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1 Jürgen Hald: Von der Steinzeit bis zu den Alamannen 33 31 12 32 10 6 1 8 3 2 26 5 4 7 28 27 24 9 21 19 16 29 23 30 17 20 18 13 15 22 14 11 25 Kartierung der wichtigsten ur- und frühgeschichtlichen Fundstellen von Radolfzell und seinen Ortsteilen (nummeriert) sowie zeitgleicher Fundstellen in den angrenzenden Gemarkungen (ohne Nummer). Böhringen: 1 B33/Friedhofstraße, 2 Einstand, 3 Öhmdwiesen, 4 Reutehof, 5 Kreuzbühl, 6 Rickelshausen, 7 Ried, 8 Seebühl; Güttingen: 9 Kirchental, 10 Mooshalde; Liggeringen: 11 Hart, 12 Hügelstein, 13 Kuhbühl, 14 Obere Breitenäcker; Markelfingen: 15 Hornhalde, 16 Kleine und Große Espen, 17 Sandäcker, 18 Stüdle, 19 Zeller Ried, 20 Litzelsee, 21 Spitzäcker/Lerchental, 22 Schlafbach; Möggingen: 23 Storchenweg; Radolfzell: 24 Badeanstalt, 25 Scheffelschloss, 26 Schiedelen/ Tenn; 27 Tenn, 28 „beim Sibach“, 29 St. Wolfgang; 30 „beim Steinzeitdorf“; Stahringen: 31 Marktbach, 32 Oberes Weidfeld, 33 Schlosshalde. Uferrandsiedlung der Jungsteinzeit (4./3. Jt. v. Chr.) steinzeitliche Fundstellen (ca. 12000 – 2200 v.Chr.) bronzezeitliche Fundstellen (ca. 2200 – 850 v.Chr.) eisenzeitliche Fundstellen (ca. 850 – 100 v.Chr.) römische Fundstellen (ca. 80 – 265 n.Chr.) spätantike/frühmittelalterliche Fundstellen (ca. 400 – 800 n.Chr.) undatierte Fundstellen Grabhügel Grabfunde Lesefunde Feuersteingeräte Siedlung Hortfund Einzelfund 12

1. Jürgen Hald Von der Steinzeit bis zu den Alamannen – archäologische Funde in Radolfzell und den Ortsteilen Der Landkreis Konstanz gehört mit seinen etwa 1500 archäologischen Fundstellen zu den fundträchtigsten Regionen in Südwestdeutschland. 1 Die Nähe zum Bodensee und die damit verbundenen verkehrstopografischen Vorteile, die Fischgründe des Unter- und Überlinger Sees sowie die fruchtbaren Äcker des Hegaubeckens boten zu allen Zeiten Siedlungsanreize für den vor- und frühgeschichtlichen Menschen. Ebenso waren der nördliche Hegau, die Höri mit dem Schiener Berg und der Bodanrück bereits früh vom Menschen besiedelt. Zahlreiche archäologische Spuren zeugen auch in Radolfzell und dessen Umfeld vom Leben, Wirken und Sterben der frühen Bewohner des Hegaus, welche die Grundlagen zur Entstehung unserer heutigen Kulturlandschaft legten. Während in der Kernstadt in erster Linie Zeugnisse des Mittelalters und der Neuzeit das Fundbild prägen (siehe Beitrag Weber-Jenisch), sind ältere Siedlungsspuren mehrheitlich aus den Ortsteilen bekannt. Steinzeitliche Siedler am See und im Hinterland Bereits vor etwa 15000 Jahren suchten Rentierund Wildpferd-Jägergruppen am Ende der Würmkaltzeit regelmäßig ihre Jagdstationen entlang der ehemaligen Gletscherränder im westlichen und nördlichen Hegau, einer damals baumfreien Tundrenlandschaft auf. In Höhlen wie dem „Petersfels“ bei Engen und dem „Kesslerloch“ bei Thayngen haben sie eindrucksvolle Artefakte in Form von Kleinplastiken und kunstvoll verzierte Knochenobjekte, die zu den ältesten Belegen künstlerischen Schaffens in Südwestdeutschland gehören, hinterlassen. Spuren dieser sogenannten Magdalénienkultur kennen wir aus Radolfzell und seinem unmittelbaren Umfeld bislang nicht. Um 11500 v. Chr. änderte sich mit der Erwärmung und der damit einsetzenden Bewaldung auch die Ernährungsgrundlage dieser Menschen. Nach und nach mussten nun nicht mehr die großen Herden von Rentier und Wildpferd, sondern die Tiere des Waldes, neben dem Sammeln von Beeren, Nüssen und Wildpflanzen, das Überleben sichern. Eine der wenigen bekannten Fundstellen dieses Abschnitts der ausgehenden Altsteinzeit liegt am „Sibach“ nördlich von Radolfzell. Dort konnten Feuersteinwerkzeuge aufgesammelt werden, die von einem Jägerlager des Spätpaläolithikums stammen dürften. 2 1 Einen breiten Überblick zur Ur- und Frühgeschichte im Landkreis Konstanz bietet: Hald, Jürgen und Kramer, Wolfgang (Hg.): Archäologische Schätze im Kreis Konstanz. Hegau-Bibliothek Band 147. Hilzingen 2011. 2 Schlichtherle, Helmut: Exotische Feuersteingeräte am Bodensee. In: Plattform. Zeitschrift des Vereins für Pfahlbau- und Heimatkunde 3, Unteruhldingen 1994, S. 46 f. 13