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Wagnereinmalig No. 4

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Das Buchmagazin der Wagner’schen Universitätsbuchhandlung — 03.2017<br />

Wagner<br />

eı˙nmalı˙g<br />

#<strong>No</strong>. 4


Impressum<br />

Herausgeber und für den Inhalt verantwortlich:<br />

Wagner’sche Universitätsbuchhandlung, Medici Buchhandels GmbH,<br />

Museumstraße 4, 6020 Innsbruck<br />

info@wagnersche.at — www.wagnersche.at<br />

Redaktion: Robert Renk<br />

© der Textbeiträge bei den Autorinnen und Autoren<br />

Grafische Ausstattung: hœretzeder grafische gestaltung, Scheffau / Tirol<br />

Fotografie (so nicht anders angegeben): Thomas Schrott<br />

© der Abbildungen bei den jeweiligen Rechteinhabern<br />

Titelbild „Vogel“: guentheregger.at, series „birds everywhere“ 53, 5/5 2015<br />

Fehler, Änderungen und Irrtümer vorbehalten.<br />

2<br />

© 03.2017 – alle Rechte vorbehalten<br />

Bücher seit 1639<br />

Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

Der großartige Autor<br />

Christoph W. Bauer hat in<br />

seinem Buch „Der Buchdrucker<br />

der Medici“ nicht nur die<br />

Geschichte der Wagner’schen<br />

sehr sympathisch dargestellt,<br />

sondern spielt mit der Idee,<br />

dass der Firmengründer<br />

Michael Wagner über drei<br />

Jahrhunderte die Firma<br />

begleitet, sprich auf das Haus<br />

schaut und alle Höhen und<br />

Tiefen miterlebt. Wir wissen<br />

natürlich nicht, welches<br />

Zeugnis er uns ausstellen<br />

würde, aber wir können auf<br />

viele Innovationen in den<br />

letzten 1 ½ Jahren verweisen.<br />

Ob das unser gratis Fahrrad-Zustellservice<br />

„Wagner’sche<br />

bringt’s“ ist, unser<br />

neu ge stalteter Newsletter,<br />

unsere Video-Buchtipps 3×3,<br />

oder unsere erfolgreichen<br />

Blind Dates. Manches davon<br />

wird wohl auch der Grund<br />

sein, warum wir mit der<br />

Wagner’schen als erste österreichische<br />

Buchhandlung<br />

für den Sales Award des deutschen<br />

Buchhandels nominiert<br />

wurden. Aber mehr davon<br />

in unserem neuen Magazin.<br />

Viel Spaß beim Lesen!<br />

Markus Renk (re.), Markus Hatzer<br />

Inhalt<br />

6 Darf nicht vergessen werden<br />

Eine neue Buchreihe stellt sich vor …<br />

7 Garten & Kochen<br />

Terrasse, Garten, Pasta, YomYom und ein Rezept von Nina<br />

12 Ferdinand II. feiert Jubiläum<br />

Der Erzherzog, ein unbeschriebenes Blatt …<br />

16 Thomas Meinecke<br />

Der Autor, Musiker und Feminist im Gespräch – 15. Prosafestival<br />

18 Doron Rabinovici gibt Auskunft<br />

Einer der interessantesten Autoren ist gleich 2 × zu Gast in Innsbruck<br />

22 Dirk Kurbjuweit<br />

Der Spiegeljournalist und Autor besucht „Innsbruck liest“ – 3. Mai 2017<br />

24 Nadine Kegele<br />

Gedanken zur literarischen Geschlechterfrage – 21. März 2017<br />

28 Monika Helfer<br />

Buchpräsentation (mit Michael Köhlmeier) – 29. März 2017<br />

30 Reinhard Haller<br />

Fundiertes über die Macht der Kränkung – 5. April 2017 im artdepot<br />

34 Hubert Flattinger reist<br />

Lord Winter ist zurück – 16. Mai 2017<br />

36 Das Glück, das ich habe<br />

Franz Schuh sucht das Glück – 18. Mai 2017<br />

38 Klaus Merz<br />

Im Gespräch über seinen Gedichtband „Helios Transport“ – 16. Juni 2017<br />

40 7 × Fragen: Günther Egger<br />

Auslage. Cover. Antworten<br />

42 Litauen literarisch …<br />

Tipps zum Buchmessenschwerpunkt in Leipzig von Cornelius Hell<br />

44 Kinder- und Familienblog<br />

Neues und Neuestes …<br />

50 Mit den besten Empfehlungen<br />

56 3×7 Best aber Seller


© Thomas Schrott<br />

Ein ganzes<br />

& ein halbes Jahr<br />

Wohnzimmer, Küche, 80.000 Bücher<br />

und ein Autor über Nacht …<br />

In unsere<br />

Buchhandlung<br />

kommt man<br />

ohne Passwort.<br />

Markus Renk<br />

4 Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

Das erste ganze Jahr „Wagner’sche neu“<br />

ist geschlagen und wir wissen inzwischen,<br />

wo wir dank Ihrer Unterstützung gelandet<br />

sind. Wir freuen uns über das nach wie vor<br />

sehr große und positive Feedback, dies ist<br />

Motivation für uns, den Weg mit demselben<br />

Elan weiter zu beschreiten. Es ist schön, dass<br />

sehr viele unserer Impulse so gut ankommen.<br />

Unsere Blind Dates sind eine wahre<br />

Erfolgsgeschichte, unser Newsletter geht<br />

inzwischen schon an etliche tausend<br />

Empfänger und unsere Buchtipp-Videos,<br />

mit persönlichen Empfehlungen werden<br />

jedes Mal von einem großen Kundenkreis<br />

gesehen. Auch der Umbau des Eingangsbereichs<br />

und die Möglichkeit, die Wagner’sche<br />

inzwischen barrierefrei zu betreten, war<br />

eine wichtige Neuerung. Die Wagner’sche<br />

Kundenkarte ist extrem beliebt und mit<br />

rund 40 Buchveranstaltungen im Jahr sind<br />

wir ein sehr wichtiger Kulturveranstalter<br />

in Innsbruck. Der Erfolg unterstreicht die<br />

Richtigkeit all dieser Maßnahmen. Wir<br />

sind stolz, dass wir auch schon für unsere<br />

Leistungen ausgezeichnet wurden. Neben<br />

dem Top-Company-Award-Zertifikat wurden<br />

wir beim Tiroler Jungunternehmer preis<br />

ausgezeichnet und seit wenigen Wochen<br />

wissen wir, dass wir für den Sales Award<br />

des deutschen Buchhandels nominiert sind.<br />

Als erstes österreichisches Unternehmen<br />

überhaupt stehen wir auf der Shortlist.<br />

Drücken Sie uns bitte die Daumen.<br />

Aber was wird es Neues in der Wagner’schen<br />

geben. Derzeit investieren wir<br />

viel Energie und Geld in unseren neuen<br />

Onlineshop, die ersten Neuerungen sind<br />

bereits sichtbar. Das Thema E-Commerce<br />

ist heuer ein Schwerpunkt. Der Newsletter<br />

wurde bereits komplett neu entwickelt,<br />

auch unsere Buchmagazine kann man bequem<br />

unter wagnereinmalig.onlinelesen.at<br />

elektronisch nachlesen. Ein Buchblog<br />

ist in Arbeit, ebenso ein Familienblog.<br />

Ein neuer mobiler Onlineshop wird<br />

5<br />

das Herzstück unserer weiteren Onlinestrategie<br />

werden. Auch wenn sich die<br />

Neuerungen erst in der Umsetzungsphase<br />

befinden, können wir auch jetzt schon<br />

online 6 Millionen Bücher in unserem<br />

Onlineshop und unserem mobilen Shop<br />

anbieten und diese kostenlos versenden.<br />

Bei uns müssen Sie kein Premiummitglied<br />

sein, um Ihre Bücher über Nacht geliefert<br />

zu bekommen, das ist bei uns Standard!<br />

Und rund 80.000 Bücher haben wir sogar<br />

für Sie in der Wagner’schen vorrätig und<br />

sofort greifbar. Das ganze ohne Aufpreis.<br />

Und mit unserem neuen Fahrrad-Zustellservice<br />

„Wagner’sche bringt’s“ können<br />

Sie sich Ihre Bücher gratis innerhalb<br />

von drei Stunden nach Hause oder ins<br />

Büro liefern lassen. Ökologisch, schnell<br />

und kostenlos – das kann kein Amazon!<br />

Aber natürlich gibt es noch das<br />

Buch-Abenteuer offline. Wie lautet ein<br />

nettes Zitat vom Börsenverein des deutschen<br />

Buchhandels: „In die Buchhandlung<br />

ohne Passwort reinkommen, mit einem<br />

Lächeln begrüßt werden und mit einem<br />

echten Warenkorb durch die Regalreihen<br />

spazieren – Coole Erfahrung!“ Und diese<br />

coole Erfahrung ist uns wichtig. Sie sollen<br />

die Wagner’sche als Ort der Emotionen<br />

und Abenteuer erleben. Die Wagner’sche<br />

soll ein Ort der Erholung sein, wo man<br />

ein tauchen kann in die Welt der Bücher.<br />

Unser Bistro „1639“ soll Ihnen den Aufenthalt<br />

noch weiter versüßen und Sie kulinarisch<br />

verwöhnen. Die vielen Sitzmöglichkeiten<br />

in der Buchhandlung bieten Ihnen<br />

die Möglichkeit, in Ruhe zu schmökern,<br />

und unser Fachpersonal steht Ihnen<br />

für die richtigen Buchempfehlungen zur<br />

Verfügung. All das soll gewährleisten,<br />

dass Sie sich bei uns in der Wagner’schen<br />

wohlfühlen.<br />

Eine breit angelegte deutsche Handels-<br />

Untersuchung der Firma ShopperTrak<br />

hat ergeben, dass rund ein Viertel aller<br />

befragten Kunden ihren Einkauf schon<br />

einmal abgebrochen hat, weil die Warteschlange<br />

an der Kasse zu lang war. Kunden<br />

wünschen sich heute fortschrittlichere<br />

Lösungen, um das Anstehen an der Kasse<br />

zu umgehen. Und dazu gehöre auch, das<br />

zahlenmäßige Verhältnis zwischen Personal<br />

und Kunden während der Spitzenzeiten<br />

besser in den Griff zu bekommen. Auch<br />

wenn wir hier schon gute Arbeit geleistet<br />

haben, stockten wir unser Team zusätzlich<br />

mit vier neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern<br />

auf.<br />

Eine einzigartige Buchauswahl, tolles<br />

Service, Fachkompetenz und eine Wohlfühlatmosphäre,<br />

all das ist wichtig und<br />

wird bei uns großgeschrieben. Bei manchen<br />

Kunden hat man jetzt schon das Gefühl,<br />

sie blicken sich ganz neidisch in der Buchhandlung<br />

um und überlegen, wo sie den<br />

Herd und das Bett aufstellen würden. Diese<br />

Idee haben wir aufgegriffen und bieten<br />

neben den bereits durchgeführten Sonntags-Lunchs<br />

in der Buchhandlung auch<br />

einzelne, exklusive Lange Nächte in der<br />

Buchhandlung an. Das Besondere allerdings<br />

ist, dass diese gemeinsam mit einem<br />

Autor durch geführt werden. Es freut uns,<br />

dass wir für den ersten Termin den internationalen<br />

Bestsellerautor Ilija Trojanow<br />

gewinnen konnten. Auf rund 25 Buchliebhaberinnen<br />

und Buchliebhaber wartet daher<br />

ein unvergessliches Erlebnis, den Autor<br />

besonders hautnah und persönlich kennenzulernen.<br />

Wie immer gibt es aber auch viele<br />

andere tolle Lesungen, Buchpräsentationen<br />

und Veranstaltungen, welche das genau<br />

sind, können Sie hier im Detail nachlesen.<br />

Wir freuen uns und wünschen Ihnen<br />

nun viel Spaß beim Lesen unseres neuesten<br />

Buchmagazins!<br />

Ihr Markus Renk


Schöne alte Welt:<br />

„Kindheit in Pradl“<br />

von Josef Wallinger<br />

Neues aus der Meierei …<br />

Der Frühling ist da und somit ist auch unsere Gartenterrasse<br />

wieder offen! Was unsere Stadtgärtnerin und belesene Spitzenköchin<br />

Nina Rettenbacher alles geplant hat, wollte sie uns<br />

nicht sagen. Deshalb hat sie’s uns aufgezeichnet.<br />

ErinnE rungE n an Innsbruck<br />

Josef Wallinger<br />

Kindheit in<br />

Pradl<br />

Buch:<br />

Josef Wallinger:<br />

Kindheit in Pradl<br />

Wagner’sche, 120 S., € 9,95<br />

Buchpräsentation:<br />

Di., 9. Mai 2017, 19:30 Uhr<br />

Wagner’sche<br />

Universitätsbuchhandlung<br />

Eintritt frei!<br />

Der wöchentliche Besuch bei der Mutter<br />

oder bei der Schwester in Pradl: Man findet<br />

mit Mühe einen Parkplatz, schlendert durch<br />

die Straßen, betrachtet die Auslagen der<br />

Geschäfte, hört und sieht die herannahende<br />

Straßenbahn der Linie 3 – und schon sind sie<br />

wieder da: die Bilder vom Pradl der sechziger<br />

und siebziger Jahre, die man als Kind und<br />

Jugendlicher in diesem Stadtteil verbracht<br />

hat.<br />

Es sind diese alten Bilder, die oft wie auf<br />

Knopfdruck Erinnerungen auslösen, die<br />

ins Gedächtnis gelangen und dort für eine<br />

Weile haften bleiben. Ein Eindruck aus der<br />

Vergangenheit gesellt sich zum anderen und<br />

am Ende entsteht daraus das Gesamtbild<br />

einer Zeit, die man letztlich mit der eigenen<br />

Kindheit verbindet. So ist in mir die<br />

Grundidee gereift, auch andere mit auf die<br />

Reise durch das historische Pradl zu nehmen<br />

und dieses Viertel für die Leserinnen<br />

und Leser mit meinen ganz persönlichen<br />

Erinnerungen zu beleben.<br />

Wozu mit beinahe sechzig Jahren noch<br />

einmal derartig intensiv in die Vergangenheit<br />

eintauchen? Ganz einfach, weil es überwiegend<br />

schöne Erinnerungen sind, die im<br />

Gedächtnis bleiben. Und hat man schließlich<br />

nicht das Recht, die Kindheit einigermaßen<br />

zu verklären? Sicher, man will nicht<br />

den guten alten Zeiten nachtrauern nach<br />

dem Motto „In der Vergangenheit war alles<br />

besser“ und die dunkleren Seiten einfach<br />

wegblenden. Trotzdem gibt man sich dem<br />

nostalgischen Blick in die Vergangenheit,<br />

mit den vielen kleinen Läden in der Pradler<br />

Straße, mit den originellen, engagierten<br />

Geschäftsleuten und Angestellten, die sich<br />

ausführlich Zeit nahmen für die ihnen<br />

durchwegs noch persönlich bekannten<br />

Kunden. Instinktiv vergleicht man die damaligen<br />

Zustände mit dem Lärm und dem<br />

Stress der Einkaufszentren unserer Tage,<br />

die alle mit ihren Autos aufsuchen, anstatt<br />

wie einst ein paar Meter von der Haustüre<br />

entfernt beim Metzger, Obsthändler oder<br />

im Greißlerladen seinen täglichen Bedarf zu<br />

decken. Was damals wie heute den Charme<br />

von Pradl ausmacht, sind viele für Stadt<br />

und Land wichtige Einrichtungen: allen<br />

voran die beiden Schwimmbäder und das<br />

Tivoli-Stadion. Letzteres war insbesondere<br />

in der Zeit meiner Kindheit eine Art<br />

Kultstätte legendärer Fußballspiele des<br />

FC Wacker Innsbruck, die sich unauslöschlich<br />

ins kollektive Gedächtnis der Tiroler<br />

Fußballtiger eingebrannt haben.<br />

In meinem Buch möchte ich diese Erinnerungen<br />

auf einer Reise in die Vergangenheit<br />

teilen – mit den Angehörigen meiner<br />

Generation ebenso wie mit jenen, die nur<br />

das heutige Pradl kennen. Ihnen kann ich<br />

vielleicht einen Eindruck von der Faszination<br />

des alten Pradl vermitteln. Und ob<br />

gegenwärtig oder vergangen – Pradl ist ein<br />

Stadtteil, in dem es sich zu allen Zeiten zu<br />

leben lohnt!<br />

Unter dem Motto „Es darf nicht vergessen<br />

werden“ erscheint im Verlag der Wagner’schen<br />

Universitätsbuchhandlung ab<br />

sofort eine neue Buchreihe mit zwei Bänden<br />

im Jahr, die exklusiv in der Wagner’schen<br />

Universitätsbuchhandlung in Innsbruck<br />

erhältlich sein wird. Der Titel „Kindheit<br />

in Pradl“ von Josef Wallinger ist der erste<br />

Band dieser Reihe, die sich mit der Vergangenheit<br />

Innsbrucks befasst. In diesen<br />

Büchern sollen nicht nur Erinnerungen aus<br />

der Kindheit gebürtiger Innsbruckerinnen<br />

und Innsbrucker erzählt, sondern auch<br />

historische Themen, die die Hauptstadt<br />

Tirols geprägt haben, aufgearbeitet werden.<br />

Kennen auch Sie Innsbruck noch aus<br />

vergangener Zeit und möchten darüber<br />

berichten? Dann schicken Sie uns Ihre<br />

Geschichte in schriftlicher Fassung zu.<br />

Wir freuen uns über jedes eingesandte<br />

Manuskript!<br />

6 7<br />

Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

Buchtipps:<br />

Andrea Heistinger:<br />

Handbuch Bio-Balkongarten<br />

Löwenzahn, 304 S., € 29,90<br />

kraut & rüben:<br />

Biogärtnern so geht’s<br />

BLV, 168 S., € 20,60<br />

Christa Weinrich:<br />

Schwester Christas Mischkultur<br />

Eugen Ulmer, 176 S., € 25,60


Alles Pasta<br />

Selbermachen, kochen, genießen – so einfach geht’s!<br />

Von Anita Winkler<br />

„YOMYOM: ROCK’N’ROLL –<br />

TASTY SH*T!“<br />

Ein besonderes Kochbuch – eine besondere Buchpräsentation!<br />

Von Martin Bär<br />

Buchtipp:<br />

Julian Kutos:<br />

Simply Pasta, Pizza & Co.<br />

Einfach italienisch genießen<br />

Löwenzahn, 184 S., € 19,90<br />

Buchpräsentation<br />

und Aperitivo:<br />

Simply Pasta, Pizza & Co.<br />

Mit Julian Kutos<br />

Sa., 3. Juni 2017, ab 10:30 Uhr<br />

Wagner’sche<br />

Universitätsbuchhandlung<br />

Eintritt frei!<br />

© Wolfgang Hummer<br />

„Mit guten Zutaten kann man gar nichts<br />

Schlechtes kochen“. Diesem Leitspruch<br />

folgt Julian Kutos in seinem neuen Kochbuch<br />

„Simply Pasta, Pizza & Co.“ und verwendet<br />

für seine Rezepte nur einfache, saisonale<br />

und biologische Produkte. Das sieht und<br />

schmeckt man, und es geht doch nichts über<br />

einen Wochenendeinkauf am Bauernmarkt,<br />

bei dem man sich vom Duft frischer Lebensmittel<br />

für sein nächstes Pastagericht inspirieren<br />

lassen kann. Damit die Sauce perfekt zu<br />

den Nudeln passt, verrät uns der Italien-Fan<br />

hier ein paar Tipps.<br />

Frische Pasta wird aus ganzen Eiern oder<br />

nur Eidottern, Weizenmehl oder Hartweizengrieß<br />

zubereitet und ist die ideale Ergänzung<br />

zu allen cremigen Saucen, die auf Butter,<br />

Milch, Käse oder Schlagobers basieren:<br />

Gnocchi mit Butter, Pasta alle noci oder<br />

mit Gorgonzolasauce. Getrocknete Pasta,<br />

die meistens nur aus Hartweizengrieß und<br />

Wasser besteht, liebt im Gegensatz zur<br />

frischen Pasta Saucen, die auf Olivenöl<br />

basieren, wie Pesto, Pasta al limone oder<br />

eine einfache Tomatensauce.<br />

Welche Pasta passt<br />

zu welcher Sauce?<br />

Aber auch die Form der Pasta ist entscheidend<br />

bei der Wahl der Sauce. Man<br />

unterscheidet grob drei Gruppen: lange,<br />

kurze und gefüllte Pasta. Lange Pasta sind<br />

alle langen Nudeln in unterschiedlicher<br />

Breite: Spaghetti, Tagliatelle, Fettucine<br />

oder die breiten Papardelle. Papardelle<br />

und Tagliatelle sind ideal für Ragouts und<br />

andere schwere Fleischsaucen. Dünne Pasta<br />

wie Linguini oder Spaghetti passen perfekt<br />

zu Pestos oder Meeresfrüchten. Kurze<br />

Pastasorten sind nur einige Zentimeter<br />

groß, rund, eckig oder in anderen Formen<br />

verfügbar. Beispiele dafür sind Penne,<br />

Orecchiette, Trofie oder Farfalle. Diese Art<br />

von Pasta fängt grobe Stücke von Saucen<br />

wie Fleischragout oder Gemüsestücke sehr<br />

gut auf. Gefüllte Pasta wird aus frischem<br />

Nudelteig in unterschiedlichen Formen<br />

hergestellt. Beispiele dafür sind Ravioli,<br />

Tortelloni, Cannelloni, Cappelletti und viele<br />

andere. Diese können sowohl mit leichten<br />

als auch mit schweren Zutaten gefüllt<br />

werden.<br />

Generell gilt noch: Schwere Saucen<br />

harmonieren mit großen Pastasorten. Feine<br />

und zarte Saucen sollte man bevorzugt mit<br />

kleiner Pasta kombinieren.<br />

Basta mit Pasta? In Julian Kutos’ neuem<br />

Kochbuch gibt es nicht nur herrliche Nudelgerichte,<br />

sondern auch Rezepte für kleine<br />

Häppchen und spritzige Drinks für den<br />

typisch italienischen Aperitivo, wunderbar<br />

knusprige Pizza-Rezepte und viele weitere<br />

Ideen, die das italienische Lebensgefühl zu<br />

Ihnen nach Hause bringen.<br />

Buon appetito!<br />

Sie möchten Julian Kutos<br />

persönlich kennenlernen und<br />

noch mehr Tipps und Tricks<br />

von ihm erfahren? –<br />

Dann merken Sie sich diese<br />

Termine unbedingt vor!<br />

Koch-Workshop:<br />

Simply Pasta, Pizza & Co.<br />

Mit Julian Kutos<br />

Fr., 2. Juni 2017, 17–19 Uhr<br />

Meierei-Küche im 1. Stock<br />

der Wagner’schen Universitätsbuchhandlung<br />

Kursgebühr: € 69,–<br />

Der Workshop findet ab<br />

4 TeilnehmerInnen statt und<br />

ist auf 8 Personen begrenzt.<br />

Bitte rechtzeitige Anmeldung:<br />

martin.baer@wagnersche.at<br />

8 9<br />

Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

„Jessas, was ist denn das?“ dachte ich mir,<br />

als ich das ein Mail von 38.5 Agentur.Studios<br />

erhielt. Darin wurde ein Kochbuch angekündigt<br />

mit obigem, doch sehr ungewöhnlichem<br />

Titel. Die Neugier war, wie beabsichtigt,<br />

geweckt, und ich schaute mir das genauer<br />

an. Bald schon hatte ich ein Exemplar dieses<br />

sehr gelungenen Kochbuchs in der Hand, und<br />

nach einem Treffen mit den Machern war<br />

klar: cooles Buch, coole Autoren, also wird<br />

das Buch bei uns vorgestellt!<br />

Christoph Hasibeder, Fotograf und<br />

Besitzer der 38.5 Agentur.Studios in<br />

Innsbruck, und Peter Wiedner, Spitzenkoch<br />

aus Kärnten (zuletzt im Interalpen<br />

Hotel Tyrol), kennen sich schon eine Weile.<br />

Christoph wollte schon seit längerer Zeit<br />

ein Kochbuch realisieren – Peter war sofort<br />

dabei und holte Stefan Kohl, prämierter<br />

Koch mit steirischen Wurzeln, auch mit<br />

Interalpen Hotel Tyrol-Vergangenheit, mit<br />

ins Boot. Alle drei verbindet die Leidenschaft<br />

für gutes Essen. Peter und Stefan<br />

sind Haubenköche und Christoph Fotograf<br />

mit einem Studio samt Küche, sodass<br />

im Frühjahr 2016 bei einem gemeinsamen<br />

Mittagessen der Startschuss für YOMYOM<br />

fiel.<br />

TASTY SH*T<br />

Es geht um Geschmack – deshalb<br />

YOMYOM. Es sind ausschließlich Gerichte,<br />

von denen Peter, Christoph und Stefan<br />

begeistert sind – eine Sammlung ihrer Favorites.<br />

Aus diesem Grund stellen sie auch<br />

unterschiedliche Ansprüche an Koch und<br />

Küche. Manche Rezepte sind einfach und<br />

recht schnell zubereitet, andere wiederum<br />

erfordern Zeit und grundlegende Kochkenntnisse.<br />

Sehr vielfältig sind die Rezepte:<br />

„Waller in asiatischer Hühnersuppe mit<br />

Kren“ und „Erdnusskaramellcreme mit<br />

Sojamilchreis, Stangensellerie & Mango“<br />

werden ebenso wie „Kärntner Kasnudeln<br />

mit brauner Butter und Schnittlauch“<br />

und „Topfenknödel mit Holunderkoch<br />

& Gelee“ präsentiert.<br />

100 % Selfmade<br />

YOMYOM ist zu 100 % selfmade. Jedes<br />

Gericht wurde in den 38.5 Agentur.Studios<br />

in Innsbruck gemeinsam gekocht, gestyled,<br />

fotografiert und anschließend verspeist.<br />

In denselben Räumlichkeiten wurde<br />

YOMYOM anschließend grafisch und<br />

textlich aufbereitet und verlegt.<br />

Da haben ziemlich coole Typen ein<br />

ziemlich cooles Kochbuch gemacht, ich<br />

bin beeindruckt! Und deshalb gibt’s bei<br />

uns eine ziemlich coole Buchpräsentation:<br />

Christoph Hasibeder und Stefan Kohl werden<br />

Kostproben aus dem Buch kredenzen,<br />

über das Buch und die Rezepte sprechen,<br />

und dazu wird Daniel Ribis von der Privatkellerei<br />

Vinoribis uns rebellische Weine in<br />

Rot und Weiß reichen:<br />

• REBELL – Aufstand in Weiß:<br />

Grüner Veltliner, Weißburgunder,<br />

Gelber Muskateller. 2014. Weingut<br />

Dürnberg – Weinviertel. Duftig,<br />

schmelzig, würzig.<br />

• REBELL – Aufstand in Rot:<br />

Merlot, Cabernet Sauvignon,<br />

St. Laurent. 2013. Hans Schwarz –<br />

Neusiedlersee. Dunkel, dicht, samtig.<br />

Dazu die passende Musik, und fertig sind<br />

die Zutaten für einen gelungenen kulinarischen<br />

Abend.<br />

© Christoph Hasibeder<br />

Buchtipp:<br />

Christoph Hasibeder,<br />

Peter Wiedner:<br />

YomYom – Rock‘n‘Roll Tasty Shit<br />

38.5 Agentur Studio,<br />

S. 184, € 49,50<br />

Buchpräsentation:<br />

Buchpräsentation mit Verkostung<br />

von Speis (4 Gänge) und<br />

Trank (Wein von Vinoribis)<br />

Di., 25. April, 19:30 Uhr<br />

Wagner’sche<br />

Universitätsbuchhandlung<br />

Unkostenbeitrag € 15,–<br />

Begrenzte Teilnehmerzahl,<br />

bitte Anmeldung unter<br />

martin.baer@wagnersche.at


Warme Füße fürs Gemüse<br />

Doris Kampas ist die richtige Ansprechpartnerin,<br />

wenn es darum geht, einen Garten in ein lebendiges<br />

und essbares Paradies zu verwandeln. Im Gespräch<br />

mit Anita Winkler<br />

Fit in<br />

den Tag<br />

Warme Ideen<br />

zum Frühstück!<br />

Superfoods<br />

regional<br />

Buchtipp:<br />

Doris Kampas:<br />

Biogärten gestalten<br />

Das große Planungsbuch<br />

Löwenzahn, 440 S., € 39,90<br />

Workshop:<br />

„Biogärten gestalten“<br />

Mit Doris Kampas<br />

Fr., 9. Juni 2017, 15 – 17 Uhr<br />

Wagner’sche<br />

Universitätsbuchhandlung<br />

Um Anmeldung unter<br />

ratgeber@wagnersche.at<br />

wird gebeten.<br />

Eintritt frei!<br />

© Rita Newman<br />

Die Agrarwissenschaftlerin hat sich auf<br />

Biogärten spezialisiert, genauer gesagt<br />

auf die Planung und Gestaltung von Obstund<br />

Gemüsegärten. In ihrem neuen Buch<br />

„Biogärten gestalten“ lässt sie uns an<br />

ihrem Erfahrungsschatz teilhaben. Anfänger<br />

finden hier konkrete und anschauliche<br />

Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Profis<br />

können sich neue Inspirationen für ihre<br />

Planungen holen.<br />

Ein Blick in Ihr Buch lässt einen<br />

ungläubig staunen, über wie viel<br />

Wissen Sie im Bereich „Biogärten<br />

gestalten“ verfügen. Wie ist es<br />

dazu gekommen, dass Sie sich auf<br />

Nutzgärten spezialisiert haben?<br />

Mir waren immer schon bunte Gemüsebeete<br />

und üppige Beerensträucher lieber<br />

als akkurat getrimmte Rasenflächen und<br />

Thujenhecken. Da steckt mehr Leben drin<br />

und es gibt nichts Besseres, als Bio-Gemüse<br />

und Obst aus dem eigenen Anbau zu<br />

ernten – und zu genießen. Dieses Gefühl<br />

ist unbeschreiblich und erfüllt mich immer<br />

wieder mit großer Freude! Außerdem kann<br />

ich einfach vor meine Haustüre gehen und<br />

habe schon die Zutaten für eine köstliche<br />

Mahlzeit zur Hand, praktischer geht’s nicht.<br />

Kann jeder einen schönen Obstund<br />

Gemüsegarten haben?<br />

Die zwei wertvollsten Güter sind immer<br />

Zeit und Fläche! Egal ob Sie eine Terrasse,<br />

einen kleinen Balkon oder eine große grüne<br />

Wiese vor sich haben, denen Sie Leben einhauchen<br />

möchten – wer einen Garten neu<br />

anlegen oder seinen vorhandenen umgestalten<br />

möchte, der braucht erprobte Tipps und<br />

Erfahrungswissen, damit klassische Anfangsfehler<br />

vermieden werden. Schließlich<br />

soll es am Ende nicht nur schön, sondern<br />

auch praktisch und vor allem ertragreich<br />

sein! Und Sie müssen sich im Vorfeld eine<br />

ganz ehrliche Antwort auf die Frage geben:<br />

Wie viel Zeit habe ich? Auch wenn es pflegeleichte<br />

Varianten gibt, ein gewisses Maß an<br />

Arbeit und Aufmerksamkeit müssen Sie jedem<br />

Garten widmen, damit er gedeiht und<br />

Ihnen das erwünschte Ernteglück bringt.<br />

Man möchte also einen<br />

Gemüsegarten oder ein Hochbeet<br />

sein Eigen nennen, geht hochmotiviert<br />

ins Gartencenter und kauft zu Beginn<br />

viel teures Equipment, Werkzeuge,<br />

Samen und Jungpflanzen – stellt aber<br />

relativ bald fest: Die erhoffte Ernte<br />

bleibt aus! Was raten Sie den Neo-<br />

BiogärtnerInnen?<br />

Aus meinen zahlreichen Workshops ist mir<br />

diese Problematik sehr vertraut. Da steht<br />

nun also das funkelnagelneue Hochbeet<br />

oder das Gemüsebeet liegt vor Ihnen mit<br />

der besten Erde, aber welche Pflanzen soll<br />

man denn wann setzen und wie wachsen sie<br />

am besten? Mir ist es besonders wichtig, die<br />

Menschen an diesem Punkt mit ihrem neu<br />

gestalteten Garten nicht allein zu lassen. In<br />

meinem Buch widme ich deshalb auch ein<br />

ganzes Kapitel dem Thema „Erfolgreich anbauen<br />

– große Ernte rund ums Jahr“. Eine<br />

sorgfältige Anbauplanung ist nämlich unerlässlich.<br />

Und dazu braucht man – insbesondere<br />

als Anfänger – konkrete Anleitungen<br />

und Beispiele für die optimale Ausnutzung<br />

der Fläche und die richtige Kombination<br />

der Pflanzen in Mischkultur.<br />

Abschließend noch eine Frage:<br />

In Ihrem Buch beschreiben Sie die<br />

„Fußbodenheizung“ für den Garten,<br />

was genau ist damit gemeint?<br />

Ich finde, wir sollten auch die kälteren<br />

Saisonen zum Gemüseanbau nutzen. Schon<br />

eine kleine Anbaufläche ermöglicht es, im<br />

Winter frische Vitamine aus dem Garten in<br />

die Küche zu holen. Es gibt viele Gemüsesorten,<br />

die mit etwas Kälteschutz gut<br />

gedeihen. Eine im Grunde althergebrachte,<br />

jedoch in Vergessenheit geratene Technik<br />

ist das Mistbeet bzw. die weiterentwickelte<br />

Form davon. Aus rein natürlichen Materialen<br />

selbst gemacht, findet diese Fußbodenheizung<br />

in jedem Garten und Beet<br />

Platz und sorgt für kleine Wunder – frische<br />

Salaternte mitten im Winter.<br />

Lassen Sie sich beim Workshop<br />

„Biogärten gestalten“ Tipps von der<br />

Expertin für Ihren Traum vom eigenen<br />

Biogarten geben!<br />

10 11<br />

Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

Fällt Ihnen das Aufstehen auch oft schwer?<br />

Haben Sie manchmal das Gefühl, schon<br />

müde zu sein, noch bevor Sie in der Arbeit<br />

angekommen sind? Oder haben Sie das warme<br />

Frühstück bereits für sich entdeckt und<br />

brauchen Abwechslung vom „Breierlei“?<br />

Julia Waldhart weiß als Shiatsu-Praktikerin,<br />

wie gut ein warmes Frühstück für Körper,<br />

Geist und Seele ist, und stellt in ihrem neuen<br />

Buch 70 süße und pikante Rezepte vor.<br />

„Mein gesundes, warmes Wohlfühlfrühstück“<br />

bietet Abwechslung für jeden Tag<br />

und wird selbst hartnäckige Frühstücksmuffel<br />

auf den Geschmack bringen. In<br />

der Wagner’schen Buchhandlung lädt die<br />

Autorin zu einem Workshop ein, bei dem<br />

Interessierte erfahren, wie sich wohltuende<br />

Wärme von innen positiv auf unseren<br />

Alltag auswirken kann. Sie erfahren, welche<br />

Zutaten besonders wärmend sind, was die<br />

Traditionelle Chinesische Medizin damit<br />

zu tun hat und wie sich auch mit verschlafenem<br />

Blick im Handumdrehen ein feines<br />

Frühstück zubereiten lässt. Verkostet wird<br />

natürlich auch gleich vor Ort! In Zukunft<br />

werden Sie dank Apfelstrudel-Porridge, Vanillereis<br />

mit Früchtemus, Miso-Suppe oder<br />

Heidelbeer-Cerealien-Drink das Aufstehen<br />

gar nicht mehr erwarten können!<br />

© Rita Newman<br />

Ist es möglich, dass die Lebensmittel, die<br />

vor unserer Türe, auf unseren Feldern,<br />

in unseren Gärten wachsen, viel spannender<br />

und abwechslungsreicher sind als wir<br />

denken? Dass sie wesentlich mehr oder mindestens<br />

genauso viele gesunde Inhaltsstoffe<br />

enthalten wie die derzeit als Superfoods<br />

gepriesenen „Zauberfrüchte“ vom anderen<br />

Ende der Welt? Dass noch viel mehr<br />

in ihnen steckt, als wir bisher vielleicht<br />

geahnt haben? Es ist tatsächlich so, dass das<br />

Gute, das Beste für uns ganz nah liegt. Wir<br />

müssen nur bewusster hinschauen. Andrea<br />

Fičala möchte Sie in „Superfoods. Einfach<br />

& regional“ gerne auf eine Entdeckungsreise<br />

mitnehmen und Ihre Aufmerksamkeit<br />

auf unsere heimischen Schätze und deren<br />

beeindruckenden inneren Werte lenken. Mit<br />

Superfoods wie unseren herrlichen Beeren,<br />

unseren köstlichen Samen und Nüssen oder<br />

unseren unzähligen grünen Blattgemüsen<br />

gibt es nämlich gesunde Ernährung, die<br />

umweltschonend, günstig und vor allem<br />

richtig schmackhaft ist! Andrea Fičala ist<br />

Ernährungswissenschafterin und ausgebildete<br />

Köchin. Sie weiß also nicht nur um<br />

die positiven Wirkungen unserer Nahrung,<br />

sondern vor allen Dingen auch, wie man<br />

sie mit Geschmack und Freude zubereitet!<br />

Entdecken Sie mit ihr die bunte Palette österreichischer<br />

Superzutaten und lassen Sie<br />

sich von den Vorteilen überzeugen.<br />

© Sonja Priller<br />

Buchtipps:<br />

Julia Waldhart:<br />

Mein gesundes, warmes<br />

Wohlfühlfrühstück<br />

Löwenzahn, 160 S., € 19,90<br />

Andrea Fičala:<br />

Superfoods einfach & regional<br />

Löwenzahn, 240 S., € 29,90<br />

Workshops:<br />

Mein gesundes,<br />

warmes Wohlfühlfrühstück<br />

Mit Julia Waldhart<br />

Fr., 31. März 2017, 15 – 17 Uhr<br />

Wagner’sche<br />

Universitätsbuchhandlung<br />

Teilnahmegebühr: € 29,–. Darin<br />

ist das Buch „Mein gesundes,<br />

warmes Wohlfühlfrühstück“<br />

von Julia Waldhart enthalten.<br />

Superfoods einfach & regional<br />

Mit Andrea Fičala<br />

Fr., 19. Mai 2017, 15 – 17 Uhr<br />

Wagner’sche<br />

Universitätsbuchhandlung<br />

Teilnahmegebühr: € 35,–.<br />

Darin ist das Buch „Superfoods<br />

einfach & regional“ von Andrea<br />

Fičala enthalten.<br />

Um Anmeldung wird gebeten:<br />

m.bauer@vhs-tirol.at,<br />

T. +43 512 588882-13.<br />

Workshops in Kooperation mit<br />

der Volkshochschule Tirol


Auf den Spuren<br />

eines Unbeschriebenen …<br />

Zum neuen Buch über den Landesfürsten<br />

Erzherzog Ferdinand II. Von Michael Forcher<br />

Buchtipp:<br />

Michael Forcher:<br />

Erzherzog Ferdinand II.<br />

Landesfürst von Tirol<br />

Haymon, ca. 260 S., ca. € 19,90<br />

Erscheint im September 2017!<br />

© Fotowerk Aichner<br />

In der Tiroler Geschichtsschreibung gibt es<br />

ein Phänomen. Während es über Philippine<br />

Welser – Sie wissen schon: Schloss Ambras,<br />

eine bürgerliche Kaufmannstochter<br />

als Frau des Tiroler Landesfürsten – jede<br />

Menge Bücher gibt, Fachbücher und<br />

Romane, ist das einzige Buch über ihren<br />

Mann, Erzherzog Ferdinand II., nirgends<br />

zu bekommen. Denn es ist schon vor 130<br />

Jahren erschienen. Kaum zu glauben. Dabei<br />

hat der Habsburger eine wichtige Epoche<br />

der Geschichte unseres Landes wesentlich<br />

mitgestaltet, hat als Kunstmäzen und<br />

Sammler überregionale Bedeutung und ist<br />

eine überaus interessante, schillernde und<br />

spannende Persönlichkeit. Man könnte<br />

auch einen Roman daraus machen.<br />

Man könnte, ich kann es nicht. Ich versuche<br />

Tiroler Geschichte meinen Lesern zwar<br />

auch erzählerisch nahezubringen, aber ich<br />

bin gelernter Historiker und halte mich an<br />

belegbare Fakten. Ich erfinde nichts dazu,<br />

lasse offen, wenn man etwas nicht weiß,<br />

sage es, wenn man die historischen Quellen<br />

verschieden interpretieren kann. Im Idealfall<br />

kann man Geschichte in Geschichten<br />

auflösen, es gibt sie zur Genüge, spannende,<br />

tragische, lustige, kuriose. Aber das<br />

funktioniert nicht immer. Und sie müssen<br />

schon etwas aussagen, bloße „Gschichtln“<br />

genügen nicht. Und wenn man nicht an der<br />

Oberfläche der Ereignisse hängen bleiben<br />

will, müssen Zusammenhänge, Hintergründe<br />

und Probleme dazwischen auch einmal<br />

sachlich und nüchtern dargestellt werden.<br />

Aber auch das kann so geschrieben sein,<br />

dass es locker zu lesen ist und nicht nur<br />

Fachleute verstehen. Diesen Anspruch finde<br />

ich bei vielen guten historischen Sachbüchern<br />

erfüllt. Lassen Sie sich eines empfehlen.<br />

Wetten, dass es nicht lange auf Ihrem<br />

Nachkastl liegen wird.<br />

12 13<br />

Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

Aber zurück zu unserem Erzherzog Ferdinand<br />

II, dem heuer eine große Ausstellung<br />

auf Schloss Ambras gewidmet sein wird.<br />

Denn vor 450 Jahren, am 17. Jänner 1567,<br />

ist er mit großem Gefolge in Innsbruck<br />

eingezogen und hat dann 28 Jahre lang<br />

Tirol regiert. Gestorben ist er am 24. Jänner<br />

1595. Sein Grab befindet sich in der Silbernen<br />

Kapelle der Hofkirche. Auch seine Gattin<br />

ist dort begraben. Es ist jene Philippine<br />

Welser, die der Erzherzog während seiner<br />

Amstzeit als Statthalter in Prag heimlich<br />

geheiratet hat, eine Augsburgerin aus der<br />

berühmten Kaufmannsfamilie. Für sie hat<br />

er die alte Ritterburg über dem Dorf Amras<br />

gekauft und zum prächtigen Renaissanceschloss<br />

ausbauen lassen.<br />

In diesem simplen Absatz sind mehrere<br />

(wahre) Geschichten über Erzherzog<br />

Ferdinand versteckt. Eine betrifft seinen<br />

Einzug in Innsbruck. Da gab es nämlich<br />

peinliche Pannen. Die Begrüßungsrede<br />

musste entfallen, weil sie der Weihbischof<br />

von Brixen halten sollte, der aber kein<br />

Deutsch konnte und der Erzherzog weder<br />

auf italienisch noch auf lateinisch begrüßt<br />

werden wollte. Und der anschließend am<br />

Programm stehende Psalm, der von der<br />

Priesterschaft gesungen werden sollte,<br />

musste auch gestrichen werden, weil der<br />

Klerus – wie sich offenbar zu spät herausstellte<br />

– dazu nicht fähig war. Was könnte<br />

besser die innerkirchlichen Zustände zu<br />

jener Zeit illustrieren: ein Weihbischof der<br />

rein deutsprachigen Diözese Brixen, der<br />

kein Deutsch konnte, und schlecht ausgebildete<br />

Priester.<br />

Hier ist nur der Platz, noch eine zweite<br />

Geschichte kurz anzuschneiden (im Buch<br />

erzähle ich schon genauer, keine Sorge):<br />

Erzherzog Ferdinand II. wurde erst 1576<br />

vom feierlichen Versprechen gelöst, seine<br />

Ehe geheimzuhalten. Er hatte als 28-jähriger<br />

Statthalter von Böhmen ohne Wissen<br />

seines Vaters, des böhmischen und deutschen<br />

Königs Ferdinand I., die aus einer<br />

Augsburger Kaufmannsfamilie stammende,<br />

zwei Jahre ältere Philippine Welser geheiratet,<br />

musste dies seinem königlichen Vater<br />

zwei Jahre später beichten und konnte<br />

dessen Zorn nur besänftigen, indem er<br />

gelobte, diese nicht standesgemäße Ehe<br />

„ewiglich“ geheim zu halten. Diese „Schande“<br />

sollte nur ja keinen Schatten auf die<br />

Habsburgerdynastie werfen. So hat selbst<br />

bei Freunden des Fürsten – auch dann in<br />

Tirol – seine Ehefrau als bloße „Beischläferin“<br />

gegolten. Dabei wusste jeder, dass er<br />

zwei Buben mit ihr hatte und sich mehr in<br />

Philippines Schloss Ambras aufhielt als in<br />

seiner Hofburg. Als es 1576 darum ging,<br />

dem älteren Sohn Andreas, der von der<br />

Nachfolge ausgeschlossen war, die Kardinalswürde<br />

zu verschaffen, löste der Papst<br />

dieses Gelöbnis. Ein uneheliches Kind hätte<br />

damals weder Priester noch etwas höheres<br />

in der Kirche werden können! Ein Glück<br />

für Philippine, die noch vier Jahre lang – sie<br />

starb 1580 – Ferdinands eheliche Gemahlin<br />

sein durfte. Eigentlich sind das sogar mehrere<br />

Geschichten …<br />

„Man könnte auch einen Roman daraus machen.<br />

Man könnte, ich kann es nicht. Ich versuche Tiroler<br />

Geschichte meinen Lesern zwar auch erzählerisch<br />

nahezubringen, aber ich bin gelernter Historiker<br />

und halte mich an belegbare Fakten.“<br />

Aber ich will nicht selber in den Fehler<br />

verfallen, Ferdinand über Philippine und<br />

seine privaten Verhältnisse zu definieren.<br />

Er war ein bedeutender Fürst. Seine<br />

unter ihm erlassenen Gesetze – darunter<br />

eine Schulordnung – mögen nur von<br />

historischem Interesse sein. Aber nicht<br />

zuletzt seine Maßnahmen zur Reform der<br />

kirchlichen Organisation und Belebung<br />

katholischer Frömmigkeit (bekannt unter<br />

dem Begriff „Gegenreformation“), ließen<br />

den Kirchenhistoriker Josef Gelmi sagen,<br />

es sei „weitgehend den Habsburgern zu<br />

verdanken, dass Tirol katholisch geblieben<br />

ist“. Und Erzherzog Ferdinands Freude an<br />

der damals modernen Architektur, seine<br />

Hofmusik und die nach Innsbruck geholten<br />

Starkomponisten ihrer Zeit, seine Leistungen<br />

als Förderer der Künste jeder Art sowie<br />

– nicht zuletzt – sein Sammeln exquisiter<br />

und kurioser Dinge aus Kunst und Natur<br />

haben eine Strahlkraft, die unsere Zeit<br />

erreicht und Hunderttausenden Menschen<br />

kulturellen Genuss bereitet.<br />

Buchtipps:<br />

Michael Forcher:<br />

Tirol und der Erste Weltkrieg<br />

Haymon, 448 S., € 13,95<br />

Michael Forcher:<br />

Stift Stams<br />

Haymon, 360 S., € 29,90


Reclam goes China<br />

China verstehen und genießen —<br />

in 100 Kapiteln. Von Robert Renk<br />

Das Programm<br />

des 15. Prosafestivals<br />

Ein kleines Jubiläum mit ganz besonderen Gästen.<br />

Donnerstag, 6. April<br />

Stadtbücherei<br />

Freitag, 7. April<br />

Wagner’sche<br />

Samstag, 8. April<br />

Freies Theater Innsbruck<br />

1 Jonas Lüscher (CH)<br />

2 Dana Grigorcea (CH/RUM)<br />

3 Markus Mittmansgruber (A)<br />

4 Markus Binder (A)<br />

5 Thomas Meinecke (D)<br />

6 Ágnes Czingulszki (A/HUN)<br />

7 Lorenz Langenegger (CH)<br />

8 Mascha Dabic (A/BOS-H)<br />

9 Joachim Zelter (D)<br />

10 Petra Piuk (A)<br />

11 <strong>No</strong>ra Gomringer (CH/D)<br />

Abschluss: DJ Thomas Meinecke<br />

<strong>No</strong>ch selten habe ich einen Kunden so<br />

freudig in unsere Buchhandlung stürzen<br />

sehen: Er möchte unbedingt dieses Buch<br />

aus der Auslage, unglaublich, dass es das<br />

nun auf deutsch gibt. Er habe es als Kind<br />

verschlungen und nun sollen es seine<br />

Kinder auch lesen dürfen. Seine Kindheit<br />

hat er in China verbracht und dass nun<br />

seine Kinder „Die Reise in den Westen“<br />

auf deutsch lesen können, das verdanken<br />

wir dem Reclam Verlag.<br />

Der hat dieses Mammutwerk aus dem<br />

16. Jahrhundert erstmals komplett editiert<br />

und durch Eva Lüdi Kong kongenial ins<br />

Deutsche übertragen lassen. In 10-jähriger<br />

Buchtipp:<br />

Übersetzung: Lüdi Kong, Eva:<br />

Die Reise in den Westen<br />

Reclam, 1320 S., € 90,50<br />

Arbeit ist es ihr gelungen, die überraschend<br />

komischen Seiten dieses Werkes unprätentiös<br />

und kurzweilig zu übersetzen.<br />

Denn wer glaubt, dieses Hauptwerk<br />

der klassischen chinesischen Literatur sei<br />

verstaubt, betulich und ironiefrei, der irrt<br />

sich.<br />

Die Geschichte um den witzig-rebellischen<br />

Affenkönig Sun Wukong, der,<br />

gemeinsam mit dem abstinenten buddhistischen<br />

Priester Tripitaka, einem gruselig<br />

aussehenden Sandmönch und dem unersättlichen<br />

Eber Bajie, zu einer vierzehnjährigen<br />

Reise in den Westen aufbricht, um<br />

„das Antlitz Buddhas zu schauen und die<br />

Heiligen Schriften ins unmoralische China<br />

zu erlangen“, steckt so voller <strong>No</strong>nsens,<br />

Schönheit, Phantasie und Satire, gespickt<br />

mit starkem Martial-Arts-Szenen und<br />

mythisch-poetischen Passagen, als hätten<br />

Homer, Cervantes, Dante und die Gebrüder<br />

Grimm an einem gemeinsamen Werk<br />

gearbeitet.<br />

Der Dichter Wu Cheng’en hat im<br />

16. Jahrhundert mit diesem Roman viele<br />

Überlieferungen und Volksmärchen zusammengebracht.<br />

„Die Reise in den Westen“<br />

wirkt bis heute in alle Formen der<br />

chinesischen Populärkultur – von Film<br />

und Oper bis in die Mangas – nach.<br />

Die hundert abenteuerlichen Kapitel<br />

werden von ebenso vielen Holzschnitten<br />

nach alten Ausgaben harmonisch begleitet.<br />

Ein Prachtwerk!<br />

Der Reclam Verlag,<br />

der gerade 150-jähriges<br />

Jubiläum feiert,<br />

glänzt auch noch<br />

mit dieser wirklich<br />

günstigen zweibändigen<br />

Prachtausgabe<br />

im Schuber:<br />

Reclams Buch der deutschen<br />

Gedichte, 2 Bde.:<br />

Vom Mittelalter bis ins<br />

21. Jahrhundert<br />

Hrsg. Heinrich Detering,<br />

Reclam, 998 S., € 40,10<br />

Prächtiges zu<br />

China gibt’s auch im<br />

Insel Verlag:<br />

Luo Guanzhong:<br />

Die drei Reiche<br />

Insel, 2 Bde. im Schuber<br />

Übersetzung: Eva Schestag<br />

S. 864, € 101,80<br />

ágnes czingulszki<br />

ich dachte<br />

an siracusa<br />

erzählungen<br />

Debüt aus<br />

Innsbruck<br />

<br />

Mit virtuoser Leichtigkeit spielt<br />

Ágnes Czingulszki in ihrem<br />

Prosadebüt mit teilweisen Innsbruck-Bezügen<br />

mit der Sprache,<br />

ihr Stil lässt einen staunen.<br />

Keine der 13 Kurzgeschichten,<br />

die nicht unter die Haut geht.<br />

Die gebürtige Ungarin, zweisprachig<br />

aufgewachsen, schöpft<br />

aus einem unendlichen Repertoire<br />

an Allegorien und Metaphern.<br />

„Ich dachte an Siracusa“<br />

ist eine helle Freude, ein Buch,<br />

das man gelesen haben muss.<br />

Die Autorin selbst ist ein<br />

Versprechen für die Zukunft.<br />

Unbedingte Leseempfehlung!<br />

Markus Koschuh<br />

Ágnes Czingulszki:<br />

Ich dachte an Siracusa<br />

edition exil, 153 S., € 12,40<br />

Attwenger<br />

goes Prosa<br />

Der Schlagzeuger und Texter<br />

von Attwenger legt hier einen<br />

Prosa-Band vor, der ebenso eigenwillig<br />

ist, wie die Musik, die<br />

er macht. Die zwei Protagonisten<br />

reisen, gehen aus, lieben sich<br />

und landen schließlich in einem<br />

Bett in einem Möbelhaus. Das<br />

ist der Plot, doch viel wichtiger<br />

sind ihre Beobachtungen. Die<br />

sind kritisch und witzig, mal in<br />

Dialog-, mal in Songtextform.<br />

Da treffen gereimte Vierzeiler<br />

auf geschliffene Miniaturen<br />

und abwegige Geschichten und<br />

alles hat den Binder-Signature-Sound.<br />

Markus Köhle<br />

Markus Binder:<br />

Teilzeitrevue<br />

Verbrecher Verlag, 232 S., € 16,50<br />

Straucheln im<br />

Silicon Valley<br />

Ein deutscher Rhetorikprofessor<br />

sitzt in Stanford und<br />

sucht die beste Antwort auf<br />

die Theodizee zu formulieren,<br />

um eine Million Dollar zu<br />

gewinnen. Meisterhaft erzählt<br />

Jonas Lüscher einen tiefgreifenden<br />

Gesellschaftsroman. Ins<br />

Zentrum der elektronischen<br />

Weltmacht schickt er den Altliberalen<br />

Richard Kraft, der Geld<br />

braucht und ins Straucheln gerät.<br />

Er soll für den Optimismus<br />

eintreten, aber seine Lebensgeschichten<br />

und die politischen<br />

Entwicklungen sind dabei nicht<br />

hilfreich.<br />

Klaus Zeyringer<br />

Jonas Lüscher:<br />

Kraft<br />

C.H.Beck 237 S., € 20,60<br />

<strong>No</strong>ch ein<br />

Debüt<br />

In diesem Romandebüt schauen<br />

wir einen Tag lang der Dolmetscherin<br />

<strong>No</strong>ra Kant (30) über die<br />

Schulter. <strong>No</strong>ra arbeitet in einem<br />

Therapiezentrum für traumatisierte<br />

Flüchtlinge. Sie hat dort<br />

ausnahmslos Sprachrohr zu<br />

sein und muss dass Gehörte<br />

möglichst reibungslos in die<br />

jeweilige Sprachform bringen.<br />

Das nimmt natürlich mit. Doch<br />

<strong>No</strong>ra ist hart im Nehmen, ist<br />

direkt, hat ihre Einstellungen zu<br />

Emanzipation und neoliberale<br />

Gesellschaft und ist sympathisch.<br />

Ein wichtiges Thema –<br />

eine überzeugende Umsetzung.<br />

Markus Köhle<br />

Mascha Dabić:<br />

Reibungsverluste<br />

Edition Atelier, 152 S., € 18,–


© Isolde Ohlbaum<br />

Buchtipp:<br />

Thomas Meinecke:<br />

Selbst<br />

Suhrkamp, 472 S., € 25,70<br />

Lesung:<br />

Thomas Meinecke liest im<br />

Rahmen des 15. Prosafestivals<br />

am Freitag, den 7. April in der<br />

Wagner’schen!<br />

Es sind<br />

Fantum<br />

und Neugier,<br />

die mich<br />

antreiben.<br />

Thomas Meinecke<br />

16 Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

Wie viele Buchseiten braucht es, um rechtzeitig<br />

zur Party kommen und den Zusammenhang<br />

von Bettina von Arnim, Miley<br />

Cyrus und Hélène Cixous zu verstehen?<br />

Mir ging es beim Lesen von<br />

„Selbst“ so, dass ich alles darin<br />

Angesprochene sofort nach- und<br />

weiterlesen wollte und doch ist es<br />

ein abgeschlossener Roman, und<br />

in diesem Changieren zwischen<br />

Ausgreifen und Fertig-Sein hat sich<br />

der Reiz der Lektüre entwickelt.<br />

Leuchtet mir total ein. Es fließt ineinander<br />

und vermischt sich und bildet dann irgendwelche<br />

unvorhersehbar gewesene neue<br />

Aggregatzustände. Klingt jetzt sehr abstrakt,<br />

aber im Grunde ist es das experimentelle<br />

Auffahren von erstmal sehr heterogen<br />

wirkendem Zeug, das mir aber schon im<br />

Hinterkopf irgendwo hinzuweisen scheint,<br />

dem ich dann hinterherschreibe, indem ich<br />

es miteinander in Beziehung setze. Also ich<br />

Thomas<br />

Meinecke<br />

In einem Gespräch<br />

über sein aktuelles<br />

Buch „Selbst“,<br />

über Feminismus<br />

und Fantum mit<br />

Martin Fritz.<br />

17<br />

probiere aus, was passiert, wenn ich Jean-<br />

Luc Nancys Lust am Lesen mit der Lust<br />

am Lesen feministischer Theoretikerinnen<br />

wie Hélène Cixous zusammenfahre und<br />

was das wieder zu tun hat mit so männlichen<br />

Konstrukten wie dem sogenannten<br />

weiblichen Lustempfinden. Da überlappen<br />

sich drei ähnlich gelagerte Konzepte und<br />

bilden dann so ein Moiré, ein neues Muster,<br />

das ich vorher gar nicht kennen kann. Also<br />

wenn du erst ein paar Seiten gelesen hast,<br />

dann ist das bei mir wie eine Party, auf die<br />

man zu früh kommt und es ist noch nicht<br />

so richtig losgegangen, weil man ja erstmal<br />

diese Sachen miteinander in Reaktion<br />

erleben muss.<br />

Du nimmst also verschiedene<br />

Diskurse wie die Geschichte einer<br />

kommunistischen Kolonie in Texas,<br />

die nach Bettina von Arnim benannt<br />

ist, einen Brief, den Clemens<br />

Brentano an sie schreibt, und einen<br />

Brief von Sinéad O’Connor an Miley<br />

Cyrus, die so erstaunliche Parallelen<br />

aufweisen, dass die Frage ist: Ist das<br />

Zufall oder steckt da ein Masterplan<br />

dahinter?<br />

Ja das ist total irre, das ist sozusagen ein<br />

Masterplan, den wir nicht kennen, wenn,<br />

während ich daran schreibe, gleichzeitig<br />

der Video Music Award mit Miley Cyrus<br />

stattfindet. Und das Chronistenhafte, dieser<br />

Mitschriftcharakter ist mir sehr wichtig,<br />

und da hinterher noch in der Chronologie<br />

zu pimpen, das tu ich nicht. Das ist der<br />

Kick für mich beim Schreiben, dass die<br />

Dinge so auf einen einstürzen, und man hat<br />

natürlich eine gewisse fixe Idee bei einem<br />

Roman und die ordnet sozusagen die Dinge.<br />

Und dann ist plötzlich alles so stimmig<br />

oder auch unstimmig, aber auf eine tolle<br />

Weise aufeinander bezugnehmend.<br />

Diese Pop-Gute-Laune, die bei dir<br />

zu spüren ist, dieses Dinge ausgraben<br />

und sie begeistert anschauen – woher<br />

kommt diese Haltung?<br />

Das ist wirklich eine große Freude an der<br />

Rezeption. Bei „Selbst“ habe ich probiert,<br />

gibt’s da vielleicht noch was hinter diesen<br />

Errungenschaften, die ich auch nachwievor<br />

nicht kippen möchte, die aber mit der<br />

Lektüre von Judith Butler, Michel Foucault<br />

und auch weiter zurück zur Psychoanalyse<br />

zusammenhängen, dass man quasi doch<br />

nochmal nach dem Hoffnungsschimmer<br />

sucht, nach einer neuen Definition von<br />

Sexualität im Sinne einer nicht invasiven<br />

Zärtlichkeit. Dann suche ich mir sozusagen<br />

die Dinge zusammen. Und das ist einfach<br />

genau, wie wenn man in den Plattenladen<br />

geht: Man hofft, dass einen wieder was<br />

erwischt, was man noch gar nicht kannte,<br />

aber was in einem Kontext steht, den man<br />

begriffen hat. Von daher sind es Fantum<br />

und Neugier, die mich antreiben.<br />

Bei „Selbst“ sind Schnitte hart<br />

gesetzt, die einzelnen Brocken,<br />

Zitate, Exzerpte kommen<br />

unvermittelt nebeneinander.<br />

Mir kommt vor, dadurch sprechen<br />

die verschiedenen Textfetzen mehr<br />

auf einer gleichen Ebene.<br />

Das ist wunderbar, wenn das so ist.<br />

Denn ich hatte ein bisschen Angst beim<br />

Schreiben: Kann ich das den Leuten noch<br />

zumuten? Sagen die nicht irgendwann: Jetzt<br />

erzählt er ja gar nicht mehr? Aber ich habe<br />

das Vertrauen, dass das noch besser in<br />

dynamische Bewegung kommt, wenn man<br />

tatsächlich die Dinge direkt aufeinander<br />

clashen lässt, wie so in einem Atomversuch.<br />

Auf der anderen Seite habe ich ein bisschen<br />

ein schlechtes Gewissen, weil ich denke, da<br />

sollten die Romanfiguren vielleicht doch<br />

mal ein bisschen mit dem Auto wohinfahren<br />

oder die Haare sollten mal wieder abgeschnitten<br />

werden. Deswegen habe ich jetzt<br />

auch relativ viel O-Ton-artige Chat-Sachen,<br />

die eine neue Art gesellschaftlicher Realität<br />

darstellen, was ich immer auch gerne mitabbilde,<br />

wie so geredet wird da draußen.<br />

Was antwortest du der Position:<br />

Es gebe nicht nur die schöne flockige<br />

Gender-Welt, sondern auch die<br />

wirklichen materiellen sozialen<br />

Probleme. Sind das nicht alles<br />

Luxussorgen, die dieser Meinecke<br />

da verhandelt?<br />

Ich bin gewöhnt, dass man mir sagt, das<br />

hat mit der Realität der ausgebeuteten<br />

Supermarktkassiererin wenig zu tun, wenn<br />

ich mir Gedanken mache mit Judith Butler,<br />

dass auch die primären Sexualorgane nur<br />

sprachlicher Natur sind. Ich finde aber eben<br />

doch, denn diese sprachliche Natur stellt<br />

ja das Missverhältnis zwischen den Geschlechtern,<br />

wo am Ende dann das Schlechter-bezahlt-Werden<br />

von Frauen steht, erst<br />

her. Und wir haben auch nur diese Sprache<br />

zur Verfügung, auch wenn man dagegen<br />

anarbeitet. Und da arbeite ich, das ist<br />

sozusagen mein Steinbruch. Das ist sehr<br />

lästig, aber ich finde, das ist ganz konkret<br />

politisch.


Grenzgänge<br />

Von den Grenzgängen zu den Wochenendgesprächen:<br />

Doron Rabinovici gleich 2 × in Innsbruck. Grund genug<br />

für Anna Rottensteiner, ihn zu einem Gespräch zu bitten.<br />

© Susanne Schleyer<br />

Als Publizist, Essayist, Historiker<br />

und Schriftsteller setzen Sie sich<br />

seit Jahrzehnten gegen Faschismus<br />

und Antisemitismus ein; Sie sind<br />

dafür u. a. mit dem Willy und<br />

Helga Verkauf-Verlon-Preis<br />

ausgezeichnet worden oder mit dem<br />

Jean-Amery-Preis für Essayistik.<br />

Sie schreiben in verschiedensten<br />

Gattungen und Genres. In Ihrem<br />

Roman „Andernorts“ (Suhrkamp<br />

Verlag 2010) ist von Ethan, einem<br />

der Hauptprotagonisten, zu lesen,<br />

er verfasse seine journalistischen<br />

Artikel „in kaltem Zorn. Er sonderte<br />

diese Texte wie kleine Pakete voll<br />

Sprengstoff ab oder wie eine Batterie<br />

von Knallfröschen.“ Gilt das auch für<br />

Doron Rabinovici: Ist journalistisches<br />

Schreiben für Sie so etwas wie ein<br />

schnelles Abladen von Wut über<br />

Geschehnisse in der Gegenwart?<br />

Ich bin nicht Ethan Rosen. Diese Figur ist<br />

Menschen nachempfunden, die ich gut kenne,<br />

doch bei mir ist das teils anders. Meine<br />

Kommentare schreibe ich nicht als Wutbürger,<br />

sondern als engagierter Citoyen. Wäre<br />

ich nicht Schriftsteller, könnte ich nicht<br />

anders, als dennoch gegen Rechtsextreme<br />

und Antisemiten kämpfen. Hätte ich andere<br />

Ansichten, müsste ich ungeachtet dessen<br />

weiterschreiben. In meinen politischen<br />

Kommentaren stelle ich fest, was meiner<br />

Meinung nach selbstverständlich sein sollte.<br />

In meiner literarischen Prosa spüre ich eher<br />

den Fragen nach, die mich umtreiben.<br />

18 19<br />

Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

In Ihrem Schreiben geht es um das<br />

Aufbrechen von Zuschreibungen<br />

und Feindbildern. Würden Sie<br />

sagen, dass Sie dieses positive<br />

„Zwischen-den-Stühlen-Sitzen“<br />

auch Ihrer Biographie verdanken?<br />

Sie sind ja zwischen oder mit zwei<br />

Sprachen, dem Hebräischen und dem<br />

Deutschen, aufgewachsen, mit oder<br />

zwischen zwei Kulturen, der jüdischen<br />

und der österreichischen.<br />

Zweifellos prägt mich das Leben zwischen<br />

den Sprachen und Kulturen, der jüdischen,<br />

der israelischen, der österreichischen und<br />

der deutschen. Ich schreibe diesen Bruchlinien<br />

entlang. Sie verliefen hier einst als<br />

Stacheldraht, als Grenze auf Leben und<br />

Tod. Wäre es nach dem Willen der Mörder<br />

gegangen, dürfte es keinen Juden mehr<br />

geben, der sich der deutschen Sprache<br />

verschrieben hat. Aber das Dasein zwischen<br />

den Nationen ist ein universales Thema.<br />

Die meisten von uns leben in einer multikulturellen,<br />

elektronischen und globalisierten<br />

Diaspora. Das ergibt ein gutes<br />

Panorama für neue Geschichten und Verwechslungskomödien,<br />

denn derselbe Text,<br />

der hier gesprochen wird, bedeutet dort das<br />

genaue Gegenteil.<br />

Ich möchte noch einmal auf<br />

„Andernorts“ Bezug nehmen. Er<br />

wurde ja von der Kritik als „jüdischer<br />

Roman“ bezeichnet, in dem es um<br />

die Möglichkeiten, aber auch die<br />

Unmöglichkeit von eindeutigen,<br />

„schmerzfreien“ Identitäten geht.<br />

Würden Sie dieser Etikettierung<br />

zustimmen?<br />

Der Roman wurde als österreichischer, als<br />

jüdischer, doch ebenso als deutscher Roman<br />

bezeichnet und gelesen. In Haifa meinte<br />

eine Frau im Publikum sogar, er sei ein<br />

israelischer Roman in deutscher Sprache.<br />

Ich stimme jeder Etikettierung zu, die<br />

einem das Eingehen auf die Vielseitigkeit<br />

des Texts erleichtert, doch nicht erspart.<br />

Ich leugne nicht meine jüdische Perspektive,<br />

doch ich will nicht darauf reduziert sein.<br />

Sie haben als engagierter<br />

Intellektueller im Jahre 2000 an<br />

den Demonstrationen gegen eine<br />

Regierungsbeteiligung der FPÖ<br />

teilgenommen, haben sich 2016<br />

prononciert für Alexander van<br />

der Bellen als Bundespräsidenten<br />

ausgesprochen bzw. engagiert.<br />

Würden Sie sagen, dass im Vergleich<br />

zu den Protesten im 2000er Jahr<br />

die Gleichgültigkeit in unserer<br />

gegenwärtigen Gesellschaft<br />

zugenommen hat, wobei aber<br />

Engagement mehr denn je gefordert<br />

wäre?<br />

Immerzu parteilich sein, würde bedeuten,<br />

nicht zur rechten Zeit Partei zu ergreifen.<br />

Wer immerzu engagiert sein möchte, wäre<br />

es nie wirklich. Panikmache und Beschönigung,<br />

Alarmismus und <strong>No</strong>rmalismus<br />

sind beide Ausdruck ein und derselben<br />

Denkweise, die in jeder Gefahr nur die<br />

Katastrophe und in der Katastrophe nur die<br />

einzige Gefahr sieht. Die einen entdecken in<br />

jedem Übel Hitler und die anderen können<br />

nichts Böses erkennen, solange es Hitler<br />

höchstpersönlich nicht ähnelt. Aber es gibt<br />

Situationen und Fragen, in denen es falsch<br />

ist, gleichgültig zu bleiben. Wir erleben<br />

derzeit, wie Demokratie und Rechtsstaat<br />

attackiert werden. Wären jene, die nicht rassistisch<br />

sind, genauso leidenschaftlich wie<br />

diejenigen, die gegen Andersartige hetzen,<br />

müssten wir um die Menschenrechte nicht<br />

so besorgt sein. Es ist notwendig, für die<br />

offene Gesellschaft, für die Demokratie und<br />

die Menschenrechte und gegen die nationalistischen<br />

Scharfmacher zu kämpfen.<br />

In der Laudatio von Konstanze Fliedl<br />

zum Verkauf-Verlon Preis heißt<br />

es, Ihre Essayistik sei „vorbildlich<br />

staatsbürgerlich, indem sie auf nichts<br />

anderes drängt als auf die Einhaltung<br />

der von der Republik sich selbst<br />

gegebenen Maximen.“ Auf dem<br />

Hintergrund dieses Satzes erhalten<br />

Engagement und Widerstand ganz<br />

neue, eigentlich selbstverständliche<br />

Bedeutungen: sich als Staatsbürger<br />

mit den eigenen zur Verfügung<br />

stehenden Mitteln, der Sprache und<br />

der Schrift, sich zu engagieren. Ich<br />

schätze, dass für Sie Schreiben und<br />

Engagement in eins fallen?<br />

Das Engagement fließt zwar in mein<br />

Schreiben ein, doch mein Schreiben ist<br />

nicht durch mein Engagement bestimmt<br />

und eingegrenzt. Das ist nur ein Aspekt<br />

unter anderen. Konstanze Fliedl sprach<br />

meine Essayistik an, doch meine Romane<br />

oder Geschichten folgen nicht einem ideologischen<br />

Diktat, sondern einer persönlichen<br />

<strong>No</strong>twendigkeit. Wer weiß, was mir morgen<br />

wieder einfällt. Das, was einem gerade<br />

einfällt, ist Erinnerung, ist Vorstellung, ist<br />

Einwand, ist Widerstand, doch vor allem ist<br />

es eine Überraschung. Auch für mich selbst.<br />

Buchtipps:<br />

Doron Rabinovici<br />

(gem. mit Natan Sznaider):<br />

Herzl Relo@ded<br />

Jüdischer Verlag, 207 S., € 20,60<br />

Andernorts<br />

Suhrkamp, 286 S., € 10,30


40. Innsbrucker<br />

Wochenendgespräche<br />

11.–13. Mai 2017: Literatur und Politik<br />

W:ORTE –<br />

3. Lyrikfestival<br />

Innsbruck<br />

Donnerstag, 11. Mai<br />

20:15 Uhr – ORF Tirol, Studio 3, Rennweg 14;<br />

Lesung: Anna Rottensteiner, Doron Rabinovici, Marion Poschmann,<br />

Evelyn Schlag, <strong>No</strong>rbert Gstrein; Moderation: Birgit Holzner<br />

Freitag, 12. Mai<br />

Gespräche im Ensembleproberaum des Tiroler Landestheaters<br />

(Eingang SoWi-Durchgang, neben dem Abo-Büro)<br />

Moderation: Anna Rottensteiner<br />

10 –12 Uhr – Martin R. Dean, Maxi Obexer, Evelyn Schlag<br />

15–17Uhr – Josef Haslinger, Doron Rabinovici, Marlene Streeruwitz<br />

Samstag, 13. Mai<br />

Gespräche im Ensembleproberaum des Tiroler Landestheaters<br />

(Eingang SoWi-Durchgang, neben dem Abo-Büro)<br />

Moderation: Anna Rottensteiner<br />

10 –12 Uhr – Lukas Bärfuss, <strong>No</strong>rbert Gstrein, Marion Poschmann<br />

15–17 Uhr – Gespräch mit allen AutorInnen<br />

20:15 Uhr – ORF Tirol, Studio 3, Rennweg 14<br />

Lesung: Marlene Streeruwitz, Martin R. Dean, Lukas Bärfuss,<br />

Maxi Obexer, Josef Haslinger; Moderation: Joe Rabl<br />

Zum dritten Mal findet das Lyrikfestival W:ORTE statt, u. a. zu hören Raoul Schrott<br />

& InnStrumenti, Klaus Merz, Markus Bundi, Armin Senser, Cornelia Travnicek,<br />

Lydia Steinbacher, Ralf Schlatter, Barbara Hundegger u.v.m.<br />

15. – 21. Juni 2017<br />

Orte: Literaturhaus am Inn,<br />

Wagner’sche, ORF Studio 3, …<br />

Programm: „K[uns] T als<br />

gesellschaftskritisches Medium“<br />

1. – 2. Juni<br />

Symposium<br />

Archäologisches Museum, Innrain 52,<br />

Christoph-Probst-Platz, 3. Stock<br />

Das Ziel der Veranstaltung liegt darin,<br />

einen polyperspektivischen Blick auf Kunst<br />

als einen Gegenstand zu lenken, der in<br />

seiner Aktualität im Laufe der Geschichte<br />

niemals an Relevanz verloren hat: Immer<br />

schon auf das Faktische bezogen, waren<br />

und sind eine Vielzahl von Künstler_innen<br />

vehement darum bemüht, die Missstände<br />

und Charakteristika ihrer Zeit, die beständig<br />

politisch oder ideologisch aufgeladen<br />

sind, mithilfe unterschiedlichster Medien zu<br />

vermitteln und dadurch sowohl aktiven als<br />

1. – 9. Juni<br />

Ausstellung<br />

styleconception.openspace,<br />

Mentlgasse 12b<br />

auch passiven Widerstand zu leisten.<br />

Dabei wird bewusst ein elastischer Kunstbegriff<br />

herangezogen, der alles dasjenige<br />

berücksichtigt, was sich selbst als Kunst<br />

versteht oder von Anderen als solche wahrgenommen<br />

wird.<br />

Der wissenschaftlich-theoretischen<br />

Auseinandersetzung in Form von Vorträgen<br />

steht dabei ein praxisbezogener Zugang<br />

von Deutungen gegenüber, die in Form von<br />

Workshops, Musik- oder Filmvorführungen<br />

inszeniert werden.<br />

2. Juni<br />

Konzert<br />

Die Bäckerei – Kulturbackstube<br />

Dreiheiligenstraße 21a<br />

Das Symposium fördert zudem junge<br />

Schreibtalente, Musiker_innen und<br />

Künstler_innen. Das Organisationsteam<br />

selbst setzt sich aus vier Studienvertreterinnen<br />

der Kunstgeschichte, Musikwissenschaft<br />

und Philosophie der Philosophisch-Historischen<br />

Fakultät der Universität<br />

Innsbruck zusammen.<br />

20<br />

Wagner’sche.<br />

Heimat-<br />

W:ORTE<br />

<br />

„Fandangoverschlungen“ sind<br />

hier nicht nur Sprachen. José<br />

F.A. Olivers frühen Gedichte<br />

der ersten drei Gedichtbände<br />

wurden nun herausgegeben<br />

von Ilija Trojanow. Sie nehmen<br />

einen mit auf die Wortsuche<br />

des jungen Dichters zwischen<br />

der mitgebrachten Sprache der<br />

Eltern und jener um ihn herum.<br />

Durch den Band wird man<br />

Zeuge seiner künstlerischen<br />

Entwicklung seit Beginn an. Er<br />

begegnet zwischen Fremdheit<br />

und Vertrautheit HEIMATT,<br />

um Auf-Bruch zu sein mit dem<br />

Land, das er liebt: „ich vergaß<br />

/ mich zu fragen / kenne ich<br />

ihre Worte noch / wo ist meine<br />

Sprache / die mich mit ihnen<br />

verband.“ Siljarosa Schletterer<br />

José F.A. Oliver:<br />

HEIMATT<br />

Schiler Verlag, 112 S., € 19,10<br />

Lyrik aus<br />

der Schweiz<br />

<br />

Sensuelles Scheitern an Fragen<br />

was man sucht, was man ist,<br />

wie man die Vergangenheit<br />

bewältigt, erst recht Gegenwart<br />

und Zukunft beschreibt Armin<br />

Senser, als würde er mit dir in<br />

einer „Beiz“ sitzen. Schwer<br />

einzugrenzen ist seine Chronik<br />

in etablierte Textgattungen. Er<br />

überrascht mit seiner prägnanten<br />

punktgetakteten und<br />

saloppen, zum Teil dialektalen<br />

Sprache. Was bleibt, ist das<br />

Gefühl, das er hinterlässt, im<br />

sich Angesprochen-Fühlen in<br />

der eigenen Lebensangst: „Du<br />

bist, also versagst du. Das ist<br />

menschlich.“ Siljarosa Schletterer<br />

Armin Senser:<br />

Sensus. Chronik des Scheiterns<br />

Edition Korrespondenzen,<br />

112 S., € 18,–<br />

Wieder<br />

politisch<br />

<br />

Tom Schulz legt mit Die Verlegung<br />

der Stolpersteine einen<br />

explizit politischen Lyrikband<br />

vor. Rechtsruck und wiederaufkommender<br />

Nationalismus<br />

scheinen eine neue Auseinandersetzung<br />

mit dem politischen<br />

Gedicht hervorzurufen. Das<br />

Auftaktgedicht „Prager Straße“<br />

ist eine vielstimmige Montage<br />

über Dresden, die das verheerende<br />

Bombardement am Ende<br />

des Zweiten Weltkriegs genauso<br />

thematisiert wie die demonstrierende<br />

Pegida-Bewegung.<br />

Tom Schulz’ Gedichte sind eine<br />

bemerkenswerte Einladung für<br />

eine empathische und kritische<br />

Auseinandersetzung mit der<br />

Welt. Gabriele Wild<br />

Tom Schulz:<br />

Die Verlegung der Stolpersteine<br />

Hanser Berlin, 128 S., € 18,50<br />

Orient &<br />

Okzident<br />

<br />

Safiye Can nimmt jene Tradition<br />

türkischer Dichtung auf,<br />

in der „Rose und Nachtigall“<br />

für Liebende stehen. Cans<br />

Liebesgedichte reichen von der<br />

zum Vierzeiler verdichteten,<br />

hochpräzisen Mikro-Wahrnehmung<br />

über mit dem Schriftbild<br />

spielenden Gruß an konkrete<br />

Poesie bis zum vielstrophigen,<br />

durchkomponierten Langgedicht.<br />

Über die Freuden des<br />

Verliebens bis zum Schmerz<br />

danach verknüpft Can traditionelle<br />

mit zeitgenössischen<br />

Bildern (mit der Liebe geht die<br />

Plattensammlung zu Bruch)<br />

und gelangt so bereits bei ihrem<br />

Debüt zu ihrem ganz eigenen<br />

Sound. Martin Fritz<br />

Safiye Can:<br />

Rose und Nachtigall<br />

Größenwahn Verlag, 120 S., € 17,10


© Sabine Sauer<br />

Dieser starke Drang<br />

nach Demokratie<br />

Zwischen historischem Roman und „fake news“.<br />

Ein Gespräch mit Irene Heisz<br />

Buchtipp:<br />

Dirk Kurbjuweit:<br />

Die Freiheit der Emma Herwegh<br />

Hanser, 336 S., € 23,70<br />

Lesung:<br />

Wir können<br />

Fehler machen,<br />

aber wir lügen<br />

nicht!<br />

Dirk Kurbjuweit<br />

22 23<br />

Im Rahmen von „Innsbruck<br />

liest“ bei einem Grenzgänge<br />

spezial am Mi., 3. Mai, 19:30 Uhr<br />

Stadtbücherei Innsbruck Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

Dirk Kurbjuweit ist stellvertretender<br />

Chefredakteur des Nachrichtenmagazins<br />

„Der Spiegel“, ein mehrfach preisgekrönter<br />

Journalist und ein hochprofilierter Schriftsteller.<br />

In seinem jüngsten Werk, dem<br />

historischen Roman „Die Freiheit der Emma<br />

Herwegh“, lotet er Parallelen zwischen den<br />

Protagonisten der 1848-Revolution und dem<br />

Zeitalter von fake news aus.<br />

Was reizt Sie an der historischen<br />

Figur Emma Herwegh?<br />

Seit ich vor 15 Jahren eine Biographie von<br />

Georg Herwegh gelesen hatte, spukte er<br />

in meinem Kopf herum, weil er einerseits<br />

Dichter und andererseits ein sehr politischer<br />

Mensch war. Mit der Zeit wurde klar,<br />

dass seine Frau Emma eigentlich die viel<br />

interessantere Person ist. Sie war eine große<br />

Freiheitskämpferin gegen Unterdrückung<br />

und Willkür der Fürsten und Könige im<br />

deutschsprachigen Raum. Frauen wurden<br />

aber politisch nicht ernst genommen,<br />

Emma konnte sich also nur über ihren<br />

Mann einbringen. Und sie nahm dafür<br />

sogar in Kauf, dass sie von ihm auf ganz<br />

schauerliche Art und Weise benutzt und<br />

betrogen wurde.<br />

Der Freiheitsdichter-Held Georg<br />

Herwegh kommt bei Ihnen denkbar<br />

schlecht weg: feig, eitel, geldgierig,<br />

egoman, grausam. Er ist eine<br />

eher lächerliche Figur, die sogar<br />

beim Feldzug mit der Deutschen<br />

Demokratischen Legion auf<br />

lächerliche Weise scheitert.<br />

Ich sehe ihn nicht ganz so negativ. Er war<br />

immerhin so mutig, für die Freiheit sein<br />

Leben im Krieg aufs Spiel zu setzen. Außerdem<br />

rechne ich ihm hoch an, dass er nach<br />

der deutschen Einigung 1871 nicht dem<br />

deutschtümelnden Wahn verfiel, sondern<br />

ein großer Mahner blieb. Insofern: Ja, er<br />

verhält sich oft lächerlich und auch grausam.<br />

Aber Emma verteidigt ihn vehement,<br />

und da bin ich mit ihr durchaus einig.<br />

Vormärz und 48er-Revolution<br />

bilden die Grundlage für viele<br />

Entwicklungen – Nationalismus,<br />

Antisemitismus, erste feministische<br />

Ansätze, Marxismus … Was am<br />

19. Jahrhundert interessiert den<br />

Journalisten, der sich mit dem Hier<br />

und Jetzt auseinandersetzt?<br />

Mir kam die Welt von damals überraschend<br />

heutig vor. Wenn wir etwa an das Problem<br />

der Herweghs mit der Öffentlichkeit denken:<br />

Wie wird berichtet? Welche Gerüchte<br />

werden gestreut? Das kennen wir doch auch<br />

im Zeitalter von Facebook und fake news.<br />

Vor allem aber fasziniert mich dieser starke<br />

Drang nach Freiheit, nach Bürgerrechten,<br />

nach Demokratie. Dass die Demokratie immer<br />

eine prekäre Veranstaltung ist, für die<br />

man kämpfen muss, erleben wir ja gerade<br />

wieder in der Türkei, in den USA, auch in<br />

Österreich und Deutschland. Darin liegt für<br />

mich die Aktualität der Geschichte der Herweghs,<br />

insofern sehe ich sie als Vorbilder für<br />

ihre Zeit und auch für mich.<br />

Sprechen wir über Ihre Doppelrolle<br />

als Journalist und Schriftsteller.<br />

Manche glauben, Journalismus<br />

und fiktionale Texte hätten<br />

wenig miteinander zu tun, weil<br />

Journalismus „objektiv“ sein und<br />

„die ganze Wahrheit“ verkünden<br />

müsse. Ich halte das bestenfalls für<br />

Ideale, denen man sich annähern<br />

kann.<br />

Das sehe ich ganz genau so. Ich arbeite seit<br />

17 Jahren beim „Spiegel“ und natürlich<br />

haben wir das Ziel einer Annäherung an<br />

Objektivität. Aber als Subjekte können wir<br />

uns nie ganz aus unserer Arbeit herausnehmen.<br />

Außerdem versteht sich der „Spiegel“<br />

explizit als Meinungsblatt. Insofern ist<br />

Objektivität nicht nur nicht immer zu erreichen,<br />

sondern nicht immer wünschenswert.<br />

Guter Journalismus hat meist eine subjektive<br />

Komponente.<br />

Wie ist das in Zeiten von<br />

„Lügenpresse“-Vorwürfen<br />

Medienkonsumenten begreiflich zu<br />

machen?<br />

Unangreifbare Fakten bilden die Grundlage,<br />

hier sind wir der Wahrheit und der<br />

Wahrhaftigkeit verpflichtet. Das heißt:<br />

Wir können Fehler machen und uns irren,<br />

aber wir lügen nicht. Der zweite Punkt<br />

ist: Unterschiedliche Meinungen sind für<br />

die Demokratie lebensnotwendig. In einer<br />

Demokratie setzen sich alle Entscheidungen<br />

aus gebündelten Meinungen zusammen.<br />

Als Journalist sind Sie daran<br />

gewöhnt, sich in Milieus und<br />

Kulturen einzuarbeiten, die mit Ihnen<br />

persönlich wenig zu tun haben. Nichts<br />

anderes tut auch ein Romanautor.<br />

Als Reporter muss ich mich in die Menschen,<br />

denen ich begegne, einfühlen<br />

können, in ihre Seelen, in das, was sie sind<br />

oder sein wollen. Dem Romanautor stellt<br />

sich die gleiche Aufgabe, wenn auch oft bei<br />

fiktionalen Figuren. Letzten Endes kommt<br />

es immer darauf an, einen Sog zu erzeugen,<br />

in dem sich der Leser verlieren kann.<br />

Ein Unterschied zwischen den<br />

Genres und auch zu dem, was<br />

die Revolutionsdichter im<br />

19. Jahrhundert für sich in<br />

Anspruch nahmen, ist: Man kann<br />

mit Literatur heute noch viel weniger<br />

bewegen als mit Journalismus.<br />

Das ist wahrscheinlich wahr. Herwegh<br />

wurde durch die „Gedichte eines Lebendigen“<br />

zu einem Superstar. Diesen Einfluss<br />

hat die Literatur heute leider verloren. Es<br />

gibt allerdings immer wieder Ausnahmen.<br />

„The Circle“ von Dave Eggers etwa hat<br />

als Dystopie über die weltpolitische, die<br />

Demokratie verdrängende Macht von<br />

Internetkonzernen immensen Einfluss auf<br />

die Politik.<br />

In Zeiten von politics by Twitter:<br />

Würde ein Georg Herwegh heute<br />

regelmäßig140-Zeichen-Tweets<br />

absetzen und durch Talkshows<br />

gereicht werden, statt lange<br />

agitatorische Gedichte zu schreiben?<br />

Unbedingt! Er hat sich im Ruhm und der<br />

Aufmerksamkeit, die ihm zuteil wurden,<br />

sehr gesonnt.<br />

Eine längere Version des Gespräches finden<br />

sie auf www.wagnersche.at/kurbjuweit


© www.detailsinn.at<br />

Frauen in der Literatur<br />

Nadine Kegele erkundet gemeinsam mit<br />

Lina Hofstädter und Otto Licha die Möglichkeiten<br />

des Frauseins. Von Bernd Schuchter<br />

Buchtipp:<br />

Alle<br />

Porträtierten<br />

schreiben<br />

Geschichte.<br />

Nadine Kegele<br />

Nadine Kegele:<br />

24 25<br />

Lieben muss man unfrisiert<br />

Kremayr & Scheriau,<br />

343 S., € 22,90<br />

Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

„Alle Politik begründet sich auf der Geschlechterfrage“,<br />

schreibt Marlene Streeruwitz<br />

in ihrem Vorwort zu Nadine Kegeles<br />

Lieben muss man unfrisiert, eine Porträtsammlung<br />

von 19 Frauenbiografien, die auf<br />

ausführlichen und weniger ausführlichen<br />

Interviews basieren, welche die Autorin mit<br />

den verschiedensten Frauen im unterschiedlichsten<br />

Alter geführt hat. Wie ist man<br />

heute Frau und welches Bild hat man selbst<br />

davon? Ein ernste Frage, der Nadine Kegele<br />

gewissenhaft nachgeht.<br />

Ausgangspunkt ihrer Fragestellung war<br />

das Buch Guten Morgen, du Schöne. Protokolle<br />

nach Tonband von Maxie Wander<br />

aus dem Jahr 1977, da war Nadine Kegele<br />

noch drei Jahre lang nicht geboren. Maxie<br />

Wander, Drehbuchautorin und Mitarbeiterin<br />

an Reiseberichten ihres Schriftsteller-Ehemannes<br />

Fred Wander, gelang mit<br />

diesem Buch die Fortführung des Genres<br />

der Protokoll-Literatur, die von Fakten<br />

ausgeht und diese dann fiktionalisiert, zum<br />

Teil überhöht.<br />

Auch Nadine Kegele versucht in ihrem<br />

Buch ihren Gegenübern gerecht zu werden,<br />

und dies gelingt ihr mit einer stilistischen<br />

und empathischen Leichtigkeit, leger<br />

und authentisch versteht es Kegele, den<br />

jeweiligen Ton ihrer Gesprächspartnerinnen<br />

ihnen selbst in den Mund zu legen. Und<br />

die Themen, die vor vierzig Jahren bereits<br />

verhandelt wurden, sind heute nach wie<br />

vor aktuell: Wie umgehen mit den verschiedenen<br />

Rollenbildern von Geschlecht, der<br />

ungleichen Bezahlung von Mann und Frau,<br />

oder Themen wie häuslicher Gewalt, sexueller<br />

Ausbeutung oder Rassismus. Nadine<br />

Kegele gelingt es, den Frauen eine Stimme<br />

zu geben, ohne anzuklagen oder larmoyant<br />

zu klingen. Themen, die bereits Simone<br />

de Beauvoir in Das andere Geschlecht und<br />

in ihren Autobiografien behandelt hat.<br />

Was hat dich dazu veranlasst, dieses<br />

außergewöhnliche Buch zu schreiben?<br />

Zufällig habe ich Maxie Wanders Buch<br />

Guten Morgen, du Schöne, das 1977<br />

erschien, 2015 gelesen. Danach wusste<br />

ich sofort: Irgendwas muss ich mit dieser<br />

Leseerfahrung machen. So kam ich auf die<br />

Achse 1977–2017 und dachte daran, dass<br />

ich eine Neubefragung machen könnte,<br />

vierzig Jahre später, unter aktualisierten und<br />

von mir personalisierten Bedingungen. Und<br />

dann folgte das erste Probeinterview. Dann<br />

folgte das zweite. Und irgendwann wusste<br />

ich, dass diese Interviews funktionieren,<br />

dass ich die Probe unter diesen Bedingungen<br />

zu einem Projekt umwidmen kann.<br />

Was hat dich an den verschiedenen<br />

Porträts, den unterschiedlichen<br />

Frauenleben interessiert?<br />

Es sind ja nicht nur Frauenleben porträtiert,<br />

sondern auch ein Leben einer<br />

trans*-Person, die sich weder-noch verortet,<br />

Frana. Frana ebenfalls zu benennen, finde<br />

ich essenziell – und respektvoll –, denn<br />

vierzig Jahre später wäre ein reines<br />

„Frauenbuch“ rückwärtsgewandt.<br />

Was bedeutet Frausein heute – nach<br />

den Interviews und der Fiktionalisierung<br />

im Buch – für dich persönlich?<br />

So pauschal kann ich das nicht beantworten,<br />

Frausein heute müsste da geografisch,<br />

religiös, politisch, feministisch und so weiter<br />

beleuchtet werden. Ich stehe dem Frausein<br />

ambivalent gegenüber. Eigentlich ist es mir<br />

vollkommen unwichtig, Frau zu sein. Aber<br />

es gibt so viele Situationen, wo ich darauf<br />

hingewiesen werde, dass ich als Frau gesehen<br />

werde, und dann in eine Rolle gedrängt<br />

werde, die einer Frau auferlegt wird.<br />

Wie geht es dir mit dem Vorwort von<br />

Marlene Streeruwitz?<br />

Ich wollte das Wander-Buch formal widerspiegeln,<br />

weswegen ich von Anfang an<br />

wusste, dass ich ebenfalls ein Vorwort haben<br />

will. Ich mag, was Streeruwitz über die neue<br />

Geschichtsschreibung sagt: dass die eben<br />

nur so aussehen kann, dass jede zu Wort<br />

kommen muss. Eben nicht bloß Akteure<br />

in politischen oder gesellschaftlichen<br />

Schlüsselpositionen. Das ist auch die Idee<br />

dieses Buches, alle Porträtierten schreiben<br />

Geschichte.<br />

Gemeinsam mit Nadine Kegele lesen Lina<br />

Hofstädter und Otto Licha aus aktuellen<br />

Texten, die um Frauenleben kreisen.<br />

Eine Veranstaltung der GAV Tirol, der<br />

Grazer Autorinnen- Autorenversammlung,<br />

die als größter AutorInnenverband in Österreich<br />

seit über vierzig Jahren versucht, die<br />

Geschlechterrollen kritisch zu hinter fragen.<br />

Nadine Kegele, geboren 1980 in Bludenz, lebt in<br />

Wien. Bürolehre, zweiter Bildungsweg, Studium<br />

der Germanistik, Theaterwissenschaft und Gender<br />

Studies. Erwerbsarbeiten als Sekretärin, Finanzassistentin,<br />

Mediaplanerin, Lektorin. Schreibt für den<br />

Standard und die Obdachlosenzeitung Augustin.<br />

Zahlreiche Preise und Stipendien. Zuletzt erschien<br />

ihr Debütroman Bei Schlechtwetter bleiben Eidechsen<br />

zu Hause (2014).<br />

Lina Hofstädter, geboren 1954 in Lustenau, Studium<br />

der Germanistik und Anglistik, zahlreiche Stipendien<br />

und Preise, unter anderem Harder Literaturpreis<br />

und Staatsstipendium für Literatur. Lebt als Autorin<br />

in Sistrans bei Innsbruck. Zuletzt erschienen die<br />

Romane Im Schneckenhaus (2009), Er und Sie<br />

(2013) und Erebus (2015, mit Beilage-Booklet 26<br />

Krähengedichte).<br />

Otto Licha, geboren 1952 in Wien, Studium der Physik<br />

und Mathematik an der Universität Innsbruck,<br />

Ausbildung am Konservatorium der Stadt Innsbruck<br />

im Hauptfach Violine. Seit 1980 als Autor tätig, lebt<br />

in Innsbruck. Zahlreiche Bücher, zuletzt erschienen<br />

die Romane Geiger (2008, Taschenbuchausgabe 2013),<br />

Salzkruste (2010), Kripp (2012) und Sieben (2013).<br />

Buchpräsentation:<br />

Nadine Kegele:<br />

Lieben muss man unfrisiert<br />

Gemeinschaftslesung mit Lina<br />

Hofstädter und Otto Licha<br />

Di., 21. März 2017, 19:30 Uhr<br />

Wagner’sche<br />

Universitätsbuchhandlung<br />

Moderation und Gespräch:<br />

Bernd Schuchter<br />

Eine Veranstaltung der GAV,<br />

Grazer Autorinnen Autorenversammlung<br />

und der Wagner’schen


© Fabian Stuertz<br />

Tach, ihr Rabauken!<br />

Quichotte ist ein Kölner Rapper, der am Land<br />

aufgewachsen ist. In seinem neuen Buch denkt er<br />

intensiv darüber nach. Von Marion Umgeher.<br />

Buchtipp:<br />

Quichotte:<br />

Klingelstreiche im Niemandsland<br />

Rowohlt, 192 S., € 10,30<br />

Was macht<br />

ein junger<br />

Mensch<br />

am Land?<br />

Quichotte<br />

26<br />

Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

Zwischen Fußballverein und Dorfdisco<br />

ist Quichotte bereits als Jugendlicher sehr<br />

fasziniert davon, wie andere mit Text und<br />

Musik ihre Gefühle und Gedanken ausdrücken.<br />

Kurzerhand beschließt er: „Das<br />

will ich selbst machen“. Mit 14 findet er als<br />

Rapper in Miguel de Cervantes’ Klassiker<br />

eine Figur, die ihn inspiriert: „Don Quijote<br />

ist ein tragischer Held. Auch wenn er<br />

eine fragwürdige Selbstwahrnehmung hat,<br />

beschreibt er doch sehr gut das menschliche<br />

Tun – mit einem lobenswerten Ziel: Das<br />

Leben ist ein stetiger Kampf; und kaum<br />

Chancen darauf, zu gewinnen.“ Daraus hat<br />

sich seine Arbeitsphilosophie entwickelt:<br />

Er nimmt den Kampf auf gegen die Windmühlen<br />

der seichten Unterhaltung.<br />

„Ich bin kein klassischer Rapper. Denn<br />

die nehmen sich oftmals viel zu wichtig –<br />

und ich bin kein Mensch mit ‚Ich bin der<br />

Beste‘-Attitüde. Mich treibt die Liebe<br />

zur Sprache an: Da gibt es viele Aspekte,<br />

an denen mein Herz hängt. So bin ich<br />

später auch zum Poetry Slam gekommen:<br />

Hier haben alle bereits existierenden Genres<br />

Platz und bilden ein neues Format. Man<br />

hat hier eine größere Variabilität im Ausdruck.<br />

Und ich mag es, andere Leute<br />

zu unterhalten oder meine Message rüberzubringen.“<br />

Poetry Slam ist für ihn<br />

„Bühnenliteratur“, die meist im Kurzformat<br />

von fünf Minuten vorgetragen wird. Das ist<br />

nicht mit klassischer Literatur vergleichbar:<br />

„Die geht über eine längere Distanz. Aber<br />

Poetry Slam greift oft auf Referenzen der<br />

Weltliteratur zurück und inspiriert möglicherweise<br />

auch dazu, später auch längere<br />

Texte zu schreiben.“<br />

Wenn er sein Publikum mit „Tach, ihr<br />

Rabauken!“ begrüßt (am 16. März feiert<br />

er im Spielraum Elisabethinum in Axams<br />

Österreich-Premiere mit seinem Soloprogramm),<br />

dann steckt doch noch ein<br />

bisschen Rapper-Mentalität in ihm: „Auch<br />

wenn der Begriff Rabauke oft negativ<br />

27<br />

konnotiert ist: Für mich ist das eine nett<br />

gemeinte Begrüßung – da kommt wahrscheinlich<br />

meine Rheinländer Art durch!<br />

‚Tach, ihr Rabauken‘ ist durchaus mit<br />

einem Augenzwinkern zu sehen, weil ich<br />

mich selbst als Rabauke sehe.“<br />

Literarische Rätselbücher<br />

für Scharfdenker<br />

Auch seine Bühnenprogramme sind eine<br />

bunte Mischung aus Liedern, Geschichten<br />

und Gedichten garniert mit Stand-up<br />

Comedy-Elementen. Erfolgreich mischt<br />

Quichotte Heiteres und Ernstes und feiert<br />

damit große Erfolge: Zwei Mal im Folge<br />

gewinnt er den Titel des Rapslam Meisters<br />

bei den deutschen Poetry Slam-Meisterschaften.<br />

Seine Deutschlandtour mit<br />

Slammer-Kollege Patrick Salmen war oft<br />

komplett ausverkauft.<br />

Die beiden haben bisher auch vier<br />

literarische Rätselbücher herausgegeben,<br />

bei denen man um die Ecke denken muss,<br />

um auf die Lösung zu kommen. Die Idee<br />

dahinter ist spontan entstanden: „Wir<br />

waren mit der Bahn unterwegs. Kein freier<br />

Sitzplatz. Aber ein Blick auf die Deutschlandkarte<br />

im Zug. Wir haben daraus ein<br />

Spiel gemacht und uns gefragt: Wie kamen<br />

eigentlich die Städte zu ihren Namen?“ So<br />

sind kurze, meist sehr skurrile Geschichten<br />

entstanden, an deren Ende eine Lücke bleibt,<br />

die es zu füllen gilt. Dieses Prinzip haben sie<br />

auch auf die Bereiche „Kunst und Kultur“<br />

sowie „Film und Filmtitel“ übertragen.<br />

Und vor Kurzem ist ein zusätzlicher Band<br />

für Geografie-Scharfdenker entstanden.<br />

Das Landleben?<br />

Ambivalent.<br />

Für sein neuestes Buch, das im Sommer<br />

im Rowohlt-Verlag erscheint, arbeitet<br />

Quichotte derzeit oft zehn Stunden pro Tag.<br />

„Ein erzählendes Sachbuch, das sich mit<br />

dem Leben auf dem Land beschäftigt. Und<br />

mit der Frage: Was macht man als junger<br />

Mensch dort mit wenig Freizeitangeboten<br />

und so viel Zeit? Ein Buch mit starken<br />

autobiografischen Bezügen. Für mich war<br />

schon früh klar: Ich muss, sobald es geht,<br />

von da weg. Doch mit der Zeit ändert sich<br />

auch die Einstellung zum Leben auf dem<br />

Land. Das sehe ich heute als ambivalent:<br />

Es ist schön, wenn man in der Nachbarschaft<br />

zusammenhält. Es kann aber auch<br />

nerven, wenn die Nachbarn jeden Schritt<br />

genau beobachten. Auch wenn ich die Menschen<br />

auf dem Land früher als Hinterwäldler<br />

gesehen habe: Heute entscheide ich von<br />

Fall zu Fall, denn es gibt auch Städter, die<br />

ich mit ihrem weltgewandten und urbanen<br />

Getue so gar nicht haben kann. Und wer<br />

weiß, vielleicht zieht es mich später ja wieder<br />

aufs Land zurück.“<br />

Rätselbücher von Quichotte<br />

und Patrick Salmen<br />

• Du kannst alles schaffen, wovon du<br />

träumst. Es sei denn, es ist zu schwierig<br />

• Aufgeben ist keine Lösung: Außer bei<br />

Paketen<br />

• Der Holzweg ist das Ziel. Es sei denn,<br />

er führt nach Rom<br />

• Die Letzten werden die Ersten sein.<br />

Es sei denn, sie sind zu langsam<br />

Sowie Quichotte: „Es steht alles auf der<br />

Kippe“.<br />

Österreich-<br />

Premiere<br />

von Quichotte<br />

in Axams:<br />

Am 16. März verschmilzt er<br />

im Spielraum Elisabethinum<br />

klassische Stand-up Comedy<br />

mit schrägen Gedichten,<br />

Kurzgeschichten und urbanen<br />

Rhythmen. Kartenvorverkauf<br />

in der Wagner’schen.<br />

Weitere Infos unter<br />

www.spielraum-elisabethinum.at


© Fotowerk Aichner<br />

Wir können<br />

nur gemeinsam<br />

schreiben,<br />

weil wir so<br />

verschieden<br />

sind.<br />

Buchpräsentation:<br />

Michael Köhlmeier,<br />

Monika Helfer:<br />

Der Mensch ist verschieden –<br />

Dreiunddreißig Charaktere<br />

Mi., 29. März 2017, 19:30 Uhr<br />

Wagner’sche<br />

Universitätsbuchhandlung<br />

Moderation und Gespräch:<br />

Robert Renk<br />

In Kooperation mit 8ungKultur<br />

Monika Helfer<br />

28<br />

Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

In ihren Romanen und Erzählungen porträtiert<br />

die Autorin Monika Helfer gerne<br />

Außenseiterfiguren, die in ihren ganz eigenen<br />

Welten leben. Mit ihrem Mann, dem Schriftsteller<br />

Michael Köhlmeier, hat sie unter dem<br />

Titel „Der Mensch ist verschieden“ nun<br />

einen bunten Reigen menschlicher Charaktertypen<br />

beschrieben. Im Folgenden gibt sie<br />

einen Einblick in die Schriftstellerwerkstatt<br />

Helfer/Köhlmeier und erzählt, was sie immer<br />

schon schreiben wollte.<br />

Dreiunddreißig Charaktertypen<br />

lernen wir in „Der Mensch ist<br />

verschieden“ kennen. Was fasziniert<br />

dich daran, Menschen in Typen zu<br />

fassen? Und vor allem: Wo sitzt der<br />

Charakter?<br />

Mich interessieren alle Menschen, ich mag<br />

auch am liebsten Fotos, auf denen Menschen<br />

abgebildet werden. Es interessiert<br />

mich, Menschen zu beobachten und zu<br />

vergleichen. Das klingt zwar, als wären es<br />

Studienobjekte, aber es ist einfach so, dass<br />

ich die Menschen zum Schreiben brauche.<br />

Monika<br />

Helfer<br />

Ins Gespräch<br />

verwickelt<br />

von Dorothea<br />

Zanon.<br />

29<br />

Es ist auch eine Sache der Erfahrung.<br />

Je länger ich gelebt habe, umso mehr habe<br />

ich gesehen. Wo der Charakter sitzt, kommt<br />

am Besten in Extremsituationen hervor,<br />

wie verhält sich ein Mensch, wenn er sich<br />

unbeobachtet glaubt. – Mein Glück wäre<br />

es, könnte ich so gut wie Tschechow über<br />

die Menschen schreiben.<br />

Was du mit deinem Mann Michael<br />

Köhlmeier beim Schreiben gemeinsam<br />

hast, ist die unglaublich reiche<br />

Fantasie. Wenn ihr nun beide<br />

gemeinsam ein Buch schreibt, stell<br />

ich mir das so vor: Ihr werft eure<br />

Ideen und viele Worte dazu in einen<br />

Zaubertopf, rührt um, würzt ein<br />

bisschen nach und da haben wir<br />

diesen unvergleichlichen Helfer/<br />

Köhlmeier-Stil. Ist es so?<br />

Das wäre schön, es ist aber nicht so.<br />

Michael ist ein analytischer Kopf und ich<br />

bin ein Wirrkopf. Phantasie haben wir beide<br />

ausreichend. Vielleicht ist es so, dass ich<br />

tiefer hineinschauen kann, dafür erkennt<br />

Michael das Wie und Warum, er hat eine<br />

extrem schnelle Auffassungsgabe, während<br />

ich noch im Zaubertopf rühre, riecht er<br />

schon die Speise.<br />

Dieses Buch ist nicht eure erste<br />

gemeinsame Arbeit, ihr habt<br />

z. B. auch schon ein wunderbares<br />

Kinderbuch miteinander verfasst<br />

– „Rosie und der Urgroßvater“.<br />

Was ist das Schöne am Gemeinsam-<br />

Schreiben? Und wenn ihr euch mal<br />

uneins seid, wer setzt sich durch?<br />

Wir können nur gemeinsam schreiben,<br />

weil wir so verschieden sind. Michael ist in<br />

unserem Buch der Philosoph und ich bin<br />

die Ausdenkerin. – Durchsetzen wird sich<br />

der mit den besseren Argumenten.<br />

Dein neuer Roman ist gerade bei<br />

Jung und Jung erschienen. Der Titel<br />

lautet „Schau mich an, wenn ich mit<br />

dir rede!“ – wer spricht hier?<br />

Ich würde sagen, es spricht eine anonyme<br />

Autorität, die jeder von uns kennt. Wenn<br />

wir Glück haben, versickert sie in der Kindheit,<br />

vielen Menschen aber bleibt sie ein<br />

ganzes Leben lang. Wir ziehen den Kopf<br />

ein und machen uns klein, obwohl wir einen<br />

Hals haben und groß sind.<br />

Hast du schon Ideen für ein neues<br />

Buch? Vielleicht wird es eines, das du<br />

unbedingt und immer schon schreiben<br />

möchtest?<br />

Was ich immer schon schreiben wollte, ist<br />

ein Buch, das heißen würde: „Die Träumerin“.<br />

Eine Frau träumt jede Nacht und<br />

am Morgen kommt ein Mann und holt<br />

die Träume ab. (Es ist wie beim Stroh zu<br />

Gold spinnen.) Immer muss der Frau etwas<br />

einfallen, ob geträumt oder erfunden. Da<br />

ich selber eine heftige Träumerin bin, denke<br />

ich, wird mir das nicht allzu schwer fallen.<br />

Momentan schreibe ich mein Buch „Beginnende<br />

Migräne“ fertig, das handelt von<br />

einer Frau mit Migräne, wie sie damit die<br />

Familie tyrannisiert und dabei ein schlechtes<br />

Gewissen hat.<br />

Monika Helfer, geboren 1947 in Au/Bregenzerwald,<br />

lebt als Schriftstellerin mit ihrem Ehemann Michael<br />

Köhlmeier und ihrer Familie in Vorarlberg. Sie<br />

hat Romane, Erzählungen und Kinderbücher veröffent<br />

licht, darunter den Roman „Bevor ich schlafen<br />

kann“ (2010) und den Kurzgeschichtenband<br />

„Die Bar im Freien“ (2012). Für ihre Arbeiten wurde<br />

sie u. a. mit dem Österreichischen Würdigungspreis<br />

für Literatur (1997) und dem Johann-Beer-Literaturpreis<br />

(2012) ausgezeichnet. Bei Haymon<br />

erschienen die <strong>No</strong>velle „Kleine Fürstin“ (1995), der<br />

Geschichten band „Diesmal geht es gut aus“ (mit<br />

Zeichnungen von Lorenz Helfer, 2014) sowie aktuell<br />

„Der Mensch ist verschieden“. Dreiunddreißig<br />

Charaktere (gemeinsam mit Michael Köhlmeier).<br />

Ebenso im Frühjahr erschien ihr Roman „Schau<br />

mich an, wenn ich mit dir rede!“ bei Jung und Jung.<br />

Buchtipps:<br />

Monika Helfer:<br />

Schau mich an,<br />

wenn ich mit dir rede!<br />

Jung und Jung, 186 S., € 20,–<br />

Michael Köhlmeier,<br />

Monika Helfer:<br />

Der Mensch ist verschieden<br />

Haymon, 112 S., € 17,90


© privat<br />

Mein<br />

Wunschpatient<br />

wäre<br />

Adolf Hitler,<br />

vor er so<br />

mächtig war.<br />

Reinhard Haller<br />

Er ist einer der gefragtesten psychiatrischen<br />

Gerichtsgutachter unseres Landes und<br />

weithin bekannt für seine Gutachten in den<br />

Fällen zu Jack Unterweger, Franz Fuchs<br />

und Heinrich Gross. Der Psychiater,<br />

Psychotherapeut und Neurologe Reinhard<br />

Haller. Nun kehrt er mit seinem aktuellen<br />

Buch Die Macht der Kränkung in die<br />

Stadt zurück, in der er einst habilitierte.<br />

Auf Einladung des Lions Club Innsbruck<br />

Goldenes Dachl präsentiert er im artdepot<br />

sein Buch. Die Wagner’sche gesellt sich als<br />

Partner hier gerne dazu.<br />

Die Macht der Kränkung:<br />

Was kränkt macht krank<br />

Dass Kränkungen die tiefer liegenden<br />

Ursachen der meisten zwischenmenschlichen<br />

Probleme bis hin zu Kriegen sind<br />

und oft auch psychische und somatische<br />

Erkrankungen verursachen können,<br />

wird einem klar, je mehr man sich in das<br />

neue Buch von Dr. Reinhard Haller vertieft.<br />

Reinhard<br />

Haller<br />

Einer der klügsten<br />

Köpfe des Landes<br />

ist zu erleben auf<br />

Einladung<br />

des Lions Club<br />

Innsbruck<br />

Goldenes Dachl –<br />

von Peter Walder-<br />

Gottsbacher<br />

Kränkungen kennt zwar jeder von uns,<br />

sowohl Gekränkte als auch Kränkende. Bei<br />

der Beschreibung dieser subtilen,<br />

sich langsam ausbreitenden Prozesse, tun<br />

wir uns aber sehr schwer und oft sind wir<br />

uns deren auch nicht mehr bewusst was<br />

bisweilen katastrophale Folgen haben kann.<br />

Kränkung als<br />

nachhaltige Erschütterung<br />

des Selbstbildes<br />

Wie weit jemand nun gekränkt werden<br />

kann, hängt sowohl von der einzelnen<br />

Person, deren Verfassung und persönlicher<br />

Lebensgeschichte, als auch vom Grad<br />

der Empathie und der Offenheit zur Selbsterkenntnis<br />

ab.<br />

Die Formen reichen von der Beleidigung,<br />

über den für uns zum Teil fraglichen<br />

Ehrbegriff anderer Kulturen und Eifersucht<br />

bis hin zur Demütigung und Verbitterung.<br />

Ebenso kennen wir die Folgen<br />

bei Kränkungen in Partnerschaften, bei<br />

Scheidungen, Mobbing im Berufsleben<br />

und Verbrechen aus Gekränktheit bis hin<br />

zu Vergewaltigung, Mord und Terrorismus.<br />

Ein besonderes Kapitel behandelt auch<br />

den Narzissmus als Vater der Kränkung,<br />

wie der Autor ihn bezeichnet, als auch<br />

die verschiedenen Spielformen der Sucht.<br />

Kränkungen als Chance<br />

zur Lebensänderung<br />

Im letzten Teil des Buches wird der<br />

Umgang mit Kränkungen beschrieben.<br />

Reinhard Haller spricht hier von den<br />

Möglichkeiten der Empathie, des Erkennedich-selbst<br />

an Hand der eigenen Schwachpunkte,<br />

die meist erst durch Kränkungen<br />

offenbar werden, die Möglichkeiten der<br />

guten Kompensation besonders im Bereich<br />

des Künstlerisch-Kreativen, der heil -<br />

samen Kraft des Humors und der Ironie<br />

und der des Verzeihens, falls dieses noch<br />

möglich ist.<br />

Buchtipps:<br />

Reinhard Haller:<br />

Die Macht der Kränkung<br />

ecowin, 248 S., € 21,95<br />

Vortrag:<br />

Reinhard Haller:<br />

Die Macht der Kränkung<br />

Mi, 5. April 2017, 19:30 Uhr<br />

artdepot, Maximilianstraße 3,<br />

Stöcklgebäude, Innsbruck<br />

30<br />

Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

31


© Paul Zsolnay Verlag/Michael Appelt<br />

Auf der Suche nach sich selbst.<br />

Vier Reisegeschichten von Karl-Markus Gauß.<br />

von Ulrike Tanzer<br />

Ich war der<br />

einzige gebürtige<br />

Österreicher<br />

der Familie.<br />

Karl-Markus Gauß<br />

32<br />

Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

Das preisgekrönte Werk des gebürtigen<br />

Salzburgers Karl-Markus Gauß ist so<br />

umfangreich wie vielschichtig: Vom biographischen<br />

Essay über die Streitschrift, die<br />

Polemik, das Albumblatt, das Alphabet,<br />

die Reiseessays und das Journal reicht die<br />

Bandbreite an nichtfiktionalen Gattungen<br />

und Genres. Seit Anfang der 1980er<br />

Jahre führt der Schriftsteller, Essayist und<br />

Kritiker seine Leserinnen und Leser in<br />

unbekannte Welten, sei es ins „unentdeckte<br />

Österreich“ oder an die vom Verschwinden<br />

bedrohten Völker an den Rändern Europas.<br />

Durch Essaybände und Reisereportagen<br />

wie Das Europäische Alphabet (1997) und<br />

Die sterbenden Europäer. Unterwegs zu den<br />

Sepharden von Sarajevo, Gottscheer Deutschen,<br />

Arbëreshe, Sorben und Aromunen<br />

(2001) hat Gauß den Blick auf das zweigeteilte<br />

Europa geschärft, auf das Europa des<br />

Wohlstands und das der Armut. Im letzten<br />

Beitrag des Europäischen Alphabets, das mit<br />

„Zwei Europa“ betitelt ist, heißt es etwa:<br />

„Neben dem klassischen westeuropäischen,<br />

museal-grandiosen, historisch-pathetischen<br />

Europa lebt noch ein zweites, das bescheidene,<br />

in die Ecke gedrängte, seit Jahrhunderten<br />

immer wieder unterworfene periphere<br />

Europa der östlichen und südöstlichen<br />

europäischen Völker.“ Zwanzig Jahre nach<br />

diesem hellsichtigen Befund steckt heute<br />

die Europäische Union in ihrer größten<br />

politischen Krise. England strebt aus der<br />

Gemeinschaft und innerhalb der EU-Mitgliedstaaten<br />

formieren sich angesichts der<br />

Migrationsströme neue Bündnisse und<br />

Konstellationen. Die sogenannte Visegrád-<br />

Gruppe und der Westbalkan beherrschen<br />

seit Monaten die Schlagzeilen.<br />

In seinem neuen Buch mit dem<br />

Titel Zwanzig Lewa oder tot beschreibt<br />

Karl-Markus Gauß vier Reisen: in die<br />

Republik Moldau, nach Bulgarien, in die<br />

kroatische Hauptstadt Zagreb und in<br />

die Wojwodina. Ein Zitat des kroatischen<br />

Schriftstellers und Übersetzers Slavko<br />

33<br />

Mihalić ist dem Band als Motto vorangestellt:<br />

„Öffne die Augen und du wirst<br />

sehen: Hier bist du daheim.“ Der genaue<br />

Blick auf die Menschen und ihre Umgebung,<br />

auf die vom Verschwinden bedrohte<br />

reiche kulturelle Vergangenheit zeichnet<br />

die glänzend geschriebenen Essays aus. Der<br />

melancholische Grundton gleitet nie in<br />

sentimentale Rückwärtsgewandtheit ab. Im<br />

Gegenteil: Die beschriebenen Begegnungen,<br />

Gespräche und Erlebnisse paart Gauß mit<br />

historischen Exkursen und Reflexionen, die<br />

vor Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit<br />

und Respektlosigkeit warnen. Gerade die<br />

Gebiete, die historische Kreuzungspunkte<br />

darstellen mit sich übereinander lagernden<br />

Religionen, Sprachen und Ethnien, sind für<br />

den Reisenden von besonderem Interesse.<br />

Die Republik Moldau zum Beispiel, meist<br />

nur abfällig als „Armenhaus Europas“ tituliert,<br />

zwischen Rumänien und der Ukraine<br />

gelegen, seit jeher umkämpft und auf der<br />

Suche nach seiner Identität. „Nun also,<br />

wer bin ich?“, fragt sich Irina Shihova, die<br />

in Chișinǎu einem jüdischen Kultur- und<br />

Wohltätigkeitsverein vorsteht. „Ich bin eine<br />

Jüdin. Und eine Russin. Und eine Chișinǎuerin.<br />

Und die Tochter eines Überlebenden<br />

der Shoah. Und die Mutter einer kleinen<br />

Tochter, die in diesem Land zu einem freien<br />

Menschen heranwachsen soll. Und eine<br />

Wissenschaftlerin. Und Museumsdirektorin.<br />

Und ich bin – eine Moldauerin.“<br />

Futog:<br />

Spätes Kennenlernen<br />

Der Essay über „Die toten Mädchen von<br />

Futog“ ist der persönlichste Text in dem<br />

Band. Gauß’ Eltern, die neben Deutsch<br />

auch noch Ungarisch und Serbokroatisch<br />

miteinander sprachen, waren Ende 1945<br />

in Österreich gestrandet und jahrelang in<br />

einer Barackensiedlung für Heimatvertriebene<br />

untergebracht. „Ich war“, so der 1954<br />

geborene Karl-Markus Gauß über seine<br />

Kindheit in Salzburg, „der einzige gebürtige<br />

Österreicher der Familie“.<br />

In der Batschka begibt sich Gauß auf<br />

die Spur seiner donauschwäbischen Vorfahren<br />

– und letztlich auf eine Suche nach sich<br />

selbst. Jahrelang hatte er es – zum Leidwesen<br />

seiner Mutter – vermieden, nach Futog,<br />

Palanka und Warschetz zu fahren. Erst<br />

nach ihrem Tod bereiste er 2009 das kleine<br />

Dorf Futog, wo seine Mutter aufgewachsen<br />

war. Er imaginiert in der Marienkirche<br />

das achtjährige Mädchen, das mit der<br />

Kommunionkerze zum Altar schreitet.<br />

Bist du also doch noch hierhergekommen,<br />

hört er sie sagen, ich weiß ja, was das<br />

Richtige für dich ist. „Das schöne Mädchen<br />

vor Augen, das meine tote Mutter war, fasst<br />

mich jäh die Gewissheit ans Herz, dass<br />

die Zeit, mich darüber zu ärgern, unwiderruflich<br />

dahin war.“<br />

Buchtipp:<br />

Karl Markus Gauß:<br />

Zwanzig Lewa oder tot<br />

Vier Reisen. Wien.<br />

Paul Zsolnay Verlag,<br />

208 S., ca. € 22,70<br />

Buchpräsentation:<br />

Karl-Markus Gauß<br />

Zwanzig Lewa oder tot<br />

Di., 4. April 2017, 19 Uhr<br />

Literaturhaus am Inn<br />

Josef-Hirn-Straße 5 / 10. Stock<br />

In Kooperation mit der<br />

Wagner’schen


© Peter Schaller<br />

Eine Reise im Kopf – oder der<br />

Anfang kommt zum Schluss …<br />

Hubert Flattinger besucht Robert Renk<br />

Im Diktat<br />

13 Fehler, also<br />

13 Watschen,<br />

in meinen<br />

Zeichnungen<br />

konnten sie<br />

keine Fehler<br />

finden.<br />

Hubert Flattinger<br />

Einer ist auf der Reise. Wie und mit wem<br />

kann man nur erahnen. Vielleicht mit<br />

dem Zug, gar mit dem Schiff oder doch mit<br />

dem Flugzeug. Vielleicht sitzt er ja selbst<br />

im Cockpit.<br />

Auf jeden Fall kommt er gut an und befindet<br />

sich am Ende dieses wilden literarischen<br />

Roadmovies in Stockholm, vor der Haustüre<br />

von Astrid Lindgren. Aber das ist eine andere<br />

Geschichte.<br />

Es ist eine Reise, die der Tintenmann<br />

Hubert Flattinger erlebt hat, vielfach.<br />

Ja, tatsächlich ist er einst nach Stockholm<br />

gefahren und hat die große Dame der<br />

Kinderbuchliteratur daheim besucht, hat<br />

sich von ihr in die Wange kneifen lassen<br />

und ist mit den Worten „Ich hab gewusst,<br />

Sie sind ein Schlingel“ wohlbehütet und<br />

reich beschenkt wieder entlassen worden.<br />

Aber wissen wir, wie oft er diese Reise im<br />

Kopf schon durchgespielt hat? Was sich auf<br />

dem Weg dorthin und ebendort abgespielt<br />

hat? Wer aus den Leseerinnerungen des<br />

Kinderbuchspezialisten sich dort zu Wort<br />

gemeldet hat und wer unbedingt Teil dieser<br />

Reise und somit der Erzählung sein wollte?<br />

Vorweg sei es verraten: Viele!<br />

Und so breitet der Tintenmann einen<br />

fliegenden Teppich an fein gezeichneten,<br />

skurrilen Figuren aus, ein Konglomerat an<br />

Leseerinnerungen. Sie entsteigen Büchern<br />

von Jack London, Astrid Lindgren, Mark<br />

Twain oder Hermann Melville, eben aus allem,<br />

mit dem sich ein Jugendlicher Jahrgang<br />

1966 sozialisiert hat.<br />

Sie tänzeln aus Filmen, wie den<br />

3 Musketieren oder sie hüpfen aus Hendrixoder<br />

Beatles-Platten. Und ja, es müssen<br />

Platten sein, man hört in diesem rhythmisch<br />

wunderbar gefertigten Text denn auch<br />

das Knarzen. Der Text hat Leben, ist nicht<br />

zu glatt, hat Fülle und ist sich seiner vielseitigen<br />

und vielschichtigen Möglichkeiten<br />

innerhalb seines schmalen Textsakkos<br />

bewusst. Eine meisterhaft assoziierte, wilde<br />

Korallenkette eines gar feinen Geschichtenerzählers,<br />

der auch lautmalerische Effekte<br />

gezielt einsetzt, um das Musikalische des<br />

Textes zu untermalen.<br />

Und bekannt kommen sie einem schon<br />

vor; die Aztekenprinzessin Prima Pralina<br />

Langsock hat wohl Sommersprossen und<br />

rote Zöpfe. Und der Gitarre spielende<br />

Boo Jangles sieht Sammy Davis Jr. ähnlich.<br />

Ein gewisser Gin Kelly geriert sich tänzelnd<br />

als Musketier. Tatsächlich hat Gene<br />

Kelly – was ich nicht wusste – 1948 bei der<br />

Romanverfilmung von Dumas den D’Artagnan<br />

gegeben, und zwar „Im besten aller<br />

Musketierverfilmungen, mit der schönsten<br />

Lady de Winter“ (Lana Turner* Anm.),<br />

wie Hubert Flattinger mir erläutert.<br />

Flattinger, ein hochsympatischer Doc<br />

Hollidaytyp mit leichtem Huckleberry-<br />

Finn-Einschlag, ein Stadtcowboy, der am<br />

Land wohnt, erzählt mir auch, wie er<br />

zu zeichnen begann: „Im Diktat 13 Fehler,<br />

also 13 Watschen, in meinen Zeichnungen<br />

konnten sie keine Fehler finden, also<br />

hab ich lieber gezeichnet …“, wie er dann<br />

konsequenterweise die Schule abbrach, als<br />

„Wagerlschieber im DEZ“ und Krankenpfleger<br />

arbeitete, als 22-jähriger Sterbebegleiter<br />

Depressionen bekam und wie er mit<br />

einem phantasievollen Bewerbungsgespräch<br />

zur Tiroler Tageszeitung kam, aber das ist<br />

wieder eine andere Geschichte …<br />

Hubert Flattinger, geboren 1966 in Innsbruck,<br />

pendelt als Grafiker, Autor und Journalist regelmäßig<br />

zwischen dem äußersten Osten Niederösterreichs<br />

und dem Mittelwesten Tirols.<br />

Buchtipps:<br />

Hubert Flattinger:<br />

Als ich Lord Winter war<br />

Limbus Verlag, 80 S., € 12,–<br />

Hubert Flattinger:<br />

Der größte Fisch entwischt<br />

Limbus Verlag, 144 S., € 14,90<br />

Hubert Flattinger:<br />

Sommersprossen auf dem<br />

Asphalt<br />

Aravaipa Verlag, 200 S., € 15,40<br />

Buchpräsentation:<br />

Hubert Flattinger<br />

„Als ich Lord Winter war“<br />

Di, 16. Mai 2017, 19:30 Uhr<br />

Wagner’sche<br />

Universitätsbuchhandlung<br />

Einführung: Bernd Schuchter<br />

34<br />

Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

35


Das<br />

Glück,<br />

das ich<br />

habe<br />

Herr Schuh beschäftigt<br />

sich mit dem GLÜCK.<br />

Er hat darüber ein Buch<br />

geschrieben. Wir haben<br />

das GLÜCK, ihn wieder<br />

in unserer Buchhandlung<br />

begrüßen zu dürfen. Das<br />

Glück verdoppelt sich, denn<br />

Martin Sailer wird die<br />

Moderation übernehmen.<br />

Und noch mehr Glück,<br />

im folgenden lesen sie<br />

einen Originaltext von<br />

Franz Schuh, den sie nicht<br />

im Buch finden werden …<br />

Mit dem Glück befasse ich mich seit meiner Kindheit.<br />

Das ist einer Figur aus den Micky-Maus-Heften zu verdanken:<br />

Gustav Gans.<br />

Gans verkörpert ein Paradox des Glücks: Er hat immer<br />

Glück, er kann sich auf sein Glück stets verlassen. Das<br />

steht im Widerspruch zu dem, was wohl oder übel für Glück<br />

gehalten werden muss: Das unerwartet Zufällige, auf<br />

das man vielleicht in höchster <strong>No</strong>t hofft, wenn man glaubt,<br />

sonst nichts mehr tun zu können.<br />

Dennoch hat das Glück des Gustav Gans eine andere Eigenschaft,<br />

die das Glück auszeichnet und zugleich verdächtig<br />

macht: Das Glück des Gustav Gans ist so unverdient wie nur<br />

das Glück es sein kann.<br />

Gustav Gans hat sein Glück vor allem deshalb, um über<br />

eine Mitente zu triumphieren, die kein Glück hat, obwohl<br />

sie es sich manchmal verdienen würde: gegen Donald Duck,<br />

der Glück hauptsächlich davon kennt, dass er ihm vergeblich<br />

hinterherjagt.<br />

Dass ich mich im Laufe der Jahre für Philosophie interessierte,<br />

hat mit dem Glück zu tun. Aufgrund des Schularbeits<br />

themas „Darf man andere Menschen zu ihrem Glück<br />

zwingen?“ bekam ich als Schüler eine erste Ahnung davon,<br />

was Argumentieren heißen könnte, nämlich sich in einem<br />

Dilemma zurechtzufinden. Man sollte, wenn man es denn<br />

besser weiß, andere nicht in ihr Unglück laufen lassen. Ebenso<br />

wenig ist aber das erzwungene Glück ein Glück. Was tun?<br />

Wird der Mensch erwachsen, was man daran sieht, dass er<br />

Steuern zahlt und dass seine Lebenszeit verrinnt, kann er im<br />

Rückblick erkennen, ob er Glück hatte. In der Vorausschau<br />

kann er sich ausrechnen, wieviel Glück er noch unbedingt<br />

haben muss, um gut durchzukommen.<br />

Die Glücksfrage stelle ich als Erwachsener unter ein doppeltes<br />

Motto. Das erste Motto stammt aus einem antiken Text,<br />

aus der Nikomachischen Ethik von Aristoteles: „Da aber die<br />

Dinge durch Zufall geschehen, Dinge, die sich an Größe und<br />

Kleinheit unterscheiden, werden geringe Glücks- ebenso wie<br />

Unglücksfälle das Leben eines Menschen nicht beeinflussen,<br />

während große und häufige Glücksfälle das Leben glückseliger<br />

machen werden …, die entsprechenden Unglücksfälle<br />

hingegen das glückselige Leben zerdrücken und trüben. Denn<br />

sie bringen Unlust mit sich und behindern viele Tätigkeiten.“<br />

Das ist Philosophie, wie sie sich von selbst versteht, also ein<br />

Gemeinplatz. Das zweite Motto feiert die Glücksfrage ebenso<br />

eindringlich. Es stammt aus „Scrubs. Die Anfänger“, einer<br />

Ärzteserie aus dem Fernsehen und es lautet: „Am Ende zählt<br />

nur, ob man nachts schlafen kann.“<br />

Franz Schuh<br />

Buchpräsentation:<br />

Buchtipp:<br />

Franz Schuh:<br />

Fortuna<br />

Zsolnay, 250 S., ca. € 22,70<br />

36<br />

Wagner’sche.<br />

© Helmut Wimmer<br />

Franz Schuh: Fortuna<br />

Moderation und Gespräch:<br />

Martin Sailer<br />

Do., 18. Mai 2017, 19:30 Uhr<br />

Wagner’sche<br />

Universitätsbuchhandlung<br />

In Kooperation mit 8ungKultur


© David Zehnder<br />

Gedichte<br />

mit sanften<br />

Widerhaken<br />

also, ja,<br />

das gefällt mir.<br />

Klaus Merz<br />

38 Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

Dass die Antworten des Schweizer Schriftstellers<br />

meist knapper ausfallen als die<br />

Fragen seines Gegenübers, gehorcht einem<br />

Programm, dem sich Merz, der vor wenigen<br />

Monaten in München mit dem „Rainer-<br />

Malkowski-Preis“ ausgezeichnet wurde, seit<br />

seinen Anfängen verschrieben hat …<br />

Klaus Merz, vor einem halben<br />

Jahrhundert erschien unter dem Titel<br />

„Mit gesammelter Blindheit“ (1967)<br />

Ihr erster Band, ein Tschudy-Bogen<br />

mit zwanzig Gedichten. Welche<br />

Erinnerungen haben Sie an Ihr<br />

Debüt?<br />

Da war die damals 45-jährige Dichterin<br />

Erika Burkart, die befand, es sei nun an der<br />

Zeit für einen ersten Gedichtband. Sie hatte<br />

mich während vier Jahren schon behutsam<br />

begleitet und wandte sich an Traugott<br />

Vogel, den älteren Freund, Autor und<br />

Herausgeber der Bogenhefte beim Tschudy<br />

Verlag. – Zu seinen Autoren zählten neben<br />

Klaus<br />

Merz<br />

„Eingenistet<br />

im ‚Genicht‘ des<br />

Gedichts“ – Klaus<br />

Merz im Gespräch<br />

über seinen Gedichtband<br />

„Helios<br />

Transport“, über<br />

die Lyrik, das Leben<br />

und überhaupt.<br />

Von Markus Bundi<br />

39<br />

Hermann Hesse, C.G. Jung, Robert Walser<br />

oder Jörg Steiner auch Erika Burkart. –<br />

Mein Heft Nr. 76 war dann das zweitletzte<br />

in der legendären Bogenheft-Reihe. Wir<br />

lektorierten im Herbst 1966 im Zürcher<br />

Café Odeon am <strong>No</strong>rdfenster.<br />

Eines der Gedichte in diesem ersten<br />

Band endet mit dem Zweizeiler<br />

„Ich frage: / War je keine Klarheit?“.<br />

Hinter der Frage steckte damals<br />

ein 22-jähriger Dichter. Wie steht<br />

es denn heute, im Jahr 2017, um die<br />

Klarheit?<br />

Die Frage nach Klarheit, ich gestehe es,<br />

sie ist – bis heute – eine eher rhetorische<br />

geblieben.<br />

„Helios Transport“ nun, der Titel<br />

des im vergangenen Jahr erschienenen<br />

Bandes, lässt zunächst einen<br />

göttlichen oder dann zumindest<br />

sonnigen Transfer vermuten, und der<br />

eine oder andere möchte womöglich<br />

gar an eine neue Bezeichnung des<br />

„Luftgeschäfts“, sprich der Lyrik,<br />

glauben, bis man beim Lesen des<br />

titelgebenden Gedichts merkt,<br />

dass es sich dabei um ein profanes<br />

Transportunternehmen handelt, das<br />

allerdings – nächste Überraschung<br />

– die Träume des lyrischen Ichs<br />

beliefert. Als Frage formuliert: Wie<br />

wichtig sind Ihnen überraschende<br />

Wendungen oder auch Gegensätze im<br />

Gedicht?<br />

Für mich war im angesprochenen „Luftgeschäft“<br />

eine gewisse Bodenständigkeit<br />

immer eine wichtige Komponente. – Und<br />

sogenannt paradoxe Interventionen oder<br />

Überraschungen führten nicht nur mit<br />

unseren beiden Kindern, sondern auch in<br />

meinen Gedichten oft zu unentbehrlichen<br />

Einsichten.<br />

Vielleicht noch deutlicher als in den<br />

vorangegangenen Bänden sticht die<br />

Knappheit der einzelnen Gedichte<br />

in „Helios Transport“ hervor. So<br />

mancher Dreizeiler findet sich,<br />

weniger als zehn Worte „machen“<br />

das Gedicht. Folgt diese Verdichtung<br />

einem Programm? Einer eigenen<br />

Vorgabe?<br />

„Eine Aufzeichnung muss wenig genug sein,<br />

sonst ist sie keine“, sagt ausgerechnet Elias<br />

Canetti in seiner „Fliegenpein“. Ich versuche<br />

mich – im Großen und Ganzen – daran<br />

zu halten.<br />

Wulf Segebrecht schrieb unlängst<br />

in seiner Besprechung für die<br />

F.A.Z.: „Man findet leicht hinein in<br />

diese Gedichte des 1945 geborenen<br />

Schweizers, aber schwer wieder<br />

heraus.“ Und in der Folge schreibt<br />

der Kritiker: „Klaus Merz: ein<br />

traditionsgebundener Neuerer.“ –<br />

Würden Sie das so unterschreiben?<br />

Und wenn ja, wie hängt das eine mit<br />

dem andern zusammen?<br />

Gedichte mit sanften Widerhaken also, ja,<br />

das gefällt mir. Und der traditionsgebundene<br />

Neuerer passt gut zu meinem Konzept<br />

der „kleinen Verschiebungen“.<br />

Vor wenigen Tagen erst ist<br />

der Band „Flüsterndes Licht“<br />

herausgekommen, ein Kettengedicht,<br />

das Sie zusammen mit <strong>No</strong>ra<br />

Gomringer, Marco Grosse, Annette<br />

Hagemann und Ulrich Koch<br />

verfassten. Es ist nicht das erste Mal,<br />

dass Sie mit anderen Dichterinnen<br />

oder bildenden Künstlern<br />

zusammenspannen. Was ist für Sie<br />

der Reiz an solchen gemeinsamen<br />

Projekten?<br />

Das Echo aus anderen „Schneckenhäusern“<br />

hält mich in Atem. Und es erweitert die<br />

eigenen Hallräume.<br />

Man kennt Klaus Merz nun aber<br />

nicht nur als Dichter, sondern auch<br />

als Prosaautor. Allerdings liegt der<br />

letzte erzählende Text, die <strong>No</strong>velle<br />

„Der Argentinier“ (2009), doch<br />

schon einige Jahre zurück. Möchten<br />

Sie eine Prognose wagen?<br />

Lieber nicht. Zurzeit habe ich mich ziemlich<br />

tief eingenistet im „Genicht“ des Gedichts.<br />

Sollte mich aber ein unabweisbarer Prosastoff<br />

im Nacken packen, werde ich mich<br />

ihm wohl fügen müssen.<br />

Buchtipp:<br />

Klaus Merz:<br />

Helios Transport<br />

Haymon Verlag, 80 S., € 16,90<br />

Buchpräsentation<br />

und Lesung:<br />

Mit Klaus Merz (u. a.)<br />

Moderation und Gespräch:<br />

Markus Bundi<br />

Fr., 16. Juni 2017, 19:30 Uhr<br />

Wagner’sche<br />

Universitätsbuchhandlung<br />

In Kooperation mit 8ungKultur


© Günther Egger<br />

7 × Fragen an Günther Egger<br />

Im Jänner hat er unsere Auslagen zu einer hochformatigen<br />

Augenweide gemacht. In dieser Nummer ist er für das Titelcover<br />

verantwortlich und ab sofort mit seinem Magazin UP<br />

in der Wagner’schen präsent.<br />

Ich bin sehr<br />

selten ‚zeitfrei‘<br />

unterwegs.<br />

Günther Egger<br />

Womit kann man<br />

Sie bestechen?<br />

In der heutigen Zeit wahrscheinlich die<br />

falsche Antwort, aber leider mit einer<br />

Zigarette.<br />

Wobei vergessen Sie<br />

völlig die Zeit?<br />

Ich bin sehr selten „zeitfrei“ unterwegs,<br />

aber beim Lesen und wenn ich mit meiner<br />

Frau auf den Berg renne, zwei Situationen,<br />

die mich völlig vergessen lassen.<br />

Was bewundern Sie an<br />

anderen Männern?<br />

An anderen Männern bewundere ich immer<br />

Konsequenz und Zielstrebigkeit, ich bin<br />

beeindruckt, wenn sich jemand etwas vornimmt<br />

und dieses Vorhaben ohne Ablenkung<br />

durchzieht.<br />

Was möchten Sie werden,<br />

wenn Sie groß sind?<br />

Eine lustige Frage an einen Fünfzigjährigen,<br />

aber ich möchte 2017 Hasselblad<br />

Master werden. Ich war schon zweimal im<br />

Finale und heuer soll es endgültig klappen,<br />

dieses Ziel verfolge ich seit 10 Jahren schon,<br />

und ich möchte heuer noch ein neues Buch<br />

herausbringen.<br />

Mit welcher berühmten<br />

Person, lebend oder schon<br />

gestorben, würden Sie gerne<br />

noch ein Gläschen heben?<br />

Ich habe vor längerer Zeit Hans Hass, den<br />

Meeresbiologen, im Zug getroffen, ich<br />

musste in Innsbruck aussteigen und wenngleich<br />

wir von Wien bis Innsbruck durchgeredet<br />

haben, war die Zeit zu kurz.<br />

Sie verbringen eine Nacht<br />

in der Wagner’schen.<br />

Über welche Bücher gebeugt<br />

würde man Sie in der Früh<br />

finden?<br />

Ich habe gerade alle Marc Elsberg Bücher<br />

gelesen und würde wohl schauen, ob ich<br />

noch eines von ihm finde.<br />

Welches geliehene Buch<br />

haben Sie nicht<br />

zurückgegeben?<br />

Ich war noch nie in meinem Leben in einer<br />

Bücherei und leihe mir auch sonst keine<br />

Bücher aus, die Wagner’sche ist nur 50 Meter<br />

von meiner Wohnung entfernt und dort<br />

kriege ich alles, was ich suche.<br />

Günther Egger, geb 1966 ist eigentlich gelernter<br />

Rechts- und Kommunikationswissenschaftler.<br />

Seit über 15 Jahren arbeitet er als selbständiger<br />

Fotograf und das mit großem Erfolg. Er ist<br />

MASTER QEP Photographer, wurde 2015 als erster<br />

Österreicher zum europäischen Fotografen des<br />

Jahres gewählt und steht 2017 wieder im Finale.<br />

Er war als einziger Fotograf der Welt bereits zweimal<br />

im Hasselblad Master Finale und wird von Lürzer’s<br />

Archiv als einer der 200 besten Werbefotografen<br />

geführt. Seine Kunstfotografien werden laufend in<br />

internationalen Ausstellungen gezeigt, zuletzt 2015<br />

bei der Clio Art Fair, New York.<br />

Buchtipp:<br />

Marc Elsberg:<br />

HELIX – Sie werden uns ersetzen<br />

Blanvalet, 648 S., € 23,70<br />

40<br />

Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

41


© Jelena Dabić<br />

Literaturland Litauen<br />

Tipps zum Schwerpunktland der Leipziger Buchmesse.<br />

Von Cornelius Hell<br />

Litauen ist<br />

ein Land der<br />

Poesie – auch<br />

in Zeiten, in<br />

denen das Buch<br />

an Terrain<br />

verloren hat<br />

Cornelius Hell<br />

42<br />

Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

Die Literatur eines Landes ist oft auch eine<br />

Sonde in den Alltag, die Mentalitäten und<br />

Lebenskonzepte seiner Bewohner. Unter<br />

den 26 Büchern, die zum Litauen-Schwerpunkt<br />

der diesjährigen Leipziger Buchmesse<br />

erscheinen, sind etliche, die die Lebensrealitäten<br />

der Gegenwart und der jüngsten<br />

Vergangenheit des Landes in verschiedenen<br />

künstlerischen Brechungen widerspiegeln.<br />

Seit Litauen 1990 seine Unabhängigkeit<br />

wiedererlangte, hat die Prosa einen ungeheuren<br />

Aufschwung genommen. Ihren Stoff<br />

bezieht sie allerdings längst nicht mehr nur<br />

aus dem eigenen Land.<br />

Ein faszinierendes Beispiel dafür ist der<br />

Roman „Fische und Drachen“ von Undine<br />

Radzevičiūtė, der im Residenz Verlag<br />

erschienen ist. Zwei Stränge sind darin raffiniert<br />

ineinander verzahnt: die Erlebnisse des<br />

italienischen Malers Giuseppe Castiglione,<br />

der im 18. Jahrhundert etwa 50 Jahre am<br />

chinesischen Kaiserhof verbringt, und die<br />

Dialoge von vier schrägen Frauen in einer<br />

Altstadtwohnung der Gegenwart mitten<br />

in Chinatown. Es war eine Freude, diese<br />

Wortgefechte von Oma Amigorena, Mama<br />

<strong>No</strong>ra (Autorin erotischer Romane) und<br />

der beiden Schwestern Miki und Schascha<br />

(Autorin des chinesischen Handlungsstranges<br />

im Roman) zu übersetzen. „ ‚Fische und<br />

Drachen‘ entführt den Leser in die Verbotene<br />

Stadt des 18. Jahrhunderts. Chinesische<br />

Lebensphilosophie, jesuitische Gottesfürchtigkeit<br />

und mediale Welten prallen hier<br />

aufeinander“, schreibt die Redaktion des<br />

„literarischen Quartetts“ in ihrem Buchtipp.<br />

Ein Internationalist in Denken und<br />

Wahrnehmung ist auch der Altmeister der<br />

litauischen Poesie Tomas Venclova, der<br />

Jahrzehnte an der Universität Yale russische<br />

Literatur gelehrt und gleichzeitig Gedichtbände<br />

und Bücher über Vilnius publiziert<br />

hat. Der Suhrkamp Verlag bringt unter dem<br />

Titel „Der magische <strong>No</strong>rden“ Gespräche<br />

mit Venclova, in denen seine Freundschaft<br />

43<br />

mit Joseph Brodsky und Czesław Miłosz<br />

und seine Beziehungen zu den sowjetischen<br />

Dissidenten ebenso zu Wort kommen wie<br />

seine Erfahrungen als Mitbegründer der<br />

litauischen Helsinki-Gruppe, als unfreiwilliger<br />

Emigrant und als Rückkehrer in das<br />

unabhängige Litauen. Die Reflexionen dieses<br />

achtzigjährigen Dichters und Denkers<br />

fokussieren die verwickelte Geschichte Mittelosteuropas<br />

ebenso wie zentrale Fragen<br />

der Poesie.<br />

Litauen ist ein Land der Poesie – auch<br />

in Zeiten, in denen das Buch an Terrain<br />

verloren hat. „die allereinfachsten zaubersprüche“<br />

heißt der Gedichtband von Rimvydas<br />

Stankevičius, den der Wieser Verlag<br />

publiziert. Der 1973 geborene Autor, der zu<br />

den wichtigsten litauischen Poeten gehört<br />

und bereits ein bedeutendes Werk vorlegen<br />

kann, ist in seinen Bildern ebenso außergewöhnlich<br />

ist wie im Klang und Rhythmus<br />

seiner Gedichte. Eigene Erfahrungen mit<br />

archaischen Zauber-Ritualen in Litauen,<br />

das als letztes Land Europas christianisiert<br />

wurde und wo heidnische Traditionen vielleicht<br />

nie ganz abgerissen sind, werden mit<br />

den Mitteln zeitgenössischer Poesie radikalisiert,<br />

aber auch ironisiert. Dazu kommen<br />

Bezüge auf das Alte und Neue Testament<br />

wie auf die jüngere Geschichte Litauens<br />

oder Szenen aus der Familie des Autors.<br />

Auch in diesem Fall war das Übersetzen<br />

eine besondere Freude.<br />

Mit dem Roman „Die traurigen Flüsse“<br />

von Romualdas Granauskas (Corso Verlag)<br />

kann man sich den traumatischen Erfahrungen<br />

Litauens während des Zweiten<br />

Weltkriegs und danach nähern, mit dem<br />

Meisterwerk „Tula“ von Jurgis Kunčinas<br />

kann man in die Atmosphäre der späten<br />

Sowjetzeit eintauchen, und ein wichtiger<br />

Roman der litauischen Emigration, „Das<br />

weiße Leintuch“ von Antanas Škėma, pendelt<br />

zwischen Litauen-Reminiszenzen und<br />

New Yorker Gegenwart der 1950er Jahre.<br />

In dem anspruchsvollen Prosaband „Der<br />

lange Spaziergang auf einer kurzen Mole“<br />

lässt Giedra Radvilavičiūtė eine Frau immer<br />

wieder durch Vilnius streifen; sie hat eine<br />

unmittelbare Wahrnehmung persönlicher<br />

Beziehungen und gesellschaftlicher Umbrüche<br />

und gleichzeitig die Weltliteratur im<br />

Kopf, wenn sie Litauen (oder in einer der<br />

Essay-Erzählungen auch Österreich) in den<br />

Blick nimmt.<br />

Wer die historische Tiefendimension<br />

der Stadt Vilnius ausloten möchte, bekommt<br />

in „Vilnius. Reisen in die ferne<br />

Nähe“ von Laimonas Briedis (Wieser Verlag)<br />

reiches Material in die Hand, das glänzend<br />

erzählt ist. Der Litauen-Schwerpunkt<br />

in Leipzig stellt neben Prosa und Poesie<br />

auch Wissenschaft, Kunst und Kinderbücher<br />

aus dem Land an der Ostsee vor. Die<br />

hier präsentierten Titel sind nur eine kleine<br />

Auswahl – von einem, der selbst übersetzt<br />

und seine Vorlieben hat.<br />

Buchtipps:<br />

Undine Radzevičiūtė:<br />

Fische und Drachen<br />

Residenz Verlag, 400 S., € 24,–<br />

Giedra Radvilavičiūtė:<br />

Der lange Spaziergang auf<br />

einer kurzen Mole<br />

corso, 144 S., € 19,–<br />

Veranstaltungstipp:<br />

Do., 30. März, 19 Uhr<br />

Undine Radzevičiūtė mit<br />

„Fische und Drachen“ und<br />

Giedra Radvilavičiūtė sind mit<br />

„Der lange Spaziergang auf<br />

einer kurzen Mole“ zusammen<br />

mit ihrem Übersetzer Cornelius<br />

Hell zu Gast im Literaturhaus<br />

Innsbruck.


Jetzt wird gebloggt<br />

Die Wagner’sche geht mit der Zeit und integriert auf ihrer<br />

Homepage einen innovativen family Blog – publiziert von<br />

Tiroler Mamis. Schließlich wissen die am besten, welche<br />

Bücher bei ihren Kindern angesagt sind. Katharina Schermann<br />

© Jan Hetfleisch<br />

Mit einem innovativen und in Tirol einzigartigen<br />

Kinder- und Familienblog begibt sich<br />

die Wagner’sche Buchhandlung auf neues<br />

Terrain. Sie erweitert damit ihr bestehendes<br />

Website-Angebot und garantiert auch online<br />

fachkompetente Beratung.<br />

Chronologisch gegliedert, leicht lesbar<br />

und stets auf Aktualität bedacht, werden<br />

ab 23. April im neuen Wagner’schen family<br />

Blog auf der Homepage www.wagnersche.at<br />

vor allem Familien und Kinder – die<br />

KundInnen von morgen – angesprochen.<br />

Dabei geht die Wagner’sche einen<br />

entscheidenden Schritt weiter und lässt<br />

engagierte Tiroler Mamis zu Wort kommen.<br />

Zusammengeschlossen als engmaschiges<br />

Netzwerk (www.ladalu.com) besprechen<br />

und bewerten die engagierten Mütter<br />

wöchentlich mit viel Liebe zum Detail,<br />

Stilsicherheit und Begeisterung für das<br />

Schreiben die unterschiedlichsten Kinderbücher<br />

und Ratgeber. Diese sind nur wenige<br />

Klicks entfernt im Onlineshop der Homepage<br />

erhältlich.<br />

We are family<br />

44 45<br />

Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

Abwechslungsreich, interessant und unterhaltsam<br />

in Text und Bild aufbereitet, stellt<br />

der Wagner’sche family Blog pädagogisch<br />

wertvolle, neue, unterhaltsame Bücher für<br />

Kinder zwischen 0 und 9 vor. Bestehend<br />

aus Kurzbeschreibung, treffenden Zitaten,<br />

Kommentaren und visuellen Elementen<br />

ergeben die einzelnen Posts ein hochwertiges<br />

Ganzes. Der Blog widmet sich daneben<br />

auch zielgruppenrelevanten Ratgebern und<br />

Sachbüchern. Dabei werden auch aktuelle<br />

Themen aufgegriffen. Die neuesten<br />

Bücher zum Ferienstart, zu Halloween,<br />

zum Fasching oder zu Ostern wären da nur<br />

ein paar Beispiele. Dabei ist der Blog auch<br />

offen für Userfeedback oder Gastkommentare,<br />

um eine wirkungsvolle Interaktion auf<br />

der Homepage zu garantieren.<br />

Entdecke meine Welt<br />

Der Wagner’sche family Blog ist dank<br />

seines Designs sehr userfreundlich aufgebaut.<br />

Die einzelnen, bebilderten Posts<br />

erscheinen jeweils mit knapper Inhaltsangabe<br />

und Bewertung – unterstützt von einer<br />

Punkte-Skala. Zitate und Kommentare der<br />

Blogger geben kurz und knapp den Inhalt<br />

wieder und erleichtern den Userinnen und<br />

Usern die Vorselektion. Zusätzlich sind<br />

Leseproben, aber auch Interviews möglich.<br />

Fixer Bestandteil des Wagner’schen family<br />

Blogs ist das Maskottchen „Käpt’n Wagner“,<br />

der bei der Navigation behilflich ist.<br />

Er weist mit seinem Motto „Entdecke meine<br />

Welt“ nicht nur auf das abwechslungsreiche<br />

Produktsortiment des Wagner’schen<br />

family Blogs hin, sondern verspricht auch<br />

ganz viel Spiel, Spaß und Unterhaltung.<br />

Der angenehme, chronologische Aufbau<br />

des Blogs ermöglicht Kindern ein einfaches<br />

Suchen und Finden. Zugleich erleichtern<br />

ansprechende und unmissverständliche<br />

Icons die Orientierung. So sind die einzelnen<br />

Themenbereiche eindeutigen Symbolen<br />

zugeordnet, die einem attraktiven, kinderfreundlichen<br />

Farbleitsystem folgen. Integrierte<br />

Tags machen neben einer praktischen<br />

Suchfunktion das Finden einzelner Bücher<br />

im wahrsten Sinne des Wortes zum Kinderspiel.<br />

So findet man leicht das geeignete<br />

Buch für jede Altersklasse.<br />

Abenteuer Blog<br />

Als integrierter Bestandteil der Homepage<br />

macht der Wagner’sche family Blog die<br />

Ware Buch zum Erlebnis für die ganze<br />

Familie. Egal, ob Gute-Nacht-Geschichte,<br />

Märchen-, Bastel- oder Singbuch – der<br />

Wagner’sche family Blog berücksichtigt<br />

immer auch die verschiedenen zeitgemäßen<br />

Familienformen. So soll im Blog die<br />

klassische Familie genauso berücksichtigt<br />

werden wie die alleinerziehende Mutter<br />

oder neue Typen wie die Wochenend- oder<br />

Patchworkfamilie. Es ist für jeden etwas<br />

dabei. Der Blog lädt ein, sich mit den<br />

Kindern Zeit zu nehmen, gemeinsam in die<br />

wunderbare Welt der Bücher eintauchen<br />

und anhand von hilfreichen Posts Kaufentscheidungen<br />

zu treffen.<br />

So wird der Blog zum spannenden,<br />

interaktiven Treffpunkt für Kinder und Erwachsene.<br />

Dabei haben die Besucher dank<br />

der variablen Textlängen der Posts stets die<br />

Wahl, wie viel Zeit sie in die Lektüre investieren<br />

beziehungsweise wie lange sie sich<br />

auf der Seite oder bei einem einzelnen Blogeintrag<br />

aufhalten wollen. In wenigen Klicks<br />

erreichen auch geübte Kinder spielend<br />

leicht das gewünschte Ziel – langes Suchen<br />

erübrigt sich. So können sich Erwachsene<br />

zusammen mit ihren Kindern ganz auf die<br />

präsentierten Bücher konzentrieren, gemeinsam<br />

schmökern und das richtige Buch<br />

auswählen.<br />

Als weiteres hilfreiches und praktisches<br />

Feature ist der Wagner’sche family Blog<br />

selbstverständlich mit dem Onlineshop der<br />

Homepage verbunden. Wer also bei der<br />

Blog-Lektüre das Richtige für sich findet,<br />

muss nicht lange das Haus verlassen,<br />

sondern kann seinen Favoriten gleich in den<br />

Warenkorb legen.<br />

Tag des Buches<br />

Der Blog verweist darüber hinaus natürlich<br />

auch auf das Geschehen in der Wagner’schen<br />

Buchhandlung selbst. Geplante<br />

Veranstaltungen werden ebenso angekündigt<br />

wie anstehende Aktionen.<br />

Feiern Sie mit der Wagner’schen gemeinsam<br />

den Tag des Buches und werfen Sie<br />

ab dem 23. April einen ersten Blick in den<br />

neuen Wagner’schen family Blog – schmökern<br />

Sie online, lassen Sie sich gemeinsam<br />

mit Ihren Kindern inspirieren. Wir freuen<br />

uns auf Ihr Feedback.<br />

Logo<br />

Das Logo „Wagner’sche family“ präsentiert<br />

sich bunt und ansprechend. Damit verweist<br />

es auf die abwechslungsreichen Blogbeiträge<br />

sowie auf die unterschiedlichsten Familienformen,<br />

die darin berücksichtigt werden.<br />

Maskottchen<br />

Mit seinem Motto „Entdecke meine Welt“<br />

weist das Maskottchen „Käpt’n Wagner“<br />

in Form einer klugen Eule auf die Produktvielfalt<br />

des family Blogs hin und entführt<br />

die Kinder in seine bunte Welt.<br />

Kochbuch<br />

Ratgeber<br />

Kinderbuch<br />

Gestalten<br />

Spielen<br />

Dekorieren<br />

Feiern<br />

Lernen


© Thomas Dorn<br />

Im Wohnzimmer<br />

mit dem Weltensammler<br />

Privat und in bester Gesellschaft – exklusiv mit<br />

Autor Ilija Trojanow. Von Robert Renk<br />

Buchtipps:<br />

Es kam mir<br />

vor, als wäre<br />

der Alltag eine<br />

Sprache, die<br />

ich als Einziger<br />

nicht verstand. *<br />

Ilija Trojanow<br />

* aus dem Roman<br />

„Macht und Widerstand“<br />

S. Fischer<br />

Ilija Trojanow:<br />

Nach der Flucht<br />

46 47<br />

S. Fischer, ca. 80 S., € 15,50<br />

Ilija Trojanow:<br />

Macht und Widerstand<br />

S. Fischer TB, 480 S., € 12,40<br />

Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

Viele unserer BesucherInnen – vor allem die,<br />

die regelmäßig zu unseren Lesungen kommen<br />

– bezeichnen unseren Sortimentsraum als<br />

„gemütlich wie ein Wohnzimmer“. Das freut<br />

uns und so soll das sein. Allerdings ein Wohnzimmer<br />

mit einer sehr großen, gut bestückten<br />

Bibliothek möchte ich anmerken.<br />

Und nicht wenige BesucherInnen von<br />

Buchhandlungen – das hat mich überrascht<br />

– würden gerne einmal eine Nacht in einer<br />

solchen verbringen. Einige Buchhandlungen<br />

bieten das sogar an.<br />

Nun, die Buchhandlung kann man sich<br />

also aussuchen – aber die Gesellschaft? Für<br />

beste Gesellschaft sorgt ab nun – zweimal<br />

pro Jahr – die Wagner’sche!<br />

Für 25 TeilnehmerInnen gibt es die<br />

Möglichkeit, einen ganzen Abend exklusiv<br />

bei uns zu verbringen, zu stöbern und zu<br />

gustieren. Neu dabei: die Möglichkeit zu<br />

haben, einen Autor persönlich kennenzulernen,<br />

mit ihm beim Buffet, beim gemeinsamen<br />

Stöbern, bei einem Gläschen ins<br />

Gespräch zu kommen!<br />

Zum Auftakt ein Abend<br />

mit Ilija Trojanow<br />

Zum Auftakt begrüßen wir am 28. Juni<br />

ab 19 Uhr 30 einen der smartesten und<br />

aktivsten Gegenwartsautoren, der mit<br />

seinen Romanen „Der Weltensammler“ und<br />

„Macht und Widerstand“ internationale<br />

Bestseller landete.<br />

Um 19 Uhr 30 starten wir und es gibt ein<br />

kurzes Gespräch des Sortimentsleiters mit<br />

dem Autor, in dem er auch Auszüge aus<br />

seinem brandneuen Text „Nach der Flucht“<br />

lesen wird. Danach spricht der über ein<br />

Thema, das ihn lange begleitet und ihm ein<br />

persönliches Anliegen ist, wir hören also<br />

Kompetentes zur afrikanischen Literatur.<br />

Nach den zwei kurzen, exklusiven Gesprächen<br />

im kleinen Kreise wird das Buffet<br />

eröffnet, serviert werden Köstlichkeiten<br />

aus unserer Meierei. Sie können nun alleine<br />

durch die Buchhandlung schlendern oder<br />

mit Ilija Trojanow im persönlichen Gespräch<br />

so manches vertiefen. Um 23 Uhr<br />

gehen die Türen auf und Sie können, auf<br />

einige schöne Begegnungen zurückblickend,<br />

bereichert den Heimweg antreten.<br />

Ilija TROJANOW<br />

geboren 1965 in Sofia, floh mit seiner<br />

Familie 1971 über Jugoslawien und Italien<br />

nach Deutschland, wo sie politisches Asyl<br />

erhielt. 1972 zog die Familie weiter nach<br />

Kenia. Unterbrochen von einem vierjährigen<br />

Deutschlandaufenthalt lebte Ilija<br />

Trojanow bis 1984 in Nairobi. Danach<br />

folgte ein Aufenthalt in Paris. Er studierte<br />

Rechtswissenschaften und Ethnologie in<br />

München. Dort gründete er den Kyrill &<br />

Method Verlag und später den Marino<br />

Verlag. 1998 zog Trojanow nach Bombay,<br />

2003 nach Kapstadt, heute lebt er, wenn er<br />

nicht reist, in Wien. Zuletzt erschienen sein<br />

Roman „Macht und Widerstand“ und sein<br />

Sachbuch-Bestseller „Meine Olympiade:<br />

Ein Amateur, vier Jahre, 80 Disziplinen“<br />

(beide S. Fischer) sowie sein Essay „Der<br />

überflüssige Mensch“ (Residenz).<br />

Im Mai erscheint der Essay „Nach der<br />

Flucht“ (S. Fischer). Die Erfahrung des<br />

3-Jährigen von damals lässt Trojanow bis<br />

heute nicht mehr los. Virtuos, poetisch und<br />

klug reflektierend erzählt er von seinen eigenen<br />

Prägungen als lebenslang Geflüchteter.<br />

Von der Einsamkeit, die das Anderssein für<br />

den Flüchtling tagtäglich bedeutet. Davon,<br />

wie wenig die Vergangenheit des Geflüchteten<br />

am Ort seines neuen Daseins zählt. Welche<br />

Lügengeschichten man als Geflüchteter<br />

den Daheimgebliebenen auftischt. Und<br />

dass man vor der Flucht wenigstens wusste,<br />

warum man unglücklich war.<br />

Ilija Trojanow erzählt von sich selbst,<br />

zugleich ist er eine exemplarische Figur.<br />

So gelingt ihm eine behutsame und genaue<br />

Topographie des Lebens nach der Flucht,<br />

das existentielle Porträt eines Menschenschicksals,<br />

indem er seine Erlebnisse als<br />

Flüchtling persönlich und exemplarisch<br />

fassbar macht.<br />

Buchtipps:<br />

Helon Habila:<br />

Öl auf Wasser<br />

(übersetzt von Thomas Brückner)<br />

Wunderhorn, Reihe:<br />

AfrikAWunderhorn,<br />

240 S. € 25,50<br />

Ishmael Beah:<br />

Das Leuchten von Morgen<br />

(übersetzt von Susann Urban)<br />

Wunderhorn, Reihe:<br />

AfrikAWunderhorn,<br />

250 S., € 25,50<br />

Yvonne Adhiambo Owuor:<br />

Der Ort, an dem die Reise endet<br />

(übersetzt von Simone Jakob)<br />

Dumont, 512 S., € 12,40<br />

Veranstaltung:<br />

Im Wohnzimmer mit …<br />

ein Abend mit Büchern und<br />

Ilija Trojanow<br />

Mi, 28. Juni, 19:30 Uhr<br />

Wagner’sche<br />

Universitätsbuchhandlung<br />

Unkostenbeitrag (für Organisation,<br />

Buffet und Getränke)<br />

€ 35,– / pro Person. Für VorteilscardbesitzerInnen<br />

€ 30,–.


© Die Fotografen<br />

Ein Tiroler Bestseller<br />

Leipziger Buchmesse mit Sahnehäubchen.<br />

Von Christine Frei<br />

Unser Erfolg<br />

kommt durch<br />

unsere tollen<br />

Kundinnen<br />

und Kunden!<br />

Markus Renk<br />

48<br />

Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

Mit Markus Renk wurde erstmals ein<br />

österreichischer Buchhändler für den Sales<br />

Award des deutschen BuchmarktFORUMs<br />

nominiert. Und um die Sensation perfekt zu<br />

machen, auch noch in der Königskategorie<br />

Hauptpreis.<br />

Der Termin ist bereits fix in seinem<br />

Smartphone eingetragen: Donnerstag,<br />

23. März, 12 Uhr, Halle 5, Leipziger Buchmesse.<br />

„Ja, die Verleihung des Sales Awards<br />

findet direkt in der Messe statt“, erzählt<br />

Markus Renk, sichtlich erstaunt über diese<br />

unverhoffte Ehre. Denn für diesen vom<br />

BuchmarktFORUM seit vierzehn Jahren<br />

ausgelobten Preis wird man tatsächlich<br />

von anderen BranchenkollegInnen vorgeschlagen.<br />

KollegInnen also, die ‚sein‘<br />

Projekt Wagner’sche gemäß Ausschreibungstext<br />

sowohl vom Konzept wie von der<br />

Erfolgs bilanz her für die herausragendste<br />

Verkaufsleistung des letzten Jahres halten.<br />

Nun, was ein echter und leidenschaftlicher<br />

Verkäufer ist, das zeigt sich im Großen gleichermaßen<br />

wie im Kleinen. Denn während<br />

er noch spricht, springt er bereits zu einer<br />

Schülerin, die gerade die Treppe herunterkommt,<br />

um ein bestelltes Buch abzuholen.<br />

In diesen Wochen ist sein spartanisch<br />

ausgestattetes Büro im Untergeschoss der<br />

Wagner’schen nämlich gleichzeitig Abholstation<br />

für die laufende Schulbuchaktion.<br />

Das sei ganz praktisch so, findet Renk,<br />

der auch sonst ganz bewusst die Nähe zu<br />

seinen KundInnen sucht und regelmäßig<br />

selbst an der Kassa steht. Selbst jene<br />

Innsbrucker SchülerInnen, die – vermutlich<br />

ohne dies zu wissen – ihre Bücher im Chefbüro<br />

in Empfang nehmen, sind vielleicht<br />

schon die Wagner’schen StammkundInnen<br />

von morgen. Die dann wieder kommen<br />

werden, wenn sie sich hier wohl und bestens<br />

betreut fühlen, und in der Fülle eines haptisch<br />

greifbaren Sortiments, durch geschickt<br />

platzierte Teaser oder gezielte Hinweise von<br />

49<br />

erfahrenen und versierten Menschen- und<br />

Bücherkennern die Lust aufs Schmökern<br />

für sich entdecken. Denn mit diesem gespeicherten<br />

Erlebnis- und Erfahrungswert<br />

werden sie das digitale Schreckgespenst<br />

des stationären Buchhandels Amazon und<br />

Co vermutlich öfter mal außen vor lassen.<br />

Schließlich haben sogar im digitalen Zeitalter<br />

leibhaftige Begeisterung, Expertise und<br />

Empathie ungleich mehr Überzeugungskraft<br />

als ein Empfehlungsalgorithmus.<br />

Nicht von ungefähr setzt Markus Renk<br />

ganz bewusst auf erfahrene, damit häufig<br />

ältere und in Summe teurere Fachkräfte.<br />

Sie sind für ihn das Rückgrat und das<br />

Gedächtnis eines Buchgeschäftes. Dies<br />

umso mehr, wenn sich dieses Geschäft so<br />

wie die Wagner’sche wieder ganz auf seine<br />

ureigentliche Kernaufgabe, nämlich den<br />

Verkauf von Büchern fokussiert. Dass dieser<br />

Verkauf nach wie vor ein Geschäft ist,<br />

das wachsen kann (und natürlich auch soll),<br />

davon war Renk von Anfang an überzeugt.<br />

„Auch wenn wir noch einen ziemlichen Weg<br />

vor uns haben, die Zahlen sprechen bereits<br />

für sich.“ Zu messen sei dies beispielsweise<br />

an Verweildauer und Durchschnittsumsatz<br />

eines Einkaufs, wie Renk ausführt. Letzterer<br />

sei jetzt schon um das Doppelte höher<br />

als der Branchenwert von beispielsweise<br />

12 –15 Euro.<br />

Rückeroberung<br />

und Neubelebung<br />

Sein Ziel ist freilich ambitioniert, will er<br />

doch die verlorenen Umsätze der letzten<br />

Jahre wieder ins Haus zurückholen und<br />

damit die Wagner’sche erneut zur ersten<br />

und führenden Buchhandlung der Stadt<br />

machen. Angesichts dessen, was er und sein<br />

Team schon erreicht bzw. noch vor haben,<br />

erscheint einem die <strong>No</strong>minierung für den<br />

Hauptpreis des Sales Awards also doch<br />

einigermaßen schlüssig. Eine Sensation<br />

ist sie trotzdem: Immerhin ist er der erste<br />

Österreicher, der es in der Geschichte dieses<br />

Awards in die Shortlist für den Hauptpreis<br />

geschafft hat. Und allein das darf angesichts<br />

einer Jury, in der sich fast ausschließlich<br />

VertreterInnen von ausgewiesenen<br />

Branchenschwergewichten und -kennern<br />

wie dtv, Random House, Ullstein, Thalia,<br />

Libri, Buchmesse Frankfurt, Börsenblatt<br />

und BuchMarkt wiederfinden, schon als<br />

echter Coup gewertet werden. Immerhin<br />

steht Renk als Hauptpreisnominierter in<br />

einer Reihe mit dem Vertriebsleiter des<br />

C.H. Beck Verlages André Brenner und<br />

dem Geschäftsführer von Lünebuch aus<br />

Lüneburg, Jan Orthey. Auch das übrigens<br />

eine Buchhandlung mit einem ganz ähnlichen<br />

Konzept wie die Wagner’sche.<br />

Die Erfolgsgeschichte von der Rückeroberung<br />

und Neubelebung einer Traditionsbuchhandlung,<br />

dieser gelungene<br />

Relaunch des klassischen Buchverkaufes<br />

hat also sichtlich Wellen geschlagen,<br />

und das weit über Tirols Grenzen hinaus.<br />

„Die Wagner’sche war stets ein klingender<br />

Name“, weiß Renk, der ja selbst schon<br />

über dreißig Jahre in der Branche tätig<br />

ist. Und wie immer die Wahl der Jury<br />

letztlich ausfallen mag: Alt aber neu – die<br />

Best Practice-Geschichte der Wagner’schen<br />

Wiedereröffnung – wird auch auf der<br />

Leipziger Buchmesse Thema sein. Das sei<br />

ihm Motivation und Bestätigung mehr als<br />

genug, meint Markus Renk bescheiden.<br />

Für jene BranchenkennerInnen, die ihn<br />

ins Rennen gebracht haben, ist er ohnehin<br />

schon ein Best-Seller.<br />

Die<br />

Wagner’sche<br />

bringt’s.<br />

Online bestellt.<br />

Umweltfreundlich<br />

geliefert.<br />

In 3 Stunden<br />

bei Ihnen zu Hause.


Mit<br />

den<br />

besten<br />

Empfehlungen:<br />

Diese Welt ist die Sowjetunion<br />

nach dem 2. Weltkrieg. Der<br />

Herr mit der Bickford-Zündschnur<br />

ist ein im Japanischen<br />

Meer gestrandeter Untermatrose,<br />

der die Zündschnur an seinen<br />

Tornister befestigt und sich<br />

– mit Zwischenstoppen u. a. im<br />

Musilag (das ist ein Straflager<br />

für Musikanten, die sich bei der<br />

Internationalen verspielt haben)<br />

und der Stadt ohne Namen (in<br />

der nur Zwangsjacken hergestellt<br />

werden) – auf den Weg<br />

nach Leningrad macht. Ein parabelhafter,<br />

satirischer Roman<br />

über den „Sowjetmenschen“.<br />

Markus Köhle<br />

Andrej Kurkow: Die Welt des Herrn<br />

Bickford, Haymon, 408 S., € 22,90<br />

Ein koreanisches Mädchen ist<br />

mittlerweile erwachsen und<br />

europäisch geworden, jetzt fährt<br />

die Wissenschaftlerin erstmals<br />

zurück nach Korea. Sie trifft<br />

einen letzten Zeitgenossen der<br />

Trennung zwischen <strong>No</strong>rd- und<br />

Südkorea. Spionage, Untergrund,<br />

Liebschaften, Auswanderung,<br />

„große Heimkehr“<br />

nach <strong>No</strong>rdkorea: Letztlich weiß<br />

nicht einmal mehr die große<br />

Geschichtsschreibung, was wie<br />

zusammenhängt. Die Erzählerin<br />

ist selbst verblüfft, wie wenig<br />

man in Europa vom geteilten<br />

Korea weiß. Helmuth Schönauer<br />

Anna Kim: Die große Heimkehr,<br />

Suhrkamp Verlag, 558 S., € 24,70<br />

Die Weiten des heutigen östlichen<br />

Kanadas, das 1693 noch<br />

Neufrankreich heißt, beeindrucken<br />

nicht nur René Sel und<br />

Charles Duquet, sondern sofort<br />

auch den Leser. Undurchdringliche<br />

Wildnis, mächtige Baumriesen,<br />

schier endloser Wald.<br />

Aber ebenso beeindruckend ist<br />

es, wie Annie Proulx es wiederum<br />

schafft, uns die Lebensläufe<br />

der zwei Abenteurer und auch<br />

die ihrer Nachkommen in einer<br />

Intensität zu schildern, als hätte<br />

man sie allesamt selbst durchgestanden.<br />

Absolut empfehlenswert!<br />

Robert Renk<br />

Annie Proulx: Aus hartem Holz,<br />

Luchterhand, 896 S., € 26,80<br />

„4 3 2 1“ – ein ungewöhnlicher<br />

Titel für ein ungewöhnliches<br />

Buch. Paul Auster legt hier in<br />

Gestalt eines Rätselspiels sein<br />

bisher umfangreichstes Werk<br />

vor: Ein Leben, vier Variationen!<br />

Archibald Ferguson wächst<br />

im Newark der fünfziger Jahre<br />

auf. „Was für ein interessanter<br />

Gedanke“, sagt er sich, „sich<br />

vorzustellen, wie für ihn alles<br />

anders sein könnte, auch wenn<br />

er selbst immer derselbe bliebe.<br />

Und genau das zeigt uns Auster,<br />

4 verschiedene Varianten eines<br />

Lebens! „4 3 2 1“ ist ein faszinierendes<br />

Gedankenspiel und eines<br />

der besten Bücher der Saison!<br />

Robert Renk<br />

Paul Auster: 4 3 2 1,<br />

Rowohlt Verlag, 1264 S., € 30,80<br />

Dieser Roman überzeugt durch<br />

seine Einfachheit. Er greift<br />

ein Thema auf, das in unserer<br />

Gesellschaft heute ein absolutes<br />

Tabuthema wäre, jedoch in<br />

Italien Ende der 1960er, Anfang<br />

1970er Jahre nichts Ungewöhnliches<br />

war: Kinderemigration<br />

verbunden mit Kinderarbeit.<br />

Das Leben wartet nicht ist am<br />

22. Februar 2017 in einer ausgezeichneten<br />

Übersetzung von<br />

Maja Pflug erschienen und vermittelt<br />

mit einfachen Worten,<br />

weshalb sich die Erde immer<br />

weiter dreht. Evelyn Unterfrauner<br />

Marco Balzano: Das Leben wartet nicht,<br />

diogenes, 304 S., € 22,70<br />

Eine junge Vorarlbergerin<br />

zeigt ein grandios-düsteres<br />

Bild vom Wien kurz nach dem<br />

Ersten Weltkrieg. Viel Wiener<br />

Lokalkolorit, viel Armut, das<br />

Aufkommen des Hustenmittels<br />

„Heroin“, das Scheitern der<br />

Aufarbeitung der Gräueltaten<br />

während des Krieges, ein draufgängerischer<br />

Rayonsinspektor<br />

mit Granatsplitter im rechten<br />

Bein, ein junger Assistent<br />

und drei Leichen, das sind<br />

die Zutaten für einen perfekt<br />

recherchierten Krimi mit einem<br />

„Der-dritte-Mann-Charme“ im<br />

Jahre 1919. Der Auftakt zu einer<br />

neuen Reihe, die man nicht<br />

versäumen sollte. Robert Renk<br />

Alex Beer: Der zweite Reiter,<br />

Limes, 384 S., € 20,60<br />

50<br />

Wagner’sche.<br />

Der sehr bewegende Debütroman<br />

von Bernd Fischerauer<br />

beschreibt die Geschichte des<br />

heftig pubertierenden Adolf<br />

Wretschnig, genannt „Burli“,<br />

der im Graz der Nachkriegszeit<br />

lebt. Neben den ersten sexuellen<br />

Erfahrungen und der ersten<br />

großen Liebe, erschließt sich<br />

ihm nach und nach die dunkle<br />

Nazi-Vergangenheit seines<br />

Vaters. Eine spannende Verfolgungsjagd<br />

im entnazifizierten<br />

Österreich. Amüsant, schockierend<br />

und ergreifend.<br />

Marlene Walder<br />

Bernd Fischerauer: Burli,<br />

Picus Verlag, 288 S., € 24,–<br />

Sasza ist Profilerin und Mutter.<br />

Sie will endlich ihre Doktorarbeit<br />

beenden, um mit ihrer<br />

kleinen Tochter ein normales<br />

Leben zu führen. Sasza ist gerade<br />

in ihrer Heimatstadt Danzig<br />

angekommen, da bekommt<br />

sie einen neuen Auftrag, der<br />

ihr viel Geld verspricht, aber<br />

sie in die Machenschaften der<br />

Danziger Unterwelt hineinzieht.<br />

Detailreich erzählt, lassen einen<br />

Sasza und ihr Fall nicht mehr<br />

los. Katarzyna Bonda: In Polen<br />

ist sie bereits eine gefeierte<br />

Autorin, während sie hier noch<br />

völlig unbekannt ist. Das wird<br />

sich mit ihrem Thriller definitiv<br />

ändern. Lena Kripahle<br />

Katarzyna Bonda: Das Mädchen aus dem<br />

<strong>No</strong>rden, Heyne Verlag, S. 656, € 17,50<br />

Protagonist ist der 13-jährige<br />

„Boo“, der sich nach seinem<br />

Tod in einer „Nachwelt“ für<br />

ausschließlich 13-Jährige findet.<br />

Dort schreibt er Briefe an seine<br />

Eltern über seine Gedanken<br />

und Reflexionen des irdisches<br />

und überirdisches Lebens. Die<br />

Geschichte kann man als schrägen<br />

Entwicklungsroman lesen.<br />

Personen in dieser Nachwelt<br />

bleiben zwar 13 Jahre alt, Boo<br />

erfährt an sich selber aber eine<br />

Veränderung: im irdischen Leben<br />

hochintelligent, Außenseiter<br />

und Mobbingopfer, verliert sich<br />

sein wissenschaftliches Interesse<br />

jetzt auch nicht, aber sein soziales<br />

Leben ist ausgefüllter.<br />

Silvia Spiegl<br />

Neil Smith: Das Leben nach Boo,<br />

Schöffling, 416 S., € 24,70<br />

Es gibt Autoren, die uns unwillkürlich<br />

an eine Stadt denken<br />

lassen. Bei Venedigkrimis<br />

denken wir an Donna Leon.<br />

Aber mit weltgewandter großer<br />

Literatur ist das schwieriger.<br />

Zafón begeistert mit seinen<br />

Barcelona-Romanen ein Millionenpublikum.<br />

Was mit „Der<br />

Schatten des Windes“ begann,<br />

wird mit „Das Labyrinth der<br />

Lichter“ meisterhaft vollendet:<br />

In den Tagen des Franco-Regimes<br />

soll Alicia Gris das<br />

Verschwinden eines Gefängnisdirektors<br />

aufklären. Tief dringt<br />

sie in die dunklen Geheimnisse<br />

Barcelonas – bis die Schatten<br />

der Vergangenheit auch Jagd<br />

auf sie machen.<br />

Robert Renk<br />

Carlos Ruiz Zafón: Das Labyrinth<br />

der Lichter, S. Fischer, 944 S., € 25,70<br />

Yann Schneider muss zurück<br />

auf seine bretonische Heimatinsel.<br />

Schroff nicht nur die Felsen,<br />

schroff auch die Charaktere<br />

dort. Aber bunt wie die kleinen<br />

Häuser nimmt sich Buders<br />

Phantasie aus, die uns – mit<br />

Hilfe philosophischer Stringenz<br />

und einem atlantischen Sturm<br />

– in die dunkle Vergangenheit<br />

der Insel führt. Neues über den<br />

frühen Unfalltod der Mutter,<br />

die alte Schuld der Inselbewohner<br />

wird enthüllt. Und gezeigt,<br />

dass einen die Segel großer<br />

Liebe auch ins Unglück führen<br />

können, wenn man sie nicht<br />

rechtzeitig in seichte Gewässer<br />

manövriert. Lesenswert!<br />

Robert Renk<br />

Christian Buder: Das Gedächtnis<br />

der Insel, Blessing, 272 S., € 20,60<br />

Mexico und Cuba im 19. Jh.<br />

sind die Schauplätze des Lebens<br />

von Witwers Mauro Larrea.<br />

Vom einfachen Bergarbeiter<br />

zum wohlhabenden Unternehmer<br />

treibt ihn eine einzige<br />

Fehlentscheidung in den<br />

finanziellen Ruin. Doch Mut<br />

und Selbstvertrauen lassen ihn<br />

in Havanna noch einmal sein<br />

Glück versuchen. Dann begegnet<br />

er der schönen, klugen und<br />

geheimnisvollen Soledad …<br />

Eine Geschichte um Liebe,<br />

Hass und Verrat auf exotischen<br />

Schauplätzen, mit kraftvollen<br />

und authentischen Charakteren,<br />

voller Lebenslust, Bilderreichtum<br />

und südlicher Leidenschaft.<br />

Gabriele Unterberger<br />

María Dueñas: Wenn ich jetzt nicht gehe,<br />

Insel, 589 S., € 24,70


„Wie bin ich vorgespannt, dem<br />

Kohlenwagen meiner Trauer …“,<br />

das sind nicht seine Worte, aber<br />

die, die ihm einfallen, nachdem<br />

er – wortverlassen – die Diagnose<br />

Krebs bekommt. Eine<br />

Diagnose, die ihn zum Objekt,<br />

zum „Kohlenwagen“ degradiert.<br />

Nun, auf der Suche nach<br />

Bilanzierbarem findet Urs Faes,<br />

dieser bedächtige, poetische<br />

Schweizer Autor, eine ganz<br />

grandiose, eine locker assoziierende,<br />

bescheidene, aber dennoch<br />

dichte, bildreiche Sprache<br />

für seine Erinnerungen und<br />

Beobachtungen. Ein intimes<br />

Buch, gleichzeitig ein exemplarischer<br />

Text. Chapeau! Robert Renk<br />

Urs Faes: Halt auf Verlangen.<br />

Ein Fahrtenbuch, Suhrkamp,<br />

200 S., € 20,60<br />

Das Herz des Buchhändlers<br />

schlägt höher. David Foenkinos<br />

widmet seinen neuen Roman<br />

einer Bibliothek der abgelehnten<br />

Bücher. Dort, im bretonischen<br />

Finistère, am „Ende der Welt“,<br />

entdeckt eine junge Pariser<br />

Lektorin ein Meisterwerk, dessen<br />

Autor der frühere Pizzabäcker<br />

des Ortes ist. Seine Witwe<br />

beteuert, er habe Zeit seines<br />

Lebens kein einziges Buch<br />

gelesen und nie etwas anderes<br />

zu Papier gebracht als Einkaufslisten.<br />

Ob er ein geheimes<br />

Zweitleben führte? Robert Renk<br />

David Foenkinos: Das Geheimnis des<br />

Monsieur Pick, DVA, 336 S., € 20,60<br />

Der wohl ambitionierteste<br />

Roman des österreichischen<br />

Fabulierweltmeisters. 18. Juli<br />

1816: Vor der Westküste Afrikas<br />

entdeckt der Kapitän der<br />

Argus ein Floß. Was er darauf<br />

sieht, lässt ihm das Blut in den<br />

Adern gefrieren: hohle Augen,<br />

ausgedörrte Lippen, verbrannte<br />

Haut. Die 15 ausgemergelten<br />

Gestalten sind die letzten von<br />

147 Überlebenden. Diese historisch<br />

belegte Geschichte bildet<br />

die Folie für Franzobels epochalen<br />

Roman, der in den Kern<br />

des Menschlichen zielt: Was bedeutet<br />

Moral, was Zivilisation,<br />

wenn es um nichts anderes geht<br />

als ums bloße Überleben?<br />

Robert Renk<br />

Franzobel: Das Floß der Medusa,<br />

Zsolnay Verlag, 592 S., € 26,80<br />

Sparsame, hintersinnige<br />

Dialoge. Lakonisch, gelassener<br />

Erzählstil, gewürzt mit feinsinnigem<br />

Humor und Lebensklugheit.<br />

Provinzcharaktere vom<br />

Feinsten. Russische „Geschäftsleute“<br />

haben in der traumhaften<br />

Landschaft von Vermont<br />

eine Ferienvilla gebaut. Bei<br />

einem Einbruch wird ein Safe<br />

mit „wichtigen“ Papieren<br />

gestohlen. Wie sein Vorgänger,<br />

lebenserfahren und ein Herz für<br />

menschliche „Problemfälle“,<br />

will Sheriff Wing den Fall auf<br />

seine Art lösen. In Bedrängnis<br />

bringen ihn jedoch ein junger,<br />

ehrgeiziger Deputy und das<br />

Netzwerk eines russischen<br />

Oligarchen. Ute Faserl<br />

Castle Freeman: Auf die sanfte Tour,<br />

Nagel & Kimche, 192 S., € 19.60<br />

Dieses fantastische Buch ist<br />

für alle, die sich für die Mythen<br />

und Sagen, für die Götter und<br />

Wesen der nordischen Mythologie<br />

interessieren. In vielen<br />

Episoden erzählt Neil Gaiman<br />

die Geschichten, wie Odin seine<br />

Weisheit erlangte, wie Thor<br />

zu seinem Hammer kam und<br />

wieso Loki eigentlich immer<br />

seine Hände mit im Spiel hat.<br />

Gaiman versteht es, die Mythen<br />

so zu schreiben, dass man sie<br />

als moderner Mensch verstehen<br />

und lieben lernt. Thomas Maurberger<br />

Neil Gaiman: <strong>No</strong>rdische Mythen und<br />

Sagen, Eichborn, 276 S., € 22,70<br />

Drei Frauen stehen im Zentrum<br />

von Lieben, die anhand eines<br />

Routenplaners der Gefühle<br />

vom Dorf nach Wien, ins<br />

Baku des ersten Weltkrieges,<br />

nach Paris und kurz zurück ins<br />

Schüssel’sche Österreich führen.<br />

Die Weltlage dient einerseits<br />

als Ausrede für individuelles<br />

Handeln, andererseits liefert sie<br />

das Vokabular für die privaten<br />

Schicksalsschläge. – Eine komplex-schöne<br />

Liebesgeschichte<br />

auf dem Pulverfass der jeweiligen<br />

Zeitgeschichte.<br />

Helmuth Schönauer<br />

Walter Grond: Drei Lieben,<br />

Haymon, 164 S., € 19,90<br />

Aaron Falk kehrt in sein<br />

Heimat-Kaff Kiewarra zurück,<br />

der Grund ist ein trauriger:<br />

Farmer und Jugendfreund Luke,<br />

dessen Frau und Sohn wurden<br />

erschossen aufgefunden, scheinbar<br />

Selbstmord aufgrund der<br />

aussichtslosen wirtschaftlichen<br />

Lage. Denn über dem australischen<br />

Outback brütet seit<br />

Monaten die Hitze, das Gras<br />

verdorrt, das Vieh stirbt. Doch<br />

Polizist Raco glaubt nicht an<br />

erweiterten Suizid, mit Aaron<br />

beginnt er in den Geschichten<br />

des sterbenden Orts zu wühlen.<br />

Ein spannendes Krimi-Debüt<br />

mit Slow-Faktor, eine Wohltat<br />

in Zeiten der High-Speed-<br />

Thriller. Andreas Hauser<br />

Jane Harper: The Dry,<br />

Rowohlt Polaris, 381 S., € 15,50<br />

„Ich werde Mörderin“, heißt<br />

es am Ende des kurzen Prologs,<br />

ab da ist klar: „Drei Meter unter<br />

Null“ ist ein ungewöhnliches<br />

Buch mit einer unheimlichen<br />

Ich-Erzählerin. Eiskalt wie eine<br />

Maschine macht sie Jagd auf<br />

Männer, doch auch ihre Opfer<br />

sind nicht ohne Schuld und<br />

ließen eine IT-Spezialistin zum<br />

Racheengel werden. Marina<br />

Heib überrascht mit einem<br />

Hardcore-Thriller, der direkt ins<br />

Visier diverser Hollywood-Autoren<br />

geraten müsste. Fragt sich<br />

nur, ob diese den Mut besitzen,<br />

die Story mit all ihren Abgründen<br />

und überraschendem<br />

Schluss auf die Leinwand zu<br />

bringen. Andreas Hauser<br />

Marina Heib: Drei Meter unter Null,<br />

Heyne, 248 S., € 20,60<br />

„Ich erfuhr Dinge,<br />

die die Bücher im<br />

Museum lieber verschwiegen.<br />

Unfälle.<br />

Tote. Absurde Tote …“<br />

Christoph Hein ist wieder ein<br />

großer Roman gelungen, der<br />

sich fast über ein Jahrhundert<br />

spannt und uns zwei Familien<br />

näherbringt, deren Schicksal<br />

sich eng miteinander verstrickt.<br />

Die Familie des Schriftstellers<br />

Rainer Trutz und die des<br />

Mathematikers Waldemar<br />

Gejm. Gejm unterrichtet an der<br />

Lomonossow-Universität, wo<br />

er ein neues Forschungsgebiet<br />

entwickelt – die Mnemotechnik,<br />

die Lehre von Ursprung und<br />

Funktion der Erinnerung. In<br />

der Chronik beider Lebensläufe<br />

bündelt Hein die vergebliche<br />

Hoffnung auf eine Existenz jenseits<br />

von Elend und Sklaverei.<br />

Markus Renk<br />

Christoph Hein: Trutz,<br />

Suhrkamp, 477 S., € 25,70<br />

Anthony, ein passionierter<br />

Sammler, stirbt und hinterlässt<br />

alles, was er hat, seiner jungen<br />

Haushälterin Laura. Das Erbe<br />

inkludiert aber nicht nur ein<br />

hübsches Haus, sondern ein<br />

Sammelsurium an verlorenen<br />

Dingen, die den Weg zurück<br />

zu ihren BesitzerInnen finden<br />

sollen. Aber wie soll sie das anstellen,<br />

wie kann sie dem letzten<br />

Wunsch ihres Freundes nachkommen?<br />

Alleine wird sie dies<br />

kaum meistern können, aber da<br />

wäre noch das Nachbarskind<br />

Sunshine und Freddy, der süße<br />

Gärtner. Evelyn Unterfrauner<br />

Ruth Hogan: Mr. Peardews Sammlung<br />

der verlorenen Dinge, List, 320 S., € 18,50<br />

Jamaika 1976, sieben unbekannte<br />

Personen dringen in<br />

das Haus von Bob Marley ein<br />

und eröffnen das Feuer auf<br />

ihn, seine Frau Rita und seinen<br />

Manager. Marlon James nimmt<br />

das Ereignis und erzählt in<br />

seinem Epos über die 70er und<br />

80er Jahre auf Jamaika, über<br />

die Gewalt, die Drogen und die<br />

Armut. Der Autor zeichnet aus<br />

verschiedenen Perspektiven ein<br />

überwältigendes Bild der jamaikanischen<br />

Gesellschaft. Ein<br />

wenig Winslow und Pynchon,<br />

inspiriert durch Ellroy, aber<br />

viel mehr schafft James etwas<br />

Eigenes und gewann damit den<br />

Man Booker Price als erster<br />

Jamaikaner. Lena Kripahle<br />

Marlon James: Eine kurze Geschichte<br />

von sieben Morden, Heyne HardCore,<br />

858 S., € 28,80<br />

Juriatti reflektiert in diesem<br />

Essay, anhand der italienischen<br />

Zuwanderung in Vorarlberg<br />

im letzten Jahrhundert, über<br />

Migration und zieht dabei<br />

Parallelen zu heute. Mit „Es<br />

gibt immer etwas, das einen<br />

Menschen zwingt wegzugehen“<br />

beschreibt er sie treffend. Oft ist<br />

es Krieg oder Hunger, es kann<br />

aber auch eine bessere Karrierechance,<br />

Liebe oder einfach die<br />

Sehnsucht nach Glück sein, die<br />

einen Menschen dazu veranlasst.<br />

All diese Gründe haben<br />

aber etwas immer gemeinsam:<br />

Hoffnung und Erwartungen.<br />

Peppino Brienza<br />

Rainer Juriatti: Spaghettifresser,<br />

Limbus Essay, 120 S., € 10,–<br />

New York. Ein amerikanischer Dokumentarfilmer verliebt sich in<br />

eine Südtirolerin. Er reist mit ihr in ihre Heimat, um dort einige<br />

Monate zur Ruhe zu kommen. Aber ein neues Filmprojekt reift in<br />

seinem Kopf heran, gemeinsam mit seinem Partner drehen sie eine<br />

Dokumentation über die Bergrettung Dolomiten, über die Menschen,<br />

die tagtäglich ihr Leben riskieren, um das der anderen zu<br />

retten. Dabei entdeckt er ein Geheimnis, es geht um drei grausame<br />

Morde, die vor 35 Jahren verübt worden sind. Seine Neugier treibt<br />

ihn an, er ist besessen davon, die Wahrheit herauszufinden …und<br />

das ist megaspannend!!! Luca D’Andrea entführt uns in die archaische<br />

Südtiroler Bergwelt. Ein rasantes Leseerlebnis, atmosphärisch<br />

dicht und wendungsreich. Sprachlich präzise und bis zum überraschenden<br />

Ende ein Leseerlebnis. Das Debüt eines Südtirolers, das<br />

bereits in 35 Länder verkauft wurde – der nächste Weltbestseller.<br />

Sollten Sie unbedingt lesen … Bernhard Aichner<br />

Luca D’Andrea: Der Tod so kalt,<br />

DVA, 480 S., € 15,50<br />

Die japanische Autorin erreicht<br />

mit ihrem ersten Bestseller-<br />

Roman „Geständnisse“ Gänsehaut<br />

der Extraklasse. Aus fünf<br />

unterschiedlichen Perspektiven<br />

schafft Minato einen Psychothriller,<br />

der dank seiner unerwarteten<br />

Wendungen wahrlich<br />

unter die Haut geht. Nach dem<br />

Ertrinken eines Kindes fängt<br />

die Suche in einer japanischen<br />

Schule nach dem Mörder an.<br />

Schüler und Lehrer „gestehen“<br />

was und warum sie getan<br />

haben: Opfer- und Mörderrollen<br />

vermischen sich, die<br />

Psychofolter kann beginnen.<br />

Bis zum letzten Satz ein<br />

packendes Buch! Ágnes Czingulszki<br />

Kanae Minato: Geständnisse,<br />

C. Bertelsmann, 272 S., € 17,50<br />

Walerian, polnischer Emmigrant<br />

wider Willen, landet<br />

12-jährig mit seiner ihm<br />

unbekannten Mutter in einer<br />

unbekannten Stadt, in der<br />

die Menschen eine seltsame<br />

Sprache sprechen: in Wien. Was<br />

anderswo zur Tragödie wird<br />

und dann im Feuilleton laut<br />

Radek Knapp „einen Ständer“<br />

hervorruft, beschreibt er in<br />

sachlicher Heiterkeit. Sein Held<br />

leidet an Augenstarre und rettet<br />

als Heizungsableser Selbstmörder.<br />

Warum Luft zum Frühstück<br />

essen keine gute Idee ist<br />

und Teresa ein Glücksfall: Das<br />

sollten Sie lesen! Erich Ledersberger<br />

Radek Knapp: Der Mann, der Luft zum<br />

Frühstück aß, Deuticke, 123 S., € 16,50


Eigentlich sind es drei Geschichten<br />

der Bienen: 1852<br />

glaubt William, ein Samenhändler<br />

in England, eine neue,<br />

revolutionäre Art, Bienen zu<br />

halten, entdeckt zu haben. 2007<br />

erlebt der Imker George in<br />

Ohio, USA eine Katastrophe:<br />

seine Bienen sind plötzlich<br />

weg. Und im China des Jahres<br />

2098 wird Wei-en, der Sohn der<br />

Bestäuberin Tao, nach einem<br />

allergischen Schock von den<br />

Behörden abtransportiert, sie<br />

kann ihn nirgends finden, fährt<br />

bis nach Peking, um ihn zu<br />

suchen. Zwei Drittel sind toll<br />

erzählt, die Chinageschichte ist<br />

leider etwas schwächer. Martin Bär<br />

Maja Lunde: Die Geschichte der Bienen,<br />

btb Verlag, 512 S., € 20,60<br />

New York, 11. Mai 1888. Ein<br />

brennender Mann stürzt vom<br />

Himmel. Er sollte die ersten<br />

Stromkabel entwirren und hielt<br />

sich an den falschen Enden fest.<br />

Es ist der Tag, an dem Paul den<br />

bahnbrechenden Erfinder Thomas<br />

Edison begegnen soll. Paul<br />

arbeitet als Anwalt für seinen<br />

erbitterten Konkurrent George<br />

Westinghouse. Edison ist ein<br />

verschlagener, gefährlicher<br />

Gegner, doch Paul hat auch<br />

noch einen Trumpf im Ärmel,<br />

ein Genie namens Tessla. Ein<br />

Roman, der lange nachleuchtet.<br />

Robert Renk<br />

Graham Moore: Die letzten Tage der<br />

Nacht, Eichborn, S. 464, € 22,70<br />

Ein aktuelles wie universelles<br />

Buch der <strong>No</strong>belpreisträgerin<br />

Morrison. Nicht oft genug kann<br />

mit dem krassen und strukturellen<br />

Rassismus gebrochen<br />

werden. Leider gibt der Mensch<br />

der zufälligen Hautpigmentation<br />

noch immer Bedeutung.<br />

Bei der Geburt der tiefschwarzen<br />

Protagonistin erschrickt<br />

die Mutter, der Vater flieht,<br />

da er nicht glauben kann, dass<br />

es sein Kind ist. Anhand der<br />

Geschichte dieses Babys Lula<br />

Ann werden uns zwei verschiedene<br />

Lebensentwürfe gezeigt.<br />

Für jeden empfehlenswert!<br />

Alejandro Boucabeille<br />

Toni Morrison: Gott, hilf dem Kind,<br />

Rowohlt, 208 S., € 20,60<br />

Der grandiose Talkmeister der<br />

Daily Show, Trevor <strong>No</strong>ah, legt<br />

ein ebenso witziges wie tiefgründiges<br />

Buch über seine Kindheit<br />

in Südafrika in 8 Erzählungen<br />

vor. Wenn er nur beschreibt,<br />

wie er sich als DJ Zusatzgeld<br />

verdiente, das im McDonalds<br />

verprasst wurde, und für Hitler<br />

auflegte, dem besten Tänzer des<br />

Quartiers, schwingt so viel an<br />

kritischer Auseinandersetzung<br />

über unüberwundener Apartheid,<br />

mangelhaftem Geschichtsunterricht<br />

und fahrlässigem<br />

Kapitalismus mit, dass es eine<br />

Freud’ ist! Unbedingt lesen!<br />

Robert Renk<br />

Trevor <strong>No</strong>ah: Farbenblind,<br />

Blessing, 336 S., € 20,60<br />

Fin Macleod, Ex-Polizist aus<br />

Edinburgh, kümmert sich nun<br />

um Wilderer und Lachsdiebe,<br />

bei seinem ersten Einsatz<br />

passiert Ungewöhnliches: Nach<br />

einem Sturm verschwindet ein<br />

Gebirgssee und gibt ein Flugzeugwrack<br />

frei. Der tote Pilot<br />

wird als Roddy Mackenzie identifiziert,<br />

einst Leader der Band<br />

Amran. Macleod erinnert sich<br />

an die Zeit, als seine Freunde<br />

von Stornoway aus die Charts<br />

eroberten, und stößt dabei auf<br />

manche Ungereimtheit; Peter<br />

Mays Liebeserklärung an<br />

die größte Hebriden-Insel,<br />

voller Torf, Regen und kantiger<br />

Menschen.<br />

Andreas Hauser<br />

Peter May: Moorbruch,<br />

Zsolnay Verlag, 336 S., € 20,60<br />

Eine Woche rauchfrei, das<br />

gehört gefeiert. Rebus feiert mit<br />

Deborah im Caledonian Hotel.<br />

Während eines guten Schlucks<br />

Wein erinnert sich Rebus an<br />

einen alten Mordfall, der sich<br />

genau hier zugetragen hat.<br />

Der Täter wurde nie gefasst.<br />

Rebus’ alte Kollegen Clarke<br />

und Malcolm sind an einem der<br />

damaligen Hauptverdächtigen,<br />

Darryl Christie, dran. Dieser ist<br />

nun nicht nur selbst Opfer eines<br />

Überfalls, sondern auch noch<br />

der Geldwäsche verdächtigt.<br />

Rebus’ Ruhestand ist zum Glück<br />

nur vorübergehend und lässt die<br />

Herzen aller Krimi-Fans wieder<br />

einmal höherschlagen.<br />

Lena Kripahle<br />

Ian Rankin: Ein kalter Ort zum Sterben,<br />

Goldmann, 480 S., € 20,60<br />

Unaufgeregt und mit Humor<br />

erzählt der deutsche Autor<br />

in seinem ersten Roman eine<br />

berührende Jugend-Geschichte.<br />

Die Hauptprotagonisten –<br />

Johanna und Boris – besuchen<br />

die selbe Klasse. Sie feiern<br />

gemeinsam Parties, gehen auf<br />

Klassenreisen und werden betrunken.<br />

Wie nebenbei tauchen<br />

ernste Existenzfragen zu Liebe,<br />

Sexualität, Freundschaft, Tod<br />

und Familie auf. Ein Buch für<br />

all jene, die die Welt und ihre<br />

Umgebung mit einem ehrlich-authentischen<br />

Blick sehen<br />

wollen. Ágnes Czingulszki<br />

Jan Schomburg: Das Licht und die<br />

Geräusche, dtv, 232 S., € 20,60<br />

Eine wahre Begebenheit. Einfühlsam<br />

und poetisch geschriebene<br />

Geschichte, die unter die<br />

Haut geht. Begabt, attraktiv<br />

und sehr jung wird Pauline<br />

zur Geliebten eines deutschen<br />

Militärarztes im besetzten<br />

Frankreich. Opfer der politischen<br />

Gegebenheiten, trifft sie<br />

später als Studentin ihre große<br />

Liebe. Das tragische Scheitern<br />

ihrer Sehnsüchte und Wünsche<br />

scheint unausweichlich. Die Offenbarung<br />

ihrer Vergangenheit<br />

zerstört zwei Leben. Verurteilung<br />

und Gefängnis folgen.<br />

Paulines Lebensgeschichte wird<br />

sogar verfilmt, doch nur sie<br />

selbst kennt die ganze Wahrheit.<br />

Ute Faserl<br />

Jean-Luc Seigle: Ich schreibe Ihnen im<br />

Dunkeln, C.H. Beck, 207 S., € 20.60<br />

Luba ist eine lebensfrohe<br />

Redakteurin, die tausend Sachen<br />

im Kopf hat und zwischen<br />

Sendungen und Projekten<br />

durch die Tage huscht. Privat<br />

glaubt sie an die Parole: „Alles<br />

wird gut, manches löst sich<br />

durch Küssen!“ (66). Jetzt ist<br />

sie schwanger und ziemlich<br />

verblüfft. Wie kann ein Mann<br />

nach der Zeugung untertauchen,<br />

obwohl er noch gar<br />

nichts von seinem Glück weiß?<br />

Verschmitzt erzählter Kampf<br />

einer Journalistin, die mitten<br />

im Stress die eigene Geschichte<br />

finden will. Helmuth Schönauer<br />

Selma Mahlknecht: Luba und andere<br />

Kleinigkeiten, Edition Raetia,<br />

384 S., € 21,90<br />

„Ich floh nackt und blutend<br />

auf einem Rennrad“, ist der<br />

einleitende Satz zu Tijan Silas<br />

mitreißendem Debütroman.<br />

Die Geschichte dreht sich<br />

um einen Jungen, der seine<br />

Kindheit zu Zeiten des Bürgerkriegs<br />

in Bosnien verbringt und<br />

danach mit seiner Familie nach<br />

Deutschland flüchtet. Auf eine<br />

amüsante und ehrliche Weise<br />

schildert der Autor den Alltag<br />

im Krieg sowie erste erotische<br />

Erfahrungen mit Mädchen und<br />

Begegnungen mit Neonazis<br />

in Deutschland. Stark erzählt,<br />

ein Roman der <strong>No</strong>rmen überschreitet.<br />

Magdalena Naschberger<br />

Tijan Sila: Tierchen unlimited,<br />

Kiepenheuer & Witsch, 224 S., € 18,60<br />

Im Juli jährt sich der 200.<br />

Geburtstag des amerikanischen<br />

Waldläufers und <strong>No</strong>nkonformisten<br />

Henry David Thoreau,<br />

der mit seinen Schriften selbst<br />

Gandhi inspirierte. Da steigt<br />

also einer aus. Baut sich abseits<br />

der Zivilisation an einem einsamen<br />

See eine Hütte und lässt es,<br />

zumindest solange er sich über<br />

die Wunder der Natur wundert,<br />

gut sein. Natürlich kommt<br />

Thoreau bei dem Experiment,<br />

der modernen Gesellschaft (des<br />

19. Jh.) den Rücken zu kehren,<br />

auch ordentlich ins Grübeln.<br />

Und das Haus am See ist ein<br />

guter Ort für solch ein Unternehmen.<br />

Hubert Flattinger<br />

Henry David Thoreau: Walden –<br />

oder Leben in den Wäldern, Diogenes,<br />

512 S., € 20,60<br />

Vier junge Männer lernen sich<br />

am College kennen und werden<br />

beste Freunde: Jude, Willem,<br />

JB und Malcolm. Alle vier<br />

ganz unterschiedliche Typen,<br />

vielleicht funktioniert gerade<br />

deshalb die Freundschaft über<br />

Jahrzehnte hinweg so gut. Doch<br />

immer mehr dreht sich alles<br />

um Jude, weil er so rätselhaft<br />

scheint, nichts von sich preisgeben<br />

will. Willem, sein bester<br />

Freund und später auch sein<br />

Partner, ist der einzige, dem er<br />

seine ganze Geschichte erzählt.<br />

Ein Buch voll von Freundschaft,<br />

Liebe, Verzweiflung.<br />

Gewaltig! Martin Bär<br />

Hanya Yanagihara: Ein wenig Leben,<br />

Hanser Berlin, 958 S., € 28,80<br />

Ein heutiger Briefroman besteht<br />

aus E-Mails. Zsuzsa Bánk<br />

schreibt sie von Mai 2009 bis<br />

Juni 2012 zwei Freundinnen<br />

zu, im elaborierten Duktus der<br />

Korrespondenz früherer Zeiten.<br />

Márta, deren Eltern 1956 aus<br />

Ungarn geflüchtet sind, lebt als<br />

Schriftstellerin mit Mann und<br />

Kindern in Frankfurt, Johanna<br />

als Lehrerin im Schwarzwald.<br />

Die Eine hat die Katastrophe<br />

hinter sich, auf die Andere<br />

kommt sie zu. Klaus Zeyringer<br />

Zsuzsa Bánk: Schlafen werden wir später,<br />

S. Fischer, 688 S., € 24,70<br />

Ein Geheimnis, das Catherine<br />

diesen einen Tag nie vergessen<br />

lässt und von dem sie nie<br />

Jemandem erzählt hat, und dennoch<br />

scheint ein Fremder genau<br />

darüber Bescheid zu wissen.<br />

Ein unscheinbares Buch, ein<br />

Thriller, der dir deinen eigenen<br />

Tod erzählt; unvorstellbar.<br />

Doch genau dies passiert Catherine<br />

und bringt ihr bisheriges<br />

Leben mit Sohn und Mann<br />

völlig durcheinander. Was ist<br />

damals geschehen, diese Frage<br />

treibt den Leser immer tiefer<br />

in die Geschichte und lässt die<br />

perfekte Fassade bröckeln.<br />

Lena Kripahle<br />

Renée Knight: Deadline,<br />

Goldmann, 352 S., € 10,30<br />

Dmitri Schostakowitsch (1906 –<br />

1975) war zuletzt schon Protagonist<br />

in William T. Vollmans<br />

Schwarte „Europe Central“,<br />

nun hat ihm der Brite Julian<br />

Barnes den sehr viel schlankeren<br />

Roman „Der Lärm der<br />

Zeit“ gewidmet, der durch seine<br />

Ökonomie und formale Eleganz<br />

besticht. Drei „Gespräche mit<br />

der Macht“, zu denen der wahlweise<br />

umjubelte und in Ungnade<br />

gefallene Komponist 1936,<br />

1949 und nach Stalins Tod<br />

gezwungen wurde, führen exemplarisch<br />

das prekäre Verhältnis<br />

vor, nicht aber den zutiefst<br />

zerrissenen Helden selbst.<br />

Klaus Nüchtern<br />

Julian Barnes: Der Lärm der Zeit,<br />

Kiepenheuer & Witsch, 256 S., € 20,60<br />

Nicht nur der Titel erinnert<br />

an Parabeln, wenn der bekannte<br />

Erzähler Köhlmeier hier<br />

erstmals als Lyriker auftritt und<br />

sogleich in die märchenhafte<br />

Welt des Alltags entführt.<br />

„Der Tag begann mit dem<br />

Wunsch, / Einen Hauch<br />

Frühlingsluft zu erhaschen, /<br />

Auf dem ich zurück in mein<br />

dreizehntes Jahr / Getragen<br />

würde.“ Belehrt uns nicht nur<br />

über, sondern auch mit Landschaften,<br />

Menschlichem und<br />

Tierischem und beweist damit,<br />

wie sehr Erzählformen und<br />

Poesie ineinander übergehen<br />

und sich gegenseitig beflügeln<br />

können. Siljarosa Schletterer<br />

Michael Köhlmeier: Ein Vorbild für die<br />

Tiere, Hanser Verlag, 144 S., € 18,50


Konto<br />

Kapital &<br />

Katastrophen<br />

7 Bücher rund ums liebe Geld<br />

Hoch<br />

Höher<br />

Am höchsten<br />

7 mal hochgestapelt<br />

Leipzig<br />

Litauen<br />

Lesen<br />

7 Tipps zum heurigen<br />

Buchmessenschwerpunkt<br />

3×7<br />

Best<br />

aber<br />

Seller:<br />

1<br />

2<br />

Geschichte<br />

Immer das Geld<br />

Hans Magnus Enzensberger<br />

Suhrkamp, € 12,40<br />

des Geldes<br />

Alan Pauls<br />

Klett-Cotta, € 20,50<br />

1<br />

2<br />

Der<br />

Die Abenteuer des Joel Spazierer<br />

Michael Köhlmeier<br />

dtv, € 15,40<br />

Nazi & der Friseur<br />

Edgar Hilsenrath<br />

dtv, € 10,20<br />

1<br />

2<br />

Fische<br />

Baltische Adria<br />

Eugenijus Alisanka / Ales Debeljak<br />

RanitzDialog 3 Edition Thanhäuser, € 20,–<br />

und Drachen<br />

Undine Radzevičiūtė<br />

Residenz, € 24,–<br />

3<br />

Frühling<br />

der Barbaren<br />

Jonas Lüscher<br />

btb, € 8,30<br />

3<br />

Rosenstengel<br />

Angela Steidele<br />

btb, € 14,40<br />

3<br />

Mein<br />

Name ist Maryte<br />

Alvydas Slepikas<br />

Mitteldeutscher Verlag, € 20,60<br />

4<br />

Kapital<br />

John Lanchester<br />

Heyne, € 12,40<br />

4<br />

Felix<br />

Krull<br />

Thomas Mann<br />

Fischer TB, € 10,30<br />

4<br />

Der<br />

magnetische <strong>No</strong>rden<br />

Tomas Venclova<br />

Suhrkamp, € 37,10<br />

5<br />

Das<br />

war ich nicht<br />

Kristoff Magnusson<br />

GoldmannTB, € 10,30<br />

5<br />

Der<br />

talentierte Mr. Ripley<br />

Patricia Highsmith<br />

diogenes, € 13,40<br />

5<br />

Das<br />

Strudelloch<br />

Romualdas Granauskas<br />

Wallstein, € 19,60<br />

56<br />

Wagner’sche.<br />

6<br />

Der<br />

7<br />

Die<br />

gute Banker<br />

Paul Murray<br />

Antje Kunstmann, € 25,80<br />

Gesichter der Wahrheit<br />

Donal Ryan<br />

diogenes, € 22,70<br />

6<br />

Zehn<br />

7<br />

Lila<br />

Tipps, das Morden zu<br />

beenden und mit dem<br />

Abwasch zu beginnen<br />

Hallgrímur Helgason<br />

dtv, € 10,30<br />

Lila<br />

Martin Suter<br />

diogenes, € 12,40<br />

6<br />

Der<br />

7<br />

Der<br />

Windreiter<br />

Renata Serelyte<br />

Wieser, € 19,80<br />

lange Spaziergang auf<br />

einer kurzen Mole oder:<br />

Mein Spiel gegen mich selbst<br />

Giedra Radvilavičiūtė<br />

Corso, € 19,–


Die Buchhandlung<br />

als geistige Tankstelle<br />

Autorinnen und Autoren<br />

dieser Ausgabe<br />

Gemeinsam mit den Tiroler Bildungshäusern<br />

und der Universität Innsbruck. Von Markus Renk<br />

Schon der englische Philosoph Francis<br />

Bacon hat es mit seinem Ausspruch: „Wissen<br />

ist Macht“ auf den Punkt gebracht<br />

und schon damals erkannt, wie wichtig das<br />

Thema Bildung für eine erfolgreiche Zukunft<br />

ist. Heutzutage braucht man nur die<br />

Zeitungen aufzuschlagen, um mit dem Thema<br />

Bildung konfrontiert zu werden. Rasch<br />

lässt sich feststellen, welche Vorteile man<br />

im Alltag mit einer guten Allgemeinbildung<br />

lukrieren kann. Das Medium Buch ist hier<br />

ein zentrales Element, die Buchhandlung<br />

ein Ort der Weiterbildung. Die Wagner’sche<br />

war als Universitätsbuchhandlung stets<br />

bemüht, dies zu forcieren, und stellt den<br />

Fokus ihrer Fachbuchabteilung auf das<br />

Thema Weiterbildung. Nicht nur das<br />

Buchsortiment wurde deutlich ausgebaut,<br />

sondern wir suchen einen engen Kontakt<br />

zu den Tiroler Bildungshäusern und zur<br />

Innsbrucker Universität. Gemeinsam<br />

schnüren wir ein Paket für unsere Kund-<br />

Innen und werden kostenlose Weiterbildungsveranstaltungen<br />

in der Wagner’schen<br />

anbieten. Die ersten Testballone wurden<br />

bereits ausgeschickt und konnten ein sehr<br />

positives Echo auslösen.<br />

© Ecowin<br />

Ein toller Abend fand z. B. bereits am<br />

22. Februar statt, gemeinsam mit dem<br />

BFI Tirol holten wir den Bildungsexperten<br />

Dr. Andreas Salcher nach Innsbruck.<br />

Andreas Salcher ist Unternehmensberater<br />

und kritischer Vordenker in Bildungsthemen.<br />

Mit über 200.000 verkauften Büchern<br />

gilt er als einer der erfolgreichsten Sachbuchautoren<br />

Österreichs. Er ist Mitbegründer<br />

der Sir-Karl-Popper-Schule für<br />

besonders begabte Kinder. 2004 initiierte<br />

er die Waldzell Meetings im Stift Melk, an<br />

denen acht <strong>No</strong>belpreisträger, darunter auch<br />

der Dalai Lama, teilgenommen haben.<br />

In seinem neuesten Buch lädt der<br />

Bestsellerautor seine LeserInnen ein, das<br />

Verhältnis zu den eigenen Freunden zu<br />

reflektieren und dabei mehr über sich selbst<br />

zu erfahren – auch über die eigenen Schattenseiten.<br />

Denn Neid, Geiz, Sprachlosigkeit<br />

und andere zersetzende Gifte bedrohen<br />

unsere Freundschaften.<br />

Freundschaft: die Königsdisziplin<br />

der Lebenskunst<br />

Es sind unsere Freunde, die dafür sorgen,<br />

dass wir länger, gesünder und zufriedener<br />

leben. Sie geben uns Halt, wenn alles andere<br />

zerbricht. Doch woran erkennen wir sie?<br />

Und was sind wir selbst bereit für sie zu<br />

tun: Sie vor der Polizei verstecken? Für<br />

sie lügen? Ihnen 5.000 Euro borgen? Oder<br />

sie gar in den letzten Monaten vor ihrem<br />

Tod pflegen? Andreas Salcher formuliert in<br />

seinem neuen Buch klare, zum Teil provozierende<br />

Gebote für bereichernde Freundschaften:<br />

Du sollst nicht mehr als drei<br />

wahre Freunde haben. Du sollst dir bewusst<br />

sein, dass es keine Freunde fürs ganze Leben<br />

gibt. Du sollst dir Freunde suchen, mit<br />

denen du auf gleicher Augenhöhe bist.<br />

Anhand von berührenden Geschichten<br />

zeigt Andreas Salcher konkrete Wege, wie<br />

man den Zauber in alten Freundschaften<br />

wieder entdecken und in jeder Lebensphase<br />

neue Freunde finden kann. Das Buch bietet<br />

überraschende wissenschaftliche Erkenntnisse,<br />

wie sich Freundschaft im Wandel<br />

des Lebens verändert und welchen Einfluss<br />

die Sozialen Medien dabei auf die Jungen<br />

haben. Fazit: Die „Kunst der Freundschaft“<br />

ist eine der größten Herausforderungen und<br />

zugleich schönsten Aufgaben im Leben. Sie<br />

beginnt damit, sich selbst ein guter Freund<br />

zu sein.<br />

Aber nicht nur um das Thema Freundschaft<br />

soll es in Zukunft gehen. Unter dem<br />

Motto „Wagner’sche bildet“ wird es ab<br />

Herbst einmal im Monat Impulsvorträge<br />

in der Buchhandlung geben. Natürlich frei<br />

zugänglich und kostenlos. Ob „Nanotechnologie<br />

im Alltag“, „Tipps fürs Fotografieren“,<br />

„effektives Zeit- und Zielmanagement“,<br />

oder „Soziale Medien – aber sicher“,<br />

um nur einen kleinen Auszug der geplanten<br />

Themen zu geben, all diese Bereiche werden<br />

von professionellen Referenten vorgetragen<br />

und sollen einen möglichst unkomplizierten<br />

Zugang zu wichtigen Themenbereichen<br />

ermöglichen. Bewusst setzen wir auf ein<br />

sehr breites Themenangebot, daher werden<br />

auch die Bereiche Gesundheit, Persönlichkeitsbildung<br />

und die Ernährung sicher nicht<br />

fehlen. Wir hoffen mit dieser kostenlosen<br />

Serviceleistung viele KundInnen anzusprechen.<br />

Nähere Informationen zu den<br />

einzelnen Terminen werden wir auf unserer<br />

Homepage unter Veranstaltungen veröffentlichen.<br />

58 59<br />

Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

Bernhard Aichner, * 1972, lebt als Schriftsteller und Fotograf<br />

in Innsbruck. Er schreibt Romane, Hörspiele und Theaterstücke.<br />

Sein Thriller Totenfrau wurde zum überregionalen<br />

Erfolg und machte ihn zum erfolgreichsten Tiroler Autor.<br />

Martin Bär, Innsbrucker, Büchernarr und seit langem<br />

Buchhändler, ist nach vielen Jahren im Salzburger Land<br />

seit <strong>No</strong>vember 2016 Abteilungsleiter in der Wagner’schen.<br />

Alejandro Boucabeille, Franko-Mexikanischer-Österreichischer<br />

Weltbürger lebt für die Literatur.<br />

Peppino Brienza, Innsbrucker, unterrichtet italienisch<br />

an verschiedenen Einrichtungen der Erwachsenenbildung.<br />

Markus Bundi, geboren 1969. Er studierte Philosophie, Literatur<br />

und Linguistik in Zürich. Er arbeitet als Kulturjournalist,<br />

Literaturvermittler und Autor und lebt in Baden (CH).<br />

Ágnes Czingulszki, 1987 geboren in Baja (Südungarn),<br />

lebt – nach einigen Stationen in Europa – nun als<br />

Journalistin und Autorin in Innsbruck.<br />

Ute Faserl, Buchhändlerin, kam vor guten 30 Jahren aus dem<br />

„Badischen“ nach Tirol … und in die Wagner’sche. Nach längerer<br />

Familienpause kam sie wieder und ist immer noch da.<br />

Hubert Flattinger, geboren 1960 in Innsbruck. Grafiker,<br />

Autor und Journalist. Lebt in NÖ und vermittelt seine Erfahrungen<br />

im Bereich Kinder- und Jugendliteratur am Institut<br />

für Sozialpädagogik in Stams. Bücher (Auszug): Der größte<br />

Fisch entwischt (2015), Sommersprossen auf dem Asphalt<br />

(2016), Als ich Lord Winter war (2017).<br />

Michael Forcher, geboren in Lienz. Historiker und Autor.<br />

Eine verlegerische Instanz, gründete 1982 den Haymon<br />

Verlag. Zuletzt Stift Stams, Tirol und der erste Weltkrieg<br />

(beide 2016).<br />

Christine Frei ist Kommunikationsmanagerin und Theaterautorin<br />

und lebt seit ihrem Studium der Germanistik und<br />

Geschichte in <strong>No</strong>rdtirol. Ihr Theaterstück ‚Die disziplinierte<br />

Tirolerin‘, eine süffsiant-feministische Irrealsatire, war letzten<br />

Sommer bei den Volksschauspielen zu sehen.<br />

Martin Fritz, *1982, hört sich in seiner Freizeit gerne<br />

DJ Patex’ Coverversion des Songs „I Wish I Was Him“ an.<br />

Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien<br />

sowie „intrinsische süßigkeit“ (Lyrik, Berger Verlag 2013),<br />

zuletzt „EMMA“ (Freies Theater Innsbruck, 2016),<br />

Weblog: assotsiationsklimbim.twoday.net<br />

Markus Hatzer, geboren 1966 in Prägraten (Osttirol),<br />

seit 1981 Buchhändler, Verleger des Haymon Verlags, des<br />

Löwenzahn und Studienverlags und des Universitätsverlags<br />

Wagner. 2015 als Partner bei der Wagner’schen Universitätsbuchhandlung<br />

eingestiegen.<br />

Andreas Hauser erbte die Liebe zur Kriminalliteratur von<br />

seinem Vater, schrieb lang im Tiroler Magazin ECHO Beiträge<br />

zu Wissenschaft und Zeitgeschichte, Empfehlungen von<br />

Krimis, Thrillern und Literatur. Seit 2015 Mitarbeiter und<br />

CP-Redakteur der KULTIG Werbeagentur in Innsbruck.<br />

Irene Heisz ist freie Journalistin, Autorin und Moderatorin<br />

und lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Innsbruck.<br />

Cornelius Hell, Literaturkritiker, Autor und Übersetzer,<br />

geboren in Salzburg, Studium der Germanistik und Theologie.<br />

Zahlreiche Übersetzungen aus dem Litauischen.<br />

U. a. Preis des litauischen Schriftstellerverbandes für die<br />

beste Lyrik-Übersetzung in eine Fremdsprache.<br />

Markus Köhle ist Sprachinstallateur, Literaturzeitschriftenaktivist<br />

und Papa Slam Österreichs. Zahlreiche Publikationen,<br />

zuletzt: Alles außer grau. Texte to go (mit Mieze<br />

Medusa, Milena). www.autohr.at<br />

Markus Koschuh ist zweifacher österreichischer Poetry-Slam-<br />

Meister (2010 und 2011), Vize-Europameister im Poetry<br />

Slam 2011, Moderator, Schauspieler, Tirols erfolgreichster<br />

Kabarettist und politisch aktiv.<br />

Lena Kripahle, 1984 geboren und Buchhändlerin. Bereits<br />

seit der 1. Klasse süchtig nach Druckerschwärze und<br />

Hörbüchern. Seit <strong>No</strong>vember 2015 ist die Wagner’sche ihre<br />

neue Heimat.<br />

Erich Ledersberger, seit ungefähr 20 Jahren in Innsbruck<br />

lebender Wiener. Ehemaliger Lehrer, permanenter Autor,<br />

nicht nur auf seiner Website www.kakanien.eu, sondern auch<br />

in Büchern. Zu finden in der Wagner’schen.<br />

Thomas Maurberger, geboren 1997, macht die Lehre in<br />

der Wagner’schen und hat soeben seine zweite Rezension<br />

geschrieben.<br />

Magdalena Naschberger, Buchhändlerin in der Wagner’schen,<br />

macht den ersten Stock bunt und ist DIE Manga-Fachfrau.<br />

Klaus Nüchtern, geboren 1961 in Wien. Seit 1990 Kulturredakteur<br />

beim Falter; seine Kolumnen Nüchtern betrachtet<br />

liegen gesammelt in 5 Bänden vor. Nach Wittgenstein und<br />

Buster Keaton widmete er sich zuletzt dem Kontinent<br />

Doderer.<br />

Markus Renk, seit 30 Jahren in der Buchbranche. Fachgruppen-Obmann<br />

der Buch- und Medienwirtschaft Tirol<br />

und seit Oktober 2015 neuer Chef der Wagner’schen.<br />

Robert Renk, Buchhändler und Kulturveranstalter.<br />

Gastdozent an der Uni Innsbruck. Sortimentsleiter in der<br />

Wagner’schen. Gibt das Wagner-Magazin heraus.<br />

Nina Rettenbacher brachte uns der Koch- und Gärtnerhimmel<br />

in die Wagner’sche. Erste Stadtgärtnerin und grandiose<br />

Köchin & Gastgeberin im 1. Stock.<br />

Anna Rottensteiner, Autorin und Leiterin des Literaturhauses<br />

am Inn. Publikationen: Lithops. Lebende Steine (2013), Nur<br />

ein Wimpernschlag (2016) – beide ed. Laurin.<br />

Katharina Schermann, geboren 1982, studierte Germanistik<br />

an der Uni Innsbruck und arbeitete nach diversen Praktika<br />

im Buchverlag und -handel bei der Illustrierten „Tirolerin“<br />

als Redakteurin sowie zuletzt als leitende Redakteurin. Seit<br />

2015 ist sie als Onlinetexterin bei einer Werbeagentur tätig.<br />

Ende 2016 wurde sie Mutter eines Sohnes.<br />

Siljarosa Schletterer, geboren 1991 in Innsbruck, studiert<br />

u. a. Musikwissenschaft an der Universität Innsbruck. Frühe<br />

Beschäftigung mit Texten. Mehrere Lesungen, zusätzlich<br />

wurden Werke von ihr vertont.<br />

Helmuth Schönauer, geboren 1953, ist gerichtlich anerkannter<br />

Schriftsteller und Bibliothekar. „Tagebuch eines Bibliothekars“,<br />

5 Bände; Klagenfurt, Sisyphus 2016; „Krautig“,<br />

13 Kurzromane, welche die Tiroler ums Verrecken nicht<br />

schreiben wollen, Wien: Kyrene 2016.<br />

Bernd Schuchter, geboren 1977 in Innsbruck, studierte<br />

Germanistik, Geschichte und Philosophie an der Universität<br />

Innsbruck. Autor und Verleger (Limbus Verlag). Zuletzt<br />

Innsbruck abseits der Pfade (2015), Jacques Callot und die<br />

Erfindung des Individuums (2016) beide braumüller.<br />

Franz Schuh, 1947 geboren, lebt in Wien. Autor, Philosoph<br />

und Gesamtkunstwerk! Stationen u. a.: Studium der Philosophie,<br />

Geschichte, Germanistik in Wien, Generalsekretär<br />

der GAV. Redakteur der Zeitschrift „Wespennest“. Verleger<br />

bei Deuticke. Lehrbeauftragter an der Hochschule für<br />

angewandte Kunst. Zuletzt Sämtliche Leidenschaften (2014),<br />

Fortuna (2017) beide Zsolnay.<br />

Silvia Spiegl, Germanistin, seit 1991 Buchhändlerin in der<br />

Wagner’schen.<br />

Ulrike Tanzer, geboren in Steyr, seit 2014 Professorin für<br />

Österreichische Literatur und Leiterin des Forschungsinstituts<br />

Brenner-Archiv. Zahlreiche Veröffentlichungen zur<br />

deutschsprachigen Literatur vom 19. Jh. bis zur Gegenwart.<br />

Zuletzt u. a.: Leseausgabe Marie von Ebner-Eschenbach<br />

(hrsg. gem. mit E. Polt-Heinzl und D. Strigl), Residenz-<br />

Verlag 2014.<br />

Marion Umgeher hat über Lebensstationen in der Kunst<br />

(bei Filmemacher Rudi Dolezal) und im Kitsch (in der<br />

Redaktion der Barbara Karlich-Show) endlich zu den<br />

Kapuzinern in Tirol gefunden: Hier geht ihr Herz auf,<br />

wenn sie am „fidelis“-Magazin für die Sozialen Dienste<br />

der Kapuziner arbeitet.<br />

Gabi Unterberger, teilzeitbeschäftigte Reisebüroangestellte<br />

und ehrenamtliche Bibliothekarin vom Lande mit umfassendem<br />

Haus(buch)bestand und Hausverstand.<br />

Evelyn Unterfrauner, Referentin des Referats für Öffentlichkeitsarbeit<br />

der ÖH Innsbruck. Betreibt den Book Broker<br />

Blog auf: bookbroker.wordpress.com.<br />

Marlene Walder, seit 2013 im Buchhandel tätig und in der<br />

Wagner’schen u. a. für all age und fremdsprachige Literatur<br />

zuständig, was sich gut mit ihrer Liebe zu Oscar Wilde trifft.<br />

Peter Walder-Gottsbacher, geboren in Salzburg, lebt seit 20<br />

Jahren in Tirol, Bühnenbildstudium am Mozarteum, seit<br />

über 30 Jahren im Buch – und Kunsthandel rührig, betreut<br />

das Fachbuch – und geisteswissenschaftliche Buch in der<br />

Wagner’schen. Bisweilen Autor und Maler.<br />

Josef Wallinger, geboren 1957, Lehrer an der Bundeshandelsakademie<br />

und -handelsschule Hall in Tirol. Seine Kindheit<br />

und Jugend verbrachte er im Stadtteil Pradl, dem er sich<br />

noch heute sehr verbunden fühlt.<br />

Gabriele Wild, geboren 1982, Studium der Germanistik<br />

und Slawistik. Literaturvermittlerin und Veranstalterin<br />

u. a. co&bi und im Literaturhaus am Inn. Seit 2016 Mutter,<br />

wir gratulieren!<br />

Anita Winkler hat in Innsbruck Germanistik studiert, ist<br />

seit 2008 für das Programm des Löwenzahn Verlags verantwortlich.<br />

Dorothea Zanon, geboren 1980, Studium der Literaturwissenschaft<br />

in Innsbruck und Wien. Seit 2008 Lektorin im<br />

Haymon Verlag.<br />

Klaus Zeyringer, Habilitation in Graz; war Univ.-Prof. für<br />

Germanistik in Frankreich. Literaturkritiker u. a. für Der<br />

Standard, Jurymitglied der ORF-Bestenliste; Literaturmoderationen<br />

in Österreich, Deutschland, der Schweiz und<br />

Frankreich. Zuletzt: „Olympische Spiele. Eine Kulturgeschichte<br />

von 1896 bis heute. Bd. 1: Sommer“ (2016).


Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

Museumstraße 4<br />

6020 Innsbruck<br />

T. +43 512 59505 0<br />

info@wagnersche.at<br />

www.wagnersche.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

Buchhandlung<br />

Montag bis Freitag: 9 – 18.30 Uhr<br />

Samstag: 9 – 17 Uhr<br />

T. +43 512 595 05 0<br />

1639. Die Meierei<br />

Montag bis Freitag: 9 – 17 Uhr<br />

Samstag: 9 – 14 Uhr<br />

Sonn- & Feiertage geschlossen<br />

T. +43 650 940 308 0

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