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Berlin – Die Schönheit des Alltäglichen, Urbane Textur einer Großstadt

ISBN 978-3-86859-380-8

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144 Berliner Untergrund Oben: Rundungen und plastische Elementarformen bestimmen die Mitte der 1970er Jahre eröffneten Stationen der Linie 9 vom Rathaus Steglitz zur Osloer Straße. Unten: Intensive Blau-Gelb- Kontraste im 1978 eröffneten Bahnhof Richard-Wagner- Platz; die Wandbilder zeigen historische Szenenbilder von Wagner-Opern.

Oben: Netzspinne im Pop-Art-Stil Wandbild im U-Bahnhof Berliner Straße, 1971 Rechts: „Knipswanne“ Fahrkartenschalter in Form eines U-Bahn-Zuges, Eingangshalle des Bahnhofs Bayerischer Platz, 1971 Oben: Wächter der Unterwelt: Der Kerberos von Walter Grzimek in der Vorhalle des U-Bahnhofs Rathaus Steglitz Unten: Bahnhof Fehrbelliner Platz: Architekt Rainer G. Rümmler integrierte das Eingangsgitter des unteren, 1913 fertiggestellten Bahnsteigs als historische Reminiszenz ins Entree des markanten, 1971 fertiggestellten Eingangspavillons. eloxiertem Aluminium heben sich vom schwarzen Gussasphalt der Böden ab, veredeln die poppigen Grundfarben der mattierten, flächigen Zementfaserplatten, die wiederum mit glänzenden, knallroten Hartplastikschalensitzen oder unreinen Farben bewusste Disharmonien eingingen. Ausladende runde Ecken wurden komplettiert durch tiefe gelbe Voutendecken an den Treppenspiegeln und an den Tunnelwänden prangen zum Symbol reduzierte, seriell gereihte norwegische Flaggen, breite farbige Rahmen um riesige Stationsnamen oder rein ornamentale Kreise, Ellipsen, Punkte oder Streifen. Rauer Sichtbeton steht neben glattem, glänzenden Plastik, mal versteckt sich die Technik hinter geschwungenen Decken, mal in bunten Rohren. Die Formbarkeit von Kunststoff, Rabitz und Aluminium wurde ausgereizt, sodass die Gestaltung skulptural wurde. Kerberos bewacht die Unterwelt In der Station Rathaus Steglitz saß bis Anfang 2016 unter einem Himmel aus gelben Plastikringen ein riesiger, 1972 von Walter Grzimek geschaffener Kerberos aus Aluminium, der den Abgang zur Unterwelt bewachte. Runde Wandöffnungen gestatten Durchblicke zwischen den Geschossen. Prägnant sind wieder einmal die Eingangspavillons, hier zu den Umsteigebahnhöfen Bayerischer Platz und Fehrbelliner Platz, die mit ihren runden Formen und leuchtenden Farben eine „Konfrontation und städtebauliche Provokation“ 8 sein wollten und diese Wirkung nicht verfehlten. 9 Nicht als Pavillon angelegt, aber dennoch zur Gesamtkonzeption gehörend ist der „Bierpinsel“ („Turmrestaurant Steglitz“), der in Einheit mit dem U-Bahnhof Schlossstraße und der dortigen Autobahnüberführung von Schüler/Schüler-Witte geplant und realisiert werden konnte. 10 Nicht nur im U-Bahnbau war die Phase der Pop-Art-Architektur aufgrund der 1973 einsetzenden Ölkrise und Wirtschaftsrezession nur 145