9783797707239_lp

verlagstadler2014

1. Jürgen Hald

Von der Steinzeit bis zu den Alamannen –

archäologische Funde in Radolfzell und den

Ortsteilen

Der Landkreis Konstanz gehört mit seinen etwa

1500 archäologischen Fundstellen zu den fundträchtigsten

Regionen in Südwestdeutschland. 1

Die Nähe zum Bodensee und die damit verbundenen

verkehrstopografischen Vorteile, die

Fischgründe des Unter- und Überlinger Sees

sowie die fruchtbaren Äcker des Hegaubeckens

boten zu allen Zeiten Siedlungsanreize für den

vor- und frühgeschichtlichen Menschen. Ebenso

waren der nördliche Hegau, die Höri mit

dem Schiener Berg und der Bodanrück bereits

früh vom Menschen besiedelt. Zahlreiche archäologische

Spuren zeugen auch in Radolfzell

und dessen Umfeld vom Leben, Wirken und

Sterben der frühen Bewohner des Hegaus,

welche die Grundlagen zur Entstehung unserer

heutigen Kulturlandschaft legten.

Während in der Kernstadt in erster Linie Zeugnisse

des Mittelalters und der Neuzeit das Fundbild

prägen (siehe Beitrag Weber-Jenisch),

sind ältere Siedlungsspuren mehrheitlich aus

den Ortsteilen bekannt.

Steinzeitliche Siedler am See und

im Hinterland

Bereits vor etwa 15000 Jahren suchten Rentierund

Wildpferd-Jägergruppen am Ende der Würmkaltzeit

regelmäßig ihre Jagdstationen entlang

der ehemaligen Gletscherränder im westlichen

und nördlichen Hegau, einer damals

baumfreien Tundrenlandschaft auf. In Höhlen

wie dem „Petersfels“ bei Engen und dem „Kesslerloch“

bei Thayngen haben sie eindrucksvolle

Artefakte in Form von Kleinplastiken und

kunstvoll verzierte Knochenobjekte, die zu den

ältesten Belegen künstlerischen Schaffens in

Südwestdeutschland gehören, hinterlassen.

Spuren dieser sogenannten Magdalénienkultur

kennen wir aus Radolfzell und seinem unmittelbaren

Umfeld bislang nicht.

Um 11500 v. Chr. änderte sich mit der Erwärmung

und der damit einsetzenden Bewaldung

auch die Ernährungsgrundlage dieser Menschen.

Nach und nach mussten nun nicht mehr

die großen Herden von Rentier und Wildpferd,

sondern die Tiere des Waldes, neben dem

Sammeln von Beeren, Nüssen und Wildpflanzen,

das Überleben sichern. Eine der wenigen

bekannten Fundstellen dieses Abschnitts der

ausgehenden Altsteinzeit liegt am „Sibach“

nördlich von Radolfzell. Dort konnten Feuersteinwerkzeuge

aufgesammelt werden, die

von einem Jägerlager des Spätpaläolithikums

stammen dürften. 2

1 Einen breiten Überblick zur Ur- und Frühgeschichte im Landkreis Konstanz bietet: Hald, Jürgen und Kramer, Wolfgang (Hg.): Archäologische Schätze im Kreis

Konstanz. Hegau-Bibliothek Band 147. Hilzingen 2011.

2 Schlichtherle, Helmut: Exotische Feuersteingeräte am Bodensee. In: Plattform. Zeitschrift des Vereins für Pfahlbau- und Heimatkunde 3,

Unteruhldingen 1994, S. 46 f.

13

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine