Viel Brainware, wenig Papier: Mit einem klaren ... - Jos. Berchtold AG

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Viel Brainware, wenig Papier: Mit einem klaren ... - Jos. Berchtold AG

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Fallstudie: Innovatives Marketing an Messen

Viel Brainware, wenig

Papier: Mit einem klaren

Konzept zum Messeerfolg

Das Messemarketing des Schweizer

Marktleaders im Sektor der zertifizierten

Brandschutztüren und -elemente, Jos.

Berchtold AG und ihrer Tochterunternehmung

Delta Türsysteme AG, ist ganz auf

Return on Investment ausgelegt – nicht

kurzfristig, sondern langfristig. Die Erfüllung

höchster Anforderungen punkto Technologie

und Design wird deshalb an jeder

Swissbau mit einem besonders gestylten

Messeauftritt abgebildet, wobei die Unternehmens-

und Marketingziele als Wegmarken

gelten. Der vorliegende Fall ist ein

Musterbeispiel, wie selbst schwierig erklärbare

Produkte (Brandschutz) von ei-

Innovation Management | Nr. 2 | März 2010

nem KMU mit 50 Beschäftigten an einer

Messe inszeniert werden können.

Die Türe zum Markt

Für Viktor Bosshard und Felix Meier, Partner

von Berchtold/Delta, sind Leitmessen

wie die Swissbau eine wichtige Türe zum

Markt. Bosshard sagt: «Hier investieren

wir in unser Profil. Unser Standbau ist deshalb

immer sehr speziell und zeichnet sich

durch eine besondere architektonische Anmutung

aus. Dieses Konzept bedingt eine

gewisse Grösse, und das hat Folgen auf

Für ein professionelles Messemarketing

braucht es ein überzeugendes

Konzept als Basis.

Viel Brainware, wenig Papier!

Das folgende Fallbeispiel –

gesehen an der Swissbau 2010

– belegt, dass faszinierende

Messeauftritte auch für KMU

möglich sind.

Prof. Max W. Twerenbold

der Kostenseite. Aber die für ein KMU

doch beträchtlichen Investitionen lohnen

sich, denn Fachbesucher wollen unsere

Produkte nicht einfach als Muster sehen,

sondern in ihrer konstruktiven Umsetzung

betasten und sogar begehen können.»

Und Felix Meier ergänzt: «So entstehen

schliesslich die entscheidenden Impulse

für eine spätere Zusammenarbeit.»

«Ein Traummandat»

Konzipiert haben den Auftritt die beiden

Jungunternehmer Sven Bosshard und Bru-


Die realisierte Standarchitektur – inszeniert

als Teil der Live Communication.

no Zaugg von der Zürcher design-factory

gmbh mittels Visualisierungstechniken (siehe

Bilder), die bereits im Entwurfstadium

eine sehr realitätsnahe Vorstellung vom

Standprojekt vermittelten. «Die Auftraggeber

erteilten uns ein Traummandat», resümieren

sie. «Vorgegeben wurden uns nur

drei Eckgrössen – auf einer Fläche von 10

x 12 Metern mit klar begrenztem Budget

etwas Aussergewöhnliches schaffen, das

der Identität des Ausstellers entspricht.»

Design und Funktionalität

Das Resultat verblüffte in Basel punkto Design,

Funktionalität, Statik und Materialisierung.

Schon die Höhe des Standes vermittelte

dem Betrachter unübersehbare Präsenz

in der Halle und liess den Fachmann

statische Finessen erahnen. Auch die animierten

LED-Schriften, verdeckt eingebaut

im mit Holz furnierten Wandpanel und die

mit CNC-Technik eigengefertigten 3D-

Buchstaben erheischten Aufmerksamkeit.

Veredelte Anwendungen in Glas, Holz und

speziellen Metallen fanden im Messestand

zu einem spannungsvollen Kontext


zueinander. Klare, reduzierte Formen kontrastierten

mit dem ausgesuchten Material-Mix,

gaben dem Ganzen Halt und Ausdruckskraft.

Bemerkenswert dabei: Der

Stand war nicht einfach schön «designt»,

nicht bloss ein einmaliger Wurf für Basel.

Nein, der ganze Aufbau war ausschliesslich

aus marktbewährten Produkten und

aus Innovationen des Unternehmens geformt.

Die sinnige Bezeichnung «way10»

war Programm: Ein in sich verschränkter

multifunktionaler Tunnelgang am Punkt des

grössten Besucherstroms ebnete den Pfad

ins Standinnere. Auf dem Weg dorthin

wurde ein wesentlicher Teil des Know-how

von Berchtold/Delta erlebbar gemacht. Inszeniert

wurden die Systemlösungen in ih-

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rer Praxisfunktion, in ihrer materialtechnischen

Oberflächengestaltung und mit den

neuesten LED-Lichttechniken im (!) durchscheinenden

Holz. «Unmittelbare Erlebbarkeit

des Gezeigten in gehobener Ästhetik

zu präsentieren, ist uns in der Tat ein

allererstes Anliegen», betonen die Firmenchefs

Viktor Bosshard und Felix Meier,

«denn wir wollen mit unsern Kunden – vornehmlich

Architekten – auf Augenhöhe in

Dialog treten.»

Die Visualisierung der Gestaltungsidee

in 3D-Animation als Entscheidungsgrund lage

für die später erfolgte Realisierung. Die Animation

ist zu finden unter www.way10.com.

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Das 10 Punkte-Messekonzept von Berchtold / Delta

1. Die Kernbotschaft steht im Zentrum der

Kommunikation, getragen von der Unternehmensidentität.

Alle übrigen Messe-

Marketingaktivitäten sind mit der Kernbotschaft

verknüpft.

2. Der Transfer der Kernbotschaft auf die

Messeplattform erfolgt hoch professionell

und multimedial.

3. Idee, Strategie und Problemlösungen/

Service/Produkte werden eins zu eins

kommuniziert – wahrnehmbar und begreifbar.

Swissbau 2010: Design Awards für Top-Standbauten

Erstmals bewertete eine Fachjury die

Standbauten an der Swissbau als grösste

Schweizer Bau- und Immobilienmesse. Die

Stände der Firmen Walter Meier (Klima

Schweiz) AG und Schaerholzbau AG erhielten

an der Swissbau 2010 in Basel den goldenen

Design Award.

Es liegt auf der Hand, dass die Aussteller

der Schweizer Bauwirtschaft an der Swiss-

Kategorie über 80 Quadratmeter

1. Walter Meier (Klima_Schweiz) AG, Schwerzenbach

Kategorie unter 80 Quadratmeter

1. Schaerholzbau AG, Altbüron

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4. In den Messeauftritt wird gezielt investiert.

Entsprechend hoch sind die Erwartungen

bezüglich «Return-on-Messe».

5. Der Messeauftritt als Ganzes wirkt innovativ

und modern, hebt sich ab.

6. Die Standarchitektur hat optische Attraktivität

dank herausragenden Stand-Designs.

7. Die Standcrew zeigt gewandte Kommunikationsbereitschaft,

vermittelt eine

angenehme Standatmosphäre. Jedes

Crew-Mitglied weiss, wer wofür kom-

bau bei ihrem Auftritt vor Fachpublikum besonders

grossen Wert auf Konzept und Umsetzung

legen. Aus diesem Grund hat die

Swissbau den neuen Design Award lanciert.

Eine Fachjury um Köbi Gantenbein, Chefredaktor

von «Hochparterre», hat die Stände

bewertet. Bei den Ständen mit über 80 Quadratmetern

Fläche gewann der Auftritt der

Walter Meier (Klima Schweiz) AG, die goldene

Auszeichnung. Silber ging an den Schwei-

2. SIA, Schweiz. Ingenieur- und Architektenverein, Zürich

2. Siedle Electric AG, Basel

petent und zuständig ist. Die Besucher

werden auf der richtigen Ebene «abgeholt».

8. Die Crew ist auf die Beratung für Neu-

und Zusatzgeschäfte vorbereitet und

eingerichtet.

9. Gezielte Medienarbeit ist Teil des Messeauftritts.

10. Planung und Realisierung erfolgen konsequent

und detailliert – vor der Messe,

während der Messe und in der Nachbearbeitung.

zerischen Ingenieur- und Architektenverein

(SIA) und Bronze an die Bodenschatz AG.

Bei den Standbauten unter 80 Quadratmetern

heisst die Siegerin Schaerholzbau AG.

Silber gewann die Siedle Electric AG und

Bronze die Firma Sky-Frame R+G Metallbau

AG. Zudem vergab die Fachjury einen Anerkennungspreis

für den Auftritt der Trend Textil

AG in Möhlin.

3. Bodenschatz AG, Allschwil

3. Sky-Frame R+G Metallbau AG, Ellikon an der Thur


Erlebbare Innovationen

Die Präsentation der ausgestellten Produkte

und Innovationen richtete sich konsequent

an Fachbesucher aus dem In- und

Ausland, die sich über den neuesten

Stand der angewandten Technologie im

Sektor Brandschutz ein Bild machen wollen.

Der Stand selber war integrierter Teil

eines einfachen 10-Punkte-Messekonzepts

(siehe Box). Gebaut wurde der Messestand

aus den neusten Entwicklungen

des Unternehmens. Sie besteht aus folgenden

Elementen:

Rahmenlose Glaswand «Deltastar

Ei60».Die zertifizierte Wand widersteht

einer Normbefeuerung von 60 Minuten.

«Clearstar EI60»-Verglasung mit organischen

Interlayer «Bamboo»: Bei dieser

Neuerung werden organische Gegenstände,

zum Beispiel Pflanzen, in

ein Glas-Sandwich eingeschweisst. Die

Technik eröffnet Architekten völlig neue

Möglichkeiten der Raumgestaltung.

Wandpanele mit Fünf-Achs-CNC-Fräsung,

die in beliebigen Materialien (zum

Beispiel Bambus) Freiformen möglich

macht.

Hohe Ansprüche an das eigene Tun zu

stellen ist wichtig, die effektive Wahrnehmung

von aussen aber ausschlaggebend

für die Einschätzung des Messeerfolgs.

Die nüchterne Evaluation des Messeauftritts

ist deshalb Pflicht. Hier einige Stimmen

zur vorliegenden Case Study aus der

Architekturszene:

«An der Swissbau 2010 war das Niveau

der Standarchitektur recht unterschiedlich.

Als Fachperson erkennt man sofort,

wer den Stand selber gebaut und wer

sein Standkonzept zusammen mit einem

professionellen Dienstleister realisiert

hatte. Berchtold/Delta gehört zu dieser

zweiten Gruppe. Hier wurde die Botschaft

des Unternehmens in einer visuell reduzierten,

eigenen Formensprache kommuniziert.

Entstanden ist ein hochwertiger

Eindruck. Das spricht Architekten an.»

Hans Schibli, Stump & Schibli Architekten

BSA, Basel

Furniertes Wandpanel mit verdeckten

LED-Elementen. In dieser Holzwand

«lief» eine Leuchtschriftanimation. Die

Wand hat einen bis zu einem Millimeter

an die Oberfläche verdeckt angebohrten

Lichtkanal, wirkt deshalb hier durchscheinend.

Diese Innovation wurde erstmals

im Novartis Campus in Basel eingesetzt.

«Schwebende» Schiebetüre «Hoverstar

EI30»: Diese Brandschutztüre bewegt

sich ohne Decken- und Bodenführschiene.

Integrierte Drehtüre EI30.

Akzente setzen zudem die neuen, sehr

speziellen Oberflächenbeschichtungen

in «Kupfer».

Im Dialog zur Problemlösung

Selbst der Kommunikationsraum im Innern

des Standes stammte aus der eigenen

Entwicklung und Produktion. Er war

mit zwei von der design-factory neu gestalteten

Möbellinien ausgestattet:

Mit dem modularen «trek-System» lassen

sich unterschiedliche Möbeltypen –

Hocker, Tische, Bar, Regale – vielfältig

«Mir imponiert das grosse Engagement

vieler Firmen, sich an der Swissbau imagegerecht

zu präsentieren. Als Architekt

bewerte ich den Auftritt von Berch told/

Delta als gestalterisch sehr interessant,

insbesondere das neue Möbelsystem im

Standinnern oder die integrierte Drehtüre.

Man spürt augenfällig, dass hier vor

der Messe viel Konzeptarbeit geleistet

wurde.»

Niklaus Widmer, Felber Widmer Kim Architekten,

Aarau

«Es ist bekannt, dass das Zürcher Unternehmen

an seine eigenen Produkte sehr

hohe Qualitätsanforderungen stellt. Mit

der Art des Swissbau-Auftritts wurde diese

Philosophie eins zu eins reflektiert.

Deshalb empfand ich für die Präsentation

grosse Sympathie.»

Alain Porta, Architecte, Lausanne

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kombinieren. Die gewählten Dimensionen

und Radien signalisieren in jeder Variante

die verbindende Idee der Gestalter.

Die Linie «curve» kommt als Bartheke

daher, zum Beispiel mit integrierten

«unsichtbaren» Steckdosen oder mit

Glas-Screen für eine Rückwandprojektion

oder gar als Bio-Ethanol-Cheminée

mit eingebautem Brenner. Die Innenverkleidung

ist in Kupfer oder Chromstahl

wählbar.

Jüngste Testergebnisse im Brandschutzbereich

demonstrierten Objektbeispiele

aus dem Sektor historisch wertvoller Bauten

(etwa dem Bundeshaus) sowie aus

dem Sektor der modernen Büro- und Verwaltungs-Immobilien

(etwa Novartis Campus

Basel, Groupe scolaire de Satigny/GE,

Helvetia Versicherungen in St. Gallen).

Entscheidend wichtig für potenzielle Kunden

sind laut Viktor Bosshard nicht nur

schöne Objektbilder, sondern Tatbeweise:

«Aus diesem Grund belegen wir unser

Qualitätsverständnis stets mit Referenzen

und Kundenbewertungen.» im

Die Beteiligten

Stimmen zum Stand von Berchtold / Delta Jos. Berchtold AG, 8049 Zürich-Höngg

Viktor Bosshard, Partner

Tel. 044 341 23 00

info@josberchtold.ch

www.josberchtold.ch

Delta Türsysteme AG, 8049 Zürich

Tel. 044 340 23 35

info@deltatueren.ch

www.deltatueren.ch

design-factory gmbh, 8048 Zürich

Tel. 043 311 95 36

info@design-factory.cc

www.design-factory.cc

Kontakt

Prof. Max W. Twerenbold

Dozent und Berater für Wirtschaftskommunikation

9016 St. Gallen

Tel. 079 291 55 44

maxw.twerenbold@bluewin.ch

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