COMPACT-Magazin 03-2016

compactmagazin

Ausgabe 3/2016 | 4,95 EUR

www.compact-online.de

Die bessere

Kanzlerin

AfD vor dem Durchbruch

Merkel am Ende

Drei Schritte zum Sturz

Stalingrad 2.0

Putin siegt in Aleppo

Trump ist Trumpf

Patriot unter Falken

Handball-Helden

Blut, Schweiß und Tore

Dossier: Revoltiert!

Camus über über die die Verteidigung Europas


Ehrlicher Journalismus in Zeiten der Lüge.

Die schweigende Mehrheit kann die Verhältnisse zum Tanzen bringen,

wenn sie ihre Stimme wiederfindet. COMPACT ist ihr Lautsprecher, weil

wir drucken und verbreiten, was andere nicht zu schreiben wagen.

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Freiwild

Frau

Das böse Ende der

Willkommenskultur

Schweigekartell

Der Sexmob und die Medien

Polizistin mit Eiern

Migrantin auf Streife

Superwanze Handy

Tipps zum Selbstschutz

Germaninnen

Mit Liebreiz und Schwert

Dossier: Die Lügenjournalisten

Agenten der Meinungsdiktatur

Ausgabe 2/2016 | 4,95 EUR

www.compact-online.de


Aleppo – das Stalingrad der Dschihadisten

Bundesregierung und Lügenmedien arbeiten fieberhaft

daran, zwei Themen miteinander zu verknüpfen:

den Krieg in Syrien und die Flüchtlingskrise in Europa.

Für beides soll ein Mann verantwortlich sein: Wladimir

Putin.

Mitte Februar schreibt die Bild-Zeitung: «Noch mehr

Bomben, noch mehr Menschen auf der Flucht. Zehntausende

fliehen in diesen Tagen aus der syrischen Stadt

Aleppo – nicht vor den ISIS-Terroristen, sondern vor

den Truppen von Syriens Diktator Assad und den Luftangriffen

Russlands. Verantwortlich: Präsident Putin.»

Heuchlerischer geht‘s nimmer: Wo war denn der Aufschrei

der Springerpresse, als in den letzten drei Jahren

Zehntausende aus Aleppo flohen oder vertrieben

wurden, weil die Kopf-ab-Dschihadisten einen Distrikt

nach dem anderen säuberten? Mit diesen Flüchtlingen,

darunter zahlreiche Christen, hatte die Schmierenjournaille

kein Mitleid – die einmarschierenden ISIS-Verbündeten

wurden sogar noch als Befreiungskämpfer

gegen den angeblichen Diktator Assad gefeiert. Aber

jetzt, wo die sunnitischen Extremisten und ihre Anhänger

Fersengeld geben müssen, rollen die Krokodilstränen

bei Kai Diekmanns willigen Volontären.

COMPACT Editorial

Halten wir die Tatsachen fest: Assad ist der

gewählte Präsident des Landes. Die russische Luftwaffe

greift – im Unterschied zu der diverser NATO-

Staaten – auf seine Einladung hin in die Kämpfe ein,

also auf völkerrechtlich sauberer Grundlage. In Aleppo

gab es 2011, als der sogenannte Arabische Frühling in

einigen syrischen Städten angezettelt wurde, keinerlei

Demonstrationen. Dort, wo Menschen aller Religionen

friedlich zusammenlebten, hatte nämlich niemand ein

Interesse an einer Destabilisierung. Alles änderte sich

ein Jahr später, als Mudschaheddin von außen eindrangen.

Der Großteil dieser Fanatiker kam aus dem

Ausland, vor allem aus Saudi-Arabien und Tschetschenien.

Anders, als von westlichen Medien dargestellt,

handelt es sich also nicht um einen Bürgerkrieg in, sondern

um eine Aggression gegen Syrien.

Zwischen Sommer 2012 und Ende 2015 war Aleppo

geteilt. Die regierungstreuen Stadtteile wurden von

den Dschihadisten belagert und ausgehungert. Dank

des russischen Eingreifens hat sich die Lage fundamental

geändert: Nun sind es die Scharia-Bezirke, die

umstellt und von der Außenwelt abgeschnitten sind.

Einer nach dem anderen wird wieder von der Assad-

Regierung unter Kontrolle gebracht. Die Abläufe erinnern

an Stalingrad 1943: Zuerst kesselte die Wehrmacht

die Wolga-Metropole ein, die Rote Armee

konnte nur einen Zipfel verteidigen. Dann umschlossen

die Sowjets in einer riesigen Zangenbewegung das

Kampfgebiet und zwangen die Deutschen Zug um Zug

zur Aufgabe. Bei allem, was man am Vorstoß der Roten

Armee auf Berlin kritisieren muss, war dies jedenfalls

eine legitime Befreiungsaktion von eigener Heimaterde

– so wie aktuell die Rückeroberung Aleppos durch

syrische Regierungstruppen.

Wie die Schlacht an der Wolga der Wendepunkt des

Zweiten Weltkrieges war, könnte die am Quwaiq das

Ende des Dschihads gegen Syrien einläuten. Die Türkei

und Saudi-Arabien, die Paten des IS, sind schon ganz

kopflos und wollen ihre langbärtigen Verbündeten nun

mit eigenen Truppen retten. Noch schlimmer ist das

Verhalten der Bundeskanzlerin, die – im Unterschied zur

Obama-Administration! – dem Sultan in Ankara beim

Säbelrasseln den Rücken stärkt. In der vagen Hoffnung,

dass der im Gegenzug die Flüchtlinge nicht mehr über

die Ägäis schleust…

Erdogan kalkuliert andersrum: Gerade indem er

die Migrationswaffe gegen Deutschland scharf hält,

kann er Angela Merkel zur Unterstützung seiner Invasionspläne

im Nachbarland zwingen. Beide tun dann

unschuldig und zeigen auf Putin als den eigentlich

Schuldigen, die verbündeten Boulevardblätter Bild

und Sabah spielen die Melodie dazu. Für wie blöd

halten die uns?

Chefredakteur Jürgen Elsässer.

Foto: Jörg Gründler

3


COMPACT Themen

Titelthema

Die bessere Kanzlerin

Politik

Bielefeld ist überall

Dossier

Revoltiert!

Leben

Unsere Handball-Helden

05 Foto des Monats

06 Leserbriefe

07 Zitate des Monats

08 COMPACT Intern

09 Inter-national

10 Köpfe des Monats

Titelthema

11 Die bessere Kanzlerin

von Jürgen Elsässer

13 Die Angst vor der Alternative

von Marc Dassen

16 «Wir dürfen nicht mitregieren, nirgends!»

Interview mit Alexander Gauland

19 In drei Schritten zum Sturz

von Jürgen Elsässer

23 Geisterwähler aller Orten

von Harry Daniel

24 «Dieses Land muss deutsch bleiben»

von Karl Albrecht Schachtschneider

Politik

25 Vergewaltigt und verhöhnt

von Martin Müller-Mertens

28 Aus dem Logbuch der Gleichschaltung

von Nils Röcke

30 Bielefeld ist überall

von Hans-Hermann Gockel

33 Der Boulevard-Kanzler

von Klaus Faißner

37 Frankensteins Killer-Moskito

von Michael Morris

40 Patriot unter Falken

von Tino Perlick

43 Die Reichen und die Superreichen

von Marc Dassen

Dossier

46 Wie ich zum Patrioten wurde

Interview mit Renaud Camus

48 Der Große Austausch der Bevölkerung

von Renaud Camus

Leben

53 Unsere Handball-Helden

von Bernd Schumacher

56 Die Königin der Nacht

von Harald Harzheim

57 Urlaub im Schurkenstaat

von Peter Wiegrefe

61 Autoren und Agenten

von Helmut Roewer

63 General im Fadenkreuz

von Wolfgang Effenberger

65 BRD-Sprech _ Gutmensch

von Manfred Kleine-Hartlage

66 Harzheims Klassiker _ Napoleon

von Harald Harzheim

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Printed in Germany

Druckauflage dieser Ausgabe

75.000 Exemplare

4


COMPACT Foto des Monats

Narrenkönig Kretschmann: Jetzt geht es los / mit ganz großen Schritten / der Winfried greift der Angie / von hinten an die – Schulter. Ja, so macht Wahlkampf Spaß! Bei

der Polonaise der Fastnetszunft in Riedlingen (Landkreis Biberach) kann sich der Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg so richtig volkstümlich geben – egal, wieviel

Asylanten er nebenher ins Ländle lässt. Ob die Schwaben den Schwindel durchschauen? Bei der Landtagswahl am 13. März darf der grüne Regierungschef auf gute Werte hoffen.

Der Aschermittwoch kommt erst hinterher. Foto: picture alliance/dpa

5


COMPACT Leserbriefe

Leserbriefe schicken Sie bitte an: leserbrief@compact-magazin.com

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Freiwild

Frau

Das böse Ende der

Willkommenskultur

Schweigekartell

Der Sexmob und die Medien

Polizistin mit Eiern

Migrantin auf Streife

Superwanze Handy

Tipps zum Selbstschutz

Germaninnen

Mit Liebreiz und Schwert

Dossier: Die Lügenjournalisten

Agenten der Meinungsdiktatur

Zu COMPACT allgemein

Ausgabe 2/2016 | 4,95 EUR

www.compact-online.de

Noch nicht einmal ein ganzes Jahr lang bin ich

nun COMPACT-Abonnent. Über 40 Jahre lang

hatte ich den Spiegel gelesen, danach vielleicht

zehn Jahre lang den Focus. Früher lange

Jahre auch die Zeit. Ich habe sie allesamt

abbestellt – übrigens längst auch die FAZ. Ich

erinnere mich nicht, wie ich auf COMPACT gestoßen

war. Jedenfalls hatte ich ein Probe-

Abo bestellt, dieses aber schon nach dem ersten

oder zweiten Heft in ein Dauer-Abo umgewandelt

– ein guter Schritt!

H.-E. Fischer, per E-Mail

COMPACT ist eine der rettenden Inseln in unserem

Desinformation-Zeitalter. Werde natürlich

zum Kiosk gehen und das aktuelle Heft

wieder kaufen. Vielen Dank!

Hans Dampf, per Youtube-Kommentar

Da ich selbst begeisterter COMPACT-Leser bin,

kann ich empfehlen, ein Exemplar mal mit zum

Arzt zu nehmen und dort auszulegen oder einfach

im Bekanntenkreis weiter zu vergeben.

Mein Exemplar geht mindestens durch drei

bis vier Hände.

Martin Würzburger, per Facebook-Kommentar

Die neue COMPACT-Ausgabe ist super. Hatte

sie gestern im Briefkasten und finde es klasse,

dass COMPACT das Thema der Massenvergewaltigungen

thematisiert hat – im Gegensatz

zur Lügenpresse.

Nina Kühl, per Facebook-Kommentar

COMPACT leistet wichtige Aufklärungsarbeit

und bringt genau die Themen zur Sprache,

die in der Medienlandschaft sonst völlig

verschwiegen werden. Ich selbst informiere

mich online, halte dieses Magazin aber für

eine gute Möglichkeit, Informationen denen

näher zu bringen, die sich sonst nur aus der

Tageszeitung oder den Nachrichten informieren.

Deshalb habe ich das COMPACT-Abo zu

Weihnachten an meinen Vater verschenkt, in

der Hoffnung, bei zukünftigen Gesprächen

und Diskussionen bei ihm auf Grundwissen

der sonst als Verschwörungstheorien abgewerteten

Themen zu stoßen. Alternative und

freie Medien sind das, was wir brauchen. Ihr

Wert ist nicht in Euro zu beziffern.

Marcel Föll, per Facebook-Kommentar

Zu «Pfefferspray

genügt nicht»

Es wäre natürlich schön,

wenn eine Amtsenthebung

auf gesittete Weise

vonstatten gehen würde. Noch besser wäre

es allerdings, wenn statt nur einer Merkel-Enthebung

auch das Übel an der Wurzel gepackt

werden würde – denn die Puppenspieler über

Deutschland haben doch sicher längst eine

Merkel 2.0 im Ärmel.

saumakos, per Website-Kommentar

Die «Flüchtlinge» entblöden sich nicht, sogar

zuzugeben, dass sie ihre Familie im Kriegsgebiet

gelassen haben! Ich würde mich zu

Tode schämen, wenn ich auch nur den Geringsten

meiner Lieben, das wäre ein Haustier,

im Kriegsgebiet in Todesgefahr zurücklassen

würde. ichbin, per Website-Kommentar

Zu «Freiwild Frau»

Deutschland ist gegenwärtig

dabei, alle Errungenschaften

von Aufklärung

und Zivilisation

wieder zu beseitigen und sich in längst überwundene

Zeiten zurück zu bewegen. In einem

ewig langen Prozess wurden die Gleichberechtigung

der Frau und die Akzeptanz der

Homosexualität errungen. All dies wird nunmehr

wieder zunichte gemacht. Gleichzeitig

wird der Staat in seiner Substanz zerstört.

MixedChannel222, per Youtube-Kommentar

Silvesterübergriffe durch Migranten soll es

schon seit einigen Jahren in Deutschland geben.

Das habe ich jetzt aus mehreren Quellen

gehört. In den Vorjahren konnte es wohl unter

dem Teppich gehalten werden. Die Politik

kann das natürlich nicht zugeben, würde sie

damit doch zugeben, dass sie die Frauen wissentlich

ins Messer hat laufen lassen.

felicelouisa, per Youtube-Kommentar

Wenn die NWO-Deppen so weitermachen

können, wird es nicht in den Geschichtsbüchern

stehen. Denn diese Kretins werden dann

natürlich auch die Geschichte so schreiben,

wie es ihnen passt.

Anna Kurnikowa, per Youtube-Kommentar

Zu «Mit Liebreiz und

Schwert»

Die überaus wichtige

Thematisierung der Germaninnen,

welche gerne

auch ausführlicher ausfallen hätte dürfen,

und die Serie von Kleine-Hartlage machen ein

Abo zu einer interessanten Option, und ich bin

sehr wählerisch, was Magazine angeht. Fazit:

COMPACT «macht sich» und ist für Deutschland

sicherlich eine sehr wertvolle Publikation.

Onyx, per Website-Kommentar

In der letzten COMPACT ist mir der Artikel

«Mit Liebreiz und Schwert» besonders positiv

aufgefallen. Wir brauchen ganz dringend

und dauerhaft viel mehr positive Identifikation

mit dem Eigenen! Wir müssen dezidiert und

nicht nur diffus wissen, wofür wir zu kämpfen

haben! Pia Lobmeier hat da sehr wahrscheinlich

noch einiges mehr in petto. Es wäre sehr

gut, wenn das in COMPACT zum Tragen käme.

F. Fischer, per Facebook-Kommentar

Als Bezieher und Leser von COMPACT habe ich

mich sehr über Ihre Betrachtung «Mit Liebreiz

und Schwert» in der letzten Ausgabe gefreut –

endlich einmal wieder etwas Aufbauendes in

COMPACT! Ich glaube, das Heidentum macht

einen großen Teil unserer volklichen Identität

aus. Sie haben das ja sehr schön mit der

Übertragung der germanischen Frauenverehrung

auf die christliche Marien-Anbetung

aufgezeigt. Es hat uns gerade in dieser Zeit

der Entfremdung, Entwurzelung und Verwirrung

nach wie vor viel zu geben. F.B., per E-Mail

Ich will hier jetzt keine Jubelarie starten, aber

das Preis-Leistungs-Verhältnis ist einfach

wahnsinnig gut, die Artikel sind super interessant.

Am Ende des Monats sind die Hefte

neuerdings immer total verknittert sowie ausgelesen!

Dann wird bei den alten Ausgaben

weiter gestöbert. M.D., per Website-Kommentar


COMPACT Zitate des Monats

Wolle mer se drinlasse?

«In Deutschland tragen erstaunlich viele junge

Westafrikaner denselben Namen. Ihren Pass

haben sie ”verloren” oder werden geduldet.»

(Grammatik im Original; Frankfurter Allgemeine

Sonntagszeitung, 17.1.2016)

niert hat. (…) Hat Putin grüne Männchen auf

die Kölner Domplatte entsandt? Nein. Aber

vielleicht als syrische Flüchtlinge getarnte Anhänger

seines Verbündeten Assad.» (Flensburger

Tagblatt, 31.1.2016)

Köln ist überall

Adolfine mit dem fiesen Blick? Der kaum subtile Hitler-

Vergleich ist beim «Spiegel» offenbar der Gipfel des Einfallsreichtums.

Foto: «Der Spiegel»

AfD vor dem Durchbruch

Der Volksaufhetzer

«Sie sind das freundlich lächelnde Gesicht

der Horden, die durch Dresden ziehen und

da rumprügeln.» (Spiegel-Kolumnist Jakob Augstein

zu Frauke Petry, Menschen bei Maischberger,

27.1.2016)

Alles Nazis außer Siggi

«Wer demokratisch gewählte Politiker des

Hochverrats anklagt, sie als Systemparteien

und Journalisten als Lügenpresse beschimpft

und bedroht, der ist ganz nahe an der Sprache

der Feinde der Demokratie, der Nazis der

20er- und 30er-Jahre.» (Vizekanzler Sigmar Gabriel,

5.2.2016)

AfD raus!

«Die Macher von Maybrit Illner ziehen zumindest

für ihren Donnerstags-Talk klare Konsequenzen:

”Wenn die AfD nur noch Hetze

betreibt oder zu Gewalt aufruft, wird sie nicht

mehr Gast unserer Sendung sein.”» (Süddeutsche

Zeitung Online, 4.2.2016)

Gut zu wissen!

«Die Alternative für Deutschland ist aktuell

kein Beobachtungsobjekt der Verfassungsschutzbehörden.

Sie wird derzeit weder als

extremistisch noch als Gefahr für die freiheitlich-demokratische

Grundordnung eingestuft.»

(Thüringens Verfassungsschutzpräsident Stephan

Kramer, Welt Online, 2.2.2016)

Zahlmeister Deutschland

«Unter extrem zurückhaltenden Annahmen

habe ich ausgerechnet, dass sich die finanzielle

Belastung durch die Flüchtlingszuwanderung

(…) in den nächsten Jahrzehnten auf

insgesamt 1,5 Billionen belaufen wird.» (Der

frühere Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin, Huffington

Post Online, 18.1.2016)

Steinigung

«Mitten auf offener Straße sind in Dortmund

zwei Transsexuelle beleidigt und mit Steinen

angegriffen worden. (…) als das Männertrio

(…) bemerkt, dass es sich um zwei Transsexuelle

handelt, fallen wüste Beleidigungen

auf Arabisch.» (Focus Online, 18.1.2016)

Wieder ein Einzelfall

«In einem schwedischen Flüchtlingsheim hat

ein minderjähriger Asylbewerber eine Mitarbeiterin

mit einer Stichwaffe tödlich verletzt.»

(Spiegel Online, 26.1.2016)

Das Auschwitz-Argument

«Die Hilfs- und Aufnahmebereitschaft steht

Deutschland gut zu Gesicht – gerade mit Blick

auf die Vergangenheit.» (Die ehemalige Vorsitzende

des Zentralrats der Juden Charlotte Knobloch,

Tagesspiegel Online, 27.1.2016)

Geschichtsunterricht

«Wie es sich für ein Pogrom gehört, gab es

Täter, Opfer und Zuschauer. Die Täter waren

rücksichtslos, die Opfer hilflos und die Zuschauer

haben zugeschaut (…). Man muss

nicht Historiker oder Antisemitismus-Experte

sein, um Parallelen zu den antijüdischen Pogromen

aus der Zeit vor dem Holocaust zu erkennen.»

(Henryk M. Broder über die Übergriffe in

der Kölner Silvesternacht, Welt Online, 28.1.2016)

Kein Witz: Putin ist immer schuld

«Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass

der russische Geheimdienst die sexuellen

Massenübergriffe in der Silvesternacht insze-

«Das, was in Köln an Silvester passiert ist, passiert

hier inzwischen tagtäglich.» (Der türkische

Sozialarbeiter Ercan Yasaroglu über die Zustände in

Berlin-Kreuzberg, Focus Online, 31.1.2016)

Scharia-Schlägertrupp

«Drei Männer in einem Neuköllner Kiosk sind

von 30 Kindern und Jugendlichen attackiert

worden. (…) Als Vorwand für diese Attacken

nannten die laut Kioskbetreiber muslimischen

Jugendlichen, dass hier Alkohol verkauft werde,

und ”dafür müssen sie bestraft werden”.»

(morgenpost.de, 1.2.2016)

Fünf-Sterne-Asylanten

«18.000 Euro je Flüchtlingsbett in Berlin? //

Der Senat verhandelt mit Investorengruppe

(…).» (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2.2.2016)

Die Prophezeiung

«Frankreich und Belgien werden schon bald

muslimisch sein. Nichts wird diesen Prozess

aufhalten. Europa hat sich von Christus losgesagt

und wird muslimisch sein.» (Der polnische

Bischof Tadeusz Pieronek, Welt Online, 2.2.2016)

Die renommierte Zeitschrift «Eltern» entdeckt muslimische

Mütter als neue Covergirls. Foto: Verlag

7


COMPACT Intern

Elsässer und Schachtschneider in Altenburg.

Foto: Xlars Freydenker, AON 2016

Geliebt und gefürchtet: Anonymous.

Foto: Facebook, Anonymous

Begeisterte Leser: Riecke und Wolfgang vor einer

COMPACT-Plakatwand in Dresden. Foto: privat

Veranstaltungs-Kampagne

Internet-Zensur

Werbe-Offensive

8

Das war Rekord: COMPACT-Live zur Asyl-

Krise («Kommt der Widerstand endlich in

Schwung?») am 24. Januar in Dresden war

binnen 24 Stunden ausverkauft und musste

wiederholt werden. Am Ende verfolgten 300

Interessierte die Vorträge von Ellen Kositza,

Götz Kubitschek, Martin Sellner und Jürgen

Elsässer.

Noch mehr, nämlich 550, strömten am

3. Februar zur COMPACT-Veranstaltung im

thüringischen Altenburg (35.000 Einwohner),

die das dortige Bürgerforum mit organisiert

hatte. Jürgen Elsässer und Karl Abrecht

Schacht schneider begeisterten das Publikum.

Der Staatsrechtler stellte zum ersten Mal

die Verfassungsbeschwerde gegen die Zuwanderungspolitik

von einprozent.de vor. Die

Mitschnitte beider Veranstaltungen kann man

sich auf Youtube anschauen.

Am 4. März spricht Jürgen Elsässer auf Einladung

der AfD in Ingolstadt (19 Uhr, Wirtshaus

am Auwaldsee, Am Auwaldsee 20), am

10. März in Magdeburg (siehe Seite 22) und

am 21. März beim Pegida-Ableger in München

(19 Uhr, Odeonsplatz).

Bei der Buchmesse Leipzig vom 17. bis 20.

März wird COMPACT wieder mit einem großen

Stand vertreten sein. In Halle 5, Stand

E208 finden Sie Mitarbeiter und Redakteure

zum Plaudern – und können sich mit unseren

Materialien eindecken. Wir sind auch mit zwei

Veranstaltungen vertreten: Am 18. März die

Vorstellung von COMPACT-Spezial Asyl. Das

Chaos und am 19. März die Festveranstaltung

«5 Jahre COMPACT, eine Erfolgsgeschichte»,

beide Male um 17 Uhr in Halle 5, C200.

Die Merkel-Diktatur marschiert! Anfang Februar

sperrten die Behörden die Facebookseite

der Hackergruppe Anonymous. Reichsjustizminister

Heiko «Orwell» Maas hatte zu Jahresanfang

versprochen, Facebook noch schärfer

zu kontrollieren, als es dessen Chef Mark Zuckerberg

ohnedies schon tut. Und er hat Wort

gehalten: Mit Anetta Kahane engagierte er

eine ehemalige Mitarbeiterin der DDR-Staatssicherheit

und 100 weitere Blogwarte.

Anonymous war mit 1,8 Millionen Anhängern

die reichweitenstärkste Oppositionsseite

im Internet und deshalb eine Gefahr für das

Regime. Zur Sperrung kam es nachweislich

nicht nach einem sogenannten Hass-Beitrag,

sondern nach einer Verlinkung auf verschiedene

als «Verschlussachen» eingestufte

Asyl-Doku mente deutscher Sicherheitsbehörden,

die Anonymous zuvor, über mehrer Tage

verteilt, auf vk.com, der russischen Alternative

zu Facebook, veröffentlicht hatte.

Während die Mainstream-Medien diesen

bisher eklatantesten Fall von Zensur durch die

Maas-Kontrolleure verschwiegen, berichtete

COMPACT-Online prominent und erhielt dadurch

am 6. Februar die meisten Zugriffe aller

deutschen Seiten im Netz. Da auch wir damit

ins Fadenkreuz der Blogwarte geraten dürften,

haben wir uns, ebenso wie Anonymous, eine

Ausweichoption auf vk.com gesichert. (Tipps

zur Anmeldung dort ab Ende Februar auf unserer

Website!)

Das Beispiel zeigt, wie anfällig die Internet-Kommunikation

ist. Am sichersten ist es

immer noch, wenn Sie COMPACT – die Druckausgabe

– abonnieren.

Anfang Februar trauten viele COMPACT-

Leser ihren Augen nicht: In vielen deutschen

Städten hingen riesige Werbeplakate mit dem

Cover unseres Magazins. Nachdem wir an immer

mehr Kiosken präsent sind, wollen wir

damit weiter in den öffentlichen Raum vorstoßen.

COMPACT macht Freund und Feind

klar: Wir sind in der Offensive und bieten den

Mainstream-Medien Paroli!

Das Ziel ist klar: Nachdem wir die Auflage

seit Januar 2015 von 33.000 auf 80.000 Exemplare

steigern konnten, wollen wir 2016 noch

einen Zacken zulegen. Nächstes Ziel: Der Focus,

der wie alle anderen Systemzeitungen

massiv an Auflage verloren hat, soll überholt

werden.

Sie, liebe Leser, können unsere Offensive unterstützen!

Jedes neue Abonnement stärkt unsere

finanzielle Basis, mit der wir solche Werbemaßnahmen

bezahlen. Außerdem freuen

wir uns, wenn sie unsere hübschen Aufkleber

und Plakate – sie zeigen die COMPACT-Titelbilder

– überall aufhängen und verkleben. Zu

bestellen sind sie, teilweise sogar kostenlos,

auf shop.compact-magazin.com unter «Produkte».

Wer COMPACT in seinem Bekanntenkreis

weiterverkaufen will, findet auf compact-online.de/weiterverkaeufer/

Angebote

mit Mengenrabatt.

Einer der stärksten Werbeträger für COM-

PACT sind unsere Videos, die regelmäßig und

gratis auf Youtube bereitgestellt werden und

im Internet oft sechsstellige Zugriffe haben.

Verbreiten Sie die Links unter Ihren Freunden,

machen Sie doch ab und zu gemeinsame Filmabende.


COMPACT Inter-national

Al-Qusair: Mursis Schatten

_ von Salwa Amin

Genf: Célines Stilettos

_ von A. Benjamine Moser

Budapest: Pálinkas Kater

_ von Federico Bischoff

Meine Freunde hatten mich gewarnt. Ich

fuhr trotzdem ans Rote Meer. Wer hört schon

auf Leute, die keine Ahnung von Ägypten haben,

weil sie wegen des konstanten Konsums

von Mainstreammedien desinformiert sind?

Ringsherum Wüste, über mir der Himmel, vor

mir die blauen Fluten: Abtauchen, Stille. Fische

reden nicht. Endlich.

Doch die Realität holte mich schnell ein.

Auf einer Tour in die alte Stadt Al-Qusair, fernab

üppiger Hotelburgen, kam ich ins Gespräch

mit meinem Fahrer. Hassan erzählte, wie er

sein kleines Safariunternehmen verloren hat,

das er mühsam über die Jahre aufgebaut hatte

– jeden Tag, ohne Pause, in der sengenden

Sonne. Das ging jedoch schnell in Konkurs,

nachdem Mohammed Mursi 2012 Präsident

geworden war und seine Moslembrüder in der

Folge Furcht und Terror verbreiteten. Hassan

ist 40, schwer verschuldet, lebt fern von seiner

Familie in einem Apartment mit anderen

Männern, die wie er nonstop für irgendeine

der Firmen arbeiten, die der Krise standhalten

konnten.

Mein ägyptischer Reiseleiter im Hotel

macht dagegen, jede Kausalität auf den Kopf

stellend, die heutige moderate Regierung für

die Misere verantwortlich. Statt mir überteuerte

Ausflüge anzudrehen, nervt er mich mit

Bruderschaft-Propaganda. In Al-Qusair sind

die Strände verlassen, die meisten Geschäfte

geschlossen. Der Tourismus liegt am Boden.

Hassan empfiehlt mir das Fischrestaurant am

Strand. Aber ich wähle Kosheri, ein Arme-

Leute-Essen aus Reis, Nudeln und Linsen.

13 Zentimeter hohe schwarze High Heels

von Louboutin, mit den obligaten roten Sohlen,

sind das Markenzeichen von Céline Amaudruz,

Nationalrätin der konservativen SVP. Wenn die

Femme fatale im engen Designerdress und mit

wehender blonder Mähne durch den Plenarsaal

stöckelt, surren die Kameras hinter ihr

her. Die Juristin ist ein rhetorisches Naturtalent

und versteht es, eine Sache auf den

Punkt zu bringen.

Sie ist die welsche Frontfrau der sogenannten

Durchsetzungs-Initiative, die am 28. Februar

2016 zur Abstimmung kommt. Was will

das Volksbegehren? Künftig sollen schwerkriminelle

Ausländer – Mörder, Totschläger,

Vergewaltiger – automatisch des Landes verwiesen

werden, so wie es vor der Revision

des Strafgesetzes im Jahr 2006 Praxis war.

Natürlich hat sich, wie immer in den letzten

Jahren, eine breite Front der Gutmenschen

gegen die SVP formiert. Selbst 11 von 18 Ex-

Bundesräten haben sich eingemischt. Auch

der Unternehmerverband Economie suisse

sorgt sich um die Verbrecher – eine Gaudi! 73

Prozent aller Gefängnisinsassen der Schweiz

sind Ausländer und kosten den Steuerzahler

pro Jahr 730 Millionen Franken. «Dieses Geld

fehlt uns dann bei der Bildung», protestiert

der Walliser Staatsrat Oskar Freysinger. «Findet

das Anliegen sowohl ein Volks- als auch

Ständemehr, können pro Jahr an die 10.000

schwerkriminelle Ausländer ausgeschafft

werden, nicht bloß 500 wie jetzt», hält die

Genferin auf den Stilettos mit Verve fest. Die

Prognosen stehen 50:50.

Der Taxifahrer bringt uns in die Altstadt.

Unser Gastgeber ist ein Deutscher, der vor

Kurzem in die Donaumetropole ausgewandert

ist, ein «Merkel-Refugee», wie er dem

Fahrer berichtet. Der verzieht das Gesicht, will

sich noch nicht mal zur Kanzlerin äußern. «Ich

wähle Jobbik», fügt er hinzu, als ob das alles

erklären könnte. Das ist die Schwesterpartei

der NPD. In Ungarn kommt sie auf satte 20

Prozent, Tendenz steigend.

Rund um die Synagoge boomt das Nachtleben,

eine Kneipe an der anderen. Die deutschen

Touristen sollen seit den polemischen

Angriffen der Merkel-treuen Medien auf Regierungschef

Viktor Orbán weniger geworden

sein, aber Amerikaner und Japaner gleichen

das aus. Nach dem obligaten Gulasch und einer

Flasche Tokajer fahren wir noch am Ostbahnhof

vorbei. Dort gab es im August immer

wieder Randale zwischen Migranten von der

Balkanroute und der Polizei. Jetzt ist alles

friedlich. Seit Ungarn die Südgrenze dicht gemacht

hat, dürfen nur noch Schengen-Europäer

oder Inhaber von Visa ins Land. Wer es

illegal versucht, landet im Gefängnis. Refugees

not welcome – ihre Zahl liegt bei null.

Vom Balkon aus schauen wir auf das größte

Parlament in Europa. Um Mitternacht lässt

der sparsame Staat die Beleuchtung abschalten,

aber das stört uns nicht. Veronika serviert

Pálinka, den berühmten Obstler aus der

Puszta. Wir delektieren uns an der Flasche mit

Erdbeergeschmack und 50 Umdrehungen. Der

Kater am nächsten Morgen schnurrt sanft, hat

aber Krallen.

9


COMPACT Köpfe des Monats

Foto: Stefan Brending

Foto: Stephan Röhl

Foto: Leatherpredator/Montage

Aufsteiger des Monats

_ Angelique Kerber

Absteiger des Monats

_ Anne Helm

Was macht eigentlich

_ Sahra Wagenknecht

10

Für diesen Sieg hat sie 25 Jahre lang trainiert:

Im Januar bezwang Angelique Kerber

beim Endspiel der Australian Open die favorisierte

Serena Williams in drei Sätzen mit 6:4,

3:6 und 6:4. Es war der erste Grand-Slam-Sieg

einer deutschen Tennisspielerin seit Steffi

Grafs Erfolg 1999 bei den French Open. Zugleich

beförderte sich Kerber damit auf Platz 2

der Weltrangliste.

Das die 1,73 Meter große Blondine zur neuen

deutschen Tenniskönigin avanciert, war alles

andere als sicher. Nicht nur, weil die heute

28-Jährige lange Zeit nicht zur Weltspitze aufschließen

konnte – auch wegen ihres inneren

Schweinehundes, wie sie selbst einmal zugab.

Kerbers Mutter ist Deutsche, der Vater

Pole. Seit Ende 2012 wohnt sie im Örtchen

Paschkau bei Posen, wo sie im Tenniszentrum

ihres Großvaters Janusz Rzeźnik trainiert. Den

Schläger im Zeichen des polnischen Adlers

schwingen wollte Kerber aber dennoch nicht.

«Es gab mal eine Anfrage vom polnischen Verband,

und weil ich mich nicht sofort entschieden

hatte, bin ich da in der Presse ziemlich

verrissen worden. Aber ich hätte wohl ohnehin

für Deutschland gespielt, ich fühle mich als

Deutsche», sagt sie.

Kerbers Sieg markiert auch den bislang

größten Triumph der vielleicht erfolgreichsten

deutschen Tennis-Generation seit den Tagen

von Graf und Boris Becker. In den letzten Jahren

schafften es auch die fast gleichaltrigen

Andrea Petkovic, Julia Görges und Sabine Lisicki

unter die ersten Zehn der Weltrangliste.

(mmm)

Zuerst war nur ihre Stimme bekannt. Unter

anderem als Schweinchen Babe im gleichnamigen

Spielfilm quiekt die Synchronsprecherin

Anne Helm seit rund 20 Jahren aus deutschen

TV-Lautsprechern. Doch nach dem zeitweisen

Erfolg der Piraten sorgte die gebürtige Rostockerin

auch auf Bildern für Furore – allerdings

nicht durch ihre Arbeit als gewählte Bezirksverordnete

von Neukölln. 2013 posierte sie in

Dresden mit blanken Brüsten und dem aufgemalten

Schriftzug «Thanks Bomber Harris».

Die Danksagung an den Kommandanten des

Terrorangriffs vom 13. Februar 1945 führte

auch bei den Piraten zum Skandal. Der einstige

Bundestagskandidat Udo Vetter sah einen Versuch

des «der Antifa nahestehenden Flügels»,

die Partei zu übernehmen.

Tatsächlich sind die Piraten seit rund drei

Jahren fest in den Händen der Linksradikalen.

Insbesondere die Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus

mutierte zur reinen Refugee-

Welcome-Truppe. Nur konsequent war daher,

dass über Monate hinweg Geheimverhandlungen

mit den Linken liefen, vielleicht um

sich vor den Berlin-Wahlen im Herbst auf aussichtsreiche

Listenplätze zu retten.

Anfang Januar unterzeichneten 36 Piraten

einen Unterstützungsappell für die Dunkelroten,

darunter neben Helm der Radau-Antifant

Oliver Höfinghoff, aber auch der als politisches

Talent geltende noch-Fraktionschef

Martin Delius. Polit-Nackedei Helm wurde im

Januar 2016 sogar Mitglied der Linken und

schloss sich der Gruppe um Parteichefin Katja

Kipping an. (fb)

Fast unsichtbar wirkte Sahra Wagenknecht

am 11. Januar 2016. Im roten Blazer stand die

46-Jährige vor der roten Pressewand in der

Fraktionsebene des Berliner Reichstages. Eigentlich

kein Ort für Überraschungen, eher für

sorgfältig abgesprochene Statements. Doch

an diesem Tag ließ Wagenknecht eine politische

Bombe platzen: «Gerade in der ganzen

Diskussion über die Kölner Ereignisse ist völlig

klar: Wer Gastrecht missbraucht, der hat Gastrecht

dann eben auch verwirkt. Und das ist

auch von der Linken eine ganz klare Position.»

Bei RTL brach die rote Sahra noch ein

weiteres Tabu der Partei. «Natürlich gibt es

Kapazitätsgrenzen, wer das leugnet, ist doch

weltfremd.» Postwendend geiferten die Funktionäre.

«Es gibt kein Gastrecht, das ein Flüchtling

verwirken könnte, sondern es gilt die

Genfer Flüchtlingskonvention», polterte etwa

Stefan Liebich, der außenpolitische Fraktionssprecher

und Mitglied des US-Lobbyvereins

Atlantik-Brücke.

Nicht zum ersten Mal greift das einstige

Aushängeschild der Kommunistischen Plattform

das Linken-Establishment hart an. So

nannte sie etwa das Aus des Euro wiederholt

unvermeidlich. Im Volk wird die 46-Jährige mit

ihrer Haltung zunehmend zur Hoffnungsträgerin.

Im Juni 2015 hofften bereits 32 Prozent der

Deutschen, dass Wagenknecht künftig eine

wichtigere Rolle in der Politik spielt. Privaten

Rückhalt hat sie ohnehin: Ende 2014 heiratete

Wagenknecht das saarländische Linken-Enfant-terrible

Oskar Lafontaine, der in der Asylfrage

ähnlich agiert. (km)


COMPACT Titelthema

Die bessere Kanzlerin

_ von Jürgen Elsässer

Frauke Petry ist zum Gesicht der AfD geworden, weil sie in der Lage ist, Klartext zu reden

– und trotz allem charmant zu bleiben. Als vierfache Mutter und moderne Frau ist sie das

Gegenbild zu Angela Merkel – und gibt den Ausgegrenzten eine Stimme. Kein Wunder,

dass sie zum Hassobjekt für Blockparteien und Monopolmedien geworden ist.

Frontfrau der ersten Stunde: Frauke

Petry war bereits in der AfD-Vorgängerorganisation

Wahlalternative

2013 aktiv. Seit Juli 2015 ist sie

Vorsitzende der Oppositionspartei.

Foto: picture alliance / dpa

Am Ende wird es ein Lächeln sein, das den Gegner

besiegt – das Lächeln von Frauke Petry. An diesem

27. Januar ist es ihre schärfste Waffe bei Sandra

Maischberger: Ihre Mundwinkel besuchen die Ohren,

kräuseln sich an den Enden, ihre Augen blitzen schelmisch,

ihr Kinn hebt sich mit verhaltener Arroganz –

wer denkt da nicht an Audrey Hepburn in Frühstück

bei Tiffany? Die gegen sie aufgebotene Altherrenriege

kommt ins Stammeln: der schwabbelig gewordene

Jakob Augstein, der SPD-Pöbler Ralf Stegner, der

zerzauste AfD-Dissident Hans-Olaf Henkel. Der eine

bringt sie mit den «Horden, die durch Dresden ziehen»

in Verbindung, der andere will den Verfassungsschutz

auf sie hetzen, der dritte faselt von «NPD-light».

Petry kommt kaum zu Wort, und das ist auch nicht

nötig, denn schon rein optisch fallen diese Beleidigungen

auf ihre Urheber zurück. Welch ein Unterschied

zwischen ihr und den Linken in der Runde: Während

Augstein schlaff im Sessel fläzt und den Hemdkragen

nicht geschlossen hat, Stegner sogar gänzlich ohne

Krawatte und im zerknautschten Anzug gekommen

ist, sitzt ihnen die AfD-Vorsitzende hoch aufgerichtet

gegenüber. Ihr Business-Kostüm mit der Flügelkragenbluse

verleiht ihr die noble Kühle, die notwendig ist,

um den Betrachter von den langen Beinen unter dem

kurzen Rock abzulenken. Dabei kokettiert sie keine

Sekunde mit ihren Reizen, fast eine Stunde lang behält

sie ihre Körperposition bei: Offensichtlich steht sie in

dieser Konfrontation unter ungeheuerer Anspannung.

Trotzdem schafft sie es, die Angriffe wegzulächeln und

in dem ganzen politisch korrekten Tohuwabohu immer

wieder mit glasklaren Sätzen zu kontern. Etwa mit diesem:

«Wir haben kein Problem, unser Programm vorzustellen

und den Bürger entscheiden zu lassen.» Die

anderen wollen die AfD ausgrenzen und misstrauen

dem Volk – sie aber stellt sich der Demokratie. Wütender

Geifer gegen entwaffnende Offenheit – das ist der

Eindruck, der bleibt. In den folgenden Umfragen wird

die AfD bundesweit zur drittstärksten Partei.

Jagdszenen aus Mannheim

Vier Tage später ist Frauke Petry zu Gast in Mannheim,

um den Wahlkampf der baden-württembergischen

Parteifreunde zu unterstützen. Der Zugang zur

Gaststätte Schützenhaus wird von linksextremen Hundertschaften

blockiert. Eine Teilnehmerin berichtet:

«Ich sah, dass der Zaun abgesperrt war und davor größere

Mengen von jungen aggressiven Leuten waren,

Wer denkt bei

Frauke Petry nicht

an Audrey Hepburn

in «Frühstück bei

Tiffany»?

11


Artikelsammlung – Stand 06/2015 | 5,00 EUR (D)

COMPACT Titelthema

12

Christlich und sozial

Interviews mit Bernd Lucke, Alexander Gauland, Hans-

Olaf Henkel, Frauke Petry, Konrad Adam, Björn Höcke

«Das Fundament, auf dem sich

meine Position gründet, ist die

Verteidigung der europäischchristlichen

Werte. Was Sie

westlich-hedonistischen Lifestyle

genannt haben, ist doch

letztlich die sogenannte Spaßgesellschaft,

die ihren Zenit

überschritten hat. Damit verbinde

ich vor allem die Entwurzelung

des Menschen. Man wird

pausenlos abgelenkt, um nicht

über den Sinn des eigenen Lebens

nachzudenken. Das degradiert

den Menschen, macht aus

Bürgern bloße Konsumenten.

In Krisenzeiten wie der heutigen

finden die Menschen zu den

bleibenden Werten zurück. Entgegen

der verbreiteten Totengesänge

ist die Familie ein vitales

Modell, und aufgrund der längeren

Lebenserwartung von Großeltern

verbringen die drei aufeinanderfolgenden

Generationen

mehr Lebenszeit zusammen

als je zuvor in der Geschichte.

Das ganze kapitalistische System

ist doch an seine Grenzen

gestoßen. Deshalb heißt es im

AfD-Programm, wir müssen die

soziale Marktwirtschaft wieder

aufbauen. Aber selbst da setze

ich ein Fragezeichen: Der Markt

kann nicht alles regeln. Die Vorstellungen

der radikalen Marktliberalen

oder Libertären, dass

sich der Staat aus der Wirtschaft

zurückziehen soll und die

”unsichtbare Hand” des Marktes

schon alles regeln wird, halte

ich für naiv.» (Frauke Petry im

Interview in COMPACT 11/2013)

Das eDossier enthält alle COM-

PACT-Artikel zur AfD (shop.compactmagazin.com).

Foto: COMPACT

Bild oben rechts: Frauke Petry beim

ersten AfD-Bundesparteitag nach

Abspaltung der Lucke-Strömung am

29. November 2015 in Hannover,

der – entgegen der Hoffnungen der

Blockparteien – sehr harmonisch

verlief. Foto: picture alliance/dpa

daher ging ich zu einem Polizisten (…) und fragte

ihn, wie ich am besten zur Veranstaltung komme. Er

sagte, ich müsse durch diese Menge durch (…). Ich

Dummkopf mache das dann also, sage ”darf ich bitte

durch”, (…) werde sofort ohne Ansprache oder Nachfrage

getreten, geboxt, bespuckt, beschimpft (”Nazi-

Sau”). Ich versuche zu sagen, dass ich kein Nazi bin,

es wird mir mit Trillerpfeifen in die Ohren gepfiffen

und geschrien (…), und so wurde ich von mehreren

auf die Straße zurückgedrängt und zurückgeschoben.»

Die Frau gelangt – schließlich doch noch eskortiert von

Polizisten, die ebenfalls attackiert werden – bis an den

Zaun um die Gaststätte und muss diesen überklettern,

um hineinzukommen.

Trotz dieser Torturen haben sich sage und schreibe

400 Bürger Zutritt verschaffen können, der Saal ist

brechend voll. Die Spiegel-Reporter, die schließlich

Anfang Februar in ihrer Titelstory über Frauke Petry und

die «Hassprediger» der AfD schreiben, verschweigen

die gewalttätige Wahlkampfbehinderung und belassen

es bei einer lapidaren Bemerkung: «draußen hält die

Polizei Antifa-Demonstranten in Schach». Stattdessen

finden die Journalisten Diskussionsbeiträge aus dem

Publikum «hitzig», etwa diesen: «Wir sind ein Land im

Notstand! Es kommen Millionen Leute, das ist doch

der Wahnsinn, was mit uns passiert.»

Im Unterschied zu «Mutti» hat Petry

wirklich Kinder, und zwar gleich vier

an der Zahl.

Es mögen diese Jagdszenen in der Neckarstadt

gewesen sein, die Frauke Petry kurz darauf gegenüber

dem Lokalblatt Mannheimer Morgen zu einer Äußerung

über die Grenzsicherung durch Schusswaffeneinsatz

verleiteten. Obwohl sie lediglich die Gesetzeslage

referierte, hätte ihr klar sein müssen, dass die SPDorientierte

Zeitung dies mit dem DDR-Schießbefehl in

Zusammenhang bringen würde, um sie zu diffamieren.

Im Unterschied zu anderen AfD-Vorständlern, die sich

durch die sofort einsetzende Medienkampagne nervös

machen ließen, stellte sie zwar die Verkürzung richtig,

ruderte aber im Kern nicht zurück – vielleicht, weil sie

merkte, dass im Volk gespürt wird, wie wichtig diese

Diskussion ist: Immerhin 25 Prozent der Deutschen

befürworten, im Unterschied zu ihr, einen Schusswaffeneinsatz

sogar gegen unbewaffnete Flüchtlinge

(shortnews.de, 6.2.). Auch in anderen Fragen scheint

sich die Sächsin, entsprechend der Stimmung im Land,

weiterentwickelt zu haben: Während sie im Dezember

ihrem Thüringer Parteikollegen Björn Höcke noch

den Parteiaustritt nahelegte, verteidigte sie ihn bei

Maischberger standhaft gegen den Rassismus-Vorwurf

und attestierte seiner Theorie zum Reproduktionsverhalten

der Afrikaner lediglich wissenschaftliche

Unsinnigkeit. Im Februar lud sie sogar zu einer Großveranstaltung

mit Heinz-Christian Strache, dem Chef

der österreichischen FPÖ, nach Düsseldorf ein. Bisher

hatte die AfD-Spitze Distanz zu anderen europäischen

Protestparteien gehalten und sich im Europaparlament

stattdessen mit den britischen Konservativen von Premier

David Cameron verbündet.

Angstgegner für Merkel

Wie die Kanzlerin kommt die AfD-Chefin aus dem

Osten – aber das ist auch schon das Ende der Gemeinsamkeiten.

Während Merkel zwar aus einer Pfarrersfamilie

stammt, aber jede religiöse Färbung verbirgt,

hat sich Petry bewusst zum Christentum bekannt – sie

ließ sich erst mit neun Jahren taufen und heiratete

später einen Pfarrer. Im Unterschied zu «Mutti» hat

die 40-Jährige wirklich Kinder, und zwar gleich vier

an der Zahl – ohne dabei ihre frische Jugendlichkeit

verloren zu haben.

Man könnte einwenden, dass die – übrigens mehrfach

preisgekrönte – Unternehmerin mit ihrer Firma

Purinvent 2013 Insolvenz anmelden musste. Aber

immerhin haftete sie mit ihrem Privatvermögen für

die Verluste – ganz im Unterschied zu Merkel, deren

Euro-Politik das Geld der Steuerzahler kostet. Und wer

ihr vorwirft, ihren Mann letztes Jahr verlassen und mit

ihrem Parteifreund Marcus Pretzell ein neues Glück

gefunden zu haben, dem könnte sie mit Jesus antworten:

«Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.»

Mit ihrem ganzen Lebensweg, mit all seinen Höhen

und Tiefen, steht Frauke Petry für die Mitte der Gesellschaft,

die von den Altparteien verlassen worden ist:

eine Frau, für die Emanzipation kein Widerspruch zu

Mutterschaft, moderne Weltoffenheit kein Gegensatz

zu Heimatliebe ist. Nun ist ihre Zeit gekommen.


COMPACT Titelthema

Die Angst vor der Alternative

_ von Marc Dassen

Diffamierungen, Brandanschläge, Mordversuche – seit ihrer Gründung ist die AfD im

Kreuzfeuer. Kurz vor den Landtagswahlen nahmen die Attacken nie gekannte Ausmaße an.

Die Stimmung wird aufgeheizt durch Schreibtischtäter in den Medien und Altparteien, die

ihre Konkurrenz zum Abschuss freigegeben haben.

Es ist Montag, kurz nach Mitternacht am 2. Februar.

Auf den Straßen herrscht Totenstille. Die wenigen

Laternen werfen fahles Licht auf die menschenleeren

Gehwege einer Siedlung im Leipziger Stadtteil

Mockau. AfD-Stadtrat Holger Hentschel liegt längst

im Bett – es sind Sirenen, die ihn aus dem Schlaf reißen.

Löschwagen halten vor seinem Haus, dann sieht

er Flammen, die aus seinem Auto schlagen. Im Schutz

der Dunkelheit hatte die Antifa zugeschlagen. Werden

die Täter beim nächsten Mal seine Wohnung anzünden?

Soll er das Klingelschild mit seinem Namen entfernen

oder am besten gleich aus Leipzig wegziehen,

wie zuvor schon sein ebenfalls überfallener Parteifreund

Hans-Christian Tillschneider? Dem Chemnitzer

AfD-Landtagsabgeordneten Carsten Hütter ging es

ähnlich. Zunächst zündeten die Linksextremen immer

wieder Sprengkörper vor seinem Büro und warfen die

Scheiben ein, dann, Mitte Januar, fand er Patronenhülsen

und einen aufgesprühten Galgen auf der Eingangstür

vor – eine eindeutige Botschaft.

Ein Hauch von Weimar liegt in der Luft. Die Liste

der Gewalttaten ist lang (siehe Infobox Seite 14). AfD-

Mitglieder und -Sympathisanten werden auf offener

Straße bespuckt, bedroht, verprügelt; Bürgerbüros

werden verwüstet, und sogar vor Privatwohnungen

machen die Angreifer nicht mehr Halt. Über 10.000

Übergriffe wurden seit Anfang 2013 von AfD-Juristen

dokumentiert. Nicht selten prahlen die Täter auf linken

Webseiten wie Indymedia mit ihren Verbrechen.

Ende Januar wurde ein AfD-Wahlkampfhelfer in Karlsruhe

beim Plakatekleben mit einer Handfeuerwaffe

beschossen, die Kugel durchschlug das geschlossene

Seitenfenster seines Autos. Derweil taten sich die Altparteien

sichtlich schwer, die Tat zu verurteilen, was

selbst die Frankfurter Allgemeine Zeitung als «peinliches

Schweigen» wertete.

Schreibtischtäter und Totengräber

Es sind die Ideologen in den Regimeparteien und

Sytemmedien, die aus ihrer gefühlten moralischen

Überlegenheit heraus glauben, man dürfe mit der AfD

nicht mehr reden, müsse sie nur noch entlarven, diffamieren,

bekämpfen. Vizekanzler Sigmar Gabriel, Justizminister

Heiko Maas und Ralf Stegner (alle SPD) haben

sich als Deutschlands Chefankläger besonders hervorgetan.

Stegner bezeichnete die Partei bei Maischberger

als «Demokratiefeinde» und als «Schmutzfänger» –

und reihte sich damit in die «Pack»-Rhetorik seines

ZDF-Kinderkanal «tivi» zeigt Frauke

Petrys angeblichen Schießbefehl

an der Grenze. Foto: Screenshot

YouTube

«Pegida und AfD

sind rhetorische

Brandstifter.»

Heiko Maas

Beim Anschlag auf das Büro des

sächsischen Landtagsabgeordneten

Uwe Wurlitzer am 8.10.2015 in

Leipzig entstand ein Sachschaden

von 3.000 Euro. Foto: AfD Sachsen

13


COMPACT Titelthema

Bei dieser linksextremen Demonstration

in Osnabrück am 19.1.2016

beschlagnahmte die Polizei

Schlagwaffen. Foto: Jörn Martens

Mehrfach wurde

auf AfD-Büros,

einmal sogar auf

einen Plakatkleber

geschossen.

_ Marc Dassen ist Redakteur bei

COMPACT-Magazin. In Ausgabe

2/2016 schrieb er über den Türsteher

Ivan Jurcevic, der in der

Kölner Silvesternacht mehrere

Frauen vor Übergriffen durch

Flüchtlinge bewahrt hatte.

Parteichefs ein. Gabriel unterstellte der AfD schon im

Oktober «offen rechtsradikal» zu sein. Als die Wahlen

in Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg

immer näher rückten, trieb Gabriel die Angst

vor erdrutschartigen Niederlagen um, weshalb er bisherige

Äußerungen mit weiteren Superlativen der Verachtung

zu übertrumpfen suchte. Anfang Februar griff

er tief in die braune Schublade, warf der AfD Nähe zu

den Nazis vor: «Wer demokratisch gewählte Politiker

des Hochverrats anklagt, sie als Systemparteien und

Journalisten als Lügenpresse beschimpft und bedroht,

der ist ganz nahe an der Sprache der Feinde der Demokratie,

der Nazis der 20er- und 30er-Jahre.»

Maas erklärte Mitte Oktober 2015: «Pegida und

AfD sind rhetorische Brandstifter», die eine «Schande

für Deutschland» seien. Die Verbalattacken erreichten

einen vorläufigen Höhepunkt in der Forderung von

SPD und Grünen, die AfD durch den Verfassungsschutz

überwachen zu lassen. «Die AfD gehört in den Verfassungsschutzbericht

und nicht ins Fernsehen», tönte

Gabriel Ende Januar. Das Bundesamt widersprach und

sah keinen Anlass zur Überwachung. Verbotsforderungen

sind dennoch nichts Neues. «Sollte die AfD verboten

werden?», fragte etwa das Internetportal theeuropean.de

und postulierte, dass die «die Überwachung

der AfD im Angesicht der rechtspopulistischen Dauereskalation

längst geboten» sei. Zu allem Überfluss

reihte sich Ende Januar sogar Thomas Sternberg, Präsident

des Zentralrats der Katholiken, in die Phalanx

der AfD-Hasser ein und gab bekannt, dass die AfD

beim 100. Kirchentag in Leipzig unerwünscht sei.

Medialer Spießrutenlauf

Wie schwer es auch den sogenannten Qualitätsmedien

fällt, ihrem Neutralitätsanspruch gerecht zu

werden, zeigte beispielhaft Der Spiegel mit seiner

Ausgabe vom 6. Februar. Auf der Titelseite: Der hässlichste

Schnappschuss von Frauke Petry, den die Spiegel-Redaktion

finden konnte – im Hintergrund wurde

eine Kulisse einmontiert, die an die Olympischen

Spiele 1936 erinnert. Die Titelzeile: «Die Hassprediger –

Frauke Petry und die AfD: Bericht aus dem Innern einer

gefährlichen Partei». Schon im Editorial wird die Linie

vorgegeben: «Journalisten sollen neutrale Beobachter

sein, nicht Beteiligte des Geschehens. Doch wenn es

um die AfD geht, ist das nicht so leicht (…).» Die Existenz

der AfD werfe laut Spiegel «70 Jahre nach Kriegsende

die Frage auf, was Deutschland aus der Diktatur

gelernt und verstanden hat».

Schrill und primitiv muss es sein, wenn die Einheitspresse

über die AfD berichtet. Für die Frankfurter Allgemeine

Zeitung ist die AfD die «Partei der Fanatisierten».

Die Huffington Post will Alexander Gauland

– den Landesvorsitzenden in Brandenburg – Anfang

Januar dabei erwischt haben, wie er «erneut mit Nazi-

Jargon» provozierte – er hatte den Begriff «Volkskörper»

benutzt. Eine Redakteurin bei Zeit Online fühlte

sich durch Björn Höckes Auftritt bei Günther Jauch

im Oktober 2015 «bisweilen an Reichsparteitage erinnert»,

tagesschau.de sah in dem Thüringer AfD-Chef

einen «völkischen Verführer». Sogar die New York

Times ließ sich Ende letzten Jahres dazu herab, Höcke

als das «neue Gesicht des Rassismus in Deutschland»

zu brandmarken.

Von der Professorenzur

Volkspartei

14

6. Februar 22. September 22./23. März

25. Mai August/September

Die Alternative für Deutschland

(AfD) entsteht aus einer hessischen

Bürgerinitiative und als Reaktion

auf Merkels Rhetorik der

«Alternativlosigkeit».

Die AfD erreicht bei den Bundestagswahlen

4,7 Prozent und verpasst

nur knapp den Einzug ins

Berliner Parlament.

2013 2014

Beim AfD-Parteitag in Erfurt rebelliert

die Basis gegen Bernd

Luckes Pläne, seine Macht als

Parteichef auszudehnen. Lucke

scheitert, die Satzungsänderung

wird gestrichen.

Die AfD trifft mit ihrer Euro-Kritik

den Nerv der Zeit, bekommt bei

den Europawahlen 7,1 Prozent

und erhält sieben Mandate.

Bei den Landtagswahlen erhält

die AfD erst in Sachsen 9,7, dann

zwei Wochen später in Brandenburg

12,2 und in Thüringen 10,6

Prozent – und zieht damit in drei

Landtage ein.


COMPACT Titelthema

Der Mainzer Politikwissenschaftler Gerd Mielke,

der schon für die SPD-Ministerpräsidenten Rudolf

Scharping und Kurt Beck arbeitete, sprach in einem

Interview mit dem SWR Anfang November 2015 von

der «Pegida-AfD», die er als «Pack-Partei» ansieht. Da

helfe nur «konsequente Einschüchterung des ”Packs”

durch eine konsequente Kriminalisierung». Sein Rezept:

«Wenn sich die Mengen von rechtsaffinen Kleinbürgern

in Dresden in einem dreistündigen Polizeikessel

erst alle mal in die Hose gepinkelt haben und

abschließend mit Wasserwerfern traktiert wurden,

dann haben sie für eine geraume Weile genug vom

Demonstrieren.»

Das Ende der Toleranz

Die Haltung des Mainstreams gegenüber der AfD

hat auch die Debatte um den Ausschluss aus der sogenannten

Elefantenrunde des SWR und MDR illustriert.

Die Sender wollten im Vorlauf zu den kommenden

Landtagswahlen im März wie gewohnt Diskussionsrunden

mit Vertretern aller großen Parteien senden –

doch SPD und Grüne rebellierten. Die AfD würde

dadurch nur unnötig aufgewertet, so die Rechtfertigung

der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin

Malu Dreyer (SPD) und ihres Parteichefs Gabriel. Ein

pikantes Detail: Frau Dreyer ist auch Vorsitzende der

Rundfunkkommission der Länder, bestimmt also die

Medienpolitik der GEZ-Medien entscheidend mit. Einzig

die CDU wollte sich der Debatte stellen und empfand

die Reaktion der Grünen und Sozialdemokraten

als «feige, peinlich und wirkungslos» und sprach von

«indirekter Medienzensur». Die GEZ-Sender knickten

dennoch ein und luden die AfD erstmal aus. Als diese

Peinlichkeit die Runde machte, setzte ein zaghaftes

Umdenken ein. Die AfD sollte doch noch zur Debatte

kommen dürfen, aber Dreyer wollte nur einen B-Promi

von der SPD schicken – ein Eiertanz par excellence.

Nicht selten geht die Diskriminierung nach hinten

los: Als ein Vertreter der AfD Anfang letzten Jahres

zu einer Podiumsdiskussion zum Thema Asyl an das

Kopernikus-Gymnasium im holsteinischen Bargteheide

eingeladen wurde, protestierte ein Nachwuchspolitiker

der Grünen mit den üblichen Plattitüden – man

dürfe Fremdenfeinden kein Podium bieten. Die Schule

lud ihn ein, ebenfalls zur Diskussion zu kommen – was

er ablehnte. Stattdessen drohte er der Schulleitung:

«Sollte die Veranstaltung trotzdem stattfinden, dann

empfehlen wir, (…) Trillerpfeifen oder ähnliches mit

in die Schule zu nehmen und die Veranstaltung gezielt

und vor allem friedlich zu stören.» Der Rektor gab nach,

blies die Veranstaltung ab. Der Clou: Für die AfD hätte

an diesem Abend Achille Demagbo teilnehmen sollen.

Er kam vor zehn Jahres aus dem westafrikanischen

Benin in die Bundesrepublik. Doch die Grünen lieben

Afrikaner nur dann, wenn sie in ihr Multimulti-Klischee

passen…

«Wir empfehlen, die Veranstaltung

gezielt und vor allem friedlich zu

stören.» Grünen-Politiker Patrick Rohde

Gerade diejenigen, die immer wieder lautstark für

Toleranz, Weltoffenheit und Meinungsfreiheit trommeln,

zeigen im Falle der AfD ihr wahres Gesicht. Für

viele Bürger steht die Abkürzung AfD dagegen für die

Hoffnung auf den längst überfälligen Wandel, und hinter

vorgehaltener Hand übersetzen sie: AfD – Angie

fürchte Dich…

Zurück in Weimar

6.8.2015 – Leipzig

Antifa greift die Firma von Frauke

Petry an, zerstört Fensterscheiben

und verursacht erheblichen

Sachschaden.

24.10.2015 – Berlin

Privatfahrzeug der AfD-Europaabgeordneten

Beatrix von

Storch in Brand gesetzt.

24./25.10.2015 – Stössen

Werkstatt des AfD-Landeschefs

André Poggenburg verwüstet.

Sachschaden im fünfstelligen

Bereich.

17.1.2016 – Göttingen

Antifa belagert Wohnhaus des

Vorsitzenden der Jungen Alternative

Lars Steinke und droht

mit seiner Ermordung.

19.1.2016 – Jena

Farbbeutelanschlag auf das

Wohnhaus der Thüringer Landtagsagbeordneten

Wiebke

Muhsal.

23.1.2016 – Karlsruhe

Ein AfD-Plakatierer wird von

vermummtem Linksextremisten

mit Schusswaffe angegriffen.

3.2.2016 – Arnsberg

Schüsse auf das Büro der AfD-

Ratsfraktion. Drei Projektile

durchschlagen eine Fensterscheibe.

Bild oben: Schusswaffen-Anschlag

auf die AfD-Ratsfraktion in Arnsberg,

Februar 2016.

Bild links: Das ausgebrannte Auto

der EU-Abgeordneten Beatrix von

Storch. Fotos: Facebook

15. Februar 10. Mai 2015

4./5. Juli 16. September 28./29. November

Die AfD erreicht bei den Hamburger

Bürgerschaftswahlen 6,1 Prozent

und sichert sich acht Sitze

im Parlament.

2015

Bei der Bürgerschaftswahl in Bremen

bekommt die AfD 5,5 Prozent

der Stimmen und erhält vier

Sitze.

Frauke Petry und Jörg Meuthen

werden auf dem Essener Parteitag

als neue Parteivorsitzende

bestätigt – Lucke verlässt wenig

später die AfD und gründet die

Partei Alfa.

Der Thüringer AfD-Chef Björn

Höcke organisiert die erste Erfurter

Demonstration zur Asylpolitik.

Die Demos finden daraufhin

regelmäßig statt, mit bis zu

10.000 Teilnehmern.

Auf dem Bundesparteitag in

Hannover zeigt sich die AfD einig,

Frauke Petry fordert Merkels

Rücktritt.

Fotos: Archiv

15


COMPACT Titelthema

«Wir dürfen nicht mitregieren, nirgends!»

_ Interview mit Alexander Gauland

Die drei Landtagswahlen im März geben in der AfD Anlass zu großen

Hoffnungen. Doch was kann die Partei erreichen, wenn sie als drittstärkste

Kraft dennoch weiter ausgegrenzt wird? Wie kann sie die

immer wütenderen Angriffe der Etablierten kontern, wie die Einheit

ihrer unterschiedlichen Flügel bewahren?

«Die AfD hat ein

Programm. Sie will

die liberale

Demokratie zerstören.»

Augstein

Nach 40 Jahren in der CDU gehörte

Gauland zu den Gründungsmitgliedern

der AfD. Foto: picture alliance

/ dpa

In den letzten Wochen geriet die AfD unter scharfes

Feuer des Establishments. Was hat Sie am

meisten geärgert?

Der Versuch, uns in den Elefantenrunden des öffentlich-rechtlichen

Fernsehens auszugrenzen. Das war

eine undemokratische Methode. Staatsferne Medien

hätten diesem Druck der großen Parteien widerstehen

müssen. Ich fand den Widerstand aber nicht besonders

kräftig.

«Das ist dummes Zeug!»

Das heißt, die Totschweigetaktik, die CDU-Fraktionschef

Volker Kauder als Leitlinie für den Umgang

mit der AfD ursprünglich ausgab, halten Sie

für schlimmer als die Schmutzkübelei?

Überspitzt gesagt: ja. Eine Schmutzkampagne ist für

uns weniger schlimm als das Totschweigen, denn die

Verleumdungen glauben die Leute ohnedies nicht mehr.

Hat die AfD auch selbst Fehler im Wahlkampf

gemacht?

Natürlich passieren auch uns Fehler. Als solchen

sehe ich die völlig missverstandene Äußerung von

Frauke Petry zum Schusswaffeneinsatz an den Grenzen.

Die Menschen wollen sichere Grenzen, sie wollen

ein Ende der katastrophalen Flüchtlingspolitik. Aber

Schüsse auf Frauen und Kinder, das stört auch diejenigen,

die mit der Politik der Bundeskanzlerin vollkommen

unzufrieden sind.

Ende Januar schrieb Jakob Augstein im Spiegel:

«Die AfD hat ein Programm. Sie will die liberale

Demokratie zerstören.» Was antworten Sie ihm?

Das ist dummes Zeug, und das weiß er auch. Wir

haben ein klares Programm, zum Beispiel eindeutig

rechtsstaatliche Positionen in der Asyl- und Zuwanderungsfrage.

Und was die liberale Demokratie angeht:

Wir wollen sie nicht zerstören, sondern wiederherstellen.

Man kann doch nicht mehr von einer

liberalen Demokratie sprechen, wenn alle Parteien

im Bundestag in entscheidenden Punkten die gleiche

Meinung vertreten und man die wichtigste Kraft, die

Alternativen aufzeigt, nämlich die AfD, ausgrenzt und

verteufelt.

Die AfD braucht Petry – und Höcke

16

Von außen betrachtet gibt es in der AfD einen liberalen

Pol um Frauke Petry, einen radikalen Pol

um Björn Höcke – und dazwischen einen Alexander

Gauland, der irgendwie vermittelt. So stellen

es jedenfalls die Mainstream-Medien dar.

Diese Wahrnehmung stimmt aus meiner Sicht nicht.

Natürlich sind wir alle verschieden. Aber trotz mancher

unterschiedlicher Position liegen wir doch im

Kern eng beieinander. Frau Petry hat die Sorge, dass

Höcke Wähler vertreibt. Ich glaube das eher nicht.

Und ganz grundsätzlich gesehen, finde ich Ausgrenzung

immer falsch. Was Höcke in Erfurt geschafft hat,

nämlich 8.000 Menschen regelmäßig gegen den Asylwahnsinn

auf die Straße zu bringen, muss ich anerkennen.

Ich selbst habe das in Brandenburg nicht hinbekommen.

Wenn er mal einen Fehler gemacht hat,

etwa in der Talkshow von Günter Jauch oder mit seinen

Ausführungen zum Reproduktionsverhalten der

Afrikaner auf einer Tagung des Instituts für Staatspolitik

im November, kann man ihn deswegen kritisieren

– aber das sind keine Gründe, ihn fallenzulassen.

Höcke gehört ganz unbestritten zu unserer Partei,

so wie Frau Petry ganz unbestritten unsere Vorsitzende

ist. Ich sage das nicht, weil ich mich in der Mitte

zwischen beiden fühle, sondern weil ich alle im Boot

halten will. Ich habe intensiv Wahlkampf in Baden-


COMPACT Titelthema

Württemberg geführt, weil ich mir dort ein gutes Ergebnis

wünsche, sodass auch unser liberaler Flügel

auf eigene Erfolge verweisen kann.

Seit Jahresanfang scheinen Höcke und Petry die

Plätze getauscht zu haben. Der Thüringer hält die

Füße still, während die Sächsin mit pointierten

Äußerungen auftrumpft…

Da haben Sie Recht. Ich bin dankbar, dass Höcke sich

zurückgehalten hat, um den Wahlkampf in Baden-

Württemberg und Rheinland-Pfalz nicht zu erschweren.

Und Frauke Petry ist bei der Grenzsicherung ein

Fehler unterlaufen, ihr ist da etwas durch die Zähne

gerutscht…

…drangsaliert von einem Journalisten, der etwas

aus ihr herauskitzeln wollte…

Ja, wenn ich das als Fehler von ihr bezeichne, dann

soll das keine Distanzierung bedeuten. Solche Fehler

können jedem von uns passieren.

Ist es nicht eine Einengung der Reichweite,

wenn eine Partei ihre pointierten Flügelpersönlichkeiten

bremst?

Persönlichkeiten mit klarem Profil sind wichtig. Aber

es gibt einen Unterschied: Volksparteien brauchen

Flügel, weil sie einen breiten Querschnitt in der Bevölkerung

ansprechen. Aber bei kleinen Parteien können

Flügelkämpfe zerstörerisch wirken.

Kann die AfD den Kanzler stellen?

Wobei die AfD doch zügig zu einer Volkspartei

heranwächst. 20 Prozent plus x erscheinen nicht

mehr ausgeschlossen. Und dann? Habt Ihr eine

Machtperspektive?

Wir dürfen uns an keiner Regierung beteiligen. Nirgends.

Wir müssen klare Oppositionsarbeit machen,

überall. Sonst erleiden wir das Schicksal von Kleinparteien

wie dem Bund der Heimatvertriebenen und

Entrechteten (BHE), der Anfang der 1950er Jahre in

der Umarmung der CDU erstickt wurde. Im Übrigen

würde uns auch keine der großen Parteien als Koalitionspartner

haben wollen, diese Tabuzone ist groß.

Lieber machen sie eine Große Koalition, eventuell erweitert

durch die Grünen.

Aus der Geschichte der Grünen kann man lernen,

dass das Konzept Fundamentalopposition zwar

ein, zwei Legislaturperioden gut trägt, aber dann

der Drang zum Mitregieren wächst, und zwar aus

der eigenen Wählerschaft heraus.

Das stimmt, aber dieser Zeitpunkt ist bei uns noch

lange nicht erreicht. Wenn wir jetzt ans Mitregieren

auch nur denken, würde es uns zerreißen. Die AfD ist

eine junge Partei, wir müssen unsere personellen und

fachlichen Ressourcen erst einmal aufbauen. Würden

wir zum Beispiel nach der Landtagswahl mit der CDU

in Baden-Württemberg eine Regierung bilden, wozu

Zum Abschluss ihrer «Herbstoffensive»

mobilisierte die AfD

Anfang November 2015 über 7.000

Asylkritiker nach Berlin. In der

ersten Reihe marschierten links

neben Gauland Marcus Pretzell

(Europa-Abgeordneter) und Frauke

Petry, rechts von ihm Beatrix von

Storch (Europa-Abgeordnete).

Foto: AfD Brandenburg

«Wenn wir jetzt ans

Mitregieren auch

nur denken, würde

es uns zerreißen.»


Gauland

17


COMPACT Titelthema

Gauland und Reschke

In der Sendung Hart aber fair

von Mitte Januar 2016 verteidigte

Alexander Gauland das

Wort «Lügenpresse». «Der Begriff

ist überspitzt, stellt aber etwas

Richtiges dar», so der stellvertretende

Sprecher der Partei.

Zur ebenfalls anwesenden

Anja Reschke, Moderatorin des

ARD-Magazins Panorama, sagte

er: «Ich habe das mal, entschuldigen

Sie, gnädige Frau, Reschke-Fernsehen

genannt. Wir sollen

alle erzogen werden, sollen

alles gut und richtig finden. Frau

Reschke war für mich eine Symbolfigur

dafür.»

Reschke, die mit ihrem Flüchtlings-Kommentar

«Aufstand der

Anständigen» im vergangenen

Jahr für Aufsehen gesorgt hatte,

wehrte sich. «Mir war gar nicht

bewusst, dass ich für die gesamte

deutsche Fernseh-Landschaft

stehe.»

Nach der Sendung saß Gauland

mit Reschke noch zusammen.

«Ich war angenehm überrascht,

wie offen sie gegenüber unseren

Positionen war», sagte er

gegenüber COMPACT.

es rein rechnerisch reichen könnte, dann müssten wir

eine ganze Menge Dinge mittragen, die unsere Wähler

als Verrat empfinden würden.

Gut, Juniorpartner und damit Steigbügelhalter

für die CDU, das geht gar nicht. Aber warum dann

Rückzug auf Fundamentalopposition und nicht

lieber Offensive und auf Sieg spielen? Warum

nicht das Ziel ausgeben: AfD wird stärkste Partei

und stellt den Kanzler?

Dafür ist die Zeit nicht reif. Ich neige nicht zu Größenwahn.

Das Szenario würde voraussetzen, dass die

CDU in mehrere Einzelteile zerfällt. Aber die Erfahrung

lehrt: Gewachsene politische Milieus halten auch

dann noch an einer bestimmten Partei fest, wenn sie

deren Politik bereits ablehnen. Wobei Merkel, wenn

sie so weitermacht, aufpassen muss, dass sie die Union

nicht zerstört. Das wäre dann eine neue Lage, dann

wäre die von Ihnen skizzierte Option offen. Aber jetzt

ist das noch nicht gegeben.

Unverhofft kommt oft: In Griechenland zerfielen

alle etablierten Parteien zwischen 2011 und 2014,

und die vorher unbedeutende Syriza stieg zur

stärksten Kraft auf und stellt seither den Premier.

Aber das Beispiel Syriza zeigt auch, wie eine solche

neue Kraft sich in in dieser Situation spaltet, dass also

Regierungsbeteiligung für eine junge Partei fast tödlich

ist. Deshalb wünsche ich mir ein kräftiges Wachstum

für die AfD, aber keine Quantensprünge.

«Mit dieser Kanzlerin gibt es keine

Zukunft für Deutschland.» Gauland

lich die Grenzen geöffnet und viele Monate gegen

jede Kritik offen gehalten hat. Das Einzige, was ihr

übrig bleibt, wäre, in Einzelpunkten gegenzusteuern

und Schadensbegrenzung zu versuchen, ganz nach

dem Motto: Wasch mich, aber mach mir den Pelz

nicht nass.

Das merken doch die Leute!

Das weiß ich nicht. Die Abwendung von einer Partei

kann lange dauern. Wie viele Jahre hat es gebraucht,

bis sich die Wähler von der Adenauer-CDU

abgewendet und Brandts SPD als Alternative wahrgenommen

haben? Merkels Anhänger halten ihr zugute,

dass sie die Euro-Krise geschickt gemanagt hat.

Sie hoffen, dass sie das auch in der Flüchtlingskrise

hinbekommt. Ich mache aber eine Einschränkung:

Falls es auch in Deutschland zu einem schweren Anschlag

kommt, wäre Merkel schnell am Ende.

Noch eine Analogie zum Aufstieg der Grünen:

Die haben Ende der 1970er Jahre ihr wichtigstes

Ziel, den Neubau von Atomkraftwerken zu

verhindern, nicht durch Wahlergebnisse erreicht,

die waren damals noch sehr bescheiden.

Vielmehr war es der zivile Widerstand, Verhinderungsaktionen

an den AKW-Bauplätzen,

der damals das Atomprogramm zu Fall brachte.

Brauchen wir den nicht auch jetzt, um den Zuwanderungs-Tsunami

zu stoppen?

Ich sehe keine Massenbewegung, die zum zivilen

Ungehorsam greifen will. Wenn die millionenfache

Zuwanderung anhält und die Deutschen dann auch

Wohlstandseinbußen spüren, will ich das nicht ausschließen.

Aber erst dann.

18

Anja Reschke. Foto: ARD

Alexander Gauland (*1941) führte

die AfD als Spitzenkandidat zu

ihrem bisher größten Erfolg,

nämlich bei den Landtagswahlen

in Brandenburg Mitte September

2014 (12,2 Prozent) und ist in

diesem Bundesland Landes- und

Fraktionsvorsitzender sowie stellvertretender

Bundesvorsitzender.

1972 trat er in die CDU ein, 1987 bis

1991 war er Staatssekretär unter

dem hessischen Ministerpräsidenten

Walter Wallmann. – Interview:

Jürgen Elsässer

Aber was macht Ihr als Oppositionspartei mit

möglichen 15 bis 20 Prozent? Wie bekommen wir

die Grenzen dicht und Merkel weg?

Mit dieser Kanzlerin gibt es keine Zukunft für Deutschland.

Was wir mit unseren Wahlerfolgen jetzt erreichen

können, ist Verunsicherung an der Basis der CDU,

sodass die Mitglieder Druck auf ihre Abgeordneten

ausüben, damit diese wiederum die Kanzlerin zwingen,

die Masseneinwanderung zu stoppen, oder sie

andernfalls im Bundestag abwählen. Dieser Prozess

ist dank der AfD schon in Gang gekommen, es gibt

massenhafte Austritte aus der CDU. Wenn sich das

zu einem Flächenbrand ausweitet, werden sich die

Abgeordneten gegen Merkel stellen.

Halten Sie es für möglich, dass Merkel sich in

einer solchen Situation schlangengleich häutet

und von sich aus die Grenzen schließt, um sich

im Amt zu halten?

So grundsätzlich kann sie sich nicht mehr ändern, das

ist ausgeschlossen. Sie kann sich nicht plötzlich als

scharfe Grenzwächterin geben, nachdem sie persön-

Der stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Jörg Meuten führt die

Partei in den baden-württembergischen Wahlkampf. Er wird dem

liberalen Flügel zugerechnet. Foto: Frank Ossenbrink


In drei Schritten zum Sturz

_ von Jürgen Elsässer

Deutschland braucht eine Wende –

und keinen Kopfstand. Foto: picture

alliance / Ulrich Baumgarten

Merkel ist am Ende – aber wie werden wir sie los? In diesem Frühjahr stehen die Chancen

so gut wie nie. Im Volk zunehmend unbeliebt und international isoliert, bröckelt nun auch

ihre Unterstützung in der eigenen Partei. Ein Funke kann einen Steppenbrand entzünden.

Sind das die letzten Tage im Kanzlerbunker? Angie

allein zu Haus – nur noch ihr treuer Eunuch Peter Altmaier

schleicht durch die menschenleeren Gänge. An

der Tür hält der knorrige Volker Kauder einsam Wache.

Die Peitsche, mit der er die Kritiker in der Fraktion auf

Linie zwang, nützt ihm nichts mehr: Tatsächlich haben

schon 50 Abgeordnete der Kanzlerin per Brief den

Gehorsam in der Flüchtlingsfrage aufgekündigt. In

Umfragen fordern mittlerweile 40 Prozent der Deutschen

den Rücktritt der Regierungschefin.

Auch der letzte Vorstoß des düsteren Wolfgang

Schäuble hat nicht gefruchtet: Die Asylkosten durch

einen Benzinzuschlag zu finanzieren – genau das

musste die Volksseele zum Kochen bringen. Der Unmut

über die Zuwanderung kombiniert mit dem Zorn der

Autofahrer, einer der mächtigsten Lobbys im Land –

man muss schon sehr verzweifelt sein, um die Explosivität

dieser Mischung nicht im Vorfeld zu erkennen.

Den Badener, einen alten Fährensmann der Union, hat

sein Instinkt verlassen.

Auch aus dem Ausland kommt schlimme Kunde. Die

Amerikaner, die Merkel noch im Dezember als «Person

of the Year» auf das Titelbild von Time Magazin

gehievt hatten, forderten sie schon keine vier Wochen

später per New York Times zum Rücktritt auf. Dänemark

und Schweden machen die Grenzen dicht, die

Osteuropäer haben gegen die Islamisierung sogar

eine Art Warschauer Pakt gebildet. Selbst Werner Faymann,

ihr treuester Knappe, hat die Fahne gestrichen

und verspricht seinen Österreichern eine Asylanten-

Obergrenze. So ist Erdogan der letzte Verbündete, der

Merkel bleibt – der blutbesudelte Macbeth der Hohen

Pforte. Zu ihm eilt sie Anfang Februar und verspricht

ihm weitere Milliarden – während seine Soldateska

weiter Jagd auf Kurden macht. Ob sie mit diesem Kniefall

bei ihren Wählern Sympathien mobilisieren kann?

Horst Seehofer war da schon cleverer: Er flog kurz

vorher nach Moskau und trat damit in die Fußstapfen

von Franz Josef Strauß und Edmund Stoiber, die schon

immer, zum Kummer der jeweiligen Bundesregierung,

eine königlich-bayrische Ostpolitik betrieben haben.

Zäh wie Pattex

Doch niemand sollte darauf hoffen, dass Merkel

von alleine aufgibt. Zurück zur Grenzsicherung kann

sie ohnedies nicht mehr – zu oft und zu verbissen hat

sie ihr Mantra «Wir schaffen das» verkündet. Und was

ihr an Unterstützung in der Mitte davonläuft, gleicht

sie durch Verbündete von links aus: SPD und Grüne, ja

«Die Lage ist

brenzlig.»

Merkel-Vertrauter

Asylkrise: Weiter

so?

Deutschlandtrend

3.Februar 2016

«Die Bundesregierung hat die

Flüchtlingssituation im Griff»:

JA

NEIN

18

81

«Finden Sie die Einführung von

Grenzkontrollen zwischen den

EU-Ländern richtig?»:

JA

NEIN

53

42

Angaben in Prozent

Quelle: infratest dimap

19


COMPACT Titelthema

die friedliche Wende in der DDR 1989. Wer die Landsleute

zu Aktivitäten anspornen will, wird gut daran tun,

an dieses Vorbild zu erinnern – anstatt sich am revolutionären

Pathos zu berauschen, was die Nachdenklichen

gleich an Guillotine oder Tscheka erinnert.

Schritt 1: Wir klagen gegen die Regierung

Die letzte wirkliche Revolution

in Deutschland fand 1848 statt.

Damals musste sich Preußens

König Friedrich Wilhelm IV. vor den

Gefallenen des Volkes verneigen. In

den folgenden Monaten zerschlug

er trotzdem die demokratische

Bewegung in allen deutschen

Regionen. Foto: BPK, Berlin, Dist

RMN-Grand Palais, Knud Petersen

selbst die Erben der SED stehen in der Zuwanderspolitik

in Treue fest zu ihr, auf deren Gefolgsleute kann sie

sich verlassen – nicht nur in den Parlamenten, sondern

auch in den GEZ-Medien und der Monopolpresse. Seit

Januar unterliegt sogar das Internet einer verschärften

Zensur: Heiko Maas – der ewige Konfirmand unter der

Maske des Reichsjustizministers – hat die ehemalige

Stasi-IM Anetta Kahane und eine Hundertschaft weiterer

Blogwarte beauftragt, Tag und Nacht Facebook zu

durchwühlen und unliebsame User zu sperren.

Verallgemeinernd könnte man sagen: Der Deutsche

ist nicht für Aufstand und Chaos, sondern für Recht und

Ordnung. Diese Mentalität, die Konrad Adenauer unter

dem Slogan «Keine Experimente» absolute Mehrheiten

brachte, konnte Merkel lange Zeit für sich nutzen – bis

Sommer 2015 galt sie dem Wahlvolk als «Schutzherrin

des Status Quo» (FAZ). Doch seit August verhöhnt

die Kanzlerin die Ordnungsliebenden im eigenen Land:

Gerade sie ist es ja, die durch die Grenzöffnung das

Recht gebrochen und Chaos verbreitet hat, wie die Silvesterkrawalle

in Köln und anderswo gezeigt haben.

Ihre Parteigänger sprechen ganz offen aus, dass es um

eine tiefgreifende Umgestaltung des Landes – vulgo:

eine Revolution – geht. Der Spiegel etwa begrüßte

die Massenzuwanderung genau deswegen: «Die Massen

sind eine Belastung; aber auch eine Chance. Sie

zwingen das Land, weltoffener zu werden, großzügiger

– und ein bisschen chaotisch.» Auch Bundespräsident

Joachim Gauck will «die Nation neu definieren».

Er hält es für einen Vorteil, «wenn sich noch mehr Menschen

als bisher von dem Bild einer Nation lösen, die

sehr homogen ist, in der fast alle Menschen Deutsch

als Muttersprache haben, überwiegend christlich sind

und hellhäutig».

20

Rebellion gegen

Mutti Multikulti

Deutschlandtrend

3.Februar 2016

«Die Bundesregierung hat die

Flüchtlingssituation nicht im

Griff»:

Unions-Anhänger

67

Grüne-Anhänger

67

SPD-Anhänger

83

AfD-Anhänger

100

Zustimmung in Prozent

Quelle: infratest dimap

Was in südlichen Ländern zu Straßenaufruhr, vielleicht

zum Generalstreik führen würde, hat in Deutschland

bisher nur einen Volkssturm im virtuellen Wasserglas

zur Folge: Das Netz ist voll von Aufrufen zur Revolution,

beinahe jeden Monat wird zur Attacke auf den

Reichstag geblasen. Doch 99,5 Prozent der Deutschen

belassen es dabei, die Faust in der Tasche zu ballen

und ansonsten daheimzubleiben. Schon Lenin spottete:

Bevor die einen Bahnhof besetzen, lösen sie eine Bahnsteigkarte.

Es ist wenig verwunderlich, dass es Russen

und Russlanddeutsche waren, die Ende Januar, nach

den Nachrichten über den Missbrauch der 13-jährigen

Lisa (siehe Seite 25), die bisher größten asylkritischen

Demonstrationen in den alten Bundesländern zustande

brachten: Aus dem wilden Osten zwischen Königsberg

und Wladiwostok haben sie ein paar Revolutionsgene

mitgebracht, die den Deutschen in ihrer DNA fehlen.

Doch wir sollten nicht zu hart mit unseren braven

Mitbürgern ins Gericht gehen: Dass man hierzulande

nicht ohne Not mit Gewehren auf die Barrikaden steigt,

spricht für historische Vernunft. Wann immer nämlich

unsere Vorväter revoluzzten, bei den Bauernkriegen

1525 oder im März 1848, war ein Blutbad die Folge –

und erreicht wurde nichts. Ein Glücksfall dagegen war

Es geht um eine Bürgerbewegung,

die nicht die Revolution gegen das

Recht durchsetzen will, sondern das

Recht gegen die Multikulti-

Revolutionäre.

Es geht also um eine Bürgerbewegung, die nicht

die Revolution gegen das Recht durchsetzen will – das

machen ja Merkel, Gauck und Co. bereits –, sondern

die, genau umgekehrt, dem Recht gegen die Multikulti-Umstürzler

wieder Geltung verschafft. Um für dieses

durchaus konservative Ziel Menschen in Bewegung

zu setzen, ist die Verfassungsbeschwerde gegen

die Massenzuwanderung, die der Staatsrechtler Karl

Albrecht Schachtneider Anfang Februar im Auftrag der

Initiative Einprozent in Karlsruhe eingereicht hat (siehe

Seite 24), so wichtig: Sie zeigt, dass wir die freiheitlich

demokratische Grundordnung verteidigen – und

die Verfassungsfeinde im Kanzleramt und im Schloss

Bellevue sitzen.


COMPACT Titelthema

Fast muss man dankbar sein, dass Seehofer eine

ähnliche Beschwerde, die er seit Jahresanfang ausgearbeitet

in der Schublade liegen hat, bisher nicht

abschickte – sonst könnte er die Unterstützung für

seine parteitaktischen Spielchen nutzen. So landet

der Zuspruch bei der Einprozent-Initiative, die lokale

Gruppen im ganzen Land vernetzt (siehe Infobox Seite

24). Obwohl Schachtschneiders Pressekonferenz von

den etablierten Medien boykottiert wurde, hat sich der

Vorstoß in Windeseile verbreitet: Das Video wurde auf

den verschiedenen Internet-Angeboten, unter anderem

bei COMPACT, innerhalb von zehn Tagen über eine Million

mal angesehen – und Einprozent hat dank der Verfassungsbeschwerde

mittlerweile über 25.000 Unterstützer.

Schritt 2: Wir kontrollieren die Wahl

Die drei Landtagswahlen im März drohen zum

Debakel für die Blockparteien zu werden. Laut Umfragen

hat die AfD in Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg

die Chance, stärker zu werden als die SPD.

Außerdem könnte die CDU im «Ländle» von den Grünen

überholt werden; ihre Anhängerschaft wird auseinandergerissen,

weil die Multikulti-Anhänger nach

links abwandern, also das Original der Kopie vorziehen,

und die Multikulti-Kritiker zur Alternative von Frau

Petry übergehen, die die Ideale der Kohl-Ära hochhält.

Was läge näher, als das Debakel durch Tricksereien

bei der Auszählung zu verhindern? Will jemand

behaupten, was im Honecker-Staat gemacht wurde,

sei in der Merkel-Republik unmöglich? Schon bei der

letzten Landtagswahl in Bremen ließen willige Wahlhelfer

AfD-Stimmen unter den Tisch fallen – erst durch

eine Nachauszählung erhielt die Partei das gestohlene

Mandat zurück. In Köln vertauschten eifrige Sozis

2014 in einem Briefwahlbezirk das Ergebnis von CDU

und SPD – was letzterer die Mehrheit im Rat brachte

(siehe Seite 23). Man bedenke: Das waren Betrügereien

in Schönwetterzeiten. Zu welchen Mitteln werden

die Etablierten erst greifen, um zu verhindern, dass

die AfD zur Volkspartei aufwächst und die Tektonik des

ganzen Systems erschüttert?

In möglichst vielen Wahllokalen

sollen freiwillige Helfer die Stimmauszählung

überwachen.

Viele dürften unseren Politikern ein solches Maß

an Skrupellosigkeit nicht zutrauen. Ich schon! In jedem

Fall gilt: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Einprozent

will versuchen, in allen drei Bundesländern für

möglichst viele Wahllokale freiwillige Helfer zu finden,

die von dem Recht zur Vor-Ort-Prüfung der Stimmauszählung

Gebrauch machen und ihre Ergebnisse, samt

eventueller Auffälligkeiten, noch am Abend des 13.

März an eine unabhängige Zentrale weiterleiten. So

könnten Manipulationen zeitnah entdeckt und die GEZ-

Hochrechnungen mit eigenen gekontert werden. Wenn

bereits im Vorfeld klar wäre, dass diese Überwachung

flächendeckend abgesichert werden kann, würden sich

mögliche Betrüger zurückhalten.

Die Bürger selbst sorgen in diesem Fall dafür, dass

alles fair abläuft – und dass nach dem Urnengang nicht,

wie bisher, einfach alles so weiter geht. Fällt die Union

nämlich unter 30 Prozent, dürfte es eng werden für die

Vorsicht Fälschung!

Welt Online berichtete am 6. Februar

2016: «Kurz vor der Landtagswahl

in Sachsen-Anhalt

dürfen auch Menschen ohne

deutschen Pass ihre Stimme abgeben.

Bei einer Probewahl am

11. März sollen Migranten und

Migrantinnen mit dem politischen

System in Deutschland

vertraut gemacht werden, wie

der Geschäftsführer des Landesnetzwerk

Migrantenorganisationen

Sachsen-Anhalt (LAMSA),

Mamad Mohamad, in Halle sagte.

14 Wahllokale im Land sind

von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet.

Allerdings zählt das Ergebnis

nicht für die offizielle Landtagswahl

am 13. März.» Ach

was, die Stimmen der Asylanten

werden nicht bei der Landtagswahl

mitgerechnet? Und wer

kontrolliert, dass das nicht doch

passiert – wenn nicht der wache

Bürger selbst?

Jammerplakat von Pro Asyl aus

früheren Jahren. Jetzt wird alles

anders… Foto: Pro Asyl

Die Pegida-Sprecherin Tatjana Festerling erhielt bei den Dresdner

Oberbürgermeisterwahlen im Sommer 2015 9,6 Prozent.

Foto: Facebook

Die erste AfD-Demonstration gegen den Asylwahnsinn am 14. Oktober 2015 in Magdeburg. In der Mitte

André Poggenburg, der Landesvorsitzende und Spitzenkandidat bei den Landtagswahlen. Foto: dpa

21


COMPACT Titelthema

COMPACT-Live zur

Schicksalswahl

Drei Tage vor der wichtigen

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

lädt COMPACT zur Großveranstaltung

ein: «AfD vor dem

Durchbruch. Die bessere Kanzlerin

ist Frauke Petry!» Es referieren

der AfD-Landesvorsitzende

André Poggenburg und Chefredakteur

Jürgen Elsässer. Mit Informationen

über die weiteren

Schritte der Bürgeropposition:

10. März, Eventhalle Halber85.

Halberstädter Straße 85, 39112

Magdeburg. Beginn 18.30 Uhr,

Einlass 18 Uhr. Reservierung

dringend empfohlen: compactonline.de/compact-live/.

Am 13. März, dem Wahlabend

selbst, wird es ziemlich sicher

Sondersendungen von COM-

PACT-TV geben. Bitte beachten

Sie die Hinweise im Vorfeld auf

unserer Webseite.

AfD-Landesvorsitzender in Sachsen-

Anhalt André Poggenburg.

Foto: COMPACT

Kanzlerin. Denn die Hinterbänkler in der Bundestagsfraktion

stützten sie bislang vor allem deswegen, weil

sie für hohe Ergebnisse stand und ihnen damit Mandat

und fette Diäten garantierte. Aber wenn Merkels

Asylstarrsinn zum Runterzieher bei Urnengängen wird,

werden die Opportunisten aus purem Eigeninteresse

umdenken.

Schritt 3: Wir stürzen Merkel

«Ein mögliches Ende Merkels wird derzeit in Berlin

mit einer Offenheit diskutiert, die vor wenigen

Wochen noch undenkbar gewesen wäre», schrieb der

Focus Ende Januar. «Die Lage ist brenzlig», räumte ein

Merkel-Vertrauter gegenüber der Zeitschrift ein. Was

passiert, wenn die CDU/CSU-Bundestagsfraktion der

Kanzlerin das Vertrauen entzieht und beispielsweise

Schäuble zum Nachfolger kürt? Da der neue Regierungschef

im Bundestag mit Mehrheit gewählt werden

müsste, ginge das nur mit den Stimmen der SPD.

Dann sitzt der Badener in der Zwickmühle: Wenn er,

dem Wählerwillen entsprechend, mit einer scharfen

Regulierung des Zuzugs Ernst zu machen verspricht,

bekommt er die Unterstützung der Sozialdemokraten

nicht. Um die SPD von einem Kanzler Schäuble zu überzeugen,

müsste er vielmehr in etwa so weiterwurschteln

wie Merkel. Dann aber würde die Verbitterung im

Volk weiter wachsen. Noch höher würden die Wogen

schlagen, wenn Gabriel aus der Not der Union eine

Tugend zu machen versuchte und sich mit den Stimmen

von rot-rot-grün selbst zum Kanzler wählen ließe – was

rein rechnerisch möglich wäre. Der Stern gibt noch zu

bedenken: «Schwer vorherzusagen, wie die CSU erst

randaliert, wenn die AfD Mitte März bei den Landtagswahlen

zweistellige Ergebnisse holt.» Ein demokratischer

Ausweg aus dem ganzen Dilemma wäre natürlich

die Ansetzung von Neuwahlen. Aber insbesondere

die SPD würde das nicht wagen, weil sie dann befürchten

müsste, auch auf Bundesebene tief abzustürzen.

Offensichtlich ist: Nach dem 13. März könnten

die Altparteien in Turbulenzen kommen wie noch nie

zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik. Voraussetzung

ist allerdings, dass die AfD zumindest in Stuttgart

und Magdeburg stärker als die SPD wird und sich

der 20-Prozent-Marke nähert. Deshalb muss jeder, der

Merkels Katastrophenpolitik stoppen will, jetzt die

Petry-Truppe wählen – und zwar unabhängig davon,

ob man sie tatsächlich für eine gute Alternative hält. Es

genügt, in der AfD das kleinste aller Übel zu sehen: ein

Instrument, um das arrogante und verlogene Machtkartell

der Etablierten aufzubrechen und ihre Formation

so in Unordnung zu bringen, dass ein «Weiter so»

unmöglich wird.

In dieses politische Vakuum könnte

eine außerparlamentarische

Bewegung stoßen.

Das Hin und Her der Blockparteien nach einem

Wahldesaster könnte sich über Wochen und Monate

hinziehen. In dieses politische Vakuum, in diese

Schwächephase des Regimes – bei Fortdauer der

Asylwelle mit allen hässlichen Begleiterscheinungen

– könnte eine außerparlamentarische Bewegung

stoßen: Die derzeit regional zersplitterten Initiativen

müssten eine zentrale Großdemonstration zustande

bringen. Als im November 1989 500.000 DDR-Bürger

in Ostberlin demonstrierten, war das Schicksal von Honecker

besiegelt. Das ist das Modell für einen Erfolg.

Viele fragen: Was bringt es, wenn Merkel weg ist

und dann die nächste Charaktermaske des Systems

ans Ruder kommt? Und was bringt es, wenn wir mit

einer Million vor dem Reichstag stehen und am Abend

wieder nach Hause fahren? Darauf kann man nur mit

Kaiser Franz antworten: Schau mer mal. Die friedliche

Revolution in der DDR hat gezeigt, dass ein Großkopferter

selten alleine fällt: Zuerst wurde Honecker

gestürzt, dann kam Egon Krenz an die Reihe, schließlich

Hans Modrow. Wenn das Volk erst einmal ein

Bewusstsein seiner eigenen Kraft entwickelt hat, ist

alles möglich. Zugegeben: Eine Erfolgsgarantie gibt

es nicht – wer wagt, kann verlieren. Aber: Wer nichts

wagt, hat schon verloren!

22

Die Rückkehr von 1989? Auch am Ende der DDR war Dresden

eines der Zentren des Widerstandes. Hier die Pegida-Demonstration

am 6. Februar 2016 mit über 15.000 Teilnehmern.

Foto: picture alliance/Geisler-Foto


COMPACT Titelthema

Geisterwähler aller Orten

_ von Harry Daniel

Wahlmanipulation gibt es nur in Schurkenstaaten? Keineswegs, auch in der Bundesrepublik

wird immer wieder geschoben und getrickst. Die Fälle in Bremen, Stendal, Köln,

Hamburg und Halle sind nur die wichtigsten aus den letzten Jahren.

Ein besonders gutes Biotop für Wahlfarcen war

schon immer die SPD-Hochburg Bremen. Die konservative

Wählervereinigung Bürger in Wut (BIW) des Polizisten

Jan Timke reicht seit ihrem ersten Wahlantritt

2007 immer wieder Klage gegen die amtlichen Ergebnisse

ein. Bei ihrem Debüt war die BIW mit angeblich

4,99 Prozent und nur einer einzigen Stimme an

der Fünf-Prozent-Hürde im Stadtteil Bremerhaven

gescheitert. Nachdem sie die Neuauszählung eines

Wahlbezirks gerichtlich durchgesetzt hatte, kam sie

dann über die Sperrklausel.

Bei den Landtagswahlen 2015 kam es zu einem

politischen Déjà-vu. Die AfD scheiterte zunächst mit

4,97 Prozent, wieder in Bremerhaven. Die von der rotgrünen

Stadtregierung beauftragten Auszähler, Gymnasiasten

im Alter von 16 bis 18 Jahren, hatten die

Ergebnisse nach eigenem Ermessen manipuliert. Das

Wahlgericht überprüfte allerdings nur die 100 verschwundenen

Stimmzettel, die von der AfD entdeckt

worden waren, Neuwahlen und vollständige Neuauszählungen

wurden abgelehnt – die Alternative

bekam trotzdem ihren Sitz. Ein Deal? Der hessische

CDU-Abgeordnete Hartmut Honka offenbarte nach

dem Skandal sein gestörtes Demokratieverständnis

und twitterte: «Was ist schlimmer? Schüler fälschten

Wahl oder ein Sitz mehr für die AfD?»

In Stendal (Sachsen-Anhalt) kam es bei der Kommunalwahl

vom 25. Mai 2014 zu schwerem Wahlbetrug.

Der CDU-Kandidat Holger Gebhardt hatte bei

der Briefwahl angeblich 689 Stimmen erhalten (11,3

Prozent). In 37 Wahllokalen, mit über 80 Prozent Wahlbeteiligung,

kam er dagegen auf nur knapp 0,5 Prozent

(148 von rund 29.000 Stimmen). Wahlleiter Axel

Kleefeldt (CDU) sprach zunächst von einer ordnungsgemäß

abgelaufenen Wahl. Nach drei Wochen räumte

er jedoch Unregelmäßigkeiten ein. Zwölf angeblich

Bevollmächtigte hatten insgesamt 189 Briefwahl-

Unterlagen abgeholt, in einem Fall kamen auf eine

Person sage und schreibe 33!

Die Polizei fand heraus, dass die Unterschriften von

160 Vollmachtgebern gefälscht worden waren. Viele von

ihnen waren beim Jobcenter registriert – der Arbeitsstelle

des CDU-Kandidaten. Die Staatsanwaltschaft

ermittelt derweil immer noch gegen Gebhardt und zwölf

weitere Personen. Tilman Tögel (SPD) bezeichnet die

Stendaler CDU als «Camorra von der Uchte».

Proteste gegen die Wahlfälschungen vom Mai 1989 markierten

den Beginn der friedlichen Revolution in der DDR.

Foto: Lemo

Bei der Kölner Kommunalwahl vom 25. Mai 2014

sah die rot-grüne Koalition ihre Futtertröge gefährdet.

Sie tauschte im Zuge des drohenden Machtverlustes

die Wahlergebnisse des Briefwahlbezirks Rodenkirchen.

Die 25,04 Prozent der SPD wurden einfach der

CDU untergeschoben. Die Sozialdemokraten erhielten

im Gegenzug die 42,25 Prozent der CDU. Dieser Betrug

sicherte den Mitte-links-Parteien eine hauchdünne Ein-

Stimmen-Mehrheit im Stadtrat.

Auch bei der Bundestagswahl im September 2013

kam es zu Unregelmäßigkeiten: In Hamburg verschwanden

103.000 Briefwähler-Stimmen – im statistischen

Durchschnitt hätten es höchstens 30.000 sein dürfen.

Trotz 301.884 angeforderter Wahlscheine waren angeblich

nur 198.739 zurückgekommen. Nach massiver Kritik

und widersprüchlichen Erklärungen des Wahlleiters

tauchten auf wundersame Art und Weise 70.000

Briefe wieder auf. Die Ausfallquote war damit wieder

zurecht gebogen.

Wie einfach es ist, Wahlen zu fälschen, zeigt

eine Manipulation zugunsten der Linkspartei bei

den Europawahlen 2014 in Halle. «Wahlvorsteher D.

mogelte offenbar 101 Stimmen dazu. Nur weil ein

Wahlhelfer aufpasste, flog der Schwindel auf.» (Focus,

2.8.2014)

Das Benfordsche

Gesetz

Bei einer Untersuchung aller

Bundestagswahlergebnisse zwischen

1990 und 2005 stellten

die Politikwissenschaftler Christian

Breunig und Achim Goerres

Verstöße gegen das Benfordsche

Gesetz fest. Nach dieser

Auswertungsmethode, die

ansonsten zur Aufdeckung von

Steuerbetrügereien dient, kommen

Ziffern in Zahlenkombinationen

generell in unterschiedlicher

Häufigkeit vor. In großen Datensätzen

tritt die Ziffer 1 mit einer

Wahrscheinlichkeit von 30,1 Prozent

auf – die Zifer 9 hingegen

nur mit 4,6 Prozent. Während die

Erststimmen bei Bundestagswahlen

dem Muster entsprachen,

wichen die wichtigeren Zweitstimmen-Ergebnisse

signifikant

davon ab – und zwar jeweils zum

Vorteil der in dem jeweiligen

Bundesland dominanten Partei.

Dies deutet darauf hin, dass deren

Wahlhelfer bei der Auszählung

geschummelt haben.

_ Harry Daniel ist Praktikant bei

COMPACT und hat Politikwissenschaften

studiert.

23


COMPACT Titelthema

«Dieses Land muss deutsch bleiben»

_ von Professor Dr. Karl Albrecht Schachtschneider

24

Was Horst Seehofer nicht wagt, hat jetzt die Bürgerinitiative Ein

Prozent für unser Land auf den Weg gebracht: Anfang Februar reichte

der renommierte Staatsrechtler Karl Albrecht Schachtschneider in

ihrem Auftrag Verfassungsbeschwerde gegen die Einwanderungspolitik

der Bundesregierung ein.

Ein Prozent genügt

Die Bürgerinitiative Ein Prozent

für unser Land redet nicht, sie

handelt. Während andere nur

dabei zusehen, wie die Asylkatastrophe

ihren Lauf nimmt,

kämpfen der Sezession-Herausgeber

Götz Kubitschek, der

Staatsrechtler Karl Albrecht

Schachtschneider, COMPACT-

Chefredakteur Jürgen Elsässer

und mittlerweile 25.000 weitere

Unterstützer für die deutsche

Souveränität, für das Recht und

die Zukunft unseres Volkes. Die

Idee: Wenn sich auch nur ein

Prozent des deutschen Volkes

zusammenschließt, gerät das

System ins Wanken – 800.000

engagierte Mitstreiter kann niemand

mehr ignorieren. Wenn

auch Sie bei Einprozent mitmachen

und die Verfassungsbeschwerde

unterstützen wollen,

besuchen Sie uns auf einprozent.de.

Gemeinsamkeit wird groß geschrieben.

Foto: einprozent.de

Bild rechts: Kubitschek, Schachtschneider,

Elsässer bei der Pressekonferenz

zur Verfassungsbeschwerde

am 30. Januar. Foto:

einprozent.de

_ Der Text ist eine gekürzte

Fassung des Vortrags von Karl

Albrecht Schachtschneider vom

30. Januar 2016. Das Video von

der gesamten Veranstaltung ist

bei «Youtube» auf dem Kanal

COMPACTTV zu finden.

Die Gründe der Verfassungsbeschwerde sind die

schweren Verletzungen der Verfassungsidentität

Deutschlands. Die Verfassungsidentität ist in doppelter

Weise tief verletzt – dadurch, dass das Verfassungsprinzip

des Deutschen ignoriert wird. Faktisch

ist Deutschland ein Einwanderungsland geworden.

Wer Hilfe zu bedürfen scheint, wird ins Land gelassen

– und zwar nicht einige wenige, sondern Millionen.

Deutschland ist aber kein Einwanderungsland.

Das ist nur in den letzten zwei Jahrzehnten von vielen

in Frage gestellt worden, unter dem Stichwort «multikulturelle

Gesellschaft» oder «bunte Republik». Das

aber hat mit dem Grundgesetz nichts zu tun. Da ist

immer die Rede vom deutschen Volk, und es heißt ja

auch nicht umsonst: Deutschland.

In irgendeiner Weise muss dieses Land deutsch

sein und bleiben, solange nicht das Volk entscheidet,

ein Einwanderungsland sein zu wollen. Die politischen

Vertreter haben nicht die Befugnis zu entscheiden:

Deutschland soll ein Einwanderungsland werden.

Eine solche systematische, massenhafte, gewollte

Rechtsverletzung ist nicht nur ungeheuerlich, sondern

verletzt die Verfassungsidentität, darüber hilft

auch das Schengen-Abkommen nicht hinweg. Wenn

die Außengrenzen nicht gesichert sind, müssen die

Binnengrenzen gesichert werden, weil die Sicherheit,

die innere Sicherheit und die äußere Sicherheit eines

Staates, essentielles Kriterium des Staates ist. Nicht

ein einziger völkerrechtlicher Text nimmt den Einzelstaaten

die Pflicht, für die Sicherheit im Lande zu sorgen.

Das wäre ja auch ungeheuerlich, wenn die zum

Staat organisierten Völker nicht das Recht hätten, ihr

Gebiet zu sichern!

Schließung der Grenzen, jetzt!

Nicht einer der Asylantragsteller, die über Land hier

nach Deutschland kommen, kommt legal hierher, weil

nicht einer ein Einreiserecht hat. Sie müssten alle an

der Grenze abgewiesen werden. Ich habe hier sehr

genau geprüft, ob es irgendein Einreiserecht aus internationalen

Verträgen gibt. Das gibt es nirgends. Es

wäre ja auch ungeheuerlich, wenn alle Flüchtlinge das

Recht hätten, in jeden Staat, in den sie flüchten wollen,

einzureisen. Die UNO spricht von 60 Millionen: Welches

Land sollte die aufnehmen, wenn sie ein Recht

hätten, einzureisen? Man muss gar nicht prüfen, woher

jemand kommt: Wenn jemand über Land kommt, hat er

kein Einreiserecht aus dem Asylgrundrecht, erst recht

nicht aus anderen Schutzrechten.

Man lässt die Leute – registriert oder nichtregistriert

– ins Land, aus Humanität. Eine Humanität gibt es

und sollte es geben, aber die verwirklichen wir durch

die Rechtsordnung. Es gibt keinerlei Verpflichtung völkerrechtlicher

Art, jeden Menschen aufzunehmen, der

aus Not oder vermeintlicher Not ins Land kommt. Das,

was hier geschieht, ist eine klare Verletzung der freiheitlich

demokratischen Grundordnung.

Die Sicherung der Grenze ist möglich

– sie muss nur gewollt sein.

Wer es unternimmt diese Ordnung, die Verfassungsidentität,

zu beseitigen, gegen den haben alle

Deutschen das Recht zum Widerstand. Das Bundesverfassungsgericht

hat das Recht und die Pflicht, andere

Abhilfe zu geben, gegen solche Verfassungsverletzung.

Und die fordern wir ein. Eine Maßnahme, die wir einfordern,

ist naheliegend: eine wirksame Sicherung der

Grenzen, notfalls durch Grenzzäune – oder in anderer

Weise. Das ist technisch und polizeilich kein wirkliches

Problem – es muss nur gewollt sein. Und im Übrigen

beantragen wir, dass die Bundeskanzlerin und die

Bundesregierung von einem bestimmten Aufgabenbereich

suspendiert werden, dass also ein Sequester

eingesetzt wird für den Aufgabenbereich der Grenzsicherung

und den Aufgabenbereich des Aufenthaltsrechts,

denn Bundeskanzlerin und Bundesregierung

haben doch gezeigt, dass sie nicht in der Lage sind,

diese zentralen Aufgaben zu bewältigen.


COMPACT Politik

Vergewaltigt und verhöhnt

_ von Martin Müller-Mertens

Die 13-jährige Lisa wird brutal sexuell missbraucht. Traumatisiert vermischt sie ihr

Martyrium mit einem späterem Erlebnis, bringt Daten durcheinander. Die Widersprüche in

ihrer Aussage nutzt die Presse zur Propaganda gegen Russland.

Die Demonstration mit Tausenden

Teilnehmern am 23. Januar vor dem

Berliner Kanzleramt diffamierte die

Lügenpresse als Bündnis von hysterischen

Russlanddeutschen und

Rechsradikalen. Foto: Reuters/Hannibal

Hanschke

Sie kann es immer noch kaum aussprechen: Mit

erstickter Stimme berichtet Svetlana F. vom Schicksal

ihrer Tochter Lisa. Von dem Blut, den Hämatomen, den

Tränen. Plötzlich stocken die Worte. «Dass sie lebt, war

das Wichtigste für uns.» Doch die Welt ist für Lisas

Eltern wohl für immer zusammengebrochen. Der Leidensweg

der 13-Jährigen hat gerade erst begonnen.

Knapp zwei Wochen hielt der Fall Berlin in Atem.

Am Morgen des 11. Januar verschwand Lisa auf dem

Schulweg zwischen den Ortsteilen Mahlsdorf und Falkenberg.

Erst 30 Stunden später tauchte sie wieder

auf. Später sagte das russlanddeutsche Mädchen aus,

von mehreren arabisch sprechenden Männern entführt

und in einer karg eingerichteten Wohnung 30 Stunden

lang vergewaltigt worden zu sein. Mittlerweile ist klar,

dass sich der Fall so nicht abgespielt hat. Ende Januar

präsentierte die Staatsanwaltschaft einen anderen

Verlauf. Demnach hatte Lisa Angst vor einem Schulgespräch,

in dem die Eltern von ihren schlechten

Noten erfahren sollten. Sie fuhr zu einem 19-Jährigen

Bekannten und dessen Mutter, den die Polizei als Zeugen

führt. Doch auch diese Darstellung wirft Fragen auf.

Missbraucht und gefilmt

Tatsächlich ist Lisas Fall ein düsteres Beispiel einer

Lügenkampagne – jedoch nicht seitens der 13-Jährigen,

sondern der Leitmedien. Es sei «erwiesen, dass

Lisa im Oktober letzten Jahres Opfer eines sexuellen

Missbrauchs durch mindestens zwei, wahrscheinlich

drei erwachsene Männer geworden ist», sagte Lisas

Rechtsanwalt Alexej Danckwardt Ende Januar gegenüber

russland.tv. «Einer dieser Täter war so dumm und

hat die Tat auf Video gefilmt.» Dabei dürfte es sich um

jene 20- und 22-jährigen Türken handeln, gegen die die

Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt. Eine besonders

schwere Straftat, denn Lisa ist nach dem Gesetz noch

ein Kind. «Wir gehen von einvernehmlichem sexuellen

Kontakt aus», behauptet Behördensprecher Martin

Steltner trotzdem ungerührt. Eine sonderbare Darstellung:

Einvernehmlich mit zwei bis drei Erwachsenen,

von denen einer filmt? Danckwardt bestätigt unter

Berufung auf die Mutter zudem, dass «sich der Charakter

von Lisa und ihr Verhalten massiv geändert hatten.

Sie hatte also mit schlimmsten inneren Spannungen

zu kämpfen.»

«Dass sie lebt, war

das Wichtigste für

uns.»

Lisas Mutter Svetlana F., hier bei

ihrem einzigen Fernsehinterview,

glaubt weiter an die Schilderungen

der Tochter. Foto: Screenshot

«Spiegel-TV»

25


26

In Villingen-Schwenningen

forderten am 24. Januar 2016 1.300

Russlanddeutsche unter anderem

«Respekt für deutsche Kultur».

Foto: picture alliance/dpa

Dawai Nemzy! *

Demonstrationen von Russlanddeutschen

gegen die Flüchtlingspolitik

der Bundesregierung

seit dem 23. Januar 2016.

Osnabrück

Gütersloh

Hamburg

Berlin

Neustadt

an der Aisch Erlangen

Crailsheim Nürnberg

Pforzheim

Rastatt

Ansbach

Ortenau

Ellwangen

Lahr Schwäbisch Augsburg

Gmünd

Villingen-Schwenningen

* Los, Deutsche!

Quelle: COMPACT-Recherche

Doch Lisa schwieg. Ihr Schmerz, ihre Angst waren

vielleicht zu groß. Vielleicht begannen zu diesem Zeitpunkt

die Schulprobleme. Wahrscheinlich brach sie an

jenem 11. Januar einfach zusammen. Lisa floh zu ihrem

Freund und dessen Mutter. Dort wurde sie offenbar aufgenommen.

«Aber dass ich dann nicht mal den Versuch

unternehme, die Eltern des Mädchens zu unterrichten,

obwohl ich weiß, die machen sich Sorgen, das ist mir

total merkwürdig», wundert sich Anwalt Danckwardt.

In ihrem Trauma vermischte Lisa nun die Ereignisse.

Möglicherweise fürchtete sie die Reaktion der Eltern,

eventuell konnte sie zwischen Oktober und Januar

selbst nicht mehr unterscheiden. Vielleicht bergen die

30 Stunden ihres Verschwindens noch dunkle Geheimnisse.

Immerhin bescheinigte ein weiterer Anwalt der

Familie, Roman Igler, Lisa nach ihrer Rückkehr in der

Berliner Zeitung «starke Hämatome am Körper».

Eine Spontandemonstration von

Russlanddeutschen verbot die

Berliner Polizei.

Nach einigen Tagen sickerten Informationen über

den Fall an die Öffentlichkeit durch. Lisas Tante Marina

gab dem russischen Fernsehen ein Interview. Der Sender

berichtete in alarmistischem Ton, beging handwerkliche

Fehler – aber im Kern referierte er den damals

bekannten Stand. Denn Berlins Polizei deckelte den

Fall zunächst. Lisas Familie «schien, dass die Beamten

lediglich darauf aus waren nachzuweisen, dass

überhaupt kein Verbrechen vorlag», so Alexander Reiser

vom Berliner Spätaussiedler-Verein Vision gegenüber

der Berliner Woche. Tante Marina sagte dem

russischen Radiosender RSN, die Familie fürchte, das

Jugendamt könnte ihr Lisa wegnehmen. Eine Spontandemonstration

von Russlanddeutschen verbot die Polizei.

Am 18. Januar gab die Behörde eine dürre Pressemeldung

heraus. Demnach sei das Mädchen lediglich

«kurzfristig als vermisst» gemeldet worden. Aufgrund

des Persönlichkeitsrechts werde man keine weiteren

Angaben machen. Diese Schmallippigkeit mehrte erst

recht Zweifel an der Darstellung – nur zwei Wochen

zuvor hatte Kölns Polizei versucht, den Grapscher-Mob

vom Hauptbahnhof zu vertuschen.

Die Nazikeule

Nun lief die Propagandamaschine der Systempresse

warm. Von einer «angeblichen Vergewaltigung»

schwadronierten Berlins Lokalmedien umgehend

– obgleich Lisas Aussage zu diesem Zeitpunkt

durchaus glaubhaft klang. Zeitungen und TV-Sender

griffen zum bewährten Instrument. Die Abendschau

des gebührenfinanzierten RBB bemühte nach einer

Demonstration von Russlanddeutschen vor dem Kanzleramt

am 23. Januar Verfassungsschutz-Chef Bernd

Palenda. Der wollte gemeinsames Handeln mit Neonazis

ausgemacht haben. Kurze Zeit später meldete

das Berlin Journal hingegen: «Nur zehn polizeibekannte

Rechtsextremisten wurden an diesem Nachmittag

gezählt.» Die Kundgebung umfasste jedoch mehrere

Tausend Demonstranten. Die Berliner Zeitung unterstellte

Lisas Mutter kaum verhohlen, aus politischen

Gründen zu lügen. Sie «teilte auch einen Aufruf zu einer

Pegida-nahen Demo im März in Berlin unter dem

Motto ”Wir sind das Volk, Merkel muss weg.”»


COMPACT Politik

Weshalb konnte der Fall derartige Emotionen in

der russlanddeutschen Gemeinde auslösen? Vielleicht,

weil sie das Weltbild der multikulturellen Realitätsverweigerer

noch nicht verinnerlicht haben. Ihre

eigene Migrationsgeschichte macht viele Russlanddeutsche

besonders sensibel für den Merkelschen

Willkommenswahn. «Viele Russen sind auch hierhergekommen»,

sagte Kostja, der bei Frankfurt wohnt und

ebenfalls vor dem Kanzleramt demonstrierte. «Ich bin

mit meinen Eltern herumgelaufen, wir haben darauf

geachtet, dass wir bloß nicht bei Rot die Straße überquerten.

Wir sind hergekommen und haben uns langsam

und vorsichtig umgesehen – was und wie, wo

gibt es Arbeit. Die kommen einfach hierher und Frau

Merkel gibt ihnen alles: Wohnungen und so weiter.

Dabei spucken sie auf alles.»

«Die kommen einfach hierher, und

Frau Merkel gibt ihnen alles.»

Ihren Siedepunkt erreichte die Stimmung auch,

weil Lisas Vergewaltigung keinesfalls ein Einzelfall

ist. Im Gegenteil: Immer wieder begehen Asylbewerber

und muslimische Migranten brutale Sexualstraftaten.

Zur gleichen Zeit, als die Lügenpresse im Januar

in Berlin auf eine «erfundene Vergewaltigung» hoffte,

wurde in Kiel eine junge Frau «von drei Männern

südländischen Aussehens verfolgt, (…) hinter einen

Sicherungskasten gezogen und gegen ihren Willen

angefasst», wie die örtliche Polizei angab. In Lehrte

verfolgten zwei Männer eine 25-Jährige und forderten

sie auf, «die Beine breit zu machen». Einer der

Täter hatte nach Polizeiangaben einen «etwas dunkleren

Teint». Auch die Polizei in Nordstadt ermittelte

Ende Januar wegen einer versuchten Vergewaltigung.

«Der deutsch und arabisch sprechende Gesuchte» ließ

von seinem Opfer ab, nachdem er von einer Personengruppe

gestört wurde. Im hessischen Friedberg entging

eine 48-Jährige nur durch heftigen Widerstand

einer Vergewaltigung durch zwei Männer, die «sich

auf Arabisch unterhalten» hätten.

Putin ist Schuld

Die Nazikeule schüchterte die Russlanddeutschen

nicht ein, die Proteste wurden größer – auch in anderen

Städten gingen mittlerweile Tausende auf die

Straße. Nachdem Moskaus Außenminister Sergej

Lawrow das Thema auf seiner dreistündigen Neujahrs-Pressekonferenz

kurz ansprach, mutierte Lisas

Schicksal zur angeblichen Kreml-Kampagne. Von

«Russen-Propaganda» schrieb die Bild-Zeitung. Der

einstige Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert witterte

die Gelegenheit für eine Verschwörungstheorie.

In der Wirtschaftswoche vom 30. Januar hielt er

es «nicht für ausgeschlossen, dass der russische Geheimdienst

den Begriff ”Lügenpresse” in Deutschland

verbreitet hat». Selbstkritische Töne waren selten.

«Leider ist diese [russische] Propaganda so erfolgreich,

weil es einen massiven Vertrauensverlust bei

uns gibt, in Politik, Medien, Polizei und Justiz. Daran

sind wir selbst schuld, nicht Moskau», betonte allerdings

selbst der als Putin-kritisch bekannte Journalist

Boris Reitschuster im Focus.

Doch gab es die angebliche Kreml-Propaganda im

Fall Lisa überhaupt? Anwalt Danckwardt gab Medien

aus beiden Ländern Interviews. «Das russische Fernsehen

hat meine Äußerungen jedenfalls ungeschnitten

und im Originalton gesendet, teilweise sogar

live. Das ZDF-Morgenmagazin hingegen hat es fertiggebracht,

meine Aussagen so zu schneiden, dass

sie in ihr Gegenteil verdreht wurden», sagte er der

Jungen Welt.

Tatsächlich hatte Berlins Staatsanwaltschaft mittlerweile

endlich eingeräumt, dass Lisa sexuell missbraucht

wurde – wenn auch zu einem anderen Zeitpunkt.

Doch die Medien geiferten trotzdem weiter

und sprachen von «Vergewaltigungslüge» (Berliner

Zeitung). «Es gab weder eine Vergewaltigung noch

Sex», beschwichtigte der Berliner Kurier. Der Tagesspiegel

käute erneut die Darstellung wider, «vor dem

Verschwinden des Mädchens sei es eventuell zu einvernehmlichen

Sexualkontakten gekommen». Wie es

Lisa geht, fragte keiner der Schmierenjournalisten.

Sie befindet sich seit Ende Januar in stationärer psychiatrischer

Behandlung. Dass ihre Peiniger vom Oktober

in Untersuchungshaft säßen, ist dagegen nicht

bekannt.

Russlanddeutsche

Rund vier Millionen Russlanddeutsche

leben heute in der

Bundesrepublik. Der Sammelbegriff

umfasst zum einen die

größte Gruppe, die als Angehörige

der deutschen Minderheit –

früher zumeist Wolgadeutsche

genannt – in mehreren Wellen

einreisten. Hinzu kommen russische

Auswanderer und sogenannte

jüdische Kontingentflüchtlinge.

Ihre Integration gilt

seit Ende der 1990er Jahre als

weitgehend abgeschlossen. Bekannte

Russlanddeutsche sind

etwa der frühere Boxweltmeister

Robert Stieglitz, der Fußball-

Nationalspieler Roman Neustädter

sowie die Sängerinnen

Jule Neigel und Helene Fischer.

Helene Fischer 2013. Foto: Sandra

Ludewig/Universal Music GmbH

Auch Russlands Außenminister

Sergej Lawrow zeigte sich besorgt

über die wachsende Migrantenkriminalität

in Deutschland.

Foto: Valeriy Sharifulin/MID

27


COMPACT Politik

Aus dem Logbuch der Gleichschaltung

_ von Nils Röcke

Die GEZ-Medien werden von der Regierung instrumentalisiert,

kritische Positionen sind unerwünscht, regimetreue Seilschaften

erdrosseln den Pluralismus. Unser Autor weiß, wovon er schreibt,

denn er arbeitet seit 30 Jahren für öffentlich-rechtliche Sender.

Anruf vom Minister

Erste Zweifel an der Wahrhaftigkeit meiner Arbeitgeber

kamen mir vor gut 20 Jahren. Damals nahm ich

ein Interview mit einem Fachmann für Reaktorsicherheit

auf. Ich stellte kritische Fragen, benannte dabei

zahlreiche Reaktorpannen der Vergangenheit, stellte

diese in einen größeren Zusammenhang. Rund 20

Minuten nach der Aufzeichnung bat mich der Abteilungsleiter

in sein Büro. Er wies an, das Gespräch «keinesfalls

zu senden». Denn es könne «für unnötige Irritationen

in der Landespolitik sorgen». Ein Anruf aus

dem Ministerium hatte ihn offenbar zu diesem Eingriff

veranlasst.

Szenenwechsel, diese Episode spielt viele Jahre

später. Durch Zufall höre ich, wie sich Kollegen einer

anderen Organisationseinheit über die Honorierung

eines Moderators unterhalten. Es geht um den Ehemann

der Intendantin, im Sender gestaltet er einmal

wöchentlich eine Oldie-Sendung. Man sieht ihn nur

äußerst selten im Funkhaus, dennoch bekommt er im

Vergleich zu anderen freiberuflichen Kollegen sehr viel

Geld überwiesen. Zufall? Nicht wirklich, denn die Radiochefin

galt seinerzeit als die «beste Freundin» des

Ehepaares. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

28

Kritik unerwünscht: Wegen

hoher Hürden war in der zehnten

Amtsperiode des WDR-Programmausschusses

nur eine einzige

Programmbeschwerde erfolgreich.

Foto: IMAGO

Medien: Macht und

Einfluss

Umfrage vom Dezember 2015:

Zeichnen die Medien ein zutreffendes

Bild von Flüchtlingen?

Ja

25%

NEIN

53%

22% unentschieden

Quelle: Institut für Demoskopie

Allensbach

Guten Tag! Ich bin Vater von zwei Kindern, lebe in

Süddeutschland und arbeite seit über 30 Jahren für

den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Nach dem Lesen

dieses Artikels werden Sie sicher verstehen, warum

ich diese Zeilen unter Pseudonym schreibe.

In diesen bewegten Tagen würde ich am liebsten

in die Redaktion fahren und allen Menschen die

Wahrheit entgegenrufen. Ich würde gerne sagen: «Es

ist vorbei. Merkel hat es vergeigt. Wir werden überrannt,

Frontex versagt auf ganzer Linie, wir können

den Wahnsinn jetzt nicht mehr stoppen. Die nächsten

Hunderttausend sind schon auf dem Weg. Und nur einen

Bruchteil der Migranten werden wir jemals wieder

los. Wir werden untergehen, wenn wir so weitermachen.

Lasst uns das so senden – gleich jetzt!»

Es wäre endlich mal das Gegenteil von Lügenpresse,

es käme der Wahrheit deutlich näher. Unangenehme

Tatsachen zu verbreiten, das macht nicht immer

Freunde – und selten eine gute Stimmung. Doch

es wäre verdammt nochmal unsere journalistische

Pflicht. Doch nicht einmal auf der täglichen Konferenz

darf ich es so offen ansprechen. Man würde mich anschließend

in die braune Ecke stellen.

Im NDR werden Mitarbeiter regelmäßig

angewiesen, die Migrationsprobleme

nicht allzu deutlich

herauszustellen.

Das sind nur zwei Beispiele aus einer langen Reihe

von filzigen Merkwürdigkeiten, die mich über die Jahre

beschäftigt haben. Zusammen mit kritischen Kollegen

tat ich es als «üblichen Verschnitt wie in jedem

Unternehmen» ab. Doch seit Beginn der Flüchtlingskrise

kommen mir größere Zweifel. Es wird also gelogen?

Ja! Zumindest wird die Wahrheit bis zur Unerträglichkeit

gedehnt. Beweise? Nun, erst kürzlich verplapperte

sich die Kollegin Claudia Zimmermann vom

WDR in aller Öffentlichkeit. Sie sagte in einem Live-

Interview mit dem niederländischen Regionalradio Limburg

1: «Journalisten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks

sind angewiesen, sich in der Berichterstattung

zur Flüchtlingspolitik an der Linie der Bundesregierung

zu orientieren.» Nachdem ihr die WDR-Studioleitung

sanft und sorgfältig die Konsequenzen ihres Handelns

klargemacht hatte, ruderte sie brav zurück, sprach von


COMPACT Politik

«unangenehmen Missverständnissen». Ein Einzelfall?

Wohl kaum. Im NDR weist der Wortchef einer Redaktion

seine Mitarbeiter regelmäßig an, die Probleme

rund um Migration nicht allzu deutlich herauszustellen.

Man möge doch bitte gutgelaunt nach vorne

schauen und «dem Ganzen etwas Fröhliches abgewinnen».

Redaktionen stehen unter massivem Druck. Von

oben der Wunsch nach Unauffälligkeit. Von unten diktieren

die Sozialen Medien die Agenda. Medien wie

Facebook zeichnen längst das realistischere Bild von

Deutschland. Längst haben also journalistische Laien

unsere Arbeit übernommen. Gebührenzahler posten

Videos und Texte aus der Umgebung von Flüchtlingsheimen,

sie dokumentieren Übergriffe und Gewalt in

der S-Bahn. Themen, die bei uns einfach nicht mehr

stattfinden dürfen.

«Es gibt tatsächlich Anweisungen

von oben.»

Wolfgang Herles

Bezeichnend für das Versagen des öffentlich-rechtlichen

Rundfunks ist auch, dass die kritische Berichterstattung

mittlerweile von Kollegen beim Privatfernsehen

geleistet wird. Dort sind es aufrechte Menschen

wie der erfahrene RTL-Journalist Jörg Zajonc,

die unangenehme Wahrheiten offen aussprechen.

Auch im SAT.1-Frühstücksfernsehen sind die Nachrichten

dankenswerterweise noch nicht gleichgeschaltet.

Hier hört man morgens auch mal kritische Töne, wenn

Städte und Kommunen Tausende von Asylbewerbern

für Millionenbeträge in Vier- oder Fünf-Sterne-Hotels

einquartieren.

Merkels Geheimkonferenz

Auch in öffentlich-rechtlichen Häusern haben erste

Führungskräfte das von oben verordnete Schmierentheater

offenbar satt. So sagte Wolfgang Herles

(ehemaliger Studioleiter des ZDF in Bonn) Ende Januar

im Deutschlandradio: «Die Themen, über die berichtet

wird, werden von der Regierung vorgegeben. (…)

Es gibt tatsächlich Anweisungen von oben. (…) Das

ist Regierungsjournalismus und das führt dazu, dass

Leute das Vertrauen in uns verlieren.»

Doch die Wahrheit ist wie ein Virus, das sich langsam,

aber sicher in den Gängen unserer Sender verbreitet.

Erst vor wenigen Tagen flüsterte mir ein Kollege

einen Satz mit Sprengkraft ins Ohr, dass er von

einem Geheimtreffen der Intendanten im Kanzleramt

gehört habe. Angeblich organisiert vom Kanzleramtsminister.

Persönlich habe Merkel bei dieser Zusammenkunft

den Kurs für die weitere Berichterstattung

ausgegeben. Der Termin war offenbar so geheim, dass

mehrere Intendanten ihre Anreise in privater Disposition

gebucht haben. Den Wahrheitsgehalt dieser Aussage

kann ich nicht überprüfen, doch es gibt Indizien

aus mehreren Häusern.

Häufig fahre ich in diesen Tagen abends von der Arbeit

nach Hause und zweifle mehr denn je an meinem

Job. Ich schäme mich für die unter den Tisch gefallenen

Meldungen des Tages, für mein Verhalten und

das meiner Kollegen. Denn mit dieser gebückten Haltung

verraten wir unseren Berufsstand, unsere Ideale,

unser Land und unsere Demokratie. Und das dürften

wir schon bald bitter bereuen.

Tanz der Vampire

«Die CDU ist geschafft. Sie ist

weder tot noch lebendig. Eine

Untote. Ein Zombie. Blutleer und

ausgelaugt. Der liebevoll-spöttische

Ehrenname Mutti für ihre

Führerin ist verkehrt, das Gegenteil

richtig. Merkel nährt nicht,

sondern saugt. Sie hat aus der

CDU jede Weltanschauung heraus

gezutzelt. Übrig geblieben

ist nichts als ein gefallsüchtiger

Populismus der Mitte. Es gibt

die CDU noch als Merkel-Fanclub,

aber nicht mehr als lebendige

demokratische Kraft. Merkel

und ihre Partei haben lange

keinen Schatten mehr geworfen

und waren auch in Spiegeln

nicht mehr zu erkennen. Jetzt

erst merkt die CDU allmählich,

dass die Party, auf der sie sich

lange vergnügt hat, ein Tanz der

Vampire gewesen ist. Der Traum

von der absoluten Herrschaft

über den deutschen Mainstream

fällt ins Schloss wie der Sargdeckel

beim ersten Sonnenstrahl.

Folgt nun ein Aufstand der Vampire?

Wer hat noch Saft in den

Adern? Ein Gehirn, das nicht

durchblutet ist, taugt nicht zum

Denken.» (Wolfgang Herles,

langjähriger ZDF-Frontmann, am

31. Oktober 2015 auf rolandtichy.de)

Wolfgang Herles entwickelte

unter anderem die Sendung «Bonn

direkt». Foto: Mathias Bothor/photoselection/Fischerverlag

In der Asylkrise zeigten die Öffentlich-Rechtlichen

am liebsten Flüchtlingsfamilien,

was nicht repräsentativ

war. Foto: Screenshot ARD

_ Nils Röcke (Pseudonym) arbeitet

seit über 30 Jahren für öffentlichrechtliche

Sender wie NDR, WDR,

BR, SR und ZDF. Er ist verheiratet,

hat zwei Kinder und lebt in Süddeutschland.

29


COMPACT Politik

Bielefeld ist überall

_ von Hans-Hermann Gockel

Alltag in einer deutschen Kommune: Die Verwaltung schönt die Zahl

der Flüchtlinge. Die Jugendhilfe kollabiert, weil sie der Flut nicht

mehr gewachsen ist. Und die Polizei spricht von Opferschutz – aber

schützt eher die Täter.

Es leben fast

doppelt so viele

Asylanten in Bielefeld

wie offiziell

zugegeben.

Bielefeld, 14. Januar 2016: Edith M. wird im Bürgerpark

von einem arabisch sprechenden Mann belästigt.

Er presst die Frau an sich und versucht, sie zu küssen.

«Marry me!» (Heirate mich!) Erst als Passanten

herbeieilen, kann sich die Rentnerin aus dem Griff des

Unbekannten befreien. Er verschwindet in der nahe

gelegenen Almhalle. Dort hat die Stadt Bielefeld 200

Flüchtlinge untergebracht, zumeist Alleinreisende aus

Nordafrika und dem arabischen Raum. Die Almhalle

ist die dritte Sporthalle, die binnen fünf Wochen für

Asylsuchende in Beschlag genommen wurde. Und mit

Sicher heit ist sie nicht die letzte. «Wir stehen mit dem

Rücken zur Wand», sagt der Baudezernent: «Wenn das

so weitergeht, müssen wir jede Woche eine Turnhalle

vom Netz nehmen.»

Bis zu 500 Männer versuchten, sich

mit Gewalt Zugang zu der Diskothek

Elephant Club zu verschaffen.

Foto: Elephant Club Bielefeld

Im März 2016 leben – offiziell – 5.800 Flüchtlinge

in Bielefeld. Das ist jedenfalls die Zahl, die den Bürgern

genannt wird. Tatsächlich sind es fast doppelt

so viele, weit mehr als 10.000. Das liegt an der «informellen

Zuwanderung», was aber nur innerhalb der

Verwaltung so deutlich formuliert wird. Die Bielefelder

sollen davon nichts erfahren. «Informelle Zuwanderung»

bedeutet: Anerkannte Asylbewerber ziehen

dorthin, wo bereits Freunde oder Verwandte leben.

Bielefeld beherbergt inzwischen die bundesweit

größte Volksgruppe der Jesiden, ursprünglich ansässig

im Norden des Iraks. In der «offiziellen» Bielefelder

Flüchtlingsstatistik tauchen diese Menschen nicht

mehr auf, die nun in ihrer Mehrzahl Sozialhilfe oder

Leistungen nach Hartz IV beziehen.

Rapefugees in Aktion

Edith M. traut sich abends nicht mehr allein durch

den Bürgerpark. Ihre Tochter, eine Ärztin, will mit ihr

zur Polizei, das Geschehene anzeigen. Die Enkelin

rät davon ab: «Das bringt nichts. Sie werden Euch

dort nicht helfen.» Die Schülerin des Max-Planck-

Gymnasiums weiß, wovon sie spricht. Sie war in der

Silvesternacht mit Freundinnen am Boulevard unterwegs,

der Bielefelder Partymeile. Dort war das Quintett,

wie Dutzende Frauen in dieser Nacht, aus einer

Gruppe von 150 aggressiv auftretenden Migranten

heraus sexuell bedrängt und belästigt worden. Die

Freundinnen baten anwesende Polizisten um Hilfe.

Doch die winkten ab. Erst die Türsteher einer Diskothek

griffen ein: Mit Reizgas und Feuerlöschern

konnte der Mob in Schach gehalten werden.

30

Noch sechs Tage später wird Achim Ridder, der

Sprecher der Bielefelder Polizei, erklären, es habe in

der Silvesternacht am Boulevard keine Anlässe gegeben,

die nicht typisch für ein Wochenend- beziehungsweise

Silvestergeschehen seien. Der Pressebericht

seiner Behörde habe die Vorkommnisse deshalb

gar nicht erst aufgeführt. Ridder: «Warum sollten wir

darüber berichten?»


Die Polizei hat nicht nur eine eigene Sicht der Dinge.

Sie verschanzt sich auch gerne hinter dem Begriff

«Opferschutz». Dennoch kommt alles heraus, weil

es immer mehr Beamte gibt, die ungern mit einem

Maulkorb durchs Leben laufen. Der konkrete Fall: Drei

junge Männer, der Wortführer ein 18-jähriger Iraker,

bieten am 4. Januar einer Mädchengruppe Mix-Getränke

an – nicht nur mit Alkohol darin, sondern vermutlich

auch mit K.-o.-Tropfen. Eine geistig behinderte

14-Jährige wird bewusstlos. Ihre Freundin findet

sie später auf einer dreckigen Matratze im Keller eines

Wohnblocks. Alles spricht dafür, dass das Mädchen

vergewaltigt wurde. Das Opfer ist so zugerichtet,

dass es tagelang in einer Klinik versorgt werden muss.

Der Iraker war offenbar schon lange zur Abschiebung

ausgeschrieben. Das alles ist der Polizei im täglichen

Pressebericht keine Zeile wert.

Politisch korrekte Sprachtabus

In Bielefeld ist man – um es milde auszudrücken –

sehr zurückhaltend, wenn es um mutmaßliche Straftaten

von Migranten und Asylbewerbern geht. Vielleicht

hat die Polizeipräsidentin Dr. Katharina Giere eine Vorgabe

des NRW-Innenministeriums zu sehr verinnerlicht.

Der Runderlass stammt aus dem Jahre 2008.

Unter der Überschrift «Leitlinien für die Polizei des

Landes NRW zum Schutz nationaler Minderheiten vor

Diskriminierungen» werden die Polizeibehörden angewiesen,

«beim internen wie externen Gebrauch jede

Begrifflichkeit» zu vermeiden, «die von Dritten zur Abwertung

von Menschen missbraucht beziehungsweise

umfunktioniert oder in deren Sinne interpretiert werden

kann». Und: Die Herkunft von Straftätern oder Verdächtigen

ist nur dann zu nennen, «wenn im Einzelfall

ein überwiegendes Informationsinteresse oder ein

Fahndungsinteresse besteht». Es drängt sich die Frage

auf: Sollen Straftaten von Migranten – insbesondere

von Asylsuchenden – damit ganz bewusst verschwiegen

werden?

Eine geistig behinderte 14-Jährige

wurde brutal überfallen.

Der Bielefelder Sozialdezernent Ingo Nürnberger

(SPD) sagt offenbar ebenfalls nicht alles, was er weiß.

Auch hier zunächst die Fakten. In Bielefeld gibt es regelmäßig

am Rosenmontag einen Jugendkarneval im

Ringlokschuppen (Eintritt nur für 14- bis 18-Jährige).

Veranstalter sind das Jugendamt der Stadt, die Bezirksvertretung

Bielefeld-Mitte und der Jugendring.

Erst im Vorfeld der Planungen für 2016 erfährt die Öffentlichkeit,

dass es sowohl 2014 als auch 2015 massive

sexuelle Übergriffe durch Migranten gab. Mitarbeiter

des Sicherheitsdienstes nennen sogar die Nationalität

der Täter: Es waren Afghanen, Albaner und

Iraker. Nürnberger, mit den Fakten konfrontiert, hüllt

sich zunächst weiter in Schweigen. Dann endlich sieht

er sich offenbar doch genötigt, die Übergriffe zu bestätigen.

Zu den Nationalitäten der Täter sagt er weiterhin

nichts.

Am Kesselbrink-Platz in Bielefeld,

einem der größten Skateparks

Deutschlands, toben sich die

Rapefugees nicht aus. Foto: picture

alliance / Robert B. Fishman

Brennpunkte

Verteilung von Asylanten im Jahr

2015 (in Prozent).

3,4%

2,0%

2,5%

0,9%

9,4%

5,0%

NRW

Bielefeld

2,9%

21,2%

7,3%

4,8%

1,2%

2,7%

15,3%

5,1%

12,9%

Im Jahr 2015 nahm NRW die

Meisten und Bremen die Wenigsten

Neuankömmlinge auf.

Quelle: COMPACT-Recherche

31


COMPACT Politik

Kollateralschaden

Tod

Im Zuständigkeitsbereich des

Bielefelder Sozialdezernats

knirscht und kracht es an allen

Ecken und Enden. Das Jugendhilfesystem

der Stadt steht am

Rande des Zusammenbruchs.

Es geht um das Schicksal eines

dreieinhalb Monate alten

Babys. Die Drogensucht des

32-jährigen Vaters, die nach den

Ermittlungen der Mordkommission

«Zwilling» ein Grund für

den gewaltsamen Tod des Säuglings

am 24. November 2015

sein dürfte, war dem Jugendamt

bekannt.Ttrotzdem geschah

nichts. Waren die Sozialarbeiter

durch die Flüchtlingsbetreuung

überlastet?

Jugendamtsleiter Georg Epp, Sozialdezernent

Ingo Nürnberger und

dessen Referentin Kerstin Beckmann-Schönwälder.

Foto: Christian Mathiesen

Jugendbanden schlagen zu

Allem Anschein nach hat der Mann sein Dezernat

nicht im Griff. Anders sind die katastrophalen Zustände

in der Bielefelder Jugendbetreuung nicht zu erklären.

In mindestens einem Fall hatte das bereits dramatische

Folgen für Leib und Leben eines Unbeteiligten.

Der Skandal: In der Silvesternacht um 23.30 Uhr schlagen

mehrere «unbegleitete minderjährige Flüchtlinge»

auf dem Bahnhof der Stadt Hamm – sie liegt knapp 80

Kilometer von Bielefeld entfernt – einen 40-Jährigen

brutal zusammen. Der Mann wird schwer verletzt. Die

Bundespolizei hat Mühe, die Täter (13, 14, 15, 16 und

17 Jahre alt) zu überwältigen. Dann die Überraschung:

Vier der fünf Jugendlichen, darunter der 13-Jährige,

geben als Wohnsitz Einrichtungen für «unbegleitete

minderjährige Flüchtlinge» in Bielefeld an.

Für die Unterbringung der Jugendlichen

zahlt die Stadt 5.000 Euro

pro Kopf und Monat.

Noch in der Nacht wird von der Bundespolizei ein

Sozialarbeiter aus Bielefeld nach Hamm beordert, um

zumindest den 13-Jährigen so schnell wie möglich

wieder in sein Bettchen zu bringen. Keiner der Jugendlichen

war offenbar von seinen Betreuern vermisst

worden. Minderjährige, die unter der Obhut des

Jugendamtes stehen, können in Bielefeld scheinbar

machen, was sie wollen. Tag und Nacht. Sie könnten

saufen, koksen, randalieren oder rauben – keinem Betreuer

oder Sozialarbeiter würde es womöglich auffallen.

Oder sie schlagen einen Menschen krankenhausreif.

Die «unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge»,

von den deutschen Behörden unter dem Verwaltungskürzel

UMF geführt, bedeuten für die Betreiber entsprechender

Wohngruppen einen gewaltigen Umsatz.

Für Unterbringung und Betreuung zahlen die Jugendämter

pro Platz etwa 5.000 Euro im Monat. Das macht

60.000 Euro im Jahr. Das berichtet das in Bielefeld erscheinende

Westfalen-Blatt und zitiert eine Insiderin:

«Das ist ein richtiger Geschäftszweig geworden. Ich

kenne Häuser, in die mehr Betten als eigentlich vorgesehen

gestellt werden, weil halt jedes Bett 60.000

Euro Umsatz im Jahr bedeutet.» Das Geld gehe in der

Regel an Organisationen wie AWO oder Bethel, die

entsprechende Wohngruppen unterhielten. Hübsche

Beträge kommen da zusammen. Gibt es dafür aber

auch die vom Gesetzgeber geforderte intensive Fürsorge

und Betreuung? Oder handelt man inzwischen

nur noch nach dem Motto: Augen zu und durch, egal

was es kostet und egal, ob es etwas nützt?

Bleibt noch, auf ein Wort des Bielefelder Oberbürgermeisters

Pit Clausen zu verweisen – wie sein Sozialdezernent

ein Mann der SPD. Clausen sprach vor

100 geladenen Gästen von einem «Willkommensmärchen»

in Bielefeld. Der Oberbürgermeister meinte das

keinesfalls ironisch. Er meinte das ernst. Nicht nur die

Rentnerin Edith M. dürfte das anders sehen.

Die Belagerung hält an: Männer vor

der Außenstelle des Bundesamtes

für Migration und Flüchtlinge in

Bielefeld. Foto: Andreas Frücht/

nw.de

32

_ Hans-Hermann Gockel hat als

TV-Journalist viele Jahre für RTL,

Sat1 und N24 gearbeitet. Heute ist

er freier Journalist und Produzent.

Vor Kurzem ist sein Buch «Finale

Deutschland – Asyl, Islam, Innere

Sicherheit. Mit Klartext gegen die

Gedankenfeigheit» (HHG-Verlag,

19,99 Euro) erschienen.


Der Boulevard-Kanzler

_ von Klaus Faißner

Hier redet nur einer: Faymann und

Merkel auf einer gemeinsamen

Pressekonferenz in Berlin. Foto: SZ

Photo/Metodi Popow

Der österreichische Regierungschef ist der treueste Knappe von Angela Merkel in der

aktuellen Zuwanderungspolitik. Im eigenen Volk unbeliebter als jeder seiner Vorgänger,

kann er sich auf ein großes Netzwerk geneigter Lobbyisten und Medienzaren stützen.

Er habe genau gewusst, was zu tun sei, erklärte

Werner Faymann – «nämlich die deutsche Kanzlerin

anrufen». Wir schreiben den 4. September 2015, für

die Welt am Sonntag (WamS) «der wichtigste Tag in

Angela Merkels Kanzlerschaft». Aus Ungarn fluten

Zehntausende sogenannter Flüchtlinge auf die Grenzen

der Alpenrepublik zu – was ist zu tun? «Die Kanzlerin

entscheidet: Zwischen 23 Uhr und Mitternacht

sagt sie zu Faymann: Wir machen es.» (WamS) Gemeint:

Die Öffnung aller Grenzen in beiden Staaten,

der Verzicht auf jegliche Kontrolle.

Die Regierungschefin hatte keine Rücksprache mit

dem Bundestag oder wenigstens den Fraktionsvorsitzenden

genommen, nicht einmal CSU-Chef Horst Seehofer

wurde informiert. Einzig den Kanzler des Nachbarlandes

zog sie ins Vertrauen. Warum wohl? «Wenn

der zu mir ins Büro kommt, dann hat er meistens keine

Meinung; wenn er rausgeht, dann hat er meistens

meine Meinung», soll Merkel laut Spiegel über ihren

Amtskollegen gesagt haben. Faymann definiere

sein politisches Credo in kleinem Kreis so: «Man muss

durch einen Bienenschwarm gehen können, ohne gestochen

zu werden.» Dass Faymann der Kanzlerin das

Ja-Wort zur Öffnung der Schlagbäume gab, stieß in

jenen Tagen in Österreich kaum auf Ablehnung, da

das Land gerade in einer Art Schockstarre war. Eine

Woche zuvor, am 27. August 2015, waren in einem

Schlepper-Lkw auf der A4 im Burgenland 71 Tote gefunden

worden. Seither hatte dieses Thema die Titelseiten

beherrscht. Deshalb scheuten sich viele, die gesetzwidrige

Refugee-Welcome-Politik zu kritisieren.

Faymann nutzte auch gleich die Gelegenheit, um

wieder einmal den ungarischen Premier Viktor Orbán

anzugreifen: Dessen fast fertiggestellter Grenzzaun

sei «kein Empfang für die, die Hilfe dringend brauchen».

Wenige Tage später verglich der Sozialdemokrat

im Spiegel Orbáns Politik mit den Judendeportationen

im 3. Reich: «Flüchtlinge in Züge zu stecken

in dem Glauben, sie würden ganz woandershin fahren,

weckt Erinnerungen an die dunkelste Zeit unseres

Kontinents.»

Obergrenze als Placebo

Meist nicht in Züge, sondern in Busse steckte fortan

die österreichische Regierung die Asylantenmassen.

Unfassbare 677.000 Einwanderer wurden nach offiziellen

Zahlen zwischen dem 4. September und dem

31. Dezember durch das kleine Land geschleust – das

Gros nach Deutschland. Die zusätzliche Zahl der nicht

Das System Faymann/Häupl ist

gekennzeichnet durch ein besonders

inniges Verhältnis zum Boulevard.

Foto: APA/Herbert Neubauer

«Wenn er rausgeht,

dann hat er

meistens meine

Meinung.»

Merkel über Faymann

33


Das Aufnahmelager Spielfeld an

der Grenze zu Slowenien wurde

zum Symbol für den Ansturm der

Illegalen auf Österreich.

Foto: picture alliance/dpa

«Staatsfeind».

Strache über Faymann

Die Flut

Anzahl der Asylanträge in Österreich

vom November 2014 bis

November 2015

11.931

3.692

6.393

8.797

erfassten und untergetauchten Illegalen ist unbekannt.

Rund 90.000 der Neuankömmlinge wollten in Österreich

bleiben und forderten Asyl, 2014 waren es nur

28.000 gewesen. Oppositionsführer Heinz-Christian

Strache von der FPÖ bezeichnete Faymann in der Folge

als «Staatsfeind», forderte seinen Rücktritt und bekam

dafür im Volk viel Zustimmung.

Am 20. Januar sah sich die rot-schwarze Bundesregierung

auch deswegen dazu veranlasst, für 2016

eine Obergrenze von 37.500 Asylanträgen und bis

2019 von maximal 127.500 zu verkünden. Mit Aussagen

wie «Es gibt keine Obergrenze des Asylrechts»

hatte sich Faymann bis zuletzt mit Händen und Füßen

gegen jede Beschränkung gewehrt. Es war nicht das

erste Mal, dass er seine Meinung änderte: Im Juni

2008 hatte Faymann mit einem Brief an Kronen-Zeitung-Herausgeber

Hans Dichand informell das Ruder

in der SPÖ übernommen. Nachdem die Partei zuvor

gegen den Willen der Bürgermehrheit keine Volksabstimmung

über den EU-Vertrag von Lissabon zugelassen

hatte, versprach Faymann in diesem Schreiben,

sich bei künftigen EU-Vertragsänderungen für

Volksabstimmungen einzusetzen. Als gut zwei Jahre

später derselbe Vertrag mit Milliardenzahlungen

für sogenannte Euro-Rettungsschirme gebrochen wurde,

verweigerte der Ober-Sozi jedoch ein Referendum.

«Ich hab‘s nicht versprochen», erklärte er lapidar.

besprochen, fahren die Österreicher ihre Flüchtlinge,

die weiter nach Deutschland wollen, direkt an diese

drei Orte [Freilassing, Passau, Kufstein].» Der SPÖ-

Kanzler will also seine eigene Haut retten, indem er

die Ankommenden weiter in die Bundesrepublik durchwinkt…

Seine Freundin in Berlin dürfte wenig erfreut

über diesen Trick gewesen sein, zumal sie selbst es bis

dato standhaft ablehnt, das Wort «Obergrenze» auch

nur in den Mund zu nehmen.

Auch Faymann spricht seither lieber von einem bloßen

«Richtwert», was der Kanzlerin hilft, ihm selbst

aber zu Hause weiter Rückhalt kostet. Dies könnte die

Bundespräsidentschaftswahl am 24. April zu einem

Desaster werden lassen: Nicht ausgeschlossen, dass

dann erstmals ein FPÖ-Kandidat die Nase vorn hat.

Ohnedies ist Faymann zu einem Malus für die eigene

Partei geworden: Seit er 2008 die Führung in der SPÖ

übernahm, erlebte sie sowohl auf Bundes- als auch auf

Landesebene fast ausschließlich Niederlagen. Mit ihm

als Spitzenkandidat sackte die SPÖ bei Nationalratswahlen

von 35,3 auf 26,8 Prozent ab. Laut einer Um-

34

Nov

2014

Mai

2015

August

2015

Quelle: Statista 2016

Nov

2015

Bild rechts: Die Springerpresse

suggerierte nach Faymanns Obergrenze-Placebo

eine «Wende» auch

in Deutschland. Foto: BILD

Doch die genannte Obergrenze ist ohnedies nur ein

Bluff: Wie kann Wien für das laufende Jahr eine Deckelung

bei 37.500 Asylbewerbern garantieren, nachdem

doch bereits in den ersten drei Januarwochen 43.541

Flüchtlinge über Kroatien und Slowenien – so die

Frankfurter Allgemeine am 22.1. – nach Österreich

eingereist sind? Des Rätsels Lösung enthüllte Welt

Online am 24. Januar: «Wie zwischen Berlin und Wien


COMPACT Politik

frage des Gallup-Instituts im Januar würden derzeit

nur noch 22 Prozent die SPÖ (wie auch die ÖVP) wählen,

die FPÖ hingegen 34 Prozent. Bei der Kanzlerfrage

liegt er mit ebenfalls 22 Prozent klar hinter FPÖ-Chef

Strache (36 Prozent). In fünf von neun Bunderländern

droht der SPÖ der Absturz in die Bedeutungslosigkeit.

«Aalglatter als ein Aal»

Doch Faymann, der sein ganzes Erwachsenenleben

in der Partei verbracht hat, weiß, wie er sich trotz zahlreicher

Rücktrittsaufforderungen weiter an der Macht

hält. Er sei «aalglatter als ein Aal», charakterisierte

ihn einmal der ehemalige Salzburger SPÖ-Chef Wolfgang

Radlegger. Er sei «mit allen Wassern gewaschen»,

konstatierte der ehemalige Generalsekretär der Industriellenvereinigung

Markus Beyrer. Vor allem aber kann

sich der Sozialdemokrat auf Netzwerke – hierzulande

spricht man von «Freunderlwirtschaft» – verlassen, die

ihresgleichen suchen.

«Alpen-Obama».


Fellner über Faymann

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Nach seiner Schulzeit – ob er überhaupt das Abitur

abgelegt hat, ist umstritten – scharte er Anfang

der 1980er Jahre bei den Wiener Jungsozialisten ein

Grüppchen um sich, das heute im Land mit den Ton

angibt: Doris Bures, derzeit Nationalratspräsidentin,

Wolfgang Jansky, jahrelang Pressesprecher von Faymann,

bis vor wenigen Jahren mit Bures liiert und derzeit

Geschäftsführer der auflagenstarken Gratiszeitung

Heute, sowie Christian Deutsch, bis 2014 Landesparteisekretär

der Wiener SPÖ. 1985 zog «der Werner»

mit 25 Jahren als jüngster Abgeordneter in den Wiener

Landtag ein und lernte bald darauf über seinen Mentor,

den damaligen Bürgermeister Helmut Zilk, den legendären

Herausgeber der auflagenstarken Kronen Zeitung

Hans Dichand kennen. Mit diesem sollte ihn bald

eine tiefe Freundschaft verbinden. Ebenfalls in diesen

Jahren verbandelte sich Faymann mit Claus Pándi, der

heute in der Krone das Innenpolitik-Ressort leitet und

mit seiner ehemaligen Pressesprecherin Angelika Feigl

verheiratet ist. Ein weiterer Spezl seit Jugendtagen

ist der Medienmacher Wolfgang Fellner, der später

mehrere Magazine und die Gratis-Tageszeitung Österreich

gründete. Ende 2008, inmitten der Euphorie um

den damals frisch gewählten US-Präsidenten, betitelte

Fellner Faymann als «Austro-Obama». Angesichts dieser

ausgezeichneten Kontakte zu den drei Boulevardzeitungen

Kronen Zeitung, Heute und Österreich ist es

wenig verwunderlich, dass die Neue Zürcher Zeitung

den Österreicher als «Boulevardkanzler» bezeichnete.

Die Inseratenaffäre

Eine Hand wäscht die andere: Seit Faymann in Wien

ab 1994 als Wohnbaustadtrat tätig war, bedachte er

Zeitungen üppig mit Inseraten. Zur Affäre wurde diese

Praxis während der Jahre 2007 und 2008, als er das

Amt des Bundesministers für Infrastruktur bekleidete.

Ab 2011 ermittelte die Staatsanwaltschaft Wien gegen

ihn und seine rechte Hand Josef Ostermayer, damals

Staatssekretär, wegen des Verdachts der Untreue und

der falschen Zeugenaussage.

Dabei ging es um den Vorwurf, Faymann habe sich

mit teuren Anzeigenkampagnen die Gunst der Printmedien,

insbesondere des Boulevards, erkauft und die

Rechnungen von den staatlichen Unternehmen ÖBB

(Österreichische Bundesbahnen) und ASFINAG (Autobahnen-

und Schnellstraßen Finanzierungs AG) bezahlen

lassen. Die Inserate seien «ein Beispiel ärgster politischer

Korruption – und das auf Kosten der Steuerzahler»,

meinte nach Bekanntwerden der Affäre etwa

Eric Frey in der – sonst Faymann freundlich gesinnten –

Tageszeitung Der Standard. Durch diese Vorgangsweise

sei ein Politiker an die Spitze der Regierung

gekommen, «der weder das Format noch den intellektuellen

Horizont besitzt, um eine moderne Industrienation

zu führen». Die durch des Kanzlers freundliche

Art ausgestrahlte Anständigkeit sei «verlogen», und er

verstehe wenig von Wirtschaft.

Bilderberger und

andere «Freunderln»

Werner Faymann ist nicht nur in

SPÖ- und Medienkreisen, sondern

auch in der Wirtschaft seit

jeher gut verankert: Er habe seinen

Aufstieg genau vorbereitet

und sich deshalb gezielt mit

Leuten aus der Wirtschaft getroffen,

meint Walter Nettig,

Ex-Präsident der Wiener Wirtschaftskammer.

Zu seinen Wegbegleitern

und Wegbereitern

gehörten hier unter anderem der

ehemalige Billa-Chef Veit Schalle

(Billa gehört zum Rewe-Konzern),

der nunmehrige Aufsichtsratsvorsitzende

der Wiener

Städtischen Versicherung Günter

Geyer und der inzwischen

verstorbene Chef des Baukonzerns

Porr, Horst Pöchhacker.

Doch nicht nur im Inland hat

sich Faymann sein Sicherheitsnetz

aus «Freunderln» geschaffen:

Sein Name steht regelmäßig

auf der Teilnehmerliste der

elitären Bilderberger-Konferenzen

– zusammen mit David Rockefeller,

Henry Kissinger oder

Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef

Ackermann. Außerdem ist Faymann

Mitglied beim Rotary Club

Stephansplatz.

Billa-Chef und Faymann-Spezi.

Foto: APA/Gert Eggenberger

Obwohl sich die Vorwürfe der Untreue und falschen

Zeugenaussage gegen Faymann und Ostermayer im

Laufe der Zeit erhärteten, stellte die mit reichlich SPÖnahen

Juristen besetzte Wiener Staatsanwaltschaft

die Ermittlungen im November 2013 ein. «Die Staatsanwälte

sind zu reinen Bütteln der Staatsmacht geworden»,

empörte sich Andreas Unterberger, einer der

bekanntesten Journalisten Österreichs. Für einen der

erfolgreichen Faymann-Anwälte in der Causa, Wolfgang

Brandstetter, bedeutete das Näheverhältnis zu

dem Ober-Sozi auch einen politischen Aufstieg: Seit

2013 ist er Justizminister.

_ Klaus Faißner ist Wirtschaftsund

Umweltjournalist. In COMPACT

9/2015 schrieb er über den

ungarischen Ministerpräsidenten

Viktor Orbán und die Angriffe der

internationalen Presse auf dessen

Politik.

35


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Europa im Visier:

George Soros, der (un)heimliche

Strippenzieher

■ Mit der legendären Wette gegen das britische Pfund wurde George Soros 1992 schlagartig weltberühmt.

Dieses gigantische Spekulationsgeschäft brachte dem Hedgefonds-Manager rund eine Milliarde Dollar Gewinn.

Die Märkte aber sind ihm nicht genug. Ein Wort von Soros kann die Welt aus den Angeln heben. Doch agiert

er vielfach aus dem Hintergrund. Als Werkzeug dient ihm dabei sein globales Stiftungsnetzwerk der Open Society

Foundations. Seine großen Pläne verfolgt er konsequent, um dennoch wandlungsfähig wie ein Chamäleon zu

bleiben. Nicht umsonst gilt er als der »Mann mit den tausend Gesichtern« und als Doppelnatur, als einer, der sich

nicht in die Karten blicken lässt, obwohl er eine offene Gesellschaft predigt.

Die einen sehen in Soros den größten Philanthropen der Gegenwart,

der Milliarden für wohltätige Zwecke verschenkt. Die anderen sehen

in ihm nach wie vor den rücksichtslosen Spekulanten, der stets nur

in den eigenen Gewinn investiert und als superreicher Privatmann

auf inakzeptable Weise politisch massiven Einfluss nimmt, der bereits

ganze Volkswirtschaften in den Ruin getrieben und Revolutionen

heraufbeschworen hat, der mit mächtigen Organisationen und Geheimdiensten

wie der CIA kollaboriert und die Welt ins Verderben

stürzt. Wie agiert Soros, und was hat er mit Europa vor?

In seinem aktuellen Buch verfolgt Andreas von Rétyi die unfassbaren

Aktivitäten des gigantischen Soros-Netzes und legt erstaunliche

Informationen offen, die in den etablierten Medien kaum Erwähnung

finden.

• Wer ist George Soros wirklich?

• Welche Rolle spielt Soros bei politischen Umwälzungen,

wie weit bestimmt er die Zukunft der Welt mit?

• Warum stoppte Präsident Putin 2015 die Aktivitäten der

Soros-Stiftungen in Russland?

• Lässt sich nachweisen, dass der »Soros-Krake«

den Arabischen Frühling auslöste?

• Was geschah tatsächlich in der Ukraine und welche Rolle

spielt Soros dabei?

• Ist die Welt für Soros nur eine Spielwiese, ein

riesiges Spekulationsgeschäft?

• Wie menschenfreundlich ist der Philanthrop wirklich?

• Hat Soros seine Finger auch in Syrien im Spiel?

• Löste Soros die Flüchtlingskrise aus?

• Warum fördert Soros mit Millionensummen die Migration,

anstatt die Ursachen zu bekämpfen?

• Soll Europa vernichtet und eine neue Weltordnung errichtet

werden, ganz gleich um welchen Preis?

Andreas von Rétyi: George Soros •gebunden

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COMPACT Politik

Frankensteins Killer-Moskito

_ von Michael Morris

Gerade ist die Ebola-Hysterie verflogen, da ruft die Weltgesundheitsorganisation (WHO)

den nächsten Notstand aus: Das Zika-Virus breitet sich rasend schnell in Südamerika aus

und verursacht Missbildungen bei Embryonen. Was verschwiegen wird: Die drohende

Pandemie hat ihren Ursprung in der Gen-Küche eines britischen Pharma-Konzerns.

In Brasilien wurden laut Medienberichten im Jahr

2015 rund 4.000 Kinder mit Schrumpfköpfen und geistiger

Behinderung geboren. Verantwortlich dafür soll

das Zika-Virus sein, das von der Moskito-Art Aedes

Aegypti übertragen wird und bei Schwangerschaften

auf das Ungeborene übergehen kann, wo es die sogenannte

Mikrozephalie auslöst. Die Gesundheitsbehörden

von Brasilien, Kolumbien, El Salvador, Jamaika und

anderen angrenzenden Staaten haben die Bevölkerung

bereits dazu aufgefordert, bis 2018 keine Kinder mehr

zu zeugen, da die Gefahr groß sei, missgebildete Babys

zur Welt zu bringen. In Brasilien werden mittlerweile

200.000 Soldaten eingesetzt, die mit Insektiziden Moskitos

bekämpfen. In wenigen Monaten sollen in Rio

de Janeiro die Olympischen Sommerspiele stattfinden,

derweil werden immer mehr schwere Zika-Infektionen

gemeldet. Die WHO warnt jetzt vor der Gefahr einer

weltweiten Pandemie, auch in den USA und in Europa

soll es bereits erste Fälle gegeben haben.

Der Aedes-Aegypti-Moskito verbreitet neben dem

Zika-Virus auch noch das Dengue-, das Gelbfieber- und

das West-Nil-Fieber-Virus, welches seit Jahrzehnten

bekannt ist. Seit 2013 soll es jedoch auch in Asien und

Südamerika für die Ausbreitung des Guillain-Barré-

Virus verantwortlich sein. Dabei handelt es sich um

eine Nervenkrankheit, die bei fünf Prozent der Erkrankten

sogar zum Tod führt. Bis zum November 2015 galten

Zika-Virus-Infektionen als harmlos, höchstens führten

sie in seltenen Fällen zu Fieber, doch mit einem Mal

wird das Virus als Ursache für schwere Missbildungen

genannt und soll sogar immer öfter tödlich sein. Wer

sich an die Rohrkrepierer Schweine- und Vogelgrippe

erinnert fühlt, ist auf dem Holzweg. Hier haben wir

es mit etwas wirklich Gruseligem zu tun. Was steckt

also dahinter?

Superviren aus der Gen-Küche

Das britische Pharma-Unternehmen Oxitec besitzt

zahlreiche Patente auf genmanipulierte Tiere – von

Ratten bis hin zu Schimpansen, denen man menschliche

Gene eingepflanzt hat–, damit sie noch besser als

Versuchstiere für Impfstoffe taugen. Im Herbst 2009

setzte Oxitec, unterstützt von der Bill & Melinda Gates

Stiftung, transgene (gentechnisch veränderte) Gelb-

Die Bevölkerung

wird aufgefordert,

bis 2018 keine

Kinder mehr zu

zeugen.

Biowaffe Moskito: Die kleine Stechmücke

könnte Albträume über eine

geplante Bevölkerungsreduzierung

Wirklichkeit werden lassen.

Foto: Tom, CC BY 2.0, flickr.com

37


COMPACT Politik

zügiger finanzieller und logistischer Unterstützung der

brasilianischen und der US-Regierung einen Impfstoff

gegen das Zika-Virus präsentieren, das bis zu Oxitecs

Versuchen kaum eine Rolle gespielt hatte.

Das Tetracyclin-Desaster

Doch wie kann es sein, dass sich der Überträger-

Moskito weltweit ausbreitet, obwohl er keine 400

Meter weit fliegen kann, wieso überträgt er nun statt

dem Dengue-Virus vorwiegend das Zika- und das Guillain-Barré-Virus

– und wieso darf Oxitec weiterhin gentechnisch

veränderte Insekten freisetzen? Schuld an

der überraschenden Ausbreitung und Vermehrung des

Moskitos trotz angeblicher Eindämmung durch Oxitec

sollen offiziell die vielen Touristen sein, die es aus Brasilien

in andere Teile der Welt trugen. Doch die gab

es auch schon vor 2015, zu einem Zeitpunkt also, als

es nach Angaben der Firma noch zehn Mal so viele

Mücken gegeben haben soll. Das ist also Unsinn. Was

war wirklich geschehen?

Ausbreitung von Zika verhindern:

Städtische Mitarbeiter versprühen

Insektenbekämpfungsmittel in

San Salvador. Foto: Reuters/Jose

Cabezas

fiebermücken auf der Karibikinsel Grand Cayman aus.

Sie sollten die natürliche Gelbfiebermücken-Population

(Aedes Aegypti) verringern, indem sie sich mit der

natürlichen Mücke paaren und dank des eingesetzten

Gendefekts namens RIDL Nachkommen zeugen, die

bereits im Larvenstadium absterben.

2015 entließ Oxitec Millionen

Frankensteinmücken in die freie

Wildbahn.

38

Bild rechts – Prima Klima: Im

brasilianischen Bundesstaat Bahia

plante Oxitec die Produktion von bis

zu vier Millionen transgenen Mücken

pro Woche. Foto: oxitec

_ Michael Morris lebt heute, nach

Aufenthalten in verschiedenen

europäischen Ländern, vorwiegend

in den USA. Sein erstes

Buch «Was Sie nicht wissen

sollen» ist seit fast fünf Jahren

Nummer 1 in Amazon in der

Kategorie «Soziale Gerechtigkeit»

und wurde zu einem Bestseller für

die Themen Geldwesen und Neue

Weltordnung. Es folgten die Werke

«Jetzt geht’s los, Der Goldkrieg»

und sein bisher umfangreichstes

Werk «Was Sie nicht wissen sollen

Teil 2 – Terror, Revolutionen,

Kriege – Wer und was wirklich

dahintersteckt!».

Im Dezember 2010 wurde die genmanipulierte Oxitec-Mücke

dann in Malaysia freigelassen, ab 2012 im

großen Stil auch in Brasilien, angeblich um das Denguefieber

einzudämmen, das sich in den letzten Jahren

in tropischen Gebieten vermehrt haben soll. Seit 2013

breitet sich nun in Asien durch genau jene Mücke das

Guillain-Barré-Virus überraschend stark aus – und in

Brasilien seit 2015 das Zika-Virus. Im Mai 2015 wurde

die erste folgenschwere angebliche Zika-Virus-Infektion

bekannt. Zwei Monate später gab Oxitec zu, kurz

zuvor in Juazeiro im Osten Brasiliens seine Frankenstein-Mücke

im großen Stil ausgesetzt zu haben. Das

Unternehmen verkaufte seinen Eingriff in die Natur

als großen Erfolg, denn angeblich wurde die Moskito-

Population im Gebiet von Juazeiro um bis zu 93 Prozent

reduziert. Komisch nur, dass es bald im Umkreis mehrerer

hundert Kilometer plötzlich zu gehäuften schweren

Mikrozephalie-Erkrankungen kam…

Im August 2015 wurde Oxitec von der US-Firma

Intrexon aufgekauft, die zusammen mit dem Pharmariesen

Sanofi an Impfstoffen forscht. Zwei Monate

später brachte Sanofi einen Impfstoff gegen Denguefieber

auf den Markt, der angeblich 93-prozentigen

Impfschutz bietet und unter anderem in Brasilien und

Mexiko zugelassen wurde. Das Dengue-Virus wurde

in der Nachkriegszeit vom US-Militär als biologische

Waffe weiterentwickelt, jedoch angeblich nie eingesetzt.

Bis zum Mai 2016 will Sanofi nun mit groß-

Der Gendefekt RIDL der manipulierten Mücke wird

durch das Antibiotikum Tetracyclin aktiviert, das man

dem Futter der Mücken im Labor beimengt. Wenn die

männliche Oxitec-Mücke sich dann mit der natürlichen

weiblichen Mücke paart, erzeugen sie Nachkommen,

die ohne das Antibiotikum Tetracyclin nicht lebensfähig

sind und absterben, da Tetracyclin in der Natur

laut Dr. Frankenstein nicht vorkommt – oder vorkommen

sollte. Soweit die Theorie. Nun die Realität: Das


COMPACT Politik

Antibiotikum Tetracyclin wird im großen Stil in der

Massentierhaltung eingesetzt. Es taucht überall auf

der Erde immer öfter im Nahrungskreislauf auf und hat

bereits weltweit zu Resistenzen geführt, unter anderem

zu hartnäckigen Krankenhauskeimen.

In Wahrheit also kommt Tetracyclin mittlerweile

überall vor, weil es auch durch Erhitzung nicht zerstört

wird – also selbst im Grillhähnchen überlebt – und

dann vom Menschen über den Urin ausgeschieden

wird, um am Ende in Flüssen, Seen und im Trinkwasser

zu landen. Deshalb hatte die anerkannte Expertin

Ricarda A. Steinbrecher bereits 2010 vor einem Freisetzen

der Genmücken gewarnt, und Oxitec selbst hatte

die Gefahren 2012 in einem internen Papier bestätigt.

Dennoch entließ der Konzern im Jahr 2015 Millionen

seiner Mutanten-Mücken in die freie Wildbahn. Der

Nachwuchs überlebte, weil er genügend Tetracyclin

fand, und der Tropensturm El Nino verteilte die Mücke

(die sonst ein schlechter Flieger ist) kilometerweit und

schuf die perfekten feuchtwarmen Lebensbedingungen,

wodurch sie sich rasant weiter vermehrte. Mittlerweile

warnt die Weltgesundheitsorganisation (WHO)

vor einer weltweiten Zika-Pandemie und vor Millionen

möglicher Opfer. Vor Oxitec warnt sie jedoch nicht!

Die Entvölkerungs-Agenda

Bill Gates hatte bereits 2009 während eines Vortrags

im Rahmen der TED-Konferenz scherzhaft Malaria-Mücken

im Publikum freigesetzt, was alle Anwesenden

noch für einen Spaß hielten. Doch mit dem

Mann ist nicht zu spaßen. Er und seine Freunde, wie

Rupert Murdoch, Zbigniew Brzezinski und Ted Turner,

sind bekannt dafür, die Weltbevölkerung drastisch

reduzieren zu wollen, und Gates betonte immer wieder,

dass Impfstoffe dafür am besten geeignet wären. Bei

der TED-Konferenz im Jahr 2010 führte er aus: «Auf der

Erde leben heute 6,8 Milliarden Menschen (…), diese

Zahl wird auf ungefähr neun Milliarden anwachsen.

Wenn wir nun bezüglich neuer Impfstoffe, im Gesundheitswesen

und in der Fortpflanzungsmedizin wirklich

gute Arbeit leisten, könnten wir diese um ungefähr 10

bis 15 Prozent verringern.»

Die Weltgesundheitsorganisation

warnt vor Millionen möglicher Opfer.

Tatsächlich werden seit dem Jahr 2015 Schwangere

in Brasilien offenbar mit dem GlaxoSmithKline-Präparat

Boostrix gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten

(Tdap) geimpft, obwohl es bis dahin noch nie an

Schwangeren getestet worden war. Parallel dazu fand

offiziell eine Studie mit 250 schwangeren und 150 nicht

schwangeren Frauen statt, denen man den Tdap-Impfstoff

verabreichte. Finanziert wurde der Feldversuch von

der US-Gesundheitsbehörde CDC zusammen mit der

Bill & Melinda Gates Stiftung. Die Abfolge der Ereignisse

wirft Fragen auf: Zuerst setzt Oxitec vermeintlich

harmlose, genmanipulierte Mücken in Südamerika

frei. Parallel dazu werden Schwangere mit einem Triple-

Impfstoff behandelt. Mehr als 4.000 Neugeborene kommen

danach behindert zur Welt, mehrere Dutzend sterben.

Schuld daran ist angeblich das Zika-Virus. Sanofi

bietet kurz darauf Impfstoffe an, die dagegen helfen

sollen. Die WHO warnt vor der Gefahr dieser Krankheiten

und sorgt dafür, dass möglichst viele Staaten und

Organisationen diese Impfstoffe kaufen. Zu guter Letzt

spielt der Aufruf an die Südamerikaner, wegen der Zika-

Gefahr keine Kinder mehr in die Welt zu setzen, den

Befürwortern der Bevölkerungsreduktion in die Hände.

Impf-Schweinereien

Im Jahr 2009 wurde die Angst

vor einer Schweinegrippe-Pandemie

geschürt, die es dann

nie gab. Die Bevölkerung wurde

aufgefordert, sich flächendeckend

mit Tamiflu impfen zu

lassen, doch viele durchschauten

das falsche Spiel und verweigerten

die Injektion. Auch

Deutschland deckte sich mit

enormen Mengen des Wirkstoffs

ein. Wegen verschwindend

geringer Nachfrage landeten

ganze Lastwagenladungen

ungenutzt in der Müllverbrennungsanlage.

Von den 34 Millionen

Dosen, die die Bundesländer

erwarben – Kostenpunkt:

330 Millionen Euro – wurden

nicht mal vier Millionen genutzt.

(md)

Der Pharmariese GlaxoSmithKline

machte 2014 einen Umsatz von

23 Milliarden Pfund. Foto: Asim

Hafeez/Bloomberg

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COMPACT Politik

Patriot unter Falken

_ von Tino Perlick

Die meisten Amerikaner haben die Nase voll von der Kriegspolitik.

Für die einen ist sie zu teuer, für die anderen zu blutig. Vor diesem

Hintergrund haben Außenseiter bisher die größten Chancen bei den

Präsidentschaftswahlen: Bernie Sanders bei den Demokraten, Donald

Trump bei den Republikanern.

Dort wollen sie rein: Das sogenannte

Oval Office, Amtszimmer des

US-Präsidenten. Foto: White House

Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs

belagern das Rauhbein

Donald Trump. Foto: Reuters/

Brian Snyder

«Europa wird schwarz werden.» Mit diesen Worten

warnte Muammar al-Gaddafi die EU im November

2010 vor einer Destabilisierung seiner Herrschaft.

Ein Jahr darauf wurde der nordafrikanische Machthaber

von Dschihadisten gelyncht. Dank NATO-Bombardement

wandelte sich Libyen vom afrikanischen

Staat mit dem höchsten Lebensstandard zum rechtsfreien

Raum für Terroristen und offenen Transitland

nach Europa. Man werde «weitere Hunderttausende»

über das Mittelmeer nach Europa schleusen, drohte

eine islamistische Splittergruppe der EU im November

2015, sollte Brüssel sie nicht als Regierung anerkennen.

Indirekt geführt wurde der NATO-Militäreinsatz

von der damaligen US-Außen ministerin und jetzigen

Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. Falls sie

im November 2016 zur Nachfolgerin von Barack Obama

gewählt wird, droht eine Fortsetzung, ja Verschärfung

dieser in Libyen ausprobierten Politik.

Niemand symbolisiert die Verquickung von Politik

und Privatwirtschaft mehr als die ehemalige First

Lady Hillary Clinton, die ihre Amtsgeschäfte über eine

private E-Mail-Adresse führte. Für zwölf Vorträge vor

Wall-Street-Banken und Finanzkonzernen kassierte

Clinton nach ihrer Zeit im State Department 2,9 Millionen

US-Dollar. Ihre Stiftung bezog bis zu 25 Millionen

US-Dollar allein vom Terrorsponsor Saudi-Arabien.

Als Gegenleistung strich Clinton 2011 die Volksmudschaheddin,

wie die Saudis erbitterte Gegner des

Iran-Regimes, von der Liste offizieller Terrororganisationen.

Zum Vorteil verbündeter Ölstaaten ließ Clinton

auch Boko Haram ungestraft Nigeria destabilisieren,

das seit dem Tod Gaddafis zu Afrikas Erdölproduzenten

Nummer eins aufgestiegen ist. Erst ihr Nachfolger

John Kerry erklärte den selbsternannten afrikanischen

Flügel des Islamischen Staates (IS) zur Terroreinheit.

Falls Clinton nominiert wird, hat ihr

Sanders seine Unterstützung versprochen.

Clintons Taktik, Extremisten mit Waffen auszurüsten,

trug maßgeblich zur Züchtung des IS bei. Ihre

Strategie zur angeblichen Bekämpfung der Terrormiliz

klingt wie das Gegenteil: Die 68-Jährige will weiterhin

Waffen an sogenannte gemäßigte Sunniten liefern

(die in der Realität oft mit dem IS zusammenarbeiten)

und Bodentruppen in Form von Special Forces zur

Ausbildung der Söldnertrupps entsenden. Sie werde

die US-Präsenz nach dem Vorbild des Vietnamkrieges

schrittweise eskalieren, kommentiert das friedensforschende

Ron Paul Institut ihren Plan. Der Sturz Assads

bleibt Clintons Priorität, wie ihre Bemerkung signalisiert,

Wladimir Putins durchschlagendes Eingreifen in

der Region würde «die Situation ziemlich verschlechtern».

Kein Wunder, dass Revolutionssponsor George

Soros unlängst bereute, 2008 Obama und nicht «Killary»

unter stützt zu haben.

Sanders blufft

40

Clintons größter Konkurrent bei den Demokraten

ist der bis vor Kurzem parteilose Bernie Sanders.

«Krieg sollte die letzte Option sein», ist sein Credo.

Die USA sollten «so entschieden wie möglich vorgehen,

um die Beziehungen mit dem Iran zu normalisieren».

Sein stärkstes außenpolitisches Argument ist

es, 2003 im Gegensatz zu Clinton nicht für den Irakkrieg

gestimmt zu haben. Doch stützte der Senator aus


Vermont im selben Jahr eine Resolution, die Präsident

George W. Bush die «uneingeschränkte Unterstützung

und Anerkennung der Nation» zusicherte, und stimmte

für mehrere Mittelaufstockungen für die Kriege beziehungsweise

Besatzungen im Irak und Afghanistan.

Sanders, Sohn jüdischer Einwanderer aus Polen, gab

1999 seine Ja-Stimme für den NATO-Einsatz in Jugoslawien,

verteidigte Israels Kriegseinsatz gegen den

Gazastreifen im Jahr 2014 und kündigte an, Obamas

Drohnenprogramm fortzuführen.

Frühere Mitstreiter werfen Sanders vor, 1990 zum

Imperialisten geworden zu sein. Auffällig ist tatsächlich,

dass der Parteilose seit jenem Jahr in seinem

Bundesstaat indirekt von den Demokraten unterstützt

wird – sie schickten bei den Senatswahlen in Vermont

bis dato keine eigenen Kandidaten mehr ins Rennen.

«Unterm Strich stimmt Bernie Sanders in 98 Prozent

aller Fälle mit den Demokraten”, behauptete deren

Spitzenpolitiker Howard Dean 2006 gelassen. Wenn

Clinton nominiert werde, könne sie auf seine Unterstützung

zählen, sagt Sanders.

Die Republikaner

Dass der Libertäre Rand Paul, Senator aus Kentucky,

bei den Republikanern chancenlos war und das

Handtuch warf, verwundert nicht: In der militärverherrlichenden

Partei fand seine Forderung nach einem

weltweiten Rückzug der US-Truppen kaum Gehör.

Aber auch Jeb Bush dümpelt bei den Umfragen

unter fünf Prozent, obwohl er im Schatten seines großen

Bruders George W. den Falken gibt, Bodentruppen

nach Syrien schicken und das Iran-Abkommen

kündigen will.

Der ultrakonservative Ted Cruz hat bessere Karten.

Der christliche Fundamentalist inszeniert sich auf You-

Tube als Waffennarr, der Schinkenspeck brät, indem

er ihn um den Lauf eines feuernden Gewehres wickelt.

Das Vorbild des Senators aus Texas ist der frühere Präsident

Ronald Reagan. Dementsprechend hart zeigt er

sich auch gegenüber Russland, fordert auf allen Ebenen

massive Sanktionen und die schnelle Verwirklichung

des Raketenabwehrschirms. Obamas Bemühungen

gegen den IS sind ihm zu lasch, sie kämen

«außenpolitischen Presseterminen» gleich. Wie der

rüde Reagan auf den schwachen Jimmy Carter folgte

und die Sowjetunion besiegte, möchte Cruz nach Obamas

Amtszeit den islamistischen Terrorismus niederschlagen.

Cruz setzt auf Bombenteppiche und bewaffnete

Kurdentruppen. Bei einer Kundgebung der Tea

Party im Dezember 2015 deutete er sogar einen Atomwaffeneinsatz

an: «Ich weiß nicht, ob Sand im Dunkeln

leuchtet, aber wir werden es herausfinden.»

Neokonservative mögen Cruz dennoch nicht, da

er den Einsatz von Bodentruppen im Ausland ablehnt

und mit säkularen Diktatoren kooperieren will. Der

45-Jährige lobt nicht nur den ägyptischen Präsidenten

Abd al-Fattah as-Sisi wegen dessen Erfolgen im

Kampf gegen die Muslimbruderschaft, sondern signalisiert

sogar Unterstützung für Clintons Hauptfeind

in Damaskus: «Wenn wir Assad stürzen, wird ISIS Syrien

übernehmen.»

Marco Rubio spricht moderater als Cruz. Das macht

ihn für viele Wähler attraktiv – und zu einem besonders

gefährlichen Kandidaten. Denn der 44-jährige

Senator von Florida rechtfertigt die Interventionen im

Irak und Libyen und ist auch sonst stramm auf geo-

Donald Trump 2015 auf der Conservative

Political Action Conference

(CPAC) in National Harbor, Maryland.

Foto: Gage Skidmore, CC BY-

SA 2.0, flickr.com

Auch in der Schweiz gibt es Trump-

Versteher: Zeitschriftencover vom

27.1.2016. Foto: Weltwoche

«Ich weiß nicht, ob

Sand im Dunkeln

leuchtet, aber wir

werden es herausfinden.»

Ted Cruz

41


COMPACT Politik

Wallstreet-Kandidat

Ende Januar 2016 gab Medienmogul

Michael Bloomberg bekannt,

die Chancen einer Kandidatur

zu prüfen. Mit geschätzten

27 Milliarden US-Dollar ist

auch er unabhängig und um ein

Vielfaches vermögender als Donald

Trump. Nachdem er 2001

von den Demokraten zu den Republikanern

gewechselt war, ist

Bloomberg seit 2007 parteilos.

Er unterstützte den Irakkrieg und

stellte sich 2004 hinter George

W. Bushs Wiederwahl. Nachdem

er 2008 neutral geblieben

war, befürwortete Bloomberg

2012 Präsident Obama. Bloomberg

ist ein Verfechter von Immigration

und setzt sich für

die Einbürgerung illegaler Einwanderer

ein. «Länder, die im

21. Jahrhundert von der Globalisierung

wegrennen», warnte er

2007, «werden auf Jahrzehnte

hinaus einen hohen Preis dafür

zahlen – wie die Länder, die im

20. Jahrhundert vor dem Kapitalismus

wegrannten.»

Michael R. Bloomberg. Foto: Rubenstein,

CC BY 2.0, Wikimedia Commons

strategischer Linie. Rubio will das ukrainische Regime

mit Waffen ausstatten, Dschihadisten in Syrien aufrüsten,

Luftschläge über dem Irak intensivieren und

die Saudis in ihrem Stellvertreterkrieg mit dem Iran

im Jemen durch Special Forces unterstützen. Bei allen

Republikanern gehört Kritik am Iran-Abkommen

zum Standardrepertoire. Lob für Israel ist für Kandidaten

parteiübergreifend Pflicht. Der 44-jährige Rubio

will die Debatte über eine Zwei-Staaten-Lösung im

Nahen Osten gar ein für alle Mal beenden. Wie Cruz

und Clinton bezieht auch er außenpolitische Empfehlungen

von der Beratungsfirma Beacon Global Strategies,

einem Interessenkonglomerat aus dem Geheimdienst-

und Verteidigungssektor.

«Wir können nicht länger der Weltpolizist

sein.» Donald Trump

Patriotismus ist Trump

Establishment-Republikaner zittern vor der klaren

Kante des finanziell unabhängigen Immobilien-

Tycoons Donald Trump, der zwar einen hurrapatriotischen

Kurs verfolgt, der Welt und Amerika aber

kostspielige Auslandsabenteuer zukünftig ersparen

möchte. Gewürzt mit seinen politisch inkorrekten Aussagen

spricht er damit Millionen von vor allem bitterarmen

Amerikanern an. Machtmenschen wie der Medienmogul

Rupert Murdoch teilen Trumps Islamkritik.

Benjamin Netanjahu bezeichnet Trump als einen

«hervorragenden Anführer». Den IS will der Milliardär

durch gezielte Luftangriffe auf deren Öl-Infrastruktur

bezwingen und diese von amerikanischen Firmen wiederaufbauen,

sprich kontrollieren, lassen. Auch das

Militär müsste unter Trump keine Sparmaßnahmen

befürchten. Selbst Schullehrer will der bekennende

Militarist bewaffnen. Trotz dieser Positionen wird der

Milliardär vom US-Establishment gehasst, und zwar

wegen seiner klaren Ablehnung der Zuwanderung und

seiner Sympathien für Putin.

Dass er Immigration generell ablehnt, gibt Trump

offen zu. Vorwürfe, er sei deshalb «gefährlich», hält er

für Heuchelei: Clinton habe als Außenministerin «Hunderttausende

durch ihre Dummheit getötet». Trump

will Flüchtlinge innerhalb einer Flugverbotszone in

Syrien belassen. Die Menschen aufzunehmen könnte

sich als «trojanisches Pferd» erweisen und kommt

für ihn nicht in Frage. Angela Merkel sei «wahnsinnig»

und müsse sich für ihre Migrationspolitik «schämen».

Trump will die heuchlerische Menschenrechtspolitik

der USA beenden und wieder auf die Unterstützung

stabiler Diktatoren setzen. Seiner Ansicht

nach wären Libyen und der Irak heute unter Gaddafi

und Saddam Hussein natürlich besser dran. Im Unterschied

zu Cruz strebt Trump sogar eine partnerschaftliche

Beziehung mit Russland an. «Wenn Putin ISIS die

Hölle heiß machen will», so Trump, «bin ich 100 Prozent

dafür. Ich kann gar nicht begreifen, wie irgendwer

dagegen sein könnte.» Ob die Ukraine der NATO beitritt,

sei ihm egal, behauptete Trump wiederholt unter

dem Verweis auf Europas und vor allem Deutschlands

Zuständigkeit. Schon 2000 schrieb der gebürtige New

Yorker, Amerika solle aufhören, sein Geld in europäische

NATO-Basen zu pumpen. «Wir können nicht länger

der Weltpolizist sein.»

2011 stürzten die USA den libyschen

Staatschef Gaddafi.

Foto: Archiv

V wie Victory: Diese Drohung ist bei

Hillary Clinton sehr ernst gemeint.

Foto: Reuters/Kevin Lamarque

42

_ Tino Perlick ist Kulturwissenschaftler.

In COMPACT 02/2016

portraitierte er den britischen

Labour-Chef Jeremy Corbyn.


Die Reichen und die Superreichen

_ von Marc Dassen

Bittere Armut hier, schwindelerregende Vermögen dort – nie zuvor war Wohlstand so

ungerecht verteilt wie heute. Das belegt die Organisation Oxfam in ihrer neuesten Studie

und fordert: Schluss mit Steuerprivilegien für Großkonzerne. Doch ihre Untersuchungen

führen in die Irre und verschweigen das Wesentliche.

Der deutsche Dichter Heinrich

Heine schrieb im März 1841 durchaus

ehrerbietig: «Geld ist der Gott

unserer Zeit, und Rothschild ist sein

Prophet.» Foto: Nigel Betts, Wikipedia

Die 62 reichsten Menschen der Welt besitzen genauso

viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung,

was aktuell 3,6 Milliarden Menschen entspricht – so

lautet eine zentrale Aussage des aktuellen Oxfam-

Berichts mit dem Arbeitstitel «Eine Wirtschaft für

das eine Prozent», der am 18. Januar anlässlich des

Weltwirtschaftsforums im Schweizer Alpenidyll Davos

vorgestellt wurde. Das «eine Prozent» – rund 70

Millionen Erdenbürger – verfügt demnach über mehr

Vermögen als die restlichen 99 Prozent der Weltbevölkerung.

Drastischer lässt sich das Endstadium eines

kranken Wirtschaftssystems nicht beschreiben.

Die 62 Personen an der Spitze der Pyramide entsprechen

0,000001 Prozent der Menschheit, ihr Vermögen

summiert sich auf 1,76 Billionen US-Dollar –

also 1.760 Milliarden. Würde man 100-Dollar-Noten

aufeinanderstapeln, würde diese Summe einen Geldturm

von 1.750 Kilometer Höhe ergeben – eine wahrhaft

astronomische Dimension. Die Bankenrettungspakete

für Griechenland, die bisher umgerechnet 270

Milliarden Dollar umfassten, könnten die Herren fast

aus der Portokasse bezahlen. In den letzten fünf Jahren

vermehrte sich der Reichtum dieser 62 Multimilliardäre

laut Oxfam um satte 45 Prozent, was über 540

Milliarden Dollar entspricht. Gleichzeitig wurde die

arme Bevölkerungshälfte um knapp eine Billion Dollar

ärmer. Der altbekannte Spruch «Das Geld ist nicht

weg, es ist nur woanders» wird hier bittere Realität.

Laut den Autoren der Studie leben derzeit 700 Millionen

Menschen von weniger als zwei Dollar am Tag und

damit laut Definition der Weltbank in extremer Armut.

Ruf nach dem Weltfinanzamt

Die Kritik an der ungerechten Verteilung des weltweiten

Reichtums tut Not, heute mehr denn je. Irritierend

dagegen ist, welche Gründe die Nichtregierungsorganisation

Oxfam für die Kluft zwischen Arm

und Reich angibt: Sie sieht nämlich die «unzureichende

Besteuerung von großen Vermögen» sowie

die «Steuervermeidung von Unternehmen und reichen

Einzelpersonen» als die Wurzel allen Übels. Die

Forderungen nach mehr Gerechtigkeit beschränken

sich darauf, Steueroasen trockenzulegen, Konzerne

zu Steuertransparenz und fairer Entlohnung zu ermutigen

und eine «legitime zwischenstaatliche Steuerinstitution

auf UN-Ebene» aufzubauen, die «alle Länder

umfasst». Damit liefert Oxfam eine Steilvorlage

für kontrollwütige Globalisten, die nichts lieber wol-

700 Millionen

Menschen leben

heute von weniger

als zwei Dollar am

Tag.

_ Marc Dassen ist Redakteur bei

COMPACT-Magazin und schreibt

regelmäßig zu Themen aus Politik

und Zeitgeschichte. In COMPACT

2/2016 stellte er die Top Ten der

schlimmsten Lügenjournalisten

Deutschlands vor.

43


COMPACT Politik

44

Die Schatzkammern

der Royals

Das Vermögen von Herrscherhäusern

und Diktatoren wird bei

Forbes grundsätzlich nicht aufgeführt.

So fehlt zum Beispiel

die saudische Königsfamilie mit

ihrem beträchtlichen Öl-Imperium,

das sich laut rantfinance.com

auf insgesamt 14 Billionen

Dollar summiert. Das wahre

Vermögen der britischen Königin

Elizabeth II. versteckt sich hinter

sogenannten Nominee Accounts

der Bank of England. Die

letzte Schätzung der Nachrichtenagentur

Reuters kommt auf

rund 35 Milliarden Dollar. Das

dürfte stark untertrieben sein,

wenn man bedenkt, dass sie mit

Ländereien in der Größenordnung

von 2.500 Quadratkilometern

als größte Landbesitzerin

der Erde gilt – nominell gehören

ihr auch immer noch Kanada,

Australien und etwa 50 weitere

Commonwealthstaaten rund

um die Welt.

Königin Elisabeth II. ist das Oberhaupt

der britischen Royals und

die dienstälteste Monarchin der

Geschichte. Foto: John Swannell

len, als jenseits nationaler Souveränität einen globalen

Umverteilungs- und Steuerungsmechanismus für

die Weltwirtschaft zu installieren. Die nachträgliche

Umverteilung wird als Allheilmittel verkauft – doch

echte Lösungen müssen bei der Frage ansetzen, wie

diese ungeheuren Vermögen überhaupt entstehen –

und wer sie verwaltet.

Auf der Forbes-Liste von 2015 – dem Verzeichnis

für Superreiche, das Oxfam zur Berechnungsgrundlage

macht – liefern sich Unternehmer, Neureiche und

Börsenspekulanten ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Vertreten

sind Namen wie die des Microsoft-Gründers Bill

Gates (Platz 1 mit knapp 80 Milliarden US-Dollar),

des Telekom-Giganten Carlos Slim Helu (Platz 2 mit

77 Milliarden US-Dollar) und des Großinvestors Warren

Buffet (Platz 3 mit 72 Milliarden US-Dollar). Die

Koch-Brüder – schwerreiche amerikanische Industrielle

und Großspender der Republikaner – bringen es gemeinsam

sogar auf über 85 Milliarden. Mark Zuckerberg

– der gerade 31-jährige Facebook-Gründer – landet

mit seinen rund 34 Milliarden immerhin noch auf

Platz 16, knapp hinter den Chefs von Konzernen wie

Amazon, Wal-Mart, Zara oder L’Oréal. Etwas abgeschlagen

auf Platz 29 rangiert auch der berüchtigte

Börsen-Tycoon George Soros mit stattlichen 24 Milliarden

Dollar Privatvermögen. Je weiter man in der

Forbes-Liste aufsteigt, umso zweifelhafter die Zahlen

und umso größer die Geheimniskrämerei. Es sei bekannt,

dass «die reichsten Teile der Bevölkerung (…)

am wenigsten auskunftsfreudig» sind und dazu neigen,

«ihre Vermögen in Befragungen zu unterschätzen»,

erklärt Oxfam.

Auffallend ist, dass die große Mehrzahl der dort

gelisteten Milliardäre als Unternehmer in Handel, Industrie

und der Internet-Branche tätig sind. Und hier

liegt der Hund begraben: Die schillerndsten Namen

der modernen Hochfinanz tauchen weder bei Forbes

noch im Oxfam-Report auf. So etwa die Rothschilds,

Rockefellers, Warburgs, Morgans und weitere superreiche

Clans des anglo-amerikanischen Establishments

sowie die britische Königsfamilie. Es drängt

sich der Verdacht auf, dass es die Oxfam-Aktivisten

besonders auf die abgesehen haben, die ihr Vermögen

tatsächlich noch im produzierenden Gewerbe verdienen,

mit Fleiß und Unternehmergeist Imperien errichteten

und Millionen Arbeitsplätze schufen. Jene aber,

die den ererbten Reichtum seit Generationen lediglich

durch Zinsen, Kreditvergabe und Hütchenspiele an

den Finanzmärkten der Welt vermehren, kommen ungeschoren

davon. Kritik am Geldsystem? Fehlanzeige.

Der Club der Billionäre

Das Vermögen der Bankiersdynastie Rothschild –

aufgestiegen von Geldwechslern zu internationalen

Großfinanziers und mittlerweile in siebter Generation

tätig – schätzte der Spiegel in einem Artikel von

Anfang 2012 auf etwa 350 Milliarden Dollar. Das Portal

celebritynetworth.com gibt aktuell 400 Milliarden

an, also locker das Fünffache eines Bill Gates und

etwa genau so viel wie die jährliche Wirtschaftsleistung

Österreichs. Bedenkt man, dass das Kapital des

Rothschild-Imperiums in komplexen Verschachtelungen

auf direkte Nachkommen verteilt und in unzähligen

Firmenbeteiligungen, Immobilien und Kunstschätzen

versteckt ist, dürfte diese Schätzung noch

untertrieben sein.

Vertreter der Hochfinanz tauchen

im Oxfam-Report nicht auf.

Die Rockefeller-Dynastie gründete sich auf der

Ende des 19. Jahrhunderts mit skrupellosen Methoden

ausgebauten Monopolstellung der Standard Oil

Company, dem seinerzeit weltgrößten Ölkonzern, der

heute in viele kleinere Firmen (Shell, BP, Exxon Mobil)

aufgeteilt ist. Das von Patriarch David Rockefeller

verwaltete Vermögen soll laut celebritynetworth.com

rund 350 Milliarden Dollar betragen. Auch hier sind

die tatsächlichen Zahlen ein wohlgehütetes Geheimnis.

Ein ehemaliger Vermögensverwalter namens Robert

Gaylon Ross Senior – Autor der Buchreihe Who

is Who of the Elite – will aus Insiderkreisen wissen,

dass die Rockefellers schon 1998 tatsächlich etwa 11

Billionen Dollar und die Rothschilds sogar etwa 100

Billionen Dollar besaßen. Diese Zahlen bleiben bis

auf Weiteres spekulativ – mit einer baldigen Offenlegung

der tatsächlichen Vermögenswerte der modernen

Hochfinanz ist auch kaum zu rechnen.

John Davison Rockefeller Senior (1839–1937, rechts) gilt als einer

der reichsten Männer der Weltgeschichte und sah sich gern als

Wohltäter. Foto: Archiv


COMPACT Dossier

Dossier _ Seite 46–52

Revoltiert!

Er ist der bedeutendste Theoretiker der Multikulti-Kritik in Frankreich: Renaud Camus

hat den Großen Austausch der Bevölkerung durch Masseneinwanderung auf den Begriff

gebracht. Er sieht die Gefahr einer Kolonisierung Europas und ruft zur Verteidigung

unserer Kultur und Lebensweise auf. Nun sind erstmals seine wichtigsten Essays auf

Deutsch erschienen.

Foto: Erich Lessing Culture and

Fine Arts Archives

45


COMPACT Dossier

Wie ich zum Patrioten wurde

_ Interview mit Renaud Camus

Renaud Camus gilt als der wichtigste Vordenker des identitätsbewussten

Frankreich, die Lügenpresse bezeichnet ihn wegen

seiner Ablehnung der Einwanderungsgesellschaft als rechtsextrem.

Dabei war er über Jahrzehnte als avantgardistischer Schriftsteller

anerkannt. Wie damals sind es auch heute die gesellschaftlichen

Tabus, die ihn reizen.

bei nun um Vercingetorix [gallischer Freiheitsheld], Arminius

[germanischer Heerführer], Jeanne d’Arc, Andreas

Hofer, Gandhi, Bourguiba [Kämpfer gegen die

französische Kolonialherrschaft in Tunesien] oder Lumumba

[Revolutionsführer im Kongo] gehandelt hat.

In meinen Augen sind es eher die Akteure und Propagandisten

der aktuellen, nach 1940–44 «zweiten»

Kollaboration, die man als «Rechtsextremisten» bezeichnen

sollte: die Junckers, Merkels, Wallströms

[Margot Wallström, schwedische Außenministerin]

– all jene, die sich zu Kollaborateuren und Komplizen

der Eroberung ihrer Länder gemacht haben, der Kolonisierung

Europas durch Afrika.

Freund Andy Warhols

46

Renaud Camus ist in Deutschland,

im Unterschied zu Frankreich, noch

kaum bekannt. Foto: privat

Gerade erschienen: Renaud Camus,

«Revolte gegen den Großen Austausch»,

Verlag Antaios, 224 Seiten,

19 Euro. (antaios.de)

Foto: Verlag Antaios

Was für eine Beziehung gibt es zwischen dem

Renaud Camus der siebziger und achtziger Jahre

und dem Mann, der heute in den französischen

Medien häufig als «Rechtsextremist» oder als

«Vordenker des Front National» hingestellt wird?

Die Bezeichnung «Rechtsextremist» ist natürlich

nichts weiter als ein rein polemisches Etikett, mit dessen

Hilfe die Betreiber des Großen Austausches, der

Auflösung der Völker und der Zivilisation ihre Widersacher

zu diskreditieren versuchen. Sie benutzen solche

Vokabeln als Vorwand, um jemanden wie mich zu

isolieren und in der Versenkung verschwinden zu lassen.

Ich für meinen Teil betrachte mich in keiner Weise

als «rechtsextrem»: Das ist weder meine literarische

noch meine politische oder geistige Familie. Zu

keinem Zeitpunkt der Geschichte der Menschheit ist

jemand zum Mitglied oder Sympathisanten der «extremen

Rechten» geworden, bloß weil ihm die Freiheit

und Unabhängigkeit seines Volkes und das Überleben

seiner Zivilisation am Herzen lag – egal, ob es sich da-

Es ist freilich wahr, dass sich viele Leute, die mich

schlecht kennen und deshalb zur extremen Rechten

zählen, darüber wundern, dass ausgerechnet jemand

wie ich ein avantgardistischer Autor sein konnte, nicht

nur in formaler Hinsicht, sondern auch, was die Wahl

meiner Sujets anging. Man denke etwa an mein bisher

einziges ins Deutsche übersetztes Buch Tricks aus

den siebziger Jahren, zu dem Roland Barthes ein Vorwort

beisteuerte und das fünfundvierzig homosexuelle

Begegnungen in Paris, New York oder San Francisco

nach 1968 in einer äußerst direkten, rein deskriptiven

und sachlichen Sprache beschreibt, genauso, wie sie

sich zugetragen haben. Vierzig Jahre später beschreibe

ich den Austausch des Volkes und der Zivilisation,

wie er sich in Frankreich und in ganz Europa zuträgt.

Es handelt sich um ein und dieselbe Vorgehensweise:

das Einfache einfach zu beschreiben, das Offensichtliche

direkt anzusprechen, die Tatsachen sachlich

zu behandeln.

Das ist das Geheimnis, warum der Autor der Tricks,

der Freund Andy Warhols, der Aussteller moderner

Kunst zum Verächter, vor allem aber zum «Logotheten»,

wie Roland Barthes es nannte, zum Wortgeber,

zum Beschreiber des Großen Austausches wurde. Hier

wie dort handelt es sich um absolut dasselbe Prinzip,

um denselben Kampf und das gleiche Werkideal.

Ich war stets der Meinung, dass es die wesentliche

Aufgabe eines jeden Schriftstellers sei, sich in

jene verborgenen Bereiche der Gesellschaft und der

Sprache zu begeben, in denen sich Dinge zutragen, die

nicht ausgesprochen, erwähnt, beobachtet, beschrieben

werden dürfen; Dinge also, denen die Gesellschaft

nicht ins Gesicht blicken will. Dort, wo die Leerstellen

und Löcher im Gewebe der Wirklichkeit sind, muss der

Autor eine Sprache finden. Das war vor vierzig Jahren

womöglich die Homosexualität, heute ist es die Auf-


COMPACT Dossier

lösung des Volkes, die unaussprechbar geworden ist.

Insofern ist es interessant zu beobachten, wie sich der

Puritanismus der Sprache, das Verbot, das «Das-sagtman-nicht»

und der Tabubruch vom Sexus zur Rasse,

von der Erotik zur Politik verschoben haben. Offenbar

gibt es eine Konstante der Repression, des Zwanges

und der Hemmung, die den historischen Gegebenheiten

entsprechend ihre Vorzeichen wechselt.

Die Ignoranz der medialen Kaste

Gab es einen markanten Wendepunkt in Ihrem

Leben, der dazu geführt hat, dass Sie sich der Politik

und dem Problem des Großen Austausches

zugewandt haben?

Ich wurde in dem Moment zum Patrioten, als mir klar

wurde, dass man mir verbieten will, einer zu sein. Und

ich habe mich erst für meine Identität als Franzose und

Europäer zu interessieren begonnen, als ich bemerkte ,

dass es verboten war, darüber zu sprechen. Ich selbst

bin von Natur aus nicht im Mindesten chauvinistisch

veranlagt. Ich liebe die englische Lyrik ebenso sehr

wie die französische, die deutsche Musik ebenso sehr

wie die französische, und die italienische Architektur

gefällt mir sogar um einiges besser als die französische.

Ich bin ein großer Anglophiler und halte die englische

Landschaftsgärtnerei für die vielleicht höchste,

zumindest für die exquisiteste Leistung der Zivilisation.

Ich habe also einen guten Teil meines Lebens

verbracht, ohne mir viele Gedanken über Patriotismus

oder die französische Identität und ähnliche Dinge

zu machen.

Die Realität des Großen Austausches wurde mir

Ende des letzten Jahrhunderts zunehmend bewusst.

Ich brauchte nicht mehr zu tun, als meine Augen zu

öffnen. Das, was ich in aller Deutlichkeit sah, schien

jedoch den politischen Diskurs in keiner Weise zu berühren;

es gab keinerlei Beziehung mehr zwischen

der Wirklichkeit und der Politik. Dort gab es lediglich

eine fiktive Welt, die sich zu ihrer Aufrechterhaltung

eine eigene politisch-soziologische Sprache erschaffen

hatte: Ich habe dafür den Neologismus «fauxel»

geprägt, womit ich die Herrschaft der Realitätsinversion,

das Reich des Falschen bezeichne.

Wohlverstanden: Der Große Austausch belastet

mein eigenes privates Leben nicht allzu sehr, wohl

viel weniger als den Durchschnitt meiner Landsleute.

Ich lebe auf dem Land, in einem Dorf, in dem es (noch)

nicht sehr viele außereuropäische Einwanderer gibt,

auch wenn ich dort schon einmal eine von Kopf bis

Fuß verschleierte Frau gesehen habe, was in diesen

Breiten noch ein ungewohntes Schauspiel ist.

«Ich wurde in dem Moment zum Patrioten,

als mir klar wurde, dass man

mir verbieten will, einer zu sein.»

Aber ich finde es empörend, wenn sich die Zeitungen

über die Wähler des Front National mokieren,

die für Marine Le Pen stimmen, obwohl es «in deren

Dörfern (…) doch keinen einzigen Einwanderer

gibt». Der Patriotismus ist dieser medialen Kaste derart

fremd geworden, dass sie nicht begreifen kann,

warum wir die Invasion unseres eigenen Landes beklagen,

obwohl die Invasoren noch nicht unsere Küche

besetzt halten und uns kein direktes, persönliches

Unrecht zufügen. Würde man einen Reporter des heutigen

Staatsfernsehens nach Domrémy im Jahre 1428

schicken, so würde er Jeanne d’Arc ein Mikro unter

die Nase halten und fragen: «Ich verstehe Sie nicht,

Mademoiselle. Was haben Sie denn gegen die Engländer?

Es gibt in Ihrem Dorf doch gar keine!» (…)

Der andere Camus

Renaud Camus, geboren 1946 in

Chamalières, kommt ursprünglich

aus der Linken und war Anfang

der 1970er Jahre Mitglied

der Sozialistischen Partei; 1982

gab er François Mitterrand seine

Stimme. Wenn er in jenen

Jahrzehnten politisch engagiert

war, dann vor allem an der

Seite der Schwulenbewegung.

Für Tricks, eine Sammlung homoerotischer

Prosaskizzen aus

dem Jahre 1978, schrieb kein

Geringerer das Vorwort als Roland

Barthes (1915–1980) , einer

der Gründerväter des Poststrukturalismus,

der heute anstelle

des Marxismus das ideologische

Fundament der Neuen

Linken bildet.

2013 nannte ihn die Wochenzeitung

Le Point in Anspielung auf

seinen berühmteren Namensvetter

Albert Camus «ce Camus

qui n’aime pas l’étranger», «der

Camus, der den Fremden nicht

mag». In einem kurzen Gastauftritt

geistert Camus auch durch

Michel Houellebecqs 2015 erschienenen

Roman Unterwerfung,

der eine islamische

Machtübernahme im Frankreich

der nahen Zukunft schildert.

Entgegen der Darstellung in der

Mainstreampresse hält der Publizist

Distanz zum Front National.

Dessen Vorsitzende Marine

le Pen hat Camus’ Zentralbegriff

des Großen Austausch

als «verschwörungstheoretisch»

abgetan.

Website: renaud-camus.net

Bild oben: Der berühmtere Namensvetter

Albert Camus (1913–1960).

Bild links: Brennpunkt Calais: Im

dortigen Lager kommt es regelmäßig

zu gewalttätigen Angriffen

zumeist afrikanischer Asylforderer.

Fotos: Archiv

_ Interview: Martin Lichtmesz.

Stark gekürzter Auszug aus

Renaud Camus, «Revolte gegen

den Großen Austausch», 224

Seiten, 19 Euro (antaios.de).

47


Der Große Austausch der Bevölkerung

_ von Renaud Camus

48

Millionen Zuwanderer strömen über die offenen Grenzen zu uns – die

Kolonisierung und Islamisierung Europas durch Afrikaner und Araber

hat begonnen. Dies klar auszusprechen, ist der erste Schritt zur

notwendigen Revolte.

Integration,

Assimilation,

gemeinsame

Staatsbürgerschaft

– Begriffe aus der

Vergangenheit.

Der «Große Austausch»: Das ist keine Hypothese ,

kein Konzept, keine Theorie, sondern die simple Feststellung

einer Tatsache. Dieser Begriff umschreibt ein

allumfassendes Phänomen, das bei weitem gewichtigste,

das Frankreich und Europa seit dem Ende des

20. Jahrhunderts heimsucht und vielleicht für immer

verändern wird, einen laufenden Prozess, an dessen

Ende die Auflösung der Völker und der Zivilisation steht.

Man kann diese ungeheure Erschütterung auch

anders beschreiben: als ethnische und kulturelle Substitution,

als demographische Überschwemmung, als

Gegen-Kolonisation, als Eroberung Europas durch

Afrika, eine spiegelbildliche Kopie der einstigen Eroberung

Afrikas durch die Europäer, die allerdings gravierendere

Folgen hat und viel tiefer reicht.

Kolonisation statt Integration

Man kann argumentieren, dass es keinen unmittelbaren

Austausch im strengen Sinne gebe und dass

der ständige Zufluss von Neuankömmlingen in unaufhaltsamen

Flutwellen nicht zwangsläufig nach einem

halben Jahrhundert zum simultanen Verschwinden der

Europäer auf ihrem eigenen Boden führen müsse; es

gibt unzählige Faktoren, die über eine bloße Substitution

im strengen Sinne hinausweisen. Es bleibt jedoch

dabei: Die unterschiedlichen Geburtenraten in Verbindung

mit der kontinuierlichen Zufuhr von Einwanderern

bewirken, dass die Beziehungen und Proportionen zwischen

den einzelnen Altersgruppen auf der einen Seite

eine Bevölkerungsgruppe zeigen, die in Relation zu

der vorangehenden Generation schrumpft, und auf der

anderen Seite eine, deren Präsenz und Gewichtigkeit

ohne Unterlass wächst. Wir können diese Entwicklung

inzwischen mit dem bloßen Auge sehen: Unzählige

Häuser und Plattenbauten, Straßen, die einst vertraut

waren, ein Stadtviertel nach dem anderen, Eisenbahnund

U-Bahn-Abteile, Klassenzimmer, Schulen, Veranstaltungsorte,

ganze Städte, immer größere Landstriche

sind nicht mehr wiederzuerkennen, da die alteingesessene

Bevölkerung sie verlassen hat oder kaum

noch frequentiert und durch eine andere ersetzt wurde.

Ich denke hierbei gar nicht so sehr an die Farbe

der Augen oder der Haut oder an verschiedene Haartypen.

Ich denke an die Art, sich zu kleiden, an die

Sitten, die in einem Haus oder einer Stadt Gültigkeit

haben, an Verhaltensmuster, an Interessen, an kulinarische,

musikalische, ästhetische, soziale Geschmäcke.

Weit entfernt davon, sich im Laufe der Zeit einander

anzugleichen, spitzen sich die Unterschiede vielmehr

zu. Integration, Assimilation, gemeinsame Staatsbürgerschaft:

Worte und Ausdrücke wie diese stammen

aus einer Zeit, die längst der Vergangenheit angehört.


Niemand glaubt mehr an sie. Nationen können Individuen

integrieren, wie es Frankreich im Lauf seiner

Geschichte oft gemacht hat. Sie können aber keine

ganzen Völker absorbieren. Die Neuankömmlinge verspüren

keine Begierde, in den einheimischen Bevölkerungen

aufzugehen. Diese Auszutauschenden, die

vor ihnen zurückweichen und die abgestumpft sind

durch die Ideologie des Austausches, eine demente

Form des dogmatischen Antirassismus, scheinen es

für eine Art Frage der Ehre oder der Schande zu halten,

alle Nachteile willig in Kauf zu nehmen und dabei

die Verachtung, die ihnen entgegenschlägt, masochistisch

zu ertragen.

Mit der Zeit werden die Einwanderer und ihre Nachkommen

mehr und mehr sie selbst, das heißt, sie entsprechen

immer mehr dem, was ihre Herkunft ihnen

vorschreibt, mag sie noch so weit zurückliegen. Nun

steigt sie wieder umso lebendiger aus den Tiefen

empor. Sie sind mehr als je zuvor bereit, die Überzeugungen,

den Habitus und die Sitten ihrer Vorfahren

anzunehmen, da sie ja sehen können, dass nichts die

Bevölkerungsteile am absteigenden Ast der demographischen

Unterwanderung stärker ängstigt und demoralisiert.

Diese fühlen deutlich, dass sie allmählich

selbst zu Fremden werden, die sich nicht mehr unter

ihresgleichen bewegen können. Deshalb werden die

realen oder angeblichen Zeichen der betonten Wiederkehr

der Ursprünge zu Hilfsinstrumenten der Machtentfaltung

und zur triumphalen, aggressiven Selbstaffirmation

seitens derer, die die Ausgetauschten ersetzen

sollen: die Schleier, die Bubus, die Dschellabas,

die Bärte, die demonstrative Religiosität und natürlich

die Moscheen. Im Laufe dieses Übergangs lösen sich

die Luftschlösser all jener auf, die glauben konnten

oder wollten, dass man ein Volk verändern kann, ohne

seine Zivilisation zu ändern; dass man mit einer anderen

Bevölkerung immer noch dieselbe Nation haben

kann; dass ein Messer, bei dem man zuerst den Griff

und dann die Klinge austauscht, immer noch dasselbe

Messer ist.

Die Lügen der Multikulti-Lobby

Es fällt auf, dass sich bei den Anhängern der Ideologie

des Austausches im Hinblick auf ihre eigene,

unmittelbare Zukunft allmählich eine gewisse Unsicherheit

bemerkbar macht: denn diejenigen, die die

Auszutauschenden ersetzen sollen und die sie mit

einem solchen Eifer gefördert haben, scheinen im Alltag

ihre eigene Doktrin demonstrativ zu widerlegen,

was an sich eine begrüßenswerte Sache und sogar ein

Grund zur Hoffnung wäre, wenn der Große Austausch

nicht unterdessen ungestört weiterlaufen würde, und

zwar auf ganz andere Weise, als es sich seine Betreiber

vorgestellt oder erträumt haben. Sie werden dem

Schicksal nicht entgehen, unter den ersten Opfern seiner

Folgen zu sein, angesichts des Ausmaßes der Verachtung,

die ihnen und ihrer Geisteshaltung seitens

derer, die sie hofiert haben, entgegenschlägt.

Die Ideologie des Austausches ist nichts anderes

als die aggressivste und virulenteste Form des dogmatischen

Antirassismus. Sie ist seine zeitgemäße Verkörperung.

Indem sich diese Ideologie als «antirassistisch»

bezeichnet, gibt sie sich implizit als eine Moral

aus, wenn nicht sogar als die Moral selbst. Sie ist

jedoch wohlgemerkt weder antirassistisch noch moralisch,

und sie kann es auch gar nicht sein. Denn keine

Moral kann ihre Grundlagen und ihre letzten Ziele

Etwa 3.000 Migranten leben in

Zelten und Baracken am Eingang

des Kanaltunnels in Calais und

starten immer wieder Durchbruchsversuche

durch den Absperrzaun

oder bedrohen LKW-Fahrer. Die Polizei

hat einheimische Anarchisten

der No-Border-Gruppe teilweise

als Rädelsführer identifiziert. Foto:

Reuters/Juan Medina

Die Auszutauschenden

sind bereit, die

Verachtung

masochistisch zu

ertragen.

Chaotische Zustände: Der «Dschungel»,

das schmutzigste Lager in

Calais. Foto: Twitter

49


COMPACT Dossier

50

De Gaulles Warnung

«Es ist sehr gut, dass es gelbe,

schwarze und braune Franzosen

gibt. Sie zeigen, dass Frankreich

offen ist für alle Rassen

und dass es eine universelle Berufung

hat. Aber unter der Bedingung,

dass sie eine Minderheit

bleiben. Sonst wäre Frankreich

nicht mehr Frankreich. Wir

sind vor allem ein europäisches

Volk von weißer Rasse, griechischer

und römischer Kultur und

christlicher Religion. Dass man

sich da nichts vormacht! (…)

Die Leute, die die Integration

anpreisen, haben ein Kolibrihirn,

auch wenn sie sonst viel wissen

mögen. Versuchen sie doch

einmal, Öl und Essig miteinander

zu mischen. Schütteln Sie

die Flasche. Binnen kurzer Zeit

werden sie sich wieder trennen.

Araber sind Araber, Franzosen

sind Franzosen. Glauben Sie

denn wirklich, dass der französische

Volkskörper zehn Millionen

Muslime aufnehmen kann, die

morgen zwanzig Millionen und

übermorgen vierzig sein werden?»

(Aus einem Gespräch, das

de Gaulle am 5. März 1959 geführt

hat. Quelle: Alain Peyrefitte,

C’était de Gaulle [deutsch:

Das war de Gaulle], Fayard

1994.)

Terrorangst: Nach den zwei verheerenden

Anschlagswellen im Januar

und November 2015 patrouillierten

Soldaten durch die französischen

Städte, hier im Pariser Quartier Saint-

Denise am 18.11.2015. Foto: dpa

in der unablässigen Propagierung der Ersetzung von

Lebewesen und Dingen sehen, die unter dem Gesichtspunkt

ihrer Eignung zur Ersetzbarkeit bewertet werden.

Ganz im Gegenteil strebt eine wahrhafte Moral

danach, unersetzliche Lebewesen herauszubilden und

den Respekt vor ihrer natürlichen Unersetzlichkeit zu

kultivieren.

Eine wahrhafte Moral kann es sich auch nicht

leisten, sich von der Wahrheit zu lösen, die für jede

Moral eine notwendige Bedingung ersten Ranges ist.

Die Ideologie des Austausches jedoch basiert auf der

Lüge. Es ist wie in dem Witz vom geborgten Kessel,

den Freud so gerne zitierte. Der Mann, der ihn seinem

Nachbarn in beschädigtem Zustand zurückbringt, hat

drei Entschuldigungen: Erstens war der Kessel schon

beschädigt, als ich ihn entliehen habe; zweitens ist er

doch gar nicht beschädigt, und drittens habe ich diesen

Kessel niemals ausgeliehen. Erstens habe es nur sehr

wenig Einwanderung nach Frankreich gegeben und

außerdem sei sie rückläufig; zweitens habe es immer

schon enorm viel Einwanderung gegeben, Frankreich

und Europa seien immer schon Einwanderungsländer

gewesen, das sei doch überhaupt nichts Neues und es

lohne sich gar nicht, darüber zu reden; drittens habe es

bereits so viel Einwanderung gegeben, dass die gegenwärtige

Situation irreversibel sei: Man könne nichts

anderes mehr tun, als sich mit der Lage anzufreunden –

oder die Koffer zu packen, wenn sie einem nicht passe.

Falsches und echtes Mitleid

Der unglückselige Migrant, mit dem wir das Menschsein

teilen, wird von den Schleppern ebenso und noch

mehr verdinglicht, als er es von der Ideologie des globalen

Austausches ohnehin schon wird, der höchstselbst

er es zu verdanken hat, auf Straßen und Meere

hinausgetrieben worden zu sein. Dass dieser Unglückliche

zu Recht zu beklagen ist, kann nicht bestritten

werden. Indes: Diesem augenblicklichen Mitleid nachzugeben,

indem man der Masse der Migranten blindlings

die Häfen und die Pforten öffnet, bedeutet, dazu

beizutragen, dass die Gewalt, das Misstrauen, die

Abstumpfung und das Elend in unserer Gesellschaft

vermehrt werden – den Beweis dafür erbringt die elementare

direkte Beobachtung. Es ist das Wohl dieser

Gesellschaft und der Millionen Individuen, aus denen

sie sich zusammensetzt, dem unsere primäre Sorge zu

gelten hat, und zwar entschieden mehr als dem Wohl

derer, die ihr nicht angehören. Diese verdienen gewiss

unser Mitleid wie jedes andere lebende Wesen auch,

aber nicht in Form einer Öffnung der Grenzen, denn

diese erzeugt sehr rasch noch mehr allgemeines und

dauerhaftes Leid. Die Moral darf nicht auf sentimentale

Reflexe reduziert werden. Sie muss das Für und

Wider abwägen und gewissenhaft die moralischen Folgen

ihrer Entscheidungen bedenken.

Die Ideologie des Großen Austausches

ist weder antirassistisch

noch moralisch.

Außerdem wäre das eine ziemlich eigenartige

Moral, die uns bei jeder Gelegenheit dazu auffordert,

uns jeglichen moralischen Urteils zu enthalten.

Dies aber verlangt der Antirassismus des Austausches,

mit ständiger Berufung auf scheinbar ethische

Gründe. Ein Verbrechen kann noch so schwer, ein Delikt

noch so bösartig sein: Die institutionalisierte Ideologie

des Austausches nötigt uns, die Tat vor allem unter

soziologischen Gesichtspunkten zu betrachten – das

heißt, sie zu «verstehen» und möglichst rasch zu entschuldigen,

da die Untaten dieses oder jenes Täters

stets auf «Rassismus», «Ausgrenzung» und «Diskriminierung»

zurückzuführen seien. Dadurch wird er zum

essentiell Unschuldigen, denn der Rassismus, dessen

Zielscheibe er angeblich ist, gilt satzungsgemäß als der

einzig wahre Schuldige an seinen Handlungen. Daher

sind die Schuldigen unschuldig, weil sie sozusagen

aufgrund ihrer bloßen Herkunft ewige Opfer sind, auch

wenn sie zu Tätern werden; man wagt es nicht, an dieser

Stelle von Rasse zu sprechen, da ja dieses Wort

am besten die Paradoxie des Antirassismus zu erkennen

gäbe, in dessen Begriff es implizit enthalten ist

und dessen ursprünglicher Sinn sich inzwischen komplett

ins Gegenteil verkehrt hat: Er macht nämlich seine

moralischen Urteile über die Menschen von ihrer ethnischen

Zugehörigkeit abhängig und tut also genau das,

was er zu verdammen vorgibt. Und auch die Opfer sind

keine wirklichen Opfer, wenn sie sozusagen genetisch,

atavistisch, der Rasse der Schuldigen angehören. Es

ist eben immer wieder dasselbe Spiel.


COMPACT Dossier

Zweierlei Fremdherrschaft

Die damit einhergehende Pseudomoral – deren Prämissen,

wie gesagt, falsch und schlecht, daher also

unmoralisch sind, obwohl sie sich auf moralische Kategorien

berufen – gibt das Gebot als wahr, schön und

gut aus, dass die einheimischen Völker die ihnen aufgezwungenen

Ungerechtigkeiten kampflos hinnehmen

sollen: also ihre Eroberung durch ethnische Überschwemmung,

ihre Preisgabe durch die herrschenden

Eliten, die Macht im Dienst der Ideologie des Austausches

(ob sich diese nun als konservativ oder links

bezeichnet, macht dabei keinen Unterschied). Die

Ahnen der Völker, die uns heute überschwemmen,

haben sich einst ebensolchen Invasionen von Fremden,

die andere Zivilisationen, andere Kulturen oder

Unkulturen und andere Religionen im Gepäck tragen,

mit aller Kraft widersetzt. Warum machen die Europäer

in der gleichen Lage nicht dasselbe? Was hält

sie davon ab, sich dagegen zu erheben?

Die heutige Kolonisation Europas

reicht viel tiefer als die frühere

Kolonisation Afrikas.

Ein Grund ist wohl, dass sich die Invasoren in einer

neuartigen, trügerischen Form präsentieren und sie

durch ihre Misere und ihre Hilfsbedürftigkeit, die

manchmal real, manchmal gespielt ist, etwas erreichen,

das ihre Vorgänger, die häufig aus denselben

Breitengraden kamen wie sie, durch Macht und Herrlichkeit

nicht dauerhaft in ihren Besitz nehmen konnten

– trotz der sieben Jahrhunderte in Spanien. Weil

Europa nicht wahrhaben will, dass es zwischen tausenden

und hunderttausenden Flüchtlingen und illegalen

Einwanderern pro Jahr einen fundamentalen Qualitätsunterschied

gibt, versteift sich der Kontinent lächerlicherweise

auf die Vorstellung, es mit einem bloßen

Menschenrechtsproblem oder einer humanitären Krise

zu tun zu haben, während alles darauf hindeutet, dass

es sich in Wahrheit um eine Invasion handelt.

Man hat mich zuweilen dafür kritisiert, dass ich von

der Kolonisierung Europas spreche. Die einen empfanden

diesen Begriff deshalb als unpassend, weil unsere

Kolonisten friedlich und waffenlos seien; die anderen,

weil die Eroberer doch gar nichts kolonisierten, wenn

«kolonisieren» eine produktive Tätigkeit impliziert.

In Wahrheit gebärden sie sich immer weniger friedlich,

und sie lassen zunehmend ihre Machtansprüche

erkennen, die Ansprüche von Eroberern. Sie sind kurz

davor, direkt zu verlangen, dass man sich ihren Wünschen

füge und ihre Forderungen erfülle. Und wenn sie

auch nichts Produktives geleistet haben, so haben sie

immerhin gezeigt, dass sie zur Ausbeutung imstande

sind, wenn man etwa die wahnwitzigen Kosten der

Masseneinwanderung betrachtet. Europa ist auf eine

Weise von Afrika kolonisiert worden, wie es selbst nie

kolonisiert hat. Europa hat in der Vergangenheit vor

allem erobert. Folgt man dem antiken Paradigma, dann

bedeutet die Gründung einer Kolonie vor allem, Teile

seiner Bevölkerung in Massen zu exportieren. Das hat

Frankreich, um es einmal deutlich zu sagen, niemals

getan, mit Ausnahme Kanadas im 17. und 18. Jahrhundert

und Algeriens zwei Jahrhunderte später. Man

weiß, wie das geendet hat.

Die Unabhängigkeit der Völker lässt sich jedoch viel

leichter verwirklichen, wenn die Kolonisierung einen

rein nominellen, wirtschaftlichen, militärischen und

administrativen Charakter hat. Wir selbst erleiden eine

Kolonisation, die viel tiefer reicht, weil sie demogra-

Die Folgen der Multikulti-Politik.

Bild links: Viele Banlieues sind

zu gesetzlosen Zonen geworden,

in denen die Polizei den Straßenbanden

nicht mehr Herr wird.

Bild rechts: Die Islamisierung

schreitet voran. Da die Moschee in

der Rue Myrha in Paris überfüllt ist,

beten die Muslime auf dem Pflaster

davor. Fotos: Archiv

Muslime

in Frankreich

Prognostizierte muslimische Bevölkerungsentwicklung

in Frankreich

von 1990–2030

10,3

6.860

568

1

7,5

4.704

1990 2010 2030

Anzahl Muslime in Tausend

Anteil Muslime an Gesamtbevölkerung

in Prozent

Quelle: Zusammenstellung aus

Material der Onlinepräsentation

des Pew Forum on Religion &

Public Life (2011)

51


COMPACT Dossier

Die wahren Feinde

Nicht ganz zu Unrecht werfen

manche ihrer Gegner den Rechten

vor, es sich in der Benennung

«des Moslems» oder «des

Ausländers» zu einfach zu machen,

ja gar einen Sündenbock

zu suchen. Natürlich aber sind

die einwandernden Massen Teil

des Gesamtproblems, und keineswegs

nur als Opfer zu betrachten.

Sie sind Schachfiguren

eines größeren Spiels. Ebenso

ist der Islam als Kitt und mobilisierender

Faktor dieser Einwanderermassen

ein zentrales

Problem, das den Großen Austausch

beschleunigt und ihn blutiger

und brutaler macht. Das

wahre Problem sind aber die

«Austauscher». (…) Die Initiatoren,

Vertuscher und Förderer des

Gesamtprozesses sind die wahren

Feinde jener, die den Großen

Austausch verhindern wollen.

Sie sind die wahren Feinde der

europäischen Völker. Dazu gehören

nationale und internationale

Konzerne, die sich durch

das Fehlen von Einwanderungsgrenzen

eine Lohnkostenminderung

und vom Abbau ethnokultureller

Gemeinschaften eine Erleichterung

ihres Wirtschaftstreibens

erwarten. Sodann jene

migrationsfreundlichen politischen

Parteien, die in den Migranten

einen Stimmenimport

entdeckt haben. (…) Eine Szene

aus Intellektuellen und Kulturproduzenten

lebt im Großen

Austausch einen ethnomasochistischen

Wahn aus, der als

Schuldkult den gesamten Westen

befallen hat. (Martin Sellner

im aktuellen Buch von Renaud

Camus, Revolte gegen den Großen

Austausch)

phischen Charakter hat, was bei der Kolonisation Afrikas

nicht der Fall war; da sie enorme Bevölkerungstransfers

zur Grundlage hat, könnte sie sehr bald irreversibel

werden. Es gibt jetzt schon sechsmal so viele

Afrikaner in Europa als es Europäer gibt, die jemals in

Afrika gelebt haben. Darum muss rasch gehandelt werden.

Der irrsinnige Pendelschlag von Kolonisation und

Gegen-Kolonisation muss gestoppt und in der Mitte, im

Mittelmeerraum, fixiert werden. Daher sollte uns ein

antikolonialistischer Geist leiten – antikolonialistisch

und widerständig.

Wir müssen eine kritische Masse

bilden, die dem Widerstand Handlungsspielraum

eröffnet.

Das Fanal zum Widerstand

Das erste Ziel, das sehr rasch erreicht werden

könnte, wenn eine ausreichend große Zahl an Franzosen

und anderen Europäern es wirklich wollte, wäre

eine kritische Masse zu bilden, die gut sichtbar ist

und die dem Widerstand gegen den Großen Austausch

einen echten Handlungsspielraum eröffnet,

seinen Entscheidungen Nachdruck verleiht und auf

den Lauf der Geschichte einwirken kann. Sie muss in

der Lage sein, unseren bedrückten Landsleuten wieder

Mut und Selbstvertrauen einzuflößen und ihnen

ein Sprachrohr in die Hand zu geben, um ihre Ablehnung

des kommenden Großen Austausches kundzutun,

ihre Entschlossenheit, den Lauf der Dinge umzukehren.

Es nützt nichts, sich in Aktionen und Demonstrationen

zu stürzen, mögen sie so spektakulär sein,

Das Gesicht des Widerstands: General Christian Piquemal (75) war

Kommandeur der Fremdenlegion und diente drei Präsidenten als

Berater. Seine Verhaftung am 6. Februar 2016 bei einer Demonstration

des französischen Pegida-Ablegers in Calais sorgte für

Empörung. Foto: privat

wie sie wollen, wenn sie nicht die Möglichkeit bieten

können, aus ihnen augenblicklich politisches und,

ich würde sogar sagen: historisches Kapital zu schlagen

– denn es geht nicht mehr um Politik allein. Dazu

braucht man natürlich Geld, ebenso wie Kompetenz,

Hingabe, Zeit und den starken Willen, der geballten

Arroganz der Austauscher und der Austauschenden

die Stirn zu bieten. Wir müssen zu einer unumgänglichen,

manifesten, evidenten Kraft heranwachsen,

um sicherzustellen, dass selbst die Medien, für die wir

ein fleischgewordener Albtraum werden müssen, es

nicht länger vor unseren Landsleuten verbergen können:

Es gibt eine Bewegung, die sich der Eroberung

konsequent entgegenstellt und der sich jeder jederzeit

anschließen kann!

Brigitte Bardot bekennt sich schon

seit fast 30 Jahren zum Front

National. Für Härtefälle hat sie sich

eine Mistgabel besorgt. Foto: Peter

Basch

52

_ Der Text ist ein stark gekürzter

Auszug aus Renaud Camus,

«Revolte gegen den Großen

Austausch», gerade erschienen

im Verlag Antaios. Übersetzung:

Martin Lichtmesz


COMPACT Leben

Unsere Handball-Helden

_ von Bernd Schumacher

Die Schale ist zu Hause: Siegerehrung

bei der Handball-WM in Polen.

Foto: picture alliance / Camera4

Es war ein bewegender Moment an diesem 31. Januar in Krakau: Zwei Dutzend Männer

stehen stramm und singen unsere Nationalhymne mit stolzgeschwellter Brust und aus

voller Kehle. Unsere Sportskanonen, vom Gegner gefürchtet und in der Heimat verehrt,

sind Europameister!

Nach dem Triumph unserer Fußballer in Rio, als

auf der ganzen Welt schwarz-rot-goldene Fahnen geschwenkt

wurden, ist der Titel der Handball-Nationalmannschaft

ein kleinerer, aber doch kaum weniger

bedeutender Erfolg. Fast zehn Jahre ist es her, dass

Deutschland den EM-Pokal zum letzten Mal in Händen

hielt – und das, obwohl Handball eine der wenigen

originär deutschen Sportarten ist. 1917 und 1919 legten

Berliner Turnlehrer den Grundstein. Heute versammeln

sich zu den Turnieren in schöner Regelmäßigkeit

die germanischen Völker aus der Mitte und dem Norden

Europas. Dazu kommen Slawen aus Ost und Süd

sowie Franzosen und Spanier.

Als ob ein Regisseur hinter den Kulissen der Krakauer

Tauron Arena gewirkt hätte, begann der erste

Akt der Heldengeschichte mit einer Pleite. Die erste

Begegnung gegen Spanien ging verloren, die Partien

gegen Schweden und Russland arteten zu Zitterpartien

aus und gingen beide mit nur einem Tor Vorsprung

an die deutsche Truppe. Irgendwie schlug man sich

durch. Knapp gegen Slowenien, knapper gegen Dänemark:

Nervenkitzel garantiert. Als ob eine unsichtbare

Hand die Spieler führte, schwangen sie sich immer

zu neuen Kraftakten auf, die ihnen niemand zugetraut

hätte. Schließlich war die deutsche Sieben

– das jüngste Team, voller Nobodys – als Außenseiter

ins Turnier gestartet.

Mit Blut, Schweiß und Toren

Dass sie eine Chance auf den Titel haben würden,

glaubten wohl nur die mitgereisten Schlachtenbummler.

Denn erst 2014 hatte Bundestrainer Dagur

Sigurdsson die Baustelle übernommen und innerhalb

kurzer Zeit eine schlagkräftige Truppe geformt. Dabei

traf der Isländer unkonventionelle Personalentscheidungen,

verprellte den einen oder anderen Bundesliga-Star,

aber ließ sich nicht von seiner Vision einer

Mannschaftsarchitektur abbringen. Der Internationale

Handballbund erlaubt den Einsatz von ausländischen

Spielern in einer Nationalmannschaft. Aber der Deutsche

Handballbund verzichtet und setzt konsequent auf

nationale Kräfte. Neben Leitwölfen wie Steffen Weinhold

und Martin Strobel liefen Nachwuchskräfte wie

Finn Lemke und Rune Dahmke auf. Ihnen gemeinsam

sind der athletische Bau, die hohe Körperlichkeit des

Spiels und ein unstillbarer Heißhunger auf den Sieg.

Richtige Fans brauchen keine

Klatschpappen. Foto: Facebook

Die deutsche

Nationalmannschaft

verzichtet

konsequent auf

ausländische

Spieler.

53


54

Aufbäumen für den Sieg: Rückraumspieler

Julius Kühn wurde erst

während der EM nachnominiert.

Foto: picture alliance / Camera4

Rangliste der

Europameister

Rang Land

Titel

1. Schweden 4

2. Frankreich 3

3. Dänemark 2

4. Deutschland 2

5. Russland 1

(Stand: 31. Januar 2016)

Quelle: Wikipedia

_ Bernd Schumacher ist der

Fußballspezialist und Sportexperte

von COMPACT. In Ausgabe 2/2016

schrieb er über Jürgen Klopp, der

als Coach des FC Liverpool mit

deutschen Tugenden die englische

Liga aufmischt.

Unsere Handball-Nationalmannschaft stellte unter

Beweis, dass die berühmten deutschen Tugenden leben.

Der Wille zum Sieg trug unsere Jungs von Spiel zu

Spiel, von Triumph zu Triumph. Je stärker der Gegner,

desto größer die Kampfkraft. Und die jungen Wölfe

schlugen hart zu. Die Fußball-Nationalelf gehörte bei

Welt- und Europameisterschaften stets zu den zahmsten.

Die Handballer des Jahrgangs 2016 sind deutlich

anders unterwegs. Für sie gab’s kein Pardon, sie rempelten,

fielen den gegnerischen Angreifern in den Arm,

zogen die Notbremse, wenn das eigene Tor in Gefahr

war. Kreisläufer Hendrik Pekeler kassierte 22 Strafminuten,

vier Gelbe und eine Rote. Nicht immer schön,

aber immer wirkungsvoll. Die jungen Deutschen gaben

nie auf und rangen dem Gegner den Sieg mit Blut,

Schweiß und Toren ab – bei jedem Spiel aufs Neue.

Unsere Männer stellten unter

Beweis, dass die berühmten

deutschen Tugenden leben.

Die Bewährungsprobe kam im Viertelfinale gegen

Dänemark. Nur drei Minuten vor Schluss gelang der

Ausgleich gegen die nordischen Platzhirsche, die fast

das ganze Spiel über geführt hatten. 30 Sekunden später

verwandelte Tobias Reichmann einen Siebenmeter

eiskalt zur Führung. Unglaubliche 26 Treffer erzielte

der Rechtsaußen im gesamten Turnier – Trefferquote:

90 Prozent. Die harte Belastungsprobe dann im

Halbfinale gegen Norwegen. Nur 19 Sekunden vor

Schluss erzielte der Kieler Rune Dahmke den Ausgleich

zum 27:27. In der hochdramatischen Verlängerung

waren es dann abermals die deutschen Tugenden,

die die Entscheidung brachten: Durchhaltevermögen,

eiserner Wille, Mannschaftsgeist, dazu jede

Menge Kraft und Schnelligkeit. Nur fünf Sekunden vor

Abpfiff erzielte der Nachrücker Kai Häfner das Siegtor

zum 34:33 – eine unglaubliche Leistung der jüngsten

Mannschaft des Turniers.

Wie aus einem Guss

Im Finale erschien dann alles plötzlich ganz leicht.

Das hoch favorisierte Spanien mutierte vom Angstgegner

fast zum Sparringspartner. Schon in den ersten

zehn Minuten hatten sich die Männer in Weiß einen

Vier-Tore-Vorsprung herausgespielt. Das Märchen

von Krakau ging weiter, in der zweiten Halbzeit waren

sich die deutschen Anhänger sicher: Dort unten spielt

der neue Europameister, und er kommt aus der Heimat.

Die Jungs wirkten geradezu übermächtig. In den

acht Spielen des Turniers waren sie immer wieder bis

an ihre körperlichen Grenzen gegangen, doch jetzt lief

alles wie von selbst. Vorne wirkte die Angriffsmaschine,

Kai Häfner donnerte sieben Bälle ins gegnerische

Netz, aber anders als bei den Herzschlagspielen hielt

auch die Abwehr: Der spanische Topstar Raúl Entrerrios

verzweifelte ein ums andere Mal an den Muskelmännern

aus Gummersbach, Wetzlar und Lübbecke.

Ex-Nationalspieler Steffen Kretzschmer brachte

es als Kommentator auf den Punkt: Die Führung

sei so deutlich, «weil hinten eine deutsche Mauer

steht!» Abwehrriese Finn Lemke (2,10 Meter) brüllte

in der Kabine seinen Kampfruf heraus: «Heute nicht!

Heute kann uns niemand schlagen! Heute ist unser

Tag!» Und tatsächlich: Nach 60 Spielminuten war

der Triumph perfekt, das Turnier hatte seinen Über-


COMPACT Leben

Deutschland im

Freudentaumel

raschungssieger, der deutsche Sport ein neues Märchen.

Die «Bad Boys» aus Germany hatten allen gezeigt,

was möglich ist, wenn die letzten Reserven

mobilisiert werden. Der geniale Taktiker Dagur Sigurdsson

hatte nie die Nerven verloren und seinen

Schützlingen ein ums andere Mal eingeschärft: «Nie

Frustration zeigen, immer konzentriert bleiben, nie

übermütig werden.»

«Heute nicht! Heute kann uns

niemand schlagen! Heute ist unser

Tag!»

Als die Nationalhymne erklang, sangen die Hünen

ohne Ausnahme einträchtig mit, kein Wunder, denn

keiner musste mit sich ringen, ob sein Migrationshintergrund

ihn von einem lautstarken Bekenntnis zu

Deutschland abhalten könnte. Bundestrainer Dagur

Sigurdsson hob die schwarz-rot-goldene Flagge vom

Boden auf und sang voller Inbrunst – dem Wikinger

aus Island fiel das inmitten seiner germanischen Krieger

nicht schwer. Der Gänsehautmoment übertrug sich

in die deutschen Wohnzimmer – man konnte wieder

stolz darauf sein dazuzugehören. Selbst der ARD-

Mann schwärmte, dass «dieser Erfolg nur möglich

wurde, weil wieder auf deutsche Talente gesetzt wird

und nicht mehr nur ausländische Spieler eingesetzt

werden.» So machen es die Spanier, die Kroaten, die

Skandinavier sowieso. Während man sich als französischer

Fußball-Fan im falschen Film wähnt, wenn

auf dem Rasen nur Söhne Afrikas herumlaufen, und

Jogi Löws Team immer «bunter» wird und nur noch

«Die Mannschaft» heißen soll, wissen die Freunde

des deutschen Handballs genau, was sie bekommen:

eine starke Truppe aus einem Guss. Schon in diesem

Sommer wird die deutsche Mannschaft bei den Olympischen

Spielen in Rio als Favorit auflaufen – und ihre

Gegner wieder das Fürchten lehren.

Ehemaliger Handball-Nationalspieler

Stefan Kretzschmar: «Ich

bin beeindruckt, wie ich beeindruckter

noch nie war.»

Basketballer und NBA-Champion

Dirk Nowitzki: «Wahnsinn,

Jungs. Gooold. Gratulation. Feiert

schön!!!»

Fußball-Legende Franz Beckenbauer:

«Sie sind nicht als Topfavorit

ins Rennen gegangen, sondern

als Außenseiter. Ich muss

alle Hüte, die ich habe, ziehen!»

Fußball-Weltmeister Bastian

Schweinsteiger: «EUROPA-

MEISTER!! Ihr seid der absolute

Wahnsinn! Glückwunsch.»

Tennisspielerin Andrea Petkovic:

«Man kann ja keine ganze

Mannschaft heiraten.»

Fotos (v. l. n. r.): Torwart Andreas

Wolff, Bundestrainer, Dagur

Sigurdsson, Altstar Stefan Kretzschmar.

Fotos: picture alliance, Jens

Wolf/dpa, Twitter

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COMPACT Leben

Die Königin der Nacht

_ von Harald Harzheim

Rihanna beweist mit ihrem neuen «Anti»-Album stimmliche Vielfalt

und Virtuosität. Aber viele Kritiker äußerten sich ratlos. Vielleicht,

weil sie die Künstlerin zu sehr auf Musik reduzieren?

sind von einem riesigen Blutfleck überzogen. Vor dem

Hintergrund von Rihannas schwerer Kindheit – Diskriminierung

in der Schule, daheim ein betrunkener, prügelnder

Vater – fordert das Bild: Schaut unter die Oberfläche!

Motto des Albums: «Manchmal sind die Sehenden

die Blindesten». Und umgekehrt.

Albträume

Rihanna, die 2005 als strahlend-exotische Energiebombe

begann, pure Lebensfreude, Music of the

Sun zu tanzen schien – spätestens seit der Prügelattacke

ihres Ex-Lovers Chris Brown verdüsterte sich

ihr Werk: Trauer und Gewalt flossen in Songtexte und

Videoclips. Im letzten Jahr kamen zwei Polit-Apokalypsen

hinzu: American Oxygen und Bitch better have

my money, als Reaktion auf die Krawalle in Ferguson.

2012 erschien ihr bis dahin letztes Album. Mit

der Ankündigung von Anti durch finstere diaRy-Clips

schien sie sich endgültig von der Sonnen- zur Nachtgöttin

gewandelt zu haben, einen autobiographischen

Trip in die Abgründe der Kindheit vorzubereiten. Ende

Januar kam Anti endlich raus, als Download auf Tidal,

dem Portal ihres Mentors Jay Z. Der wollte eigentlich

nur einen Song des Albums freischalten, als Appetizer.

Aber wegen einer technischen (?) Panne stand plötzlich

das gesamte Album zum Herunterladen bereit…

Rihannas Reaktion: Sie gab Anti offiziell zum Gratis-

Download frei. Alle 13 Songs, die ganzen 43 Minuten.

Innerhalb der folgenden Nacht nutzten 1,4 Millionen

Fans das Angebot, Anti erreichte damit bereits

Platin-Status.

56

Ob Musik, Film, Performance,

Text, Mode, Schmuck, Parfum,

Tattoos – nichts ist sicher vor ihrer

Ausdruckswut. Rihanna ist ein

Gesamtkunstwerk. Foto: Twitter

«Manchmal sind

die Sehenden die

Blindesten».

_ Von Harald Harzheim ist gerade

das Buch «Gesamtkunstwerk

Rihanna», Kai Homilius Verlag, 128

Seiten, 9,95 Euro erschienen.

Die Kamera fährt durch dunkle Korridore, in geheimnisvolle

Räume voll rätselhafter Personen, riesiger

Insekten. Am Ende des Labyrinths: ein Kind – hinter

dem Spiegel oder in einem alten Bett, daneben längst

verstaubtes, verschüttetes Spielzeug. Düsterer Sound

und eisiges Schweigen. Ein Labyrinth der Angst, das in

die verborgensten Winkel der Kindheit führt. Als wäre

man in einem Schauerfilm von David Lynch. Derartige

Videos tauchen seit vergangenem Herbst im Internet

auf. Anti diaRy von Rihanna. Werbung für ihr kommendes

Album Anti. Fast zur gleichen Zeit publiziert: dessen

Cover. Darauf ein Originalfoto der kleinen Riri mit

nacktem Oberkörper. Das betont Schutzlosigkeit. Um

den Kopf herum trägt sie eine Krone. Aber, so tief ins

Gesicht gezogen wie eine Augenbinde, verhindert sie

jedes Sehen. Die Krone ist mit Blindenschrift bestanzt.

Die vervielfachte Umrandung des Körpers illustriert

seine Erschütterung. Kopf, Schultern und Hintergrund

Nun sind die Anti-Songs keine Reise in die Kindheit,

aber vielleicht Wiederfinden des inneren Kindes.

Vor allem sind sie dunkel. Der Sender n-tv meinte gar,

sie seien «zum Pulsader-Aufschlitzen». Der minimalistische

Song Good Night, Gotham spielt auf Gotham City

an, in dem nachts Batman Verbrecher durch Straßenschluchten

jagt. Liebesverwundung besingt Rihanna

in Work. Einzige Betäubungsoption: endlose Arbeit.

«Dann wach ich auf und alles fühlt sich falsch an / Ich

steh bloß auf und mach mich bereit zur Arbeit, Arbeit,

Arbeit.» Aber Workoholism ist nicht die einzige Droge.

James Joint erzählt vom Marihuanarausch inmitten

von Stress, Arbeit und flüchtiger Liebe. Die Songs spielen

mit verschiedensten Musikstilen und Gesangsstimmen,

nichts wiederholt sich. Rihanna experimentiert,

verweigert sich Erwartungen und Schubladen. Ein Kritiker

stellte erschrocken fest, dass sie sich in Anti geradezu

auflöse. «Gespenst im Spiegel / Ich kenne Dein

Gesicht, aber es ist verschwommen / Und ich kann

meinen Körper nicht spüren / Ich verlasse das Hier und

Jetzt», singt sie in Never Ending.


COMPACT Leben

Urlaub im Schurkenstaat

_ von Peter Wiegrefe

Nordkorea schottet sich streng gegenüber der Außenwelt ab, die wenigen Touristen

dürfen sich nicht frei bewegen. Weil die westlichen Medien das sozialistische Land grau

in grau zeichnen, wollte ich mir ein eigenes Bild machen: Meine Reise hinter den letzten

Eisernen Vorhang begann in Pjöngjang.

Schon der Landeanflug macht klar, dass das kein

gewöhnlicher Urlaub wird. Neugierig drücke ich meine

Nase an das Flugzeugfenster, Reihe 13, Sitz F, um

ein paar erste Blicke auf die Silhouette Pjöngjangs zu

erhaschen, die rechts unterhalb unserer Tupolev 204

vorbeizieht. Air Koryo JS222, vor gut einer Stunde vollbesetzt

in Peking gestartet, nimmt Kurs auf die letzten

Meter seines Fluges ins Herz Nordkoreas.

Plötzlich herrscht Hektik im Flieger: Die Stewardessen

spurten auf dem Gang auf und ab. Sie befehlen

den Passagieren in den linken Sitzreihen, die Fensterläden

zu schließen. Verwunderte Blicke streifen meine

Augen. Schulterzucken. Was soll denn das jetzt?

Pjöngjang liegt doch rechts! Und die Sonne scheint

auch von rechts in die Kabine. Warum also links die

Läden schließen? Keiner weiß es. Keiner sagt, warum.

Gerüchte machen die Runde. Gerüchte, die nach

der Landung zusätzliche Nahrung erhalten: Gegenüber

des nagelneuen Flughafenterminals von Pjöngjang

entdecken wir ein Großaufgebot militärischer

Anlagen – Artillerie, Fahrzeuge, Bunker. Wahrscheinlich

wollten unsere Gastgeber schlicht nicht, dass wir

«Langnasen» Fotos davon schießen.

Bei der Einreise erfolgt die obligatorische Passkontrolle.

Außerdem wollen die Zöllner unsere Handys

sehen, machen sich Notizen und begutachten mitgebrachte

Druckerzeugnisse. Das war es dann aber

auch schon. Wir sind drin.

Jetzt wird es Zeit, die Uhren umzustellen. Um die

Erinnerung an die Schmach der japanischen Fremdherrschaft

zu tilgen, die auf der koreanischen Halbinsel

von 1905 bis 1945 währte, ordnete Staatschef

Kim Jong-un im August 2015 nämlich an, die Uhren

um eine halbe Stunde zurückzustellen. Seitdem

verfügt Nordkorea über seine eigene Zeitzone: Hier

Die Staatsphilosophie

Chu’che

bezeichnet wörtlich

übersetzt Eigenständigkeit

oder

Autarkie.

Denkmal koreanischer Stärke – der

Chu’che-Turm leuchet die ganze

Nacht. Foto: Autor

57


COMPACT Leben

gerottet und geben im Chor ein schneidiges Gebrüll

von sich. Ihre weiße Oberbekleidung lässt sie dabei

fast wie Gespenster durch die Nacht wabern. Die

Beleuchtung der überdimensionalen Führerbilder am

Rand des Platzes verstärkt diesen Eindruck zusätzlich.

Surreal. So etwas habe ich noch nie gesehen. Kim junior

scheint mir die Verblüffung anzumerken. «Die proben

für die große Parade am 10. Oktober», erklärt er

lächelnd. «Da feiern wir den 70. Gründungstag unserer

Partei, der Partei der Arbeit Koreas.»

58

Nordkoreas Frauen brauchen keinen

Gender-Gaga. Foto: Autor

Autobahn werktags zum Feierabendverkehr.

Foto: Autor

Der Himmelssee auf 2.700 Meter.

Foto: Autor

Der nächste

Koreakrieg soll in

den USA stattfinden.

herrscht «Pjöngjang-Zeit». Außerdem leben wir ab

sofort nicht mehr im Jahr 2015, sondern 104 Chu’che,

dem 104. Jahr nach der Geburt des Staatsgründers

Kim Il-sung. «Chu’che» – wörtlich übersetzt «Eigenständigkeit»

oder «Autarkie» – bezeichnet die hiesige

Staatsphilosophie.

Die Suche nach dem fünften Stock

In Nordkorea ist es für Ausländer unmöglich, auf

eigene Faust und ohne staatliche Kontrolle durchs

Land zu tingeln. Jeder Tourist, jede Reisegruppe erhält

ihre eigenen Führer, abgestellt von der staatlichen

Reiseagentur KITC. Das muss man akzeptieren –

oder zu Hause bleiben. Die Namen unserer Führer sind

leicht zu merken. Zwei von Dreien heißen Kim – Kim

senior und Kim junior. Der Dritte ist einfach der, der

nicht Kim heißt. In ein paar Tagen werden wir herausfinden,

dass seine Kollegen bei der KITC ihn wegen

seines Bauchansatzes «Bärchen» getauft haben, und

ihn fortan ebenfalls «Bärchen» nennen. Jetzt ist erst

einmal abtasten angesagt. Beschnuppern. Auf beiden

Seiten. Ein Punkt ist Reiseleiter «Bärchen» besonders

wichtig: keine koreanischen Zeitungen zerreißen,

zerknittern oder bekritzeln. Zumindest keine, die ein

Bild von Machthaber Kim Jong-un, seinem Vater Kim

Jong-il oder seinem Großvater Kim Il-sung enthalten…

«Das ist verboten», mahnt er eindringlich. Alles klar.

Halten wir uns lieber dran…

Zwei Stunden später: Zum ersten Mal setze ich einen

Fuß auf Pjöngjanger Asphalt und laufe ein paar

Meter. Doch plötzlich zucke ich zusammen. Hinter mir

durchschneidet lautes Geschrei die Szene. Es klingt

wie Parolen, Kampfrufe. Ich blicke mich um – und erstarre:

Hunderte, wirklich Hunderte Menschen – weiße

Hemden, schwarze Hosen, weiße Baseballmützen

– haben sich keine 50 Meter neben uns zusammen-

Wir feiern unsere Ankunft mit einem üppigen

Abendessen im Hotel Yanggakdo, gelegen auf einer

Insel inmitten des Flusses Taedong, der Pjöngjang in

zwei Teile trennt. Danach geht es auf nächtliche Entdeckungstour

zu den Prunkplätzen der Stadt. Dabei

statten wir auch dem berühmten Mansudae-Monument

einen obligatorischen Besuch ab. Hier, auf einer

Anhöhe gelegen, wachen die mehr als 20 Meter

hohen Bronzestatuen von Kim Il-sung und Kim Jongil

mit freundlich lächelndem Blick über ihr Reich. Im

Hintergrund säumt ein Wandbild des Berges Paektu,

des heiligen Bergs der Koreaner, die Fassade des Revolutionsmuseums.

Links und rechts wird die Kulisse

von beeindruckend lebensecht wirkenden Figurengruppen

flankiert. Sie symbolisieren Szenen aus dem

koreanischen Befreiungskampf. Eine ganz besondere

Atmosphäre umgibt diesen taghell erleuchteten Ort,

um den herum alles umso finsterer erscheint. Sehr feierlich

– eine Kathedrale der Chu’che-Ideologie! Ein

Hort der religiösen Verehrung gottgleicher Gestalten.

Befremdlich. Aber gerade deshalb faszinierend.

Zurück im Hotel, wundern wir uns, warum im Aufzug

der Knopf für den fünften Stock fehlt – und warum

die Anzeige beim Passieren desselben direkt von

4 auf 6 springt. Abermals brodelt die Gerüchteküche.

Das fünfte Stockwerk als Kommandozentrale zur Bespitzelung

der Hotelgäste? Schon möglich. Die Notausgangstür

des Stockwerks im Treppenhaus ist verriegelt.

Und hat keine Klinke…

Unterirdische Paläste

Der nächste Tag beginnt neblig. Um sechs Uhr klingelt

der Wecker. Den hätte ich allerdings gar nicht stellen

müssen, denn vom Bahnhof aus schallt muntere

Morgenmusik über die Stadt, durchs offene Fenster

meines Zimmers im 42. Stock, bis direkt an mein Bett.

So also begrüßt Pjöngjang den Tag… Ich reibe mir den

Schlaf aus den Augen und schaue hinaus.

Aus über 100 Metern Höhe, über dem Scheitel

des Taedong, wirkt die Hauptstadt überraschend

normal. Von hier oben fällt vor allem die starke Häufung

himmelstürmender Hochhäuser ins Auge, etwa

ein Viertel davon sind sehr modern und offensichtlich

erst seit Kurzem fertiggestellt. Das gigantomanische,

pfeilförmige, 330 Meter hohe Ryugyong-Hotel und der


COMPACT Leben

170 Meter messende Chu’che-Turm mit seiner stilisierten

Flamme an der Spitze sind nicht zu übersehen. Auch

andere Prunkbauten wie die Große Studienhalle des

Volkes, der Kim Il-sung-Platz oder das Stadion 1. Mai,

mit 150.000 Plätzen die größte Fußballarena der Welt,

wissen zu glänzen. Noch vor gut fünf Jahrzehnten muss

es hier gänzlich anders ausgesehen haben. Im Koreakrieg

hatten die Amerikaner mehr als 420.000 Bomben

auf Pjöngjang abgeworfen und eine einzige Trümmerwüste

hinterlassen. Nach diesem Inferno war es

erklärtes Ziel des Wiederaufbaus gewesen, Pjöngjang

zu einer sozialistischen Musterstadt erblühen zu lassen.

Pjöngjangs Straßenbahnen

stammen aus Erfurt und Dresden.

Erst bei genauerem Hinsehen, auf dem Boden

der Tatsachen sozusagen, fällt auf, dass die breiten

Straßenzüge kaum befahren sind und, ebenso wie

die hochgeschossenen Plattenbauten, allesamt nicht

mehr taufrisch wirken. Dennoch stehen an fast jeder

Kreuzung Verkehrspolizisten und dirigieren im schneidigen

Ballett die spärlich gesäten Autos über den Asphalt.

Das öffentliche Verkehrsnetz Pjöngjangs scheint

dagegen gut frequentiert. Busse, Straßenbahnen und

zwei Metrolinien mit 17 Stationen verkehren regelmäßig

zwischen den einzelnen Stadtbezirken. Die

U-Bahnhöfe gleichen unterirdischen Palästen. Prunkvoll.

Ästhetisch. An der Grenze zum Kitsch. Viele der

Busse stammen aus Vorwendebeständen ehemaliger

Ostblockländer. Die meisten haben weit mehr als eine

Million Kilometer auf dem Buckel. Die Straßenbahnen

sind aus Erfurt und Dresden, die U-Bahnzüge aus

West-Berlin. «Die haben wir in den 90ern billig abgestaubt»,

grinst «Bärchen» bei unserer gemeinsamen

Metrofahrt in 80 Metern Tiefe. Wer angesichts dessen

nun verfallende Rostlauben vor Augen hat, sieht

sich allerdings getäuscht. Denn die Nordkoreaner geben

auf ihre «Beute» aus Europa mächtig acht. Technisch

wie optisch präsentiert sich das Gros der Verkehrsmittel

in einem sehr vorzeigbaren Zustand.

Gänsehaut pur

Auf den Straßen stechen die vielen Soldaten ins

Auge. Von etwa 24 Millionen Nordkoreanern stehen

fast zwei Millionen unter Waffen. Das spiegelt sich

natürlich in der öffentlichen Wahrnehmung wider,

auch wenn die Soldaten meist unbewaffnet auftreten.

Ihre massive Präsenz ist Ausdruck einer politischen

Leitlinie, die sich «Songun» nennt – «Militär zuerst».

Songun ist vor allem der Angst vor imperialistischer

Bedrohung durch die USA geschuldet. Nur logisch,

dass die Propagandaplakate in der Hauptstadt

ebenfalls die Yankees als Hauptgegner ausgemacht

haben – und dabei ziemlich martialisch klar machen,

dass mit Nordkorea nicht zu spaßen ist. Aber das wissen

wir ohnehin schon. Mit seinem kleinen Grundkurs

für politische Staatskunde hat uns Kim senior bereits

tags zuvor die Fronten klargemacht: «Der Krieg von

gestern, der Korea-Krieg, ist von den USA provoziert

worden und hat Korea zerstört. Der Krieg von morgen

wird nicht mehr in Korea, sondern in den USA stattfinden.

Korea hat Atomwaffen. Die USA müssen lernen,

in Frieden mit uns zusammenzuleben – oder sterben!»

Bäm. Das sitzt. Die eiserne Miene, die der Mann mit

dem Seitenscheitel bei diesen Worten aufsetzt, jagt

sogar mir, der ich sicher kein Freund der US-Politik bin,

eine Gänsehaut über den Rücken. Kein Zweifel: Die

meinen das echt ernst!

Reisetipps

Die staatliche Reiseagentur

KITC unterhält ein Büro in der

nordkoreanischen Botschaft in

Berlin (Glinkastraße 5-7). Allerdings

ist die Buchung über einen

lizensierten Reiseveranstalter

unkomplizierter. Diese arbeiten

direkt mit der KITC zusammen

und kümmern sich in der Regel

um Formalitäten wie Visa:

www.juchetravelservices.com

www.nord-korea-reisen.de

www.nordkoreareisen.de

Die Visakosten belaufen sich

auf etwa 50 Euro.

Alle Veranstalter haben unterschiedliche

Gruppen- und Einzeltouren

im Programm, von der

zweitägigen Individualreise über

Wandertouren im Kumgang-Gebirge

bis zu Gruppenreisen etwa

für Luftfahrt- oder Eisenbahn-

Enthusiasten.

Kosten: Individualreise ab etwa

900 Euro (zwei bis drei Nächte),

Gruppentour ab rund 1.000

Euro (drei Nächte). Eine siebentägige

Luftfahrt-Tour gibt es

etwa bei Juche Travel ab circa

2.000 Euro.

Inbegriffen: alle Leistungen innerhalb

Koreas (Übernachtung,

Transport, Mahlzeiten, ein Getränk

pro Mahlzeit).

Touren starten in der Regel ab

Peking, Shenyang oder Wladiwostok.

Die Anreise dorthin

muss selbst organisiert und bezahlt

werden (auch eventuelle

Visa für China beziehungsweise

Russland). Im Normalfall bekommt

man das Visum für Nordkorea

erst in China/Russland

ausgehändigt.

Vorlauf: Je früher, desto besser!

Etwa sechs Monate sind empfehlenswert,

insbesondere bei

Gruppenreisen. Die Bearbeitung

der Visa dauert etwa drei bis

vier Wochen.

Kim-Statuen in Hamhung.

Foto: Autor

_ Der Reisebericht wird in der

nächsten COMPACT-Ausgabe fortgesetzt.

– Peter Wiegrefe ist freier

Journalist und lebt am Bodensee.

59


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64

Preußische Allgemeine Zeitung.

Die Wochenzeitung für Deutschland.


COMPACT Leben

Autoren und Agenten

_ von Helmut Roewer

Zu Sean Connerys Zeiten durften

die Helden noch rauchen. Foto:

Verleih

Meisterspione des 20. Jahrhundert (Teil XII und Schluss): James Bond ist eine Kunstfigur

– doch die Schriftsteller, die ihn und andere britische Helden schufen, spielten durchaus

eine Rolle im Dienste Ihrer Majestät.

Zum Abschluss meiner Serie über die Topspione

will ich einen erwähnen, den es gar nicht gab. Eine

pure Erfindung sollte man denken, doch ganz so ist es

nicht: 007, die Spitzenkraft im Dienste des MI6, wurde

von einem echten Agenten erfunden.

Es begann vor 110 Jahren. In merry old England

hatte soeben, im Januar 1906, die liberale Partei

mit dem Versprechen, die Kolonialkriege in Übersee

augenblicklich zu beenden und sich um die soziale

Schieflage der arbeitenden Bevölkerung zu kümmern,

einen Erdrutschsieg eingefahren. Diese Rechnung war

ohne die tonangebende Schicht der Waffenhändler,

Zeitungsleute und Spitzenmilitärs gemacht worden. In

diesen Kreisen setzte man auf Krieg. Nach den Kap-

Provinzen in Südafrika war der neue Wunschgegner

das Deutsche Reich.

Um auch die Öffentlichkeit auf diesen Wunschgegner

einzustimmen, begann die Schlacht auf dem Papier.

Das Monster Deutschland wurde aufgeblasen

und die Gilde der britischen Spitzenschreiber von der

Leine gelassen. Es waren genau zwei Romane, die

das Gewünschte vollbrachten. In beiden ging es um

das kriegslüsterne Deutschland, das heimlich gegen

das friedliche England zur Invasion schritt. Doch zum

Glück gab es jedes Mal den aus dem Nichts auftauchenden

Helden, der durch todesmutiges, listiges Einschreiten

den Inselstaat vor den sogenannten Hunnen

bewahren konnte.

Die neununddreißig Stufen

Neben dem Roman Das Rätsel der Sandbank – dazu

ausführlich in meinem Artikel in COMPACT 8/2014 –

begeisterte vor allem das Buch Die neununddreißig

Stufen seine Auftraggeber. Mit heimlichem staatlichen

Sponsoring wurde es ein Bestseller der Sonderklasse,

in alle gängigen Weltsprachen übersetzt, und

man kann es heute noch kaufen. Sein Autor John Buchan

mischte beim Krieg gegen die Buren in Südafrika

mit, bevor er als Spitzenfeder in die imperialistische

Pressure-Group des vom Diamantenkönig Cecil

Rhodes finanzierten Round Table einstieg. Hier saßen

die Vordenker der One World, wie wir sie heute kennen.

Als Großbritannien dann 1914 tatsächlich im erwünschten

Krieg gegen Deutschland war, wechselte

Buchan ins echte Nachrichtendienstgeschäft bei

den britischen Expeditionsstreitkräften in Nordfrankreich.

Und weil er sich dort bewährte, ernannte man

den jungen Mann zum Direktor der Nachrichtenabteilung

im britischen Propagandaministerium. Auch das

Der Weg vom

Journalismus zur

Geheimdiensttätigkeit

war vorgezeichnet.

_ Helmut Roewer (*1950) war

von 1994 bis 2000 Chef des

Thüringer Landesamtes für

Verfassungsschutz. – Die erste

Folge von «Meisterspione des 20.

Jahrhunderts» war in COMPACT

11/2014 zu lesen. Mittlerweile kann

die gesamte Serie als eDossier

auf shop.compact-magazin.com

heruntergeladen werden.

61


COMPACT Leben

62

007 war ein Jugo!

Heißester Favorit für den «wirklichen»

James Bond ist der Jugoslawe

Dusko Popov (1912–

1981). Ian Fleming lernte ihn

während des Zweiten Weltkrieges

in einem Casino in Lissabon

kennen, vermutlich ist sein erster

007-Roman Casino Royal davon

inspiriert. Popov studierte in

den 1930er Jahren in Freiburg

im Breisgau und wurde danach

ein Agent sowohl für die Nazis

wie für ihre Gegner. «Als Doppelspion

Tricycle bekam er wichtigste

Informationen von den

Deutschen, die er an die Briten

weitergab. So war es Popov zu

verdanken, dass die Alliierten in

der Normandie landen konnten.

Er hatte die Deutschen nach Calais

geschickt. Und auch Pearl

Harbor hätte Popov, zumindest

erzählt er das so, verhindern

können, hätten die Amerikaner

auf seine Berichte gehört», fasst

Johannes Samlenski zusammen,

der seit drei Jahren zu dem bekennenden

Lebemann recherchiert.

Der Jugoslawe hat seine

Erinnerungen 1974 in seinem

Buch Superspion. Der Doppelagent

im 2. Weltkrieg (Heyne)

veröffentlicht. Nicht alles darin

kann man glauben. «Popov

war ein Playboy und Angeber.

Er schmückte seine Geschichten

gerne aus», rät Samlenski

zur Vorsicht. Aber schreiben

konnte er, das muss man ihm

lassen! (je)

007-Vorbild: Dusko Popov.

Foto: Archiv

007-Erfinder: Ian Fleming.

Foto: Archiv

Der stolze

Auslandsdienst MI6

war löchrig wie ein

Schweizer Käse.

wurde ihm von der Krone gedankt: Buchan sollte es

noch mal bis zum Gouverneur von Kanada und zum

Lord Tweedmore bringen. Die beabsichtigte Wirkung

beider Romane war, dass England in den Jahren vor

1914 zu einer nie dagewesenen Hochrüstung schritt

und 1908 zwei gegen Deutschland gerichtete Geheimdienste

aufbaute, die es heute noch gibt: MI5 (Inland,

Spionage- und Terrorabwehr) und MI6 (Ausland).

Sag niemals nie

Diese enge Verknüpfung von Nachrichtendiensttätigkeit,

Propaganda und Romanerfolg gilt auch für

den Schöpfer von James Bond, Ian Fleming. Bei ihm

war die Reihenfolge der Lebensstationen etwas anders

als bei Buchan: Bei Fleming kam zuerst der Geheimdienst

und dann der Roman.

Fleming entstammte dem Establishment: Schulausbildung

an der Nobelschmiede Eton, Militärexamen

in Sandhurst. Das prädestinierte ihn in den Zwischenkriegsjahren

für einen Korrespondentenjob in

Moskau, und zwar für die Times, das publizistische

Flaggschiff des britischen Imperialismus. Der Weg

vom Journalismus zur Geheimdiensttätigkeit war damit

vorgezeichnet. Bei Kriegsausbruch 1939 meldete

sich Fleming zum Marinenachrichtendienst, 1941

wurde er Verbindungsmann zu den Amerikanern, und

1943/44 wurde er Chef einer Kommando-Gang der

Royal Marines. Aus diesen Erfahrungen stammten die

Versatzstücke, die ihn bald berühmt machen sollten.

Mit Kriegsende 1945 kehrte Fleming ins Journalistenfach

zurück. Auf der Insel herrschte nach dem

Rausch des Endsiegs über Hitler die Ernüchterung. Der

angebliche Kriegsheld Winston Churchill wurde durch

das englische Volk trotz allen Propagandarummels im

August 1945 Knall auf Fall als Premier abgewählt. Die

Leute wollten nur noch eines: in Ruhe gelassen werden

und sich endlich mal wieder satt essen können.

Doch mit Letzterem war es nicht so besonders gut bestellt.

Lebensmittelrationierung dauerte in England

länger als im kurz und klein geschlagenen Deutschland.

Hierfür gab es einen triftigen Grund: Großbritannien

hatte in beiden Weltkriegen zwar zu den Siegern

gehört, war aber dennoch finanziell ausgeblutet.

Der Schuldendienst Richtung Amerika ruinierte den

Staatshaushalt, in Indien und anderswo stand der antikoloniale

Befreiungskampf vor dem Durchbruch und

die Royal Navy wurde eingemottet. Das alte stolze

«England rules the waves» empfanden viele nur noch

als bittere Farce.

Gegen soviel Depression hilft nur Propaganda, und

die musste jetzt her. Mit der deutschen Gefahr war

kein Hund mehr hinter dem Ofen hervorzulocken, daher

versuchte man es wieder mit dem Duft der großen

weiten Welt. Flemings Hauptmotiv von den englischen

Agenten, die den ganzen Globus dominieren,

hatte den Vorteil, dass es kein Mensch auf Stichhaltigkeit

überprüfen konnte. Nur Experten wussten, dass

das Gegenteil zutraf: Der stolze Auslandsdienst MI6

– dessen Existenz damals noch nicht offiziell zugegeben

wurde – war löchrig wie ein Schweizer Käse, zersetzt

von Überläufern. Die einen saßen den Amerikanern

auf dem Schoß (gute Verräter), die anderen wurden

aus der Lubjanka in Moskau ferngesteuert (böse

Verräter). Nein, mit solchen Leuten war beim besten

Willen kein Staat zu machen.

James Bond rettete den Ruf der ramponierten Behörde.

Der Agent Ihrer Majestät war ein Mann in seinen

besten Jahren, der niemals alt wurde und immer

den richtigen Spruch auf den Lippen hatte, wenn er

nicht gerade irgendwo die Welt retten musste. 1953

betrat er mit Casino Royal die Bühne. Die Kritiker waren

sich einig: Das ist Schrott. Aber wie so oft wurde

diese Rechnung ohne das Publikum gemacht. James

Bond – das war der Stoff, aus dem die Träume sind.

Lieber heute Nacht als nie. Oder muss es heißen: Lieber

heute nackt als nie? Wer weiß das schon.

Autor Fleming starb 1964. Wie so viele Briten seiner

Zeit, die es zu Wohlstand gebracht hatten, verbrachte

er den Herbst seines Lebens an der französischen

Riviera. Man kann es verstehen. Nie wieder

Minzsoße. Das ist eine Frage des guten Geschmacks.

Doch anders als sein Vater starb der Ziehsohn Bond

bis heute nie. Bald fanden sich neue Adoptivväter,

John Gardner war der fleißigste. Die sorgten dafür,

dass Bond blieb, was er war. Nur eines konnten sie

nicht verhindern: dass Hollywood aus dem charmanten

Helden mit seiner überlegenen Ironie einen verbitterten

Killer machte. Man sieht: Auch ein Bond wird

älter. Schade, dass ich ihm nie begegnet bin.

Der Leser fragt mit einer gewissen Ungeduld: Und

wer war denn nun dieser Bond eigentlich in Wirklichkeit?

Die Antwort lautet: Fragen Sie den COMPACT-

Filmexperten Harald Harzheim, denn diese Antwort

gehört nicht mehr in mein Fach. (siehe Infobox)


COMPACT Leben

General im Fadenkreuz

_ von Wolfgang Effenberger

Vor 50 Jahren warf Charles de Gaulle die NATO-Truppen aus seinem Land – und zog sich

damit den Hass der US-amerikanischen Eliten zu. Dass eine europäische Nation ihre

Verteidigungspolitik selbst bestimmen wollte, kam für Washington nicht in Frage.

Vor seinem Volk hat sich Charles de

Gaulle, hier 1963 in Marne, nie verstecken

müssen. Foto: Gnotype, CC

BY-SA 3.0, Wikimedia Commons

Am 7. März 1966 gab der damalige französische

Staatspräsident Charles de Gaulle (1890–1970) zur

Überraschung der westlichen Welt Frankreichs Austritt

aus der militärischen NATO-Struktur bekannt. Daraufhin

zogen französische Soldaten aus den gemischten

Einheiten und Stäben ab. Zum 1. Juli 1966 forderte

Paris die Alliierten auf, alle Einrichtungen des

Nordatlantikpaktes in Frankreich bis zum 1. April 1967

zu räumen. Der Spiegel schrieb damals: «Charles de

Gaulle hat zum Sturm auf die atlantische Bastille geblasen.

Das verhasste Symbol der Unfreiheit steht

diesmal nicht, wie 1789, mitten in Frankreichs Metropole,

sondern in Rocquencourt bei Paris: SHAPE,

die von US-Vier-Sterne-General Lemnitzer befehligte

Zentrale der Nato-Verteidigung in Europa, ist für den

Staats-General das Wahrzeichen unerträglicher amerikanischer

Bevormundung.»

Aber nicht nur SHAPE, sondern auch alle anderen

Militäreinrichtungen der westlichen Verbündeten

mussten nun binnen Kürze abziehen: Das NATO-Hauptquartier

wurde nach Brüssel/Belgien, die Befehlszentrale

für Mitteleuropa (AFCENT) nach Brunssum/Niederlande

und das Europa-Kommando der US-Streitkräfte

(USEUCOM) nach Stuttgart verlegt.

In Washington schrillten die Alarmglocken. Das

Hamburger Nachrichtenmagazin referierte die Reaktionen

des damaligen Präsidenten Lyndon B. Johnson:

«Bislang hatte Johnson alle Animositäten de Gaulles

wohlwollend übergangen: Er nahm hin, dass der Franzose

Rotchina anerkannte und die amerikanische Intervention

in Vietnam verdammte; er reagierte nicht, als

de Gaulle den ”Dollar-Kolonialismus” Washingtons

und die Gewaltherrschaft Moskaus in einem Atemzug

nannte.» Mit dem Austritt aus der Militärstruktur

der NATO aber sei «das Match zwischen den Präsidenten

in Washington und Paris in ein entscheidendes

Stadium getreten».

Ein Patriot und Europäer

Was hatte den Franzosen zu diesem mutigen und

außergewöhnlichen Schritt bewegt? Auskunft gibt hier

die Biografie des unbeugsamen Staatsmanns. Nach

dem deutschen Blitzkrieg gegen Frankreich und der

Kapitulation am 22. Juni 1940 hatte sich der Panzergeneral

nach London abgesetzt. Dort gründete er am

25. Juni das Komitee Freies Frankreich. Zugleich wurde

er Chef der Freien Französischen Streitkräfte (FFL)

und des Nationalen Verteidigungskomitees. Daraufhin

wurde de Gaulle von der deutschfreundlichen Vichy-

Regierung im nicht besetzten Süden Frankreichs wegen

Hochverrats in Abwesenheit zum Tode verurteilt.

Der britische Premier Winston Churchill traute der

formellen Neutralität der Vichy-Regierung nicht und

befahl die «Operation Catapult» zur Ausschaltung

der französischen Flotte. Am 3. Juli 1940 wurden die

im Hafen von Mers-el-Kébir liegenden Kriegsschiffe

versenkt, über 1.000 französische Seeleute fanden

den Tod. Am gleichen Morgen startete die «Operation

Grasp», bei der alle in britischen Gewässern

befindlichen französischen Schiffe gekapert und beschlagnahmt

wurden. Es versteht sich, dass dadurch

de Gaulles Vertrauen in die anglo-amerikanische Politik

nachhaltig erschüttert war.

Nach der Landung der Alliierten in der Normandie

im Sommer 1944 wurde de Gaulle bis 1946 Chef

der Provisorischen Regierung Frankreichs. Schon 1958,

bevor er – mit 78 Prozent der Stimmen! – zum Präsidenten

der Republik gewählt wurde, lehnte er als

Ministerpräsident die Unterstellung der französischen

Mittelmeerflotte unter das NATO-Kommando ab. Er

modernisierte das Land und setzte der internationa-

«Charles de Gaulle

hat zum Sturm auf

die atlantische

Bastille geblasen.»

Spiegel

De Gaulle und Adenauer, 1958.

Foto: Bundesarchiv

63


COMPACT Leben

Freund

der Deutschen

Charles de Gaulle verhinderte

durch seine Freundschaft mit

Konrad Adenauer eine Wiederholung

der Politik Georges Clémenceaus,

der nach dem Ersten

Weltkrieg als Premier das ohnehin

schwierige Verhältnis Frankreichs

zu Deutschland vergiftet

hatte.

Bei seinem Staatsbesuch in

Deutschland im September 1962

begeisterte er die Bevölkerung

durch seine deutschen Sprachkenntnisse,

die er sich während

seiner Kriegsgefangenschaft

1916 bis 1918 in Bayern – übrigens

mit fünf erfolglosen Ausbruchsversuchen

– angeeignet

hatte. Auf Deutsch wandte er

sich auch in Ludwigsburg mit einer

vielbeachteten Rede an die

deutsche Jugend – ein Meilenstein

in den deutsch-französischen

Beziehungen! Vier Monate

später wurde der bilateralen

Freundschaftsvertrag unterzeichnet

– und prompt einige

Monate später auf US-Druck

durch eine Präambel entschärft.

Die von Adenauer geführte Bundesregierung

schwankte ständig

zwischen Washington und Paris

hin und her.

len Dominanz der Supermächte mit dem Aufbau der

Force de frappe Frankreich als unabhängige Atom-

Großmacht entgegen. Die Politiker aus dem Umkreis

der US-dominierten Bilderberg-Denkfabrik kritisierten

diesen Schachzug scharf. Warum? Hauptziel der Bilderberger

war und ist es, die Souveränität der freien

Nationen Europas auszuhöhlen und sie einer britischamerikanischen

Weltregierung zu unterwerfen. Ihnen

passte nicht, dass Frankreich dank der Force der frappe

nicht mehr so leicht zu erpressen war.

De Gaulle hatte schon früh durchschaut, dass es

Washington und London vor allem um die Anbindung

der westeuropäischen Länder an die transatlantischen

Pfeiler ging: NATO und EU (damals Europäische Wirtschaftsgemeinschaft

– EWG). Schon in den ersten

Monaten des Jahres 1947 hatten die USA aus Resten

ihrer Kommandostrukturen des Zweiten Weltkriegs ihr

pazifisches Militärkommando PACCOM und das europäische

US-Militärkommando EUCOM installiert. Am

4. April 1949 wurde die NATO mit dem Ziel gegründet,

«die Russen draußen, die Amerikaner drinnen und die

Deutschen unten zu halten», so der erste NATO-Generalsekretär

Lord Ismay. Und schon im Dezember desselben

Jahres verabschiedete die NATO den Kriegsplan

Dropshot, mit dem 1957 die Sowjetunion angegriffen

werden sollte. Diese imperialen Ambitionen verärgerten

de Gaulle zutiefst. Für ihn ging Europa «vom

Atlantik bis zum Ural». In den besonderen Beziehungen

Großbritanniens zu den USA sah er eine Gefahr, weshalb

er dessen Beitritt zur EWG zu verhindern suchte.

Regime Change in Paris

1965, fünf Jahre vor seinem Tod, soll Charles de

Gaulle von US-Präsident Johnson auf eine Todesliste

gesetzt worden sein. Erwiesen ist zumindest, dass sich

französische Extremisten, die de Gaulle bereits 1962

hatten ermorden wollen, weil er der Unabhängigkeit

Algeriens zugestimmt hatte (fiktional von Frederick

Forsyth in seinem Roman Der Schakal verarbeitet), in

jenem Jahr mit einem Plan an die CIA wandten: Einer

der ihren, ein verdienter Militär, sollte mit einem vergifteten

Ring nach Paris geschickt werden. Beim Händedruck

mit de Gaulle sollte eine mit Curare getränkte

Spitze ausfahren… Einzelheiten wurden zehn Jahre

später im US-Kongress berichtet und sind im britischen

Guardian in der Ausgabe vom 16. Juni 2015 nachlesbar.

Auch die gewalttätige Revolte vom Mai 1968, die

das Land wochenlang lahmlegte, wird von einigen

Kommentatoren als Inszenierung von US-Strippenziehern

gesehen, die den anarchokommunistischen

Rädelsführern wie Daniel Cohn-Bendit zur Seite standen.

Dokumente dazu werden in dem 2009 erschienen

Buch von Vincent Nouzille Des secrets bien gardés:

Les dossiers de la Maison-Blanche et de la CIA sur la

France et ses présidents 1958–1981 (Wohl gehütete

Geheimnisse: Die Dossiers des Weißen Hauses und

der CIA über Frankreich und seine Präsidenten 1958–

1981) diskutiert.

De Gaulle konnte den Umsturzversuch zunächst

abwehren und sich in Neuwahlen triumphal behaupten,

trat jedoch nach einem verlorenen Referendum

ein Jahr später zurück. Eine Schlüsselrolle bei dieser

Abstimmung spielte Valéry Giscard d’Estaing,

ein enger Freund von Henry Kissinger und wie dieser

ein Bilderberger, der – als Konservativer! – überraschend

die Linke Nein-Parole bei diesem Plebiszit

unterstützte. 1974 wurde er selbst Staatspräsident

und trieb die Europäisierung in einer Weise voran, die

nie die Zustimmung des Generals gefunden hätte.

Der Film «Der Schakal» (1973) basiert auf dem Attentatsversuch

1962. Fotos: Filmverleih

Erschienen im Kai Homilius Verlag.

Foto: Verlag

64

_ Wolfgang Effenberger (* 1946)

erhielt als junger Pionieroffizier

Einblick in das «atomare Gefechtsfeld»

in Europa. Zusammen mit

dem ehemaligen CDU-Staatssekretär

Willy Wimmer verfasste

er 2014 das Buch «Wiederkehr der

Hasardeure – Schattenstrategen,

Kriegstreiber, stille Profiteure». Im

Oktober 2015 referierte er auf der

COMPACT-Konferenz «Freiheit für

Deutschland».


COMPACT Leben

BRD-Sprech _ Gutmensch

«Gutmensch» ist ein ambivalentes Wort, je nachdem,

wer es benutzt: Handelte es sich ursprünglich

um die leicht spöttische Bezeichnung eines bestimmten

Menschenschlags, so wurde es einerseits von just

den so bezeichneten Menschen als Selbstbeschreibung

übernommen, von anderen aber zum Schimpfwort

verschärft. Was die Betroffenen wiederum überhaupt

nicht verstehen können und dazu führte, dass

das Wort zum «Unwort des Jahres 2015» gekürt wurde.

Sie glauben nämlich, «Gutmensch» heiße so viel

wie «guter Mensch». In Wahrheit kann ein Gutmensch

im Privatleben so gut oder böse sein wie irgendein

anderer auch – den Gutmenschen als solchen erkennt

man daran, dass er im politischen Bereich das Gegenteil

von dem tut, was allgemein als moralisch gut gilt:

Der Gutmensch ist ein Pharisäer, der Andersdenkenden

gegenüber zu einem frappierenden Maß an Bösartigkeit

und Arroganz fähig ist. Der Gutmensch glaubt,

die Grundlage aller Moral seit Adam und Eva, nämlich

die Bevorzugung des Näherstehenden (der nicht

zufällig der Nächste genannt wird) gegenüber dem

Fernerstehenden, sei irgendwie böse und Gott habe

sich geirrt, als er sagte: «Liebe deinen Nächsten wie

dich selbst»; nach Ansicht des Gutmenschen hätte er

sagen müssen: «Liebe deinen Übernächsten mehr als

dich und den Nächsten zusammen.»

Der typische Gutmensch ist einer,

der nicht selbst Opfer bringt,

sondern andere dazu zwingen will.

Andreas Frege alias Campino hat als Frontsänger der Toten Hosen

ein beachtliches Vermögen von über 20 Millionen Euro angehäuft

– trotzdem spielt er auch heute noch gerne den systemkritischen

Anarcho-Punker und stachelt auf seinen Konzerten pubertäre Antifanten

zum «Kampf gegen rechts» auf. Foto: imago/Future Image

Gutmenschen sind Leute, die so lange «Flüchtlinge»

aufnehmen werden, bis keine mehr kommen, weil die

Verhältnisse in Europa dann genau denen entsprechen

werden, vor denen vorher die «Flüchtlinge» geflohen

sind.

Vielleicht mag man dem Gutmenschen, da seine

Seele mit pseudoreligiösen Wahnideen vergiftet

wurde, noch jene Art Mitleid entgegenbringen, die

man auch für andere Sektenopfer übrig hat – allerdings

nur, sofern er selbst die Folgen seines Wahnsinns ausbadet.

Der typische Gutmensch ist allerdings einer, der

nicht selbst Opfer bringt, sondern andere dazu zwingen

will, und als Angehöriger der Sozial-, Integrations- oder

Ideologieindustrie womöglich noch daran verdient.

Der Gutmensch glaubt, er sei schon deshalb edel,

hilfreich und gut, weil er eine bestimmte Ideologie

bejaht und es aufgrund dieser Ideologie zum Beispiel

für richtig hält, Menschen aus gewaltaffinen Machokulturen

in ein befriedetes Europa einwandern zu lassen

und den Einheimischen Millionen von neuen Mitbewohnern

zuzumuten, die sie sich nicht ausgesucht

haben, und die sie sich, hätte man sie gefragt, aus

guten Gründen auch nicht ausgesucht hätten.

Gutmenschen vertreten grundsätzlich nur die Interessen

von Minderheiten und finden es unmoralisch,

dass Männer und nichtfeministische Frauen, Deutsche,

Christen, Weiße und Heterosexuelle überhaupt existieren.

Wenn sie aber schon existieren, so die Gutmenschen,

dann sollen sie wenigstens ihren Mund

halten und sich ihrer «Intoleranz» schämen – also sich

schämen, dass sie überhaupt Interessen zu haben und

diese gar zu artikulieren wagen.

Gutmenschen sind Leute, die nicht ruhen werden,

bis sie die Welt so weit «verbessert» haben, dass sich

in ihr nur noch Verrückte, Perverse, Verbrecher und

Schmarotzer wohlfühlen. Gutmenschen sind Leute, die

das eigene Volk über die Klinge springen lassen, damit

es ihrem Seelchen gut geht. Und Gutmenschen sind vor

allem Leute, die es fertigbringen, sich trotzdem noch

darüber zu wundern, dass das Wort «Gutmensch» ein

Schimpfwort ist.

Verlag Antaios, 240 Seiten, gebunden,

22,00 Euro (Bestellung über

antaios.de). Foto: Verlag

_ Manfred Kleine-Hartlage ist

Publizist und Diplom-Sozialwissenschaftler.

Regelmäßig veröffentlicht

er kritische Beiträge auf

seinem Blog «korrektheiten.com».

Sein aktuelles Buch «Die Sprache

der BRD – 131 Unwörter und ihre

politische Bedeutung», 2015 im

Verlag Antaios erschienen, liefert

die Vorlage für diese COMPACT-

Serie.

65


COMPACT Leben

Harzheims Klassiker_ Napoleon

66

Aufführung der restaurierten Version:

Napoleons Italienfeldzug als

filmisches Triptychon.

Foto: hollywoodandallthat.com

Plakat zu «Napoleon» (1927). Foto:

Wikipedia

_ Harald Harzheim ist der Filmklassiker

von COMPACT-Magazin.

Mitte der 1920er Jahre plante der französische

Regisseur Abel Gance, das Leben Napoleon Bonapartes

zu verfilmen. Wer seine Werke kannte, ahnte damals

schon: Das wird kein solides Stück für den Geschichtsunterricht.

Der Cineast dachte in der Größen ordnung

eines Homer. Revolutionierten dessen Illias- und Odyssee-Gesänge

die antike Literatur, so sollte Napoleon

das Medium Film neu erfinden. Gleich dem französischen

Kaiser wollte Gance neues Terrain erobern, in

seinem Fall ästhetisches. Dazu befreite er die Kamera

von allen Fesseln, nahm sie runter vom Stativ und montierte

sie auf Kräne, Schaukeln und den Rücken rasender

Pferde. Wie einen Schneeball warf er sie für eine

Szene sogar durch die Luft. Sie war kein fester, distanzierter

Standpunkt für das Publikum mehr, sondern

wurde mitten durchs Geschehen gewirbelt.

Für Napoleons Italienfeldzug sprengte Gance das

damalige Leinwandformat. Mit drei synchron laufenden

Kameras und (später ebenso synchronisierten)

Filmprojektoren visualisierte er die Schlacht als Triptychon

und schuf so den ersten Breitwandfilm vor dessen

eigentlicher Erfindung. Statt eines Panoramamotivs

zeigte jedes der drei Bilder manchmal aber auch ein

anderes Motiv der Schlacht, assoziativ miteinander

verbunden, jeweils mit anderer Kolorierung. So ist der

Zuschauer an drei Orten gleichzeitig. Das Foto (oben)

zeigt eine Aufführung: In der Mitte marschiert die

Armee zwischen den Felsen. Links und rechts: Feldherr

Napoleon beobachtet das Geschehen. Die drei

Färbungen in blau, weiß und rot ergeben die Trikolore.

Regisseur Gance wollte das Medium

Film neu erfinden.

Nachdem der Regisseur bereits neun Stunden

Material belichtet hatte, brachen die Produzenten den

Dreh ab. Der Film kam 1927 in die Kinos und überforderte

das Publikum gründlich, wurde zum kommerziellen

Desaster. Er geriet in Vergessenheit, bald blieben

bloß noch Fragmente greifbar. 1984 gelang Francis

Ford Coppola eine vierstündige Rekonstruktion des

Stummfilm-Klassikers. Arthur Honeggers Original-

Soundtrack wurde durch eine Komposition von Coppolas

Vater Carmine ersetzt. Die Präsentation in New

York wurde zum Riesenerfolg. Inzwischen gibt es eine

fast sechsstündige Restaurationskopie.


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