (A), 13 sFr (CH)

Asyl. Das Chaos

So kommt der Bürgerkrieg zu uns

Sonder-Ausgabe Nr. 8 | 8,80 EUR (D) · spezial.compact-online.de

Multikulti-Land ist abgebrannt | Dschihadisten im Flüchtlingsstrom

Morde, Massaker und Migranten | Erdogan und Soros als Schlepper

Die Terrorhelfer CIA und Muslimbrüder | Merkels Notstandsdiktatur

COMPACT-Spezial Nummer 8 –

«Asyl. Das Chaos.» Foto: COMPACT

«Die Terroristen

sind keine Flüchtlinge.»

Heiko Maas

Früher nannte man so etwas eine

Invasion. Grenzdurchbruch in Mazedonien

am 7. September 2015.

Foto: picture alliance / dpa

Wie jemand «polizeilich überprüft» werden kann,

der keine Personaldokumente vorzuweisen hat, ist

ohnedies ein Rätsel. Das traf im Januar 2016 auf satte

77 Prozent der Asylforderer zu – so die FAZ mit Verweis

auf die Bundespolizei. Eine besondere Schwachstelle

sind die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, die

als besonders schutzbedürftig eingestuft und deshalb

mit Samthandschuhen angefasst werden. Dabei ist es

gerade diese Gruppe, die nach Angaben des Schweriner

Innenministers Lorenz Cafier (CDU) «immer wieder

durch Gewalt und Straftaten» auffalle – der Würzburger

Mordbube war nur der bis dato schlimmste Fall.

Im April meldete das Bundesinnenministerium, dass

8.629 minderjährige Asylbewerber vermisst werden –

keiner weiß, wie viele davon in illegale Kriminalität

und Prostitution gezwungen wurden oder sich dem IS

angeschlossen haben. Der Verfassungsschutz warnt

jedenfalls schon seit Längerem, dass die Teenager

«ein häufiges Ziel von Anwerbeversuchen islamistischer

Extremisten» sind. «In den vergangenen Monaten

seien mehr als 300 Fälle registriert worden», resümierte

die FAZ am 20. Juli.

Die Schlepperkönigin

Die Hauptverantwortliche dieser falschen Toleranzpolitik

ist die Bundeskanzlerin. Sie hat die Richtlinienkompetenz

über ihre Minister – und deshalb geht auf

ihr Konto, dass unsere Grenzen so durchlässig wurden.

Besonders verheerend für die Sicherheitslage war,

dass sie am 4. September 2015 den förmlichen Verzicht

auf alle Einreisekontrollen anordnete – in der Folge

konnten Dschihadisten noch leichter ins Land kommen.

So waren drei der acht IS-Attentäter, die am 13.

November 2015 in Paris 130 Menschen töteten und 352

verletzten, über das dank Merkel sperrangelweit geöffnete

Einfallstor in Südosteuropa eingereist. Trotzdem

verkündete Bundesjustizminister Heiko Maas damals

dreist, es gebe «keine Verbindung zwischen Terror und

Flüchtlingen».

Nicht anders war es bei der Anschlagsserie am 22.

März 2016 in der belgischen Hauptstadt, mit 35 Toten

und über 300 Verletzten: «Zumindest drei der Attentäter

von Brüssel sind als Flüchtlinge getarnt über die Balkanroute

in die EU eingereist», meldete die Kronen Zeitung

am 31. März. Später wurde klar, dass noch mehr Killer

sich als Asylbewerber kostümiert hatten. «Die IS-Terroristen,

so glauben die französischen Ermittler inzwischen,

reisten mehrheitlich als syrische Flüchtlinge

getarnt auf der sogenannten Balkanroute in die Europäische

Union», referierte die Welt am 6. April den Ermittlungsstand.

Auch dieses Mal versuchte Maas abzuwiegeln:

«Die Terroristen sind keine Flüchtlinge», erklärte er.

Als Organisator fungierte in beiden Fällen Salah

Abdeslam, der Bruder eines der Selbstmordbomber

vom 13. November. Er pendelte immer wieder zwischen

Griechenland und den späteren Anschlagsorten

hin und her. Am 8. und 9. September fuhr er zum Beispiel

gezielt von Belgien nach Budapest und parkte

dort unweit des Ostbahnhofes, wo sich zu diesem Zeitpunkt

Tausende von Syrern und anderen angeblichen

Flüchtlingen in Erwartung der Weiterreise nach Mitteleuropa

gesammelt hatten. Das Datum steht in unmittelbarer

Verbindung mit dem Wegfall der deutschen

Grenzkontrollen, den Merkel vier Tage zuvor verfügt

hatte. Abdeslam erkannte offensichtlich, dass diese

Situation günstig war, um mordlustige Dschihadisten

zu schleusen. Erwiesen ist jedenfalls, dass er auf dem

Rückweg Mohamed Belkaid und Nadschim Lachraoui

im Auto hatte: den angeblichen Logistiker der Pariser

Anschläge und einen der Attentäter vom Brüsseler

Flughafen.

Das Verblüffende: Die Killer wiesen sich beim

Betreten von Schengen-Europa zumeist mit gefälschten

Pässen als Syrer aus. Auf diese Idee hatte sie Merkel

höchstpersönlich gebracht: Sie ordnete bereits in

den letzten Augusttagen 2015 an, dass Flüchtlinge

aus diesem Bürgerkriegsland unter Bruch des Dublin-

Abkommens auf jeden Fall in Deutschland einreisen

könnten und nicht in den Staat, wo sie zuerst in die EU

gekommen waren, zurückgeschoben werden dürften.

14

Aber die Schuld der Bundeskanzlerin ist noch größer.

Es stimmt nämlich nicht, wie die Leitmedien

behaupten, dass man die gefälschten Personaldokumente

nicht hätte entdecken können – weil es sich

dabei gar nicht um Fälschungen handelte, sondern um

originale Blankopässe, von denen der IS und die verbündete

al-Nusra-Front schon 2015 insgesamt 3.800


Ausgabe 12/2015 | 4,95 EUR

www.compact-online.de

COMPACT Titelthema

Geld gibt es in Germoney auch, wenn die Fahne falsch herum

hängt. Foto: picture alliance / AP Photo

gestohlen hatten. Dabei wird geflissentlich übergangen,

dass man die Inhaber dieser Papiere sehr wohl

hätte identifizieren können, denn: «Die Nummern der

gestohlenen Pässe sind den Behörden bekannt und

zur Fahndung ausgeschrieben. Die Informationen gab

Griechenland bereits im Juni in das Schengeninformationssystem

(SIS) ein» (Berliner Zeitung, 24.9.2015).

Hätte die Bundeskanzlerin also Anfang September die

Grenzkontrollen nicht aufheben und stattdessen jedes

Ausweisdokument der Einreisenden überprüfen lassen,

hätten durch SIS-Abgleich alle verdächtigen Personen

sofort festgenommen und eingesperrt werden können.

Nur weil das nicht geschah, konnten die Gotteskrieger

durchschlüpfen und auf ihre Stunde warten.

Merkel contra Sicherheit

Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen

gab Mitte April zu, dass man die Situation «zunächst

falsch eingeschätzt» habe: Man habe es «für unwahrscheinlich

gehalten, dass der IS den Flüchtlingsstrom

nutzen» werde. Maaßen weiter: «Wir dachten, das

Risiko sei schlichtweg viel zu hoch. Mittlerweile wissen

wir: Was den IS angeht, müssen wir eben auch

dazulernen.» Das «islamistisch-terroristische Potential»

in der Bundesrepublik beziffert er auf 1.100 Personen,

hinzu kämen 8.650 Salafisten.

Maaßen warnte schon damals vor Anschlägen auch

bei uns: «Deutsche Städte werden in einem Zusammenhang

mit anderen Metropolen wie Paris, London

oder Brüssel genannt.» Der Axtschlächter von Würzburg

und der Bombenleger von Ansbach zeigen, wie

Recht er mit dieser Warnung hatte. Mittlerweile ist

auch klar, «dass beide Männer mehrfach Kontakte zu

Personen hatten, die mutmaßlich dem Islamischen

Staat (IS) angehören, und dass sie bei der Ausführung

ihrer Anschläge bis in deren Einzelheiten hinein

gesteuert wurden» (FAZ, 6. August).

Die Chefs von Bundespolizei und BND, Dieter

Romann und Gerhard Schindler, hatten, zusammen mit

Maaßen, schon im letzten Herbst ein Ende der naiven

Refugees-welcome-Politik gefordert. «Aufstand gegen

Merkel?» fragte Die Welt Ende Oktober. «Sicherheitsbehörden

warnen wegen der Flüchtlingskrise vor totalem

Kontrollverlust. Sie halten den Kurs der Kanzlerin

für brandgefährlich – und fordern die Schließung der

Grenzen.» Jan Fleischhauer, einer der wenigen Realisten

bei Spiegel-Online, erzählt das Trauerspiel weiter:

«Im Kanzleramt hörte man sich ihre Sorgen an, aber

man hatte immer neue Gründe, warum eine Abriegelung

nicht möglich sei. Die Lage in Griechenland.

Technisch nicht machbar. Zum Schluss hieß es, wenn

Deutschland seine Grenze dichtmache, hätte das einen

Krieg auf dem Balkan zur Folge. Wer einen der drei

obersten Sicherheitsexperten in diesen Wintertagen

traf, konnte ihre Verzweiflung mit Händen greifen.»

Selbst nach dem blutigen Sommer will die Rautenfrau

nicht auf ihre Sicherheitsexperten hören. «Nach

unserer Auffassung – nach meiner Auffassung, aber

auch nach Auffassung der [EU-]Kommission – ist eine

Zurückweisung eines Asylsuchenden nicht möglich»,

verkündete sie apodiktisch auf der Pressekonferenz am

28. Juli. «Damit ist eine Auffassung vom Tisch, die

im Oktober vorigen Jahres auf vier dichtbeschriebenen

Seiten von Fachleuten des Bundesinnenministeriums

ausgearbeitet worden war, allerdings nicht als

offizielle Position des Hauses. Die Autoren kamen ausdrücklich

zu dem Schluss, dass auch die Dublin-Verordnung

die Zurückweisung in einen sicheren Drittstaat

zulasse», kommentierte die FAZ. Das war gegenüber

der Kanzlerin sehr höflich formuliert.

Tatsächlich sind solche Zurückweisungen laut Dublin-

Vertrag, vor allem aber gemäß Grundgesetz keineswegs

nur zulässig, sondern zwingend vorgeschrieben, wenn

ein Antragsteller aus einem sicheren Drittstaat – und das

sind ausnahmslose alle an unseren Grenzen – kommt.

Nur wer auf dem Luft- oder Seeweg deutsches Territorium

erreicht, kann demnach Asyl beantragen. Deswegen

gingen einige der damaligen Eingaben aus dem Innenministerium

auch wesentlich weiter, als es die Merkel-

Presse heute noch wahrhaben will. Wörtlich hieß es in

einem der sogenannten Non-Papers, verfasst von einem

«hochrangigen Sicherheitsmann aus dem Bundesapparat»

(Die Welt), in Bezug auf Abweisungen an der Grenze:

«Die Bundespolizei ist hierzu nach dem Aufenthaltsrecht

verpflichtet; gegenteilige Weisungen der Bundesregierung

sind rechtswidrig.» Ein weiterer «hochrangiger

Beamter», dessen Namen das Blatt ebenfalls nicht preisgab,

argumentierte ähnlich: «Entgegenstehende Weisungen

sind rechtswidrig und führen zur Strafbarkeit (…)

wegen Anstiftung oder Beihilfe zur illegalen Einreise von

Ausländern (…).» Damit wurden die Polizisten zur Meuterei

aufgerufen; allerdings wäre das eine Meuterei im

Sinne des Recht – gegen eine Regierungschefin, die den

Rechtsbruch notorisch gemacht hat.

Strafbares Verhalten

Die kriminelle Kanzlerin

Meuterei

Wie Pegida ist die Polizei?

Berufsverbot

Hexenjagd auf Pirincci

Superwaffen

Putin siegt in Syrien

DFB-Skandal

Der falsche Zwanziger

Dossier: Für die Festung Europa

Beiträge der der COMPACT-Freiheitskonferenz

«Ist Angela Merkel eine Schleuserin?»

betitelte der Passauer

Strafrechtler Holm Putzke seine

mehrseitige Expertise, die durch

eine auszugsweise Veröffentlichung

der FAZ Anfang November

2015 besonderes Gewicht

erhielt. Putzke beantwortet die

Frage mit einem Vergleich: «Entweder

erfüllen Personen, die

ab dem 5. September Flüchtlinge

nach Deutschland befördert

haben, nicht den Tatbestand

des Einschleusens von Ausländern»,

dann wären Hunderte

von entsprechenden Verfahren

vor deutschen Gerichten einzustellen.

«Oder all jene haben

sich ebenfalls strafbar gemacht,

die bei der unerlaubten Einreise

Hilfe geleistet haben, darunter

die Bundeskanzlerin.» Und weiter:

«Angela Merkels Entschluss,

zusammen mit Österreich die

EU-Abreden über das Weiterreiseverbot

von Flüchtlingen außer

Kraft zu setzen, stellt sich zweifellos

als eine solche Förderung

dar, wenn es nicht sogar konkludent

als Aufforderung zur

unerlaubten Einreise zu verstehen

war, was ebenfalls strafbar

wäre, nämlich nach Paragraph

111 Absatz 1 des Strafgesetzbuches

(STGB).»

COMPACT 12/2015. Foto: COMPACT

Nach eigenen Angaben «wird»

der Islamische Staat auch Europa

erobern. Foto: Dabiq

15


COMPACT Titelthema

Sie kommen als Türkei-Touristen

_ von Karel Meissner

16

Überläufer des Islamischen Staates berichten von einer geheimen Killerstruktur

namens Emni, die auf unserem Kontinent in Lauerstellung

liegt. Aus dem Untergrund heraus rekrutieren sie Konvertiten, die den

Sicherheitsbehörden noch nicht aufgefallen sind.

Für einsame Wölfe

«Wie könnt Ihr dort [im Westen]

in Ruhe schlafen, während wir

hier gebombt werden von den

Amerikanern. (…) Nehmt Bomben,

sprengt sie in die Luft. Oder

stecht sie ab mit dem Messer.

Und wenn Ihr das nicht könnt,

dann spuckt denen wenigstens

ins Gesicht.» (Aufruf von Emni-

Chef Abu Muhammad al-Adnani

an Muslime in westlichen Ländern,

November 2014)

Al-Adnani gehört zum engsten Führungszirkel

des IS. Foto: YouTube

_ Karel Meissner lebt als IT-

Spezialist in Birmingham.

Bis zu 220 Passagiere kann eine

Boeing 737 von der Türkei nach

Deutschland transportieren.

Foto: Turkish Airlines

«Etwa 1.200 Jugendliche aus Deutschland befinden

sich in Syrien. In den sogenannten German Camps werden

diese Jugendlichen noch mehr radikalisiert und

an Waffen ausgebildet. Viele kämpfen auf der Seite

des IS. Viele davon kommen als Schläfer zurück nach

Deutschland. Sie sind eine tickende Zeitbombe unter

uns.» Dieser Weckruf kommt nicht von einem der vermaledeiten

Rechtspopulisten oder einem Ausländerhasser.

Der Autor ist türkischer Mitbürger und Abgeordneter

der CDU im hessischen Landtag: Ismail Tipi.

Am 15. Juli, direkt nach dem Blutbad in Nizza und noch

vor den Anschlägen in Deutschland, versuchte er uns

wachzurütteln.

«Sie sind eine tickende Zeitbombe

unter uns.»

Ismail Tipi

Zwei Wochen später veröffentlichte keine deutsche

Zeitung, sondern die New York Times (NYT) ein

umfangreiches Interview mit einem der jungen IS-

Kämpfer aus der Bundesrepublik, der mittlerweile in

einem Hochsicherheitsgefängnis in der Nähe von Bremen

einsitzt. Dieser Harry Sarfo wohnte bis vor einem

Jahr noch in der Hansestadt, reiste dann aber in die

Levante, um sich dem Heiligen Krieg anzuschließen.

Nur wenige Tage, nachdem er auf IS-kontrolliertem

Gebiet angekommen war, tauchten Gesichtsmasken

tragende Mitglieder des Geheimdienstes der Terrormiliz

auf, die ihm mitteilten, dass Europäer nicht mehr

nach Syrien kommen sollten. Sie würden dringender

in ihren Heimatländern gebraucht. «Er informierte uns

ganz offen darüber, dass der IS in europäischen Staaten

sehr viele ”Schläfer” habe, die auf Befehl jederzeit

zu Anschlägen (…) bereit seien,» erklärte Sarfo. «In

England, Deutschland und Frankreich sollten gleichzeitig

eine Vielzahl von Anschlägen stattfinden.»

Drahtzieher bleiben anonym

Die Maskierten gehörten zu einer IS-Einheit mit dem

arabischen Namen Emni, die von Propagandachef Abu

Muhammad al-Adnani geführt wird. Ihm unterstellt sind

sogenannte Leutnants, die mit der Planung von Angriffen

in verschiedenen Weltregionen beauftragt sind.

Nach Angaben Sarfos, aber auch weiterer Gefangener

hat Emni sowohl die Anschläge im November 2015 in

Paris verübt als auch die Koffer-Bomben gebaut, die im

März in Brüssel explodiert sind. Auch der Überfall auf

eine Ferienanlage im tunesischen Sousse im Sommer

2015 gehe auf das Konto von Emni. Laut Sarfo befinden

sich viele der von al-Adnani nach Europa geschickten

Kämpfer im Untergrund. Sie suchen nach potenziellen

Selbstmordattentätern, die sich von der IS-Propaganda

angezogen fühlen. Die Verbindung zu den Ausgewählten

werde über «saubere Leute» hergestellt, die zum

Islam konvertiert sind, aber noch keine nachweisbaren

Kontakte zu radikalen Gruppen gehabt haben. «Die

im Untergrund lebenden Drahtzieher nehmen keinen

direkten Kontakt zu potenziellen Attentätern auf, damit

sie bei deren Gefangennahme nicht aufgespürt werden

können», erläuterte Sarfo gegenüber NYT.

Zu den Methoden der Einschleusung erklärte Sarfo,

dass der IS kampfwillige Deutsche als All-Inclusive-

Urlauber mit Rückflugticket in einen Badeort im Süden

der Türkei reisen lässt; von dort aus würden sie von

Schmugglern nach Syrien gebracht und in wenigen

Tagen militärisch ausgebildet. «Bei ihrer Rückkehr

nach Frankreich oder Deutschland können sie angeben,

sie hätten nur ihren Urlaub in der Türkei verbracht»,

erläuterte Sarfo. Westliche Geheimdienste

gehen nach Angaben der NYT davon aus, dass Emni

auf diese Weise mindestens 28 potentielle Attentäter

auf der ganzen Welt verteilt habe, die auf einen Einsatzbefehl

warten. Zu dieser – scheinbar – geringen

Zahl kommen noch radikalisierte Einzelpersonen, die

auf eigene Faust und ohne direkte Verbindung zu Emni

Terror verbreiten sollen. Sie finden Anregungen in dem

eBook Wie man im Westen überlebt. Ein Handbuch

für Mujahideen, das im März 2015 über das Netz verbreitet

wurde. Erklärt wird unter anderem, wie man Alltagsgegenstände

– Messer, Äxte, Autos – als tödliche

Waffen benutzt.


COMPACT Titelthema

Requiem für Jolanta

_ von Martin Müller-Mertens

In Reutlingen starb eine vierfache Mutter unter den Machetenhieben eines Asylforderers.

Die Behörden verharmlosen die Tat, die Antifa schüchtert Trauernde ein, die Staatsanwaltschaft

droht allen, die an ihrer Version zweifeln.

Die Welt ging an einem Sonntagabend unter. Am 24.

Juli klingelte Wladyslaw Majka bei den Kindern von

Jolanta Kijak in der polnischen Kleinstadt Dabrowa Tarnowska.

Gemeinsam mit Polizisten musste der Chef der

Sozialbehörde GOPS eine grausame Nachricht überbringen:

Ihre Mutter lebt nicht mehr. Der Asylant Mohamad

Halef zerhackte sie nur Stunden zuvor im fernen

Reutlingen mit einer 60 Zentimeter langen Machete.

Majka kannte Jolanta – wie viele andere in dem

12.000-Einwohner-Ort in der südlichen Wojewodschaft

Kleinpolen. «Der Moment, in dem ich es den Kindern

mitteilen musste, war einer der schlimmsten in meinem

Leben», zitierte ihn die Zeitung Dziennik Polski.

«Die Familie hat ein sehr enges Verhältnis. Mama war

ihre ganze Welt.» Nun steht Dabrowa Tarnowska unter

Schock. Er habe in den Medien von der Tragödie gehört,

aber «nie gedacht, dass Jola betroffen sein könnte»,

meinte ein Nachbar.

Jolantas Weg

Nur Tage zuvor hatten die Kinder ihre Mutter in der

Heimat verabschiedet – sie ahnten nicht, dass es kein

Wiedersehen geben würde. Jolanta fuhr zurück ins

deutsche Reutlingen, wo die 45-Jährige das Geld für

ihre Familie verdiente. Die Not hatte die tapfere Frau

ein Jahr zuvor in die Fremde gezwungen: Vier Kinder

musste Jolanta versorgen – acht, 19, 22 und 23 Jahre

alt. Zuvor war die Familie «durch Höhen und Tiefen

gegangen», beschreiben es örtliche Medien. Zwei Ehen

scheiterten. Eine Zeit lang hielt sie sich mit Gelegenheitsjobs

über Wasser. «Aber immer hat sie das Wohl

der Kinder im Auge behalten. Jola war eine großartige

Mutter», meint Majka. Später lebte sie in Baden-Württemberg,

fand eine Anstellung zunächst als Putzfrau,

schließlich als Küchenhilfe im Dönerrestaurant Mangal

unweit des Reutlinger Bahnhofes. Bekannte schildern,

dass sie am liebsten alle vier Kinder zu sich holen

wollte. Am 15. August sollte zumindest die jüngste

Tochter zur Mutter ziehen, hier die Schule besuchen.

Chronik einer Hinrichtung

Am letzten Tag ihres Lebens ging Jolanta wie

immer zur Arbeit – und Mohamad Halef beschloss,

eine Frau zu schlachten. Um 16:25 Uhr erreichten die

Polizei erste Notrufe. Den Hergang der Tat beschreiben

die Ermittler im kühlen Amtsdeutsch. Demnach kam

es zwischen Jolanta und ihrem Mörder «aus bislang

ungeklärter Ursache zum Streit, in dessen Verlauf das

Opfer vom Tatverdächtigen durch eine Machete tödlich

im Kopfbereich verletzt wurde. In der Folge schlug

der Asylbewerber am Federnseeplatz mit der Machete

die Scheiben eines Pkw Citroën ein, in dem sich eine

51-jährige Frau sowie ein 41-jähriger Mann befanden».

Erst der Sohn des Mangal-Wirtes konnte den Mörder

stoppen. «Es war ein Albtraum. Ich sah die Frau im Blut

liegen», sagte Robert Lukowski, der seit mehreren Jahren

in der Stadt lebt.

Nur wenig ist über die Messer-Fachkraft bekannt.

Rund ein Jahr zuvor hatte Halef in Deutschland Asyl

gefordert. Angeblich stammt er aus Syrien. Auch die

115.000-Einwohner-Stadt südlich von Stuttgart inszenierte

damals den Willkommensrausch. «Die Flüchtlinge

brächten Dynamik ins Gemeinwesen – gute Dynamik»,

zitierte die Südwest Presse im Oktober 2015 eine

Helferin. Vermutlich interessierte sich Halef nicht für

den arabischen Reutlingen-Rundgang, den die ehrenamtliche

Stadtführerin Salima Fellous regelmäßig

organisiert. Vielleicht stand ihm auch kein «passgenauer

Wohnraum» in Aussicht, den die linke Kommunalabgeordnete

Jessica Tatti zur gleichen Zeit für

die Neusiedler verlangte.

Die Hoffnung hatte sie nie aufgegeben:

«Zeit für einen Wechsel…»

schrieb Jolanta im September 2015

neben dieses Facebook-Bild.

Foto: Facebook

Trauer in Reutlingen.

Foto: Maciej Wieteska

«Jola war eine

großartige Mutter.»

Wladyslaw Majka

17


«Ich habe das erste Mal in meinem

Leben einen Mörder gesehen», sagt

Anwohner Marco Greco. Wenige

Minuten nach der Tat wurde Halef

von der Polizei festgenommen.

Foto: picture alliance / dpa

9,90 Euro (A), 13 sFr (CH)

Sonder-Ausgabe Nr. 7 | 8,80 EUR (D) · spezial.compact-online.de

Asylschwindel: Unterdrückte Zahlen Zahlen und und Fakten | Deutsche | Mieter werden

zwangsgeräumt | Milliarden | für für Migranten | | Abschiebungen: Fehlanzeige

Flüchtlinge als als Waffe Waffe | Die | Die Profiteure des des Notstands | Scharia | schlägt Verfassung

Die Die verschwiegenen Morde Morde der der Zuwanderer | Auf | Auf dem Weg zum Bürgerkrieg

COMPACT-Spezial Nr. 7 «Asyl. Die

Flut» Foto: COMPACT

Bald nach seiner Ankunft fiel Halef in der Asylunterkunft

unangenehm auf, soll Mitbewohner beklaut

haben. Zwei Mal wurde er verlegt. Zuletzt logierte der

21-Jährige in einem Einzelzimmer in der ehemaligen

Ypernkaserne, die die Stadt für die Unterbringung von

65 Illegalen hergerichtet hatte. Auch der Polizei war

der Bereicherer bereits bekannt – «wegen verschiedener

Delikte, unter anderem wegen Körperverletzung,

Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie

Eigentumsdelikten».

Doch warum messerte Mohamad Halef an diesem

Tag die vierfache Mutter aus Polen? Einen islamistischen

Anschlag schließen die Ermittler aus. Tatsächlich

gibt es bislang keine Hinweise etwa auf einen

Allahu-akbar-Schlachtruf. Allerdings existieren durchaus

Indizien, dass die Bluttat politisch-korrekt verharmlost

werden soll. «Nach derzeitigem Sachstand handelt

es sich bei der Tötung der Frau um eine Beziehungstat»,

meldeten Polizei und Staatsanwaltschaft in

einer gemeinsamen Presseerklärung. Eine Affäre mit

dem Opfer habe der Mörder in ersten Vernehmungen

eingeräumt. Zudem könnte bei Halef eine «psychische

Erkrankung» vorliegen. Ein Sprecher des Reutlinger

Polizeipräsidiums behauptete zudem, der Täter habe

mit seinem Opfer in der Döner-Gaststätte gearbeitet.

«Es war ein Albtraum. Ich sah die

Frau im Blut liegen.» Robert Lukowski

öffentlich geäußert würden. Demnach werde die «Verbreitung»

von «unwahrem Inhalt» «bei Bekanntwerden

auf strafrechtliche Relevanz geprüft und gegebenenfalls

ein Ermittlungsverfahren eingeleitet», hieß es

ganz im Duktus von Zensurminister Heiko Maas. Diese

Anweisung wurde umgesetzt: Die vorgegebene These

von der sogenannten Beziehungstat findet sich in der

gesamten deutschen Medienberichterstattung wieder.

Gestörte Trauer

Zum zentralen Gedenkmarsch am darauffolgenden

Wochenende lud lediglich die polnische Gemeinde ein

– nicht jedoch die Stadt. Fast erleichtert berichtete die

örtliche Presse, dass sich statt der erwarteten 500

nur 150 Teilnehmer eingefunden hätten. Die Reutlinger

Nachrichten, eine Regionalausgabe der Südwest

Presse, diffamierte den Umzug als «nicht frei von nationalistischen

Zielen». Das Infoportal Tübingen-Reutlingen

machte «auch polnische NationalistInnen» aus.

Auch die örtliche Antifa trommelte ihre Fußtruppen

zusammen, um Trauerfeiern und Gedenkmärsche etwa

der Bürgerinitiative Grenzgänger Neckar Alb zu stören.

Sekundiert wurden sie von der örtlichen Politik. «Das

war eine Beziehungstat und hatte keinen politischen

Hintergrund», diktierte der Kreisvorsitzende der Linken

Rüdiger Weckmann das Verdikt. Auch SPD-Stadträtin

Edeltraut Stiedl war zur Antifa-Kundgebung geeilt. Der

örtliche General-Anzeiger wartete mit einer namentlich

nicht genannten Lehrerin auf, der zufolge syrische

Schulkinder völlig verstört seien und sich aus Angst vor

«Faschisten» nicht mehr auf die Straße trauten.

18

Recht ungewöhnlich für eine Presseerklärung, stießen

Polizei und Staatsanwaltschaft bereits am Nachmittag

des 25. Juli unmissverständliche Drohungen für

den Fall aus, dass Zweifel an der offiziellen Version

Nun wäre nicht von vornherein auszuschließen,

dass sich Jolanta kurzzeitig auf eine Liaison mit dem

deutlich jüngeren Halef eingelassen hätte. Die polnische

Boulevardzeitung Super Express – die sich


COMPACT Titelthema

unter anderem durch die Veröffentlichung von Skandalen

einen Namen gemacht hat – glaubt jedoch nicht

an die Version von Polizei und deutscher Politik. Bereits

am 26. Juli zitierte das Blatt Rafal Sobczaks vom Warschauer

Außenministerium. Nach dessen Angaben verfügt

die deutsche Polizei über detaillierte Kenntnisse

zum Motiv des Täters, verschweigt die Fakten aber

mit Verweis auf das Persönlichkeitsrecht. Die Zeitung

Fakt recherchierte die Vorgeschichte des Mordes. Ihr

zufolge war Halef arbeitslos, lungerte jedoch regelmäßig

mit Landsleuten in dem Lokal herum. Immer

wieder soll er Jolanta belästigt haben. Wiederholt

schmissen ihn angeblich Imbiss-Mitarbeiter deshalb

raus, schließlich bekam er sogar Hausverbot. Gut möglich,

dass sich der Asylforderer deshalb in seiner sogenannten

Ehre gekränkt fühlte.

«Die Probleme sind das Resultat von

Multikulti-Politik.» Innenminister

Blaszczak

Wenige Tage nach der Bluttat servierte Bild eine

weitere Lüge: Demnach sei das Opfer schwanger

gewesen, schreibt das Blatt – obwohl die Obduktion

bereits zuvor das Gegenteil bewiesen hatte. Zugleich

präsentierte die Springer-Zeitung eine rührselige Liebesgeschichte

zwischen Täter und Opfer. Der in Reutlingen

lebende Pole Paul Owedyk erinnerte sich zwar,

dass Jolanta tatsächlich öfter mit einem Syrer telefonierte.

Doch dabei soll es sich um einen Kollegen

– und damit gerade nicht um Halef – gehandelt

haben. Jolanta beschrieb er als «fröhlich, freundlich

und immer lächelnd». Hinweise auf Probleme konnte

er nicht erkennen.

Zweifel aus Warschau

Nicht nur polnische Medien interessieren sich für

den Fall. Auch die Staatsanwaltschaft des Landes

ermittelt – offenbar traut die Warschauer Justiz angesichts

der möglichen Vertuschungen den baden-württembergischen

Kollegen nicht über den Weg. Jedenfalls

erklärten sowohl Vize-Justizminister Zbigniew

Ziobro als auch die Generalstaatsanwaltschaft, dass

die offizielle Version der Bluttat nicht der Wahrheit entspreche.

Die EU-kritische Oppositionspartei Kukiz’15

forderte, den Mörder nach Polen auszuliefern, damit er

seine Strafe nicht in einem «deutschen Luxusgefängnis»

absitzen kann. Mittlerweile wird in Polen eine

Petition vorbereitet. Damit soll die Regierung gezwungen

werden, in diesem Fall juristisch gegen deutsche

Medien vorzugehen, da diese vorsätzlich Falschinformationen

verbreiteten.

Doch weshalb halten die schwäbischen Behörden

stur an ihrer Version einer Beziehungstat fest? Ein Verdacht

drängt sich auf: Der brutale Messermord soll

als tragischer Einzelfall, keinesfalls jedoch als Teil der

zunehmenden Gewaltausbrüche muslimischer Asylbetrüger

im Gedächtnis bleiben. Eine Schönfärberei,

die in Polen Verärgerung auslöste. Aus Sicht von Innenminister

Mariusz Blaszczak gibt es «keinen Zweifel

daran, dass die Probleme, mit denen sich jetzt unsere

Nachbarn rumschlagen, das Resultat einer jahrzehntelangen

Migrationspolitik sind, das Resultat von Multikulti-Politik».

Polen in Deutschland

Wie viele Polen heute in der

Bundesrepublik leben, ist aufgrund

unterschiedlicher Definitionen

von Polen und deutschen

Aussiedlern in den Statistiken

nur ungenau zu erfassen.

2013 lebten in Deutschland

609.855 Menschen, die ausschließlich

die polnische Staatsbürgerschaft

hatten. Der größte

Teil kam als Arbeitsmigranten.

Mittlerweile siedeln sich aber

auch zunehmend Polen in von

Leerstand betroffenen grenznahen

Orten in Brandenburg und

Vorpommern an.

Stadtzentrum von Reutlingen.

Foto: Stadtverwaltung Reutlingen

Keine politischen Korrektheiten: Auf

ihrer Trauerkundgebung erinnerten

die Reutlingen Polen auch an die

Schlacht am Kahlenberg – den Sieg

eines deutsch-polnischen Heeres

während der Zweiten Wiener Türkenbelagerung

1683.

Fotos: Maciej Wieteska

19


COMPACT Titelthema

Alles Amok – oder was?

_ von Marc Dassen

Thomas Salbey mit COMPACT-Redakteur Marc Dassen. – Blick auf

das OEZ-Parkdeck. Foto: COMPACT

20

Neun Tote und kein Einzeltäter: Das Blutbad in München wurde von

Staat und Medien fein säuberlich von den islamistischen Anschlägen

in derselben Woche separiert. Der Mörder sei ein rechtsradikaler

Deutsch-Iraner gewesen, will man uns einreden. Eine Spurensuche

vor Ort verstärkt meine Zweifel.

Die spaßen nicht.

Foto: picture alliance / dpa

Nachbarn und

Bekannte bezeichnen

Ali als «guten

Menschen».

München, 22. Juli: Wieder einmal soll es ein Einzeltäter

gewesen sein, wieder einmal ein Depressiver.

Dabei hatte es zunächst ganz andere Berichte gegeben:

Bis in die späten Abendstunden gingen die Behörden

von einer «Terrorlage» aus. Tausende Polizisten, dazu

die Sondereinheiten GSG9 und die österreichische

Cobra, waren im Einsatz, Feldjäger der Bundeswehr

standen in Reserve – es war die vielleicht größte Operation

der Sicherheitsorgane seit Bestehen der Bundesrepublik.

Kein Wunder: Hunderte Zeugen hatten von

mehreren Schützen mit «Langwaffen», also Gewehren,

auch in der Innenstadt berichtet. CNN telefonierte mit

einer Zeugin, die am Tatort Allahu-akbar-Rufe gehört

haben wollte. US-Präsident Barack Obama hielt eine

Ansprache. Und das alles wegen des Amoklaufs eines

verstörten Teenagers – so die offizielle Version, auf die

sich Staat und Medien in den frühen Morgenstunden

des 23. Juli festlegten?

Es gab einfach zu viele Widersprüche in der Story,

die mich nicht ruhen ließen. Ich musste los, mir selbst

ein Bild machen. Ich fuhr nach München.

Falsche Fährte nach rechts

Die Tür des Aufzuges öffnet sich mit einem leisen

Quietschen. Ich trete ein, fahre in den fünften Stock,

um dort den wohl berühmtesten Augenzeugen im Fall

München zu interviewen: Thomas Salbey – der Baggerfahrer,

der von seinem Balkon aus mit dem mutmaßlichen

Amokläufer auf dem Oberdeck eines Parkhauses

gestritten, sogar eine Bierflasche nach ihm geworfen

hat. Noch während der Fahrstuhl aufwärts rumpelt,

fällt mir wieder ein, was der angebliche Amokläufer

Ali David Sonboly zu Salbey sagte: «Jetzt muss ich ’ne

Waffe kaufen…» Moment mal: Hatte er nicht gerade

eine Pistole in der Hand? Ebenso rätselhaft der Satz:

«Ich habe nichts getan.» Wie konnte er das behaupten,

wo er doch gerade neun Menschen hingerichtet hatte?

War er verwirrt? Ich frage auch Salbey. «Der hatte

die Ruhe weg», erzählt er mir.

Später stehe ich wieder vor dem Klingelbrett im Erdgeschoss,

da fällt mir der Name M. A. Shehab auf. Als

die Reporter von Spiegel TV bei ihm waren, erzählte

er ihnen, dass ihm der Mann auf dem Parkdeck «normal»

vorgekommen sei. Ich klingele. Zweimal. Dreimal.

Kein Glück. Auch in den kommenden Tagen öffnet

mir keiner. Durch Zufall erfahre ich von einer Nachbarin,

dass er rund 48 Stunden nach den Ereignissen

«bei Nacht und Nebel» ausgezogen ist. Ein wichtiger

Zeuge ist verschwunden.


COMPACT Titelthema

Sind der kaltblütige Killer vor dem McDonalds und

der verpeilte Teenager auf dem Parkhausdach überhaupt

ein und dieselbe Person? Nachbarn und Bekannte

bezeichnen Ali, der in seiner Nachbarschaft Zeitungen

austrug, als «guten Menschen» – nett, bestens erzogen

und hilfsbereit. In psychiatrischer Behandlung war

er dennoch: wegen Depressionen und Angstzuständen,

die von jahrelangen Misshandlungen durch Migrantenkids

herrührten.

Es dauerte nicht lange, da wurde der Deutsch-Iraner

als Rechtsextremist bezeichnet. Die Frankfurter

Allgemeine Zeitung wollte das aus «Sicherheitskreisen»

erfahren haben. «Der Täter von München war ein

Rassist mit rechtsextremistischem Weltbild», hieß es

da. Adolf Hitler und Anders Breivik seien seine Idole

gewesen, er selbst soll sich als «Arier» gesehen haben.

Die zuständige Staatsanwaltschaft München I widersprach:

«Eine rechtsextreme Motivation» könne «nach

derzeitiger Erkenntnislage nicht bestätigt werden»,

sagte ihr Sprecher Florian Weinzierl.

Auch die von Bild und anderen Medien verbreitete

Behauptung, dass bei Ali das «Breivik-Manifest»

gefunden worden sei, in dem der norwegische Massenmörder

seine Tat vor genau fünf Jahren rechtfertigte,

musste das Landeskriminalamt später dementieren.

Nicht einmal das Gerücht, der Junge habe selbst

ein Manifest verfasst, bewahrheitete sich.

Das Schweigegebot

Zurück am Tatort, stehe ich vor der McDonalds-

Filiale. Hier soll Ali mit gezogener Pistole aus der Toilette

gekommen und fünf Menschen routiniert erschossen

haben, bevor er auf die Straße trat und drei weitere

Jugendliche in den Tod schickte. Das Mordwerkzeug:

Eine halbautomatische Glock17 – laut Polizei eine aufbereitete

«Theaterwaffe» aus der Slowakei, bestellt

im sogenannten Darknet. Von Waffenkundigen erfahre

ich, dass eine solche «kastrierte» Pistole nur mit größtem

Aufwand wiederhergestellt werden kann, wenn

überhaupt. Selbst dann lässt sie nur Einzelschüsse zu,

kein Dauerfeuer. Wo hat der erstaunlich zielsichere

18-Jährige – mit 57 Kugeln traf er neun Mal tödlich, 16

Menschen wurden verletzt – das Schießen und Töten

überhaupt gelernt? Durch Computerspiele? Während

eines Aufenthalts im Iran, wie manche Medien nun

berichten?

Augenzeugen zu den tödlichen Minuten vor dem

Schnellrestaurant finde ich keine – die McDonalds-Filiale

ist komplett verrammelt, die Zentrale des Konzerns

wimmelte mich telefonisch ab. Stattdessen begebe ich

mich auf das berühmte Parkhausdach. Auf den vielen

Videos von dort ist der mutmaßliche Täter kaum zu erkennen.

Mit dem Schützen vor dem McDonalds hat der

Typ kaum Ähnlichkeit. Körperbau und Gang passen nicht,

der rote Rucksack ist nicht zu sehen. Umso merkwürdiger,

dass die Bild-Zeitung plötzlich ein hochauflösendes

Foto vom Parkdeck nachlieferte, das den Amokläufer

allerdings nur von hinten zeigt. Jetzt passt scheinbar

alles. Doch woher kommt dieses Foto? Warum nahm

man nicht eins, dass sein Gesicht zeigt? Gerne hätte

ich die Familie dazu befragt und sie gebeten, ihn auf

den Videos zu identifizieren: Unmöglich. Sie alle werden

nach Morddrohungen von der Polizei abgeschirmt.

Auf einem der Videos vom Parkdeck sieht man, wie

Ali seelenruhig umherschlendert und dann von der Polizei

beschossen – und anscheinend sogar getroffen –

wird. Der Mann in Schwarz hält sich den Bauch, während

er hektisch das Weite sucht. Hier verliert sich

seine Spur für mehr als zwei Stunden. Später wird es

heißen, er habe es irgendwie geschafft, die Polizisten

auszutricksen, versteckt in einer der vielen Tiefgaragen

in der Nähe.

Eine Zeugin schwört, dass der Tote

vor ihrem Haus Rechtshänder war

– der Killer aber schoss mit links.

Am nächsten Tag fahre ich ins Olympia-Einkaufszentrum

(OEZ). Dort war am meisten geschossen worden,

auch wenn es nur einen Toten gab – aber viele

Verletzte. Was mir sofort auffällt: An Eingang jedes

einzelnen der zwei Dutzend Geschäfte in Schussweite

befinden sich Kameras. Was auch immer hier passiert

ist, wurde lückenlos aufgezeichnet. Warum hat man

der Öffentlichkeit bisher nicht einmal ein Standbild

gezeigt, um zu verifizieren, ob es tatsächlich nur einen

Täter gab, der das Blutbad anrichtete? Ich beschließe,

in allen Läden rund um den Tatort nachzufragen, und

Mit einer solchen Waffe soll Ali

David Sonboly (Bild oben) gefeuert

haben. Fotos: Facebook; picture alliance

/ dpa

Dieses nachgereichte Bild soll Sonboly

auf dem Parckdeck zeigen. Wie

die Bild-Zeitung an die ominöse

Aufnahme kam und wer tatsächlich

abgebildet ist, bleibt unklar.

Foto: Screenshot bild.de

21


COMPACT Titelthema

Falsche Spuren

Dank Internet wurde die offizielle

Version von vielen Menschen

sehr schnell angezweifelt.

Einige der umstrittenen Punkte

konnten aber geklärt werden.

Geister-Video: In dem Clip,

der die Schüsse vor McDonalds

zeigte, sah es für viele so aus,

als ob der Täter aus dem Nichts

ins Bild springt – sie vermuteten,

er sei nachträglich eingebaut

worden. Doch eine Recherche

von Fachleuten bei quer-denken.tv

bewies: Das war nur bei

schlecht aufgelösten Kopien der

Fall, nicht im Original-Video.

Falsche Schuhe: Es kursierte

ein Foto des Selbstmörders, das

ihn mit weißen Schuhen zeigt –

nicht mit schwarzen wie auf den

Videos. Doch das Bild stammt

vom April 2016.

Falsche Fotos: Einige besonders

blutrünstige Aufnahmen

waren Jahre alt und stammten

nicht aus dem OEZ, sondern

aus einem südafrikanischen Einkaufszentrum

nach einem Feuerüberfall.

Viele andere Punkte sind aber

weiter ungeklärt. Wir informieren

Sie über compact-online.de

und auf unserem YouTube-Kanal.

beginne in der Parfümerie Douglas direkt vor den Rolltreppen

zum Untergeschoss. Schon aus der Ferne sehe

ich die abweisende Miene des Geschäftsführers. Als

ich mich noch vorstelle, fällt er mir ins Wort: «Nein,

wir geben keine Auskunft, ok?», raunt er. «Wissen Sie

was hier los war?», fährt er mich an. «Nein», gebe ich

zu, «deshalb bin ich ja hier». Das Gespräch ist beendet,

ich werde des Ladens verwiesen.

Diese Szene wiederholt sich in den nächsten

Stunden etwa 20 Mal. Ein junger Typ, Mitarbeiter in

einem Café ganz in der Nähe, will gerade ansetzen,

als sein Chef ihn beiseite schiebt: «Wir äußern uns

nicht dazu.» Als ich das Gespräch mit dem Leiter eines

Modegeschäfts beginne und ihn frage, ob er etwas

gesehen hat, blickt er mich schweigend an. «Ich war

hier», sagt er und wirkt dabei wie traumatisiert. Als

ich ihn frage, was er gesehen hat, flackert unverkennbar

Angst in seinen Augen auf, die Mundwinkel zittern.

«Ich kann dazu nichts sagen.» – «Kann nicht, will nicht

oder darf nicht?», frage ich frech. Er antwortet nicht.

Ich bin schon fast wieder weg, da höre ich ihn flüstern:

«Ich kann nur sagen, es war anders, aber mehr…» Er

verstummt.

Der Tote von der Isar

Ich beschließe, zur nahegelegenen Henckystraße zu

laufen, wo sich der angeblicher Amokläufer erschossen

hat. Hier treffe ich Gabriele M., die genau gesehen

haben will, wie er abdrückte. Als ich mir im achten

Stock zeigen lasse, von wo genau sie alles beobachtet

hat, stelle ich verdutzt fest, dass Bäume die Sicht

auf den Tatort verdecken.

Auf Videos und Bildern erkennt man, dass der

Mann, der da in seinem Blut liegt, ein blaues T-Shirt

mit weißer Aufschrift trägt. Aber der Täter von McDonalds

und vom OEZ-Parkhaus war ganz in Schwarz.

Wie passt das zusammen? Auffällig ist: Stunden bevor

die Polizei den Selbstmord in der Henckystraße gemeldet

hatte, wollte sie die Leiche des Attentäters «in

einer Nebenstraße an der Isar» gefunden haben, ebenfalls

mit einem Kopfschuss. Das meldete der Radiosender

RTF1 mit Bezug auf eine Pressekonferenz der

Polizei um 22:35 Uhr. Man beachte: Die Isar ist fünf

Kilometer von der Henckystraße entfernt. Und: Von

diesem Toten war später nie mehr die Rede. Wäre

interessant zu wissen, was er für ein T-Shirt trug…

Die Polizei versuchte die Sache mit dem Kleiderwechsel

von Ali später damit zu erklären, dass es eine

«Eigenart» von ihm gewesen sei, zwei T-Shirts übereinander

zu tragen…

Der Tote in der Henckystraße trägt

ein blaues T-Shirt, der Schütze auf

den Videos ein schwarzes.

Noch etwas lässt mich daran zweifeln, dass der

tote Deutsch-Iraner der Mehrfachmörder von McDonalds

und OEZ war: Der Schütze auf den Videos ist

Linkshänder. Doch Maria S., eine Anwohnerin in der

Henckystraße, schwört mir gegenüber Stein und Bein,

dass sie gesehen hat, wie die Polizei dem Selbstmörder

die Waffe aus der rechten Hand nahm.

Die südafrikanische Blutspur.

Foto: Screenshot Daily News

29.1.2015

Am Abend des 22. Juli in der Innenstadt:

Polizisten führen einen weiteren

Verdächtigen ab. Mittlerweile

gilt Sonboly jedoch als Einzeltäter.

Foto: Getty Images

22

_ Marc Dassen ist Redakteur bei

COMPACT und war vom 30. Juli bis

5. August in München unterwegs,

besuchte die Tatorte, sprach mit

der Polizei, mit Augenzeugen und

Anwohnern. In Kürze wird es auf

COMPACT-TV auch einen Filmbeitrag

zum Fall München geben.


COMPACT Politik

Moscheen und Migranten

_ von Martin Müller-Mertens

Geradezu ehrfürchtig lauschte Bundespräsident

Joachim Gauck am

22.10.2012 Imam Dursun Atak in

der Sehitlik-Moschee.

Foto: picture alliance / dpa

Bis zu 100 Gebetshäuser machen Berlin zur deutschen Islam-Hauptstadt. Hinter ihren

Mauern tummeln sich türkische Chauvinisten, Kopfab-Imame und Hass-Prediger – mit

Unterstützung der Politik.

Die Inszenierung wirkte perfekt: In weißer Hose und

blauem Blazer posierte Franziska Giffey am 8. Juli vor

dem Gebäude der Dar-as-Salam-Moschee. Bilder zeigen

sie lächelnd unter anderem mit Imam Mohamed

Taha Sabri. «Heute war ich zu Gast beim Ramadan-

Fest für Flüchtlinge», freute sich die SPD-Bürgermeisterin

des Berliner Problembezirks Neukölln später bei

Facebook. Doch insbesondere in sozialen Netzwerken

hagelte es Schelte wegen ihrer Pilgertour zum Fastenbrechen.

«Ein Albtraum. Eine demokratische Politikerin

bei Salafisten», hieß es etwa. Auch die ansonsten

Islam-affine Hauptstadtpresse übte sich in vorsichtigem

Stirnrunzeln. «Warum besuchte Franziska Giffey

eine Radikalen-Moschee?», fragte die auflagenstärkste

Boulevard-Zeitung B.Z.. Giffeys Amtsvorgänger und

langjähriger Förderer Heinz Buschkowski verlangte verärgert

die Löschung eines Facebook-Profils, auf dem die

Neuköllner SPD mit ihm, dem bundesweit bekannten

Urgestein, warb: «Ich stehe für eine klare Trennungslinie.

Politischer Islam ist keine Religion, sondern eine

Machtideologie.»

Giffey war nicht die erste prominente Besucherin

jener Einrichtung, die sich in den letzten Jahren

geschickt zur Bühne für deutsche Muslimophile gemausert

hatte. Erst im Mai diskutierte die einstige Grünen-Vorsitzende

Claudia Roth in den Räumlichkeiten

über einen angeblichen «Rechtsruck in Deutschland

entlang des antimuslimischen Rassismus». Dabei weiß

die Gemeinde genau, wie sie ihren Kollaborateuren

verbal entgegenkommen muss. Im Juli lud das sogenannte

Begegnungszentrum zehn schwule Führungskräfte

ein. «Islam meets LGBTI», freute sich die Lobbyorganisation

Leadership, deren Funktionärin (und

frühere Brandenburger Verfassungsschutz-Präsidentin)

Winfriede Schreiber die Moderation des Abends

übernahm. Ende 2015 heftete Berlins Regierender Bürgermeister

Michael Müller (SPD) Imam Sabri sogar den

Landesverdienstorden an die Brust.

Doch abseits derartiger PR-Veranstaltungen wird

offenbar Klartext gesprochen. Tatsächlich ist die harmlos

als «Begegnungsstätte» firmierende Moschee an

der Neuköllner Flughafenstraße kein Außenposten

des Salafismus. Der Verfassungsschutz bringt die

Gemeinde jedoch mit der Islamischen Gemeinschaft

in Deutschland (IGD) in Zusammenhang, die wiederum

der fundamentalistischen Muslimbruderschaft zugeordnet

wird. 2014 predigte dort der saudische Kleriker

Mohammed al-Arifi, nach dessen Auffassung Gläu-

Die Sehitlik-Moschee in Berlin. Der

Name ist von dem Wort Sehit (Märtyrer)

abgeleitet. Foto: COMPACT

«Politischer Islam

ist keine Religion,

sondern eine

Machtideologie.»

Heinz Buschkowski

23


24

Er fühlt sich sichtlich wohl: Bundesjustizminister

Heiko Maas mit

Moschee-Vorstand Ender Cetin

(l) und DITIB-Vertreter Süleyman

Kücük am 09.01.2015. Foto: picture

alliance / dpa

Reda Seyam (oben) und Denis Cuspert.

Fotos: YouTube; picture alliance

/ dpa

«Die arrangierte

Ehe ist ja keine

Zwangsehe.»

Ahmadiyya-Gemeinde

bige «kein Leben ohne Dschihad» führen können. Solche

Positionen sind Programm: «Erst im März haben

sich dort Ultra-Hardliner getroffen, gehen immer wieder

aus und ein. Muslimbrüder und weitere radikale

Islamisten machten dort Vorgaben für hiesige Muslime»,

berichtet die SPD-Politikerin Sigrid Herrmann-

Marschall.

Imame in der Black Box

1928 eröffnete im Bezirk Wilmersdorf das erste

mohammedanische Gotteshaus der Stadt. Errichtet

wurde es von der Lahore-Ahmadiyya-Bewegung, die

seit Ende des Ersten Weltkriegs in Europa missioniert.

Doch erst seit etwa Mitte der 1980er Jahre nimmt

die Zahl der Moscheen in Berlin stetig zu. Waren es

zunächst vor allem unauffällige Gebetsräume in Hinterhöfen,

entstehen seit 2005 zunehmend Prunkbauten mit

Kuppeln und Minaretten. Über ihre Anzahl gibt es keine

seriösen Statistiken. Selbst das offizielle Stadtportal

berlin.de beruft sich lediglich auf Angaben der Nachrichtenagentur

dpa und nennt «rund 80 Moscheen und

Gebetsräume». Andere Berichte gehen von etwa 100

Gemeinden aus. Rund 90 Prozent sind sunnitisch. Allein

die Türkisch-Islamische Union (DITIB), ein Ableger der

staatlichen Religionsbehörde in Ankara, betreibt 20.

Wie viele der etwa 250.000 Berliner Mohammedaner

an Freitagsgebeten teilnehmen, ist ebenfalls unklar.

Die Internetplattform moscheebesuche.de geht von

knapp 25.000 regelmäßigen Besuchern pro Woche aus.

Was sich hinter den Mauern der frommen Trutzburgen

abspielt, ist für Außenstehende kaum zu erfahren.

«In der einen oder anderen Moschee kümmert man

sich einen feuchten Kehricht um das deutsche Recht»,

resümiert etwa der Islamwissenschaftler Mathias

Rohe. Der Professor der Universität Erlangen-Nürnberg

verfasste 2015 im Auftrag der Berliner Justizverwaltung

eine Studie über islamische Friedensrichter in

der Hauptstadt. Die Ahmadiyya-Gemeinde gewährt in

einer Selbstdarstellung unfreiwillig einen Einblick in

ihr Denken: «Die arrangierte Ehe ist ja keine Zwangsehe,

man muss das immer unterscheiden. Es ist ja auch

nicht ungestattet, auch selbst ’n Vorschlag zu bringen.»

2008 hatte die Organisation im Stadtteil Heinersdorf

gegen massiven Widerstand der Anwohner die erste

Moschee auf dem Gebiet der früheren DDR eröffnet.

Erdogans Kasernen

Mit der Islamisierung Deutschlands wächst auch

die Macht der Imame. So ließ es DITIB beim Bau ihrer

2004 eröffneten Sehitlik-Moschee auf eine regelrechte

Kraftprobe mit den Behörden ankommen. Statt

der genehmigten 28,6 Meter messen die beiden Minarette

37,1 Meter. Während deutsche Häuslebauer ihr

mühsam erspartes Eigenheim jedoch bereits wegen

weniger Zentimeter Abweichung von der Baugenehmigung

wieder abreißen müssen, beließ es der zuständige

Bezirk Neukölln in diesem Fall bei einem geminderten

Bußgeld von 80.000 Euro. Die Minarette waren

nicht die einzige Provokation des Neubaus: Der Innenraum

des 1.500 Menschen fassenden Gebäudes wurde

nach Angaben der Berliner Zeitung mit Elfenbein und

Rückenplatten von Schildkröten geschmückt – Material,

das gemäß Washingtoner Artenschutzabkommen

nicht eingeführt werden darf.

Dabei genoss der Bau besonderes Augenmerk von

Seiten der Türkei, deren Rechtsvorgänger Osmanisches

Reich das Gelände zum Anlegen eines Diplomatenfriedhofs

erhielt. Noch vor Eröffnung stattete der damalige


COMPACT Politik

Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan der Moschee

höchstpersönlich einen Besuch ab. Kein Wunder: Von

ihm stammt der Ausspruch «Die Moscheen sind unsere

Kasernen, die Minarette unsere Bajonette.» Kritik

von den deutschen Kuffar-Politikern hatte er nicht zu

befürchten. Ganz im Gegenteil: «Die Moschee ist ein

architektonisches Bauwerk, auf das Berlin noch in 50

Jahren stolz sein kann», schwärmte Neuköllns damalige

Baustadträtin Stefanie Vogelsang. Immerhin: Die

Errichtung eines noch größeren Gebetszentrums lehnte

die CDU-Politikerin drei Jahre später aus baurechtlichen

Gründen ab. Mit deutscher Prominenz schmückt

sich Ankaras Außenstelle ebenfalls gerne. Im Januar

2015 nahm Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) auf

einem Gebetsteppich in der Sehitlik-Moschee Platz –

ausgerechnet nach dem Terror gegen das Pariser Satiremagazin

Charlie Hebdo. Auch Bundespräsident Joachim

Gauck weilte bereits im Schatten ihrer Minarette.

Keinen Anstoß nahmen die Politiker am nach wie vor

existierenden Friedhof. In sorgsam gepflegten Ehrengräbern

ruhen hier die Gebeine von Cemal Azmi und

Bahaettin Sakir, Hauptorganisatoren des Genozids an

den Armeniern im Jahre 1915. Beide hatten bis zu ihrer

Ermordung 1922 im Berliner Exil gelebt.

Terror-Fabriken

Nicht nur die türkische Großmachtpolitik verfügt an

der Spree über gefestigte Strukturen. Auch der Salafismus

hält in manchen Gemeinden die Zügel straff in

der Hand. Der Verfassungsschutz geht von etwa 700

Anhängern in Berlin aus, von denen 380 als gewaltbereit

gelten. Zugerechnet werden der von Saudi-

Arabien gesponserten Strömung die al-Nur-Moschee

in Neukölln, die as-Sahaba-Moschee im Wedding,

die Ibrahim-al-Khalil-Moschee in Tempelhof und die

Moschee des Fussilet 33 in Moabit: Gebetshäuser, die

wiederholt Nachschub für den Terror in Syrien lieferten.

Reda Seyam, der die as-Sahaba-Moschee mit aufbaute,

beteiligte sich nach Aussagen seiner ersten Ehefrau

Doris Glück bereits 1994, im bosnischen Bürgerkrieg,

an Kriegsverbrechen gegen Christen. Inzwischen

fungiert er wohl als Bildungsminister des Islamischen

Staates (IS). Auch der Imam der Ibrahim-al-Khalil-

Moschee, Abdel Qader D., soll für Dschihad-Banden

in der Levante rekrutiert haben.

Der heutige IS-Kämpfer Denis

Cuspert radikalisierte sich in der

al-Nur-Moschee.

Insbesondere die in einem unscheinbaren Plattenbau

beheimatete al-Nur-Moschee gilt als regelrechte

Kaderschmiede für Kopfabschneider. 2003 verdächtigte

die Polizei einen Tunesier, in dem Gebäude Kämpfer

auszubilden. 2009 reisten mehrere Besucher zum Dschihad

nach Pakistan. Der Konvertit Denis Cuspert hörte

dort seit 2010 regelmäßig Predigten – mittlerweile

treibt der einst als Rapper Deso Dogg aufgetretene

40-Jährige beim IS sein Unwesen. Wiederholt lud das

Gotteshaus Gastprediger ein, darunter den deutschen

Salafistenführer Pierre Vogel und den ägyptischen

Hass-Scheich Abdel Moez al-Eila – dieser propagierte

im Februar 2015 in Berlin prompt das angebliche Recht

auf Vergewaltigungen. Im Jahr zuvor bat Terror-Imam

Abu Bilal Ismail in der al-Nur-Moschee öffentlich um

die Vernichtung der Juden «bis auf den Letzten».

Erst als Videos dieser Ausfälle die Öffentlichkeit

schockierten, leitete Berlins Innenverwaltung Anfang

2015 ein Verbotsverfahren gegen den al-Nur-Moscheeverein

ein. Doch mittlerweile scheint der Vorstoß im

Sande verlaufen zu sein. Einzelheiten der Prüfung sind

nicht bekannt. Im Januar verweigerte Innenstaatssekretär

Bernd Krömer (CDU) gleich zwei Mal die Antwort

auf entsprechende parlamentarische Anfragen.

Dschihad an der TU

Mitte März beschloss die Technische

Universität Berlin die

Schließung des bisherigen moslemischen

Gebetsraumes auf

ihrem Gelände. «Ein staatlicher

Universitätscampus ist für

die aktive Religionsausübung

in Formen von Gottesdiensten,

Messen und Freitagsgebeten

der falsche Ort», begründete

die Hochschule ihren Schritt.

Nach Angaben von Studenten

waren die Predigten an der TU

nahezu ausschließlich auf arabisch

gehalten und vielfach von

universitätsfremden Gläubigen

besucht worden. Auch Humboldt-Universität

und Freie Universität

teilten mit, dass es in

ihren Gebäuden keine Gebetsräume

gebe und auch in Zukunft

nicht geben werde. Islamische

Gruppen haben mit wiederholten

öffentlichen Gebeten vor dem

TU-Hauptgebäude gegen die

Entscheidung protestiert – bislang

jedoch ohne Erfolg.

In der Neuköllner Karl-Marx-Straße

sind solche Bilder Alltag.

Foto: picture alliance / dpa

Deutschland zeigen sie den Allerwertesten:

Muslimisches Protestgebet

vor der TU Berlin. Foto: picture

alliance / NurPhoto

Berlin unterm Halbmond

Wichtige Moscheen in Berlin

REINICKENDORF

PANKOW

SPANDAU

CHARLOTTENBURG-

WILMERSDORF

MITTE

FRIEDRICHSHAIN-

KREUZBERG

STEGLITZ-ZEHLENDORF

TREPTOW-

TEMPELHOF-

KÖPENICK

SCHÖNEBERG

NEUKÖLLN

Quelle: Google Maps

Grafik: COMPACT

25


COMPACT Politik

Feuer und Steine

_ von Martin Müller-Mertens

Vor den Septemberwahlen in Berlin: Selbsternannte Antifaschisten

terrorisieren Bürger, Polizisten, AfD-Anhänger und sonstige Andersdenkende.

Vor allem Brandstiftungen halten die Stadt in Atem.

Seit September

2015 gilt die Gegend

auch offiziell

als «kriminalitätsbelasteter

Ort».

Das Tageslicht scheuen Berlins

Linksradikale häufig. Auf dieser

Demonstration am 9.7.2015 hat

der Schwarze Block auch den SPD-

Abgeordneten Tom Schreiber im

Visier. Foto: picture alliance / dpa

Der Angriff begann kurz nach 21:00 Uhr. Am Wismarplatz

im Szenebezirk Friedrichshain starteten 3.500

Linksradikale und deren Sympathisanten am 9. Juli

ihre «Kiezdemo gegen Verdrängung». Die Stimmung

sei «aggressiv und polizeifeindlich» gewesen, hieß es

von Seiten der Ordnungshüter. Steine, Flaschen und

Pyrotechnik hagelten immer wieder auf die 1.800 eingesetzten

Beamten. Auch «Fußtritte und Faustschläge»

musste die Polizisten über sich ergehen lassen. Am

Ende sprach die Behörde von der «aggressivsten und

gewalttätigsten Demonstration der zurückliegenden

fünf Jahre in Berlin». 123 Beamte blieben verletzt

zurück. Der Terror verteilte sich anschließend in der

ganzen Stadt: Noch in derselben Nacht gingen überall

Autos in Flammen auf.

Die Initialzündung für die Krawalle dürfte der 13.

Januar 2016 gewesen sein: Um Falschparker aufzuschreiben,

begab sich ein Beamter der Berliner Polizei

in die Rigaer Straße. Für die Uniformierten ist die

Gegend am Rande von Friedrichshain schon lange Feindesland.

Gleich mehrere damals leerstehende Gebäude

in dieser Ecke Ostberlins wurden 1990 besetzt – ein Teil

bildet bis heute das wichtigste verbliebene Territorium

der linksextremen Szene. In Gangmanier beherrschen

ihre Aktivisten hier Hauseingänge und Bürgersteige.

Seit September 2015 gilt die Gegend auch offiziell

als «kriminalitätsbelasteter Ort». An jenem Wintertag

eskalierte die Situation. Vermummte stießen den

Beamten zu Boden und verschwanden im Haus Rigaer

94, in dessen Hinterhof ein linksradikales Wohnprojekt

sowie im Vorderhaus die Untergrund-Kneipe Kadterschmiede

residieren. Am Abend rückten 550 Polizisten

an, einschließlich Sondereinsatzkommando und Hubschrauber.

Offenkundig eine Revanche-Aktion, sicher

auch mit Blick auf die Landtagswahl am 18. September.

Doch die Polizei wurde fündig: Eisenstangen, Steine,

Grillanzünder für Brandanschläge und Krähenfüße zum

Aufschlitzen von Reifen präsentierte die Behörde einen

Tag später der Presse.

Für Antifa und andere Linksradikale bildete die

Durchsuchung den Anlass für eine neue Serie der

Gewalt. Ende Januar schlug in der Rigaer Straße

ein Müllsack neben Streifenpolizisten auf die Pflastersteine.

«Der Verfolgungsdruck entlud sich», verharmloste

die linksgestrickte Tageszeitung Taz den

Anschlag. Als die Polizei im Juni Teile des Gebäudes

zeitweise räumte – unter dem durchaus vorgeschobenen

Grund des Brandschutzes – fanden die Beamten

neben drei Schlagstöcken auch eine Pistole.

26

Angriffsziel Berlin: Immer wieder terrorisieren

selbstermächtigte Antifaschisten und Autonome die

Hauptstadt. Lange waren es vor allem die Rituale um

den 1. Mai, die für regelmäßigen Ausnahmezustand

und Krawalltourismus sorgten. 2009 ging die sogenannte

Revolutionäre Demonstration bereits nach

zwei Minuten in einem Steinhagel gegen die Poli-


zei unter. Bodo Pfalzgraf, Landeschef der Deutschen

Polizeigewerkschaft, erkannte einen «klaren Mordanschlag»

des als besonders militant bekannten Schwarzen

Blocks auf zwei Beamte. Der blutige Feiertag markierte

jedoch zugleich das Ende der traditionellen Mai-

Randale – und seit 2010 blieb es friedlich. Stattdessen

ist die Szene zu einer Art Guerillataktik übergegangen.

Hauptstadt der Brandanschläge

Insbesondere das Abfackeln von Autos entwickelte

sich zum Markenzeichen der politisch kostümierten

Banden. So registrierte die Polizei zwischen 2008

und 2015 insgesamt 1.829 Brandanschläge mit teilweise

mehreren ausgebrannten Fahrzeugen, 492 Fälle

stuften die Ordnungshüter als politisch motiviert ein.

Bekennerschreiben rechtfertigten die Taten als Kampf

gegen die – tatsächlich voranschreitende – Gentrifizierung,

also die Verdrängung von Bewohnern und sozialen

Milieus der Innenstadtquartiere durch Luxussanierungen,

Eigentumswohnungen und Mietsteigerungen.

Die völlige Wahllosigkeit der Brandstiftungen

sorgte auch szeneintern früh für Kritik. Sind es doch

nicht nur vermeintliche Klassenfeinde in den Nobelvierteln,

deren Karossen ausbrennen. Mittlerweile

kann jeder Berliner Opfer eines Feuerüberfalls werden.

Die Taz spekulierte damals über eine «Entpolitisierung

der radikalen Linken, die ihren Anspruch, im ”Herz

der Bestie” zuzulangen, aufgegeben hat und nun vor

der eigenen Haustür kehrt». Dennoch erreichte die Zahl

der Anschläge im ersten Halbjahr 2011 mit allein 500

Fahrzeugen ihren Höhepunkt. «Deutschlands Hauptstadt

brennt lichterloh, ohne Erklärung», titelte nun

sogar die New York Times. Die Polizei gründet die Sonderkommission

Feuerschein. Doch die Politik spielte

das Thema herunter. «Wer jetzt schnelle Lösungen verspricht,

will nur billig Wahlkampf machen», wandte

sich der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit

(SPD) gegen Forderungen der damals oppositionellen

CDU nach einem härteren Vorgehen. Der Kreuzberger

Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele

(Grüne) verharmloste die Anschläge gar als ein

«Prestigegerangel zwischen denen, die das machen,

und der Polizei».

Sturmtruppen für Multikulti

Jahrelang hatte das linksradikale Milieu an der

Spree seine Wunden geleckt. 2003 fasste die Antifaschistische

Linke Berlin (ALB) im Szeneblatt Arranca

das Dilemma zusammen: «Was nicht gelang war, die

Zerfallsprozesse der Antifa-Bewegung Ende der 90er

Jahre aufzuhalten.» Doch ein Dezennium später war

die Zeit des Katzenjammers vorbei: Für die linksradikale

Szene Berlins waren die Brandschatzungen wie

ein Jungbrunnen.

Die Asylflut gab den Krawallos einen weiteren

Schub. Nachdem sogenannte Lampedusa-Flüchtlinge

2013 den Kreuzberger Oranienplatz besetzt hatten, mobilisierte

die linksradikale Szene immer wieder gewaltbereite

Demonstranten, um Räumungen zu verhindern.

Als ein Jahr später die von Asylforderern besetzte Ger-

Tagelang belagerten Linksradikale

im Juni die Polizei nach der teilweisen

Räumung der Rigaer Straße 94.

Foto: picture alliance / ZUMA-

PRESS.com

Auch dieses Hostel in Berlin-Hohenschönhausen

wurde von Antifa-

Aktivisten attackiert. In der Herberge

fand am 13.3.2016 eine

AfD-Wahlparty statt.

Foto: picture alliance / dpa

«Deutschlands

Hauptstadt brennt

lichterloh, ohne

Erklärung.»

«New York Times»

27


COMPACT Politik

Das Leiden

der Anwohner

Nach eigenen Angaben führen

die Linksradikalen in der

Rigaer Straße einen Kampf für

die Bewohner des Kiezes. «Auch

die Solidaritätsbekundungen aus

der Nachbarschaft haben uns

bestärkt», heißt es in einer Stellungnahme.

Im Berliner Tagesspiegel

spricht dagegen ein früherer

Nachbar Klartext. «Ich kam

als Freund, der mit Wohlwollen

sah, dass es in Berlin eine lebendige

Haubesetzerszene gibt»,

heißt es in dem Text. «Ich ging,

sieben Jahre später, persönlich

zermürbt, politisch desillusioniert

und mit einem ungeheuren

Groll auf das ungeheure Maß an

Dumpfbatzentum, das uns dort

alltags begegnete. Schlaflose

Nächte, Gepöbel, mutwillige

Zerstörungswut haben mich aus

dem Kiez getrieben. Kot, Scherben,

Kotze – das ist, was mir

in Erinnerung bleibt vom Leben

als Nachbar des alternativ autonomen

Wohn- und ”Kulturprojekts”

Rigaer 78.»

Polizisten in der Rigaer Straße.

Foto: picture alliance / dpa

Feuer und Flamme für diesen Staat:

Das alte Autonomenmotto setzen

linksradikale Täter an den Autos der

Berliner um. Wie hier in der Nacht

zum 27.5.2016. Foto: picture alliance

/ dpa

hart-Hauptmann-Schule kurzzeitig geräumt werden

sollte, randalierten Aktivisten auf den Besuchertribünen

der Bezirksverordnetenversammlung.

Vor allem Kritiker der Multikulti-Religion gerieten

nun ins Visier. Im Februar 2016 schlugen Antifa-Terroristen

die Fensterscheiben der Kreuzberger Kneipe

Stadtklause ein und verspritzten Bitumen in den Gastraum.

Das angebliche Verbrechen des Wirtes: In der

Lokalität hatten sich Mitglieder des AfD-Bezirksverbandes

zu einem Parteitag getroffen. Bereits im

August 2015 hatte die Antifa Nordost «weitere Aktionen

gegen die Lichtenberger AfD-Kneipe Zum Bären»

angekündigt. Am 22. Oktober 2015 brüstete sich die

rotlackierte SA, die Friedrichshainer Kneipe Zum Igel

«komplett entglast» zu haben.

Die Seite antifa-berlin.info veröffentlichte mittlerweile

eine ganze Sammlung von Trophäenberichten

über die Attacken auf Gasthäuser. Auch Empfehlungen

für Angriffe sind den Machwerken zu entnehmen.

So sei klar, «dass es sehr wirkungsvoll sein kann, eine

freundliche Kommunikation zu suchen und die Eskalationsleiter

danach (…) empor zu schreiten». Bei Lokalen,

die sich den Befehlen der Linksfaschisten widersetzen,

«scheint uns hier die Zeit der freundlichen Worte nun

vorbei zu sein…»

Morddrohungen gegen Politiker

Dabei entlädt sich die Gewalt nicht mehr nur gegen

tatsächliche oder vermeintliche Rechte. Auch der SPD-

Abgeordnete Tom Schreiber gehört mittlerweile zu den

Feindbildern der Szene. Seit 2006 beschäftigt er sich

im Berliner Abgeordnetenhaus unter anderem mit dem

Thema Extremismus – gelegentliche Drohungen von

Neonazis und Rockern inklusive. Auf Twitter hatte

der Politiker die anhaltenden Autobrandstiftungen als

das «hässliche Gesicht der #Linksautonomen #Szene»

bezeichnet. Die Antifa reagierte mit unmissverständlichen

Drohungen: «Pass bloß auf, Tom» und «#Tom-

Lodernde Flammen

Anzahl der Brandanschläge auf Autos und Bezirke mit den meisten

Vorfällen

besonders betroffene

Gebiete

403

CHARLOTTENBURG-

WILMERSDORF

92

243

24

Quellen: Wikipedia, Statista

249

MITTE

FRIEDRICHSHAIN-

KREUZBERG

davon eindeutig politisch

motiviert

2011 2012 2013 2014 2015

Grafik: COMPACT

DuArschloch» zierten Berliner Häuserwände. Innensenator

Frank Henkel (CDU) wurde sogar mit Mord

gedroht. «Bei Räumung (…) eine Million Sachschaden

und Henkel im Kofferraum!», schrieben Rigaer-Sympathisanten

auf indymedia.de – eine Anspielung auf

die in einem Kofferraum gefundene Leiche des 1977

von der Roten Armee Fraktion ermordeten Arbeitgeberpräsidenten

Hanns Martin Schleyer.

Die Zeit der freundlichen Worte

scheint uns vorbei. «antifa-berlin»

Die heimlichen Hauptquartiere der Schläger: die

Kneipen Kadterschmiede sowie Abstand in der Rigaer

Straße. Keine der beiden Spelunken verfügt über eine

Gaststättenerlaubnis, wie eine parlamentarische Anfrage

Schreibers im März zu Tage förderte. Versuche

der Polizei, die Kadterschmiede zu räumen, scheiterten

im Juli an einem fehlenden Gerichtstitel. Das Bezirksamt

unter Bürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne)

– die bereits die Besetzungen des Oranienplatzes

und der Gerhart-Hauptmann-Schule wohlwollend duldete

– sieht offenbar keinen Grund zum Handeln. «Es

wurden vom zuständigen Bezirksamt Friedrichshain-

Kreuzberg bisher keine Kontrollen durchgeführt», heißt

es in der Antwort der Senatsinnenverwaltung.

23

242

53

179

38

28

Besonders pikant: Der Hausbesitzer plant, in leerstehenden

(!) Wohnungen der Rigaer 94 und in der

Absturz-Pinte Kadterschmiede Wohnraum und Werkstätten

für Asylbewerber zu schaffen. Das aber lehnen

die Linken, die ansonsten immer «Refugees welcome»

plakatieren, scharf ab. Sie wollen selbst bestimmen,

wen sie bei sich aufnehmen wollen – eine Haltung, die

sie bei anderen frech als rassistisch geißeln.


«Kaischi hat das Lebenswerk

von Axel Springer verjuckelt»

_ Interview mit Peter Bartels

Viel Freude haben die Aktionäre des

Axel-Springer-Verlages, hier 2013,

derzeit nicht an ihrem schlingernden

Auflagen-Flaggschiff.

Foto: picture alliance / dpa

Der Niedergang der «Bild-Zeitung» ist dramatisch. Unter Chefredakteur Kai Diekmann

stürzte ihre Auflage von über vier auf unter zwei Millionen ab. Einer seiner Vorgänger an

der Spitze des Boulevard-Blattes zieht jetzt gnadenlos Bilanz.

Ihr Buch liest sich weitgehend wie eine Abrechnung

mit Kai Diekmann, Ihrem Nachfolger in der

Chefredaktion zwischen 2001 und 2015. Was hat

Diekmann – Spitzname «Kaischi» – denn falsch

gemacht?

So ziemlich alles. Wobei er eigentlich ganz gut losgelegt

hat: Er hat in seinem ersten Quartal ordentlich

Plus gemacht, wurde damals jedenfalls an den Auflagenkontrolldienst

IVW gemeldet. Er nahm das angeblich

zum Anlass, durch die Redaktion zu trompeten:

«Jetzt haben wir’s geschafft!»

Kaischi, Teens und Twens

Also, was waren seine entscheidenden Fehler?

Viele. Er fing schon früh an, eigentlich sofort, ein Blatt

für Leute zu machen, die er nicht hatte. Wenn Du ein

Massenblatt machst, dann machst Du ein Blatt für die

Masse, nach Möglichkeit die Mehrheit der Masse. Und

diese Mehrheit bei Bild ist immer «älter». Sie fängt bei

30, vielleicht 35 an, frühestens. Diekmann aber hat fast

immer ein Blatt für jüngere Leser gemacht, manchmal

wie für Schülerzeitungsleser. Es reicht nicht, wenn man

ab und zu eine Rentengeschichte bringt und sich danach

leicht angeekelt zurücklehnt: «So, jetzt habe ich mal

was für die alten Säcke getan, Schnauze.» Die «Alten»

wittern das. Im Übrigen: Vor 50 denkt in Deutschland

eh keine Sau an Rente. Die, die es betrifft, haben längst

Rente, den anderen geht´s am Arsch vorbei. Mit 40 wird

man bekanntlich nie alt, höchstens die anderen.

Wollen Sie sagen, Bild hatte und hat keine jungen

Leser, keine unter 35?

Natürlich hat Bild auch immer junge Leser gehabt –

pro Tag sogar mehr als Bravo pro Woche, lange Zeit.

Teenager hießen die früher. Das bedeutet aber nicht,

dass diese Gruppe relevant für die Auflage war. Teens

und Twens kauften das Blatt nämlich nicht. Die lesen

es nur, weil es auf dem Tisch rumliegt, von Mama für

Papa gekauft.

Vorbild Salafistenbart: Kai Diekmann

2014 während der Verleihung

des Deutschen Radiopreises.

Foto: picture alliance / Eventpress

MP

Der Quatsch bei

«Bild» wird quätscher,

bis er

quietscht.

29


COMPACT Politik

nicht mal mehr der Prince of Wales, wenn man sie ihm

vorliest. Und der hat bekanntlich große Öhrchen. Aber

der Quatsch wird quätscher, bis er quietscht. Und die

neue Chefredakteurin Tanit Koch macht weiter: The

same procedure as every day, my dear Kaischi.

Kaischi, Steini und Wulffi

30

Eigentlich trifft sich Friede Springer

lieber mit Angela Merkel. Zur

Gedenkfeier für Guido Westerwelle

fühlte sie sich aber auch

zwischen Klaus Wowereit und dem

damaligen Deutsche-Bank-Chef

Jürgen Fitschen wohl. Foto: picture

alliance / Eventpress

Fortsetzung folgt!

In der nächsten Ausgabe von

COMPACT setzen wir das Interview

mit Peter Bartels fort. Dann

erfahren Sie, was er über die

Lügenpresse denkt, wer bei Bild

den Chefredakteur bestimmt,

welche Unternehmensgrundsätze

jeder Mitarbeiter unterschreiben

muss – und warum

in der Leserschaft Sozis meistens

in der Mehrheit waren. Last

but not least finden Sie im Oktober-Heft

eine Bewertung von Kai

Diekmanns Nachfolgerin im Bild-

Chefsessel, Tanit Koch.

Bild-Zeitung vom 2. Oktober 1989.

Foto: Bild / Repro COMPACT

Also hat Diekmann ein Blatt gemacht für Leser,

die es zwar manchmal gelesen, aber nicht

gekauft haben?

So in etwa; natürlich muss man das Themenspektrum

so breit wie möglich fächern. Und natürlich interessiert

Mama oder Papa, was andere Mamas und Papas für

Sorgen mit ihren schönen Töchtern oder schicken Söhnen

haben. Aber Du kannst kein Blatt für diese junge

Zielgruppe machen, wenn Du weißt, dass 90 Prozent

Deiner Leser eben der Jugend nur noch zugucken können

– und wollen.

Mit «Refugees welcome» ist Diekmann

gnadenlos auf die Schnauze

gefallen.

Zumal der Sound, die Schreibe für junge Leser

sicher anders klingt…

Wenn der Chefredakteur ein Blatt für die falsche Altersgruppe

macht, ist er immer auch in Versuchung, die falsche

Sprache zu benutzen. Wenn ich für 25-Jährige

schreibe, muss ich auch reden wie 25-Jährige. Das verstehen

die älteren Herrschaften aber nicht, wollen es

auch nicht verstehen. Vor allem, wenn der «RedakteurIn»

exaltiert auf jung mimt, mit Anglizismen keult, weil

er glaubt, das ist modern, chic – jung eben… Dumm

nur, dass die meisten «Alten» dieses typisch britische

«sophisticated» Englisch weder kapieren noch kapieren

wollen; die einen hatten ein bisschen Merkel-

Russisch, die anderen etwas Pumpernickel-Englisch,

ansonsten eben Ruhrpott, Bayern, Sachsen. Im Übrigen:

Diekmanns jaulende Anglizismen-Zeilen versteht

Zum Glück für den Leser macht «Bild» ja in

großem Stil Politik – Kommentare, Interviews,

Berichte, vieles sogar exklusiv!

Diekmanns nächster Fehler: Kaischi hat nie begriffen,

dass Politik in einem Massenblatt verminter Bereich

ist. Die Leute sagen zwar bei jeder neuen Marktforschung:

«Politik ist gaaanz wichtig.» Aber tatsächlich

interessiert es sie einen feuchten Kehricht – von Oberlehrern,

Bürgermeistern, Gewerkschaftern mal abgesehen.

Bei der Masse kommt Politik in Wahrheit unter

«ferner liefen». Andrea Berg ist wichtig, Herbert Grönemeyer,

der «Alpen-Elvis» Gabalier, Klatsch und Tratsch –

Trash, nicht Politik. Aber so ist das nun mal: Wenn einer

Schweineschnitzel will, kann ich ihm kein Hammelkotelett

verkaufen. Es ist nicht wichtig, was dem Chefredakteur

gefällt – dem Leser muss es gefallen.

Aber Politik betrifft doch alle Menschen…

Boulevard-Leser nur bei Wahlen… Das hat seinen guten,

meinetwegen schlechten Grund: Kaufleser sind schnelle

Leser. Die Zeitung tischt ihnen ein politisches Problem

auf, der Leser schluckt es – vielleicht – zwei, drei Tage.

Aber keine Monate, wie bei Diekmanns Pleite-Hellenen,

die einfach nicht genug Steuern von ihren Griechen

«griechen» (Bild). Nach ein, zwei Polit-Stories haben die

Leser «fertig». In der wirklichen Politik geht es aber dann

erst los: Plenum, Debatten, «McCarthy-Talkshows», keifend,

knurrend, hufescharrend, bis in die Nacht… Und

ein strichlippiger Steinmeier schwafelt, ohne ein einziges

Wort zu sagen, Tagesschau und Heute-Journal

zu… Und am nächsten Tag labert Bild seine letzten Leser

auch noch anderthalb Bleiwüsten-Seiten lang mit einem

französischen Lambretta-Präsidenten voll. Und der eitle

Kaischi enthüllt nicht mal, dass der Figaro das Resthaar

des Präsidenten fünfmal täglich kämmen, legen und föhnen

muss, dafür aber 9.000 Euro Staatsknete kassiert…

Vorwärts in den Untergang

Verkaufte Auflage in Millionen

4,71

2,65

Quelle: IVW

3,88

2,16

3,10

1,70

«Bild»

«Bild am Sonntag»

1,85

1998 2004 2010 2016

1,01

Grafik: COMPACT


COMPACT Politik

Trotzdem hat «Bild» auch früher, wie unter Kai

Diekmann später, Politik gebracht und gemacht…

Noch mal: Wenn irgendein Sozi-Verteidigungsminister

mit einer Gräfin irgendwo im Mittelmeer plantscht,

dann ist das auch und gerade für Bild «Politik». Und

natürlich ist es toll, wenn ein niedersächsischer Ärmelschoner

namens [Christian] Wulff à la Dürrenmatts

«Grieche sucht Griechin» plötzlich mit einer schönen

Blondine auftaucht. Dann ist das für ein Massenblatt

sogar ganz große «Politik», schließlich droht der Ärmelschoner

Präsident zu werden, wird es dank Muttchen

tatsächlich… Nein, «richtige» Politik hat nur ein Mal

für längere Zeit Auflage gemacht. Und das war die

Wiedervereinigung, die bekanntlich von Mai 1989 bis

Mai 1991 dauerte…

Kaischi, Mutti und Friede

255 Seiten für 19,95 Euro. ISBN:

3864452821 Foto: Kopp Verlag

Besonders dramatisch war der Absturz von «Bild»

letztes Jahr, als die Zwei-Millionen-Grenze nach

unten durchbrochen wurde…

Kai Diekmann hat drei Schallmauern durchbrochen:

vier Millionen, drei Millionen, zwei Millionen. Darum

nenne ich ihn «Undertaker»: Er ist der Totengräber von

Bild. Sein vorerst letzter Fehler begann, als er 2015

anfing, dem Mainstream in den Arsch zu kriechen und

seine Leser erst zu beschimpfen, dann zu vertreiben.

Weit über eine Million nicht registrierter Flüchtlinge

fluteten die von Honeckers Musterschülerin Merkel

geöffneten Grenzen. Und Diekmann sagt «Welcome!»,

sogar in extra 40.000 auf Arabisch gedruckten Blöd-

Zeitungen – und verschenkt sie an Moslems, die nicht

lesen können, weil sie´s nicht gelernt haben.

Dieser Spruch «Say it loud, say it clear, refugees

are welcome here!» – ist der von «Bild»?

Keine Ahnung. Aber der Spruch «Wir schaffen das» ist

von Moslem-Muttchen Merkel. Diesen Spruch kannte

sie aus der DDR. «Das schaffen wir» schalmeiten

damals ZK und Neues Deutschland unisono zu allen

Fünfjahresplänen. Und Diekmann wieselte der Wessi-

Version eilfertig hinterher: «Jawoll, wir schaffen das!»

Jeder sah in der Tagesschau die Heerscharen junger,

schicker Männer mit Smartphone am gepiercten Ohr.

«Da kommen die, die unsere Renten retten. Fast alles

Ingenieure, Ärzte, Akademiker», so oder so ähnlich ließ

Diekmann wider besseres Wissen seine Redakteure

schreiben. Jeder Deutsche wusste sehr, sehr bald: 80

Prozent haben nicht mal drei Schuljährchen im Tornister.

Aber «das Kaischi» startete die Aktion «Refugees

welcome». Und ist damit gnadenlos auf die Schnauze

gefallen! Er fand sogar die Türken toll, bis «Erdowahn»

auch die Dogan-Holding anfing windelweich zu prügeln,

an der doch Springer so schön beteiligt ist.

Irgendwann fing Bild dann an, die Montagsspaziergänge

von Pegida in Dresden zu kritisieren… Da liefen

Tausende durch die Stadt, und Diekmann glaubte

ausgerechnet den Reportern, deren Väter wegen genau

solcher Spaziergänger die ganze, schöne DDR verloren

hatten. Schlimmer: Er nannte diese Spaziergänger bald

nur noch Dunkeldeutsche, Pack, Nazis. Weihnachten

sangen sie an der Elbe nicht «Stille Nacht», sie «grölten»!

Nazis eben… Bild riss sie aus Facebook raus,

brachte Schlagzeilen und Doppelseiten, stellte sie an

den Bild-Pranger, um zu «beweisen», was für Schwachmaten

da ihre Wut, ihre Angst raus stammelten, von

wegen Migranten-Invasion. Aber: Das waren alles

Leser, vor allem auch Bild-Leser! Und für so ein Blatt

sollten sie auch noch fast zwei Mark – 90 Cent – bezahlen?

Wenn meine Frau mir in den Arsch tritt, tut es

ebenfalls weh, aber es kostet wenigstens kein Geld!

Es war einfach instinktlos, was Diekmann da mit seiner

Redaktion gemacht hat. Die Herren Großverdiener

haben vertrieben, wovon sie lebten – ihre Gehaltszahler,

die Leser!

Aber wenn’s doch aus der Sicht des Mainstream

und der «Bild» tatsächlich alles nach Pack aussah?

Sogar SPD-Chef Sigmar Gabriel hat´s doch

gesagt…

Ob Gabriel oder Diekmann – sie müssen vorerst mit

dem Volk leben, das sie haben – Pack hin, Pack her.

Gabriel kriegt seine Quittung nächstes Jahr. Diekmann

hat die ersten beiden finalen Quartals-Quittungen

schon kassiert. Man wird sehen, wie lange Friede

[Springer] zusieht, wie einer das Lebenswerk ihres

Mannes verjuckelt.

Wissen Sie, wenn ich die Welt retten will, werde

ich Gandhi. Oder vielleicht Papa Theresa. Wenn ich ein

linkes Blatt machen will, dann mache ich die Alpen-

Pravda Süddeutsche oder den Spiegel. Wenn ich Bild

machen will, dann muss ich ein Blatt für die Mitte

machen – etwas rechts, etwas links, ansonsten Mitte.

Die Deutschen waren nie links oder rechts, sie waren

immer sowohl als auch. Konservativ.

Gut gelaunt: Peter Bartels deckt die

Geheimnisse von «Bild» auf.

Foto: Peter Bartels

Diekmann ist der

Totengräber von

«Bild».

_ Peter Bartels ist seit 50

Jahren Journalist und war 17

Jahre bei «Bild». 1974 wurde

er Unterhaltungschef in der

Hamburger Zentralredaktion

und begann seinen Aufstieg im

Springer-Konzern. Von 1989 bis

1991 war er zusammen mit Hans-

Hermann Tiedje Chefredakteur

von «Bild» – in der spannenden

Zeit der Wiedervereinigung, als

das Blatt noch fünf Millionen

Auflage hatte. Im Frühjahr ist sein

Buch «Bild – Ex-Chefredakteur

enthüllt die Wahrheit über den

Niedergang einer einst großen

Zeitung» erschienen (Kopp Verlag,

255 Seiten, 19,95 Euro). – Das

Interview wurde von Arne Fischer

geführt.

31


Der amerikanische Putsch

_ von Marc Dassen

32

Die USA gegen Erdogan: Während es zunächst so aussah, als ob der

türkische Präsident den Staatsstreich vom 15. Juli selbst inszeniert

hätte, mehren sich mittlerweile die Indizien, dass US-Strippenzieher

am Werk waren. Offensichtlich fürchtet Washington die Annäherung

zwischen Ankara und Moskau.

Kampfjets der Putschisten

wollten

Erdogans Flugzeug

abschießen.

Es ist die Ruhe vor dem Sturm in den Straßen der türkischen

Hauptstadt. Unzählige Menschen sitzen am 15.

Juli, einem warmen Freitagabend, in den Bars, Cafés

und Restaurants, entspannt, ausgelassen – endlich

Wochenende. Plötzlich gelangen Gerüchte von Ohr zu

Ohr. Mehrere Brücken über den Bosporus sind gesperrt,

Soldaten haben Straßenbarrikaden errichtet. Panzer

sind an strategischen Punkten aufgefahren. Zuerst glauben

viele an einen Terroranschlag, dann – kurz nach 22

Uhr – erklärt der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim:

«Ein Putschversuch!» Das Militär beansprucht –

wie zuvor schon so oft in der türkischen Geschichte –

die Macht im Staate, verhängt das Kriegsrecht.

Kurz vor Mitternacht erscheint der Präsident auf

dem Display eines Smartphones, das eine Reporterin

des türkischen Ablegers von CNN zitternd in die Kamera

hält. Er berichtet von Verschwörern innerhalb des Militärs,

ruft alle Bürger zum Widerstand auf. Recep Tayyip

Erdogan, der sich gerade auf der Rückreise aus seinem

Urlaub in Marmaris an der Ägäis-Küste befindet, wurde

angeblich zuvor von Bombenangriffen auf sein Hotel nur

knapp verfehlt. Die Putschisten hatten eine Killertruppe

in sein Hotel geschickt – die kam mit ihren Hubschraubern

aber 30 Minuten zu spät. Obwohl ein General das

Staatsoberhaupt warnt, dass zwei Kampfjets der Putschisten

in der Luft sind, um sein Flugzeug abzuschießen,

entscheidet sich der Präsident für den Weiterflug

nach Istanbul. Derweil streut der US-Think-Tank Stratfor

per Twitter das Gerücht, Erdogan habe bereits Asyl

in Deutschland beantragt. Und die US-Botschaft informiert

ihre Bürger über eine «Erhebung» («uprising») in

der Türkei – ein netter Ausdruck für Militärputsch.

«Ein Geschenk Allahs»

Erst am frühen Morgen ist klar: Der Umsturzversuch

ist gescheitert. Die Verantwortlichen, die sich selbst

Bewegung für Frieden in der Heimat nennen, haben

sich ergeben, wurden verhaftet oder sind auf der Flucht.

290 Menschen, darunter auch 24 Putschisten, wurden

in dieser Nacht getötet, über 1.400 Verwundete

füllen die Krankenhäuser. Allein 10.000 Militärs sitzen

heute im Gefängnis. Laut Informationen der Welt

lässt Erdogan nach dem Putsch drei Nachrichtenagenturen,

16 Fernsehsender, 23 Radiostationen, 45 Zeitungen,

15 Magazine sowie Dutzende Verlage schlie-


COMPACT Politik

Lynchmobs ziehen durch die Straßen, fordern die

Todesstrafe für Verräter. Erdogan will das Volk, zum Entsetzen

des Westens, sogar darüber abstimmen lassen.

Noch in der Nacht des Putsches rief Erdogan, seine Anhänger, wie

hier in Ankara, zum Kampf gegen die Putschisten auf.

Foto: Tumay Berkin / Reuters

ßen. Auch 2.800 Richter werden kurzerhand entlassen,

knapp 20.000 Lehrer suspendiert und 45.000 Beamte in

den kommenden Tagen als Mitverschwörer festgesetzt.

Akademiker dürfen das Land nicht mehr verlassen.

Der Putsch schlug laut Medienberichten vor allem

deshalb fehl, weil die Aktion «vorgezogen» werden

musste, «sodass nicht alle Teile des Plans rechtzeitig

aktiviert» werden konnten (FAZ). Die regierungstreuen

Geheimdienstler hatten laut Spiegel schon am

«Freitagnachmittag um 16 Uhr (…) von den Umsturzplänen

erfahren» und damit genug Zeit, Gegenmaßnahmen

vorzubereiten. Ursprünglich wollten die Putschisten

erst am Samstag um vier Uhr morgens losschlagen,

mussten aber, weil der Plan durchgesickert

war und Verhaftungen drohten, überhastet handeln.

Außerdem wurde ihr Nachschub über den Flughafen

Sirnak durch den dortigen Erdogan-treuen Gouverneur

vorsorglich blockiert.

Trotz der bald anrollenden Verhaftungswelle stellt

sich die Opposition nach dem Putschversuch demonstrativ

auf Erdogans Seite. Die vier größten Parteien

im türkischen Parlament (Erdogans AKP, die kemalistische

CHP, die nationalistische MHP und die kurdische

HDP) unterzeichnen eine Erklärung gegen die Aufwiegler.

Deutsche Medien wie der Spiegel fürchten dagegen

eine «islamische Konterrevolution» und sehen

Erdogan als «Diktator» beim Aufbau einer «lupenreinen

Autokratie». Kleinlaut müssen die Spiegel-Redakteure

aber zugeben, dass der Putsch vor allem deshalb

scheiterte, weil «das Volk den Putschisten die Gefolgschaft»

versagte.

Inside-Job oder US-Komplott

«War der Putsch nur inszeniert?», fragt die Wirtschaftswoche,

stellvertretend für alle Zweifler, und

gibt gleich die Antwort: Eher unwahrscheinlich. «Unter

den mutmaßlichen Rädelsführern sollen fünf Generäle

und 28 Oberste sein, die mit Erdogan unter einer Decke

hätten stecken müssen» und jetzt langjährige Haftstrafen

erwarten. Der Schuldige ist für Erdogan schnell

ausgemacht: Fethullah Gülen. Der Prediger, ehemaliger

Verbündeter und heutiger Erzfeind des türkischen

Potentaten, soll mit Hilfe der CIA und seines weitverzweigten

Netzwerkes – der Hizmet-Bewegung – die

Fäden gezogen haben. Gülens Organisation islamistischer

Schulungsanstalten ist weltumspannend, auch

in Deutschland gibt es Kaderschmieden in vielen großen

Städten. Für Erdogan ist Gülen der Anführer einer

«Terrororganisation», eines Staates im Staat. Ministerpräsident

Yildirim erklärte, dass jedes Land, das Gülen

unterstütze, sich im Krieg mit der Türkei befinde: eine

klare Botschaft an die USA.

Hin und wieder hat der «Spiegel»

recht. Foto: spiegel-online.de

«War der Putsch

nur inszeniert?»

«Wirtschaftswoche»

Fethullah Gülen im Juli 2016 in seinem

US-amerikanischen Exil. Schätzungen

von 2008 gingen davon aus,

dass zehn bis 15 Prozent der Türken

Sympathien für seine Bewegung

hegten. Foto: picture alliance /

AP Images

Nach dem erfolglosen Coup auf dem Zenit von

Macht und Ansehen beschreibt Erdogan die Ereignisse

am nächsten Tag als ein «Geschenk Allahs». Jetzt

könne er dafür sorgen, dass «unsere Streitkräfte (…)

gesäubert werden». Die Verhaftungslisten lagen schon

länger in der Schublade. Viele seiner fundamentalistischen

Anhänger dürsten jetzt nach blutiger Rache,

33


COMPACT Politik

34

Der NATO-Dolchstoß

Türkische Medien verdächtigen

auch die NATO-Untergrundarmee

Gladio als Drahtzieher

des Putsches. Sie wurde von den

USA während des Kalten Krieges

in Europa aufgebaut und verübte

auch in der Türkei immer

wieder Anschläge und politische

Morde unter falscher Flagge, um

die Anti-NATO-Opposition auszuschalten.

Der Chef des Polizeigeheimdienstes

Bülent Orakoglu

sah eine «neue Form von Gladio»

hinter dem Umsturz am Werk.

Der Journalist Özcan Tikit kommentierte

beim Sender Habertürk,

dass «ein Vertrauensverhältnis

mit den westlichen Institutionen»

erst dann wiederhergestellt

werden kann, wenn

«Gladio in der Türkei (…) aus

dem Weg geräumt» worden ist.

Militärputsch im Jahre 1980.

Foto: picture alliance / AP Photo

_ Marc Dassen ist Redakteur bei

COMPACT. In Ausgabe 8/2016

recherchierte er die Strategien

von Bundeswehr und NATO im

Cyberkrieg und deren Bedeutung

im Konflikt mit Russland.

Erdogan-treue Demonstranten fordern

die Todesstrafe für Gülen.

Foto: picture alliance / ZUMA-

PRESS.com

Der Beschuldigte bestreitet gegenüber dem Spiegel,

«irgendetwas mit diesem schrecklichen Putschversuch

zu tun» zu haben. Gülen lebt seit 1999 im amerikanischen

Exil auf einem prächtigen Anwesen in Saylorsburg,

Pennsylvania. Nach Einschätzung des Autors

F. William Engdahl ist der Prediger «ein Agent, der zu

100 Prozent von der CIA gesteuert wird». «Ich habe eine

Botschaft nach Pennsylvania: Du hast genug Landesverrat

begangen. Komm zurück in Dein Land, wenn Du

Dich traust», rief Erdogan seinem Gegenspieler Tage

später zu, verlangte von den Amerikanern dessen sofortige

Auslieferung. 85 Kisten mit Unterlagen, die Gülens

Mittäterschaft belegen sollen, hat die Regierung in

Ankara nach Washington gesandt – doch die Obama-

Regierung zweifelt an den Beweisen, verweigert die

Kooperation. Weil dadurch die Beteiligung der US-

Geheimdienste ins Scheinwerferlicht gelangen könnte?

«Komm zurück in Dein Land, wenn

Du Dich traust!» Erdogan zu Gülen

Arbeitsminister Süleyman Soylu äußerte, weitergehend

als Erdogan, explizit den Verdacht, die USA

könnten hinter dem Coup stecken. Es wäre keineswegs

das erste Mal: Vielen Türken ist der Satz «Your boys

have done it» (Deine Jungs haben es geschafft) noch

im Ohr. Der fiel nach dem Putsch 1980, als der damalige

Chef der türkischen CIA-Filiale Paul Bernard Henze

vom Weißen Haus zu seinem Erfolg bei der Beseitigung

der Demokratie beglückwünscht wurde.

Die AKP-nahe Zeitung Yeni Safak sieht in dem pensionierten

US-General John F. Campbell den Mastermind

des Umsturzversuches. Der habe mit Hilfe der

CIA «mehr als zwei Milliarden Dollar» über eine Bank

in Nigeria an das «militärische Personal unter den

Putschisten in der Türkei» transferiert. Das Geld, welches

an ein «80-köpfiges Spezialteam der CIA» verteilt

wurde, soll dazu gedient haben, «Putsch-freundliche

Generäle zu überzeugen». Campbell habe seinen

türkischen Kontaktmännern seit Mai «mindestens zwei

geheime Besuche» abgestattet.

Albtraum der Atlantiker

Sollte die CIA oder das Pentagon tatsächlich mitgemischt

haben, könnte die Türkei ihre NATO-Mitgliedschaft

kündigen. Das Land ist seit 1952 Mitglied und

stellt die zweitgrößte Armee des Bündnisses. Außerdem

ist der Luftwaffenstützpunkt Incirlik seit 25 Jahren

zentrales Drehkreuz für den Nahostkrieg der US-

Allianz. Ein Austritt der Türken wäre aus Sicht der

US-Geostrategen ein Desaster. Die Türkei als «Bollwerk

gegenüber Russland, gegenüber Iran» (Spiegel)

stünde auf der Kippe. Der ehemalige Maoist und Chef

der türkischen Heimatpartei, Dogu Perincek, als politischer

Gefangener unter Erdogan mit Sicherheit nicht

dessen Gefolgsmann, ist der Ansicht, dass sich in der

Putschnacht die Geheimstrukturen der NATO in der Türkei

offenbart haben und nun «zerschmettert» worden

seien. Er beobachte seit einiger Zeit, dass sich die Türkei

aus dem transatlantischen Lager löse.

Tatsächlich konnte man kurz vor dem Putsch erste

Anzeichen für eine Annäherung zwischen Ankara und

Moskau beobachten: Schon Ende Juni 2016 entschuldigte

sich Erdogan bei Putin für den Abschuss eines

russischen Kampfjets im syrisch-türkischen Grenzgebiet

im November 2015, der zu einer Eiszeit zwischen

beiden Staaten geführt hatte. Mittlerweile

macht der türkische Präsident die Putschisten für den

damaligen Aggressionsakt verantwortlich. Anfang

Juli folgte dann die nächste Offerte an die slawische

Supermacht: Außenminister Mevlüt Cavusoglu stellte

den Russen die Mitbenutzung der Luftwaffenbasis

Incirlik in Aussicht – was er wenig später halbherzig

wieder dementierte. In Washington dürften die Alarmglocken

geschrillt haben.

Nach dem Putschversuch war der russische Präsident

der Erste, der sich öffentlich hinter Erdogan

stellte. Anfang August trafen sich die zwei in Moskau.

Bei dieser Gelegenheit untermauerten beide ihren

guten Willen. Russische Sanktionen sollen aufgehoben,

die wirtschaftliche Zusammenarbeit vertieft, das

Gaspipeline-Projekt Turkstream wieder aufgenommen

werden. Zu allem Überfluss wollen Ankara und Moskau

in Zukunft auch ihre Angriffe auf den Islamischen Staat

(IS) koordinieren – eine mittlere Sensation, da die Türkei

bisher beim Aufbau des IS und dessen Versorgung

tatkräftig mitgeholfen hat. Die offenkundigen Differenzen

über Syriens Staatschef Baschar al-Assad – Moskau

stützt ihn, Ankara will ihn stürzen – wurden ausgeklammert.

Der Tagesspiegel stellte die Frage, «ob

hier eine neue Allianz», eine «neue türkische Außenpolitik»

im Entstehen begriffen ist. In Washington und

Brüssel knirscht man hörbar mit den Zähnen.


Ritterschlag für den Prinzen

_ von Philipp Huemer

Diese Pose muss er geübt haben:

Kurz während einer Pressekonferenz

am 15.1.2016. Foto: picture alliance

/ dpa

Österreichs Außenminister Sebastian Kurz hat sich trotz seiner Jugend Respekt im Kreis

seiner Amtskollegen verschafft und insbesondere Angela Merkel das Fürchten gelehrt:

Während sie offene Grenzen und Willkommenskultur zum alternativlosen Dogma verklärt,

zeigt er realpolitisch gangbare Wege zur Schließung der Schlepperrouten auf – und setzt

sie sogar durch.

Der Spott war anfangs groß, als Sebastian Kurz

im Dezember 2013 mit 27 Jahren als jüngster Außenminister

in der Geschichte Österreichs vereidigt wurde.

Nur wenige trauten dem Jungspund, der drei Jahre

zuvor noch mit einem «Geil-o-mobil» und dem Slogan

«Schwarz macht geil» für die konservative Österreichische

Volkspartei (ÖVP) durch den Wiener Wahlkampf

getourt war, das anspruchsvolle Navigieren

in der internationalen Politik und die damit verbundene

Repräsentanz- und Diplomatiefunktion zu. Doch

die Spötter sind mittlerweile verstummt, fast überall

erhält er Anerkennung und Respekt.

Bis dato hatte Kurz das Amt des Integrationsstaatssekretärs

bekleidet und sich in dieser Funktion vor allem

um die im Land lebenden Muslime bemüht. Er gründete

ein Dialogforum Islam und verwies bei kritischen

Fragen in Hinblick auf die desaströse Entwicklung der

Einwanderungspolitik stets auf die dafür zuständige

Innenministerin, seine Parteikollegin Johanna Mikl-

Leitner. Geschickt erweckte er den Eindruck, die Probleme

der aktuellen Masseneinwanderung hätten mit

den seit langem zu beobachtenden Multikulti-Missständen

nichts zu tun, um dadurch den Begriff Integration

positiv zu besetzen.

Umso größer war für viele die Überraschung, als

Kurz im Zuge des Ansturms auf Europa im Sommer

2015 klare und deutliche Worte für das Versagen der

europäischen und österreichischen Politik fand und insbesondere

die deutsche Willkommenseuphorie von

Kanzlerin Angela Merkel deutlich kritisierte. Hatte er

sich im Juni und Juli noch ausgewogen geäußert und

bedeckt gehalten, wurden seine Töne im Weiteren

immer schärfer. Für einen ersten Skandal sorgte er im

Oktober 2015, als er in einem Interview mit dem österreichischen

Radiosender Ö1 die Forderung nach einem

Grenzzaun erhob und anschließend gegen die medialen

und politischen Attacken souverän verteidigte, da

«Europa mit den Flüchtlingsströmen überfordert» sei. In

Bei seiner Vereidigung als Außenminister

war Kurz für die meisten

Österreicher ein unbeschriebenes

Blatt. Foto: Profil

«Schwarz macht

geil».

Sebastian Kurz 2010

35


Anzeige

Der große

Enthüllungsreport:

Die Förderer der

Massenzuwanderung und

ihre wahren Motive

■ Friederike Beck beschäftigt sich in diesem Buch intensiv mit den elitären Netzwerken in EU, UNO, superreichen

Stiftungen und NGOs, die einer unbegrenzten Migration nach Europa das Wort reden und eine Art Copyright

auf »Menschlichkeit« und »Humanität« für sich beanspruchen, um damit die Aufmerksamkeit von ihren eigentlichen,

nicht selten höchst materiellen, eigennützigen und manipulativen Zielen abzulenken.

Friederike Beck legt nach monatelanger intensiver Recherchearbeit offen:

• wer die Migration nach Europa im Einzelnen unterstützt

• wer hinter diesen Interessengruppen steckt

• welche Motive sie haben

• wie sie miteinander vernetzt sind

• mit welchen Mitteln sie die Einwanderung forcieren und

• warum die eigentlichen Fluchtursachen nicht beseitigt,

sondern sogar noch geschürt werden

Dieses Buch ist eine wahre Fundgrube an brisanten Enthüllungen

und Hintergrundinformationen zu der von Politikern und einer multimilliardenschweren

Finanzelite initiierten und gezielt gesteuerten

Massenmigration.

Mögen die Masken fallen!

Mögen sich die Verantwortlichen in naher

Zukunft vor einem internationalen Gerichtshof

zu verantworten haben!

Friederike Beck: Die geheime Migrationsagenda • gebunden • 303 Seiten • zahlreiche Abbildungen • Best.-Nr. 952 800 • 19.95 €

Telefon (0 74 72) 98 06 10 • Telefax (0 74 72) 98 06 11 • info@kopp-verlag.de • www.kopp-verlag.de

Jetzt bestellen! Versandkostenfreie Lieferung innerhalb Europas


COMPACT Politik

Richtung seiner zahlreichen Kritiker bemerkte er: «Ich

kann nicht nachvollziehen, warum manche Politiker

mit Worthülsen noch immer am Problem vorbeireden.

Denn es ist jetzt schon fünf Minuten nach zwölf.»

Das Bemerkenswerte ist, dass Kurz diese Worte

schon in einer Zeit äußerte, als Merkels Dogma «Wir

schaffen das!» noch weitaus stärker war als aktuell.

Und: Er beschränkte sich nicht darauf, Symptome zu

kritisieren, sondern attackierte das derzeitige Asylsystem

ganz grundsätzlich. Kurz betonte, dass die

«unbeschränkte Aufnahme von Flüchtlingen in Mitteleuropa

(…) kein nachhaltiges Modell» sei. «Es hat

dazu geführt, dass sich immer mehr Menschen auf den

Weg gemacht haben und die Probleme immer größer

geworden sind. Wir dürfen nicht wegsehen, wenn Leid

geschieht, aber für mich bedeutet das, dass wir vor Ort

helfen müssen.»

Der neue Balkanbund

Im Februar 2016 zeigte Sebastian dann, dass er, im

Gegensatz zu bloßen «Polterern» wie beispielsweise

dem CSU-Politiker Horst Seehofer, seinen Worten auch

Taten folgen lässt. Durch die Einberufung einer Westbalkan-Konferenz

im Februar 2016 gelang es ihm, die

Regierungen in Südosteuropa gegen den ungebremsten

Migrantenzustrom zusammenzuführen und sie bei der

Verteidigung ihrer Grenzen zu unterstützen. Mazedonien

kam hier eine Schlüsselrolle zu, da dessen Grenze

zu Griechenland in Idomeni und anderswo im Frühjahr

2016 immer wieder von gewaltbereiten Asylforderern

angegriffen wurde. Die Konferenz beschloss unter Führung

von Kurz, dem Vorbild Viktor Orbáns in Ungarn zu

folgen und – angesichts der Untätigkeit der Europäischen

Union und der ungebremsten Willkommenskultur

Deutschlands – mit eigenständigen Maßnahmen Druck

auszuüben. Die Balkanroute wurde in der Folge wesentlich

undurchlässiger und wenig später auch tatsächlich

geschlossen. Seither ist für jedermann offensichtlich,

dass es durchaus Möglichkeiten gibt, den Migrationsdruck

zu mindern, auch wenn in Berlin das Durchwinken

als «alternativlos» bezeichnet wird.

«Personifikation des patriotischen

Coming-out in Österreich».


Der «Freitag» über Kurz

Spätestens als Kurz dann wenige Wochen später in

der ARD-Talkshow Anne Will den in gewohnter Inquisitionsmanier

auftretenden Heiko Maas souverän vorführte

und ihn «wie einen Schuljungen» (Die Presse)

dastehen ließ, wurde er international zum Symbol

für eine klare und rational begründete Wende in der

Die Siedler kommen

Asylanträge und Anerkennung

von Flüchtlingen in Österreich

17.503

4.133

28.064

2013 2014 2015

Quelle: BMI, Asylstatistik

Grafik: COMPACT

9.038

88.340

14.413

Asylanträge

Anerkennung von Flüchtlingen

Heute stehen die Türken bereits hinter

den Toren Wiens. Hier während

einer Demonstration am 16.7.2016

gegen den gescheiterten Militärputsch.

Foto: picture alliance / Herbert

P. Oczeret / APA / picturedesk.com

37


COMPACT Politik

Gegen Erdogans

Einmischung

«Die Behauptung des türkischen

Präsidenten, dass in Österreich

Menschen mit türkischen Wurzeln

in ihrem Recht auf freie

Meinungsäußerung beschnitten

würden, ist schärfstens zurückzuweisen.

Ich sehe in diesen

Aussagen den Versuch, Emotionen

in einem fremden Land zu

schüren und Stimmungsmache

zu betreiben. Der Umstand, dass

in Österreich das Recht auf freie

Meinungsäußerung, Versammlungs-

und Demonstrationsrecht

auch für Minderheiten und politisch

Andersdenkende gilt, ist ja

genau der Unterschied zur Situation

in der Türkei. Diese demokratischen

Grundrechte sind mir

als Sozialdemokraten besonders

wichtig und ich werde sie auch

für jene verteidigen, deren politische

Meinung ich nicht teile.»

Bundeskanzler Christian Kern

(SPÖ), 31. Juli 2016

_ Philipp Huemer, 21 Jahre alt,

studiert Geschichte an der Universität

Wien.

Angela Merkels Gäste marschierten

2015 zumeist durch Österreich.

Foto: picture alliance / dpa

Flüchtlingspolitik. Für die linkslastige Wochenzeitung

Freitag avancierte er zur «Personifikation des patriotischen

Coming-out in Österreich», und die österreichische

Zeitschrift Profil betitelte ihn als «Prinz Eisenherz».

Vorbild Australien

Einen weiteren Schritt in diese Richtung setzte

Kurz im Juni 2016, als er sich offen dafür aussprach,

Teile der australischen Grenzsicherungskampagne «No

way!» auch in Europa zu übernehmen. Damit hatte der

Slogan, mit dem ein Jahr zuvor identitäre Gruppen in

vielen Ländern gegen die Überflutung Europas protestiert

hatten, die europäische Realpolitik erreicht. Kurz

stellte einen Aktionsplan vor, der die Errichtung von

EU-Schutzzonen in den jeweiligen Herkunftsländern,

die Aufstellung eines gemeinsamen Grenzschutzkorps

aus Polizei und Militärkräften sowie eine enge Kooperation

mit Drittstaaten wie beispielsweise Libyen

umfasste. Besonders provokativ war die vom ihm vorgeschlagene

Insellösung: Demnach sollen Patrouillen

Bootsflüchtlinge abfangen und entweder zur sofortigen

Rückkehr zwingen oder bis zu deren Abschiebung

auf Inseln, zum Beispiel im Mittelmeer, festsetzen.Was

folgte, war große Empörung, die für den Außenminister

jedoch keineswegs überraschend kam: «So wie im

Vorjahr, als ich früh darauf aufmerksam gemacht hatte,

dass es keine unbeschränkte und unkontrollierte Aufnahme

geben könne. Schließlich wurde es gemeinsame

Regierungspolitik.»

An diesem Vorstoß zeigte sich eine weitere Facette

des gerade 30-Jährigen: Er ist zwar grundsätzlich

bemüht, in der Öffentlichkeit das Bild eines nüchternen

und pragmatischen Realpolitikers zu vermitteln,

schreckt aber auch nicht davor zurück, bewusst mit

Reiz- und Schlagwörtern zu spielen, um eine mediale

Reaktion hervorzurufen und in weiterer Folge eine

breite Debatte auszulösen, die Grundsätzliches berührt.

Als ihn die Neue Zürcher Zeitung auf das fortwährende

Sterben im Mittelmeer ansprach, konterte er korrekt:

«Man muss das Sterben im Mittelmeer verhindern,

aber die europäische Politik hat es nicht verhindert,

sondern begünstigt.» Für ihn steht fest, dass «die Willkommenskultur

und die unbeschränkte Aufnahme von

Menschen» ein Fehler war, der sich keinesfalls wiederholen

dürfe.

Außen hui, innen pfui?

Nichtsdestotrotz hat die Politik von «Prinz Eisenherz»

auch eine Schattenseite, die nicht unerwähnt

bleiben soll. Denn als «Minister für Europa, Integration

und Äußeres» ist er eben nicht nur für das Ausland,

sondern auch für Teile der Innenpolitik zuständig.

Und hier ist Kurz trotz aller Kollisionen mit der Realität

weiterhin darum bemüht, sein Aufgabengebiet «Integration»

fleckenlos zu halten und von der schmutzigen

Migrationsdebatte abzugrenzen.

Kurz will Migranten im Mittelmeer

abfangen und auf Inseln festsetzen.

Seine diesbezüglichen Phrasen und Pläne unterscheiden

sich nicht von denen, die er in seiner Zeit

als Staatssekretär von sich gegeben hat. So verspricht

der für August 2016 geplante Integrationsbericht eine

«Strategie gegen Radikalisierung» und damit Abhilfe

gegen den verstärkten Zulauf von Migranten zum Salafismus.

Dass diese Entwicklung bereits seit Jahren im

Gange ist und die immer häufigeren Terroranschläge

nicht am Beginn, sondern am Ende dieses Prozesses

stehen, scheint den Minister nicht zu beeindrucken.

Anstatt einzusehen, dass alle Strategien, Maßnahmenpakete

und Expertenkomitees um Jahre zu spät kommen,

wird weiterhin an wohlklingenden Floskeln festgehalten

sowie den Futtertrögen zahlreicher Vereine,

religiöser Einrichtungen und selbsternannter Experten

ungebremst Steuergeld zugeführt. Kurz‘ Leitvision

eines «Islams europäischer Prägung» ist illusionär,

sein «Vorbild Frankreich» längst im blutigen Morast

des Dschihad versunken.

38

Doch es bleibt abzuwarten, inwiefern sich Sebastian

Kurz auch in der Innenpolitik den Realitäten stellen

wird. Seine deutlichen Worte in Richtung österreichischer

Erdogan-Anhänger und die Einbestellung des türkischen

Botschafters nach deren provokanten Machtdemonstrationen

sollten zwar nicht überbewertet werden.

Aber der Mann hat bewiesen, dass er bei einer

krisenhaften Zuspitzung nicht vor offener Konfrontation

und politisch unkorrekten Vorschlägen zurückschreckt –

und ist deshalb noch für eine Überraschung gut.


COMPACT Politik

«Kurz ist isoliert»

_ Interview mit Harald Vilimsky/Johannes Hübner

Die österreichische Regierung hat trotz vereinzelter Ankündigungen nichts Wesentliches

an ihrer Einwanderungspolitik geändert – so der Standpunkt der Freiheitlichen aus dem

Munde zweier Spitzenpolitiker. Aber wenn der FPÖ-Mann Norbert Hofer im Oktober

Bundespräsident wird, könnte Vieles in Bewegung kommen.

Die österreichische Regierung hat an der Schließung

der Balkanroute mitgewirkt, Außenminister

Sebastian Kurz will Illegale im Mittelmeer

abfangen und auf Inseln unterbringen, die Asylzahlen

sind stark gefallen. Was hat die FPÖ überhaupt

noch zu kritisieren?

Vilimsky: Die Regierung ist getrieben durch Panik

angesichts unserer Erfolge. Verbal versucht man die

FPÖ zu kopieren, doch real passiert wenig bis nichts,

schließlich ist Österreich eingebunden in die EU-Strukturen.

Und Kurz hat noch vor nicht allzu langer Zeit

gesagt: «Der Islam gehört zu Österreich.» Und: «Der

durchschnittliche Zuwanderer ist höher gebildet als

der durchschnittliche Österreicher.»

Hübner: Das Einzige, was real geschehen ist, war

die Schließung der Balkanroute. Letztlich war das ein

Alleingang von Kurz, aus Angst vor den Wahlerfolgen

der FPÖ, das muss man anerkennen.

Vilimsky: Kurz ist isoliert, ein einsamer Rufer in der

Wüste der ÖVP. Und beide Regierungsparteien sprechen

sich für Alexander Van der Bellen als Bundespräsidenten

aus, der die Asyl- und Einladungspolitik ins

Extreme überziehen will.

Aber Van der Bellen wird‘s ja nicht, sondern Ihr

Kandidat, Norbert Hofer (siehe Infobox). Was

könnte er auf diesem hoch angesehenen, aber

eher repräsentativen Posten bewirken?

Hübner: In der Außenpolitik kann er nur nachvollziehen,

was der Außenminister macht. Dabei kann ich

mir vorstellen, dass das Duo Kurz-Hofer durchaus harmoniert.

Bei dramatischen Fehlentwicklungen kann

er aber Flagge zeigen: Als zum Beispiel Ungarn letztes

Jahr wegen seines Grenzzauns von der EU isoliert

wurde, hätte er demonstrativ nach Budapest fahren

können.

Vilimsky: Der Bundespräsident ist in erster Linie eine

moralische Instanz, um die Regierung zu motivieren

und zu mahnen. Norbert Hofer würde es nicht zulassen,

dass unsere Gesetze oder die Verträge von Schengen

und Dublin mittels einer Politik der offenen Grenzen

gebrochen würden. Und falls die Regierung das

Freihandelsabkommen TTIP durchwinken will, würde er

sicherlich vorher eine Volksbefragung einfordern und

das entsprechende Gesetz nur unterschreiben, wenn

der politische Souverän das will.

Nach dem Brexit – der Öxit?

Ohne die wirtschaftsliberalen Briten wird die

EU noch dirigistischer. Ist jetzt nicht die Zeit für

einen Öxit, für eine Rückkehr zur EFTA?

Vilimsky: Vorsicht, der Brexit ist noch nicht vollzogen.

Da kann noch viel passieren. Und innerhalb der EU

sind die Dinge in Bewegung: Wenn 2017 Marine Le

Pen in Frankreich, Geert Wilders in den Niederlanden

und H.C. Strache in Österreich die Regierung bilden,

bestehen ganz andere Möglichkeiten für eine Reform

der EU im Sinne der Völker. Wir brauchen ein «Europa

à la carte», wie Frau Le Pen sagt, wo die Nationalstaaten

selbst bestimmen, welches Ausmaß an Zusammenarbeit

sie wollen.

Hübner: Wobei eine grundlegende Reform der EU in

ihren jetzigen Institutionen angesichts des Einstimmigkeitsprinzips

nicht vorstellbar ist. Dafür müsste der Zerfallsdruck

steigen – aber er steigt ja auch, vor allem

durch die Osteuropäer.

Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit FPÖ-

AfD? Man hört recht wenig in letzter Zeit…

Vilimsky: Es gab Mitte Juni das spektakuläre Treffen

von Strache mit Frauke Petry auf der Zugspitze, da

waren über 50 Journalisten. Und kurz darauf hatten wir

in Wien einen großen Kongress unter dem Titel «Patriotischer

Frühling», da waren Strache, Le Pen und Marcus

Pretzell. Die Kooperation ist sehr gut! Jetzt brauchen

wir die Zusammenfassung aller drei EU-kritischen

Fraktionen im Straßburger Parlament in einer.

Hübner: Ich war vor Kurzem auf dem Parteitag der AfD

in Rheinland-Pfalz und war begeistert. Diese Aktivisten,

die dem BRD-System trotzen, haben meinen vollen

Respekt.

FPÖ-Kandidat vorn

Am 2. Oktober wird die Stichwahl

wiederholt, die über den

nächsten Bundespräsidenten

Österreichs entscheidet. Der

FPÖ-Kandidat Norbert Hofer und

der Grüne Alexander Van der

Bellen, der auch von der konservativen

ÖVP und der sozialdemokratischen

SPÖ unterstützt

wird, stellen sich dem Votum

des Volkes.

«Schon zum drittem Mal führt

der FPÖ-Kanditat in einer aktuellen

Gallup-Umfrage für Österreich

(600 Befragte vom 10. bis

11. August (…). Betrachtet man

aber die Mittelwerte, so hat

Hofer 52 Prozent und VdB 48 %

– diese Werte sind seit Wochen

stabil. Die Wahrscheinlichkeit,

dass Hofer gewinnt, ist also größer

als jene, dass Van der Bellen

ein neuerlicher Sieg gelingt.

Die Themenlage – Terror, Flüchtlinge,

Türken-Streit – ist wie

gemacht für den FPÖ-Kandidaten.»

(ö24.at, 11.8.2016)

Vilimsky, Hübner, Elsässer bei Kaffee,

Mineralwasser und Säften.

Foto: A. Höferl

Hofer wird eine

Volksabstimmung

über TTIP einfordern.

_ Harald Vilimsky ist

Generalsekretär der FPÖ und

Abgeordneter im EU-Parlament.

_ Johannes Hübner ist Abgeordneter

im Nationalrat und außenpolitischer

Sprecher der Partei. Er

wird auf der COMPACT-Konferenz

«Für ein Europa der Vaterländer»

am 29. Oktober in Köln referieren.

39


COMPACT Politik

ab-in-den-tod.de

_ Interview mit Reinhard Rade

Der Reiseveranstalter Unister stieg mit Hilfe von Google zum Giganten

der Tourismusbranche auf. Eine verhängnisvolle Geschäftsverbindung?

Mitte Juli starb Firmengründer Thomas Wagner bei einem

mysteriösen Flugzeugabsturz. Reinhard Rade kannte den Unternehmer

persönlich.

lers vermitteln zu lassen. Der Deal platzte, weil die

Gegenseite absolut unglaubwürdig wirkte – mein

Freund lehnte ab. Als er das Hotel verließ, warteten

schon die nächsten, um bei den dubiosen Finanzberatern

vorstellig zu werden – Abgesandte von Thomas

Wagner. Der Unister-Chef stimmte nach einigem Hin

und Her der dubiosen Geldbeschaffung zu.

Das Venedig-Komplott

Kreditgeber war besagter Diamantenhändler, ein

gewisser Levi Vass.

So wird behauptet. Ob er tatsächlich so heißt und ob es

ihn überhaupt gibt, sei dahingestellt. Über den Mann

findet man nichts, nicht einmal im Internet, wo man

sonst alles findet. Im Bereich krimineller Kapitaltransaktionen

oder Geheimdienstoperationen, denn darum

ging es hier, ist das allerdings nicht ungewöhnlich.

40

Unister-Chef Thomas Wagner im

Juli 2012. Zu diesem Zeitpunkt

beschäftigte die Holding 1.600 Mitarbeiter.

Foto: picture alliance / dpa

Alle Personen

waren bis zur

Unkenntlichkeit

verbrannt – aber

nicht die Geldscheine.

Den Namen Unister kannte nicht jeder, aber über

ab-in-den-urlaub.de hat wohl halb Deutschland

schon gebucht – Persönlichkeiten wie Reiner

Calmund und Michael Ballack hatten schließlich

dafür geworben. Wie ist Ihre Verbindung zu

der Firma?

Ich bin seit Ende 2012 persönlich befreundet mit Daniel

Kirchhof, der mit Thomas Wagner die Firma gegründet

hat, die Thomas bis zu seinem Tod leitete. Im Jahr

2012 wurde Kirchhof wegen des Verdachts unerlaubter

Versicherungsgeschäfte und Steuerbetrugs in U-

Haft genommen, ich stellte mit einer meiner Firmen

einen Teil der Kaution für seine Freilassung, weil Unister

beziehungsweise Thomas Wagner diesbezüglich

nichts unternahmen. Ich habe danach Unister beraten

und kannte deshalb viele Interna, auch den Streit

zwischen Thomas und Daniel. Im Juli erfuhr ich, dass

Thomas Wagner zur Abwendung oder Vorbereitung der

Insolvenz zu illegalen, ja abenteuerlichen, Schritten

greifen wollte.

Von Kirchhof?

Nein, über einen anderen Bekannten. Der war Ende

Juni in Hannover im Hotel Luisenhof gewesen, um

sich einen Kredit eines israelischen Diamantenhänd-

Jedenfalls hat der Deal Thomas Wagner den

Kopf gekostet.

Zunächst war sein Geld futsch. Wagner flog am 13.

Juli mit einer Privatmaschine nach Venedig, im Koffer

1,5 Millionen Euro in bar. Auf diese Garantiesumme

sollte er von Vass oder dessen Emissären angeblich

15 Millionen bekommen, ebenfalls in bar, als tilgungslosen

Kredit. Tatsächlich wurden die Koffer in der Lagunenstadt

ausgetauscht, doch Wagner musste hinterher

entdecken, dass in dem, den er erhalten hatte, nur

die oberste Lage aus echten Scheinen bestand – der

Rest waren Blüten. Er ging zur Polizei und erstattete

Anzeige. Als er am nächsten Tag zurückflog, stürzte

die Piper PA-32R hinter der slowenischen Grenze ab.

Er und Oliver Schilling sowie der Finanzvermittler Beck

und der Pilot lagen tot in den Trümmern – drumherum

verstreut 10.000 Schweizer Franken.

Ihnen kommt der Absturz seltsam vor…

Ursache soll die Vereisung des Kleinflugzeugs gewesen

sein. Doch seltsam ist: Wenn ein solches Problem

aufgetreten wäre, hätte der Pilot ganz einfach in den

Sinkflug gehen und wärmere Luftzonen erreichen können

– es war ja Hochsommer! Was hinderte ihn daran?

War da noch mehr kaputt? Aus dem Unfallbericht der

slowenischen Behörden geht das nicht hervor.

Noch seltsamer: Alle Personen sind angeblich bis

zur Unkenntlichkeit verbrannt gewesen – aber was

nicht verbrannt war, das waren die mitgeführten Firmenunterlagen

und die Geldscheine. Schnell wurden

die Leichen ins Krematorium gebracht – wenn man

über Autopsien noch etwas hätte ermitteln können, ist

das jedenfalls jetzt nicht mehr möglich. Nicht einmal

die Identität der Toten ist aus meiner Sicht wirklich klar.


COMPACT Politik

Könnte Wagner, nachdem seine Hoffnung auf

Geldbeschaffung geplatzt war, den Flugzeugabsturz

nicht auch in suizidaler Absicht provoziert

haben?

Thomas Wagner neigte nicht zu Depression und Verzweiflung.

Er war ein Hasardeur – das soll nicht negativ

klingen! – und balancierte immer mit Lust am Abgrund.

Sein Problem war ein ganz anderes: Er setzte gern

auch auf Mittel und Methoden, die andere erpresserisch

nennen. Aber manche Leute oder Organisationen

lassen sich nicht erpressen, oder jedenfalls nicht

auf Dauer.

Der Deal mit Google

Wen meinen Sie?

Wagner könnte Google erpresst haben, bewusst oder

unbewusst, jedenfalls nach meiner Einschätzung, und

dadurch in große Gefahr geraten sein. Unister war

Googles größter Kunde in Europa und Google hat

durch diese Geschäftsbeziehung gleich doppelt kassiert:

Zum einen hat Wagner seit 2005/2006 Werbeanzeigen

bei Google geschaltet, im Umfang von addiert

ungefähr einer Milliarde Euro. Zum anderen aber hat

Google mit Unister über dieses Anzeigengeschäft die

Google-Preise auch für alle Mitbewerber in den Himmel

getrieben.

Wie geht so was?

Google ist ja eine Suchmaschine. Normalerweise werden

die Treffer bei einer Suchanfrage generisch angezeigt,

das heißt in der Reihenfolge der bisherigen Besucherzahlen

auf der jeweiligen Seite. Sie können Ihre

Seite aber auch ganz an die Spitze setzen lassen –

indem Sie Google dafür bezahlen.

Das ist ein normaler Vorgang. Auch COMPACT

hat schon Google-Anzeigen gebucht, es war

schweineteuer, und wir standen trotzdem nie

ganz oben.

Ja, denn die Rangplätze werden von Google im Life-

Auktionsverfahren vergeben. Wenn TUI für die erste

Position, beziehungsweise die darauf eingehenden

Klicks, 50.000 Euro am Tag bietet, und ab-in-denurlaub.de

60.000 Euro, landet TUI eben nur auf Platz

2. Eine solche Auktion ist aber nur dann fair, wenn

alle Auktionsgewinner gleich bezahlen müssen – also

vor oder mit der Veröffentlichung. So ist das auch in

den Google-Geschäftsbedingungen festgelegt. Unister

hat aber von Anfang an nicht sofort bezahlt, sondern

sich zuerst einen Monat, dann drei Monate, schließlich

sogar sechs Monate Zeit gelassen. Stellen Sie

sich vor, was COMPACT erreichen könnte, wenn es

bei allen politischen Suchanfragen immer als erstes

von Google angezeigt würde, aber die Rechnungen

für diese Werbung erst ein halbes Jahr später bezahlt

werden müssten! Bis dahin hättet Ihr mit Hilfe dieser

Annoncen so viele Abos eingefahren, dass Ihr die

Außenstände schließlich locker bedienen könntet. Das

war das Erfolgsmodell von Unister. Die Google-Manager

haben geschäumt über den Zahlungsverzug, aber

gute Miene zum bösen Spiel gemacht, denn indem

Unister die Werbepreise für die gesamte Tourismusbranche

an die Decke trieb, konnte der Internetriese

auch von allen anderen mehr verlangen. Dank dieser

Entwicklung verdienen übrigens alle Reiseveranstalter

heutzutage im Kerngeschäft nach Abzug der Werbekosten

– wie für Google – praktisch kein Geld mehr.

Es war also ein profitabler Deal, für beide Seiten.

Aber Sie hatten vorher gesagt, Wagner habe

möglicherweise Google, bewusst oder unbewusst,

erpresst?

Immer, wenn ich in den Geschäftsräumen von Unister

war, machten sich dort eine Menge Leute an den

Computern zu schaffen, die keine Firmenangehörigen

In der Lagunen-Stadt könnte sich

das Schicksal der Unister-Chefs entschieden

haben. Foto: picture alliance

/ Daniel Kalker

Unister hat Anzeigen

im Umfang von

ungefähr einer

Milliarde Euro bei

Google geschaltet.

Mit prominenten Werbepartnern

– hier Fußballmanager Reiner Calmund

– erreichte Unister ein Millionenpublikum.

Foto: fluege.de

41


COMPACT Politik

NSA und Google

«Nach Prism lautet Muscular

das neue Stichwort der Stunde

in puncto NSA-Skandal. Der

Begriff bezeichnet ein geheimes

Projekt, in dem der US-amerikanische

Geheimdienst direkt

die Datenleitungen der Datenzentren

von Yahoo und Google

anzapft. (…) Wie es die NSA

jedoch geschafft hat, auf den

Datenverkehr zwischen den Serverzentren

zuzugreifen, ist unbekannt.

Die Unternehmen schützen

diese durch ein eigenes

Kabelnetzwerk, um Zugriff von

außen zu verhindern. Offenbar

hat der Geheimdienst in Kooperation

mit den britischen Government

Communications Headquarters

(GCHQ) eine Möglichkeit

gefunden, in diese unbemerkt

einzubrechen. Google und

Yahoo betonten gegenüber (…),

dass sie nichts von den Eingriffen

gewusst hätten.» (netzwelt.

de, 31.10.2013)

Google-Geschäftsführer Sundar

Pichai im Jahre 2014.

Foto: Maurizio Pesce, CC BY 2.0,

flickr.com

waren. Wenn ich bei den Schilling-Brüdern nachfragte,

hieß es: Das sind Experten von Google, die optimieren

unsere Prozesse. Was das genau bedeutete, habe ich

nie herausbekommen. Fakt ist jedenfalls: Diese Fachleute

hat angeblich Google bezahlt, nicht Unister. Die

Amerikaner hatten ein riesiges Interesse an diesem

Kunden.

Wagner saß ihnen gegenüber am längeren Hebel.

Das zeigte sich im Frühjahr 2016: Mittlerweile waren

die Schulden von Unister so hoch geworden, dass

Google die Reißleine zog – Wagner durfte keine Anzeigen

mehr schalten. Doch nach zwei Wochen kroch

Google zu Kreuze und räumte dem Leipziger Unternehmen

wieder alle Vorrechte ein. Die kurzzeitige Eiszeit

hatte den Amerikanern mehr geschadet als den Deutschen.

In dieser Situation muss Wagner erkannt haben,

welche Macht er über Google hat. Meine Vermutung:

Er hat den Web-Giganten entweder unter Druck gesetzt

und Geld verlangt, um damit seine viel größeren Schulden,

etwa beim Versicherer HanseMerkur, zu bedienen,

oder Google ist durch Wagners eigene Insolvenzplanungen

irritiert worden, weil damit ein Auffliegen des

illegalen «auction-riggings» drohte.

Das amerikanische Interesse

Das ist eine Vermutung. Und, selbst wenn sie

stimmt: Deswegen bringt man doch keinen um!

Um Himmels Willen, das habe ich nicht behauptet.

Google ist ein Unternehmen der Privatwirtschaft, die

bringen niemanden um. Das kann nur eine Regierung

oder ein Geheimdienst machen.

Welcher?

Nun befinden wir uns weiter im Bereich der Spekulation.

Aber das dürfen wir ja, denn alle anderen Medien

spekulieren beim Tod von Thomas und Oliver auch nur

herum. Wenn wir über Google reden, reden wir jedenfalls

über die US-Geheimdienste. Spätestens seit den

Enthüllungen von Edward Snowden ist bekannt, dass

Google Daten weitergibt. Und als Drehscheibe für

Informationen ist Google überdies ein Instrument amerikanischer

Softpower. Würde das Unternehmen vernichtet,

wäre das ein schwerer Schlag für Dienste wie

CIA und NSA, für die US-Hegemonialpolitik überhaupt.

Wenn wir über Google reden, reden

wir jedenfalls über die US-Geheimdienste.

Aber wenn Wagner mit Google gebrochen hätte,

hätte das doch nicht Google vernichtet!

Sicher nicht, wenn man nur das bilaterale Geschäft

betrachtet, also nur den reinen Geldfluss. Aber Wagner

hätte auspacken können, was die Grundlage der so

erfolgreichen Unister-Google-Verbindung war, nämlich

die meines Erachtens gesetzwidrige Bevorzugung der

Leipziger im Auktionsverfahren um die besten Anzeigenplätze,

was den freien Wettbewerb in der Tourismusbranche

zerstört und die Konkurrenten durch Preistreiberei

in die roten Zahlen getrieben hat. Eine solche

Information wäre eine scharfe Waffe für die EU-Kommission

gewesen, die ohnedies ein Kartellverfahren

gegen Google betreibt. Mit Hilfe von Wagner hätte

Brüssel das Verfahren erfolgreich abschließen und die

Cyber-Krake des Großen Bruders zerschlagen können,

zumindest auf dem europäischen Markt.

Gut, jetzt haben wir genug spekuliert. Was bleibt

an Fakten?

Nach dem Tod von Wagner habe ich keine Traueranzeige

von Google gesehen. Dabei war er der wichtigste

Kunde in Europa, seit etwa zehn Jahren. Finden

Sie diese Sprachlosigkeit nicht seltsam?

Überreste der Piper PA-32 in einem

Wald etwa 50 Kilometer westlich

der slowenischen Hauptstadt

Ljubljana. Fotos: picture alliance /

dpa

42

_ Reinhard Rade, Anfang

der 1990er Jahre bei den

Republikanern aktiv, hat sich

seit Langem aus der Politik

zurückgezogen. Heute betreibt

der Leipziger ein erfolgreiches

Exportunternehmen und verkauft

unter anderem Hubschrauber und

Immobilien. – Interview: Jürgen

Elsässer


COMPACT Dossier

Dossier _ Seite 44–52

Die neue Protestjugend

Hip, konservativ, rebellisch – jetzt kommen die Identitären! In Österreich haben sie schon

1.000 aktionshungrige Mitglieder, ihr Chef ist ein neuer Rudi Dutschke. Damit sie nicht

auch Deutschland erobern, hat sich jetzt der Verfassungsschutz eingeschaltet. Aber was

wollen die Dunkelmänner gegen einen Widerstand tun, den man tanzen kann?

Foto: identitaere-bewegung.de

43


«Wir stehen in der Tradition der Rebellion»

_ Interview mit Martin Sellner

44

Sie ist der neue Stern am Himmel des Jugendprotestes, und mittlerweile

greifen ihre Aktionen von Österreich auf Deutschland über

– die Identitäre Bewegung. Mit gewagten, aber immer gewaltfreien

Aktionen stemmen sich die Aktivisten gegen Islamisierung und

Heimatverlust. Martin Sellner ist einer ihrer Sprecher.

«Europa verteidigen»: Unter diesem

Motto demonstrierten die Identitären

am 11. Juni in Wien.

Foto: Identitäre Bewegung

«Der Begriff des

Ibsters, des identitären

Hipsters, ist

in den Medien

angekommen.»

Die Identitäre Bewegung (IB) macht durch spektakuläre

Aktionen von sich reden. Anfang August

hat sie das Parteibüro der Grünen zugemauert,

im April sind Sie höchstpersönlich mit Bergsteigerausrüstung

auf das Burgtheater gekraxelt

und haben ein Transparent gegen die Multikulti-Heuchler

angebracht. Was bringt das?

Es bringt uns in erster Linie in die Medien und damit ins

Gespräch. Wenn ich mit zehn Aktivisten einen ganzen

Tag lang Flugzettel verteile, bekommen wir vielleicht

ein paar tausend Stück los. Mit einer spektakulären

Aktion erreichen wir auf einen Schlag Millionen. Die

Mauer vor der Grünen-Zentrale war auf der Titelseite

der Kronen Zeitung, die in Österreich eine Reichweite

von 2,8 Millionen Lesern hat! Zwar stellen uns die

Medien fast immer verzerrt dar, aber für die heutigen,

mündigen Konsumenten reicht ein Mausklick, um vom

Hetzartikel direkt auf unsere Seite und auf den «Mitmachen»-Button

zu kommen. Die IB ist die lautstarke

und aktivistische Avantgarde der schweigenden, kritischen

Masse. In unseren Aktionen können die an den

Rand gedrängten Patrioten, die heute die gesellschaftlichen

Verlierer sind, auch einmal Sieger sein und sich

freuen, wie die Multikultis veräppelt werden. Die Leute

lieben uns dafür! Jede Aktion bringt uns einen Schub

neuer Interessenten, Spenden und Kontakte.

Mittlerweile habt Ihr 1.000 aktionshungrige Mitglieder

– damit lässt sich manches bewirken, in

einer kleinen Republik. Aber in welcher Tradition

sehen Sie sich? Seid Ihr revoltierende Studenten

wie die 1968er, nur andersrum? Wenn

ich Sie auf Demonstrationen reden höre, kommen

Sie mir manchmal vor wie Rudi Dutschke!

Die IB ist im Moment sicher das schillerndste Phänomen

der europäischen Politik. Jeder sieht darin etwas

anderes, und oft sagt das Urteil mehr über die Urteilenden

selbst aus als über uns. Und auf eine gewisse

Art und Weise ist das nur logisch, denn wir sind die

geschichtliche Reaktion auf eine jahrzehntelange

Lebenslüge. Der stickige Dogmatismus, die neurotischen

Sprech- und Denkverbote der Etablierten haben

uns erschaffen – und wir werden sie abschaffen. Als

Kraft des Aufbruchs, der Kritik und der freien Rede

gegen verstockte geistige Prüderie stehen wir durchaus

in der Tradition vergangener Protestbewegungen.

Wir – und nicht das Lieblingskind der Medien, die antideutschen

«Antifanten» – revitalisieren die Tradition

der Rebellion, denn: Echte Kritik, die aufs Ganze geht,


COMPACT Dossier

das hat auch Dutschke verstanden, kommt immer nur

aus den an den Rand gedrängten Teilen der Gesellschaft.

Heute sind Patrioten die am meisten unterdrückte,

verleumdete, verlachte und verfolgte politische

Gruppe. Hier sammelt sich also notwendig alles

authentische kritische Potential, und hier würden

heute vielleicht auch Leute wie Dutschke dazustoßen.

Ibster und Volk

Wobei ich nicht verstehe, warum Ihr Euch «identitär»

nennt. Der Ursprung der IB liegt ja in Frankreich,

und da ist identitaire ein muttersprachlicher

Begriff. Auf Deutsch ist das aber ein

Fremdwort – also gerade nichts Eigenes.

Ja, ich gestehe, «identitär» erscheint als Begriff oft

eher als Hypothek. Versuchen Sie einmal, den Begriff in

eine Demo-Parole einzubauen! Griffig klingt das nicht.

Aber gleichzeitig hat genau dieser etwas exotische

Klang und der französische Ursprung des Begriffs in

Deutschland einen wichtigen und unersetzlichen

Nebeneffekt: Das Befremden gegenüber dem Eigenen

ist hierzulande längst zur Massenneurose geworden.

Indem unsere Bewegung einen Begriff und ein Symbol

verwendet, die beide nicht direkt und exklusiv einer

nationalen Tradition zuzuordnen sind, umgeht sie diese

Neurose und schafft einen neuen, unbesetzten Raum,

in dem sich die aufgestaute Sehnsucht nach nationaler

Identität entfalten kann. Im Übrigen verstehen wir

Wörter am Ende auch weniger durch ihren Gehalt als

durch ihren Gebrauch – sowie durch die Bilder und

Gefühle, die man damit verbindet. Wenn es die Leute

schaffen, die ganzen Anglizismen zu verstehen, werden

sie sich auch an den Begriff «identitär» gewöhnen

– dafür werden wir schon sorgen. Der Begriff des

«Ibster», des identitären Hipsters, ist übrigens mittlerweile

auch in den Medien angekommen.

ist und war immer das Volk und die Kultur. Das Volk

ist die politische Schutzmacht des Einzelnen vor der

entfesselten Globalisierung, es ist der Solidaritätsraum,

in dem Menschen bereit sind, Vermögen aufzuteilen,

zusammenzuarbeiten und gemeinsame Ziele

zu definieren und durchzusetzen. Das wissen die globalistischen

Eliten genau: Mit der sogenannten Befreiung

des Einzelnen von Kultur und Tradition schaffen

sie eine atomisierte Masse verkrüppelter Solitronen,

die sich über Marken und schnelllebige Trends Identität

«kaufen» sollen. Dieses feingemahlene Humankapital

kann dann ganz nach Belieben um den Globus

geschickt werden: moderne Arbeitsdrohnen, wurzellos,

geschlechtslos, geschichtslos und leicht beherrschbar.

Das ist der Betrug von Multikulti und Individualismus:

Sie versprechen uns absolute Freiheit und führen uns

in die totale Abhängigkeit.

Identitäten und Grenzen

Welche Identität und Tradition will die IB eigentlich

verteidigen oder wiederherstellen? Die

regionale der Steirer, Tiroler, Bayern und so

weiter? Die «klein-österreichische»? Die «großdeutsche»?

Die habsburgische? Die abendländisch-europäische?

Alle. Und sogar noch mehr. Das Großartige an unserem

Ansatz ist, dass wir die klassischen alten Konflikte, die

es im rechten Lager gab, durch den identitären Ansatz

einfach aushebeln. Indem wir erkennen, dass die regionale,

die nationale und die europäische Ebene nicht

konkurrieren, sondern sich ergänzen, überwinden wir

sowohl Separatismus als auch Nationalismus und Globalismus,

die jeweils eine Ebene verabsolutieren. Es

Erhältlich beim Verlag Antaios für

19 Euro. Foto: Verlag Antaios

IB-Vordenker Renaud Camus. Foto:

Verlag Antaios

Martin Sellner während einer

Demonstration. Am 29. Oktober

wird er auch bei der COMPACT-Konferenz

in Köln sprechen. Foto: Identitäre

Bewegung

«Mit der sogenannten Befreiung des

Einzelnen von Kultur und Tradition

schaffen die Eliten verkrüppelte

Solitronen.»

Wie hängt individuelle Identität mit Tradition,

Herkunft und Heimat zusammen? Die Postmodernen

behaupten, das sei ein Gegensatz…

Das ist ja der große Betrug! Der Einzelne ist gerade

in seiner persönlichen Freiheit immer auf die Umgebung

und das Kollektiv angewiesen. Der Mensch

wird nur in und durch die Gemeinschaft zum selbstbewussten

Individuum. Freiheit braucht immer Grenzen

und eine sichere Basis. Nie war das deutlicher als

heute. Jede gesund entwickelte Identität bezieht sich

daher immer auch auf eine größere Gruppe, und das

45


COMPACT Dossier

46

Die größten

Aktionen der IB

9.2.2013

Kirchenbesetzung, Wien

Ein von Linksextremisten und

illegalen Einwanderern besetztes

Gotteshaus wird von identitären

Aktivisten «gegenbesetzt».

15.11.2015

Grenzdemo, Spielfeld

Mehr als 1.200 Österreicher blockieren

die Grenze mit einer

symbolischen Menschenkette.

6.4.2016, Blutausschüttung, Graz

Identitäre klettern auf das Dach

der Parteizentrale der Grünen,

befestigen ein Banner mit der

Aufschrift «Islamisierung tötet»

und lassen Kunstblut herunterfließen.

14.4.2016

Bühnenbesetzung, Wien

In der linksdominierten Universität

wird ein Pro-Asyl-Stück

gezeigt. 40 Aktivisten kapern

die Bühne und entrollen ein

Transparent mit der Aufschrift

«Heuchler».

27.4.2016

Theaterbesteigung, Wien

Besagtes Stück von der Uni soll

am renommierten Burgtheater

noch einmal aufgeführt werden.

Die Identitären erklimmen die

25 Meter hohe Fassade und hissen

ein noch größeres «Heuchler»-Banner.

21.7.2016

Anti-Stasi-Aktion, Berlin

Go-In im Büro der Amadeu-Antonio-Stiftung:

Die Identitären verleihen

einen «Schandpreis» an

deren Leiterin Anetta Kahane,

der diese für ihr Wirken als Meinungszensorin

bei Facebook

«ehrt».

1.8.2016

Maueraktion, Wien

Nachdem eine Kundgebung vor

der grünen Parteizentrale verboten

wurde, mauern Aktivisten

in einer nächtlichen Blitzaktion

deren Eingang zu.

_ Martin Sellner, geboren 1989,

wird von der «Wiener Zeitung»

unter der Schlagzeile «Jung, hip,

rechtsextrem» präsentiert, für

die «Huffington Post» ist er das

«lächelnde Gesicht der Neuen

Rechten» (mehr zu ihm auf Seite

49). – Das Interview führte Jürgen

Elsässer.

ist kein Widerspruch, Bayer, Deutscher und Europäer

zu sein. Von der regionalen Verwurzelung – dem Dialekt,

den Vereinen und Familienverbänden, der Dorfgemeinschaft

– über die Sprache, den Staat und das

Volk bis hin zur europäischen Völkerfamilie – es ist

alles Teil einer Identität, die verschiedene Dimensionen,

aber keine Brüche hat. Als wir bei unserer Demo

im Juli in Wien mit Tschechen, Franzosen, Italienern,

Ungarn, Serben und Polen auf die Straße gegangen

sind, wurde aus dieser Theorie eine handfeste Tatsache.

Die Jugend Europas verteidigt gemeinsam alle

Ebenen ihrer Identität, weil wir heute alle gemeinsam

unter Attacke stehen. Wir bilden eine Phalanx gegen

die Kräfte, die den Einzelnen gegen die Gemeinschaft,

die Region gegen die Nation und Europa gegen seine

Staaten ausspielen wollen.

«Unser gewaltfreier Protest verhindert

extremistische Abirrungen.»

Die Asylflut brachte den Identitären ungeahnte Bekanntheit.

Foto: Identitäre Bewegung

Nach Ansicht der «Huffington Post» könnte Sellner (r.) für den

H&M-Katalog modeln. Foto: Identitäre Bewegung

In Deutschland wird die IB angeblich nur in einigen

wenigen Bundesländern durch den Verfassungsschutz

beobachtet. Wie ist das in Österreich?

In Österreich ebenfalls. Uns und die meisten Leute

lässt das aber eher kalt. Sie sollen ruhig beobachten,

bei uns ist nichts zu finden: Wir sind weder Nazis, noch

Rassisten oder Extremisten, sondern ganz normale

Patrioten, die ihre Meinung aktiv vertreten. Gewaltfreier

Widerstand in der Tradition von Mahatma Ghandi

und Martin Luther King ist eines unserer obersten Prinzipien

– und genau damit verhindern wir extremistische

Abirrungen. Wir sammeln die verständliche Wut

der Leute und leiten sie in friedlichem und kreativem

Protest auf die Straße, gegen die wahren Schuldigen

in unseren Parlamenten.

Orbanisierung und Maidanisierung

In Deutschland kommt die IB langsamer in

Schwung als in Österreich. Woran mag das liegen?

Wir hatten in Österreich erstens ein knappes Jahr Vorsprung

und zweitens eine ganz andere Ausgangslage.

In der Alpenrepublik sind die Leute generell patriotischer

und widerständiger. Der ganze linksliberale

Multikulti-Wahn war bei uns eigentlich immer nur ein

winziges Eliteprojekt. Dieser Elite schwimmen jetzt die

Felle davon, weil die Bürger rebellieren: mit der FPÖ

an der Wahlzelle und mit der IB auf der Straße. In

Deutschland ist die Meinungsdiktatur der Multikultis

noch eine ganze Ecke extremer, daher ist es auch für

eine patriotische Jugendbewegung härter. Aber allmählich

kommt die IB auch dort in Fahrt. Ich glaube

auch, dass der Protest in beiden Ländern unterschiedliche

Wege gehen muss. Bei uns gibt es die Chance

einer Orbanisierung, also eines gleitenden und sanften

Übergangs aus dem Multikulti-Wahn zurück in

die patriotische Normalität, wie er in Ungarn durch

die Wahlsiege Viktor Orbans und seiner Fidesz-Partei

angestoßen und durchgesetzt wurde. In Deutschland

dagegen steuert alles eher auf eine weitere Zuspitzung

zu, die wohl nicht allein mit dem Stimmzettel entschieden

werden kann. Die Deutschen spüren das und gingen

in Dresden und anderswo in viel größerer Zahl auf

die Straße als die Menschen bei uns. Bei Euch wird

für die Wende wohl eine Maidanisierung nötig sein –

also die Besetzung öffentlicher Räume durch die Opposition

nach dem Vorbild der ukrainischen Hauptstadt

im Winter 2013/2014.


COMPACT Dossier

Ein Ziel, viele Strömungen

_ von Martin Sellner

Müssen wir den Westen gegen den Islam verteidigen? Oder müssen wir uns vom Westen

lösen, um unser kulturelles Erbe wiederzufinden? Die Identitäre Bewegung versucht,

über neue Begriffe den Widerspruch zwischen diesen Positionen zu überbrücken und

die Sprachhoheit der Etablierten zu durchbrechen. Der derzeit wichtigste Begriff ist der

«Große Austausch».

Alle Metapolitik ist ganz wesentlich eine Arbeit mit

Begriffen und Bildern. Hinter Begriffen wie «Klasse»,

«Menschheit», «Kapitalismus» oder «Rechtsradikalismus»

stehen politische Ideologien, die, scheinbar neutral,

verschiedenste Individuen und Phänomene zu einer

«Sache» bündeln und mit einem Etikett versehen. Die

Herrschaft über die Begriffe bedeutet die Beherrschung

der Perspektive. Jede politische Bewegung, jede Partei,

jede Interessensgruppe muss versuchen, ihre zentralen

Ideen und ihre Sicht der Dinge in solche Sammelbegriffe

zu gießen, die verknappt und vereinfacht

die ganze Fülle ihrer Weltanschauung enthalten. Ein

guter metapolitischer Begriff muss viele theoretische

Überlegungen auf den Punkt bringen und dennoch klar

verständlich sein. Er muss die richtigen Bilder evozieren,

eine klare Erklärung des Geschehens und das richtige

Feindbild vermitteln.

Von Frankreich lernen

All diese theoretischen Fragen bewegten uns von

der Identitären Bewegung, als wir aus dem «Grand remplacement»

des französischen Schriftstellers Renaud

Camus eine Kampagne für den deutschen Sprachraum

entwickelten. Bis dahin hatten wir vor allem eine positive

Zielbestimmung, den «Erhalt der ethnokulturellen

Identität», verfolgt. Unsere «Feindbegriffe» zergliederten

sich in Masseneinwanderung, Islamisierung, Demographiekollaps

und viele andere negative Erscheinungen,

die wir als Bedrohung unserer Identität erkannten.

Uns fehlte jedoch der entscheidende Sammelbegriff,

der diese vielen Aspekte vereinen konnte. Uns fehlte

das, was die Kommunisten damals im «Kapitalismus»,

was die Moslems im «Westen» hatten: ein klares

Feindbild. Statt Camus‘ «remplacement» wörtlicher mit

«Ersetzung» zu übersetzen, wählten wir das elegantere

«Austausch». Einerseits unterstreicht es die Gleichgültigkeit

und Verdinglichung, mit der die Politiker ihre

Bevölkerung schlichtweg gegen «Importware» austauschen.

Gleichzeitig war dieser Begriff eine bewusste

Anspielung auf die Phrase vom «kulturellen Austausch»,

die zum Grundvokabular der BRD-Sprache gehört. Doch

hinter dem Begriff steht noch mehr. Gerade als «intellektuelle

Rechte» tun wir Identitären uns oft mit der

Vereinfachung und Zuspitzung schwer. Eine Tendenz zu

dem, was Guillaume Faye als «Metapolitik im Vakuum»

bezeichnet hat, ist immer zu bemerken. Wir neigen,

teils aus intellektueller Redlichkeit, teils aus akademischer

Eitelkeit, zu überkomplexen Erklärungen, die kein

«Mann von der Straße» mehr versteht. Das ist gefährlich.

In diesem Unverständnis wuchert oft der Unsinn,

der für das Scheitern der aktiven Rechten in den letzten

Jahrzehnten mitverantwortlich ist.

Gerade im patriotischen Lager droht man ständig in

alte Erb- und Erzfeindbilder zurückzukippen, droht eine

geistige Verflachung und propagandistische Banalisierung.

Die plumpe Hetze gegen Fremde, simples Islam-

Bashing oder gar der unausrottbare Mythos der «Jüdischen

Weltverschwörung» – all diese Kurzschlüsse

Spartanisch: Vorbild der Organisation

ist der 2003 gegründete französische

Bloc identitaire. Foto: IB

Gerade als intellektuelle

Rechte tun

wir uns oft mit der

Vereinfachung und

Zuspitzung schwer.

47


COMPACT Dossier

IB-Aktivisten in der Berliner

Amadeu-Antonio-Stiftung.

Foto: Identitäre Bewegung

Bild oben rechts: Während der IB-

Demonstration am 6. Juni in Wien

nahm die Polizei sieben Gegendemonstranten

fest. Foto: picture

alliance / Herbert Pfarrhofer / APA /

picturedesk.com

widersprechen unserem Grundverständnis als Identitäre

und Ethnopluralisten. Wir wissen genau, dass

die Masseneinwanderung Teil eines globalen Zerstörungsfeldzugs

gegen alle Völker und Kulturen ist. Wir

wissen genau, dass es die eigene Dekadenz und der

liberalistische Werteverfall sind, die Europa erst sturmreif

für die Invasion der Fremden gemacht haben. Wir

wissen vor allem, dass der wahre Feind im eigenen

Land sitzt: Unsere Eliten, die uns fortgesetzt verraten,

unsere Intelligenz, die sich im Ethnomasochismus

suhlt – das sind die eigentlichen Urheber der Misere.

Dieser Prozess ist der Große Austausch. Er steht

als wahres Problem hinter allen Randphänomenen. Ein

Volk kann sich von wirtschaftlichen und kulturellen Krisen

erholen. Die schlimmsten Fehler und Niederlagen

können bereits in der nächsten Generation wiedergutgemacht

werden. Der Prozess des Großen Austausch

ist jedoch irreversibel. Er geht an die Substanz. Alle

Debatten über Regierungsformen, Wirtschaftssysteme,

über religiöse und umweltpolitische Themen erübrigen

sich, wenn das «Subjekt» dieser Fragen, das Volk,

nicht mehr existiert.

Viele Probleme, eine Ursache

Die Einigung der Patrioten

48

Unsere Bevölkerungsschrumpfung

soll nach den

Plänen der Multikulti-Strategen

durch Masseneinwanderung

ausgeglichen

werden.

Im rechten Lager wird eine Vielzahl an Problemen

und Themen abgearbeitet. Von Ausländerkriminalität

über Koransuren bis zum Genderwahn wechseln sich

die Themen meist täglich ab. Der entscheidende Prozess,

an dessen Oberfläche die vielen kleineren Probleme

wie Schaum auf einer Welle auftauchen, gerät

dabei oft aus dem Blickfeld – das Wegschrumpfen

unserer demographischen Substanz und unsere Ersetzung

durch fremde Einwandererströme. Das Defizit soll

nach den Plänen der Multikulti-Strategen durch Masseneinwanderung

ausgeglichen werden. Auf lange

Sicht führt dies notwendig zu einem Austausch der

europäischen Völker durch Fremde. Dass dabei die Kulturen,

die Sprachen und Identitäten auf der Strecke

bleiben werden, ist jedem klar. Es zeigt sich bereits

überdeutlich in den «gekippten» Straßen, Vierteln

und Städten, die nicht mehr Teil des ethnokulturellen

Europas sind. Sie sind wie schwarze Löcher – in religiöser,

sprachlicher, sozialer und sogar juristischer Hinsicht.

No-Go-Areas, Scharia-Zonen, fremde Enklaven –

sie wachsen und wachsen.

Traditionell gibt es im rechten Lager einen liberaleren

und einen konservativen Flügel. Heute zeigen sich

diese in einer eher libertären, aufklärerischen Islamkritik

und einer eher konservativen, aufklärungskritischen

Kulturkritik. Die eine Seite sieht im Islam und

der Islamisierung die größte Gefahr und verteidigt vor

allem die westlichen, freiheitlichen Verfassungsordnungen.

Die zweite wirft diesem Flügel vor, damit auch

die unüberwindbaren inneren Widersprüche und Verfallstendenzen

des Liberalismus zu verteidigen, die

erst zum demographischen und kulturellen Niedergang

geführt haben. Sie sehen das Problem also vor

allem in uns selbst, in unserer Unfähigkeit zur Verteidigung

und Fortführung unserer Traditionslinien. Die

erste Position führt zu einem bis ins Neokonservative

reichenden «Selbstverteidigungsmodus» des Liberalismus,

der einen wehrhaften Staat und eine kompromisslose

Leitkultur anstrebt. Die zweite Position sieht sich

eher zu einer grundlegenden Kritik an der Moderne,

an ihrem Universalismus, Egalitarismus und Progressivismus

genötigt.


COMPACT Dossier

Der Große Austausch trägt beiden Perspektiven

Rechnung und fasst sie zu einer umfassenden Kritik

zusammen. Die Abschaffung und Ersetzung, die stattfindet,

betrifft sowohl unser Rechtssystem und unsere

Demokratie als auch unsere ethnokulturelle Substanz.

Die Ideologie der Multikultis, die die freiheitlichdemokratische

Grundordnung als Abstraktum verteidigen

will, als wäre sie eine ungeschichtliche, zeitlose

Größe, erweist sich mehr und mehr als falsch. Die Einwanderer

bringen auch ihre Geschichte und Kultur mit,

die – als Gegenmythos, Kitt und ideologischen Fluchtpunkt

– letztlich die Scharia dem als fremd empfundenen

westlichen System gegenüberstellt.

Die kulturkonservative Rechte hegt

oft eine (un-)heimliche Sympathie

für den ebenso konservativen Islam.

Der Islam wirkt also hier in jeder Hinsicht verstärkend

und zuspitzend. Das wird von kulturkonservativen

Strömungen, die oft eine (un-)heimliche Sympathie

für den ebenso «konservativen» Islam hegen,

leider in der Regel unter den Teppich gekehrt. Aber

an einem Punkt haben sie Recht: Eine Masseneinwanderung

würde auch dann zu einer Totalveränderung

und Abschaffung unseres Rechtssystems und unserer

kulturellen Identität führen, wenn sie nicht aus dem

islamischen, sondern einem anderen außereuropäischen

Kulturraum käme. De facto ist dieses Gedankenexperiment

aber hinfällig, da die Flutung unseres

Kontinents sich hauptsächlich in Gestalt muslimischer

Massen vollzieht und dies aufgrund der demographischen

Situation in den Herkunftsländern auch so bleiben

wird. Der Kampf gegen die Islamisierung Europas

deckt sich also mit jenem gegen die Massenimmigration.

Die Bestrebungen aller islamischen Lobbygruppen

in Europa zielen daher auch auf die Lockerung

der Einwanderungsgesetze. Sie intendieren die Mobilisierung,

Aktivierung und Ermächtigung der wachsenden

islamischen Minderheit und benutzen den tief in

uns eingebrannten Schuldkult als Druckmittel. Die kulturkonservativen,

volksbezogenen und die islamkritischen,

eher staatsbezogenen Rechten müssen in dieser

Situation gegen den Großen Austausch zusammenarbeiten.

Praxis Infokrieg

An sich ist der Terminus Großer Austausch nicht für

die direkte Informationsarbeit geeignet – er ist eher

ein Meta- und Überbegriff. Zu akuten Schlagworten

wie «Festung Europa» und «Remigration» bleibt er

zwar stets das Fundament und markiert den Verständnishorizont,

die akuten Probleme müssen aber direkt

angesprochen werden. Bilder und Worte, die das Volk

versteht, müssen unbedingten Vorrang haben. Ganz

bewusst haben wir in Österreich den Großen Austausch

daher nur einmal, in einer zentral geplanten

Kampagne, thematisiert und lanciert. Gute Infoarbeit

ist kein eigenwilliges «In-den-Raum-Stellen» von bisher

unbekannten Begriffen. Sie ist mit einer Rolltreppe

vergleichbar, die die Bevölkerung bei ihrem simplen

«partypatriotischen Bewusstsein», das sich bloß auf

die Symptome fokussiert, abholt und sanft auf das

Niveau des identitären Problembewusstseins, auf das

Sich-des-Großen-Austauschs-bewusst-Sein hebt.

Mit Heidegger

in den Widerstand

«Die seinsgeschichtliche Epoche,

in der wir uns befinden,

beschreibt uns Heidegger als

Ge-stell und Seinsvergessenheit,

als Entzug von Sein. Das

bedeutet letztlich den Verlust

jeder ganzheitlichen Deutung,

jeden Sinns, jeder Qualität von

Dingen, Mitmenschen und damit

auch einen Verlust von Volksgeist

und -seele. Dagegen stellt

Heidegger ein Denken des Volkes

als ”nicht patriotisch, nicht

nationalistisch, sondern seinsgeschichtlich”

und die Heimat

als ”geschichtliches Wohnen” in

der ”Nähe zum Sein”.»

(Martin Sellner / Walter Spatz,

Gelassen in den Widerstand. Ein

Gespräch über Heidegger, Verlag

Antaios, 2015)

Martin Heidegger (1889–1976).

Foto: picture alliance / Fred Stein

Im April stürmten die Identitären die

Bühne des berühmten Wiener Burgtheaters.

Foto: Identitäre Bewegung

_ Martin Sellner, geboren 1989 in

Wien, studiert Philosophie (B.A.)

und Rechtswissenschaften an der

dortigen Universität. Als Kopf der

Identitären Bewegung (IB) in der

Alpenrepublik arbeitet er an der

theoretischen Fundierung der IB

und ihrer Umsetzung in politische

Aktivitäten. Wir freuen uns auf

ihn als Redner bei der COMPACT-

Konferenz «Für ein Europa der

Vaterländer» am 29. Oktober in

Köln. – Der Text ist eine stark

gekürzte und bearbeitete Fassung

des Nachworts, das Sellner für

den Sammelband «Renaud Camus,

Revolte gegen den Großen Austausch»

(Verlag Antaios, 2016)

geschrieben hat.

49


COMPACT Dossier

Die Glut in der Asche

_ von Alina Wychera

Werte wie Heimat und Tradition sind nur etwas für Ewgiggestrige, für

alte Männer? Die Jungen strampeln im Hamsterrad der Modeindustrie

und wetteifern in der Selbstvermarktung? Diese Frau zeigt in Fotos

und Texten, dass sich der Wind gedreht hat.

Lambda – das Symbol der Identitären Bewegung, hier in einer

Goldschmiedearbeit von Alina Wychera – ist der elfte Buchstabe

des griechischen Alphabets. Es war das Schildzeichen der

Spartaner, unter anderem in der berühmten Schlacht bei den

Thermopylen 480 vor Christi, als sich 300 Krieger todesmutig einer

persischischen Invasionsarmee entgegenstellten.

Fotos: Alina Wychera

50

_ Alina Wychera alias Alina von

Rauheneck ist gelernte Goldschmiedin

und studiert Sprachwissenschaften

an der Universität

Wien. Die «Welt am Sonntag»

bezeichnete die 24-Jährige halb

abfällig, halb fasziniert als «identitäres

Postergirl». Weitere Fotos

und Texte von ihr findet man auf

alina-von-rauheneck.tumblr.com

Während meiner Schulzeit war ich noch eher unpolitisch.

Aber die Liebe zur Heimat habe ich wohl schon

immer im Herzen getragen – unsere wunderschöne

Sprache, die Landschaft, Lieder, Sagen oder Bräuche.

Als ich von der Identitären Bewegung hörte, die all

das aktiv, aber gewaltfrei verteidigen will, wurde mein

Interesse geweckt. Es gibt immer mehr Frauen, die den

Mut haben, für die Verteidigung Europas aufzustehen,

aktiv zu werden und Gesicht zu zeigen. Auch ich habe

viel für die Bewegung geopfert und war bei nahezu

jeder Aktion dabei.

Auf meinem Blog sammle ich alles, was meine

Seele berührt. Lyrik, Malerei, Fotografie – das Schöne

zu schätzen und zu bewahren, aber auch neues zu

schaffen, ist sicherlich ein identitärer Aspekt.


Mutterseelenallein (moi tout seul)

Im Mondschein einsam und kalt,

der Hauch einer blassen Gestalt.

Ohne Schutz und ohne Halt.

Im Herzen Ruinen, die Seele ein Wald.

Warum läuft sie durch die Nacht?

Was hat sie um den Schlaf gebracht?

Sie sagt, der Tag, er hetzt sie und er brüllt,

während die Nacht sie sanft in ihre Stille hüllt.

Doch hört Gott Vater sie weinen, beten, schreien?

Mutterseelenallein.


COMPACT Dossier

Noch einmal – Gottfried Benn

Noch einmal weinen – und sterben

mit Dir: den dunklen Sinn

von Liebe und Verderben

den fremden Göttern hin.

Du kannst es doch nicht hüten,

es bleibt doch immer nah:

was nicht aus Meer und Blüten,

ist nur in Qualen da.

Versinken und erheben,

vergessen und erspähn,

die letzten Fluten geben,

die letzten Gluten mähn.

Das Weben ohne Masche,

das Säumen ohne Sinn –

die Tränen und die Asche

den fremden Göttern hin.

Generation «Selfie»

Wer bin ich? Woher komme ich? Wo gehöre ich hin?

Was macht mich aus?

Wenn wir uns diese Fragen stellen, jedoch keine

Antworten finden können, fehlt es uns an Sicherheit

und Halt im Leben. Denn wer sich seiner Identität nicht

bewusst ist, steht ziellos und verloren in der Welt, hat

kein Selbstbewusstsein und neigt oft dazu, sich verleiten

oder manipulieren zu lassen.

Wir verspüren aber anscheinend doch alle einen

Drang, uns damit auseinanderzusetzen, wer wir sind,

suchen nach Reflexion – einem Spiegel, einer Kamera.

Wir betrachten uns auf einem Bild und meinen dabei,

uns selbst zu sehen. Doch bin das auf dem Foto wirklich

ICH? Wir inszenieren unsere Bilder auf die verlogenste

Art und Weise, stellen jemanden dar, der wir

nicht sind, aber vielleicht gerne wären, arrangieren,

retuschieren und schaffen uns somit selbst eine eigene

Welt, einen Rahmen, der uns Halt und Identität bietet.

Wem das allerdings noch nicht reicht, der sucht sich

seine Reflexion bei Außenbetrachtern. Denn wenn wir

selbst nicht wissen, wer wir sind, müssen es uns eben

die anderen sagen. Eine ganze Generation persönlichkeitsloser

Einheitsmenschen schreit ihre Unsicherheit,

ihren Wunsch nach Zugehörigkeit und Selbstwertgefühl

in die Welt hinaus. Es werden Posen kopiert und

Grimassen imitiert, in einem Ausmaß, das jedwede

Würde vernichtet, doch das scheint der Preis für ein

bisschen Anerkennung und Bestätigung zu sein. Jeder

behauptet, außergewöhnlich und möglichst individuell

sein zu wollen, und doch sprechen die Taten dafür, dass

wir uns nach gewissen Normen und Gemeinsamkeiten

mit unseren Mitmenschen sehnen. Denn Zugehörigkeit,

sei es die Nationalität, Religion, Familie oder Interessensgemeinschaft,

ist Teil unserer Identität.

Bei aller Verachtung für den geistlosen Selbstdarstellungskult

kann man aber durchaus auch eine positive

Komponente erkennen. Wir leben in einer Kultur

des Selbsthasses. Wir haben regelrecht gelernt, uns

selbst zu verachten, uns für unsere Identität zu schämen

– eine Geisteshaltung, mit der wir uns selbst

schwächen, zerstören und letztendlich vernichten. Vielleicht

ist es also gerade deshalb ein zaghaftes Zeichen

des in uns schlummernden Selbsterhaltungstriebes,

dass wir, wenn auch auf absurde Art und Weise,

wieder lernen, uns selbst zu lieben, mit uns selbst zu

beschäftigen und ein gesundes Maß an Egoismus zu

entwickeln. Denn nur wer selbst stark und vital ist,

kann auch kämpfen und anderen helfen. Und wir können

andere erst dann wertschätzen und lieben, wenn

wenn wir gelernt haben, uns selbst zu lieben.

52

Selbst «Die Welt» findet Alina «sehr apart». Foto: Alina Wychera


COMPACT Leben

Monster fressen Nerds

_ von Alexander Markovics

«Generation Pokemon» oder «Generation

Dschihad»? Foto: picture alliance

/ SZ Photo

Pokemon Go: Millionen Jugendliche haben auf der ganzen Welt mit der Jagd auf Monster

begonnen, die nur in ihren Smartphones existieren. Die Wirklichkeit wird ausgeblendet,

der soziale Zusammenhalt bröckelt – und die ersten Toten hat es auch schon gegeben.

August 2016: Eine Gruppe von etwa 200 Menschen

rennt wie von der Tarantel gestochen durch die Wiener

Innenstadt. «Aquana, eine Minute!», gibt ein junger

Mann an der Spitze der Meute durch ein Megaphon

das Ziel vor. Was wie eine Schnitzeljagd wirkt,

ist der neueste Hit der Pokemon-Reihe, Pokemon Go.

1996 begann der Hype um die Taschenmonster aus

Japan auf dem Gameboy. 2016 erreicht er mit weltweit

über 75 Millionen Downloads in nur 19 Tagen

ein neues Hoch. Ziel des Spiels ist es, 151 Pokemon

aus der bekannten Videoserie mit einem sogenannten

Pokeball zu fangen – über Wischbewegungen auf dem

Smartphone. Um aber die kleinen Biester überhaupt

zu finden, muss man sie mit der Kamera seines Mobilgerätes

lokalisieren. Das macht verständlich, warum

seit Kurzem immer mehr Zeitgenossen gebannt auf ihr

Handy starren und etwas zu suchen scheinen…

Der Clou dabei ist, dass die kleinen Biester nicht

überall gleichmäßig verteilt sind, sondern durch ein

vom Augmented-Reality-Entwickler Niantic entwickeltes

System mittels GPS und Google Maps vom Nordpol

bis zum Südpol, immer wieder neu verteilt werden

und dabei nur für kurze Zeit auffindbar sind. Der ganze

Erdball wird quasi zum Jagdgebiet erklärt, bestimmte

Monster kann man auch nur in gewissen Gegenden

der Welt finden. Durch die Platzierung von sogenannten

Lockmodulen an öffentlichen Plätzen kann man

schließlich für ein erhöhtes Auftauchen von Pokemon

in einem kurzen Zeitraum sorgen. Die Monsterjagd

wird somit zum Erlebnis, welches zu langen Spaziergängen,

Wanderungen und schließlich sogar Reisen

ermutigt. Darüber hinaus findet man in der eigenen

Umgebung auch sogenannte Pokestops, zumeist Wahrzeichen

oder öffentliche Institutionen, an denen man

Pokemonaufkommen in Berlin-Mitte

am 10.08.2016 um 11.18 Uhr.

Foto: Screenshot Pokemonradar

In nur 19 Tagen

wurde das Spiel 75

Millionen Mal

heruntergeladen.

53


COMPACT Leben

Pokemon, Google

und NSA

gratis wichtige Hilfsmittel für das Spiel erhält, wie

etwa die zum Monsterfang nötigen Pokebälle. Eine

wichtige Funktion haben auch Arenen, in denen man

seine gefangenen Wesen gegen die anderer Spieler

kämpfen lassen kann. Dazu muss man sich dem roten,

blauen oder gelben Team anschließen und gemeinsam

mit anderen diese Wettkampfstätten erobern.

Die Smombies kommen!

54

«Alle [bei Pokemon Go] erhobenen

Daten gehen in den Besitz

der amerikanischen Firma Niantic

und damit womöglich auch an

Google über, sie können wieder

an Dritte weitergegeben werden,

nicht nur an andere Unternehmen,

sondern auch an Behörden

oder Geheimdienste. Ob es

sich dabei nur um nicht-”personenbezogene”

Daten handelt,

ist eine Frage des Ver- oder

Misstrauens. Die Bestimmungen

sind äußerst vage und sehr

subjektiv, schließen aber personenbezogene

Daten ein: ”Wir

könnten jegliche Informationen

über Sie (oder über das von

Ihnen ermächtigte Kind), die

sich in unserem Besitz oder Kontrollbereich

befinden, an Regierungen

oder Strafverfolgungsbehörden

oder private Beteiligte

offenlegen (…).” (…)

Die Gründer von Google, Sergey

Brin und Lawrence Page, waren

schon am Anfang der Entwicklung

der Suchmaschine gut vernetzt.

Neben anderen Sponsoren

wurde ihre Forschung an der

Stanford University auch von der

National Science Foundation,

der Nasa und der Darpa, der Forschungsbehörde

des Pentagon

finanziert. (…) Bekannt wurde,

dass Google – die ”gute” Suchmaschine

– 2003 seine Technik

der NSA zur Verfügung stellte,

auch kostenlos.» (Florian Rötzer,

Pokemon Go und die CIA, Telepolis,

1.8.2016)

Ein Vorbild aus der Tierwelt hat das

japanische Phantasiewesen nicht.

Foto: The Pokémon Company

Bild oben rechts: In den 23 Filialen

der Volksbank Neuss darf das Pokomon

nicht gesucht werden.

Foto: picture alliance / dpa

_ Alexander Markovics studiert

Geschichte in Wien.

Wer sich nicht die Zeit nehmen will, seine Umgebung

abzugrasen, kann sich die Hilfsmittel einfach kaufen

– das ist der Grund, warum die Kassen bei Nintendo

klingeln. Aber auch andere wollen Reibach machen: Findige

Geschäftsleute und sogar Banken auf der ganzen

Welt werben damit, dass sie Lockmodule für Pokemon

in ihren Räumlichkeiten installiert hätten, um so neue

Kunden anzuziehen. In den USA sind schon erste Fälle

bekanntgeworden, wo Kriminelle auf dieselbe Weise

Spieler an entlegene Plätze gelotst und ausgeraubt

haben. In Guatemala wurde einer sogar mithilfe eines

Pokestops in einen Hinterhalt gelockt und erschossen.

Darüber hinaus hat die Tatsache, dass man mit

seiner Handykamera quasi die ganze Zeit das eigene

Umfeld ausspioniert (die Daten werden dabei an den

Entwickler Niantic übermittelt), das Interesse der

Geheimdienste geweckt (siehe Infobox). Als Gegenmaßnahme

wurde in Israel und Indonesien Pokemon

Go auf Militärbasen sowie im diplomatischen Dienst

verboten. Im Iran wurde es gänzlich aus der Öffentlichkeit

verbannt. Auch die Bundeswehr ist alarmiert,

wie die Süddeutsche Zeitung in Bezug auf eine Dienstanweisung

berichtete. Befürchtet wird, dass feindliche

Agenten, als Monsterjäger getarnt, Aufnahmen von

militärischen Sperrbezirken machen könnten. Und

wenn eigene Soldaten Pokemon Go spielen, seien sie

nicht nur lokalisierbar, sondern könnten auch durch

Schnappschüsse Geheimnisse aus dem Innern der

Armee preisgeben.

Die Bundeswehr befürchtet, dass

Agenten, als Monsterjäger getarnt,

militärische Einrichtungen ausspionieren.

Mit den virtuellen Pokemon tauchen immer mehr

ganz reale Smombies (eine Wortschöpfung aus Smartphone

und Zombies) auf: Spieler, welche von der Monsterjagd

so gebannt sind, dass sie ihre Umgebung komplett

aus den Augen verlieren. So wurde in den Medien

von Unfällen berichtet, weil Nutzer der App bei der virtuellen

Hatz den Straßenverkehr nicht mehr im Auge

behielten. Auf Autobahnen kam es zu Staus, nachdem

sich plötzlich eine Meute von Jägern auf offener Fahrbahn

versammelt hatte. In Kalifornien stürzten zwei

Smombies von einer Klippe – und damit in den Tod.

Virtualität frisst Realität

Aber auch im «Normalbetrieb» sind die Auswirkungen

des Hypes auf das soziale Zusammenleben besorgniserregend:

Zwar animiert das Spiel in der Theorie

zum Rausgehen und Herumspazieren, zur Monsterjagd

mit anderen – und scheint damit die stubenhockenden

Nerds endlich einmal unter Leute zu bringen. Doch die

Praxis sieht zum Teil ganz anders aus: So ist es möglich,

mit einem entsprechend präparierten Handy seinen

Standort zu manipulieren und der App den Aufenthalt

an jedem beliebigen Ort auf der Welt zu suggerieren.

Damit kann man die Monster ganz bequem

vom Sofa aus jagen. Darüber hinaus verlieren die Nutzer

durch das ständige Kleben am Bildschirm den Blick

und vor allem das Gespür für das echte Leben. Es mag

zwar beeindruckend sein, dass viele Hamburger durch

Pokemon Go zum ersten Mal den Weg zum Bismarck-

Denkmal finden. Aber was bringt der Ausflug, wenn

man nur dorthin geht, um ein Pikachu zu fangen – und

hinterher über den Reichskanzler so wenig weiß wie

zuvor? Das Holocaust Memorial Museum in Washington

D.C. jedenfalls hat sich schon über den neuen Auflauf

uninteressierter Klientel beschwert…

Letztlich wird durch immer raffiniertere elektronische

Spiele eine immer größere Anzahl an Menschen

aus der Realität herausgezogen – sie ersetzen

das Begreifen wirklicher Genüsse und Gefahren

durch deren fade Surrogate. Aber der Sex-Clip auf dem

Handy kann niemals die Berührung eines Mädchens

ersetzen – und die schrecklichsten Monster auf dem

Display lenken nur ab von den Selbstmordbombern

und Machetenmännern, die uns bedrohen. Wie soll

die «Generation Pokemon Go» der «Generation Dschihad»

standhalten?


COMPACT Leben

Edle Wilde

_ von Harald Harzheim

Der Naturbursche Tarzan verkörperte von Anfang an das Gegenbild zur westlichen Zivilisation,

zunächst sogar unter Einschluss kannibalischer Essgewohnheiten. Mittlerweile

kommt der Lianenschwinger politisch-korrekt rüber und darf sogar den Aufstand gegen

den weißen Mann anführen.

Die Qualität eines Tarzan-Filmes steht und fällt mit

der Darstellung des Dschungels: Wie weit gelingt es,

die Verlockung der Wildnis zu visualisieren, dem Ungebändigten

einen Raum zu schaffen? Kein Zufall, dass

der beste dieser Filme, Tarzan and his Mate (1934), von

Chef-Designer Cedric Gibbons gedreht wurde. Auch der

aktuelle Blockbuster The Legend of Tarzan (2016) kontrastiert

langweilige Aufnahmen vom London des 19.

Jahrhunderts mit fiebrigen Dschungeltrips: Anschnallen,

liebe Zuschauer, Sie rasen mit 3-D-Brille zwischen Bäumen,

fallen in tiefe Schluchten, schwingen über scharfkantige

Felsen, knallen auf harte Lehmböden, tauchen

in dunklen Gewässern. Die Kamera wirbelt umher, bald

gibt es kein Oben und Unten mehr. Und an jeder Ecke

lauern wütende Bestien, Menschenaffen, Raubkatzen,

durch Computeranimation riesengroß – der Dschungel

als entzäunter Jurassic Park. Wenige Sonnenstrahlen

erhellen seine schattige Wirrnis, Regen und Wasserdampf

lassen tropische Hitze spüren – dieser Urwald

ist ein Drogentrip, eine Reise in den inneren Dschungel.

Frisch, fromm, fröhlich, frei

Dieser Sehnsucht des Zivilisationsmenschen nach

ungezähmter Natur, nach rauschhafter Wildnis entsprang

auch der erste Tarzan-Roman, geschrieben von

Edgar Rice Burroughs. Er erschien 1912, in einer Zeit

also, als Lebensreformer gegen die Zumutung städtischen

Lebens Sturm liefen: Schluss mit Lärm, Abgasen,

Rauch, enger Kleidung und tristen Mietskasernen!

In den USA glorifizierte Henry D.Thoreau in Walden

(1854) das Ideal vom Einzelgänger in der Waldhütte.

Romane wie Rudyard Kiplings Das Dschungelbuch

(1894/95) oder Henry De Vere Stacpooles Die blaue

Lagune (1908) feierten die Jugend außerhalb der Zivilisation,

träumten von der Robinsonade. In Deutschland

zogen Aussteiger aufs Land, praktizierten FKK und

Vegetarismus. Nicht nur der Körper, auch die neurotisierte

Seele sollte im «Natürlichen» Heilung finden.

Wie sehr diese Bestrebung seinerzeit mit Burroughs’

Herrn des Dschungels in Verbindung stand, zeigt eine

Tarzan und Jane als

frühes Aussteigerpärchen

– mit

freier Liebe bis zur

Erschöpfung…

Im Dschungel-Camp: Der Schwede

Alexander Skarsgård verkörpert den

Dschungelkönig. Foto: Warner Bros.

Entertainment Inc.

55


COMPACT Leben

180 Millionen Dollar ließ sich

Warner Brothers den neuen

Film kosten. Foto: Warner Bros.

Entertainment Inc.

Brunst und Brust: «Tarzan and

his Mate» (1934) mit Johnny

Weissmüller (Tarzan) und Maureen

O’Sullivan (Jane): Jane wurde zur

zweiten Kultfigur. Foto: MGM

Bemerkung von Ernst Bloch: Der verspottete den antizivilisatorischen

Naturmystiker Ludwig Klages als totalen

«Tarzan-Philosophen».

Dabei war die Natur in den Tarzan-Geschichten

keineswegs so harmlos wie im Weltbild der Lebensreformer,

sondern grausam, unerbittlich. Ein unachtsamer

Schritt oder kurzes Einschlafen am falschen

Platz – und schwups bist Du verschlungen. Die Biosphäre

befindet sich im permanenten Blutrausch. Tarzan,

Sohn des englischen Lord Greystoke und seiner

Frau, die auf Kolonialmission tödlich verunglückten,

wird von Menschenaffen aufgezogen. Die hämmern

ihm das Gesetz des Dschungels ein. Spätere Verfilmungen

präsentierten Tarzan als Vegetarier. Bei Burroughs

genießt er noch rohes, blutiges Fleisch getöteter

Tiere – und Menschen. Ja, richtig: Tarzan war

Kannibale: Nachdem der Dschungelheld einen Stammeskrieger

besiegt hatte, verspeiste er ihn, «denn hier

war Fleisch, Fleisch eines Toten, und die im Dschungel

herrschende Moral erlaubte es ihm, es zu verzehren».

An dieser Stelle denkt man unwillkürlich an Sigmund

Freuds Totem und Tabu, das im gleichen Jahr wie Burroughs

Roman entstand: Aus prähistorischem Kannibalismus

entstand die moderne Zivilisation, deren Triebunterdrückung

neues Unbehagen auslöst.

Sex mit Jane

Solche Verdrängung durchzieht auch die Wirkungsgeschichte

der Tarzan-Figur. Egal ob im Comic, als Animation

oder Realverfilmung, der wilde Dschungelmann

wurde im Laufe der Jahrzehnte zum «edlen Wilden»

gezähmt. Den Rohfleischfresser ließ man schon zur

Stummfilmzeit fallen: Der erste Tarzan, Elmo Lincoln

(1918), wurde nie beim Essen gezeigt, während Johnny

Weissmuller im frühen Tonfilm demonstrativ den Vegetarier

raushängen ließ. Seine Interpretation der Figur

beinhaltete noch eine weitere folgenschwere Änderung:

Dem Dschungel-König wurde das Gehirn amputiert.

Der Wortschatz des – in der Vorlage durchaus

rationalen – Lianenschwingers reduzierte sich auf

wenige Worte, auf das Sprachniveau von «Ich Tarzan,

du Jane». Ein purer Instinktmensch, der sich via Schrei

mitteilt… Die ihm entwendete Rationalität bekam

seine Partnerin Jane zugeteilt, die ihn deshalb herumkommandieren

durfte. In einem aber waren sich Brain-

Jane und Instinktmensch Tarzan einig: in der radikalen

Ablehnung von Zivilisation, in diesen Filmen mit Wilderern,

Plünderung und Mordlust gleichgesetzt. Er und sie

als frühes Aussteigerpärchen – mit freier Liebe bis zur

Erschöpfung. Die Aufwertung von Jane, die sich zuerst

in Tarzan the Ape-Man (1932) als zweite Kultfigur etablierte,

hält bis heute an. Inzwischen gibt es sogar einen

Roman (Jane: The Woman Who Loved Tarzan, 2012),

der die Dschungel-Saga aus ihrer Perspektive erzählt.

In «Tarzan Triumphs» (1943) kämpft

der Dschungelkönig gegen die

Nazis.

Der zweite Weissmuller-Film, Tarzan and His Mate,

quoll über vor Brunst und nackter Haut. Adam und Eva,

jenseits von Gut und Böse. Die US-Zensur drehte durch,

Jane-Darstellerin Maureen O’Sullivan erhielt tonnenweise

Drohbriefe. Nach diesem Skandal wurde das

Dschungelpaar kastriert und mit Tarzan Escapes (1936)

ins Jugendprogramm strafversetzt. Dort ist es bis heute

geblieben. Die animalische Urwald-Erotik lebte nur in

Parodie und Underground fort, so im Zeichentrickfilm

Tarzoon – Schande des Dschungels (1975), in Andy

Warhols Tarzan and Jane Regained… Sort Of (1964),

in Bo Dereks Tarzan the Ape-Man (1981) oder gleich

im Porno-Genre (Tarzan X: Shame of Jane, 1995). Sogar

bei ernsthaften Versuchen, den Dschungelhelden zu

rehabilitieren, ihm den Verstand zurückzugeben – in

Greystoke (1984) oder dem aktuellen The Legend of

Tarzan – bleibt das Aussteigerpaar unerträglich züchtig,

trotz feuchtschwüler Urwaldhitze.

56

Mit seiner animalischen Erotik schockte Tarzan

and His Mate (1934) übrigens auch die Nazis. Die ließen

ihn erst gar nicht ins Kino. Begründung: Das wilde

Paar erfülle in keiner Weise den Zweck einer Ehe: das

Aufziehen erbgesunden Nachwuchses. Außerdem

behaupte der Film, «dass ein Urwaldmensch, ja selbst

ein Affe, edelster Seelenregungen fähig und als Ehepartner

würdig» sei. Ganz zu schweigen vom Sadismus

der Tierkampf-Szenen! Diese Aversion beruhte

aber auf Gegenseitigkeit: In dem Film Tarzan Triumphs


COMPACT Leben

Verwirrende

Filmtitel

Hierzulande laufen US-Blockbuster

oft unter dem englischen Originaltitel,

so auch The Legend

of Tarzan. In früheren Jahrzehnten

wurden die Titel übersetzt

oder völlig neu kreiert. Diese

Neuschöpfungen setzten inhaltlich

oft andere Schwerpunkte.

Aus diesem Grunde nennt der

nebenstehende Artikel alle Filme

mit Originaltitel. Hier nun deren

deutsche Namen (sofern sie

hierzulande einen Verleih fanden)

in der Reihenfolge ihrer

Erwähnung im Text:

■ Tarzan and His Mate (1934)

(Tarzans Vergeltung)

■ The Legend of Tarzan (2016)

(The Legend of Tarzan)

■ Tarzan the Ape-Man (1932)

(Tarzan, der Affenmensch)

(1943) kämpft der Dschungelkönig gegen die Nazis –

und gewinnt. Regie führte Wilhelm Thiele, bekannt

durch Die Drei von der Tankstelle (1930). Thiele war

1933 vor Hitler in die USA geflohen.

Feindbild Afrikaner – und Europäer

nicht die Handlung. Erklärbar ist dies durch Edgar Rice

Burroughs Herkunft: Geboren in Chicago anno 1875,

zehn Jahre nach der Sklavenbefreiung, kämpfte er als

junger Mann in der US-Kavalerie gegen Apachen. Auf

diesem historischen Nährboden dürfte Antirassismus

kaum gediehen sein.

■ Tarzan, the Ape-Man (1981)

(Tarzan – Herr des Urwalds)

■ Tarzan Escapes (1936)

(Tarzans Rache)

■ Greystoke (1984)

(Greystoke – Die Legende von

Tarzan, Herr der Affen)

■ Tarzan Triumphs (1943)

(Tarzan und die Nazis)

Im aktuellen Blockbuster The Legend of Tarzan

gibt der Titelheld (Alexander Skarsgard) zwei weitere

Eigenschaften preis: Weissmullers berühmter Urschrei

ertönt kaum noch. Stattdessen schwingt Tarzan so

geräuschfrei durch den Urwald wie Batman am Stahlseil

durch den Asphaltdschungel. Vor allem erhält Tarzan

zusätzliche Sozialkompetenz. Bei Burroughs ist er

a-sozialer Einzelgänger. Okay, er paart sich mit Jane,

aber weitere Varianten von Bindung blieben unerwünscht.

Skarsgards Dschungelkönig hingegen ist

mit einem Eingeborenenstamm befreundet, der ihn

sogar als Ehrenmitglied anerkennt. So versuchte Regisseur

David Yates (bekannt durch Harry-Potter-Filme),

Der neue Tarzan versucht, das

rassistische Image seiner Vorgänger

auszumerzen.

das rassistische Image der Tarzan-Epen auszumerzen.

Tatsächlich stehen Afrikaner auf der Werteskala der

Romanvorlagen kaum über den Dschungeltieren, eher

noch darunter. Zwar ersparte sich Burroughs aggressive

Diskriminierung, aber als Stammeskrieger oder

Safari-Sklaven blieben Schwarze ohne Individualität

und Wert. Starb einer, störte das niemanden, schon gar

The Legend of Tarzan spielt auf diesen biographischen

Hintergrund des Autors an, als der Verbündete

des Dschungelhelden, George Washington Williams

(Samuel L. Jackson), eingesteht, dass er am Indianer-

Genozid beteiligt war. Ohnehin sind Denken und Sprache

der Protagonisten auffallend modern. So «legitimiert»

ein Mitglied des britischen Parlaments die Kolonialpolitik

mit der Schaffung von Arbeitsplätzen und

einer Förderung des Freihandels. Das klingt mehr nach

2016 als nach 1880.

Wie der Urwald mit seinem ineinandergreifenden

Geäst bildet in The Legend of Tarzan die gesamte Biosphäre

ein Netzwerk: eine mystische Verbindung, die

Menschen, Tiere und Pflanzen umfasst. Als Störenfriede

gelten kolonialistische Europäer. Die reduzieren

alles auf kommerziellen Nutzen, zerstören es für

den Verkauf. Im Finale speit die Natur sie aus: Tarzan

hetzt diverse Tierarten auf die Kolonialstadt. Eine Herde

Gnus trampelt die Häuser in Grund in Boden, Krokodile

holen sich den Oberschurken Rom (Christoph Waltz)

bei seiner Flucht ins Wasser… Durch diesen Gut-

Böse-Dualismus ist Tarzan der vielleicht letzte Großheld

westlicher Populärkultur, der noch nicht an die apokalyptische

Stimmung des neuen Milleniums angepasst

wurde. Sind Batman oder Superman inzwischen kaum

noch von den bekämpften Gangstern zu unterscheiden –

Tarzan bleibt seit 80 Jahren eindeutig der «Gute», wenn

auch dessen Definition ständig wechselt.

Margot Robbie wurde durch die

australische Seifenoper Nachbarn

bekannt. Foto: Warner Bros. Entertainment

Inc.

«The Legend of Tarzan» startete am

28. Juli in den deutschen Kinos.

Foto: Warner Bros. Entertainment

Inc.

_ Harald Harzheim ist der

Filmklassiker bei COMPACT. Ein

ausführliches Porträt Maureen

O’Sullivans und ihrer Interpretation

der Jane findet sich in seinem

Buch «Platos Höhlenkino» (2013).

57


Jagd auf Phantome

_ von Bernd Schumacher

Das Bild täuscht: Rumgeballert wurde bei Derrick so gut wie nie.

Foto: picture-alliance/ dpa

58

«Derrick» ist die weltweit meistverkaufte Fernsehserie aus deutscher

Produktion – aber das ZDF hat jetzt wohl beschlossen, sie für immer

von den Bildschirmen zu verbannen. Der Grund: Hauptdarsteller Horst

Tappert war Mitglied der Waffen-SS.

«Harry, hol’ schon mal den Wagen»

wurde zum geflügelten Spruch.

Doch der Satz ist in der Serie nie

gefallen, sondern stammt wahrscheinlich

aus der Vorgängerreihe

«Der Kommissar».

Foto: picture-alliance / dpa

Das Dritte Reich ist schon lange Geschichte, aber

der sogenannte Widerstand gegen dieses Phantom

wächst täglich. So wurden in letzter Zeit ein 94-jähriger

Wachmann, ein 95-jähriger Sanitäter und eine

91-jährige Fernmelderin unter dem Beifall interessierter

Kreise für 260.000fache Beihilfe zum Mord vor Gericht

gezerrt. Ob die greisen Angeklagten tatsächlich tatbeteiligt

waren, spielt für die bundesdeutschen Gerichte

seit dem Münchner Demjanjuk-Prozess keine Rolle mehr.

Hauptsache, man kann den Beklagten in irgendeinen

raumzeitlichen Zusammenhang mit einem Konzentrationslager

bringen – den Rest richten willfährige Richter.

Nach dem Sendestart 1973 ermittelte

Oberinspektor Derrick 24 Jahre lang

in sage und schreibe 281 Folgen.

Nun hat es, nach Hardy Krüger, zum zweiten Male

eine TV-Ikone erwischt. Nicht ein Gericht, sondern

eine öffentlich-rechtliche Sendeanstalt hat ein Urteil

gesprochen und vermag es offenbar nicht mehr mit

ihrem hohen moralischen Anspruch zu vereinbaren,

dass einer ihrer beliebtesten Stars einst bei der SS

diente. Die Bild-Zeitung berichtete Mitte Juli, dass

das ZDF nie mehr Episoden von Derrick ausstrahlen

werde, weil Hauptdarsteller Horst Tappert Mitglied der

Totenkopf-Division war. «Das ZDF plant derzeit, keine

Wiederholungen auszustrahlen», bestätigte auch ein

Sprecher des Senders. Allerdings gebe es keine Entscheidung

über eine künftige Ausstrahlung von Derrick-Wiederholungen.

Schuldig bei Verdacht

Die Tatsache ist seit 2013 bekannt: Tappert – genau

wie Derrick-Erfinder und Drehbuchautor Herbert Reinecker

– kämpfte an der Ostfront. Die 14. Kompanie

des SS-Panzergrenadier-Regiments 1 wurde im Frühjahr

1943 in den Raum Charkow verlegt, wo die Wehrmacht

die strategisch wichtige ukrainische Metropole

zurückeroberte.

Tappert war damals gerade 19 Jahre alt und schob

Geschosse in Geschützrohre. Über seine Zeit im Militärdienst

schwieg er sich zeitlebens aus. In seinen

Memoiren, die 1998 unter dem Titel Derrick und ich

erschienen, bezeichnete er die Jahre als «verloren».

Auch seinen Kindern scheint er nichts berichtet zu haben,

Zeitzeugen haben sich nie zu Wort gemeldet. Sein

Kamerad Reinecker, der bis zu seinem Tod 2007 zu ihm

hielt, vermied es ebenfalls, ein Sterbenswörtchen über

die gemeinsame Zeit auszuplaudern. Offenbar hatten


COMPACT Leben

die beiden Freunde sich gegenseitig ein Schweigegelübde

auferlegt, das sie nach dem Wahlspruch «Unsere

Ehre heißt Treue» bis zum Ende befolgten. Reinecker

hatte als Mitglied einer Propagandakompanie der

Waffen-SS an vielen europäischen Kriegsschauplätzen

gedient und setzte aus den Kampfgebieten Artikel

für die Hitlerjugend-Zeitschriften Der Pimpf und Junge

Welt (nicht zu verwechselns mit dem späteren Zentralorgan

der Freien Deutschen Jugend in der DDR!) ab.

Nach 1945 machte der Kriegsberichterstatter als

Drehbuchautor Karriere. Streifen wie Canaris oder Der

Stern von Afrika befassten sich in den 1950er Jahren

noch mit der jüngsten Vergangenheit, doch danach

wendete sich Reinecker ganz der leichteren Unterhaltung

zu. Die Edgar-Wallace-Filme der 1960er Jahre,

Der Kommissar in den 1970ern und Das Traumschiff

in den 1980ern sind Meilensteine seines Schaffens.

In diese Zeit fällt auch die Geburtsstunde von Stephan

Derrick. Nach dem Sendestart 1973 ermittelte

der Oberinspektor 24 Jahre lang in sage und schreibe

281 Folgen, für die Erfinder Reinecker sämtlich verantwortlich

zeichnete. Derrick ist bis heute die meistverkaufte

Fernsehserie aus deutscher Produktion. Auf den

internationalen Branchenmessen rissen Einkäufer aus

100 Ländern dem ZDF die Folgen aus der Hand.

«Mein Vater muss sich nach seinem

Tod öffentlich diffamieren lassen!»

Ralph Tappert

Als vor drei Jahren die SS-Vergangenheit des Fernsehlieblings

ruchbar wurde, reagierten außer dem ZDF

auch Stationen in Holland, Belgien und Frankreich mit

Absetzungen beziehungsweise Stopp der Wiederholungen.

Doch wenn jetzt Derrick für immer unter die

Zensur fallen sollte, trüge dies geradezu groteske Züge:

Das Verbot betrifft dann nicht nur bestimmte politische

Ansichten, sondern auch gänzlich unpolitische Unterhaltung,

an deren Produktion aber einer der unkorrekten

«Gedankenverbrecher» beteiligt war…

«Hass» zu bekämpfen, verfallen die Zensoren in Politik,

Medien und «Zivilgesellschaft» auf immer neue

Mittel, missliebige Meinungen und eben auch Biographien

zu diffamieren.

Die Empörung der Zuschauer

Umso größer war die Welle der Empörung in der

Derrick-Gemeinde. Sohn Ralph Tappert gab gegenüber

Bild zu Protokoll: «Mein Vater muss sich nach

seinem Tod öffentlich diffamieren lassen! Eine tolle

Honorierung eines Gentleman, der immer integer war.»

Auch Assistent Harry alias Fritz Wepper verstand die

Entscheidung des Senders nicht. «Man muss eine

persönliche Vergangenheit auch immer im Verhältnis

zur damaligen Zeit einordnen», erklärte er. «Ein

Stück TV-Kult, das Millionen mögen, zu verdammen,

weil die Geschichte eines Darstellers Fragen aufwirft,

halte ich für übertrieben und eine Bevormundung der

Zuschauer.» Der ehemalige ZDF-Redakteur Claus Legal

ergänzte: «Ich würde aus heutiger Sicht über Horst

nicht so abwertend urteilen. Er hat in seinem Leben

danach längst bewiesen, dass er fest auf dem Boden

des Grundgesetzes steht.»

Die Derrick-Fans entfachten derweil einen regelrechten

Shitstorm auf der Netzseite des ZDF. Den Tenor

gaben User wie «Oldtimer» vor, der im Forum schrieb:

«Diese verantwortlichen Zensoren sollten sich mal fragen,

ob sie, wenn sie zur damaligen Zeit gelebt hätten,

sich nicht ebenfalls dem System hätten beugen

müssen. Aber das wird gar nicht bedacht. Hauptsache,

das ZDF kann seine Hände immer schön in Unschuld

waschen. Pfui!» Dem ist nichts hinzuzufügen.

In der SS-Division Totenkopf bekleidete Tappert den Rang eines

Grenadiers. Foto: Bundesarchiv, Bild 101III-Zschaeckel-189-13 /

Zschäckel, Friedrich / CC-BY-SA 3.0 / Wikimedia Commons

Der Denunziant

Den Anfang in der Affäre Tappert

machte ein teils als Politikwissenschaftler,

teils als Historiker

deklarierter Jörg Becker. Der

freischaffende Sozialwissenschaftler

hängt dem Kulturrelativismus

an und eröffnete bereits

mit seiner ersten Veröffentlichung

Alltäglicher Rassismus:

Afro-amerikanische Rassenkonflikte

im Kinder- und Jugendbuch

der Bundesrepublik (1977)

den Reigen der hochnotpeinlichen

Inquisition gegen scheinbar

harmlose Schriften, die er 1978

mit Die Dritte Welt im Kinderbuch

fortsetzte. Diese und ähnliche

Vorstöße haben mittlerweile

zu Schwärzungen in Pippi

Langstrumpf oder Mecki geführt,

weil dort Worte wie «Neger»

oder «Zigeuner» vorkommen…

Der langjährige Gewerkschaftsaktivist

Becker sitzt für Die Linke

im Stadtrat von Solingen. Im selben

Jahr 2013, in dem er der

Deutschen liebsten Fernsehkommissar

vom Sockel stürzte, hatte

er auch versucht, das «Orakel

vom Bodensee» zu beschmutzen:

In seiner Biographie von Elisabeth

Noelle-Neumann schilderte

er die renommierte Meinungsforscherin

geradezu so, als ob

sie die rechte Hand von Joseph

Goebbels gewesen sei.

_ Bernd Schumacher ist der

Sport- und Unterhaltungsexperte

von COMPACT. In Ausgabe 8/2016

schrieb er über Götz George.

Im angeblich freiheitlichsten Staat auf deutschem

Boden ist die Tyrannei auf dem Vormarsch. Hexenjagd,

Meinungstabus, Internet-Kontrolle – dies alles vorangetrieben

ausgerechnet von den Alt-68ern, die das

Establishment wegputzen wollten. Nun sind Rote und

Grüne dabei, immer höhere Zäune um ihre ideologischen

Spielwiesen zu errichten: Betreten verboten! Je

weiter die Geschichte wegrückt, desto mutiger werden

deren Zensoren. Beteuerung, Distanzierung, Selbstbezichtigung

– das sind gängige Methoden der hiesigen

Meinungsmacher, die stark an die schlimmsten

Phasen des Kommunismus in der Sowjetunion und

in China erinnern. Unter dem pauschalen Vorwand,

59


Anzeige

COMPACT Leben

Wer bringt

den bissigsten

Wochenrückblick

Deutschlands?

Jetzt testen!

Bestellen Sie jetzt 4 Wochen kostenlos zur Probe unter 040-41400842

oder vertrieb@preussische-allgemeine.de. Der Bezug endet automatisch.

64

Preußische Allgemeine Zeitung.

Die Wochenzeitung für Deutschland.


COMPACT Leben

«Bedingt abwehrbereit»

_ von Helmut Roewer

Für «Spiegel»-Herausgeber Rudolf

Augstein erwies sich die Verhaftung

als echtes Karriere-Sprungbrett.

Foto: picture alliance / Harry Flesch

Geheimdienstgeschichte der BRD (III): Die «Spiegel»-Affäre 1962 – ein Abgrund an

Landesverrat und ein schwerer Schlag gegen die Pressefreiheit? Der mutige Journalist

Rudolf Augstein gegen den bösen Verteidigungsminister Franz Josef Strauß? Die entscheidende

Rolle spielte wohl ein BND-Agent…

Am 10. Oktober 1962 veröffentlichte der Spiegel

unter der Überschrift «Bedingt abwehrbereit» eine

Geschichte über die mangelnde Fähigkeit der Bundeswehr,

einem Angriff aus dem Osten zu trotzen.

Ganz unabhängig von der Frage, ob ein solcher in dieser

Zeit drohte, war der Inhalt der Geschichte zutreffend,

denn er war aus einer kompetenten Quelle abgeschrieben:

dem deutschen geheimen Abschlussbericht

der soeben zu Ende gegangenen NATO-Stabsrahmenübung

Fallex ’62 (Fallex = Fall Exercise = Herbstübung).

Es waren damals aufgeregte Zeiten: Die Kuba- und

die Berlinkrise, gerade überstanden, hatten Ost und

West an den Rand eines Dritten Weltkrieges geführt.

Der Zustand der noch jungen eigenen Streitkräfte galt

vielen als existenziell wichtig, das Ausplaudern von deren

Schwäche als ein schlimmer Fall von Landesverrat.

So nahm denn die Spiegel-Affäre ihren Lauf. Mainstream-Geschichtsdeuter

wollen uns bis zum heutigen

Tage glauben machen, es sei hierbei um Sein oder

Nichtsein der Republik gegangen. Doch seien wir etwas

bescheidener: Es ging um die Existenz einer Illustrierten

und die Frage, wo sie ihre Informationen her hatte

und was sie mit deren Veröffentlichung bezweckte.

Der KGB im Zwielicht

Wer also waren die Geheimnis-Ausplauderer hinter

den Geheimnis-Ausposaunern? Darüber sind recht

unterschiedliche Geschichten im Umlauf. Die Spiegel-

Version eins sah so aus: Man habe nur offenes Material

verwendet und daraus die richtigen Schlüsse gezogen.

Das klang nicht besonders heldenhaft für ein Enthüllungsmagazin

und wurde schnell vergessen, nachdem

die Gefahr einer Strafverfolgung vorüber war. Spiegel-Version

zwei war dementsprechend spiegeliger:

Man habe die Informanten geschützt, und wenn sie

nicht gestorben sind, dann schützt man sie noch heute.

Dem widersprach Spiegel-Version drei: Der Informant

sei der Oberst im Generalstab Alfred Martin gewesen.

Das jedenfalls plauderte der Ex-Spiegel-Spitzenmann

Leo Brawand in seiner Augstein-Biografie aus.

Schließlich die kolportierte Version vier – sie war der

Diese Ausgabe war für Franz Josef

Strauß zu viel.

Foto: spiegel-online.de

«Wir benutzten das

Magazin für einen

Artikel, der Strauß

bloßstellte.»

KGB-Überläufer

61


COMPACT Leben

Dass dies womöglich doch kein reines Hirngespinst

eines Geldquellen suchenden Überläufers ist, scheint

ein Aktenvermerk des KGB-Vorsitzenden Wladimir

Semitschastnij vom 20. September 1962 über die

Auswirkungen der Berlin-Krise auf die westdeutsche

Sicherheitspolitik einschließlich eines Verwendungsvermerks

für die Anti-Strauß-Kampagne zu bestätigen.

Doch vielleicht ist es ja so, dass der KGB-Boss gar nicht

wusste, was er zu Papier brachte.

Unterstellt man für einen Moment, dass es wirklich

der KGB war, der hier das Steuer in Händen hielt, so

müssen die Sowjets auf der Bonner Hardthöhe einen

Agenten gehabt haben, der den Originalbericht des Fallex-Manövers

blitzschnell beschaffte, und einen Kanal,

der ihn in den Spiegel «einfilterte». War das der von

Spiegel-Redakteur Brawand erwähnte Generalstabsoberst

Martin?

Saufgelage bei Augstein

62

Studenten während einer

Solidaritätsdemonstration mit

dem «Spiegel» am 30.10.1962 in

Hamburg. Auch die übrige deutsche

Presse stellte sich hinter das

Nachrichtenmagazin. Foto: picturealliance/

dpa

Sich selbst hatte der «Spiegel» nur

selten auf dem Titel. Foto: spiegelonline.de

_ Helmut Roewer (*1950) war von

1994 bis 2000 Chef des Thüringer

Landesamtes für Verfassungsschutz.

Im Jahr 2014 erschien

sein Buch «Kill the Huns – Tötet die

Hunnen! Geheimdienste, Propaganda

und Subversion hinter den

Kulissen des Ersten Weltkrieges»

(Ares Verlag, 504 Seiten, 29,90

Euro). – 2014/2015 konnte man in

COMPACT die von ihm verfasste

Serie «Meisterspione des 20. Jahrhunderts»

lesen.

Zeitschrift so wichtig, dass sie, wie zu lesen war, im

Prozesswege dagegen stritt: Quelle sei der sowjetische

KGB gewesen. Die bundesdeutsche Justiz gab

dem Verdikt des Spiegel Recht, und daran werde ich

mich selbstredend strikt halten.

Doch ich will meiner Chronistenpflicht insofern

Genüge tun, dass es eine Reihe von wenig schmeichelhaften

Behauptungen geheimdienstlicher Steuerung

gegeben hat. Sie stammen von Leuten, die in einschlägigen

Institutionen gearbeitet haben, wie Sergej

Kondraschow und Pawel Sudoplatow. Sudoplatow leitete

jahrelang die aktiven Maßnahmen des NKWD/

KGB, bevorzugt auch gegen Deutschland. Zu der Zeit,

als die Spiegel-Affäre lief, war er nicht mehr im Dienst.

Bei Kondraschow sah das anders aus. Er war 1962

stellvertretender Leiter der Abteilung Desinformation.

Strauß hatte öffentlich über die

Bewaffnung Westdeutschlands mit

Atomraketen räsoniert.

Und dann gab es da noch den sowjetischen Überläufer

Ilja Dschirkwelow, der 1987 vor einem Londoner

Gericht als Zeuge das Folgende zum Besten gab:

«Das erste Mal, als ich mit Oberst [Michail] Sitnikow –

damals stellvertretender Chef der Abteilung Desinformation

– zusammenarbeitete, ging es um die Kompromittierung

des Verteidigungsministers der Bundesrepublik

Deutschland, Franz Josef Strauß. Wir

benutzten das Magazin Der Spiegel für einen Artikel,

der ihn bloßstellte. Der Artikel erfüllte seinen Zweck,

und Strauß musste zurücktreten.»

Die Bundesanwaltschaft war nicht dieser Ansicht

und nahm einen anderen Bundeswehr-Obristen fest,

dessen Namen als Informanten sie ausgerechnet in

einer Hausmitteilung von Spiegel-Verlagsdirektor Hans

Detlev Becker entdeckt hatte: Adolf Wicht. 1943/44 war

er an der Ostfront Leiter der Gruppe III (Beuteakten und

Gefangenenbefragung) in der Abteilung Fremde Heere

Ost unter Reinhard Gehlen gewesen. Er blieb nach dem

Kriege dem Gewerbe treu und diente bei der Organisation

Gehlen und dem späteren Bundesnachrichtendienst.

Dort leitete er seit 1960 dessen Residentur Hamburg.

Dass Wicht der Beschaffer des Geheimmaterials

war, dürfte dennoch eher zweifelhaft sein, denn als

BND-Resident hatte er keinen Zugang zu diesen Unterlagen.

Doch wenn man nach dem Kanal sucht, der in

den Spiegel hineinführte, bleibt das Auge des Betrachters

irgendwie an ihm hängen, denn 1970 schied der

60-Jährige aus der Bundeswehr aus, um im Folgejahr

Auslandsbeauftragter des Spiegel-Verlages zu werden.

Aber das wird wohl reiner Zufall gewesen sein.

Doch wozu das Ganze? Blattmacher Augstein

wusste genau, was er durch seinen Artikel erreichen

wollte: Franz-Josef Strauß zu stürzen. Ab Ende der

1950er Jahre schoss er sich auf den Verteidigungsminister

ein. Der besaß alle Eigenschaften, um ihn

zur Hassfigur zu stilisieren: Er war intelligent, machtgeil,

ganz nach Bedarf jovial bis ruppig und von einem

nicht gerade anziehenden Äußeren. Diese Merkmale

wurden für die Journalisten aufs Angenehmste durch

den Umstand ergänzt, dass Strauß öffentlich über die

Bewaffnung Westdeutschlands mit Atomraketen räsonierte.

Viele hörten das nicht gerne. So kam es zu den

Anti-Strauß-Kampagnen.

Das jedoch ist nur die halbe Wahrheit, denn es gab

ein Vorspiel. Bei einem gemeinsamen Saufgelage in

Augsteins Haus in Hamburg sagten sich beide, Strauß


COMPACT Leben

und Augstein, wie es bei solchen Gelegenheiten zuweilen

zu gehen pflegt, unangenehme Dinge ins Gesicht.

Dem Chefredakteur wurde hierbei durch den Spiegel-

Mann Horst Mahnke assistiert. Dieser machte Bemerkungen

über das Dritte Reich, die Strauß auf die Palme

brachten. Doch wie hätte der Bayer erst gestaunt (und

vermutlich getobt), wenn er gewusst hätte, dass dieser

Mahnke 1936, knapp 23 Jahre alt, als hauptamtlicher

Mitarbeiter beim Sicherheitsdienst des Reichsführers

SS angeheuert hatte, wo er die folgenden Jahre,

bis zum Kriegsende, verblieb? Da hatte es der spätere

lupenreine Antifaschist bis zum SS-Hauptsturmführer

und Referatsleiter im Reichssicherheitshauptamt

gebracht, zuständig für die Bekämpfung des Marxismus.

Das blieb ungesagt. Indessen: Fortan agierten

Strauß und Augstein wie beleidigte Diven. So schoss

der ehemalige Leutnant der Sturmartillerie auf den

ehemaligen Oberleutnant der Flakartillerie aus allen

Rohren und bezeichnete sich hierbei ohne einen Funken

von Selbstironie als das Sturmgeschütz der Demokratie.

Helden, Schurken und Juristen

Der Rest ist schnell erzählt. Der Verteidigungsminister

verstrickte sich im weiteren Verlauf der Affäre so

lange in Gesetzwidriges und Lügen, bis Bundeskanzler

Konrad Adenauer ihn fallen ließ, weil es ihm nun

selbst ans Leder zu gehen drohte. Dass Strauß so handelte,

wie er es tat, war offenbar seinem Größenwahn

geschuldet. Nur so ist erklärlich, dass er seinen militärischen

Attachédienst in das exekutive Vorgehen gegen

die Spiegel-Leute einspannte. Das machte aus den festgenommenen

Redakteuren indes weiß Gott keine Nationalhelden,

sondern zeigte lediglich, dass der Bundesverteidigungsminister

mit der ihm zugemessenen Macht

persönlich nicht umzugehen verstand. Seine Ablösung

war folgerichtig und notwendig, und sie warf auf den

zögernden Bundeskanzler ein wenig vorteilhaftes Licht.

Augstein hatte sein Ziel erreicht: Der Mann, den er

auf Biegen und Brechen kippen wollte, war über die

Klinge gesprungen. Womit er anfangs allerdings nicht

hatte rechnen können, war dies: Die deutschen Behörden

handelten in einem geradezu unbeschreiblichen

Maße dämlich. Augsteins Festnahme und seine mehrwöchige

Untersuchungshaft war für die Aufklärung der

Straftat nicht nur überflüssig wie ein Kropf, sondern

sie produzierte einen Märtyrer, den es sonst so nicht

gegeben hätte. Ein abgeschirmtes Ermittlungsverfahren

nebst anschließender öffentlicher Anklage hätte

mit Sicherheit ein geringeres öffentliches Echo erzeugt.

Augsteins Festnahme war juristisch

überflüssig und produzierte einen

Märtyrer.

Letztlich war die Affäre ein innenpolitischer Kampf

mit verkehrten Fronten: Der ungesetzlich handelnde

Verteidigungsminister hatte dem Spiegel erst den

Nimbus der zu Unrecht verfolgten Presse verschafft,

die das Blatt nicht verdient hatte. Dies wird durch

die juristische Nachbearbeitung deutlich: Am 13. Mai

1965 stellte der Bundesgerichtshof das Verfahren

gegen Rudolf Augstein und andere ein. Das erweckte

im Nachhinein den Eindruck, als sei das Vorgehen der

Behörden gegen den Spiegel von Vornherein rechtswidrig

gewesen. Doch so war es keineswegs, wie

das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil vom

5. August 1966 feststellte: Darin wurde die Durchsuchung

der Redaktion für rechtens erklärt.

Chronologie

der Affäre

10.10.1962

Der Spiegel publiziert den Artikel

«Bedingt abwehrbereit».

23.10.1962

Es ergehen Durchsuchungsanordnungen

und Haftbefehle

wegen Landesverrats gegen

Spiegel-Redakteure, darunter

Conrad Ahlers, Claus Jacobi und

Johannes K. Engel, sowie den

Herausgeber und Chefredakteur

Rudolf Augstein.

26.10.1962

Die Polizei besetzt die Spiegel-

Redaktion. Redakteur Ahlers, der

den inkriminierten Artikel mitverfasst

hatte, wird in Spanien

verhaftet.

28.10.1962

Augstein stellt sich den Behörden

und wird (für 103 Tage) in

U-Haft genommen.

19.11.1962

Die fünf FDP-Minister treten aus

Protest gegen Verteidigungsminister

Franz Josef Strauß, der

die Justiz gegen den Spiegel in

Marsch gesetzt hatte, zurück.

30.11.1962

Strauß tritt als Verteidigungsminister

zurück.

Strauß und Adenauer am 9. November

1962. Drei Wochen später ließ

der Alte den CSU-Politiker fallen.

Foto: picture-alliance / dpa

Anzeige

63


NEUERSCHEINUGEN

Anzeige

WAR MADE EASY

Wie uns Präsidenten &

Experten zu Tode lügen

Norman Solomon

321 Seiten, Hardcover

ISBN: 978-90-8879-153-6

BIG BUSINESS MIT HITLER

Jaques R. Pauwels

292 Seiten, Hardcover

ISBN: 978-90-8879-121-5

€ [D] 21,95


COMPACT Leben

BRD-Sprech _ Einzelfall

Wenn wieder einmal ein deutscher Jugendlicher

türkischen oder arabischen Messerstechern zum Opfer

gefallen ist, wieder einmal junge Frauen von Gruppen

«südländischer» Männer sexuell belästigt oder vergewaltigt

werden, wieder einmal unter dem Schlacht-

Ruf «Allahu akbar» Menschen wie Vieh umgebracht

werden – wenn also wieder einmal Dinge geschehen,

die nicht geschehen wären, wenn die Regierenden

nicht alle Warnungen in den Wind geschlagen und

Millionen von Menschen aus gewalttätigen Machokulturen

ins Land geholt hätten, dann schlägt in den

Agitpropmedien der BRD die Stunde des «Einzelfalls».

Die etablierte Journaille glaubt nämlich fest an eine

Art negativer Monokausalität: An den Verbrechen von

Moslems kann alles schuld sein, nur nicht der Islam,

und deswegen sind solche Verbrechen «Einzelfälle», die

«nichts mit dem Islam» (oder überhaupt mit dem kulturellen

Hintergrund des jeweiligen Täters) zu tun haben.

Die Tautologie, dass jeder einzelne Fall ein Einzelfall ist,

soll uns ernsthaft als Erklärung verkauft werden.

Die Linke spricht einerseits von Einzelfällen,

bemüht andererseits soziale

Ursachen. Das schließt sich

gegenseitig aus.

Wenn aber Zigtausende solcher «Einzelfälle» erkennbaren

Mustern folgen, wenn immer wieder dieselben

Konstellationen auftauchen, immer wieder dieselbe

Mentalität erkennbar wird, die Täter immer wieder

aus denselben Gruppen kommen, dann sind die Opfer

solcher Gewalt eben nicht Opfer einer allgemeinen Kriminalität,

wie es sie quasi als Hintergrundrauschen in

jeder Gesellschaft gibt. Dann muss diese Gewaltkriminalität

benennbare soziale Ursachen haben.

Bis zu diesem Punkt würden vermutlich sogar

besagte Agitpropmedien und staatlich alimentierte

Berufs-Integranten mitgehen, die ein Interesse an der

Fortexistenz von Problemen haben, mit deren Verwaltung

und Beschönigung sie Karriere machen: Die Rede

von den «sozialen Ursachen» gehört geradezu zu ihren

Standardfloskeln. Wobei ihnen selbstredend nicht auffällt,

dass derjenige, der Migrantengewalt, insbesondere

die von Moslems, auf soziale Ursachen zurückführt,

damit zugleich zugibt, dass es sich eben nicht

um die vielzitierten «Einzelfälle» handelt, die miteinander

nichts zu tun hätten und kein erkennbares Muster

aufwiesen.

Die Ideologieindustrie unseres Landes wird sich

also für eine ihrer beiden – einander logisch ausschließenden

– Ausreden entscheiden müssen. Denn

eine Ausrede ist nicht nur die Rede vom «Einzelfall»,

sondern – aus dem Munde staatsnaher Ideologen –

auch die von den «sozialen Ursachen», nach denen

sie in Wahrheit niemals forschen: Gewaltkriminalität

von Moslems gebe es, weil diese arm seien, der Staat

nicht genug für ihre Integration unternehme, der Kampf

gegen Rechts nicht energisch genug geführt werde und

die Deutschen Rassisten seien, die aus purer Böswilligkeit

Migranten diskriminierten.

Der politischen Linken liefert diese Gewalt (die es

überhaupt nicht geben könnte, wenn ihre Theorien

richtig wären) also nur den Anlass, mehr von dem zu

fordern, was sie ohnehin fordert: den Ausbau des Sozialstaats

auf Kosten des Steuerzahlers, mehr Planstellen

und mehr Steuermittel für verdiente Genossen und

deren Projekte, die Knebelung ihrer politischen Gegner,

mehr Propaganda, mehr Zensur und mehr Einschüchterung

und Diffamierung des eigenen Volkes. Unter den

«sozialen Ursachen» von Migrantengewalt verstehen

solche Ideologen mithin immer nur eines: dass man

ihre Ideologie und ihre Interessen nicht hinreichend

bedient hat.

Und wenn diese ideologische Interpretation nicht

möglich oder nicht opportun ist – dann haben wir es

eben mit «Einzelfällen» zu tun.

Einer der Einzelfälle: Das Axtattentat

von Würzburg am 18. Juli.

Foto: picture alliance / dpa

Verlag Antaios, 240 Seiten, gebunden,

22,00 Euro (Bestellung über

antaios.de). Foto: Verlag

_ Manfred Kleine-Hartlage ist

Publizist und Diplom-Sozialwissenschaftler.

Regelmäßig veröffentlicht

er kritische Beiträge auf seinem

Blog «korrektheiten.com». Sein

aktuelles Buch «Die Sprache der

BRD – 131 Unwörter und ihre

politische Bedeutung», 2015 im Verlag

Antaios erschienen, liefert die

Vorlage für diese COMPACT-Serie.

65


COMPACT Leben

Harzheims Klassiker_ Caligula

66

«Caligula» (1979): Caligula (Malcolm

McDowell) und die verstorbene

Drusila (Therese-Ann Savoy): Der

Tod sprengt die letzte Bastion des

Rationalen. Foto: Filmverleih

Filmplakat. Foto: Filmverleih

_ Harald Harzheim ist der Filmklassiker

von COMPACT-Magazin.

«Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze

Welt gewönne, und nähme an seiner Seele Schaden?»

(Markus 8,36) Mit diesem Bibelzitat startet einer der

maßlosesten Filme aller Zeiten. In zweieinhalb Stunden

erzählt er, wie ein Mensch seine Seele verliert: Der

römische Prinz Caligula, sensibel, naiv göttergläubig

und in seine Schwester Julia Drusilla verliebt, erklimmt

nach der Ermordung seines Onkels, Kaiser Tiberius, im

Jahre 37 nach Christus den Thron. In einer Umgebung

voller Intrige, Hass, Machtgier und leerer Wollust

mutiert er zum Monster.

Seit Camus’ gleichnamigem Drama

ist Caligula ein Held des Absurden.

Caligula steht im Zenit der Macht, da stirbt seine

geliebte Drusilla an Fieber. Der Hinterbliebene trauert,

heult, rast, zertrümmert den Altar der Göttin Isis, weil

sie nicht geholfen hatte. Quälende fünf Filmminuten

lang. Er ist allein im riesigen Palast. Allein im Universum.

Dann sein fürchterlicher Schrei (Foto). Die Kamera

saust via Reißzoom von der Totale auf sein verzerrtes

Gesicht. Das Umfeld verschwimmt, nur noch die

irren Augen und der aufgerissene Mund sind zu sehen.

Caligula schreit sich die Seele aus dem Leib. Danach

wird er keine mehr haben. Jetzt steigert der seelenlose

Tyrann die Absurdität von Politik und Existenz ins

Äußerste, parodiert das Staatswesen, ersetzt Regelung

durch zynische Willkür, demütigt den Senat – bis der

ihn ermorden lässt.

Seit Camus’ gleichnamigem Drama ist Caligula ein

Held des Absurden. Der Film basiert auf einem Drehbuch

des US-Starintellektuellen Gore Vidal. Eine finstere,

blutige Prominentenshow: Malcolm McDowel

(Caligula), Peter O’Toole (Tiberius), John Gielgud (Nerva),

Helen Mirren (Caesonia) – das Who is Who britischer

Schauspielkunst. Auch bei Ausstattung und Kamera:

überall erste Garde. Dann aber ließ Produzent Bob Guccione

nachträglich Porno-Szenen einfügen. Folge: Fast

alle Beteiligten distanzierten sich vom Endresultat. Die

Presse tobte vor Wut. US-Starkritiker Roger Ebert zählte

Caligula zu seinen meistgehassten Filmen. Heute, 37

Jahre später, lässt sich sagen, dass die visuellen Grenzüberschreitungen

nicht mehr stören, sondern die Atmosphäre

des Irrsinns noch verstärken.

Noch brutaler als der Film sind übrigens die Schnitt-

Massaker der Jugendschützer und Filmprüftstellen. So

entstanden unzählige Fassungen mit jeweils unterschiedlichster

Laufzeit.


Sonder-Ausgabe Nr. 10 | 8,80 EUR (D) · spezial.compact-online.de

Islam

Gefahr für Europa

9,90 Euro (A), 13 sFr (CH)

Grundwissen: Koran, Scharia und Dschihad als akute Bedrohung unserer Freiheit

Geschichte: Raubzüge und Kolonisierung unter der grünen Fahne des Propheten

Gegenwart: Warum der Islam mit unserem Grundgesetz nicht vereinbar ist

Zukunft: Wie wir das Abendland und unsere Werte verteidigen können

Einzelheft oder SPEZIAL-Abo unter Tel: 03327-569 86 11 . Fax: 03327-569 86 17

abo@compact-magazin.com . shop.compact-magazin.com

Wer COMPACT-Magazin jetzt abonniert, kann COMPACT-Spezial «Zensur in der BRD» als Gratis-Prämie dazubestellen.


29. 10. 2016

IN KÖLN

9:00 - 18:00 Uhr

5. Konferenz für Souveränität | 2016 *

Für ein Europa der Vaterländer!

Gegen Islamisierung und Fremdherrschaft

Referenten: Björn Höcke, AfD | Oskar Freysinger, SVP | Václav Klaus** | Johannes Hübner, FPÖ | John Laughland

Karl Albrecht Schachtschneider | Natalia Narotchnitskaya | Jürgen Elsässer | Peter Feist u.v.m.

* In Kooperation mit dem IDC Institut de la Démocratie et de la Coopération, Paris

** Angefragt

COMPACT-Abonnenten erhalten bis zu € 60,– Karten-Ermäßigung!

Unser Tipp für alle, die zur wichtigsten Konferenz des Jahres wollen und noch kein

COMPACT-Monatsabo haben: Erst abonnieren, dann anmelden! So zahlen Sie lediglich

€ 49,00 für das Konferenz-Ticket und bekommen zusätzlich für eine weitere Begleitung

eine zweite Karte zum Abonnenten-Preis.

JETZT

anmelden!

konferenz.compact-shop.de

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine