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Kevin DeYoung: Leg einfach los! Ein befreiender Weg, Gottes Willen zu entdecken

Der zweite Untertitel ist vielsagend: "Oder: Wie man Entscheidungen trifft ohne Träume, Visionen, Wollvließ, Eindrücke, offene Türen, zufällige Bibelverse, Lose werfen, Gänsehautmomente, Schriftzüge am Himmel etc." Zu oft tun Christen sich schwer, sich für einen Job, einen Partner oder eine Gemeinde oder für überhaupt irgendetwas zu entscheiden. Sie sorgen sich krampfhaft, dass sie nicht Gottes perfekten Willen für ihr Leben gefunden haben. Viele fallen in Passivität und Frustration, weil sie Gottes Willen suchen, aber nicht finden. Dabei hat die Bibel eine klare Lösung für dieses Problem: Gott hat seinen Plan für unser Leben bereits offenbart! Kevin DeYoung verdeutlicht diese biblische Lösung auf erfrischende und sehr lebensnahe Weise. Besonders für junge Leute – die ja vor den wichtigsten Entscheidungen ihres Lebens stehen – ist dieses Buch eine große Hilfe, um befreit und aktiv zur Ehre Gottes leben zu können.

Der zweite Untertitel ist vielsagend: "Oder: Wie man Entscheidungen trifft ohne Träume, Visionen, Wollvließ, Eindrücke, offene Türen, zufällige Bibelverse, Lose werfen, Gänsehautmomente, Schriftzüge am Himmel etc."

Zu oft tun Christen sich schwer, sich für einen Job, einen Partner oder eine Gemeinde oder für überhaupt irgendetwas zu entscheiden. Sie sorgen sich krampfhaft, dass sie nicht Gottes perfekten Willen für ihr Leben gefunden haben. Viele fallen in Passivität und Frustration, weil sie Gottes Willen suchen, aber nicht finden. Dabei hat die Bibel eine klare Lösung für dieses Problem: Gott hat seinen Plan für unser Leben bereits offenbart!
Kevin DeYoung verdeutlicht diese biblische Lösung auf erfrischende und sehr lebensnahe Weise. Besonders für junge Leute – die ja vor den wichtigsten Entscheidungen ihres Lebens stehen – ist dieses Buch eine große Hilfe, um befreit und aktiv zur Ehre Gottes leben zu können.

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<strong>Kevin</strong> <strong>DeYoung</strong><br />

<strong>Leg</strong> <strong>einfach</strong> <strong>los</strong>!


<strong>Kevin</strong> <strong>DeYoung</strong><br />

<strong>Ein</strong> <strong>befreiender</strong> <strong>Weg</strong>,<br />

<strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong> <strong>zu</strong> <strong>entdecken</strong>


<strong>Kevin</strong> <strong>DeYoung</strong> ist Hauptpastor an der University Reformed Church in East Lansing,<br />

Michigan, in Nachbarschaft <strong>zu</strong>r Michigan State University. Er gehört auch<br />

<strong>zu</strong>m Leitungskreis der Initiative The Gospel Coalition und schreibt im Web den<br />

Blog https://blogs.thegospelcoalition.org/kevindeyoung. <strong>Kevin</strong> ist Professor für<br />

Systematische und Historische Theologie am Reformed Theological Seminary.<br />

Weitere Bücher von ihm sind u. a. Crazy Busy, Gott beim Wort nehmen und The<br />

Biggest Story. <strong>Kevin</strong> und seine Frau Trisha haben sieben Kinder: Ian, Jacob, Elizabeth,<br />

Paul, Mary, Benjamin und Tabitha.<br />

1. Auflage 2017<br />

© der englischen Originalausgabe 2009 by <strong>Kevin</strong> <strong>DeYoung</strong><br />

Originaltitel: Just Do Something<br />

Erschienen bei Moody Publishers, Chicago, Illinois<br />

© der deutschen Überset<strong>zu</strong>ng: Betanien Verlag 2017<br />

Imkerweg 38 · 32832 Augustdorf<br />

www.betanien.de · info@betanien.de<br />

Überset<strong>zu</strong>ng: Larissa Eliasch<br />

Lektorat: Hans-Werner Deppe<br />

Cover: Sara Pieper<br />

Satz: Betanien Verlag<br />

Druck: Druckhaus Nord, Bremen<br />

ISBN 978-3-945716-25-0


Inhalt<br />

Vorwort von Joshua Harris 7<br />

1 Der lange <strong>Weg</strong> ins Nirgendwo 9<br />

2 Der Wille <strong>Gottes</strong> auf »Christianesisch« 14<br />

3 Die Herausforderung, sich <strong>zu</strong> entscheiden 24<br />

4 Unser Wahrsagekugel-Gott 39<br />

5 <strong>Ein</strong> besserer <strong>Weg</strong>? 51<br />

6 Gewöhnliche Führung und außergewöhnliche<br />

Überraschungen 59<br />

7 Das Handwerkszeug 70<br />

8 Der <strong>Weg</strong> der Weisheit 81<br />

9 Berufswahl, Ehe und der Wille <strong>Gottes</strong> 92<br />

10 Zum Schluss: <strong>Ein</strong>e Geschichte und ihre Moral 106<br />

Studienleitfaden 113


Vorwort<br />

von Joshua Harris<br />

E<br />

s ist <strong>Gottes</strong> Wille für dich, dieses Buch <strong>zu</strong> lesen. Ja, ich meine<br />

genau dich. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass du<br />

»<strong>einfach</strong> so« dieses Buch nimmst, diese Seite aufschlägst und anfängst<br />

<strong>zu</strong> lesen? Offensichtlich ist das ein Zeichen. Von den Millionen<br />

von Büchern auf der Welt hast du gerade dieses gefunden.<br />

Wow. Ich bekomme Gänsehaut. Verpasse nicht diesen von Gott<br />

arrangierten Moment. Wenn du ihn versäumst, ist es sehr wahrscheinlich,<br />

dass du <strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong> für den Rest deines Lebens<br />

komplett verfehlen und deine Tage in Trauer und Bedauern verbringen<br />

wirst.<br />

Nachdem ich dir jetzt einen Schrecken eingejagt habe, muss<br />

ich gestehen, dass der gesamte vorherige Absatz komplett Unsinn<br />

ist. Es ist Quatsch. Überhaupt nicht wahr. In Wirklichkeit weiß<br />

ich gar nicht, ob es <strong>Gottes</strong> Wille für dich ist, dieses Buch <strong>zu</strong> lesen.<br />

Aber ich denke, das könnte eine echt gute Idee sein.<br />

Wenn du da<strong>zu</strong> neigst, so von <strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong> <strong>zu</strong> denken, wie<br />

ich ihn auf so bedrohliche Art und Weise beschrieben habe, wird<br />

dieses Buch dir helfen, deine Sichtweise <strong>zu</strong> korrigieren. <strong>Kevin</strong><br />

<strong>DeYoung</strong> ist ein begabter Pastor und ein theologisch scharfsinniger<br />

und Klartext redender Autor. Er vermittelt wichtige Inhalte<br />

auf leicht lesbare und verständliche Weise.<br />

In <strong>Leg</strong> <strong>einfach</strong> <strong>los</strong> zeigt <strong>Kevin</strong>, was uns daran hindert, vorwärts<strong>zu</strong>gehen<br />

und Entscheidungen <strong>zu</strong> treffen. Er verdeutlicht,<br />

wie Gott <strong>zu</strong> uns redet und was es bedeutet, von Weisheit geleitet<br />

<strong>zu</strong> werden. In einer einfühlsamen und liebevollen Weise fordert<br />

er dich heraus.<br />

Es ist gut möglich, dass du bei diesem Thema einigen fehlerhaften<br />

Denkweisen erlegen bist. Ich schätze <strong>Kevin</strong>s nüchterne<br />

7


<strong>Leg</strong> <strong>einfach</strong> <strong>los</strong>! · Vorwort von Joshua Harris<br />

Art und Weise sehr, mit der er uns wieder <strong>zu</strong>rück <strong>zu</strong>r Wahrheit<br />

bringt: »Gott ist keine magische Wahrsagekugel, die wir nur gut<br />

genug durchschütteln und in die wir dann hineinstarren müssen,<br />

wann immer wir eine Entscheidung <strong>zu</strong> treffen haben. Er ist ein<br />

guter Gott, der uns einen Verstand gibt, uns den <strong>Weg</strong> des Gehorsams<br />

aufzeigt und uns da<strong>zu</strong> einlädt, Risiken für ihn ein<strong>zu</strong>gehen.«<br />

(Seite 23)<br />

Ich bin ein Pastor. Und das höchste Lob, das ich als Pastor<br />

diesem Buch aussprechen kann, lautet: Es ist mein neues Nonplus-ultra-Buch<br />

<strong>zu</strong>m Thema »<strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong> finden« und Entscheidungen<br />

treffen. Wenn du in meiner Gemeinde wärst, auf<br />

mich <strong>zu</strong>kommen und mir sagen würdest: »Ich muss eine wichtige<br />

Entscheidung treffen (Ehe, Arbeit, Hauskauf etc.) und ich<br />

muss wissen, was Gott von mir möchte«, würde ich dir dieses<br />

Buch an die Hand geben.<br />

Es ist befreiend und ermutigend – und sogar, wenn es dir vor<br />

den Kopf stößt (was es hin und wieder tut), wird es dir gut bekommen.<br />

Du wirst klarer und biblischer denken.<br />

Also lies dieses Buch. Du wirst dadurch weiser werden.<br />

Joshua Harris<br />

Hauptpastor der Covenant Life Church und Autor u.a. von<br />

»Mehr als ein Sonntagsflirt. Gib der Gemeinde dein Jawort«<br />

8


1<br />

Der lange <strong>Weg</strong> ins<br />

Nirgendwo<br />

Ich bin mit Tinkertoy-Spielzeug aufgewachsen. Wie die meisten<br />

amerikanischen Haushalte der letzten hundert Jahre hatte auch<br />

unsere Familie diesen klassischen länglichen Eimer voller Stäbe,<br />

Holzräder und bunten Verbindungsteilen. Seit Erscheinen auf<br />

dem Markt im Jahre 1913 verkaufte Tinkertoy jährlich über 2,5<br />

Millionen Konstruktionssets. Erfinder der Tinkertoy-Sets, die<br />

anfänglich für 60 Cent verkauft wurden und den wenig attraktiven<br />

Namen »Thousand Wonder Builders« trugen, waren Charles<br />

Pajeau und Robert Petit. Die Idee für ein solches Spielzeug hatten<br />

sie, als sie Kindern beim Basteln mit Bleistiften, Stöckchen<br />

und leeren Fadenspulen <strong>zu</strong>sahen.<br />

Auch ein Jahrhundert später findet man an den Tinkertoy-Sets<br />

nichts Ausgefallenes, insbesondere in einem digitalen<br />

Zeitalter, in dem Kinder ohne ihre elektronischen Gadgets nicht<br />

das Haus verlassen. Trotzdem mögen Kinder immer noch Tinkertoy,<br />

weil Kinder gerne basteln.<br />

Und offensichtlich tun das auch Erwachsene gern.<br />

Der Soziologe und Autor Robert Wuthnow bezeichnet die<br />

Generation der 20- bis 45-Jährigen als »Tinkerer«, also »Bastler« 1<br />

(tinker heißt »basteln«). Unsere Großeltern waren die Aufbau-Generation;<br />

sie bauten. Unsere Eltern waren die so genannten Baby-Boomer,<br />

sie »boomten«. Und meine Generation? Wir basteln.<br />

Selbstverständlich ist Basteln an sich nichts Schlechtes, wie auch<br />

Wuthnow herausstellt. Wer gerne bastelt, kann improvisieren,<br />

sich spezialisieren, Dinge auseinandernehmen und Leute aus tau-<br />

1 Robert Wuthnow: After the Baby Boomers: How Twenty- and Thirty-Somethings<br />

Are Shaping the Future of American Religion. Princeton Univ. Press 2007.<br />

9


<strong>Leg</strong> <strong>einfach</strong> <strong>los</strong>! · Kapitel 1<br />

send verschiedenen Orten der Welt <strong>zu</strong>sammenbringen. Jedoch<br />

bedeutet Basteln auch Unentsch<strong>los</strong>senheit, Unvereinbarkeit und<br />

Instabilität. Wir sehen eine Generation von jungen Leuten (irgendwie)<br />

heranwachsen, die mit Lehren basteln, mit Gemeinden<br />

basteln, mit Partnerbeziehungen basteln oder Hauptfächer <strong>zu</strong>sammenwürfeln,<br />

die mal im Keller bei den Eltern wohnen und<br />

dann wieder von <strong>zu</strong> Hause ausziehen, die mit den verschiedensten<br />

spirituellen Praktiken hantieren, unabhängig davon, wie unvereinbar<br />

oder widersprüchlich sie sind.<br />

Wir sind unbeständig und instabil. Wir halten an nichts fest.<br />

Wir sind nie sicher, ob wir die richtige Entscheidung getroffen haben.<br />

Meistens sind wir nicht einmal in der Lage, überhaupt eine<br />

Entscheidung <strong>zu</strong> treffen. Und wir ziehen unsere Entscheidungen<br />

nicht durch. All das bedeutet, dass wir als junge Christen weniger<br />

Frucht bringen und weniger treu sind, als wir sein sollten.<br />

Zugegeben, jung sein bedeutet <strong>zu</strong>meist auch, jugendlich <strong>zu</strong><br />

sein, und die Jugendlichkeit bringt Unentsch<strong>los</strong>senheit und Instabilität<br />

mit sich. Junge Menschen, die gerne basteln, gibt es<br />

nicht nur in einer einzigen Generation. Auch die Baby-Boomer<br />

und wahrscheinlich sogar die »Builders«, die Aufbau-Nachkriegsgeneration<br />

(die während der Weltwirtschaftskrise aufwuchs und<br />

im Zweiten Weltkrieg kämpfte), bastelten als junge Erwachsene<br />

mit Gott und dem Leben. Der Unterschied bei meiner Generation<br />

ist jedoch, dass die Phase des »jungen Erwachsenen« immer<br />

länger anhält. Früher galt man mit dreißig als alt und alles andere<br />

als jugendlich, doch heute klingt es nicht ungewöhnlich, mit<br />

vierzig »allmählich erwachsen <strong>zu</strong> werden«.<br />

<strong>Ein</strong>e interessante Statistik belegt: Im Jahr 1960 hatten unter<br />

den Dreißigjährigen 77 % der Frauen und 65 % der Männer<br />

die wichtigsten Stufen des Erwachsenwerdens hinter sich. Diese<br />

Stufen beinhalten den Aus<strong>zu</strong>g aus dem Elternhaus, den Schulabschluss,<br />

finanzielle Unabhängigkeit, Heirat und die Geburt eines<br />

Kindes. Im Jahr 2000 hatten unter den Dreißigjährigen lediglich<br />

46 % der Frauen und 31 % der Männer diese Stufen abgesch<strong>los</strong>sen. 2<br />

2 Ebd., S. 11.<br />

10


Der lange <strong>Weg</strong> ins Nirgendwo<br />

Mich erstaunt, dass weniger als ein Drittel der Männer in meinem<br />

Alter die Schule beendet haben, ausgezogen sind, geheiratet und<br />

Kinder bekommen haben und einer Arbeit nachgehen, von der sie<br />

ihren Lebensunterhalt bestreiten können. »Adultoleszenz« 3 ist das<br />

neue Normal.<br />

Auf der anderen Seite weiß ich natürlich, dass es viele gute<br />

Gründe dafür geben mag, wenn jemand mit dreißig Jahren<br />

immer noch <strong>zu</strong>r Schule geht. Schließlich brauchen mehrfache<br />

Master ihre Zeit. Ich erkenne auch an, dass es legitime Gründe<br />

gibt, warum ein Dreißigjähriger vielleicht bei seinen Eltern leben<br />

muss (z. B. Krankheit, plötzliche Arbeits<strong>los</strong>igkeit oder Scheidung).<br />

Was die Heirat angeht, hast du vielleicht die Gabe der<br />

Ehe<strong>los</strong>igkeit. Und bezogen auf die Familie habt ihr vielleicht versucht,<br />

Kinder <strong>zu</strong> bekommen, aber es hat bisher nicht geklappt. Es<br />

gibt eine Menge von Gründen, warum es mit dem Erwachsenwerden<br />

dauert. Ich verstehe das. Nur weil du ein Viertel bis ein<br />

Drittel deines Lebens auf diesem Planeten bereits hinter dir und<br />

»den Übergang« ins Erwachsenendasein immer noch nicht vollendet<br />

hast, bedeutet das nicht, dass du automatisch ein Schmarotzer,<br />

ein fauler Sack oder ein hoffnungs<strong>los</strong>er Vagabund bist.<br />

Aber es könnte das bedeuten. Es ist möglich, dass deine »ganz<br />

neue Freiheit <strong>zu</strong>m Vagabundieren und Experimentieren, <strong>zu</strong>m<br />

Lernen oder auch Nichtlernen, Weitermachen und nochmal Probieren«<br />

4 dich nicht weiser, kultivierter oder reifer gemacht hat.<br />

Vielleicht braucht dein freier Geist etwas weniger Freiheit und<br />

mehr Treue. Vielleicht sollte dein ständiges Erwachsenwerden …<br />

tja, endlich erwachsen werden.<br />

Aber um nicht missverstanden <strong>zu</strong> werden: Dieses Buch richtet<br />

sich nicht ausschließlich an junge Leute. Ich werde mich nicht<br />

an einer Generationsanalyse meiner 30- bis 40-jährigen Altersge-<br />

3 <strong>Ein</strong>e im Englischen mittlerweile etablierte Wortschöpfung (adultolescence)<br />

aus adult (erwachsen), und adolescence (Adoleszenz, Heranwachsen), also das<br />

im Erwachsenenalter fortgesetzte Erwachsenwerden (Anm. Betanien Verlag).<br />

4 Christian Smith: »Get a Life: The Challenge of Emerging Adulthood«. Books<br />

& Culture. November/December 2007, S. 10.<br />

11


<strong>Leg</strong> <strong>einfach</strong> <strong>los</strong>! · Kapitel 1<br />

nossen versuchen. Ich werde kein neues Manifest der »Generation<br />

X« 5 aufstellen. Dieses Buch ist sehr viel <strong>einfach</strong>er als all das.<br />

Es handelt von <strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong> – <strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong> für desorientierte<br />

Teenager, ausgebrannte Eltern, pensionierte Großeltern und, ja,<br />

die bastelnde »Generation Y«, die Millennials oder wie auch immer<br />

wir die derzeit Mitte Zwanzigjährigen nennen möchten.<br />

Ich bringe diese ganze Sache mit dem verspäteten Erwachsenwerden<br />

deshalb auf, weil es mit dem geistlichen Thema »<strong>Gottes</strong><br />

<strong>Willen</strong> erkennen« <strong>zu</strong>sammenhängt. Du wirst in diesem Buch einige<br />

der typischen Fragen nach dem <strong>Willen</strong> <strong>Gottes</strong> behandelt finden<br />

– also wie man weise Entscheidungen trifft, eine Arbeitsstelle<br />

wählt, wen man heiraten soll und so weiter. Die Beantwortung<br />

dieser Fragen ist jedoch nicht Zweck dieses Buches. Mein Ziel<br />

ist es weniger, dir <strong>zu</strong> offenbaren, wie du <strong>Gottes</strong> Stimme hören<br />

kannst, um eine Entscheidung <strong>zu</strong> treffen, sondern vielmehr, dir<br />

<strong>zu</strong> helfen, <strong>Gottes</strong> Offenbarung <strong>zu</strong> hören: Er sagt dir, den langen<br />

<strong>Weg</strong> ins Nirgendwo <strong>zu</strong> verlassen und endlich eine Entscheidung<br />

<strong>zu</strong> treffen, einen Job <strong>zu</strong> bekommen und – vielleicht – <strong>zu</strong> heiraten.<br />

Die Unschlüssigkeit, die viele von uns (insbesondere die Jüngeren)<br />

spüren, wenn es darum geht, Entscheidungen <strong>zu</strong> treffen,<br />

sich fest<strong>zu</strong>legen und dafür sorgfältig nach <strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong> <strong>zu</strong> suchen,<br />

hat mindestens zwei Ursachen: Erstens genießt die neue<br />

Generation – oder <strong>zu</strong>mindest glaubt sie es, <strong>zu</strong> genießen – eine<br />

»ganz neue Freiheit«. Nach der Schule oder dem College gibt es<br />

keine vorgegebenen Pfade mehr. Die Zukunft steht einem weit<br />

offen und bietet unendliche Möglichkeiten – doch damit einher<br />

gehen auch Desorientierung, Sorge und Unschlüssigkeit. »Bei all<br />

den Dingen, die ich tun könnte, und all den Orten, an die ich<br />

gehen könnte – woher soll ich da wissen, was davon das Richtige<br />

ist?« Das führt <strong>zu</strong> dem starken Bedürfnis, »<strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong> für<br />

mein Leben« <strong>zu</strong> <strong>entdecken</strong>. Das ist der Hauptgrund, warum es<br />

12<br />

5 Die »Generation X« wird im engl. auch Baby Busters genannt und ist die Generation<br />

nach den Baby Boomers, also der von Mitte der 1960er bis Anfang<br />

der 1980er Jahre Geborenen. <strong>Kevin</strong> <strong>DeYoung</strong> (geb. 1977) schrieb dieses Buch<br />

2009 im Alter von 31/32 Jahren (Anm. Betanien Verlag).


Der lange <strong>Weg</strong> ins Nirgendwo<br />

immer einen Markt für Bücher über <strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong> gibt.<br />

Zweitens ist unsere Suche nach dem <strong>Willen</strong> <strong>Gottes</strong> ein Komplize<br />

darin geworden, das Erwachsenwerden auf<strong>zu</strong>schieben. Diese<br />

ständige Suche ist ein bequemer Ausweg für junge (oder ältere)<br />

Christen, um sich ohne Sinn und Ziel durchs Leben treiben <strong>zu</strong><br />

lassen. Zu viele von uns verkaufen ihre Instabilität, Unbeständigkeit<br />

und die end<strong>los</strong>e Selbsterkundung als angebliches »Suchen<br />

nach <strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong>«, als wären das Vermeiden von klaren Entscheidungen<br />

und ein stetes Herumwinden Kennzeichen eines besonderen<br />

geistlichen Feinsinns.<br />

Als Resultat sind wir geprägt von Passivität und mangelndem<br />

Durchhaltevermögen. Wir basteln herum an allem und<br />

mit jedem, anstatt dass wir im Hinblick auf unsere Zukunft<br />

Verantwortung übernehmen, Entscheidungen fällen und <strong>einfach</strong><br />

<strong>los</strong>legen.<br />

13


2<br />

Der Wille <strong>Gottes</strong> auf<br />

»Christianesisch«<br />

Wenn Gott einen so »wundervollen Plan für mein Leben«<br />

hat, wie es in vielen evangelistischen Traktaten heißt, warum<br />

sagt er mir dann nicht, was genau dieser Wille für mich ist?<br />

Stattdessen gleicht unser Leben hier unten einem Wirrwarr<br />

von voreiligen Aktionen und Abbrüchen, Sackgassen und offenen<br />

Türen, Möglichkeiten und konkurrierenden Ideallösungen.<br />

So viele Entscheidungen sind <strong>zu</strong> treffen und keine Antwort<br />

scheint klar und deutlich <strong>zu</strong> sein. Was soll ich in diesen<br />

Sommerferien tun? Welches Studienfach soll ich wählen? In<br />

welche Richtung soll mein Berufsweg gehen? Will ich Karriere<br />

machen? Soll ich heiraten? Wen soll ich heiraten? Will ich Kinder<br />

haben und wenn ja, wie viele? Soll ich Sport machen oder in<br />

einem Chor singen? Wohin soll ich aufs College gehen? Soll ich<br />

überhaupt aufs College gehen? Soll ich einen Masterabschluss<br />

machen? Welchen Beruf soll ich nehmen? Soll ich in meinem<br />

jetzigen Beruf bleiben? Soll ich Missionar werden? Oder Pastor?<br />

Soll ich irgendwo ehrenamtlich mitarbeiten? Soll ich von<br />

Zuhause ausziehen und mal etwas anderes kennenlernen? Ist es<br />

jetzt an der Zeit, ein Haus <strong>zu</strong> kaufen?<br />

Für andere stellen sich wichtige Fragen über Geld, Beziehungen<br />

oder gar den Ruhestand: Wie soll ich mit meinem Geld umgehen?<br />

Wofür soll ich es ausgeben? In welche Gemeinde soll ich<br />

gehen? Wie soll ich meiner Gemeinde dienen? Was soll ich den<br />

Rest meines Lebens tun und wo und mit wem will ich mein Leben<br />

verbringen? Wann soll ich in Rente gehen? Und was soll ich<br />

in meinem Ruhestand machen?<br />

Bei derart vielen Fragen, mit denen man sich in den nächsten<br />

Jahren – oder womöglich Wochen – auseinandersetzen muss, ist<br />

14


Der Wille <strong>Gottes</strong> auf »Christianesisch«<br />

es kein Wunder, dass so viele von uns verzweifelt nach Antworten<br />

suchen, was <strong>Gottes</strong> Wille für ihr Leben ist. Das bringt mich<br />

<strong>zu</strong>rück <strong>zu</strong>r Ausgangsfrage dieses Kapitels, die anders<br />

ausgedrückt lautet: Wenn Gott einen wundervollen<br />

Plan für mein Leben hat, wie kann ich herausfinden,<br />

wie dieser Plan aussieht?<br />

Viele Bücher wurden geschrieben, um diese<br />

grundlegende Frage <strong>zu</strong> beantworten, und meine Antwort<br />

darauf ist womöglich nicht die, die du von einem<br />

Wie-erfahre-ich-<strong>Gottes</strong>-<strong>Willen</strong>-Buch erwarten<br />

würdest. Meine Antwort habe ich mir nicht selbst<br />

ausgedacht, aber sie ist ziemlich <strong>einfach</strong> und wie ich hoffe auch<br />

ziemlich biblisch. Wagen wir doch einmal <strong>zu</strong> überlegen: Vielleicht<br />

haben wir deshalb Schwierigkeiten damit, <strong>Gottes</strong> wundervollen<br />

Plan für unser Leben heraus<strong>zu</strong>finden, weil er in Wirklichkeit<br />

gar nicht die Absicht hat, uns tatsächlich einen genauen<br />

Plan mit<strong>zu</strong>teilen. Und vielleicht liegen wir falsch darin, dennoch<br />

genau das von ihm <strong>zu</strong> erwarten.<br />

Vielleicht hat<br />

Gott gar nicht<br />

die Absicht,<br />

uns einen<br />

genauen Plan<br />

mit<strong>zu</strong>teilen.<br />

Bist du schon durcheinander?<br />

»Der Wille <strong>Gottes</strong>« ist einer der am meisten Verwirrung stiftenden<br />

Begriffe im christlichen Vokabular. Manchmal sprechen wir<br />

davon, dass alle Dinge nach <strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong> geschehen. Andere<br />

Male sprechen wir davon, gehorsam <strong>zu</strong> sein und <strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong><br />

<strong>zu</strong> tun. Und wieder andere Male sprechen wir davon, <strong>Gottes</strong><br />

<strong>Willen</strong> <strong>zu</strong> suchen. Die Verwirrung ist der Tatsache geschuldet,<br />

dass wir den Begriff »<strong>Gottes</strong> Wille« mit mindestens drei verschiedenen<br />

Bedeutungen benutzen, die in den drei oben genannten<br />

Sätzen <strong>zu</strong>m Ausdruck kommen: <strong>Gottes</strong> souveräner Wille, <strong>Gottes</strong><br />

moralischer Wille und <strong>Gottes</strong> individueller Wille. Zwei dieser<br />

Bedeutungen werden klar in der Bibel gelehrt; mit der dritten<br />

ist es ein wenig komplizierter. Also fangen wir mit den ersten<br />

beiden an.<br />

15


<strong>Leg</strong> <strong>einfach</strong> <strong>los</strong>! · Kapitel 2<br />

<strong>Gottes</strong> souveräner Wille – geschieht immer<br />

Wenn wir die Bibel durchforschen, sehen wir, dass <strong>Gottes</strong> Wille<br />

zwei Aspekte hat. Erstens haben wir <strong>Gottes</strong> souveränen <strong>Willen</strong>.<br />

Damit ist das gemeint, was Gott verordnet hat. Alles, was geschieht,<br />

geschieht gemäß <strong>Gottes</strong> souveräner Verordnung (seinem<br />

Ratschluss). Und alles, was er verordnet, wird letztendlich eintreten.<br />

<strong>Gottes</strong> souveräner Wille kann nicht vereitelt werden. Er ist<br />

unveränderlich und steht absolut fest. Gott steht souverän über<br />

allen Dingen – über Natur und Nationen, Tiere und Engel, Geister<br />

und Satan, wundervolle und niederträchtige Menschen, sogar<br />

über Krankheit und Tod. Augustinus sagte: »Der Wille <strong>Gottes</strong> ist<br />

die Notwendigkeit aller Dinge.« In anderen Worten: Was Gott<br />

will, wird auch geschehen, und was geschieht, entspricht <strong>Gottes</strong><br />

<strong>Willen</strong>. Das ist es, was ich mit <strong>Gottes</strong> souveränem <strong>Willen</strong> meine.<br />

<strong>Gottes</strong> souveräner Wille wird in zahlreichen Bibelstellen gelehrt:<br />

16<br />

… in ihm, in welchem wir auch ein Erbteil erlangt haben, die<br />

wir vorherbestimmt sind nach dem Vorsatz dessen, der alles<br />

wirkt nach dem Ratschluss seines <strong>Willen</strong>s. (Eph 1,11)<br />

Gott wirkt alles – das große Gesamtbild, die kleinen Details und<br />

alles dazwischen – gemäß seinen eigenen guten und souveränen<br />

Zielen.<br />

Verkauft man nicht zwei Sperlinge um einen Groschen? Und<br />

doch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater. Bei<br />

euch aber sind selbst die Haare des Hauptes alle gezählt. (Mt<br />

10,29-30)<br />

Gott leitet unser Leben bis ins letzte Detail. Er plant nicht nur<br />

ein paar der großen Dinge unseres Lebens. Preis den Herrn, dass<br />

er den kleinsten Sperling und jedes einzelne graue Haar von<br />

uns kennt. Und keines davon fällt <strong>zu</strong> Boden, es sei denn, unser<br />

himmlischer Vater möchte es so.


Der Wille <strong>Gottes</strong> auf »Christianesisch«<br />

Wahrhaftig, sie haben sich versammelt in dieser Stadt gegen<br />

deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hast, Herodes<br />

und Pontius Pilatus mit den Heiden und den Stämmen Israels,<br />

<strong>zu</strong> tun, was deine Hand und dein Ratschluss <strong>zu</strong>vor bestimmt<br />

haben, dass es geschehen sollte. (Apg 4,27-28)<br />

Bei allen menschlichen Klagen und Leiden müssen wir auf das<br />

Kreuz blicken. Denn dort sehen wir das Problem des Bösen »beantwortet«<br />

– nicht in einem theoretischen Sinn, sondern indem<br />

wir auf den allmächtigen Gott hingewiesen werden, der alle Dinge<br />

<strong>zu</strong>m Guten wirkt. So erschreckend das auch klingen mag: Die<br />

abscheulichste Übeltat und Ungerechtigkeit, der jemals auf Erden<br />

verübt wurde – die Ermordung des Sohnes <strong>Gottes</strong> – geschah<br />

gemäß <strong>Gottes</strong> gnädigen und vorherbestimmten <strong>Willen</strong>.<br />

Deine Augen sahen mich schon als ungeformten Keim, und<br />

in dein Buch waren geschrieben alle Tage, die noch werden<br />

sollten, als noch keiner von ihnen war. (Ps 139,16)<br />

Unser Leben beginnt, endet und entfaltet sich gemäß <strong>Gottes</strong><br />

Vorhersehung. So drückten es auch die Verfasser des Heidelberger<br />

Katechismus aus dem 16. Jahrhundert sehr gut aus: »Was<br />

verstehst du unter der Vorsehung <strong>Gottes</strong>? Die allmächtige und<br />

gegenwärtige Kraft <strong>Gottes</strong>, durch die er Himmel und Erde mit<br />

allen Geschöpfen wie durch seine Hand noch erhält und so regiert,<br />

dass Laub und Gras, Regen und Dürre, fruchtbare und<br />

unfruchtbare Jahre, Essen und Trinken, Gesundheit und Krankheit,<br />

Reichtum und Armut und alles andere uns nicht durch Zufall,<br />

sondern aus seiner väterlichen Hand <strong>zu</strong>kommt.« 6<br />

Gedenkt an das Frühere von der Urzeit her, dass ich Gott bin<br />

und keiner sonst; ein Gott, dem keiner <strong>zu</strong> vergleichen ist. Ich<br />

verkündige von Anfang an das Ende, und von der Vorzeit her,<br />

6 Heidelberger Katechismus. Revidierte Ausgabe 1997. Frage und Antwort 27, S.<br />

22, https://www.ekd.de/download/heidelberger_katechismus.pdf.<br />

17


<strong>Leg</strong> <strong>einfach</strong> <strong>los</strong>! · Kapitel 2<br />

was noch nicht geschehen ist. Ich sage: Mein Ratschluss soll<br />

<strong>zu</strong>stande kommen, und alles, was mir gefällt, werde ich vollbringen.<br />

(Jes 46,9-10)<br />

Gott weiß und fügt souverän alle Dinge. <strong>Gottes</strong> souveräner Wille<br />

ist absolut und bestand schon vor Grundlegung der Welt. Er<br />

ist <strong>Gottes</strong> höchste Verfügung über alle Dinge und kann nicht<br />

aufgehoben werden.<br />

<strong>Gottes</strong> moralischer Wille – geschieht nicht immer<br />

Die andere Seite der Medaille ist <strong>Gottes</strong> moralischer Wille. Damit<br />

ist das gemeint, was Gott befohlen hat – was er von seinen Geschöpfen<br />

möchte, dass sie es tun. Während der souveräne Wille<br />

beschreibt, wie die Dinge sind, zeigt der moralische Wille, wie<br />

die Dinge sein sollten. Mir ist klar, dass ich mich hier nicht mit<br />

der schwierigen Frage auseinandersetzen kann, wie Gott einerseits<br />

alles vorherbestimmt und uns andererseits gleichzeitig <strong>zu</strong>r<br />

Rechenschaft für unsere Taten zieht. Das ist die alte Frage nach<br />

der göttlichen Souveränität und menschlichen Verantwortung.<br />

Die Bibel lehrt ganz klar beides.<br />

Beispielsweise sandte Gott die Babylonier, um Juda <strong>zu</strong> bestrafen,<br />

doch richtete er die Babylonier dennoch für ihre bösen<br />

Taten, die sie Juda antaten (Jer 25). Gleichermaßen plante Gott<br />

den Tod seines Sohnes und doch werden diejenigen, die Christus<br />

getötet haben, »Gesetz<strong>los</strong>e« genannt (Apg 2,23). Ich denke, es<br />

gibt theologische Lösungen, die uns helfen, göttliche Souveränität<br />

und menschliche Verantwortung in <strong>Ein</strong>klang <strong>zu</strong> bringen,<br />

aber ein Vertiefen in dieses Thema würde den Rahmen dieses<br />

kurzen Buches sprengen. Ich möchte lediglich anmerken: Gott<br />

ist souverän, aber nicht der Urheber der Sünde. Wir stehen unter<br />

seiner Souveränität, sind aber nicht frei von der Verantwortung<br />

für unsere Taten.<br />

Beide Seiten von <strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong> finden wir in der Heiligen<br />

Schrift. <strong>Gottes</strong> souveräner Wille – was er vor ewiger Vergangen-<br />

18


Der Wille <strong>Gottes</strong> auf »Christianesisch«<br />

heit vorherbestimmt hat – kann nicht durchkreuzt werden. <strong>Gottes</strong><br />

moralischer Wille – seine Gebote, nach denen wir leben sollen<br />

– kann missachtet werden.<br />

Ich möchte einige Bibelstellen anführen, die von <strong>Gottes</strong> moralischem<br />

<strong>Willen</strong> sprechen:<br />

Liebt nicht die Welt noch was in der Welt ist! Wenn jemand<br />

die Welt liebt, ist die Liebe des Vaters nicht in ihm; denn<br />

alles, was in der Welt ist, die Begierde des Fleisches und die<br />

Begierde der Augen und der Hochmut des Lebens, ist nicht<br />

vom Vater, sondern ist von der Welt. Und die Welt vergeht<br />

und ihre Begierde; wer aber den <strong>Willen</strong> <strong>Gottes</strong> tut, bleibt in<br />

Ewigkeit. (1Jo 2,15-17)<br />

Mit dem <strong>Willen</strong> <strong>Gottes</strong> in diesem Abschnitt ist nicht <strong>Gottes</strong> souveräne<br />

Anordnung aller Dinge gemeint, sondern seine Anweisungen,<br />

wie wir leben sollen. <strong>Ein</strong> Leben nach dem <strong>Willen</strong>s <strong>Gottes</strong> ist<br />

das Gegenteil von Weltlichkeit, so sagt es der Apostel Johannes<br />

hier. Den <strong>Willen</strong> <strong>Gottes</strong> <strong>zu</strong> tun, bedeutet, »nein« <strong>zu</strong> den Begierden<br />

des Fleisches, den Begierden der Augen und dem Hochmut<br />

des Lebens <strong>zu</strong> sagen.<br />

Der Gott des Friedens aber, der unseren Herrn Jesus aus<br />

den Toten heraufgeführt hat, den großen Hirten der Schafe<br />

durch das Blut eines ewigen Bundes, er rüste euch völlig aus<br />

<strong>zu</strong> jedem guten Werk, damit ihr seinen <strong>Willen</strong> tut, indem er<br />

in euch das wirkt, was vor ihm wohlgefällig ist, durch Jesus<br />

Christus. Ihm sei die Ehre von Ewigkeit <strong>zu</strong> Ewigkeit! Amen.<br />

(Hebr 13,20-21)<br />

Der Wille <strong>Gottes</strong> im moralischen Sinne bedeutet, dass wir tun,<br />

was ihm gefällt.<br />

Nicht jeder, der <strong>zu</strong> mir sagt: Herr, Herr! wird in das Reich der<br />

Himmel eingehen, sondern wer den <strong>Willen</strong> meines Vaters im<br />

Himmel tut. (Mt 7,21)<br />

19


<strong>Leg</strong> <strong>einfach</strong> <strong>los</strong>! · Kapitel 2<br />

Auch hier sehen wir, dass mit dem kurzen Begriff »<strong>Willen</strong> <strong>Gottes</strong>«<br />

etwas Umfassendes gemeint ist: den Anweisungen <strong>Gottes</strong> gehorsam<br />

<strong>zu</strong> sein und in seinen <strong>Weg</strong>en <strong>zu</strong> gehen – an dieser Stelle<br />

von Christus selbst so formuliert.<br />

Was verborgen ist, das steht bei dem Herrn, unserem Gott;<br />

was aber geoffenbart ist, das ist ewiglich für uns und unsere<br />

Kinder bestimmt, damit wir alle Worte dieses Gesetzes tun.<br />

(5Mo 29,29)<br />

An dieser Stelle stehen <strong>Gottes</strong> souveräner Wille und sein moralischer<br />

Wille ganz nah nebeneinander im selben Vers. Bei Gott<br />

gibt es verborgene Dinge, von denen nur er weiß (seine unergründlichen<br />

Ratschlüsse), er hat aber auch Dinge offenbart, die<br />

wir wissen und denen wir gehorsam sein sollen (seine Gebote<br />

und sein Wort).<br />

<strong>Gottes</strong> individueller Wille – gibt es den?<br />

Es gibt noch eine dritte Weise, wie wir den Begriff »Wille <strong>Gottes</strong>«<br />

verwenden. Meistens suchen wir <strong>Gottes</strong> individuellen <strong>Willen</strong>.<br />

Wir hören das in den Fragen, die wir <strong>zu</strong> Beginn dieses Kapitels<br />

gestellt haben: Was soll ich nach <strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong> mit meinem<br />

Leben anfangen? Welchen Beruf soll ich nehmen? Wo soll ich<br />

leben? Das sind die Fragen, die wir stellen, wenn wir nach <strong>Gottes</strong><br />

individuellem <strong>Willen</strong> suchen. Wir wollen seinen persönlichen,<br />

konkreten Plan für das Wer, Was, Wo, Wann und Wie in unserem<br />

Leben kennen. Wir wollen seine Führung sehen.<br />

Hier also der Kern der Sache: Hat Gott einen geheimen individuellen<br />

<strong>Willen</strong> und erwartet er von uns, dass wir ihn herausfinden,<br />

bevor wir irgendetwas tun? Und die Antwort lautet: Nein.<br />

Es stimmt zwar, dass Gott einen speziellen Plan für unser Leben<br />

hat. Und ja, wir können gewiss sein, dass Gott in Jesus Christus<br />

alle Dinge <strong>zu</strong> unserem Besten wirkt. Und ja, im Rückblick werden<br />

wir oft erkennen können, dass es <strong>Gottes</strong> Hand war, die uns<br />

20


Der Wille <strong>Gottes</strong> auf »Christianesisch«<br />

dahin geführt hat, wo wir sind. Doch während wir einerseits frei<br />

sind, seine Weisheit <strong>zu</strong> erbitten, belastet er uns andererseits nicht<br />

mit der Aufgabe, seinen individuellen <strong>Willen</strong> für unser Leben<br />

orakelhaft im Voraus <strong>zu</strong> deuten.<br />

Der zweite Teil des letzten Satzes ist entscheidend. Gott hat<br />

einen bestimmten Plan für unser Leben, aber er erwartet nicht,<br />

dass wir ihn herausfinden, bevor wir eine Entscheidung<br />

treffen. Ich sage nicht, dass Gott dir nicht hilft,<br />

Entscheidungen <strong>zu</strong> fällen (das nennt sich Weisheit<br />

und darauf werden wir in Kapitel 8 eingehen). Ich<br />

sage nicht, dass Gott sich nicht für deine Zukunft interessiert.<br />

Ich sage auch nicht, dass Gott nicht deinen<br />

<strong>Weg</strong> führt und im Chaos deines Lebens nicht alles<br />

unter Kontrolle hat. Ich glaube von ganzem Herzen<br />

an <strong>Gottes</strong> Vorsehung. Ich sage aber definitiv: Wir<br />

sollen damit aufhören, uns <strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong> als eine<br />

Art Maislabyrinth, Drahtseilakt, Zielscheibenwerfen<br />

oder »1000 Gefahren«-Abenteuer-Kinderbuch 7 vor<strong>zu</strong>stellen.<br />

Als ich ein Kind war, liebte ich es, die Abenteuerbücher dieser<br />

1000-Gefahren-Serie <strong>zu</strong> lesen. Du kommst an einen kritischen<br />

Punkt in der Geschichte, und wenn du dann aus dem Land fliehen<br />

möchtest, blätterst du weiter auf Seite 23; wenn du dich lieber<br />

in einer Höhle verstecken willst, blätterst du <strong>zu</strong> Seite 36. Und,<br />

hoppla, die Höhle entpuppt sich als Teil eines Vulkans und du<br />

bist tot. Du hast die falsche Wahl getroffen. Das sind lustige Bücher<br />

für kleine Jungs, aber der Spaß hört auf, wenn es sich mit<br />

<strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong> ebenso verhält. Viele von uns sorgen sich, dass sie<br />

die falsche Arbeitsstelle annehmen oder das falsche Haus kaufen,<br />

den falschen Studiengang wählen oder die falsche Person<br />

heiraten könnten. Sie fürchten, dann würde ihr Leben plötzlich<br />

platzen. Dann würden wir außerhalb von <strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong> stehen<br />

Gott hat einen<br />

bestimmten<br />

Plan für unser<br />

Leben, aber<br />

er erwartet<br />

nicht, dass wir<br />

ihn herausfinden,<br />

bevor wir<br />

eine Entscheidung<br />

treffen.<br />

7 <strong>Ein</strong>e beliebte Kinderbuchreihe, im engl. Original Choose Your Own Adventure<br />

(»Wähle dein eigenes Abenteuer«), bei dem das Kind selbst aus mehreren<br />

Optionen entscheiden kann, wie die Geschichte weitergeht.<br />

21


<strong>Leg</strong> <strong>einfach</strong> <strong>los</strong>! · Kapitel 2<br />

und da<strong>zu</strong> verdammt sein, geistlich, sozial und körperlich <strong>zu</strong> versagen.<br />

Oder, um es in »Christianesisch« aus<strong>zu</strong>drücken: Wir würden<br />

uns außerhalb des »Zentrums von <strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong>« befinden.<br />

Wir würden das Beste, was Gott uns bereithält, verfehlen, und<br />

müssten uns mit einem alternativen Ausgang unseres Lebens abfinden.<br />

Vor einigen Jahren las ich das Buch »Du lässt mich Freiheit<br />

atmen. Wie <strong>Gottes</strong> Wille uns <strong>zu</strong> guten Entscheidungen führt«<br />

von Gerald Sittser. Dieses Buch half mir, klarer <strong>zu</strong> verstehen, was<br />

genau ich an dem verbreiteten Verständnis von <strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong> als<br />

falsch empfand. Sittser beschreibt die althergebrachte und falsche<br />

Vorstellung von der Suche nach <strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong> so:<br />

Dieser Ansatz versteht den <strong>Willen</strong> <strong>Gottes</strong> als einen speziellen<br />

<strong>Weg</strong> für unsere Zukunft, den wir einschlagen sollen. Gott<br />

kennt diesen <strong>Weg</strong> und hat ihn für uns vorbereitet. Wir sind<br />

dafür verantwortlich, diesen <strong>Weg</strong> <strong>zu</strong> <strong>entdecken</strong> – den Plan<br />

<strong>Gottes</strong> für unser Leben. Wir haben die Aufgabe, unter den<br />

vielen möglichen <strong>Weg</strong>en den von Gott vorgezeichneten heraus<strong>zu</strong>finden.<br />

Wenn wir die richtige Wahl treffen, ernten wir<br />

dafür <strong>Gottes</strong> Wohlwollen; wir leben gemäß unserer Berufung<br />

und unser Leben gelingt … Wenn wir die richtige Wahl treffen,<br />

werden wir <strong>Gottes</strong> Segen erfahren und Erfolg und Glück<br />

erleben. Wenn wir uns falsch entscheiden, leben wir am <strong>Willen</strong><br />

<strong>Gottes</strong> vorbei und bleiben für immer in einem undurchdringlichen<br />

Labyrinth gefangen. 8<br />

Dieses verbreitete Verständnis ist eine falsche Vorstellung von<br />

<strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong>. Tatsächlich wird die Erwartung, dass Gott uns<br />

irgendeinen verborgenen individuellen <strong>Willen</strong> offenbart, <strong>zu</strong> einer<br />

<strong>Ein</strong>ladung für Enttäuschung und Unentsch<strong>los</strong>senheit. <strong>Gottes</strong><br />

souveränem <strong>Willen</strong> <strong>zu</strong> vertrauen ist gut. Seinem moralischen<br />

<strong>Willen</strong> <strong>zu</strong> folgen ist Gehorsam. Auf <strong>Gottes</strong> individuellen <strong>Willen</strong><br />

22<br />

8 Gerald Sittser: Du lässt mich Freiheit atmen. Wie <strong>Gottes</strong> Wille uns <strong>zu</strong> guten<br />

Entscheidungen führt. Gießen: Brunnen 2002, S. 14-15.


Der Wille <strong>Gottes</strong> auf »Christianesisch«<br />

<strong>zu</strong> warten ist das reinste Chaos. Es ist schlecht für dein Leben,<br />

schadet deiner Heiligung und erlaubt <strong>zu</strong> vielen Christen, passive<br />

Bastler <strong>zu</strong> sein, die sich seltsamerweise für umso geistlicher halten,<br />

je weniger sie tatsächlich tun.<br />

Kennt ihr diese Spielzeug-Wahrsagekugel namens Magic-8-<br />

Ball, die wie eine schwarze Billardkugel aussieht? Wenn man sie<br />

schüttelt, zeigt sie eine Antwort auf Ja-oder-Nein-Fragen an, die<br />

in einem Fenster in ihrer Inneres sichtbar wird. Gott ist keine<br />

solche magische Wahrsagekugel, die wir nur gut genug schütteln<br />

und in die wir dann hineinstarren müssen, wann immer wir eine<br />

Entscheidung <strong>zu</strong> treffen haben. Er ist ein guter Gott, der uns einen<br />

Verstand gibt, uns den <strong>Weg</strong> des Gehorsams aufzeigt und uns<br />

da<strong>zu</strong> einlädt, Risiken für ihn ein<strong>zu</strong>gehen. Wir wissen, dass Gott<br />

einen Plan für unser Leben hat. Das ist wundervoll. Das Problem<br />

liegt allerdings darin, dass wir denken, er wird uns diesen wundervollen<br />

Plan mitteilen, bevor er sich entfaltet. Wir meinen, dass<br />

wir bei jedem Schritt auf unserem Lebensweg wissen können –<br />

und wissen müssen –, was Gott genau will. Aber derart von der<br />

Suche nach <strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong> in Beschlag genommen <strong>zu</strong> sein – so<br />

gut dieses Anliegen auch sein mag –, ist mehr Torheit als Freiheit.<br />

Der bessere <strong>Weg</strong> ist der biblische <strong>Weg</strong>: »Trachte« (suche!) <strong>zu</strong>erst<br />

nach dem Reich <strong>Gottes</strong> und vertraue dann darauf, dass Gott<br />

für deine Bedürfnisse sorgen wird, sogar bevor du weißt, welche<br />

Bedürfnisse das sind und wohin deine Reise führt.<br />

23


3<br />

Die Herausforderung,<br />

sich <strong>zu</strong> entscheiden<br />

Warum suchen so viele Christen verzweifelt nach <strong>Gottes</strong><br />

Plan für ihr Leben? Warum sind Verleger immer noch bereit,<br />

massenhaft Bücher <strong>zu</strong>m Thema »<strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong> erkennen«<br />

heraus<strong>zu</strong>geben (so wie dieses!), obwohl es bereits unzählige auf<br />

dem Markt gibt? Warum investieren Millionen von Christen<br />

schier end<strong>los</strong> viel Zeit und Energie in das Warten, dass <strong>Gottes</strong><br />

Wille sich offenbart? Und warum sorgen wir uns über den <strong>Willen</strong><br />

<strong>Gottes</strong>, als sei er wie eine Atomsprengkopfrakete, die auf unser<br />

<strong>zu</strong>künftiges Glück abzielt? Ich möchte fünf Gründe nennen.<br />

Wir wollen Gott gefallen<br />

Über die Jahre habe ich mit vielen aufrichtigen Christen gesprochen,<br />

die ernsthaft wissen wollen: »Bin ich da, wo ich sein sollte?<br />

Tue ich das, was ich tun sollte?« Diese Männer und Frauen lieben<br />

den Herrn. Sie versuchen nicht, kompliziert <strong>zu</strong> sein. Sie glauben,<br />

dass Gott sich einen <strong>Weg</strong> für sie ausgesucht hat und sie möchten<br />

diesen <strong>Weg</strong> nicht verfehlen und Gott nicht enttäuschen. Wenn<br />

der Herr meint, wir sollten nach Nashville ziehen, wollen wir<br />

nicht in Chicago enden. Wenn er meint, wir sollen Chemie studieren,<br />

wollen wir nicht Russische Literaturwissenschaften als<br />

Hauptfach wählen. Wenn wir für die Mission bestimmt sind,<br />

wollen wir nicht in einem heimischen Vorort landen.<br />

Das ist der erste Grund, warum wir <strong>Gottes</strong> individuellen <strong>Willen</strong>,<br />

seine persönliche Führung, für uns <strong>entdecken</strong> wollen: Wir<br />

möchten Gott gefallen. Wir möchten das tun, was Gott möchte.<br />

Das ist gut, aber wie ich bereits erklärt habe und in den kom-<br />

24


Die Herausforderung, sich <strong>zu</strong> entscheiden<br />

menden Kapiteln konkretisieren werde, ist das nicht die Art und<br />

Weise, wie <strong>Gottes</strong> Wille »funktioniert«. Auch wenn wir die besten<br />

Absichten dabei haben mögen, wenn wir <strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong> herausfinden<br />

wollen, sollten wir doch endlich damit aufhören, uns<br />

ständig damit herum<strong>zu</strong>plagen, jede Entscheidung übermäßig <strong>zu</strong><br />

vergeistlichen. Unsere fehlgeleitete Frömmigkeit führt da<strong>zu</strong>, dass<br />

die Nachfolge Jesu ganz falsch mystifiziert wird.<br />

<strong>Ein</strong>ige von uns sind zaghaft<br />

Der zweite Grund, warum manche Christen <strong>Gottes</strong> individuellen<br />

<strong>Willen</strong> suchen, besteht darin, dass wir von Natur aus ziemlich<br />

zaghaft und zögerlich sind. Energische, draufgängerische Typen<br />

tendieren weniger da<strong>zu</strong>, sich über <strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong> <strong>zu</strong> sorgen,<br />

als bedächtige, vorsichtige Typen. Manche voreiligen Christen<br />

müssen ermutigt werden, erst <strong>zu</strong> überlegen, bevor sie handeln.<br />

Andere hingegen müssen ermutigt werden, auch tatsächlich <strong>zu</strong><br />

handeln, nachdem sie überlegt haben.<br />

Ich persönlich habe einige impulsive Christen kennen gelernt,<br />

aber noch viel mehr zaghafte Christen, die durch Unschlüssigkeit<br />

und Passivität wie gelähmt waren. Sie weigern sich, eine<br />

Entscheidung <strong>zu</strong> treffen, ohne vorher alle Fakten ab<strong>zu</strong>wägen<br />

und eine gerade<strong>zu</strong> vollständige Sicherheit <strong>zu</strong> erlangen, dass am<br />

Ende alles gut werden wird. Als Kinder verlassen sie ihre Football-Mannschaft,<br />

weil sie vielleicht nicht die Besten sind. In der<br />

Schule rutschen sie ab und werden schlechter, weil sie es gar nicht<br />

erst versuchen, anstatt es <strong>zu</strong> versuchen und vielleicht den Erwartungen<br />

nicht ganz <strong>zu</strong> entsprechen. Solche Menschen meinte Paulus<br />

wohl, als er den Thessalonichern sagte: »Verwarnt die Unordentlichen,<br />

tröstet die Kleinmütigen, nehmt euch der Schwachen<br />

an, seid langmütig gegen alle!« (1Thes 5,14). 9<br />

9 Ich danke meinem Freund Doug Phillips, einem Pastor der Baptisten in Lansing,<br />

Michigan, dass er mich auf diesen Vers und dessen Anwendung aufmerksam<br />

machte.<br />

25


<strong>Leg</strong> <strong>einfach</strong> <strong>los</strong>! · Kapitel 3<br />

Manche Christen haben die besten Absichten, wenn sie <strong>Gottes</strong><br />

<strong>Willen</strong> herausfinden wollen. Sie sind <strong>einfach</strong> nur <strong>zu</strong> vorsichtig<br />

und etwas zaghaft. Solche Christen brauchen Ermahnung, aber<br />

sie verdienen auch unsere Geduld und Hilfe.<br />

Wir wollen perfekte persönliche Erfüllung<br />

Der dritte Grund, warum wir nach <strong>Gottes</strong> individuellem <strong>Willen</strong><br />

suchen, ist, dass wir die perfekte Erfüllung in unserem Leben<br />

erstreben. Viele von uns haben es so gut, dass wir beginnen, den<br />

Himmel auf Erden <strong>zu</strong> suchen. Wir haben jegliche Pilgergesinnung<br />

– die <strong>Ein</strong>stellung, dass wir als Christen nur Fremde und<br />

Pilger auf Erden sind – verloren. Es ist alles eine Frage der Perspektive.<br />

Falls du denkst, Gott habe dir versprochen, dass diese<br />

Welt ein Fünf-Sterne-Hotel sein wird, wird es dir in den normalen<br />

Kämpfen des Alltags schlecht ergehen. Aber wenn du an<br />

<strong>Gottes</strong> Verheißung denkst, dass wir Pilger sein werden und diese<br />

Welt sich eher wie eine Wüste oder gar ein Gefängnis anfühlen<br />

wird, wirst du dein Leben überraschend glücklich finden.<br />

Der Glaube an Jesus garantiert nicht, dass alles so läuft, wie<br />

wir es gerne hätten. Schau dir Hebräer 11 an, dieses Kapitel, das<br />

manchmal auch die »Hall of Fame (oder Heldengalerie) der<br />

Glaubenshelden« genannt wird. Beachte allein nur die drei ersten<br />

Glaubenshelden in diesem Kapitel. Der Bibelkommentator<br />

Bruce Waltke zeigt auf: Abel glaubte und starb, Henoch glaubte,<br />

starb aber nicht, Noah glaubte und alle anderen starben! 10 Der<br />

Glaube garantiert dir nicht, dass dein Leben – oder das Leben<br />

deiner Mitmenschen – ein Ponyhof oder Zuckerschlecken sein<br />

wird. Das Leben ist nicht immer nur Spaß und wir sollten das<br />

auch nicht erwarten.<br />

Zum Teil ist das eine Generationensache. Immerhin zählen<br />

meine Altersgenossen und ich <strong>zu</strong> den ersten, die eine Inflation<br />

10 Bruce Waltke: Finding the Will of God: A Pagan Notion? Grand Rapids: Eerdmans<br />

1995, S. 15.<br />

26


Die Herausforderung, sich <strong>zu</strong> entscheiden<br />

guter Schulnoten erlebten: Wir bekamen eine <strong>Ein</strong>s dafür, in Integralrechnung<br />

unsere Gefühle ausgegraben und »unser Bestes«<br />

gegeben <strong>zu</strong> haben. Wir waren die Ersten, die auf Selbstwertgefühl<br />

programmiert wurden, als wir gelernt hatten, dass wir allein<br />

schon deswegen wunderbar und besonders sind, weil<br />

wir einen Pulsschlag haben. Seit wir denken können,<br />

wurden wir da<strong>zu</strong> ausersehen, Superstars <strong>zu</strong> werden.<br />

<strong>Ein</strong>ige von uns wurden <strong>zu</strong> Eliteschülern präpariert,<br />

noch bevor wir aufs Töpfchen gehen konnten, und<br />

wir waren mit der Fußballmannschaft unterwegs,<br />

noch bevor wir verstanden hatten, den Ball nicht mit<br />

den Händen spielen <strong>zu</strong> dürfen. Wir wurden für Mittelmäßigkeit<br />

mit Lob überschüttet und unsere Schwächen wurden<br />

durch wortgewandte Bildungssprache und Küchenpsychologie<br />

wegdiagnostiziert.<br />

Es ist kein Wunder, dass wir von anderen Leuten erwarten,<br />

dass sie uns stets bestätigen, niemals kritisieren und uns für alles<br />

bezahlen, was wir tun möchten. Wir rechnen damit, direkt<br />

nach dem Studium einen großartigen Job in einer tollen Umgebung<br />

finden <strong>zu</strong> können, der uns dieselben Lebensstandards bietet,<br />

wie ihn unsere Eltern jetzt haben, und uns so engagiert an<br />

der Weltverbesserung teilhaben lässt, dass es sogar Bono stolz<br />

machen würde. Wir wollen alles. Und Gott soll uns den <strong>Weg</strong><br />

dahin zeigen.<br />

Die Generation meiner Großeltern erwartete im Großen und<br />

Ganzen weit weniger von ihrem Familienleben, ihrer Karriere,<br />

ihrer Freizeit und ihrer Ehe. Zugegeben – manchmal wurden sie<br />

dadurch unreflektiert und hatten womöglich leise vor sich hin<br />

krankende Ehen. Meine Generation jedoch befindet sich im anderen<br />

Extrem. Wenn wir heiraten, erwarten wir großartigen Sex,<br />

ein hervorragendes Familienleben, Freizeitabenteuer, vielfältige<br />

kulturelle Erfahrungen und persönliche Erfüllung bei der Arbeit.<br />

Es wäre eine gute Übung, unsere Großeltern einmal <strong>zu</strong> fragen,<br />

ob ihre Karriere sie persönlich erfüllt hat. Wahrscheinlich<br />

werden sie dich anschauen, als würdest du eine andere Sprache<br />

sprechen – und tust das ja auch. Erfüllung war nicht ihr Ziel. Es-<br />

Wir wollen<br />

alles. Und<br />

Gott soll uns<br />

den <strong>Weg</strong> dahin<br />

zeigen.<br />

27


<strong>Leg</strong> <strong>einfach</strong> <strong>los</strong>! · Kapitel 3<br />

sen war das Ziel, und Treue. Die meisten älteren Leute würden<br />

wahrscheinlich so etwas sagen wie: »Ich habe nie an Erfüllung<br />

gedacht. Ich hatte Arbeit. Ich aß. Ich lebte. Ich gründete eine<br />

Familie. Ich ging <strong>zu</strong>r Kirche. Ich war dankbar.«<br />

Neulich sprach ich mit meinem Großvater, der sein Leben<br />

lang Christ war und nun in seinen Achtzigern ist. Ich fragte ihn,<br />

ob er jemals daran dachte, was <strong>Gottes</strong> Wille für sein Leben war.<br />

»Ich glaube nicht«, war seine kurze Antwort, »<strong>Gottes</strong> Wille war<br />

nie eine Frage, die sich mir stellte oder über die ich überhaupt<br />

nachdachte. Ich meinte immer, dass meine Errettung … davon<br />

abhängt, dass ich im Glauben die Dinge annehme, an die wir bekennen.<br />

Darüber hinaus hatte ich nie das Problem <strong>zu</strong> überlegen:<br />

›Ist dieses oder jenes das Richtige für mich?‹«<br />

Je mehr ich mich mit meinem Großvater unterhielt, desto<br />

klarer wurde mir: Den <strong>Willen</strong> <strong>Gottes</strong> <strong>zu</strong> suchen über das hinaus,<br />

was Gott moralisch geboten hat, war für ihn ein fremdes<br />

Konzept. Seine Grundeinstellung war anscheinend: »Du … tust<br />

<strong>einfach</strong> Dinge«, und während du sie tust und mit dem Herrn<br />

wandelst, verbringst du nicht Unmengen von Zeit damit, heraus<strong>zu</strong>finden,<br />

ob du das, was du tust, auch magst. Ich schätze, wenn<br />

du beschäftigt bleibst und dein ganzes Leben lang arbeitest, hast<br />

du keine Zeit, dir darüber Sorgen <strong>zu</strong> machen, ob du persönlich<br />

erfüllt bist.<br />

Ich versuche wirklich nicht, all deine Hoffnungen und Träume<br />

<strong>zu</strong>m Platzen <strong>zu</strong> bringen. Ich bin ganz für große, risikobereite<br />

Träume (wie du bald lesen wirst). Ich habe nichts dagegen,<br />

wenn Leute ihre freud<strong>los</strong>en Jobs verlassen, um aus<strong>zu</strong>probieren,<br />

was ihnen wirklich gefällt. Aber als ein Gegengewicht <strong>zu</strong> all<br />

den Lass-deine-Träume-wahr-werden-Phrasendreschereinen bei<br />

Schulentlassungsreden müssen wir kräftig daran erinnert werden,<br />

dass wir oft <strong>zu</strong> viel vom Leben erwarten. Wir erwarten, dass<br />

wir den Himmel auf Erden erleben werden, und sind bitter enttäuscht,<br />

wenn die Erde sich als so unhimmlisch entpuppt. Wir<br />

sehnen uns nur wenig nach dem Lohn im künftigen Leben, weil<br />

wir lohnende Erfahrungen schon in diesem Leben erwarten. Und<br />

wenn jede Erfahrung und jede Situation lohnend sein und uns<br />

28


Die Herausforderung, sich <strong>zu</strong> entscheiden<br />

der totalen Erfüllung näher bringen müssen, dann werden plötzlich<br />

die Entscheidungen, wo wir leben, welches Haus wir kaufen,<br />

in welchem Studentenwohnheim wir unterkommen und ob wir<br />

Fliesen oder Laminat wählen, von schwerwiegender Bedeutung<br />

sein. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir erfüllter wären, wenn<br />

wir nicht so sehr auf die Erfüllung fixiert wären.<br />

Wir haben <strong>zu</strong> viel Auswahl<br />

Von unseren fünf Gründen für unsere Obsession, <strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong><br />

<strong>zu</strong> finden, ist dieser womöglich der entscheidendste: Wir haben<br />

<strong>zu</strong> viele Wahlmöglichkeiten. Ich bin überzeugt davon, dass vorherige<br />

Generationen nicht so stark wie wir damit gerungen haben,<br />

<strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong> <strong>zu</strong> <strong>entdecken</strong>, weil sie nicht so viele Optionen hatten<br />

wie wir. In vielerlei Hinsicht ist unsere ständige Sorge über<br />

den <strong>Willen</strong> <strong>Gottes</strong> ein westliches Phänomen der Mittelschicht<br />

der letzten fünfzig Jahre. Wer in anderen Teilen der Welt von<br />

einem Dollar pro Tag leben muss, hat <strong>einfach</strong> nicht viele Optionen.<br />

Ebenso wenig Optionen hatten die meisten unserer Großeltern,<br />

geschweige denn deren Großeltern. Vor einem Jahrhundert<br />

lebtest du meistens dort, wo du geboren wurdest. Du tatest, was<br />

deine Mutter oder dein Vater taten; wahrscheinlich arbeitetest du<br />

in der Landwirtschaft, wenn du ein Mann warst, und zogst Kinder<br />

auf (und arbeitetest nebenher in der Landwirtschaft), wenn<br />

du eine Frau warst. Viele der älteren Leute, mit denen ich gesprochen<br />

habe, begannen bereits mit 14 oder 15 <strong>zu</strong> arbeiten, und sie<br />

nahmen jede Arbeit an, die sie finden konnten. Sie arbeiteten für<br />

ihren Onkel oder ihren Vater oder fingen an, bei der Ernte <strong>zu</strong><br />

helfen oder was auch immer an Arbeit in der Stadt <strong>zu</strong> bekommen<br />

war. Ironischerweise haben sie mehr geschafft als wir heute, weil<br />

es nicht so viele Optionen für sie gab.<br />

Ich kann mir vorstellen, dass auch in anderen Bereichen die<br />

Entscheidung sehr viel <strong>einfach</strong>er war. Als potenzielle Ehepartner<br />

hätte es vor einem Jahrhundert vielleicht ein Dutzend in Frage<br />

kommende junge Leute in der Heimatstadt gegeben. Sogar<br />

29


<strong>Leg</strong> <strong>einfach</strong> <strong>los</strong>! · Kapitel 3<br />

wohlhabendere Leute waren in ihrer Wahlmöglichkeit erheblich<br />

eingeschränkt: Sie waren ortsgebunden (aufgrund des schwierigen<br />

Reisens) und an die Tradition gebunden (aufgrund kultureller<br />

und familieller Werte). Es war üblich, dass junge Leute ein<br />

größeres Pflichtbewusstsein gegenüber Familie, Staat und Kirche<br />

besaßen. Heute können es sich dagegen nur wenige vorstellen,<br />

für etwas so Altmodisches wie Pflichtbewusstsein freiwillig die<br />

eigene Unabhängigkeit <strong>zu</strong> begrenzen und die Optionen ein<strong>zu</strong>schränken.<br />

Das Ergebnis ist eine schier end<strong>los</strong>e Fülle an Wahlmöglichkeiten.<br />

Heute können wir überall <strong>zu</strong>r Schule gehen, Hunderte<br />

von Studienfächern belegen, nahe<strong>zu</strong> überall wohnen, Tausende<br />

von Singles persönlich kennen lernen und Millionen weitere im<br />

Internet. Wir haben haufenweise Geschäfte, aus denen wir auswählen<br />

können, Dutzende Restaurants, Hunderte von Karriereoptionen<br />

und Millionen von Wahlmöglichkeiten.<br />

In seinem Buch »Anleitung <strong>zu</strong>r Un<strong>zu</strong>friedenheit« erzählt<br />

Barry Schwartz von seinem Ausflug <strong>zu</strong>m örtlichen mittelgroßen<br />

Supermarkt. Er fand 285 verschiedene Sorten Kekse, 13 Iso-<br />

Drinks, 65 Sorten Trinkpäckchen, 85 Kindersäfte, 75 Eistees,<br />

95 Sorten Chips und Knabbersnacks, 15 Sorten Mineralwasser,<br />

80 verschiedene Schmerzmittel, 40 Varianten von Zahnpasta,<br />

150 Lippenstifte, 360 Shampoosorten, 90 verschiedene Erkältungs-<br />

und Hustenmittel, 230 Arten von Suppen, 75 diverse Fertigsaucen,<br />

275 Variationen von Frühstückszerealien, 64 verschiedene<br />

Grillsaucen und 22 Variationen von Tiefkühlwaffeln. 11 Wer<br />

schon einmal Lebensmittel in Nordamerika eingekauft hat, weiß,<br />

dass diese Liste nur eine kleine Auswahl dessen ist, was man in<br />

den Regalen alles finden kann. Das ist der Grund, warum wir bei<br />

einer bestimmten gewohnten Sorte von Müsli, Marmelade oder<br />

Mahlzeit bleiben, weil wir schlichtweg nicht die Zeit und Energie<br />

aufbringen können, jedes Mal eine neue Wahl <strong>zu</strong> treffen, wenn<br />

wir <strong>zu</strong>m Supermarkt gehen. Aus diesem Grund gibt mir meine<br />

11 Vgl. Barry Schwartz: Anleitung <strong>zu</strong>r Un<strong>zu</strong>friedenheit: Warum weniger glücklicher<br />

macht. Ullstein 4 2014, S. 17-18.<br />

30


Die Herausforderung, sich <strong>zu</strong> entscheiden<br />

Frau auch jedes Mal eine minutiös detaillierte <strong>Ein</strong>kaufsliste mit,<br />

wenn ich die unglückselige Aufgabe habe, den Wocheneinkauf<br />

<strong>zu</strong> erledigen. Wenn sie mir ohne weitere Details lediglich sagen<br />

würde, ich soll Babynahrung mitbringen, könnte ich mit allem<br />

<strong>zu</strong>rückkommen – von Erbsenbrei bis hin <strong>zu</strong> löslichen Getreidekeksen<br />

mit Kirschgeschmack. Ich brauche Details, weil es sonst<br />

<strong>einfach</strong> <strong>zu</strong> viele Möglichkeiten gibt, etwas <strong>zu</strong> vermasseln.<br />

In einigen Ländern leiden die Menschen unter <strong>zu</strong> wenig<br />

Wahlmöglichkeiten. In der westlichen Welt haben wir <strong>zu</strong> viele.<br />

Ich erinnere mich an einen Missionar aus der Türkei, der scherzhaft<br />

meinte: Das Schwierigste daran, wieder <strong>zu</strong>rück in den Vereinigten<br />

Staaten <strong>zu</strong> sein, seien all die Salatdressings. »Gib mir<br />

<strong>einfach</strong> irgendein Dressing«, sagte er, als wir gemeinsam Essen<br />

gingen. »Ich will nicht aus sieben verschiedenen Sorten von Joghurtdressings<br />

wählen müssen.« Ich vermute, unsere übermäßige<br />

Beschäftigung damit, den <strong>Willen</strong> <strong>Gottes</strong> herausfinden <strong>zu</strong> wollen,<br />

liegt größtenteils daran, dass wir mit Wahlmöglichkeiten überschüttet<br />

sind. Wir glauben, es mache uns glücklich, Auswahl <strong>zu</strong><br />

haben, aber es kommt der Punkt (und die meisten von uns haben<br />

ihn längst überschritten), an dem wir mit weniger Optionen besser<br />

dran wären.<br />

Barry Schwartz hat seine Studenten beobachtet, die er als<br />

Professor unterrichtet, und seine Beobachtungen sind sehr aufschlussreich<br />

und meiner Erfahrung nach auch absolut richtig.<br />

Er beschreibt, dass seine Studenten viele verschiedene Interessen<br />

und Fähigkeiten besitzen. Sie verfügen über haufenweise Talent<br />

und Möglichkeiten. Die Welt steht ihnen offen. Aber anstatt diese<br />

Freiheit <strong>zu</strong> genießen, quälen sich die meisten mit ihr herum.<br />

Sie sind da<strong>zu</strong> gezwungen, zwischen konkurrierenden Interessen<br />

<strong>zu</strong> navigieren: Geld verdienen und die Welt verändern, ihren<br />

Geist herausfordern und ihrer Kreativität freien Lauf lassen, auf<br />

eine Karriere hinarbeiten und Zeit für die Familie haben, sich<br />

niederlassen und ins Ausland gehen, eine Karriere starten und<br />

ein anderes Praktikum ausprobieren, in einer pulsierenden Stadt<br />

leben und auf dem Land <strong>zu</strong>r Ruhe kommen, mit dem Arbeiten<br />

beginnen und sich weiterbilden und qualifizieren.<br />

31


<strong>Leg</strong> <strong>einfach</strong> <strong>los</strong>! · Kapitel 3<br />

Wenn du Student bist, hast du tatsächlich schwindelerregend<br />

viele Wahlmöglichkeiten. Und weil Freunde und Familie<br />

oft über das ganze Land oder sogar die ganze Welt verstreut leben,<br />

hast du weniger Verpflichtungen und enge Beziehungen, die<br />

deine Freiheit einschränken, und nichts, was dich an berufliche<br />

Traditionen oder Orte bindet. Füge dem noch hin<strong>zu</strong>, dass du<br />

überall <strong>einfach</strong> hinreisen und in vielen Jobs von jedem beliebigen<br />

Ort aus am Computer arbeiten kannst, und das Ergebnis ist eine<br />

völlige Entwurzelung und eine Exp<strong>los</strong>ion der Optionen. Alles ist<br />

<strong>zu</strong> haben.<br />

Schwartz fasst es treffend <strong>zu</strong>sammen:<br />

Man lernt rasch, dass die Frage »Was wollen Sie nach dem Examen<br />

machen?« von den meisten Studenten nicht gern gehört<br />

wird, ganz <strong>zu</strong> schweigen von der Beantwortung. Man kann<br />

sich des <strong>Ein</strong>drucks nicht erwehren, dass viele Studenten besser<br />

dran wären, wenn sie ein bisschen weniger begabt wären<br />

oder ein bisschen mehr Pflichtgefühl gegenüber der Familie<br />

hätten, um in der Heimat <strong>zu</strong> bleiben, oder sogar, wenn sie<br />

unter wirtschaftlicher Rezessionsangst stünden: »Nimm den<br />

sicheren Job – denn wer weiß, was kommt.« Mit weniger Optionen<br />

und mehr <strong>Ein</strong>schränkungen blieben ihnen viele Abwägungen<br />

erspart. Sie hätten weniger Selbstzweifel, weniger<br />

Mühe, ihre Entscheidungen <strong>zu</strong> rechtfertigen, mehr Zufriedenheit<br />

und weniger Anlass, ihre Entscheidungen hinterher<br />

<strong>zu</strong> bedauern. 12<br />

Schwartz’ Beurteilung trifft vollkommen <strong>zu</strong>. Ich bin mir sicher,<br />

dass manche Christen Gott dadurch dienen können, dass<br />

sie sechs Monate lang in der Welt herumtingeln. Und ich denke<br />

auch, dass manche jungen Leute etwas für Christus bewegen<br />

können, wenn sie sich von einer Arbeitsstelle <strong>zu</strong>r nächsten<br />

und von Ort <strong>zu</strong> Ort treiben lassen. Aber ich bin mir genauso sicher,<br />

dass einige dieser Personen damit selbstzentrierte Entschei-<br />

12 Ebd., S. 158-159.<br />

32


Die Herausforderung, sich <strong>zu</strong> entscheiden<br />

dungen treffen, unter dem Vorwand von Erfahrung, kultureller<br />

Horizonterweiterung und manchmal auch – ich sage es äußerst<br />

ungern – unter dem Deckmantel von Kurzzeit-Missionseinsätzen.<br />

Als Pastor einer Universitätsgemeinde habe ich Verständnis<br />

dafür, dass viele verschiedene Leute <strong>zu</strong> unseren <strong>Gottes</strong>diensten<br />

kommen und gehen. Das gehört <strong>zu</strong>m Leben mit Studenten und<br />

Doktoranden. Ich finde es spannend, wenn jedes Jahr neue Leute<br />

kommen. Wenn sich aber niemand niederlassen und eine Zeit<br />

lang – geschweige denn ein Leben lang – bleiben würde, könnten<br />

wir all den Studenten überhaupt nicht dienen. Die Gemeinde<br />

braucht »Lebenslängliche« und solche, auf die sie sich langfristig<br />

verlassen kann.<br />

Meine Sorge ist, dass angesichts all der Optionen, die wir heute<br />

haben, diese Möglichkeit selten erwogen wird: »Wie kann ich<br />

meiner lokalen Gemeinde am effektivsten dienen und dort am<br />

meisten Frucht bringen?« Ich frage mich: Führt die heutige Fülle<br />

von Möglichkeiten weniger da<strong>zu</strong>, dass reife Nachfolger Christi<br />

herangebildet werden, als vielmehr da<strong>zu</strong>, dass Christen langfristige<br />

Verantwortung vermeiden und seltener positiv prägende<br />

Auswirkungen hinterlassen?<br />

Mit derart vielen Wahlmöglichkeiten verwundert es nicht,<br />

dass wir ständig daran denken müssen, dass das Gras auf der<br />

anderen Seite des Zaunes immer grüner ist, wie es im Sprichwort<br />

heißt. Wir grübeln pausen<strong>los</strong> darüber nach, was besser oder was<br />

schöner an einer neuen Sache oder Person sein könnte. Das Wort<br />

»entscheiden« kommt sprachgeschichtlich von »das Schwert aus<br />

der Scheide ziehen«, nämlich <strong>zu</strong>m Zweck des Trennens und Abhauens.<br />

13 Das erklärt, warum Entscheidungen heute so schwerfallen.<br />

Wir ertragen diesen Gedanken nicht, irgendeine unserer<br />

Optionen »ab<strong>zu</strong>hauen«. Wenn wir A wählen, fühlen wir den<br />

Schwerthieb, den es uns versetzt, nicht B und C und D haben<br />

13 Beim englischen decide ist es ganz ähnlich: Das Wort kommt vom lateinischen<br />

decidere, was ebenfalls »abhauen«, »abschneiden« bedeutet. Die deutsche<br />

Überset<strong>zu</strong>ng haben wir hier passenderweise übertragen (Anmerkung<br />

Betanien Verlag).<br />

33


<strong>Leg</strong> <strong>einfach</strong> <strong>los</strong>! · Kapitel 3<br />

<strong>zu</strong> können. Daraus resultiert, dass jede Wahl sich schlimmer anfühlt,<br />

als gar nicht erst eine Wahl <strong>zu</strong> haben. Und wenn wir eine<br />

Wahl treffen, stellt sich gleich die Käuferreue ein und wir zweifeln<br />

und hadern, ob wir vielleicht nur das Zweitbeste gewählt haben.<br />

Oder schlimmer, wir leben weiterhin auf unbestimmte Zeit<br />

Lasst uns<br />

nicht ständig<br />

unsere Entscheidungsunfähigkeit<br />

vergeistlichen,<br />

indem wir sie<br />

als diffuses<br />

Suchen nach<br />

dem <strong>Willen</strong><br />

<strong>Gottes</strong><br />

ausgeben.<br />

im Keller unserer Eltern, während wir versuchen, uns<br />

selbst <strong>zu</strong> finden und <strong>Gottes</strong> Stimme <strong>zu</strong> hören. In unserer<br />

Freiheit, alles tun und überall hingehen <strong>zu</strong> können,<br />

fühlen wir uns vielmehr gebunden als frei, weil<br />

Entscheidungen treffen <strong>zu</strong> müssen sich mehr nach<br />

Qual als nach Vergnügen anfühlt.<br />

Zu viele jungen Menschen von heute haben keine<br />

Stabilität und Sicherheit, wenig Entscheidungsfreude<br />

und viele Selbstzweifel. Es dauert immer länger,<br />

bis sie sich entscheiden, sich dauerhaft nieder<strong>zu</strong>lassen.<br />

Und manche treffen diese Entscheidung nie.<br />

Ich vertrete nicht die Ansicht, dass jeder <strong>zu</strong>rück in<br />

seine Heimatstadt ziehen und irgendeine x-beliebige<br />

Arbeitsstelle annehmen soll (wenngleich das für<br />

manche <strong>zu</strong>mindest ein Schritt in überhaupt irgendeine<br />

Richtung wäre). <strong>Ein</strong>ige von euch sollten wirklich ins Ausland<br />

gehen und andere werden mal hier und mal dorthin ziehen müssen.<br />

Aber ich plädiere dafür, weniger umher<strong>zu</strong>stolpern, früher<br />

damit <strong>zu</strong> beginnen, Gott tatsächlich <strong>zu</strong> dienen, und vor allem<br />

nicht ständig die eigene Entscheidungsunfähigkeit <strong>zu</strong> vergeistlichen,<br />

indem man sie als diffuses Suchen nach dem <strong>Willen</strong> <strong>Gottes</strong><br />

ausgibt. Ich behaupte, dass unser Eifer nach dem <strong>Willen</strong> <strong>Gottes</strong><br />

wahrscheinlich weniger auf ein Herz hindeutet, das unbedingt<br />

Gott gehorsam sein möchte, als vielmehr auf einen Kopf, der stetig<br />

um all die Optionen kreist, aus denen es <strong>zu</strong> wählen gilt.<br />

Wir sind Feiglinge<br />

Der fünfte und letzte Grund, warum wir <strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong> herausfinden<br />

wollen, ist, weil wir feige sind. Das stimmt. Manchmal,<br />

34


Die Herausforderung, sich <strong>zu</strong> entscheiden<br />

wenn wir dafür beten, <strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong> <strong>zu</strong> erkennen, beten wir das<br />

Gebet eines Feiglings: »Herr, zeige mir, was ich tun soll, damit<br />

mir nichts Schlimmes <strong>zu</strong>stößt und ich nicht in Gefahr oder ungewohnte<br />

Situationen komme.« Wir möchten sicher sein, dass<br />

für uns und unsere geliebten Freunde und Familienangehörigen<br />

alles gutgehen wird. Aber schauen wir uns einmal das biblische<br />

Beispiel von Esther an: Gott sprach nicht auf diese Weise <strong>zu</strong> ihr.<br />

Als jüdische Frau, die einen ungewöhnlichen Schönheitswettbewerb<br />

gewonnen hatte, um Königin an der Seite von Ahasveros<br />

<strong>zu</strong> werden (Est 2,2-17), musste Esther lernen, dass <strong>Gottes</strong> Pläne<br />

Risiken mit sich bringen können – aber auch die Gelegenheit,<br />

Courage <strong>zu</strong> zeigen.<br />

Haman, die rechte Hand des Königs, war ein Feind der Juden<br />

und bewirkte einen Erlass, dass alle Juden umgebracht werden<br />

sollten. Der persische König Ahasveros unterzeichnete diesen Erlass,<br />

ohne die Hintergründe <strong>zu</strong> kennen. Als Mordechai, Esthers<br />

älterer Cousin und Pflegevater, von diesem Plan erfuhr, erzählte<br />

er es Esther in dem Wissen, dass sie die einzige war, die in der<br />

Position war, ihr eigenes jüdisches Volk <strong>zu</strong> retten. Sie aber weigerte<br />

sich und sagte: Wenn sie ohne einberufen <strong>zu</strong> sein vor König<br />

Ahasveros treten würde, würde sie gemäß dem persischen Gesetz<br />

getötet werden – es sei denn, der König strecke ihr sein goldenes<br />

Zepter entgegen, damit sie am Leben bliebe. Den Thronsaal auf<br />

eigene Initiative <strong>zu</strong> betreten, war sehr riskant. Deshalb ließ sie<br />

Mordechai ausrichten, dass sie es nicht tun würde.<br />

Die Bibel berichtet uns von Mordechais Antwort auf die<br />

Worte von Esthers Boten:<br />

Da ließ Mordechai der Esther antworten: »Denke nicht in<br />

deinem Herzen, dass du vor allen Juden entkommen würdest,<br />

weil du im Haus des Königs bist! Denn wenn du jetzt<br />

schweigst, so wird von einer anderen Seite her Befreiung und<br />

Rettung für die Juden kommen, du aber und das Haus deines<br />

Vaters werden untergehen. Und wer weiß, ob du nicht gerade<br />

wegen einer Zeit wie dieser <strong>zu</strong>m Königtum gekommen bist?«<br />

(Est 4,13-14)<br />

35


<strong>Leg</strong> <strong>einfach</strong> <strong>los</strong>! · Kapitel 3<br />

Was würdest du an Esthers Stelle tun? Um ein Zeichen vom<br />

Himmel beten? Darauf warten, dass <strong>Gottes</strong> Wille sich offenbart?<br />

Fragen, warum Gott dich in solch eine schwieriges Situation gebracht<br />

hat? Gar nichts und <strong>einfach</strong> davon ausgehen, dass alles,<br />

was Leid und vielleicht sogar Tod einschließt, nicht <strong>Gottes</strong> Plan<br />

für dein Leben sein kann? Schau, was Esther tat:<br />

36<br />

Da ließ Esther dem Mordechai antworten: »So geh hin, versammle<br />

alle Juden, die in Susa anwesend sind, und fastet<br />

für mich, drei Tage lang bei Tag und Nacht, esst und trinkt<br />

nicht. Auch ich will mit meinen Mägden so fasten, und dann<br />

will ich <strong>zu</strong>m König hineingehen, obgleich es nicht nach dem<br />

Gesetz ist. Komme ich um, so komme ich um!« (4,15-16)<br />

Beachte, was wir in dieser Geschichte nicht lesen: Wir lesen nicht,<br />

dass Esther nach irgendeinem offenbarten Wort vom Herrn suchte<br />

(wobei ein kluger Leser <strong>Gottes</strong> Wirken in Mordechais Rat an<br />

sie erkennen könnte). Sie hatte keine Verheißung, wie ihre persönliche<br />

Zukunft aussehen würde. Alles, was sie wusste, war: Es<br />

ist eine gute Sache, ihr Volk <strong>zu</strong> retten. Gott sagte ihr nicht, was<br />

passieren würde, wenn sie gehorchen würde, und er hat ihr auch<br />

nicht verraten, was sie exakt tun müsste, um Erfolg <strong>zu</strong> garantieren.<br />

Sie musste ein Risiko für Gott eingehen. »Komme ich um,<br />

so komme ich um«, lautete ihr mutiges Motto.<br />

Esther verbrachte keine Wochen oder Monate damit, <strong>Gottes</strong><br />

<strong>Willen</strong> für ihr Leben <strong>zu</strong> erkennen, bevor sie handelte. Sie tat<br />

<strong>einfach</strong>, was richtig war und was vor ihr lag, ohne ein spezielles<br />

Wort von Gott. Wenn der König ihr sein goldenes Zepter entgegenstreckte<br />

– preis den Herrn! Wenn nicht, würde sie sterben.<br />

Esther war mannhafter als die meisten Männer, die ich kenne<br />

– mich eingesch<strong>los</strong>sen. Viele von uns, Männer wie Frauen,<br />

sind extrem passiv und feige. Wir gehen keine Risiken für Gott<br />

ein, weil wir wie besessen sind von Sicherheit, Geborgenheit und<br />

vor allem der Zukunft. Deshalb fallen die meisten unserer Gebete<br />

unter zwei Kategorien: Entweder beten wir dafür, dass alles<br />

gutgehen wird, oder wir beten dafür, <strong>zu</strong> wissen, dass alles gut


Die Herausforderung, sich <strong>zu</strong> entscheiden<br />

gehen wird. Wir beten für Gesundheit, Reisen, die Arbeit – und<br />

das sollen wir auch. Aber die meisten unserer Gebete laufen darauf<br />

hinaus: »Herr, lass niemandem irgendetwas Unangenehmes<br />

widerfahren. Mach alles für alle Menschen auf der ganzen Welt<br />

schön.« Und wenn wir nicht diese Art von Gebeten sprechen, beten<br />

wir dafür, dass Gott uns sagt, dass alles gut ausgehen wird.<br />

Das ist oft genau das, worum wir bitten, wenn wir dafür beten,<br />

<strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong> <strong>zu</strong> erkennen. Wir bitten nicht um Heiligkeit,<br />

Gerechtigkeit oder Sündenerkenntnis. Wir möchten, dass Gott<br />

uns sagt, was <strong>zu</strong> tun ist, damit alles angenehm für uns ausgeht.<br />

»Sag mir, wen ich heiraten soll, wo ich leben soll, auf welche<br />

Schule ich gehen soll, welche Arbeitsstelle ich nehmen soll. Zeig<br />

mir die Zukunft, damit ich keinerlei Risiken eingehen muss.«<br />

Das klingt nicht sehr nach Esthers Haltung.<br />

Von Zukunftssorgen in Beschlag genommen <strong>zu</strong> sein, ist nicht<br />

<strong>Gottes</strong> Wille für unser Leben, denn es ist nicht <strong>Gottes</strong> <strong>Weg</strong>, uns<br />

die Zukunft <strong>zu</strong> zeigen. Sein <strong>Weg</strong> ist es, durch die Bibel <strong>zu</strong> uns <strong>zu</strong><br />

reden und uns durch die Erneuerung unserer Gesinnung<br />

<strong>zu</strong> verändern. Sein <strong>Weg</strong> ist keine Kristallkugel.<br />

Sein <strong>Weg</strong> ist Weisheit. Wir sollten damit aufhören,<br />

von Gott <strong>zu</strong> erwarten, dass er uns die Zukunft offenlegt<br />

und alle Risiken aus unserem Leben nimmt.<br />

Wir sollten auf Gott schauen – auf seinen Charakter<br />

und seine Verheißungen – und dabei das Vertrauen<br />

haben, um seines Namens <strong>Willen</strong> auch Risiken ein<strong>zu</strong>gehen.<br />

Gott ist allwissend und allmächtig. Er hat jedes Detail unseres<br />

Lebens durchgeplant und ausgearbeitet – die fröhlichen wie<br />

auch die schwierigen Tage – alles <strong>zu</strong> unserem Besten (Pred 7,14).<br />

Weil wir <strong>Gottes</strong> souveränem <strong>Willen</strong> vertrauen, können wir uns<br />

völlig seinem moralischen <strong>Willen</strong> widmen, ohne uns über seinen<br />

individuellen <strong>Willen</strong> sorgen <strong>zu</strong> müssen.<br />

Mit anderen Worten: Gott geht keine Risiken ein, also können<br />

wir es.<br />

Für einige bedeutet das, Gott genug <strong>zu</strong> vertrauen, um nicht<br />

am Geld <strong>zu</strong> hängen. Für andere bedeutet es, in schwierigen Um-<br />

<strong>Gottes</strong> <strong>Weg</strong><br />

ist keine<br />

Kristallkugel.<br />

Sein <strong>Weg</strong> ist<br />

Weisheit.<br />

37


<strong>Leg</strong> <strong>einfach</strong> <strong>los</strong>! · Kapitel 3<br />

ständen oder unangenehmen Situationen an <strong>Gottes</strong> Wort fest<strong>zu</strong>halten.<br />

Für wieder andere bedeutet es kulturübergreifende Mission<br />

oder mehr Evangelisation oder eine neue Vision oder ein<br />

Sündenbekenntnis oder die Auseinanderset<strong>zu</strong>ng mit einer Sünde<br />

oder eine neue Verletzlichkeit in einer Beziehung. Und für noch<br />

andere bedeutet es, den Hintern hoch<strong>zu</strong>bekommen und einen<br />

Job an<strong>zu</strong>nehmen oder die Angst vor Ablehnung <strong>zu</strong> überwinden<br />

und sich eine liebenswerte christliche Frau <strong>zu</strong> suchen. Für uns alle<br />

bedeutet es, unser unstillbares Verlangen ab<strong>zu</strong>legen, jeden Aspekt<br />

oder <strong>zu</strong>mindest die allerwichtigen Aspekte unseres Lebens<br />

vor unseren Augen fest<strong>zu</strong>nageln, bevor es überhaupt so weit ist.<br />

Gott hat einen wundervollen Plan für dein Leben – einen<br />

Plan, der dich durch Prüfungen und Erfolge bringen wird, während<br />

du in das Bild seines Sohnes verwandelt wirst (Röm 8,28-<br />

29). Darin können wir absolut <strong>zu</strong>versichtlich sein. Aber <strong>Gottes</strong><br />

übliches Vorgehen ist es nicht, uns diesen Plan im Voraus <strong>zu</strong> zeigen<br />

– rückblickend vielleicht, aber selten vorab.<br />

Fühlst du dich dadurch herausgefordert, dich <strong>zu</strong> entscheiden?<br />

Verzweifle nicht. Gott verheißt dir, deine Sonne und dein Schild<br />

<strong>zu</strong> sein, dich <strong>zu</strong> tragen und mit seinem starken Arm <strong>zu</strong> beschützen.<br />

So können wir damit aufhören, darum <strong>zu</strong> betteln, dass Gott<br />

uns die Zukunft aufzeigt, und damit beginnen, <strong>zu</strong> leben und gehorsam<br />

<strong>zu</strong> sein, weil wir überzeugt sind, dass Gott die Zukunft<br />

in seinen Händen hat.<br />

38


4<br />

Unser<br />

Wahrsagekugel-Gott<br />

Unser übliches Denken über den <strong>Willen</strong> <strong>Gottes</strong> ist wenig hilfreich<br />

– wenn wir uns <strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong> wie ein Maislabyrinth<br />

vorstellen, das nur einen einzigen Ausgang und vielen Sackgassen<br />

hat, oder aber wie eine Zielscheibe, in der <strong>Gottes</strong> Wille das<br />

Schwarze ist und alle anderen Kreise sind nur das Zweitbeste,<br />

oder wie einen Magic-8-Ball, diese Wahrsagekugel, die man<br />

schütteln muss, bis irgendeine <strong>zu</strong>fällige Antwort in ihrem Guckfenster<br />

angezeigt wird. Dieses Denken ist nicht gut für unsere<br />

Entscheidungsfindung. Es ist nicht gut für unsere Heiligung.<br />

Und manchmal verunehrt es offen gesagt Christus.<br />

In Kapitel 3 habe ich einige Gründe erwähnt, warum wir so<br />

erpicht darauf sind, <strong>Gottes</strong> individuellen <strong>Willen</strong> heraus<strong>zu</strong>finden.<br />

In diesem Kapitel möchte ich etwas näher darauf eingehen, warum<br />

dieses übliche Denken über den <strong>Willen</strong> <strong>Gottes</strong> falsch ist, bevor<br />

wir uns anschließend in Kapitel 5 die aufschlussreiche Bibelstelle<br />

Matthäus 6,25-34 näher ansehen und einen besseren <strong>Weg</strong><br />

kennenlernen.<br />

Doch <strong>zu</strong>vor möchte ich fünf Probleme mit dem üblichen<br />

Denken über den <strong>Willen</strong> <strong>Gottes</strong> aufzeigen. 14<br />

14 Die ersten drei Probleme werden auch von Gerald Sittser behandelt (Gerald<br />

Sittser: Du lässt mich Freiheit atmen. Wie <strong>Gottes</strong> Wille uns <strong>zu</strong> guten Entscheidungen<br />

führt. Gießen: Brunnen 2002, S. 16-25). Offensichtlich habe ich mich<br />

seiner Weisheit bedient und nicht umgekehrt.<br />

39


<strong>Leg</strong> <strong>einfach</strong> <strong>los</strong>! · Kapitel 4<br />

Wir konzentrieren uns <strong>zu</strong> sehr auf nicht-moralische<br />

Entscheidungen<br />

Erstens richtet sich im üblichen Denken über das Entdecken von<br />

<strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong> nahe<strong>zu</strong> unsere gesamte Aufmerksamkeit auf Entscheidungen<br />

ohne moralischen Stellenwert. Die Bibel sagt nichts darüber,<br />

ob wir lieber in Minnesota oder in Maine leben sollen. Sie<br />

verrät uns nicht, ob wir <strong>zu</strong>r Universität nach Michigan oder auf<br />

das Wheaton College gehen sollen. Sie sagt uns auch nicht, ob<br />

wir ein Haus kaufen oder doch eher eine Wohnung mieten sollen.<br />

Sie spricht nicht davon, ob wir einen wundervollen Christen<br />

namens Tim oder irgendeinen anderen wundervollen Christen<br />

heiraten sollen. In der Bibel steht nicht, was wir diesen Sommer<br />

unternehmen oder welche Arbeitsstelle wir annehmen oder auf<br />

welche Universität wir gehen sollen.<br />

Als ich einmal über dieses Thema predigte, betonte ich sehr<br />

stark die Aussage: »Gott kümmert es nicht, auf welche Schule<br />

du gehst oder wo du lebst oder welchen Job du<br />

annimmst.« <strong>Ein</strong>e nachdenkliche junge Frau sprach<br />

mich anschließend an und war enttäuscht darüber,<br />

dass Gott sich um die wichtigsten Entscheidungen<br />

ihres Lebens nicht kümmere. Ich erklärte ihr, dass ich<br />

mich wahrscheinlich nicht klar genug ausgedrückt<br />

hatte. Gott sind solche Entscheidungen nicht egal in<br />

der Hinsicht, dass er für uns und für jedes Detail unseres<br />

Lebens sorgt. Aber in anderer Hinsicht – und<br />

das war der Punkt, auf den es mir ankam – sind das<br />

nicht die wichtigsten Belange im Buch <strong>Gottes</strong>. Die<br />

wichtigsten Dinge sind für Gott moralische Reinheit,<br />

theologische Richtigkeit, Barmherzigkeit, Freude,<br />

unser christliches Zeugnis, Treue, Gastfreundschaft,<br />

Liebe, Anbetung und Glaube. Das sind seine großen<br />

Anliegen. Das Problem ist, dass wir da<strong>zu</strong> tendieren, unsere Aufmerksamkeit<br />

meistens auf alles andere <strong>zu</strong> richten. Wir lassen uns<br />

von Dingen in Beschlag nehmen, die Gott nicht erwähnt hat<br />

und wohl auch nie erwähnen wird, während wir uns vergleichs-<br />

Wir lassen uns<br />

von Dingen in<br />

Beschlag nehmen,<br />

die Gott<br />

nicht erwähnt<br />

hat, während<br />

wir uns wenig<br />

all den Dingen<br />

widmen,<br />

die er in der<br />

Bibel offenbart<br />

hat.<br />

40


Unser Wahrsagekugel-Gott<br />

weise wenig all den anderen Dingen widmen, die Gott bereits in<br />

der Bibel offenbart hat.<br />

Mit anderen Worten: Wir verbringen die meiste Zeit damit,<br />

nicht-ethische Entscheidungen <strong>zu</strong> finden. Wenn ich nicht-ethisch<br />

oder nicht-moralisch sage, meine ich damit Entscheidungen zwischen<br />

zwei oder mehr Optionen, von denen keine in der Bibel<br />

verboten wird. Zwischen einer Karriere in Biologie und einer in<br />

der Wirtschaft <strong>zu</strong> wählen, ist eine nicht-ethische Entscheidung,<br />

vorausgesetzt – und das ist eine sehr wichtige Vorausset<strong>zu</strong>ng –,<br />

dass deine Motive und dein Handeln biblisch richtig sind. Wenn<br />

also deine Laufbahn als Mediziner bedeuten würde, dass du als<br />

Arzt Abtreibungen vornehmen müsstest, wäre das nicht richtig.<br />

Gleiches gilt, wenn du Politiker wirst und als solcher Rufmord<br />

und Betrug betreiben müsstest, um dir einen <strong>Weg</strong> an die Spitze<br />

<strong>zu</strong> bahnen. Wenn du aber von guten Motiven geleitet wirst<br />

und recht handeln willst, wird die Wahl deiner beruflichen Laufbahn<br />

keine moralische Entscheidung sein. Die Bibel thematisiert<br />

schlichtweg nicht jede einzelne Entscheidung, die wir <strong>zu</strong> treffen<br />

haben.<br />

Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass wir uns nicht<br />

sorgfältig Gedanken darüber machen sollen, welchen Berufsweg<br />

wir wählen sollen. Und es bedeutet auch nicht, dass wir missachten<br />

sollen, welche Veranlagungen Gott uns gegeben hat oder dass<br />

wir alles <strong>zu</strong> seiner Ehre tun sollen (1Kor 10,31). Mein Punkt ist,<br />

dass wir mehr Zeit damit verbringen sollten, heraus<strong>zu</strong>finden, wie<br />

wir als Arzt oder als Anwalt »gerecht handeln, Liebe üben und<br />

demütig mit Gott wandeln« können (wie uns Micha 6,8 lehrt),<br />

und weniger Zeit damit, ob wir Arzt oder Anwalt werden sollen.<br />

Haben wir einen heimtückischen Gott?<br />

Zweitens impliziert das übliche Denken über <strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong>, dass<br />

wir einen heimtückischen Gott haben. Im heute gängigen Verständnis<br />

von <strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong> weiß Gott, was wir tun sollten. Er<br />

hat den vollkommenen Plan für unser Leben und zieht uns <strong>zu</strong>r<br />

41


<strong>Leg</strong> <strong>einfach</strong> <strong>los</strong>! · Kapitel 4<br />

Verantwortung, wenn wir seinen <strong>Willen</strong> nicht befolgen. Aber er<br />

zeigt uns nicht, wie dieser Wille aussieht. Das übliche Denken<br />

über <strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong> macht Gott <strong>zu</strong> einer listigen kleinen Gottheit,<br />

die Verstecken mit uns spielt.<br />

Nur, um deutlich <strong>zu</strong> sein: Gott verbirgt keine notwendigen<br />

Informationen vor den Gläubigen. Es gibt viele Szenarien, die<br />

wir nicht kennen und viele Geheimnisse, die wir nicht aufdecken<br />

können. Das ist <strong>Gottes</strong> souveräner Wille, der den Gläubigen<br />

üblicherweise nicht bekannt ist (5Mo 29,29). Jedoch versucht<br />

er nicht, uns <strong>zu</strong> verwirren oder wichtige Wahrheiten <strong>zu</strong> verbergen.<br />

In der üblichen Vorstellung von <strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong> haben wir<br />

allerdings den <strong>Ein</strong>druck, dass er nicht nur seinen <strong>Willen</strong> vor uns<br />

versteckt hält, sondern auch noch erwartet, dass wir ihn herausfinden.<br />

Wir sind derart davon in Beschlag genommen, <strong>Gottes</strong><br />

individuellen <strong>Willen</strong> <strong>zu</strong> <strong>entdecken</strong>, dass wir schließlich frustriert<br />

sind, weil er uns nicht zeigt, was er möchte. Am Ende sind wir<br />

von uns selbst enttäuscht oder bitter gegen Gott, weil wir scheinbar<br />

nicht in der Lage sind, heraus<strong>zu</strong>finden, wie wir <strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong><br />

für unser Leben finden können.<br />

Ich muss die Zukunft kennen<br />

Drittens führt das übliche Denken über <strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong> <strong>zu</strong> übermäßigen<br />

Zukunftssorgen. Viele Christen gehen mit <strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong> nicht<br />

anders um als mit einem Horoskop. Wir kommen <strong>zu</strong> Gott und<br />

wollen wissen: »Sieht es auf dem Arbeitsmarkt heute gut aus für<br />

<strong>Kevin</strong>? Werde ich meine wahre Liebe finden? Soll ich in einem<br />

Bundesstaat leben, der mit A beginnt?« Unsere Faszination an<br />

der Offenbarung von <strong>Gottes</strong> individuellem <strong>Willen</strong> verrät oft unser<br />

mangelndes Vertrauen in <strong>Gottes</strong> Verheißungen und Fürsorge.<br />

Wir wollen nicht <strong>einfach</strong> nur sein Wort, das uns <strong>zu</strong>sagt, dass<br />

er bei uns ist; wir wollen, dass er uns schon <strong>zu</strong> Beginn das Ende<br />

zeigt und beweist, dass er vertrauenswürdig ist. Wir wollen wissen,<br />

was der morgige Tag bringen wird, anstatt uns mit simplem<br />

Gehorsam auf unserem Lebensweg <strong>zu</strong>frieden <strong>zu</strong> geben.<br />

42


Unser Wahrsagekugel-Gott<br />

So sind wir völlig von Zukunftssorgen in Beschlag genommen.<br />

Doch Sorge ist letztendlich <strong>einfach</strong> ein Leben in der Zukunft,<br />

bevor sie begonnen hat. Doch hören wir, was Jakobus sagt:<br />

Wohlan nun, die ihr sagt: Heute oder morgen wollen wir in<br />

die und die Stadt reisen und dort ein Jahr <strong>zu</strong>bringen, Handel<br />

treiben und Gewinn machen – und doch wisst ihr nicht, was<br />

morgen sein wird! Denn was ist euer Leben? Es ist doch nur<br />

ein Dunst, der eine kleine Zeit sichtbar ist; danach aber verschwindet<br />

er. Stattdessen solltet ihr sagen: Wenn<br />

der Herr will und wir leben, wollen wir dieses oder<br />

jenes tun. (Jak 4,13-15)<br />

Sorge ist<br />

letztendlich<br />

<strong>einfach</strong> ein<br />

Leben in der<br />

Zukunft, bevor<br />

sie begonnen<br />

hat.<br />

Das ist einer der deutlichsten Stellen über die Souveränität<br />

<strong>Gottes</strong>. Wenn wir heute Nachmittag in einen<br />

Supermarkt gehen werden, dann wollte es der Herr<br />

so – dieser Stelle aus Jakobus <strong>zu</strong>folge. Wenn wir hundert<br />

Jahre alt werden, wollte es der Herr so. Wenn wir<br />

nur fünfundvierzig werden, wollte Gotte es auch so.<br />

Wir brauchen nicht nach jedem Satz hin<strong>zu</strong>fügen »so der Herr<br />

will«, doch es sollte in unseren Köpfen und Herzen sein. Wir<br />

sollten unser Leben in dem Glauben leben, dass all unsere Pläne<br />

und Strategien dem unveränderlichen <strong>Willen</strong> <strong>Gottes</strong> unterworfen<br />

sind. Deshalb sollten wir demütig auf die Zukunft blicken,<br />

denn nicht wir haben sie in der Hand, sondern Gott. Und wir<br />

sollten hoffnungsvoll auf die Zukunft blicken, denn Gott hat sie<br />

in der Hand und nicht wir.<br />

Damit kommen wir <strong>zu</strong>rück auf die Sorge – auf unsere Neigung,<br />

in der Zukunft <strong>zu</strong> leben, bevor sie angefangen hat. Wir<br />

sollten unser sündiges Verlangen aufgeben, die Zukunft <strong>zu</strong> kennen<br />

und sie in der Hand haben <strong>zu</strong> wollen. Wir sind keine Götter.<br />

Wir leben im Glauben, nicht im Schauen. Wir riskieren etwas,<br />

weil Gott nichts riskiert. Wir gehen in Gott verehrender Zuversicht<br />

der Zukunft entgegen – nicht, weil wir sie kennen, sondern<br />

weil Gott sie kennt. Sich über die Zukunft <strong>zu</strong> sorgen, ist nicht<br />

bloß eine kleine Charakterschwäche – es ist die Sünde des Un-<br />

43


<strong>Leg</strong> <strong>einfach</strong> <strong>los</strong>! · Kapitel 4<br />

glaubens und ein Indiz dafür, dass unser Herz nicht in den Verheißungen<br />

<strong>Gottes</strong> ruht.<br />

Ich bin nicht verantwortlich dafür!<br />

Viertens untergräbt das übliche Denken über <strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong> die eigene<br />

Verantwortung, Rechenschaft und Initiative. Ich will an einem<br />

Beispiel verdeutlichen, was ich damit meine: Als ich berufen<br />

wurde, Hauptpastor an der University Reformed Church in East<br />

Lansing (Michigan) <strong>zu</strong> werden, diente ich <strong>zu</strong> der Zeit gerade in<br />

aller Zufriedenheit als Mitpastor im Nordwesten Iowas. Es war<br />

eine schwere Entscheidung, in eine neue Gemeinde <strong>zu</strong> kommen<br />

und meine geliebte Gemeinde <strong>zu</strong> verlassen. Es gab Leute in Iowa,<br />

die verärgert über meine Entscheidung waren. Es wäre sehr <strong>einfach</strong><br />

für mich gewesen, den Leuten <strong>zu</strong> sagen (weil ich Aussagen<br />

wie diese schon vorher gehört hatte): »Ich liebe es, in Iowa <strong>zu</strong><br />

sein. Wenn es an mir liegen würde, würde ich bleiben. Menschlich<br />

gesehen macht es für mich wenig Sinn, <strong>zu</strong> gehen. Aber beim<br />

Beten wurde mir klar, dass die Stelle in Michigan das ist, was<br />

Gott von mir möchte. Ich bin mir nicht sicher, ob ich es überhaupt<br />

mag. Aber ich habe das starke Gefühl, dass es <strong>Gottes</strong> Wille<br />

für mich ist, nach Michigan <strong>zu</strong> gehen.«<br />

Damit würden die Leute zwar vielleicht Ruhe geben, aber es<br />

wäre nicht fair. Es war nicht <strong>Gottes</strong> Schuld, dass ich ging. Meine<br />

Frau und ich beteten viel <strong>zu</strong>m Herrn wegen dieser Entscheidung,<br />

und ich denke, dass die Entscheidung dem Herrn gefiel. Ebenso<br />

würde es ihm aber auch gefallen, wenn wir geblieben wären. Es<br />

war meine Entscheidung. Ich war verantwortlich dafür, die Gemeinde<br />

verlassen <strong>zu</strong> haben. Ich wählte. Ich entschied. Natürlich,<br />

letztendlich hatte es Gott schon längst entschieden – das stimmt<br />

immer. Aber es wäre falsch gewesen, wenn ich <strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong> dafür<br />

instrumentalisiert hätte, meine eigene Verantwortung für die<br />

Entscheidung ab<strong>zu</strong>geben.<br />

Dasselbe gilt auch für die persönliche Rechenschaft. Wir<br />

müssen aufpassen, Gott nicht als Trumpfkarte in all unseren<br />

44


Unser Wahrsagekugel-Gott<br />

Entscheidungen <strong>zu</strong> missbrauchen. Nur, weil du betest, heißt das<br />

nicht, dass deine Entscheidungen unangreifbar sind. Ich kenne<br />

Leute, die <strong>Gottes</strong> Wirken in ihrem Leben mit verschiedenen<br />

Phrasen beschreiben. Aber wenn wir sagen: »Gott hat<br />

mir gesagt, ich soll das tun«, oder »Gott hat mich so<br />

geführt«, macht das unsere Entscheidungen unantastbar<br />

für jegliche Kritik und <strong>Ein</strong>wände. Wir sollten uns<br />

anders ausdrücken. »Ich habe dafür gebetet, und das<br />

scheint am besten <strong>zu</strong> sein«, oder: »Es scheint, dass der<br />

Herr so führt«, wären hilfreiche Formulierungen, um<br />

unsere Abhängigkeit von Gott aus<strong>zu</strong>drücken. Sätze<br />

wie: »Gott hat es mir so gesagt«, oder: »Gott hat es<br />

mir aufs Herz gelegt«, oder: »Es ist <strong>Gottes</strong> Wille«, oder schlimmer<br />

noch: »Gott hat mir gesagt, dass er will, dass du dieses oder<br />

jenes tust«, sind Totschlagargumente für jegliches Hinterfragen<br />

und hebeln jede Rechenschaftsschuld bei der Entscheidungsfindung<br />

aus.<br />

Ich vergesse niemals meinen armen geplagten Mitbewohner,<br />

der mit mir sprach, nachdem er das Risiko eingegangen war und<br />

einer netten jungen Dame offenbart hatte, dass er sie mag. Sie<br />

hatten einen langen Spaziergang gemacht. Er war sich ziemlich<br />

sicher gewesen, dass sie seine Gefühle erwiderte. Doch dann<br />

stellte sich heraus, dass sie doch nicht wollte. Sie war ein süßes<br />

Mädchen, eine klasse Christin. Eigentlich stand sie lehrmäßig<br />

klar. Doch anstatt <strong>einfach</strong> <strong>zu</strong> sagen: »Ich habe kein Interesse«,<br />

oder: »Ich mag dich nicht«, oder: »Hör auf, mich <strong>zu</strong> bedrängen«,<br />

meinte sie, die Sache auf höchst geistliche Weise lösen <strong>zu</strong> müssen.<br />

»Ich habe viel deinetwegen gebetet«, wandte sie ein, »und der<br />

Heilige Geist sagte Nein.« »Nein?«, fragte mein perplexer Mitbewohner.<br />

»Nein … niemals«, war ihre Antwort.<br />

Armer Kerl – er wurde abgelehnt, und das nicht nur von diesem<br />

süßen Mädchen, sondern vom Heiligen Geist. Die dritte<br />

Person der Dreieinigkeit erweiterte seine Tätigkeit, auf Jesus <strong>zu</strong><br />

verweisen, um diesem Mädchen <strong>zu</strong> sagen, sich nicht mit meinem<br />

Mitbewohner ein<strong>zu</strong>lassen. Ich wusste gar nicht, dass das<br />

<strong>zu</strong>m Aufgabenbereich des Heiligen Geistes gehört. Aber ich wet-<br />

»Gott hat mir<br />

gesagt …«, ist<br />

ein Totschlagargument<br />

für<br />

jegliches Hinterfragen.<br />

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<strong>Leg</strong> <strong>einfach</strong> <strong>los</strong>! · Kapitel 4<br />

te, dass es an jeder christlichen Schule haufenweise Männer und<br />

Frauen gibt, die Gott die Schuld an ihren Trennungen geben.<br />

Ob es nun der Heilige Geist ist, der »Nein, niemals« sagt, oder<br />

»Jesus« scheinbar mit einer Unmenge von Mädchen auf jedem<br />

Campus »geht« 15 – oft wird <strong>Gottes</strong> angeblicher Wille als Ausrede<br />

für schwierige Beziehungsentscheidungen vorgeschoben. Auf<br />

diese Methode, mit gewissen Phrasen der eigenen Rechenschaft<br />

aus dem <strong>Weg</strong> <strong>zu</strong> gehen, wollen wir verzichten. Wenn du kein Interesse<br />

hast, dich <strong>zu</strong> verabreden und eine Partnerschaft und Ehe<br />

an<strong>zu</strong>bahnen, sag <strong>einfach</strong> »Nein, danke« oder »Nicht jetzt«, aber<br />

bitte mach nicht Gott <strong>zu</strong>m Übeltäter, der für deinen Beziehungsstatus<br />

verantwortlich ist.<br />

Das verbreitete Denken über <strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong> untergräbt außerdem<br />

die persönliche Initiative. Haddon Robinson erklärt:<br />

Wenn wir fragen: »Wie kann ich den <strong>Willen</strong> <strong>Gottes</strong> erkennen?«,<br />

stellen wir womöglich die falsche Frage. Zu den meisten<br />

Lebensentscheidungen gibt es in der Bibel kein Gebot,<br />

dass wir da<strong>zu</strong> den <strong>Willen</strong> <strong>Gottes</strong> herausfinden sollen. Es gibt<br />

auch keine Bibelstelle, die uns erklärt, wie der Wille <strong>Gottes</strong><br />

herausgefunden werden kann. Ebenso bedeutend ist die Tatsache,<br />

dass die Christenheit sich niemals darauf geeinigt hat,<br />

auf welche Weise Gott uns denn eine solche Offenbarung <strong>zu</strong>teilwerden<br />

lässt. Und doch bestehen wir darauf, <strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong><br />

<strong>zu</strong> suchen, weil Entscheidungen schwierig und kraftraubend<br />

sind. Wir suchen nach Erleichterung von der lastenden<br />

Verantwortung in der Entscheidungsfindung und fühlen uns<br />

bei wichtigen Entscheidungen weniger bedroht, wenn wir<br />

passiv bleiben, als wenn wir aktiv sind. 16<br />

15 Falls dir dieser Ausdruck neu ist: Junge Christinnen sagen manchmal, dass<br />

sie »mit Jesus gehen« (engl. »date Jesus«) und benutzen das als Vorwand dafür,<br />

dass sie keine Zeit für eine bzw. kein Interesse an einer Partnerschaft<br />

haben.<br />

16 Zitiert in Mark Chanski: Manly Dominion. Merrick, N.Y.: Calvary Press<br />

2004, S. 84.<br />

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Unser Wahrsagekugel-Gott<br />

Bedeutet dies, dass <strong>Gottes</strong> Wort nichts da<strong>zu</strong> <strong>zu</strong> sagen hat, wie wir<br />

unser Leben leben und Entscheidungen treffen sollen? Keineswegs.<br />

Aber bei den meisten alltäglichen Entscheidungen – und<br />

sogar bei vielen »großen« Lebensentscheidungen – erwartet Gott<br />

von uns, dass wir uns <strong>einfach</strong> entscheiden, und er ermutigt uns,<br />

dabei darauf <strong>zu</strong> vertrauen, dass er bereits festgelegt hat, wie sich<br />

unsere Entscheidung in seinen souveränen <strong>Willen</strong> einfügt. Passivität<br />

ist eine Plage unter Christen. Es ist nicht nur so, dass wir<br />

nichts tun; es ist so, dass wir uns geistlich dabei fühlen, nichts <strong>zu</strong><br />

tun. Wir meinen, unsere Untätigkeit sei Ausdruck von Geduld<br />

und zeige, dass wir sensibel für <strong>Gottes</strong> Führung sind. Zeitweise<br />

kann das sogar der Fall sein – es ist allerdings genauso gut<br />

möglich, dass wir <strong>einfach</strong> nur faul und bequem sind. Wenn wir<br />

unsere Entscheidungen übermäßig vergeistlichen, können wir in<br />

impulsive und dumme Entscheidungen abgleiten. Wahrscheinlicher<br />

ist aber noch, dass wir in ein end<strong>los</strong>es Muster von Unschlüssigkeit,<br />

Unentsch<strong>los</strong>senheit und Bedauern fallen. Kein Zweifel,<br />

Eigennutz und Eigenwille sind Gefahren für Christen, aber gleiches<br />

gilt für Selbst<strong>zu</strong>friedenheit, ziel<strong>los</strong>e Lethargie und Passivität,<br />

die sich als besonders geistlich ausgibt. Vielleicht ist unsere Untätigkeit<br />

weniger ein Warten auf Gott als vielmehr ein Ausdruck<br />

von Menschenfurcht, Ehrsucht und Unglaube gegenüber <strong>Gottes</strong><br />

Vorsehung.<br />

Die Sklaverei der Subjektivität<br />

Fünftens versklavt uns das übliche Denken über den <strong>Willen</strong> <strong>Gottes</strong> in<br />

den Ketten einer hoffnungs<strong>los</strong>en Subjektivität. Versteh mich nicht<br />

falsch. Unsere Entscheidungen sind manchmal subjektiv. Das ist<br />

nicht immer schlecht. Manchmal folgen wir unserer Intuition,<br />

einer Vorahnung oder einem Gefühl. Es ist nicht zwangsläufig<br />

schlecht, nicht-moralische Entscheidungen auf Basis unseres<br />

Bauchgefühls <strong>zu</strong> treffen. Schlecht ist es, wenn wir Sklaven dieser<br />

Art von Subjektivität sind. Dann werden wir niemals Risiken<br />

eingehen, weil wir niemals Frieden über solche Entscheidungen<br />

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<strong>Leg</strong> <strong>einfach</strong> <strong>los</strong>! · Kapitel 4<br />

haben werden. Oder wir bezweifeln unsere Entscheidungen im<br />

Nachhinein, weil wir uns unwohl damit fühlen. Fakt ist, dass<br />

die meisten großen Entscheidungen unseres Lebens uns etwas<br />

unsicher fühlen lassen. Schließlich sind es ja die großen Entscheidungen.<br />

Wenn du dich da<strong>zu</strong> entscheidest, <strong>zu</strong> heiraten, um<strong>zu</strong>ziehen<br />

oder ein Haus <strong>zu</strong> kaufen, wird es auf dich beängstigend<br />

wirken, weil es groß, neu, unbekannt und dauerhaft sein wird<br />

(<strong>zu</strong>mindest sollte das auf die Ehe <strong>zu</strong>treffen). Aber dieses Gefühlt<br />

bedeutet nicht, dass Gott dir absichtlich keinen Frieden über diese<br />

Entscheidung gibt, um dich davon ab<strong>zu</strong>halten.<br />

Ich sage nicht, dass subjektive Entscheidungen falsch sind.<br />

Wir treffen die ganze Zeit Entscheidungen aufgrund eines »Gefühls«.<br />

<strong>Ein</strong> subjektives Orakellesen mit dem <strong>Willen</strong> <strong>Gottes</strong> sollte<br />

jedoch nicht die Methode deiner Entscheidungsfindung sein.<br />

Das ist eine Sackgasse. Woher willst du wissen, ob eine offene<br />

Tür eine offene Tür vom Herrn oder eine Versuchung des Satans<br />

ist? Woher willst du wissen, ob eine gesch<strong>los</strong>sene Tür eine<br />

Gebets erhörung ist oder ob der Herr deine Standhaftigkeit und<br />

Entsch<strong>los</strong>senheit prüfen will? Solche Rätselfragen stellen sich,<br />

wenn Leute ihre Entscheidungen dadurch treffen wollen, dass<br />

den <strong>Willen</strong> <strong>Gottes</strong> für ihr Leben auf rein subjektive Weise <strong>zu</strong> erkennen<br />

versuchen.<br />

Ich las kürzlich ein Buch eines bekannten christlichen Autors,<br />

der da<strong>zu</strong> aufruft, die Beziehung <strong>zu</strong> Gott dadurch <strong>zu</strong> vertiefen,<br />

dass man ständig und immer wieder die banalsten Details<br />

des Alltagslebens mit dem Herrn prüft und hinterfragt. 17 Ich<br />

möchte weder die Motivation des Autors noch seine Betonung<br />

auf eine enge Beziehung <strong>zu</strong> Gott in Frage stellen (was für manche<br />

unserer transusigen, <strong>zu</strong>geknöpften Geschwister durchaus<br />

hilfreich sein könnte). Jedoch empfahl das Buch eine Methode<br />

der Entscheidungsfindung, die mir Schwindel bereitete: Demnach<br />

sollen wir an jeder möglichen <strong>Weg</strong>gabelung auf <strong>Gottes</strong><br />

Stimme lauschen. Soll ich diese E-Mail schreiben? Soll ich das<br />

17 Vgl. John Eldredge: Du sprichst <strong>zu</strong> meinem Herzen. Notizen aus meinem Alltag<br />

mit Gott. Gießen: Brunnen 2011.<br />

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Unser Wahrsagekugel-Gott<br />

Badezimmer streichen? Soll ich heute Überstunden machen?<br />

Soll ich <strong>zu</strong>m Schrebergarten fahren oder <strong>zu</strong> Hause bleiben?<br />

Welches Bibelbuch soll ich heute Morgen lesen? Welches Kapitel?<br />

Ist heute ein guter Tag <strong>zu</strong>m Angeln? Soll ich Wandern gehen?<br />

Möchtest du mit dem Hund Gassi gehen? Sollen wir einen<br />

Campingausflug machen? (Nebenbei bemerkt: Der Herr gab<br />

dafür tatsächlich den 21. bis 24. April an). Sollen wir einen neuen<br />

Welpen kaufen?<br />

Das sind tatsächlich alles Fragen, die dem Herrn im Laufe des<br />

Buchs gestellt wurden. Nochmals: Ich habe Hochachtung vor<br />

dem Wunsch des Autors, Gott gehorsam <strong>zu</strong> sein. Aber warum<br />

gab der Herr uns einen Verstand und fordert uns so oft auf, Weisheit<br />

<strong>zu</strong> erlangen, wenn wir in Wirklichkeit nur eines tun sollen:<br />

den Herrn bitten, uns direkt <strong>zu</strong> sagen, was wir in Tausenden von<br />

nicht-moralischen Entscheidungen tun sollten?<br />

Abgesehen davon erinnere ich mich nicht, in dem Buch gelesen<br />

<strong>zu</strong> haben, wie dieses Orakeln von <strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong> eigentlich<br />

funktioniert, außer, dass wir Antworten »ausprobieren« und uns<br />

selbst viel hinterfragen. Mir tat der Autor unweigerlich leid, als<br />

er von seinem Reitunfall berichtete und sein Bedauern beschrieb,<br />

mit dem er danach leben musste: Er hatte zwar den Herrn befragt,<br />

ob er reiten gehen sollte, aber niemals gefragt, wo er reiten<br />

sollte. Er erinnerte sich daran, für die Pferde gebetet <strong>zu</strong> haben,<br />

hatte aber das Gefühl, »dass es nicht klappt«, ritt aber trotzdem<br />

weiter, weil er halt <strong>einfach</strong> wie jeder normale Mensch gern reiten<br />

wollte. Natürlich ist das eine fehlplatzierte Reue. Es ist eine<br />

gute Sache, vor jedem Aufsatteln für Sicherheit <strong>zu</strong> beten. Das<br />

bedeutet aber nicht, dass wir erst ein »alles klar«-Gefühl bekommen<br />

müssen, bevor wir <strong>los</strong>reiten. Würde Gott uns wirklich vor<br />

allen Unfällen bewahren, wenn wir nur genug für jede kleine<br />

<strong>Ein</strong>zelheit bitten und bei Tagesbeginn nur intensiv genug beten<br />

würden? Wenn etwas in unserem Leben schiefgeht, brauchen wir<br />

dann wirklich <strong>zu</strong>sätzlich noch dieses belastende Gefühl, dass alles<br />

hätte verhindert werden können, wenn wir nur <strong>Gottes</strong> <strong>Willen</strong><br />

besser erkannt hätten? Und wie wollen wir dann seinen <strong>Willen</strong><br />

überhaupt tun als allein dadurch, dass wir unser subjektives<br />

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Bauchgefühl ergründen, was zwangsläufig <strong>zu</strong> viel verzweifeltem<br />

Händeringen und Hinterfragen führen wird?<br />

Das verdeutlicht eine der großen Ironie an dem ganzen <strong>Willen</strong>-<strong>Gottes</strong>-Gerede<br />

unter Christen. Wenn es wirklich einen vollkommenen<br />

<strong>Willen</strong> <strong>Gottes</strong> gibt, den wir <strong>entdecken</strong> sollen und in<br />

dem wir grenzen<strong>los</strong>e Freiheit und Erfüllung finden können, warum<br />

scheint es dann, dass alle, die den <strong>Willen</strong> <strong>Gottes</strong> suchen, so<br />

versklavt und orientierungs<strong>los</strong> sind? Christus starb, um uns vom<br />

Gesetz <strong>zu</strong> befreien (Gal 5,1), warum also verkehren wir den <strong>Willen</strong><br />

<strong>Gottes</strong> in ein weiteres Gesetz, das in die Sklaverei führt? Und<br />

<strong>zu</strong> allem Übel ist dieses Gesetz obendrein für jeden individuell<br />

verschieden, unsichtbar und unlesbar, wohingegen das Gesetz<br />

Mose (was bereits schwer genug war) <strong>zu</strong>mindest objektiv, öffentlich<br />

und klar verständlich war. Was für eine Last! Von Gott <strong>zu</strong><br />

erwarten, dass er uns durch unsere subjektive Wahrnehmung für<br />

jede Alltagsentscheidung den <strong>Weg</strong> weist, ganz gleich wie trivial<br />

sie ist, ist nicht nur impraktikabel und unrealistisch – es ist ein<br />

Rezept für Enttäuschung und falsche Schuldgefühle. Und das ist<br />

wohl kaum das, was eine lebendige Beziehung <strong>zu</strong> Jesus ausmacht.<br />

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