Cruiser im Maerz 2017

cruisermagazin

Gays fordern überall Toleranz. Aber: Wie tolerant sind wir selbst eigentlich in unseren eigenen Reihen? Ausserdem: Vor noch nicht all zu langer Zeit hatten es junge Schwule in Erziehungsheimen alles andere als leicht. Cruiser wirft einen Blick zurück in ein eher düsteres Kapitel der Pädagogik. Ausserdem: Cruiser guckte beim Training der einzigen Rugby Mannschaft - den RASCALS - zu.

cruiser

DAS

märz 2017 CHF 7.50

GRÖSSTE

SCHWEIZER

GAY-MAGAZIN

Heucheln,

jammern,

lamentieren:

Schwule und

die Toleranz.

Gay-Rugby Zürich

Zu Besuch bei den Rascals

Unsittlich

Homosexualität in der Psychiatrie

Schwubliothek

Archiviert & konserviert


Collage by: Patrick Mettreaux


3

Editorial

Liebe Leser

Kürzlich war ich mit einem alten Freund (der irgendwie nie älter wird) in einer Pizzeria essen. Neben

uns am Tisch sassen zwei Männer – der eine war ein Handwerker in seiner Arbeitskleidung, der

andere sah irgendwie nach Banker aus. Ich hatte die beiden nicht weiter beachtet, während der

Mittagszeit ist das Lokal jeweils gerammelt voll. Die Männer waren in ihren 20ern und schienen sich

ebenfalls angeregt zu unterhalten. Plötzlich hielten die beiden über dem Tisch ihre Hände und guckten sich verliebt an. Es

schien im Lokal niemand zu stören, niemand starrte. Ausser ich. Ich glotzte förmlich und erwischte mich dabei, wie ich zu mir

sagte: «Die sehen aber gar nicht schwul aus.» Wie tolerant ist dieses Starren? Und wie können wir von den Heteros verlangen,

dies nicht zu tun, wenn wir es selbst nicht fertigbringen? In unserer Titelgeschichte versuchen wir, dieses Thema aus unterschiedlichen

Perspektiven zu beleuchten und anzugehen. Ich wünsche spannende Momente mit dem neuen Cruiser!

Herzlich, Haymo Empl

inhalt

4 Thema Schwule sind intolerant

10 Kolumne Michi Rüegg

11 Kultur Nik Hartmann auf Tour

12 Kultur Buchrezension

13 Thema Gay-Rugby

17 Thema Schwul in der

Erziehungsanstalt

20 Reportage Schubliothek Zürich

23 Kolumne Mirko!

24 Fingerfertig Nihat kocht

26 Serie Homosexualität in

Geschichte und Literatur

28 News National & International

29 Serie Ikonen von Damals

30 Kultur Christoph Braun

31 Ratgeber Dr. Gay

32 Kolumne Thommen meint

34 Flashback Cruiser vor 30 Jahren

impressum

CRUISER MAGAZIN PRINT

ISSN 1420-214x (1986 – 1998) | ISSN 1422-9269 (1998 – 2000) | ISSN 2235-7203 (Ab 2000)

Herausgeber & Verleger Haymo Empl, empl.media

Infos an die Redaktion redaktion@cruisermagazin.ch

Chefredaktor Haymo Empl | Stv. Chefredaktorin Birgit Kawohl

Bildredaktion Haymo Empl, Nicole Senn

Bilder Bilddatenbank. Alle Bilder, soweit nicht anders vermerkt, mit Genehmigung der Urheber.

Art Direktion Nicole Senn | www.nicolesenn.ch

Redaktion Print Vinicio Albani, Anne Andresen, Yvonne Beck, Bruno Bötschi,

Andreas Faessler, Mirko, Moel Maphy, Michi Rüegg, Alain Sorel, Peter Thommen, Nihat.

Korrektorat | Lektorat Birgit Kawohl

Anzeigen anzeigen@cruisermagazin.ch

Christina Kipshoven | Telefon +41 (0) 31 534 18 30

WEMF beglaubigte Auflage 11 539 Exemplare

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REDAKTION UND VERLAGSADRESSE

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Angaben auf www.cruisermagazin.ch

Der nächste Cruiser erscheint am 1. April 2017

CRUISER MÄRZ 2017


4

Thema

Toleranz in den eigenen Reihen

Heucheln, jammern,

lamentieren

Toleranz, ein Wort, das uns mehr oder

weniger locker über die Lippen geht.

Jeder von uns ist das. Oder?

CRUISER MÄRZ 2017


Thema

Toleranz in den eigenen Reihen

5

Von Birgit Kawohl

E

in lauer Herbstabend in Zürich City.

Die Menschen tummeln sich auf den

Strassen, geniessen die Sonne, im

Kreis fünf sitzen viele nach einem mal mehr,

mal weniger anstrengenden oder erfolgreichen

Arbeitstag bei einer kühlen Stange

oder einem Cüpli in einer Bar. Plötzlich geht

ein Raunen, vielleicht ist es auch eher ein

Grunzen, durch die Anwesenden (bisher

überwiegend Männer). Da wagen es doch

tatsächlich zwei Frauen, sich per Kuss auf

den Mund zu begrüssen und sich dann auch

noch verliebt anzuschauen. Pfui! Beim genaueren

Hinsehen wird schnell klar, dass es

sich bei den Aufgeregten zu einem nicht unbeträchtlichen

Teil um Männer, die mit

Männern schlafen, handelt. Da läuft doch

irgendwie etwas mächtig falsch. Wie sieht

das denn nun aus mit der Toleranz (per Definition

der Achtung und Duldung gegenüber

anderen Auffassungen, Meinungen

und Einstellungen) in der LGTB*-Szene?

Nicht nur, dass man schnell angefeindet

wird, sollte man mal auf das mittlerweile

obligatorische* verzichten. Man möchte in

seinem Anderssein schon ausreichend

wahrgenommen und gewürdigt werden,

aber bitte nur so weit, als dass man dann

Man will als einzigartig

angesehen werden, bei

voller Akzeptanz und ohne

jegliche Einschränkung.

letztendlich keine Nachteile davon hat. Darum

scheint es doch irgendwie immer zu gehen:

Man will als einzigartig angesehen

werden, bei voller Akzeptanz und ohne jegliche

Einschränkung. Da funken den

Schwulen die Lesben natürlich mächtig ins

Konzept. Schliesslich sind sie trotz allem

immer noch die Männer und damit die

Platzhirsche.

Anfeindungen gegenüber

Homosexuellen

Jetzt kommt natürlich – und nicht ganz unberechtigt

– subito der Einwand, Schwule

seien im Allgemeinen viel mehr Anfeindungen

ausgesetzt als Lesben. Das bestätigen

Studien, die sich mit Diskriminierung, Beleidigungen

oder Angriffen gegenüber Lesben

und Schwulen befassen. Dabei fand man

u.a. heraus, dass 55% der Schwulen Beleidigungen

im Alltag bestätigen, während dies

nur 26% der Lesben tun. Bei körperlichen

Angriffen gehen die Zahlen sogar noch weiter

auseinander mit 26% (Schwule) gegenüber

2% (Lesben) Warum ist das so?

Zum einen gibt es vielleicht den ganz

banalen Grund, dass Frauen Beleidigungen

und körperliche Gewalt per se mehr gewohnt

sind und diese darum nicht so stark

wahrnehmen, wie es Männer tun. Wer es

von klein auf gewohnt ist, dass die Mutter

vom Vater als «blöde Schlampe» tituliert

wird und ab und an eine Ohrfeige empfängt,

findet das irgendwann normal. Aber das ➔

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6 Thema

Toleranz in den eigenen Reihen

Klappe halten: Andere Meinungen werden in der Gay-Szene oft nicht toleriert.

alleine kann diese grossen Unterschiede

wohl kaum erklären.

Zum Beleidigtwerden und Angegriffenwerden

muss man zunächst einmal wahrgenommen

werden. Sicher ist aber, dass

Lesben oftmals nicht wahrgenommen

werden, weil sie quasi die Steigerung der

Nicht-Gleichberechtigung von Frauen sind.

Frauen treten in der Öffentlichkeit auch im

Jahr 2017 immer noch weniger und vor

allem weniger kompetent in Erscheinung.

Lesben werden ebenso wenig sowohl in der

Gesellschaft als auch in der Literatur thematisiert.

Wenn sich Lesben darüber empören,

werden sie – meistens von Schwulen – hart

angegangen, sie sollten sich nicht beschweren,

dass sie, anders als Schwule, nicht dauernd

in der Kritik stünden. Zudem hätten sie

selten so unter staatlicher Verfolgung gestanden

wie Schwule.

CRUISER MÄRZ 2017

Verfolgung in der Vergangenheit

Gerne werden hierzu dann historische Beispiele

ins Feld geführt, zum Beispiel die

Verfolgung von Schwulen zur Zeit der Nationalsozialisten

in Deutschland, ihre Internierung

in Konzentrationslager und die

entwürdigende Behandlung dort, angefangen

von der Kennzeichnung per rosa Winkel

bis hin zur brutalen Ermordung. Sicher,

das will nun wirklich niemand durchmachen.

Doch muss man hierbei auch die

Hintergründe berücksichtigen: Warum

verfolgten die Nazis Schwule, liessen Lesben

aber weitgehend in Ruhe? Da wäre zum

Beispiel die latente Angst der nationalsozialistischen

Führungsriege, sich ihrer

eigenen sexuellen Orientierung stellen zu

müssen anzuführen. Oder auch der vermeintliche

«Nutzen für den Volkskörper»

Dem schwulen Mann traute

der Staat Volkszersetzung

zu, man sah ihn masturbierend

und kopulierend durch

die Lager an der Front ziehen.

eines Menschen, ein enorm wichtiger und

perverser Aspekt der damaligen Staatsideologie,

die ja in grossen Teilen auf Vorurteilen

basierte, die man zu Gesetzen werden

liess. So «diente» die lesbische Bürgerin

dem Staat weiterhin bestens, indem sie

klaglos alle Missstände ertrug. Vielfach

entstanden Lieben und Beziehungen zwischen

Frauen zunächst eher zufällig als

eine Art Notgemeinschaft, ohne direkte sexuelle

Absichten. Vielen Frauen, ausser

vielleicht den im obskuren Berlin lebenden,

waren homoerotische Verhältnisse unter

Frauen bisher weitgehend unbekannt. Man

tat sich zusammen und dann wurde mehr

daraus. (Wir erinnern uns an die wunderbare

Verfilmung des Romans «Aimée und

Jaguar».) Da Frauen in ihren Freundschaften

sowieso häufig sehr gefühlvoll und körperlich

agieren, ist der Übergang zwischen

einfacher Freundschaft und homoerotischer

Liebe fliessend und eine Grenze nur

schwierig zu ziehen, was die Lesben auch

damals schon auszunutzen pflegten. Dem

schwulen Mann hingegen traute der Staat

Volkszersetzung zu, man sah ihn masturbierend

und kopulierend durch die Lager

an der Front ziehen, sich aus rein sexuellen

Gründen mit dem Feind vereinen und damit

zum Verlust des Krieges beitragen.

Wohlgemerkt: Wir haben hier das Ausleben

von Vorurteilen mit höchster staatlicher

Legitimierung vorliegen, immer zu

dem Zweck, Deutschland gross zu machen.

Ebenso wie die Frauen während des

Nationalsozialismus, einer Zeit des reinen

Patriarchats, viel weniger wahrgenommen

wurden als die Männer, sind sie auch heute

häufig noch weniger sichtbar als diese und

werden darum auch weniger kritisiert.

Denn kritisiert werden, hiesse in diesem


Thema

Toleranz in den eigenen Reihen

7

Fall zunächst einmal wahrgenommen

werden. Angeblich hat die Kritik

gegenüber Homosexuellen heutzutage sowieso

stark abgenommen. (Ob das der oder

die Einzelne dann so erlebt, ist eine andere

Sache.) Lt. Einer Statistik von 2014 antworten

87% der Deutschen auf die Frage «Sollte

die Gesellschaft Homosexualität akzeptieren?»

mit Ja (die Statistik weist keinen Wert

für die Schweiz aus, es ist aber anzunehmen,

dass dieser ähnlich hoch ausfallen

würde). Offenbar ist sogar neuerdings

Bisexualität die diskriminierte Sexualform,

wie der bisexuelle Underground-

Artist Envie Koepke vor Kurzem in einem

Interview darstellte.

Lesben sind

enttäuschte

Heteras

Damit wird auch

klar, warum Schwule

Lesben, die sich öffentlich

als solche zu

erkennen geben, nicht

leiden können: Sie stellen

sich – hier nun absolut genderkonform

– über die Frau und kritisieren sie.

Man sagt Lesben nach bzw. mutmasst, dass

sie von Männern enttäuscht worden seien

bzw. keinen Mann abgekriegt hätten, frustrierte

Heteras eben (Klar, wenn man so aussieht

und sich so anzieht!). Dies würde bei

schwulen Männern merkwürdigerweise nie

jemand vermuten, zumindest so lange es

noch eine unbemannte Frau auf Erden gibt.

Dass Frauen eventuell auch Qualitätsmerkmale

bei Männern fordern, ist geradezu absurd.

Frauen, die nun nicht zwangsweise

hinter einem noch so hässlichen oder unintelligenten

Mann herrennen sind erstens

rätselhaft und zweitens sehr sehr frech. Das

kann sich selbst ein schwuler Mann nicht gefallen

lassen. Der Mann als das Mass aller

Dinge wird durch das Lesbischsein quasi per

se diskreditiert. Das geht natürlich gar nicht,

auch wenn man im Fall selbst auf keinen Fall

etwas mit irgendeiner Frau anfangen wollte.

Dass Frauen eventuell

auch Qualitätsmerkmale

bei Männern fordern, ist

geradezu absurd.

Kann es vielleicht zudem ein klein wenig

Neid sein, der in dem ganzen Beschimpfen

von Lesben seinen Ausbruch findet? Aus

Sicht der Schwulen haben es Lesben nämlich

definitiv besser, wenn es zum Beispiel darum

geht, ein Kind zu bekommen. Sie haben die

Gebärmutter ja per Natur mit an Bord, ➔

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CRUISER MÄRZ 2017


8 Thema

Toleranz in den eigenen Reihen

Wenn lesbische Frauen einen Kinderwunsch haben, ist von der «Community» nicht viel zu erwarten als ein Haufen blöder Sprüche, gerne mit

dem Hinweis darauf, dass doch Sex mit einem Mann super sei.

wohingegen der Mann nur seinen Samen abgibt.

So weit die biologische Korrektheit.

Aber: Natürlich sind es Frauen, die Kinder

gebären. Dazu braucht es aber erst einmal

einen Mann. Und zwar einen, mit dem man

Sex hat. Üblicherweise ist das so, wir lassen

jetzt mal Ideen von eingeführten Spermien-Raketen

und In-vitro-Fertilisationen

aussen vor. «Kein Problem», sagt der schwule

Mann, «einmal Sex mit so einem gottgleichen

Geschöpf wie mir. Ausser, sie zieht sich

weiterhin so an, dann will die natürlich keiner.»

(Siehe oben) Oh doch, lieber Fast-Gott,

für Lesben ist das sehr wohl ein Problem mit

einem Mann zu schlafen, sie haben nämlich

Sex mit Frauen, weil sie diesen nicht mit

Männern haben wollen. Das ist ungefähr so,

als wenn ein Muslim doch nur diese eine

Cervelat essen sollte oder ein Veganer dieses

eine Glas Milch trinken. Und übrigens

braucht es statistisch gesehen auch mehr als

einen Beischlaf, um schwanger zu werden.

In Anbetracht dessen ist es für lesbische

Frauen ebenso schwierig wie für schwule

Männer ein Kind zu bekommen.

Blicken wir auf die Aufklärung

Interessant ist, dass heute immer schnell gejammert

wird, statt sich an Aussagen zu erinnern,

die zwar jahrhundertealt sind, trotzdem

aber nicht an Gültigkeit verloren haben.

So formulierte Immanuel Kant vor ca. 230

CRUISER MÄRZ 2017

Jahren die damals längst notwendige und

dennoch bahnbrechende Erkenntnis, Aufklärung

– und diese wird verstanden als

Grundlage jeglicher Toleranz - sei «der Ausgang

des Menschen aus seiner selbst verschuldeten

Unmündigkeit». Wir sind heute

trotzdem immer noch ganz selbstverständlich

in Klischees und Vorurteilen verfangen,

ohne uns, wie ebenfalls von Kant gefordert,

Wenn die LGTB*-Gemeinschaft

gleiche Rechte und Anerkennung

fordert, wie kann sie

das glaubwürdig, wenn sich

die einzelnen Teilgruppen

nicht grün sind?

«unseres eigenen Verstandes zu bedienen».

Warum wird das Outing eines schwulen Politikers

oder eines schwulen Fussballers von

allen Seiten so gefeiert? Ist das nicht gerade

erst recht diskriminierend, impliziert man

damit doch, dass Schwule eigentlich von Politik

keine Ahnung haben und sicher bisher

nicht einmal wussten, dass ein Ball rund ist.

Umgekehrt ist es so, dass man allen fussballspielenden

Frauen nachsagt, sie seien (zumindest

latent) lesbisch, obwohl es unter

diesen auch zahlreiche Mütter und glückliche

Ehefrauen gibt.

Je mehr man darüber nachdenkt, umso

deutlicher wird, egal welcher «Randgruppe»

ein Mensch angehört, er braucht immer jemanden,

auf den er wiederum herunterblicken

kann, sonst kann er – vermeintlich –

nicht glücklich werden. Das ist übrigens

etwas, was schon die oben erwähnten Nationalsozialisten

wunderbar ausgenutzt haben,

indem sie in ihren Lagern eine Hierarchie

unter den Gefangenen herstellten. Diejenigen,

die danach weiter oben standen, waren

bedeutend williger mit den Nazis zu kooperieren,

weil sie wussten, es gibt noch jemanden,

der unter ihnen steht.

Genau an diesem Beispiel sollte auch

klar werden, warum diese Haltung so pervers

ist: Weil sie den Falschen nutzt. Wenn

die LGTB*-Gemeinschaft gleiche Rechte

und Anerkennung fordert, wie kann sie das

glaubwürdig, wenn sich die einzelnen Teilgruppen

nicht grün sind? Wenn Lesben über

Männer im Kosmetikstudio grinsen, wenn

Schwule über Frauen in Militaryhosen hetzen

und alle gemeinsam finden, bi gehe nun

mal gar nicht, entscheiden müsse man sich

schon. Vielleicht sollte jeder einfach mal seine

eigene Toleranzskala checken und auf

ihre Tolerierbarkeit hin überprüfen. Damit

wäre ein Anfang gemacht.


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CRUISER MÄRZ 2017


10

KOLUMNE

MICHI RÜEGG

Ich, die Liebe

und Genesis

Michi Rüegg spricht

erstmals über Gefühle.

VON Michi Rüegg

I

ch werde häufig auf Sex angesprochen.

Weil ich oft darüber geschrieben habe.

Über Sex zu schreiben, ist seltsamerweise

noch immer ein Tabu. Selbst unter

uns Homos. Das ist umso erstaunlicher, als

dass es unter uns an sich kein mehrheitsfähigeres

Thema gibt als die Kopulation.

Nun mag man einwerfen, Sex sei halt

so etwas, das man lieber tue als darüber zu

reden. Ich persönlich finde, man kann beides.

Ich kann sowohl essen, als auch Kochbücher

anschauen. Das eine schliesst das

andere nicht aus.

Mir ist allerdings aufgefallen, dass ich

bei allem Sex praktisch nie über Liebe geschrieben

habe. Vielleicht ist Liebe so etwas,

das ich lieber selber erlebe als darüber zu

schreiben. Vielleicht traue ich der Liebe auch

nicht, weil sie mich häufiger im Stich gelassen

hat als der Sex.

In den ersten Jahren meines jüngeren

Lebens habe ich die Liebe als eine erhöhte

Form der sexuellen Anziehung erlebt. Letztere

bildete die Basis, doch es war, wie wenn

sie ein Romantik-Plugin in sich getragen

hätte. Es war nicht nur die körperliche Anziehung,

es war das Gesamtpaket. Das Wissen

darum, dass man künftig nur noch in

Gegenwart dieser einen Person vollkommenes

Glück verspüren kann. Ein einzelnes Lächeln

konnte Beton zum Schmelzen bringen.

Nicht von ungefähr ist das Herz Sinnbild der

Liebe. Tatsächlich merkte ich, wie der Motor

meines Körpers in den Overdrive ging, wenn

der Geliebte mich berührte.

Natürlich habe ich nach einiger Zeit

gemerkt, dass dieses Gefühl der Liebe eine

Täuschung sein kann. Häufiger noch denn

CRUISER MÄRZ 2017

als Täuschung entpuppte sich die Liebe jedoch

als Ent-Täuschung. In jungen Jahren

bedient sich die Liebe einer Art Brandbombe.

Sie entfacht immer wieder aufs neue

blendende Feuer, die alles fressen, was sich

ihnen in den Weg stellt. Mit den Jahren werden

die Feuer weniger. Die Liebe wird zur

Glut, die zwar nicht die faszinierende Kraft

der Flammen hat, dafür aber für ihre Beständigkeit

geschätzt wird.

«Ich widerstand der Versuchung,

die Hand nach

der Frucht auszustrecken.»

Vor einigen Jahren traf ich an meiner

Arbeitsstelle einen Heteromann gleichen Alters.

Wir hegten freundschaftliche Gefühle

für einander. Zumindest meinte er das. In

Tat und Wahrheit war ich unglaublich verknallt

in ihn. Wahrheit war ich unglaublich

verknallt in ihn. Während Monaten träumte

ich nachts von – nennen wir ihn – Robert.

Diese Träume trugen übrigens alledas Label

«FSK ab 18 Jahren». Nacht für Nacht hatte

ich Sex mit Robert. So guten Sex, wie ich ihn

in der Realität noch nie mit jemandem gehabt

hatte. Einmal traf ich Robert im Traum

auf dem Basketball-Court. Wir warfen ein

paar Bälle, dann fielen wir über einander

her. Mit einer Leidenschaft, die Glühbirnen

zum Bersten gebracht hätte. Ich hatte bereits

in HD geträumt, bevor die TV-Hersteller

mit der Entwicklung so weit waren. Die Träume

machten mich fertig, denn jeden Morgen

traf ich an meiner Arbeitsstelle Robert, der

freundlich grüsste.Einmal, während eines

Betriebsausflugs, teilten wir ein Hotelzimmer.

Ich war wie üblich etwas betrunken, im

Bett neben mir schlief – nur in Unterhose –

Robert. Seit jener Nacht verstehe ich das erste

Buch Moses.

Robert war die verbotene Frucht, die

vom Baume hing. Würde ich nach ihr greifen,

wäre das Paradies für mich zu Ende. Ich hatte

monatelang vermieden, die Frucht zu pflücken.

Und dann, in jener Nacht, war da diese

Schlange zwischen meinen Beinen. Sie sprach

zu mir: «Nimm sie dir, die Frucht, du willst

sie doch.» Vielleicht sagte die Schlange auch

nichts und ragte bloss empor. Die Botschaft

war dennoch deutlich.

Ich widerstand der Versuchung, die

Hand nach der Frucht auszustrecken. Stattdessen

wollte ich die niederträchtige Schlange

zum Schweigen bringen.

Leider blieb mein Kampf mit der

Schlange auch dem vermeintlich schlafenden

Robert nicht verborgen. Er missdeutete

mein Tun und hielt es für profane Onanie.

Entsprechend war er wenig erfreut und

schickte mich ins Bad. Als ich die Schlange

soweit hatte und sie ihren Speichel herauswürgte,

wusste ich, dass auch meine Freundschaft

mit Robert zu Ende war. Ich hatte die

Schlange besiegt, doch gewonnen hatte sie

trotzdem. Die verbotene Frucht verdarb

kurz darauf am Ast.

Seit jener Nacht begegne ich dem Gefühl

der Liebe mit einer gewissen Skepsis.

Mit den Schlangen hingegen habe ich mich

wieder versöhnt.


Kultur

Nik Hartmann auf Tour

11

KULTUR

Der Hartmann macht auf harter Mann

Hartmann ist während seiner Tournee durch die Schweiz ganz sich selbst. Ob das nun gut oder schlecht ist?

Selten schafft es ein absolut «durch und

durch» Hetero bei uns in den Cruiser. Letztes

Mal war dies Mark Wahlberg. Hartmann

hat – abgesehen von seinem Namen – für

Gays wirklich nichts zu bieten. Und dennoch

finden ihn (fast) alle «irgendwie toll»

(Zitat Cruiser-Redaktion). Cruiser guckte

sich also das Bühnenprogramm vom für

Gays unerreichbaren Hetero an: «Nik Hartmann

live». Der Name ist in diesem Fall tatsächlich

Programm – der passionierte Wanderer

steht in seiner Show auf der Bühne und

erzählt. Geschichten vom Wandern, Anekdoten

über andere Wandervögel, die ihn

vom TV kennen (oder eben nicht), und Storys

über seine Kindheit. Dies tut Nik Hartmann

treffend und zielsicher, er schafft es

mit wenigen Mitteln, eine Geschichte gross

darzustellen, mit einem guten Gespür für

das Timing der Pointen. Und natürlich hatte

beinahe jedes Erlebnis eine solche. Dennoch

wird schnell klar, dass Hartmann kein

Stand-up-Comedy-Programm im eigentlichen

Sinne inszeniert, sondern eher einen

humoristischen Vortrag mit grossem Unterhaltungspotenzial

zum Besten gibt. Hartmann

zeigt auf der Bühnen-Projektionswand

Fotos von realen Personen, die er auf

seinen Touren in den letzten zehn Jahren

kennengelernt hat. Was nun genau Hartmanns

Anspruch an sein Programm ist,

wurde dem Cruiser an der Premiere nicht

ganz klar, für das Hetero-Publikum war dies

scheinbar auch irrelevant, denn letztendlich

bot und bietet der Entertainer gute und solide

Unterhaltung.

Hartmann, die personifizierte Biederkeit,

absolut skandalfrei und quasi amtlich

beglaubigt massentauglich, schaffte es über

die Jahre, dass die halbe Nation verfolgte,

wie er und seine Entourage über Stock und

Stein wanderte. Ergo gibt er sich auch

in seinem Programm ohne Ecken und Kanten

und politisch absolut korrekt. Und dennoch

– oder gerade deshalb – liebt ihn das

Publikum für seine Show. Cruiser findet,

man kann sich das Programm durchaus mit

der Schwiegermutti oder der besten Freundin

anschauen.

Nik Hartmann gastiert mit seinem

Programm in der ganzen Deutschschweiz.

(Haymo Empl)

Nika Hartmann live: Freitag 10. März 2017

20.00 Uhr, Winterthur, Casinotheater

weitere Tourdaten auf: wwwnickhartmannlive.ch

CRUISER MÄRZ 2017


12

Kultur

Buchtipp

Adoption – irgendwie ein

Dauerbrenner

In Jasper Nicolaisens Roman «Ein schönes Kleid»

wird ein schwuler Dauerbrenner thematisiert:

Das Ergattern eines Kindes für ein schwules Paar.

Von Birgit Kawohl

J

asper Nicolaisen, Jahrgang 1979,

deutsch, schwul, Übersetzer und Autor

(bisher) von Fantasyliteratur,

nimmt eigene Erlebnisse mit der Aufnahme

eines Pflegekindes als Ausgangspunkt für seinen

Roman, der – so stellt der Autor gleich im

Vorwort klar – nicht als Ratgeber verstanden

werden will. Ebenso wird betont, dass die

Figuren keine realen Personen seien, aber angelehnt

an ebensolche dargestellt würden.

Nicolaisen will also unterhalten, warum

nicht, in meinem Kopf entwickelten sich

schnell absurde Szenerien rund um das Thema

schwule Beziehung und «Kinderglück».

Das schwule Paar Jannis und Levi

Winter will nach langen Jahren einer funktionierenden

Beziehung ein Kind zur Dauerpflege

aufnehmen. Nach dem Ausfüllen

komplexer Formulare und nach mehreren

Terminen beim Jugendamt gelingt dies auch,

der kleine Valentin darf bei ihnen einziehen.

Schnell wurden die Erwartungen an

eine unterhaltsame Lektüre auf den Boden

der Tatsachen bzw. des Romans heruntergeholt.

Die Beziehung von Jannis – offenbar

das Alter Ego des Autors – und Levi, vormals

eine Frau, jetzt ein Mann, bleibt ebenso blass

und flach wie die Figuren selbst. Von Levi

erfährt der Leser kaum etwas, ab und zu

fungiert er als Stichwortgeber, im Mittelpunkt

steht eindeutig Jannis. Das wäre prinzipiell

auch okay bzw. dies könnte gelingen,

wäre denn diese Figur plastischer ausgeformt.

Man erfährt meist Klischees und erlebt

das Paar in Standardsituationen, welche

CRUISER MÄRZ 2017

zudem nicht besonders komisch geschildert

sind, aber so wirken wollen. Wenn z. B.

Jannis im Bus den Gurt des Kinderwagens

nicht öffnen kann, haben sich die Mundwinkel

der Cruiser-Buch-Rezensentin nicht

zu einem Grinsen verzogen …

Geradezu verstörend wirkte, dass der

Hund des Paares, der zum Glück ziemlich

schnell stirbt (bitte nicht missverstehen: wir

alle lieben ja Hunde – also eigentlich),

spricht, denn Jannis ist so einfühlsam, dass

er Hunde und noch nicht sprechfähige

Kleinkinder sprechen hören und verstehen

kann. Da gab es doch mal einen Film mit

John Travolta und Kirstie Alley, in dem das

irgendwie besser unterhielt.*

Hinzu kommen die im Roman eingestreuten

Fragen des Jugendamtes bezüglich

der Eignung der Pflegeeltern und das darauffolgende

Gejammer über die Gemeinheit,

dass man als schwules Paar solche Fragen

beantworten müsse.

Liebe Männer, die ihr Männer liebt, ihr

mögt es kaum glauben, aber auch Hetero-

Paare müssen sich einem solchen Fragenkatolog

vom Jugendamt stellen. Ihr werdet hier –

ausnahmsweise – nicht extra benachteiligt.

Fazit: Hier wurde ein vielversprechendes

(schwul-queeres) Thema verschenkt, da

der Autor offenbar selbst zu wenig Distanz

hatte, um locker mit diesem umgehen zu

können. Schade.

*Gemeint ist «Look who’s talking» von 1989.

Buchtipp

Jasper Nicolaisen: Ein schönes Kleid. Roman

über eine queere Familie.

Preis CHF 21.90

ISBN 9783896562470


Thema

Gay-Rugby

13

«Es braucht eine

Portion Ehrgeiz»

Die Rascals sind das erste und einzige Gay-Rugby-Team der Schweiz. Um nach

zwei Jahren Bestand einen grossen Schritt weiterzukommen, gehen die

Männer neue Wege. Und doch bleibt einiges auch beim Alten. Und das ist gut so.

Von Andreas Faessler

E

in Novilonboden, eine schwefelgelbe

Stirnwand, grelle Neonbeleuchtung,

eine Spiegelwand mit Handläufen – es

ist ein Gymnastikraum aus vergangenen

Zeiten mit Patina mitten in Wiedikon. Die

Zurich Rascals warten, bis die Damen mittleren

Alters in Sportleggings und Wollstülpen

mit ihren Verrenkungen fertig sind.

Was will eine Rugbymannschaft hier

an diesem für solcherart Mannschaftssport

untypischen Ort? Die Rascals, seit Anfang

2015 das erste Gay-Rugby-Team der Schweiz,

stehen an einem Punkt des Umbruchs. So ist

denn auch ihr ungewöhnlicher Trainingsraum

eher ein Provisorium als fixe Heimatstätte.

Auf eine Wiese unter freiem Himmel

oder wenigstens in eine ordentliche Sporthalle

gehört ein echtes Rugbyteam schliesslich.

Nicht, dass die Rascals das nicht schon

gewesen wären: Die derzeit rund zwölf Mitglieder

nehmen das Training ernst, sind

sichtlich mit Herz dabei und pflegen Zusammenhalt,

Respekt und Teamgeist – die

Grundwerte jeder Sportformation, die etwas

auf sich hält. Aber für mehr als das

Training und gelegentliche Spass-Rugbyspiele

reicht die aktuelle Situation der

Rascals nicht. Ohne fixen Trainer wäre eine

Teilnahme an ernsten Tournaments

gar nicht möglich. «Darum wollen wir ➔

CRUISER MÄRZ 2017


14

Thema

Gay-Rugby

CRUISER MÄRZ 2017


Thema

Gay-Rugby

15

professioneller werden», sagt Dani Merkle

entschlossen. Der «Kopf» der Rascals ist die

treibende Kraft, er plant und führt die Trainings.

Bereits vor der Gründung des Teams

hatte er Rugby-Luft geschnuppert und war

der Sportart ziemlich schnell verfallen.

«Wer einmal an einem Tournament war,

der will nichts anderes mehr.»

Einen ersten Schritt in ihre Zukunft

haben die Rascals im vergangenen Herbst

gemacht: Mit einem Crowdfunding sollte

ein Trainingsort angemietet sowie ein Trainier

engagiert werden, der die Rascals aufpeppt

und auf ein höheres Level hebt. Via

«Gay Sport Zürich», dem die Rascals angegliedert

sind, kamen sie zum eingangs erwähnten

Trainingsraum in Wiedikon. Aber

der Wunsch nach einem eigenen Trainer erfüllte

sich nicht – es konnte kein Coach gefunden

werden.

Mitte Februar hat Dani Merkle

schliesslich den Entschluss gefasst, die Weichen

neu zu stellen. «Die Ambitionen der

einzelnen Mitglieder im Rascal-Team sind

unterschiedlich. Die einen streben danach,

in dieser Sportart weiterzukommen. Andere

sehen es lockerer und schätzen einfach den

Spass, die Bewegung und die Kameradschaft.

So ist auch die Teilnehmerzahl an

den jetzigen Trainings nie konstant.» ➔

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CRUISER MÄRZ 2017


16

Thema

Gay-Rugby

Natürlich wird nach Möglichkeit auch draussen trainiert. Hier beispielsweie im Trainingslager in Filzbach.

©Bilder: Rascals

Trotz dieser Diskrepanz und dem fehlenden

gemeinsamen Ziel werden die Rascals

als solche weiterbestehen. Fürderhin

werden sie einmal im Monat nach München

fahren und mit dem dortigen Gay-Rugby-

Team, den Munich Monks, trainieren und

spielen. «Die Münchner zeigten sofort Bereitschaft,

als wir ihnen dies vorschlugen. Sie

freuen sich darauf», sagt Dani.

Wer sich von den Rascals professionalisieren

will, der wird künftig bei etablierten

Schweizer Rugbyteams trainieren. Die

Mannschaft wird quasi teilausgelagert. Es

gibt einige Mannschaften in der näheren

Umgebung, wo die ambitionierten Rascals

einzeln unterkommen können. «Und so

wird das Geld aus dem Crowdfunding künftig

auch zur Unterstützung derjenigen eingesetzt,

welche diesen Weg gehen möchten»,

CRUISER MÄRZ 2017

sagt Dani. Wer weiterkommen wolle, der

müsse sich bewusst sein, dass ein regelmässiges

Training unausweichlich ist und es

auch eine Portion Ehrgeiz braucht. «Und ein

gewisses Verletzungsrisiko muss man da

auch in Kauf nehmen», fügt er an.

Mitte Februar traf sich eine Gruppe

von rund 40 Gay-Rugby-Spielern und

-Neugierigen im glarnerischen Filzbach.

Hier stand den Männern – und auch ein

paar Frauen – im Rahmen des Gay Sport

Zürich Trainingslagers ein ordentlicher

Spielrasen zur Verfügung, wo sie sich bei

bestem Wetter verausgaben konnten, ohne

«Verluste» bei irgendwelchen Inneneinrichtungen

zu riskieren. Neben immerhin sechs

Rascals waren auch 15 Spieler der Munich

Monks mit dabei – das Trainingswochenende

gipfelte in einem 7er Rugby Match.

«Ein Erfolg auf der ganzen Linie», zieht

Dani Merkle Fazit zu den Trainingstagen

hoch über dem Walensee. Jetzt freuen sich

die Zürcher darauf, künftig regelmässig mit

den Münchnern und auch ein paar Stuttgartern

fürs gemeinsame Trainieren

zusammenzukommen. Dass sich die

Rascals – oder zumindest ein Teil davon –

von nun an professionalisieren wird, heisst

jedoch nicht, dass sie so, wie sie bisher existiert

haben, Geschichte sein werden. Dani:

«Die Rascals bleiben weiter unter dem Dach

von Gay Sport Zürich.» Und: «Wir bieten ab

sofort immer am letzten Freitag im Monat

einen Stammtisch an. So können Interessierte

in lockerem Rahmen Kontakt zu uns

aufnehmen.» Denn nach wie vor hat die

Freude an Kameradschaft, Sport, Spass und

Spiel oberste Priorität.


Thema

Schwul in der Erziehungsanstalt

17

Homosexualität und Psychiatrie in der

Erziehungsanstalt

Sexualität war in schweizerischen Erziehungsanstalten bis in die Jahre um

1970 ein Tabuthema. Am Beispiel der Anstalt Aarburg zeigt sich, dass die

Problematisierung der jugendlichen Sexualität oftmals mit einer Wertung

von Homosexualität einherging.

Von Kevin Heiniger

H

omosexuelle Kontakte waren in nach

aussen abgeschlossenen Institutionen

mit gleichgeschlechtlichem Klientel

wie etwa Klöster, Kasernen und Erziehungsanstalten

bis weit ins 20. Jahrhundert ein

Dauerthema – und zwar meistens dann,

wenn es darum ging, diese verpönten Aktivitäten

zu ahnden. In einer Anstalt für männliche

Jugendliche war dieses sexuelle Problem

wohl umso dringlicher, standen doch die

Adoleszenten in der Blüte ihrer erwachenden

Sexualität. Schon Robert Musil schrieb 1903

in «Die Verwirrungen des Zöglings Törless»:

«Dort, wo die jungen aufdrängenden Kräfte

hinter grauen Mauern festgehalten wurden,

stauten sie die Phantasie voll wahllos wollüstiger

Bilder, die manchem die Besinnung

raubten.» Und Musil musste es wissen,

schliesslich hatte er selbst seine Jugendjahre

in Militärakademien zugebracht.

Verbotene Sexualkontakte

Auch in der Erziehungsanstalt Aarburg

(Kanton Aargau), darauf lassen die Akten

schliessen, waren verbotene Sexualkontakte

unter den internierten Jugendlichen an der

Tagesordnung. Hinweise darauf liefern bereits

die autobiografischen Erzählungen zweier

ehemaliger Zöglinge, die sich in den 1920er

Jahren auf der Festung Aarburg befanden.

Jenö Marton lässt in «Zelle 7 wieder ➔

CRUISER MÄRZ 2017


18 Thema

Schwul in der Erziehungsanstalt

Gelegenheiten boten sich in den Erziehungsanstalten viele. Wurde man erwischt, kam es zu unschönen Szenen. Hier aus dem Film «Der junge

Törless» von Volker Schlöndorff aus dem Jahre 1965.

frei …!» (1936) den einen Zögling zum anderen

sagen: «Meine Freundschaft mit Vogelsang

war den Herren nicht genehm. Du

kennst ja noch den Vorfall letztes Jahr mit

Buschkopf und Zingg. Die Anstalt müsse

solche Elemente ausmerzen. Jetzt sehen die

‹solche Elemente› in jeder Freundschaft.»

Mit «solchen Elementen» waren offensichtlich

Homosexuelle gemeint. Konkreter wird

Colombo Farinoli in seinem unter Pseudonym

veröffentlichten Roman «Jugend am

Abgrund» (1937): «Der Zögling Brand zeigt

kein Interesse an den Gesprächen. Er ist eigentlich

einer der Unglücklichsten mit seiner

widernatürlichen Veranlagung, die ihm

hier ausgetrieben werden soll. Man nennt

ihn das ‹Schweine-B›, aber er ist nicht der

einzige ‹Homo›. Fast jeden Tag wird er geprügelt,

weil er mit einem Kameraden er-

CRUISER MÄRZ 2017

tappt wird. Aber scheinbar liebt er Prügel

auf den Hintern. Nur merken die ‹gebildeten›

Aufseher nichts.»

Fast jeden Tag wird er

geprügelt, weil er mit einem

Kameraden ertappt wird.

Die Akten und insbesondere die Personendossiers,

die sich noch immer im heutigen

Jugendheim befinden, sprechen eine differenziertere

Sprache. Bis in die 1930er Jahre

hinein finden sich darin nur wenige Hinweise

auf das Sexualverhalten der internierten

Jugendlichen. Das Vorgefallene muss in den

frühen Beispielfällen richtiggehend zwischen

den Zeilen gesucht werden. Dann

aber, und zwar bis in die 1960er Jahre hinein,

wurde der Topos jugendlicher Sexualität zu

einem intensiv diskutierten Problemfeld,

um das sich Anstaltsleitung, Psychiatrie und

Fürsorgebehörden scharten. Gründe dafür

finden sich auf unterschiedlichen Ebenen.

Zum einen fand 1932 ein Direktorenwechsel

statt: Der mit 28 Jahren recht junge Direktor

Ernst Steiner problematisierte die jugendliche

Sexualität auf eine andere Weise als sein

Vorgänger Adolf Scheurmann, der zu dem

Zeitpunkt die 70 bereits überschritten hatte.

Zudem wurde in der Zwischenkriegszeit von

Seiten der Fürsorgebehörden und der Versorgungsinstitutionen

der Ruf nach einem

Expertentum in Fragen der Behandlung


Thema

Schwul in der Erziehungsanstalt

19

Nicht alle involvierten

Jugendlichen wurden in

der Folge psychiatrisch

begutachtet.

Gerne wurde in den Heimen auch gespielt; ein guter Vorwand für Rangeleien aller Art. Und für

Körperkontakt, notabene.

schwieriger Klienten immer lauter. Seit den

späten 1930er Jahren zog die Anstaltsleitung

immer öfter einen Psychiater als beratende

Instanz hinzu, wenn es darum ging, einen

Jugendlichen, mit dem sie nicht zu Rande

kam, zu beurteilen. Sehr oft war die sexuelle

Entwicklung und generell das Sexualverhalten

des «Exploranden» ein wichtiger zu klärender

Punkt in diesen psychiatrischen Expertisen.

Auch wurden Jugendliche oftmals

psychiatrisch begutachtet, wenn die Anstaltsleitung

von sexuellen Interaktionen

mit anderen Zöglingen erfuhr.

Verkehr mit 28 Kameraden

Drei umfassende interne Untersuchungen,

die in Aarburg in den Jahren 1939, 1949 sowie

1958 geführt wurden, protokollieren die

Art, die Häufigkeit und das Ausmass der sexuellen

Aktivitäten der Anstaltszöglinge jener

Jahrzehnte. Losgetreten wurden die Affären

stets durch einen Denunzianten, der

Mitzöglinge anschwärzte. Im Laufe der Einvernahmen

wurde jeweils rund ein Drittel

der jugendlichen Belegschaft in die Affären

involviert, was darauf schliessen lässt, dass

ein nicht geringer Anteil der Anstaltszöglinge

in homosexuellen Interaktionen einen

durchaus adäquaten Ersatz zur Triebabfuhr

sah. Nicht alle involvierten Jugendlichen

wurden in der Folge psychiatrisch begutachtet.

Dies fand am ehesten bei solchen statt,

die sich im Laufe der Untersuchung als besonders

promiskuitiv erwiesen hatten, kurz

vor der Entlassung standen oder sich sonst

in ihrem Gebaren «verdächtig» gemacht hatten.

So wurde etwa Bruno K., dem im Zuge

der Affäre von 1958 sexueller Verkehr mit 28

Kameraden nachgewiesen worden war, in

der Expertise als «konstitutionell geschädigt»

bezeichnet, der durch «sein unmännliches,

geradezu weibisches Wesen» auffalle.

Diese kurzen Beispiele illustrieren, in welche

Richtung die Abklärungen von Anstaltsleitung

und psychiatrischen Experten im Zusammenhang

mit homosexuellen Umtrieben

zielten. Man wollte in erster Linie

feststellen, ob es sich bei dem betreffenden

Jugendlichen um einen «echten», einen konstitutionellen

Homosexuellen handelte, oder

ob die «Verfehlungen» eine simple Ersatzhandlung

waren.

Kevin Heiniger

ist Historiker und als wissenschaftlicher

Mitarbeiter der Unabhängigen Expertenkommission

Administrative Versorgungen

tätig. Seine Dissertation «Krisen, Kritik

und Sexualnot. Die ‹Nacherziehung›

männlicher Jugendlicher in der Anstalt

Aarburg (1893–1981)» ist im Chronos-

Verlag erschienen.

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CRUISER MÄRZ 2017


20

Reportage

Schubliothek Zürich

Ein fast vergessener Ort

Die Schwubliothek

Mit über 4000 Titeln ist sie die grösste Bibliothek zum Thema Homosexualität

in der Schweiz. Nicht viele finden den Weg hierher, um die Gesellschaft von

Thomas und Klaus Mann, Bodo Kirchhoff, Alexander Ziegler, James Baldwin

oder Hugo Loetscher zu suchen.

Von Yvonne Beck

D

ie Schwubliothek liegt am Sihlquai

67, im dritten Stock eines Wohnhauses

in Zürich. Hier traf der Cruiser

die beiden ehrenamtlichen Bibliothekare

Walter Bucher und Christoph Landolt und

sprach mit ihnen über schwule Literatur, die

Zukunft der Einrichtung und die zerstörerischen

Faktoren des Internets.

Was muss ein Buch erfüllen, um seine

Heimat in der Schwubliothek zu finden?

Walter Bucher: Im Prinzip muss nur irgendetwas

Schwules darin vorkommen oder der

Autor ist homosexuell. Manchmal sind es

jedoch auch nur ganz kleine homosexuelle

Nuancen, die ein Buch für uns interessant

machen. Wir haben sehr viele Bücher von

schwulen Schweizer Autoren, auch wenn

Homosexualität in ihren Büchern gar nicht

thematisiert wird. Zum Beispiel von Hugo

Loetscher, der sich ja in vielen seiner Bücher

einer ganz anderen Thematik zuwendet. Unser

Budget ist sehr klein, daher lege ich

grossen Wert darauf, dass bei den belletristischen

Neuanschaffungen ein gewisses Niveau

vorhanden ist. Es gibt jedoch sicherlich

einige Bücher in der Schwubliothek, die ich

persönlich eher in die Schmuddelecke verdammen

würde, aber hierbei handelt es sich

meist um Schenkungen. Aber ohne Schenkungen

könnten wir nicht existieren.

Könnt Ihr mir ein bisschen über die Geschichte

der Schwubliothek erzählen?

Christoph Landolt: Gegründet wurde die

Schwubliothek am 2. Januar 1985. Das ist ei-

CRUISER MÄRZ 2017

gentlich recht spät, wenn man bedenkt, dass

es das HAZ bereits in den 70er Jahren gab.

Der Buch-Grundstock stammt aus den Beständen

der SOH («Schweizerischen Organisation

Homophiler»), die wiederum über

Bücher des legendären Schwulenzirkel «Der

Kreis» verfügte. So gibt es in der Schwubliothek

einige Bücher, die einen Stempel vom

Kreis, vom SOH und von der HAZ haben.

Das macht sie zu wichtigen «Zeitzeugen» der

Zürcher Schwulengeschichte. Inzwischen

haben wir zirka 4000 Bücher und 500 DVDs

zum Ausleihen.

Wie finanziert Ihr Euch?

Walter Bucher: Wir arbeiten fast alle ehrenamtlich.

Es gibt ein Budget von CHF 2000.–

pro Jahr. Davon werden 1000.– für Bücher

und 1000.– für DVDs verwendet.

Wer darf die Schwubliothek besuchen?

Christoph Landolt: Jeder darf zu uns kommen.

Ausleihen darf man ab 16 Jahren.

Wie wird Euer Angebot angenommen?

Walter Bucher: Wir haben zirka 500 Besucher

im Jahr. Vor zehn Jahren waren es noch über

1000. DVDs werden etwas besser angenommen

als die Bücher. Wir haben ein paar

Stammbesucher, die Bücher ausleihen, aber

das sind inzwischen wirklich wenig geworden.

Wer besucht die Schwubliothek?

Christoph Landolt: Wir haben sehr viele

langjährige Besucher. Die meisten sind eher

älter. Bei den Jüngeren herrscht leider ein absolutes

Desinteresse, sowohl bei den Büchern

als auch den Filmen. Die Zeiten haben

sich einfach geändert. Als ich mein Coming-out

hatte, waren schwule Literatur

und Filme extrem wichtig. Heute zeigen

auch die Coming-out-Gruppen nur wenig

Interesse daran.

Walter Bucher: Ich denke, dies ist ein allgemeiner

Trend. Auch in der Pestalozzi Bibliothek

sind die Ausleihzahlen für Bücher seit

Jahren rückläufig. DVDs und CDs laufen

zwar noch recht gut, aber auch hier nehmen

die Zahlen ab. Vieles lässt sich inzwischen

ganz einfach im Internet herunterladen. Ab

und zu haben wir jedoch Besucher, die zu

Recherchezwecken kommen, denn viele der

alten und unbekannteren Werke sind im

Netz nicht zu finden.

Was ist die grösste Trouvaille der

Schwubliothek?

Christoph Landolt: Zum einen haben wir

die alten Bände vom «Kreis», die seit kurzem

jedoch auch in digitalisierter Form vorliegen.

Sprich, im Internet frei für jeden zugänglich

sind. Aber viele andere Bücher aus

der «Kreis»-Zeit sind inzwischen vergriffen.

Bei uns sind sie noch zu finden. Gerade im

Bereich der Belletristik. Wir haben bisher

noch nie etwas weggeschmissen, deshalb

sind wirklich einige kleine Schätze zu finden.

Zum Beispiel Joseph Mühlberger «Die

Knaben und der Fluss», dieses Buch werden

heute nicht mehr viele lesen. Der dokumentarische

Wert mit den Stempeln vom Kreis

und der SOH ist jedoch nicht zu unterschät-


Reportage

Schubliothek Zürich

21

zen. Wir haben sogar einige Bücher mit der

Originalunterschrift des Autors.

Wie sucht Ihr aus, welche Bücher bzw. Filme

in die Bibliothek kommen?

Walter Bucher: Ich lese viele Rezensionen,

lasse mir Kataloge von den einschlägigen

Buchverlagen schicken, besuche oft Buchhandlungen

und recherchiere sehr viel im

Internet.

Eure drei «Must»-Bücher, die jeder Schwule

gelesen haben sollte?

Christoph Landolt: Mir gefallen eher ältere

Bücher wie von Edward Morgan Forster

oder James Baldwin. Diese Literatur gefällt

mir einfach besser, weil man merkt, dass es

damals viel mehr Engagement gebraucht

hat, um solche Themen aufzugreifen. Heute

ist einfach alles so selbstverständlich und

dadurch sehr oberflächlich.

Walter Bucher: Sicher mal einen Klassiker

wie «Der Tod in Venedig», aber ich mag auch

Klaus Manns «Der Wendepunkt» und als

neues Buch würde ich «Liebestod auf Long

Island» von Gilbert Adair empfehlen – obwohl

es vom Inhalt recht ähnlich ist wie der

Tod in Venedig.

Was wird am meisten ausgeliehen?

Walter Bucher: Die Krimis von Sunil Mann

kommen gut an und die Bücher des in Basel

lebenden Autors Alain Claude Sulzer werden

auch sehr gerne gelesen. Christoph Geiser

hingegen wird kaum mehr ausgeliehen.

Christoph Landolt: Bei Büchern sind es ➔

CRUISER MÄRZ 2017


22

Reportage

Schubliothek Zürich

Globi, Herbert List, Thomas Mann und James Baldwin geben sich ein Stelldichein in der Schwubliothek.

eher die neueren Sachen. Alles, was wir ein

bisschen mehr präsentieren. Vermehrt werden

Bücher aus dem ersten Raum ausgeliehen.

Früher waren Comics sehr gefragt.

Heute, seitdem wir sie im hinteren Raum

ausstellen, fragt kaum mehr einer danach.

Wobei Ralph König immer noch sehr beliebt

ist. Und auch bei den Filmen sind die Neuanschaffungen

am beliebtesten.

Habt Ihr auch lesbische Bücher im Sortiment?

Christoph Landolt: Eine Handvoll kann

man sicher finden. Wie genau die hier hingekommen

sind, weiss keiner. Bei den Filmen

gibt es ein paar DVDs, die mit F gekennzeichnet

sind. Aber der gesamte lesbische

Bestand wurde der Bibliothek «Schema f»

übergeben. Zurzeit ist dieser jedoch eingelagert.

Falls das Regenbogenhaus jemals zustande

kommt, würde es eine grosse gemeinsame

Bibliothek geben mit einer lesbischen

und einer schwulen Abteilung.

Wozu braucht es heute noch eine

Schwubliothek?

Christoph Landolt: Vielleicht ist die

Schwubliothek ein überholtes Relikt aus der

Zeit, als man sich noch nicht getraut hat, in

der ZB Bücher mit homosexuellen Inhalt

auszuleihen und eine Pestalozzi-Bibliothek

solche Bücher erst gar nicht geführt hat.

Heute hat ja sogar Orell-Füssli eine schwule

Ecke und im Internet bekommt man eh fast

alles, was man will. Klar stellt sich da die

Frage, braucht man noch einen Ort wie die

Schwubliothek. Aber es gibt sonst keinen

Ort, an dem man so konzentriert Bücher

CRUISER MÄRZ 2017

zum Thema Schwulsein finden kann. In der

ZB muss ich wissen, was ich suche, hier kann

ich durch die Regale stöbern, bis ich das

richtige gefunden habe. Ich denke, es wird

immer Menschen geben, die daran Freude

haben.

Was würdet Ihr Euch für die Schwubliothek

wünschen?

Christoph Landolt: Mehr Besucher! Unsere

finanziellen Mittel sind leider sehr begrenzt.

Früher hatten wir viel mehr Lesungen oder

andere Events, die Aufmerksamkeit erregten.

Die meisten Autoren wollen jedoch ein

grösseres Publikum erreichen und würden

uns daher von vornherein eine Absage geben.

In den letzten fünf Jahren hat es nur

zweimal eine Lesung gegeben. Vielleicht

fehlt uns auch einfach eine Eventgruppe, die

Lesekreise, -diskussionen etc. ins Leben ruft.

Walter Bucher: Vielleicht müsste man auf

Facebook, Twitter und den ganzen sozialen

Medien etwas aktiver werden. Oder Kurzbesprechungen

von Büchern auf der Seite der

HAZ veröffentlichen. Uns fehlt jemand, der

aktiver nach aussen geht.

Also, was konkret muss man ändern?

Christoph Landolt: Die Öffnungszeiten

sind nicht unbedingt ideal. Freitag- und

Mittwochabend. Der Mittwoch ist noch ein

bisschen besser. Viele wissen gar nicht, dass

es uns gibt. Und vielleicht ist der Ort auch

nicht der beste. Das Haus sieht aus wie ein

Wohnhaus, man muss klingeln, um hereinzukommen,

die Bibliothek liegt im dritten

Stock. Ich denke, dies birgt eine gewisse

Schwellenangst. Zufällig kommt sicher niemand

hier vorbei. Wir hoffen, dass das Regenbogenhaus

irgendwann einmal zustande

kommt und sich die Situation dann zum Guten

ändert.

Walter Bucher: Man sagt ja, dass das Internet

vieles zerstört hat. Das gesamte Nachtleben

Zürichs hat sich geändert. Chatten und

Grinder reichen aus. Man(n) braucht nicht

mal mehr ausgehen. Ich denke jedoch, man

unterschätzt wahrscheinlich, wie viele

Schwule allein zuhause sitzen, weil es immer

weniger Orte wie diesen gibt.

Könnt Ihr mir den Satz beenden: «Die

Schwubliothek ist ein Ort …?»

Christoph Landolt: … ein Ort der Inspiration.

Wo sonst hat man noch so eine Präsenzbibliothek

zum Thema Homosexualität. Ich

fühle mich an Orten mit Büchern einfach

wohl.

Walter Bucher: Schön wäre ein Ort der Begegnung.

Eine Ansammlung schwuler Geschichten

und schwulen Wissens. Oder wie

Jorge Luis es sagt: «Das Paradies habe ich

mir immer als eine Art Bibliothek vorgestellt.»

Also müsste die Schwubliothek das

Paradies auf Erden für den schwulen Zürcher

Mann sein. (lacht)

Schwubliothek

Sihlquai 67

8005 Zürich

www.haz.ch/Schwubliothek

Öffnungszeiten

Mittwoch & Freitag 20.00 – 21.30 Uhr


KOLUMNE

Mirko!

23

was man mit Heteros alles

so tun kann

Die Sonne wird wärmer, die Jungs zeigen Muckis

und die aufkommenden Gefühle verwirren Mirko.

VON Mirko

I

st doch geil, wenn d’Jungs wieder ihri

Oberarme zeige chönnd, jetzt da die

Sonne wieder wärmer scheint. Ich

find’s super. Ok, alles ist plötzli oversexed

und mr fühlt sich denn schnell mal underfucked.

Ich habe das ja ziemlich im Griff. I

hol mir, was ich bruuch. Kei Problem. Genug

Fleisch hat’s ja auf dem Markt. Wenn

ich von der Arbeit heifahre und abchecke,

was im Zug im Angebot ist und dann Grindr

durchsuch und der eine da hinten bei der

Tür, der so cool mit einer Hand die Sporttasche

des FC Dietikon über die Schulter

geschlagen festhält, während er mit dem

Daumen der anderen Hand über die

Screens des Phones wischt und breit mit

seinen Beinen in den engen Trainingshosen

dasteht, mir aus der App entgegenlacht,

Mann, dann ist’s aus mit meiner Coolness,

chasch glaube. Und denn mach i das, wo

alli sich ufrege drüber, aber ich mach das

wirkli: Denn schriib i, was mir z Sinn

chunnt und das isch nöd viel, wil s Bluet

isch grad nöd im Hirni. LOL. Ich schriib

denn: FICKE? (Grossbuchstaben, weil genau

so will ich es in dem Moment.) Yeap.

Und chasch gloube, de Typ döt isch noch

em Training vom FC Dietike no uf en Abstecher

mit mir id Sauna cho. Was mir

gmacht hend, war genau so, wie ich’s auf

Grindr gfröget han. Kurz und heftig und in

Grossbuechstabe. Ich find Fussball toll. Die

Jungs haben supergeile Ärsche.

In dem Fall hat’s gepasst. Aber er musste

dann zu seiner Freundin. Das war Scheisse.

Weisch wie het’s mi gnärvt? Ich war

nämlich schon very much in loooove, aber

keine Chance und im Zug war er auch nie

mehr. Ich ging sogar unauffällig am Samstag

zu einem Match des FC Dietikon, e chli frischi

Luft schnappe, habe ich mir gesagt, aber

alles nur Ausrede, es ging schnurstracks

Ich war nämlich schon very

much in loooove.

zum Fussballplatz. Ach, falsches Timing.

War die andere Mannschaft, die spielte.

Glück gehabt! Ich wäre ja so was von uncool

dagestanden. Ganz so eifach isch es halt

doch nöd. Ich bin schon noch ein paar Mal

wach geworden, hab an ihn gedacht und

musste mir selber helfen, wenn du verstehst,

was ich meine. Zum Fussballplatz ging ich

übrigens auch mehr als nur einmal.

Wenn ich so meine Kumpels höre, mit

ihren Chicks, da bin ich ganz froh, dass ich

meistens mit Bros rummache. Ich schwör’s!

Jeder holt sich seinen Spass und pronto.

Aber wie gseit: Ganz so einfach ist es nöd

immer. Ja, ich habe den Typen noch gesucht

und ja, ich war sogar eifersüchtig, fuck, da

hatten wir Hammersex und sonst war auch

alles richtig und es hat gefunkt – und dann

musste er weg. Wahrscheinlich findet sein

Chick siin Arsch gar nicht so scharf wie ich.

Mist, echt. Ich darf gar nicht daran denken.

Das mit de Heteros ist halt auch nicht mehr

so klar. Ich kenn’s von meinen Kumpels.

Wenn ich mit denen mal rumhänge so zum

Gamen und so, ein Bier dabei, dann erzählen

sie, so vo «Schatz, ich gang no schnell

d’Bohrmaschine bim Nachbar goge hole»

und so. Ich glaub’s nöd … d’Bohrmaschine,

usgrächnet. Ich verreck! Die Freundin

schnappt nichts, obwohl sie doch weiss,

dass ihr Typ selber eine Bohrmaschine hat

und es gar nichts zu bohren gibt, ömel nöd

mit de Maschine …

Was mir durch den Kopf geht: Sex bekomme

ich einfach. Jeder hat seinen Spass

und pronto, wie gseit. Aber dann passiert so

was wie mit dem Stürmer vom FC Dietike

und dann bin ich plötzli nicht mehr so cool.

Und plötzli wird i iifersüchtig, sogar wenn’s

aussichtslos ist, und die andern, mit denen

ich Spass habe, sind plötzli nümm interessant.

Puhh, dä Früehlig goht jo voll ab!

CRUISER MÄRZ 2017


24

Fingerfertig

Cruiser kocht

Ein Prise

Sommergefühl

Sie kommen näher, die warmen und langen Tage. Und solange sie noch auf sich

warten lassen, beschäftige ich mich wenigstens in der Küche mit dem Sommer.

CRUISER MÄRZ 2017

VON Nihat

D

er Winter ist nicht meine Jahreszeit.

Mindestens nicht, wenn eine Nebeldecke

über dem Flachland liegt, und

man nur anhand der Uhrzeit erahnt, dass

eigentlich Tag ist. Da das Auswandern in

südlichere, nebelfreie Gefilde wenig realistisch

ist, begnüge ich mich mit einer Vorstellung

von Sonne, Strand, Palmen und türkisfarbenem

Meer. Natürlich kommen mir

bei diesem Bild auch jede Menge Kindheitserinnerungen

auf. Entsprechend passen zu

diesem Bild eine Schale Hummus und frisches

Fladenbrot. Geschmeidig, cremig,

nach Sommer und Sonne schmeckend. Spätestens

der Lärm beim Pürieren reisst mich

aus den schönen Träumen zurück in die neblige

Flachlandrealität. Zum Glück kann ich

mich mit dem Hummus trösten …


Fingerfertig

Cruiser kocht

25

Zutaten

1 Dose Kichererbsen

1 Zitrone, gepresst

1 Knoblauchzehe, gepresst

1 Avocado

1 EL Tahina

½ TL Kreuzkümmel, gemahlen

Granatapfelkerne

Olivenöl, Salz

Zubereitung

Kichererbsen abtropfen und abspülen.

Zitronensaft und Tahina gut vermischen.

Kreuzkümmel, Kichererbsen, Avocado

hinzugeben und mit einem leistungsstarken

Küchengerät pürieren, bis die Paste eine

weiche, cremige Konsistenz erhält. (Falls

erwünscht, kann man auch wenig Rahmquark

hinzufügen.)

Olivenöl erhitzen und gepressten Knoblauch

kurz anbraten. Anschliessend zur Masse

geben und vermengen.

Mit Salz abschmecken und am Tisch

mit frischem Fladenbrot geniessen.

Beim Servieren mit Granatapfelkernen

und einzelnen Kichererbsen verziehen

und mit Olivenöl beträufeln.

Info

Nihat organisiert seit gut vier Jahren Kochkurse

für einen guten Zweck, u.a. für Schulkinder

in der Türkei. Und er ist als Störkoch oder als

Caterer an privaten und geschäftlichen

Anlässen unterwegs. «Daneben» drückt er als

angehender Gymnasiallehrer seit Kurzem

wieder die Schulbank.

Die nächsten Kochkurse

– Sonntag, 19. März Co-Kochkurs

österreichisch-türkisch

– Sonntag, 7. Mai Co-Kochkurs

peruanisch-türkisch

CRUISER MÄRZ 2017


26

Serie

Homosexualität in Geschichte und Literatur

Frühlingshafte Regungen

im Unterleib

Zwei Schüler sind gut getarnt im Rebberg. Sie selber verstecken nichts voreinander.

Sie naschen Trauben, aber nicht nur. Bald einmal sind sie erschöpft,

aber nicht nur wegen des Traubenpflückens.

Homosexualität in Geschichte

und Literatur

Mehr oder weniger versteckt findet sich das

Thema Männerliebe in der Weltgeschichte, der

Politik, in antiken Sagen und traditionellen

Märchen – aber auch in Wissenschaft, Technik,

Computerwelt. Cruiser greift einzelne Beispiele

heraus, würzt sie mit etwas Fantasie,

stellt sie in zeitgenössische Zusammenhänge

und wünscht bei der Lektüre viel Spass – und

hie und da auch neue oder zumindest aufgefrischte

Erkenntnisse. In dieser Folge: ein Theaterstück

gegen verklemmte Sexualmoral und

Widdertypen.

CRUISER MÄRZ 2017


Serie

Homosexualität in Geschichte und Literatur

27

VON ALAIN SOREL

D

er dritte Monat des Jahres 2017 ist angebrochen

und der Machtwechsel steht

unmittelbar bevor. Offiziell zumindest,

auf dem Kalender, übernimmt der Frühling

am 20. März vom Winter das Zepter.

Hänschen Rilow und Ernst Röbel sind

Jugendliche in einer deutschen Stadt. Zeitpunkt:

Ende des 19. Jahrhunderts. Sie befinden

sich nach einer Weinlese in einer romantischen

Stimmung und kehren nicht mit

den andern nach Hause zurück. Stattdessen

bleiben sie in den Rebbergen noch eine Weile

nebeneinander im Grase liegen.

Das Drama «Frühlings Erwachen» des

deutschen Schriftstellers und Schauspielers

Frank Wedekind schildert die Szene. «Man

sieht sie hängen und kann nicht mehr …»,

flüstert Röbel – und meint garantiert nicht

nur die Trauben. Weltschmerz packt beide,

sie wissen nicht, was kommen wird, aber

dann ergreift Hänschen die Initiative: «Lass

uns nicht traurig sein! – (Er küsst ihn auf

den Mund.)» Ernst erwidert den Kuss: «Ich

liebe dich, Hänschen, wie ich nie eine Seele

geliebt habe …» Und Hänschen mag nicht an

die Zukunft denken; es zählt der Augenblick

und den wollen beide nun auskosten.

Wider die Sexualmoral: Selbstbefriedigung

von Schülern thematisiert

In der Zeit des grossen Frühlingsfestes hat

Wedekind das Stück vollendet, an Ostern

1891. «Frühlings Erwachen» spielt unter

Gymnasiasten und Schülerinnen in

Deutschland. Es geht um den Abschied von

der Kindheit, die Burschen und Mädchen

entdecken ihre Sexualität. Welch ein Mut, in

einer Epoche einer total verklemmten Sexualmoral

im erstarrten Deutschland von Kaiser

Wilhelm II. ein solches Stück zu veröffentlichen

und dabei Schwangerschaften, die

Selbstbefriedigung unter Jungen (im Kreis

aufstellen und nach einer Münze in der

Mitte «schiessen») und sogar homosexuelle

Erfahrungen zum Thema zu machen. Unschwer

zu erraten, dass das Drama autobiografische

Züge aufweist. Wedekind lebte

vom 24. Juli 1864 bis 9. März 1918. Das

Schauspiel stiess auf so grossen gesellschaftlichen

Widerstand, dass der Verfasser 15

Jahre auf die Uraufführung warten musste;

sie erfolgte in Berlin im Jahre 1906. Das Drama

setzte ein Zeichen, aber die sexuelle Revolution

liess noch lange auf sich warten.

Klage gegen Zürcher Deutschlehrer

abgeblitzt

Die inhaltliche Sprengkraft des Stücks ist

auch im 21. Jahrhundert ungebrochen.

Welch ein Kompliment für Wedekind. Vor

ein paar Jahren wurde ein Deutschlehrer der

Zürcher Kantonsschule Rämibühl von der

Mutter einer Schülerin wegen Weitergabe

pornografischen Materials an Minderjährige

angezeigt, weil er unter anderem «Frühlings

Erwachen» im Unterricht behandelt

hatte. Der Lehrer wurde diesbezüglich freigesprochen;

die selbsternannte Tugendwächterin

blitzte ab.

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CRUISER MÄRZ 2017


28

News

National & International

NEWS

Umfrage zur Akzeptanz von Homosexuellen in der Gesellschaft

Ob Olympische Spiele seinerzeit in Sotchi,

Hitzlsperger-Outing, der kommende Songcontest

in Kiew oder aktuell grad Trump:

Homosexualität scheint derzeit nach wie vor

(leider) ein Thema zu sein. Dabei findet eine

große Mehrheit in Mitteleuropa, dass die

Gesellschaft Homosexualität einfach akzeptieren

sollte. Das geht zumindest aus einer

Studie des amerikanischen Pew Research

Centers hervor.

Demnach ist die Akzeptanz von

Schwulen und Lesben in Westeuropa überwiegend

gross. Richtung Osten ändert sich

das. So halten 46 Prozent der Polen Homosexualität

für unakzeptabel, in Russland fällt

die Ablehnung mit 74 Prozent noch wesentlich

deutlicher aus. In Süd- und Nordamerika

ist Homosexualität für die Mehrheit, kein

Problem wie die Beispiele Brasilien und USA

zeigen. Dagegen können Homosexuelle in

islamischen Ländern, wie der Türkei, kaum

mit Akzeptanz rechnen. Leider wurde die

Schweiz in dieser Studie nicht erfasst. Das

Statistikportal Statista hat die Ergebnisse in

untenstehender Grafik zusammengefasst:

Riesenchaos beim ESC und die bange Frage, ob dieser überhaupt stattfinden wird

Etwas mehr als zwei Monate noch bist zum

ESC-Finale in Kiew. So es denn stattfinden

wird. Hinter den Kulissen rumort es allem

Anschein nach gewaltig. Und spätestens der

Ticket-Verkauf offenbart auch jedem Fan das

totale Organisationsdesaster in der Ukraine.

Dies schreibt das onlineportal n-tv.de. Die

Tickets konnten zu Beginn nur auf einer

Webseite bestellt werden, die ausschliesslich

in russisch gehalten war. Versuchte man die

Tickets telefonisch zu ordern, hörte man die

telefonische Ansage man sei auf der Warteliste

(der Reporter von n-tv war auf Warteposition

4800) und man solle sich gedulden.

Aber auch wem es tatsächlich gelang,

ein Ticket zu ergattern, wurde nicht unbedingt

glücklich. In ESC-Foren beklagen diverse

Nutzer, dass ihnen kurz nach dem

Kauf eine Stornierungsnachricht zugegangen

sei, da angeblich die Zahlung nicht abgewickelt

werden konnte. Wie gewonnen, so

zerronnen stellt n-tv in einem abschliessenden

Beitrag ernüchtert fest.

Schlimm hat die verantwortlichen des

EBU (European Broadcasting Union, welche

den Contest jeweils durchführt und für

den Wettbewerb verantwortlich ist) die

CRUISER MÄRZ 2017

Nachricht getroffen, dass zentrale Mitglieder

des Produktionsteams für die Show in

Kiew das Handtuch geworfen und ihren

Rücktritt verkündet haben. Sie sähen sich

unter den gegebenen Bedingungen ausser

Stande, ihre Arbeit fortzuführen, lautete

die Begründung. Sie seien blockiert und in

ihren Freiheiten beschnitten worden. Der

Kommentar der EBU dazu klang fast schon

flehentlich. Man habe in der Ukraine auf

die Einhaltung bereits vereinbarter Beschlüsse

und des Zeitplans gedrungen –

mal wieder. Was auch immer am 13. Mai

aus Kiew über die Bildschirme flimmern

wird – es wurde nicht nur mit Blut, Schweiss

und Tränen, sondern auch mit jeder Menge

Ärger, Intransparenz und Dilettantismus

erarbeitet.


IKONEN

VON DAMALS

29

Ikonen von

damals

In unserer losen Serie

stellen wir Ikonen aus

vergangenen Dekaden

vor, berichten über gefallene

Helden und hoffnungsvolle

Skandalsternchen

aus längst

vergangenen (Gay-)

Tagen. Tony Danza

fanden fast alle mal toll.

VON Haymo Empl

N

un, und weil wir in dieser Ausgabe

einen so schönen Bericht über die Rascals

haben (Seite 13), passt der weder

«gefallene» (wird an dieser Stelle ja gerne genommen)

noch so richtig «vergangene» Sitcomstar

bestens hierher. Wobei, also ein

bisschen «vergangen» sieht er ja – mittlerweile

ist der Schauspieler 65 - schon aus.

In den USA war Antonio Salvatore

Iadanza – so heisst der Akteur bürgerlich –

schon in den späten 1970er Jahre ein Sitcom-Star:

«Taxi» hiess die Comedy Show

und das war auch grad der Inhalt. Richtig

spannend wurde es dann erst später mit

«Wer ist hier der Boss». Spannend, weil es

eine der ersten Sitcoms war, welche mit bestehenden

Klischees bewusst brach und ➔

CRUISER MÄRZ 2017


30 IKONEN

VON DAMALS

Tony Danza mit seiner Sitcom-Familie, ca. 1985. Man beachte die hübsche Garderobe. Eines der letzten aktuellen Bilder von Tony Danza aus

dem Jahr 2014. Cruiser kauft eigentlich ungerne solche unvorteilhaften Fotos bei der Bildagentur. Aber man hatte dort nur dieses. Immerhin

wusste man noch, wer «Tony Danza» ist.

die klassische Rollenverteilung in Frage

stellte. Wikipedia fasst die Handlung wie

folgt zusammen: «Um seinem Kind ein

besseres Leben bieten zu können, entscheidet

sich der frühere Baseball-Spieler Tony

Micelli dazu, mit seiner jungen Tochter

Samantha aus dem New Yorker Stadtteil

Brooklyn in ein kleines Städtchen nahe

Fairfield County/Connecticut zu ziehen.

Seinen ersten Job findet er als Haushälter

bei Angela Bower, Chefin einer Werbeagentur

und alleinerziehende Mutter ihres

Sohnes Jonathan.»

Wow: Wir haben also eine alleinerziehende,

erfolgreiche Mutter und einen

Machomann als Haushälter. Das war neu!

Das war aufregend! Ja, das war geradezu unverschämt!

Natürlich wurde alles hübsch

fürs US-Fernsehen entsexualisiert... aber

dennoch: Das Gesamtkonzept war für 1984

sehr gewagt. Da kannte noch kein Mensch

die feministischen Theorien einer Judith

Butler. Und auch niemand hätte von

«LGBT*» oder so gesprochen. Item: Wer sich

weniger für den sozialgeschichtlichen Aspekt

der Serie interessierte und vielleicht gar

eine angehende Schwulette war, der fand

Tony Danza als Tony irgendwie einfach faszinierend.

So männlich, so attraktiv und

doch so warmherzig. Hach!

CRUISER MÄRZ 2017

Aufstieg und Fall

Sitcoms verhandeln Stereotype – die Kunstfiguren

dürfen sich im Genre nur innerhalb

sehr enger Grenzen bewegen, so dass wenig

Raum zur Weiterentwicklung der dargestellten

Persönlichkeiten besteht. Es dauerte

dann auch 173 Folgen, bis sich irgendetwas

tat zwischen den Figuren «Tony» und

«Angela Bower». Dass sich etwas tat, war

wohl sehr zum Leidwesen der Gays. Denn

Dass sich etwas tat, war

wohl sehr zum Leidwesen

der Gays.

Theorien von Männlichkeit sowie theoretische

Erkenntnisse über Wechselwirkungen

medial vermittelter und sozial konstruierter

Männlichkeitsbilder waren den Schwulen

damals genauso egal, wie es auch heute

(in vielen Fällen) noch ist. 20 Millionen

Menschen in den USA guckten jeweils «Wer

ist hier der Boss». In besagter 173. Folge

dann das Geständnis der gegenseitigen

Liebe und damit war auch jegliche Spannung

(ja,ja, liebes ABC America, die war

durchaus auch sexueller Natur, diese Spannung)

zwischen den Protagonisten verfolgen.

Ergo kam das Aus nach Folge 196.

Leider irgendwie auch das Aus für

Tony Danza. Denn es jagte danach ein

schlechter Comebackversuch den nächsten.

«Hudson Street» beispielsweise war die Geschichte

von einem pensionierten Detektiv

namens «Tony» (nun ja) und einer Zeitungsreporterin.

Auch nun ja. Das fand das

Publikum auch – und schaltete erst gar

nicht ein. Nach einer Staffel war Schluss.

Dann kam «The Tony Danza Show». Das

mit der eigenen Show hat ausser bei «Ellen»

eigentlich auch noch nie wirklich bei einem

Sitcomstar funktioniert, auch hier war nach

zwei Staffeln Schluss. 2008 folgte dann ein

Kochbuch: «Don›t Fill Up on the Antipasto:

Tony Danza›s Father-Son Cookbook». Das

kann so schlecht nicht gewesen sein, denn

es wurde – guckt man auf der US Amazon-Seite

nach – noch eine Neuauflage im

Jahr 2010 gedruckt. Und sonst? Grillengezirpe.

Gähnende Leere. Ein Uhu alleine im

Wald. Heisst: Danza hat derzeit nicht viele

Projekte am Laufen, man sieht ihn (meist

als sich selbst) als Gaststar in Sitcoms und

offenbar unterrichtet er manchmal als Aushilfslehrer

an Schauspielschulen.


Kultur

Konzerttipp

31

KULTUR

Christoph Braun – Improvisationen

Ob mit Orchesterbegleitung oder Solo-

Rezital – ein Konzertpianist hat bei seinen

Auftritten so gut wie nie Noten vor sich.

Mozart, Chopin, Rachmaninov oder was

immer er auch interpretiert, das Stück wird

in- und auswendig beherrscht. Das ermöglicht

dem Pianisten, sich voll und ganz auf

die Interpretation des Stücks zu konzentrieren.

Auch wenn Christoph Braun konzentriert

am Flügel sitzt, ist der Notenhalter

leer. Doch auswendig spielt er nicht. Muss

er auch nicht, denn was ihn vom Gros der

anderen Konzertpianisten unterscheidet:

Brauns Musik entsteht ad hoc – wenigstens

so gut wie. Der Zürcher spielt an seinen

Konzerten nämlich ausschliesslich Improvisationen.

Somit verfügt er über ein Talent,

das vergleichsweise selten ist. Zumindest

ist es bei wenigen Pianisten derart

ausgeprägt, dass sie damit souverän vor einem

Publikum auftreten und sogar wie er

Tonträger einspielen – bereits derer drei hat

er herausgebracht. «Das Klavierspiel nach

Noten fällt mir schwer», bringt es Christoph

Braun auf den Punkt. «Beim Improvisieren

habe ich die vollkommene Freiheit. Es erlaubt

mir, genauso zu spielen, wie mir in

dem Moment ums Herz ist. Ich kann mich

durch die immer aus dem Augenblick entstehende

Musik ausdrücken.»

Studiert hat der Zürcher jedoch nie,

das Konservatorium kam für ihn nicht in

Frage, auch wenn Improvisation mittlerweile

ein offizielles Studienfach ist. «Ich

wollte bei meiner Musikwahl am Klavier

einfach frei sein», begründet der Pianist

seine Entscheidung. Es sei auch nie sein Ziel

gewesen, Berufspianist zu werden. So hat

Christoph Braun, der heute mit seinem Lebenspartner

in Kilchberg wohnt, damals

eine Ausbildung zum Musikalienhändler

abgeschlossen.

Zum kommenden Konzert meint

Christoph Braun: «Ich versuche, Emotionen

zu erzeugen – bei mir und beim Publikum.

Ich möchte bei den Zuhörerinnen

und Zuhörern innere Bilder, Geschichten,

Filme auslösen. Damit beim Hören die Vorstellungskraft

nicht allzu sehr eingeschränkt

und kanalisiert wird, gebe ich den

Stücken nur sehr allgemein gehaltene oder

gar keine Titel.» Immerhin wissen wir, dass

es sich um Spätromantik handeln wird.

Dennoch dürfen wir auf das Konzert gespannt

sein, denn nicht immer verbindet

der einzelne Zuhörer das Gehörte mit dem,

was Christoph Braun für sich selbst

‹hört›.«Es ist immer wieder eine Freude zu

erfahren, was von den einzelnen Gästen zu

meiner Musik erlebt wird. Am meisten

freut es mich jeweils, wenn sich dies komplett

von meinen eigenen Vorstellungen unterscheidet.»

Wir dürfen also gespannt

sein! (Andreas Faessler / Haymo Empl).

Christoph Braun: Piano Solo Improvisationen

im spätromantisch-klassisch-virtuosen Stil am

30. März 2017, 19.30 Uhr

«Jecklin» Forum im Jecklin Haus beim

Kunsthaus, Rämistrasse 20, Zürich

Dauer ca. 1 Stunde

Eintritt frei – Kollekte

CRUISER MÄRZ 2017


32

RATGEBER

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CRUISER MÄRZ 2017

VON Vinicio Albani

Soll ich meinen Eltern sagen,

dass ich schwul bin?

Ich habe einen Mann kennengelernt

und es hat gefunkt zwischen

uns. Leider habe ich bisher nicht

den Mut gefunden, mich zu outen.

Soll ich meine Eltern einweihen?

Oder vielleicht besser jemand

anderen? Tim (21)

Hallo Tim

Das Coming-out ist für jeden unterschiedlich

und persönlich. Du musst für dich entscheiden,

ob und wann du wen in deinem

Umfeld informierst. Eine neue Liebe kann

ein Motivator dafür sein und dich dabei

unterstützen. Es ist möglich, dass deine Eltern

im ersten Moment negativ oder ablehnend

reagieren. Diese Reaktion solltest du

nicht überbewerten. Gib ihnen Zeit, sich an

die neue Situation zu gewöhnen, so wie

auch du deine Zeit gebraucht hast, dich so

zu akzeptieren, wie du bist. Wenn du bereit

bist, suche für das Gespräch einen ruhigen

Moment ohne Stress und Zeitdruck. Erkläre

ihnen, dass du immer noch der Gleiche

bist wie vorher und dass Schwulsein weder

unnatürlich noch moralisch verwerflich ist.

Es ist auch möglich, dass sie positiv reagieren

und dich von Anfang an unterstützen.

Vielleicht hilft es dir, erst nur mit einem Elternteil

zu reden. Wenn du vorher eine vertraute

Person einweihen möchtest, zum

Beispiel die beste Freundin oder den besten

Freund, könnte dich das in deinem Vorhaben

ebenfalls stärken. Sollten deine Eltern

damit nicht klarkommen, empfehle ich ihnen

die Organisation FELS (fels-eltern.ch).

Wenn du selber wegen deines Coming-outs

unsicher bist, wende dich an das Angebot

des Projekts DU BIST DU (du-bist-du.ch).

Alles Gute, Dr. Gay

Macht eine HPV-Impfung für

uns Sinn?

Mein Partner hat HPV. Wir leben

monogam und ich gehe davon

aus, dass ich das Virus auch

habe. Wie verbreitet ist HPV

eigentlich? Und was hat es für

Auswirkungen auf mich und

meinen Partner? Macht es Sinn,

dass wir uns noch impfen?

Antonio (35)

Hallo Antonio

Infektionen mit den leicht übertragbaren

Humanpapillomaviren (HPV) gehören weltweit

zu den häufigsten sexuell übertragbaren

Infektionen (STI). Es sind über 100 Subtypen

des Virus bekannt. Einige HPV-Typen

sind für die Entstehung von Feigwarzen

verantwortlich. Dies sind vor allem die Subtypen

6 und 11, aber auch andere. Gewisse

Typen (u.a. 16 und 18) können in seltenen

Fällen zu einem Analkarzinom führen, noch

seltener zu einem Peniskarzinom. Schätzungsweise

60 – 80% der sexuell aktiven Erwachsenen

haben Antikörper gegen HPV im

Blut. Das bedeutet, ihr Immunsystem hat

sich schon mit mindestens einem HPV-

Subtyp auseinandergesetzt. Eine Impfung

macht dann Sinn, wenn keine Infektion vorliegt,

am besten vor dem ersten sexuellen

Kontakt. Behandelt werden Feigwarzen mit

Salben, Laser, Wegschneiden oder Vereisen.

Weil häufig Rückfälle auftreten können, sind

Nachkontrollen über längere Zeiträume erforderlich.

Du als Partner solltest unbedingt

mitbehandelt werden. Am besten, ihr informiert

euch zusammen beim Arzt. Abgesehen

von der Impfung in jungen Jahren kann

man sich als sexuell aktiver Mensch leider

nicht ausreichend gegen HPV schützen.

Kondome schützen angesichts der leichten

Übertragbarkeit nur sehr bedingt.

Alles Gute, Dr. Gay


KOLUMNE

Thommen meint

33

Die

Hintersicht

Es ist schon lange her, seit ein Schwuler einen

anderen umgebracht hat.

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VON PETER THOMMEN

D

ie Schwulen machen es eben anders.

Sie nutzen unter sich den «sozialen

Tod» auf Raten. Sie kennen die «Nadelstiche»

und die «Hinterfotzigkeit». Es

geht zu wie auf dem Dorfe. Jeder kennt aber

nicht jeden wirklich. Nur die Gerüchte, falschen

Zitate oder das eifersüchtige Intrigieren,

das wir Basler in der Fasnacht (auch

eine Art Subfamilie) kultiviert haben.

Wir kommen – meist – aus einer heterosexuellen

Familie und leben überwiegend in

einer heteronormativen Gesellschaft. Damit

möchte ich den meistens gestellten Vorwurf

an sich selbst entkräften. Wir tragen Angelerntes

unter uns herein. Wir tragen heterosexuelle

Hierarchien herein, indem wir «gute»

und «schlechte» Homosexuelle erkennen und

benennen. Zuoberst sitzt der heterosexuellste

Schwule, der Macho und zuunterst die weiblichste

Tunte. 1 Schwule müssen immer eine

Erscheinung kennen, die noch schlimmer ist

als sie selbst sind. Ein schönes Beispiel ist die

Prostitution: Bei den Heteros ist der Freier

über der Nutte. Aufgrund der sozialen Stigmatisierung

des Homosexuellen ist der (meist

heterosexuelle) Stricher aber über dem Freier.

(Das hat sich dann im Bereich des Drogenstrichs

wieder geändert.)

Schwule tragen ihre Beschädigungen in

der Gesellschaft draussen ohne Bedenken in

die Gayclubs und Lokale herein. Wenn sie da

auftauchen, können sie freimütig über alles

reklamieren, was ihnen gerade nicht passt. Es

fällt ihnen auf, dass sie nicht herzlich will-

kommen geheissen werden, dass es mal keine

Nippsachen wie Salzstängeli, Erdnüsse oder

Chips auf den Tischen hat und dieses und jenes

ist nicht recht und vieles mangelhaft.

Wenn sie denn schon mal dahin kommen …

Dabei verkennen sie völlig ihre eigene

Situation. Sie sind gerade enttäuscht worden,

oder haben sich emotional ausbeuten lassen

und möchten im Grunde genommen mit

Samthandschuhen angefasst (also geliebt)

werden. Und dann wartet eben keine Ehefrau

zuhause auf sie. Ich bin überzeugt, dass

sie in einem «normalen» Lokal niemals so

reagieren würden, auch wenn sie bereits

mehrere Stangen in sich hinein geleert hätten.

Die sollen nämlich bei den Heteros den

Frust des Tages hinunterspülen.

Schwule sind eine ganz spezielle Kundschaft,

das weiss ich aus jahrzehntelanger Erfahrung.

Das vielgeschmähte Milieu muss die

Therapie ihrer Schädigungen übernehmen.

Leider fallen die Aggressionen meistens auf

die eigenen Leute zurück, in der Annahme,

damit kaputt zu machen, was sie kaputt

macht. Sie würden es nicht wagen, gegen die

Normalität von Familie und Gesellschaft zu

rebellieren. Stellvertreter für ihre Peiniger

werden unter den eigenen Leuten ausgemacht.

Letztlich bedienen sich Schwule auch

nur der heterosexuellen Politik und Methoden,

die sie vorgeführt bekommen haben.

1

siehe auch «schwules Gassenblatt» Nr. 17, die Geschichte

von «Sister Macho» von René Reinhard (> arcados.com)

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34

Flashback

Cruiser vor 30 Jahren

Flashback

Cruiser feiert sein 30jähriges Bestehen. Daher blicken wir während

des ganzen Jahres an dieser Stelle auf die alten Ausgaben zurück.

Von Moel Maphy

S

einerzeit waren HIV und AIDS ein

grosses Thema. Die Tragödie – das

grosse Sterben – spielte sich mitten

in der Szene ab, jeder kannte irgendwen,

der betroffen war. Entsprechend nahm die

damals noch unheilbare Krankheit einen

grossen und wichtigen Platz im Cruiser ein.

Markus Christen führte vor 30 Jahren ein

Gespräch mit Herbert Riedener.

Cruiser hatte vor 30 Jahren aber auch

weniger schwere Themen. Beispielsweise

wurde enthusiastisch eine Modeseite ins

Leben gerufen. Ebenfalls werden – wie man

im Ausriss sehen kann – grad auch noch

Tipps zur eigenen Typen-Bestimmung gegeben.

Wir spoilern schon mal: Es ist dann

auch bei diesem einen Versuch mit der

«Mode-Seite» geblieben.

Herbert Riedener überlebte AIDS nicht, er starb 1994. Weitere Infos über das Wirken von

Herbert Riedener hat schwulengeschichte.ch zusammengetragen.

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