Kanonische Bilder - Geschichtsunterricht anders

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Kanonische Bilder - Geschichtsunterricht anders

Mit historischen Bildern umgehen

Grundlagen

Prof. Dr. Waltraud Schreiber, Universität Eichstätt


Bilder bilden Wirklichkeit nicht ab, sie

stellen sie dar

� Jedes Bild hat einen Urheber, der die Motive

bestimmt, die zu sehen sind.

� Viele Bilder beziehen sich auf eine Realität, die

außerhalb des Kopfes des Urhebers existiert.

� Jedes Bild folgt der Bildsprache seiner Zeit

� Jedes Bild hat Kontexte außerhalb des

Dargestellten. Häufig verweist dieses Bild vage auf

diese Kontexte, ohne sie präzise zu bestimmen.

� Jedes Bild entsteht im Kopf des Betrachters neu.

Prof. Dr. Waltraud Schreiber, Universität Eichstätt


Typisierung: historische Bilder

� Bildquellen 1 : Überrestquellen, die aus der Zeit

stammen, die erschlossen werden soll

� Bildquellen 2: Bilder von als historisch empfundenen

Augenblicken, die als Traditionsquellen konzipiert

wurden

� Vergangenes als Bildmotiv (u.a. Historiengemälde)

Kanonische Bilde/ Ikonen: Bilder, die Geschichte

machen

Prof. Dr. Waltraud Schreiber, Universität Eichstätt


Bildquellen 1 : Votivbilder. Überrestquellen

für die Alltagsgeschichte

Madonna und die Rettung eines Kindes aus dem Mühlbach. Aus: Beitl,

K.: Votivbilder. Salzburg 1973, Tafel 14.

Votivtafel:

Prof. Dr. Waltraud Schreiber, Universität Eichstätt


Bildquellen 1 : Überrestquellen

Epitaph des Drahtziehers Martin Stengel, 1523; Reproduktion aus:

Bürgerverein St. Johannis (Hg.): Curiosa. Handwerker-Epitaphien,

Patriziergräber auf dem St. Johanniskirchhof zu Nürnberg 1991, S. 69.

Drahtzieher, um 1425. Reproduktion aus: Treue, W. (Hg.) Das

Hausbuch der Mendelschen Zwölfbrüderstiftung zu Nürnberg, Bd. 2,

München 1965, S. 71.

Prof. Dr. Waltraud Schreiber, Universität Eichstätt


Bildquellen 2: Traditionsquellen

Pazifikkrieg, Feb. 1945, Iwo Jima

Originalaufnahme

Gestellte

Aufnahmen:

Fotograph:

Aus: Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (Hgg.): X für U. Bilder, die lügen.

Ausstellungskatalog. 2. Auflage, Bonn 2003, S. 46.

Prof. Dr. Waltraud Schreiber, Universität Eichstätt


Bildquellen 2: Traditionsquellen

Aus: Gall, L. (Hg.): 1848. Aufbruch zur Freiheit. Frankfurt/M., 1998, S. 164.

Menzel

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Historiengemälde: Vergangenes als

Bildmotiv

Aus: Mühldorf a. Inn (Hg.): Salzburg in Bayern. 935-1802-2002. Mühldorf 2002, S. 187.

Fresko:

Frauenkirche

Mühldorf/Inn

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Historiengemälde: Vergangenes als

Bildmotiv

Aus: Albert, Salvador Bernabeu: El centenario interminable. In: Wawor, Gerhard; Heydenreich, Titus

(Hrsg.): Columbzs 1492/1992. Frankfurt a.M. 1995, S.24.

Karikatur

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Kanonische Bilder: Bilder machen Geschichte:

Ikonen des schmutzigen Krieges,

Aus: Hamburger Institut für Sozialforschung (Hg.): Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des

Vernichtungskrieges 1941-1944. Ausstellungskatalog. 2. Auflage 2002, S. 547

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Kanonische Bilder: Bilder machen

Geschichte

Neuer Auß Münster vom 25. deß Weimonats. Holzschnitt, 1648, aus: Harms, Wolfgang (Hg.):

Deutsche illustrierte Flugblätter des 16. und 17. Jahrhunderts. Bd. VI, S. 336f.

Flugblatt:

Friedensreiter

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Kanonische Bilder: Bilder, die lügen,

machen Geschichte

Aus: Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (Hgg.): X

für U. Bilder, die lügen. Ausstellungskatalog. 3. Auflage, Bonn 2003, S.

44.

Gestellte

Fotographien:

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Umgang mit historischen Bildern

Es gibt nicht nur eine Methode der

Bilderschließung. Es hängt vom Bildtypus ab,

welche Methode gewählt werden sollte.

Prof. Dr. Waltraud Schreiber, Universität Eichstätt


Votivbilder zur Re-Konstruktion von

Alltagsgeschichte nutzen

1. Klären, durch welche Signifikanten Votivbilder

gekennzeichnet sind (überirdische Macht

vergegenwärtigt, Votant zu sehen, Anlass,

schriftliche Information)

2. Votivtafel in ihrer Intention erschließen

3. Quellenwert des Bildes für andere Fragestellungen

nutzen (Gebäude, Kleidung, Hinweise auf religiöse

Riten und Symbole)

(Pötzl, W.: Alltagsbilder des 18. und 19. Jahrhunderts, in: Schreiber, W.: Bilder der

Vergangenheit – Bilder aus der Vergangenheit? Neuried 2004, S. 213-222.

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Eine Traditionsquelle erschließen:

Historische Augenblicke im Bild

Zwischen Augenzeugenschaft und zukunftsgerichteter

Deutung. Weil die Absicht zu tradieren dominant ist, führen

kunstwissenschaftliche Methoden der Bilderschließung weiter,

z.B. die nach Erwin Panofsky:

� Vorikonografische Beschreibung (Motive erkennen und

beschreiben)

� Ikonographische Analyse (Bedeutungen zuordnen; was

epochenspezifische Kenntnisse voraussetzt)

� Ikonologische Interpretation (Tiefenstruktur/ Prinzipien sollen

erfasst werden)

Weil historische Fragen an das Bild gestellt werden, müssen

zusätzlich Materialien herbei gezogen werden, auch zur

Überprüfung der Aussagen des Bildautors.

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Historiengemälde erschließen

Die Zeit der Entstehung und die dargestellte Zeit müssen erfasst

werden, vorrangig aber die Art der Geschichtsdarstellung. Zu

unterscheiden sind diachrone und synchrone Darstellungen.

Die De-Konstruktion der Geschichtsdarstellung ist die Methode,

die am weitesten führt. Kunstwissenschaftliche Analysen haben

unterstützende Funktion, ebenso die historischen Analysen zu

den Entstehungsbedingungen und zur dargestellten Zeit.

Verzichtet sollte weder auf die Zuarbeit der

Kunstwissenschaftler werden, noch auf die der Historiker.

Sich bei Historiengemälden dezidiert mit dem Betrachter des

Bildes auseinanderzusetzen, ist besonders interessant, weil es

zwei Zeitebenen vereint.

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Kanonische Bilder erschließen

In diesem Falle steht nicht der Bildinhalt (in

dokumentarischer und interpretierender Hinsicht) im

Zentrum, sondern die Be-nutzung des Bildes.

Damit bekommen die Erforschung der

Rezeptionsgeschichte und der Rückwirkungen der

Rezeption auf das Wahrnehmen der vergangen und

der aktuellen Wirklichkeit Gewicht.

Medienwissenschaftliche, geschichtstheoretische

und geschichtsdidaktische Fragestellungen kommen

zur Anwendung.

Prof. Dr. Waltraud Schreiber, Universität Eichstätt


Literatur:

Schreiber, W. (Hg.): Bilder aus der

Vergangenheiten, Bilder der Vergangenheit?

Neuried 2005.

Krammer, R./ Ammerer, H. (Hgg.): Mit Bildern

arbeiten. Historische Kompetenzen erwerben.

Neuried 2006. Mit CD-ROM.

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