COMPACT-Spezial 10

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COMPACT Spezial

_ Die islamische Expansion

lemischen Obrigkeit lagen. Diese als «Dhimmis»

(Schutzbefohlene) verachteten Menschen durften

weder neue Kirchen oder Synagogen errichten

noch ihre heiligen Schriften laut beten oder lesen;

ihnen war das Tragen von Waffen und das Reiten

von Pferden verboten, ihr Zeugnis galt vor Gericht

weniger als das eines Moslems. Der Mord an einem

Dhimmi war ein minderschweres Verbrechen. Im

Jahre 850 erließ der Bagdader Kalif al-Mutawakkil

einen Befehl, wonach sämtliche Dhimmis gelbe

Umhänge und gelbe Kopfbedeckungen zu tragen

hätten. Der arabische Geschichtsschreiber Dscharir

at-Tabari berichtet, dass der Kalif an die Häuser

aller Nichtmoslems schwarze Teufelsköpfe aufmalen

und ihre Gräber einebnen ließ, um sie dadurch

von den Grabstätten der Rechtgläubigen unterscheiden

zu können. Die auch als «Kuffar» bezeichneten

Ungläubigen «sollten sich unterlegen fühlen und

ihren niedrigen Platz in der Gesellschaft kennen»,

schreibt der US-Historiker Marshall G. S. Hodgson

in seinem Buch The Venture of Islam.

Islamische Expansion 622 – 750

Ausbreitung unter dem Propheten

Mohammed, 622– 632

Ausbreitung unter den vier «rechtgeleiteten

Kalifen», 632-661

Ausbreitung unter den Umayyaden,

661-750

Quelle: Wikipedia Grafik: COMPACT

Grundsätzlich galt, was Mohammeds Cousin

Abdallah ibn Abbas in seiner Koranauslegung

festgeschrieben hatte: «Es existieren sechs Religionen.

Eine [der Islam] ist für den barmherzigen

Gott bestimmt, die fünf anderen gehören dem Teufel.»

Für Mitleid blieb da wenig Raum. Namentlich

gegen die armenischen Christen kam es zu grässlichen

Massakern. So etwa 705, als alle christlichen

Adligen des Landes in eine Kirche gesperrt und verbrannt

wurden. Nach der Eroberung Karthagos in

Nordafrika «richteten sie ein Blutbad an, plünderten

und legten Brände (…) bis die Stadt halb zerstört

war. Kaum ein Bewohner kam mit dem Leben

davon», heißt es in einer zeitgenössischen Quelle.

«Das alles zeigt, dass Versuche, die Muslime als

aufgeklärte Anhänger eines Multikulturalismus hinzustellen,

bestenfalls ignorant sind», so der Religionswissenschaftler

Rodney Stark (Gottes Krieger,

2009).

711 griff die moslemische Aggression auch nach

Europa über. Arabische Truppen landeten in Südspanien

(siehe Seite 37/38) und konnten erst 732

im Herzen Frankreichs durch die Schlacht von Tours

und Poitiers vom fränkischen Vizekönig Karl Martell

zurückgeschlagen werden. Der Großteil Spaniens

blieb für lange Zeit eine muslimische Provinz.

Kriegsgefangene und Zivilisten verschleppten

die Araber zu jener Zeit regelmäßig in die Sklaverei.

Diese archaische Form des Menschenhandels

wurde dadurch wieder gebräuchlich. «Mehrere hundert

Sklaven in angesehenen arabischen Familien

waren keine Seltenheit», konstatiert der Orient-Historiker

Heinrich Pleticha. So verwundert es nicht,

wenn der Islam den Menschen des Abendlandes

als «Vorläufer des Antichristen» und Mohammed

als «falscher Prophet» erschien, wie es der Kirchenvater

Johannes von Damaskus Mitte des 8. Jahrhunderts

formulierte.

Das Abendland schlägt zurück

Es dauerte viele Jahrzehnte, bis die Christenheit

sich von dem lähmenden Schrecken der muslimischen

Invasion erholt hatte und eine Gegenbewegung

erfolgte. Die «Reconquista» (Wiedererobe-

«Man bewarf sie

mit Steinen und

Unrat.»

Christenverfolgung in

Jerusalem

Fotos: Bild 1-5 Public domain, Wikimedia

Commons, Bild 6 David Iliff,

CC-BY-SA-3.0, Wikimedia Commons

Siegeszug

des Islams

Etwa 570 610 622 630

650 Ab 705 1085

Der spätere Prophet

Mohammed wird in

Medina geboren. Das

genaue Datum ist umstritten.

Mohammed wird zum

Propheten. Die ersten

Verse des Koran soll

er vom Erzengel Gabriel

erhalten haben.

Die Hidschra, die

Flucht Mohammeds

und seiner Getreuen

aus Medina, markiert

den Beginn der islamischen

Zeitrechnung.

Mohammeds Truppen

erobern Medina und

zerstören alle Götterstatuen.

Die Kaaba

wird zentrales Heiligtum

des Islams.

Mit der Zusammenfassung

der mündlichen

Überlieferungen

Mohammeds entstehen

die Hadithen.

Moslemische Heere

erobern weite Teile

der iberischen Halbinsel

sowie Gebiete

Vorderasiens bis zum

heutigen Pakistan.

Mit der Rückgewinnung

der alten Königsstadt

Toledo durch

Christen endet die

erste Phase der Reconquista,

der Wiedereroberung

Spaniens.

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