Wagnereinmalig No. 4
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Das Buchmagazin der Wagner’schen Universitätsbuchhandlung — 03.2017<br />
Wagner<br />
eı˙nmalı˙g<br />
#<strong>No</strong>. 4
Impressum<br />
Herausgeber und für den Inhalt verantwortlich:<br />
Wagner’sche Universitätsbuchhandlung, Medici Buchhandels GmbH,<br />
Museumstraße 4, 6020 Innsbruck<br />
info@wagnersche.at — www.wagnersche.at<br />
Redaktion: Robert Renk<br />
© der Textbeiträge bei den Autorinnen und Autoren<br />
Grafische Ausstattung: hœretzeder grafische gestaltung, Scheffau / Tirol<br />
Fotografie (so nicht anders angegeben): Thomas Schrott<br />
© der Abbildungen bei den jeweiligen Rechteinhabern<br />
Titelbild „Vogel“: guentheregger.at, series „birds everywhere“ 53, 5/5 2015<br />
Fehler, Änderungen und Irrtümer vorbehalten.<br />
2<br />
© 03.2017 – alle Rechte vorbehalten<br />
Bücher seit 1639<br />
Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
Der großartige Autor<br />
Christoph W. Bauer hat in<br />
seinem Buch „Der Buchdrucker<br />
der Medici“ nicht nur die<br />
Geschichte der Wagner’schen<br />
sehr sympathisch dargestellt,<br />
sondern spielt mit der Idee,<br />
dass der Firmengründer<br />
Michael Wagner über drei<br />
Jahrhunderte die Firma<br />
begleitet, sprich auf das Haus<br />
schaut und alle Höhen und<br />
Tiefen miterlebt. Wir wissen<br />
natürlich nicht, welches<br />
Zeugnis er uns ausstellen<br />
würde, aber wir können auf<br />
viele Innovationen in den<br />
letzten 1 ½ Jahren verweisen.<br />
Ob das unser gratis Fahrrad-Zustellservice<br />
„Wagner’sche<br />
bringt’s“ ist, unser<br />
neu ge stalteter Newsletter,<br />
unsere Video-Buchtipps 3×3,<br />
oder unsere erfolgreichen<br />
Blind Dates. Manches davon<br />
wird wohl auch der Grund<br />
sein, warum wir mit der<br />
Wagner’schen als erste österreichische<br />
Buchhandlung<br />
für den Sales Award des deutschen<br />
Buchhandels nominiert<br />
wurden. Aber mehr davon<br />
in unserem neuen Magazin.<br />
Viel Spaß beim Lesen!<br />
Markus Renk (re.), Markus Hatzer<br />
Inhalt<br />
6 Darf nicht vergessen werden<br />
Eine neue Buchreihe stellt sich vor …<br />
7 Garten & Kochen<br />
Terrasse, Garten, Pasta, YomYom und ein Rezept von Nina<br />
12 Ferdinand II. feiert Jubiläum<br />
Der Erzherzog, ein unbeschriebenes Blatt …<br />
16 Thomas Meinecke<br />
Der Autor, Musiker und Feminist im Gespräch – 15. Prosafestival<br />
18 Doron Rabinovici gibt Auskunft<br />
Einer der interessantesten Autoren ist gleich 2 × zu Gast in Innsbruck<br />
22 Dirk Kurbjuweit<br />
Der Spiegeljournalist und Autor besucht „Innsbruck liest“ – 3. Mai 2017<br />
24 Nadine Kegele<br />
Gedanken zur literarischen Geschlechterfrage – 21. März 2017<br />
28 Monika Helfer<br />
Buchpräsentation (mit Michael Köhlmeier) – 29. März 2017<br />
30 Reinhard Haller<br />
Fundiertes über die Macht der Kränkung – 5. April 2017 im artdepot<br />
34 Hubert Flattinger reist<br />
Lord Winter ist zurück – 16. Mai 2017<br />
36 Das Glück, das ich habe<br />
Franz Schuh sucht das Glück – 18. Mai 2017<br />
38 Klaus Merz<br />
Im Gespräch über seinen Gedichtband „Helios Transport“ – 16. Juni 2017<br />
40 7 × Fragen: Günther Egger<br />
Auslage. Cover. Antworten<br />
42 Litauen literarisch …<br />
Tipps zum Buchmessenschwerpunkt in Leipzig von Cornelius Hell<br />
44 Kinder- und Familienblog<br />
Neues und Neuestes …<br />
50 Mit den besten Empfehlungen<br />
56 3×7 Best aber Seller
© Thomas Schrott<br />
Ein ganzes<br />
& ein halbes Jahr<br />
Wohnzimmer, Küche, 80.000 Bücher<br />
und ein Autor über Nacht …<br />
In unsere<br />
Buchhandlung<br />
kommt man<br />
ohne Passwort.<br />
Markus Renk<br />
4 Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
Das erste ganze Jahr „Wagner’sche neu“<br />
ist geschlagen und wir wissen inzwischen,<br />
wo wir dank Ihrer Unterstützung gelandet<br />
sind. Wir freuen uns über das nach wie vor<br />
sehr große und positive Feedback, dies ist<br />
Motivation für uns, den Weg mit demselben<br />
Elan weiter zu beschreiten. Es ist schön, dass<br />
sehr viele unserer Impulse so gut ankommen.<br />
Unsere Blind Dates sind eine wahre<br />
Erfolgsgeschichte, unser Newsletter geht<br />
inzwischen schon an etliche tausend<br />
Empfänger und unsere Buchtipp-Videos,<br />
mit persönlichen Empfehlungen werden<br />
jedes Mal von einem großen Kundenkreis<br />
gesehen. Auch der Umbau des Eingangsbereichs<br />
und die Möglichkeit, die Wagner’sche<br />
inzwischen barrierefrei zu betreten, war<br />
eine wichtige Neuerung. Die Wagner’sche<br />
Kundenkarte ist extrem beliebt und mit<br />
rund 40 Buchveranstaltungen im Jahr sind<br />
wir ein sehr wichtiger Kulturveranstalter<br />
in Innsbruck. Der Erfolg unterstreicht die<br />
Richtigkeit all dieser Maßnahmen. Wir<br />
sind stolz, dass wir auch schon für unsere<br />
Leistungen ausgezeichnet wurden. Neben<br />
dem Top-Company-Award-Zertifikat wurden<br />
wir beim Tiroler Jungunternehmer preis<br />
ausgezeichnet und seit wenigen Wochen<br />
wissen wir, dass wir für den Sales Award<br />
des deutschen Buchhandels nominiert sind.<br />
Als erstes österreichisches Unternehmen<br />
überhaupt stehen wir auf der Shortlist.<br />
Drücken Sie uns bitte die Daumen.<br />
Aber was wird es Neues in der Wagner’schen<br />
geben. Derzeit investieren wir<br />
viel Energie und Geld in unseren neuen<br />
Onlineshop, die ersten Neuerungen sind<br />
bereits sichtbar. Das Thema E-Commerce<br />
ist heuer ein Schwerpunkt. Der Newsletter<br />
wurde bereits komplett neu entwickelt,<br />
auch unsere Buchmagazine kann man bequem<br />
unter wagnereinmalig.onlinelesen.at<br />
elektronisch nachlesen. Ein Buchblog<br />
ist in Arbeit, ebenso ein Familienblog.<br />
Ein neuer mobiler Onlineshop wird<br />
5<br />
das Herzstück unserer weiteren Onlinestrategie<br />
werden. Auch wenn sich die<br />
Neuerungen erst in der Umsetzungsphase<br />
befinden, können wir auch jetzt schon<br />
online 6 Millionen Bücher in unserem<br />
Onlineshop und unserem mobilen Shop<br />
anbieten und diese kostenlos versenden.<br />
Bei uns müssen Sie kein Premiummitglied<br />
sein, um Ihre Bücher über Nacht geliefert<br />
zu bekommen, das ist bei uns Standard!<br />
Und rund 80.000 Bücher haben wir sogar<br />
für Sie in der Wagner’schen vorrätig und<br />
sofort greifbar. Das ganze ohne Aufpreis.<br />
Und mit unserem neuen Fahrrad-Zustellservice<br />
„Wagner’sche bringt’s“ können<br />
Sie sich Ihre Bücher gratis innerhalb<br />
von drei Stunden nach Hause oder ins<br />
Büro liefern lassen. Ökologisch, schnell<br />
und kostenlos – das kann kein Amazon!<br />
Aber natürlich gibt es noch das<br />
Buch-Abenteuer offline. Wie lautet ein<br />
nettes Zitat vom Börsenverein des deutschen<br />
Buchhandels: „In die Buchhandlung<br />
ohne Passwort reinkommen, mit einem<br />
Lächeln begrüßt werden und mit einem<br />
echten Warenkorb durch die Regalreihen<br />
spazieren – Coole Erfahrung!“ Und diese<br />
coole Erfahrung ist uns wichtig. Sie sollen<br />
die Wagner’sche als Ort der Emotionen<br />
und Abenteuer erleben. Die Wagner’sche<br />
soll ein Ort der Erholung sein, wo man<br />
ein tauchen kann in die Welt der Bücher.<br />
Unser Bistro „1639“ soll Ihnen den Aufenthalt<br />
noch weiter versüßen und Sie kulinarisch<br />
verwöhnen. Die vielen Sitzmöglichkeiten<br />
in der Buchhandlung bieten Ihnen<br />
die Möglichkeit, in Ruhe zu schmökern,<br />
und unser Fachpersonal steht Ihnen<br />
für die richtigen Buchempfehlungen zur<br />
Verfügung. All das soll gewährleisten,<br />
dass Sie sich bei uns in der Wagner’schen<br />
wohlfühlen.<br />
Eine breit angelegte deutsche Handels-<br />
Untersuchung der Firma ShopperTrak<br />
hat ergeben, dass rund ein Viertel aller<br />
befragten Kunden ihren Einkauf schon<br />
einmal abgebrochen hat, weil die Warteschlange<br />
an der Kasse zu lang war. Kunden<br />
wünschen sich heute fortschrittlichere<br />
Lösungen, um das Anstehen an der Kasse<br />
zu umgehen. Und dazu gehöre auch, das<br />
zahlenmäßige Verhältnis zwischen Personal<br />
und Kunden während der Spitzenzeiten<br />
besser in den Griff zu bekommen. Auch<br />
wenn wir hier schon gute Arbeit geleistet<br />
haben, stockten wir unser Team zusätzlich<br />
mit vier neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern<br />
auf.<br />
Eine einzigartige Buchauswahl, tolles<br />
Service, Fachkompetenz und eine Wohlfühlatmosphäre,<br />
all das ist wichtig und<br />
wird bei uns großgeschrieben. Bei manchen<br />
Kunden hat man jetzt schon das Gefühl,<br />
sie blicken sich ganz neidisch in der Buchhandlung<br />
um und überlegen, wo sie den<br />
Herd und das Bett aufstellen würden. Diese<br />
Idee haben wir aufgegriffen und bieten<br />
neben den bereits durchgeführten Sonntags-Lunchs<br />
in der Buchhandlung auch<br />
einzelne, exklusive Lange Nächte in der<br />
Buchhandlung an. Das Besondere allerdings<br />
ist, dass diese gemeinsam mit einem<br />
Autor durch geführt werden. Es freut uns,<br />
dass wir für den ersten Termin den internationalen<br />
Bestsellerautor Ilija Trojanow<br />
gewinnen konnten. Auf rund 25 Buchliebhaberinnen<br />
und Buchliebhaber wartet daher<br />
ein unvergessliches Erlebnis, den Autor<br />
besonders hautnah und persönlich kennenzulernen.<br />
Wie immer gibt es aber auch viele<br />
andere tolle Lesungen, Buchpräsentationen<br />
und Veranstaltungen, welche das genau<br />
sind, können Sie hier im Detail nachlesen.<br />
Wir freuen uns und wünschen Ihnen<br />
nun viel Spaß beim Lesen unseres neuesten<br />
Buchmagazins!<br />
Ihr Markus Renk
Schöne alte Welt:<br />
„Kindheit in Pradl“<br />
von Josef Wallinger<br />
Neues aus der Meierei …<br />
Der Frühling ist da und somit ist auch unsere Gartenterrasse<br />
wieder offen! Was unsere Stadtgärtnerin und belesene Spitzenköchin<br />
Nina Rettenbacher alles geplant hat, wollte sie uns<br />
nicht sagen. Deshalb hat sie’s uns aufgezeichnet.<br />
ErinnE rungE n an Innsbruck<br />
Josef Wallinger<br />
Kindheit in<br />
Pradl<br />
Buch:<br />
Josef Wallinger:<br />
Kindheit in Pradl<br />
Wagner’sche, 120 S., € 9,95<br />
Buchpräsentation:<br />
Di., 9. Mai 2017, 19:30 Uhr<br />
Wagner’sche<br />
Universitätsbuchhandlung<br />
Eintritt frei!<br />
Der wöchentliche Besuch bei der Mutter<br />
oder bei der Schwester in Pradl: Man findet<br />
mit Mühe einen Parkplatz, schlendert durch<br />
die Straßen, betrachtet die Auslagen der<br />
Geschäfte, hört und sieht die herannahende<br />
Straßenbahn der Linie 3 – und schon sind sie<br />
wieder da: die Bilder vom Pradl der sechziger<br />
und siebziger Jahre, die man als Kind und<br />
Jugendlicher in diesem Stadtteil verbracht<br />
hat.<br />
Es sind diese alten Bilder, die oft wie auf<br />
Knopfdruck Erinnerungen auslösen, die<br />
ins Gedächtnis gelangen und dort für eine<br />
Weile haften bleiben. Ein Eindruck aus der<br />
Vergangenheit gesellt sich zum anderen und<br />
am Ende entsteht daraus das Gesamtbild<br />
einer Zeit, die man letztlich mit der eigenen<br />
Kindheit verbindet. So ist in mir die<br />
Grundidee gereift, auch andere mit auf die<br />
Reise durch das historische Pradl zu nehmen<br />
und dieses Viertel für die Leserinnen<br />
und Leser mit meinen ganz persönlichen<br />
Erinnerungen zu beleben.<br />
Wozu mit beinahe sechzig Jahren noch<br />
einmal derartig intensiv in die Vergangenheit<br />
eintauchen? Ganz einfach, weil es überwiegend<br />
schöne Erinnerungen sind, die im<br />
Gedächtnis bleiben. Und hat man schließlich<br />
nicht das Recht, die Kindheit einigermaßen<br />
zu verklären? Sicher, man will nicht<br />
den guten alten Zeiten nachtrauern nach<br />
dem Motto „In der Vergangenheit war alles<br />
besser“ und die dunkleren Seiten einfach<br />
wegblenden. Trotzdem gibt man sich dem<br />
nostalgischen Blick in die Vergangenheit,<br />
mit den vielen kleinen Läden in der Pradler<br />
Straße, mit den originellen, engagierten<br />
Geschäftsleuten und Angestellten, die sich<br />
ausführlich Zeit nahmen für die ihnen<br />
durchwegs noch persönlich bekannten<br />
Kunden. Instinktiv vergleicht man die damaligen<br />
Zustände mit dem Lärm und dem<br />
Stress der Einkaufszentren unserer Tage,<br />
die alle mit ihren Autos aufsuchen, anstatt<br />
wie einst ein paar Meter von der Haustüre<br />
entfernt beim Metzger, Obsthändler oder<br />
im Greißlerladen seinen täglichen Bedarf zu<br />
decken. Was damals wie heute den Charme<br />
von Pradl ausmacht, sind viele für Stadt<br />
und Land wichtige Einrichtungen: allen<br />
voran die beiden Schwimmbäder und das<br />
Tivoli-Stadion. Letzteres war insbesondere<br />
in der Zeit meiner Kindheit eine Art<br />
Kultstätte legendärer Fußballspiele des<br />
FC Wacker Innsbruck, die sich unauslöschlich<br />
ins kollektive Gedächtnis der Tiroler<br />
Fußballtiger eingebrannt haben.<br />
In meinem Buch möchte ich diese Erinnerungen<br />
auf einer Reise in die Vergangenheit<br />
teilen – mit den Angehörigen meiner<br />
Generation ebenso wie mit jenen, die nur<br />
das heutige Pradl kennen. Ihnen kann ich<br />
vielleicht einen Eindruck von der Faszination<br />
des alten Pradl vermitteln. Und ob<br />
gegenwärtig oder vergangen – Pradl ist ein<br />
Stadtteil, in dem es sich zu allen Zeiten zu<br />
leben lohnt!<br />
Unter dem Motto „Es darf nicht vergessen<br />
werden“ erscheint im Verlag der Wagner’schen<br />
Universitätsbuchhandlung ab<br />
sofort eine neue Buchreihe mit zwei Bänden<br />
im Jahr, die exklusiv in der Wagner’schen<br />
Universitätsbuchhandlung in Innsbruck<br />
erhältlich sein wird. Der Titel „Kindheit<br />
in Pradl“ von Josef Wallinger ist der erste<br />
Band dieser Reihe, die sich mit der Vergangenheit<br />
Innsbrucks befasst. In diesen<br />
Büchern sollen nicht nur Erinnerungen aus<br />
der Kindheit gebürtiger Innsbruckerinnen<br />
und Innsbrucker erzählt, sondern auch<br />
historische Themen, die die Hauptstadt<br />
Tirols geprägt haben, aufgearbeitet werden.<br />
Kennen auch Sie Innsbruck noch aus<br />
vergangener Zeit und möchten darüber<br />
berichten? Dann schicken Sie uns Ihre<br />
Geschichte in schriftlicher Fassung zu.<br />
Wir freuen uns über jedes eingesandte<br />
Manuskript!<br />
6 7<br />
Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
Buchtipps:<br />
Andrea Heistinger:<br />
Handbuch Bio-Balkongarten<br />
Löwenzahn, 304 S., € 29,90<br />
kraut & rüben:<br />
Biogärtnern so geht’s<br />
BLV, 168 S., € 20,60<br />
Christa Weinrich:<br />
Schwester Christas Mischkultur<br />
Eugen Ulmer, 176 S., € 25,60
Alles Pasta<br />
Selbermachen, kochen, genießen – so einfach geht’s!<br />
Von Anita Winkler<br />
„YOMYOM: ROCK’N’ROLL –<br />
TASTY SH*T!“<br />
Ein besonderes Kochbuch – eine besondere Buchpräsentation!<br />
Von Martin Bär<br />
Buchtipp:<br />
Julian Kutos:<br />
Simply Pasta, Pizza & Co.<br />
Einfach italienisch genießen<br />
Löwenzahn, 184 S., € 19,90<br />
Buchpräsentation<br />
und Aperitivo:<br />
Simply Pasta, Pizza & Co.<br />
Mit Julian Kutos<br />
Sa., 3. Juni 2017, ab 10:30 Uhr<br />
Wagner’sche<br />
Universitätsbuchhandlung<br />
Eintritt frei!<br />
© Wolfgang Hummer<br />
„Mit guten Zutaten kann man gar nichts<br />
Schlechtes kochen“. Diesem Leitspruch<br />
folgt Julian Kutos in seinem neuen Kochbuch<br />
„Simply Pasta, Pizza & Co.“ und verwendet<br />
für seine Rezepte nur einfache, saisonale<br />
und biologische Produkte. Das sieht und<br />
schmeckt man, und es geht doch nichts über<br />
einen Wochenendeinkauf am Bauernmarkt,<br />
bei dem man sich vom Duft frischer Lebensmittel<br />
für sein nächstes Pastagericht inspirieren<br />
lassen kann. Damit die Sauce perfekt zu<br />
den Nudeln passt, verrät uns der Italien-Fan<br />
hier ein paar Tipps.<br />
Frische Pasta wird aus ganzen Eiern oder<br />
nur Eidottern, Weizenmehl oder Hartweizengrieß<br />
zubereitet und ist die ideale Ergänzung<br />
zu allen cremigen Saucen, die auf Butter,<br />
Milch, Käse oder Schlagobers basieren:<br />
Gnocchi mit Butter, Pasta alle noci oder<br />
mit Gorgonzolasauce. Getrocknete Pasta,<br />
die meistens nur aus Hartweizengrieß und<br />
Wasser besteht, liebt im Gegensatz zur<br />
frischen Pasta Saucen, die auf Olivenöl<br />
basieren, wie Pesto, Pasta al limone oder<br />
eine einfache Tomatensauce.<br />
Welche Pasta passt<br />
zu welcher Sauce?<br />
Aber auch die Form der Pasta ist entscheidend<br />
bei der Wahl der Sauce. Man<br />
unterscheidet grob drei Gruppen: lange,<br />
kurze und gefüllte Pasta. Lange Pasta sind<br />
alle langen Nudeln in unterschiedlicher<br />
Breite: Spaghetti, Tagliatelle, Fettucine<br />
oder die breiten Papardelle. Papardelle<br />
und Tagliatelle sind ideal für Ragouts und<br />
andere schwere Fleischsaucen. Dünne Pasta<br />
wie Linguini oder Spaghetti passen perfekt<br />
zu Pestos oder Meeresfrüchten. Kurze<br />
Pastasorten sind nur einige Zentimeter<br />
groß, rund, eckig oder in anderen Formen<br />
verfügbar. Beispiele dafür sind Penne,<br />
Orecchiette, Trofie oder Farfalle. Diese Art<br />
von Pasta fängt grobe Stücke von Saucen<br />
wie Fleischragout oder Gemüsestücke sehr<br />
gut auf. Gefüllte Pasta wird aus frischem<br />
Nudelteig in unterschiedlichen Formen<br />
hergestellt. Beispiele dafür sind Ravioli,<br />
Tortelloni, Cannelloni, Cappelletti und viele<br />
andere. Diese können sowohl mit leichten<br />
als auch mit schweren Zutaten gefüllt<br />
werden.<br />
Generell gilt noch: Schwere Saucen<br />
harmonieren mit großen Pastasorten. Feine<br />
und zarte Saucen sollte man bevorzugt mit<br />
kleiner Pasta kombinieren.<br />
Basta mit Pasta? In Julian Kutos’ neuem<br />
Kochbuch gibt es nicht nur herrliche Nudelgerichte,<br />
sondern auch Rezepte für kleine<br />
Häppchen und spritzige Drinks für den<br />
typisch italienischen Aperitivo, wunderbar<br />
knusprige Pizza-Rezepte und viele weitere<br />
Ideen, die das italienische Lebensgefühl zu<br />
Ihnen nach Hause bringen.<br />
Buon appetito!<br />
Sie möchten Julian Kutos<br />
persönlich kennenlernen und<br />
noch mehr Tipps und Tricks<br />
von ihm erfahren? –<br />
Dann merken Sie sich diese<br />
Termine unbedingt vor!<br />
Koch-Workshop:<br />
Simply Pasta, Pizza & Co.<br />
Mit Julian Kutos<br />
Fr., 2. Juni 2017, 17–19 Uhr<br />
Meierei-Küche im 1. Stock<br />
der Wagner’schen Universitätsbuchhandlung<br />
Kursgebühr: € 69,–<br />
Der Workshop findet ab<br />
4 TeilnehmerInnen statt und<br />
ist auf 8 Personen begrenzt.<br />
Bitte rechtzeitige Anmeldung:<br />
martin.baer@wagnersche.at<br />
8 9<br />
Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
„Jessas, was ist denn das?“ dachte ich mir,<br />
als ich das ein Mail von 38.5 Agentur.Studios<br />
erhielt. Darin wurde ein Kochbuch angekündigt<br />
mit obigem, doch sehr ungewöhnlichem<br />
Titel. Die Neugier war, wie beabsichtigt,<br />
geweckt, und ich schaute mir das genauer<br />
an. Bald schon hatte ich ein Exemplar dieses<br />
sehr gelungenen Kochbuchs in der Hand, und<br />
nach einem Treffen mit den Machern war<br />
klar: cooles Buch, coole Autoren, also wird<br />
das Buch bei uns vorgestellt!<br />
Christoph Hasibeder, Fotograf und<br />
Besitzer der 38.5 Agentur.Studios in<br />
Innsbruck, und Peter Wiedner, Spitzenkoch<br />
aus Kärnten (zuletzt im Interalpen<br />
Hotel Tyrol), kennen sich schon eine Weile.<br />
Christoph wollte schon seit längerer Zeit<br />
ein Kochbuch realisieren – Peter war sofort<br />
dabei und holte Stefan Kohl, prämierter<br />
Koch mit steirischen Wurzeln, auch mit<br />
Interalpen Hotel Tyrol-Vergangenheit, mit<br />
ins Boot. Alle drei verbindet die Leidenschaft<br />
für gutes Essen. Peter und Stefan<br />
sind Haubenköche und Christoph Fotograf<br />
mit einem Studio samt Küche, sodass<br />
im Frühjahr 2016 bei einem gemeinsamen<br />
Mittagessen der Startschuss für YOMYOM<br />
fiel.<br />
TASTY SH*T<br />
Es geht um Geschmack – deshalb<br />
YOMYOM. Es sind ausschließlich Gerichte,<br />
von denen Peter, Christoph und Stefan<br />
begeistert sind – eine Sammlung ihrer Favorites.<br />
Aus diesem Grund stellen sie auch<br />
unterschiedliche Ansprüche an Koch und<br />
Küche. Manche Rezepte sind einfach und<br />
recht schnell zubereitet, andere wiederum<br />
erfordern Zeit und grundlegende Kochkenntnisse.<br />
Sehr vielfältig sind die Rezepte:<br />
„Waller in asiatischer Hühnersuppe mit<br />
Kren“ und „Erdnusskaramellcreme mit<br />
Sojamilchreis, Stangensellerie & Mango“<br />
werden ebenso wie „Kärntner Kasnudeln<br />
mit brauner Butter und Schnittlauch“<br />
und „Topfenknödel mit Holunderkoch<br />
& Gelee“ präsentiert.<br />
100 % Selfmade<br />
YOMYOM ist zu 100 % selfmade. Jedes<br />
Gericht wurde in den 38.5 Agentur.Studios<br />
in Innsbruck gemeinsam gekocht, gestyled,<br />
fotografiert und anschließend verspeist.<br />
In denselben Räumlichkeiten wurde<br />
YOMYOM anschließend grafisch und<br />
textlich aufbereitet und verlegt.<br />
Da haben ziemlich coole Typen ein<br />
ziemlich cooles Kochbuch gemacht, ich<br />
bin beeindruckt! Und deshalb gibt’s bei<br />
uns eine ziemlich coole Buchpräsentation:<br />
Christoph Hasibeder und Stefan Kohl werden<br />
Kostproben aus dem Buch kredenzen,<br />
über das Buch und die Rezepte sprechen,<br />
und dazu wird Daniel Ribis von der Privatkellerei<br />
Vinoribis uns rebellische Weine in<br />
Rot und Weiß reichen:<br />
• REBELL – Aufstand in Weiß:<br />
Grüner Veltliner, Weißburgunder,<br />
Gelber Muskateller. 2014. Weingut<br />
Dürnberg – Weinviertel. Duftig,<br />
schmelzig, würzig.<br />
• REBELL – Aufstand in Rot:<br />
Merlot, Cabernet Sauvignon,<br />
St. Laurent. 2013. Hans Schwarz –<br />
Neusiedlersee. Dunkel, dicht, samtig.<br />
Dazu die passende Musik, und fertig sind<br />
die Zutaten für einen gelungenen kulinarischen<br />
Abend.<br />
© Christoph Hasibeder<br />
Buchtipp:<br />
Christoph Hasibeder,<br />
Peter Wiedner:<br />
YomYom – Rock‘n‘Roll Tasty Shit<br />
38.5 Agentur Studio,<br />
S. 184, € 49,50<br />
Buchpräsentation:<br />
Buchpräsentation mit Verkostung<br />
von Speis (4 Gänge) und<br />
Trank (Wein von Vinoribis)<br />
Di., 25. April, 19:30 Uhr<br />
Wagner’sche<br />
Universitätsbuchhandlung<br />
Unkostenbeitrag € 15,–<br />
Begrenzte Teilnehmerzahl,<br />
bitte Anmeldung unter<br />
martin.baer@wagnersche.at
Warme Füße fürs Gemüse<br />
Doris Kampas ist die richtige Ansprechpartnerin,<br />
wenn es darum geht, einen Garten in ein lebendiges<br />
und essbares Paradies zu verwandeln. Im Gespräch<br />
mit Anita Winkler<br />
Fit in<br />
den Tag<br />
Warme Ideen<br />
zum Frühstück!<br />
Superfoods<br />
regional<br />
Buchtipp:<br />
Doris Kampas:<br />
Biogärten gestalten<br />
Das große Planungsbuch<br />
Löwenzahn, 440 S., € 39,90<br />
Workshop:<br />
„Biogärten gestalten“<br />
Mit Doris Kampas<br />
Fr., 9. Juni 2017, 15 – 17 Uhr<br />
Wagner’sche<br />
Universitätsbuchhandlung<br />
Um Anmeldung unter<br />
ratgeber@wagnersche.at<br />
wird gebeten.<br />
Eintritt frei!<br />
© Rita Newman<br />
Die Agrarwissenschaftlerin hat sich auf<br />
Biogärten spezialisiert, genauer gesagt<br />
auf die Planung und Gestaltung von Obstund<br />
Gemüsegärten. In ihrem neuen Buch<br />
„Biogärten gestalten“ lässt sie uns an<br />
ihrem Erfahrungsschatz teilhaben. Anfänger<br />
finden hier konkrete und anschauliche<br />
Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Profis<br />
können sich neue Inspirationen für ihre<br />
Planungen holen.<br />
Ein Blick in Ihr Buch lässt einen<br />
ungläubig staunen, über wie viel<br />
Wissen Sie im Bereich „Biogärten<br />
gestalten“ verfügen. Wie ist es<br />
dazu gekommen, dass Sie sich auf<br />
Nutzgärten spezialisiert haben?<br />
Mir waren immer schon bunte Gemüsebeete<br />
und üppige Beerensträucher lieber<br />
als akkurat getrimmte Rasenflächen und<br />
Thujenhecken. Da steckt mehr Leben drin<br />
und es gibt nichts Besseres, als Bio-Gemüse<br />
und Obst aus dem eigenen Anbau zu<br />
ernten – und zu genießen. Dieses Gefühl<br />
ist unbeschreiblich und erfüllt mich immer<br />
wieder mit großer Freude! Außerdem kann<br />
ich einfach vor meine Haustüre gehen und<br />
habe schon die Zutaten für eine köstliche<br />
Mahlzeit zur Hand, praktischer geht’s nicht.<br />
Kann jeder einen schönen Obstund<br />
Gemüsegarten haben?<br />
Die zwei wertvollsten Güter sind immer<br />
Zeit und Fläche! Egal ob Sie eine Terrasse,<br />
einen kleinen Balkon oder eine große grüne<br />
Wiese vor sich haben, denen Sie Leben einhauchen<br />
möchten – wer einen Garten neu<br />
anlegen oder seinen vorhandenen umgestalten<br />
möchte, der braucht erprobte Tipps und<br />
Erfahrungswissen, damit klassische Anfangsfehler<br />
vermieden werden. Schließlich<br />
soll es am Ende nicht nur schön, sondern<br />
auch praktisch und vor allem ertragreich<br />
sein! Und Sie müssen sich im Vorfeld eine<br />
ganz ehrliche Antwort auf die Frage geben:<br />
Wie viel Zeit habe ich? Auch wenn es pflegeleichte<br />
Varianten gibt, ein gewisses Maß an<br />
Arbeit und Aufmerksamkeit müssen Sie jedem<br />
Garten widmen, damit er gedeiht und<br />
Ihnen das erwünschte Ernteglück bringt.<br />
Man möchte also einen<br />
Gemüsegarten oder ein Hochbeet<br />
sein Eigen nennen, geht hochmotiviert<br />
ins Gartencenter und kauft zu Beginn<br />
viel teures Equipment, Werkzeuge,<br />
Samen und Jungpflanzen – stellt aber<br />
relativ bald fest: Die erhoffte Ernte<br />
bleibt aus! Was raten Sie den Neo-<br />
BiogärtnerInnen?<br />
Aus meinen zahlreichen Workshops ist mir<br />
diese Problematik sehr vertraut. Da steht<br />
nun also das funkelnagelneue Hochbeet<br />
oder das Gemüsebeet liegt vor Ihnen mit<br />
der besten Erde, aber welche Pflanzen soll<br />
man denn wann setzen und wie wachsen sie<br />
am besten? Mir ist es besonders wichtig, die<br />
Menschen an diesem Punkt mit ihrem neu<br />
gestalteten Garten nicht allein zu lassen. In<br />
meinem Buch widme ich deshalb auch ein<br />
ganzes Kapitel dem Thema „Erfolgreich anbauen<br />
– große Ernte rund ums Jahr“. Eine<br />
sorgfältige Anbauplanung ist nämlich unerlässlich.<br />
Und dazu braucht man – insbesondere<br />
als Anfänger – konkrete Anleitungen<br />
und Beispiele für die optimale Ausnutzung<br />
der Fläche und die richtige Kombination<br />
der Pflanzen in Mischkultur.<br />
Abschließend noch eine Frage:<br />
In Ihrem Buch beschreiben Sie die<br />
„Fußbodenheizung“ für den Garten,<br />
was genau ist damit gemeint?<br />
Ich finde, wir sollten auch die kälteren<br />
Saisonen zum Gemüseanbau nutzen. Schon<br />
eine kleine Anbaufläche ermöglicht es, im<br />
Winter frische Vitamine aus dem Garten in<br />
die Küche zu holen. Es gibt viele Gemüsesorten,<br />
die mit etwas Kälteschutz gut<br />
gedeihen. Eine im Grunde althergebrachte,<br />
jedoch in Vergessenheit geratene Technik<br />
ist das Mistbeet bzw. die weiterentwickelte<br />
Form davon. Aus rein natürlichen Materialen<br />
selbst gemacht, findet diese Fußbodenheizung<br />
in jedem Garten und Beet<br />
Platz und sorgt für kleine Wunder – frische<br />
Salaternte mitten im Winter.<br />
Lassen Sie sich beim Workshop<br />
„Biogärten gestalten“ Tipps von der<br />
Expertin für Ihren Traum vom eigenen<br />
Biogarten geben!<br />
10 11<br />
Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
Fällt Ihnen das Aufstehen auch oft schwer?<br />
Haben Sie manchmal das Gefühl, schon<br />
müde zu sein, noch bevor Sie in der Arbeit<br />
angekommen sind? Oder haben Sie das warme<br />
Frühstück bereits für sich entdeckt und<br />
brauchen Abwechslung vom „Breierlei“?<br />
Julia Waldhart weiß als Shiatsu-Praktikerin,<br />
wie gut ein warmes Frühstück für Körper,<br />
Geist und Seele ist, und stellt in ihrem neuen<br />
Buch 70 süße und pikante Rezepte vor.<br />
„Mein gesundes, warmes Wohlfühlfrühstück“<br />
bietet Abwechslung für jeden Tag<br />
und wird selbst hartnäckige Frühstücksmuffel<br />
auf den Geschmack bringen. In<br />
der Wagner’schen Buchhandlung lädt die<br />
Autorin zu einem Workshop ein, bei dem<br />
Interessierte erfahren, wie sich wohltuende<br />
Wärme von innen positiv auf unseren<br />
Alltag auswirken kann. Sie erfahren, welche<br />
Zutaten besonders wärmend sind, was die<br />
Traditionelle Chinesische Medizin damit<br />
zu tun hat und wie sich auch mit verschlafenem<br />
Blick im Handumdrehen ein feines<br />
Frühstück zubereiten lässt. Verkostet wird<br />
natürlich auch gleich vor Ort! In Zukunft<br />
werden Sie dank Apfelstrudel-Porridge, Vanillereis<br />
mit Früchtemus, Miso-Suppe oder<br />
Heidelbeer-Cerealien-Drink das Aufstehen<br />
gar nicht mehr erwarten können!<br />
© Rita Newman<br />
Ist es möglich, dass die Lebensmittel, die<br />
vor unserer Türe, auf unseren Feldern,<br />
in unseren Gärten wachsen, viel spannender<br />
und abwechslungsreicher sind als wir<br />
denken? Dass sie wesentlich mehr oder mindestens<br />
genauso viele gesunde Inhaltsstoffe<br />
enthalten wie die derzeit als Superfoods<br />
gepriesenen „Zauberfrüchte“ vom anderen<br />
Ende der Welt? Dass noch viel mehr<br />
in ihnen steckt, als wir bisher vielleicht<br />
geahnt haben? Es ist tatsächlich so, dass das<br />
Gute, das Beste für uns ganz nah liegt. Wir<br />
müssen nur bewusster hinschauen. Andrea<br />
Fičala möchte Sie in „Superfoods. Einfach<br />
& regional“ gerne auf eine Entdeckungsreise<br />
mitnehmen und Ihre Aufmerksamkeit<br />
auf unsere heimischen Schätze und deren<br />
beeindruckenden inneren Werte lenken. Mit<br />
Superfoods wie unseren herrlichen Beeren,<br />
unseren köstlichen Samen und Nüssen oder<br />
unseren unzähligen grünen Blattgemüsen<br />
gibt es nämlich gesunde Ernährung, die<br />
umweltschonend, günstig und vor allem<br />
richtig schmackhaft ist! Andrea Fičala ist<br />
Ernährungswissenschafterin und ausgebildete<br />
Köchin. Sie weiß also nicht nur um<br />
die positiven Wirkungen unserer Nahrung,<br />
sondern vor allen Dingen auch, wie man<br />
sie mit Geschmack und Freude zubereitet!<br />
Entdecken Sie mit ihr die bunte Palette österreichischer<br />
Superzutaten und lassen Sie<br />
sich von den Vorteilen überzeugen.<br />
© Sonja Priller<br />
Buchtipps:<br />
Julia Waldhart:<br />
Mein gesundes, warmes<br />
Wohlfühlfrühstück<br />
Löwenzahn, 160 S., € 19,90<br />
Andrea Fičala:<br />
Superfoods einfach & regional<br />
Löwenzahn, 240 S., € 29,90<br />
Workshops:<br />
Mein gesundes,<br />
warmes Wohlfühlfrühstück<br />
Mit Julia Waldhart<br />
Fr., 31. März 2017, 15 – 17 Uhr<br />
Wagner’sche<br />
Universitätsbuchhandlung<br />
Teilnahmegebühr: € 29,–. Darin<br />
ist das Buch „Mein gesundes,<br />
warmes Wohlfühlfrühstück“<br />
von Julia Waldhart enthalten.<br />
Superfoods einfach & regional<br />
Mit Andrea Fičala<br />
Fr., 19. Mai 2017, 15 – 17 Uhr<br />
Wagner’sche<br />
Universitätsbuchhandlung<br />
Teilnahmegebühr: € 35,–.<br />
Darin ist das Buch „Superfoods<br />
einfach & regional“ von Andrea<br />
Fičala enthalten.<br />
Um Anmeldung wird gebeten:<br />
m.bauer@vhs-tirol.at,<br />
T. +43 512 588882-13.<br />
Workshops in Kooperation mit<br />
der Volkshochschule Tirol
Auf den Spuren<br />
eines Unbeschriebenen …<br />
Zum neuen Buch über den Landesfürsten<br />
Erzherzog Ferdinand II. Von Michael Forcher<br />
Buchtipp:<br />
Michael Forcher:<br />
Erzherzog Ferdinand II.<br />
Landesfürst von Tirol<br />
Haymon, ca. 260 S., ca. € 19,90<br />
Erscheint im September 2017!<br />
© Fotowerk Aichner<br />
In der Tiroler Geschichtsschreibung gibt es<br />
ein Phänomen. Während es über Philippine<br />
Welser – Sie wissen schon: Schloss Ambras,<br />
eine bürgerliche Kaufmannstochter<br />
als Frau des Tiroler Landesfürsten – jede<br />
Menge Bücher gibt, Fachbücher und<br />
Romane, ist das einzige Buch über ihren<br />
Mann, Erzherzog Ferdinand II., nirgends<br />
zu bekommen. Denn es ist schon vor 130<br />
Jahren erschienen. Kaum zu glauben. Dabei<br />
hat der Habsburger eine wichtige Epoche<br />
der Geschichte unseres Landes wesentlich<br />
mitgestaltet, hat als Kunstmäzen und<br />
Sammler überregionale Bedeutung und ist<br />
eine überaus interessante, schillernde und<br />
spannende Persönlichkeit. Man könnte<br />
auch einen Roman daraus machen.<br />
Man könnte, ich kann es nicht. Ich versuche<br />
Tiroler Geschichte meinen Lesern zwar<br />
auch erzählerisch nahezubringen, aber ich<br />
bin gelernter Historiker und halte mich an<br />
belegbare Fakten. Ich erfinde nichts dazu,<br />
lasse offen, wenn man etwas nicht weiß,<br />
sage es, wenn man die historischen Quellen<br />
verschieden interpretieren kann. Im Idealfall<br />
kann man Geschichte in Geschichten<br />
auflösen, es gibt sie zur Genüge, spannende,<br />
tragische, lustige, kuriose. Aber das<br />
funktioniert nicht immer. Und sie müssen<br />
schon etwas aussagen, bloße „Gschichtln“<br />
genügen nicht. Und wenn man nicht an der<br />
Oberfläche der Ereignisse hängen bleiben<br />
will, müssen Zusammenhänge, Hintergründe<br />
und Probleme dazwischen auch einmal<br />
sachlich und nüchtern dargestellt werden.<br />
Aber auch das kann so geschrieben sein,<br />
dass es locker zu lesen ist und nicht nur<br />
Fachleute verstehen. Diesen Anspruch finde<br />
ich bei vielen guten historischen Sachbüchern<br />
erfüllt. Lassen Sie sich eines empfehlen.<br />
Wetten, dass es nicht lange auf Ihrem<br />
Nachkastl liegen wird.<br />
12 13<br />
Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
Aber zurück zu unserem Erzherzog Ferdinand<br />
II, dem heuer eine große Ausstellung<br />
auf Schloss Ambras gewidmet sein wird.<br />
Denn vor 450 Jahren, am 17. Jänner 1567,<br />
ist er mit großem Gefolge in Innsbruck<br />
eingezogen und hat dann 28 Jahre lang<br />
Tirol regiert. Gestorben ist er am 24. Jänner<br />
1595. Sein Grab befindet sich in der Silbernen<br />
Kapelle der Hofkirche. Auch seine Gattin<br />
ist dort begraben. Es ist jene Philippine<br />
Welser, die der Erzherzog während seiner<br />
Amstzeit als Statthalter in Prag heimlich<br />
geheiratet hat, eine Augsburgerin aus der<br />
berühmten Kaufmannsfamilie. Für sie hat<br />
er die alte Ritterburg über dem Dorf Amras<br />
gekauft und zum prächtigen Renaissanceschloss<br />
ausbauen lassen.<br />
In diesem simplen Absatz sind mehrere<br />
(wahre) Geschichten über Erzherzog<br />
Ferdinand versteckt. Eine betrifft seinen<br />
Einzug in Innsbruck. Da gab es nämlich<br />
peinliche Pannen. Die Begrüßungsrede<br />
musste entfallen, weil sie der Weihbischof<br />
von Brixen halten sollte, der aber kein<br />
Deutsch konnte und der Erzherzog weder<br />
auf italienisch noch auf lateinisch begrüßt<br />
werden wollte. Und der anschließend am<br />
Programm stehende Psalm, der von der<br />
Priesterschaft gesungen werden sollte,<br />
musste auch gestrichen werden, weil der<br />
Klerus – wie sich offenbar zu spät herausstellte<br />
– dazu nicht fähig war. Was könnte<br />
besser die innerkirchlichen Zustände zu<br />
jener Zeit illustrieren: ein Weihbischof der<br />
rein deutsprachigen Diözese Brixen, der<br />
kein Deutsch konnte, und schlecht ausgebildete<br />
Priester.<br />
Hier ist nur der Platz, noch eine zweite<br />
Geschichte kurz anzuschneiden (im Buch<br />
erzähle ich schon genauer, keine Sorge):<br />
Erzherzog Ferdinand II. wurde erst 1576<br />
vom feierlichen Versprechen gelöst, seine<br />
Ehe geheimzuhalten. Er hatte als 28-jähriger<br />
Statthalter von Böhmen ohne Wissen<br />
seines Vaters, des böhmischen und deutschen<br />
Königs Ferdinand I., die aus einer<br />
Augsburger Kaufmannsfamilie stammende,<br />
zwei Jahre ältere Philippine Welser geheiratet,<br />
musste dies seinem königlichen Vater<br />
zwei Jahre später beichten und konnte<br />
dessen Zorn nur besänftigen, indem er<br />
gelobte, diese nicht standesgemäße Ehe<br />
„ewiglich“ geheim zu halten. Diese „Schande“<br />
sollte nur ja keinen Schatten auf die<br />
Habsburgerdynastie werfen. So hat selbst<br />
bei Freunden des Fürsten – auch dann in<br />
Tirol – seine Ehefrau als bloße „Beischläferin“<br />
gegolten. Dabei wusste jeder, dass er<br />
zwei Buben mit ihr hatte und sich mehr in<br />
Philippines Schloss Ambras aufhielt als in<br />
seiner Hofburg. Als es 1576 darum ging,<br />
dem älteren Sohn Andreas, der von der<br />
Nachfolge ausgeschlossen war, die Kardinalswürde<br />
zu verschaffen, löste der Papst<br />
dieses Gelöbnis. Ein uneheliches Kind hätte<br />
damals weder Priester noch etwas höheres<br />
in der Kirche werden können! Ein Glück<br />
für Philippine, die noch vier Jahre lang – sie<br />
starb 1580 – Ferdinands eheliche Gemahlin<br />
sein durfte. Eigentlich sind das sogar mehrere<br />
Geschichten …<br />
„Man könnte auch einen Roman daraus machen.<br />
Man könnte, ich kann es nicht. Ich versuche Tiroler<br />
Geschichte meinen Lesern zwar auch erzählerisch<br />
nahezubringen, aber ich bin gelernter Historiker<br />
und halte mich an belegbare Fakten.“<br />
Aber ich will nicht selber in den Fehler<br />
verfallen, Ferdinand über Philippine und<br />
seine privaten Verhältnisse zu definieren.<br />
Er war ein bedeutender Fürst. Seine<br />
unter ihm erlassenen Gesetze – darunter<br />
eine Schulordnung – mögen nur von<br />
historischem Interesse sein. Aber nicht<br />
zuletzt seine Maßnahmen zur Reform der<br />
kirchlichen Organisation und Belebung<br />
katholischer Frömmigkeit (bekannt unter<br />
dem Begriff „Gegenreformation“), ließen<br />
den Kirchenhistoriker Josef Gelmi sagen,<br />
es sei „weitgehend den Habsburgern zu<br />
verdanken, dass Tirol katholisch geblieben<br />
ist“. Und Erzherzog Ferdinands Freude an<br />
der damals modernen Architektur, seine<br />
Hofmusik und die nach Innsbruck geholten<br />
Starkomponisten ihrer Zeit, seine Leistungen<br />
als Förderer der Künste jeder Art sowie<br />
– nicht zuletzt – sein Sammeln exquisiter<br />
und kurioser Dinge aus Kunst und Natur<br />
haben eine Strahlkraft, die unsere Zeit<br />
erreicht und Hunderttausenden Menschen<br />
kulturellen Genuss bereitet.<br />
Buchtipps:<br />
Michael Forcher:<br />
Tirol und der Erste Weltkrieg<br />
Haymon, 448 S., € 13,95<br />
Michael Forcher:<br />
Stift Stams<br />
Haymon, 360 S., € 29,90
Reclam goes China<br />
China verstehen und genießen —<br />
in 100 Kapiteln. Von Robert Renk<br />
Das Programm<br />
des 15. Prosafestivals<br />
Ein kleines Jubiläum mit ganz besonderen Gästen.<br />
Donnerstag, 6. April<br />
Stadtbücherei<br />
Freitag, 7. April<br />
Wagner’sche<br />
Samstag, 8. April<br />
Freies Theater Innsbruck<br />
1 Jonas Lüscher (CH)<br />
2 Dana Grigorcea (CH/RUM)<br />
3 Markus Mittmansgruber (A)<br />
4 Markus Binder (A)<br />
5 Thomas Meinecke (D)<br />
6 Ágnes Czingulszki (A/HUN)<br />
7 Lorenz Langenegger (CH)<br />
8 Mascha Dabic (A/BOS-H)<br />
9 Joachim Zelter (D)<br />
10 Petra Piuk (A)<br />
11 <strong>No</strong>ra Gomringer (CH/D)<br />
Abschluss: DJ Thomas Meinecke<br />
<strong>No</strong>ch selten habe ich einen Kunden so<br />
freudig in unsere Buchhandlung stürzen<br />
sehen: Er möchte unbedingt dieses Buch<br />
aus der Auslage, unglaublich, dass es das<br />
nun auf deutsch gibt. Er habe es als Kind<br />
verschlungen und nun sollen es seine<br />
Kinder auch lesen dürfen. Seine Kindheit<br />
hat er in China verbracht und dass nun<br />
seine Kinder „Die Reise in den Westen“<br />
auf deutsch lesen können, das verdanken<br />
wir dem Reclam Verlag.<br />
Der hat dieses Mammutwerk aus dem<br />
16. Jahrhundert erstmals komplett editiert<br />
und durch Eva Lüdi Kong kongenial ins<br />
Deutsche übertragen lassen. In 10-jähriger<br />
Buchtipp:<br />
Übersetzung: Lüdi Kong, Eva:<br />
Die Reise in den Westen<br />
Reclam, 1320 S., € 90,50<br />
Arbeit ist es ihr gelungen, die überraschend<br />
komischen Seiten dieses Werkes unprätentiös<br />
und kurzweilig zu übersetzen.<br />
Denn wer glaubt, dieses Hauptwerk<br />
der klassischen chinesischen Literatur sei<br />
verstaubt, betulich und ironiefrei, der irrt<br />
sich.<br />
Die Geschichte um den witzig-rebellischen<br />
Affenkönig Sun Wukong, der,<br />
gemeinsam mit dem abstinenten buddhistischen<br />
Priester Tripitaka, einem gruselig<br />
aussehenden Sandmönch und dem unersättlichen<br />
Eber Bajie, zu einer vierzehnjährigen<br />
Reise in den Westen aufbricht, um<br />
„das Antlitz Buddhas zu schauen und die<br />
Heiligen Schriften ins unmoralische China<br />
zu erlangen“, steckt so voller <strong>No</strong>nsens,<br />
Schönheit, Phantasie und Satire, gespickt<br />
mit starkem Martial-Arts-Szenen und<br />
mythisch-poetischen Passagen, als hätten<br />
Homer, Cervantes, Dante und die Gebrüder<br />
Grimm an einem gemeinsamen Werk<br />
gearbeitet.<br />
Der Dichter Wu Cheng’en hat im<br />
16. Jahrhundert mit diesem Roman viele<br />
Überlieferungen und Volksmärchen zusammengebracht.<br />
„Die Reise in den Westen“<br />
wirkt bis heute in alle Formen der<br />
chinesischen Populärkultur – von Film<br />
und Oper bis in die Mangas – nach.<br />
Die hundert abenteuerlichen Kapitel<br />
werden von ebenso vielen Holzschnitten<br />
nach alten Ausgaben harmonisch begleitet.<br />
Ein Prachtwerk!<br />
Der Reclam Verlag,<br />
der gerade 150-jähriges<br />
Jubiläum feiert,<br />
glänzt auch noch<br />
mit dieser wirklich<br />
günstigen zweibändigen<br />
Prachtausgabe<br />
im Schuber:<br />
Reclams Buch der deutschen<br />
Gedichte, 2 Bde.:<br />
Vom Mittelalter bis ins<br />
21. Jahrhundert<br />
Hrsg. Heinrich Detering,<br />
Reclam, 998 S., € 40,10<br />
Prächtiges zu<br />
China gibt’s auch im<br />
Insel Verlag:<br />
Luo Guanzhong:<br />
Die drei Reiche<br />
Insel, 2 Bde. im Schuber<br />
Übersetzung: Eva Schestag<br />
S. 864, € 101,80<br />
ágnes czingulszki<br />
ich dachte<br />
an siracusa<br />
erzählungen<br />
Debüt aus<br />
Innsbruck<br />
<br />
Mit virtuoser Leichtigkeit spielt<br />
Ágnes Czingulszki in ihrem<br />
Prosadebüt mit teilweisen Innsbruck-Bezügen<br />
mit der Sprache,<br />
ihr Stil lässt einen staunen.<br />
Keine der 13 Kurzgeschichten,<br />
die nicht unter die Haut geht.<br />
Die gebürtige Ungarin, zweisprachig<br />
aufgewachsen, schöpft<br />
aus einem unendlichen Repertoire<br />
an Allegorien und Metaphern.<br />
„Ich dachte an Siracusa“<br />
ist eine helle Freude, ein Buch,<br />
das man gelesen haben muss.<br />
Die Autorin selbst ist ein<br />
Versprechen für die Zukunft.<br />
Unbedingte Leseempfehlung!<br />
Markus Koschuh<br />
Ágnes Czingulszki:<br />
Ich dachte an Siracusa<br />
edition exil, 153 S., € 12,40<br />
Attwenger<br />
goes Prosa<br />
Der Schlagzeuger und Texter<br />
von Attwenger legt hier einen<br />
Prosa-Band vor, der ebenso eigenwillig<br />
ist, wie die Musik, die<br />
er macht. Die zwei Protagonisten<br />
reisen, gehen aus, lieben sich<br />
und landen schließlich in einem<br />
Bett in einem Möbelhaus. Das<br />
ist der Plot, doch viel wichtiger<br />
sind ihre Beobachtungen. Die<br />
sind kritisch und witzig, mal in<br />
Dialog-, mal in Songtextform.<br />
Da treffen gereimte Vierzeiler<br />
auf geschliffene Miniaturen<br />
und abwegige Geschichten und<br />
alles hat den Binder-Signature-Sound.<br />
Markus Köhle<br />
Markus Binder:<br />
Teilzeitrevue<br />
Verbrecher Verlag, 232 S., € 16,50<br />
Straucheln im<br />
Silicon Valley<br />
Ein deutscher Rhetorikprofessor<br />
sitzt in Stanford und<br />
sucht die beste Antwort auf<br />
die Theodizee zu formulieren,<br />
um eine Million Dollar zu<br />
gewinnen. Meisterhaft erzählt<br />
Jonas Lüscher einen tiefgreifenden<br />
Gesellschaftsroman. Ins<br />
Zentrum der elektronischen<br />
Weltmacht schickt er den Altliberalen<br />
Richard Kraft, der Geld<br />
braucht und ins Straucheln gerät.<br />
Er soll für den Optimismus<br />
eintreten, aber seine Lebensgeschichten<br />
und die politischen<br />
Entwicklungen sind dabei nicht<br />
hilfreich.<br />
Klaus Zeyringer<br />
Jonas Lüscher:<br />
Kraft<br />
C.H.Beck 237 S., € 20,60<br />
<strong>No</strong>ch ein<br />
Debüt<br />
In diesem Romandebüt schauen<br />
wir einen Tag lang der Dolmetscherin<br />
<strong>No</strong>ra Kant (30) über die<br />
Schulter. <strong>No</strong>ra arbeitet in einem<br />
Therapiezentrum für traumatisierte<br />
Flüchtlinge. Sie hat dort<br />
ausnahmslos Sprachrohr zu<br />
sein und muss dass Gehörte<br />
möglichst reibungslos in die<br />
jeweilige Sprachform bringen.<br />
Das nimmt natürlich mit. Doch<br />
<strong>No</strong>ra ist hart im Nehmen, ist<br />
direkt, hat ihre Einstellungen zu<br />
Emanzipation und neoliberale<br />
Gesellschaft und ist sympathisch.<br />
Ein wichtiges Thema –<br />
eine überzeugende Umsetzung.<br />
Markus Köhle<br />
Mascha Dabić:<br />
Reibungsverluste<br />
Edition Atelier, 152 S., € 18,–
© Isolde Ohlbaum<br />
Buchtipp:<br />
Thomas Meinecke:<br />
Selbst<br />
Suhrkamp, 472 S., € 25,70<br />
Lesung:<br />
Thomas Meinecke liest im<br />
Rahmen des 15. Prosafestivals<br />
am Freitag, den 7. April in der<br />
Wagner’schen!<br />
Es sind<br />
Fantum<br />
und Neugier,<br />
die mich<br />
antreiben.<br />
Thomas Meinecke<br />
16 Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
Wie viele Buchseiten braucht es, um rechtzeitig<br />
zur Party kommen und den Zusammenhang<br />
von Bettina von Arnim, Miley<br />
Cyrus und Hélène Cixous zu verstehen?<br />
Mir ging es beim Lesen von<br />
„Selbst“ so, dass ich alles darin<br />
Angesprochene sofort nach- und<br />
weiterlesen wollte und doch ist es<br />
ein abgeschlossener Roman, und<br />
in diesem Changieren zwischen<br />
Ausgreifen und Fertig-Sein hat sich<br />
der Reiz der Lektüre entwickelt.<br />
Leuchtet mir total ein. Es fließt ineinander<br />
und vermischt sich und bildet dann irgendwelche<br />
unvorhersehbar gewesene neue<br />
Aggregatzustände. Klingt jetzt sehr abstrakt,<br />
aber im Grunde ist es das experimentelle<br />
Auffahren von erstmal sehr heterogen<br />
wirkendem Zeug, das mir aber schon im<br />
Hinterkopf irgendwo hinzuweisen scheint,<br />
dem ich dann hinterherschreibe, indem ich<br />
es miteinander in Beziehung setze. Also ich<br />
Thomas<br />
Meinecke<br />
In einem Gespräch<br />
über sein aktuelles<br />
Buch „Selbst“,<br />
über Feminismus<br />
und Fantum mit<br />
Martin Fritz.<br />
17<br />
probiere aus, was passiert, wenn ich Jean-<br />
Luc Nancys Lust am Lesen mit der Lust<br />
am Lesen feministischer Theoretikerinnen<br />
wie Hélène Cixous zusammenfahre und<br />
was das wieder zu tun hat mit so männlichen<br />
Konstrukten wie dem sogenannten<br />
weiblichen Lustempfinden. Da überlappen<br />
sich drei ähnlich gelagerte Konzepte und<br />
bilden dann so ein Moiré, ein neues Muster,<br />
das ich vorher gar nicht kennen kann. Also<br />
wenn du erst ein paar Seiten gelesen hast,<br />
dann ist das bei mir wie eine Party, auf die<br />
man zu früh kommt und es ist noch nicht<br />
so richtig losgegangen, weil man ja erstmal<br />
diese Sachen miteinander in Reaktion<br />
erleben muss.<br />
Du nimmst also verschiedene<br />
Diskurse wie die Geschichte einer<br />
kommunistischen Kolonie in Texas,<br />
die nach Bettina von Arnim benannt<br />
ist, einen Brief, den Clemens<br />
Brentano an sie schreibt, und einen<br />
Brief von Sinéad O’Connor an Miley<br />
Cyrus, die so erstaunliche Parallelen<br />
aufweisen, dass die Frage ist: Ist das<br />
Zufall oder steckt da ein Masterplan<br />
dahinter?<br />
Ja das ist total irre, das ist sozusagen ein<br />
Masterplan, den wir nicht kennen, wenn,<br />
während ich daran schreibe, gleichzeitig<br />
der Video Music Award mit Miley Cyrus<br />
stattfindet. Und das Chronistenhafte, dieser<br />
Mitschriftcharakter ist mir sehr wichtig,<br />
und da hinterher noch in der Chronologie<br />
zu pimpen, das tu ich nicht. Das ist der<br />
Kick für mich beim Schreiben, dass die<br />
Dinge so auf einen einstürzen, und man hat<br />
natürlich eine gewisse fixe Idee bei einem<br />
Roman und die ordnet sozusagen die Dinge.<br />
Und dann ist plötzlich alles so stimmig<br />
oder auch unstimmig, aber auf eine tolle<br />
Weise aufeinander bezugnehmend.<br />
Diese Pop-Gute-Laune, die bei dir<br />
zu spüren ist, dieses Dinge ausgraben<br />
und sie begeistert anschauen – woher<br />
kommt diese Haltung?<br />
Das ist wirklich eine große Freude an der<br />
Rezeption. Bei „Selbst“ habe ich probiert,<br />
gibt’s da vielleicht noch was hinter diesen<br />
Errungenschaften, die ich auch nachwievor<br />
nicht kippen möchte, die aber mit der<br />
Lektüre von Judith Butler, Michel Foucault<br />
und auch weiter zurück zur Psychoanalyse<br />
zusammenhängen, dass man quasi doch<br />
nochmal nach dem Hoffnungsschimmer<br />
sucht, nach einer neuen Definition von<br />
Sexualität im Sinne einer nicht invasiven<br />
Zärtlichkeit. Dann suche ich mir sozusagen<br />
die Dinge zusammen. Und das ist einfach<br />
genau, wie wenn man in den Plattenladen<br />
geht: Man hofft, dass einen wieder was<br />
erwischt, was man noch gar nicht kannte,<br />
aber was in einem Kontext steht, den man<br />
begriffen hat. Von daher sind es Fantum<br />
und Neugier, die mich antreiben.<br />
Bei „Selbst“ sind Schnitte hart<br />
gesetzt, die einzelnen Brocken,<br />
Zitate, Exzerpte kommen<br />
unvermittelt nebeneinander.<br />
Mir kommt vor, dadurch sprechen<br />
die verschiedenen Textfetzen mehr<br />
auf einer gleichen Ebene.<br />
Das ist wunderbar, wenn das so ist.<br />
Denn ich hatte ein bisschen Angst beim<br />
Schreiben: Kann ich das den Leuten noch<br />
zumuten? Sagen die nicht irgendwann: Jetzt<br />
erzählt er ja gar nicht mehr? Aber ich habe<br />
das Vertrauen, dass das noch besser in<br />
dynamische Bewegung kommt, wenn man<br />
tatsächlich die Dinge direkt aufeinander<br />
clashen lässt, wie so in einem Atomversuch.<br />
Auf der anderen Seite habe ich ein bisschen<br />
ein schlechtes Gewissen, weil ich denke, da<br />
sollten die Romanfiguren vielleicht doch<br />
mal ein bisschen mit dem Auto wohinfahren<br />
oder die Haare sollten mal wieder abgeschnitten<br />
werden. Deswegen habe ich jetzt<br />
auch relativ viel O-Ton-artige Chat-Sachen,<br />
die eine neue Art gesellschaftlicher Realität<br />
darstellen, was ich immer auch gerne mitabbilde,<br />
wie so geredet wird da draußen.<br />
Was antwortest du der Position:<br />
Es gebe nicht nur die schöne flockige<br />
Gender-Welt, sondern auch die<br />
wirklichen materiellen sozialen<br />
Probleme. Sind das nicht alles<br />
Luxussorgen, die dieser Meinecke<br />
da verhandelt?<br />
Ich bin gewöhnt, dass man mir sagt, das<br />
hat mit der Realität der ausgebeuteten<br />
Supermarktkassiererin wenig zu tun, wenn<br />
ich mir Gedanken mache mit Judith Butler,<br />
dass auch die primären Sexualorgane nur<br />
sprachlicher Natur sind. Ich finde aber eben<br />
doch, denn diese sprachliche Natur stellt<br />
ja das Missverhältnis zwischen den Geschlechtern,<br />
wo am Ende dann das Schlechter-bezahlt-Werden<br />
von Frauen steht, erst<br />
her. Und wir haben auch nur diese Sprache<br />
zur Verfügung, auch wenn man dagegen<br />
anarbeitet. Und da arbeite ich, das ist<br />
sozusagen mein Steinbruch. Das ist sehr<br />
lästig, aber ich finde, das ist ganz konkret<br />
politisch.
Grenzgänge<br />
Von den Grenzgängen zu den Wochenendgesprächen:<br />
Doron Rabinovici gleich 2 × in Innsbruck. Grund genug<br />
für Anna Rottensteiner, ihn zu einem Gespräch zu bitten.<br />
© Susanne Schleyer<br />
Als Publizist, Essayist, Historiker<br />
und Schriftsteller setzen Sie sich<br />
seit Jahrzehnten gegen Faschismus<br />
und Antisemitismus ein; Sie sind<br />
dafür u. a. mit dem Willy und<br />
Helga Verkauf-Verlon-Preis<br />
ausgezeichnet worden oder mit dem<br />
Jean-Amery-Preis für Essayistik.<br />
Sie schreiben in verschiedensten<br />
Gattungen und Genres. In Ihrem<br />
Roman „Andernorts“ (Suhrkamp<br />
Verlag 2010) ist von Ethan, einem<br />
der Hauptprotagonisten, zu lesen,<br />
er verfasse seine journalistischen<br />
Artikel „in kaltem Zorn. Er sonderte<br />
diese Texte wie kleine Pakete voll<br />
Sprengstoff ab oder wie eine Batterie<br />
von Knallfröschen.“ Gilt das auch für<br />
Doron Rabinovici: Ist journalistisches<br />
Schreiben für Sie so etwas wie ein<br />
schnelles Abladen von Wut über<br />
Geschehnisse in der Gegenwart?<br />
Ich bin nicht Ethan Rosen. Diese Figur ist<br />
Menschen nachempfunden, die ich gut kenne,<br />
doch bei mir ist das teils anders. Meine<br />
Kommentare schreibe ich nicht als Wutbürger,<br />
sondern als engagierter Citoyen. Wäre<br />
ich nicht Schriftsteller, könnte ich nicht<br />
anders, als dennoch gegen Rechtsextreme<br />
und Antisemiten kämpfen. Hätte ich andere<br />
Ansichten, müsste ich ungeachtet dessen<br />
weiterschreiben. In meinen politischen<br />
Kommentaren stelle ich fest, was meiner<br />
Meinung nach selbstverständlich sein sollte.<br />
In meiner literarischen Prosa spüre ich eher<br />
den Fragen nach, die mich umtreiben.<br />
18 19<br />
Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
In Ihrem Schreiben geht es um das<br />
Aufbrechen von Zuschreibungen<br />
und Feindbildern. Würden Sie<br />
sagen, dass Sie dieses positive<br />
„Zwischen-den-Stühlen-Sitzen“<br />
auch Ihrer Biographie verdanken?<br />
Sie sind ja zwischen oder mit zwei<br />
Sprachen, dem Hebräischen und dem<br />
Deutschen, aufgewachsen, mit oder<br />
zwischen zwei Kulturen, der jüdischen<br />
und der österreichischen.<br />
Zweifellos prägt mich das Leben zwischen<br />
den Sprachen und Kulturen, der jüdischen,<br />
der israelischen, der österreichischen und<br />
der deutschen. Ich schreibe diesen Bruchlinien<br />
entlang. Sie verliefen hier einst als<br />
Stacheldraht, als Grenze auf Leben und<br />
Tod. Wäre es nach dem Willen der Mörder<br />
gegangen, dürfte es keinen Juden mehr<br />
geben, der sich der deutschen Sprache<br />
verschrieben hat. Aber das Dasein zwischen<br />
den Nationen ist ein universales Thema.<br />
Die meisten von uns leben in einer multikulturellen,<br />
elektronischen und globalisierten<br />
Diaspora. Das ergibt ein gutes<br />
Panorama für neue Geschichten und Verwechslungskomödien,<br />
denn derselbe Text,<br />
der hier gesprochen wird, bedeutet dort das<br />
genaue Gegenteil.<br />
Ich möchte noch einmal auf<br />
„Andernorts“ Bezug nehmen. Er<br />
wurde ja von der Kritik als „jüdischer<br />
Roman“ bezeichnet, in dem es um<br />
die Möglichkeiten, aber auch die<br />
Unmöglichkeit von eindeutigen,<br />
„schmerzfreien“ Identitäten geht.<br />
Würden Sie dieser Etikettierung<br />
zustimmen?<br />
Der Roman wurde als österreichischer, als<br />
jüdischer, doch ebenso als deutscher Roman<br />
bezeichnet und gelesen. In Haifa meinte<br />
eine Frau im Publikum sogar, er sei ein<br />
israelischer Roman in deutscher Sprache.<br />
Ich stimme jeder Etikettierung zu, die<br />
einem das Eingehen auf die Vielseitigkeit<br />
des Texts erleichtert, doch nicht erspart.<br />
Ich leugne nicht meine jüdische Perspektive,<br />
doch ich will nicht darauf reduziert sein.<br />
Sie haben als engagierter<br />
Intellektueller im Jahre 2000 an<br />
den Demonstrationen gegen eine<br />
Regierungsbeteiligung der FPÖ<br />
teilgenommen, haben sich 2016<br />
prononciert für Alexander van<br />
der Bellen als Bundespräsidenten<br />
ausgesprochen bzw. engagiert.<br />
Würden Sie sagen, dass im Vergleich<br />
zu den Protesten im 2000er Jahr<br />
die Gleichgültigkeit in unserer<br />
gegenwärtigen Gesellschaft<br />
zugenommen hat, wobei aber<br />
Engagement mehr denn je gefordert<br />
wäre?<br />
Immerzu parteilich sein, würde bedeuten,<br />
nicht zur rechten Zeit Partei zu ergreifen.<br />
Wer immerzu engagiert sein möchte, wäre<br />
es nie wirklich. Panikmache und Beschönigung,<br />
Alarmismus und <strong>No</strong>rmalismus<br />
sind beide Ausdruck ein und derselben<br />
Denkweise, die in jeder Gefahr nur die<br />
Katastrophe und in der Katastrophe nur die<br />
einzige Gefahr sieht. Die einen entdecken in<br />
jedem Übel Hitler und die anderen können<br />
nichts Böses erkennen, solange es Hitler<br />
höchstpersönlich nicht ähnelt. Aber es gibt<br />
Situationen und Fragen, in denen es falsch<br />
ist, gleichgültig zu bleiben. Wir erleben<br />
derzeit, wie Demokratie und Rechtsstaat<br />
attackiert werden. Wären jene, die nicht rassistisch<br />
sind, genauso leidenschaftlich wie<br />
diejenigen, die gegen Andersartige hetzen,<br />
müssten wir um die Menschenrechte nicht<br />
so besorgt sein. Es ist notwendig, für die<br />
offene Gesellschaft, für die Demokratie und<br />
die Menschenrechte und gegen die nationalistischen<br />
Scharfmacher zu kämpfen.<br />
In der Laudatio von Konstanze Fliedl<br />
zum Verkauf-Verlon Preis heißt<br />
es, Ihre Essayistik sei „vorbildlich<br />
staatsbürgerlich, indem sie auf nichts<br />
anderes drängt als auf die Einhaltung<br />
der von der Republik sich selbst<br />
gegebenen Maximen.“ Auf dem<br />
Hintergrund dieses Satzes erhalten<br />
Engagement und Widerstand ganz<br />
neue, eigentlich selbstverständliche<br />
Bedeutungen: sich als Staatsbürger<br />
mit den eigenen zur Verfügung<br />
stehenden Mitteln, der Sprache und<br />
der Schrift, sich zu engagieren. Ich<br />
schätze, dass für Sie Schreiben und<br />
Engagement in eins fallen?<br />
Das Engagement fließt zwar in mein<br />
Schreiben ein, doch mein Schreiben ist<br />
nicht durch mein Engagement bestimmt<br />
und eingegrenzt. Das ist nur ein Aspekt<br />
unter anderen. Konstanze Fliedl sprach<br />
meine Essayistik an, doch meine Romane<br />
oder Geschichten folgen nicht einem ideologischen<br />
Diktat, sondern einer persönlichen<br />
<strong>No</strong>twendigkeit. Wer weiß, was mir morgen<br />
wieder einfällt. Das, was einem gerade<br />
einfällt, ist Erinnerung, ist Vorstellung, ist<br />
Einwand, ist Widerstand, doch vor allem ist<br />
es eine Überraschung. Auch für mich selbst.<br />
Buchtipps:<br />
Doron Rabinovici<br />
(gem. mit Natan Sznaider):<br />
Herzl Relo@ded<br />
Jüdischer Verlag, 207 S., € 20,60<br />
Andernorts<br />
Suhrkamp, 286 S., € 10,30
40. Innsbrucker<br />
Wochenendgespräche<br />
11.–13. Mai 2017: Literatur und Politik<br />
W:ORTE –<br />
3. Lyrikfestival<br />
Innsbruck<br />
Donnerstag, 11. Mai<br />
20:15 Uhr – ORF Tirol, Studio 3, Rennweg 14;<br />
Lesung: Anna Rottensteiner, Doron Rabinovici, Marion Poschmann,<br />
Evelyn Schlag, <strong>No</strong>rbert Gstrein; Moderation: Birgit Holzner<br />
Freitag, 12. Mai<br />
Gespräche im Ensembleproberaum des Tiroler Landestheaters<br />
(Eingang SoWi-Durchgang, neben dem Abo-Büro)<br />
Moderation: Anna Rottensteiner<br />
10 –12 Uhr – Martin R. Dean, Maxi Obexer, Evelyn Schlag<br />
15–17Uhr – Josef Haslinger, Doron Rabinovici, Marlene Streeruwitz<br />
Samstag, 13. Mai<br />
Gespräche im Ensembleproberaum des Tiroler Landestheaters<br />
(Eingang SoWi-Durchgang, neben dem Abo-Büro)<br />
Moderation: Anna Rottensteiner<br />
10 –12 Uhr – Lukas Bärfuss, <strong>No</strong>rbert Gstrein, Marion Poschmann<br />
15–17 Uhr – Gespräch mit allen AutorInnen<br />
20:15 Uhr – ORF Tirol, Studio 3, Rennweg 14<br />
Lesung: Marlene Streeruwitz, Martin R. Dean, Lukas Bärfuss,<br />
Maxi Obexer, Josef Haslinger; Moderation: Joe Rabl<br />
Zum dritten Mal findet das Lyrikfestival W:ORTE statt, u. a. zu hören Raoul Schrott<br />
& InnStrumenti, Klaus Merz, Markus Bundi, Armin Senser, Cornelia Travnicek,<br />
Lydia Steinbacher, Ralf Schlatter, Barbara Hundegger u.v.m.<br />
15. – 21. Juni 2017<br />
Orte: Literaturhaus am Inn,<br />
Wagner’sche, ORF Studio 3, …<br />
Programm: „K[uns] T als<br />
gesellschaftskritisches Medium“<br />
1. – 2. Juni<br />
Symposium<br />
Archäologisches Museum, Innrain 52,<br />
Christoph-Probst-Platz, 3. Stock<br />
Das Ziel der Veranstaltung liegt darin,<br />
einen polyperspektivischen Blick auf Kunst<br />
als einen Gegenstand zu lenken, der in<br />
seiner Aktualität im Laufe der Geschichte<br />
niemals an Relevanz verloren hat: Immer<br />
schon auf das Faktische bezogen, waren<br />
und sind eine Vielzahl von Künstler_innen<br />
vehement darum bemüht, die Missstände<br />
und Charakteristika ihrer Zeit, die beständig<br />
politisch oder ideologisch aufgeladen<br />
sind, mithilfe unterschiedlichster Medien zu<br />
vermitteln und dadurch sowohl aktiven als<br />
1. – 9. Juni<br />
Ausstellung<br />
styleconception.openspace,<br />
Mentlgasse 12b<br />
auch passiven Widerstand zu leisten.<br />
Dabei wird bewusst ein elastischer Kunstbegriff<br />
herangezogen, der alles dasjenige<br />
berücksichtigt, was sich selbst als Kunst<br />
versteht oder von Anderen als solche wahrgenommen<br />
wird.<br />
Der wissenschaftlich-theoretischen<br />
Auseinandersetzung in Form von Vorträgen<br />
steht dabei ein praxisbezogener Zugang<br />
von Deutungen gegenüber, die in Form von<br />
Workshops, Musik- oder Filmvorführungen<br />
inszeniert werden.<br />
2. Juni<br />
Konzert<br />
Die Bäckerei – Kulturbackstube<br />
Dreiheiligenstraße 21a<br />
Das Symposium fördert zudem junge<br />
Schreibtalente, Musiker_innen und<br />
Künstler_innen. Das Organisationsteam<br />
selbst setzt sich aus vier Studienvertreterinnen<br />
der Kunstgeschichte, Musikwissenschaft<br />
und Philosophie der Philosophisch-Historischen<br />
Fakultät der Universität<br />
Innsbruck zusammen.<br />
20<br />
Wagner’sche.<br />
Heimat-<br />
W:ORTE<br />
<br />
„Fandangoverschlungen“ sind<br />
hier nicht nur Sprachen. José<br />
F.A. Olivers frühen Gedichte<br />
der ersten drei Gedichtbände<br />
wurden nun herausgegeben<br />
von Ilija Trojanow. Sie nehmen<br />
einen mit auf die Wortsuche<br />
des jungen Dichters zwischen<br />
der mitgebrachten Sprache der<br />
Eltern und jener um ihn herum.<br />
Durch den Band wird man<br />
Zeuge seiner künstlerischen<br />
Entwicklung seit Beginn an. Er<br />
begegnet zwischen Fremdheit<br />
und Vertrautheit HEIMATT,<br />
um Auf-Bruch zu sein mit dem<br />
Land, das er liebt: „ich vergaß<br />
/ mich zu fragen / kenne ich<br />
ihre Worte noch / wo ist meine<br />
Sprache / die mich mit ihnen<br />
verband.“ Siljarosa Schletterer<br />
José F.A. Oliver:<br />
HEIMATT<br />
Schiler Verlag, 112 S., € 19,10<br />
Lyrik aus<br />
der Schweiz<br />
<br />
Sensuelles Scheitern an Fragen<br />
was man sucht, was man ist,<br />
wie man die Vergangenheit<br />
bewältigt, erst recht Gegenwart<br />
und Zukunft beschreibt Armin<br />
Senser, als würde er mit dir in<br />
einer „Beiz“ sitzen. Schwer<br />
einzugrenzen ist seine Chronik<br />
in etablierte Textgattungen. Er<br />
überrascht mit seiner prägnanten<br />
punktgetakteten und<br />
saloppen, zum Teil dialektalen<br />
Sprache. Was bleibt, ist das<br />
Gefühl, das er hinterlässt, im<br />
sich Angesprochen-Fühlen in<br />
der eigenen Lebensangst: „Du<br />
bist, also versagst du. Das ist<br />
menschlich.“ Siljarosa Schletterer<br />
Armin Senser:<br />
Sensus. Chronik des Scheiterns<br />
Edition Korrespondenzen,<br />
112 S., € 18,–<br />
Wieder<br />
politisch<br />
<br />
Tom Schulz legt mit Die Verlegung<br />
der Stolpersteine einen<br />
explizit politischen Lyrikband<br />
vor. Rechtsruck und wiederaufkommender<br />
Nationalismus<br />
scheinen eine neue Auseinandersetzung<br />
mit dem politischen<br />
Gedicht hervorzurufen. Das<br />
Auftaktgedicht „Prager Straße“<br />
ist eine vielstimmige Montage<br />
über Dresden, die das verheerende<br />
Bombardement am Ende<br />
des Zweiten Weltkriegs genauso<br />
thematisiert wie die demonstrierende<br />
Pegida-Bewegung.<br />
Tom Schulz’ Gedichte sind eine<br />
bemerkenswerte Einladung für<br />
eine empathische und kritische<br />
Auseinandersetzung mit der<br />
Welt. Gabriele Wild<br />
Tom Schulz:<br />
Die Verlegung der Stolpersteine<br />
Hanser Berlin, 128 S., € 18,50<br />
Orient &<br />
Okzident<br />
<br />
Safiye Can nimmt jene Tradition<br />
türkischer Dichtung auf,<br />
in der „Rose und Nachtigall“<br />
für Liebende stehen. Cans<br />
Liebesgedichte reichen von der<br />
zum Vierzeiler verdichteten,<br />
hochpräzisen Mikro-Wahrnehmung<br />
über mit dem Schriftbild<br />
spielenden Gruß an konkrete<br />
Poesie bis zum vielstrophigen,<br />
durchkomponierten Langgedicht.<br />
Über die Freuden des<br />
Verliebens bis zum Schmerz<br />
danach verknüpft Can traditionelle<br />
mit zeitgenössischen<br />
Bildern (mit der Liebe geht die<br />
Plattensammlung zu Bruch)<br />
und gelangt so bereits bei ihrem<br />
Debüt zu ihrem ganz eigenen<br />
Sound. Martin Fritz<br />
Safiye Can:<br />
Rose und Nachtigall<br />
Größenwahn Verlag, 120 S., € 17,10
© Sabine Sauer<br />
Dieser starke Drang<br />
nach Demokratie<br />
Zwischen historischem Roman und „fake news“.<br />
Ein Gespräch mit Irene Heisz<br />
Buchtipp:<br />
Dirk Kurbjuweit:<br />
Die Freiheit der Emma Herwegh<br />
Hanser, 336 S., € 23,70<br />
Lesung:<br />
Wir können<br />
Fehler machen,<br />
aber wir lügen<br />
nicht!<br />
Dirk Kurbjuweit<br />
22 23<br />
Im Rahmen von „Innsbruck<br />
liest“ bei einem Grenzgänge<br />
spezial am Mi., 3. Mai, 19:30 Uhr<br />
Stadtbücherei Innsbruck Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
Dirk Kurbjuweit ist stellvertretender<br />
Chefredakteur des Nachrichtenmagazins<br />
„Der Spiegel“, ein mehrfach preisgekrönter<br />
Journalist und ein hochprofilierter Schriftsteller.<br />
In seinem jüngsten Werk, dem<br />
historischen Roman „Die Freiheit der Emma<br />
Herwegh“, lotet er Parallelen zwischen den<br />
Protagonisten der 1848-Revolution und dem<br />
Zeitalter von fake news aus.<br />
Was reizt Sie an der historischen<br />
Figur Emma Herwegh?<br />
Seit ich vor 15 Jahren eine Biographie von<br />
Georg Herwegh gelesen hatte, spukte er<br />
in meinem Kopf herum, weil er einerseits<br />
Dichter und andererseits ein sehr politischer<br />
Mensch war. Mit der Zeit wurde klar,<br />
dass seine Frau Emma eigentlich die viel<br />
interessantere Person ist. Sie war eine große<br />
Freiheitskämpferin gegen Unterdrückung<br />
und Willkür der Fürsten und Könige im<br />
deutschsprachigen Raum. Frauen wurden<br />
aber politisch nicht ernst genommen,<br />
Emma konnte sich also nur über ihren<br />
Mann einbringen. Und sie nahm dafür<br />
sogar in Kauf, dass sie von ihm auf ganz<br />
schauerliche Art und Weise benutzt und<br />
betrogen wurde.<br />
Der Freiheitsdichter-Held Georg<br />
Herwegh kommt bei Ihnen denkbar<br />
schlecht weg: feig, eitel, geldgierig,<br />
egoman, grausam. Er ist eine<br />
eher lächerliche Figur, die sogar<br />
beim Feldzug mit der Deutschen<br />
Demokratischen Legion auf<br />
lächerliche Weise scheitert.<br />
Ich sehe ihn nicht ganz so negativ. Er war<br />
immerhin so mutig, für die Freiheit sein<br />
Leben im Krieg aufs Spiel zu setzen. Außerdem<br />
rechne ich ihm hoch an, dass er nach<br />
der deutschen Einigung 1871 nicht dem<br />
deutschtümelnden Wahn verfiel, sondern<br />
ein großer Mahner blieb. Insofern: Ja, er<br />
verhält sich oft lächerlich und auch grausam.<br />
Aber Emma verteidigt ihn vehement,<br />
und da bin ich mit ihr durchaus einig.<br />
Vormärz und 48er-Revolution<br />
bilden die Grundlage für viele<br />
Entwicklungen – Nationalismus,<br />
Antisemitismus, erste feministische<br />
Ansätze, Marxismus … Was am<br />
19. Jahrhundert interessiert den<br />
Journalisten, der sich mit dem Hier<br />
und Jetzt auseinandersetzt?<br />
Mir kam die Welt von damals überraschend<br />
heutig vor. Wenn wir etwa an das Problem<br />
der Herweghs mit der Öffentlichkeit denken:<br />
Wie wird berichtet? Welche Gerüchte<br />
werden gestreut? Das kennen wir doch auch<br />
im Zeitalter von Facebook und fake news.<br />
Vor allem aber fasziniert mich dieser starke<br />
Drang nach Freiheit, nach Bürgerrechten,<br />
nach Demokratie. Dass die Demokratie immer<br />
eine prekäre Veranstaltung ist, für die<br />
man kämpfen muss, erleben wir ja gerade<br />
wieder in der Türkei, in den USA, auch in<br />
Österreich und Deutschland. Darin liegt für<br />
mich die Aktualität der Geschichte der Herweghs,<br />
insofern sehe ich sie als Vorbilder für<br />
ihre Zeit und auch für mich.<br />
Sprechen wir über Ihre Doppelrolle<br />
als Journalist und Schriftsteller.<br />
Manche glauben, Journalismus<br />
und fiktionale Texte hätten<br />
wenig miteinander zu tun, weil<br />
Journalismus „objektiv“ sein und<br />
„die ganze Wahrheit“ verkünden<br />
müsse. Ich halte das bestenfalls für<br />
Ideale, denen man sich annähern<br />
kann.<br />
Das sehe ich ganz genau so. Ich arbeite seit<br />
17 Jahren beim „Spiegel“ und natürlich<br />
haben wir das Ziel einer Annäherung an<br />
Objektivität. Aber als Subjekte können wir<br />
uns nie ganz aus unserer Arbeit herausnehmen.<br />
Außerdem versteht sich der „Spiegel“<br />
explizit als Meinungsblatt. Insofern ist<br />
Objektivität nicht nur nicht immer zu erreichen,<br />
sondern nicht immer wünschenswert.<br />
Guter Journalismus hat meist eine subjektive<br />
Komponente.<br />
Wie ist das in Zeiten von<br />
„Lügenpresse“-Vorwürfen<br />
Medienkonsumenten begreiflich zu<br />
machen?<br />
Unangreifbare Fakten bilden die Grundlage,<br />
hier sind wir der Wahrheit und der<br />
Wahrhaftigkeit verpflichtet. Das heißt:<br />
Wir können Fehler machen und uns irren,<br />
aber wir lügen nicht. Der zweite Punkt<br />
ist: Unterschiedliche Meinungen sind für<br />
die Demokratie lebensnotwendig. In einer<br />
Demokratie setzen sich alle Entscheidungen<br />
aus gebündelten Meinungen zusammen.<br />
Als Journalist sind Sie daran<br />
gewöhnt, sich in Milieus und<br />
Kulturen einzuarbeiten, die mit Ihnen<br />
persönlich wenig zu tun haben. Nichts<br />
anderes tut auch ein Romanautor.<br />
Als Reporter muss ich mich in die Menschen,<br />
denen ich begegne, einfühlen<br />
können, in ihre Seelen, in das, was sie sind<br />
oder sein wollen. Dem Romanautor stellt<br />
sich die gleiche Aufgabe, wenn auch oft bei<br />
fiktionalen Figuren. Letzten Endes kommt<br />
es immer darauf an, einen Sog zu erzeugen,<br />
in dem sich der Leser verlieren kann.<br />
Ein Unterschied zwischen den<br />
Genres und auch zu dem, was<br />
die Revolutionsdichter im<br />
19. Jahrhundert für sich in<br />
Anspruch nahmen, ist: Man kann<br />
mit Literatur heute noch viel weniger<br />
bewegen als mit Journalismus.<br />
Das ist wahrscheinlich wahr. Herwegh<br />
wurde durch die „Gedichte eines Lebendigen“<br />
zu einem Superstar. Diesen Einfluss<br />
hat die Literatur heute leider verloren. Es<br />
gibt allerdings immer wieder Ausnahmen.<br />
„The Circle“ von Dave Eggers etwa hat<br />
als Dystopie über die weltpolitische, die<br />
Demokratie verdrängende Macht von<br />
Internetkonzernen immensen Einfluss auf<br />
die Politik.<br />
In Zeiten von politics by Twitter:<br />
Würde ein Georg Herwegh heute<br />
regelmäßig140-Zeichen-Tweets<br />
absetzen und durch Talkshows<br />
gereicht werden, statt lange<br />
agitatorische Gedichte zu schreiben?<br />
Unbedingt! Er hat sich im Ruhm und der<br />
Aufmerksamkeit, die ihm zuteil wurden,<br />
sehr gesonnt.<br />
Eine längere Version des Gespräches finden<br />
sie auf www.wagnersche.at/kurbjuweit
© www.detailsinn.at<br />
Frauen in der Literatur<br />
Nadine Kegele erkundet gemeinsam mit<br />
Lina Hofstädter und Otto Licha die Möglichkeiten<br />
des Frauseins. Von Bernd Schuchter<br />
Buchtipp:<br />
Alle<br />
Porträtierten<br />
schreiben<br />
Geschichte.<br />
Nadine Kegele<br />
Nadine Kegele:<br />
24 25<br />
Lieben muss man unfrisiert<br />
Kremayr & Scheriau,<br />
343 S., € 22,90<br />
Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
„Alle Politik begründet sich auf der Geschlechterfrage“,<br />
schreibt Marlene Streeruwitz<br />
in ihrem Vorwort zu Nadine Kegeles<br />
Lieben muss man unfrisiert, eine Porträtsammlung<br />
von 19 Frauenbiografien, die auf<br />
ausführlichen und weniger ausführlichen<br />
Interviews basieren, welche die Autorin mit<br />
den verschiedensten Frauen im unterschiedlichsten<br />
Alter geführt hat. Wie ist man<br />
heute Frau und welches Bild hat man selbst<br />
davon? Ein ernste Frage, der Nadine Kegele<br />
gewissenhaft nachgeht.<br />
Ausgangspunkt ihrer Fragestellung war<br />
das Buch Guten Morgen, du Schöne. Protokolle<br />
nach Tonband von Maxie Wander<br />
aus dem Jahr 1977, da war Nadine Kegele<br />
noch drei Jahre lang nicht geboren. Maxie<br />
Wander, Drehbuchautorin und Mitarbeiterin<br />
an Reiseberichten ihres Schriftsteller-Ehemannes<br />
Fred Wander, gelang mit<br />
diesem Buch die Fortführung des Genres<br />
der Protokoll-Literatur, die von Fakten<br />
ausgeht und diese dann fiktionalisiert, zum<br />
Teil überhöht.<br />
Auch Nadine Kegele versucht in ihrem<br />
Buch ihren Gegenübern gerecht zu werden,<br />
und dies gelingt ihr mit einer stilistischen<br />
und empathischen Leichtigkeit, leger<br />
und authentisch versteht es Kegele, den<br />
jeweiligen Ton ihrer Gesprächspartnerinnen<br />
ihnen selbst in den Mund zu legen. Und<br />
die Themen, die vor vierzig Jahren bereits<br />
verhandelt wurden, sind heute nach wie<br />
vor aktuell: Wie umgehen mit den verschiedenen<br />
Rollenbildern von Geschlecht, der<br />
ungleichen Bezahlung von Mann und Frau,<br />
oder Themen wie häuslicher Gewalt, sexueller<br />
Ausbeutung oder Rassismus. Nadine<br />
Kegele gelingt es, den Frauen eine Stimme<br />
zu geben, ohne anzuklagen oder larmoyant<br />
zu klingen. Themen, die bereits Simone<br />
de Beauvoir in Das andere Geschlecht und<br />
in ihren Autobiografien behandelt hat.<br />
Was hat dich dazu veranlasst, dieses<br />
außergewöhnliche Buch zu schreiben?<br />
Zufällig habe ich Maxie Wanders Buch<br />
Guten Morgen, du Schöne, das 1977<br />
erschien, 2015 gelesen. Danach wusste<br />
ich sofort: Irgendwas muss ich mit dieser<br />
Leseerfahrung machen. So kam ich auf die<br />
Achse 1977–2017 und dachte daran, dass<br />
ich eine Neubefragung machen könnte,<br />
vierzig Jahre später, unter aktualisierten und<br />
von mir personalisierten Bedingungen. Und<br />
dann folgte das erste Probeinterview. Dann<br />
folgte das zweite. Und irgendwann wusste<br />
ich, dass diese Interviews funktionieren,<br />
dass ich die Probe unter diesen Bedingungen<br />
zu einem Projekt umwidmen kann.<br />
Was hat dich an den verschiedenen<br />
Porträts, den unterschiedlichen<br />
Frauenleben interessiert?<br />
Es sind ja nicht nur Frauenleben porträtiert,<br />
sondern auch ein Leben einer<br />
trans*-Person, die sich weder-noch verortet,<br />
Frana. Frana ebenfalls zu benennen, finde<br />
ich essenziell – und respektvoll –, denn<br />
vierzig Jahre später wäre ein reines<br />
„Frauenbuch“ rückwärtsgewandt.<br />
Was bedeutet Frausein heute – nach<br />
den Interviews und der Fiktionalisierung<br />
im Buch – für dich persönlich?<br />
So pauschal kann ich das nicht beantworten,<br />
Frausein heute müsste da geografisch,<br />
religiös, politisch, feministisch und so weiter<br />
beleuchtet werden. Ich stehe dem Frausein<br />
ambivalent gegenüber. Eigentlich ist es mir<br />
vollkommen unwichtig, Frau zu sein. Aber<br />
es gibt so viele Situationen, wo ich darauf<br />
hingewiesen werde, dass ich als Frau gesehen<br />
werde, und dann in eine Rolle gedrängt<br />
werde, die einer Frau auferlegt wird.<br />
Wie geht es dir mit dem Vorwort von<br />
Marlene Streeruwitz?<br />
Ich wollte das Wander-Buch formal widerspiegeln,<br />
weswegen ich von Anfang an<br />
wusste, dass ich ebenfalls ein Vorwort haben<br />
will. Ich mag, was Streeruwitz über die neue<br />
Geschichtsschreibung sagt: dass die eben<br />
nur so aussehen kann, dass jede zu Wort<br />
kommen muss. Eben nicht bloß Akteure<br />
in politischen oder gesellschaftlichen<br />
Schlüsselpositionen. Das ist auch die Idee<br />
dieses Buches, alle Porträtierten schreiben<br />
Geschichte.<br />
Gemeinsam mit Nadine Kegele lesen Lina<br />
Hofstädter und Otto Licha aus aktuellen<br />
Texten, die um Frauenleben kreisen.<br />
Eine Veranstaltung der GAV Tirol, der<br />
Grazer Autorinnen- Autorenversammlung,<br />
die als größter AutorInnenverband in Österreich<br />
seit über vierzig Jahren versucht, die<br />
Geschlechterrollen kritisch zu hinter fragen.<br />
Nadine Kegele, geboren 1980 in Bludenz, lebt in<br />
Wien. Bürolehre, zweiter Bildungsweg, Studium<br />
der Germanistik, Theaterwissenschaft und Gender<br />
Studies. Erwerbsarbeiten als Sekretärin, Finanzassistentin,<br />
Mediaplanerin, Lektorin. Schreibt für den<br />
Standard und die Obdachlosenzeitung Augustin.<br />
Zahlreiche Preise und Stipendien. Zuletzt erschien<br />
ihr Debütroman Bei Schlechtwetter bleiben Eidechsen<br />
zu Hause (2014).<br />
Lina Hofstädter, geboren 1954 in Lustenau, Studium<br />
der Germanistik und Anglistik, zahlreiche Stipendien<br />
und Preise, unter anderem Harder Literaturpreis<br />
und Staatsstipendium für Literatur. Lebt als Autorin<br />
in Sistrans bei Innsbruck. Zuletzt erschienen die<br />
Romane Im Schneckenhaus (2009), Er und Sie<br />
(2013) und Erebus (2015, mit Beilage-Booklet 26<br />
Krähengedichte).<br />
Otto Licha, geboren 1952 in Wien, Studium der Physik<br />
und Mathematik an der Universität Innsbruck,<br />
Ausbildung am Konservatorium der Stadt Innsbruck<br />
im Hauptfach Violine. Seit 1980 als Autor tätig, lebt<br />
in Innsbruck. Zahlreiche Bücher, zuletzt erschienen<br />
die Romane Geiger (2008, Taschenbuchausgabe 2013),<br />
Salzkruste (2010), Kripp (2012) und Sieben (2013).<br />
Buchpräsentation:<br />
Nadine Kegele:<br />
Lieben muss man unfrisiert<br />
Gemeinschaftslesung mit Lina<br />
Hofstädter und Otto Licha<br />
Di., 21. März 2017, 19:30 Uhr<br />
Wagner’sche<br />
Universitätsbuchhandlung<br />
Moderation und Gespräch:<br />
Bernd Schuchter<br />
Eine Veranstaltung der GAV,<br />
Grazer Autorinnen Autorenversammlung<br />
und der Wagner’schen
© Fabian Stuertz<br />
Tach, ihr Rabauken!<br />
Quichotte ist ein Kölner Rapper, der am Land<br />
aufgewachsen ist. In seinem neuen Buch denkt er<br />
intensiv darüber nach. Von Marion Umgeher.<br />
Buchtipp:<br />
Quichotte:<br />
Klingelstreiche im Niemandsland<br />
Rowohlt, 192 S., € 10,30<br />
Was macht<br />
ein junger<br />
Mensch<br />
am Land?<br />
Quichotte<br />
26<br />
Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
Zwischen Fußballverein und Dorfdisco<br />
ist Quichotte bereits als Jugendlicher sehr<br />
fasziniert davon, wie andere mit Text und<br />
Musik ihre Gefühle und Gedanken ausdrücken.<br />
Kurzerhand beschließt er: „Das<br />
will ich selbst machen“. Mit 14 findet er als<br />
Rapper in Miguel de Cervantes’ Klassiker<br />
eine Figur, die ihn inspiriert: „Don Quijote<br />
ist ein tragischer Held. Auch wenn er<br />
eine fragwürdige Selbstwahrnehmung hat,<br />
beschreibt er doch sehr gut das menschliche<br />
Tun – mit einem lobenswerten Ziel: Das<br />
Leben ist ein stetiger Kampf; und kaum<br />
Chancen darauf, zu gewinnen.“ Daraus hat<br />
sich seine Arbeitsphilosophie entwickelt:<br />
Er nimmt den Kampf auf gegen die Windmühlen<br />
der seichten Unterhaltung.<br />
„Ich bin kein klassischer Rapper. Denn<br />
die nehmen sich oftmals viel zu wichtig –<br />
und ich bin kein Mensch mit ‚Ich bin der<br />
Beste‘-Attitüde. Mich treibt die Liebe<br />
zur Sprache an: Da gibt es viele Aspekte,<br />
an denen mein Herz hängt. So bin ich<br />
später auch zum Poetry Slam gekommen:<br />
Hier haben alle bereits existierenden Genres<br />
Platz und bilden ein neues Format. Man<br />
hat hier eine größere Variabilität im Ausdruck.<br />
Und ich mag es, andere Leute<br />
zu unterhalten oder meine Message rüberzubringen.“<br />
Poetry Slam ist für ihn<br />
„Bühnenliteratur“, die meist im Kurzformat<br />
von fünf Minuten vorgetragen wird. Das ist<br />
nicht mit klassischer Literatur vergleichbar:<br />
„Die geht über eine längere Distanz. Aber<br />
Poetry Slam greift oft auf Referenzen der<br />
Weltliteratur zurück und inspiriert möglicherweise<br />
auch dazu, später auch längere<br />
Texte zu schreiben.“<br />
Wenn er sein Publikum mit „Tach, ihr<br />
Rabauken!“ begrüßt (am 16. März feiert<br />
er im Spielraum Elisabethinum in Axams<br />
Österreich-Premiere mit seinem Soloprogramm),<br />
dann steckt doch noch ein<br />
bisschen Rapper-Mentalität in ihm: „Auch<br />
wenn der Begriff Rabauke oft negativ<br />
27<br />
konnotiert ist: Für mich ist das eine nett<br />
gemeinte Begrüßung – da kommt wahrscheinlich<br />
meine Rheinländer Art durch!<br />
‚Tach, ihr Rabauken‘ ist durchaus mit<br />
einem Augenzwinkern zu sehen, weil ich<br />
mich selbst als Rabauke sehe.“<br />
Literarische Rätselbücher<br />
für Scharfdenker<br />
Auch seine Bühnenprogramme sind eine<br />
bunte Mischung aus Liedern, Geschichten<br />
und Gedichten garniert mit Stand-up<br />
Comedy-Elementen. Erfolgreich mischt<br />
Quichotte Heiteres und Ernstes und feiert<br />
damit große Erfolge: Zwei Mal im Folge<br />
gewinnt er den Titel des Rapslam Meisters<br />
bei den deutschen Poetry Slam-Meisterschaften.<br />
Seine Deutschlandtour mit<br />
Slammer-Kollege Patrick Salmen war oft<br />
komplett ausverkauft.<br />
Die beiden haben bisher auch vier<br />
literarische Rätselbücher herausgegeben,<br />
bei denen man um die Ecke denken muss,<br />
um auf die Lösung zu kommen. Die Idee<br />
dahinter ist spontan entstanden: „Wir<br />
waren mit der Bahn unterwegs. Kein freier<br />
Sitzplatz. Aber ein Blick auf die Deutschlandkarte<br />
im Zug. Wir haben daraus ein<br />
Spiel gemacht und uns gefragt: Wie kamen<br />
eigentlich die Städte zu ihren Namen?“ So<br />
sind kurze, meist sehr skurrile Geschichten<br />
entstanden, an deren Ende eine Lücke bleibt,<br />
die es zu füllen gilt. Dieses Prinzip haben sie<br />
auch auf die Bereiche „Kunst und Kultur“<br />
sowie „Film und Filmtitel“ übertragen.<br />
Und vor Kurzem ist ein zusätzlicher Band<br />
für Geografie-Scharfdenker entstanden.<br />
Das Landleben?<br />
Ambivalent.<br />
Für sein neuestes Buch, das im Sommer<br />
im Rowohlt-Verlag erscheint, arbeitet<br />
Quichotte derzeit oft zehn Stunden pro Tag.<br />
„Ein erzählendes Sachbuch, das sich mit<br />
dem Leben auf dem Land beschäftigt. Und<br />
mit der Frage: Was macht man als junger<br />
Mensch dort mit wenig Freizeitangeboten<br />
und so viel Zeit? Ein Buch mit starken<br />
autobiografischen Bezügen. Für mich war<br />
schon früh klar: Ich muss, sobald es geht,<br />
von da weg. Doch mit der Zeit ändert sich<br />
auch die Einstellung zum Leben auf dem<br />
Land. Das sehe ich heute als ambivalent:<br />
Es ist schön, wenn man in der Nachbarschaft<br />
zusammenhält. Es kann aber auch<br />
nerven, wenn die Nachbarn jeden Schritt<br />
genau beobachten. Auch wenn ich die Menschen<br />
auf dem Land früher als Hinterwäldler<br />
gesehen habe: Heute entscheide ich von<br />
Fall zu Fall, denn es gibt auch Städter, die<br />
ich mit ihrem weltgewandten und urbanen<br />
Getue so gar nicht haben kann. Und wer<br />
weiß, vielleicht zieht es mich später ja wieder<br />
aufs Land zurück.“<br />
Rätselbücher von Quichotte<br />
und Patrick Salmen<br />
• Du kannst alles schaffen, wovon du<br />
träumst. Es sei denn, es ist zu schwierig<br />
• Aufgeben ist keine Lösung: Außer bei<br />
Paketen<br />
• Der Holzweg ist das Ziel. Es sei denn,<br />
er führt nach Rom<br />
• Die Letzten werden die Ersten sein.<br />
Es sei denn, sie sind zu langsam<br />
Sowie Quichotte: „Es steht alles auf der<br />
Kippe“.<br />
Österreich-<br />
Premiere<br />
von Quichotte<br />
in Axams:<br />
Am 16. März verschmilzt er<br />
im Spielraum Elisabethinum<br />
klassische Stand-up Comedy<br />
mit schrägen Gedichten,<br />
Kurzgeschichten und urbanen<br />
Rhythmen. Kartenvorverkauf<br />
in der Wagner’schen.<br />
Weitere Infos unter<br />
www.spielraum-elisabethinum.at
© Fotowerk Aichner<br />
Wir können<br />
nur gemeinsam<br />
schreiben,<br />
weil wir so<br />
verschieden<br />
sind.<br />
Buchpräsentation:<br />
Michael Köhlmeier,<br />
Monika Helfer:<br />
Der Mensch ist verschieden –<br />
Dreiunddreißig Charaktere<br />
Mi., 29. März 2017, 19:30 Uhr<br />
Wagner’sche<br />
Universitätsbuchhandlung<br />
Moderation und Gespräch:<br />
Robert Renk<br />
In Kooperation mit 8ungKultur<br />
Monika Helfer<br />
28<br />
Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
In ihren Romanen und Erzählungen porträtiert<br />
die Autorin Monika Helfer gerne<br />
Außenseiterfiguren, die in ihren ganz eigenen<br />
Welten leben. Mit ihrem Mann, dem Schriftsteller<br />
Michael Köhlmeier, hat sie unter dem<br />
Titel „Der Mensch ist verschieden“ nun<br />
einen bunten Reigen menschlicher Charaktertypen<br />
beschrieben. Im Folgenden gibt sie<br />
einen Einblick in die Schriftstellerwerkstatt<br />
Helfer/Köhlmeier und erzählt, was sie immer<br />
schon schreiben wollte.<br />
Dreiunddreißig Charaktertypen<br />
lernen wir in „Der Mensch ist<br />
verschieden“ kennen. Was fasziniert<br />
dich daran, Menschen in Typen zu<br />
fassen? Und vor allem: Wo sitzt der<br />
Charakter?<br />
Mich interessieren alle Menschen, ich mag<br />
auch am liebsten Fotos, auf denen Menschen<br />
abgebildet werden. Es interessiert<br />
mich, Menschen zu beobachten und zu<br />
vergleichen. Das klingt zwar, als wären es<br />
Studienobjekte, aber es ist einfach so, dass<br />
ich die Menschen zum Schreiben brauche.<br />
Monika<br />
Helfer<br />
Ins Gespräch<br />
verwickelt<br />
von Dorothea<br />
Zanon.<br />
29<br />
Es ist auch eine Sache der Erfahrung.<br />
Je länger ich gelebt habe, umso mehr habe<br />
ich gesehen. Wo der Charakter sitzt, kommt<br />
am Besten in Extremsituationen hervor,<br />
wie verhält sich ein Mensch, wenn er sich<br />
unbeobachtet glaubt. – Mein Glück wäre<br />
es, könnte ich so gut wie Tschechow über<br />
die Menschen schreiben.<br />
Was du mit deinem Mann Michael<br />
Köhlmeier beim Schreiben gemeinsam<br />
hast, ist die unglaublich reiche<br />
Fantasie. Wenn ihr nun beide<br />
gemeinsam ein Buch schreibt, stell<br />
ich mir das so vor: Ihr werft eure<br />
Ideen und viele Worte dazu in einen<br />
Zaubertopf, rührt um, würzt ein<br />
bisschen nach und da haben wir<br />
diesen unvergleichlichen Helfer/<br />
Köhlmeier-Stil. Ist es so?<br />
Das wäre schön, es ist aber nicht so.<br />
Michael ist ein analytischer Kopf und ich<br />
bin ein Wirrkopf. Phantasie haben wir beide<br />
ausreichend. Vielleicht ist es so, dass ich<br />
tiefer hineinschauen kann, dafür erkennt<br />
Michael das Wie und Warum, er hat eine<br />
extrem schnelle Auffassungsgabe, während<br />
ich noch im Zaubertopf rühre, riecht er<br />
schon die Speise.<br />
Dieses Buch ist nicht eure erste<br />
gemeinsame Arbeit, ihr habt<br />
z. B. auch schon ein wunderbares<br />
Kinderbuch miteinander verfasst<br />
– „Rosie und der Urgroßvater“.<br />
Was ist das Schöne am Gemeinsam-<br />
Schreiben? Und wenn ihr euch mal<br />
uneins seid, wer setzt sich durch?<br />
Wir können nur gemeinsam schreiben,<br />
weil wir so verschieden sind. Michael ist in<br />
unserem Buch der Philosoph und ich bin<br />
die Ausdenkerin. – Durchsetzen wird sich<br />
der mit den besseren Argumenten.<br />
Dein neuer Roman ist gerade bei<br />
Jung und Jung erschienen. Der Titel<br />
lautet „Schau mich an, wenn ich mit<br />
dir rede!“ – wer spricht hier?<br />
Ich würde sagen, es spricht eine anonyme<br />
Autorität, die jeder von uns kennt. Wenn<br />
wir Glück haben, versickert sie in der Kindheit,<br />
vielen Menschen aber bleibt sie ein<br />
ganzes Leben lang. Wir ziehen den Kopf<br />
ein und machen uns klein, obwohl wir einen<br />
Hals haben und groß sind.<br />
Hast du schon Ideen für ein neues<br />
Buch? Vielleicht wird es eines, das du<br />
unbedingt und immer schon schreiben<br />
möchtest?<br />
Was ich immer schon schreiben wollte, ist<br />
ein Buch, das heißen würde: „Die Träumerin“.<br />
Eine Frau träumt jede Nacht und<br />
am Morgen kommt ein Mann und holt<br />
die Träume ab. (Es ist wie beim Stroh zu<br />
Gold spinnen.) Immer muss der Frau etwas<br />
einfallen, ob geträumt oder erfunden. Da<br />
ich selber eine heftige Träumerin bin, denke<br />
ich, wird mir das nicht allzu schwer fallen.<br />
Momentan schreibe ich mein Buch „Beginnende<br />
Migräne“ fertig, das handelt von<br />
einer Frau mit Migräne, wie sie damit die<br />
Familie tyrannisiert und dabei ein schlechtes<br />
Gewissen hat.<br />
Monika Helfer, geboren 1947 in Au/Bregenzerwald,<br />
lebt als Schriftstellerin mit ihrem Ehemann Michael<br />
Köhlmeier und ihrer Familie in Vorarlberg. Sie<br />
hat Romane, Erzählungen und Kinderbücher veröffent<br />
licht, darunter den Roman „Bevor ich schlafen<br />
kann“ (2010) und den Kurzgeschichtenband<br />
„Die Bar im Freien“ (2012). Für ihre Arbeiten wurde<br />
sie u. a. mit dem Österreichischen Würdigungspreis<br />
für Literatur (1997) und dem Johann-Beer-Literaturpreis<br />
(2012) ausgezeichnet. Bei Haymon<br />
erschienen die <strong>No</strong>velle „Kleine Fürstin“ (1995), der<br />
Geschichten band „Diesmal geht es gut aus“ (mit<br />
Zeichnungen von Lorenz Helfer, 2014) sowie aktuell<br />
„Der Mensch ist verschieden“. Dreiunddreißig<br />
Charaktere (gemeinsam mit Michael Köhlmeier).<br />
Ebenso im Frühjahr erschien ihr Roman „Schau<br />
mich an, wenn ich mit dir rede!“ bei Jung und Jung.<br />
Buchtipps:<br />
Monika Helfer:<br />
Schau mich an,<br />
wenn ich mit dir rede!<br />
Jung und Jung, 186 S., € 20,–<br />
Michael Köhlmeier,<br />
Monika Helfer:<br />
Der Mensch ist verschieden<br />
Haymon, 112 S., € 17,90
© privat<br />
Mein<br />
Wunschpatient<br />
wäre<br />
Adolf Hitler,<br />
vor er so<br />
mächtig war.<br />
Reinhard Haller<br />
Er ist einer der gefragtesten psychiatrischen<br />
Gerichtsgutachter unseres Landes und<br />
weithin bekannt für seine Gutachten in den<br />
Fällen zu Jack Unterweger, Franz Fuchs<br />
und Heinrich Gross. Der Psychiater,<br />
Psychotherapeut und Neurologe Reinhard<br />
Haller. Nun kehrt er mit seinem aktuellen<br />
Buch Die Macht der Kränkung in die<br />
Stadt zurück, in der er einst habilitierte.<br />
Auf Einladung des Lions Club Innsbruck<br />
Goldenes Dachl präsentiert er im artdepot<br />
sein Buch. Die Wagner’sche gesellt sich als<br />
Partner hier gerne dazu.<br />
Die Macht der Kränkung:<br />
Was kränkt macht krank<br />
Dass Kränkungen die tiefer liegenden<br />
Ursachen der meisten zwischenmenschlichen<br />
Probleme bis hin zu Kriegen sind<br />
und oft auch psychische und somatische<br />
Erkrankungen verursachen können,<br />
wird einem klar, je mehr man sich in das<br />
neue Buch von Dr. Reinhard Haller vertieft.<br />
Reinhard<br />
Haller<br />
Einer der klügsten<br />
Köpfe des Landes<br />
ist zu erleben auf<br />
Einladung<br />
des Lions Club<br />
Innsbruck<br />
Goldenes Dachl –<br />
von Peter Walder-<br />
Gottsbacher<br />
Kränkungen kennt zwar jeder von uns,<br />
sowohl Gekränkte als auch Kränkende. Bei<br />
der Beschreibung dieser subtilen,<br />
sich langsam ausbreitenden Prozesse, tun<br />
wir uns aber sehr schwer und oft sind wir<br />
uns deren auch nicht mehr bewusst was<br />
bisweilen katastrophale Folgen haben kann.<br />
Kränkung als<br />
nachhaltige Erschütterung<br />
des Selbstbildes<br />
Wie weit jemand nun gekränkt werden<br />
kann, hängt sowohl von der einzelnen<br />
Person, deren Verfassung und persönlicher<br />
Lebensgeschichte, als auch vom Grad<br />
der Empathie und der Offenheit zur Selbsterkenntnis<br />
ab.<br />
Die Formen reichen von der Beleidigung,<br />
über den für uns zum Teil fraglichen<br />
Ehrbegriff anderer Kulturen und Eifersucht<br />
bis hin zur Demütigung und Verbitterung.<br />
Ebenso kennen wir die Folgen<br />
bei Kränkungen in Partnerschaften, bei<br />
Scheidungen, Mobbing im Berufsleben<br />
und Verbrechen aus Gekränktheit bis hin<br />
zu Vergewaltigung, Mord und Terrorismus.<br />
Ein besonderes Kapitel behandelt auch<br />
den Narzissmus als Vater der Kränkung,<br />
wie der Autor ihn bezeichnet, als auch<br />
die verschiedenen Spielformen der Sucht.<br />
Kränkungen als Chance<br />
zur Lebensänderung<br />
Im letzten Teil des Buches wird der<br />
Umgang mit Kränkungen beschrieben.<br />
Reinhard Haller spricht hier von den<br />
Möglichkeiten der Empathie, des Erkennedich-selbst<br />
an Hand der eigenen Schwachpunkte,<br />
die meist erst durch Kränkungen<br />
offenbar werden, die Möglichkeiten der<br />
guten Kompensation besonders im Bereich<br />
des Künstlerisch-Kreativen, der heil -<br />
samen Kraft des Humors und der Ironie<br />
und der des Verzeihens, falls dieses noch<br />
möglich ist.<br />
Buchtipps:<br />
Reinhard Haller:<br />
Die Macht der Kränkung<br />
ecowin, 248 S., € 21,95<br />
Vortrag:<br />
Reinhard Haller:<br />
Die Macht der Kränkung<br />
Mi, 5. April 2017, 19:30 Uhr<br />
artdepot, Maximilianstraße 3,<br />
Stöcklgebäude, Innsbruck<br />
30<br />
Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
31
© Paul Zsolnay Verlag/Michael Appelt<br />
Auf der Suche nach sich selbst.<br />
Vier Reisegeschichten von Karl-Markus Gauß.<br />
von Ulrike Tanzer<br />
Ich war der<br />
einzige gebürtige<br />
Österreicher<br />
der Familie.<br />
Karl-Markus Gauß<br />
32<br />
Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
Das preisgekrönte Werk des gebürtigen<br />
Salzburgers Karl-Markus Gauß ist so<br />
umfangreich wie vielschichtig: Vom biographischen<br />
Essay über die Streitschrift, die<br />
Polemik, das Albumblatt, das Alphabet,<br />
die Reiseessays und das Journal reicht die<br />
Bandbreite an nichtfiktionalen Gattungen<br />
und Genres. Seit Anfang der 1980er<br />
Jahre führt der Schriftsteller, Essayist und<br />
Kritiker seine Leserinnen und Leser in<br />
unbekannte Welten, sei es ins „unentdeckte<br />
Österreich“ oder an die vom Verschwinden<br />
bedrohten Völker an den Rändern Europas.<br />
Durch Essaybände und Reisereportagen<br />
wie Das Europäische Alphabet (1997) und<br />
Die sterbenden Europäer. Unterwegs zu den<br />
Sepharden von Sarajevo, Gottscheer Deutschen,<br />
Arbëreshe, Sorben und Aromunen<br />
(2001) hat Gauß den Blick auf das zweigeteilte<br />
Europa geschärft, auf das Europa des<br />
Wohlstands und das der Armut. Im letzten<br />
Beitrag des Europäischen Alphabets, das mit<br />
„Zwei Europa“ betitelt ist, heißt es etwa:<br />
„Neben dem klassischen westeuropäischen,<br />
museal-grandiosen, historisch-pathetischen<br />
Europa lebt noch ein zweites, das bescheidene,<br />
in die Ecke gedrängte, seit Jahrhunderten<br />
immer wieder unterworfene periphere<br />
Europa der östlichen und südöstlichen<br />
europäischen Völker.“ Zwanzig Jahre nach<br />
diesem hellsichtigen Befund steckt heute<br />
die Europäische Union in ihrer größten<br />
politischen Krise. England strebt aus der<br />
Gemeinschaft und innerhalb der EU-Mitgliedstaaten<br />
formieren sich angesichts der<br />
Migrationsströme neue Bündnisse und<br />
Konstellationen. Die sogenannte Visegrád-<br />
Gruppe und der Westbalkan beherrschen<br />
seit Monaten die Schlagzeilen.<br />
In seinem neuen Buch mit dem<br />
Titel Zwanzig Lewa oder tot beschreibt<br />
Karl-Markus Gauß vier Reisen: in die<br />
Republik Moldau, nach Bulgarien, in die<br />
kroatische Hauptstadt Zagreb und in<br />
die Wojwodina. Ein Zitat des kroatischen<br />
Schriftstellers und Übersetzers Slavko<br />
33<br />
Mihalić ist dem Band als Motto vorangestellt:<br />
„Öffne die Augen und du wirst<br />
sehen: Hier bist du daheim.“ Der genaue<br />
Blick auf die Menschen und ihre Umgebung,<br />
auf die vom Verschwinden bedrohte<br />
reiche kulturelle Vergangenheit zeichnet<br />
die glänzend geschriebenen Essays aus. Der<br />
melancholische Grundton gleitet nie in<br />
sentimentale Rückwärtsgewandtheit ab. Im<br />
Gegenteil: Die beschriebenen Begegnungen,<br />
Gespräche und Erlebnisse paart Gauß mit<br />
historischen Exkursen und Reflexionen, die<br />
vor Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit<br />
und Respektlosigkeit warnen. Gerade die<br />
Gebiete, die historische Kreuzungspunkte<br />
darstellen mit sich übereinander lagernden<br />
Religionen, Sprachen und Ethnien, sind für<br />
den Reisenden von besonderem Interesse.<br />
Die Republik Moldau zum Beispiel, meist<br />
nur abfällig als „Armenhaus Europas“ tituliert,<br />
zwischen Rumänien und der Ukraine<br />
gelegen, seit jeher umkämpft und auf der<br />
Suche nach seiner Identität. „Nun also,<br />
wer bin ich?“, fragt sich Irina Shihova, die<br />
in Chișinǎu einem jüdischen Kultur- und<br />
Wohltätigkeitsverein vorsteht. „Ich bin eine<br />
Jüdin. Und eine Russin. Und eine Chișinǎuerin.<br />
Und die Tochter eines Überlebenden<br />
der Shoah. Und die Mutter einer kleinen<br />
Tochter, die in diesem Land zu einem freien<br />
Menschen heranwachsen soll. Und eine<br />
Wissenschaftlerin. Und Museumsdirektorin.<br />
Und ich bin – eine Moldauerin.“<br />
Futog:<br />
Spätes Kennenlernen<br />
Der Essay über „Die toten Mädchen von<br />
Futog“ ist der persönlichste Text in dem<br />
Band. Gauß’ Eltern, die neben Deutsch<br />
auch noch Ungarisch und Serbokroatisch<br />
miteinander sprachen, waren Ende 1945<br />
in Österreich gestrandet und jahrelang in<br />
einer Barackensiedlung für Heimatvertriebene<br />
untergebracht. „Ich war“, so der 1954<br />
geborene Karl-Markus Gauß über seine<br />
Kindheit in Salzburg, „der einzige gebürtige<br />
Österreicher der Familie“.<br />
In der Batschka begibt sich Gauß auf<br />
die Spur seiner donauschwäbischen Vorfahren<br />
– und letztlich auf eine Suche nach sich<br />
selbst. Jahrelang hatte er es – zum Leidwesen<br />
seiner Mutter – vermieden, nach Futog,<br />
Palanka und Warschetz zu fahren. Erst<br />
nach ihrem Tod bereiste er 2009 das kleine<br />
Dorf Futog, wo seine Mutter aufgewachsen<br />
war. Er imaginiert in der Marienkirche<br />
das achtjährige Mädchen, das mit der<br />
Kommunionkerze zum Altar schreitet.<br />
Bist du also doch noch hierhergekommen,<br />
hört er sie sagen, ich weiß ja, was das<br />
Richtige für dich ist. „Das schöne Mädchen<br />
vor Augen, das meine tote Mutter war, fasst<br />
mich jäh die Gewissheit ans Herz, dass<br />
die Zeit, mich darüber zu ärgern, unwiderruflich<br />
dahin war.“<br />
Buchtipp:<br />
Karl Markus Gauß:<br />
Zwanzig Lewa oder tot<br />
Vier Reisen. Wien.<br />
Paul Zsolnay Verlag,<br />
208 S., ca. € 22,70<br />
Buchpräsentation:<br />
Karl-Markus Gauß<br />
Zwanzig Lewa oder tot<br />
Di., 4. April 2017, 19 Uhr<br />
Literaturhaus am Inn<br />
Josef-Hirn-Straße 5 / 10. Stock<br />
In Kooperation mit der<br />
Wagner’schen
© Peter Schaller<br />
Eine Reise im Kopf – oder der<br />
Anfang kommt zum Schluss …<br />
Hubert Flattinger besucht Robert Renk<br />
Im Diktat<br />
13 Fehler, also<br />
13 Watschen,<br />
in meinen<br />
Zeichnungen<br />
konnten sie<br />
keine Fehler<br />
finden.<br />
Hubert Flattinger<br />
Einer ist auf der Reise. Wie und mit wem<br />
kann man nur erahnen. Vielleicht mit<br />
dem Zug, gar mit dem Schiff oder doch mit<br />
dem Flugzeug. Vielleicht sitzt er ja selbst<br />
im Cockpit.<br />
Auf jeden Fall kommt er gut an und befindet<br />
sich am Ende dieses wilden literarischen<br />
Roadmovies in Stockholm, vor der Haustüre<br />
von Astrid Lindgren. Aber das ist eine andere<br />
Geschichte.<br />
Es ist eine Reise, die der Tintenmann<br />
Hubert Flattinger erlebt hat, vielfach.<br />
Ja, tatsächlich ist er einst nach Stockholm<br />
gefahren und hat die große Dame der<br />
Kinderbuchliteratur daheim besucht, hat<br />
sich von ihr in die Wange kneifen lassen<br />
und ist mit den Worten „Ich hab gewusst,<br />
Sie sind ein Schlingel“ wohlbehütet und<br />
reich beschenkt wieder entlassen worden.<br />
Aber wissen wir, wie oft er diese Reise im<br />
Kopf schon durchgespielt hat? Was sich auf<br />
dem Weg dorthin und ebendort abgespielt<br />
hat? Wer aus den Leseerinnerungen des<br />
Kinderbuchspezialisten sich dort zu Wort<br />
gemeldet hat und wer unbedingt Teil dieser<br />
Reise und somit der Erzählung sein wollte?<br />
Vorweg sei es verraten: Viele!<br />
Und so breitet der Tintenmann einen<br />
fliegenden Teppich an fein gezeichneten,<br />
skurrilen Figuren aus, ein Konglomerat an<br />
Leseerinnerungen. Sie entsteigen Büchern<br />
von Jack London, Astrid Lindgren, Mark<br />
Twain oder Hermann Melville, eben aus allem,<br />
mit dem sich ein Jugendlicher Jahrgang<br />
1966 sozialisiert hat.<br />
Sie tänzeln aus Filmen, wie den<br />
3 Musketieren oder sie hüpfen aus Hendrixoder<br />
Beatles-Platten. Und ja, es müssen<br />
Platten sein, man hört in diesem rhythmisch<br />
wunderbar gefertigten Text denn auch<br />
das Knarzen. Der Text hat Leben, ist nicht<br />
zu glatt, hat Fülle und ist sich seiner vielseitigen<br />
und vielschichtigen Möglichkeiten<br />
innerhalb seines schmalen Textsakkos<br />
bewusst. Eine meisterhaft assoziierte, wilde<br />
Korallenkette eines gar feinen Geschichtenerzählers,<br />
der auch lautmalerische Effekte<br />
gezielt einsetzt, um das Musikalische des<br />
Textes zu untermalen.<br />
Und bekannt kommen sie einem schon<br />
vor; die Aztekenprinzessin Prima Pralina<br />
Langsock hat wohl Sommersprossen und<br />
rote Zöpfe. Und der Gitarre spielende<br />
Boo Jangles sieht Sammy Davis Jr. ähnlich.<br />
Ein gewisser Gin Kelly geriert sich tänzelnd<br />
als Musketier. Tatsächlich hat Gene<br />
Kelly – was ich nicht wusste – 1948 bei der<br />
Romanverfilmung von Dumas den D’Artagnan<br />
gegeben, und zwar „Im besten aller<br />
Musketierverfilmungen, mit der schönsten<br />
Lady de Winter“ (Lana Turner* Anm.),<br />
wie Hubert Flattinger mir erläutert.<br />
Flattinger, ein hochsympatischer Doc<br />
Hollidaytyp mit leichtem Huckleberry-<br />
Finn-Einschlag, ein Stadtcowboy, der am<br />
Land wohnt, erzählt mir auch, wie er<br />
zu zeichnen begann: „Im Diktat 13 Fehler,<br />
also 13 Watschen, in meinen Zeichnungen<br />
konnten sie keine Fehler finden, also<br />
hab ich lieber gezeichnet …“, wie er dann<br />
konsequenterweise die Schule abbrach, als<br />
„Wagerlschieber im DEZ“ und Krankenpfleger<br />
arbeitete, als 22-jähriger Sterbebegleiter<br />
Depressionen bekam und wie er mit<br />
einem phantasievollen Bewerbungsgespräch<br />
zur Tiroler Tageszeitung kam, aber das ist<br />
wieder eine andere Geschichte …<br />
Hubert Flattinger, geboren 1966 in Innsbruck,<br />
pendelt als Grafiker, Autor und Journalist regelmäßig<br />
zwischen dem äußersten Osten Niederösterreichs<br />
und dem Mittelwesten Tirols.<br />
Buchtipps:<br />
Hubert Flattinger:<br />
Als ich Lord Winter war<br />
Limbus Verlag, 80 S., € 12,–<br />
Hubert Flattinger:<br />
Der größte Fisch entwischt<br />
Limbus Verlag, 144 S., € 14,90<br />
Hubert Flattinger:<br />
Sommersprossen auf dem<br />
Asphalt<br />
Aravaipa Verlag, 200 S., € 15,40<br />
Buchpräsentation:<br />
Hubert Flattinger<br />
„Als ich Lord Winter war“<br />
Di, 16. Mai 2017, 19:30 Uhr<br />
Wagner’sche<br />
Universitätsbuchhandlung<br />
Einführung: Bernd Schuchter<br />
34<br />
Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
35
Das<br />
Glück,<br />
das ich<br />
habe<br />
Herr Schuh beschäftigt<br />
sich mit dem GLÜCK.<br />
Er hat darüber ein Buch<br />
geschrieben. Wir haben<br />
das GLÜCK, ihn wieder<br />
in unserer Buchhandlung<br />
begrüßen zu dürfen. Das<br />
Glück verdoppelt sich, denn<br />
Martin Sailer wird die<br />
Moderation übernehmen.<br />
Und noch mehr Glück,<br />
im folgenden lesen sie<br />
einen Originaltext von<br />
Franz Schuh, den sie nicht<br />
im Buch finden werden …<br />
Mit dem Glück befasse ich mich seit meiner Kindheit.<br />
Das ist einer Figur aus den Micky-Maus-Heften zu verdanken:<br />
Gustav Gans.<br />
Gans verkörpert ein Paradox des Glücks: Er hat immer<br />
Glück, er kann sich auf sein Glück stets verlassen. Das<br />
steht im Widerspruch zu dem, was wohl oder übel für Glück<br />
gehalten werden muss: Das unerwartet Zufällige, auf<br />
das man vielleicht in höchster <strong>No</strong>t hofft, wenn man glaubt,<br />
sonst nichts mehr tun zu können.<br />
Dennoch hat das Glück des Gustav Gans eine andere Eigenschaft,<br />
die das Glück auszeichnet und zugleich verdächtig<br />
macht: Das Glück des Gustav Gans ist so unverdient wie nur<br />
das Glück es sein kann.<br />
Gustav Gans hat sein Glück vor allem deshalb, um über<br />
eine Mitente zu triumphieren, die kein Glück hat, obwohl<br />
sie es sich manchmal verdienen würde: gegen Donald Duck,<br />
der Glück hauptsächlich davon kennt, dass er ihm vergeblich<br />
hinterherjagt.<br />
Dass ich mich im Laufe der Jahre für Philosophie interessierte,<br />
hat mit dem Glück zu tun. Aufgrund des Schularbeits<br />
themas „Darf man andere Menschen zu ihrem Glück<br />
zwingen?“ bekam ich als Schüler eine erste Ahnung davon,<br />
was Argumentieren heißen könnte, nämlich sich in einem<br />
Dilemma zurechtzufinden. Man sollte, wenn man es denn<br />
besser weiß, andere nicht in ihr Unglück laufen lassen. Ebenso<br />
wenig ist aber das erzwungene Glück ein Glück. Was tun?<br />
Wird der Mensch erwachsen, was man daran sieht, dass er<br />
Steuern zahlt und dass seine Lebenszeit verrinnt, kann er im<br />
Rückblick erkennen, ob er Glück hatte. In der Vorausschau<br />
kann er sich ausrechnen, wieviel Glück er noch unbedingt<br />
haben muss, um gut durchzukommen.<br />
Die Glücksfrage stelle ich als Erwachsener unter ein doppeltes<br />
Motto. Das erste Motto stammt aus einem antiken Text,<br />
aus der Nikomachischen Ethik von Aristoteles: „Da aber die<br />
Dinge durch Zufall geschehen, Dinge, die sich an Größe und<br />
Kleinheit unterscheiden, werden geringe Glücks- ebenso wie<br />
Unglücksfälle das Leben eines Menschen nicht beeinflussen,<br />
während große und häufige Glücksfälle das Leben glückseliger<br />
machen werden …, die entsprechenden Unglücksfälle<br />
hingegen das glückselige Leben zerdrücken und trüben. Denn<br />
sie bringen Unlust mit sich und behindern viele Tätigkeiten.“<br />
Das ist Philosophie, wie sie sich von selbst versteht, also ein<br />
Gemeinplatz. Das zweite Motto feiert die Glücksfrage ebenso<br />
eindringlich. Es stammt aus „Scrubs. Die Anfänger“, einer<br />
Ärzteserie aus dem Fernsehen und es lautet: „Am Ende zählt<br />
nur, ob man nachts schlafen kann.“<br />
Franz Schuh<br />
Buchpräsentation:<br />
Buchtipp:<br />
Franz Schuh:<br />
Fortuna<br />
Zsolnay, 250 S., ca. € 22,70<br />
36<br />
Wagner’sche.<br />
© Helmut Wimmer<br />
Franz Schuh: Fortuna<br />
Moderation und Gespräch:<br />
Martin Sailer<br />
Do., 18. Mai 2017, 19:30 Uhr<br />
Wagner’sche<br />
Universitätsbuchhandlung<br />
In Kooperation mit 8ungKultur
© David Zehnder<br />
Gedichte<br />
mit sanften<br />
Widerhaken<br />
also, ja,<br />
das gefällt mir.<br />
Klaus Merz<br />
38 Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
Dass die Antworten des Schweizer Schriftstellers<br />
meist knapper ausfallen als die<br />
Fragen seines Gegenübers, gehorcht einem<br />
Programm, dem sich Merz, der vor wenigen<br />
Monaten in München mit dem „Rainer-<br />
Malkowski-Preis“ ausgezeichnet wurde, seit<br />
seinen Anfängen verschrieben hat …<br />
Klaus Merz, vor einem halben<br />
Jahrhundert erschien unter dem Titel<br />
„Mit gesammelter Blindheit“ (1967)<br />
Ihr erster Band, ein Tschudy-Bogen<br />
mit zwanzig Gedichten. Welche<br />
Erinnerungen haben Sie an Ihr<br />
Debüt?<br />
Da war die damals 45-jährige Dichterin<br />
Erika Burkart, die befand, es sei nun an der<br />
Zeit für einen ersten Gedichtband. Sie hatte<br />
mich während vier Jahren schon behutsam<br />
begleitet und wandte sich an Traugott<br />
Vogel, den älteren Freund, Autor und<br />
Herausgeber der Bogenhefte beim Tschudy<br />
Verlag. – Zu seinen Autoren zählten neben<br />
Klaus<br />
Merz<br />
„Eingenistet<br />
im ‚Genicht‘ des<br />
Gedichts“ – Klaus<br />
Merz im Gespräch<br />
über seinen Gedichtband<br />
„Helios<br />
Transport“, über<br />
die Lyrik, das Leben<br />
und überhaupt.<br />
Von Markus Bundi<br />
39<br />
Hermann Hesse, C.G. Jung, Robert Walser<br />
oder Jörg Steiner auch Erika Burkart. –<br />
Mein Heft Nr. 76 war dann das zweitletzte<br />
in der legendären Bogenheft-Reihe. Wir<br />
lektorierten im Herbst 1966 im Zürcher<br />
Café Odeon am <strong>No</strong>rdfenster.<br />
Eines der Gedichte in diesem ersten<br />
Band endet mit dem Zweizeiler<br />
„Ich frage: / War je keine Klarheit?“.<br />
Hinter der Frage steckte damals<br />
ein 22-jähriger Dichter. Wie steht<br />
es denn heute, im Jahr 2017, um die<br />
Klarheit?<br />
Die Frage nach Klarheit, ich gestehe es,<br />
sie ist – bis heute – eine eher rhetorische<br />
geblieben.<br />
„Helios Transport“ nun, der Titel<br />
des im vergangenen Jahr erschienenen<br />
Bandes, lässt zunächst einen<br />
göttlichen oder dann zumindest<br />
sonnigen Transfer vermuten, und der<br />
eine oder andere möchte womöglich<br />
gar an eine neue Bezeichnung des<br />
„Luftgeschäfts“, sprich der Lyrik,<br />
glauben, bis man beim Lesen des<br />
titelgebenden Gedichts merkt,<br />
dass es sich dabei um ein profanes<br />
Transportunternehmen handelt, das<br />
allerdings – nächste Überraschung<br />
– die Träume des lyrischen Ichs<br />
beliefert. Als Frage formuliert: Wie<br />
wichtig sind Ihnen überraschende<br />
Wendungen oder auch Gegensätze im<br />
Gedicht?<br />
Für mich war im angesprochenen „Luftgeschäft“<br />
eine gewisse Bodenständigkeit<br />
immer eine wichtige Komponente. – Und<br />
sogenannt paradoxe Interventionen oder<br />
Überraschungen führten nicht nur mit<br />
unseren beiden Kindern, sondern auch in<br />
meinen Gedichten oft zu unentbehrlichen<br />
Einsichten.<br />
Vielleicht noch deutlicher als in den<br />
vorangegangenen Bänden sticht die<br />
Knappheit der einzelnen Gedichte<br />
in „Helios Transport“ hervor. So<br />
mancher Dreizeiler findet sich,<br />
weniger als zehn Worte „machen“<br />
das Gedicht. Folgt diese Verdichtung<br />
einem Programm? Einer eigenen<br />
Vorgabe?<br />
„Eine Aufzeichnung muss wenig genug sein,<br />
sonst ist sie keine“, sagt ausgerechnet Elias<br />
Canetti in seiner „Fliegenpein“. Ich versuche<br />
mich – im Großen und Ganzen – daran<br />
zu halten.<br />
Wulf Segebrecht schrieb unlängst<br />
in seiner Besprechung für die<br />
F.A.Z.: „Man findet leicht hinein in<br />
diese Gedichte des 1945 geborenen<br />
Schweizers, aber schwer wieder<br />
heraus.“ Und in der Folge schreibt<br />
der Kritiker: „Klaus Merz: ein<br />
traditionsgebundener Neuerer.“ –<br />
Würden Sie das so unterschreiben?<br />
Und wenn ja, wie hängt das eine mit<br />
dem andern zusammen?<br />
Gedichte mit sanften Widerhaken also, ja,<br />
das gefällt mir. Und der traditionsgebundene<br />
Neuerer passt gut zu meinem Konzept<br />
der „kleinen Verschiebungen“.<br />
Vor wenigen Tagen erst ist<br />
der Band „Flüsterndes Licht“<br />
herausgekommen, ein Kettengedicht,<br />
das Sie zusammen mit <strong>No</strong>ra<br />
Gomringer, Marco Grosse, Annette<br />
Hagemann und Ulrich Koch<br />
verfassten. Es ist nicht das erste Mal,<br />
dass Sie mit anderen Dichterinnen<br />
oder bildenden Künstlern<br />
zusammenspannen. Was ist für Sie<br />
der Reiz an solchen gemeinsamen<br />
Projekten?<br />
Das Echo aus anderen „Schneckenhäusern“<br />
hält mich in Atem. Und es erweitert die<br />
eigenen Hallräume.<br />
Man kennt Klaus Merz nun aber<br />
nicht nur als Dichter, sondern auch<br />
als Prosaautor. Allerdings liegt der<br />
letzte erzählende Text, die <strong>No</strong>velle<br />
„Der Argentinier“ (2009), doch<br />
schon einige Jahre zurück. Möchten<br />
Sie eine Prognose wagen?<br />
Lieber nicht. Zurzeit habe ich mich ziemlich<br />
tief eingenistet im „Genicht“ des Gedichts.<br />
Sollte mich aber ein unabweisbarer Prosastoff<br />
im Nacken packen, werde ich mich<br />
ihm wohl fügen müssen.<br />
Buchtipp:<br />
Klaus Merz:<br />
Helios Transport<br />
Haymon Verlag, 80 S., € 16,90<br />
Buchpräsentation<br />
und Lesung:<br />
Mit Klaus Merz (u. a.)<br />
Moderation und Gespräch:<br />
Markus Bundi<br />
Fr., 16. Juni 2017, 19:30 Uhr<br />
Wagner’sche<br />
Universitätsbuchhandlung<br />
In Kooperation mit 8ungKultur
© Günther Egger<br />
7 × Fragen an Günther Egger<br />
Im Jänner hat er unsere Auslagen zu einer hochformatigen<br />
Augenweide gemacht. In dieser Nummer ist er für das Titelcover<br />
verantwortlich und ab sofort mit seinem Magazin UP<br />
in der Wagner’schen präsent.<br />
Ich bin sehr<br />
selten ‚zeitfrei‘<br />
unterwegs.<br />
Günther Egger<br />
Womit kann man<br />
Sie bestechen?<br />
In der heutigen Zeit wahrscheinlich die<br />
falsche Antwort, aber leider mit einer<br />
Zigarette.<br />
Wobei vergessen Sie<br />
völlig die Zeit?<br />
Ich bin sehr selten „zeitfrei“ unterwegs,<br />
aber beim Lesen und wenn ich mit meiner<br />
Frau auf den Berg renne, zwei Situationen,<br />
die mich völlig vergessen lassen.<br />
Was bewundern Sie an<br />
anderen Männern?<br />
An anderen Männern bewundere ich immer<br />
Konsequenz und Zielstrebigkeit, ich bin<br />
beeindruckt, wenn sich jemand etwas vornimmt<br />
und dieses Vorhaben ohne Ablenkung<br />
durchzieht.<br />
Was möchten Sie werden,<br />
wenn Sie groß sind?<br />
Eine lustige Frage an einen Fünfzigjährigen,<br />
aber ich möchte 2017 Hasselblad<br />
Master werden. Ich war schon zweimal im<br />
Finale und heuer soll es endgültig klappen,<br />
dieses Ziel verfolge ich seit 10 Jahren schon,<br />
und ich möchte heuer noch ein neues Buch<br />
herausbringen.<br />
Mit welcher berühmten<br />
Person, lebend oder schon<br />
gestorben, würden Sie gerne<br />
noch ein Gläschen heben?<br />
Ich habe vor längerer Zeit Hans Hass, den<br />
Meeresbiologen, im Zug getroffen, ich<br />
musste in Innsbruck aussteigen und wenngleich<br />
wir von Wien bis Innsbruck durchgeredet<br />
haben, war die Zeit zu kurz.<br />
Sie verbringen eine Nacht<br />
in der Wagner’schen.<br />
Über welche Bücher gebeugt<br />
würde man Sie in der Früh<br />
finden?<br />
Ich habe gerade alle Marc Elsberg Bücher<br />
gelesen und würde wohl schauen, ob ich<br />
noch eines von ihm finde.<br />
Welches geliehene Buch<br />
haben Sie nicht<br />
zurückgegeben?<br />
Ich war noch nie in meinem Leben in einer<br />
Bücherei und leihe mir auch sonst keine<br />
Bücher aus, die Wagner’sche ist nur 50 Meter<br />
von meiner Wohnung entfernt und dort<br />
kriege ich alles, was ich suche.<br />
Günther Egger, geb 1966 ist eigentlich gelernter<br />
Rechts- und Kommunikationswissenschaftler.<br />
Seit über 15 Jahren arbeitet er als selbständiger<br />
Fotograf und das mit großem Erfolg. Er ist<br />
MASTER QEP Photographer, wurde 2015 als erster<br />
Österreicher zum europäischen Fotografen des<br />
Jahres gewählt und steht 2017 wieder im Finale.<br />
Er war als einziger Fotograf der Welt bereits zweimal<br />
im Hasselblad Master Finale und wird von Lürzer’s<br />
Archiv als einer der 200 besten Werbefotografen<br />
geführt. Seine Kunstfotografien werden laufend in<br />
internationalen Ausstellungen gezeigt, zuletzt 2015<br />
bei der Clio Art Fair, New York.<br />
Buchtipp:<br />
Marc Elsberg:<br />
HELIX – Sie werden uns ersetzen<br />
Blanvalet, 648 S., € 23,70<br />
40<br />
Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
41
© Jelena Dabić<br />
Literaturland Litauen<br />
Tipps zum Schwerpunktland der Leipziger Buchmesse.<br />
Von Cornelius Hell<br />
Litauen ist<br />
ein Land der<br />
Poesie – auch<br />
in Zeiten, in<br />
denen das Buch<br />
an Terrain<br />
verloren hat<br />
Cornelius Hell<br />
42<br />
Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
Die Literatur eines Landes ist oft auch eine<br />
Sonde in den Alltag, die Mentalitäten und<br />
Lebenskonzepte seiner Bewohner. Unter<br />
den 26 Büchern, die zum Litauen-Schwerpunkt<br />
der diesjährigen Leipziger Buchmesse<br />
erscheinen, sind etliche, die die Lebensrealitäten<br />
der Gegenwart und der jüngsten<br />
Vergangenheit des Landes in verschiedenen<br />
künstlerischen Brechungen widerspiegeln.<br />
Seit Litauen 1990 seine Unabhängigkeit<br />
wiedererlangte, hat die Prosa einen ungeheuren<br />
Aufschwung genommen. Ihren Stoff<br />
bezieht sie allerdings längst nicht mehr nur<br />
aus dem eigenen Land.<br />
Ein faszinierendes Beispiel dafür ist der<br />
Roman „Fische und Drachen“ von Undine<br />
Radzevičiūtė, der im Residenz Verlag<br />
erschienen ist. Zwei Stränge sind darin raffiniert<br />
ineinander verzahnt: die Erlebnisse des<br />
italienischen Malers Giuseppe Castiglione,<br />
der im 18. Jahrhundert etwa 50 Jahre am<br />
chinesischen Kaiserhof verbringt, und die<br />
Dialoge von vier schrägen Frauen in einer<br />
Altstadtwohnung der Gegenwart mitten<br />
in Chinatown. Es war eine Freude, diese<br />
Wortgefechte von Oma Amigorena, Mama<br />
<strong>No</strong>ra (Autorin erotischer Romane) und<br />
der beiden Schwestern Miki und Schascha<br />
(Autorin des chinesischen Handlungsstranges<br />
im Roman) zu übersetzen. „ ‚Fische und<br />
Drachen‘ entführt den Leser in die Verbotene<br />
Stadt des 18. Jahrhunderts. Chinesische<br />
Lebensphilosophie, jesuitische Gottesfürchtigkeit<br />
und mediale Welten prallen hier<br />
aufeinander“, schreibt die Redaktion des<br />
„literarischen Quartetts“ in ihrem Buchtipp.<br />
Ein Internationalist in Denken und<br />
Wahrnehmung ist auch der Altmeister der<br />
litauischen Poesie Tomas Venclova, der<br />
Jahrzehnte an der Universität Yale russische<br />
Literatur gelehrt und gleichzeitig Gedichtbände<br />
und Bücher über Vilnius publiziert<br />
hat. Der Suhrkamp Verlag bringt unter dem<br />
Titel „Der magische <strong>No</strong>rden“ Gespräche<br />
mit Venclova, in denen seine Freundschaft<br />
43<br />
mit Joseph Brodsky und Czesław Miłosz<br />
und seine Beziehungen zu den sowjetischen<br />
Dissidenten ebenso zu Wort kommen wie<br />
seine Erfahrungen als Mitbegründer der<br />
litauischen Helsinki-Gruppe, als unfreiwilliger<br />
Emigrant und als Rückkehrer in das<br />
unabhängige Litauen. Die Reflexionen dieses<br />
achtzigjährigen Dichters und Denkers<br />
fokussieren die verwickelte Geschichte Mittelosteuropas<br />
ebenso wie zentrale Fragen<br />
der Poesie.<br />
Litauen ist ein Land der Poesie – auch<br />
in Zeiten, in denen das Buch an Terrain<br />
verloren hat. „die allereinfachsten zaubersprüche“<br />
heißt der Gedichtband von Rimvydas<br />
Stankevičius, den der Wieser Verlag<br />
publiziert. Der 1973 geborene Autor, der zu<br />
den wichtigsten litauischen Poeten gehört<br />
und bereits ein bedeutendes Werk vorlegen<br />
kann, ist in seinen Bildern ebenso außergewöhnlich<br />
ist wie im Klang und Rhythmus<br />
seiner Gedichte. Eigene Erfahrungen mit<br />
archaischen Zauber-Ritualen in Litauen,<br />
das als letztes Land Europas christianisiert<br />
wurde und wo heidnische Traditionen vielleicht<br />
nie ganz abgerissen sind, werden mit<br />
den Mitteln zeitgenössischer Poesie radikalisiert,<br />
aber auch ironisiert. Dazu kommen<br />
Bezüge auf das Alte und Neue Testament<br />
wie auf die jüngere Geschichte Litauens<br />
oder Szenen aus der Familie des Autors.<br />
Auch in diesem Fall war das Übersetzen<br />
eine besondere Freude.<br />
Mit dem Roman „Die traurigen Flüsse“<br />
von Romualdas Granauskas (Corso Verlag)<br />
kann man sich den traumatischen Erfahrungen<br />
Litauens während des Zweiten<br />
Weltkriegs und danach nähern, mit dem<br />
Meisterwerk „Tula“ von Jurgis Kunčinas<br />
kann man in die Atmosphäre der späten<br />
Sowjetzeit eintauchen, und ein wichtiger<br />
Roman der litauischen Emigration, „Das<br />
weiße Leintuch“ von Antanas Škėma, pendelt<br />
zwischen Litauen-Reminiszenzen und<br />
New Yorker Gegenwart der 1950er Jahre.<br />
In dem anspruchsvollen Prosaband „Der<br />
lange Spaziergang auf einer kurzen Mole“<br />
lässt Giedra Radvilavičiūtė eine Frau immer<br />
wieder durch Vilnius streifen; sie hat eine<br />
unmittelbare Wahrnehmung persönlicher<br />
Beziehungen und gesellschaftlicher Umbrüche<br />
und gleichzeitig die Weltliteratur im<br />
Kopf, wenn sie Litauen (oder in einer der<br />
Essay-Erzählungen auch Österreich) in den<br />
Blick nimmt.<br />
Wer die historische Tiefendimension<br />
der Stadt Vilnius ausloten möchte, bekommt<br />
in „Vilnius. Reisen in die ferne<br />
Nähe“ von Laimonas Briedis (Wieser Verlag)<br />
reiches Material in die Hand, das glänzend<br />
erzählt ist. Der Litauen-Schwerpunkt<br />
in Leipzig stellt neben Prosa und Poesie<br />
auch Wissenschaft, Kunst und Kinderbücher<br />
aus dem Land an der Ostsee vor. Die<br />
hier präsentierten Titel sind nur eine kleine<br />
Auswahl – von einem, der selbst übersetzt<br />
und seine Vorlieben hat.<br />
Buchtipps:<br />
Undine Radzevičiūtė:<br />
Fische und Drachen<br />
Residenz Verlag, 400 S., € 24,–<br />
Giedra Radvilavičiūtė:<br />
Der lange Spaziergang auf<br />
einer kurzen Mole<br />
corso, 144 S., € 19,–<br />
Veranstaltungstipp:<br />
Do., 30. März, 19 Uhr<br />
Undine Radzevičiūtė mit<br />
„Fische und Drachen“ und<br />
Giedra Radvilavičiūtė sind mit<br />
„Der lange Spaziergang auf<br />
einer kurzen Mole“ zusammen<br />
mit ihrem Übersetzer Cornelius<br />
Hell zu Gast im Literaturhaus<br />
Innsbruck.
Jetzt wird gebloggt<br />
Die Wagner’sche geht mit der Zeit und integriert auf ihrer<br />
Homepage einen innovativen family Blog – publiziert von<br />
Tiroler Mamis. Schließlich wissen die am besten, welche<br />
Bücher bei ihren Kindern angesagt sind. Katharina Schermann<br />
© Jan Hetfleisch<br />
Mit einem innovativen und in Tirol einzigartigen<br />
Kinder- und Familienblog begibt sich<br />
die Wagner’sche Buchhandlung auf neues<br />
Terrain. Sie erweitert damit ihr bestehendes<br />
Website-Angebot und garantiert auch online<br />
fachkompetente Beratung.<br />
Chronologisch gegliedert, leicht lesbar<br />
und stets auf Aktualität bedacht, werden<br />
ab 23. April im neuen Wagner’schen family<br />
Blog auf der Homepage www.wagnersche.at<br />
vor allem Familien und Kinder – die<br />
KundInnen von morgen – angesprochen.<br />
Dabei geht die Wagner’sche einen<br />
entscheidenden Schritt weiter und lässt<br />
engagierte Tiroler Mamis zu Wort kommen.<br />
Zusammengeschlossen als engmaschiges<br />
Netzwerk (www.ladalu.com) besprechen<br />
und bewerten die engagierten Mütter<br />
wöchentlich mit viel Liebe zum Detail,<br />
Stilsicherheit und Begeisterung für das<br />
Schreiben die unterschiedlichsten Kinderbücher<br />
und Ratgeber. Diese sind nur wenige<br />
Klicks entfernt im Onlineshop der Homepage<br />
erhältlich.<br />
We are family<br />
44 45<br />
Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
Abwechslungsreich, interessant und unterhaltsam<br />
in Text und Bild aufbereitet, stellt<br />
der Wagner’sche family Blog pädagogisch<br />
wertvolle, neue, unterhaltsame Bücher für<br />
Kinder zwischen 0 und 9 vor. Bestehend<br />
aus Kurzbeschreibung, treffenden Zitaten,<br />
Kommentaren und visuellen Elementen<br />
ergeben die einzelnen Posts ein hochwertiges<br />
Ganzes. Der Blog widmet sich daneben<br />
auch zielgruppenrelevanten Ratgebern und<br />
Sachbüchern. Dabei werden auch aktuelle<br />
Themen aufgegriffen. Die neuesten<br />
Bücher zum Ferienstart, zu Halloween,<br />
zum Fasching oder zu Ostern wären da nur<br />
ein paar Beispiele. Dabei ist der Blog auch<br />
offen für Userfeedback oder Gastkommentare,<br />
um eine wirkungsvolle Interaktion auf<br />
der Homepage zu garantieren.<br />
Entdecke meine Welt<br />
Der Wagner’sche family Blog ist dank<br />
seines Designs sehr userfreundlich aufgebaut.<br />
Die einzelnen, bebilderten Posts<br />
erscheinen jeweils mit knapper Inhaltsangabe<br />
und Bewertung – unterstützt von einer<br />
Punkte-Skala. Zitate und Kommentare der<br />
Blogger geben kurz und knapp den Inhalt<br />
wieder und erleichtern den Userinnen und<br />
Usern die Vorselektion. Zusätzlich sind<br />
Leseproben, aber auch Interviews möglich.<br />
Fixer Bestandteil des Wagner’schen family<br />
Blogs ist das Maskottchen „Käpt’n Wagner“,<br />
der bei der Navigation behilflich ist.<br />
Er weist mit seinem Motto „Entdecke meine<br />
Welt“ nicht nur auf das abwechslungsreiche<br />
Produktsortiment des Wagner’schen<br />
family Blogs hin, sondern verspricht auch<br />
ganz viel Spiel, Spaß und Unterhaltung.<br />
Der angenehme, chronologische Aufbau<br />
des Blogs ermöglicht Kindern ein einfaches<br />
Suchen und Finden. Zugleich erleichtern<br />
ansprechende und unmissverständliche<br />
Icons die Orientierung. So sind die einzelnen<br />
Themenbereiche eindeutigen Symbolen<br />
zugeordnet, die einem attraktiven, kinderfreundlichen<br />
Farbleitsystem folgen. Integrierte<br />
Tags machen neben einer praktischen<br />
Suchfunktion das Finden einzelner Bücher<br />
im wahrsten Sinne des Wortes zum Kinderspiel.<br />
So findet man leicht das geeignete<br />
Buch für jede Altersklasse.<br />
Abenteuer Blog<br />
Als integrierter Bestandteil der Homepage<br />
macht der Wagner’sche family Blog die<br />
Ware Buch zum Erlebnis für die ganze<br />
Familie. Egal, ob Gute-Nacht-Geschichte,<br />
Märchen-, Bastel- oder Singbuch – der<br />
Wagner’sche family Blog berücksichtigt<br />
immer auch die verschiedenen zeitgemäßen<br />
Familienformen. So soll im Blog die<br />
klassische Familie genauso berücksichtigt<br />
werden wie die alleinerziehende Mutter<br />
oder neue Typen wie die Wochenend- oder<br />
Patchworkfamilie. Es ist für jeden etwas<br />
dabei. Der Blog lädt ein, sich mit den<br />
Kindern Zeit zu nehmen, gemeinsam in die<br />
wunderbare Welt der Bücher eintauchen<br />
und anhand von hilfreichen Posts Kaufentscheidungen<br />
zu treffen.<br />
So wird der Blog zum spannenden,<br />
interaktiven Treffpunkt für Kinder und Erwachsene.<br />
Dabei haben die Besucher dank<br />
der variablen Textlängen der Posts stets die<br />
Wahl, wie viel Zeit sie in die Lektüre investieren<br />
beziehungsweise wie lange sie sich<br />
auf der Seite oder bei einem einzelnen Blogeintrag<br />
aufhalten wollen. In wenigen Klicks<br />
erreichen auch geübte Kinder spielend<br />
leicht das gewünschte Ziel – langes Suchen<br />
erübrigt sich. So können sich Erwachsene<br />
zusammen mit ihren Kindern ganz auf die<br />
präsentierten Bücher konzentrieren, gemeinsam<br />
schmökern und das richtige Buch<br />
auswählen.<br />
Als weiteres hilfreiches und praktisches<br />
Feature ist der Wagner’sche family Blog<br />
selbstverständlich mit dem Onlineshop der<br />
Homepage verbunden. Wer also bei der<br />
Blog-Lektüre das Richtige für sich findet,<br />
muss nicht lange das Haus verlassen,<br />
sondern kann seinen Favoriten gleich in den<br />
Warenkorb legen.<br />
Tag des Buches<br />
Der Blog verweist darüber hinaus natürlich<br />
auch auf das Geschehen in der Wagner’schen<br />
Buchhandlung selbst. Geplante<br />
Veranstaltungen werden ebenso angekündigt<br />
wie anstehende Aktionen.<br />
Feiern Sie mit der Wagner’schen gemeinsam<br />
den Tag des Buches und werfen Sie<br />
ab dem 23. April einen ersten Blick in den<br />
neuen Wagner’schen family Blog – schmökern<br />
Sie online, lassen Sie sich gemeinsam<br />
mit Ihren Kindern inspirieren. Wir freuen<br />
uns auf Ihr Feedback.<br />
Logo<br />
Das Logo „Wagner’sche family“ präsentiert<br />
sich bunt und ansprechend. Damit verweist<br />
es auf die abwechslungsreichen Blogbeiträge<br />
sowie auf die unterschiedlichsten Familienformen,<br />
die darin berücksichtigt werden.<br />
Maskottchen<br />
Mit seinem Motto „Entdecke meine Welt“<br />
weist das Maskottchen „Käpt’n Wagner“<br />
in Form einer klugen Eule auf die Produktvielfalt<br />
des family Blogs hin und entführt<br />
die Kinder in seine bunte Welt.<br />
Kochbuch<br />
Ratgeber<br />
Kinderbuch<br />
Gestalten<br />
Spielen<br />
Dekorieren<br />
Feiern<br />
Lernen
© Thomas Dorn<br />
Im Wohnzimmer<br />
mit dem Weltensammler<br />
Privat und in bester Gesellschaft – exklusiv mit<br />
Autor Ilija Trojanow. Von Robert Renk<br />
Buchtipps:<br />
Es kam mir<br />
vor, als wäre<br />
der Alltag eine<br />
Sprache, die<br />
ich als Einziger<br />
nicht verstand. *<br />
Ilija Trojanow<br />
* aus dem Roman<br />
„Macht und Widerstand“<br />
S. Fischer<br />
Ilija Trojanow:<br />
Nach der Flucht<br />
46 47<br />
S. Fischer, ca. 80 S., € 15,50<br />
Ilija Trojanow:<br />
Macht und Widerstand<br />
S. Fischer TB, 480 S., € 12,40<br />
Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
Viele unserer BesucherInnen – vor allem die,<br />
die regelmäßig zu unseren Lesungen kommen<br />
– bezeichnen unseren Sortimentsraum als<br />
„gemütlich wie ein Wohnzimmer“. Das freut<br />
uns und so soll das sein. Allerdings ein Wohnzimmer<br />
mit einer sehr großen, gut bestückten<br />
Bibliothek möchte ich anmerken.<br />
Und nicht wenige BesucherInnen von<br />
Buchhandlungen – das hat mich überrascht<br />
– würden gerne einmal eine Nacht in einer<br />
solchen verbringen. Einige Buchhandlungen<br />
bieten das sogar an.<br />
Nun, die Buchhandlung kann man sich<br />
also aussuchen – aber die Gesellschaft? Für<br />
beste Gesellschaft sorgt ab nun – zweimal<br />
pro Jahr – die Wagner’sche!<br />
Für 25 TeilnehmerInnen gibt es die<br />
Möglichkeit, einen ganzen Abend exklusiv<br />
bei uns zu verbringen, zu stöbern und zu<br />
gustieren. Neu dabei: die Möglichkeit zu<br />
haben, einen Autor persönlich kennenzulernen,<br />
mit ihm beim Buffet, beim gemeinsamen<br />
Stöbern, bei einem Gläschen ins<br />
Gespräch zu kommen!<br />
Zum Auftakt ein Abend<br />
mit Ilija Trojanow<br />
Zum Auftakt begrüßen wir am 28. Juni<br />
ab 19 Uhr 30 einen der smartesten und<br />
aktivsten Gegenwartsautoren, der mit<br />
seinen Romanen „Der Weltensammler“ und<br />
„Macht und Widerstand“ internationale<br />
Bestseller landete.<br />
Um 19 Uhr 30 starten wir und es gibt ein<br />
kurzes Gespräch des Sortimentsleiters mit<br />
dem Autor, in dem er auch Auszüge aus<br />
seinem brandneuen Text „Nach der Flucht“<br />
lesen wird. Danach spricht der über ein<br />
Thema, das ihn lange begleitet und ihm ein<br />
persönliches Anliegen ist, wir hören also<br />
Kompetentes zur afrikanischen Literatur.<br />
Nach den zwei kurzen, exklusiven Gesprächen<br />
im kleinen Kreise wird das Buffet<br />
eröffnet, serviert werden Köstlichkeiten<br />
aus unserer Meierei. Sie können nun alleine<br />
durch die Buchhandlung schlendern oder<br />
mit Ilija Trojanow im persönlichen Gespräch<br />
so manches vertiefen. Um 23 Uhr<br />
gehen die Türen auf und Sie können, auf<br />
einige schöne Begegnungen zurückblickend,<br />
bereichert den Heimweg antreten.<br />
Ilija TROJANOW<br />
geboren 1965 in Sofia, floh mit seiner<br />
Familie 1971 über Jugoslawien und Italien<br />
nach Deutschland, wo sie politisches Asyl<br />
erhielt. 1972 zog die Familie weiter nach<br />
Kenia. Unterbrochen von einem vierjährigen<br />
Deutschlandaufenthalt lebte Ilija<br />
Trojanow bis 1984 in Nairobi. Danach<br />
folgte ein Aufenthalt in Paris. Er studierte<br />
Rechtswissenschaften und Ethnologie in<br />
München. Dort gründete er den Kyrill &<br />
Method Verlag und später den Marino<br />
Verlag. 1998 zog Trojanow nach Bombay,<br />
2003 nach Kapstadt, heute lebt er, wenn er<br />
nicht reist, in Wien. Zuletzt erschienen sein<br />
Roman „Macht und Widerstand“ und sein<br />
Sachbuch-Bestseller „Meine Olympiade:<br />
Ein Amateur, vier Jahre, 80 Disziplinen“<br />
(beide S. Fischer) sowie sein Essay „Der<br />
überflüssige Mensch“ (Residenz).<br />
Im Mai erscheint der Essay „Nach der<br />
Flucht“ (S. Fischer). Die Erfahrung des<br />
3-Jährigen von damals lässt Trojanow bis<br />
heute nicht mehr los. Virtuos, poetisch und<br />
klug reflektierend erzählt er von seinen eigenen<br />
Prägungen als lebenslang Geflüchteter.<br />
Von der Einsamkeit, die das Anderssein für<br />
den Flüchtling tagtäglich bedeutet. Davon,<br />
wie wenig die Vergangenheit des Geflüchteten<br />
am Ort seines neuen Daseins zählt. Welche<br />
Lügengeschichten man als Geflüchteter<br />
den Daheimgebliebenen auftischt. Und<br />
dass man vor der Flucht wenigstens wusste,<br />
warum man unglücklich war.<br />
Ilija Trojanow erzählt von sich selbst,<br />
zugleich ist er eine exemplarische Figur.<br />
So gelingt ihm eine behutsame und genaue<br />
Topographie des Lebens nach der Flucht,<br />
das existentielle Porträt eines Menschenschicksals,<br />
indem er seine Erlebnisse als<br />
Flüchtling persönlich und exemplarisch<br />
fassbar macht.<br />
Buchtipps:<br />
Helon Habila:<br />
Öl auf Wasser<br />
(übersetzt von Thomas Brückner)<br />
Wunderhorn, Reihe:<br />
AfrikAWunderhorn,<br />
240 S. € 25,50<br />
Ishmael Beah:<br />
Das Leuchten von Morgen<br />
(übersetzt von Susann Urban)<br />
Wunderhorn, Reihe:<br />
AfrikAWunderhorn,<br />
250 S., € 25,50<br />
Yvonne Adhiambo Owuor:<br />
Der Ort, an dem die Reise endet<br />
(übersetzt von Simone Jakob)<br />
Dumont, 512 S., € 12,40<br />
Veranstaltung:<br />
Im Wohnzimmer mit …<br />
ein Abend mit Büchern und<br />
Ilija Trojanow<br />
Mi, 28. Juni, 19:30 Uhr<br />
Wagner’sche<br />
Universitätsbuchhandlung<br />
Unkostenbeitrag (für Organisation,<br />
Buffet und Getränke)<br />
€ 35,– / pro Person. Für VorteilscardbesitzerInnen<br />
€ 30,–.
© Die Fotografen<br />
Ein Tiroler Bestseller<br />
Leipziger Buchmesse mit Sahnehäubchen.<br />
Von Christine Frei<br />
Unser Erfolg<br />
kommt durch<br />
unsere tollen<br />
Kundinnen<br />
und Kunden!<br />
Markus Renk<br />
48<br />
Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
Mit Markus Renk wurde erstmals ein<br />
österreichischer Buchhändler für den Sales<br />
Award des deutschen BuchmarktFORUMs<br />
nominiert. Und um die Sensation perfekt zu<br />
machen, auch noch in der Königskategorie<br />
Hauptpreis.<br />
Der Termin ist bereits fix in seinem<br />
Smartphone eingetragen: Donnerstag,<br />
23. März, 12 Uhr, Halle 5, Leipziger Buchmesse.<br />
„Ja, die Verleihung des Sales Awards<br />
findet direkt in der Messe statt“, erzählt<br />
Markus Renk, sichtlich erstaunt über diese<br />
unverhoffte Ehre. Denn für diesen vom<br />
BuchmarktFORUM seit vierzehn Jahren<br />
ausgelobten Preis wird man tatsächlich<br />
von anderen BranchenkollegInnen vorgeschlagen.<br />
KollegInnen also, die ‚sein‘<br />
Projekt Wagner’sche gemäß Ausschreibungstext<br />
sowohl vom Konzept wie von der<br />
Erfolgs bilanz her für die herausragendste<br />
Verkaufsleistung des letzten Jahres halten.<br />
Nun, was ein echter und leidenschaftlicher<br />
Verkäufer ist, das zeigt sich im Großen gleichermaßen<br />
wie im Kleinen. Denn während<br />
er noch spricht, springt er bereits zu einer<br />
Schülerin, die gerade die Treppe herunterkommt,<br />
um ein bestelltes Buch abzuholen.<br />
In diesen Wochen ist sein spartanisch<br />
ausgestattetes Büro im Untergeschoss der<br />
Wagner’schen nämlich gleichzeitig Abholstation<br />
für die laufende Schulbuchaktion.<br />
Das sei ganz praktisch so, findet Renk,<br />
der auch sonst ganz bewusst die Nähe zu<br />
seinen KundInnen sucht und regelmäßig<br />
selbst an der Kassa steht. Selbst jene<br />
Innsbrucker SchülerInnen, die – vermutlich<br />
ohne dies zu wissen – ihre Bücher im Chefbüro<br />
in Empfang nehmen, sind vielleicht<br />
schon die Wagner’schen StammkundInnen<br />
von morgen. Die dann wieder kommen<br />
werden, wenn sie sich hier wohl und bestens<br />
betreut fühlen, und in der Fülle eines haptisch<br />
greifbaren Sortiments, durch geschickt<br />
platzierte Teaser oder gezielte Hinweise von<br />
49<br />
erfahrenen und versierten Menschen- und<br />
Bücherkennern die Lust aufs Schmökern<br />
für sich entdecken. Denn mit diesem gespeicherten<br />
Erlebnis- und Erfahrungswert<br />
werden sie das digitale Schreckgespenst<br />
des stationären Buchhandels Amazon und<br />
Co vermutlich öfter mal außen vor lassen.<br />
Schließlich haben sogar im digitalen Zeitalter<br />
leibhaftige Begeisterung, Expertise und<br />
Empathie ungleich mehr Überzeugungskraft<br />
als ein Empfehlungsalgorithmus.<br />
Nicht von ungefähr setzt Markus Renk<br />
ganz bewusst auf erfahrene, damit häufig<br />
ältere und in Summe teurere Fachkräfte.<br />
Sie sind für ihn das Rückgrat und das<br />
Gedächtnis eines Buchgeschäftes. Dies<br />
umso mehr, wenn sich dieses Geschäft so<br />
wie die Wagner’sche wieder ganz auf seine<br />
ureigentliche Kernaufgabe, nämlich den<br />
Verkauf von Büchern fokussiert. Dass dieser<br />
Verkauf nach wie vor ein Geschäft ist,<br />
das wachsen kann (und natürlich auch soll),<br />
davon war Renk von Anfang an überzeugt.<br />
„Auch wenn wir noch einen ziemlichen Weg<br />
vor uns haben, die Zahlen sprechen bereits<br />
für sich.“ Zu messen sei dies beispielsweise<br />
an Verweildauer und Durchschnittsumsatz<br />
eines Einkaufs, wie Renk ausführt. Letzterer<br />
sei jetzt schon um das Doppelte höher<br />
als der Branchenwert von beispielsweise<br />
12 –15 Euro.<br />
Rückeroberung<br />
und Neubelebung<br />
Sein Ziel ist freilich ambitioniert, will er<br />
doch die verlorenen Umsätze der letzten<br />
Jahre wieder ins Haus zurückholen und<br />
damit die Wagner’sche erneut zur ersten<br />
und führenden Buchhandlung der Stadt<br />
machen. Angesichts dessen, was er und sein<br />
Team schon erreicht bzw. noch vor haben,<br />
erscheint einem die <strong>No</strong>minierung für den<br />
Hauptpreis des Sales Awards also doch<br />
einigermaßen schlüssig. Eine Sensation<br />
ist sie trotzdem: Immerhin ist er der erste<br />
Österreicher, der es in der Geschichte dieses<br />
Awards in die Shortlist für den Hauptpreis<br />
geschafft hat. Und allein das darf angesichts<br />
einer Jury, in der sich fast ausschließlich<br />
VertreterInnen von ausgewiesenen<br />
Branchenschwergewichten und -kennern<br />
wie dtv, Random House, Ullstein, Thalia,<br />
Libri, Buchmesse Frankfurt, Börsenblatt<br />
und BuchMarkt wiederfinden, schon als<br />
echter Coup gewertet werden. Immerhin<br />
steht Renk als Hauptpreisnominierter in<br />
einer Reihe mit dem Vertriebsleiter des<br />
C.H. Beck Verlages André Brenner und<br />
dem Geschäftsführer von Lünebuch aus<br />
Lüneburg, Jan Orthey. Auch das übrigens<br />
eine Buchhandlung mit einem ganz ähnlichen<br />
Konzept wie die Wagner’sche.<br />
Die Erfolgsgeschichte von der Rückeroberung<br />
und Neubelebung einer Traditionsbuchhandlung,<br />
dieser gelungene<br />
Relaunch des klassischen Buchverkaufes<br />
hat also sichtlich Wellen geschlagen,<br />
und das weit über Tirols Grenzen hinaus.<br />
„Die Wagner’sche war stets ein klingender<br />
Name“, weiß Renk, der ja selbst schon<br />
über dreißig Jahre in der Branche tätig<br />
ist. Und wie immer die Wahl der Jury<br />
letztlich ausfallen mag: Alt aber neu – die<br />
Best Practice-Geschichte der Wagner’schen<br />
Wiedereröffnung – wird auch auf der<br />
Leipziger Buchmesse Thema sein. Das sei<br />
ihm Motivation und Bestätigung mehr als<br />
genug, meint Markus Renk bescheiden.<br />
Für jene BranchenkennerInnen, die ihn<br />
ins Rennen gebracht haben, ist er ohnehin<br />
schon ein Best-Seller.<br />
Die<br />
Wagner’sche<br />
bringt’s.<br />
Online bestellt.<br />
Umweltfreundlich<br />
geliefert.<br />
In 3 Stunden<br />
bei Ihnen zu Hause.
Mit<br />
den<br />
besten<br />
Empfehlungen:<br />
Diese Welt ist die Sowjetunion<br />
nach dem 2. Weltkrieg. Der<br />
Herr mit der Bickford-Zündschnur<br />
ist ein im Japanischen<br />
Meer gestrandeter Untermatrose,<br />
der die Zündschnur an seinen<br />
Tornister befestigt und sich<br />
– mit Zwischenstoppen u. a. im<br />
Musilag (das ist ein Straflager<br />
für Musikanten, die sich bei der<br />
Internationalen verspielt haben)<br />
und der Stadt ohne Namen (in<br />
der nur Zwangsjacken hergestellt<br />
werden) – auf den Weg<br />
nach Leningrad macht. Ein parabelhafter,<br />
satirischer Roman<br />
über den „Sowjetmenschen“.<br />
Markus Köhle<br />
Andrej Kurkow: Die Welt des Herrn<br />
Bickford, Haymon, 408 S., € 22,90<br />
Ein koreanisches Mädchen ist<br />
mittlerweile erwachsen und<br />
europäisch geworden, jetzt fährt<br />
die Wissenschaftlerin erstmals<br />
zurück nach Korea. Sie trifft<br />
einen letzten Zeitgenossen der<br />
Trennung zwischen <strong>No</strong>rd- und<br />
Südkorea. Spionage, Untergrund,<br />
Liebschaften, Auswanderung,<br />
„große Heimkehr“<br />
nach <strong>No</strong>rdkorea: Letztlich weiß<br />
nicht einmal mehr die große<br />
Geschichtsschreibung, was wie<br />
zusammenhängt. Die Erzählerin<br />
ist selbst verblüfft, wie wenig<br />
man in Europa vom geteilten<br />
Korea weiß. Helmuth Schönauer<br />
Anna Kim: Die große Heimkehr,<br />
Suhrkamp Verlag, 558 S., € 24,70<br />
Die Weiten des heutigen östlichen<br />
Kanadas, das 1693 noch<br />
Neufrankreich heißt, beeindrucken<br />
nicht nur René Sel und<br />
Charles Duquet, sondern sofort<br />
auch den Leser. Undurchdringliche<br />
Wildnis, mächtige Baumriesen,<br />
schier endloser Wald.<br />
Aber ebenso beeindruckend ist<br />
es, wie Annie Proulx es wiederum<br />
schafft, uns die Lebensläufe<br />
der zwei Abenteurer und auch<br />
die ihrer Nachkommen in einer<br />
Intensität zu schildern, als hätte<br />
man sie allesamt selbst durchgestanden.<br />
Absolut empfehlenswert!<br />
Robert Renk<br />
Annie Proulx: Aus hartem Holz,<br />
Luchterhand, 896 S., € 26,80<br />
„4 3 2 1“ – ein ungewöhnlicher<br />
Titel für ein ungewöhnliches<br />
Buch. Paul Auster legt hier in<br />
Gestalt eines Rätselspiels sein<br />
bisher umfangreichstes Werk<br />
vor: Ein Leben, vier Variationen!<br />
Archibald Ferguson wächst<br />
im Newark der fünfziger Jahre<br />
auf. „Was für ein interessanter<br />
Gedanke“, sagt er sich, „sich<br />
vorzustellen, wie für ihn alles<br />
anders sein könnte, auch wenn<br />
er selbst immer derselbe bliebe.<br />
Und genau das zeigt uns Auster,<br />
4 verschiedene Varianten eines<br />
Lebens! „4 3 2 1“ ist ein faszinierendes<br />
Gedankenspiel und eines<br />
der besten Bücher der Saison!<br />
Robert Renk<br />
Paul Auster: 4 3 2 1,<br />
Rowohlt Verlag, 1264 S., € 30,80<br />
Dieser Roman überzeugt durch<br />
seine Einfachheit. Er greift<br />
ein Thema auf, das in unserer<br />
Gesellschaft heute ein absolutes<br />
Tabuthema wäre, jedoch in<br />
Italien Ende der 1960er, Anfang<br />
1970er Jahre nichts Ungewöhnliches<br />
war: Kinderemigration<br />
verbunden mit Kinderarbeit.<br />
Das Leben wartet nicht ist am<br />
22. Februar 2017 in einer ausgezeichneten<br />
Übersetzung von<br />
Maja Pflug erschienen und vermittelt<br />
mit einfachen Worten,<br />
weshalb sich die Erde immer<br />
weiter dreht. Evelyn Unterfrauner<br />
Marco Balzano: Das Leben wartet nicht,<br />
diogenes, 304 S., € 22,70<br />
Eine junge Vorarlbergerin<br />
zeigt ein grandios-düsteres<br />
Bild vom Wien kurz nach dem<br />
Ersten Weltkrieg. Viel Wiener<br />
Lokalkolorit, viel Armut, das<br />
Aufkommen des Hustenmittels<br />
„Heroin“, das Scheitern der<br />
Aufarbeitung der Gräueltaten<br />
während des Krieges, ein draufgängerischer<br />
Rayonsinspektor<br />
mit Granatsplitter im rechten<br />
Bein, ein junger Assistent<br />
und drei Leichen, das sind<br />
die Zutaten für einen perfekt<br />
recherchierten Krimi mit einem<br />
„Der-dritte-Mann-Charme“ im<br />
Jahre 1919. Der Auftakt zu einer<br />
neuen Reihe, die man nicht<br />
versäumen sollte. Robert Renk<br />
Alex Beer: Der zweite Reiter,<br />
Limes, 384 S., € 20,60<br />
50<br />
Wagner’sche.<br />
Der sehr bewegende Debütroman<br />
von Bernd Fischerauer<br />
beschreibt die Geschichte des<br />
heftig pubertierenden Adolf<br />
Wretschnig, genannt „Burli“,<br />
der im Graz der Nachkriegszeit<br />
lebt. Neben den ersten sexuellen<br />
Erfahrungen und der ersten<br />
großen Liebe, erschließt sich<br />
ihm nach und nach die dunkle<br />
Nazi-Vergangenheit seines<br />
Vaters. Eine spannende Verfolgungsjagd<br />
im entnazifizierten<br />
Österreich. Amüsant, schockierend<br />
und ergreifend.<br />
Marlene Walder<br />
Bernd Fischerauer: Burli,<br />
Picus Verlag, 288 S., € 24,–<br />
Sasza ist Profilerin und Mutter.<br />
Sie will endlich ihre Doktorarbeit<br />
beenden, um mit ihrer<br />
kleinen Tochter ein normales<br />
Leben zu führen. Sasza ist gerade<br />
in ihrer Heimatstadt Danzig<br />
angekommen, da bekommt<br />
sie einen neuen Auftrag, der<br />
ihr viel Geld verspricht, aber<br />
sie in die Machenschaften der<br />
Danziger Unterwelt hineinzieht.<br />
Detailreich erzählt, lassen einen<br />
Sasza und ihr Fall nicht mehr<br />
los. Katarzyna Bonda: In Polen<br />
ist sie bereits eine gefeierte<br />
Autorin, während sie hier noch<br />
völlig unbekannt ist. Das wird<br />
sich mit ihrem Thriller definitiv<br />
ändern. Lena Kripahle<br />
Katarzyna Bonda: Das Mädchen aus dem<br />
<strong>No</strong>rden, Heyne Verlag, S. 656, € 17,50<br />
Protagonist ist der 13-jährige<br />
„Boo“, der sich nach seinem<br />
Tod in einer „Nachwelt“ für<br />
ausschließlich 13-Jährige findet.<br />
Dort schreibt er Briefe an seine<br />
Eltern über seine Gedanken<br />
und Reflexionen des irdisches<br />
und überirdisches Lebens. Die<br />
Geschichte kann man als schrägen<br />
Entwicklungsroman lesen.<br />
Personen in dieser Nachwelt<br />
bleiben zwar 13 Jahre alt, Boo<br />
erfährt an sich selber aber eine<br />
Veränderung: im irdischen Leben<br />
hochintelligent, Außenseiter<br />
und Mobbingopfer, verliert sich<br />
sein wissenschaftliches Interesse<br />
jetzt auch nicht, aber sein soziales<br />
Leben ist ausgefüllter.<br />
Silvia Spiegl<br />
Neil Smith: Das Leben nach Boo,<br />
Schöffling, 416 S., € 24,70<br />
Es gibt Autoren, die uns unwillkürlich<br />
an eine Stadt denken<br />
lassen. Bei Venedigkrimis<br />
denken wir an Donna Leon.<br />
Aber mit weltgewandter großer<br />
Literatur ist das schwieriger.<br />
Zafón begeistert mit seinen<br />
Barcelona-Romanen ein Millionenpublikum.<br />
Was mit „Der<br />
Schatten des Windes“ begann,<br />
wird mit „Das Labyrinth der<br />
Lichter“ meisterhaft vollendet:<br />
In den Tagen des Franco-Regimes<br />
soll Alicia Gris das<br />
Verschwinden eines Gefängnisdirektors<br />
aufklären. Tief dringt<br />
sie in die dunklen Geheimnisse<br />
Barcelonas – bis die Schatten<br />
der Vergangenheit auch Jagd<br />
auf sie machen.<br />
Robert Renk<br />
Carlos Ruiz Zafón: Das Labyrinth<br />
der Lichter, S. Fischer, 944 S., € 25,70<br />
Yann Schneider muss zurück<br />
auf seine bretonische Heimatinsel.<br />
Schroff nicht nur die Felsen,<br />
schroff auch die Charaktere<br />
dort. Aber bunt wie die kleinen<br />
Häuser nimmt sich Buders<br />
Phantasie aus, die uns – mit<br />
Hilfe philosophischer Stringenz<br />
und einem atlantischen Sturm<br />
– in die dunkle Vergangenheit<br />
der Insel führt. Neues über den<br />
frühen Unfalltod der Mutter,<br />
die alte Schuld der Inselbewohner<br />
wird enthüllt. Und gezeigt,<br />
dass einen die Segel großer<br />
Liebe auch ins Unglück führen<br />
können, wenn man sie nicht<br />
rechtzeitig in seichte Gewässer<br />
manövriert. Lesenswert!<br />
Robert Renk<br />
Christian Buder: Das Gedächtnis<br />
der Insel, Blessing, 272 S., € 20,60<br />
Mexico und Cuba im 19. Jh.<br />
sind die Schauplätze des Lebens<br />
von Witwers Mauro Larrea.<br />
Vom einfachen Bergarbeiter<br />
zum wohlhabenden Unternehmer<br />
treibt ihn eine einzige<br />
Fehlentscheidung in den<br />
finanziellen Ruin. Doch Mut<br />
und Selbstvertrauen lassen ihn<br />
in Havanna noch einmal sein<br />
Glück versuchen. Dann begegnet<br />
er der schönen, klugen und<br />
geheimnisvollen Soledad …<br />
Eine Geschichte um Liebe,<br />
Hass und Verrat auf exotischen<br />
Schauplätzen, mit kraftvollen<br />
und authentischen Charakteren,<br />
voller Lebenslust, Bilderreichtum<br />
und südlicher Leidenschaft.<br />
Gabriele Unterberger<br />
María Dueñas: Wenn ich jetzt nicht gehe,<br />
Insel, 589 S., € 24,70
„Wie bin ich vorgespannt, dem<br />
Kohlenwagen meiner Trauer …“,<br />
das sind nicht seine Worte, aber<br />
die, die ihm einfallen, nachdem<br />
er – wortverlassen – die Diagnose<br />
Krebs bekommt. Eine<br />
Diagnose, die ihn zum Objekt,<br />
zum „Kohlenwagen“ degradiert.<br />
Nun, auf der Suche nach<br />
Bilanzierbarem findet Urs Faes,<br />
dieser bedächtige, poetische<br />
Schweizer Autor, eine ganz<br />
grandiose, eine locker assoziierende,<br />
bescheidene, aber dennoch<br />
dichte, bildreiche Sprache<br />
für seine Erinnerungen und<br />
Beobachtungen. Ein intimes<br />
Buch, gleichzeitig ein exemplarischer<br />
Text. Chapeau! Robert Renk<br />
Urs Faes: Halt auf Verlangen.<br />
Ein Fahrtenbuch, Suhrkamp,<br />
200 S., € 20,60<br />
Das Herz des Buchhändlers<br />
schlägt höher. David Foenkinos<br />
widmet seinen neuen Roman<br />
einer Bibliothek der abgelehnten<br />
Bücher. Dort, im bretonischen<br />
Finistère, am „Ende der Welt“,<br />
entdeckt eine junge Pariser<br />
Lektorin ein Meisterwerk, dessen<br />
Autor der frühere Pizzabäcker<br />
des Ortes ist. Seine Witwe<br />
beteuert, er habe Zeit seines<br />
Lebens kein einziges Buch<br />
gelesen und nie etwas anderes<br />
zu Papier gebracht als Einkaufslisten.<br />
Ob er ein geheimes<br />
Zweitleben führte? Robert Renk<br />
David Foenkinos: Das Geheimnis des<br />
Monsieur Pick, DVA, 336 S., € 20,60<br />
Der wohl ambitionierteste<br />
Roman des österreichischen<br />
Fabulierweltmeisters. 18. Juli<br />
1816: Vor der Westküste Afrikas<br />
entdeckt der Kapitän der<br />
Argus ein Floß. Was er darauf<br />
sieht, lässt ihm das Blut in den<br />
Adern gefrieren: hohle Augen,<br />
ausgedörrte Lippen, verbrannte<br />
Haut. Die 15 ausgemergelten<br />
Gestalten sind die letzten von<br />
147 Überlebenden. Diese historisch<br />
belegte Geschichte bildet<br />
die Folie für Franzobels epochalen<br />
Roman, der in den Kern<br />
des Menschlichen zielt: Was bedeutet<br />
Moral, was Zivilisation,<br />
wenn es um nichts anderes geht<br />
als ums bloße Überleben?<br />
Robert Renk<br />
Franzobel: Das Floß der Medusa,<br />
Zsolnay Verlag, 592 S., € 26,80<br />
Sparsame, hintersinnige<br />
Dialoge. Lakonisch, gelassener<br />
Erzählstil, gewürzt mit feinsinnigem<br />
Humor und Lebensklugheit.<br />
Provinzcharaktere vom<br />
Feinsten. Russische „Geschäftsleute“<br />
haben in der traumhaften<br />
Landschaft von Vermont<br />
eine Ferienvilla gebaut. Bei<br />
einem Einbruch wird ein Safe<br />
mit „wichtigen“ Papieren<br />
gestohlen. Wie sein Vorgänger,<br />
lebenserfahren und ein Herz für<br />
menschliche „Problemfälle“,<br />
will Sheriff Wing den Fall auf<br />
seine Art lösen. In Bedrängnis<br />
bringen ihn jedoch ein junger,<br />
ehrgeiziger Deputy und das<br />
Netzwerk eines russischen<br />
Oligarchen. Ute Faserl<br />
Castle Freeman: Auf die sanfte Tour,<br />
Nagel & Kimche, 192 S., € 19.60<br />
Dieses fantastische Buch ist<br />
für alle, die sich für die Mythen<br />
und Sagen, für die Götter und<br />
Wesen der nordischen Mythologie<br />
interessieren. In vielen<br />
Episoden erzählt Neil Gaiman<br />
die Geschichten, wie Odin seine<br />
Weisheit erlangte, wie Thor<br />
zu seinem Hammer kam und<br />
wieso Loki eigentlich immer<br />
seine Hände mit im Spiel hat.<br />
Gaiman versteht es, die Mythen<br />
so zu schreiben, dass man sie<br />
als moderner Mensch verstehen<br />
und lieben lernt. Thomas Maurberger<br />
Neil Gaiman: <strong>No</strong>rdische Mythen und<br />
Sagen, Eichborn, 276 S., € 22,70<br />
Drei Frauen stehen im Zentrum<br />
von Lieben, die anhand eines<br />
Routenplaners der Gefühle<br />
vom Dorf nach Wien, ins<br />
Baku des ersten Weltkrieges,<br />
nach Paris und kurz zurück ins<br />
Schüssel’sche Österreich führen.<br />
Die Weltlage dient einerseits<br />
als Ausrede für individuelles<br />
Handeln, andererseits liefert sie<br />
das Vokabular für die privaten<br />
Schicksalsschläge. – Eine komplex-schöne<br />
Liebesgeschichte<br />
auf dem Pulverfass der jeweiligen<br />
Zeitgeschichte.<br />
Helmuth Schönauer<br />
Walter Grond: Drei Lieben,<br />
Haymon, 164 S., € 19,90<br />
Aaron Falk kehrt in sein<br />
Heimat-Kaff Kiewarra zurück,<br />
der Grund ist ein trauriger:<br />
Farmer und Jugendfreund Luke,<br />
dessen Frau und Sohn wurden<br />
erschossen aufgefunden, scheinbar<br />
Selbstmord aufgrund der<br />
aussichtslosen wirtschaftlichen<br />
Lage. Denn über dem australischen<br />
Outback brütet seit<br />
Monaten die Hitze, das Gras<br />
verdorrt, das Vieh stirbt. Doch<br />
Polizist Raco glaubt nicht an<br />
erweiterten Suizid, mit Aaron<br />
beginnt er in den Geschichten<br />
des sterbenden Orts zu wühlen.<br />
Ein spannendes Krimi-Debüt<br />
mit Slow-Faktor, eine Wohltat<br />
in Zeiten der High-Speed-<br />
Thriller. Andreas Hauser<br />
Jane Harper: The Dry,<br />
Rowohlt Polaris, 381 S., € 15,50<br />
„Ich werde Mörderin“, heißt<br />
es am Ende des kurzen Prologs,<br />
ab da ist klar: „Drei Meter unter<br />
Null“ ist ein ungewöhnliches<br />
Buch mit einer unheimlichen<br />
Ich-Erzählerin. Eiskalt wie eine<br />
Maschine macht sie Jagd auf<br />
Männer, doch auch ihre Opfer<br />
sind nicht ohne Schuld und<br />
ließen eine IT-Spezialistin zum<br />
Racheengel werden. Marina<br />
Heib überrascht mit einem<br />
Hardcore-Thriller, der direkt ins<br />
Visier diverser Hollywood-Autoren<br />
geraten müsste. Fragt sich<br />
nur, ob diese den Mut besitzen,<br />
die Story mit all ihren Abgründen<br />
und überraschendem<br />
Schluss auf die Leinwand zu<br />
bringen. Andreas Hauser<br />
Marina Heib: Drei Meter unter Null,<br />
Heyne, 248 S., € 20,60<br />
„Ich erfuhr Dinge,<br />
die die Bücher im<br />
Museum lieber verschwiegen.<br />
Unfälle.<br />
Tote. Absurde Tote …“<br />
Christoph Hein ist wieder ein<br />
großer Roman gelungen, der<br />
sich fast über ein Jahrhundert<br />
spannt und uns zwei Familien<br />
näherbringt, deren Schicksal<br />
sich eng miteinander verstrickt.<br />
Die Familie des Schriftstellers<br />
Rainer Trutz und die des<br />
Mathematikers Waldemar<br />
Gejm. Gejm unterrichtet an der<br />
Lomonossow-Universität, wo<br />
er ein neues Forschungsgebiet<br />
entwickelt – die Mnemotechnik,<br />
die Lehre von Ursprung und<br />
Funktion der Erinnerung. In<br />
der Chronik beider Lebensläufe<br />
bündelt Hein die vergebliche<br />
Hoffnung auf eine Existenz jenseits<br />
von Elend und Sklaverei.<br />
Markus Renk<br />
Christoph Hein: Trutz,<br />
Suhrkamp, 477 S., € 25,70<br />
Anthony, ein passionierter<br />
Sammler, stirbt und hinterlässt<br />
alles, was er hat, seiner jungen<br />
Haushälterin Laura. Das Erbe<br />
inkludiert aber nicht nur ein<br />
hübsches Haus, sondern ein<br />
Sammelsurium an verlorenen<br />
Dingen, die den Weg zurück<br />
zu ihren BesitzerInnen finden<br />
sollen. Aber wie soll sie das anstellen,<br />
wie kann sie dem letzten<br />
Wunsch ihres Freundes nachkommen?<br />
Alleine wird sie dies<br />
kaum meistern können, aber da<br />
wäre noch das Nachbarskind<br />
Sunshine und Freddy, der süße<br />
Gärtner. Evelyn Unterfrauner<br />
Ruth Hogan: Mr. Peardews Sammlung<br />
der verlorenen Dinge, List, 320 S., € 18,50<br />
Jamaika 1976, sieben unbekannte<br />
Personen dringen in<br />
das Haus von Bob Marley ein<br />
und eröffnen das Feuer auf<br />
ihn, seine Frau Rita und seinen<br />
Manager. Marlon James nimmt<br />
das Ereignis und erzählt in<br />
seinem Epos über die 70er und<br />
80er Jahre auf Jamaika, über<br />
die Gewalt, die Drogen und die<br />
Armut. Der Autor zeichnet aus<br />
verschiedenen Perspektiven ein<br />
überwältigendes Bild der jamaikanischen<br />
Gesellschaft. Ein<br />
wenig Winslow und Pynchon,<br />
inspiriert durch Ellroy, aber<br />
viel mehr schafft James etwas<br />
Eigenes und gewann damit den<br />
Man Booker Price als erster<br />
Jamaikaner. Lena Kripahle<br />
Marlon James: Eine kurze Geschichte<br />
von sieben Morden, Heyne HardCore,<br />
858 S., € 28,80<br />
Juriatti reflektiert in diesem<br />
Essay, anhand der italienischen<br />
Zuwanderung in Vorarlberg<br />
im letzten Jahrhundert, über<br />
Migration und zieht dabei<br />
Parallelen zu heute. Mit „Es<br />
gibt immer etwas, das einen<br />
Menschen zwingt wegzugehen“<br />
beschreibt er sie treffend. Oft ist<br />
es Krieg oder Hunger, es kann<br />
aber auch eine bessere Karrierechance,<br />
Liebe oder einfach die<br />
Sehnsucht nach Glück sein, die<br />
einen Menschen dazu veranlasst.<br />
All diese Gründe haben<br />
aber etwas immer gemeinsam:<br />
Hoffnung und Erwartungen.<br />
Peppino Brienza<br />
Rainer Juriatti: Spaghettifresser,<br />
Limbus Essay, 120 S., € 10,–<br />
New York. Ein amerikanischer Dokumentarfilmer verliebt sich in<br />
eine Südtirolerin. Er reist mit ihr in ihre Heimat, um dort einige<br />
Monate zur Ruhe zu kommen. Aber ein neues Filmprojekt reift in<br />
seinem Kopf heran, gemeinsam mit seinem Partner drehen sie eine<br />
Dokumentation über die Bergrettung Dolomiten, über die Menschen,<br />
die tagtäglich ihr Leben riskieren, um das der anderen zu<br />
retten. Dabei entdeckt er ein Geheimnis, es geht um drei grausame<br />
Morde, die vor 35 Jahren verübt worden sind. Seine Neugier treibt<br />
ihn an, er ist besessen davon, die Wahrheit herauszufinden …und<br />
das ist megaspannend!!! Luca D’Andrea entführt uns in die archaische<br />
Südtiroler Bergwelt. Ein rasantes Leseerlebnis, atmosphärisch<br />
dicht und wendungsreich. Sprachlich präzise und bis zum überraschenden<br />
Ende ein Leseerlebnis. Das Debüt eines Südtirolers, das<br />
bereits in 35 Länder verkauft wurde – der nächste Weltbestseller.<br />
Sollten Sie unbedingt lesen … Bernhard Aichner<br />
Luca D’Andrea: Der Tod so kalt,<br />
DVA, 480 S., € 15,50<br />
Die japanische Autorin erreicht<br />
mit ihrem ersten Bestseller-<br />
Roman „Geständnisse“ Gänsehaut<br />
der Extraklasse. Aus fünf<br />
unterschiedlichen Perspektiven<br />
schafft Minato einen Psychothriller,<br />
der dank seiner unerwarteten<br />
Wendungen wahrlich<br />
unter die Haut geht. Nach dem<br />
Ertrinken eines Kindes fängt<br />
die Suche in einer japanischen<br />
Schule nach dem Mörder an.<br />
Schüler und Lehrer „gestehen“<br />
was und warum sie getan<br />
haben: Opfer- und Mörderrollen<br />
vermischen sich, die<br />
Psychofolter kann beginnen.<br />
Bis zum letzten Satz ein<br />
packendes Buch! Ágnes Czingulszki<br />
Kanae Minato: Geständnisse,<br />
C. Bertelsmann, 272 S., € 17,50<br />
Walerian, polnischer Emmigrant<br />
wider Willen, landet<br />
12-jährig mit seiner ihm<br />
unbekannten Mutter in einer<br />
unbekannten Stadt, in der<br />
die Menschen eine seltsame<br />
Sprache sprechen: in Wien. Was<br />
anderswo zur Tragödie wird<br />
und dann im Feuilleton laut<br />
Radek Knapp „einen Ständer“<br />
hervorruft, beschreibt er in<br />
sachlicher Heiterkeit. Sein Held<br />
leidet an Augenstarre und rettet<br />
als Heizungsableser Selbstmörder.<br />
Warum Luft zum Frühstück<br />
essen keine gute Idee ist<br />
und Teresa ein Glücksfall: Das<br />
sollten Sie lesen! Erich Ledersberger<br />
Radek Knapp: Der Mann, der Luft zum<br />
Frühstück aß, Deuticke, 123 S., € 16,50
Eigentlich sind es drei Geschichten<br />
der Bienen: 1852<br />
glaubt William, ein Samenhändler<br />
in England, eine neue,<br />
revolutionäre Art, Bienen zu<br />
halten, entdeckt zu haben. 2007<br />
erlebt der Imker George in<br />
Ohio, USA eine Katastrophe:<br />
seine Bienen sind plötzlich<br />
weg. Und im China des Jahres<br />
2098 wird Wei-en, der Sohn der<br />
Bestäuberin Tao, nach einem<br />
allergischen Schock von den<br />
Behörden abtransportiert, sie<br />
kann ihn nirgends finden, fährt<br />
bis nach Peking, um ihn zu<br />
suchen. Zwei Drittel sind toll<br />
erzählt, die Chinageschichte ist<br />
leider etwas schwächer. Martin Bär<br />
Maja Lunde: Die Geschichte der Bienen,<br />
btb Verlag, 512 S., € 20,60<br />
New York, 11. Mai 1888. Ein<br />
brennender Mann stürzt vom<br />
Himmel. Er sollte die ersten<br />
Stromkabel entwirren und hielt<br />
sich an den falschen Enden fest.<br />
Es ist der Tag, an dem Paul den<br />
bahnbrechenden Erfinder Thomas<br />
Edison begegnen soll. Paul<br />
arbeitet als Anwalt für seinen<br />
erbitterten Konkurrent George<br />
Westinghouse. Edison ist ein<br />
verschlagener, gefährlicher<br />
Gegner, doch Paul hat auch<br />
noch einen Trumpf im Ärmel,<br />
ein Genie namens Tessla. Ein<br />
Roman, der lange nachleuchtet.<br />
Robert Renk<br />
Graham Moore: Die letzten Tage der<br />
Nacht, Eichborn, S. 464, € 22,70<br />
Ein aktuelles wie universelles<br />
Buch der <strong>No</strong>belpreisträgerin<br />
Morrison. Nicht oft genug kann<br />
mit dem krassen und strukturellen<br />
Rassismus gebrochen<br />
werden. Leider gibt der Mensch<br />
der zufälligen Hautpigmentation<br />
noch immer Bedeutung.<br />
Bei der Geburt der tiefschwarzen<br />
Protagonistin erschrickt<br />
die Mutter, der Vater flieht,<br />
da er nicht glauben kann, dass<br />
es sein Kind ist. Anhand der<br />
Geschichte dieses Babys Lula<br />
Ann werden uns zwei verschiedene<br />
Lebensentwürfe gezeigt.<br />
Für jeden empfehlenswert!<br />
Alejandro Boucabeille<br />
Toni Morrison: Gott, hilf dem Kind,<br />
Rowohlt, 208 S., € 20,60<br />
Der grandiose Talkmeister der<br />
Daily Show, Trevor <strong>No</strong>ah, legt<br />
ein ebenso witziges wie tiefgründiges<br />
Buch über seine Kindheit<br />
in Südafrika in 8 Erzählungen<br />
vor. Wenn er nur beschreibt,<br />
wie er sich als DJ Zusatzgeld<br />
verdiente, das im McDonalds<br />
verprasst wurde, und für Hitler<br />
auflegte, dem besten Tänzer des<br />
Quartiers, schwingt so viel an<br />
kritischer Auseinandersetzung<br />
über unüberwundener Apartheid,<br />
mangelhaftem Geschichtsunterricht<br />
und fahrlässigem<br />
Kapitalismus mit, dass es eine<br />
Freud’ ist! Unbedingt lesen!<br />
Robert Renk<br />
Trevor <strong>No</strong>ah: Farbenblind,<br />
Blessing, 336 S., € 20,60<br />
Fin Macleod, Ex-Polizist aus<br />
Edinburgh, kümmert sich nun<br />
um Wilderer und Lachsdiebe,<br />
bei seinem ersten Einsatz<br />
passiert Ungewöhnliches: Nach<br />
einem Sturm verschwindet ein<br />
Gebirgssee und gibt ein Flugzeugwrack<br />
frei. Der tote Pilot<br />
wird als Roddy Mackenzie identifiziert,<br />
einst Leader der Band<br />
Amran. Macleod erinnert sich<br />
an die Zeit, als seine Freunde<br />
von Stornoway aus die Charts<br />
eroberten, und stößt dabei auf<br />
manche Ungereimtheit; Peter<br />
Mays Liebeserklärung an<br />
die größte Hebriden-Insel,<br />
voller Torf, Regen und kantiger<br />
Menschen.<br />
Andreas Hauser<br />
Peter May: Moorbruch,<br />
Zsolnay Verlag, 336 S., € 20,60<br />
Eine Woche rauchfrei, das<br />
gehört gefeiert. Rebus feiert mit<br />
Deborah im Caledonian Hotel.<br />
Während eines guten Schlucks<br />
Wein erinnert sich Rebus an<br />
einen alten Mordfall, der sich<br />
genau hier zugetragen hat.<br />
Der Täter wurde nie gefasst.<br />
Rebus’ alte Kollegen Clarke<br />
und Malcolm sind an einem der<br />
damaligen Hauptverdächtigen,<br />
Darryl Christie, dran. Dieser ist<br />
nun nicht nur selbst Opfer eines<br />
Überfalls, sondern auch noch<br />
der Geldwäsche verdächtigt.<br />
Rebus’ Ruhestand ist zum Glück<br />
nur vorübergehend und lässt die<br />
Herzen aller Krimi-Fans wieder<br />
einmal höherschlagen.<br />
Lena Kripahle<br />
Ian Rankin: Ein kalter Ort zum Sterben,<br />
Goldmann, 480 S., € 20,60<br />
Unaufgeregt und mit Humor<br />
erzählt der deutsche Autor<br />
in seinem ersten Roman eine<br />
berührende Jugend-Geschichte.<br />
Die Hauptprotagonisten –<br />
Johanna und Boris – besuchen<br />
die selbe Klasse. Sie feiern<br />
gemeinsam Parties, gehen auf<br />
Klassenreisen und werden betrunken.<br />
Wie nebenbei tauchen<br />
ernste Existenzfragen zu Liebe,<br />
Sexualität, Freundschaft, Tod<br />
und Familie auf. Ein Buch für<br />
all jene, die die Welt und ihre<br />
Umgebung mit einem ehrlich-authentischen<br />
Blick sehen<br />
wollen. Ágnes Czingulszki<br />
Jan Schomburg: Das Licht und die<br />
Geräusche, dtv, 232 S., € 20,60<br />
Eine wahre Begebenheit. Einfühlsam<br />
und poetisch geschriebene<br />
Geschichte, die unter die<br />
Haut geht. Begabt, attraktiv<br />
und sehr jung wird Pauline<br />
zur Geliebten eines deutschen<br />
Militärarztes im besetzten<br />
Frankreich. Opfer der politischen<br />
Gegebenheiten, trifft sie<br />
später als Studentin ihre große<br />
Liebe. Das tragische Scheitern<br />
ihrer Sehnsüchte und Wünsche<br />
scheint unausweichlich. Die Offenbarung<br />
ihrer Vergangenheit<br />
zerstört zwei Leben. Verurteilung<br />
und Gefängnis folgen.<br />
Paulines Lebensgeschichte wird<br />
sogar verfilmt, doch nur sie<br />
selbst kennt die ganze Wahrheit.<br />
Ute Faserl<br />
Jean-Luc Seigle: Ich schreibe Ihnen im<br />
Dunkeln, C.H. Beck, 207 S., € 20.60<br />
Luba ist eine lebensfrohe<br />
Redakteurin, die tausend Sachen<br />
im Kopf hat und zwischen<br />
Sendungen und Projekten<br />
durch die Tage huscht. Privat<br />
glaubt sie an die Parole: „Alles<br />
wird gut, manches löst sich<br />
durch Küssen!“ (66). Jetzt ist<br />
sie schwanger und ziemlich<br />
verblüfft. Wie kann ein Mann<br />
nach der Zeugung untertauchen,<br />
obwohl er noch gar<br />
nichts von seinem Glück weiß?<br />
Verschmitzt erzählter Kampf<br />
einer Journalistin, die mitten<br />
im Stress die eigene Geschichte<br />
finden will. Helmuth Schönauer<br />
Selma Mahlknecht: Luba und andere<br />
Kleinigkeiten, Edition Raetia,<br />
384 S., € 21,90<br />
„Ich floh nackt und blutend<br />
auf einem Rennrad“, ist der<br />
einleitende Satz zu Tijan Silas<br />
mitreißendem Debütroman.<br />
Die Geschichte dreht sich<br />
um einen Jungen, der seine<br />
Kindheit zu Zeiten des Bürgerkriegs<br />
in Bosnien verbringt und<br />
danach mit seiner Familie nach<br />
Deutschland flüchtet. Auf eine<br />
amüsante und ehrliche Weise<br />
schildert der Autor den Alltag<br />
im Krieg sowie erste erotische<br />
Erfahrungen mit Mädchen und<br />
Begegnungen mit Neonazis<br />
in Deutschland. Stark erzählt,<br />
ein Roman der <strong>No</strong>rmen überschreitet.<br />
Magdalena Naschberger<br />
Tijan Sila: Tierchen unlimited,<br />
Kiepenheuer & Witsch, 224 S., € 18,60<br />
Im Juli jährt sich der 200.<br />
Geburtstag des amerikanischen<br />
Waldläufers und <strong>No</strong>nkonformisten<br />
Henry David Thoreau,<br />
der mit seinen Schriften selbst<br />
Gandhi inspirierte. Da steigt<br />
also einer aus. Baut sich abseits<br />
der Zivilisation an einem einsamen<br />
See eine Hütte und lässt es,<br />
zumindest solange er sich über<br />
die Wunder der Natur wundert,<br />
gut sein. Natürlich kommt<br />
Thoreau bei dem Experiment,<br />
der modernen Gesellschaft (des<br />
19. Jh.) den Rücken zu kehren,<br />
auch ordentlich ins Grübeln.<br />
Und das Haus am See ist ein<br />
guter Ort für solch ein Unternehmen.<br />
Hubert Flattinger<br />
Henry David Thoreau: Walden –<br />
oder Leben in den Wäldern, Diogenes,<br />
512 S., € 20,60<br />
Vier junge Männer lernen sich<br />
am College kennen und werden<br />
beste Freunde: Jude, Willem,<br />
JB und Malcolm. Alle vier<br />
ganz unterschiedliche Typen,<br />
vielleicht funktioniert gerade<br />
deshalb die Freundschaft über<br />
Jahrzehnte hinweg so gut. Doch<br />
immer mehr dreht sich alles<br />
um Jude, weil er so rätselhaft<br />
scheint, nichts von sich preisgeben<br />
will. Willem, sein bester<br />
Freund und später auch sein<br />
Partner, ist der einzige, dem er<br />
seine ganze Geschichte erzählt.<br />
Ein Buch voll von Freundschaft,<br />
Liebe, Verzweiflung.<br />
Gewaltig! Martin Bär<br />
Hanya Yanagihara: Ein wenig Leben,<br />
Hanser Berlin, 958 S., € 28,80<br />
Ein heutiger Briefroman besteht<br />
aus E-Mails. Zsuzsa Bánk<br />
schreibt sie von Mai 2009 bis<br />
Juni 2012 zwei Freundinnen<br />
zu, im elaborierten Duktus der<br />
Korrespondenz früherer Zeiten.<br />
Márta, deren Eltern 1956 aus<br />
Ungarn geflüchtet sind, lebt als<br />
Schriftstellerin mit Mann und<br />
Kindern in Frankfurt, Johanna<br />
als Lehrerin im Schwarzwald.<br />
Die Eine hat die Katastrophe<br />
hinter sich, auf die Andere<br />
kommt sie zu. Klaus Zeyringer<br />
Zsuzsa Bánk: Schlafen werden wir später,<br />
S. Fischer, 688 S., € 24,70<br />
Ein Geheimnis, das Catherine<br />
diesen einen Tag nie vergessen<br />
lässt und von dem sie nie<br />
Jemandem erzählt hat, und dennoch<br />
scheint ein Fremder genau<br />
darüber Bescheid zu wissen.<br />
Ein unscheinbares Buch, ein<br />
Thriller, der dir deinen eigenen<br />
Tod erzählt; unvorstellbar.<br />
Doch genau dies passiert Catherine<br />
und bringt ihr bisheriges<br />
Leben mit Sohn und Mann<br />
völlig durcheinander. Was ist<br />
damals geschehen, diese Frage<br />
treibt den Leser immer tiefer<br />
in die Geschichte und lässt die<br />
perfekte Fassade bröckeln.<br />
Lena Kripahle<br />
Renée Knight: Deadline,<br />
Goldmann, 352 S., € 10,30<br />
Dmitri Schostakowitsch (1906 –<br />
1975) war zuletzt schon Protagonist<br />
in William T. Vollmans<br />
Schwarte „Europe Central“,<br />
nun hat ihm der Brite Julian<br />
Barnes den sehr viel schlankeren<br />
Roman „Der Lärm der<br />
Zeit“ gewidmet, der durch seine<br />
Ökonomie und formale Eleganz<br />
besticht. Drei „Gespräche mit<br />
der Macht“, zu denen der wahlweise<br />
umjubelte und in Ungnade<br />
gefallene Komponist 1936,<br />
1949 und nach Stalins Tod<br />
gezwungen wurde, führen exemplarisch<br />
das prekäre Verhältnis<br />
vor, nicht aber den zutiefst<br />
zerrissenen Helden selbst.<br />
Klaus Nüchtern<br />
Julian Barnes: Der Lärm der Zeit,<br />
Kiepenheuer & Witsch, 256 S., € 20,60<br />
Nicht nur der Titel erinnert<br />
an Parabeln, wenn der bekannte<br />
Erzähler Köhlmeier hier<br />
erstmals als Lyriker auftritt und<br />
sogleich in die märchenhafte<br />
Welt des Alltags entführt.<br />
„Der Tag begann mit dem<br />
Wunsch, / Einen Hauch<br />
Frühlingsluft zu erhaschen, /<br />
Auf dem ich zurück in mein<br />
dreizehntes Jahr / Getragen<br />
würde.“ Belehrt uns nicht nur<br />
über, sondern auch mit Landschaften,<br />
Menschlichem und<br />
Tierischem und beweist damit,<br />
wie sehr Erzählformen und<br />
Poesie ineinander übergehen<br />
und sich gegenseitig beflügeln<br />
können. Siljarosa Schletterer<br />
Michael Köhlmeier: Ein Vorbild für die<br />
Tiere, Hanser Verlag, 144 S., € 18,50
Konto<br />
Kapital &<br />
Katastrophen<br />
7 Bücher rund ums liebe Geld<br />
Hoch<br />
Höher<br />
Am höchsten<br />
7 mal hochgestapelt<br />
Leipzig<br />
Litauen<br />
Lesen<br />
7 Tipps zum heurigen<br />
Buchmessenschwerpunkt<br />
3×7<br />
Best<br />
aber<br />
Seller:<br />
1<br />
2<br />
Geschichte<br />
Immer das Geld<br />
Hans Magnus Enzensberger<br />
Suhrkamp, € 12,40<br />
des Geldes<br />
Alan Pauls<br />
Klett-Cotta, € 20,50<br />
1<br />
2<br />
Der<br />
Die Abenteuer des Joel Spazierer<br />
Michael Köhlmeier<br />
dtv, € 15,40<br />
Nazi & der Friseur<br />
Edgar Hilsenrath<br />
dtv, € 10,20<br />
1<br />
2<br />
Fische<br />
Baltische Adria<br />
Eugenijus Alisanka / Ales Debeljak<br />
RanitzDialog 3 Edition Thanhäuser, € 20,–<br />
und Drachen<br />
Undine Radzevičiūtė<br />
Residenz, € 24,–<br />
3<br />
Frühling<br />
der Barbaren<br />
Jonas Lüscher<br />
btb, € 8,30<br />
3<br />
Rosenstengel<br />
Angela Steidele<br />
btb, € 14,40<br />
3<br />
Mein<br />
Name ist Maryte<br />
Alvydas Slepikas<br />
Mitteldeutscher Verlag, € 20,60<br />
4<br />
Kapital<br />
John Lanchester<br />
Heyne, € 12,40<br />
4<br />
Felix<br />
Krull<br />
Thomas Mann<br />
Fischer TB, € 10,30<br />
4<br />
Der<br />
magnetische <strong>No</strong>rden<br />
Tomas Venclova<br />
Suhrkamp, € 37,10<br />
5<br />
Das<br />
war ich nicht<br />
Kristoff Magnusson<br />
GoldmannTB, € 10,30<br />
5<br />
Der<br />
talentierte Mr. Ripley<br />
Patricia Highsmith<br />
diogenes, € 13,40<br />
5<br />
Das<br />
Strudelloch<br />
Romualdas Granauskas<br />
Wallstein, € 19,60<br />
56<br />
Wagner’sche.<br />
6<br />
Der<br />
7<br />
Die<br />
gute Banker<br />
Paul Murray<br />
Antje Kunstmann, € 25,80<br />
Gesichter der Wahrheit<br />
Donal Ryan<br />
diogenes, € 22,70<br />
6<br />
Zehn<br />
7<br />
Lila<br />
Tipps, das Morden zu<br />
beenden und mit dem<br />
Abwasch zu beginnen<br />
Hallgrímur Helgason<br />
dtv, € 10,30<br />
Lila<br />
Martin Suter<br />
diogenes, € 12,40<br />
6<br />
Der<br />
7<br />
Der<br />
Windreiter<br />
Renata Serelyte<br />
Wieser, € 19,80<br />
lange Spaziergang auf<br />
einer kurzen Mole oder:<br />
Mein Spiel gegen mich selbst<br />
Giedra Radvilavičiūtė<br />
Corso, € 19,–
Die Buchhandlung<br />
als geistige Tankstelle<br />
Autorinnen und Autoren<br />
dieser Ausgabe<br />
Gemeinsam mit den Tiroler Bildungshäusern<br />
und der Universität Innsbruck. Von Markus Renk<br />
Schon der englische Philosoph Francis<br />
Bacon hat es mit seinem Ausspruch: „Wissen<br />
ist Macht“ auf den Punkt gebracht<br />
und schon damals erkannt, wie wichtig das<br />
Thema Bildung für eine erfolgreiche Zukunft<br />
ist. Heutzutage braucht man nur die<br />
Zeitungen aufzuschlagen, um mit dem Thema<br />
Bildung konfrontiert zu werden. Rasch<br />
lässt sich feststellen, welche Vorteile man<br />
im Alltag mit einer guten Allgemeinbildung<br />
lukrieren kann. Das Medium Buch ist hier<br />
ein zentrales Element, die Buchhandlung<br />
ein Ort der Weiterbildung. Die Wagner’sche<br />
war als Universitätsbuchhandlung stets<br />
bemüht, dies zu forcieren, und stellt den<br />
Fokus ihrer Fachbuchabteilung auf das<br />
Thema Weiterbildung. Nicht nur das<br />
Buchsortiment wurde deutlich ausgebaut,<br />
sondern wir suchen einen engen Kontakt<br />
zu den Tiroler Bildungshäusern und zur<br />
Innsbrucker Universität. Gemeinsam<br />
schnüren wir ein Paket für unsere Kund-<br />
Innen und werden kostenlose Weiterbildungsveranstaltungen<br />
in der Wagner’schen<br />
anbieten. Die ersten Testballone wurden<br />
bereits ausgeschickt und konnten ein sehr<br />
positives Echo auslösen.<br />
© Ecowin<br />
Ein toller Abend fand z. B. bereits am<br />
22. Februar statt, gemeinsam mit dem<br />
BFI Tirol holten wir den Bildungsexperten<br />
Dr. Andreas Salcher nach Innsbruck.<br />
Andreas Salcher ist Unternehmensberater<br />
und kritischer Vordenker in Bildungsthemen.<br />
Mit über 200.000 verkauften Büchern<br />
gilt er als einer der erfolgreichsten Sachbuchautoren<br />
Österreichs. Er ist Mitbegründer<br />
der Sir-Karl-Popper-Schule für<br />
besonders begabte Kinder. 2004 initiierte<br />
er die Waldzell Meetings im Stift Melk, an<br />
denen acht <strong>No</strong>belpreisträger, darunter auch<br />
der Dalai Lama, teilgenommen haben.<br />
In seinem neuesten Buch lädt der<br />
Bestsellerautor seine LeserInnen ein, das<br />
Verhältnis zu den eigenen Freunden zu<br />
reflektieren und dabei mehr über sich selbst<br />
zu erfahren – auch über die eigenen Schattenseiten.<br />
Denn Neid, Geiz, Sprachlosigkeit<br />
und andere zersetzende Gifte bedrohen<br />
unsere Freundschaften.<br />
Freundschaft: die Königsdisziplin<br />
der Lebenskunst<br />
Es sind unsere Freunde, die dafür sorgen,<br />
dass wir länger, gesünder und zufriedener<br />
leben. Sie geben uns Halt, wenn alles andere<br />
zerbricht. Doch woran erkennen wir sie?<br />
Und was sind wir selbst bereit für sie zu<br />
tun: Sie vor der Polizei verstecken? Für<br />
sie lügen? Ihnen 5.000 Euro borgen? Oder<br />
sie gar in den letzten Monaten vor ihrem<br />
Tod pflegen? Andreas Salcher formuliert in<br />
seinem neuen Buch klare, zum Teil provozierende<br />
Gebote für bereichernde Freundschaften:<br />
Du sollst nicht mehr als drei<br />
wahre Freunde haben. Du sollst dir bewusst<br />
sein, dass es keine Freunde fürs ganze Leben<br />
gibt. Du sollst dir Freunde suchen, mit<br />
denen du auf gleicher Augenhöhe bist.<br />
Anhand von berührenden Geschichten<br />
zeigt Andreas Salcher konkrete Wege, wie<br />
man den Zauber in alten Freundschaften<br />
wieder entdecken und in jeder Lebensphase<br />
neue Freunde finden kann. Das Buch bietet<br />
überraschende wissenschaftliche Erkenntnisse,<br />
wie sich Freundschaft im Wandel<br />
des Lebens verändert und welchen Einfluss<br />
die Sozialen Medien dabei auf die Jungen<br />
haben. Fazit: Die „Kunst der Freundschaft“<br />
ist eine der größten Herausforderungen und<br />
zugleich schönsten Aufgaben im Leben. Sie<br />
beginnt damit, sich selbst ein guter Freund<br />
zu sein.<br />
Aber nicht nur um das Thema Freundschaft<br />
soll es in Zukunft gehen. Unter dem<br />
Motto „Wagner’sche bildet“ wird es ab<br />
Herbst einmal im Monat Impulsvorträge<br />
in der Buchhandlung geben. Natürlich frei<br />
zugänglich und kostenlos. Ob „Nanotechnologie<br />
im Alltag“, „Tipps fürs Fotografieren“,<br />
„effektives Zeit- und Zielmanagement“,<br />
oder „Soziale Medien – aber sicher“,<br />
um nur einen kleinen Auszug der geplanten<br />
Themen zu geben, all diese Bereiche werden<br />
von professionellen Referenten vorgetragen<br />
und sollen einen möglichst unkomplizierten<br />
Zugang zu wichtigen Themenbereichen<br />
ermöglichen. Bewusst setzen wir auf ein<br />
sehr breites Themenangebot, daher werden<br />
auch die Bereiche Gesundheit, Persönlichkeitsbildung<br />
und die Ernährung sicher nicht<br />
fehlen. Wir hoffen mit dieser kostenlosen<br />
Serviceleistung viele KundInnen anzusprechen.<br />
Nähere Informationen zu den<br />
einzelnen Terminen werden wir auf unserer<br />
Homepage unter Veranstaltungen veröffentlichen.<br />
58 59<br />
Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
Bernhard Aichner, * 1972, lebt als Schriftsteller und Fotograf<br />
in Innsbruck. Er schreibt Romane, Hörspiele und Theaterstücke.<br />
Sein Thriller Totenfrau wurde zum überregionalen<br />
Erfolg und machte ihn zum erfolgreichsten Tiroler Autor.<br />
Martin Bär, Innsbrucker, Büchernarr und seit langem<br />
Buchhändler, ist nach vielen Jahren im Salzburger Land<br />
seit <strong>No</strong>vember 2016 Abteilungsleiter in der Wagner’schen.<br />
Alejandro Boucabeille, Franko-Mexikanischer-Österreichischer<br />
Weltbürger lebt für die Literatur.<br />
Peppino Brienza, Innsbrucker, unterrichtet italienisch<br />
an verschiedenen Einrichtungen der Erwachsenenbildung.<br />
Markus Bundi, geboren 1969. Er studierte Philosophie, Literatur<br />
und Linguistik in Zürich. Er arbeitet als Kulturjournalist,<br />
Literaturvermittler und Autor und lebt in Baden (CH).<br />
Ágnes Czingulszki, 1987 geboren in Baja (Südungarn),<br />
lebt – nach einigen Stationen in Europa – nun als<br />
Journalistin und Autorin in Innsbruck.<br />
Ute Faserl, Buchhändlerin, kam vor guten 30 Jahren aus dem<br />
„Badischen“ nach Tirol … und in die Wagner’sche. Nach längerer<br />
Familienpause kam sie wieder und ist immer noch da.<br />
Hubert Flattinger, geboren 1960 in Innsbruck. Grafiker,<br />
Autor und Journalist. Lebt in NÖ und vermittelt seine Erfahrungen<br />
im Bereich Kinder- und Jugendliteratur am Institut<br />
für Sozialpädagogik in Stams. Bücher (Auszug): Der größte<br />
Fisch entwischt (2015), Sommersprossen auf dem Asphalt<br />
(2016), Als ich Lord Winter war (2017).<br />
Michael Forcher, geboren in Lienz. Historiker und Autor.<br />
Eine verlegerische Instanz, gründete 1982 den Haymon<br />
Verlag. Zuletzt Stift Stams, Tirol und der erste Weltkrieg<br />
(beide 2016).<br />
Christine Frei ist Kommunikationsmanagerin und Theaterautorin<br />
und lebt seit ihrem Studium der Germanistik und<br />
Geschichte in <strong>No</strong>rdtirol. Ihr Theaterstück ‚Die disziplinierte<br />
Tirolerin‘, eine süffsiant-feministische Irrealsatire, war letzten<br />
Sommer bei den Volksschauspielen zu sehen.<br />
Martin Fritz, *1982, hört sich in seiner Freizeit gerne<br />
DJ Patex’ Coverversion des Songs „I Wish I Was Him“ an.<br />
Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien<br />
sowie „intrinsische süßigkeit“ (Lyrik, Berger Verlag 2013),<br />
zuletzt „EMMA“ (Freies Theater Innsbruck, 2016),<br />
Weblog: assotsiationsklimbim.twoday.net<br />
Markus Hatzer, geboren 1966 in Prägraten (Osttirol),<br />
seit 1981 Buchhändler, Verleger des Haymon Verlags, des<br />
Löwenzahn und Studienverlags und des Universitätsverlags<br />
Wagner. 2015 als Partner bei der Wagner’schen Universitätsbuchhandlung<br />
eingestiegen.<br />
Andreas Hauser erbte die Liebe zur Kriminalliteratur von<br />
seinem Vater, schrieb lang im Tiroler Magazin ECHO Beiträge<br />
zu Wissenschaft und Zeitgeschichte, Empfehlungen von<br />
Krimis, Thrillern und Literatur. Seit 2015 Mitarbeiter und<br />
CP-Redakteur der KULTIG Werbeagentur in Innsbruck.<br />
Irene Heisz ist freie Journalistin, Autorin und Moderatorin<br />
und lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Innsbruck.<br />
Cornelius Hell, Literaturkritiker, Autor und Übersetzer,<br />
geboren in Salzburg, Studium der Germanistik und Theologie.<br />
Zahlreiche Übersetzungen aus dem Litauischen.<br />
U. a. Preis des litauischen Schriftstellerverbandes für die<br />
beste Lyrik-Übersetzung in eine Fremdsprache.<br />
Markus Köhle ist Sprachinstallateur, Literaturzeitschriftenaktivist<br />
und Papa Slam Österreichs. Zahlreiche Publikationen,<br />
zuletzt: Alles außer grau. Texte to go (mit Mieze<br />
Medusa, Milena). www.autohr.at<br />
Markus Koschuh ist zweifacher österreichischer Poetry-Slam-<br />
Meister (2010 und 2011), Vize-Europameister im Poetry<br />
Slam 2011, Moderator, Schauspieler, Tirols erfolgreichster<br />
Kabarettist und politisch aktiv.<br />
Lena Kripahle, 1984 geboren und Buchhändlerin. Bereits<br />
seit der 1. Klasse süchtig nach Druckerschwärze und<br />
Hörbüchern. Seit <strong>No</strong>vember 2015 ist die Wagner’sche ihre<br />
neue Heimat.<br />
Erich Ledersberger, seit ungefähr 20 Jahren in Innsbruck<br />
lebender Wiener. Ehemaliger Lehrer, permanenter Autor,<br />
nicht nur auf seiner Website www.kakanien.eu, sondern auch<br />
in Büchern. Zu finden in der Wagner’schen.<br />
Thomas Maurberger, geboren 1997, macht die Lehre in<br />
der Wagner’schen und hat soeben seine zweite Rezension<br />
geschrieben.<br />
Magdalena Naschberger, Buchhändlerin in der Wagner’schen,<br />
macht den ersten Stock bunt und ist DIE Manga-Fachfrau.<br />
Klaus Nüchtern, geboren 1961 in Wien. Seit 1990 Kulturredakteur<br />
beim Falter; seine Kolumnen Nüchtern betrachtet<br />
liegen gesammelt in 5 Bänden vor. Nach Wittgenstein und<br />
Buster Keaton widmete er sich zuletzt dem Kontinent<br />
Doderer.<br />
Markus Renk, seit 30 Jahren in der Buchbranche. Fachgruppen-Obmann<br />
der Buch- und Medienwirtschaft Tirol<br />
und seit Oktober 2015 neuer Chef der Wagner’schen.<br />
Robert Renk, Buchhändler und Kulturveranstalter.<br />
Gastdozent an der Uni Innsbruck. Sortimentsleiter in der<br />
Wagner’schen. Gibt das Wagner-Magazin heraus.<br />
Nina Rettenbacher brachte uns der Koch- und Gärtnerhimmel<br />
in die Wagner’sche. Erste Stadtgärtnerin und grandiose<br />
Köchin & Gastgeberin im 1. Stock.<br />
Anna Rottensteiner, Autorin und Leiterin des Literaturhauses<br />
am Inn. Publikationen: Lithops. Lebende Steine (2013), Nur<br />
ein Wimpernschlag (2016) – beide ed. Laurin.<br />
Katharina Schermann, geboren 1982, studierte Germanistik<br />
an der Uni Innsbruck und arbeitete nach diversen Praktika<br />
im Buchverlag und -handel bei der Illustrierten „Tirolerin“<br />
als Redakteurin sowie zuletzt als leitende Redakteurin. Seit<br />
2015 ist sie als Onlinetexterin bei einer Werbeagentur tätig.<br />
Ende 2016 wurde sie Mutter eines Sohnes.<br />
Siljarosa Schletterer, geboren 1991 in Innsbruck, studiert<br />
u. a. Musikwissenschaft an der Universität Innsbruck. Frühe<br />
Beschäftigung mit Texten. Mehrere Lesungen, zusätzlich<br />
wurden Werke von ihr vertont.<br />
Helmuth Schönauer, geboren 1953, ist gerichtlich anerkannter<br />
Schriftsteller und Bibliothekar. „Tagebuch eines Bibliothekars“,<br />
5 Bände; Klagenfurt, Sisyphus 2016; „Krautig“,<br />
13 Kurzromane, welche die Tiroler ums Verrecken nicht<br />
schreiben wollen, Wien: Kyrene 2016.<br />
Bernd Schuchter, geboren 1977 in Innsbruck, studierte<br />
Germanistik, Geschichte und Philosophie an der Universität<br />
Innsbruck. Autor und Verleger (Limbus Verlag). Zuletzt<br />
Innsbruck abseits der Pfade (2015), Jacques Callot und die<br />
Erfindung des Individuums (2016) beide braumüller.<br />
Franz Schuh, 1947 geboren, lebt in Wien. Autor, Philosoph<br />
und Gesamtkunstwerk! Stationen u. a.: Studium der Philosophie,<br />
Geschichte, Germanistik in Wien, Generalsekretär<br />
der GAV. Redakteur der Zeitschrift „Wespennest“. Verleger<br />
bei Deuticke. Lehrbeauftragter an der Hochschule für<br />
angewandte Kunst. Zuletzt Sämtliche Leidenschaften (2014),<br />
Fortuna (2017) beide Zsolnay.<br />
Silvia Spiegl, Germanistin, seit 1991 Buchhändlerin in der<br />
Wagner’schen.<br />
Ulrike Tanzer, geboren in Steyr, seit 2014 Professorin für<br />
Österreichische Literatur und Leiterin des Forschungsinstituts<br />
Brenner-Archiv. Zahlreiche Veröffentlichungen zur<br />
deutschsprachigen Literatur vom 19. Jh. bis zur Gegenwart.<br />
Zuletzt u. a.: Leseausgabe Marie von Ebner-Eschenbach<br />
(hrsg. gem. mit E. Polt-Heinzl und D. Strigl), Residenz-<br />
Verlag 2014.<br />
Marion Umgeher hat über Lebensstationen in der Kunst<br />
(bei Filmemacher Rudi Dolezal) und im Kitsch (in der<br />
Redaktion der Barbara Karlich-Show) endlich zu den<br />
Kapuzinern in Tirol gefunden: Hier geht ihr Herz auf,<br />
wenn sie am „fidelis“-Magazin für die Sozialen Dienste<br />
der Kapuziner arbeitet.<br />
Gabi Unterberger, teilzeitbeschäftigte Reisebüroangestellte<br />
und ehrenamtliche Bibliothekarin vom Lande mit umfassendem<br />
Haus(buch)bestand und Hausverstand.<br />
Evelyn Unterfrauner, Referentin des Referats für Öffentlichkeitsarbeit<br />
der ÖH Innsbruck. Betreibt den Book Broker<br />
Blog auf: bookbroker.wordpress.com.<br />
Marlene Walder, seit 2013 im Buchhandel tätig und in der<br />
Wagner’schen u. a. für all age und fremdsprachige Literatur<br />
zuständig, was sich gut mit ihrer Liebe zu Oscar Wilde trifft.<br />
Peter Walder-Gottsbacher, geboren in Salzburg, lebt seit 20<br />
Jahren in Tirol, Bühnenbildstudium am Mozarteum, seit<br />
über 30 Jahren im Buch – und Kunsthandel rührig, betreut<br />
das Fachbuch – und geisteswissenschaftliche Buch in der<br />
Wagner’schen. Bisweilen Autor und Maler.<br />
Josef Wallinger, geboren 1957, Lehrer an der Bundeshandelsakademie<br />
und -handelsschule Hall in Tirol. Seine Kindheit<br />
und Jugend verbrachte er im Stadtteil Pradl, dem er sich<br />
noch heute sehr verbunden fühlt.<br />
Gabriele Wild, geboren 1982, Studium der Germanistik<br />
und Slawistik. Literaturvermittlerin und Veranstalterin<br />
u. a. co&bi und im Literaturhaus am Inn. Seit 2016 Mutter,<br />
wir gratulieren!<br />
Anita Winkler hat in Innsbruck Germanistik studiert, ist<br />
seit 2008 für das Programm des Löwenzahn Verlags verantwortlich.<br />
Dorothea Zanon, geboren 1980, Studium der Literaturwissenschaft<br />
in Innsbruck und Wien. Seit 2008 Lektorin im<br />
Haymon Verlag.<br />
Klaus Zeyringer, Habilitation in Graz; war Univ.-Prof. für<br />
Germanistik in Frankreich. Literaturkritiker u. a. für Der<br />
Standard, Jurymitglied der ORF-Bestenliste; Literaturmoderationen<br />
in Österreich, Deutschland, der Schweiz und<br />
Frankreich. Zuletzt: „Olympische Spiele. Eine Kulturgeschichte<br />
von 1896 bis heute. Bd. 1: Sommer“ (2016).
Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
Museumstraße 4<br />
6020 Innsbruck<br />
T. +43 512 59505 0<br />
info@wagnersche.at<br />
www.wagnersche.at<br />
Öffnungszeiten:<br />
Buchhandlung<br />
Montag bis Freitag: 9 – 18.30 Uhr<br />
Samstag: 9 – 17 Uhr<br />
T. +43 512 595 05 0<br />
1639. Die Meierei<br />
Montag bis Freitag: 9 – 17 Uhr<br />
Samstag: 9 – 14 Uhr<br />
Sonn- & Feiertage geschlossen<br />
T. +43 650 940 308 0