Die große deutsche Lernergrammatik

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Einführung

Die große deutsche Lernergrammatik

Die große

deutsche

Lernergrammatik

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1


Inhaltsverzeichnis

Ι

Einführung

6 Das Plusquamperfekt

§ 1 Das Alphabet - Vokale, Konsonanten -

Diphthonge - Umlaut .................................... 10

§ 2 Grundregeln zur Aussprache ......................... 11

§ 3 Grundregeln zur Rechtschreibung ................. 14

§ 4 Silbentrennung .............................................. 17

§ 5 Interpunktion ................................................. 18

§ 6 Kommaregeln ................................................. 21

ΙI

Die Wortarten

§ 7 Flektierbare und nicht-flektierbare Wortarten ... 24

A. Verben

1 Allgemeines

§ 8 Die verschiedenen Verbformen ...................... 25

§ 9 Einfache und zusammengesetzte Verben ...... 27

2 Die Hilfsverben

§ 10 Die Konjugation der Hilfsverben .................... 29

§ 11 Der Gebrauch der Hilfsverben ....................... 31

3 Das Präsens

§ 12 Die Konjugation der schwachen

(regelmäßigen) Verben .................................. 32

§ 13 Sonderfälle bei der Konjugation der Verben

im Präsens ..................................................... 32

§ 14 Die Konjugation der starken (unregelmäßigen)

Verben ............................................................ 34

§ 15 Der Gebrauch des Präsens ............................ 36

4 Das Präteritum

§ 16 Die Konjugation der Verben im Präteritum ..... 36

§ 17 Der Gebrauch des Präteritums ...................... 38

5 Das Perfekt

§ 18 Allgemeine Bemerkungen .............................. 39

§ 19 „haben” oder „sein” ....................................... 40

§ 20 Die Bildung des Partizips Perfekt ................... 41

§ 21 Verben mit regelmäßigen und unregelmäßigen

Stammformen ................................................ 43

§ 22 Der Gebrauch des Perfekts ............................ 45

§ 23 Ausdruck der Vergangenheit mithilfe von

Perfekt und Präteritum ................................... 45

§ 24 Die Konjugation der Verben im Plusquamperfekt

............................................................ 46

§ 25 Der Gebrauch des Plusquamperfekts . ........... 47

§ 26 Die Zeitenfolge ............................................... 47

7 Das Futur

§ 27 Die beiden Futur-Formen ............................... 49

§ 28 Der Gebrauch des Futur I ............................... 50

§ 29 Der Gebrauch des Futur II .............................. 50

8 Die Modalverben

§ 30 Allgemeine Bemerkungen .............................. 51

§ 31 Das Präsens der Μodalverben ....................... 52

§ 32 Die genaue Bedeutung der Modalverben ...... 53

§ 33 Der subjektive Gebrauch der Modalverben ..... 54

§ 34 Das Präteritum der Modalverben ................... 55

§ 35 Das Perfekt der Modalverben ........................ 55

§ 36 Die übrigen Zeiten der Modalverben ............. 56

§ 37 Die Negation von „müssen” ........................... 57

§ 38 Weitere Verben mit Infinitiv ohne „zu” .......... 58

§ 39 Das Verb „lassen” .......................................... 59

9 Das Passiv

§ 40 Die Konjugation der Verben im Passiv ............... 60

§ 41 Der Gebrauch des Passivs .............................. 61

§ 42 Die Agensergänzung ....................................... 62

§ 43 Die Umformung vom Aktiv ins Passiv ............. 64

§ 44 Passiv mit Modalverben ................................. 65

§ 45 Ersatzformen für das Passiv ........................... 66

§ 46 Das Zustandspassiv ........................................ 67

10 Der Konjunktiv

§ 47 Die drei Modi ................................................. 69

§ 48 Die Konjugation der Verben im Κonjunktiv I .... 69

§ 49 Der Gebrauch des Κonjunktivs I ..................... 71

§ 50 Die Konjugation der Verben im Konjunktiv IΙ ... 72

§ 51 Die Umschreibung des Konjunktivs II mit

„würde + Infinitiv” .......................................... 74

§ 52 Der Gebrauch des Κonjunktivs IΙ .................... 76

§ 53 Entsprechungen des Indikativs im

Κonjunktiv IΙ ................................................... 77

§ 54 Konditionalsätze ............................................. 78

§ 55 Indirekte Rede ................................................ 80

§ 56 Feinheiten beim Gebrauch der indirekten Rede ... 81

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5


11 Der Imperativ

§ 57 Der Imperativ der unterschiedlichen

Verbformen .................................................... 83

§ 58 Ersatzformen für den Imperativ ..................... 84

12 Das Partizip

§ 59 Die beiden Partizip-Formen ........................... 85

§ 60 Der Gebrauch und die Bedeutung

der Partizipien ................................................ 86

§ 61 Partizipialsätze ............................................... 88

§ 62 Partizipien und Relativsätze ........................... 89

§ 63 Das Gerundiv .................................................. 91

13 Der Infinitiv

§ 64 Formen und Verwendung des Infinitivs ......... 92

§ 65 Verben mit Infinitiv ohne „zu” ....................... 93

§ 66 „zu” + Infinitiv ................................................. 94

§ 67 Die Konstruktion „haben/sein zu + Infinitiv” ..... 95

§ 68 Infinitivsätze ................................................... 96

§ 69 Zeitformen des Infinitivs ................................ 98

§ 70 „um ... zu, ohne ... zu, statt ... zu” + Infinitiv ...... 99

§ 71 Weitere Verwendung des Infinitivs ................ 99

14 Die reflexiven Verben

§ 72 Bedeutung und Konjugation der reflexiven

Verben ............................................................ 100

§ 73 Aktiv und reflexiv gebrauchte Verben ............ 103

§ 74 Reziproke Verben ........................................... 104

15 Die Rektion der Verben

C. Nomen

1 Genus

§ 86 Allgemeines - Natürliches Genus und

grammatisches Genus .................................... 116

§ 87 Maskuline Nomen .......................................... 117

§ 88 Feminine Nomen ........................................... 118

§ 89 Neutrale Nomen ............................................ 119

§ 90 Besonderheiten des Genus ............................ 120

2 Numerus

§ 91 Die Pluralbildung ............................................ 123

§ 92 Besonderheiten bei der Pluralbildung ........... 124

§ 93 Nomen ohne Plural ........................................ 125

§ 94 Nomen ohne Singular ..................................... 126

3 Die Deklination der Nomen

§ 95 Die starke Deklination .................................... 127

§ 96 Nomen mit Plural auf „-n” (schwache +

gemischte Deklination) .................................. 129

§ 97 Die Deklination von Eigennamen ................... 131

4 Die Funktion der Nomen im Satz

§ 98 Der Nominativ ................................................ 132

§ 99 Der Genitiv .................................................... 133

§ 100 Der Dativ ....................................................... 133

§ 101 Der Akkusativ ................................................. 134

§ 102 Nomen mit Präpositionen .............................. 135

D. Adjektive

1 Die Adjektiv-Deklination

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§ 75 Verben mit Akkusativ ..................................... 105

§ 76 Verben mit Dativ ............................................ 106

§ 77 Verben mit Dativ- und Akkusativobjekt ......... 107

§ 78 Verben mit Präpositionalobjekt ..................... 108

§ 79 Weitere Ergänzungstypen von Verben .......... 108

16 Unpersönliche Verben

§ 80 Allgemeine Bemerkungen .............................. 109

§ 81 Die gebräuchlichsten unpersönlichen Verben

und Ausdrücke ............................................... 111

Β. Artikel

§ 82 Allgemeine Bemerkungen - Die Artikelformen ... 112

§ 83 Der bestimmte Artikel .................................... 112

§ 84 Der unbestimmte Artikel ................................ 113

§ 85 Nomen ohne Artikel ....................................... 114

§ 103 Deklination mit bestimmtem Artikel ............. 137

§ 104 Deklination mit unbestimmtem Artikel ......... 138

§ 105 Deklination ohne Artikel (mit Null-Artikel) ....... 139

§ 106 Anmerkungen zur Adjektiv-Deklination .......... 141

2 Der Gebrauch der Adjektive

§ 107 Die verschiedenen Funktionen

des Adjektivs .................................................. 141

§ 108 Die Rektion der Adjektive............................... 142

3 Komparation der Adjektive

§ 109 Komparativ und Superlativ ............................ 145

§ 110 Unregelmäßige Komparation ......................... 146

§ 111 Der Gebrauch der Adjektive in Vergleichen ... 147

6


4 Zahladjektive

§ 112 Grundzahlen ................................................... 149

§ 113 Ordnungszahlen ............................................. 152

§ 114 Andere Zahladjektive und -adverbien ............ 153

§ 115 Die Uhrzeit ..................................................... 154

§ 116 Weitere Zahlwörter und ihre Verwendung

im Deutschen .................................................. 155

E. Pronomen

1 Personalpronomen

7 Relativpronomen

§ 138 Relativpronomen - Relativsätze ..................... 181

§ 139 Relativsätze mit „wo - wer - was” ................... 183

8 Die Funktion der Pronomen im Satz

§ 140 Allgemeine Anmerkungen zu den Pronomen ... 184

F. Präpositionen

1 Präpositionen und Kasus

§ 117 Die Deklination der Personalpronomen ......... 157

§ 118 Der Gebrauch der Personalpronomen ........... 158

§ 119 Die unterschiedliche Verwendung

des Pronomens „es” ....................................... 159

2 Reflexivpronomen

§ 120 Deklination und Gebrauch der Reflexivpronomen

...................................................... 160

§ 121 Das reziproke Pronomen „einander”.............. 162

3 Unbestimmte Pronomen

§ 122 ein-/welch-/kein- ........................................... 163

§ 123 man ................................................................ 164

§ 124 jemand/niemand ........................................... 164

§ 125 all- .................................................................. 165

§ 126 etwas/nichts ................................................... 166

§ 127 jed- ................................................................. 167

§ 128 viel-/wenig- .................................................... 167

§ 129 einig- .............................................................. 168

§ 130 Weitere unbestimmte Pronomen .................. 169

4 Fragepronomen

§ 131 wer/was ......................................................... 172

§ 132 welch- / was für ein- ...................................... 173

5 Possessivpronomen

§ 133 Funktion und Deklination der Possessivpronomen

...................................................... 174

§ 134 Verwendung der Possessivpronomen ........... 176

6 Demonstrativpronomen

§ 135 der/die/das .................................................... 177

§ 136 dies-/jen- ........................................................ 178

§ 137 Weitere Demonstrativpronomen ................... 179

§ 141 Präpositionen mit Akkusativ .......................... 186

§ 142 Präpositionen mit Dativ ................................. 188

§ 143 Präpositionen mit Dativ oder Akkusativ

(Wechselpräpositionen) ................................. 191

§ 144 Aktions-/Positionsverben ............................... 195

§ 145 Präpositionen mit Genitiv .............................. 196

§ 146 Präpositionen mit unterschiedlichen Kasus ... 200

2 Unterschiedliche Verwendung der Präpositionen

§ 147 Lokale Bedeutung .......................................... 203

§ 148 Temporale Bedeutung ................................... 205

§ 149 Kausale Bedeutung ......................................... 206

§ 150 Präpositionale Ausdrücke .............................. 207

§ 151 Die gebräuchlichsten Präpositionalphrasen ... 209

G. Konjunktionen

1 Allgemeines

§ 152 Nebenordnende und unterordnende Konjunktionen

............................................................. 211

2 Nebenordnende Konjunktionen

§ 153 Die Konjunktionen „ADUSO” .......................... 212

§ 154 Doppelkonjunktionen .................................... 214

3 Unterordnende Konjunktionen

§ 155 Kausalsätze ................................................ 216

§ 156 Konditionalsätze ............................................. 217

§ 157 „dass”-Sätze ................................................... 217

§ 158 Konzessivsätze ................................................. 218

§ 159 Finalsätze ....................................................... 220

§ 160 Konsekutivsätze .............................................. 220

§ 161 Temporalsätze ............................................... 221

§ 162 Modalsätze .................................................... 224

§ 163 Vergleichssätze ............................................. 225

§ 164 Proportionalsätze ......................................... 225

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7


§ 165 Indirekte Fragesätze ...................................... 226

§ 166 Übersicht der Konjunktionen ........................ 227

H. Adverbien

1 Die häufigsten Adverbien

§ 167 Lokaladverbien .............................................. 228

§ 168 hin - her ......................................................... 230

§ 169 Temporaladverbien ....................................... 231

§ 170 Modaladverbien ............................................ 232

§ 171 Kausal- und Frageadverbien .......................... 234

2 Der Gebrauch der Adverbien

§ 172 Allgemeine Bemerkungen zum Gebrauch

der Adverbien ................................................ 235

§ 173 Satzeinleitende Adverbien ............................ 236

§ 174 Pronominaladverbien .................................... 237

I. Interjektionen und Abtönungspartikeln

§ 175 Die wichtigsten Interjektionen ...................... 239

§ 176 Die wichtigsten Abtönungspartikeln und ihre

Bedeutung ..................................................... 240

ΙII

Die Wortbildung

§ 177 Ableitung und Zusammensetzung ................. 244

§ 178 Präfixe ........................................................... 246

§ 179 Substantiv-Endungen .................................... 246

§ 180 Die Bildung von Adjektiven ........................... 247

IV

Syntax

1 Allgemeines

§ 181 Satzglieder ..................................................... 250

§ 182 Satzarten ....................................................... 251

2 Die Satzglieder im Einzelnen

§ 183 Die Stellung des Prädikats im Satz ................. 252

§ 184 Die Satzgrenzen ............................................. 255

§ 185 Das Subjekt .................................................... 256

§ 186 Grundstellung - Inversion ............................. .... 257

§ 187 Kongruenz zwischen Subjekt/Prädikativ

und Verb ........................................................ 257

§ 188 Weglassen des Subjekts ................................. 259

§ 189 Das Objekt und seine Stellung im Satz ........... 260

§ 190 Die Stellung der Pronomen im Satz ................... 261

§ 191 Die Prädikatsergänzung ................................. 263

§ 192 Funktionsverben ............................................ 265

§ 193 Das Prädikativ ................................................ 265

§ 194 Adverbiale Angaben ....................................... 266

§ 195 Die Stellung der adverbialen Angaben

im Satz ............................................................ 268

§ 196 Attribute ........................................................ 269

§ 197 Appositionen - Attributsätze .......................... 270

§ 198 Liste der Syntaxregeln und Anwendungsbeispiele

......................................................... 272

§ 199 Vom Satz zum Text ......................................... 273

3 Die Negation

§ 200 Grundregeln der Negation im Deutschen ....... 275

§ 201 Satznegation ................................................... 276

§ 202 Wort-/Sondernegation ................................... 277

§ 203 Besondere Bemerkungen zum Gebrauch

der Negation ................................................... 278

§ 204 ja - nein - doch ............................................... 279

4 Umformungen

§ 205 Grundsätzliches zu den Umformungen ......... 279

§ 206 Verbalisierung und Nominalisierung ............. 280

§ 207 Satzglieder und Gliedsätze ............................. 281

§ 208 Weitere mögliche Umformungen .................. 282

§ 209 Einige wichtige Bemerkungen zu den

Umformungen ............................................... 283

§ 210 Umformungen als Denkaufgabe .................... 284

Anhang

Tabelle A: Die Konjugation der Verben ...................... 286

Tabelle B: Starke Verben ............................................ 288

Tabelle C: Verben mit Präpositionalobjekt ................ 293

Tabelle D: Funktionsverben ....................................... 299

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Verben

Die große deutsche Lernergrammatik

§ 11 Der Gebrauch der Hilfsverben Ü 8-9

a. Die Verben „haben, sein, werden“ sind sogenannte Hilfsverben, da ihre Präsens- und Präteritumsformen

gebraucht werden, um das Perfekt, Plusquamperfekt, Futur I und Futur II zu bilden. Im Einzelnen

bedeutet dies:

• Mit „haben, sein“ und dem Partizip Perfekt (Partizip II) bildet man das Perfekt (s. § 19) und das

Plusquamperfekt (s. § 24):

• Ich habe alles gesehen.

• Ich bin in den falschen Zug eingestiegen.

• Er hatte ein schönes Geschenk für seine Frau gekauft.

• Das Auto war zu schnell gefahren.

• Mit „werden“ und dem Infinitiv bildet man das Futur (s. § 27):

• Du wirst mich nie verstehen.

• Sie wird ihr Büro schon verlassen haben.

• Mit dem Konjunktiv II des Verbs „werden“ und dem Infinitiv wird die Umschreibungsform des

Konjunktiv II aller Verben gebildet (s. § 51):

• Ich würde dir gerne helfen.

• Mit „werden, sein“ und dem Partizip Perfekt wird schließlich das Passiv gebildet (s. § 40):

• Wie wird dieses Wort geschrieben?

• Ich bin nicht gefragt worden.

b. Diese drei Verben treten jedoch auch als Vollverben auf:

Die Verben „sein, werden“ bilden zusammen mit einem Nomen oder einem Adjektiv das Prädikat

eines Satzes:

• Ihr Vater ist Arzt.

• Monika war drei Wochen krank.

• Mein Freund wird Architekt.

• Der Chef wurde langsam nervös.

• Das Verb „haben“ wird von einem Akkusativobjekt begleitet:

• Wir haben einen großen Garten.

• Er hatte nie Zeit für mich.

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Die große deutsche Lernergrammatik

Verben

3 Das Präsens

§ 12 Die Konjugation der schwachen (regelmäßigen) Verben

Ü 10-11,

13-14, 33, 37

Dem Verbstamm werden bei der Konjugation im Präsens folgende Endungen zugefügt:

Singular

Plural

ich frag-e wir frag-en

du frag-st ihr frag-t

er frag-t sie frag-en

sie frag-t Sie frag-en

es frag-t

Wie man sieht, ist die Endung des Verbs der 1. Person Plural identisch mit jener der 3. Person und der

Höflichkeitsform. Diese Formen sind wiederum identisch mit dem Infinitiv.

§ 13 Sonderfälle bei der Konjugation der Verben im Präsens

Ü 10-11,

13-14, 33, 37

a. Bei Verben, deren Stamm auf „-t“ oder auf „-d“ endet, wird, um Ausspracheprobleme zu vermeiden,

ein „-e-“ zwischen Verbstamm und Verbendung eingefügt:

ich arbeit-e bild-e

du arbeit-e-st bild-e-st

er/sie/es arbeit-e-t bild-e-t

wir arbeit-en bild-en

ihr arbeit-e-t bild-e-t

sie, Sie arbeit-en bild-en

Dasselbe gilt auch für Verben, deren Verbstamm auf „-m“ oder „-n“ endet, wenn sich davor ein weiterer

Konsonant befindet:

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ich atm-e rechn-e

du atm-e-st rechn-e-st

er/sie/es atm-e-t rechn-e-t

wir atm-en rechn-en

ihr atm-e-t rechn-e-t

sie, Sie atm-en rechn-en

32


Adjektive

Die große deutsche Lernergrammatik

Adjektive

Adjektive sind Wörter, die Eigenschaften von Nomen näher beschreiben. Im Deutschen werden die

Adjektive dekliniert, allerdings nicht immer. Ob das Adjektiv eine Endung erhält oder nicht, hängt von seiner

Position im Satz ab. In den nächsten Abschnitten werden wir zunächst die Deklination veranschaulichen

und danach den Gebrauch der Adjektive erläutern.

1 Die Adjektiv-Deklination

Welche Endung ein Adjektiv bei der Deklination bekommt, hängt von der Art des Artikels oder Pronomens

vor dem Adjektiv ab. Die allgemeine Regel besagt: Wenn der Artikel oder das Pronomen vor dem

Adjektiv eindeutig das Genus, den Numerus und den Kasus des Nomens angibt, hat das Adjektiv einen rein

„schmückenden“ Charakter, wird „schwach“ flektiert. In allen anderen Fällen übernimmt das Adjektiv die

Endung des entsprechenden bestimmten Artikels und wird demnach „stark“ flektiert.

Wie dieses Regelwerk funktioniert wird ersichtlich, wenn man die Deklination der Adjektive mit bestimmtem,

unbestimmtem und Null-Artikel untersucht.

§ 103 Deklination mit bestimmtem Artikel

Ü 128-129,

134-139, 145

a. Wenn ein bestimmter Artikel vor dem Adjektiv steht, nimmt dieses folgende leicht zu merkende Endungen

an:

SINGULAR

maskulin feminin neutral

PLURAL

Nominativ -e -e -e -en

Akkusativ -en -e -e -en

Dativ -en -en -en -en

Genitiv -en -en -en -en

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137


Die große deutsche Lernergrammatik

Adjektive

Sehen wir uns dazu einige Beispiele an:

• Der rote Pullover gefällt mir; ich kaufe den roten Pullover.

• Er gab der alten Frau etwas Geld.

• Erinnerst du dich noch an die schönen Tage in Marburg?

• Der Fahrer des schnellen Sportautos war mit 120 über die Kreuzung gefahren.

b. Genau die gleichen Endungen nimmt das Adjektiv an, wenn eines der folgenden Pronomen davor steht:

alle jed- manche welchdies-

jen- solche

Dieser alte Mann lebt ganz allein.

• Mit solchen dummen Bemerkungen gewinnst du sicher keine Freunde.

• Der Traum aller jungen Menschen ist, schnell Karriere zu machen.

• Manche griechischen Inseln leben nur noch vom Tourismus.

§ 104 Deklination mit unbestimmtem Artikel

Ü 130-131,

134-139, 145

a. Wenn ein unbestimmter Artikel vor dem Adjektiv steht, hat dieses folgende Endungen:

SINGULAR

maskulin feminin neutral

PLURAL

(wenn „kein-“ davor steht)

Nominativ -er -e -es -en

Akkusativ -en -e -es -en

Dativ -en -en -en -en

Genitiv -en -en -en -en

Vergleicht man diese Endungen mit denen nach bestimmtem Artikel (s. § 103), stellt man nur im Nominativ

maskulin und neutral sowie im Akkusativ neutral Singular Änderungen fest, also genau da, wo der

unbestimmte Artikel („ein“) Numerus, Genus und Kasus nicht eindeutig angibt:

• Das ist ein gutes Beispiel. | gutes das Beispiel

• Der Hund war immer ein treuer Freund des Menschen. | treuer der Freund

b. Dieselben Endungen bekommt das Adjektiv, wenn ihm ein Possessivpronomen vorausgeht, da die

Possessivpronomen wie der unbestimmte Artikel dekliniert werden (s. § 133):

• Wo ist dein blauer Anzug?

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• Sie sorgt für ihre jüngeren Geschwister.

• Habt ihr euren alten Lehrer besucht?

138


Adjektive

Die große deutsche Lernergrammatik

§ 105 Deklination ohne Artikel (mit Null-Artikel)

Ü

132-139, 145

a. Wenn vor dem Adjektiv weder ein bestimmter noch ein unbestimmter Artikel oder eines der angeführten

Pronomen steht, erhält das Adjektiv folgende Endungen:

SINGULAR

maskulin feminin neutral

Wie man sieht, stimmen diese Endungen mit denen des bestimmten Artikels überein (s. § 83). In diesem

Fall ersetzt das Adjektiv den bestimmten Artikel, indem es Numerus, Genus und Kasus des Nomens

angibt. Eine Ausnahme bildet der Genitiv maskulin und neutral Singular, und zwar deshalb, weil dort das

Nomen selbst die charakteristische Endung „-(e)s“ erhält (s. § 95):

• Meine Kollegin trinkt immer roten Wein.

• Faule Schüler müssen oft das Jahr wiederholen.

• Nach langer Zeit kehrte er zu seiner Familie zurück.

• Der Wein hatte den Geschmack trockenen Sherrys.

PLURAL

Nominativ -er -e -es -e

Akkusativ -en -e -es -e

Dativ -em -er -em -en

Genitiv -en -er -en -er

b. Dieselben Endungen (natürlich im Plural!) erhält das Adjektiv nach folgenden Pronomen:

andere ein paar viele

einige mehrere wenige

Vorsicht: Diese Pronomen werden genau wie die Adjektive mit Null-Artikel dekliniert, während das

Pronomen „ein paar“ nicht dekliniert wird (s. § 130):

• Ich habe viele gute Freunde.

PLURAL

Nominativ viele mehrere ein paar

Akkusativ viele mehrere ein paar

Dativ vielen mehreren ein paar

Genitiv vieler mehrerer ein paar

• Das Klima einiger nordeuropäischer Länder ist unangenehm kalt.

• Er hat mit ein paar jungen Leuten gesprochen.

• Andere moderne Philosophen akzeptieren diese These nicht.

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Die große deutsche Lernergrammatik

Adjektive

c. Deutschlernende verwechseln oft die Deklination der Adjektive mit jener der Nomen/Pronomen, so

dass sie falsche Endungen verwenden. Das folgende Schaubild, das die Deklination der Artikel, Nomen/

Pronomen und Adjektive parallel darstellt, soll Ihnen dabei behilflich sein, solche Fehler zu vermeiden:

Bestimmter Artikel oder

„dies-, jed-, manch-, welch-, all-”

+ Adjektiv

SINGULAR

PLURAL

maskulin feminin neutral

Nominativ der -e die -e das -e die -en

Akkusativ den -en die -e das -e die -en

Dativ dem -en der -en dem -en den -en -n

Genitiv des -en -(e)s der -en des -en -(e)s der -en

• der nette Mann • des alten Hauses

• dieses netten Mannes • diesem alten Haus

Unbestimmter Artikel oder „kein-, mein-” usw. + Adjektiv

SINGULAR

PLURAL

maskulin feminin neutral

Nominativ ein -er eine -e ein -es keine -en

Akkusativ einen -en eine -e ein -es keine -en

Dativ einem -en einer -en einem -en keinen -en -n

Genitiv eines -en -(e)s einer -en eines -en -(e)s keiner -en

• eine junge Frau • keiner billigen Hefte

• seiner jungen Frau • ihren billigen Heften

Null-Artikel + Adjektiv

SINGULAR

PLURAL

maskulin feminin neutral

Nominativ -er -e -es -e

Akkusativ -en -e -es -e

Dativ -em -er -em -en -n

Genitiv -en -(e)s -er -en -(e)s -er

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• roten Weines • neuer Idee • blaues Meer • böse Worte

• rotem Wein • neue Idee • blauem Meer • bösen Worten

140


Adjektive

Die große deutsche Lernergrammatik

§ 106 Anmerkungen zur Adjektiv-Deklination

Ü

135-136

a. Einige Adjektive weisen bei der Deklination Unregelmäßigkeiten auf:

• Adjektive auf „-er, -el“ verlieren bei der Deklination das „-e-“ der letzten Silbe im Stamm:

• Der Wagen ist teuer. Der teure Wagen gehört meinem Freund Peter.

• Das Zimmer ist dunkel. In einem dunklen Zimmer sitzt man nicht gern.

• Das Adjektiv „hoch“ verliert das „c“ im Stamm bei der Deklination:

• Wolkenkratzer sind hoch. Die hohen Wolkenkratzer von New York gefallen mir nicht.

b. Bestimmte Adjektive erhalten bei ihrer Deklination keine Endung. Dabei handelt es sich um:

• Adjektive fremden Ursprungs:

Die rosa Bluse und das lila Hemd finde ich nicht passend.

• In diesem sexy Kleid kannst du doch nicht auf die Straße gehen!

• Adjektive mit der Endung „-er“, die von Städtenamen abgeleitet sind:

Athen Athener

Berlin Berliner

• In der Athener Altstadt gibt es Hunderte von Cafés und Restaurants.

• Wiener Schnitzel ist die bekannteste österreichische Spezialität.

2 Der Gebrauch der Adjektive

§ 107 Die verschiedenen Funktionen des Adjektivs

Ü 139

a. Die häufigste Verwendung des Adjektivs ist als attributives Adjektiv vor einem Nomen. In diesem Fall

wird das Adjektiv dekliniert, d.h. es bekommt eine Endung (s. § 103-105):

• der gute Schüler

ein guter Schüler

• die guten Schüler

viele gute Schüler

b. Oft wird das Adjektiv nominalisiert, d.h. das Adjektiv wird zum Nomen, sodass es mit großem Anfangsbuchstaben

geschrieben, aber wie ein Adjektiv dekliniert wird:

• der Kranke • ein Kranker

• das Gute • das Besondere

• die Jugendlichen • Jugendliche

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141


Die große deutsche Lernergrammatik

Adjektive

An dieser Stelle muss bemerkt werden, dass das Adjektiv nach den Indefinitpronomen „etwas, nichts,

viel, wenig, mehr“ immer nominalisiert und von neutralem Genus ist:

• Hat er etwas Neues gesagt? -Nein, er hat wenig Interessantes und eigentlich nichts

Unbekanntes erzählt.

Zu den nominalisierten Adjektiven zählen auch Sprach- und Farbbezeichnungen. Dabei unterscheidet

man zwei Fälle:

• Vor dem Adjektiv steht ein bestimmter Artikel. In diesem Fall wird das Adjektiv standardmäßig nominalisiert:

• Man hat das Buch aus dem Deutschen ins Englische übersetzt.

• Wir machen eine Fahrt ins Blaue, das heißt das Ziel ist unbekannt.

• Ein bestimmter Artikel und eine attributive Bestimmung oder ein Pronomen geht dem Adjektiv

voran, oder es gibt keinen Artikel. Dann erhält die Sprache / die Farbe keine Endung, wird aber großgeschrieben:

• In welcher Gegend spricht man das beste Deutsch?

Dieses Blau ist mir zu dunkel.

• Wer ist die Dame in Schwarz?

c. Wird das Adjektiv im Satz prädikativ verwendet (s. § 193), bleibt es undekliniert, es erhält also keinerlei

Endung. Sehen Sie sich die folgenden Beispiele an:

Dieses Haus ist schön. | Prädikativ

• Das ist ein schönes Haus. | Attributive Bestimmung

Die zwei Wohnungen blieben lange Zeit leer.

Im dritten Stock sind drei Wohnungen, zwei leere (Wohnungen) und die eine, wo ich wohne.

• Ich finde ihn ganz nett. -Ja, er ist in der Tat ein netter Junge.

d. Schließlich wird das Adjektiv in seiner undeklinierten Form auch adverbial verwendet:

• Er spricht perfekt Deutsch.

• Wir sind pünktlich in München angekommen.

§ 108 Die Rektion der Adjektive Ü 140

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Einige Adjektive werden von einer Ergänzung in einem bestimmten Kasus begleitet, die ihre Bedeutung

deutlich macht.

a. Adjektive mit Genitivergänzung gibt es sehr wenige; sie treten fast alle in festen Wendungen auf, die

immer seltener gebraucht werden:

142


Adjektive

Die große deutsche Lernergrammatik

bar sein kundig sein unbewusst sein wert sein

bedürftig sein mächtig sein unschuldig sein würdig sein

bewusst sein/werden schuldig sein unsicher sein

fähig sein sicher sein verdächtig sein

gewiss sein überdrüssig sein/werden voll sein

• Er war seines Sieges sicher.

• Bist du deiner Schuld bewusst?

In der Umgangssprache wird der Genitiv durch einfachere Ausdrucksformen ersetzt:

• Er war sicher, dass er siegen würde.

• Ist dir deine Schuld bewusst? = Weißt du, dass du die Schuld hast/trägst?

b. Etliche Adjektive werden von einer Dativergänzung begleitet. Es handelt sich dabei um Adjektive, die

Nutzen/Schaden, Freundschaft/Feindschaft, Ähnlichkeit/Gleichheit/Ungleichheit ausdrücken (s.§ 76).

Die gewöhnlichsten unter ihnen sind folgende:

ähnlich egal gleichgültig treu

angeboren ergeben klar überlegen

angenehm fern lästig unbegreiflich

begreiflich fremd lieb verbunden

behilflich gefällig möglich verständlich

bekannt gehorsam nahe wichtig

bekömmlich geläufig nützlich willkommen

bewusst gemeinsam peinlich zugetan

böse geneigt recht zuwider

dankbar gewachsen schädlich

dienlich gleich schuldig

• Der Herzfehler war ihm angeboren.

• Das ist mir gleich.

c. Mit Akkusativergänzung stehen Adjektive, die Maßangaben, Gewicht, Wert/Preis, Zeitangaben ausdrücken.

Solche Adjektive sind folgende:

alt dick groß lang tief wert

breit entfernt hoch schwer weit

Die nächste Tankstelle war zum Glück nur einen Kilometer entfernt.

• Das Loch war einen halben Meter tief.

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143


Die große deutsche Lernergrammatik

Adjektive

d. Viele Adjektive stehen ebenfalls mit einer Präpositionalergänzung. Die üblichsten aus dieser Gruppe sind:

abhängig von D entschlossen zu D gewöhnt an A schuld an D

angewiesen auf A empfindlich gegen A gierig nach D sicher vor D

ärgerlich über A entsetzt über A gleichgültig gegenüber D stolz auf A

arm an D erbittert über A glücklich über A streng gegen A / zu D

aufgebracht über A erfahren auf D grausam gegen A traurig über A

aufmerksam auf A erfreut über A grob zu D tüchtig in D

befreundet mit D erhaben über A hart gegen A / zu D überzeugt von D

behilflich bei D erschöpft von D interessant für A verantwortlich für A

bekannt mit D erstaunt über A interessiert an D vergleichbar mit D

beliebt bei D fähig zu D lieb zu D verheiratet mit D

bereit zu D fertig mit D misstrauisch gegen A verhasst bei D

besorgt um A frech zu D müde von D verliebt in D

bestürzt über A frei von D nachlässig in D verlobt mit D

betroffen von D freundlich zu D nachsichtig gegen A verwandt mit D

betrübt über A froh über A nachteilig für A verschieden von D

bezeichnend für A gebunden an A neidisch auf A voll von D

blass vor D geeignet für A neugierig auf A vorteilhaft für A

bleich vor D gefasst auf A nötig für A wichtig für A

böse auf A gefühllos gegen A notwendig für A wohnhaft in D

charakteristisch für A geneigt zu D nützlich für A wütend auf A

eifersüchtig auf A genug von D passend für A zornig auf A

eingebildet auf A geschickt in D reich an D zufrieden mit D

einverstanden mit D gespannt auf A rot vor D zuständig für A

empfänglich für A geübt in D schädlich für A

entrüstet über A gewandt in D schmerzlich für A

• Er ist zu allem fähig.

• Mit der neuen Sekretärin bin ich sehr zufrieden.

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Wie die Beispielsätze in diesem Abschnitt zeigen, so stehen Genitiv-, Dativ- und Akkusativergänzungen

gewöhnlich vor dem Adjektiv, während die Präpositionalergänzung entweder vor oder nach dem

Adjektiv stehen kann.

144


Pronomen

Die große deutsche Lernergrammatik

Pronomen

Pronomen sind Wörter, die anstelle von Nomen, Eigennamen oder zusammen mit Nomen anstelle von

Adjektiven gebraucht werden .

Im Deutschen gibt es die folgenden Arten von Pronomen:

• Personalpronomen • Relativpronomen • Demonstrativpronomen

• Possessivpronomen • Reflexivpronomen • Interrogativpronomen

• Indefinitpronomen

1 Personalpronomen

§ 117 Die Deklination der Personalpronomen

Ü

152-154, 240

Die Personalpronomen werden folgendermaßen dekliniert:

1. Person

Nominativ

Akkusativ

Dativ

SINGULAR

ich

mich

mir

PLURAL

wir

uns

uns

2. Person

Nominativ

Akkusativ

Dativ

du

dich

dir

ihr

euch

euch

3. Person

Nominativ

Akkusativ

Dativ

er sie es

ihn sie es

ihm ihr ihm

sie

sie

ihnen

Höflichkeitsform

Nominativ

Akkusativ

Dativ

(Verwendet wird die Pluralform.)

Sie

Sie

Ihnen

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157


Die große deutsche Lernergrammatik

Pronomen

§ 118 Der Gebrauch der Personalpronomen

Ü

152-154

a. Die Personalpronomen „du, ihr, Sie“ werden verwendet, wenn man sich an eine oder mehrere Personen

wendet. Im Einzelnen:

• Mit „du“ und „ihr“ werden gut bekannte, vertraute Personen angeredet (z.B. Freunde, Verwandte

etc.), im Allgemeinen also Personen, die man mit ihrem Vornamen anredet:

• Wann kommst du nach Haus, Vati?

• Peter, hast du morgen Zeit für mich?

• Er fragte seine Freunde: „Könnt ihr mir bitte helfen?“

• Mit „Sie“ wendet man sich an ältere, höherrangige, unbekannte oder kaum bekannte Personen

oder im Allgemeinen zur formalen Anrede bei Personen, die man mit ihrem Nachnamen oder Titel

anredet. In diesem Fall steht das Verb in der dritten Person Plural (Höflichkeitsform):

• Entschuldigen Sie, Herr Direktor!

• Kommen Sie, Frau Müller!

• Darf ich Sie etwas fragen, Herr Doktor?

• Was kann ich für Sie tun, meine Dame?

Beachten Sie, dass das Personalpronomen „Sie“ unabhängig davon gebraucht wird, ob man damit eine

oder mehrere Personen anredet:

• Bitte setzen Sie sich, mein Herr!

• Bitte setzen Sie sich, meine Herren!

• Und wo arbeiten Sie beide?

-Ich arbeite bei der Post und mein Mann arbeitet bei einer Bank.

Das Personalpronomen „Sie“ und das entsprechende Possessivpronomen „Ihr“ werden immer großgeschrieben:

• Sind Sie morgen in Ihrem Büro? Gut, dann kann ich vorbeikommen und Ihnen Ihr Buch

zurückbringen.

b. Die Personalpronomen der 3. Person Singular und Plural werden anstelle der Nomen oder Eigennamen

verwendet:

• Wo ist mein Tablet? -Da liegt es.

• Luise ist nicht nur hübsch, sie ist auch sehr intelligent.

• Hast du Karl getroffen? -Nein, ich habe ihn nicht gesehen.

• Peters Eltern sind sehr nett. Ich habe sie neulich kennengelernt.

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158

c. Bei der Verwendung eines Personalpronomens zusammen mit einer Präposition ist besondere Vorsicht

geboten. Wenn das Pronomen auf eine Person hinweist, gibt es kein Problem: Zuerst kommt die Präposition,

gefolgt vom Personalpronomen:

• John spricht gut Deutsch; für ihn (= für John) wird es in Deutschland kein Sprachproblem geben.


Pronomen

Die große deutsche Lernergrammatik

Wenn aber das Pronomen auf eine Sache hinweist, verwendet man das entsprechende Pronominaladverb

(s. § 174):

• Wir machen jedes Jahr eine Urlaubsreise. Wir geben zwar dafür (= für die Urlaubsreise) viel

Geld aus, aber sie (= die Urlaubsreise) macht uns viel Spaß.

§ 119 Die unterschiedliche Verwendung des Pronomens „es“ Ü 155

a. Bis zu diesem Punkt haben wir Folgendes zum Personalpronomen „es“ festgestellt:

• Es ersetzt neutrale Nomen (s. § 118):

• Das ist mein neues Smartphone. Wie findest du es?

• Es fungiert als Subjekt von unpersönlichen Verben und Ausdrücken (s. §§ 80-81):

• Ach Gott, es regnet ja schon wieder!

• Es kann am Satzanfang als Subjekt in einigen Passivsätzen (s. § 43) gebraucht werden:

• Hat er das ohne Hilfe geschafft? -Nein, es wurde ihm von vielen Seiten geholfen.

• Es darf hier nicht geraucht werden!

b. Das Pronomen „es“ tritt ebenfalls am Anfang (= auf Position 1) eines jeden Satzes auf, in dem eine

einfache Feststellung gemacht wird. Das „es“ ist in diesem Fall nicht das echte Subjekt des Satzes,

sondern ein einfaches Füllwort (wenn man den Satz nicht mit dem Subjekt beginnen möchte):

• Es suchen viele ausländische Ärzte Arbeit in Deutschland.

• Es hat wieder Peter gewonnen, wie immer.

Diese Art der Ausdrucksweise ist besonders üblich bei Sätzen mit intransitivem Verb. Setzt man irgendein

anderes Satzglied an den Satzanfang (nicht unbedingt das Subjekt!), fällt „es“ weg:

• Viele ausländische Ärzte suchen Arbeit im Ausland.

• Wieder hat Peter gewonnen, wie immer.

Allerdings darf man „es“ nicht am Satzanfang gebrauchen, wenn das Subjekt des Satzes ein anderes

Personalpronomen ist:

• Sie suchen Arbeit im Ausland. (nicht: Es suchen sie Arbeit im Ausland.)

c. „Es“ wird auch als Korrelat verwendet, d.h. um anzuzeigen, dass ein Nebensatz folgt, der (als Ganzes!)

das Subjekt oder Objekt des vorhergehenden Satzes ausmacht (und insofern als nähere Erklärung zu

„es“ fungiert).

• Falls der nachfolgende Satz den Platz des Subjekts einnimmt, steht „es“ üblicherweise am Satzanfang:

• Es macht sicher Spaß, Fremdsprachen zu lernen.

Was macht Spaß? | Subjekt

• Es hat mich gefreut, dass er meine Einladung angenommen hat.

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159


Die große deutsche Lernergrammatik

Pronomen

Will man den Satz mit einem anderen Satzglied beginnen, so kann „es“ rechts neben dem Verb stehen

oder weggelassen werden. Diesbezüglich gibt es keine allgemeingültige Regel, es hängt vom Verb des

Satzes ab:

• Sicher macht es Spaß, Fremdsprachen zu lernen.

• Mich hat gefreut, dass er meine Einladung angenommen hat.

• Wenn der folgende Satz die Position des Objekts einnimmt, steht „es“ nicht am Satzanfang, sondern

zwangsläufig in der Satzmitte. Oft wird „es“ weggelassen, wiederum abhängig vom Verb im Satz:

• Viele halten es für nicht so wichtig, dass man auf sein Gewicht achten sollte.

Was halten viele für nicht so wichtig? | Objekt

• Wer hat (es) ihm erlaubt, den Firmenwagen auch am Wochenende zu benutzen?

Natürlich wird „es“ weggelassen, wenn man mit dem Nebensatz beginnt, unabhängig davon, ob es sich

dabei um ein Subjekt oder Objekt des Satzes handelt:

• Fremdsprachen zu lernen, macht Spaß.

• Dass man auf sein Gewicht achten sollte, halten viele für nicht so wichtig.

d. Das Pronomen „es“ kann auch ein Prädikativ ersetzen (s. § 193), ungeachtet ob es sich dabei um ein

Nomen - unabhängig vom Genus - oder um ein Adjektiv handelt:

• Sein Vater ist Notar; er wird es wohl auch. (= Er wird wohl auch Notar.)

• Du bist nicht reich, und ich bin es auch nicht. (= …, und ich bin auch nicht reich.)

In diesem Fall steht „es“ direkt nach dem Verb.

Das Prädikativ kann auch im Plural stehen:

Die Mutter war Schauspielerin, und ihre Töchter sind es auch geworden.

(= …, und ihre Töchter sind auch Schauspielerinnen geworden.)

Wie man sieht, wird das Verb des Satzes nicht durch „es“ beeinflusst!

2 Reflexivpronomen

§ 120 Deklination und Gebrauch der Reflexivpronomen

Ü

156

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a. Die Reflexivpronomen stehen nur im Akkusativ oder Dativ:

SINGULAR

PLURAL

1. Person 2. Person 3. Person 1. Person 2. Person 3. Person Höflichkeitsform

Akkusativ mich dich sich uns euch sich sich

Dativ mir dir sich uns euch sich sich

160


Pronomen

Die große deutsche Lernergrammatik

Man sieht, dass die Reflexivpronomen der 1. und 2. Person mit den entsprechenden Personalpronomen

übereinstimmen, wogegen die 3. Person (Singular und Plural) sowie die Höflichkeitsform das Pronomen

„sich“ gemein haben. (Vorsicht: Hier wird „sich“ nicht großgeschrieben!):

• Peter rasiert sich jeden Tag.

• Da wird sich Frau Lund aber freuen!

• Setzen Sie sich bitte!

b. Über den Gebrauch der Reflexivpronomen haben wir bereits ausführlich im Abschnitt über die Reflexivverben

gesprochen (s. §§ 72-74). Charakteristisch für den Gebrauch der Reflexivpronomen ist, dass sie

üblicherweise mit dem Subjekt in Bezug auf Person und Numerus übereinstimmen, jedoch nicht unbedingt

in Bezug auf den Kasus:

• Ich rasiere mich lieber nass statt elektrisch.

• Möchtest du dir vielleicht die Hände waschen?

• Er hat selten Zeit für sich selbst.

c. In einigen Fällen kann es vorkommen, dass das Reflexivpronomen nicht mit dem Subjekt des Hauptverbs

übereinstimmt. Dies kommt vor:

• in Infinitivsätzen (s. § 68)

• Ich habe ihn gebeten sich zu setzen.

• Haben dir deine Eltern empfohlen, dich um einen Studienplatz für Medizin zu bewerben?

wo das Reflexivpronomen mit dem Objekt des Verbs übereinstimmt (das aber gleichzeitig auch das

Subjekt des Infinitivs ist!).

• in Partizipien (s. § 60)

• Auf der Bank sah ich ein sich küssendes Paar.

• Wir standen da und beobachteten den sich langsam nähernden Zug.

wo das Reflexivpronomen mit dem Subjekt des Partizips übereinstimmt.

• Das Paar küsste sich.

• Der Zug näherte sich langsam.

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161


Die große deutsche Lernergrammatik

Pronomen

§ 121 Das reziproke Pronomen „einander“

Ü

111

a. Bei der Untersuchung der Reflexivverben haben wir gesehen, dass die Beziehung zwischen Subjekt und

Objekt oftmals nicht reflexiv, sondern wechselseitig (= reziprok) ist (s. § 74):

• Sie lieben sich nicht mehr, sie hassen sich sogar, glaube ich.

In diesem Fall kann man statt „sich“ das reziproke Pronomen „einander“ gebrauchen:

• Sie haben einander sehr gern.

• Sie hassen einander.

In der Alltagssprache wird „einander“ nicht gern gebraucht, da es als sehr gehobene Ausdrucksweise

empfunden wird.

b. Wenn es sich jedoch um ein Verb mit Präposition handelt, muss „einander“ verwendet werden, und

zwar wird es mit der Präposition zusammengeschrieben:

• Sie verliebten sich auf den ersten Blick ineinander.

• Jetzt kümmern sie sich aber kaum mehr umeinander.

In einigen Fällen kann „sich“ sogar weggelassen werden:

• Sie streiten (sich) miteinander.

Wie man sieht, wird „einander“ nicht dekliniert.

3 Unbestimmte Pronomen

Die unbestimmten Pronomen (= Indefinitpronomen) sind die umfangreichste Pronomen-Kategorie; sie

werden gebraucht, wenn man sich nicht konkret, sondern unbestimmt auf eine Person oder Sache

bezieht.

Ein Merkmal der unbestimmten Pronomen ist die Vielfalt ihrer Verwendung:

• Einige werden immer allein auftretend benutzt, anstelle von Nomen:

ein-, kein-, welch-, man, jemand, niemand, etwas, nichts, irgendwer, jedermann

• Andere wiederum können entweder allein oder vor einem Nomen stehen:

all-, ander-, jed-, viel-, wenig-, einig-, manch-, mehrer-, ein paar, irgendein-

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Einige dieser Pronomen werden dekliniert (das sind diejenigen, die auf „-“ enden, z.B. „ein-, kein-, all-,

ander-“) und andere bleiben undekliniert (z.B. „etwas, ein paar“).

162


Pronomen

Die große deutsche Lernergrammatik

§ 122 ein-/welch-/kein-

Ü

157

a. Diese Pronomen werden wie folgt dekliniert:

SINGULAR

maskulin feminin neutral

PLURAL

Nominativ einer eine ein(e)s (welche)

Akkusativ einen eine ein(e)s (welche)

Dativ einem einer einem (welchen)

Nominativ welcher welche welches welche

Akkusativ welchen welche welches welche

Dativ welchem welcher welchem welchen

Nominativ keiner keine kein(e)s keine

Akkusativ keinen keine kein(e)s keine

Dativ keinem keiner keinem keinen

Wie man sieht, sind die Endungen die gleichen wie die des bestimmten Artikels.

b. Was ihren Gebrauch betrifft:

• Das Pronomen „ein-“ verwendet man anstelle von Nomen, vor denen ein unbestimmter Artikel steht:

• Hast du vielleicht einen Textmarker? -Bitte, hier ist einer.

• Siehst du ein Taxi? -Da steht ja eins.

Im Plural werden die Formen des Pronomens „welch-“ benutzt:

• Kaufst du Musik-CDs? -Naja, früher habe ich mir welche gekauft, heute kaum noch.

• Das Pronomen „welch-“ wird statt Nomen verwendet, die ohne Artikel stehen:

• Möchten Sie noch Käse? -Ja, bringen Sie uns bitte welchen.

• Ich brauche Tomaten für den Salat. -Im Kühlschrank sind noch welche.

• „Kein-“ benutzt man bei Verneinungen, wenn man das Nomen nicht wiederholen möchte (unabhängig

davon, ob davor ein unbestimmter Artikel steht oder nicht):

• Trinken wir noch einen Kaffee? -Nein, lieber keinen.

• Habt ihr noch Geld? - Nein, wir haben keins mehr.

• Hat er alte Kleider in seinem Schrank? -Nein, er hat keine, nur neue Sachen.

An dieser Stelle soll noch einmal darauf hingewiesen werden, dass das Nomen durch ein Personalpronomen

ersetzt wird, wenn es von einem bestimmten Artikel oder einem Possessivartikel begleitet wird:

• Hast du die/deine Taucherbrille dabei? -Ja, ich habe sie / Nein, ich habe sie nicht dabei.

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163


Die große deutsche Lernergrammatik

Pronomen

§ 123 man

Ü

158

a. Das unbestimmte Pronomen „man“ wird folgendermaßen dekliniert:

Nominativ

Akkusativ

Dativ

man

einen

einem

Das Verb, das „man“ begleitet, steht immer in der 3. Person Singular.

Das unbestimmte Pronomen „man“ bezieht sich immer auf Personen (eine oder mehrere) und steht

allein, wird also nicht von einem Nomen begleitet:

• Wenn man mich fragen würde, was ich von Kurt halte, so würde ich sagen, er ist ein

ganz netter Kerl.

• In diesem Restaurant isst man gut und billig.

• Man spricht Deutsch.

b. „Man“ ist das gewöhnlichste Indefinitpronomen. Wenn man allgemein und unbestimmt sprechen

möchte, dient einem nur „man“.

Es muss betont werden, dass es nicht erlaubt ist, „man“ durch „er“ oder ein anderes Pronomen zu

ersetzen. Aus diesem Grund kann „man“ problemlos mehrmals im Satz verwendet werden. Dem Pronomen

„man“ entspricht schließlich das Possessivpronomen „sein-“:

• Wenn man im Ausland studiert, hat man zu Beginn oft viele Probleme. Es ist niemand da,

der einem helfen kann. Seine Eltern sind in der Heimat, seine Freunde auch. Man muss

Vorlesungen in einer fremden Sprache hören, und die Einheimischen können einen oft nicht

verstehen. Da muss man Geduld haben.

§ 124 jemand/niemand

Ü

159

a. Die unbestimmten Pronomen „jemand“ und „niemand“ werden nur im Singular dekliniert, und zwar

wie folgt:

Nominativ jemand niemand

Akkusativ jemand(en) niemand(en)

Dativ jemand(em) niemand(em)

Genitiv (jemandes) (niemandes)

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In der Alltagssprache werden sowohl die Genitivform als auch die Endungen im Akkusativ und Dativ

immer seltener verwendet.

164


Pronomen

Die große deutsche Lernergrammatik

b. „Jemand“ und „niemand“ beziehen sich immer auf eine unbestimmte Person. „Jemand“ hat positive

Bedeutung, während „niemand“ die Verneinung von „jemand“ darstellt:

• Hat jemand angerufen? -Nein, niemand.

• Hast du es jemand(em) erzählt? -Nein, niemand(em).

Man sieht, dass diese Pronomen allein stehen, d.h. sie begleiten kein Nomen.

c. Werden „jemand“ und „niemand“ von einem Adjektiv begleitet, bleiben sie undekliniert, während das

Adjektiv die maskulinen (!) Endungen der Deklination ohne Artikel (s. § 105) erhält und substantiviert ist,

also groß geschrieben wird:

• Auf der Party hab‘ ich niemand Bekannten getroffen.

• Dein Bruder spricht mit jemand Fremdem auf der Straße.

Vorsicht bei dem Adjektiv „ander-“:

• Macht das jemand anderer/anders? -Nein, das kann von niemand anderem/anders

gemacht werden.

§ 125 all-

Ü

160, 181

Das Indefinitpronomen „all-“ verlangt besondere Vorsicht, da es im Singular und Plural dekliniert wird,

wobei die Verwendung jeweils eine andere ist.

a. Im Singular wird es wie folgt dekliniert:

Nominativ

Akkusativ

Dativ

SINGULAR

alles

alles

allem

Das Pronomen „alles“ bezieht sich in der Regel auf Dinge oder auf eine Gesamtheit von Personen.

Wichtig dabei ist, dass „alles“ allein steht, also kein Nomen folgt (entweder weil das Nomen schon

bekannt ist oder weil es sich von selbst versteht), während das Verb in der 3. Person Singular steht:

• Pass, Ticket, Geld, Handy: Ich glaube, ich hab‘ alles.

• Wie war’s auf der Party? Komm, du musst mir alles erzählen!

• Alles hörte mit großem Interesse zu.

Vorsicht: „all-“ wird im Singular sowohl mit als auch ohne Nomen verwendet, allerdings als Artikelwort

(und nicht als Pronomen):

• Zur Konferenz wurden Experten aus aller Welt eingeladen.

Wenn „alles“ von einem Adjektiv begleitet wird, nimmt das Adjektiv die neutralen Endungen der Deklination

mit bestimmtem Artikel an (s. § 103) und wird groß geschrieben:

• Alles Wichtige steht auf diesem Zettel.

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165


Die große deutsche Lernergrammatik

Pronomen

b. Im Plural wird es folgendermaßen dekliniert:

Nominativ

Akkusativ

Dativ

Genitiv

PLURAL

alle

alle

allen

aller

Das Pronomen „alle“ bezieht sich auf Personen oder Dinge. Es wird von einem Nomen begleitet

(normalerweise ohne Artikel), es kann aber auch sein, dass das Nomen sich von selbst versteht:

• Alle Mitarbeiter sind mit dem neuen Direktor zufrieden.

Die Gesetze gelten für alle (Menschen/Bürger).

• In allen Wohnungen brannte noch Licht.

Wenn hinter „all-“ ein Artikel, ein Demonstrativ- oder ein Possessivpronomen steht, wird oft die undeklinierte

Form „all“ gebraucht:

• Hast du all die/diese Bücher gelesen?

• Er hatte all seine Freunde eingeladen.

§ 126 etwas/nichts

a. Die unbestimmten Pronomen „etwas“ und „nichts“ stehen nur im Singular und werden nicht dekliniert.

Sie beziehen sich auf Dinge und haben gegensätzliche Bedeutung:

• Hast du vielleicht etwas vergessen?

-Nein, ich bin sicher, ich habe nichts vergessen.

• Er hat etwas/nichts mitgebracht.

In der Umgangssprache wird statt „etwas“ die kürzere Form „was“ benutzt, und statt „nichts“ verwendet

man oft (vor allem im Süden Deutschlands) „nix“:

• Willst du was von mir?

• Er hat nix gesagt.

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b. Die Indefinitpronomen „etwas“ und „nichts“ werden oft von einem nominalisierten Adjektiv mit

neutraler (!) Nullartikeldeklination begleitet (s. § 105), wie auch von „zu + Infinitiv“:

• Hat er von etwas Besonderem berichtet?

-Nein, er hat eigentlich nichts Neues gesagt.

• Bitte gib mir was zu essen!

-Tut mir leid, der Kühlschrank ist leer. Aber ich kann dir was zu trinken anbieten.

166


Adverbien

Die große deutsche Lernergrammatik

Interjektionen und

Abtönungspartikeln

Interjektionen und Abtönungspartikeln sind kleine, nicht flektierbare Wörter, die nach dem Ermessen des

Sprechers verwendet werden und der Satzaussage einen rein persönlichen, subjektiven Ausdruck verleihen,

da sie Empfindungen des Sprechers ausdrücken (z.B. Bewunderung, Verwunderung, Überraschung etc.).

§ 175 Die wichtigsten Interjektionen

In der folgenden Tabelle sind in der linken Spalte die Empfindungen aufgelistet, die man zum Ausdruck

bringen möchte, und rechts stehen die häufigsten entsprechenden Interjektionen im Deutschen:

Empfindung

Unsicherheit, Zweifel

Ekel

Überraschung

Verneinung, Ablehnung

Ironie, Spott

Lob

Genuss, Freude

Segen

Bewunderung

Missfallen, Ärger

Zuruf

Trost, Zuspruch

Leid, Trauer

Ansporn

Schmerz

Angst

Freude, Lust

Interjektion

hm, na

bäh, pfui, igitt

aha, nanu, ei, hoppla

i wo, ah bah

ätsch

bravo, cool

ah

amen

oh, oho, o la la

ach was, ha, na

he, na, hallo

na na

ach, oh, oh weh

los

au, autsch

uh

juchhe, juhu, hurra

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239


Die große deutsche Lernergrammatik

Adverbien

b. Selbstverständlich können diese Interjektionen nur dann wirksam eingesetzt werden, wenn sie spontan

und mit der entsprechenden Intonation geäußert werden:

• Pfui, wie kitschig!

• Nanu, ist das Essen immer noch nicht fertig?

• Hallo, Sie da!

• Los, komm!

• O weh, der Vogel ist gestorben!

Wie man sieht, stehen die Interjektionen in der Regel am Satzanfang und werden vom folgenden, meist

kurzen Satz durch ein Komma getrennt, sind also syntaktisch vollkommen unabhängig von dem übrigen Satz.

§ 176 Die wichtigsten Abtönungspartikeln und ihre Bedeutung

Ü

241

a. Als Abtönungspartikeln fungieren im Deutschen bestimmte modale Adverbien und Konnektoren.

Diese Partikeln werden gewöhnlich in der gesprochenen Sprache verwendet (wobei ihr Gebrauch in der

Schriftsprache nicht ausgeschlossen ist) und verleihen ihrem Ausdruck Unmittelbarkeit und Spontaneität,

weil sie den Gemütsausdruck oder die Einstellung des Sprechers zum Geäußerten wiedergeben.

• Warum fragst du denn?

-Ich will es einfach wissen.

• Er kann es wohl schaffen.

-Nein, er kann es überhaupt nicht.

Die Abtönungspartikeln, von denen es ungefähr 40 gibt, weisen eine große Vielfalt in ihrer Anwendung

auf, weshalb der Lerner der deutschen Sprache sich erst nach einiger Zeit mit ihrem Gebrauch vertraut

machen kann.

Natürlich muss man nicht unbedingt Abtönungspartikeln verwenden und kann sehr wohl ohne sie Sätze

bilden. Dies wird auch dadurch ersichtlich, dass die Partikeln nicht als Satzglieder zählen (wie Verben,

Ergänzungen etc.), sondern lediglich als Wörter, die andere Satzteile und den darin ausgedrückten Sachverhalt

kommentieren. Liest man jedoch die Beispiele in der folgenden Tabelle einmal mit und einmal

ohne Abtönungspartikeln, so versteht man, wie lebendig die Sprache durch den Gebrauch dieser Partikeln

wirkt. Selbstverständlich ist auch hier die entsprechende Intonation wichtig.

b. Wenden wir uns nun den gebräuchlichsten Abtönungspartikeln und ihrer Verwendung im Satz zu:

Partikel Bedeutung Beispiel

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aber

Überraschung über etwas

Unerwartetes

• Du bist aber schick heute!

• Das ist aber ‘ne Überraschung!

allerdings Einräumung/Einschränkung • Ich muss allerdings hinzufügen, dass dieser

gut bezahlte Job sehr anstrengend ist.

also Schlussfolgerung • Treffen wir uns also um acht?

auch Zweifel • Hast du auch nichts vergessen?

240


Adverbien

Die große deutsche Lernergrammatik

bloß Sorge • Was ist bloß mit dir los?

denn Interesse/Betonung einer Frage • Habt ihr denn eure Bücher nicht dabei?

doch

eben

eigentlich

1. Einwand

2. Wunsch/Reue

1. Nachgeben / lästige Konsequenz

2. Betonung

Schwerpunkt auf das Wesentliche

• Ich hab‘ doch nichts gesagt!

• Wäre ich doch nicht so naiv gewesen!

• Du musst sie eben vergessen!

• Eben das wollte ich sagen!

• Eigentlich ist er ein netter Typ.

• Was bedeutet das eigentlich?

einfach Vereinfachung • Erik ist nicht zum Schulfest gegangen,

er ist einfach zu Hause geblieben.

erst

1. Zeitpunkt in der Zukunft

2. Quantität, die sich vergrößern

kann

• Der Techniker kommt erst übermorgen.

• Ich hab‘ erst ein Bier getrunken.

• Es ist erst 9 Uhr!

etwa Annahme, Möglichkeit • Hat er etwa kein Interesse mehr an der Sache?

gar Betonung auf Verneinung • Los Angeles finde ich gar nicht schön.

gerade

Betonung auf einen besonderen

(oft unangenehmen) Umstand

• Gerade an Ostersonntag hat es den ganzen

Tag geregnet.

halt Kompromiss • Das ist halt so und nicht anders!

• Ich hab‘ halt kein Geld mehr.

immerhin Einräumung (im positiven Sinn) • In Saudi-Arabien verdient er immerhin ganz

gut.

ja

1. Bejahung

2. Überraschung

• Das ist ja allen bekannt.

• Da kommt er ja!

jedenfalls notwendige Einschränkung • Ich kann jedenfalls morgen nicht anwesend

sein.

mal Aufforderung/Einladung • Hör mal gut zu!

• Mach mal ‘ne Pause!

nicht Überraschung • Was du nicht alles weißt!

nun

nur

(implizite) Frage nach Bestätigung

1. Einschränkung auf eine einzige

Sache

2. Wunsch

3. Desinteresse/Gleichgültigkeit

• Gehen wir nun ins Café?

• Ruf mich nur an, bevor du kommst!

• Wenn ich nur das Geld hätte!

• Lass ihn nur schimpfen!

ruhig Erlaubnis • Du kannst ruhig später kommen.

• Du kannst ruhig „du“ zu mir sagen.

schließlich Begründung • Er ist schließlich alt genug.

schon

relative (keine absolute) Gewissheit

• Keine Angst, wir werden den Zug schon

erreichen!

sogar über das Erwartete hinaus • Er besuchte mich im Krankenhaus und

brachte sogar Blumen mit.

sowieso/

ohnehin

1. objektive Verpflichtung

2. Schicksal/Resignation

• Ich muss in einer Stunde ohnehin nach Hause.

• Das verstehst du sowieso nicht.

© Praxis Verlag

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Die große deutsche Lernergrammatik

Adverbien

überhaupt

vielleicht

1. Zweifel

2. Betonung auf Verneinung

(s. „gar“)

(eher) unangenehme Überraschung

• Wie bist du überhaupt auf die Idee

gekommen?

Dieser Plan gefällt mir überhaupt nicht.

• Mann, bist du vielleicht spießig!

• Der hat vielleicht Nerven!

wohl Wahrscheinlichkeit, Vermutung • Das ist wohl meine letzte Chance, Deutsch

zu lernen.

• Du spinnst wohl!

c. Wie man sieht, sind die Partikeln in der Regel in den Satz integriert, hinter dem Verb

• Komm mal her!

oder etwa hinter Pronomen:

• Gib mir mal bitte dein Handy!

Die Partikeln „allerdings, eigentlich, immerhin, jedenfalls, ohnehin, schließlich, überhaupt“ können

auch am Satzanfang stehen (mit dem Verb auf Position 2):

• Schließlich kann man nicht alle Abtönungspartikeln der deutschen Sprache perfekt

beherrschen.

d. Ein Satz kann auch mehr als eine Abtönungspartikel enthalten. Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht

über die Reihenfolge, in der in einem solchen Fall zwei oder mehrere Partikeln im Satz auftreten:

Gruppe 1 denn, doch, ja Gruppe 4 auch

Gruppe 2 aber, also, eben, nun Gruppe 5 bloß, nur

Gruppe 3 schon Gruppe 6 alle übrigen Abtönungspartikeln

• Ruf mich < > an!

Ruf mich mal an!

• Man kann < > selten Glück haben!

Man kann eben selten Glück haben!

[6]

Ruf mich doch mal an!

[2]

Man kann eben nur selten Glück haben!

[1] [6]

• Musst du < > gehen?

Musst du auch gehen?

• Sei < > still!

Sei bloß still!

[2] [5]

[4]

Musst du nun auch gehen?

[5]

Sei doch bloß still!

[2] [4]

[1] [5]

© Praxis Verlag

Musst du denn nun auch gehen?

[1] [2] [4]

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