Das Buch des Heilens_ Der große Ratgeber - Berndt Rieger

conspirathy

Das Buch des Heilens der große Ratgeber

Dr. med. Berndt Rieger

Das Buch des Heilens

Der große Ratgeber


Inhalt

Die Heilkunst Europas: (Die Säftelehre,

Typologie und Rezepte, Rosenkranz,

Hildegard, Mythologie der Runen)

Phlegmatiker

Sanguiniker

Choleriker

Melancholiker

Runen

Kraft und Balance der Elemente: (Geist,

Seele, Körper nach den Elementen,

Rezepte, wie man die Elemente zum

Heilen einsetzt. Europäisches Feng-Shui,


Astrologie nach dem Jahreskreis)

Europäisches Feng Shui

Astrologie nach den Elementen

Hexen, Alchemisten, Homöopathen:

(Über Gifte und Rauschdrogen,

Paracelsus, Signaturenlehre,

Homöopathie nach der Signaturenlehre)

Signaturenlehre

Materia medica (alle Heilmittel

systematisiert nach der Signaturenlehre)

Aus der Praxis: (Fragen zu

verschiedenen Themen wie Fasten,

Entschlacken, Rheuma, Krebs)


Einleitung

In diesem Buch möchte ich alles sagen,

was es zum Thema des Heilens aus

europäischer Sicht zu sagen gibt. Es gibt

hier zwei große Systeme, mit denen

Arzneien eingeteilt und bei der

Behandlung von Krankheiten verwendet

werden. Eines ist die von der

Klostermedizin ausgeübte

Elementelehre, die sich auf die Kraft der

Elemente der Natur besinnt. Diese

Kräfte gehen beispielsweise in das

Wesen von Heilpflanzen ein und können

nach dem Gegensatzprinzip Krankheiten

durch Ausgleichen einer Dysbalance von

Wärme und Kälte und Feuchtigkeit und


Trockenheit im Körper heilen. Das

zweite Behandlungsprinzip ist die

Signaturenlehre der Hexen, Schamanen,

Homöopathen, Anthroposophen. Sie

vertreten die Vorstellung einer

Schwingung, die sich zwischen Arznei

und Erkranktem aufbauen muss. Das

geschieht aufgrund einer „Ähnlichkeit“

zwischen Geist, Seele und Körper des

Menschen und dem Wesen der Arznei,

eine kreative Spannung, die dem

Menschen dabei hilft, seinen

persönlichen Weg aus der Krankheit zu

finden.

Entnehmen Sie diesem Buch konkrete

Handlungsanweisungen bei der Arbeit

als Heilpraktiker, als Arzt, als

Naturheiler – vor allem aber auch als


Einsteiger. Sie werden hier zahlreiche

Rezepte der Phytotherapie kennen lernen

und auch die Arzneien der Homöopathie

von Grund auf neu verstehen und nutzen

lernen.


Erstes Buch: Die

Heilkunst Europas

Wir Europäer müssen uns unserer

traditionellen Medizin nicht schämen.

Sie ist genauso alt und weise wie die

heute so beliebte und geachtete

Traditionelle Chinesische Medizin oder

das Ayurveda. Tatsächlich ist es sehr

wahrscheinlich, dass alle drei die

gleiche Wurzel irgendwo in grauer

Vorzeit haben - denn ihre Ansichten über

das Leben und das Wesen der

Krankheiten ähneln einander bis zur

Kenntlichkeit und stehen einander an

Einsicht und Klugheit in nichts nach. Der


Unterschied liegt allerdings darin, dass

uns die Gedankenabläufe der

europäischen Medizin näher und oft auch

leichter verständlich sind.

Ein anderer wichtiger Unterschied

zwischen der asiatischen und

europäischen Tradition liegt in der

Innovationstüchtigkeit unserer Vorfahren,

deren Schattenseite mangelnder Respekt

vor alten Weisheiten und eine

Vielstimmigkeit ist, die von einem

unabhängigen Beobachter leicht als

chaotisch und letztlich zweifelhaft

eingestuft werden könnte. Denn keine

Kultur der Welt hat sich jemals die

geballte Kritik geleistet, mit der sich bei

uns Heilmethoden seit Jahrhunderten

gegenseitig bekämpfen und


herabwürdigen. Wenn man zum Beispiel

die Beschreibungen der Säftelehre

Galens in Büchern und Broschüren liest,

könnte man den Eindruck gewinnen,

noch vor hundert Jahren seien Patienten

von ahnungslosen, einer Irrlehre

verfallenen Ärzten mittels

Abführmethoden, Aderlässen und

ähnlichem reihenweise ermordet

worden. Tatsächlich aber ist es so, dass

sich die Säftelehre zu Recht seit

Tausenden von Jahren in der Medizin

durchgesetzt hat aus einem einfachen

Grund: Weil sie – richtige Anwendung

vorausgesetzt – fundiert, weise und

wirksam ist und unzähligen Menschen

bis zum heutigen Tag geholfen hat.

Dass wir diese und viele andere


interessante Heilmethoden seit der

industriellen Revolution zunehmend

unter dem Oberbegriff „Naturheilkunde“

ins Schmuddeleck der Medizin stellen,

ist historisch überholt, wenig sinnvoll

und stellt auch der hohen

zivilisatorischen Stufe, die wir

erklommen haben, kein gutes Zeugnis

aus. Ohne Basis und Tradition ist

nämlich, wie wir heute tagtäglich

verfolgen müssen, auch die technisch

ausgereifteste Medizin nur selten

wirklich heilsam. Eine der Diagnostik

verfallene und sich auf die

Verabreichung von chemischen

Einzelsubstanzen beschränkende

Medizin verdient den Namen nicht mehr.

Und wenn sich diese Pharmamedizin in


zunehmendem Maß darauf beschränkt,

Arzneien wie Alcopops oder

Gummibärchen im Fernsehen als

Lifestyle-Drogen vorzustellen, ohne sie

überhaupt noch in ein

Behandlungssystem einbauen oder

kritisch würdigen zu wollen, ist nicht nur

das Ende jeder Schulmedizin sondern

auch jeder Heilkunst erreicht.

Was wir heute als Schulmedizin

bezeichnen, verdient den Namen

wirklich nicht mehr, denn Schule ist

ohne ein Bewusstsein von Tradition

unmöglich. Stellen Sie sich vor, ein

Treibstoff, der nur einen gewissen

Prozentsatz der Autos eine kurze Strecke

weit bringen würde, und bei einer

Minderheit die Autos explodieren ließe,


würde das heute verkaufte Benzin

ersetzen. Stellen Sie sich weiter vor,

dieser neue Treibstoff, der pro Liter 100

Euro kostet, würde im Fernsehen

tagtäglich angeboten als Wundermittel,

mit dem man mit unbeschränkter

Geschwindigkeit beliebig weit fahren

könnte, bevor man im Abspann im

hastigen Tonfall hinzufügt: „Über

Risiken und Nebenwirkungen berät Sie

Ihr Tankwart.“ Dann stellen Sie sich vor,

Ihr Tankwart würde, nachdem Ihr Wagen

explodiert ist, Ihren Nachkommen

mitteilen, es liege nicht am Treibstoff,

der Wagen sei eben defekt gewesen, und

das sei ganz normal. Und wenn Sie

dauernd abgeschleppt werden müssten,

weil Ihr Motor vom neuen Treibstoff


immer wieder ausfällt, würde der

Tankwart sagen, es läge an Ihrer

Fahrweise. Und dann stellen Sie sich

noch vor, woanders würde noch Benzin

verkauft, den dieser Motor Auto ohne

Probleme verträgt, aber alle Welt würde

behaupten, Benzin sei wirklich das

letzte, nämlich sowohl wirkungslos wie

auch gefährlich – dann haben Sie die

Parallele zum derzeitigen Wahnsinn des

europäischen Gesundheitssystems, und

Sie erkennen, was wir an Heilkunst

verloren haben. Ganz davon abgesehen,

dass eine Medizin, die sich auf

chemische Abläufe im Körper reduziert,

nur einen Bruchteil der wirklichen

Medizin darstellt und durch irgendetwas

ergänzt werden muss. Das erklärt,


warum der europäische Mensch, wenn

er vom Pillen poppen genug hat, gern

nach asiatischem Vorbild meditiert oder

seine Gesundheit in einem ganzheitlichen

asiatischen Konzept sucht – aus Not und

Unkenntnis darüber, das es in seiner

eigenen Kultur Meditation und

Ganzheitlichkeit in einer vertrauteren

Form ebenso gibt.

Seine Zweifel äußern und Kontroversen

aushalten zu können gehört durchaus zu

den Tugenden unserer Kultur und sind

die Erklärung für die atemberaubende

Entwicklung unserer Wissenschaften auf

geisteswissenschaftlichem und

naturwissenschaftlichem Gebiet. Das

dauernde Heruntermachen von

wissenschaftlichen Gegnern hat auch


über die Jahrhunderte erneuernd

gewirkt. Dabei ist aber auch unendlich

viel Wissen verloren gegangen. Erst in

den letzten Jahrzehnten wurde damit

begonnen, die Hunderttausende von

mittelalterlichen Handschriften in den

alten Klosterbibliotheken Europas zu

sichten. Erst in den letzten Jahrzehnten

wurde damit begonnen, hinter die

Verleumdungen zu blicken, mit denen

zum Beispiel die großartigen

Erkenntnisse eines Paracelsus einseitig

dargestellt, bewusst missverstanden und

der Lächerlichkeit preisgegeben wurden,

um das eigene ärztliche Tun zu

rechtfertigen.

Ein weiteres häufiges Missverständnis

bezüglich der europäischen Heilkunst


liegt darin, dass man all das, was vor

der Aufklärung passierte, als geistig

minderwertig empfunden hat – die

„Dunkelheit“ des Mittelalters, die

„Primitivität“ der alten europäischen

Kulturen, die keine Schriftzeugnisse

hinterlassen haben, die

„Verkommenheit“ des Altertums.

Tatsächlich aber kann man davon

ausgehen, dass in Europa schon vor

Jahrtausenden ein ziemlich klares Bild

über die Heilkunst herrschte. Zu groß

sind die Übereinstimmungen zwischen

dem damals in China Aufgeschriebenen

und in Indien Überlieferten. Der

wesentliche Unterschied ist nur der, dass

es bei uns durch Völkerwanderung und

kirchliche Zensur eine offiziell


eduzierte, einseitige Übermittlung gab,

die Wesentliches einfach unter den Tisch

fallen ließ.

In unserer Medizin wurde seit vielen

Jahrhunderten viel gestritten - und dieser

Streit hat uns so unterschiedliche

Heilmethoden beschert wie das

Einsetzen von Herzklappenprothesen,

die Homöopathie oder die

Psychoanalyse. Gelänge es uns, aus

dieser Vielstimmigkeit ein gemeinsames

Heilkonzept zu formen, hätten wir eine

Medizin an der Hand, die durch ihre

Vielseitigkeit, ihre Unerschöpflichkeit

und Effektivität einmalig in der

Geschichte der Menschheit dasteht und

jedem Kranken Hilfestellungen auf dem

Weg zur Gesundheit bieten kann. Dieses


Wissen zu nutzen, es zu bündeln und

ohne Eifer oder Parteilichkeit

anzuwenden, das ist unsere Aufgabe, die

zu großen Teilen noch zu leisten ist –

aber geleistet werden muss, um

Fehlentwicklungen zu vermeiden.

In diesem Buch soll die Betonung auf

den drei wichtigsten Heilkonzepten der

westlichen Welt liegen, um eine

gedankliche Grundlage zu legen. Das

erste steht zumindest gleichberechtigt

neben dem indischen Ayurveda: Die

Klostermedizin, die aus der Säftelehre

Galens und auf christlicher Grundlage

ein konstitutionelles Heilkonzept

entwickelt hat, dessen Hauptsäulen

Meditation, Fastenlehre und

Kräuteranwendungen bilden. Eine


Spätentwicklung dieser Therapierichtung

ist die Gesundheitslehre des Sebastian

Kneipp, die trotz großer Erfolge für die

Volksgesundheit heute nach

hundertfünfzig Jahren trotz zahlreicher

Vereine schon wieder vergessen zu

werden droht.

Das zweite ist die Hexenmedizin, deren

Hauptelemente das Streben nach

anarchischer Freiheit und das Leben im

Einklang mit der Natur sind. Die

fanatische Bekämpfung der Hexen im

Mittelalter durch die Obrigkeit - ein im

Wesentlichen deutsches Phänomen,

dessen Kerntäter Mönche waren - führte

nicht nur zu 9 Millionen Toten in Europa,

sondern auch zum Versuch, das Wissen

der Hexen im Bewusstsein der


Menschheit auszulöschen. Dieser

Versuch wurde meist mit milderen

Mitteln seit Anbeginn der Menschheit

unternommen und bis zum heutigen Tag

fortgesetzt, denn der Kern des

Hexenwissens sind Aufputschmittel,

bewusstseinserweiternde Drogen und

empfängnisverhütende und abtreibende

Arzneimittel. Aus der Hexenkunst ist die

Paracelsusmedizin gekommen, und sie

hat auch ihre Ausformungen in der

anthroposophischen Medizin und der

Homöopathie gefunden. Begründet von

Paracelsus zu Beginn des 16.

Jahrhunderts, legte sie anfänglich großen

Wert auf eine im Wesentlichen aus

germanisch-keltischer Tradition

erwachsenen Signaturenlehre, die auch


die Hexenmedizin des Mittelalters

dominierte. Der Ansatz scheint auf den

ersten Blick etwas primitiv. Wenn etwas

gelb war, half es womöglich gegen

Gelbsucht (was übrigens häufig der Fall

ist) oder gegen gelbliche Schleimbildung

im Körper (was noch häufiger stimmt).

Die Neuerung des Paracelsus lag darin,

dergleichen intuitive Weisheiten durch

wissenschaftliche Forschungen, die weit

über diesen Ansatz hinausgingen, in

Einzelfällen bestätigen oder verwerfen

zu können. Durch seine Arbeit wurde er

somit zum Begründer der heutigen

Schulmedizin ebenso wie einiger

alternativer Heilmethoden. So gehen alle

therapeutischen Bestrebungen, durch

lokale chemische Einwirkungen


Krankheitsprozesse umstimmen zu

wollen, auf Paracelsus zurück. Das gilt

für so unterschiedliche Konzepte wie

die Chemotherapie bei Krebs, die

Neuraltherapie nach Huneke oder die

Gabe von Antibiotika oder Corticoiden

bei Entzündungsprozessen. Das

systematische, wissenschaftliche

Vorgehen des Paracelsus wurde zwei

Jahrhunderte später von Friedrich

Samuel Hahnemann, dem Begründer der

Homöopathie, übernommen, der mit

Heilsubstanzen Arzneimittelprüfungen

durchführte und damit die Basis für die

heutigen wissenschaftlichen

Untersuchungsmethoden in einer Zeit

legte, in der die sogenannte

Schulmedizin noch ganz der Tradition


verpflichtet war und eigene

Untersuchungen ablehnte. Die

Entdeckung Hahnemanns, dass durch

Verdünnung und Schütteln einer Substanz

mit einer Trägerlösung ein erhöhtes

Energieniveau von Arzneimitteln

erreicht wird, bildet heute die Basis

anderer Heilmethoden wie der

Kinesiologie und jeder anderen Form

von Energiearbeit. Seither in

Zeitungsartikeln immer wieder gern als

Medizin des „Moleküls im Bodensee“

verhöhnt, wird von Physikern längst

zugegeben, dass Materie auf Atombasis

nur aus Energiezuständen, nicht aus

Materie, besteht.

Was nun von der europäischen Medizin

„Schulmedizin“ oder


„Alternativmedizin“ ist, wird je nach

Jahrhundert vom Zeitgeschmack

beantwortet. Es ist davon auszugehen,

dass die heutige Richtung der elektiven

Eingriffe im Bereich von Gefäßen oder

Nerven und die gezielte Unterdrückung

von Krankheitssymptomen mittels

chemischer Substanzen im nächsten

Jahrhundert als Ausdruck einer

allgemeinen gesellschaftlichen

Fehlentwicklung gesehen werden und

mit Heilkonzepten ersetzt werden wird,

die der Homöopathie oder

anthroposophischen Medizin ähneln. In

der Regel hat die Therapieform, die sich

in der europäischen Geschichte

durchsetzt, selten etwas mit

Überlegenheit als Methode zu tun,


sondern ist immer ein Spiegelbild

gesellschaftlicher Verhältnisse.

Mann kann aber heute schon sagen: Alle

Ausformungen der europäischen Medizin

sind für sich wertvoll, müssen kritisch

gewichtet und sorgsam angewandt

werden. Man kann Patienten mit einem

guten Wort genauso heilen wie mit einem

Herzkatheter. Mann kann Patienten mit

homöopathischen „Liebesperlen“

genauso heilen wie mit Cortison. Die

Heilmethode bestimmt nicht die Aussicht

auf Heilungschance, sondern ein genaues

Verständnis des Wesens der Krankheit,

die Natur ihres Entstehens, das Stadium

der Krankheit und der Charakter des

Erkrankten. Der europäische Arzt kann

erst dann, wenn er all das verstanden


hat, mit der Therapie beginnen. Dann hat

er aber auch einen historisch gesehen

einmaligen Schatz an

Behandlungsmöglichkeiten zu seiner

Verfügung und kann heroische

Maßnahmen wie das Dehnen von

verstopften Schlagadern mittels

Kathetertechnik, das Verplatten

zerbrochener Knochen nach einem

Verkehrsunfall oder die Entfernung eines

Hirntumors mittels Laserchirurgie mit

sanft regulierenden Methoden

kombinieren, die wir in diesem Buch

zum Eigengebrauch in weit weniger

schwerwiegenden Fällen vorstellen

wollen.


TCM, TEM, TTM, Ayurveda & Co:

Die Traditionelle Medizin der

Hochkulturen im Vergleich

Entweder unsere fernen Vorfahren waren

sehr weise und kamen deshalb zu so

ähnlichen Betrachtungsweisen, oder es

gibt einen gemeinsamen Gott, der diese

Zusammenhänge in Visionen mitteilte,

oder es stimmt die Vermutung eines

Däniken, dass Besucher aus dem Weltall

dergleichen einer staunenden Menschheit

offenbarten – wählen Sie die Version

aus, die Ihnen davon am Besten gefällt.

In jedem Fall werden Sie aber zugeben

müssen, dass die medizinische Tradition

des europäischen und asiatischen

Kontinentes wahrscheinlich eine


gemeinsame Wurzel hat. Die

Übereinstimmungen der einzelnen

Therapiekonzepte, die alle Jahrtausende

alt sind, verblüffen den Betrachter.

Nehmen wir als erstes die Traditionelle

chinesische Medizin. Die erste Schrift

mit den Grundlagen stammt aus der

Periode der Kriege, einige Jahrhunderte

vor Christus, dem „Huang Di Nei Jing“.

Archäologische Funde beweisen

medizinische Akupunkturanwendungen,

die womöglich zehntausend Jahre

zurückgehen. Das Grundprinzip des Yin

und Yang besagt, dass alles auch ein

Gegenteil hat, und jedes den Keim

seines Gegenteils in sich trägt. Die Welt

ist ein harmonisches Miteinander dieser

Polaritäten. Dann gibt es die fünf


Wandlungsphasen, basierend auf den

fünf Elementen: Holz, Feuer, Erde,

Metall und Wasser. Sie merken schon:

Wo andere vier sehen, wird in China

gern fünf gesehen. Alle anderen Kulturen

kennen vier Elemente, vier

Windrichtungen, vier Jahreszeiten, etc.

In China wird Metall von der Erde

geschieden, eine Himmelsrichtung

„Mitte“ eingeführt, den Jahrzeiten eine

„Übergangszeit“ zugeordnet. Das Kreuz

ist eines der Ursymbole, in China zählt

der Kreuzungspunkt in der Mitte dazu.

Ein Vorteil ist dieses Denken in fünf

Dingen beim Geschmack, wo man sauer,

bitter, süß, scharf und salzig hat, oder

bei den Sinnen Auge, Zunge, Mund,

Nase und Ohr. Jedes Körperorgan gehört


von Natur aus zu einem der fünf

Elemente.

Auch das etwa vier Jahrtausende alte, im

Sanskrit überlieferte Ayurveda, das

indische „Wissen vom Leben“, kennt

fünf Elemente. Das Metall wird dort

aber vom „Äther“ oder dem „Raum“

ersetzt und dazu benutzt, alles in drei

Dinge einzuteilen. So vermischen sich

Raum und Luft zum Vata, Feuer und

Wasser zu Pitta und Wasser und Erde zu

Kapha, den drei Doshas, die alle drei in

mehr oder minder großer Ausprägung in

einem Menschen vorhanden sind und

seinen Charakter und seine körperlichen

Eigenschaften definieren. Die

Geschmacksrichtungen werden dann zum

Beispiel ebenso gebündelt: Bittersüß,


Sauerscharf und Salzigzusammenziehend.

Die

Ausscheidungsprodukte des Körpers

sind die drei Malas.

Wie sich mit der Zeit und durch

räumliche Distanz Spielarten dieser

Heilmethoden entwickeln können,

erkennen wir bei der traditionellen

tibetischen Medizin, die zumindest seit

dem 7. Jahrhundert nach Christus besteht

und die Zeit Buddhas zurückgeführt

wird. Es gibt fünf Elemente: Erde,

Wasser, Feuer, Wind und Äther. Die

Elemente vereinen sich zu drei Säften:

Wind, Galle und Schleim. Der Wind

verbindet das Bewusstsein mit dem

Körper und beherrscht das Nerven,

Hormon- und Immunsystem und die


Psyche. Die Galle reguliert Verdauungsund

Stoffwechselvorgänge, und der

Schleim die Körperflüssigkeiten. Auch

bei den Krankheitsursachen herrscht eine

Drei-Säfte-Lehre vor. Krankheit entsteht

durch: Die Begierde nach der Erfüllung

des Lebensdurstes, den Widerwillen

oder Hass gegen alle Hindernisse, die

dieser Erfüllung entgegenstehen und die

Verblendung, die sich als Ich-Wahn

manifestiert. Wie im Ayur-Veda oder der

chinesischen Medizin kann man die

Krankheit durch Pulsdiagnose erkennen.

Wo der Chinese einen Überschuss oder

Mangel an Yin oder Yang herausfühlt,

ertastet der ayurvedische Arzt ein

Ungleichverhältnis von Vata, Pitta und

Kapha und der tibetische Arzt eine


Störung eines oder mehrer Säfte.

Die traditionelle europäische Medizin

geht auf die ägyptische und babylonischassyrische

Kultur zurück, die etwa so alt

ist wie das Ayurveda. Krankheit wird in

der babylonisch-assyrischen Kultur als

göttliche Strafe dargestellt, durch

Dämonen verursacht und kann durch

Exorzismus ausgetrieben werden. Die

Heilung ist also ein Reinigungsprozess.

Somit ist die ärztliche Kunst der

Babylonier von Anfang an auf einen Gott

hin ausgerichtet, der später in der

jüdischen, christlichen und muslimischen

Tradition menschliches Vorbild wird.

Der Mensch trägt einen göttlichen

Funken in sich und wird damit aus der

Natur herausgelöst. Diese Vorstellung


trennt die traditionelle Medizin Europas

und Vorderasiens von fernöstlichen

Traditionen. Ohne diese babylonische

Wurzel ist die christliche

Klostermedizin des Mittelalters

undenkbar. Die babylonischen Schriften

stellen die ältesten medizinischen

Aufzeichnungen überhaupt dar. Sie

stammen aus der Zeit des Königs

Assurbanipal, sind 4000 Jahre alt und in

Keilschrift auf Tontafeln geschrieben. Es

handelt sich dabei um eine erste Materia

medica, eine Darstellung der Wirkweise

von etwa 250 pflanzlichen und 120

mineralischen Arzneimitteln.

Die zweite Wurzel der europäischen

Medizin liegt in Ägypten. Der berühmte

Arzt Imhotep, der später als Gott verehrt


wurde, lebte 2600 vor Christus, also vor

rund 4600 Jahren. Das Papyrus Ebers

wurde vor 3500 Jahren geschrieben und

listet mehr als 700 Heilpflanzen auf,

darunter zum Beispiel Knoblauch und

Mohn, aus dem das Opium gewonnen

wird. In dieser ersten erhaltenen

ägyptischen Schrift wird detailliert über

Arzneien gesprochen, die

empfängnisverhütend wirken können.

Ihre Effektivität kann sich mit der großen

Entdeckung der sechziger Jahre, der

„Pille“, durchaus messen. Auch die

griechische medizinische Tradition soll

sehr alt sein. Als Hippokrates um

vierhundert vor Christus - etwa zur

gleichen Zeit der ältesten chinesischen

Aufzeichnungen - seine zahlreichen


naturwissenschaftlichen Schriften

vorlegte, sprach er von einer uralten

Tradition, die bis zum Gott Apollon

zurückgeht. Dieser sei der Schöpfer der

griechischen Materia medica, in dem die

Wirkweise von Heilpflanzen

beschrieben wird. Der „Corpus

hippocraticum“ beinhaltet etwa 400

pflanzliche Arzneien. Im ersten

Jahrhundert nach Christus erweiterte

Dioskorides aus Kilikia diesen Kanon

auf 600 Heilpflanzen. Wenn es darum

ging, wie man Menschen heilen soll,

stand die Ernährungslehre im

Vordergrund. Dabei waren die vier

Elemente Wasser, Luft, Feuer und Erde

zu berücksichtigen, die im Körper durch

vier verschiedene Säfte, Blut, Phlegma,


gelbe Galle und schwarze Galle,

repräsentiert werden. Außerdem gibt es,

wie Galenus von Pergamon im 2.

Jahrhundert nach Christus ausführte,

einen Zusammenhang zwischen dem

Überwiegen einer Flüssigkeit und dem

Charakter eines Individuums, wonach es

Sanguiniker, Phlegmatiker, Choleriker

und Melancholiker gebe. Gesundheit

ergebe sich aus der Regulierung der drei

Verdauungsprozesse, bei denen aus

Chylus Galle und aus Galle Blut werde,

das mit Atem vermischt würde. Galens

Beeinflussung der Körpersäfte mittels

verschiedener Methoden zeitigte derartig

verblüffende Heilerfolge, dass er aus

dem fernen Pergamon in der heutigen

Türkei als Leibarzt des römischen


Kaisers nach Rom gerufen wurde.

Wir sehen schon: Alle traditionellen

Heilmethoden der Hochkulturen

berücksichtigen die Elemente, benutzen

Zahlenmystik, um ihr Zusammenspiel zu

erklären und führen Krankheiten auf ein

Ungleichgewicht von Kräften zurück.

Die einzige Ausnahme bildet die

babylonisch-assyrische Medizin mit dem

Gedanken, dass das Verhältnis zu Gott

ganz wesentlich unser Wohl und Wehe

bestimmt und auch bei der Heilung

berücksichtigt werden muss. Dieses

Prinzip hat die Medizin des Mittelalters

geprägt und war bis vor hundert Jahren

ein wesentliches Element jeder

Heilsbestrebung. Durch die zunehmende

Verweltlichung der Gesellschaft und


Verwissenschaftlichung der Medizin war

es fremd geworden und wirkte am

Krankenbett etwas deplaziert. In den

letzten Jahren aber ist gerade die

Sehnsucht nach einer ganzheitlichen

Heilung, die Psychosomatik und

Religion mit einbezieht, wieder sehr

aktuell geworden. Anstatt dabei aber

nach asiatischen Göttern zu greifen, muss

die Frage gestellt werden, ob eine

„europäische Lösung“ dieses Problems

nicht sinnvoller wäre. Denn man kann

davon ausgehen, dass für Europäer die

Mythen anderer Kulturkreise oft nur

schwer verständlich sind und

wesentliche Begriffe unserer Kultur

vermissen lassen, so zum Beispiel den

Glauben an eine unverwechselbare


Seele, dem Glauben an ein Individuum

und an die menschlichen Grundrechte,

dem Glauben an Freiheit, Gleichheit und

Brüderlichkeit. Anderen Kulturen fehlt

nämlich etwas wesentliches, das unsere

europäische Kultur geprägt und

umgeformt hat: Die Respektlosigkeit, die

Freiheitsliebe und der Hedonismus der

Hexen.

Wenn man die Kulturen miteinander

vergleicht, so merkt man bald, dass in

Asien das Individuum eher unerwünscht

ist und als Fehlentwicklung erlebt wird.

Individuell sein heißt einseitig werden,

die Kräfte der Natur missachten. Eine zu

persönliche Entwicklung ist nur als

Paradox möglich: Indem man erleuchtet

wird und sich dabei völlig unpersönlich


macht und auflöst, wird man weise.

Ganz anders stellen sich die Dinge in

der alten europäischen Medizin dar.

Hier hat der Einzelmensch eine Sendung,

ein Potential, das es zu entwickeln gibt.

Man wird mit einer unsterblichen Seele

geboren, die sich vor den Augen Gottes

zu beweisen hat. Man wird als

einmaliges unverwechselbares

Individuum geboren, das sein Leben

durch Einfallsreichtum, Fleiß und

Geschick formen und dabei auch

gesellschaftliche Schranken überwinden

kann. Krankheit tritt erst dann auf, wenn

er dieser Sendung nicht gewachsen ist

oder daran gehindert wird, seine

Sendung zu erfüllen. Die Einseitigkeit,

die man als strebende Seele bei uns


entwickeln muss, um etwas aus sich zu

machen, würde in Asien als wenig

nützlich betrachtet werden, denn wo in

Asien der Weg das Ziel, Erfolgsstreben

schädlich und das Ziel die Aufgabe des

Selbst ist, ist in Europa das Ziel das

individuelle, persönliche

Angekommensein – gerade dieser

Erfolg.

Die Säftelehre Galens zeigt, dass

verdorbene Körpersäfte das Individuum

behindern können. Das Thema des Giftes

ist in Europa ungleich bedeutungsvoller

als in Asien. Der Begriff der „Schlacke“

stammt aus dem Bergbau und Ausdruck

der europäischen Überzeugung, dass das

wahre Selbst in uns steckt und durch

einen Läuterungsprozess von all dem


geschieden werden muss, das nicht zu

uns gehört. Hier kommt das Thema

Freiheit ins Spiel. Wir müssen uns von

dem befreien, das uns behindert, egal, ob

das nun anderswo einen Müllhaufen

hinterlässt. Freiheit ist ein chemischer

Prozess, der durchaus wenig

umweltverträglich sein darf. Wieder

merken wir, dass Freiheit in Europa die

wesentliche heilende Empfindung ist und

über Harmoniebestrebung hinausgeht.

Eine Therapie, von der man das Fliegen

lernt, ist dann die beste Medizin.

Der Umschlag, der Wickel, das ist so

europäisch wie etwas europäisch sein

kann. In Asien gibt es keine Kopftücher

bei Kopfweh, keine Zahntücher bei

Zahnschmerzen, keinen Wadenwickel bei


Fieber. Das Einhüllen von Körperteilen

ist bei uns und auch in arabischen

Ländern der Versuch, das Individuum

gegen böse Kräfte abzugrenzen und es

mit Heilsubstanzen zu beschützen,

sodass es wieder gesund werden kann.

Wo ein Asiate sich mit schmerzenden

Nadeln Beschwerdelinderung verschafft,

kehrt der Europäer im Krankheitsfall

durch Wärmeanwendungen in den

Mutterleib zurück, den er zu früh in die

Freiheit verlassen musste.

Wo etwa in China ein Schmerz nur die

Störung des Lebensenergieflusses auf

einer Energiebahn bedeutet und an

verschiedenen Stellen behandelt werden

kann, verehrt die europäische Medizin

das Lokalsymptom. Die DAWOS-


Methode - DA zu behandeln, WO’s weh

tut - ist uralt. Sie ist die Grundbedingung

für die immer weiter fortschreitende

Höherentwicklung der Chirurgie, der

entschlossensten, eingreifendesten Form

der Lokaltherapie wie auch für die

Erstellung von Einzelsubstanzen in der

Schlucktherapie. Der Asiate mag

Hunderte Heilsubstanzen in einem Tee

zusammenmischen, um ein

ausgleichendes Gemenge zu erzielen, der

Europäer aber sucht das einzelne

Heilkräutlein, das gegen seine Krankheit

gewachsen ist, oder die einzelne

chemische Substanz, die sie beseitigen

kann. Das einzelne Heilbringende kann

auch der einzelne, allmächtige Gott sein,

der wiederum dem einzelnen,


vereinzelten Kranken gegenüber steht

und sich in ihm spiegelt. Dergleichen

Gedankengänge sind in Asien unbekannt.

Denn der europäische Kranke ist nach

dem Angesicht Gottes geschaffen, und

wenn schon nicht göttlich, so doch

gottähnlich, nämlich ein Individuum.

Das einzelne zu sehen ist nicht nur die

Grundlage für die europäische

Organlehre, wo eine Leber, eine

Gallenblase, ein Darmabschnitt jeder für

sich Koliken entwickeln kann, sondern

auch für die ganze europäische Kultur.

Es ist auch die Wurzel der Arbeit eines

Automechanikers, weshalb man in

Europa auch gerne von Patienten hört,

sie würden sich vom Arzt gern

„durchchecken“ oder den „TÜV


abnehmen“, nämlich in Einzelteile

zerlegen und reparieren lassen.

Das einzelne zu sehen heißt in der

europäischen Kultur auch, zwischen den

Geschlechtern bewusster zu trennen als

in Asien. Vermengen sich dort in jedem

einzelnen Lebewesen weibliche und

männliche Anteile zu einem

harmonischen Ganzen, lebt in Europa

der Mann auf dem Mars und die Frau auf

der Venus, wie uns zahlreiche Bücher

belehren. Das gilt auch für die Medizin,

wo man sehr häufig auf einer

ausschließlich „männlich“ aggressiven

und invasiven Medizin einerseits

beharrt, wo zahlreiche

Diagnostikvorgänge mit Nadeln und

Schläuchen zuletzt ein winziges zu


schluckendes chemisch im Labor

hergestelltes Medikament gebären – und

einer Fülle von andeutungsreichen,

assoziativen und emotional

durchsättigten „weiblichen“

Heilungskonzepten, wo das Auflegen

von Händen, das Sprechen von

Schwurformeln und das Denken auf

mehreren Ebenen und unter Einbeziehung

von Glaubensinhalten nur Beispiele von

Gefühlsappellen an die Heilkraft des

Kranken darstellen.

Die Säftelehre Galens als Basis einer

christlichen Weltordnung


Im Winter des Jahres 543 wurde Europa

von einer Pestwelle heimgesucht, die

unzählige Menschenleben vernichtete

und zugleich eine verheerende Wirkung

auf Gesellschaft und Kultur hatte.

Zumindest südlich des Limes gab es

zuvor geregelte Verhältnisse, die an die

heutigen erinnern. So gab es ein unter

der Herrschaft des byzantinischen

Kaisers Justinian ein gut

funktionierendes Postsystem,

ausgedehnte, gut funktionierende

Handelsbeziehungen, wodurch in

größeren Ansiedlungen attraktive Märkte

mit einem reichhaltigen Warenangebot

abgehalten wurden und ein Schulsystem,

in dem in lateinischer Sprache das große

und umfassende Wissen des Altertums


gelehrt wurde. Dazu gehörten römische

Krankenhäuser in allen Städten, in denen

gut ausgebildete griechische Ärzte nach

dem Prinzip der Säftelehre vorgingen

und vorwiegend Pflanzenheilkunde

anwandten, wie auch ein

weitverzweigtes System von Kur - und

Badeorten, in denen

Warmwassertherapien, Massagen,

Elektrotherapie und Chirotherapie

praktiziert wurden. Geschwächt worden

war dieses gut funktionierende

Gemeinsystem schon seit einigen hundert

Jahren durch Feldzüge feindlicher

Armeen, Banden von Abenteurern und

Banditen. Nun aber brach es in einer

Seuchenkatastrophe völlig zusammen

und machte der primitiven Brache Platz,


die wir das Frühmittelalter nennen.

Die einzige zivilisatorische Kraft in

dieser Zeit bildeten die ersten

christlichen Klöster. Es war die Zeit der

großen Missionierungen, in denen ein

römischer oder irischer Missionar nach

dem anderen von unseren Vorfahren

abgeschlachtet wurde. Trotzdem

wuchsen die christlichen Zellen allerorts

und erreichten binnen weniger

Jahrhunderte auch den letzten Ort im

verzweigtesten Winkel Europas. Wenn

man heute über unseren Kontinent reist,

wird man keine größere Ortschaft

entdecken, in der nicht das Symbol des

Kreuzes auf einem Kirchturm das

Häusermeer überragt als

Herrschaftszeichen. Ein Dorf wurde


ohne Kirche undenkbar - und ist das im

Wesentlichen bis heute geblieben.

Darauf weist schon die Redensart „Die

Kirche im Dorf lassen“ hin. Man kann

alles in Frage stellen, überspannte Ideen

erkennt man aber daran, den zentralen

Stellenwert der Kirche in Frage zu

stellen.

Das christliche Kreuz unterscheidet sich

von allen anderen historischen

Kreuzformen, die in vielen, selbst den

ältesten Kulturen, gefunden werden,

dadurch, dass der Querbalken nicht in

der Mitte, sondern etwas oberhalb

davon angebracht ist. Das Christenkreuz

oder lateinische Kreuz ist für unsere

Kultur mindestens so bedeutungsvoll

wie das Yin-Yang-Symbol für die


chinesische Kultur. Es ist als religiöses

Zeichen vom uralten

Richtungszeichenkreuz abgeleitet und ein

Zeichen für Schicksal und Tod und

Hingabe. Der Eindruck entsteht

einerseits aus der Spannung, der

Einseitigkeit, der fehlenden Harmonie

heraus. Der Querbalken ist dem Himmel

näher. Das erinnert an den menschlichen

Körper mit ausgebreiteten Armen, die

dem Kopf als Ausdrucksorgane auch

näher sind als dem Körperstamm und

den Beinen. Es erinnert an das Kreuz, an

dem Jesus erhöht wurde und an dem er

starb.

Der christliche Mensch richtet sich in

seinem Streben nach oben. Dabei wird

ihm leicht das Leben zum „Kreuz“, dem


Symbol der Hindernisse, die er

umschiffen muss, der Bürde, die er

tragen muss, der Pläne, die durchkreuzt

werden. So wie das menschliche

„Kreuz“, seine Wirbelsäule, den Körper

trägt, gibt es das seelische „Kreuz“, das

jeder zu tragen hat, sein Schicksal. Die

Kreuzstruktur des menschlichen Körpers

kann als seine Aufgabe aufgefasst

werden: „Werde, der du bist.“ Wenn er

betet, sich also an Gott wendet,

bekreuzigt er sich vorher und nachher,

hält die Hände entweder in einer nach

oben zeigenden Geste aneinander oder

überkreuzt die Finger. Das Kreuz wird

auf der Stirn, über dem Mund und über

dem Herzen geschlagen als Ausdruck

des dreifaltigen Gottes. Der Priester, der


Mönch und mitunter auch der Gläubige

steht beim Gebet mit geschlossenen

Beinen da, öffnet betend die Arme und

richtet den Blick nach oben. Er umarmt

die Welt, während sein ganzer Körper

Kreuzgestalt annimmt. Diese

Körperhaltung wird durch das

Christenkreuz versinnbildlicht, und da es

für alle sichtbar am Gotteshaus ganz

oben angebracht wird und bis in die

Landschaft hinein weist, wird es auch

als oberste Pflicht und als Ziel der

Christengemeinschaft erklärt, die es

errichtet hat.

Der Siegeszug des Christentums in

Europa ist eine Folge des Untergangs

der griechisch-römischen Kultur. Die

Erklärung dafür ist meist eine


medizinische: Das Immunsystem des

römischen Reiches sei

zusammengebrochen, die

Abwehrmechanismen gegen die

feindlichen Barbaren versagten. Der

Wiederaufbau der Zivilisation findet

dann durch Menschen statt, deren

Wahlspruch es ist, zu beten, zu arbeiten

und zu lesen. Diese drei Grundprinzipien

des Benedikt von Nursia (gestorben

547), dem Vater des abendländischen

Mönchstums, sind so etwas wie ein

Heilkonzept für die abendländische

Kultur, und heute aktueller denn je. Denn

unsere heutige Zeit hat einige

Gemeinsamkeit mit der Kultur des alten,

schwächlichen Rom. Sehr vieles an

altem Wissen war vergessen worden,


deshalb seine Aufforderung an seine

Mönche, wieder zu lesen. Man hatte den

Glauben an höhere Werte verloren,

deshalb sollte man in regelmäßigen

Abständen beten. Und man hatte sich zu

sehr auf den Errungenschaften der

Vergangenheit ausgeruht und war faul

und untätig geworden. Das „Ora et

labora et lege“ war nirgendwo

erfolgreicher als in Deutschland. Dieses

benediktinische Prinzip bildet die

Wurzel der Arbeitsethik der Deutschen

und hat das Volk der Dichter und Denker

geschaffen. Nicht zufällig entstanden aus

diesem Prinzip auch im Bereich der

Medizin die aufregendsten

Entwicklungen, an denen deutsche Ärzte

und Forscher einen großen Anteil hatten.


Im 36. Kapitel seiner Ordensregel

schreibt Benedikt: „Die Sorge für die

Kranken steht vor und über allen

anderen Pflichten.“ Wie diese Sorgen

nun auszusehen hatte, beantwortete

Cassiodor, Ordensbruder und

Bibliothekar Benedikts. Er empfahl den

Mönchen, sich die Eigenschaften der

Kräuter und der Mischungen der

Arzneien anzueignen. Dabei empfahl er

die „Materia medica“ des Dioskurides,

entstanden um 70 nach Christus, die

Schriften des Hippokrates und von

Galen, den bedeutendsten Ärzte der

Antike, und die Naturenzyklopädie

„Naturalis historia“ des Plinius

Secundus des Älteren, gestorben beim

Ausbruch des Vesuvs 70. Die


Benediktiner stellten sich also von

Anfang an in die griechisch-römischägyptische

Tradition und versuchten

deren Heilwissen fortzusetzen. Dem

entgegen stand aber die Auffassung ihres

vom babylonisch-assyrisch-jüdisch

geprägten Glaubens, alles komme von

Gott, und Krankheiten seien eine Strafe

Gottes.

Um das Jahr 800 waren die römischen

Beamten europaweit ganz

verschwunden, und da sonst niemand

mehr lesen konnte, mussten im

Frankenreich die Mönche das

Schulwesen übernehmen. Es entstand ein

großer Zulauf in die Bildungszentren der

Klöster, und viele der Schüler wurden

auch in den Orden aufgenommen, um als


Lehrer, Missionar und Kulturvermittler

an anderer Stelle zu wirken. In Fulda

lebten zu der Zeit 400 Mönche in einer

Zeit, in der es in ganz Franken noch gar

keine Städte gab.

Das älteste Werk der Klostermedizin ist

das „Lorscher Arzneibuch“, eine

Handschrift, die um das Jahr 800 bei

Worms entstanden ist. Wie groß damals

der Druck war, altes medizinisches

Wissen als heidnisch abzulehnen und zu

verschweigen, erkennt man schon daran,

das die Einleitung des Buches eine

Verteidigung des spätantiken Wissens

und der alten griechischen Medizin ist.

Wie stark der Einfluss aus dem Orient

damals war, erkennt man auch durch den

Hinweis, man sollte angesichts „der


teuren Arzneien aus dem Orient“ die

wirksamen Kräuter der Heimat nicht

vergessen. Im Kloster Reichenau am

Bodensee ist der „St. Galler

Klosterplan“ um 830 entstanden. Er zeigt

das Krankenhaus als eigenes Gebäude

innerhalb der Klostermauern, außerdem

einen Kräutergarten und eine Apotheke.

Walahfrid Strabo (der Schieler), der

spätere Erzieher Karls, eines Sohnes

Ludwigs des Frommen, verfasste zur

gleichen Zeit sein hymnisches Gedicht

„Hortulus“, in dem dieser Kräutergarten

gefeiert wird. Kräuter rund

Klostergarten waren über Jahrhunderte

eine Einheit. Auch wenn am Fürstenhof

der Renaissance jemand nicht schlafen

konnte, wurde ein Mönch dazu


eauftragt, Abhilfe zu schaffen.

Zumindest entnehmen wir diese

Information Shakespeares Drama

„Romeo und Julia“, wo sich Bruder

Lorenzo morgens in den Klostergarten

aufmacht, um für Julia einen

wundersamen Schlaftrunk zu bereiten:

„Eh höher nun die Sonn’ ihr glühend

Haupt erhebt,

Den Tau der Nacht verzehrt und neu die

Welt belebt,

Muss ich dies Körbchen hier voll Kraut

und Blumen lesen,

Voll Pflanzen gift’ger Art und diensam


zum Genesen ...“

Das wichtigste und im Mittelalter am

Weitesten verbreitete Buch aber war der

„Macer floridus de Viribus Herbarum“

eines gewissen Odo Magdudensis, ein

auf lateinisch geschriebenes Werk über

Heilpflanzen, das bis ins Spätmittelalter

in fast jeder größeren Bibliothek

vorhanden war und auch im

Lateinunterricht zu Übungszwecken

gelesen wurde. Es übertraf an

Bekanntheitsgrad weit die „Physica“ der

Hildegard von Bingen aus dem 12.

Jahrhundert, einem Buch über Kräuter,

Bäume, Tiere und Edelsteine, und führte

die Heilwirkungen von 85 Heilpflanzen

an. Diese wurden den vier


Temperamenten der Säftelehre

zugeordnet.

Die Säftelehre des Galen

Galenos von Pergamon (129 - 199 n.

Chr.) war der Sohn eines griechischen

Mathematikers und Architekten in

Pergamon in der heutigen Türkei. Er

begann bereits mit 14 Jahren

Philosophie, Mathematik und Medizin zu

studieren und zog dann nach Rom, wo er

sich als Gladiatorenarzt schnell einen

Namen machte und zum Leibarzt der

römischen Kaiser Marcus Aurelius


Antonius und Lucius Aurelius Verus

ernannt wurde. Er bekleidete bis zu

seinem Tod am Hofe eine hervorragende

Position und galt als größter Geist seiner

Zeit.

Seine „Humoralpathologie“ ist

einerseits den damals einflussreichsten

medizinischen Schriften geschuldet,

darunter das Werk des Hippokrates, des

Artemidorus Kaption, des Kallimachos,

des Dioskurides Phakas und Erotianus.

Es gelang ihm aber, aus verstreuten

Gedanken und Einzelkonzepten ein

schlüssiges Gesamtmodell der

menschlichen Gesundheit und

Erkrankungsweisen zu entwickelt, bei

denen die vor seiner Zeit entstandenen

Qualitäten-, Elementen- und Säftelehren


vereint wurden. Der Arzt und

Naturphilosoph Empedokles hatte schon

im 5. Jahrhundert vor Christus seine 4-

Elementen-Theorie (Feuer, Wasser,

Erde, Luft) vorgelegt, denen er die

Eigenschaften warm-trocken, feucht-kalt,

feucht-trocken und warm-feucht

zuordnete. Galen stellte fest, dass auch

der Körper des Menschen von diesen

vier Elementen regiert wird und dass es

unter diesen Elementen zu

Ungleichgewichten kommen kann, der

Dyskrasie. Er stellte sich vor, dass es

vier Körpersäfte gebe: Blut, Schleim,

gelbe Galle und schwarze Galle. Diesen

Säften wurden die Elemente Luft,

Wasser, Feuer und Erde sowie die vier

Jahreszeiten (Frühling, Sommer, Herbst


und Winter) zugeordnet. Der Frühling ist

warm und feucht, also entspricht er dem

Lebenssaft Blut. Der Sommer ist warm

und trocken, hier herrscht die gelbe

Galle vor. Der Herbst ist kühl und

feucht, hier steht der Schleim im

Vordergrund. Im Winter herrschen kühle

und trockene Verhältnisse, also regiert

die Erde. Aus Galens Lehre entstand

später die Lehre von den durch die

Körpersäfte bestimmten Temperamenten

- nämlich des Sanguinikers (Blut), des

Phlegmatikers (Schleim), des

Cholerikers (gelbe Galle) und des

Melancholikers (schwarze Galle).

Allerdings findet man keines dieser

Temperamente in Reinform. Jeder macht

im Laufe des Lebens eine Entwicklung


durch, die ihn in der Regel vom

Phlegmatiker über den Sanguiniker und

Choleriker zum Melancholiker bringt.

Warum das so ist? Es hat etwas mit

Lebenserfahrung zu tun – und mit einer

adäquaten Reaktion auf einzelne

Lebensstadien. Wenn Sie zum Beispiel

ein Baby sind, haben Sie als

Ungeduldiger, der etwas erreichen will,

ein schweres Leben. Denn schließlich

liegt der Sinn dieses Stadiums darin,

eine ungestörte Ausreifung des

Nervensystems zu ermöglichen und zu

wachsen. Deshalb sind die glücklichsten

Babys die Phlegmatiker. Wenn Sie

dagegen im besten Mannes- oder

Frauenalter sind, und gerade eine Firma

gegründet haben, brauchen Sie die


astlose Energie und Betriebsamkeit des

Cholerikers – und mitunter auch sein

erregbares und verletzendes

Temperament – um etwas zu bewegen.

Dass gerade der Sanguiniker mit seinem

liebenswerten, entspannten Charakter

besonders den jungen Erwachsenen

kennzeichnet, wird keinen verwundern,

denn in diesem Stadium hat die Natur

das Liebeswerben angesiedelt. Genauso

wundert es uns nicht, wenn der

Melancholiker in den Herbst und Winter

des Lebens fällt. Er hat durch den

Alterungsprozess und alle möglichen

verletzenden Erfahrungen allen Grund,

die Dinge etwas schwärzer zu sehen und

misstraurisch zu sein.

Es handelt sich also um


Basiserkenntnisse zum menschlichen

Charakter, die mehr oder weniger bei

allen Menschen zutreffen werden.

Ähnlich steht es mit den körperlichen

Eigenschaften der einzelnen

Grundkonstitutionstypen. Wenn Sie mit

Schmerzen zum Arzt gehen, wird darauf

aber keine Rücksicht genommen. Sie

bekommen in jedem Fall ein

Medikament, dass Entzündung, also

Wärme aus dem Körper nehmen soll,

nämlich Schmerzmittel wie Aspirin,

Ibuprofen oder Diclofenac oder gar das

entzündungshemmendste Medikament auf

dem Markt: Cortison. Diese Substanzen

führen dann bei Cholerikern und

Sanguinikern, die viel innere Hitze

haben und zu Entzündungsreaktionen


neigen, durchaus zu einer Verbesserung

der Beschwerden, denn Sie führen

praktisch im alten Sinne Kälte zu.

Sollten Sie aber das Pech haben,

Phlegmatiker oder Melancholiker zu

sein, wird Ihnen zu der Kälte, unter der

Sie leiden, noch Kälte zugefügt, und Sie

werden sogenannte Nebenwirkungen wie

Blutdruckabfall mit Frösteln, kalten

Schweiß, Schwindel oder Schwäche

verspüren – alles Reaktionen, die Sie

auch bei Fehlanwendung der alten

Säftelehre erlebt hätten, zum Beispiel

wenn Ihnen der Arzt einen kalten Einlauf

gemacht hätte.

Ob man bei Schmerzen kalte oder

warme Umschläge machen soll, kann

Ihnen heute kein Schulmediziner mehr


eantworten. Es fehlt schlicht das

Wissen, das vor hundert Jahren noch

selbstverständlich war. Stattdessen

rätselt man heute über eine neue

Krankheit wie der Fibromyalgie herum,

bei denen man sich wundert, dass

Schmerzen auch ohne

Entzündungszeichen im Körper möglich

sind. Wer die Säftelehre verstanden hat,

weiß dagegen, was diesen Patienten

fehlt, und warum die häufigsten

angewandten Schmerzmittel bei Ihnen

keine Wirkung zeigen können. Anstatt

sich aber mit diesen einfachsten

Prinzipien einer Medizin

auseinanderzusetzen, wird lieber einmal

eine weitere Kernspinuntersuchung

gemacht oder den armen Patienten der


Bauch aufgeschnitten, um nachzuschauen,

warum dort ohne Entzündung Schmerzen

entstehen können – eigentlich eine

ziemlich haarsträubende Entwicklung,

die nur durch Ignoranz und

Überheblichkeit entstanden ist.Ziel der

humoralpathologischen Therapie war es

früher, eine gute Mischung der

Körpersäfte zu erzielen. Um das

Überwiegen eines Elementes, eines

Saftes oder einer Qualität zu vermeiden,

wurde zur Ader gelassen, geschröpft,

Erbrechen oder Niesen herbeigeführt,

die Urinausscheidung gesteigert, oder

die Schweißbildung angeregt. Dabei

kam es zu häufigen Fehleinschätzungen

und zu falschen Behandlungen. Das

Grundprinzip aber stimmt in den meisten


Fällen. Paracelsus hat es gegen Ende des

Mittelalters noch einmal griffig

formuliert: „Wo die Natur einen Schmerz

erzeugt, dort will sie schädliche Stoffe

ausleeren. Und wo sie dies nicht selbst

fertig bringt, dort mach' ein Loch in die

Haut und lasse die schädlichen Stoffe

heraus.“ Dieses Prinzip führte dazu, dass

man Akupunktur und Moxabustion

betrieb, ein Heilprinzip, das nach

chinesischen Funden schon viele

Jahrtausende alt sein muss: Das

Anstechen von Schmerzpunkten mit

Nadeln und das Abbrennen von

Beifußgewächsen in der Nähe der Haut.

Der einzige Unterschied zwischen der

traditionellen europäischen Medizin und

der traditionellen chinesischen Medizin


war der, dass man sich bei uns viel

stärker auf das Lokalsymptom

konzentrierte und tatsächlich Säfte

ausleiten wollte. Wenn sich Eiter

gebildet hat, dann ist das aus der Sicht

jeder Medizin wichtig. „Ubi pus, ibi

evacua“ ist das Grundprinzip der

Chirurgie, die schon von im alten

Ägypten hauptsächlich von den Badern

und Friseuren ausgeübt wurde. Hatte

man da gerade einen Bart abrasiert,

schnitt man daneben behände eine Pustel

oder einen Abszess auf und verschaffte

seinen Kunden damit Erleichterung.

Ähnlich positiv ist das Schröpfen in der

Schmerzbehandlung bis heute. Wenn man

im Bereich des Schmerzortes Knubbel in

der Unterhaut spürt, die sogenannten


Myogelosen, hilft es, mit

Akupunkturnadeln oder durch Erzeugen

eines Unterdrucks mit dem Schröpfglas

dort das „schlechte Blut“, wie man gerne

sagt, abzulassen. Ist es einmal

abgelaufen oder zumindest in die Haut

vorgerückt und verursacht dort einen

Bluterguss, sind meistens auch die

Schmerzen verschwunden.

Diese Erkenntnisse haben bewirkt, dass

man im Laufe der Zeit immer beherzter

die Körperflüssigkeiten, die man als

vergiftet empfand, zu entfernen

versuchte. Dabei wurden die Regeln

Galens wahrscheinlich häufiger

missachtet als geachtet. Denn es ist im

Prinzip falsch, jede Körperflüssigkeit

von vornherein als etwas Auszuleitendes


anzusehen. Nicht jeder profitiert davon,

dass er schwitzt. Es kann nicht für jeden

gut sein, drei Liter am Tag Wasser zu

trinken, um eine ordentliche

Urinausscheidung herbeizuführen. Diese

heute noch so populäre Schrumpfform

der Säftelehre, die gerade von

Schulmedizinern noch mit großem

Einsatz praktiziert wird, ist zu einseitig,

um große Heilerfolge hervorzurufen.

Das Reinhalten von Sekreten war den

alten Ärzten heilig – nicht aber um den

Preis einer übertriebenen

Flüssigkeitszufuhr oder Überhitzung des

ganzen Körpers.

Im Bereich der Naturheilkunde gibt es

neben der Vorstellung einer

„Entschlackung“ auch noch einen


Überrest der Humoralpathologie, der im

17. Jahrhundert von dem Leidener

Kliniker Franz de le Boe entwickelt

wurde. Er nannte es seine

„chemiatrische Theorie“ von den in das

Blut eindringenden Schärfen der Säure

und der Lauge. Wie aktuell das Thema

der „Übersäuerung“ heute noch ist,

sehen in heutigen Apotheken und

Drogerien, wo Sie sehr häufig mit dem

Bild einer unglücklichen Zitrone und der

Frage: „Sind Sie sauer?“ empfangen

werden.

Ausleitung ist die Entstauung eines

Staugebietes mit der Ausscheidung der

vorhandenen Schlackenstoffe am

entsprechenden Ort nach draußen. Der

Begriff der Schlacke stammt aus dem


Bergbau und stammt aus dem 18.

Jahrhundert. Die Überlegung einer

innerlichen Vergiftung mit Abfallstoffen

ist Paracelsus geschuldet und

strenggenommen keine Säftelehre. Galen

bezeichnete die Schlacke noch als

Dyskrasie, also nur als fehlerhaftes

Mischverhältnis zwischen den

natürlichen Körpersäften. Seine

Maßnahmen waren schonend und nur

darauf gedacht, einen Überschuss

abzulassen. Beim Sanguiniker, der dann,

wenn er krank wird, einfach zuviel Blut

hat, kann man es mit einem Aderlass

versuchen. Schwieriger wird es schon

beim Phlegmatiker, obwohl dort durch

aufheizende und trocknende Maßnahmen

jeder Art schon viel erreicht wird. Der


Schleim, der ihn quält, kann auch durch

gezieltes Spülen der schleimbildenden

Bezirke, vor allem der Nase, reduziert

werden. Der Choleriker leidet an einem

Überfluss an gelber Galle. Hier haben

kühlende Maßnahmen Erfolg, zum

Beispiel ein kühles Bad zu nehmen. Am

anspruchsvollsten ist die Therapie beim

Melancholiker, der zwar bis zum einem

gewissen Grad auf Erwärmung reagiert,

dabei aber keinesfalls ausgetrocknet

werden darf. Deshalb ist gerade bei

diesem Konstitutionstypen, bei dem man

ein Übermaß an Schwarzgalle

vermutete, das Erbrechen und der

Einlauf von einer gewissen Bedeutung.

Ersteres hat man heute fast ganz

verlassen, denn darüber hinausgehend,


dass herbeigeführtes Erbrechen eklig ist

und das autonome Nervensystem

belastet, greift die Magensäure Zähne

und die Schleimhaut des Nasen-

Rachenraums an und ist im Magen zu

Verdauungszwecken besser aufgehoben.

Anders steht es mit einem warmen

Einlauf, der den trägen Darm des

Patienten so gut regulieren kann, dass im

Laufe der Geschichte so mancher von

Einläufen abhängig zu werden drohte.

Humoralpathologie – zeitgemäß

Egal, unter welcher Missstimmung oder


Krankheit Ihr Körper leidet: Es ist

sinnvoll und hilfreich, Ihren

Konstitutionstypen bei der Behandlung

zu berücksichtigen. Dabei ist es

nebensächlich, was sonst noch alles

therapeutisch notwendig ist. Nehmen wir

zum Beispiel an, Sie leiden an Krebs,

und unterlaufen eine Chemotherapie oder

Bestrahlung. Es handelt sich dabei um

eine Krankheit, die sehr rasch

fortschreitet und binnen Wochen zum Tod

führen kann. Die derzeit zur Verfügung

stehenden Brachialmethoden sind dann,

wenn man überleben will, sehr oft

unvermeidbar. Es gibt ganz wenige, die

genug Willenskraft und Todesverachtung

besitzen, sich auf sanft regulierende

Maßnahmen zu beschränken. Ganz


unabhängig aber davon, wofür Sie sich

entschlossen haben, können Sie von der

Säftelehre profitieren. Eine

Chemotherapie oder Strahlentherapie

wird dadurch, dass sie die Lebenskraft

schwächen, bei den warmen

Temperamenten des Sanguinikers oder

Cholerikers wahrscheinlich besser

vertragen werden als von den kalten

Temperamenten des Phlegmatikers oder

Melancholikers. Umso wichtiger wäre

es bei letzteren, das Frösteln, das

bleiche Gesicht, die Schwäche nach

einer Behandlung gezielt mit

aufsteigenden Fußbädern, einen warmen

Bauchwickel oder gezielt am Ort der

Erkrankung mit Wärmezufuhr mittels

oxydierendem Eisenpulver (wie zum


Beispiel im Heilwärmer®) zu

behandeln. Auch das Faktum, dass die

Hyperthermie, eine Überwärmung des

Körpers bei vielen Krebsarten eine

Schrumpfungstendenz von Tumoren

gezeigt hat, weist in diese Richtung.

Wenn man sich auch nicht erhoffen kann,

das Fortschreiten von Krebs damit

aufzuhalten, unterstützt man doch

zumindest jede andere Krebstherapie.

Wie ist es beim Schmerzpatienten? Wer

kühl und trocken ist wie der

Melancholiker, profitiert von warmen

Wickeln oder Einläufen. Wer kühl und

feucht ist wie der Phlegmatiker, eher von

der Wärmelampe, dem Heilwärmer oder

einem Saunabesuch. Wer seinen

Konstitutionstyp erkannt hat, weiß von


selbst, ob ihm Wärme oder Kälte,

Trockenheit oder Feuchtigkeit im

Bereich schmerzender Stellen hilft. Er

kann aber auch nachschlagen, welche

der in der Schmerztherapie üblichen

Pflanzen und Speisen seinem

Konstitutionstypen am nächsten kommt

und bei ihm stärkere Wirkung haben

wird.

Wer einmal die ihm zugrunde liegende

Konstitution erkannt hat, wird auch

bewusst in der Freizeit- oder

Urlaubsplanung auf das, was ihm gut tut,

Rücksicht nehmen. Deshalb ist auch für

einen Phlegmatiker der

Meeresküstenaufenthalt nicht unbedingt

gut, da seine „Überwässerung“ dadurch

trotz warmer Temperaturen noch


zunehmen kann. Wer sich also bei

Bronchitis oder Allergie die Frage stellt,

gehe ich im Sommer lieber ins

Hochgebirge oder ans Meer, muss

wissen, dass das Hochgebirge trocken

und das Meer feucht ist, und der

Melancholiker oft am Berg austrocknet

und der Phlegmatiker am Meer noch

mehr verschleimt. In beiden Fällen ist

zumindest in der Anpassungsphase eine

vorübergehende Verschlimmerung der

Beschwerden zu erwarten.

Wir wollen nun die Konstitutionstypen

und die in der Selbstbehandlung

wichtigen konstitutionsgerechten

Pflanzen, Nahrungsmittel und

Maßnahmen im einzelnen vorstellen.


Wasser – Der Phlegmatiker

Dem Wasser entspricht der Schleim

oder das Phlegma. Der Schleim wird

vom Gehirn produziert und äußert sich

unter anderem in den Absonderungen aus

der Nase, der Bronchien und dem

menschlichen Samen. Die Farbe des

Schleims ist weiß, seine Substanz

wässrig und kalt. Der Schleim ist der

Saft der frühesten Jugend, so beim

Säugling. Er herrscht auch bei Frauen,

die schwanger sind oder gerade geboren

haben, vor. Der Schleim oder das

Phlegma erzeugen eine willige,

geduldige und leidensfähige Natur. Die

Umstimmung beginnt zu Beginn der


Schwangerschaft mit Übelkeit aufgrund

einer Überfülle vom Schleim im Magen.

Aber auch die Muttermilch, die nach der

Geburt einschießt, gehört in das Reich

des Schleims. Auch beim Säugling

herrscht das Phlegmatische vor. Er hat

die Aufgabe, sich zu entwickeln und zu

wachsen. Das bewirkt, dass er keine

große Abwechslung braucht und mit

einfachen Genüssen zufrieden zu stellen

ist. Er ist, sofern er gut behandelt wird,

im besten Sinn phlegmatisch. Ähnlich

steht es mit einer Frau im gebärfähigen

Alter, die vor allem mit dem Empfangen,

Gebähren und der Aufzucht von Kindern

beschäftigt ist. Ihre phlegmatische

Konstitution befähigt sie dazu, das

Einerlei der täglichen dabei anfallenden


Pflichten wahr und die stetig zu

erwartenden kleineren Zwischenfälle hin

zu nehmen. Die heftige Lebensenergie

der größer werdenden Kinder, ihr

Lärmen, ihr Toben, dieses stetige Hin

und Her sind nur durch das

phlegmatische Temperament zu ertragen,

das nur mehr auf große Reize reagiert.

Da Säuglinge und Kleinkinder auch den

Tages-Nacht-Rhythmus erst erlernen

müssen, kann die Mutter nur dann, wenn

sie phlegmatisch geworden ist,

ausreichend tief schlafen. Das Flüssige

des Wassers ist kühl, lebensspendend

und Inbegriff der größten Vitalität und

Fruchtbarkeit. Schleim macht allerdings

auch antriebslos und müde. Er fließt

kühl und feucht vom Gehirn herab und


verkleistert Organe mit Schleim. Ein

guter Auslass ist der regelmäßige

Koitus. Aber man konnte auch durch den

Aderlass Phlegma aus dem Körper

herausschlagen, oder an der Stelle der

Beschwerden Blutegel ansetzen, die

Gewebe austrocknen. All diese

Therapien sind im Laufe der Zeit aber

verlassen worden.

Der Phlegmatiker ist also kalt und

feucht. Von Seiten des Körperbaus neigt

er zu Übergewicht. Er hat kalte und

feuchte Hände und ist kälteempfindlich.

Seine Haut ist eher fettig, die

Gesichtsfarbe weißlich blass, die Augen

feucht. Sein Charakter ist distanziert,

gelassen, beständig, ruhig,


unentschlossen. Er ist nicht sehr

ehrgeizig, aber hat einen starken Willen

und kann für sich allein genießen. Er ist

kompromissbereit, kann gut zuhören, ist

diplomatisch und hat Familiensinn. Er ist

eher unsportlich. Seine Verdauung ist

unregelmäßig. Er neigt zu saurem

Aufstoßen, zu Blähungen und zum

Wechsel zwischen Durchfall und

Verstopfung. Er schläft gerne und lang.

Maßnahmen zur Stärkung der

Konstitution des Phlegmatikers

Um diese Konstitution günstig zu


eeinflussen, muss man wärmend und

trocknend vorgehen. Ideal ist neben

regelmäßigen Aufenthalten in einem

entsprechenden Klima natürlich auch

warme, trockene Kleidung, gutes

Abreiben und Warmrubbeln nach dem

Bad und ein regelmäßiger Saunabesuch.

Das Fieber hat für den Phlegmatiker

höchste Bedeutung. Keinesfalls sollte es

unterdrückt, eher noch durch heiße

Getränke und warme Kleidung gefördert

werden. Denn Fieber macht trocken und

heiß, und damit lässt sich beim

Phlegmatiker fast jede Krankheit

bessern.


Wickel bei Atemwegserkrankungen

oder Magen-Darm-Beschwerden

Zur Unterstützung der Atmung werden

warme Brustwickel gemacht. Dabei

wird Leinentuch in warmes Wasser

getaucht, das eine Temperatur von 40 bis

45°C hat. Gut auswringen. Dann das

Buch im Liegen straff um die Region

zwischen Achselhöhlen und

Rippenbogen wickeln. Ein Baumwollund

ein Wolltuch eng um die erste Lage

legen. Zwischen die äußeren Lagen des

Wickels wird eine Wärmflasche gelegt,

um die Temperatur zu speichern. Danach

eine halbe Stunde im Bett nachruhen.


Zur Unterstützung der Verdauung

werden Leberwickel gemacht. Sie

sollten eine Stunde einwirken. Nach der

Anwendung muss eine halbe Stunde im

Bett nachgeruht werden.

Pflegebäder

Ein Lavendelbad vor dem Schlafengehen

kann Einschlafproblemen vorbeugen.

Man übergießt 100 g Lavendelblätter mit

2 Liter kochenden Wassers, lässt den

Sud 5 Minuten ziehen, seiht ihn ab und

gibt ihn ins warme Badewasser.


Ein Kräuterbad mit ätherischen Ölen

wirkt wohltuend auf Psyche und Nerven.

Man mischt 1 Esslöffel Pflanzenöl mit 1

Becher Sahne und 10 Tropfen

Zitronenmelissenöl und gibt die

Mischung ins Badewasser.

Auch ein temperaturansteigendes Fußbad

kann entspannend sein. Man stellt dazu

die Füße in eine kleine Wanne mit zwei

Liter Wasser. Dieses sollte eine

Temperatur von 35°C haben. Dann

erhöht man schrittweise die Temperatur,

indem man aus einem Topf mit heißem

Wasser nachgießt, bis 40°C erreicht

sind. Zehn Minuten bei dieser

Temperatur die Füße im Wasser

behalten. Dann gut abtrocknen, warme


Wollsocken anziehen und 30 Minuten

ruhen.

Abführsalze

Salze sind warm und trocken, und

regulieren den trägen Darm des

Phlegmatikers. Man löst 1 bis 2

Esslöffel Glaubersalz in einem halben

Liter warmem Wasser auf und trinkt die

Flüssigkeit zügig aus. Dann sollte noch

ein Liter Wasser nachgetrunken werden.

Einlauf


Es wird ein Einlauf mit der trockenwarmen

Kamille empfohlen. Man

übergießt 3 TL Kamillenblüten mit einer

Tasse heißen Wassers, lässt den Auszug

10 Minuten ziehen, seiht ihn ab und

verdünnt ihn mit einem Liter lauwarmen

Wassers. Die Temperatur des Einlaufs.

sollte 35-38° C betragen.

Nahrungsmittel

Hier sollte man den Amaranth beachten.

Diese Pflanze galt im Altertum als

Blume der Unsterblichkeit, weil ihre

Blüten so lange hielten. Sie ist innerlich

gegen häufigen Stuhldrang wirksam,

reguliert den Darm und hilft äußerlich in


Form einer Salbe gegen Hämorrhoiden.

Ihr hoher Lysingehalt hilft bei der

Calciumeinlagerung im Knochen und ist

wichtig beim Knochenaufbau beim

wachsenden Menschen. Amaranth hat

neben Vitamin C und Vitamin B12 auch

den höchsten Eisengehalt in Pflanzen und

bessert das blasse Aussehen von

Phlegmatikern.

Der Hafer wird in der Landwirtschaft

wenig geschätzt, da er schlecht nährt und

den Boden austrocknet. Deshalb wurde

Hafer aber umso gewinnbringender in

der Klosterheilkunde wegen seiner

„trocknenden“ Wirkung eingesetzt. Das

gilt bei Fisteln, Geschwüren und bei der


Gichterkrankung, bessert aber auch die

feuchten Hände und Füße des

Phlegmatikers. 100 g Hafer und etwas

Milch können den gesamten Tagesbedarf

an Aminosäuren abdecken, es ist mit

Abstand das eiweiß- und fettreichste

Getreide. Durch seinen Gehalt an

Vitamin E ist Hafer auch ein guter

Radikalfänger.

Die Petersilie war in der Antike ein

beliebtes Kräftigungsmittel, das in Rom

den Gladiatoren vor dem Kampf

verabreicht wurde. Sie wirkt durch den

Gehalt an Apiol, Myristicin und Terpinol

harntreibend und kann dadurch

Wassereinlagerungen im Körper bessern.


Außerdem hilft sie gegen Blähungen, ein

weiteres Problem bei Phlegmatikern.

Heilpflanzen

Hier ist zuerst Anis zu nennen, ein

krampf- und schleimlösendes Heilkraut,

das die Bronchien von Schleim befreit

und Blähungen und Bauchschmerzen

mindert. Anistee, aber auch Anis als

Backgewürz wirkt beim Phlegmatiker

Wunder. Ähnliches gilt für Kümmel.

Die Brennnessel wird seit alters her

zum Abführen und Entwässern benutzt

und lindert auch Prostata- und


heumatische Beschwerden. Sie hilft

gegen Wassereinlagerungen. Auch die

Kamille ist schmerzlindernd und

entzündungshemmend, vor allem an der

Mundschleimhaut und im Magen. Ihre

antioxidative, zellschützende und

entzündungshemmende Wirkung konnte

von der Forschung bestätigt werden.

Ersatzweise, auch wegen des

angenehmeren Geschmacks, kann man

Pfefferminze und Rosmarin

verwenden, beide beliebt wegen ihrer

Heilwirkung bei Magenverstimmungen

und Blähungen, Rosmarin außerdem bei

Asthma und Rheuma.

Der Holunder ist für den Phlegmatiker


eine Wunderdroge, denn er wirkt gegen

alles, was ihn quält. Da ist einmal seine

Neigung zur Schleimbildung. Holunder

steigert die Bronchialsekretion und ist

schweißtreibend, aber auch

harntreibend, abführend und

magenstärkend.

Durch seine große Wirkung bei

Keuchhusten ist der Thymian zu

besonderem Ansehen gekommen. Sein

ätherisches Öl enthält größere Mengen

an Gerbstoffen und Flavonoiden, hemmt

das Wachstum von Bakterien und Viren,

ist gegen Pilzerkrankungen im Darm

wirksam und wirkt schleimlösend.


Wenn Sie sich dem Phlegmatiker

zugeordnet haben sollten, ist es nun an

der Zeit, allgemein regulierend gegen

diese feucht-kalte Konstitution

anzugehen und bei körperlichen

Beschwerden einmal bewusst die

angegebenen Nahrungsmittel und

Heilpflanzen auszuprobieren. Wenn es

Ihnen gelingen sollte, durch Einführung

von Hafer in Ihr Müsli Ihre feuchten

Hände loszuwerden, haben Sie einen

wichtigen Schritt Richtung traditioneller

europäischer Medizin getan.


Luft – der Sanguiniker

Das Element der Luft hat im Blut die

größte Bedeutung für den Menschen und

macht ihn vom Meerestier zum

Luftatmer. Wenn das Blut die Lunge

verlässt, ist es hellrot und bleibt es, bis

der Sauerstoff im Kreislauf von den

Geweben verbraucht ist. Wenn das Blut

in die Lunge zurückkehrt, ist es

dunkelblau, fast schwarz. Alles, was mit

der Luft zu tun hat, bestimmt auch das

Wesen und den Charakter des

Sanguinikers. Er schenkt durch seine

Fröhlichkeit, seinen Charme, seine

endlose Energie und durch seine

Unschuld seiner Umgebung Leben.


Zugleich ist er unstet und hat luftige

Vorstellungen. Er scheint einen Meter

über den Boden zu schweben und neigt

zu Ansichten, die man im

Amerikanischen gerne Blondinen

zuschreibt, die man dann „air-head“

nennt, mit oberflächlichen, wolkigen

Vorstellungen.

Der Sanguiniker war im Mittelalter bei

uns besonders beliebt, denn seine

Stammfarbe ist Rot, und rot ist seit

Anbeginn der Zeit in Mitteleuropa die

Farbe der Macht. Wer Blut verliert,

verliert auch an Macht. Die Morgenröte

ist die edelste Tageszeit, gefolgt von der

Abendröte. Rote Blumen wie die Rose

sind die edelsten Blumen. Wer Purpur

trägt, ist mächtig. Gold wurde im


Mittelalter als rotes Metall eingestuft,

um diese Philosophie nicht zu stören,

auch wenn es gelb blinkte.

Die Konstitution des Sanguinikers ist

rot, flüssig und warm. Vielleicht kennen

Sie diese Menschen, die dann, wenn

ihnen etwas peinlich ist, wenn sie sich

freuen oder ärgern, sehr stark erröten.

Das von Luft aufgehellte Blut drängt sich

dem Beobachter bei der Entwicklung

des Kindes geradezu ins Blickfeld und

macht ihm bewusst, dass der blasse,

teigige Säugling, der eher phlegmatisch

war, einem neugierigen und aktiven

Kleinkind gewichen ist. Das Blut

dominiert die Jugendzeit. Der

Sanguiniker wird durch das Blut

bestimmt, ist ausgeglichen, freundlich


und fröhlich. Diese Konstitution herrscht

so lange vor, bis dem Menschen die Last

der Verantwortung bewusst wird. Er

muss von seinem Wolkenkuckucksheim

heruntersteigen, er muss landen. Die

Träume des Sanguinikers als

Jugendlicher sind sehr häufig die, dass

er, der im Traum als Kind unbeschränkt

durch die Luft kreisen konnte, nun zwar

noch Flügel hat, aber nur mehr mit Mühe

vom Boden abheben kann. Manche

Menschen lehnen dieses

Erwachsenwerden ganz ab. Wenn sie es

tun, zeigen sie auch noch im

Erwachsenenalter mehr oder minder

stark die Charakteristika des

Sanguinikers.

Körperlich ist der Sanguiniker in seiner


Jugend eher schlank. Seine Haut ist

glänzend bis leicht fettig, das Gesicht

rosig, die Augen feucht. Er liebt

gemäßigtes Klima und hat warme, leicht

feuchte Hände. Sein Charakter ist offen,

er ist extrovertiert, umtriebig und

genießerisch. Seine Stimmung ist

optimistisch und heiter, er ist

kontaktfreudig und ein guter Freund. Im

Vordergrund steht eine spielerische

Haltung, alle was ernst ist, stößt ihn ab.

Durch gutes Zureden kann man aus ihm

alles herausholen, Kritik und

menschliche Kälte entmutigen ihn. Seine

Verdauung läuft problemlos, er schläft

gut und wird, wenn er krank wird, akut

krank. Seine Heilkraft ist sehr stark. Er

isst gern viel und oft, und nimmt leicht


zu.

Maßnahmen zur Stärkung der

Konstitution des Sanguinikers

Die meisten seiner Krankheiten sind

entzündlicher Natur. Der Blinddarm zum

Beispiel fällt in der Regel in die Kinderund

Jugendzeit. Man kann ihn, wie es

üblich geworden ist, gleich operieren

lassen und ist dann eine Sorge los. Es

gelingt in den meisten Fällen aber auch,

mit einer Eisblase am Bauch die

Entzündung immer wieder dann, wenn

sie aufflammt, herunterzukühlen und


dadurch eine Operation zu verhindern.

Auch ein Aderlass bis zu dreihundert

Millilitern soll in dieser Situation

helfen.

Eine weitere typische Erkrankung

sanguinischer Natur ist der Scharlach.

Es kommt dabei zu einer hochroten

Färbung der Mundschleimhaut und einem

weißlich-zähen Belag der Zunge. Die

Gaumenmandeln sind rot und werden

eitrig. Man weiß, dass gerade Herz,

Nieren und Gelenke bei Fortschreiten

der Entzündung befallen sein können und

gibt deshalb im Zweifelsfalle heute

Penicillin, sobald die Mandeln eitrig

geworden sind. In der Frühphase aber

kann man versuchen, ob man den


Blutstau durch Aderlass und kühle

Halswickel beheben kann. Die Krankheit

zeigt, was bei einem Sanguiniker schief

gehen kann: Er entwickelt Entzündungen,

des Herzens, der Nieren, der Gelenke.

Immer ist es ein Prozess von zu großer

Hitze und Feuchtigkeit.

Wickel bei Atemwegserkrankungen

oder Magen-Darm-Leiden

Zur Unterstützung der Atmung werden

kühle Brustwickel gemacht. Dabei wird

Leinentuch in Wasser getaucht, das

Zimmertemperatur hat. Gut auswringen.

Dann das Buch im Liegen straff um die

Region zwischen Achselhöhlen und


Rippenbogen wickeln. Ein Baumwollund

ein Wolltuch eng um die erste Lage

legen. Der Wickel bleibt so lange liegen,

bis er sich durchwärmt hat. Allerdings

dürfen Sie zu keinem Zeitpunkt frieren!

Danach eine halbe Stunde im Bett

nachruhen.

Zur Unterstützung der Verdauung

werden Leberwickel gemacht. Der

Kältereiz regt die Durchblutung der

Leber an. Der Wickel sollte eine Stunde

einwirken. Nach der Anwendung muss

eine halbe Stunde im Bett nachgeruht

werden.


Pflegebäder

Ein Melissenbad vor dem Schlafengehen

kann Einschlafproblemen vorbeugen.

Man übergießt 80 g Melissenblätter mit

2 Liter kochenden Wassers, lässt den

Sud 10 Minuten ziehen, seiht ihn ab und

gibt ihn ins warme Badewasser.

Ein Kräuterbad mit ätherischen Ölen

wirkt wohltuend auf Psyche und Nerven.

Man mischt 1 Eßlöffel Pflanzenöl mit 1

Becher Sahne und 4 Tropfen Rosenöl

und gibt die Mischung ins Badewasser.

Einlauf


Es wird ein Einlauf mit einem Auszug

aus Ringelblumenblüten empfohlen, die

kühlend und entzündungshemmend auf

die Darmschleimhaut wirken. Dabei

übergießt man 3 TL Ringelblumenblüten

(ohne Kelche) mit einer Tasse heißen

Wassers, lässt den Auszug 10 Minuten

ziehen, seiht in ab und verdünnt ihn mit

einem Liter lauwarmen Wassers. Die

Temperatur des Einlaufs sollte kühl, also

25-30° C sein.

Empfehlenswerte Nahrungsmittel

Hier ist in erster Linie die Hirse zu


nennen. Dieses Getreide gab es schon in

der Jungsteinzeit. Sie ist wegen ihres

hohen Aminosäuren- und Eisengehaltes

ein wertvolles Nahrungsmittel und

enthält eine bedeutende Menge an

Kieselsäure, was für den Aufbau von

Haut, Haaren und Nägeln wichtig ist.

Gerade das ist in der Wachstumsphase

sehr wichtig. Unter den Gemüsen

empfiehlt sich der Mangold. Er

schmeckt etwas würziger und bitterer als

Spinat, ist nierenanregend und

verdauungsfördernd. Der Roggen gilt im

Gegensatz zu Dinkel und Weizen als

„kaltes“ Getreide und eignet sich

deshalb besonders für starke Naturen.

Roggen ist ein guter Lieferant von

Spurenelementen, Mineralstoffen und


Vitaminen der Gruppe B. Er schützt Herz

und Lunge und soll Darmkrebs

verhindern können.

Empfehlenswerte Heilpflanzen

Der Sanguiniker entwickelt sehr häufig

bei Kränkungen entzündliche Zustände

der Schleimhaut. Die Brombeere wird

bei Schleimhautentzündungen im Mundund

Rachenraum eingesetzt, außerdem

bei Durchfall. Die Eibisch enthält

Schleimstoffe, die reizlindernd und

schleimhautschützend sind und findet

ihre Verwendung bei Magen-

Darmschleimhautentzündungen und bei

trockenem Husten.


Der Erdrauch hat als Hauptwirkstoff

das Fumarin. Er hat eine krampflösende

Wirkung auf die Gallenwege und die

oberen Verdauungsorgane und regelt die

Sekretion des Gallensaftes.

Die Königskerze enthält Schleimstoffe,

die bei Reizung der Atemwege

eingesetzt werden, Schleim lösen und

das Abhusten erleichtern.

Der Saft der Rose wirkt gegen

Entzündungen im Mund- und

Rachenraum. Als ätherisches Öl ist die

Rose ausgleichend, harmonisierend und


löst innere Blockaden.

Der Schachtelhalm enthält Flavonoide,

die als Radikalfänger in der Anti-Aging-

Medizin Bedeutung haben und

Wechseljahresbeschwerden abmildern

können. Außerdem fällt ein hoher Gehalt

an Kieselsäure und Kalium auf. Der

Schachtelhalm findet seine Anwendung

bei Nierengrieß und zur

Ausschwemmung von Ödemen, er festigt

Gewebe und beugt der Gicht vor.

Der Spitzwegerich wirkt

bakterienhemmend durch

Iridoidglykoside und als Radikalfänger

durch seine hohen Gehalt an

Flavonoiden. Als Heilmittel ist er


wichtig bei Katarrhen der Atemwege

und bei entzündeter Mundschleimhaut.

Spitzwegerich wird bei Husten und

Asthma eingesetzt, zur Wundversorgung

der Haut und bei Insektenstichen.

Eibisch, Erdrauch und Rose sind rote

Pflanzen, und der Saft der Brombeere

und ihre Stacheln sind ebenfalls rot – ein

Hinweis darauf, dass sie aufgrund ihrer

Farbe für den Sanguiniker ausgewählt

wurden. Ihre Wirksamkeit konnte aber

im chemischen Labor bestätigt werden.

Ähnlich steht es mit dem rötlich

blühenden Süßholz.

Die in ihm enthaltenen Saponine erhöhen

die Schleimhautsekretion in den

Bronchien und fördern das Abhusten. Sie

sind entzündungshemmend und


schleimhautschützend. Sie hemmen das

Wachstum von Bakterien, Viren und

Pilzen. Süßholz findet seine Anwendung

bei Sodbrennen und säurebedingten

Magenbeschwerden.


Feuer – der Choleriker

Das Feuer wird von der Gelben Galle,

der Colera, repräsentiert, die von der

Leber produziert wird und heiß und

trocken ist. Die Cholera dominiert den

erwachsenen Mann. Der Choleriker ist

ein Hitzkopf und neigt deshalb zu

Überreaktionen. Das zeigt sich in seinem

Verhalten: Er schlägt leicht zu. Das gilt

aber auch für seine Spätkrankheiten: Er

ist vom Hirnschlag bedroht. Man

erklärte sich das so: Das hitzige Feuer

verbrennt zu rasch seine

Körperflüssigkeiten, und deshalb

braucht er auch kühle und feuchte

Arzneien. Es wird Sie überraschen zu


hören, dass auch die Schulmedizin bei

einem frischen cerebralen Insult gerne

mit Kochsalzinfusionen behandelt, da

man glaubt, dass tatsächlich die

Eintrocknung des Blutes eine

Gerinnselbildung im Gehirn zur Folge

gehabt haben könnte. Auch die

Vorbeugung eines weiteren Insultes mit

Acetylsalicylsäure ist dann nur

folgerichtig, da dieser Stoff nicht nur die

Mikrozirkulation des Blutes verbessert,

sondern auch entzündungshemmend ist.

Am Beispiel der Säftelehre kann man

auch die Wirkung von Tabak auf dem

Menschen ablesen. Phlegmatiker werden

vom Zigarettenrauchen etwas spritziger

und nehmen in der Regel auch einige


Kilogramm an Gewicht ab.

Melancholiker setzen das Rauchen gerne

ein, um ihren Stuhlgang zu regulieren.

Die Sache funktioniert aber nur dann gut,

wenn sie genug trinken, denn der Kälte

steht beim Melancholiker die

Trockenheit zur Seite. Das Trockene und

Warme des Rauchs ist für den

Choleriker allerdings das stärkste Gift,

er wird davon rastlos und entwickelt

entzündliche Erkrankungen. Rauchende

Choleriker erleiden außerdem sehr

leicht Herzinfarkt und Hirnschlag, was

wohl ein Austrocknungsphänomen ist.

Darüber hinausgehend schwächt Nikotin

die Lebenskraft – ganz zu schweigen

vom Suchtpotential und den weiteren

schädlichen gesundheitlichen Wirkungen,


insbesondere die Krebserregung, die ja

alle Konstitutionstypen betreffen.

Körperlich ist der Choleriker athletisch

bis gedrungen. Seine Haut ist trocken

und rau, sein Gesicht fleckig. Auch er

errötet leicht, aber eher aus Ärger. Seine

Augen sind trocken. Er friert nie, auch

nicht im Winter. Sein Charakter ist

gefühlsbetont und offen. Er steckt voller

Energie, ist ehrgeizig und

entschlussfreudig und hat ein starkes

Durchsetzungsvermögen. Man kann ihn

leicht erregen und wütend machen, dann

ist er äußerst zornig, kann sich aber auch

wieder rasch beruhigen und ist nicht

nachtragend. Er ist gesellig,

kontaktfreudig, dominiert aber jeden, mit


dem er zusammen ist und kennt keine

Kompromisse. Seine Verdauung ist

empfindlich und überaktiv, er neigt zur

Säurebildung und Durchfall. Sein Schlaf

ist unregelmäßig und unruhig. Er

bekommt relativ rasch einen hohen

Blutdruck und Gallenbeschwerden. Er

ist unregelmäßig und hastig und neigt zu

Heißhungerattacken. Bei überwiegend

sitzender Tätigkeit neigt er zu

Übergewicht.

Maßnahmen zur Stärkung der

Konstitution des Cholerikers


Ähnlich dem Sanguiniker neigt der

Choleriker zu Entzündungen. Der

Unterschied ist der, dass dem Choleriker

das feuchte Element fehlt, weshalb es

meistens eher trockene Entzündungen

sind, zum Beispiel der Gelenke.

Choleriker neigen zur Gicht und zum

Rheumatismus. Typisch ist auch das

Steinleiden. Gallenkoliken oder

Nierenkoliken aufgrund von Steinen

kommen vor allem bei Cholerikern vor.

Wickel bei Atemwegserkrankungen

oder Magen-Darm-Beschwerden


Zur Unterstützung der Atmung werden

kühle Brustwickel gemacht. Dabei wird

Leinentuch in Wasser getaucht, das

Zimmertemperatur hat. Gut auswringen.

Dann das Buch im Liegen straff um die

Region zwischen Achselhöhlen und

Rippenbogen wickeln. Ein Baumwollund

ein Wolltuch eng um die erste Lage

legen. Der Wickel bleibt so lange liegen,

bis er sich durchwärmt hat. Allerdings

dürfen Sie zu keinem Zeitpunkt frieren!

Danach eine halbe Stunde im Bett

nachruhen.

Zur Unterstützung der Verdauung

werden Leberwickel gemacht. Der

Kältereiz regt die Durchblutung der


Leber an. Der Wickel sollte eine Stunde

einwirken. Nach der Anwendung muss

eine halbe Stunde im Bett nachgeruht

werden.

Pflegebäder

Ein Melissenbad vor dem Schlafengehen

kann Einschlafproblemen vorbeugen.

Man übergießt 80 g Melissenblätter mit

2 Liter kochenden Wassers, lässt den

Sud 10 Minuten ziehen, seiht ihn ab und

gibt ihn ins warme Badewasser.

Ein Kräuterbad mit ätherischen Ölen

wirkt wohltuend auf Psyche und Nerven.

Man mischt 1 Eßlöffel Pflanzenöl mit 1


Becher Sahne und 4 Tropfen Veilchenöl

und gibt die Mischung ins Badewasser.

Abführsalze

Auch der Darm des Cholerikers ist bei

sitzender Tätigkeit leicht überlastet. Am

Besten eignen sich zur Regulierung

Quellstoffe wie Flohsamenschalen. Man

verrührt 1 Eßlöffel Flohsamenschalen (4

g) in 100 ml Wasser und lässt sie 10

Minuten vorquellen. Dann gibt man

weitere 3 Eßlöffel verdünnten Obstsaft

hinzu und trinkt das Glas aus. Zwei

Gläser Wasser nachtrinken.


Einlauf

Es wird ein Einlauf mit einem Auszug

aus Ringelblumenblüten empfohlen, die

kühlend und entzündungshemmend auf

die Darmschleimhaut wirken. Dabei

übergießt man 3 TL Ringelblumenblüten

(ohne Kelche) mit einer Tasse heißen

Wassers, lässt den Auszug 10 Minuten

ziehen, seiht in ab und verdünnt ihn mit

einem Liter lauwarmen Wassers. Die

Temperatur des Einlaufs sollte kühl, also

25-30° C sein.

Nahrungsmittel

Bei Hildegard von Bingen ist der Dinkel


das beste Getreide, weil er „gutes

Fleisch und Blut und einen frohen Sinn“

bereitet. Der Choleriker braucht viel

Kraft und zugleich einen milden Sinn.

Dinkel ist auch für Schwerkranke

verträglich. Das Dinkelkorn besitzt

große Mengen an Kohlehydraten und

Eiweißen. Er hat den höchsten Gehalt an

Vitaminen und Mineralstoffen von allen

Getreiden. Die Gurke ist ein typisch

kühles Nahrungsmittel, schon bei

Berührung. Deshalb wirkt es auch beim

Choleriker kühlend auf Magen-Darm und

auf sein Gemüt. Gurkensamen sind

außerdem harntreibend und reinigen die

Haut. Mit einem Wassergehalt von 95

Prozent ist die Gurke ausgesprochen

kalorienarm und besitzt wertvolle


Inhaltsstoffe wie Betacarotin und

Vitamin C. Gurke weicht den Stuhl auf

und wirkt ausleitend. Ein weiteres

günstiges Nahrungsmittel ist die

Kichererbse. Sie wird seit alters her als

harntreibendes Mittel und gegen

Nierensteine eingesetzt, unter denen der

Choleriker häufiger leidet als jeder

andere. Der Gehalt an Kalium ist sehr

hoch, außerdem Magnesium, Calcium,

Phosphor und Eisen.

Heilpflanzen

Der Baldrian wirkt beruhigend und

krampflösend und wird gegen Angst- und

Spannungszustände sowie bei nervöser


Erschöpfung eingesetzt. Er hilft gegen

Magenkrämpfe und lindert den

Reizmagen. Ein weiteres Heilmittel ist

die Birke. Durch ihren hohen Gehalt an

Flavonoiden, Salicylsäure und Vitamin

C wirkt sie antientzündlich und

antioxidativ, was beim Choleriker hohe

Bedeutung hat, vor allem bei Infekten.

Die ausleitende Wirkung auf die Nieren

beugt der Steinbildung vor. Aufgüsse aus

Birkenblättern oder Birkentee sind

Grundnahrungsmittel des Cholerikers,

der an entzündlichen Magen-Darm-

Beschwerden oder Gicht leidet. Man

muss dabei reichlich dazutrinken, um die

Wirkstoffe auch wieder auszuscheiden.

Der Hopfen ist aufgrund seiner Gerbund

Aromastoffe, der Flavonoide und


seinem ätherischen Öl attraktiv.

Bitterstoffe regen die

Magensaftsekretion an, wirken

beruhigend und schlaffördernd. Hopfen

kann auch bei Unruhe, Übererregbarkeit

und nervösen Einschlafstörungen

eingesetzt werden. Der Saft des

Huflattich gerbt, schmeckt bitter und

enthält Schleimstoffe, die

bakterienhemmend und reizlindernd

wirken. So entsteht ein Schutzfilm für

die Schleimhäute der Bronchien bei

Entzündungsneigung. Huflattich wird

gegen Reizungen der oberen Atemwege

eingesetzt. Manche wild vorkommende

Formen sind giftig, weshalb man

Huflattich über die Apotheke beziehen

sollte. Der Koriander galt im Altertum


als edles Magenmittel. Der wichtigste

Inhaltsstoff ist das ätherische Öl. Es

entspannt die Muskulatur des

Verdauungsapparates und hemmt das

Wachstum von Bakterien. Der

Löwenzahn wirkt vor allem

entwässernd. Unterstützend wird es bei

Leber- und Gallenblasenerkrankungen

angewandt. Die Ringelblume wird

erfolgreich bei Entzündungen des

Magen-Rachenraums empfohlen und bei

schlecht heilenden Wunden. Die

Erfahrungsheilkunde setzt sie auch bei

Leberleiden ein.


Erde – der Melancholiker

Die Erde wird von der gefährlichen

schwarze Galle, der Melancholie,

repräsentiert. Sie kommt angeblich aus

der Milz und ist schwarz, kalt und

trocken. Vom philosophischen

Standpunkt passt es gut, dass gerade der

alte Mensch am meisten „Erdkontakt“,

das heißt Realitätssinn, hat. In der

Jugend sind die Gedanken und die

Gefühle luftig, im mittleren Alter

leidenschaftlich bestimmt und im Alter

merkt man, dass sie bodenständig

geworden sind und vielleicht auch etwas

melancholisch. Denn der alte Mensch hat

am meisten Erfahrungen – und es gibt


kaum einen Älteren, der unbeschwert

und naiv durch die Gegend geht und sich

noch „wie ein Kind“ freuen kann. Das

hat natürlich etwas Gutes. Man wird

nicht so leicht betrogen, man geht

vorsichtig und umsichtig vor. Im Alter

hat man auch mehr Sinn für

Intellektuelles. Man möchte wissen, wie

Dinge wirklich sind, geht ihnen auf den

Grund und erreicht sehr häufig eine

Meisterschaft in einem gewählten Fach,

die über alles hinausgeht, was der

Tatkräftige im besten Mannesalter

schaffen kann. Das hängt schon damit

zusammen, dass wir in unserer Kultur

zwischen dem zwanzigsten und

fünfzigsten Lebensjahr eine

Dreifachbelastung erleben. Wir müssen


uns eine Existenz aufbauen und wollen

zugleich im Beruf oder in der

Liebhaberei weiterkommen. Dazu kommt

die Familiengründung mit Ehe und dem

Aufziehen von Kindern. Wer eine

berufliche Karriere, Hausbau und die

Unterstützung der Kinder in der Schule

in einem bewältigen kann, gehört da

schon zu den Ausnahmenaturen. Im

nachfolgenden Lebensalter lassen diese

Anforderungen auf allen Ebenen nach.

Man wird weniger gebraucht und spürt

dafür die eigene Sterblichkeit an Körper

und Seele stärker. Das kann dann sehr

leicht in Melancholie ausarten. Der

Nachteil einer zu starken Betonung der

„Erdhaftigkeit“ ist nicht nur Steifigkeit

und Kälte im körperlichen Bereich. Im


Seelischen bedeutet ein Überfluss an

schwarzer Galle auch Bitterkeit und

Gram, Trübsinn und

Niedergeschlagenheit, und kann sich in

Verbohrtheit äußern, die bis zur

Rachsucht gehen kann.

Körperlich ist der Melancholiker eher

hager, seine Haut ist trocken bis

schuppig, die Gesichtsfarbe grau und

blass. Seine Augen sind trocken. Da er

äußerst kälteempfindlich ist, liegt er

warmes Klima. Er neigt zu kalten

Händen und Füßen. Er ist introvertiert

und ruhig, sehr gefühlsbetont und

empfindlich. Er ist sehr ehrgeizig, kann

sich aber nicht durchsetzen. Seine

Stimmung ist gedrückt, er grübelt gern


und neigt zum Einzelgänger, der wenig

kompromissbereit und mißtraurisch ist.

Er ist unsportlich, wird er aber zu einer

Sportart überredet, kann er sie auch

übertrieben betreiben. Er vergisst nie

etwas, ist hochkonzentriert und kreativ.

Der Melancholiker hat von allen

Konstitutionstypen das empfindlichste

Verdauungssystem. Interessanterweise

hat gerade bei ihm, der von der Erde

dominiert ist, Heilerde eine große

Bedeutung. Sie bindet Giftstoffe im

Darm und reguliert die Verdauung. Die

„verdorbene Erde“ von Körper und

Gemüt wird durch Heilerde wieder

fruchtbar gemacht. Dabei bildet sich die

Neigung zum Aufstoßen, zur Verstopfung,


zu Blähungen und Völlegefühl zurück.

Man schläft nicht mehr schlecht und

unruhig, sondern tief und erholsam.

Galen unterschied zwischen leichter und

schwerer, kühlender und erwärmender,

magerer oder fetter Erde und mischte sie

Wein oder Wasser für eine große Anzahl

von Leiden hinzu. Hildegard von Bingen

verwandte vor allem die aus Frankreich

stammende grüne Heilerde. In

Deutschland hat Adolf Just Ende des 19.

Jahrhunderts in Eckertal im Harz eine

Heilanstalt gegründet, bei der vor allem

Wasseranwendungen und Heilerde

eingesetzt wurden. Seine braune „Luvos-

Heilerde“ ist heute noch in der Apotheke

erhältlich. Eine weitere wichtige


Heilerde ist „Bolus alba“, ein weißes

Heilerdepulver.

Maßnahmen zur Stärkung der

Konstitution des Melancholikers

Am Anfang der Behandlung rühren Sie

jeden Tag morgens mindestens eine

halbe Stunde vor dem Frühstück einen

Teelöffel Heilerde in ein Glas

Flüssigkeit ein. Das kann

Leitungswasser, aber auch

Mineralwasser oder Kräutertee sein.

Trinken Sie das Glas schluckweise aus.

Wenn Sie der Geschmack zu sehr stört,


können Sie sich in der Apotheke auch

Heilerdekapseln besorgen. Man nimmt

sie unzerkaut mit einem Glas Flüssigkeit.

Sie können die Dosis bis drei Kapseln

täglich steigern. Diese Kur führen Sie

drei Wochen lang durch. Dann sollten

Ihre Magen-Darm-Beschwerden

behoben oder zumindest gebessert sein.

Der Stuhlgang wird sich vielleicht etwas

verfärben. Im Bedarfsfall kann die Kur

verlängert werden.

Auch beim Melancholiker hat Fieber

eine große Bedeutung, denn es erzeugt

Hitze im Körper, und das ist für ihn

äußerst heilsam. Keinesfalls darf man es

bei Infekten unterdrücken, soll es eher

noch fördern. Allerdings macht Fieber


auch trocken, und das führt sehr leicht

zum Verstopfung und zum Hitzestau im

Körper. Deshalb ist bei Infekten das

reichliche Zuführen von Flüssigkeit ganz

wichtig und darf keinesfalls verabsäumt

werden.

Wickel bei Atemwegserkrankungen

oder Magen-Darm-Beschwerden

Zur Unterstützung der Atmung werden

warme Brustwickel gemacht. Dabei

wird Leinentuch in warmes Wasser

getaucht, das eine Temperatur von 40 bis

45°C hat. Gut auswringen. Dann das

Buch im Liegen straff um die Region

zwischen Achselhöhlen und


Rippenbogen wickeln. Ein Baumwollund

ein Wolltuch eng um die erste Lage

legen. Zwischen die äußeren Lagen des

Wickels wird eine Wärmflasche gelegt,

um die Temperatur zu speichern. Danach

eine halbe Stunde im Bett nachruhen.

Zur Unterstützung der Verdauung

werden Leberwickel gemacht. Sie

sollten eine Stunde einwirken. Nach der

Anwendung muss eine halbe Stunde im

Bett nachgeruht werden.

Pflegebäder

Ein Lavendelbad vor dem Schlafengehen


kann Einschlafproblemen vorbeugen.

Man übergießt 100 g Lavendelblätter mit

2 Liter kochenden Wassers, lässt den

Sud 5 Minuten ziehen, seiht ihn ab und

gibt ihn ins warme Badewasser.

Ein Kräuterbad mit ätherischen Ölen

wirkt wohltuend auf Psyche und Nerven.

Man mischt 1 Esslöffel Pflanzenöl mit 1

Becher Sahne und 5 Tropfen

Nadelholzöl und gibt die Mischung ins

Badewasser.

Auch ein temperaturansteigendes Fußbad

kann entspannend sein. Man stellt dazu

die Füße in eine kleine Wanne mit zwei

Liter Wasser. Dieses sollte eine


Temperatur von 35°C haben. Dann

erhöht man schrittweise die Temperatur,

indem man aus einem Topf mit heißem

Wasser nachgießt, bis 40°C erreicht

sind. Zehn Minuten bei dieser

Temperatur die Füße im Wasser

behalten. Dann gut abtrocknen, warme

Wollsocken anziehen und 30 Minuten

ruhen.

Abführsalze

Salze regulieren auch den trägen Darm

des Melancholikers. Man löst 1 bis 2

Eßlöffel Glaubersalz in einem halben

Liter warmem Wasser auf und trinkt die

Flüssigkeit zügig aus. Dann sollte noch


ein Liter Wasser nachgetrunken werden.

Diese Therapie kann die

Heilerdetherapie ergänzen oder ersetzen.

Einlauf

Es wird ein Einlauf mit der trockenwarmen

Kamille empfohlen. Man

übergießt 3 TL Kamillenblüten mit einer

Tasse heißen Wassers, lässt den Auszug

10 Minuten ziehen, seiht ihn ab und

verdünnt ihn mit einem Liter lauwarmen

Wassers. Die Temperatur des Einlaufs.

sollte 35-38° C betragen.


Nahrungsmittel

Die Möhre ist gut bekömmlich und soll

für alte Menschen mit Ingwer und Zucker

versetzt verdauungsfördernde Wirkung

haben. Sie enthält große Mengen an

Vitamin B1, B2 und C, Folsäure und

Carotinoide und schützt dadurch die

Zellen vor freien Radikalen. Es finden

sich in ihr ätherische Öle, Flavonoide,

Eisen, Magnesium, Calcium und

Phosphor. Sie enthält Pektine, die den

Magen beruhigen, den Aufbau einer

gesunden Flora unterstützen und

Durchfall lindern. Die Pastinake war

schon in der Antike eine beliebte

Gemüseform. In Milch gekocht hilft sie


gegen Durchfall und Asthma. Das

ätherische Öl der frischen Wurzel enthält

Myristicin und Terpinol und fördert

dadurch die Verdauung, außerdem

Kalium, Calcium und Magnesium. Die

Pastinake ist als Kohlenhydratspender

fast mit der Kartoffel vergleichbar. Die

Sellerie wird seit alters her gegen

Nieren- und Blasenleiden eingesetzt. Ihr

ätherisches Öl ist nierendurchspülend,

krampflösend und beruhigend und wirkt

antibakterielle, antiviral, leberschützend

und entzündungshemmend. Deshalb hat

die Sellerie im Alter mit seiner Neigung

zur Verschlackung, Wassereinlagerung

und Harnwegsinfekten große Bedeutung.

Ihre Bitterstoffe und insulinähnlichen

Inhaltsstoffe stärken die Verdauung. Der


Spargel ist laut Plinius ist er die

zuträglichste Speise für den Magen. Die

Spargelwurzel wird gegen

Harnwegserkrankungen benutzt.

Heilpflanzen

Der Fenchel macht laut Hildegard von

Bingen den Menschen fröhlich,

vermittelt angenehme Wärme, fördert die

Verdauung, unterdrückt üblen

Mundgeruch und bringt auch die Augen

zum klaren Sehen. All das ist für den

Melancholiker wichtig. Auch die

Gewürznelke, die von Hildegard


wegen ihrer Wärme und Feuchtigkeit

geschätzt wurde, wirkt krampflösend und

magenberuhigend. Der Ingwer kam

schon in der Antike aus China und Indien

über die Fernhandelswege in den

Mittelmeerraum und wurde dort wegen

seiner Unterstützung bei der Verdauung

geschätzt. Er fördert die Sekretion des

Speichels, des Magen- und Gallensafts

und regt die Darmtätigkeit an. Das

Johanniskraut wurde schon im frühen

Mittelalter gegen Melancholie

empfohlen und ist heute wegen seiner

Wirkung bei nervöser Unruhe und

depressiver Verstimmung

wissenschaftlich anerkannt. Außerdem

hilft es gegen Muskelschmerzen. Der

Kardamom ist eine wärmende


Gewürzpflanze, die bei Husten und

Verdauungsbeschwerden eingesetzt

wird. Er wirkt gut gegen Mundgeruch.

Die Melisse macht laut Hildegard „das

Herz fröhlich“ und hilft bei Magen-

Darm-Beschwerden und zur Beruhigung

bei nervlicher Belastung. Die

Schlüsselblume wurde von Hildegard

gegen Melancholie empfohlen. Wegen

ihres hohen Gehalts an Saponinen wird

sie zum Abhusten bei bronchialen

Infekten verwendet.


Meditation in der Klostermedizin:

Beten, beichten und büßen

Der religiöse Teil der Klostermedizin

unterscheidet sich etwas unter den

einzelnen kirchlichen Gemeinden.

Vorraussetzung ist der christliche Glaube

und die Anbindung an eine solche

Gemeinde. Zahlreiche

Benediktinerklöster führen durch die

Adventszeit und Fastenzeit und bieten

neben Fastenkuren auch

Meditationswochenenden an. Aber auch

der Einzelgänger, der die Kirche mit

Misstrauen betrachtet, kann im

christlichen Gedankengut wertvolle

Anregungen zur Heilung von Krankheiten


finden.

Nehmen Sie zum Beispiel die

Kardinaltugenden. Nach der christlichen

Heilslehre gibt es drei Tugenden, die ein

glückliches und erfülltes Leben

ermöglichen. Diese heißen Glaube,

Liebe und Hoffnung. Der Glaube,

lateinisch Fides, ist der Bund, den der

Mensch mit Gott geschlossen hat. Es ist

ein Vertrag zwischen zwei Parteien,

wobei der Mensch ein gottgerechtes

Leben einsetzt, um nach seinem Tod als

Lohn das ewige Leben zu erhalten. Die

Liebe ist nicht die fleischliche Liebe

des amor, sondern die dilectio, die

Liebe zu Gott und zum Nächsten. Ein


gottgerechtes Leben ist nur aus dieser

Liebe heraus führbar, denn das in den

Geboten niedergelegte göttliche Gesetz

kann nur durch eine Grundhaltung der

Liebe umgesetzt werden. Die Hoffnung,

lateinisch spes, ist eine Kurzform der

Wörter „est pes“. Hoffnung ist der Fuß

zum vorwärts Gehen. Desperatio, das

Fehlen aller Hoffnung, ist die

Verzweiflung, das Fehlen eines Fußes.

Im Sinn der Klostermedizin ist die

Heilung von einer Krankheit ohne diese

drei Kardinaltugenden nicht möglich.

Dabei sollten sich Glaube, Liebe und

Hoffnung nicht etwa auf den Arzt oder

Heilpraktiker richten, sondern auf den

rettenden, göttlichen Funken der

Heilkraft in einem selbst – vielleicht


auch im persönlichen Dialog mit Gott.

Die christliche Form der Meditation ist

das Gebet, ein Zwiegespräch mit Gott.

Das Gebet ist eine Besinnung darauf,

dass man nach dem Angesicht Gottes

geschaffen ist – das schafft Vertrauen,

aber es verpflichtet auch. Im Gebet stellt

man sich die Frage, inwieweit man sich

von diesem Ursprung entfernt hat,

inwieweit man ein gottgerechtes und

gottgefälliges Leben führt. Die Form des

Gebetes kann frei sein. Im Wesentlichen

ist es vor allem in der römischkatholischen

Kirche durch unzählige

Andachtsbüchlein im Lauf der

Jahrhunderte formalisiert worden. Im

Protestantismus entstand dann eine


Tradition, sich ohne die Vermittlung von

Priestern oder theologisch angehauchten

Schriftstellern selbst und direkt an Gott

wenden zu wollen. Der Aufenthalt in

einer stillen Kirche hilft zur Besinnung

ebenso wie ein schöner

Landschaftspunkt mit Ausblick. Die

Gebetshaltung hat viele Variationen. Je

formalisierter der Kontext, desto eher

drückt der Betende mit seiner Haltung

etwas Bittendes aus, kauert mit

verkrümmter Haltung auf harten

Gebetsstühlchen und wagt es nicht, in

den Himmel zu blicken. An

Foltermethoden erinnert das

stundenlange Liegen von Mönchen in

Kreuzform auf Kirchensteinböden. Der

Körper wird dabei als bloße irdische


Hülle bestraft dafür, die unsterbliche

Seele verführt zu haben. Je freier der

Kontext, desto offener auch die

Körperhaltung, die dann darin bestehen

kann, angenehm in Kreuzform mit

offenen Armen auf dem Rücken in einer

Blumenwiese zu liegen und kosmische

Energie einzufangen. Diese

Gebetshaltung ist für Kranke sehr gut

geeignet. Wenn man nachts entspannt mit

offenen Armen im Bett liegt und zu Gott

betet, nutzt man etwas, das im Reiki als

„Kanal bilden“ für heilwirksame Kräfte

bezeichnet.

Das Hauptgebet, das Christus seiner der

Glaubensgemeinde gelehrt hat, ist das

Vater unser. Es bietet auch aus


medizinischer Sicht alles, um einen

Christen, der krank geworden ist, wieder

aufzuhelfen. Der erste Teil bezieht sich

darauf, dass der Ursprung der eigenen

Existenz im Himmel sitzt. Gott ist der

Vater, der einen erschaffen hat, und

verspricht, seinen Namen und seine

Gesetze zu ehren, also das gottgerechte

Leben zu führen, dessen Grundzüge in

den zehn Geboten niedergelegt sind:

Vater unser im Himmel

Geheiligt werde Dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel, so auf Erden.


Im zweiten Teil des Gebetes geht es um

den Anspruch nach Nahrung im

weitesten Sinn. Das tägliche Brot ist die

Nahrung, die auf den Tisch kommt, die

Arbeit, die einem Sinn gibt und ein

geregelter Tagesablauf, kurz gesagt, die

Lebensführung. Dabei macht man

ungeachtet der allgemeinen Absicht

Fehler, mitunter sogar schwere Fehler.

Diese Schuld kann einem Gott nehmen.

Er tut das aber nur, wenn man selbst

seinen Schuldigern vergibt. Gerade

dieser Satz hat größte Bedeutung für

Krankheiten mit seelischer Ursache. Um

dergleichen oder andere Fehler in

Zukunft möglichst zu vermeiden, bittet

man darum, nicht in Versuchung geführt


zu werden und spricht die Hoffnung aus,

dass einen alles Böse verschone:

Gib uns heute unser tägliches Brot

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren

Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Amen.

Es gibt in der Kirche aber auch eine

lange Tradition, neben Gott Maria, die

Mutter Gottes, Engel oder Heilige

anzubeten. So hat man für jeden

Notstand und für jede Krankheit einen


Heiligen als „Nothelfer“ gesucht, zu dem

man im Fall einer Krankheit sprechen

kann und der dann bei Gott ein gutes

Wort für einen einlegen soll. Diese

Tradition ist wahrscheinlich der

zunehmenden Hierarchisierung der

Kirche im Mittelalter geschuldet, hat

aber, wie Wallfahrtsorte wie Lourdes

vieltausendfach belegen, schon vielen

Kranken geholfen.

Auf einer alten Gebetstafel im

schwäbischen Mindelheim werden wir

dermaßen über die 14 Nothelfer

aufgeklärt:

Maria


die Mutter Gottes als Jungfrau rein

Allen in Noth und Tod, hilft allein

S. Blasius

Bringt wegen Halsweh Fürbitt dar

S. Georgius

Ist anzurufen in Kriegs-Gefahr

S. Erasimus

Fuer Därm und Leibesschmerzen

S. Vitus

Ein großer Freund der Kinder-Herzen


S. Pantaleon

Patron der Ärzten, bei Gott maechtig

S. Christoph

Für Hagl und Wetter beschützt er kräftig

S. Dionysus

In Hauptweh wird gerufen an

S. Cyriacus

Von Teufel Besessnen helfen kann

S. Achatius


Dem christlichen Kriegsvolk hilft er

behend

S. Eustachius

Betrübniß in der Ehe abwendt

S. Egidius

Hilft zu Erkenntnis heimlicher Sünd

S. Margaretha

Wo Teufelslist ein Zugang findt

S. Katharina

Wenn Weisheit im Studiren mangelt


S. Barbara

In Not die Sackrament erlangt

Neben der Tradition des Betens ist die

des Beichtens und Büßens wichtig. Die

Tradition des Ablasshandels hat damit

Schindluder getrieben. Wieder war die

Macht des Priesters, Sünden im Namen

Gottes verzeihen zu können, eines der

Mittel zur Etablierung kirchlicher Macht.

Der Grundgedanke aber des Beichtens

ist sehr wichtig. Wenn man seine Schuld

in der eigenen Brust begräbt, kann keine

Krankheitsarbeit stattfinden. Das Leid


muss auch geäußert werden, wie schon

die Griechen wussten, als sie von

Katharsis sprachen, jenem Zustand,

indem das Leid bewusst wird und noch

einmal aufwallt, bevor es Körper und

Seele verlässt. Den Mechanismus

kennen die meisten von uns, wenn wir

im Gespräch über eine vergangene

Kränkung womöglich das erste Mal

darüber zu weinen beginnen, uns für

diese Gefühlsaufwallung schämen oder

uns darüber wundern, und danach

bemerken, dass sie durch diesen Vorgang

überwunden ist. Dieses Gespräch kann

der Priester bei der Beichte

übernehmen, aber auch ein Arzt, ein

Freund oder ein Verwandter. Am

Wirkungsvollsten ist diese „Beichte“


dann, wenn sie Menschen betrifft, die

mit der Krankheitsursache in

unmittelbarem Zusammenhang stehen.

Ein Mörder, der auf die Familie des

Ermordeten stößt und ihnen seine Tat

gesteht, mag Hilfe bei seinen Schmerzen

erfahren. Ein Dieb, der seit seiner Tat

einen Gesichtstick entwickelt hat, kann

ihn in dem Moment verlieren, in dem er

seine Tat dem Bestohlenen beichtet und

den Schaden ersetzt. Dieses Konzept

wird schon den Alten bewusst gewesen

sein und ist in die christliche Auffassung

von Schuld und Sühne eingeflossen. Wer

eine unsterbliche Seele hat, hat ein

unsterbliches Gewissen, das ihn solange

kränkt, bis er dieses Gewissen durch

Beichte und Buße erleichtert. Dieses


Heilkonzept eignet sich für jene

Krankheiten, die laut Paracelsus (siehe

seine Entienlehre) von Gott kommen,

und für die sich deshalb kein Entgiften

und keine Arznei gibt.

Diese Ausführungen sollen als Anregung

dienen, sich auf die Klostermedizin nicht

nur auf körperlicher, sondern auch

spiritueller Ebene zu nähern.

Aber es geht auch anders, wie das

folgende Kapitel andeutet, das eine

Versöhnung zwischen unserem

germanisch-keltischen Hexenerbe und

dem christlichen Glauben versucht.


Rosenkranz und Runenkranz

Alle Geschöpfe haben etwas Sichtbares

und Unsichtbares. Das Sichtbare ist

schwach, das Unsichtbare stark und

lebendig. Dies sucht der Verstand im

Menschen zu erkennen, weil er es nicht

sieht. Es sind die Kräfte in den Werken

des Heiligen Geistes.

Hildegard von Bingen

Was ist wichtiger: Ein gerechtes Leben

zu führen – oder gesund zu sein? Wenn

man sieht, wie sehr sich der christliche


Glaube heute aus der Gesellschaft

zurückgezogen hat, und zugleich das

wachsende Interesse an der

Naturheilkunde mit dem verzweifelten

Bemühen betrachtet, sich ein möglichst

langes Leben zu verschaffen, das von

Krankheit frei ist, kommt man nicht

umhin, einen Zusammenhang zwischen

dem einen oder dem anderen zu sehen.

Giftstoffe der Umwelt, die unsere

Gesundheit schädigen: Das hieß früher

die Macht des Bösen, die das Heil der

Seele gefährdet. Nicht zufällig fügte im

12. Jahrhundert die heilige Hildegard

von Bingen, die als Ahnherrin der

traditionellen europäischen Medizin

bezeichnet werden darf, nach allen

medizinischen Ratschlägen den


einschränkenden Satz an: „Dieses

Heilmittel hilft - sofern Gott es will“.

Medizin hilft dort, wo Gott seine

Heimstatt hat. Unter diesem

Gesichtspunkt sind wir heute heidnisch

wie vor Tausenden von Jahren, und

deshalb weder für die Naturheilkunde,

noch für die Schulmedizin wirklich

geeignete Objekte.

Wir müssen uns klar machen, dass

Gesundheit kein objektiver Wert ist,

sondern ein Empfindung, die man mit

heutigem Begriffsvokabular kaum mehr

fassen kann. „Mit sich im Reinen sein“

oder „ein gutes Gewissen haben“ hieß

das früher, als das gute Gewissen noch

ein gutes Ruhekissen war. Gesundheit

kann zwar vage als Abwesenheit von


Krankheit beschrieben werden. Genauer

aber fasst man sie im Begriff

Seelenruhe. Wir leben von Geburt an in

einem Körper, der dem Tod zustrebt. Wir

sind von Anfang an unheilbar. Die

medizinische Kunst kann Fehlläufe

unseres Körpers bis zu einem gewissen

Grad bezwingen – ohne die Seelenruhe

aber wird jede Reparatur

vorübergehenden Erfolg haben.

Es ist meine langjährige ärztliche

Erfahrung, dass Krankheiten nur in sehr

seltenen Fällen durch äußere Umstände

bedingt sind. Ich habe auch schon

gelernt, an Zufällen zu zweifeln.

Zumindest in meiner Umgebung scheint

es so, dass jeder Mensch eine Sendung

hat und ein Schicksal, das mit der


Erfüllung oder Nichterfüllung dieser

Sendung in Zusammenhang steht.

Krankheiten bekämpft man in diesem

Spannungsfeld am Besten dadurch, dass

man den Weg, den die Sendung

vorschreibt, herausfindet und mit

Tatkraft beschreitet. Die Haltung, die

dazu notwendig ist, kann sich an Gott

orientieren – oder zumindest an einem

klaren sittlichen Kodex, dem man sich

verschrieben hat. Es muss ja einen

Grund geben, warum man gerade eine

schwere Krankheit überwinden soll. Das

eigene Glück oder das abstrakte Ziel der

Gesundheit ist dafür nicht ausreichend.

Denn Seelenruhe kann erst dort

entstehen, wo man ankommt. Man kann

keinen Weg beschreiten, ohne sich ein


höheres Ziel zu stecken, das über einen

selbst hinausgeht.

Selbst unter Maßgabe des heutigen

Zeitgeistes stößt man deshalb

automatisch bei jedem Heilversuch auf

die Frage, ob Heilung nicht ein anderes

Wort ist für ein Ankommen bei Gott, und

ob Seelenruhe nicht ein weiterer

Ausdruck für Aufgehoben sein bei Gott.

Ich schreibe das ohne missionarische

Absicht, noch mit dem Wunsch, die

Rolle eines Kirchenmannes

einzunehmen. Es ist schlicht und einfach

die Erfahrung eines Arztes, der

langjährig die Schulmedizin und

langjährig die Naturheilkunde betrieben

und dabei Heilungen beobachtet hat.

Dort, wo es hakt, ertappe ich mich


neuerdings bei der Frage des Patienten

über Heilmethoden dabei, wie

Hildegard antworten zu wollen: „Ja,

diese Therapie wird Erfolg haben, wenn

Gott es will. Was haben Sie für einen

Eindruck, wie denkt Gott über Sie und

Ihre Krankheit?“

In diesem Kapitel stellen wir uns die

Frage, wie wir in der Tradition der

europäischen Medizin im Westen

meditieren sollen. Die Antwort der

katholischen Kirche ist klar: Das Gebet

als Zwiesprache mit Gott. Von unseren

germanischen Vorfahren wissen wir,

dass sie in Zeiten seelischer Not Runen

auf den Boden warfen, um aus ihnen zu

lesen. Der wieder populärer werdende

Rosenkranz (vielleicht in manchen


Fällen unterstützt vom „Runenkranz“)

bietet sich hier als geeignetes Hilfsmittel

an, da in ihm männliche und weibliche

Symbole ausgeglichen zur Geltung

kommen.

Krankheit und Gesundheit sind eigentlich

nur andere Worte für Leiden und Glück.

Manche Krankheiten beginnen im

Körper und können die Seele nicht

erreichen. Andere Krankheiten aber

erfassen den ganzen Menschen, und wer

dann nur den Körper zu heilen versucht,

wird oft scheitern. Das war schon den

Heilkünstlern der babylonischassyrischen

Kultur vor 4000 Jahren

bewusst, deren Erkenntnisse wir auf den

ältesten erhaltenen Zeugnissen unserer

Kultur in Keilschrift verzeichnet finden.


Für sie war Krankheit das Werk von

Dämonen, die dem Menschen Gottes

Strafe angedeihen lassen. In der

ägyptischen Heilkunst kennt man diesen

Gedanken nicht, dort ist Krankheit ein

Ungleichgewicht zwischen den

Elementen der Natur.

Dass Gott uns Krankheiten schickt, wenn

wir seine Gesetze missachten, das war

auch Lehrmeinung der christlichen

Kultur, die Europa im Frühmittelalter

zivilisierte. Dabei vertrieb sie die hier

ansässige germanisch-keltische Kultur,

deren Götter Stellvertreter für

Naturgesetze sind. Daraus ergab sich

eine interessante Mischung. An der

Oberfläche drang die „männliche“

Ordnung des christlichen Weltbildes


durch, das einen dreifaltigen männlichen

Gott von männlichen Priestern

verkünden lässt.

In der Tiefe des Glaubens nahm aber in

der Abfolge der Jahrhunderte das

„weibliche“ Element immer mehr zu.

Verkörpert wird es von der Erdmutter,

der Schöpferin allen Lebens. Ihre Feste

im Jahreskreis, die das Kommen und

Gehen der Sonne und der Natur feiern,

sind uns heute im Wesentlichen als

christliche Feste wie Weihnachten,

Ostern, Pfingsten und vieles andere mehr

bekannt. Dass weder Christus diese

Feste einführte, noch die Urkirche sie

feierte, stört heute keinen mehr.

Eindrucksvoll ist für mich übrigens

immer noch die Beharrlichkeit, mit der


Menschen am Land ihren Maibaum

aufstellen. Dieser Kultus wird von der

Kirche weitgehend ignoriert, beweist

aber, dass Menschen zur Natur beten,

und das außerhalb eines christlichen

Rahmens. Im Besonderen gedenken Sie

dabei aber nicht des 1. Mais, sondern

der Nacht, die ihm vorausgeht. Einmal

hieß sie Beltanenacht, und die Menschen

strömten zu den Hexenbergen

Deutschlands, um auf ihnen den Frühling

in all seiner Pracht zu feiern. Beltane

könnte von der germanischen Gottheit

Baal abgeleitet sein, und Baalsfeuer

heißen. Früher entzündete man auf den

Bergen in der Walpurgisnacht Feuer.

Heute hat sich dieser Brauch nur im

alpenländischen Bereich erhalten und


wird in der Osternacht begangen. Feuer

aus Holz, das ist ein Sinnbild des

Lichtes, das als Bewusstsein in die Welt

dringt. Versteckt wird es von der

Schöpfung in den Bäumen.

Der Rosenkranz wird aus Holzperlen

verfertigt. Holz, das Material der

Bäume, war den Germanen heiliger als

den Christen. Wenn man sieht, wie

Dorfbuben versuchen, in fremden

Dörfern Maibäume zu klauen, erkennt

man darin die Wut über eine historische

Entwicklung, die ihnen die

Walpurgisnacht geraubt. Bäume, die man

der Rinde beraubt hat, dokumentieren

die Hexenaustreibung – denn Hexen

lebten immer zwischen der Rinde und

dem Stamm der Bäume.


Wir wollen in diesem Kapitel

Meditationsformen der traditionellen

europäischen Medizin suchen und damit

die Seele heilen. Dazu brauchen wir

einerseits den christlichen Glauben, der

über zwei Jahrtausende unser Denken

bestimmte und die Seele geformt hat als

Ebenbild Gottes, in dessen Angesicht sie

erschaffen wurde. Als Zweites aber

müssen wir Mutter Natur und ihre

Gesetze in diese Meditation

miteinbeziehen, denn eben so sehr, wie

die Erdmutter bei den Bräuchen und

Festtagen ins Christentum einfließen

musste, um dem Glauben Balance zu

verleihen, muss sie auch in den Gebeten

vorkommen.

Was ist eigentlich Beten? Im Prinzip der


Versuch, an höhere Werte zu denken.

Was sind höhere Werte? Das definiert

jede Kultur selbst. Im Christentum

bestimmt Gott, was höhere Werte sind.

Jesus hat uns Beten gelehrt, und zwar

das „Vaterunser“. Die Frage wäre damit

beantwortet. Wenn wir über das

germanische Erbe nachdenken, wissen

wir relativ wenig. Soviel aber haben

wir von Tacitus erfahren: Für die

Germanen war die Natur göttlich, und

ihre Götter verbanden sich mit einzelnen

Bäumen, Heilpflanzen, Tugenden und

Lebensprinzipien. Aufgezeichnet wurde

das offenbar in primitiven Buchstaben,

die wir heute als Runen kennen. Es

waren Stäbe, die von Buchen geschnitten

und mit Zeichen versehen wurden. Wir


wissen von Tacitus, dass man damit

Prophezeiungen übte, indem man

einzelne Stäbe auf den Boden warf und

deutete. Das heißt, dass viele Germanen

Holzstäbe mit sich führten, denen sie

höhere Bedeutung beimaßen.

Wer heute als Kind in der katholischen

Kirche den Rosenkranz lernt, könnte

vermuten, es handle sich dabei etwas

Urchristliches. Das ist ganz und gar nicht

so. Über ein Jahrtausend lang gab es in

der Kirche keinen Rosenkranz, diese

Gebetsschnur mit einem Kreuz und 59

Perlen, bei denen 55 Perlen zu einer

Kette verbunden sind. Eingeführt hat ihn

der heilige Dominikus, der Gründer des

Dominikanerordens, im Jahre 1208.

Vorausgegangen war eine


Marienerscheinung, in der ihm diese

Neuerung in Form einer Vision

aufgetragen wurde.

Eine kleine Abschweifung. Wir sagen

„Marienerscheinung“, und das relativ

gelassen. Wer ist eigentlich Maria? In

der Bibel ist sie die Mutter Gottes.

Direktiven, die sie den Jüngern Jesu

gegeben hätte, sind nicht bekannt.

Deshalb habe ich immer dann, wenn ich

von Marienerscheinungen höre, große

Skepsis, denn hier tritt eine allmächtige,

überaus selbstbewusste Frau in

Erscheinung, die wir so aus der Bibel

nicht kennen. Die Tendenz in der Bibel

ist eindeutig: Wenn Maria als

Nachfolgerin von Jesus vorgesehen

worden wäre, hätte er sie wohl dazu


ernannt. Wenn es so gewesen wäre, dass

Maria die Bergpredigt gehalten hätte,

würde ich das, was Maria im Laufe des

letzten Jahrtausends in Visionen

mitgeteilt hat, gerne glauben. Oder wenn

Jesu auf dem Kreuz gesagt hätte: Seht

diese Frau, ab jetzt ist alles, was sie

sagt, Gottes Wort. Hat er aber nicht.

Dass darüber in katholischen Kreisen

nicht gern gesprochen wird, wundert

mich nicht. Dort nehmen zu viele den

religiösen Eifer der Marienanbeter allzu

gerne als Koalitionsangebot an in der

Auffassung, man könne damit die

Glaubensgemeinde verstärken. Ich

behaupte: Die Begeisterung für die

Mutter Gottes ist kein christliches

Phänomen.


Wie können wir uns dann aber

Marienerscheinungen erklären? In

meinen Augen sind es Auftritte der

Erdmutter im Bewusstsein der

Menschen. Wer einmal „Der goldene

Esel“ von Lucius Apuleius aus dem 2.

Jahrhundert nach Christus gelesen hat,

merkt schnell, dass eine überirdische

Frau, die als Erscheinung auftaucht,

anbetenswürdig ist, aber viele Namen

hat, zum Beispiel Ceres, Göttin des

Ackerbaus. Nachdem Apuleius den

Kosmos griechischer und römischer

Gottheiten in der Schule gelernt hat,

verwendet er ihre Namen, um die

Erscheinung zu benennen. Wenn man

bedenkt, dass es im Mittelalter, aber

auch später, neben der christlichen


Kultur in Europa kein weiteres Wissen

mehr gab, musste jeder, der ein

überirdisches Erlebnis hatte, in einer

königlichen Frau die Mutter Gottes

erkennen. So ist auch der Rosenkranz

entstanden. Mit Maria, der Mutter Gottes

oder Erdmutter tritt etwas Weibliches in

den ansonsten klar von Männern

dominierten Katholizismus, und der

Rosenkranz, den sie zu beten lehrte, ist

ein wie Yin und Yang ausbalanciertes

Meditationshilfsmittel, in dem der

christliche Glaube und die Erdmutter

etwa zu gleichen Teilen zur Geltung

kommen.

Das schenkt dem Rosenkranzbeten auch

heute noch eine besondere Heilkraft.

Einerseits macht er dem christlichen


Menschen bewusst, woran er glaubt.

Andererseits verweist er ihn auf

Eigenschaften oder Tugenden, die zum

Teil auch die Inhalte der 24

germanischen Runen sind, wie wir

später erkennen werden. Leider wissen

wir vom germanischen „Runenbeten“

sehr wenig, aber es ist unzweifelhaft,

dass man die streng in das Weltsystem

eingeordneten Bedeutungen, bei denen

jede Rune einem Element der Natur,

einem Heilkraut, einer Blume, einem

Baum, einem Tier, einem Körperbereich,

einem astrologischen Zeichen, einer

Farbe, einer Gottheit, einem Stein oder

einem Duft zugeordnet werden kann, zur

Heilung von Geist und Seele einsetzen

kann.


Rosenkranz und Runenkranz – vielleicht

ist eines nur die christlich erlaubte

Version des anderen. Angeblich sollen

die frühen Rosenkränze aus

Rosenhagebutten bestanden haben.

Vielleicht waren es aber auch 24 kleine

Holzscheibchen, auf denen Runen

eingeritzt waren. Wer sich mit ihnen

beschäftigt, verlässt die Welt, in der er

lebt und tritt gedanklich in das Reich der

höheren Werte ein, mit denen danach

auch der Alltag wieder erträglicher

wird, da man ihm mit einer Haltung

begegnen kann. In diesem Artikel möchte

ich die beiden Heilsysteme einander

gegenüber stellen und eine Kombination

vorschlagen. Wir wollen als erstes kurz

das Rosenkranzbeten behandeln. Es ist


so bekannt, dass ich es nur im Ansatz

streifen will. Wer es erlernen will, mag

auf die einschlägigen Broschüren der

Kirche zurückgreifen. Dazu nur soviel:

Der Rosenkranz ist ein wohlüberlegtes

System. Er besteht aus einer langen, zum

Kreis geschlossenen Kette und einer

kurzen Kette, an der ein Kreuz hängt.

Dort wird begonnen, indem man zuerst

das Glaubensbekenntnis ablegt. Danach

wird Gott angerufen und seine männliche

Dreifaltigkeit aufgezählt. Anschließend

spricht man das „Vater unser“, jenes

Hauptgebet, das Christus gelehrt hat, und

in dem das Verhältnis zwischen

Gläubigen und Gott beschrieben wird.

Nun, nachdem klargestellt wurde, dass

es sich hier um ein christliches Ritual


handelt, tritt man in einen Kosmos ein,

der im Bann der Mutter Gottes steht. Sie

wird begrüßt und als Lebensspenderin

gefeiert. Dieses Gebet wird unablässig

wiederholt und wird einen bis zum Ende

des Rosenkranzes begleiten.

Zwischendurch aber werden Einschübe

gemacht, bei denen am Anfang die drei

Kardinaltugenden Glaube, Liebe und

Hoffnung angesprochen werden. Sie sind

die Grundbedingungen für jede Heilung.

Die große Kette besteht aus 5

„Gesätzen“ zu je 10 Perlen. Zwischen

den Gesätzen wird ein „Vater unser“

gesprochen, in den Gesätzen ein

„Gegrüßet seist du Maria“ nach dem

anderen, mit Einschüben, die man die

„Geheimnisse“ nennt. Die Geheimnisse


sind Episoden aus dem Leben Jesu

Christi. Somit verzahnt sich dessen

Geschichte jedes Mal mit der Frau, die

Gott geboren und hervorgebracht hat.

Damit entsteht eine Feier der Natur als

Schöpfer nicht nur des Irdischen sondern

auch Gottes in seiner menschlichen

Form. Man unterscheidet freudenreiche,

lichtreiche, schmerzhafte und glorreiche

Geheimnisse, eine Einteilung, die an die

vier Elemente der Krankheitslehre

erinnert. Den freudenreichen, die Geburt

und Kindheit erzählen, kann man das

Wasser zuordnen, aus dem unser Leben

kommt, den lichtreichen das Feuer, das

auch den tatkräftigen Menschen anführt,

die schmerzhaften, bei denen Leiden und

Sterben geschildert werden, das Element


der Erde, zu der man sterbend

zurückkehrt, und die glorreichen, in

denen die Auferstehung geschildert

wird, das Luftige der Himmelfahrt.

Aus medizinischer Sicht ergibt sich hier

eine klare meditative Struktur. Der

Rosenkranz versinnbildlicht das Leben

am Beispiel des Lebens Jesu Christi.

Der Mensch ruht innerhalb der

Elemente, die gleichwertig einander

gegenüber stehen. Er richtet sich beim

Übergang von einem Element zum

anderen an Gott aus und kommuniziert

dazwischen immer wieder mit der Natur,

der Lebensspenderin. Daraus ergibt sich

auch die Heilkraft des

Rosenkranzbetens. Allerdings ist der

Kosmos des Gebetes für heutige


Begriffe etwas zu eng. Die

Leidensgeschichte Christi ist

vorbildhaft, das tägliche Leben kommt

darin aber nur unzureichend vor. Hier

können uns die germanischen

Schriftzeichen, die dem Schöpfer des

Rosenkranzes vielleicht als Vorbild

dienten, helfen.

Kommen wir nun also zu den Runen. Es

sind Schriftzeichen, die ursprünglich

offenbar aus der Gegend des heutigen

Libanon oder Syrien stammen. Wann und

wie sie zu den Germanen gelangt sind,

ist unklar. Ähnlichkeiten mit der

römischen Schrift sind auffallend.

Ungewöhnlich daran ist nur, dass diese

Runen von Seiten der Germanen mit

Bedeutungen aufgeladen wurden, die sie


als römische Buchstaben nicht haben.

Es gibt 24 Runen. Sie bilden sechs

Gruppen zu je vier Bedeutungen.

In der ersten Gruppe geht es um Kraft:

F Fehu Kraft im Sinne von Reichtum,

Fruchtbarkeit

U Uruz Kraft im Sinne von Ausdauer,

Virilität

TH Thurisaz Kraft im Sinne von

Kampfkraft, Zerstörungskraft

A Ansuz Kraft im Sinne von Lebenskraft,

Spiritualität, Sprachmacht

Die zweite Gruppe behandelt die

Formen der Freude:


R Raidho Freude über Lebensrhythmus,

Reisen

K Kenaz Freude über Bewusstsein,

Erleuchtung

G Gebo Freude über Gütergemeinschaft,

Ehe

W Wunjo Freude im geschlechtlichen

Sinn, Wonne, Orgasmus

Die dritte Gruppe stellt den Lebenslauf

dar:

H Hagalaz Das Leben hat einen Anfang

und ein Ende

N Naudhiz Das Leben ist Schicksal, aber

man kann das Schicksal ändern


I Isa Das Leben kann in Stillstand und

Erstarrung verharren

J Jera Das Leben verläuft in Kreisen:

Jahreszeiten, Monde, etc.

In der vierten Gruppe geht es um die

Aufgaben des Geistes

EU Eihwaz Das Unterbewusstsein, das

mit dem Bewusstsein Balance halten

muss

P Perthro Die Weisheit, und wie man sie

vermehrt

Z Algiz Wo kommen wir her, wo gehen

wir hin. Lebenskunst und Sterbenskunst

S Sowilo Der Wille und die Hoffnung

auf das Gelingen des Lebens, auf den


Sieg

Die fünfte Gruppe behandelt die

Grundregeln unseres Miteinanders:

T Tiwaz Die Weltordnung, das

siegreiche Gesetz, das Gerechtigkeit

bedingt

B Berkana Die Macht, Leben zu schützen

oder zu vernichten

E Ehwaz Das Eingehen von

Partnerschaften; Harmonie und Einigkeit

in der Ehe

M Mannaz Jeder Mensch hat männliche,

weibliche und göttliche Seiten


Die sechste Gruppe die Kräfte der Natur

dar:

L Laguz Das Fließende

NG Ingwaz Das Reifende

O Dagaz Der Einfluss von Tag und Nacht

D Othala Das Wurzeln, sich Verankern

So wie der Rosenkranz den christlichen

Glauben in Westentaschenformat

bereithält, kann man aus diesen

Gruppierungen von Runen das

germanische mystische Denken

herauslesen. Nehmen wir dazu noch das

Gebet des bereits erwähnten römischen

Schriftstellers und Hexers Lucius

Apuleius (124-179 n. Chr.) aus seinem


Schelmenroman „Der goldene Esel“, in

dem er einer „Marienerscheinung“

huldigt, und wir können uns daraus einen

nichtchristlichen Runenkranz

zusammenstellen. Dieser hat die Form

einer Kette aus 6 Gesätzen zu je 4

Perlen, auf denen alle 24 Runen

eingraviert sind. Man wechselt während

des Betens von der ersten bis zur letzten

Rune auf dem Weg durch die Gesätze

„Kraft“, „Freude“, „Lebenslauf“,

„Geist“, „Miteinander“ und „Natur“. Bei

jeder Perle beginnt man mit den Worten:

Gesegnete Mutter des Himmels

du ernährst alle Früchte

Und bringst sie zur Reife

Nimm mein schweres Schicksal von mir


Und gib mir Ruhe und Frieden.

Nun spricht man das Geheimnis der

Rune, z.B.

Schenk mir die Kraft, reich zu werden,

und fruchtbar

Danach folgt der Absatz:

Gesegnete Mutter des Himmels

Lass mich wieder unschuldig werden


Und sorglos.

Jetzt beginnt man wieder mit „Gesegnete

Mutter des Himmels“ und spricht dann

das Geheimnis der nächsten Rune.


Die Geheimnisse der Runen

Kraft-Gruppe:

Schenk mir die Kraft, reich zu werden,

und fruchtbar

Schenk mir die Kraft, zäh zu sein, und

unbezwingbar

Schenk mir die Kraft, zu kämpfen und zu

ändern

Schenk mir die Kraft, zu leben, zu

fühlen, zu sprechen

Freude-Gruppe:

Schenk mir Freude über das Leben


Schenk mir Freude über Gefühle

Schenk mir Freude über den Anderen

Schenk mir die Freude der Lust

Leben-Gruppe

Hilf mir anfangen, hilf mir ein Ende

machen

Hilf mir das Schicksal zu ertragen, und

es zu ändern

Hilf mir, ruhig zu werden, und wieder

unruhig zu werden

Hilf mir auf dem Weg durch die

Jahreszeiten

Geist-Gruppe


Hilf mir dabei, auf innere Stimmen zu

hören

Hilf mir dabei, weiterzulernen

Hilf mir dabei, einen Sinn zu finden

Hilf mir dabei, zu gewinnen

Miteinander-Gruppe

Schenk uns Gerechtigkeit und ein

siegreiches Gesetz

Schenk uns die Macht, Leben zu schützen

und Leben zu nehmen

Schenke uns Einigkeit in der

Partnerschaft

Schenke uns Offenheit für die

Unterschiede des anderen


Natur-Gruppe

Lass es fließen

Lass es reifen

Lass es Tag werden und Nacht werden

Sei mein Halt


Zweites Buch: Kraft und

Balance der Elemente

Man kann das, was die Welt im Innersten

zusammenhält, auf einen Bierdeckel

schreiben. Es ist so einfach und so

grundlegend: Feuer, Wasser, Luft und

Erde, die vier Elemente. Sie regieren

nicht nur die Natur, sondern sie regieren

auch uns, weil wir zur Natur gehören.

Und wer diese Kräfte der Natur in ihrem

Innersten erkennt, kann sie für sich

nutzen. Wer das Wirken und Weben der

Elemente begriffen und verinnerlicht hat,

wird einfacher und gesünder leben. Er

wird die Natur und den Menschen besser


verstehen und dadurch, dass er das

Wirken der Elemente in ihnen erkennt,

auch in seinem persönlichen Leben

Klippen umschiffen können, an denen

andere scheitern. Wer die Kraft der

Elemente zu nutzen weiß, hat die

Kernpunkte einer Lebensphilosophie zur

Hand, die als Grundlage aller anderen

Lebensphilosophien dient, denn sie ist

so elementar wie es eben sprichwörtlich

nur die Elemente sein können. Besonders

wichtig ist das Verständnis der Elemente

aber dem Heiler. Es ist dem Arzt damit

die Grundlage der Medizin schlechthin

gegeben. Denn der Arzt, der heilen

willen, geht mit lebenden Organismen

um, die der Kraft der Elemente

gehorchen. Wer diese Kraft zu nutzen


weiß, wird als Therapeut wissen, wie

man heilt, und das ganz unabhängig von

der Heilmethode, für die er sich dabei

entscheidet. Er wird Krankheiten

verstehen und auch die Wirkweise von

Heilmitteln verstehen können, egal, ob er

sich nun als „Schulmediziner“ oder

„Naturheilkundler“ deklariert.

Was müsste nun auf dem Bierdeckel des

Heilens stehen? Eigentlich genügen zwei

Sätze:

„Leben ist die harmonische Mischung

der vier Elemente Feuer, Wasser, Luft

und Erde. Krankheit ist die Störung

des Gleichgewichts dieser Kräfte.“


Aus diesen banalen Sätzen lässt sich

alles andere ableiten, von dem in diesem

Buch die Rede sein soll. Alles weitere,

was Sie hier lesen werden, sind nur

Erläuterungen dieser Sätze. Fangen wir

einmal bei einem ersten Beispiel an.

Nehmen wir einmal an, Sie sind

stundenlang durch den Regen gewandert

und entwickeln nachfolgend eine

Erkältung, dann werden Sie selbst

relativ leicht zu der Ansicht kommen,

dass die vier Elemente in Ihrem Körper

nicht mehr in Harmonie sind, denn Sie

sehen ja selbst, dass er durch den kalten

Regen an einem Übermaß an Kälte und

Feuchtigkeit zu leiden begonnen hat. Sie

frieren und Sie bilden Schleim, meist


aus der Nase, und es mag auch sein, dass

Sie häufig Harn lassen müssen. Dass der

Körper Feuchtigkeit ausscheidet, ist

zugleich schon ein Heilungsversuch, der

ohne jede Arznei abläuft. Der Körper

wird gesund, indem er die harmonische

Mischung der Elemente wieder selbst

herbeiführt. Er scheidet überschüssiges

Wasser aus, um den körpereigenen

Anteil an Wasser wieder auf ein Viertel

zurück zu führen.

Stellen Sie sich nun im Gegenteil vor,

Sie seien mehrere Stunden in der prallen

Sonne durch die Wüste gelaufen. Was

macht der Körper jetzt? Er entwickelt

Durst im Versuch, das Übermaß an Hitze

und Trockenheit abzumildern, die das


von der Sonne einstrahlende Element

Feuer im Körper hervorgerufen hat.

Interessant ist aber auch die Reaktion

der Haut auf diese Überhitzung. Ein

Sonnenbrand ist eine nachfolgende

Überwärmung und Rötung der Haut,

mittels der der Körper Hitze und

Trockenheit der Umgebung zurückgibt,

um das Übermaß im Körper

auszugleichen. Ist die

Sonneneinstrahlung zu groß gewesen,

merken wir direkt, wie sich die

Elemente im Körper wieder voneinander

trennen, Feuer und Wasser auseinander

streben. Dadurch geht Gewebe kaputt,

löst sich auf, aber man findet auch feurig

„entzündete“ Gewebepartikel neben

Wasserblasen. Oder das im Körper


efindliche Wasser wird aus dem Darm

in Form von Durchfall ausgetrieben, was

bei Sonnenbrand häufig vorkommt, und

auch das neben der Niere zweite große

wässrige Organ, das Gehirn, wird durch

ein Übermaß an Feuer eingetrübt,

deliriert, entwickelt Halluzinationen,

während im ganzen Körper die trockene

Hitze in Form von Fieber tobt.

So eindringlich diese Beispiele bei den

Elementen Feuer und Wasser sind, so

diffus wird nun der erste Blick auf die

Elemente Luft und Erde. Genauso wie

die Paare Feuer und Wasser vereinen

sich die Elemente Luft und Erde zu einer

perfekten Mischung Leben mit den

Eigenschaften warm, kalt, trocken und


feucht, und können gleichsam

untereinander auch Feuer und Wasser

hervor-bringen. Doch eine Dysbalance

der beiden können wir vorerst nur

erkennen als „Kindischwerden“ oder

„Altwerden“. Das Element Luft steht für

die Jugend und das Element Erde für das

Alter. Luft ist die Lebenskraft, und Erde

der Tod, der ja von Geburt an im Körper

kreist, nun aber als „altern“ sichtbar

wird. Es wird jedem einleuchten, dass

die zunehmende Verhärtung und

Versteinerung des Menschen während

des Alterungsprozesses, das

„Verkalken“, nichts Gutes ist. Die

Medizin hat das Problem erkannt und

dafür die Mehrzahl ihrer Arzneien

entwickelt, doch das Handvoll Staub,


aus dem sich der Mensch vom Keim bis

hin zum Erwachsenen erhebt, die

Verkalkung von annähernd 12

Kilogramm Knochenmasse, die aus uns

aufrechte Menschen und Zweibeiner

macht, gehört zum gesunden Leben

ebenso dazu wie der Atem des

Schöpfers, der in Form von Sauerstoff

jedes Körpergewebe durchpulst und es

ernährt und dadurch garantiert, dass

Wachstum und Gesundheit überhaupt

möglich ist. Das Problem liegt also nicht

am Element Erde, das uns zu alten

Menschen macht, sondern am

Nachlassen der Kraft des Elementes Luft

im Laufe des Lebens, etwas, das nach

und nach an Intensität nachlässt, die

Lebenskraft, die bis zu dem Tag


hinschwindet, an dem wir sterben. Dabei

verlischt das Element Luft in uns und

lässt Kälte zurück und Trockenheit. Nach

dem Tod mag sich noch Feuer in Form

von Infektionen austoben und Wasser

verdunsten, bald aber besteht das, was

einmal Mensch war, nur mehr aus Erde,

darunter vor allem das eindrucksvolle

Skelett der ehemaligen Knochen.

Was ist aber das Element Luft im

Menschen? Das, was uns zu Kindern

macht, das, was uns Kraft gibt, die in

Blut und Muskeln gespeicherte Aktivität.

Auch davon kann es zu viel geben, wie

uns die Schilddrüse, die größte

Hormondrüse des Körpers und zentrales

Organ des Elementes Luft im Körper,


eweist. Wer eine Überfunktion der

Schilddrüse erlebt hat, weiß genau, wie

es sich anfühlt, an einer luftigen

Krankheit zu leiden. Hitze und

Feuchtigkeit sind die Themen, aber auch

das sich Auflösen aller Strukturen durch

den zu intensiven Hauch des Schöpfers.

Der Geist wird hektisch und willenlos,

fast kindlich, das Gefühl löst sich in

Angst auf und der Körper zerschmilzt

vor unseren Augen durch eine radikale

Gewichtsabnahme.

All das soll eine einführende Illustration

des ersten Satzes „Leben ist die

harmonische Mischung der vier

Elemente der Natur“ sein. Leben und

Gesundheit und Wohlbefinden sind hier


eigentlich das Gleiche. Man kann diesen

Satz aber auch als Maxime für sein

Leben nehmen und sagen: Das Ziel des

Lebens ist es, die vier Elemente der

Natur in Balance zu halten.

Das Wissen vom Heilen der

Krankheiten

Den Satz werden Sie in den

Hochkulturen der Menschheit von

Heilern öfters hören: Ohne eine genaue

Kenntnis der Elementelehre gibt es gar

kein Heilen. Das stimmt ja auf jeden Fall

für die asiatische Medizin, die in


unseren Breiten heute so hoch geschätzt

wird. Nicht, weil sie der unseren

Medizin überlegen wäre, sondern weil

dieser Teil unserer eigenen Medizin

über Jahrhunderte unterdrückt und

letztendlich aus dem Kanon der

westlichen Medizin entfernt wurde. Dass

sie aber in unseren

„schulmedizinischen“ Praxen in den

meisten Fällen fehlt, wird keiner

bezweifeln. Die ganze Idee, jemanden zu

heilen, ist einfach unmöglich ohne die

Elementelehre, und deshalb hat es in den

letzten Jahrhunderten auch in Europa

immer wieder Entwicklungen gegeben,

um sie neu auferstehen zu lassen. Und

dazu gehört auch die heutige Tendenz,

das Heilen, das sich im asiatischen


Raum erhalten hat, genau zu studieren,

um damit auch die Spuren unseres

eigenen Heilens wieder neu

aufzunehmen. Sowohl chinesische, als

auch tibetanische und indische Heiler

nutzen die Elementelehre, auch wenn

diese in ihrer jeweiligen Sprache anders

heißt und oft auch eine individuelle

Ausprägung erfahren hat. In unseren

Breiten hat sich die Elementelehre noch

am stärksten im Dunstkreis der

katholischen Kirche erhalten können,

denn in deren Archiven sind viele

Schriften verschwunden, wurden dann

doch wieder von Mönchen heimlich

gelesen und auch zu Heilzwecken

genutzt, was die „Klostermedizin“ oder

„Hildegardmedizin“ hervorgerufen hat.


Doch sie waren nach der Auffassung

früherer Kirchenväter ein Werk des

Teufels, denn man war der Ansicht, dass

prinzipiell nur Gott heilen kann. Ärzte

waren von der Kirche nicht vorgesehen,

und wenn, dann nur als Unterstützung des

Priesters. Wenn Gott nicht heilt, so die

damalige Auffassung, dann liegt das

daran, dass er es nicht will, weil der

Mensch eine Sünde nicht bereut, oder

weil er den Menschen prüfen möchte.

Jesus als Arzt, der Glaube als Heilkunst,

diese Auffassung dominierte die

Spätantike und das Mittelalter. Dieser

Konflikt hat die Abwanderung der

Heilkunst in die Wälder bewirkt. Und

wer sich in der Zurückgezogenheit mit

der Heilkunst und den Wissenschaften an


sich befasste, war der damaligen

Obrigkeit suspekt. Kenntnisse über die

Wirkweise von Arzneien konnte da

schon als gotteslästerlich angesehen

werden, und wer diese hatte, galt als

Zauberer oder Hexe und wurde zu

manchen Zeiten auch verfolgt.

Aber auch in den Klöstern ist die

Elementelehre als Basis der Heilkunst

nie ganz verschwunden. Hildegard von

Bingens Schriften, die über mehrere

Jahrhunderte in den Archiven

verschwanden, zeugen davon. Sie

stammen aus dem 12. Jahrhundert sind

die letzten Aufzeichnungen dieser

Heilkunst. Das Konzil von Clermont

1130 verbot der Kirche die Fortsetzung

der antiken Medizin, wodurch diese


Tradition nach und nach zum Stillstand

kam. Was heute noch in der

Klosterheilkunde überlebt hat, ist nur

mehr ein Schatten der alten Pracht,

bereinigt durch christliche Vorstellungen.

Die Neuentdeckung der Elementelehre

zu Beginn der Neuzeit durch die Ärzte an

den Universitäten bewirkte, dass man

sich intensiv mit den Schriften des

Claudius Galenus beschäftigte. Dieser

Arzt aus dem Heilzentrum Pergamon

kam im 2. Jahrhundert nach Christus

nach Rom, war dort zuerst ein handfester

Gladiatorenarzt, stieg aber bald zum

Leibarzt des römischen Kaisers auf, da

er mit der Anwendung der

Elementelehre, die in Pergamon sehr


differenziert angewandt wurde –

Pergamon war eine Art Kurbad, in dem

man durchaus „Kneipp'sche“

Anwendungen schon kannte, aber auch

Heilschlaf als Vorstufe der

Psychoanalyse übte – große Heilerfolge

erzielte. Kurze Zeit danach versank aber

das alte Rom der Antike im Orkus der

Geschichte, und was damals eine Blüte

erlebt hatte, verschwand ebenfalls. Die

meisten medizinischen Schriften sind in

den Wirren der Zeit verlorengegangen,

darunter auch vieles von dem, was

Galen verfasst hatte. Und es mussten

über tausend Jahre vergehen, bis man

aus den wenigen vorhandenen Papieren

wieder einigermaßen entziffert hatte,

was die Elementelehre eigentlich


ausmacht. Wenn Ärzte heute von

Claudius Galenus hören, einen Mann,

der die „Säftelehre“ schuf, reagieren sie

meist mit einem milden, abwertenden

Lächeln. Es gab in der Geschichte der

Medizin viele Irrlehren, und eine davon

– so der heutige Konsens – sei eben die

Lehre des Galen gewesen, von der fast

nur mehr der Begriff der Galenik, der

Bindung von Arzneien an

Trägersubstanzen, erhalten ist. Bis in das

18. Jahrhundert war die Elementelehre

die maßgebliche Heilkunst auch an den

Universitäten, und ein Mann wie

Paracelsus, der im 16. Jahrhundert

wirkte, übte sie selbstverständlich aus.

Warum sie mit der Neuzeit

verlorengegangen ist? Dafür gibt es


einige Verantwortliche, darunter vor

allem die halbgebildeten Bader und

Steinschneider, die unter Vortäuschung

der Anwendung der Elementelehre bald

jeden Patienten mit Aderlässen

behandelten, was bei den kühlen

Störungen – Wasser und Erde – fatal sein

kann. Auch an den Universitäten ist die

Lehre von den Elementen nie zufriedenstellend

verbreitet worden, sondern es

ist immer der Eigeninitiative von

Männern wie Paracelsus überlassen

geblieben, diese zu einem System des

Heilens zu verarbeiten. Das ist

erstaunlich, denn es gibt eine Reihe von

stichhaltigen Argumenten dafür, dass

diese „Säftelehre“ – oder genauer

gesagt, die Lehre von den Elementen –


der größte medizinische Durchbruch ist,

den es in der Geschichte der Medizin je

gegeben hat. Asiatische Völker haben

das begriffen und über Jahrtausende

bewahrt. Wenn man wissen will, was

einem Menschen fehlt, braucht man die

Grundbegriffe der Elementelehre, um

seine Beschwerden überhaupt

wissenschaftlich einordnen zu können.

Und auch die Heilmittel, die man

benutzt, müssen entweder dieser

Befindlichkeit nach den Elementen

entgegengesetzt oder ihr ähnlich sein, um

überhaupt helfen zu können.


DIE ELEMENTE UND DIE NATUR

Systematik der Elemente

Woraus besteht nun die Elementelehre?

Feuer, Wasser, Luft und Erde – wie sich

die vier Elemente im Körper mischen,

beschreibt die Bibel im Schöpfungsakt

des Menschen, wenn es heißt, dass Gott

eine Handvoll Staub nahm und diesem

seinen Atem einblies. Die Erde war kühl

und trocken, und der Atem des Schöpfers

feucht und warm. Das Gebilde, das

dabei entstand, enthielt alle diese vier

Eigenschaften im gleichen Maß. Wenn


man sie den einzelnen Elementen

zuordnet, ergibt sich folgende

Aufteilung:

Die vier Elemente

Feuer Warm und trocken

Luft Warm und feucht

Erde Kühl und trocken

Wasser Kühl und feucht

Man kann diesen Schöpfungsvorgang


auch in der Natur beobachten. Unten sind

die kühlen Elemente. Wenn eine Pflanze

wachsen will, dann saugt sie Mineralien

als irdische Bestandteile mitsamt dem

Wasser hoch. Die kühlen Elemente

steigen auf und vermischen sich dabei

mit den warmen Elementen. Wie stark

sie durch die Wärme aus der Erde

gelockt werden, hängt vor allem vom

Grad der Sonneneinstrahlung ab. Die

Sonne verkörpert das Element Feuer. Sie

ist der Gott der Pflanze, auf den hin sie

sich ausrichtet, und von dem sie die

Kraft erhält, ihren Körper aus den

kühlen Elementen heranzubilden. Aber

auch die Temperatur der Luft ist von

großer Bedeutung. Je wärmer und

feuchter die Umgebungsluft auf eine


Pflanze wirkt, desto weicher und

üppiger wächst sie. Auch dieses

Element hat etwas Beschützendes,

Ernährendes. Man kann sagen, dass die

Pflanze einen Vater hat, der ist die

Sonne, und die Mutter, die ist die Luft.

Und man kann darüber müßig

spekulieren, ob eine Pflanze die Sonne

als Schöpfer betrachtet und ihre

Hinwendung zum Licht als Glaube. Um

aber groß und stark zu werden, ist auch

ein passender Nachschub an den kühlen

Elementen notwendig. Sind die Wurzeln

nicht ausreichend im Erdreich verankert,

wird die Pflanze, wenn sie nur hoch

genug gewachsen ist, irgend-wann

einmal umstürzen. Und wenn nicht

ständig das rechte Maß an Wasser


vorhanden ist, wird sie verwelken. Hier

ist die Aufgabe, das richtige Maß

zwischen den vier Elementen zu halten,

gleichsam der Beruf einer Pflanze.

Dieses Beispiel des Lebenszyklus der

Pflanzen zeigt das Wirken der Elemente.

Es ist das einerseits eine Frage der

Umweltbedingungen, unter denen

Pflanzen gedeihen. Andererseits aber ist

die Pflanze ein lebendiges Wesen, das

sich die Elemente zunutze macht und

Ungleichmäßigkeiten aktiv ausgleicht,

beispielsweise durch Bildung von

Substanzen, die ein Übermaß an

Feuchtigkeit verhindern können. Ein

gutes Beispiel ist die Brunnenkresse, die

unter extrem kühlen und feuchten

Bedingungen heranwächst. Kostet man


sie, schmeckt sie ungewöhnlich würzig,

fast senfartig. Es ist das feurige, eine

heiße Empfindung im Mund

hervorrufende Senföl, das diesen

Geschmack verursacht. Dieser

Inhaltsstoff hilft der Pflanze, in diesem

Umfeld zu wachsen und zu gedeihen.

Und wenn ihr das gelingt, dann ist

anzunehmen, dass der Mensch, der in

einer kühlen und feuchten Umgebung

gesund bleiben will, durch Aneignung

dieser Stoffe seine Abwehrkraft stärken

kann.

Diese These ist die Grundlage der

Elementelehre – und gewissermaßen

auch jeder Form der Medizin. Egal, ob

Sie jetzt als Hexe im mittelalterlichen

Wald geheime Kräuter verkosten oder


heutzutage als Pharmazeut im

chromblitzenden Labor stehen – ihre

Gedanken werden immer dahingehen,

wie man etwas, das in einem lebenden

System funktioniert für den Bedarf des

Menschen anpassen kann. Der erste

Schritt bei der Analyse ist die

Beobachtung, dass das klimatische

Übermaß eines Elementes das Aussehen

und den Charakter formt und dabei

womöglich Pflanzen dazu veranlassen

wird, sich gegen diese einseitige

Belastung zu wehren. Wüstenpflanzen

werden durch ein Übermaß des

Elementes Feuer hart und stachelig und

ragen auf. Diese Charakteristika machen

sie noch nicht zwingend zu Arzneien.

Der Blick wird auf der Suche nach


medizinisch wirksamen Substanzen zu

Pflanzen hingehen, die in dieser extrem

feindlichen Umgebung besser gedeihen

als andere. Ähnlich steht es mit einem

feucht-kühlen nordeuropäischen

Laubwald, in dem niedrige, flauschige

Pflanzen von grüner Farbe wachsen. Wer

von ihnen kostet und einen neutralen

Geschmack erhält, wird annehmen, dass

diese Pflanzen sich dort so entwickelt

haben, wie es den Umständen entspricht.

Als Arzneien werden sie durch ihre

Angepasstheit ungeeignet sein. Anders

steht es beispielsweise mit Pflanzen, die

schon durch eine ungewöhnliche Farbe –

ein knalliges Rot oder ein leuchtendes

Gelb – andeuten, dass sie alles andere

als durchschnittlich sind und eher dem


Element Feuer zugerechnet werden

wollen. Unter ihnen wird sich die eine

oder andere Heilpflanze mit der

Fähigkeit, Trockenheit und Hitze im

Körper zu entwickeln, finden. Man

findet Heilpflanzen also immer, indem

man sich den Rebellen im Pflanzenreich

zuwendet, den findigen und somit auch

Erfindern unter den Pflanzen, die die

Mühsal des Lebens durch ein Produkt

lindern, das sie in sich zu bilden gelernt

haben. Diese Erfahrung kann die Pflanze

dann auch einem Menschen, der unter

dem gleichen Problem leidet, mitteilen.

Wie diese Wirkung konkret abläuft,

darüber muss keine Übereinstimmung

herrschen. Der Pharmazeut wird

chemische Inhaltsstoffe suchen, die er


vielleicht im Labor nachahmen kann.

Der Philosoph wird vielleicht der

Ansicht sein, dass sich die Weisheit der

Pflanze über feinstoffliche Wege

mitteilen kann. Egal, wie handfest eine

Heilung passiert – wichtig daran ist nur,

dass sie systematisch stattfinden kann,

indem man die Erfahrung der Pflanze

und das, was sie „mitzuteilen“ hat, in

eine Ordnungssystem einteilt. Dieses

System bietet die Elementelehre.

Sinnvoll angewandt kann sie jede Form

der Medizin beflügeln und ihr Struktur

verleihen.

In unserem mitteleuropäischen Klima –

das haben die Klostermediziner des

Altertums festgestellt, wachsen sehr

viele wärmende und trocknende


Heilpflanzen heran wie zum Beispiel

Andorn, Bertram, Bohnenkraut, Dill,

Dost, Eberraute, Fenchel, Galgant,

Gewürznelke, Haselwurz, Ingwer, Iris,

Kamille, Katzenminze, Kerbel,

Knoblauch, Kresse, Kümmel, Lavendel,

Liebstöckel, Meisterwurz, Nieswurz,

Pfeffer, Pfingstrose, Poleiminze,

Quendel, Rauke, Raute, Senfkraut,

Weihrauch, Ysop, Zimt und Zyperngras.

All diese Heilmittel stellt uns eine Natur

zur Verfügung, die uns in der kühlen

Jahreshälfte auch mit allerlei

Krankheiten quält, die aus dem feuchtkühlen

Klima entstehen. Diese Tatsache

hat in der Klostermedizin den Gedanken

hervorgerufen, Gott lasse für jeden von

uns sein Kräutlein wachsen. Damit man


den Fingerzeig Gottes aber auch

erkenne, würde jedes von ihnen in seiner

Gestalt die medizinischen Kräfte

erkennen lassen, die in ihm gespeichert

sind. Man nennt diese

Betrachtungsweise, die gerade bei den

Naturheilern bis zum heutigen Tag sehr

beliebt ist, die Signaturenlehre (vom

Lateinischen Signum = Zeichen), und

tatsächlich kann man generalisierend

festhalten, dass allen Blumen mit gelben

Blättern attestiert werden kann, ihre

Kräfte von der Sonne erhalten zu haben

und zur Stärkung jenes Organs geeignet

zu sein, in dem der Körper

Sonnenenergie speichert – nämlich in

der Leber, unserem wichtigsten

Stoffwechselorgan. Auffallend viele


gelbblütige Blumen wirken anregend auf

die Leber. Jede Menge Pflanzen, ganz

voran der Fingerhut oder die Früchte des

Weißdorns, bestechen durch ihre rote

Farbe und deuten dadurch auf ihre

Wirkung auf das Herz hin. Dünne, harte

Pflanzen wie der Ackerschachtelhalm

oder Dill sagen uns durch ihre Form,

dass sie den Körper austrocknen können,

während die niedrigen, rundlichen Pilze

oder die dunkelgrüne, glatte, flach auf

der Erde liegende Gurke ihren hohen

Wassergehalt schon allein durch die

Form ausdrücken. Diese Beispiele

ließen sich endlos fortsetzen. Wichtig ist

es sicherlich auch, an dieser Stelle

darauf hinzuweisen, dass in der Natur

viele Pflanzen vorkommen, die


wirksame Arzneipflanzen nur nachäffen,

das heißt, durch ihre Oberfläche

Heilwirkungen behaupten, die

tatsächlich nicht vorhanden sind.

Ähnlich kann es einem bei einem

Menschen gehen, den man nach seinem

Äußeren nach der Elementelehre

einordnen möchte, bevor man

letztendlich feststellt, dass man sich in

ihm getäuscht hat. Als grobe Richtlinie

aber gilt, dass auch ein blasser,

rundlicher Mensch einen höheren

Wassergehalt hat als ein anderer und

deshalb zu Krankheiten neigen wird, die

mit Überwässerung einhergehen, wie

zum Beispiel die Herzinsuffizienz,

während ein magerer Mensch mit scharf

geschnittenen Gesichtszügen und rotem


Gesicht eine innere Hitze andeutet, die

ihn eher zur Bildung von Blutgerinnseln

durch Eindickung des Blutes oder zu

Entzündungskrankheiten prädestiniert.

Und auch der Schluss, dass trocknende

Maßnahmen beim ersten Fall, zum

Beispiel die Einnahme von

Ackerschachtelhalmtee, medizinisch

wirken und Heil-erfolge ermöglichen

kann, ist zulässig, ebenso wie man

erwarten kann, dass im zweiten Fall die

Gurke als Bestandteil der Nahrung den

„hitzigen Typen“ ausgleichend behandeln

und Krankheiten der Austrocknung

verhindern wird.

Wenn man beurteilen möchte, welches

Element in der Natur oder einem

Lebewesen vorherrschend ist, sollte man


sich nach Auffassung der Alten zuerst

dem Jahreskreis zuwenden. Die

Tierkreiszeichen erzählen beredt die

Geschichte eines Jahresablaufs und

zugleich die Geschichte eines Lebens.

Davon soll später ausführlicher die

Rede sein, deshalb einleitend nur soviel:

Im Winter herrscht das Element des

Wassers vor. Das kühl-feuchte Element

kennen wir in der Zeit von Dezember bis

Februar, es bereitet Leben vor, indem es

in die dürren Baumstämme steigt, lange

bevor das Leben durch Blattspitzen

sichtbar wird. Auch der Mensch wird

mit einem Überhang an Wasser geboren.

Wir wissen, dass Babys einen weit

höheren Wassergehalt haben als in allen

späteren Lebensaltern, dass sie leicht


auskühlen, dass sie blass und

bewegungsarm und empfindsam sind wie

jene Menschen, die wir in diesem Buch

als „wässrige Typen“ auch im späteren

Lebensalter kennen lernen werden. Es

sind ja diese Alten, die körperlich sehr

passiv werden und dabei Flüssigkeit

einlagern und großen Babys ähneln. So

wie dann im Frühjahr die Zunahme der

Sonnen-kraft feuchtwarme klimatische

Verhältnisse schafft, in denen die Natur

grünt und gedeiht, gibt es auch im Leben

des Menschen in der Kleinkindphase ein

Stadium, in dem er bewegungsfreudig

wird, rosige Wangen bekommt und von

luftigen Ideen beherrscht wird. Manche

Kinder gehen in diesem Lebensalter

bevorzugt auf den Zehenspitzen, als


könnten sie dem Himmel nicht nah genug

sein. In diesem Frühling des Lebens

herrscht also das Element der Luft vor,

und das kann man auch daran erkennen,

dass Kinder in diesem Stadium sehr

stark zu fieberhaften Erkrankungen mit

blass gequollenen Entzündungen des

Lymphsystems neigen, die ebenfalls

durch Wärme und Feuchtigkeit

ausgezeichnet werden. In dieser Phase

sind die Menschen auch „inspiriert“ –

das Wort kommt vom Atem des

Schöpfers, der uns belebt – das heißt,

wir haben viele Ideen, sind idealistisch

und auch etwas unstetig wie Wolken, die

gerade im Frühling so oft schnell am

Himmel dahintreiben. Zerkocht die

Feuchtigkeit in der Natur mit


zunehmender Strahlkraft der Sonne und

schafft den trocken-warmen Sommer, ist

es auch so, dass der Sommer des Lebens

von Krankheiten dominiert wird, die so

wirken, als würde Wasser im Inneren

des Körpers zerkochen. Dazu gehört die

Steinbildung im Bereich der Galle und

des Harnsystems, als würde durch

Verdampfen des Wassers eine

Zusammensetzung der verbleibenden

Mineralien hervorgerufen. Die

Entzündungen in diesem Lebensalter

sind auch anderswo eher trocken,

besonders in Gelenken oder in der

Magenschleim-haut. In dieser Phase tritt

auch bei der Hälfte der Menschen ein

Bluthochdruck auf, das heißt, eine innere

Überhitzung des Wärme speichernden


Blutes. Dann kommt der Herbst. Geht in

der Natur die Sonne weg, ist Erntezeit,

und so ist das auch im Leben des

Menschen, es wird Bilanz über das

Erreichte gehalten, und der Stern der

Menschen, die Karriere gemacht haben,

sinkt aufgrund der nachlassenden

Lebenskräfte. Diese Auskühlung schafft

ein trockenes und kühles Zustandsbild,

das Raum für Krankheiten der

Organerschöpfung wie den Diabetes

mellitus oder Arthrosen oder Krebs

bietet. So wie die Natur im Herbst stirbt

und die Erde wieder wüst und leer wird,

stirbt auch der Mensch irgendwann im

Herbst seines Lebens, indem er wieder

zum kühl-trockenen Staub wird, fast so,

als hätte sich der feucht-warme Atem


des Schöpfers vollständig

zurückgezogen.

Sie sehen schon – das Spiel der

Elemente kann man nicht nur im

Jahreskreis beobachten, sondern auch im

Ablauf des Lebens, der vom Überschuss

an Wasser über Luft und Feuer zur Erde

führt. Jeder Mensch geht diesen Weg,

doch wann er in das eine oder andere

Stadium eintritt, kann man nur am

Einzelfall feststellen. Sie können

prinzipiell davon ausgehen, dass Babys

im Grunde genommen wässrig sind,

Kinder und junge Erwachsene luftig,

Erwachsene im mittleren Lebensalter

feurig und im höheren Alter erdig, aber

im Detail müssen Sie das schon kritisch

überprüfen. Es gibt Kinder, die schon


starke erdige Anteile aufweisen – und

genauso gut kann sich ein alter Mensch

noch als luftiger Typ erweisen. Das sind

aber Ausnahmen.

Ein gesunder Mensch wird manchmal

die vier Elemente in sich so harmonisch

vereinen, dass Sie nicht sagen können,

welches Element im Krankheitsfall

überschießend wirken wird. Man kann

ihn fragen, und wenn er Ihnen erzählt,

dass er häufig Infekte mit Fieber hat,

gehört er wohl zu den warmen

Elementen. Ebenso können Sie davon

ausgehen, dass einer, der immer wieder

über Schwäche klagt, eher den kühlen

Elementen zugeordnet werden kann.

Warm sind Krankheiten wie Steinleiden,

Bluthochdruck, Leukämie,


Blutungsneigung, eine Tendenz zur

Abszessbildung und Menschen mit

Hautrötungen. Wenn Sie einen Menschen

beleidigen und sein Gesicht errötet stark,

dann haben Sie einen feurigen Typ vor

sich. Errötet er schamhaft, wenn Sie ihn

bloßstellen, dann haben Sie es eher mit

einem luftigen Typen zu tun. Wässrige

und erdige Typen dagegen fallen dadurch

auf, dass sie blass sind, und wenn Sie

dann bei Aufregung ihre Hände berühren

und merken, dass diese kalt und feucht

sind, wissen Sie auch, dass dieser

Mensch wässrig ist. Kühle Trockenheit

dagegen weist auf das Element Erde hin.

Sie erkennen: Jemand muss nicht

besonders krank sein, um seinen

Basistyp zu „verraten“, sondern auch


schon leichte Irritationen weisen darauf

hin, in welche Richtung es geht. Hier gilt

unsere Aufmerksamkeit also vor allem

den Empfindungen. Doch die Kraft der

Elemente kann auf jeder Ebene des

Lebens beobachtet werden. Freilich ist

das nicht leicht. Jedes lebende Wesen

versucht sich dauernd zu harmonisieren,

und man kann die Elemente meist nur

vorübergehend, und dauerhaft nur im

Krankheitsfall augenfällig hervortreten

sehen. Und natürlich weist jeder Mensch

je nach Anlass oder Belastungssituation

die Fähigkeit auf, die Summe der

menschlich möglichen Empfindungen zu

entwickeln und somit, wenn er es denn

will, jedes Element hervortreten zu

lassen. In der Realität aber ist es so,


dass Menschen immer wieder eine von

vier Grundtendenzen zeigen, mit denen

sie auf Vorfälle des Alltags registrieren.

Und diese Tendenzen weisen dann

immer eindeutig darauf hin, welches der

Elemente hier gerade im Spiel ist.

Jahreszeiten und Lebensalter

Für Pflanzen und Tiere beginnt das Jahr

im Winter, wenn der Saft in die Bäume

steigt und die ersten Nachkommen

geboren werden. Dann kommt der

Frühling mit seiner urtümlichen


Wuchskraft, und danach der Sommer, in

dem alles ausreift. Der Herbst ist die

Erntezeit, in der die Natur wieder

vergeht. Von Seiten der Elemente ist der

Winter die Jahreszeit des Wassers, in

der der Keim in die Erde gelegt wird,

der Frühling die der Luft, in der ein

Keimling empor wächst, der Sommer

die des Feuers, in der die Sonne Früchte

schenkt und der Herbst gehört der Erde,

auf die die Früchte und Blätter fallen,

die sich mit der Erde vermischen.

Ähnlich steht es mit dem Menschen.

Geboren wird er im Stadium des

Wassers, taucht dann bei der Geburt in

der Luft auf und wird zum Luftatmer. Je

länger ihn die Sonne bescheint, desto

stärker verdunstet das Wasser in ihm,


und desto feuriger wird er, bis dann die

Wärme in ihm verlischt und er erdhaft

und nach seinem Tod auch in die Erde

gelegt wird.

Der Wassergehalt des Körpers eines

Babys ist höher als zu jedem anderen

Lebensstadium. Das ist nicht weiter

verwunderlich, denn das Baby war in

den ersten neun Monaten seines Lebens

ein Meeresbewohner, lebte in einer

Salzlösung. Babys sind blass und teigig,

und so lange sie salzige Nährlösung

trinken, also Säuglinge sind, ändert sich

das auch nicht. Es sind wässrige Wesen.

Bald aber beginnt sich in ihnen das

Element Luft zu regen, verleiht ihnen

rote Backen, öffnet ihre Sinne, macht sie

beweglich, und bald haben wir


Laufkinder vor uns, die auch im

gutmütigsten Fall auch in ihrem Wesen

alle Zeichen eines luftigen Charakters

zeigen. Sie gehorchen nicht,

widersprechen, stecken voller Ideen und

lustigen Sprüchen, haben sich nicht in

der Gewalt, lassen die Muskeln ihres

Willens spielen. Jetzt haben Kinder

jenes Lebensstadium erreicht, in dem sie

alten Menschen am unähnlichsten sind.

Dieses Stadium wird noch erschwert in

der Pubertät, in denen Kinder durch die

Aktivierung ihrer Hormondrüsen noch

rebellischer werden. Jetzt ist der Motor

der Luft voll angesprungen, jetzt feuern

die das luftige Element betreibenden

Organe – Schilddrüse, Thymusdrüse,

Eierstöcke, Hoden - voll. In diesem


Lebensalter ist es fast unmöglich,

Besitztümer zu erhalten, denn Besitztum

ist per Definition etwas Erdiges. Luftige

Menschen können mit Immobilien nichts

anfangen und sie können mit Geld nicht

umgehen, das Ausdruck von Materie ist.

Unmerklich gelangt der Mensch dann

aber in das Erwachsenenalter, in dem

dadurch, dass etwas bewegt wird, auch

Geld verdient – und auch behalten –

werden kann. Ein untrügliches Zeichen

davon, dass einer erwachsen geworden

ist, besteht darin, auch trocken sein zu

können, nämlich vernünftig. Diese

Trockenheit wird im Alter, wenn dann

auch die Wärme fehlt, zum Verhängnis

werden, ist jetzt aber immerhin noch mit

Hitze gepaart und kann in dieser


Lebensphase bewirken, dass man sich

als Mensch stark entwickelt, dass das

Leben auch Früchte trägt. Das geht nur

im Zeitalter des Feuers (das freilich bei

manchen Menschen auch im Alter nicht

aufhört), in dem der Mensch sich ganz

entfaltet, er selbst wird, und der Sonne,

dieser großen Lebensspenderin, am

stärksten ähnelt. In dieser Phase des

Lebens drohen die heißen und trockenen

Krankheiten, darunter vor allem jene,

die das Blut oder andere Körpersäfte

eindicken. Bald geht dann die Strahlkraft

des Feuers zurück, der Mensch wechselt

in das Lebensalter, das von der Erde

dominiert wird. Jetzt sind die

Krankheiten vornehmlich solche, die

durch Verlöschen der Organaktivität


gekennzeichnet sind. Das hohe Leben ist

in Gesundheit führbar, solange noch

Restwärme vorhanden ist, und hat als

großen Vorteil die Weisheit, nämlich

Vernunft gepaart mit Vorsicht, die

vornehmlichen erdigen Eigenschaften,

bei denen auch alles Erdige im außen –

Grundbesitz, Münzen – im stärkeren

Maß vorhanden sind. Wer noch etwas

Feuer im Erdigen hat, hat auch noch die

Möglichkeit, kühle und kluge

Entscheidungen zu treffen. Ist aber die

Wärme ganz verschwunden, wird der

Geist langsam und träge und das Gefühl

droht zu verlöschen. In dieser

Lebensphase ereilt der Tod alle, die

nicht durch eine starke, unbehandelte

Störung der Balance der Elemente schon


vorher gestorben sind, denn dort, wo

Feuchtigkeit und Wärme gänzlich

verloren gegangen sind, ist auch der

Atem des Schöpfers, das Leben,

verhaucht.

Tag und Nacht und die Elemente

Die Sonne macht den Tag. Deshalb ist es

nur logisch, dass es der Tag und die

Helligkeit des Tages ist, die dem

Element Feuer zugeordnet werden kann.

Das Tagwerk ist etwas, das wir mit

Klarheit und der daraus entstehenden

Tatkraft in Verbindung bringen. In


unserem Körper wird das beim

Rechtshänder durch die linke

Gehirnhälfte repräsentiert, dem seine

rechte Hand jene ist, die seinen Willen

ausdrückt. Beschwerden der rechten

Körperhälfte entstehen oft durch eine

übertriebene Anstrengung mit der man

der Welt seinen Willen aufzwingen will.

Die bekannteste feurige Krankheit ist der

Schlaganfall, der die rechte Körperhälfte

lähmt, da die linke Hirnhälfte durch ein

Übermaß an Feuer trocken wird,

wodurch das Blut dort stockt und Gefäße

verschlossen werden. Aber auch

harmlosere Erkrankungen oder

Beschwerden der rechten Körperhälfte

sind mit einem Überschießen des

Elementes Feuer in Verbindung zu


ingen. Bekannt ist hier die Leberkolik

oder Gallenkolik oder die Nierenkolik

durch Nierensteine, die praktisch durch

Verkochen des Urins im rechten

Nierenbecken entstehen, wobei Kalk

übrig bleibt.

Die Nacht wird durch das Element

Wasser verkörpert. So ist der Tau, der

am Morgen auf den Blättern übrig bleibt,

der höchste Ausdruck dieser dunklen

Stunden und eine Pflanze wie der

Frauenmantel, der besonders intensiv

Wasserperlen auf seinen Blättern

sammelt, eine geheimnisvolle Pflanze,

die sich durch diese Signatur als

Heilkraut für Frauenbeschwerden

anbietet. Denn ebenso wie der Tag dem

Mann gehört, ist die Frau für die Nacht


zuständig. Das Element Wasser

verkörpert alles Gefühlvolle, und die

Nacht mit ihrem Blick auf Mond und

Sterne, die Nacht, in der man stärker mit

dem Herzen sieht, bringt im Menschen

alles Weiche und Schöpferische hervor.

Dazu gehört bei der Frau die Ausbildung

einer Wasserhöhle, wenn sie ein Baby

heranwachsen lässt, aber auch das

Fließen der Musik kommt aus diesem

Bereich. Beschwerden des Gefühls

werden gerne in die linke Körperhälfte

projiziert, die gemeinhin von der rechten

Hirnhälfte dominiert wird, und im

Grunde genommen hat das auch dazu

geführt, dass das Herz eher in der linken

Brusthälfte liegt und man diese

Wasserpumpe gerne mit Gefühlen in


Verbindung bringt. Eine typische

Erkrankung, die man der Nacht und dem

Element Wasser zuordnen kann, ist das

gebrochene Herz. Es ist eine Form der

Herzschwäche, die aus einem seelischen

Kummer heraus entstanden ist und durch

Wassereinlagerungen diesen Kummer zu

erkennen gibt. Das Gesicht wird dabei

blass und gequollen und rund wie der

volle Mond. Von dieser Neigung, Wasser

einzulagern, gibt es auch eine große

Menge weit harmloserer Formen. Immer

aber bauen diese auf einer sensiblen

Grundveranlagung auf, die als

Überschuss am Element Wasser

aufzufassen ist.

Auch die Nacht ist schöpferisch, wenn

auch ganz anders als der Tag. Es sind


der Schlaf und der Traum, die diesem

Element zugeordnet werden können. Der

Schlaf ist ein großer Heiler für jeden,

der an Hitze und Trockenheit leidet, das

heißt Überreizung durch Aktivität. Man

kann mit dem Schlaf jedes Feuer

löschen. Wer schon an einem Überschuss

an Wasser leidet, sollte eher mit

Schlafentzug versuchen, seine Krankheit

zu bekämpfen. Der Traum aber ist ein

Spieler. Er gehört zum Element Luft,

dass sich in den Schlaf mischt. Alte,

vererdete Menschen können durch

Träume wieder gesund werden, da diese

ihnen die Lebendigkeit zurückgeben, die

ihnen der Alterungsprozess geraubt hat.

In diesem Alter haben Rauschdrogen

ihre Bedeutung, wie die alten Griechen


gewusst haben, die in ihren Tempeln

große Heilerfolge dadurch erzielten,

dass sie Schlafsäle einrichteten, in denen

Rauschkräuter wie Bilsenkraut

verräuchert wurden. Hoffentlich gibt es

auch in unseren Kurbädern für die Alten

bald die Möglichkeit, mit

Halluzinogenen Heilungen zu erleben,

anstatt dass junge Menschen Drogen

missbrauchen, die in einem Lebensalter,

das vom Element Luft dominiert wird,

großen Schaden anrichten können.


Tierkreiszeichen und die Elemente

Astrologie und die Naturheilkunde der

Alten sind eins. Denn die Basis der

Astrologie ist das System der

Tierkreiszeichen, das letztendlich die

Jahreszeiten beschreibt. Und die Basis

der alten Heilkunst ist die Lehre der

Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde,

die ebenfalls die vier Jahreszeiten

verkörpern. Das System der

Tierkreiszeichen, das die Grundlage der

Astrologie bildet, kleidet dieses

Heilsystem in das Gewand des

Jahreskreislaufs. Bestimmte Jahreszeiten

rufen bestimmte Krankheiten hervor, und

schaffen zugleich - vor allem in der


Pflanzenwelt – Heilmittel für den

Menschen. Der Jahreskreis des

Entstehens und Vergehens aber ist

wiederum der Entwurf für das Entstehen

und Vergehen des Menschen, beschreibt

seinen Lebenskreis und damit auch die in

den verschiedenen Altersstufen

gehäuften Krankheiten, die man ebenfalls

anhand der Elemente der Natur

beschreiben kann. Hier bewegt sich der

Mensch vom Zeitalter des Wassers, in

dem sich der Säugling befindet –

wasserreich und von Milch ernährt –

über die Triebhaftigkeit des luftigen

Frühjahrs in das vom Feuer dominierte

Erwachsenenalter, das von Leidenschaft

gezeichnet wird, bevor die Hitze der

Lebenskraft im Alter verdämmert und


der Mensch „vererdet“, also

Krankheiten entwickelt, die mit Kälte,

Trockenheit und „Verkalkung“, also

Mineralisierung einher gehen.

Jedes Lebewesen ist in diesen Kreislauf

der Natur hinein verwoben und damit

selbst ein zyklisches, beständig im

Entstehen und Vergehen begriffenes

Wesen. Man merkt das mitunter recht

deutlich wie eine Frau in den

fruchtbaren Jahren, deren Gebärmutter

Monat für Monat den Kreis des

Mondumlaufs mit macht. Die

Biorhythmen des Menschen aber gehen

weit über diese sichtbaren Zeichen

hinaus. Egal ob Mann oder Frau, ob

Kind, Erwachsener oder Alter, jeder

Mensch ist dadurch, dass seine Organe


Regelkreisläufen unterworfen sind,

angebunden an die Kreise der Schöpfung

und der Natur. Und auch die Mehrzahl

der Krankheiten entstehen daraus, dass

diese natürliche Bewegung in Kreisen

gestört wurde. Daraus ergibt sich aber

auch, dass eine verstärkte

Berücksichtigung der Kreise der Natur

heilend wirksam sein kann. Wie das

konkret geschieht – dafür hat jede Zeit

ihre Antworten gefunden. Die Alten

versuchten, Gesetzmäßigkeiten dafür von

den Umläufen von Mond, Sonne und

Planeten abzuleiten. Die übrigen

Himmelskörper aber nannte man

Fixsterne, und glaubte in ihrer

Anordnung „Sternbilder“ zu erkennen.

Durch die Bewegung der Erde und ihre


Beziehung zur Sonne entstanden in

unseren Breiten die Jahreszeiten.

Parallel dazu traten je nach Jahreszeit

aber auch verschiedene Sternbilder auf

den Plan und verblühten mit dem

Verschwinden der Jahreszeit wieder.

Die Basis der Astrologie sind also

weniger Anordnungen von Sternen als

Bilder der Jahreszeit, in denen sich die

klimatischen Bedingungen spiegeln, die

den Menschen und seine Gesundheit

beeinflussen.

In Mitteleuropa steht das Leben in der

Abfolge vier klar definierter

Jahreszeiten. Im Frühjahr wird es warm

und feucht, im Sommer trocken und

warm, im Herbst kühl und trocken und


im Winter kalt und feucht. Diese

klimatischen Einflüsse erklären uns

unterschiedliches Befinden in diesen

Jahreszeiten, denn wir sind Lebewesen,

die auf Temperatur und Feuchtigkeit

reagieren. Wie das geschieht, kann man

gut an einfacheren Organismen studieren.

Nehmen wir hierbei die Farbe von

Blättern.

Im Frühjahr sind die frischen Blätter

hellgrün durch das Chlorophyll. Dieser

Farbstoff nimmt bei Pflanzen die Rolle

ein, die beim Menschen das rote

Hämoglobin, der Blutfarbstoff hat. Als

Sauerstoff-träger ist er die Quelle des

Lebens für alle Gewebe. Chlorophyll ist

chemisch dem Hämoglobin ähnlich,

außer dass hier Magnesium statt Eisen


im Kern sitzt. Für das Blatt ist die

Speicherung von Sonnenlicht die

Lebensquelle. Im Sommer findet unter

der größten Sonnenkraft ein Maximum

des Chlorophyllgehalts eines Blattes

statt.

Im Herbst ändert es seine Farbe. Die neu

auftretenden Schattierungen werden von

Substanzen gebildet, die bislang als

Schutz für das Blatt als Arzneien im

Hintergrund wirksam waren. Die

orangen und gelben Karotinoide, die den

Früchten des Sommers (Karotten, Mais,

Bananen, Tomaten, Paprika, Orangen)

ihre Farbe verleihen, treten nun in den

Vordergrund neben den roten,

purpurfarbenen und lila Anthocyanen,

die für das Rot von Herbstfrüchten wie


Äpfeln oder Trauben und das dunkle

Blau von Blaubeeren und Pflaumen

verantwortlich sind. Zuletzt treten noch

die bräunlichen Tannine hinzu. Sie

schmecken bitter und zeigen dadurch

ihre erdige, herbstliche Qualität an.

Wenn man die chemischen Eigenschaften

dieser Farbstoffe berücksichtigt, zeigt

sich ein klares Bild ihrer Zuordnung zu

den Elementen. Oranges und gelbes

weißt auf das Element Feuer hin, und

Karotinoide sind Antioxidantien, die

eine „Überhitzung“ von Gewebe

verhindern. Das Gleiche ist von den

Anthocyanen zu sagen. Sie schützen in

einer Zeit, in der die Sonnenkraft

vorherrscht. Die Tannine haben kühlende

und trocknende Eigenschaften und sind


ebenso fähig, Blätter, die ja am stärksten

dem feuchtwarmen luftigen Element

ausgesetzt sind, Stabilität zu verleihen.

All diese Farbstoffe sind Arzneien, die

zu einem Zeitpunkt sichtbar werden, an

dem das Blatt gegen den Untergang

kämpft und letztendlich stirbt.

Wie schon erwähnt erfolgt die Einteilung

der pflanzlichen Arzneien nach der

Naturheilkunde dem Prinzip der

Signaturenlehre. Die Signatur entsteht

dadurch, dass sich die Elemente in

lebenden aber auch toten Organismen

äußern, dass sie eine Sprache sprechen.

Die Natur gibt uns durch die Gestalt

einer Pflanze und ihr Verhalten als

Lebewesen Hinweise darauf, für welche

Art von Krankheiten sie als Arznei in


Frage kommen könnte. So gibt es

Pflanzen, die beispielsweise dunkelgrün

und flauschig sind und damit dem

Element Wasser zugeordnet werden

können. Wie sie aber als Heilmittel

wirkt, können wir durch diese

Beschreibung noch nicht sagen. Sie kann,

wie beispielsweise die Gurke, einfach

eine Pflanze sein, die viel Wasser

gespeichert hat und damit alle

Krankheiten heilen kann, die durch

Trockenheit oder Hitze entstehen – durch

das Gegensatzprinzip. Sie gleicht den

Flüssigkeitsmangel aus und löscht somit

das Feuer, das den Menschen krank

gemacht hat. Aber auch das Gegenteilige

ist möglich. Die Brunnenkresse hat

zahlreiche dunkelgrüne Blätter und lebt


überall dort, wo Wasser fließt.

Zweifellos passt sie sehr gut in das Bild

einer Pflanze, die dem Element Wasser

zugeordnet werden kann. Doch wer

einmal ein Blatt Brunnenkresse gekostet

hat, weiß, wie intensiv würzig sie

schmeckt, beinahe wie Senf. Dieser

Geschmack beweist, dass die Pflanze

wärmen kann, denn jedes Gewürz wärmt

den Menschen auf. Die Botschaft der

Brunnenkresse ist also etwas anders zu

verstehen als die der Gurke. Dafür gibt

es aber auch eindeutige Hinweise, die

eine scharf beobachtende Kräuterhexe

schnell dem Signum der Pflanze

zuordnen könnte. Und das ist die

Tatsache, dass die Brunnenkresse schon

im frühesten Frühjahr zum Zeitpunkt der


ersten Sonnenstrahlen in der Gegenwart

des eisig kühlen Wassers zu sprießen

beginnt. Diese Tatsache ist ein Zeichen

dafür, dass in ihr das Element Feuer

steckt, mit dem die Pflanze die

unwirtlichen Wachstumsbedingungen

ausgleichen kann. Es ist das Senföl, das

sie in ihrem Inneren bilden kann und

dieses Signum besagt, dass die

Brunnenkresse jedem Lebewesen helfen

kann, ein Übermaß des Elementes

Wasser in sich zu überwinden, sich also

für die Bekämpfung von

Erkältungskrankheiten eignet. Deswegen

soll man die Brunnenkresse im

Vorfrühling zu sich nehmen und wird

dabei schneller die Trägheit und

Schwerfälligkeit der


„Frühjahrsmüdigkeit“ überwinden – und

die Gurke isst man am besten in der

Hitze des Sommers, der im Körper den

Boden für trockene Entzündungen

bereitet.

Auf den ersten Blick erscheinen die

Tierkreiszeichen recht zufällig gewählt.

Eine genaue Abgleichung mit den

einzelnen Monaten geht aus heutiger

Sicht ja nicht, weil die Länge unserer

Monate von Julius Caesar nach seinem

Aufenthalt in Ägypten willkürlich

angepasst wurde. Der bis dorthin gültige

Kalender richtete sich nach dem Umlauf

des Mondes, hatte 28 Tage, und bot den

meisten Frauen im gebärfähigen Alter

eine ganz präzise Bestimmung, wo sie

gerade im Zyklus waren. Nach der


Reform ging das nicht mehr. Dafür aber

konnte jeder Tag des Jahres, egal ob

dieses nun die heute üblichen 365 oder

366 Tage hatte, von Verwaltungsbeamten

Jahr für Jahr präzise bestimmt werden.

Wir wissen heute nicht mehr, wie lange

es gedauert hat, bis die Menschen diese

Reform so verinnerlicht hatten, wie das

bei uns heute der Fall ist. Aber es gibt

sogar heute noch viele Menschen, die

hier ein Doppelleben führen. Sie richten

sich in einem Leben nach dem Kalender

– und im anderen nach den Mondphasen.

So war es schon bei den alten Römern,

wenn sie die Tage der Aussaat oder der

Ernte festlegten, und im ländlichen

Bereich ist das heute auch bei uns noch

der Fall. Hier sind den Menschen die


Tierkreiszeichen treue Gefährten

geblieben. Sie folgen zumindest auf

unserer nördlichen Erdkugel dem

Sonnenumlauf durch die vier

Jahreszeiten. Der Widder beginnt mit

dem 21. März, der die Tag-Nacht-

Gleiche im Frühjahr beschreibt und

somit die warme Jahreszeit einleitet.

Ähnlich wird der Beginn des Krebses

auf den 21. Juni zur

Sommersonnenwende, die Waage auf

den 23. September zur Tag-Nacht-

Gleiche im Herbst und der Steinbock auf

den 22. Dezember, die

Wintersonnenwende, gelegt.

Wenn man diesen über viele

Jahrhunderte gepflegten Brauch beachtet,

kann es einen nicht weiter verwundern,


dass die Tierkreiszeichen nicht zufällig

gewählt sind, sondern Symbole einer tief

gehenden Bedeutung, die weit über den

Jahreskreis hinausgeht. Denn die

Abfolge der Tierkreiszeichen ist eine

Sprache des Entstehens und Vergehens

und somit ein Code für das Leben

schlechthin. Deshalb kann sie auch die

Medizin als Erzählung auffassen, in der

die Grundbedingungen des Lebens und

das Wirken der Elemente kurz und

bildhaft zusammengefasst sind. Sie

beschreiben also nicht nur den Ablauf

eines Jahres, sondern auch den eines

Menschenlebens und deshalb auch die

seelischen Spannungsfelder, die ein

Mensch im Laufe seines Lebens

durchläuft. Und damit sind wir wieder


ei der Astrologie und die Bedeutung,

die wir den einzelnen „Sternzeichen“

zumessen. Zu beachten ist aber an dieser

Stelle schon, dass zwar die Geburt unter

einem bestimmten Zeichen Bedeutung für

das Leben eines Menschen hat. Zugleich

aber wird er – und jeder andere Mensch

in dieser Erdregion auch - jedes Jahr

von Monat zu Monat wieder vom

Kraftfeld eines Tierkreiszeichens in das

nächste Wechseln und somit dem

Einfluss der Jahreszeit unterworfen sein.

Um seinen Geburtstag herum aber wird

er in einer ganz besonderen Sphäre

schweben. Viele spüren das und sagen

deshalb, dass sie gerade diese Jahreszeit

um ihren Geburtstag herum besonders

lieben.


Wasser = Winter = Lebensbeginn

Der Jahreskreis des Lebens beginnt im

Winter mit den Tierkreiszeichen

Steinbock, Wassermann und Fische. Sie

alle stellen das Element Wasser dar, das

aus medizinischer Sicht nicht nur im

Winter, sondern auch im Säuglingsalter

vorherrscht. Wasser ist kühl und feucht

wie das Meer, in dem auf der Erde das

erste Leben entstanden ist – und wie das

Fruchtwasser, in dem wir unsere ersten

Entwicklungsstadien verlebten. Die


Botschaft der einzelnen Monate hilft uns,

das Element Wasser verstehen zu lernen.

Das erste Tierkreiszeichen beschreibt

hier das Eintauchen in die Zeit des

Wassers, das zweite das Herankommen

der Regenzeit, das dritte das Leben im

Element Wasser.

Die Geburt des Menschen wird durch

den Steinbock symbolisiert.

Ursprünglich hieß er der „Ziegenfisch“,

weil sein Oberkörper der einer Ziege

und sein Unterleib der eines Fisches ist.

Das hat seine Bewandtnis in der Sage

des griechischen Hirtengottes Pan, der

von einem Ungeheuer verfolgt wurde

und ins Meer sprang, um in Gestalt eines


Fisches zu entkommen. Die Flucht

gelang nur halb, und so entstand ein

Zwitterwesen zwischen

Wasserbewohner und Landbewohner.

Die Geschichte erzählt davon, dass wir

Säugetiere, die einstmals aus dem Meer

kamen, nicht dorthin zurückkehren

können. Es ist die Sehnsucht nach der

Mutter, die uns beschützt und die uns

nährt. Ausdruck findet sie im Mythos des

christlichen Erlösers, der gegen Ende

des Monats geboren wird, in dem der

Steinbock regiert, um den 20. Dezember.

Die Geburt Jesu ist das Symbol unserer

eigenen Geburt. Mit jedem

Menschenkind kommt die ganze

Hoffnung neuen Lebens in die Welt. Wir

werden als ein Wesen geboren, das


unendliche Möglichkeiten hat, plastisch

ist, ungeformt und unbegrenzt wie das

Meer. Zugleich aber sind wir wie Pan

etwas, das Erbanlagen in sich trägt, eine

bestimmte Gestalt hat und zu einer

bestimmten Gestalt hin strebt. Dieses

Spannungsfeld wird durch die Geburt in

uns angelegt, und wir können uns durch

unsere Kreativität, die wie eine Quelle

in uns sprudelt, in ganz verschiedene

Richtungen entwickeln.

Auch äußerlich vollzieht ein

menschliches Baby bei der Geburt diese

Entwicklungsgeschichte allen tierischen

Lebens noch einmal nach. Zuerst ist es

ein primitiver Mehrzeller, wird dann

zum Fisch, zum Reptil, bekommt immer

größere Arme und Beine und einen


menschlichen Kopf, ein Prozess der

Anlandung, dessen bedeutsames Element

der Wechsel von Wasser zu Trockenheit

ist, und taucht letztendlich aus dem

Fruchtwasser in der hiesigen Welt auf,

wird hier mit Muttermilch empfangen

und dadurch zum Säuger, bevor ihm

später die Zähne hervorbrechen und er

Fresser und Raubtier wird. Dann wird er

ganz angelandet sein, doch in der Phase

des Säuglings ernährt sich der zu 80

Prozent aus Wasser bestehende Mensch

nahezu vollständig von Wasser, lebt im

wässrigen Element. Daran wichtig ist

auch, dass der Embryo und der Fötus im

Dunkel lebten, und durch die Geburt in

das Licht hervorbrechen. Licht ist Feuer,

ist Sonne. Wir tauchen bei unserer


Geburt gleichsam aus dem Dunkel der

Meerestiefe auf. Deshalb ist auch die

Vorstellung des Todes vielfach die eines

Zurücksinkens in das Dunkel. Wir

trinken das Wasser des Vergessens im

Schlaf, der ein kleiner Tod ist und

Dunkel braucht. Selbstvergessenheit,

Kreativität und die Beschäftigung des

Künstlers mit dem Tod, all das gehört in

diese Periode.

Das zweite Tierkreiszeichen des Winters

ist der Wassermann. Er geht auf

Deukalion zurück, den Menschen, der

nach der griechischen Mythologie die

Sintflut überlebte. Seine Entsprechung in

der Bibel heißt Noah. Die Jahreswende


markierte in den wärmeren Regionen des

vorderen und mittleren Orients, in denen

die Tierkreiszeichen entstanden, den

Beginn der Regenzeit. In ihrer

extremsten Ausprägung konnte diese

sintflutartig anschwellen. Auch dieser

Mythos bezieht sich auf den

Wassertransport im Körper. Die

Naturheilkunde kennt Situationen, in

denen Körperteile zu trocken sind oder

zu feucht werden. Vor allem aber gilt der

Wassermann als Fuhrmann der Niere,

des Ausscheidungsorgans für das

Wasser. Alles, was Wasser treiben kann,

ist im Januar hilfreiche Arznei.

Die Symbolik des Wassermanns ist aber

auch die einer Gestalt, die durch das

Bewässern von Pflanzen Leben


ermöglicht. Der Quell wird so zum

Lebensquell. Nur dort, wo Wasser fließt,

kann man auch leben. So regnet es im

Januar über der Ackerfurche, in der in

diesem Jahr neues Leben entstehen soll.

Der Mensch aber denkt über das Leben

nach. Der Wassermann kann einen Brand

löschen. Zugleich aber ist ein Übermaß

an Wasser auch gefährlich, kann die

Fundamente eines Hauses fortreißen und

alles Lebende mit sich hinab in den Tod

ziehen.

Den Winter beschließt das

Tierkreiszeichen der Fische. Wir sind

nun ganz im Element des Wassers

gelandet, gewissermaßen ins Meer


zurückgekehrt. Die Fische werden im

Tierkreis immer doppelt abgebildet, als

ein Fisch der nach links, und einer, der

nach rechts schwimmt. Im alten Rom

wurde das Symbol der Fische für die

Venus gebraucht, die Göttin der Liebe. In

dieser Phase des Lebens ist die

Mutterliebe entscheidend für das

Gedeihen des Lebens. Venus ist die

Göttin, die zur Morgenröte aus dem

kühlen Meer auftaucht als Botin des

Lebens und der Liebe. Die

naturheilkundliche Entsprechung ist das

Element Jod, das die Farbe der

Morgenröte hat, und den kalten, feuchten

Körper des Menschen erwärmt. Es ist

die Aufgabe der Schilddrüse, dieses

Element über die Blutbahn an alle Enden


des Körpers zu bringen und dabei auch

die anderen Geschlechtsdrüsen

vorzubereiten, deren Aufgabe es ja vor

allem ist, den Menschen zu wärmen, zu

befeuchten und für den Mitmenschen zu

öffnen. So wird die Meeresbotin Venus

auch zur Schirmherrin des

Lebensabschnitts, der der

selbstbezogenen Säuglingsperiode folgt.

Das lebhafte Kleinkind mit den rosigen

Wangen sucht Liebe: Zuerst bei der

Mutter oder den Geschwistern, richtet

sich als Schulkind auf Freundschaften

ein, und beginnt sich als Jugendlicher zu

verlieben. All das gehört schon in den

Frühling des Lebens, wird aber im

Februar zur Zeit des Sternbildes der

Fische vorbereitet, ebenso wie in den


nach außen hin noch kahlen Bäumen

bereits der Saft hoch steigt, der schon

bald Blätter und Blüten treiben wird.

Menschen brauchen im Winter Wärme

und das Gefühl von Geborgenheit.

Bevorzugen Sie im Winter trocknende

und wärmende Einflüsse, heizen Sie Ihre

Räume stärker, verwenden Sie eher

trocknende, entwässernde Getränke wie

Kaffee, Grün- und Schwarztee und

bevorzugen Sie salzige Speisen.

Luft = Frühjahr = Jugend


Für den Heranwachsenden sind die

Tierkreiszeichen des Frühlings wichtige

Symbole. Es ist eine unsichere Zeit

voller Selbstzweifel und Mangel an

Orientierung, und der Widder, der Stier

und die Zwillinge zeigen, worauf es in

diesem Lebensalter ankommt. Es sind

Symbole der Kraft und Wegweiser.

Medizinische Behandlungen in dieser

Periode sollen die Entwicklung, die

Ausformung eines Menschen befördern.

Deshalb steht sein Zentralnervensystem

im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Das Sternbild des Widders hieß im

Altertum auch „Ackerbauer“ oder


„Ackerbesteller“, da es zu einem

Zeitpunkt auftaucht, zu dem man die erste

Frühlingssaat ausbringt. Dieses Thema

ist der zentrale Punkt in der Jugend, die

Saat, die einmal im Menschen reifen

soll. Heute konzentrieren wir uns zu sehr

auf Wissensvermittlung – auch die

Bildung des Herzens muss in dieser Zeit

stattfinden. Und wie beim Ackerbau, ist

es wichtig, die Saat des Wissens, die

man wählt, gut auszusuchen und auch zu

beschränken, damit eine reichliche Ernte

erbracht werden kann.

Der Stier versinnbildlicht den

Kampfeswillen, die

Durchsetzungsfähigkeit, die Willenskraft


an sich. Es ist das Gehirn, das den

Körper steuert. Besonders durch die

heutige Reizüberflutung des Gehirns

durch eine Vielzahl von Informationen

sind unsere Sinne überbelastet. Diese

Eigenschaft eines Menschen im Frühjahr

erklärt, warum wir mit dem so genannten

ADHS-Syndrom so viele Probleme

haben. Viele Kinder stehen stark im

Zeichen des Stiers, würden vor allem

für Kampfessituationen, körperliche

Leistungen und Entbehrungen geschaffen

sein, würden sich gerne mit ihrem

Körper behaupten. Stattdessen werden

sie mit Autos in die Schule gefahren und

sollen dort den ganzen Tag still hinter

einem Schreibtisch hocken wie Greise,

die sich im Element Erde aufhalten und


wegen ihrer Arthroseschmerzen lieber

nichts anderes tun würden.

Zu den Frühlingssternbildern gehören

auch die Zwillinge. Sie waren im

Altertum ein mächtiges Symbol für

Fruchtbarkeit, was ja auch zu den

wichtigsten Themen der Adoleszenz

gehört, eine Zeit, in der früher regelhaft

die ersten Kinder empfangen und

geboren wurden. Die Legende der

Zwillinge Castor und Pollux, denen ja

der römische Staat am Forum einen

eigenen Tempel errichtete, greift aber

tiefer. Ursprünglich, in Griechenland,

hießen sie Kastor und Polydeukes. Sie

waren vom Göttervater Zeus mit einer


Sterblichen gezeugt worden, wodurch

Kastor menschliche, und Polydeukes

göttliche Natur hatten. Als nun Kastor

starb, bat sein Bruder Zeus darum, seine

Unsterblichkeit mit dem Bruder teilen zu

dürfen. Der Bitte wurde entsprochen,

und nun leben die Zwillinge die Hälfte

des Jahres (in der warmen Jahreszeit)

zusammen und müssen die andere Hälfte

im Todesreich verbringen. Die

Unzertrennlichkeit der Zwillinge und

ihre Solidarität miteinander passen

thematisch gut in dieses Lebensalter, in

dem Herzensfreundschaften geschlos-en

werden.


Versuchen Sie, im Frühjahr Neues zu

entdecken, und auf den Weg der

Selbstfindung zu kommen. Bevorzugen

Sie im Alltag trocknende und kühlende

Einflüsse, halten Sie Ihre Räume kühl

und trocken, nutzen Sie bittere Getränke

wie Pampelmusensaft oder versuchen

Sie auch einmal einen bitteren Aperitif.

Feuer = Sommer = Reife

Die Sommersternbilder Krebs, Löwe

und Jungfrau erscheinen uns auf den

ersten Blick ohne jeden innerlichen


Zusammenhang. Wenn wir aber erfahren,

dass der Krebs ursprünglich im alten

Babylon der Skarabäus war, mit dem

man die Unsterblichkeit bezeichnete,

dass der Löwe als Wappentier Macht

symbolisiert und die Jungfrau als Bild

der höchsten Göttin Isis, des Urquells

der Weisheit, gilt, erkennen wir, dass es

unsere Aufgabe ist, im Sommer des

Lebens die höchste Ausformung unseres

Wesens zu erreichen. Dafür gibt es drei

Richtungen. Unsterblichkeit ist den

schöpferischen Menschen gegeben, wenn

es ihnen gelingt, ihre Anlagen

auszuformen. Macht ist das Resultat des

Strebens nach Einfluss in der

Gesellschaft. Nicht zuletzt sollte kurz

vor dem Herbst des Lebens aber die


Weisheit stehen, jene Eigenschaft, die

nur durch ständige Charakterbildung

erreicht werden kann. Für das Bild der

Jungfrau hat auch Persephone Pate

gestanden, die Tochter des Zeus und der

Demeter. Sie wurde vom Totengott

Hades entführt, der sie zur Frau nahm

und trotz Drängens des Göttervaters

Zeus nicht wieder freigeben wollte.

Letztendlich wurde ein Kompromiss

geschlossen. Persephone durfte zur

Frühlings-beginn auf die Erde und

musste sie zu Herbstbeginn wieder

verlassen. Als Tochter der Göttin des

Ackerbaus stellt sie also die Reifezeit

des Korns von der Aussaat bis zur Ernte

dar, und so wird auch das Reifen eines

Menschen erst bewusst, wenn Erntezeit


gehalten wird, und das ist erst nach der

Midlife-Crisis in der Lebensmitte der

Fall. Der Mensch, der eben noch in der

Blüte seiner Jahre stand, merkt, dass er

altert und dass seine Kräfte nachlassen.

Erst die Besinnung auf seine Schätze,

das Können und das Wissen, dass er in

den letzten zwanzig Jahren erworben hat,

können ihn hier vor der Depression

bewahren.

Gönnen Sie sich im Sommer das Gefühl

der Anerkennung für Lebensleistungen

und vertrauen Sie darauf, dass die

Selbstheilungskräfte Sie stark machen

werden. Bevorzugen Sie befeuchtende


und wärmende Einflüsse, halten Sie Ihre

Räume kühl, gegebenenfalls mit einem

Befeuchter, trinken Sie viel kühle

Flüssigkeit und gönnen Sie sich saure

Speisen.

Erde = Herbst = Alter

Die Herbststernbilder berichten über die

seelischen Kernkonflikte des wohl

schwierigsten Lebensalters: Dem

Ruhestand. Hier wird Gericht gehalten

und hier werden Strafen für


Lebenssünden verhängt – symbolisiert

von der Waage. Die Waage bedeutet

aber auch, dass man in dieser Zeit die

Aufgabe, alles im Lot zu halten,

wahrnehmen muss, dass diese

Fragestellung zum lebensbeherrschenden

Thema wird und sich Erfolg und

Misserfolg dadurch unterscheiden, wie

uns das gelingt. Im Herbst des Lebens

erlebt man auch heimtückische

Krankheiten, die oft in kürzester Zeit

zum Tod führen: Das will uns das Bild

des Skorpions sagen. Hier ist

Wachsamkeit gefragt. Wer sich nicht oft

genug beim Arzt checken lässt, stirbt

früher als der Vorsichtige. Und in dieser

Lebensphase stirbt man selbst im besten

Fall: Dafür steht der Schütze, der in


alten Bildern als Mensch mit dem

Unterleib eines Pferdes dargestellt wird.

Gerade in der letzten Lebensphase muss

man vor allem mit dem Kernkonflikt

umgehen, dass lieb gewordene Freunde

sterben und man einsam zurückgelassen

wird. Das Bild des Schützen hat aber

auch etwas sehr tröstliches. Es handelt

sich hier um den bereits bekannten

Cheiron, der den Heilgott Asklepios

ausbildete und ihn alles lehrte, was für

die Behandlung von Krankheiten

notwendig ist. Pfeil und Bogen sind

deshalb ganz klare Hinweise auf den

Tod, doch Cheiron ist auch ein kräftiges

Symbol für das Lebenspendende, denn

er opferte seine Unsterblichkeit

Prometheus, den strebenden Menschen,


der sich gegen die Götter versündigt

hatte, und wurde dafür von Zeus zum

Sternbild gemacht. Dass uns große Taten

Unsterblichkeit auch dann verleihen,

wenn die sterbliche Hülle des Körpers

von Tag zu Tag defekt wird und

schließlich verrottet, ist ein Trost für

Menschen, die sonst nicht geneigt sind,

an ein ewiges Leben zu glauben. Und

dass man auch im hohen Alter durch

Selbstlosigkeit und Einsatz für andere

Seelenfrieden gewinnt, weiß der eine

oder andere auch. Der nahe Tod kann

befreien und ermöglicht manchmal

notwendige und richtige selbstlose

Handlungen, die der junge Mensch aus

Angst darüber, sich seine Zukunft zu

„verhauen“, unterlässt.


Versuchen Sie, im Herbst

Unvermeidliches anzunehmen und Trauer

über Verluste zuzulassen. Bevorzugen

Sie im Alltag befeuchtende und

wärmende Einflüsse, heizen Sie Ihre

Räume stärker, vergessen Sie aber nicht

auf Luftbefeuchtung. Nutzen Sie warme

Tees und süße Speisen.

Landwirtschaft und die Elemente

Den Wechsel der Jahreszeiten kann man

als Kommen und Gehen des Elementes


Wasser beschreiben. Der Wassergehalt

einer mehrjährigen Pflanze steigt um die

Jahreswende herum mehr und mehr an.

Der günstigste Zeitpunkt, Brennholz zu

schlagen, liegt in den Tagen nach der

Wintersonnenwende, den so genannten

Raunächten. Je länger man mit dem

Fällen eines Baums wartet, desto

biegsamer und elastischer wird er auch

aufgrund des erhöhten Wassergehaltes.

So wird jemand, der einen Stock für

einen Bogen braucht, sich gut überlegen

müssen, wann er diesen schneidet.

Büsche bilden diese Stöcke erst im

April und Mai heraus. Jetzt verkörpern

sie das Element „Holz“ der chinesischen

Mythologie, sind formbar und weich und

luftig im besten Sinn. Damit aber auch


Stabilität und Belastbarkeit

gewährleistet sind, müssen sie

austrocknen. Sie tun das im Grunde

genommen bis zum Jahresende hin. Doch

wenn der Busch selbst im Herbst seine

Blätter abzuwerfen beginnt, dann tut er

das aufgrund der in ihm entstandenen

Trockenheit. Dieser Zeitpunkt ist zu spät.

Es ist die Sommerhitze, die zu einer

zunehmenden Trockenheit führt, und

wenn sie erst ihr Werk getan hat, weiß

man, dass es Herbst geworden ist. Hinzu

tritt zu dieser Trockenheit dann auch die

Kühle, die durch die Sonnenferne

entsteht.

Diese Vorgänge, bei denen einerseits die

Sonne direkt die Pflanze bescheint und

ihr den Wassergehalt austreibt – und


andererseits die Erwärmung der

wasserreichen Erde, wodurch das

Wasser in das Innere der Pflanzen

eindringt, laufen innerhalb der warmen

Monate ab und entscheiden über Wohl

und Wehe jeder Ernte. Die Frage der

Holzgewinnung ist hier nur ein einzelner

Aspekt. Es kommt darauf an, was man

von dem Holz erwartet. Je trockener es

ist, desto stabiler und belastbarer ist es

auch. Aber der Wassergehalt einer

Pflanze ist nicht nur dem großen

Jahreszyklus unterworfen, sondern auch

einer Anzahl anderer klimatischer

Einflüsse. Eine möglichst genaue

Berechnung von Aussaat- und

Erntezeiten war für unsere Vorfahren

überlebensnotwendig. Sie gelang nur,


wenn man möglichst alle

Beeinflussungen des Lebens einer

Pflanze berücksichtigte. Letztendlich

gelang das nur mit einer konsequenten

Anwendung der Elementelehre, weshalb

sich im landwirtschaftlichen Bereich

auch noch am Stärksten dieses Wissen

erhalten hat. Vermischt zwar mit

Aberglauben und untermischt mit

christlichen Glaubensinhalten, aber

immerhin.

Generell sind die Pflanzen, die um die

Sommersonnenwende herum reifen,

luftig. Die, die das nicht sind, können als

Heilpflanzen klassifiziert werden. Sie

können einen luftigen Zustand nach dem

Gegensatzprinzip verbessern. So kann


sich eine bittere Schafgarbe oder ein

saurer Apfel medizinisch kühlend

auswirken, wo ein süßer Apfel einfach

nur die Qualitäten der Jahreszeit

gespeichert hat. Die Früchte des

Sommers, die man zur Haupterntezeit

einholt, sind dann, wenn sie feurig

ausfallen, also scharf oder würzig

schmecken, der Jahreszeit entsprechend.

So kann eine Chilischote natürlich im

Winter, wo Kälte und Feuchtigkeit den

Menschen zermürben, eine Heilwirkung

entfalten. Interessanter sind aber

Pflanzen, deren Früchte trotz der

Sommerhitze bitter und sauer geworden

sind wie beispielsweise die Cranberry.

Sie ist für das Urogenitalsystem ein

großes Heilmittel, vor allem bei


Blasenentzündungen, weil sie unter

widrigen Umständen eine ihr eigene

Kälte entwickelt hat, mit der sie

Überhitzungen im Einflussbereich des

Elementes Wasser beeinflussen kann.

Für die Landwirtschaft bedeutend ist die

Erkenntnis, dass sich nur eine

harmonische Mischung der Elemente

günstig auf Wachstum und Ertrag

auswirkt. Wenn eine Monokultur wie der

Salat „rein von Unkraut“ bleiben soll,

muss er gleichzeitig mit einer oder

mehreren anderen Pflanzen gemeinsam

angebaut werden, die das Übermaß an

Feuchtigkeit abbaut. Entweder eine

trockene, würzige Pflanze oder eine

trockene bittere Pflanze. Das Wachstum

des „Unkrauts“ findet nur statt, wenn so


ein Regelungsversuch unterbleibt. Die

Natur versucht das Manko der

Monokultur mit Pflanzen wettzumachen,

die ihnen fehlende Eigenschaften

ausgleichen.

Alchemie und die Elemente

Die alkoholische Gärung ist ein Beispiel

dafür, dass sich organische Strukturen

unter dem Einfluss der Zeit verändern

und dabei von einem Element ins andere

wandern.

Chemisch betrachtet verwandelt sich


Obstsaft, wenn er in der Luft

stehengelassen wird, nach kurzer Zeit in

ein alkoholisches Getränk. Lassen wir

diesen Oxydationsprozess weiterhin zu,

wird aus dem Alkohol eine Säure, der

Essig.

Die Menschen haben sowohl den

Obstsaft wie auch den Alkohol und den

Essig als Nahrungsmittel nutzen gelernt.

Süß und erfrischend – hier kommt das

Element Luft zur Geltung – ist der Saft

von Früchten, die ja hoch oben in

luftiger Höhe baumeln und dort von der

Sonne zur Reifung gebracht werden, ein

Bild des Frühlings, des jungen Lebens.

Er belebt und weckt auf. Diese Wirkung

ist dann, wenn sich alkoholische

Elemente hinzu mischen, noch stärker,


uft aber einen Zustand hervor, der mit

dem vergleichbar ist, den wir erreichen,

wenn wir zu viel Sonne abbekommen

haben. Alkohol ist wie das Übermaß von

Feuer in unserem Körper, löst uns die

Zunge, aktiviert Empfindungen, lässt uns

delirieren und in Fällen, in denen ein

Betrunkener das „heulende Elend“

bekommt, wirkt das Vergießen von

Tränen wie das Ausschwitzen des

Elementes Wasser durch innere

Überhitzung. Wenn sich Alkohol in Essig

verwandelt, wird er sauer, aber auch

herb. Beides sind

Abkühlungsphänomene. Der saure

Geschmack ist das Erlöschen der

Süßigkeit im Obstsaft, und gehört zum

Element Wasser. Der herbe Geschmack


signalisiert das Erkalten des Feuers des

Alkohol, und es bleibt die kühle und

trockene Erde übrig.

Chemisch gesehen sind dies Phänomene

etwas, das man bei allen Lebewesen

feststellt. Oxydationsprozesse lassen

Blätter gelb werden und braun. Und so

ist es auch wahrscheinlich, dass wir

Menschen alt aussehen, weil wir länger

als andere mit dem Sauerstoff, der uns

umgibt, umgegangen sind. Die Süße der

Jugend, die Tatkraft der mittleren Jahre,

machen einer Trägheit und Schwäche

Platz, von der man sagen könnte: Im

Alter ist alles Essig.

Das Element der Luft, der


Oxydationsprozess, ist also etwas, das

durch alle Zeiten und Gewebe hindurch

wirkt, und eigentlich als Lebenskraft an

sich beschrieben werden kann, die den

Organismus, den sie durchpulst, auch

verbraucht. Dass bei der Atmung

Kohlendioxyd übrig bleibt, das als

Bauelement für Pflanzen zur Verfügung

steht, ist ein klares Zeichen, dass hier

das Element Erde durch den Verbrauch

von Sauerstoff geschaffen wird, und dass

diese Elemente in einem lebendigen

Organismus untrennbar zusammen

hängen. Andere chemische Elemente wie

beispielsweise das brennbare Element

Schwefel, kann da viel klarer dem

Element Feuer zugeordnet werden, da es

den Körper in jedem Fall wärmt und


antreibt. Und Wasser ist ohne Frage der

Grundstoff des Elementes Wasser.

Auf Grundlagen wie diesen haben sich

die Chemiker des Altertums, die oft auch

intuitiv, vor allem aber mit der

Elementelehre gearbeitet haben, das

heute nur zum Teil bekannt geworden ist.

Viele Schriften, die heute über die

Alchemie reden, sind das Raunen von

Menschen, die nicht wissen, wovon sie

sprechen. Wie denn auch? Was immer

damals vor vielen Jahrhunderten

geschaffen wurde, ist nicht in die

Gegenwart transportiert worden. An die

Stelle der Alchemie ist vor vierhundert

Jahren die Chemie getreten. Sie hat noch

einmal völlig neu begonnen und vor


allem im 19. Jahrhundert große

Erkenntnisse gewonnen, die einen

großen Nachteil haben: Sie sind von der

Elementelehre abgekoppelt, hängen

irgendwie in der Luft, können immer nur

Teilaspekte der Biochemie erklären,

ohne das Ganze einzuordnen. Es ist zu

wünschen, dass sich über die

Elementelehre einmal eine neue

Anknüpfung an die Alchemie finden lässt

und damit ein ganz neues

pharmazeutisches Menschenbild

entstehen kann.

Die Metalle und die Elemente


Nach den Vorstellungen der Alten

werden die Planeten den einzelnen

Elementen je nach dem Metall

zugeordnet, das man mit diesen Planeten

assoziiert. Das Element Feuer ist in der

Sonne zuhause, und das Metall Gold

gehört also deshalb zum Feuer. Das

Element Luft wird den Planeten

zugeordnet, die der Erde am nächsten

sind, nämlich Mars (Eisen) und Venus

(Kupfer). Wenn man allerdings

berücksichtigt, dass Kupfer im Körper

vor allem in der Leber vorhanden ist,

kommt dieses Bild ins Schwanken.

Sicherlich war Kupfer für die Menschen

der Antike das erste wichtige

Gebrauchsmetall und ist dadurch, dass

sich Eisen später als Waffe durchsetzte,


mehr und mehr von Frauen im Haushalt

oder bei Kulttätigkeiten genutzt worden.

So hat es seinen Ruf als „Liebesmetall“

gewonnen und wurden der Frau

zugeordnet, während die Männer auf den

Schlachtfeldern mit stählernen Waffen

fochten, die auch noch Spuren von

Mangan beinhalteten. Den erdfernen

großen Planeten Saturn (Blei) und

Jupiter (Zinn) wurden dann weitere

Metalle zugeordnet, die bei den Römern

stark in Gebrauch waren, die aber im

menschlichen Körper keine Rolle

spielen und sogar giftig sind.

Was der Mensch noch braucht, sind Zink

und Selen, die dadurch, dass sie sehr

reichhaltig in Nerven gebraucht werden,

dem Element Wasser zugehören, aber


auch Natrium, das die zwei Drittel

unseres Körpers, die aus Wasser

bestehen, zu einer Natriumchloridlösung

macht.

Jod ist die Farbe der Venus, der

Morgenröte, und wird von der

Schilddrüse dazu verwendet, den

Körper warm und feucht zu machen,

wodurch es eindeutig der Luft angehört.

Kalzium und Silikate, die unsere

Knochen und das Bindegewebe

befestigen, sind erdhafte Arzneien, die ja

auch einen Großteil der Erdkruste

bilden. Organismen entnehmen sie direkt

der Erde, um Stabilität in den Körper

einzubauen.


Bei der Einschätzung von Metallen

unterscheiden sich europäische und

asiatische Medizin am stärksten. In

Asien wird das Metall als Element der

höchsten Stabilität aufgefasst, das nur

nach und nach durch das Element der

Luft abgebaut werden kann. Der

Alchemist Europas hat erkannt, dass sich

Metall und Stein nur durch Dichtegrade

voneinander unterscheiden. Deshalb ist

Gold nicht das unvergleichliche Ideal,

von dem die Dichter schwelgten, eine

Sonne auf Erden, sondern ein Zustand

der Reinheit, der sich aus jedem

beliebigen Stoff herstellen ließe – sofern

man eben die Geheimnisse der Natur

beherrschen lernte. Diese Vorstellung

der Erreichbarkeit von Perfektion für


alle ist das Geheimnis des Erfolgs der

westlichen Kultur geworden. Jeder von

uns, ungeachtet genetischer oder

kultureller Vorbedingungen, kann ein

Idealbild anstreben und sich durch Mühe

und Fleiß im Laufe der Zeit in dieses

Idealbild verwandeln. Letztendlich ist

das die Wurzel des Steins der Weisen

und der Suche nach Gold: Die

Erkenntnis, das wir in unserem Inneren

eine ganze Welt bergen und zum

Ausdruck bringen können, wenn wir das

nur wollen.

Farben und die Elemente


Erkenntnis wird uns zu großen Teilen

über den Sehsinn vermittelt. Es ist

etwas, das uns hilft, eine

„Weltanschauung“ zu gewinnen, eine

„Sicht“ der Dinge. Die Farben der

Gegen-stände werden so zu Signaturen.

Sie sagen uns, welches Element

wahrscheinlich in dem Ding, das wir

hier betrachten, vorherrschend ist. Denn

so wie wir Menschen uns voneinander

unterscheiden und nur mehrere

Menschen gemeinsam eine Art

Gesamtbild der Menschheit abgeben

können, sind auch die Gegenstände der

Natur, egal ob belebt oder unbelebt, nie

vollkommen harmonisch in sich

gerundet, sondern Partikel, von denen

wir elementare Eigenschaften ablesen


können.

So gesehen ist es nur logisch, dass das

Wasser, das ja auch sinnbildlich für das

Element Wasser schlechthin ist, nicht

jede erdenkliche Farbe annehmen kann.

Wasserfarben sind durchsichtig, weiß,

dunkelblau, dunkelgrün. Mitunter kann es

passieren, dass durch Spiegelung

beispielsweise orange oder hellblau

hinzutreten kann, oder sich unter einem

grauen Himmel auch mal ein grauer See

ergibt. Wenn wir uns aber das Element

Wasser vorstellen, werden wir zu den

Grundfarben kommen. Als nächster

Schritt kann dann der Blick auf die

weitere Natur kommen und man wird

sehen, dass Laubbäume, die ja sehr

wasserreich sind, gerne eine


dunkelgrüne Farbe ihrer Blätter

annehmen. Im Frühjahr, wo die Luft heiß

und feucht ist, sind die Blätter hellgrün.

Diese Farbe ist luftig. Dann aber steigt

mehr und mehr Wasser in die Bäume und

füllt sie aus, und die Blätter werden

dunkler. Geht man im Laubwald im

Sommer spazieren, spürt man direkt die

Feuchtigkeit, die sich unter dem

Blätterdach staut. Im Herbst, wenn die

Luft kühler und trockener wird, werden

die Blätter gelb und dann braun. Das

sind Erdfarben, die zur Jahreszeit und

zum Element der Erde passen.

Hellblau, wie außer dem Himmel nur

manche Blüten werden, rechnet man zum

jugendlichen Element Luft. Dazu gehört

auch das Rosa neugeborener Tiere –


oder auch Menschen. Hellblau und Rosa

sind deshalb die Babyfarben. Instinktiv

und weil es uns logisch erscheint,

kleiden wir unsere Kinder am Beginn

des Lebens lieber in diese luftigen

Farben als beispielsweise in Schwarz

oder Gold. Diese bedrückenden, ernsten,

an den Tod erinnernden Farben wählen

Jugendliche, wenn sie

selbstmordgefährdet sind, oder

zumindest durch eine „gothische“ Phase

gehen. Schwarz, braun, metallische

Farben, das bietet nicht nur die frisch

vom Pflug aufgebrochene Erde, sondern

das findet man auch bei den

Körperausscheidungen des Menschen.

Das Faulige, Verwesende, das Tote hat

die gleiche Farbe wie die Erde, zu der


ja auch alles Lebendige zurückkehrt.

Die Farben der Sonne sind

logischerweise auch jene des Feuers,

die wir mit dem Element Feuer

assoziieren. Gelb, orange und feuerrot.

Wie steht es aber mit den anderen

Spielarten von Rot? Hier ist Vorsicht

angebracht. Das Rot des arteriellen

Blutes beispielsweise ist die Farbe, die

der Sauerstoff hervorruft. Diese muss

man zum Element Luft zählen. Das Blut

aus den Venen ist verbraucht und wird

dadurch bräunlich und erdig. Dieses Rot,

das in der Toskana durch Hausanstriche

bekannt geworden ist, spielt ins Erdige,

während das Violett, in das sich viel

Dunkelblau gemischt hat, eher dem

Element Wasser zugeordnet werden


muss.

Farben

Feuer Gelb, Rot, Orange

Luft Hellgrün, Rosa, Hellblau

Erde Ocker, Braun, Schwarz

Wasser Dunkelgrün, Dunkelblau, Weiß

Wie groß ist nun der medizinische

Einfluss von Farben? Sie können zur

Stimmungsaufhellung beitragen – oder

auch bedrückend wirken. Sich mit den

richtigen Farben zu umgeben ist


wichtiger für die Seele, als Sie denken.

Denn unser Wesen, unsere Seele, unsere

Gedanken sind formbar. Wir leben in

einem ständigen Fluss von

Sinneswahrnehmungen, die unser

Denken beständig beeinflussen. In

diesem Bereich können die richtigen

Farben Steuerungsfunktionen

übernehmen. Das gilt besonders für die

Farben der Kleidung, aber auch für die

Tönung des Kopfhaars oder für

Lippenstift und Fingernagellack, denn

diese Farben bestimmen Ihr Selbstbild

und bestimmt auch, wie Sie auf andere

wirken. Therapeutisch wird die

Farbwahl aber erst dann, wenn Sie im

Gegensatzprinzip vorgehen. Ein feuriger

Typ sollte dann Dunkelgrün, Dunkelblau


und Weiß tragen, ein wässriger Typ

dagegen Gelb, Orange und Rot. Der

erdige Typ soll sich in Frühlingsfarben

und Rosa kleiden, der luftige Typ

dagegen Schwarz, Braun, Beige

bevorzugen.

Wir haben vorhin immer wieder einmal

gehört, dass die Farben von Pflanzen als

Hinweis darauf dienen können, welches

Element durch sie bestärkt werden kann.

Generell können Farben heilsam wirken.

Früher wurden rötliche Hautekzeme

gerne mit einer dunkelgrünen Farbe

bestrichen und manche Fälle von

Neurodermitis damit geheilt. Nach der

Elementelehre ist das nur konsequent,

denn Dunkelgrün ist eine wässrige

Farbe, und sie kann somit befeuchten und


kühlen. Körperfarben werden zwar in

unserer Kultur eher wenig verwendet.

Als Signale aber werden sie wohl

verstanden. Wenn eine Frau roten

Lippenstift verwendet, aktiviert sie

damit im männlichen Betrachter

lustvolle Empfindungen, die mit dem

feurigen Element in Beziehung gesetzt

werden können. Die Farbe rot aktiviert

also das Hormonsystem. Eine ähnliche

Wirkung hat auf uns die Morgenröte und

Abendröte. Sie werden von vielen als

romantisch empfunden. Dieser

Wirkmechanismus der Farbe Rot wird

von uns dann auch auf Blumen

übertragen. Rote Rosen signalisieren

Liebe, eine orange flammende Tigerlilie

wird mit Leidenschaft assoziiert. Ganz


andere Empfindungen werden durch ein

zartes Grün, ein Himmelblau oder Rosa

geweckt. Rosa mag auf den ersten Blick

etwas mit Rot zu tun haben, aber es ist

doch eher die Farbe der Unschuld. Es

kann kein Zufall sein, dass wir, wie

schon gesagt, weibliche Babys Rosa und

männliche Babys Himmelblau ausstatten.

Diese Farben gehören in das Reich der

Luft und werden für Kinder oder

kindliche Menschen reserviert. Das

Rosa der winzigen Frau ist die Knospe

der Morgenröte der Venus. Das Hellblau

des winzigen Mannes ist das nach oben

gerichtete, himmlische Yang der

chinesischen Mythologie. Niemand wird

wiederum auf den Gedanken verfallen,

Kleinkinder konsequent mit braunen und


schwarzen Kleidern auszustatten. Diese

gehören zum erdigen Element, das mit

dem Alter in Verbindung gebracht wird.

Es sind mineralische Farben, die von

ästhetisch begabten Menschen gerne als

„tot“ bezeichnet werden, und da ist auch

was dran. Aber auch die zum Element

Wasser gehörigen Farben Weiß und

Dunkelblau passen schlecht zu Babys, da

sie vom Moment der Geburt an

unpassend werden und auch von

Erwachsenen eher für ganz besondere

feierliche Situationen reserviert sind und

mit denen man den Ausnahmecharakter

betont, denn besonders die Taufe, dieses

Wasserfest, hat. Wird man bei der Taufe

in Wasser getaucht – so die spirituelle

Vorstellung – wird man ja auch


wiedergeboren, ganz so, als würde man

ein zweites Mal aus dem Fruchtwasser

der Mutter in die Welt treten.

Woher Menschen diese gemeinsamen

Farbempfindungen haben, ist schwer zu

sagen. Vermutlich ist es in der

Anschauung der Natur entstanden. Junges

pflanzliches Leben hat hellgrüne Blätter

und sprießt an warmen feuchten

Frühlingstagen heran. Wer schon einmal

im Sommer in einen Laubwald

eingetreten ist und die Feuchtigkeit unter

den dunkelgrünen Blättern gespürt hat,

hat dabei instinktiv erfahren, wie stark

von diesen das Element Wasser

gespeichert und weitergegeben werden

kann. Wechselt er dann in einen

Nadelwald, merkt er augenblicklich, wie


sich die Luft trocknet und es würzig zu

riechen beginnt, und ist dann auch nicht

überrascht, festzustellen, dass die

Rinden der Nadelbäumen rötlich sind

und ihr Saft harzig gelb und entzündlich,

denn Nadelbäume speichern das Element

Feuer und sind deshalb auch mit

trockenen spitzigen Nadeln besetzt, die

stechen, und nicht flauschig weich und

umhüllend wie die Laubbäume, die wie

Mütter ihren Kindern die Brust auch

Milch geben. Gerade der Saft der Birke

wird in Osteuropa gerne getrunken und

ist zuckerhaltig und nahrhaft wie Milch.

Nicht zufällig geben Laubbäume auch

Früchte, von denen man viele essen

kann, denn es sind die Mütter unter den

Bäumen.


Lebensräume und die Elemente

Feng Shui ist chinesisches Wissen über

Lebensräume, das in alten Quellentexten

zutage tritt. Dieses Wissen ist eingebettet

in die dortige Elementelehre. Wörtlich

übersetzt heißt Feng Shui Wind und

Wasser. Es ist also die Lehre von den

beweglichen Elementen, und wie man

sie in die Statik, die Starre unserer

Bauten einbringen kann. Der Gedanke ist

ganz einfach: Der Mensch lebt, und

Leben ist beweglich. Häuser aber sind

definitionsgemäß eine starre, erdige

Angelegenheit. Auf lange Sicht hin muss

ein Mensch in diesem Bauwerk aus

seinem inneren Gleichgewicht kommen


und vererden, also trocken und kühl

werden. Dieser Vorgang muss durch ein

gutes Feng Shui verhindert werden.

Die Prinzipien des Feng Shui sind schon

vor mehreren tausend Jahren entstanden.

Es gibt keine Übereinstimmung darüber,

wie dieses Wissen heute angewandt

werden soll. Wer Feng Shui studiert und

in seinen Alltag einsetzt, merkt die

Richtigkeit seines Handelns daran, dass

sich Menschen, Tiere und Pflanzen in

diesen Lebensräumen wohlfühlen und in

ihnen gedeihen. Es gibt unzählige Mittel

und Weg, um dieses Ziel zu erreichen.

Auch in Europa hat man in früheren

Zeiten oft auf die harmonische

Gestaltung von Lebensräumen geachtet.

Eindrucksvolle Spuren davon finden


sich im Griechenland der Antike, aber

auch hierzulande, und das selbst im

„finsteren“ Mittelalter. Ein Rest davon

ist im Begriff der „Gemütlichkeit“

erhalten. Was das Gemüt anspricht und

die Stimmung der Gemütlichkeit

hervorruft, ist ein Lebensraum im

wahrsten Sinne des Wortes. Aber

natürlich ist auch in Europa Baukunst

weit mehr als Gemütlichkeit.

In China gibt es für die Lebenskraft

einen Begriff, der heißt: Drache des

Atems, das Chi. Diese Lebenskraft wirkt

in allen fünf Elementen, die man in

China anerkennt, dem Feuer, dem

Wasser, der Erde, dem Metall und dem

Holz. Der Drache des Atems bringt

Leben, und damit auch Glück. Das Ziel


einer Feng-Shui-Ausrichtung ist es, das

Chi zu fördern. Wenn das gelingt, fühlen

sich die Menschen jung und

unbeschwert.

Auch in Europa steht der Drache der

Mythologie für die ungezähmte

Lebenskraft und wird häufig mit der

weiblichen Fähigkeit in Verbindung

gebracht, Leben hervorzubringen. Wir

kennen die Lebenskraft auch unter dem

Begriff „Archeus“, und verbinden damit

etwas, das über die Passivität des

chinesischen Begriffs „Chi“ hinaus geht.

Unter dem Archeus versteht man den

kreativen Gestaltungswillen jeder

Körperzelle, jedes Organs und jedes

Lebewesens. Eine Kreativität, die

Gesundheit oder Krankheit erzeugen


kann. Aber auch die Kreativität des

Menschen schlechthin, der seinen

inneren Drachen zu zähmen weiß. Wenn

der Archeus durch eine richtige

Einstellung aktiviert wird, wachsen uns

große Kräfte zu.

Das chinesische Feng Shui ist so

konstruiert, dass kein Ort allen

Ansprüchen genügen kann. Und das ist

gut so und Absicht. Die Perfektion ist

nicht erreichbar. Selbst wenn alles vor

Ort stimmt, sind dann noch

Zeitdimensionen zu berücksichtigen. So

können dann „Fliegende Sterne“ alles

zunichte machen, wenn man glaubt, das

perfekte Leben geschaffen zu haben. Das

Glück kann aber nicht erzwungen

werden, selbst das Glück des perfekten


Lebensraums. Das heißt aber nicht, dass

man sich nicht stetig darum bemühen

kann, nach dieser Perfektion zu streben.

Die Ursprünge dieser

Geheimwissenschaft liegen etwa 3500

Jahre zurück in einer Zeit, als sich auch

in Griechenland philosophische

Konzepte ausbildeten, die noch heute als

Grundlage unserer europäischen Kultur

gelten. Anfänglich soll das Feng Shui

der Kaiserfamilie und dem Hochadel

vorbehalten gewesen sein. Lebenskunst

gibt es nach der Überzeugung der

chinesischen Weisen auf drei Ebenen:

Dem Himmels-, Erden- und

Menschenglück. In unseren Breiten hat

der Arzt und Alchemist Paracelsus im

16. Jahrhundert auf ähnliche Weise seine


Wesenheiten definiert. Er unterschied

dabei drei Wesenheiten, die auf den

Archeus abzielen: Die Sternenwesenheit

(die Zeit, in der man geboren ist und die

einen prägt), die Seelenwesenheit (was

einem den Lebenssinn gibt, warum man

geboren ist), und die Gotteswesenheit

(was einen als Menschen glücklich

macht). Das „Himmelsglück“ Chinas

(Tien Chai) ist die „Sternenwesenheit“.

Der Mensch hat keinen Einfluss auf die

Umstände seiner Geburt und die Zeit, in

die er hineingeboren wird. Das

„Erdenglück“ (Ti Chai) oder die

„Seelenwesenheit“ ist etwas, das man

durch eigene Kraft formen kann. Jeder

ist seines Glückes Schmied, heißt es

dazu im deutschen Volksmund. Das


„Menschenglück“ (Ren Chai) ist die

„Gotteswesenheit“ des Paracelsus, das

individuelle Glück, das man haben kann

und das einem aus unerfindlichen

Gründen zufällt. Paracelsus hat diese

Wesenheiten nicht selbst definiert,

sondern dem alten Wissen der damaligen

Hexen und Heiler abgelauscht, die

offenbar noch auf die gleichen Wurzel

zurückgegriffen haben, die man im alten

China kannte.

Was der erste große Feng Shui-Meister

Yang Yun Sang im 9. Jahrhundert vor

Christi am Hofe des Kaisers lehrte, mag

auf den ersten Blick exotisch wirken, ist

aber ohne Probleme in unsere heutige

Zeit übertragbar. Yang analysierte die

Form der Berge, und die Richtung von


Wasserläufen und suchte dabei einen

geschützten, verborgenen Ort im Inneren

von Wäldern, in dem das Chi in Form

eines Drachens in einer Höhle leben

würde. Dieses Bild eines Drachens

gehört auch zu den ältesten Mythen

unserer Kultur, und der Wunsch, einen

Drachen zu töten, um damit dem

Menschen ein sicheres und friedliches

Leben zu erlauben, ist eine Variante

davon: Die Sehnsucht nach dem idealen

Lebensraum, und somit der Beginn der

Lebensraumgestaltung schlechthin. Die

Weisheit des alten China bestand darin,

die ungestüme Lebenskraft, die sich in

einem Drachen zeigt, als Wert an sich zu

begreifen, und seinen heißen Atem als

Urquell unserer Kräfte. Gleichwohl


zielte das Feng Shui aber von Anfang an

darauf ab, diese Kraft zu zähmen und zu

nutzen. Yang beschrieb die Natur so, als

würde sie aus den Körperteilen eines

Drachens bestehen und als würden Wind

und Wetter die Haupteigenschaften eines

Drachens darstellen: Zorn und

Ausgelassenheit.

Viele nachfolgende Schriften anderer

Meister haben das Bild des Drachen

aufgegriffen, und hatten dabei Recht.

Selbst wenn man sich heute auf die

Suche nach einem perfekten Lebensraum

macht, wird man um den Drachen nicht

herumkommen. Man braucht ein

Äquivalent für das, was wir schon als

kleine Kinder suchen: Einen

Rückzugsort in der Natur, wo wir


verborgen sind und wo alles, was lebt,

sich verbergen kann. Das wird in Europa

unweigerlich ein Wald sein, und das

Unterholz, das man dort findet. Hier

kommt die Lebenskraft ganz bei sich an,

kann sich regenerieren. Ein Lebensraum

ohne einen Drachenort ist undenkbar.

Der Drache symbolisiert die

Gebärmutter, in der wir in einer Zeit, als

wir uns noch herangebildet haben und

ungeschützt waren, geborgen waren.

Selbst als ausgereifte Individuen

brauchen wir das Bewusstsein, dass es

so einen Rückzugsort gibt, und dieser

darf nicht zu weit entfernt sein. Vor

allem aber soll er herausragend sein, ein

grüner Hügel beispielsweise, der nicht

leicht zugänglich ist, der sein Geheimnis


zumindest an manchen Stellen bewahrt.

Hier erblicken wir eine auffällige

Parallele zwischen dem chinesischen

Sehnsuchtsort Grüner Drache, der so

einen Hügel bezeichnet, und die

bewaldeten Hügelkuppen unserer Städte

oder Wohnsiedlungen, die nur selten den

Hügel, an den sie sich schmiegen, in

Besitz nehmen. Ein Großteil der

deutschen Dörfer und Städte bewahrt

sich eine hervorragende Kuppe als

Waldstück bewusst auf, um den

Menschen, die dort Leben, einen

Rückzugsort zu bieten. Das heißt nicht,

dass alle Bewohner diesen auch

wirklich aufsuchen. Es reicht oft, zu

wissen, dass man es könnte. Um diese

spirituelle Bedeutung zu betonen, wird


auf diesen Hügeln oft eine Kirche oder

ein Kreuz oder eine Kultstätte

eingerichtet, um anzudeuten, dass man

dorthin geht in Situationen, in denen man

die Sicherheit der Gebärmutter

nachfühlen möchte, und das ist nicht oft,

sondern nur zu allen „heiligen Zeiten“.

Aus Sicht der Elemente ist der

Rückzugsort des Drachens in der Höhle

in der Tiefe des Waldes ein Idealbild.

Der Drachen selbst ist feurig, die Höhle

erdig, der tiefe, von Blättern

überschattete Ort wässrig und durch die

leicht erhöhte Lage luftig. Ebenso ist ein

Wald auf einer Bergkuppe ein Ort, der

Wasser dort bergen kann, wo es der

Sonne und der Luft am nächsten ist – und

zugleich der Erde. Aussichtspunkte sind


also nicht nur deshalb beliebt, weil wir

in der Landschaft erhöht sind oder wie

Götter hinunter auf die Erde schauen

können, sondern weil wir uns in einem

wohligen Spannungsfeld der Elemente

erleben können.

Als sich die Wissenschaft des Feng Shui

weiterentwickelte, bildeten sich

geometrische Strukturen heraus, mit

denen sich geographische Verhältnisse

erfassen ließen. Dazu gehörte eine

Beschreibung der Windrichtungen, die

nach dem Kompass ausgelegt wurden.

Die Windrichtung sollte vielleicht

genauer als Sonneneinfallsrichtung

beschrieben werden. Natürlich macht es

einen Unterschied, ob man ein Haus mit

Fenstern ausstattet, die nach Süden oder


nach Norden ausgerichtet sind. Aber die

Geheimwissenschaft Feng Shui gab sich

mit diesen einfachen Prinzipien nicht

zufrieden, sondern man begann dann

auch das Geburtsdatum und das

Geschlecht von wichtigen Personen mit

Wetterverhältnissen in Verbindung zu

bringen, die zum Zeitpunkt der Geburt

geherrscht hatten und meinte, dass diese

sich einer Örtlichkeit dauerhaft

einprägen könnten.

Diese Denkweise hat auch in Europa die

Wissenschaft im Altertum geprägt.

Damals sind das Horoskop, die

Astrologie, die Numerologie oder die

Vogelschau dazu benutzt worden, das

darzustellen, was sich in der

Vorstellungskraft des Menschen bewegt.


Natürlich macht es einen Unterschied,

ob an einer Wohnstätte schon einmal

Menschen gelebt haben, oder ob ein

Waldstück mit einem Wunder in

Verbindung gebracht wird, das dort von

einem Heiligen ausgeübt wurde. Der

Mensch hat im Laufe von Jahrhunderten

die Landschaft geprägt, und so lange sich

Menschen an diese Taten erinnern, wird

die Wahl eines Lebensraums oder des

Standplatzes eines Gebäudes sehr stark

von der Prägung abhängen, die der Ort

im Laufe der Geschichte erhalten hat.

Aus den alten Wissenschaften hat sich in

China eine Feng-Shui-Schule

herausgebildet, die die Topographie und

die geographischen Verhältnisse in den

Vordergrund rückt. Dadurch wurde das


Konzept des Drachen in den Hintergrund

gedrängt, darf aber nie vergessen

werden. Wer heute Feng-Shui betreibt,

sollte als erstes an einem Ort

überprüfen, ob es einen alten

Rückzugsort gibt und wo er in Hinblick

auf den zu beurteilenden Bauplatz liegt.

Ob es eine harmonische Verbindung gibt,

zum Beispiel optisch in Form einer

Blickachse, oder ob dieser sogar direkt

mit dem Bauplatz in Verbindung steht,

überhöht und gewissermaßen als Schutz.

Genauso ist es wichtig, aus dieser alten

Vorstellung heraus zu beachten, ob es

„feindliche Strukturen“ gibt, die aus der

Abwesenheit eines Schutzortes

entstehen. Hier können Hügelkuppen,

Gräben, Flussläufe und andere


Landschaftsmarker hilfreich werden, um

negative Einflüsse abzulenken oder zu

blockieren.

Schutzgötter und Glückssymbole

Ein weiteres Element wurde im Laufe

der Jahrhunderte dem Feng Shui

hinzugefügt: Glückssymbole. Dem

entsprechen in unserer Tradition die

römischen Hausgötter, die Laren.

Wahrscheinlich stammen diese aus

verschiedenen Quellen und aus

verschiedenen Kulturen. Es gab Lares

familiares, das waren die Schutzgeister


einer bestimmten Familie, so wie Lares

loci, die Schutzgeister eines bestimmten

Platzes. In vielen Häusern wurde früher

ein eigener Raum für diese Schutzgeister

zur Verfügung gestellt. Das wichtigste

Symbol war dabei die Schlange, die für

die Lebenskraft steht und eine

Entsprechung des chinesischen Drachens

ist. Es gibt aber auch in manchen alten

Bauwerken im „Lararium“ auch in den

vier Ecken des Raums Symbole der

einzelnen Elemente, deren Gesamtheit ja

auch ein Symbol des Lebens ist – denn

die vier Elemente verbinden sich ja in

einem Menschen zu einer lebendigen,

harmonischen Einheit. In Mitteleuropa

finden sich heute noch vielfach die

„Wegmartern“ als Überbleibsel dieser


Schutzgeister an Wegkreuzungen:

Verwitterte Steinblöcke mit oft

christlicher Symbolik. Die Laren wurden

in Europa Ende des 4. Jahrhunderts von

Kaiser Theodosius verboten, überlebten

aber meist in Form von Marienfiguren.

In Süddeutschland und Österreich gibt es

heute noch viele Gebäude aus vorigen

Jahrhunderten, in deren Außenfassade

eine Einbuchtung eingebracht ist, in der

man zumindest früher Marienstatuen

aufgestellt hat. In manchen Städten findet

man heute noch hunderte dieser

Gebäude. Ähnlich sieht es mit

Hausaufgängen aus, wo man oft auf einer

Seite der Treppe eine Nische für

Marienstatuen vorgesehen hat. All das

sind Überbleibsel von Lararien, bei


denen die Mutter Gottes als Ersatz von

Schutzgeistern des Hauses genutzt wird.

Aus Sicht des Feng Shui sind

Wegmartern der Versuch, durch

Landschaftsgestaltung schädliche

Energie auf Wegkreuzungen zu bannen.

Wenn man hinter dem Namen einer

Person ein Kreuz zeichnet, weiß man,

dass diese Person nicht mehr unter den

Lebenden weilt. Ähnlich steht es, wenn

man einen Namen mit einem Kreuz quer

durchstreicht. Man negiert diese Person

oder diesen Begriff, erklärt ihn für

ungültig. Linien, die sich kreuzen, sind in

unserer Kultur von Alters her

problematisch. Einerseits sieht man

durchaus das Positive und setzt


Gaststätten an Wegkreuze oder

Hinweisschilder. Oft aber wird ein

spirituelles Element gesucht, eine

Kapelle oder eine Säule oder zumindest

ein Kreuz, das die Nachbildung eines

Wegkreuzes in aufrechter Form ist, und

an den Tod von Jesus am Kreuz erinnern

soll. Dadurch werden Ängste gebannt

vor der tödlichen Wirkung von

Kreuzungen an sich, die mitunter ja auch

von Geomantikern unterirdisch

empfunden werden. Auch sich kreuzende

„Wasseradern“ und „Gitter“ sind eine

alte Furcht vor ungünstigen

Wohnraumbedingungen.

Die Kreuzung ist auch ein Symbol dafür,

dass die Elemente auch falsch und in

einer schädlichen Art miteinander


verbunden werden können. Erde und Luft

können völlig voneinander abgeschottet

existieren. Und Feuer und Wasser kann

zusammen eine explosionsartige

Reaktion hervorrufen.

Landschaftsarchitektur

Im heutigen China konzentriert sich das

Feng Shui auf Grabstätten, auf die

Instandhaltung und Pflege von Gräbern,

aber auch die Beachtung von

Wasserläufen und ihrer Fließrichtung im

Bereich von Friedhöfen. Früher wurde


ei Städtegründungen wie Kanton oder

Shanghai oder Hongkong sehr stark auf

die Einhaltung von Feng-Shui-Regeln

geachtet. In Europa wurde im Mittelalter

weit stärker als das allgemein bekannt

ist, ein ähnliches Planungsprinzip

verfolgt. Man kann das an Städten mit

einem erhaltenen mittelalterlichen Kern,

die seit ihrer Gründung nur unwesentlich

verändert wurden, zweifelsfrei

erkennen. Ein gutes Beispiel dafür ist

das von Kaiser Kaiser Heinrich im 11.

Jahrhundert gegründete Bamberg. Die

Stadt schmiegt sich in der Biegung des

Flusses an die Hügelkette so, dass die

großen Bauwerke auf halber Höhe

stehen in Form eines großen Kreuzes, an

dessen Eckpunkten Kirchen angebracht


sind, die in allen vier

Himmelsrichtungen Schutz gegen

negative Energien für die zentral

gelegene Kirche, den Dom, bilden. Vom

Domplatz aus geht der Blick über den

Fluss auf eine weite Ebene.

Die Prinzipien dieser Geheimlehre

haben sich über die Jahrhunderte

erhalten, doch wie man sie heute

anwenden soll, darüber gibt es viele

Antworten. Das gilt für das China von

heute ebenso wie für die

Lebensraumgestaltung in Europa. Was

einen Lebensraum überhaupt konstituiert,

ist ja Definitionssache. Im weitesten

Sinn ist die ganze Welt auch unsere

Umwelt. Dazu gehören belebte und

unbelebte Elemente ebenso wie unsere


Erfahrungsebenen, Geist, Seele und

Körper. Auch die bewusste Gestaltung

von Lebens-räumen, die Architektur und

Landschaftsgestaltung, die als Feng Shui

im engeren Sinne gelten, wird immer

alle drei Elemente ansprechen müssen

und wird dabei auch immer auf den

einzelnen Menschen abgestimmt sein.

Das heißt aber nicht, dass sie den

persönlichen Geschmack treffen müssen.

Inwieweit es zulässig ist, Hochhäuser in

Städten als „Hügel“ oder Autobahnen

als „Flüsse“ anzusehen, ist

Ansichtssache. Wichtig ist es, die

Grundlagen des Feng Shui in diesen

Fragen nicht zu vergessen. Diese wollen

wir jetzt Stück für Stück kennen lernen

und mit europäischen Entsprechungen


vergleichen.

Yin und Yang

Yang bedeutet Leben, Aktivität,

Bewegung, und Wachstum. Yin bedeutet

Ruhe, Stille und Tod. Nach den

Elementen ist Yang eine Mischung aus

Feuer, Wasser und Luft, während Yin das

Element der Erde beschreibt. Yin ist

das, was übrig bleibt, wenn das Leben

verschwunden ist, der Leichnam, die

Mineralien. Yang aber ist Leben, ist

Bewegung. Wind und Wasser müssen

genutzt werden, um Leben und


Bewegung in den Bewohnern eines

Hauses zuzulassen. Das Wehen des

Windes, Laute und Geräusche mildern

das Gefühl von Einsamkeit. Das

Sprudeln eines Brunnens weckte

sprudelnde Gefühle. Die Aufgabe des

Feng Shui ist es, die Gefühle der

Menschen zu aktivieren. Dazu gehören

aber auch das Licht und die trockene

Wärme der Sonne, die das Element des

Feuers symbolisiert.

Müll und alte Habseligkeiten blockieren

die Lebensenergie. Aufräumen, ordnen

und sortieren wirkt aktivierend. Besitz

und Körperausscheidungen dagegen

gehören zum Element Erde. Sie halten

uns fest, behindern uns wie Erde, die das

Wasser aufstaut.


Das Element Luft ist im chinesischen

Element Holz wirksam. Es ist das

Veränderliche, Lebendige in der Natur,

das die Erde durchwühlt. Alle Pflanzen

tragen dieses Element Luft in sich, aber

auch das Element Wasser. Das Element

Holz hat in unserem Kulturkreis keinen

Namen, aber es beherrscht einen

Großteil der traditionellen Baukunst, die

die Eigenschaften der einzelnen

Holzarten, aber auch den Zeitpunkt und

die Art der Gewinnung in den

Vordergrund stellt. Diesen alten

Vorstellungen zufolge, die oft als

Aberglaube abgetan werden, macht es

einen Unterschied, in welchem Monat, in

welcher Mondphase und an welchem Ort

in der Landschaft ein Baum gefällt


wurde, und in welcher Richtung das

Sägeblatt in den Stamm eindrang.

Menschen, die diese alte Kunst

beherrschen, können Treppen und Böden

zimmern, die ihre Form über mehrere

Jahrhunderte behalten. Das „Element“

Holz kann also gebändigt und in seiner

Nutzbarkeit optimiert werden, wenn man

diese alte Wissenschaft versteht.

Generell ist das Element Holz dadurch,

dass es die beweglichen Elemente Luft

und Wasser und damit das Feng Shui an

sich bindet, der wichtigste Baustoff

überhaupt. Mit ihm kann jede Behausung

aus Stein oder Beton oder Metall

ausgeglichen werden. Kommen dann

noch ausreichend große Fenster und

Türen und „Raumöffnungen“ wie


Oberlichten oder Terrassen dazu, kann

auch das Element Feuer in diese Struktur

eindringen und sie erfüllen, wodurch

schwere Strukturen an Leichtigkeit

gewinnen und sich architektonisch eine

Verbindung der Elemente ergibt, die als

harmonisch empfunden werden und trotz

ihrer Starre das Leben nachahmen.

Wie steht es nun mit alten Gegenständen,

die eine eigene Geschichte haben?

Prinzipiell sind sie vom Element Erde

durchsaftet, können das Lebensgefühl

bremsen. Alte Möbel, alte Bilder,

Bücher, sie alle speichern unsere

Erinnerungen ab und wecken dadurch

Assoziationen, wenn man sie sieht oder

benutzt. Hier muss man fragen: Welche

Erinnerungen sind es? Förderliche oder


schädliche? Teilt sich hier etwas

Luftiges, Aufmunterndes mit, das für

einen Depressiven hilfreich sein könnte?

Strahlt es für einen luftigen Menschen

Sicherheit und Stabilität aus, und hilft

ihm, sich durch das hier wohnen zu

erden? Diese Fragen zeigen die

Bedeutung von Familienstücken. Sie

können das Selbstbewusstsein kräftigen

im Bewusstsein, in einer Tradition zu

stehen, oder weil man sich dadurch an

einen geliebten Menschen erinnert. Sie

können aber auch das eigene Leben und

Fortkommen behindern, weil sich die

Toten über die Möbel zu sehr in das

Leben der Nachkommen einmischen.

Wenn Sie Ihren Lebensraum zu gestalten

beginnen , können Sie prinzipiell überall


auf eine Balance der Elemente achten.

Sie können aber auch einen

„therapeutischen“ Raum bei sich

einrichten, in den Sie in

Krisensituationen gehen, wo sie sich

aufhalten können, um „herunter“ zu

kommen. In dieser Art und Weise können

Sie je nach Typ einen „kühlenden“ oder

einen „wärmenden“ Raum kreiern.

Der kühlende Raum

Feurige Typen mögen die Feuerfarben

Gelb, Orange und Rot. Wenn Sie sich mit

Farben therapieren wollen, müssen Sie

nun aber das gerade Gegenteil an Farben

wählen, nämlich die Schattierungen des


Wassers: Dunkelblau, Dunkelgrün, Weiß.

Luftige Typen bevorzugen die

Frühlingsfarben Hellblau, Hellgrün und

Rosa. Geheilt werden können sie

dagegen mit den Erdfarben Braun,

Ocker, Creme und Schwarz, vielleicht

auch Gold und Silber.

Der kühlende Raum wird also in der

Basis mit Weiß und Cremefarben

gestaltet und bekommt dunkle Möbel mit

runden Formen. Spitzige und kantige

Gegenstände sind generell zu meiden, da

sie diese von diesen leicht zur

Überreizung neigenden Personen als

bedrohlich empfunden werden. Das

gleiche gilt für Spiegel. Sie verunsichern

und hindern Besucher daran, zu sich zu

kommen.


Wenn Sie Bilder aufhängen, vermeiden

Sie freudige Farben, zeigen Sie keine

Personen und nichts, das heftige

Emotionen ausdrückt. Sehr gut geeignet

sind Schneelandschaften oder Ansichten

aus einem dunklen Wald, mit viel Grün.

Besonders gut geeignet sind auch

Aufnahmen von kühlen Quellen oder

Seen oder Meereseinblicke, wobei sie

aber darauf achten sollten, dass keine

orangen und roten Farbtöne vorkommen.

Hitzige Menschen sollen sich erden

können, deswegen ist alles, das an das

Element Erde erinnert, positiv.

Zimmerpflanzen mit dunklen, kräftigen

Blättern, Holz, Kork und Bast,

unbemaltes Terra cotta, Steine,

Felsbrocken, Muscheln, aber auch


dunkle metallische Elemente wirken

beruhigend. Überlegen Sie auch, ob Sie

ein Ensemble mit Pflanzen, Steinen und

Zimmerspringbrunnen gestalten. Eine

Kommode oder ein Tisch zeigen runde

Formen und sind beispielsweise aus

dunklem Holz oder dunkelblau

gestrichen. Sie sollen einen massiven,

stabilen Eindruck machen, wie auch das

Bett oder Sofa. Für die Bettwäsche oder

Bezüge wählen Sie die Farben Creme

oder Dunkelblau. Schwere, prächtige

Vorhänge aus Samt oder Seide, auch

Stickereien in dunklen Farben und Weiß

wirken angenehm, verkleinern den Raum

und wirken beschützend.


Der wärmende Raum

Wässrige Typen mögen Dunkelblau,

Dunkelgrün und Weiß. Sie sollten sich,

um Krankheiten überwinden zu können,

aber an Gelb, Orange und Rot

gewöhnen.

Erdige Typen bevorzugen Braun, Ocker,

Schwarz und Metallisches. Das erkennen

Sie schon an der Farbwahl der Kleidung

von vielen Rentnern. Hier wirken Sie

mit Hellgrün, Hellblau und Rosa

entgegen.

Der wärmende Raum hat also am Besten

Wände mit einem ganz hellen, zarten

Grün oder Blau und Bilder mit gelbroten

Motiven. Darstellungen von fleischigen,


farbenfrohen Blumen, aber auch von

weiten, offenen Landschaften mit

Sonnenfarben sind geeignet. Sie können

auch Motive mit Menschen wählen, am

Besten welche, in denen Gemeinschaft

und Lebenslust zelebriert wird. Die

Möbel sollten hell sein und nicht zu

massiv. Bevorzugen Sie filigrane

Formen und Schnörkel, ruhig auch etwas

mit mehreren Farben, wobei immer nur

helle, frische Farben erlaubt sind.

Spiegel sind positiv zu sehen, da sie den

Lichtanteil im Raum erhöhen und ihn

auch größer wirken lassen. Diese

Menschen wollen nicht von den Mauern

beschützt werden, sondern lieben das

Offene und Weite. Zimmerpflanzen mit

Blüten sind zu bevorzugen, sollten aber


eher klein und zart gewählt werden.

Vermeiden Sie Blumentöpfe aus Terra

cotta oder mit dunkler Glasur und

bevorzugen Sie welche mit kräftigem

roten Lack oder Verzierungen mit hellen

Frühlingsfarben. Seien Sie

zurückhaltend mit Gardinen. Idealerweise

ist der Raum den ganzen Tag von

Sonnenlicht durchflutet. Bevorzugen Sie

Räume, die auf Terrassen führen, von

denen aus sich ein Fernblick bietet.

Eine Kommode darf nicht massiv sein

oder Schwere ausstrahlen, sondern wird

im Bedarfsfall aus mehreren Elementen

zusammengesetzt, die aus hellem Holz,

Glas und bunten Zwischenstücken

bestehen kann. Für Betten oder Sofas

können Sie fröhliche Frühlingsfarben


wählen und können Bezüge gern in

fleischigem Rot oder auch einmal Rosa

für Bezüge aussuchen.

DER MENSCH UND DIE

ELEMENTE

Empfindungen und die Elemente

Gehen wir also konkreter in die

Schichten des menschlichen Wesens.

Das wichtigste Element unserer Existenz


sind unsere Empfindungen. Sie sind es,

die uns zu den Menschen machen, die

wir sind. In der Seele sind die vier

großen Emotionen Zorn und Witz, Angst

und Freude, Traurigkeit und Kreativität

und Vernunft und emotionale Leere

harmonisch gemischt, so dass wir sie in

unserem täglichen Leben meist gar nicht

wahrnehmen. Je nachdem aber, welches

Element aber dauerhaft überschießend

vorliegt, wird davon unser Charakter

geprägt, und er zeigt sich dann

beispielsweise beim Element Feuer als

zwei Seiten einer Medaille. Wenn es

einem gut geht, ist man witzig, sprüht

von Einfällen, hat den totalen

Durchblick, ist durchsetzungsstark und

selbstbewusst. Geht es einem aber


schlecht, wird der Witz zum Wutanfall,

beginnen sich die Einfälle zu häufen und

werden sinnlos und quälen, wird aus

dem Durchblick die zynische

Abgeklärtheit, aus der

Durchsetzungsstärke die Unbelehrbarkeit

und aus dem Selbstbewusstsein die

Arroganz.

Manche Menschen können auf die Frage,

wie sie sich fühlen, gar keine Antwort

geben. Sie fühlen sehr wenig und können

nicht formulieren, was dieses Wenige

sein soll. In der Sprache der Elemente

ist das ein Zeichen für einen Überhang

am Element Erde, und diese Vererdung

im Gefühl nennt man im Extremfall eine

Depression. Ein Nicht-empfinden, eine

Gefühllosigkeit, von der man sagen


muss, dass sie uns in unserer westlichen

Gesellschaft, die ja auch stark vererdet

ist, von unserer Umgebung direkt

angetragen wird. Wenig oder nichts zu

empfinden hilft bei kühlen

Entscheidungen, die in unserem

Kulturkreis so wichtig sind. Das

Gegenmittel dazu ist alles Lustige,

Unruhige, Unstrukturierte, ein munteres

Chaos, das durch junges Leben –

beispielsweise Enkel – hervorgerufen

werden kann. Jemand, der dieses

Verhalten zeigt, trifft nicht selten auf

Ablehnung, muss „gezähmt“ werden, soll

sich „vernünftig“ oder „erwachsen“

benehmen, damit die große

gesellschaftliche Struktur, die wir

aufgebaut haben, nicht gefährdet wird.


Im Prinzip ist unsere westliche Welt ein

Ameisenhaufen, in dem wir lebenslang

schuften müssen, um einen noch

größeren Ameisenhaufen zu schaffen.

Seelisch gesehen ist das eine

erzwungene „Vererdung“, die uns alt

macht und leer. Urlaube und

Freizeitaktivitäten sind deshalb zu dem

Zweck entstanden, um dieses vorzeitige

Altern zu verhindern. Und auch die

große Sehnsucht der heutigen Menschen,

„ewig jung“ bleiben zu wollen hängt mit

der Überalterung der Struktur zusammen,

die weniger und weniger Kinder schafft.

Ein Überschuss am Element Wasser

drückt sich durch Traurigkeit aus, was

nicht mit Depression verwechselt

werden darf. Beides sind kühle


Empfindungen, aber immerhin bewegt

sich in der Trauer etwas, bewirkt

Veränderungen und ist ein heilsames

Gefühl, sofern man denn überreizt und

überhitzt ist. Für jemanden, der bereits

im Element Wasser unterwegs ist, kann

dann am Besten die Leidenschaft und

Hitze eines feurigen Menschen als

Heilmittel wirken. Tatkraft, Mut,

Ehrgeiz, Tempo – all das sind die besten

Arzneien gegen Trauer.

Die Grundveranlagung, die für ein

Übermaß an Feuer spricht, ist ärgerliche

Gereiztheit, Zorn, Hass und Übelwollen,

aber auch Spott, Sarkasmus und

Zynismus. Aktive Menschen in unserem

Kulturkreis neigen zu Wutausbrüchen

oder Gewalt. Aber auch eine


eherrschende Leidenschaft ist ein

Ausdruck für eine feurige Veranlagung,

weshalb man es oft beobachten kann,

dass tatkräftige Menschen umso

gesünder sind, desto stärker sie Liebe,

Sex und Leidenschaft pflegen. Denn

diese Empfindungen und Tätigkeiten

münden in der Erfahrung des Elementes

Wasser, nämlich der Schwangerschaft,

aber auch das Bewusstsein tiefer

Gemeinsamkeit, oder immerhin: Schlaf.

Angst hingegen ist das Zeichen für eine

Dysbalance, bei der das Element Luft in

den Vordergrund tritt. Ängstliche Unruhe,

Panikattacken, eine übertriebene

Lustigkeit, kindliches, kindisches

Verhalten, all das ist luftig. Das beste

Gegenmittel bei Angst ist Ruhe,


Rationalität und Nichtempfinden,

nämlich erdiges Verhalten, da hier die

Hitze und Feuchtigkeit der Luft von der

Kälte und Trockenheit des Elementes

Erde ausbalanciert werden.

Ähnlich steht es auch mit den anderen

Elementen. Die emotionale

Erreichbarkeit, die Bereitschaft, sich

einzufühlen, ist beim luftigen Typ, der

gerade in der Jugend vorherrscht, sehr

groß. Das hat aber auch die

Schattenseite, dass diese Einflüsse so

stark werden können, dass man davon in

Angst und Schrecken versetzt wird.


Empfindungen

Feuer Zorn und Witz

Luft Angst und Freude

Erde Vernunft und Leere

Wasser Traurigkeit und Kreativität

Das Wirken der Elemente zeigt sich am

Deutlichsten in den Grundstimmungen,

zu denen Menschen neigen, die ihren

Charakter kennzeichnen. Wenn einer zu

Zorn neigt und selbst seine Freude durch

einen beißenden Humor oder eine


leidenschaftliche, eine gewisse

Gewalttätigkeit nicht scheuende

Sexualität äußert, ist eindeutig den

feurigen Typen zuzuordnen. Das genaue

Gegenteil wäre der wässrige Typ, der

eher traurig ist und kreativ, der seine

Freude durch ein mildes Lächeln und

seine Liebe eher stumm und seine

Sexualität eher zurückhaltend äußert.

Der luftige und der feurige Typ sprechen

dagegen viel und lachen laut, während

erdige und wässrige Typen zum Lachen,

wie es gerne und treffend heißt, „in den

Keller“ gehen. Wenn Ihnen jemand auf

jede Frage, wie es ihm geht, die Antwort

gibt, er würde nichts empfinden, dann ist

das ein erdiger Typ. Egal wie groß die

Not dann ist – wenn diese Menschen


gequält werden, entsteht in ihnen eher

eine Leere des Gefühls, die sich mit den

Jahren zur Depression auswachsen kann.

Ganz anders ist das bei einem wässrigen

Typen. Er empfindet prinzipiell auch

etwas Stilles, aber es ist etwas

Lebendiges. Eine schöne Musik, ein

guter Film reicht anfangs schon aus, in

ihm ein erhabenes, der Traurigkeit

zuneigendes Gefühl zu entwickeln, das

häufig bewirkt, dass sich diese

Menschen der Kunst zuwenden. Mit den

Jahren kann daraus aufgrund zahlreicher

Enttäuschungen eine Tendenz entstehen,

alles schwarz zu sehen. Dann beginnen

diese Menschen zu weinen oder auch

einfach mutlos zu sein. Diese Form der

Depression darf aber nicht mit der


Gefühlsleere oder Gefühlskälte

verwechselt werden, die erdige Typen

erleben, wenn auch beide Typen den

kühlen Elementen angehören.

Der feurige Typ verkörpert den Starken

und Unbeirrbaren, der auf Probleme

unwillig, manchmal mit Humor, bald

aber ungehalten und in manchen Fällen

auch mit Zorn oder gar

Zerstörungswillen reagieren kann. Geht

er durch schwere Lebenssituationen,

kann sich dabei ein dauerhafter Groll

entwickeln, der sich aus geringstem

Anlass zuspitzen und mit Wutausbrüchen

Luft verschaffen kann. Ganz anders ist

der luftige Typ, der generell lustig,

manchmal ein bisschen überdreht

reagiert und große Lebensfreude


ausstrahlt. Tatsächlich verbirgt sich

dahinter aber die Tendenz, Ängste zu

entwickeln, von denen vieler dieser

Menschen im mittleren Lebensalter

gequält werden, bis sie ihr

Selbstbewusstsein stärken und in den

feurigen Typ wechseln, was manchmal

vorkommt. Gelingt das nicht, sind

Panikattacken und ständige Sorgen die

Folge, die diese Menschen mit der Zeit

so aushöhlen können, dass sie blass und

kühl werden und sich in erdige Typen

verwandeln.

Claudius Galenus nannte den feurigen

Typen den „Choleriker“, den luftigen

Typen den „Sanguiniker“, den wässrigen

Typen den „Phlegmatiker“ und den

erdigen Typen den „Melancholiker“.


Klischees davon haben sich bis heute in

allen Sprachen der westlichen Welt im

Sprachgebrauch erhalten.

Bedeutungsvoll ist Galens Erkenntnis,

dass feurige Typen eher mit

Leberproblemen zu kämpfen haben als

andere. Es läuft ihnen, wie der

Volksmund sagt, leicht die „Galle über“.

Auch dass wässrige Typen ihr Gehirn

meist weit intensiver nutzen als andere,

hat ihn dazu bewegt, darüber zu

spekulieren, dass diese Dichter und

Denker nicht zufällig so häufig

verschnupft sind. Den Schleim, den sie

in der Nase haben, brachte er mit dem

Schleim der Gehirn-masse in

Verbindung, die er bei Obduktionen

fand. Es ist schon interessant, dass


Choleriker sich fast nie schnäuzen

müssen, während Phlegmatiker dauernd

eine tropfende oder verstopfte Nase

haben und häufig mit Heuschnupfen

kämpfen. Dass der luftige Typ oder

Sanguiniker ein besonders inniges

Verhältnis zu Herz und Lunge hat,

werden wir schnell begreifen, wenn wir

daran denken, wie wir Angst fühlen. Es

„schnürt uns die Luft ab“ oder unser

Herz rast. Auch die Tatsache, dass

Lungenentzündungen, die ja vor allem

durch Schleimbildung auffallen, so

häufig als Folge von Trauerreaktionen

auftreten, lenkt den Blick darauf, dass

luftige Typen am stärksten trauern, da sie

starke Gefühle für ihre Mitmenschen

haben. Ein passendes Organ für erdige


Typen konnte Galen nicht ausmachen und

schrieb der Milz hier eine wichtige

Rolle zu. Fest steht, dass Darmprobleme

für die meisten von uns in der Mitte des

Lebens den Altersprozess ankündigen,

und meistens nehmen diese aufgrund

eines Rückgangs der Sekrettätigkeit der

großen Darmdrüsen mit den Jahren noch

weiter zu. Diese „Vererdung“ kostet uns

in vielen Fällen das Leben, wie das

Sprichwort „der Tod sitzt im Darm“

meint.

Die Seele und die Elemente


Die Seele wird heute gerne unter dem

griechischen Wort Psyche versteckt, das

ja auch „Seele“ heißt. Trotzdem

beschäftigen sich Menschen lieber mit

ihrer „Psyche“ als ihrer „Seele.“ Man

hat durchaus gern „psychische“

Probleme, weil das nach Arzt ruft, aber

weniger gern „seelische“ Probleme, für

deren Lösung eher Eigenverantwortung

gefragt scheint. Vielleicht ist dieser

Konflikt dadurch entstanden, weil die

Seele im Laufe der Jahrhunderte in der

Spiritualität verschwunden ist, von ihr

gewissermaßen okkupiert wurde. Denn

die Seele ist das, was den Menschen

ausmacht, ist das Wertvollste an ihm, der

Lebensgrund schlechthin. Das große

Warum Wir Leben. Etwas, das uns das


Gefühl gibt, dass es überhaupt Sinn

macht, zu leben. Genauer kann man es

nicht fassen als mit diesem Begriff der

Seele, obwohl es unfassbar ist. Wenn es

uns gut geht, wenn wir in unserer Mitte

sind, sind wir glücklich. Aber das spürt

man oft nur im Überschwang, der aus

der Sicht der Elementelehre ein luftiger

Augenblick ist. Die perfekte Harmonie

im Inneren ruft eine Stille hervor, die

aber kein Stillstand ist, sondern eine

Beschwingtheit, ein Vibrieren, ein

Wohlgefühl. Dieses Wohlgefühl ist

gefährdet, wenn uns etwas „herunter“

zieht, wenn also eines der kühlen

Elemente wirksam wird, und uns fühllos

oder traurig macht. Je nachdem, wo uns

dieser Einfluss „abholt“, kann das sogar


positiv sein. Ein luftiger Typ fühlt sich

geerdet, wenn man ihm mit kühler

Vernunft seine Grenzen anzeigt. Ein

feuriger Typ kann dadurch, dass er sich

in traurige Empfindungen einlebt, weiten

und dabei ein rauschhaftes Wohlgefühl

entwickeln. Sich „herunterziehen“ lassen

kann also gut sein, sofern man dabei

nicht an den Tod erinnert wird.

Jede Psychotherapie, die an

persönlichen Verfasstheiten der

einzelnen Patienten vorbeigeht, wird nur

eingeschränkte Erfolge haben. Das gilt in

gewisser Hinsicht auch auf die Kontakte

zu den Patienten, die Psychotherapeuten

mit ihren Klienten aufbauen. Zum

Beispiel wird man einen feurigen Typen

zumindest anfänglich nur über


Argumente erreichen können. Hier gilt

es, Sachkompetenz mit Worten und

Fakten nachzuweisen. Wenn Therapeuten

dabei verbal brillant agieren,

überzeugen sie auch. Da entwickeln

feurige Typen dann unter dieser

Ansprache selbst alle möglichen Ideen

und können vor Begeisterung dann vom

Hundertsten ins Tausendste kommen.

Hier beginnt dann die Therapie. Sie

versucht, Schwingungsfähigkeit und

Weichheit in den Klienten

hineinzubringen und sein feuriges Wesen

mit anderen Elementen auszugleichen.

Ganz anders würden kalte Fakten bei

einem luftigen Typ ankommen. Der hält

eine Therapeutin dann, wenn sie ihm

viele Informationen gibt, eher für eine


Phrasendrescherin und findet ihren

Wortreichtum langatmig. Luftige Typen

sind dagegen über das Gefühl

erreichbar. Sie wollen nett behandelt

und gemocht werden. Sie sehnen sich

nach Rücksichtnahme. Wenn eine

Behandlung weh tun kann und die

Therapeutin geht besonders schonend

mit ihnen um, kriegt diese dicke

Pluspunkte. Luftige Typen sind

Menschen, die bereit sind, andere

Menschen zu mögen und die loben auch

gerne einmal den Psychologen.

Der erdige Typ dagegen würde, wenn

man ihm gefühlsmäßig stark entgegen

kommt, eher misstrauisch werden. Viele

Informationen verstören ihn,

Vertraulichkeiten stoßen ihn ab. Er


kommt in Ihre Praxis, weil er einem

bestimmten Menschen vertraut, weil er

glaubt, dass er bei dieser bestimmten

Psychologin richtig ist. Und er liebt die

Stille. Er mag keine Experimente und

findet es eher angenehm, wenn

Therapeuten ihre Behandlungen nicht

variieren. Diese Menschen hören mit

Befriedigung, dass etwas „eben so

gemacht“ wird und denken nur ungern

darüber nach, dass etwas auch einmal

anders ablaufen könnte. Erst nach einer

Weile kann man versuchen, diese

Erdhaftigkeit zu lindern. Langsam

fließen Gefühle und Wissensinhalte in

die Behandlung ein. Und mit der Zeit

wächst dann die Kraft im Inneren und

mit der Kraft die Tiefe, durch die sich


alle Elemente harmonisieren.

Der wässrige Typ ist ähnlich ruhig und

zurückhaltend wie der erdige Typ. Auch

er fragt ungern, aus Angst, enttäuscht zu

werden. Diesen Menschen muss man gut

zuhören, denn wenn Therapeuten ihnen

das Gefühl geben, auf sie einzugehen und

ihr Vertrauen zu verdienen, bekommen

sie einen Bonus, den man fast nicht mehr

verlieren kann. Und diesen muss man

dann nutzen, um die Elemente

auszugleichen. Das heißt in diesem Fall,

die Leidenschaften des wässrigen Typen

zu wecken, seine Kreativität und seine

Sexualität, mit denen er sich wieder in

seine Mitte bewegen und wirklich leben

kann.

Der Psychotherapeut muss diese


Unterschiede zwischen seinen Patienten

kennen, denn sie entscheiden auch über

die Behandlungsmethode. Allgemein gilt

auch: Feurige und luftige Typen sind für

die Gesprächstherapie geeignet,

während erdige und wässrige Typen

besser bei einer Verhaltenstherapie

aufgehoben sind.

Welche Vorlieben und Abneigungen,

welche Charakteristika zeigt nun

Persönlichkeiten, in denen ein Übermaß

eines Elementes vorherrscht? In Liebe

und Partnerschaft suchen die kühlen

Typen dauerhafte Beziehungen, während

die warmen Typen sehr viel auf

Gefühlswerte legen und deshalb auch

bereit sind, Partner zu wechseln.

Kinderreichtum findet sich eher im


Bereich der kühlen Typen, die auch

beruflich eher zu sicheren Arbeitsstellen

neigen. Kühle Typen haben Hobbys,

während warme Typen Leidenschaften

pflegen. Luftige Typen lesen Fantasy und

Liebesromane, feurige Typen Krimis,

wässrige Typen Biographien und

Gesellschaftsromane und erdige Typen

vor allem Sachbücher. Auch der

Musikgeschmack wird stark davon

beeinflusst, welchem Typ man angehört.

Rockmusik ist eher etwas für feurige

Typen, Pop und esoterische Musik für

luftige Typen, Klassik für erdige Typen

und Jazz gefällt den wässrigen Typen.

All diese klischeehaften Zuordnungen

können vom Individuum allerdings auch

je nach den Einflüssen seiner Umgebung


auch durchbrochen werden, denn die

Elementelehre ist nur ein Grundgesetz,

und nicht das Buch des Lebens selbst.

Der Verstand und die Elemente

Warum wir denken können, wissen wir

nicht. Aber dass sich unsere

Nervenzellen so organisiert haben, dass

analytisches Denken auf höchstem

Niveau möglich ist, hat Descartes zu der

Feststellung veranlasst, dass erst das

Denken das Bewusstsein schafft, durch

das wir Individuen werden. Je nachdem

aber, welches Element unser Denken


dominiert, werden wir mal wenig und

mal viel denken und wird unser Denken

flüssig bleiben oder geerdet in festen

Bahnen verlaufen.

Verstand

Feuer Schärfe der Analyse

Luft Einfallsreichtum, luftige Ideen

Erde Kühle Logik, Vernunft

Wasser Kreativität, Schöpfertum


Wenn man das Denken von luftigen

Typen verstehen will, muss man sich vor

Augen führen, wie junge Menschen

argumentieren. Naivität und

Begeisterungsfähigkeit siegen hier nicht

selten über nüchterne Einschätzungen.

Nicht zufällig steht diesem Lebensalter

Warmherzigkeit gut an, während die

kalte Vernunft eher zum höheren Alter

passt. Schon der Begriff der

„Warmherzigkeit“ zeigt uns, wie tief die

Elementelehre in unserer Sprache

verwurzelt ist. Das Herz, jenes Organ,

von dem aus die sauerstoffreiche Luft in

den Körper gepumpt wird, schenkt seine

Wärme nicht nur dem Körper, sondern

offenbar auch der Seele und dem Gefühl,


und „warme Gedanken“ sind dann auch

oft nachsichtig und verlieren etwas den

Bodenkontakt. Dass wir von „kalter“

Logik sprechen oder von „kühlen“

Überlegungen, oder dass man in

gewissen Situationen einen „kühlen

Kopf“ bewahrt, weist aber auch darauf

hin, dass erdige Qualitäten durchaus

schätzenswert sind, denn wer zu

warmherzig agiert, der „verliert“ auch

den Kopf.

Zugleich gibt es aber aus gutem Grund

eine Wertschätzung für den

Gedankenreichtum warmer Typen, denn

sie sind das Salz des Lebens. Es ist fast

so wie Masse, die man erwärmt. Je

höher die Temperatur, desto heftiger

bewegen sich auch die Moleküle und


desto rascher bewegen sich die

Gedanken. Hitze schafft auch Witz, und

je hitziger ein Mensch ist, desto witziger

kann er auch sein. Der Humor eines

luftigen Typen ist dann eher komisch auf

eine niedliche Art, während der

scharfzüngige Zyniker eher dem feurigen

Typ zugeordnet werden kann.

Schöpferische Menschen können oft bei

den warmen Typen gefunden werden.

Häufig aber finden sie sich auch beim

wässrigen Typen, der aus der Stille

Großes schafft. Er ist wie das Meer, der

größte wässrige Körper auf unserem

Planeten. Wasser hat das Leben

geschaffen und es verkörpert die

Freiheit, ohne die keine Kreativität

möglich ist. Seine Beweglichkeit bietet


keinen Halt, und so ist manchmal auch

die Kreativität der wässrigen Typen

uferlos und letztlich unfasslich und weit

weniger zweckbestimmt als bei

Menschen, die von den warmen

Elementen regiert werden.

Warum gliedern sich die Menschen denn

eigentlich in diese vier Gruppen? Bei

der Lösung dieses Rätsels kehren wir

zum Bild des Schöpfungsaktes zurück

und sehen einen Gott, der einem tönernen

Gebilde seinen Atem einbläst. Auf alten

Abbildungen sehen wir diese Inspiration

beim Sterben des Menschen umgekehrt

als Heraus-fließen der Seele aus dem

Mund und einem Zurücklassen der

irdischen Bestandteile, die dadurch

zerfallen. Es ist also im Wesentlichen


der Atem, der uns über die

Sauerstoffaufnahme zu Lebewesen

macht, und das Blut, dessen reichliches

Fließen Lebendigkeit anzeigt. An dieses

System angeschlossen sind die

endokrinen Drüsen. Sie mischen dem

Blut Stoffe bei, die das Herz schneller

schlagen lassen können und den

Blutdruck steigern, und all das ist eng

gekoppelt an die Geschlechtsdrüsen, die

ja dadurch, dass sie selbst das Leben

hervor

bringen können, Leben ebenso stark

symbolisieren wie der Atem selbst.

Passenderweise liegt die Schilddrüse

vorne am Hals sowohl dem Herzen wie

auch der Lunge benachbart in der Nähe

des Ansatzstückes, das der Schöpfer den


alten Darstellungen zufolge benutzt hat.

Sie ist allen anderen Hormondrüsen

übergeordnet, je intensiver sie Jod zu

Schilddrüsenhormon umbaut, desto

intensiver arbeitet der Stoffwechsel und

umso höher wird die Aktivität des

Menschen, umso lebendiger wirkt er.

Jod ist dem Element der Luft

zuzuordnen. Es ist das rosige Rot der

Morgenröte, die an das Blut erinnert.

Diese Farbe zeigt ganz deutlich seine

Macht an, Wärme im Menschen

anzufachen, und dass das aus dem Meer

stammende Jod Algen dabei hilft, der

Feuchtigkeit und Kühle des Meeres zu

trotzen, ist ein weiterer Hinweis auf

diese wärmende Kraft. Eine gute

Jodversorgung des Körpers garantiert


auch eine gute Funktion der

Geschlechtsdrüsen, die ihn verschönern

und das Fließen der Säfte bewirken,

spielen hier eine wichtige Rolle. Wenn

man es kurz zusammenfassen will, dann

ist alles, was Hitze im Körper macht, im

Grunde genommen die Aktivität der

Hormondrüsen. Bei den feurigen und

luftigen Typen arbeiten sie mit voller

Kraft, und bei den wässrigen und

erdigen Typen auf halber Kraft

beziehungsweise kaum noch. Deshalb

geht der medizinische Blick auch immer

darauf, bei kühlen Typen mit sanften

Methoden die Aktivität der

Hormondrüsen zu steigern, und bei

warmen Typen zu dämpfen.


Der Körper und die Elemente

Wenn wir unseren Körper in seinen

Einzelheiten betrachten, sehen wir

immer wieder, wie die einzelnen

Elemente in Form von Strukturen

ineinander greifen. Im Fall des

Verdauungstrakts haben wir als erstes

die Zahnreihe, die eindeutig dem

Element Erde zugeordnet werden kann.

Zähne sind dazu da, sich im Leben

durchzubeißen. Sie nabeln uns von der

Mutterbrust ab. Das Durchbrechen der

Zähne markiert nicht nur das Ende der

Säuglingszeit, sondern ist auch zugleich

das erste Mal in unserem Leben, in dem


wir alt werden. Der Zahnschmelz ist die

härteste Substanz im Körper, und Zähne

gehören auch zu den mineralisierten

Resten unseres Körpers, die nach

unserem Tod übrig bleiben.

Dann kommen wir zur Zunge und ihren

Sinnen. Diese werden dem Wasser

zugeteilt. Das merkt man schon einmal

daran, dass die Zunge ihre intensivste

Wahrnehmung hat, wenn sie auf in

Wasser gelöste Substanzen stößt. Es ist

die Zunge, mit der der Säugling die Welt

erkundet. Die Zunge sind seine Augen.

Der Säugling, der im Lebensalter des

Wassers lebt, ernährt sich auch vor

allem mit Wasser, nämlich der

Muttermilch. Und mit seiner Zunge sucht

er auch die Mutterbrust.


Die Zunge bleibt für den Rest unseres

Lebens ein wichtiges Organ, das unsere

Nahrung auf ihre Eignung überprüft, ein

Element im Körper zu stärken. Sie tut

das durch die Bestimmung der

Geschmacksrichtungen süß, salzig, sauer

und bitter. Alles übrige, was uns

Lebensfreude kosten und genießen lässt,

stammt vom Geruchsorgan in unserer

Nase, das dem Element Luft zugeordnet

wird.

Die Luftröhre und der Magen liegen

bereits im Einflussbereich des Feuers,

das in der Körpermitte seine

Stoffwechselfabriken aufgebaut hat.

Bauchspeicheldrüse, Gallenblase, Milz,

all das produziert gelbe bis rote

Pigmente, woran man schon erkennen


kann, dass man es hier mit dem feurigen

Element zu tun hat. Die Leibesmitte ist

aber auch jener Körperbereich, in dem

man in der Lebensmitte, in dem das

Element Feuer dominiert, Beschwerden

oder Krankheiten entwickelt. Es ist das

Lebensalter, in dem sich auch gern der

Oberbauch vorwölbt. Ob nun der

Einzelne ein Dickdarmgeschwür, eine

Magenschleimhautentzündung,

Gallensteine oder einen Herzinfarkt

erleidet, ist da von einzelnen Faktoren

abhängig, die den großen Zusammenhang

nicht stören können: Die Leibesmitte

gehört der Sonne, weil dort auch die

intensivsten Stoffwechselprozesse

passieren, aus der Nahrung Kraftstoffe

gewonnen werden, und all das ruft, wenn


es eine gesteigerte Betriebsamkeit gibt,

Krankheiten hervor, die die nahe

gelegenen Organe umfassen. Die

wichtigste Heilreaktion bei einem

Überschuss von Feuer, also Ärger, ist da

das Erbrechen. Wenn einen alles

„ankotzt“, ist Kotzen heilsam, denn es

entlastet die Körpermitte.

Anders steht es mit dem Dickdarm, in

dem sich der Nahrungsabfall wie in

einem großem Dunghaufen ansammelt

und eingedickt wird. Der Vorgang ist

eine Vererdung innerhalb des Körpers,

was Ärzte oft dazu veranlasst hat,

Sprüche wie „der Tod sitzt im Darm“

abzusondern. Denn zweifellos ist der

Dickdarm eines der ersten Organe, das

ein Fortschreiten des Alterungsprozesses


ewusst macht mit zahlreichen

Störungen, deren häufigste Blähungen

und Verstopfung durch Eindicken des

verdauten Breis sind. So leicht lässt sich

aber der Dickdarm nicht fassen. Er liegt

in der Nähe der Gebärmutter, die dem

Element Wasser zugehört, und der

Harnblase, bei der das ebenfalls der

Fall ist, und wenn man es genau

betrachtet, ist es ja auch die wichtigste

Aufgabe des Dickdarms, Wasser aus

dem verdauten Brei zu entziehen.

Jedes Organ trägt die vier Elemente in

harmonischer Anordnung in sich. Es gibt

aber manche Organe, die verstärkt einem

der Elemente zugeordnet werden können.


Körper

Feuer Leber; Galle

Luft Lunge, Herz, Muskeln, Blut,

Hormondrüsen

Wasser Niere, Harnblase,

Verdauungsdrüsen, Hirn, Lymphe

Erde Knochen, Zähne, Stützgewebe

Gerade die Leber ist ja etwas, das durch

Stoffwechselaktivität Wärme in den

Körper bringen kann. Von diesem Organ

geht auch eine allgemein


Entzündungsneigung durch Überhitzung

des Körpers aus.

Die meisten Organe kann man dem

Element Luft zuordnen. Es zeichnet sich

dadurch aus, dass es den Körper warm

und feucht macht. Die Hormondrüsen

sind hier ein gutes Beispiel, aber auch

der Lebenssaft Blut schlechthin. Das

Element Luft ist das „lebendigste“ unter

allen Elementen. Es ist auch das Element

der Jugend. Wenn Sie sich einen jungen

Erwachsenen vorstellen und in

Gedanken einen alten Erwachsenen

hinzustellen und die beiden miteinander

vergleichen, werden Sie sehr schnell

erkennen, dass der Reichtum an

Muskelmasse typisch für die Jugend und

damit etwas Luftiges darstellt, während


der vorgewölbte Bauch des alten

Menschen auch die große Bedeutung des

Darms für das Element Erde

demonstriert.

Das Element Wasser äußert sich am

stärksten in den Organen, die den

Wasserhaushalt regulieren. Und alles,

was trocken und fest im Körper ist, das

Schutz und Stabilität vermittelt, kann

dem Element Erde zugeordnet werden.

Kosmisch und geologisch gesehen haben

wir beim Körper des Menschen einen

kühlen Anteil, der aus Erde und Wasser

besteht. Erde baut das Grundgerüst des

Menschen, und Wasser ist dazu da, die

warmen Elemente in Röhren durch den

Körper zu schicken. Wasser ist also zur

Befeuchtung und zur Entgiftung da. Das


Element Luft dringt durch die

Atemröhren in dieses Elementegemisch,

während sich die Sonne einen eigenen

Weg gebahnt hat. Die Photonen der

Sonne rufen auf der Erde ein

Pflanzenwachstum hervor. Die Pflanzen

speichern diese feurige Energie und

teilen sie den Tieren mit, die sie essen.

Das Fleisch von Tieren ist deshalb so

unglaublich belebend und für den

Menschen so begehrt, weil sich in ihm

weit mehr Sonnenenergie abgespeichert

hat als in einer Pflanze. Essen wir Tiere

oder Pflanzen, gelangt das Element

Feuer über den Magen und Darm in die

Leber, dem Organ des Feuers, das diese

Energie in Form zahlreicher chemischer

Verbindungen auf-schließt und für den


Körper nutzbar macht. Es gibt deshalb

zwei verschiedene Arten der Wärme,

die der Mensch in sich bilden kann. Eine

Form der Wärme entsteht durch Ruhe,

Konzentration, Besinnung und durch die

Gefühle, die auch bei leerem Bauch

entstehen können. Diese Wärme ist die

spirituelle Kraft, die dem Element Luft

zugeordnet werden kann. Die andere

Form der Wärme ist die chemische

Energie des Feuers, eine Art Ofen, der

umso heller brennt, je mehr wir gegessen

haben. Diese Energie entsteht aus der

Aggressivität, mit der wir andere

Lebewesen konsumieren und dabei

zerstören. Es ist das feurige Element,

das uns auch wütend und aggressiv

machen kann. Jenes Element, das der


junge Mensch, der erfüllt ist vom

Element Luft, oft ablehnt, weil es

eigentlich in das mittlere

Erwachsenenalter gehört. Diese scharfe

Energie des Stirb und Werde lässt viele

Menschen im weichen, warmen

Lebensalter der Adoleszenz oder des

frühen Erwachsenenalters zu Veganern

werden, weil sie die Aggressivität gegen

Pflanzen aus Naivität nicht erkennen,

wohl aber die Verwandtschaft mit den

Tieren intensiv empfinden. Aber auch

die Zerstörungskraft und

Gnadenlosigkeit des Elementes Feuer

gehört zu unserem Leben und unserem

Körper, wenn auch in Maßen. Ohne

seine Kräfte gelingt es uns nicht, unser

Bewusstsein aufzuhellen, den


Durchblick zu erlangen und Mut und

Tatkraft zu entwickeln.

Sinnesorgane und die Elemente

Die Menschen unterscheiden sich durch

ihren Glauben. Vor allem aber

unterscheiden sie sich dadurch, welches

Sinnesorgan sie dazu benutzen, ihren

Glauben zu bilden. Manche glauben nur,

was sie sehen, am besten im schärfsten

Kontrast, nämlich „Schwarz auf Weiß“.

Das sind feurige Typen. Dann gibt es

welche, die glauben, was sie hören.

Diese sind luftig. Wer nur glaubt, was er


auch berühren kann, ist erdig. Und der

wässrige Typ ist der interessanteste von

allen: Denn er glaubt nur, was er durch

seinen Geschmack geprüft hat und

dadurch bestätigen kann. Er setzt dabei

im besten Fall auch die Nase ein, das

Geruchsorgan, das auch durch

Feuchtigkeit bestimmt wird, aber durch

den für die Geruchsempfindung

notwendigen Luftstrom eher dem

Element Luft zugeordnet werden muss.

Der wässrige Typ ist aber mit seinen

Geschmacksrichtungen süß, sauer, salzig

und bitter, mit denen er die vier

Elemente klar unterscheiden kann, der

Diagnostiker unter allen. Deshalb auch

findet man so häufig wässrige Typen als

Heiler, als Medizinmänner. Sie


unterscheiden sich von ihren

Zeitgenossen dadurch, dass sie mit ihrem

Geschmackssinn eine Arznei von der

anderen zu unterscheiden gelernt haben.

Sinnesorgane

Feuer Auge

Luft Ohr, Nase

Wasser Zunge

Erde Tastempfindung


Wenn wir uns als nächsten Schritt die

Sinnesorgane vornehmen, erkennen wir

sehr rasch, dass das Auge des

Menschen, dieses lichtempfindliche

Organ, dass seine Energie von der Sonne

her nimmt, dem feurigen Typus

zugeordnet werden kann. Wenn man den

Augenhintergrund des Menschen ansieht,

wo die Sehzellen sitzen, ist es fast, als

blicke man in die Sonne. Man findet hier

alle Schattierungen zwischen Gelb und

Blutrot. Feurige Menschen stellen das

Sehen über alles in ihrem Leben. Es sind

Menschen, die nur glauben, was sie auch

gesehen haben. Sie betrachten alles im

Lichte des Tages und können mit dunklen

Gedanken nichts anfangen. Sie halten


alles für Fakten, was sich darstellen

lässt und neigen dazu,

wissenschaftlichen Ergebnissen zu

trauen, da sie sich zutiefst auf

Schriftzeugnisse und Graphiken

einlassen können.

Der luftige Typ dagegen glaubt, was er

hört. Er kann die Schwingungen in der

Stimme eines Redners aufnehmen und

hört mehr darauf als auf den Sinn der

Worte, den dieser mitteilen will. Er wird

begeistert, und all das nur, weil luftige

Typen über Schwingungen der Luft

erreicht werden, die das Trommelfell

erschüttern. Diese wichtigsten

Sinnesorgane können beim erdigen Typ

durch Nase und Zunge ersetzt werden,

ein Tandem, dessen Funktionen


voneinander kaum getrennt werden

können. Sie bilden quasi den Vorhof von

Magen und Darm, den erdhaften

Organen. Was man gerne riecht und

schmeckt, möchte man sich auch gerne

einverleiben. Nase und Mund sind ja

auch jene Organe, mit dem die Produkte

der Erde wahrgenommen werden. Das

reicht von Lebens-mitteln über

Mitmenschen über chemische Produkte

bis hin zu den Ausscheidungen von

Menschen. Alles ist gewissermaßen

erdhaft, und so kann es nicht

verwundern, dass niemand Besitztümer

an sich so ernst nimmt wie erdige Typen,

und darunter besonders Edelmetalle wie

Gold oder Silber. Aber auch

hochwertige Speisen werden von diesen


Menschen geschätzt, denn sie verkörpern

das höchste, was die Erde dem

Menschen schenkt: Die Substanz, mit der

sich die erdhaften Anteile seines

Körpers aufbauen lassen. Deshalb

werden Menschen auch, wenn sie altern,

zunehmend zu Feinschmeckern, oder

kaufen Bioprodukte. Die Akribie, mit

der sie sich ernähren, ist eigentlich eines

der Vorzeichen dafür, dass sie das letzte

Lebensalter vor dem Tod erreicht haben.

Es ist ironisch, dass viele gerade über

diese gedanklichen Mechanismen –

gesund essen – das Sterben hinauszögern

wollen, denn es sind gerade diese

Mechanismen, die ihr Verhaftetsein im

Erdigen befestigen. Die

Ausscheidungsprodukte des Darms sind


Braun bis Schwarz wie die Erde, und

können im Krankheitsfall auch silbrige

oder goldene Schattierungen aufweisen.

Nie aber werden sie „frische“,

„lebendige“ Farben annehmen.

Wässrige Menschen können vor allem

über den Tastsinn erreicht werden. Es ist

wohl kein Zufall, dass die Haut bleich

und weich ist und dadurch an das

Element Wasser erinnert. Sie neigen

auch dazu, sich bei ihren Kontakten mit

Menschen „sachte vorzutasten“, sie

werden von Erlebnissen „berührt“, sie

sehnen sich danach, umarmt und

gestreichelt zu werden und sind auf ihre

ruhige Art sehr stark durch Sexualität

erreichbar. Nicht zufällig heißt es auch,

wässrige Typen wären besonders


fruchtbar und würden häufig den

Geschlechtsakt ausüben. Wie kommt

das? Hier geht der Blick zurück auf die

Entwicklung des Menschen im

Mutterleib. In dieser Phase schwimmt

der Embryo in Flüssigkeit, dem Urmeer

seiner Existenz, abgeschnitten vom Licht

und weit entfernt von Geräuschen. Auch

der Geschmackssinn ist in dieser Phase,

in der der Embryo noch seine eigenen

Körperausscheidungen schluckt, wohl

wenig bedeutungsvoll. Wir wissen aber

von Ultraschallbildern, dass Embryos

sehr früh mit dem Fühlen und Tasten

beginnen. Dauernd sind ihre Hände in

Bewegung. Sie greifen nicht nur in den

Mund, sondern überall hin – befühlen

ihren Körper, die Wand der Gebärmutter.


Wässrige Typen sind wie diese

werdenden Menschen in der Regel

zeitlebens sehr eng mit ihrer Mutter

verbunden und damit an der Wurzel zum

Geheimnis des Lebens, was vielleicht

auch ihre Kreativität erklärt. Fühlen und

Tasten, diese wichtigsten Elemente der

Sexualität, bilden deshalb später noch

die stärksten Antriebe für den wässrigen

Typ, der nicht dafür geschaffen ist, allein

zu leben, und in allem Sinnlichkeit und

Aufgehobensein sucht.

Kopfhirn und Bauchhirn


Das im Schädel eingeschlossene und

sicher verwahrte Kopfhirn, von dem

riesige Leitungsbahnen in den Körper

hinein verlaufen und die willkürliche

Muskulatur bewegen, diesem System,

das vor allem von den Oberflächen des

Körpers Signale aufnimmt und zu

Berührungsempfindungen, Schmerz oder

Lust verarbeitet, ist als Sitz der Vernunft

und der Analysefähigkeit des Menschen

wohl bekannt und auch seit alters her

hoch geschätzt.

Anders steht es mit dem Bauchhirn, das

erst in den letzten Jahrzehnten die

Aufmerksamkeit der Wissenschaft erregt

hat. Interessanterweise sind in unserem

Bauchraum etwa die gleiche Anzahl von

Nervenzellen wie das Kopfhirn –


nämlich 100 Millionen. Und es ist auch

in seiner Funktionsweise, in der

Verwendung von Botenstoffen und

Rezepten ein Abbild des Gehirns, wenn

auch über den ganzen Bauch zerstreut.

Und seine Bewusstseinssignale sind

weit weniger klar als die des Kopfhirns.

Wo das Kopfhirn für seinen Willen und

seine Entschlusskraft bekannt ist, schickt

das Bauchhirn weniger deutliche

Botschaften aus. Mal schlägt sich uns ein

Ärger auf den Magen, mal haben wir

Schmetterlinge im Bauch, oder wir

treffen emotionale Entscheidungen, wie

wir sagen, „aus dem Bauch“ heraus. Die

Neigung, das Bauchhirn nur wenig oder

gar nicht in seinen Alltag einzubeziehen,

zeichnet viele Männer, während es viele


Frauen gibt, die fast nur mit den dort

angesiedelten Emotionen arbeiten. Wenn

sich eine Sache nicht gut anfühlt, legen

diese Menschen dann keinen großen

Wert auf Gedanken, die vielleicht im

Kopfhirn zu dem Thema abgelaufen sind.

Und manchen Menschen bereitet es auch

richtig Spaß, möglichst stark den

Gefühlen zu leben, die eher mit dem

Bauchhirn zu assoziieren sind. Da kann

es passieren, dass sie sich mittels

Alkoholgenuss die „Birne zudröhnen“ -

das heißt, ihr Kopfhirn lahm legen, weil

sie wissen, dass das Bauchhirn gar nicht

empfindlich darauf ist, sondern die

Emotionalität eher noch steigt, wenn man

Alkohol zu sich nimmt.

An diesem Beispiel merken Sie schon,


dass sich Kopfhirn und Bauchhirn – egal

wie ähnlich ihre anatomischen und

physiologischen Strukturen sein mögen –

doch sehr stark von einander

unterscheiden. Sie sind die beiden Pole

eines Gesamthirns des Menschen, das

die Summe seiner Bewusstseins

darstellt. In China hat man dafür die

Begriffe Yin und Yang geschaffen. Der

Mensch kann sehr stark im Yang leben

und ist dann ein typischer Mann, der an

allem Hellen und Klaren und

Eindeutigen interessiert ist. Oder er

entscheidet sich eher für das Yin und

entdeckt dabei „weibliche“

Charakteristika in sich, wird

empfindsam für Zwischentöne,

Emotionen und Schwingungen.


Aus der Sicht der Elementelehre stellen

beide Gehirne Aufnahmestationen dar,

die dazu geschaffen sind, alle Elemente

wahrzunehmen. Das Kopfhirn tut das,

indem es mit den Sinnesorganen arbeitet,

die deshalb auch in unmittelbarer Nähe

des Kopfhirns am Kopf angebracht sind.

Es arbeitet mit den sichtbaren, hörbaren,

riechbaren, schmeckbaren und tastbaren

Dingen. Das Kopfhirn untersucht die

Welt anhand von konkreten, eindeutigen

Reizen. Wenn man das Kopfhirn in

seiner Funktion beeinträchtigen will,

beschäftigt man die verschiedenen

Sinne, für die es empfindlich ist, und

kann es dadurch ablenken. Eigentlich

kann sich das Kopfhirn nur einem

einzelnen Reiz wirklich mit allen


Kräften zuwenden und ihn verwerten.

Eine Vielstimmigkeit verwirrt es nur.

Das Bauchhirn funktioniert ganz anders.

Es lebt direkt davon, dass sich nicht ein

einzelner Reiz für die Sinnesorgane

anbietet, sondern ruhig eine Vielzahl von

Reizen eingefangen werden, denn

dadurch kommt es ins Schwingen, kommt

in Stimmung. Die Nervenzellen im

Bauch haben schon von ihrer Anlage her

nicht die hierarchische Gliederung der

Nervenzellen des Kopfhirns, sind nicht

geordnet, sondern verfügen über eine

Schwarmintelligenz, die ihre

Erkenntnisse in Form einer Erregung

ausdrückt. Es ist das autonome

Nervensystem, die Spieler und

Gegenspieler Sympathicus und


Parasympathicus, die für die Bildung

von Empfindungen zuständig sind und

den Menschen aufputschen oder

beruhigen, empfindlich oder taub

machen können. Das Bauchhirn wird am

Stärksten von den Geschlechtsorganen

erregt. Diese gehören zum Element Luft,

und dadurch erkennen wir, dass dieses

Element auch für das Wecken und

Erhalten unserer Empfindungen

grundlegend ist. Gefühle kennen nur

zwei Richtungen. Entweder sie wachsen

bis hin zur Entladung, oder sie brechen

ab. Die Nervenzellen umschmiegen auch

den Darm, beeinflussen seine Funktion

und werden ihrerseits durch dessen

Funktion beeinflusst. Wenn wir zu viel

oder das Falsche essen und schlecht


verdauen, schlägt sich das automatisch

auf die Stimmung. Aber auch gute und

reichliche Nahrung vermindert die

Funktion des Bauchhirns. Wenn wir

Fasten, geraten wir durch die Entlastung

des Darms bald in eine Euphorie und

können ganz im Element Luft schwingen

und unseren erhöhten Gefühlen leben.

Aus diesen Zusammenhängen erkennen

wir, dass sich das Element Luft im

Körper durch eine Stimulierung des

Bauchhirns steigern lässt. Entweder,

indem man oft guten Sex hat. Oder indem

man fastet. Dieses Fasten kann zur Sucht

werden und dabei die Grundlagen des

Körpers so weit unterhöhlen, dass das

Gefüge des Lebens, die harmonische

Mischung von Feuer, Wasser, Luft und


Erde, durcheinander gerät und man an

Entkräftung leidet. Doch es gibt

routinierte Faster, die meist vom

Glauben erfüllt nur mehr ihrer

Vergeistigung leben, die über Jahre

hinaus nur mehr minimale

Nahrungsmengen zu sich nehmen können

und dadurch die Schwingung, in der sie

leben, erhalten. Dieser Weg ist der

spirituelle, der aus der Sichtweise der

Elemente einfach eine Art

Spannungszustand bedeutet, bei dem man

das Element Luft maßvoll anregt, bis es

für den Körper bestimmend wird und ihn

„abheben“ lässt wie es ja in Indien von

manchen Yogis behauptet wird, die unter

dem Fasten und Meditieren zu levitieren,

also wirklich vom Erdboden abzuheben


und luftig zu werden beginnen.

Das Kopfhirn ist dieser Lebenswelt

entgegengesetzt und steuert den

Menschen in die Richtung des Elementes

Erde. Wir merken das schon daran, dass

kleine Kinder nicht vernünftig sind, alte

Menschen aber schon. Am

Vernünftigsten sind wir, wenn wir fast

schon zu schwach zum Leben sind. Wir

werden so „alt“, weil wir über viele

Jahre nach Sicherheit und Eigentum

streben für den Fall, dass wir alt

werden. Dieses Altwerden ist selbst

verschuldet und eine sich selbst

erfüllende Prophezeiung. Vernunft,

kühles Denken und auch der Kampf um

Besitz, Reichtum und Macht ist irdisch

und vererdet dadurch auch. Das ist die


große Einflußmacht des Kopfhirns, die

alles Schwammige, Verblasene und

Unsichere geradewegs ablehnt und als

Vision oder Illusion im Unwirklichen

belassen möchte. Doch so leicht ist die

Sache nicht. Wer zu sehr der Funktion

des Kopfhirns nachgibt, isst ja in der

Regel zu viel. Er wird schwer, und

verstärkt dabei den Zugriff der Erde auf

seinen Körper, indem er die

Empfindlichkeit für die Gravitationskraft

erhöht. Er wird passiv, sitzt und liegt

sehr viel. Er wird krank und schwach,

weil das Element Erde die Fähigkeit hat,

Kälte und Trockenheit und damit

Schwäche in den Gliedern zu verstärken.

Er wird muskelarm und blutarm und die

Geschlechtsdrüsen lassen nach. Er kennt


immer weniger Emotionen oder

Sexualität. Wenn er von „Gefühlen“

spricht, sind das nicht die anregenden,

lustigen, unberechenbaren Wallungen

von Liebe, Lust und Freude, sondern

depressive Verstimmungen und

Selbstzweifel. Dieser Weg ist für den

Menschen lange Jahre gangbar – ein

Blick in das Stadtbild vererdeter

Kulturen wie denen Mitteleuropas ist

der Beweis dafür. Doch der Mangel an

Vitalität ist auch ein Zeichen des

Niedergangs und Zusammenbruchs.

Vitale, fröhliche, kurz: luftige und

feurige Kulturen stehen bereit, um diese

verloschene und leblose Kultur zu

überwuchern und zu durchdringen.

Deshalb ist ein Übermaß an Ratio, an


Gedankenschärfe und Nüchternheit, ein

Übermaß an kühler Berechnung,

Zynismus und Kaltherzigkeit die wahre

Ursache dafür, dass Menschen nicht

mehr richtig leben, und die

„Verkopftheit“ des Menschen ein

Warnsymptom.

Düfte und die Elemente

Setzen Sie in ihren Lebensräumen Düfte

ein. Vergessen Sie dabei aber nicht, die

Elemente zu berücksichtigen. Düfte sind

Arzneien. Man kann mit ihnen typgerecht


Heilwirkungen erzielen. Allerdings

sollten Sie nie vergessen, dass Düfte

auch als bedrängend empfunden werden

können. Eine Vermischung von Aromen

wirkt mitunter zusätzlich unangenehm, da

das Ergebnis oft auch nicht vorhersagbar

ist. Und wenn Sie eine bestimmte

Duftnote in einem Raum herrschen

lassen, einem Gast dann noch dazu

parfümierte Getränke anbieten und

zuletzt noch ein besonderes Parfüm

tragen, ist hier für den anderen schnell

die Schmerzschwelle erreicht.

Insgesamt kann man sagen, dass die

erdigen und wässrigen Typen Düfte sehr

schnell als beklemmend empfinden

können, weshalb hier Vorsicht angezeigt

ist. Wenn Ihnen jemand sagt, dass er nur


mehr sehr ungern in ein Großkaufhaus

geht, da er dabei fürchten muss, durch

die Düfte der Parfümabteilung einen

Niesanfall zu bekommen, spricht da

meist einer der kühlen Typen. Sie suchen

frische Luft, und die sollten Sie, wenn

Sie ein erdiger oder wässriger Typ sind,

auch reichlich genießen. Doch gerade

bei diesen kühlen Typen sind die Düfte,

die Räucherstäbchen oder Kerzen

verbreiten bei richtiger Anwendung

äußerst heilsam.

In der kühlen Jahreszeit werden es viele

kühle Typen als angenehm empfinden,

wenn Räume eine wärmende Duftnote,

beispielsweise von Zimt oder

Sandelholz aufweisen.

Anders steht es mit den warmen Typen.


Sie nehmen fruchtig-frische Düfte wie

Orange, Aprikose oder Kokos gerne an,

vor allem im Sommer, aber auch im

Winter. Es sind Menschen, die immer

bereit sind, sinnliche Erfahrungen zu

machen. Wenn diese mit klassisch

kühlenden – also sauren oder herben und

bitteren - Düften erfolgen, ist eine

Heilwirkung zu erwarten. Eine

besondere Rolle kommt hier der

mentholhaltigen Minze zu. Sie wirkt

kühlend und erfrischend und sollten im

Alltag für alle warmen Typen reserviert

werden.

Wenn Sie zuhause Duftlampen zu

Heilzwecken einsetzen, wählen Sie für

kühle Typen Weihnachtsdüfte wie Zimt

oder Duftnoten tierischen Ursprungs, die


das Hormonsystem anregen. Viele

Parfüms sind mit Ambra, einem

Ausscheidungsprodukt des Pottwals,

oder Moschus, dem Extrakt der

Geschlechtsdrüsen der männlichen

Moschusratte, angereichert und wirken

auch auf den Menschen stimulierend.

Kühle Typen sind unter anderem sehr

häufig deshalb kühl, weil die

Geschlechtsdrüsen des Körpers zu

wenig aktiv sind. Hier können Sie mit

anregenden Düften nachhelfen.

Geschmacksrichtungen und die

Elemente


Wenn Sie nur die Zunge mit den vier

Geschmacksrichtungen konfrontieren,

stellen Sie fest, dass der vordere

Bereich für das Aufspüren der

„warmen“ Geschmacksrichtungen und

der hinteren Teil eher für den „kühlen“

Geschmack zuständig ist. Die Verteilung

nach den Elementen ist folgend:

Geschmacksrichtung

Feuer Salzig

Luft Süß

Wasser Sauer


Erde Bitter

Wer jung ist, isst gern Süßes, und der

alte Mensch schätzt Bitteres. Es ist ganz

normal, dass jemand, der das

Überwiegen eines bestimmten Elementes

in sich fühlt, sich zu den Eigenschaften

dieses Elementes hingezogen wird, eine

Affinität mit ihm entwickelt. Ob das

noch gesund oder krankhaft ist, muss

man im Einzelfall entscheiden.

Sicherlich sind Kinder, die Süßigkeiten

in sich hinein-stopfen, nicht vernünftig,

denn bald klagen sie über Übelkeit und

Erbrechen und entledigen sich des


Überschusses an Süßigkeit in ihrem

Inneren, indem sie erbrechen. Wenn sie

das nicht tun, gibt man ihnen von Alters

her bittere Arzneien. Diese wirken nicht

nur fiebersenkend, sondern lindern auch

Übelkeit, indem sie den Gallenfluss

anregen.

Prinzipiell ist es so, dass das

gegenteilige Element heilend wirken

kann, da es eine Dysbalance ausgleicht.

Die Erfahrung aber zeigt, dass man hier

sehr vorsichtig vorgehen muss.

Gegenteilige Arzneien sind sehr rasch

giftig. Es ist das, wovon Paracelsus

gesprochen hat, als er meinte, dass die

Dosis entscheidet, ob eine Substanz

wirkungslos, heilend oder giftig ist.

Wenn jemand mit einem Sonnenbrand ein


kühles Bad nimmt, beginnt er leicht zu

frieren. Zwar macht er an sich das

Richtige – versucht seine Überhitzung

dadurch zu lindern, dass er den Körper

kühlt. Er vernachlässigt aber, dass

dieser längst Heilmechanismen in Gang

gesetzt hat und sich selbst zu kühlen

beginnt in der Hoffnung, damit auch

überhitztes Gewebe abzukühlen. Kaum

tritt da von außen noch Kälte hinzu, friert

er.

Ähnlich ist es, wenn man eine

Entzündung im Körper hat und kühle

Anwendungen versucht. Und so ist es

natürlich auch, wenn ein Kind sich

überessen hat und mit einer größeren

Menge einer bitter schmeckenden Arznei

konfrontiert wird. Häufig kommt es hier


zu Abwehrreaktion – und wenn man es

dann geschafft hat, die Arznei dem Kind

einzuflößen, wird sie gleich erbrochen.

Diese Bemerkungen seien hier

vorausgeschickt, da es im weiteren

Verlauf des Buchs mehr und mehr zu der

Frage kommen wird, wie man Arzneien

anwenden soll. Man soll hier nach dem

Gegensatzprinzip vorgehen, Feuer mit

Wasser bekämpfen. Aber eben nicht so,

dass daraus jede Menge Dampf entsteht,

die die Sicht vernebelt, sondern eine

heilende Verbindung dieser Elemente, in

der das Leben wieder gedeihen kann.

Davon abgesehen gilt aber das

Folgende:


Säuglinge und Menschen mit einer

Wasserverteilungsstörung brauchen

Salziges

Kleinkinder, Schulkinder und junge

Erwachsene brauchen Bitteres

Tatkräftige Erwachsene brauchen

Saures

Zurückhaltende Erwachsene und alte

Menschen brauchen Süßes


Wer kalte Hände und kalte Füße hat,

braucht Süßes

Wer warme Hände und kalte Füße hat,

braucht Salziges

Wer warme Hände und warme Füße

hat, braucht Saures oder Bitteres

Wer unter Belastung zornig wird,

braucht Saures

Wer unter Belastung traurig wird,

braucht Salziges


Wer unter Belastung mutlos wird,

braucht Süßes

Wer unter Belastung ängstlich wird,

braucht Bitteres

Wer zu trockenen Entzündungen neigt,

braucht Saures

Wer zu feuchten Entzündungen neigt,

braucht Bitteres

Wer Wasser einlagert, braucht Salziges

Wer vor allem unter Schwäche leidet,

braucht Süßes.


Über dieses Heilen mit Nahrung hinaus

kann man natürlich auch einzelne

Pflanzen, die bestimmte wärmende oder

kühlende Eigenschaften besonders

intensiv in sich gespeichert haben, auch

als Arzneien gebrauchen. In letzter Zeit

bekannt geworden ist der Chili, der rote

Pfeffer, der medizinisch schon lange in

der Schmerztherapie eingesetzt wird.

Direkt auf die Haut oder Schleimhaut

gegeben ruft er eine Rötung und

Erwärmung hervor. Menschen, die mit

Chili würzen, kennen das taube Gefühl

im Mund, dass dabei bei noch höherer

Dosierung entstehen kann. Es wird durch


Capsicain hervorgerufen, einen

Wirkstoff, der fast wie verbrennendes

Feuer die Speicher von

Nervenendigungen leert. Die intensive

rote Farbe der roten Pfefferschote ist ein

Hinweis darauf, dass sich diese

medizinische Wirkung in ihr verbirgt.

Chili hat also feurige Eigenschaften und

kann Menschen mit wässrigem

Überschuss heilen. Sie beginnen zu

schwitzen und durch die intensive

Durchblutung, die sich bei größerer

Dosierung über den ganzen Körper

ausbreiten kann, wird auch der Harnfluss

angeregt. Rote Pflanzen mit aufheizender

Wirkung wurden schon früh in den

medizinischen Schatz der Kulturen

aufgenommen, in Nordamerika ist es


dann zum Beispiel die Blutwurz, die bei

uns homöopathisch als Sanguinaria

genutzt wird.

Ein anderes Schmerzmittel, die

Salicylsäure, stammt aus der

Bachweide, eine schlanke Pflanze mit

dunkelgrünen und weißlichen Blättern.

Sie liebt die kühle Feuchtigkeit am Bach

und scheint diese in sich zu speichern,

denn die sauer schmeckende

Salicylsäure kann trockene Hitze im

Körper eines Menschen senken, wie man

schon im altägyptischen Papyrus Ebers

lesen kann, das über 3000 Jahre alt ist.

Offensichtlich schien es schon unseren

fernsten Vorfahren logisch, dass eine

Pflanze, die das Wasser liebt, kühlende

Eigenschaften vermitteln kann.


Eine schmerzstillende Pflanze, die

ebenso kühlt und befeuchtet, ist der

Schlafmohn. Seine bläulichen Blüten

zeigen an, dass er sich sehr stark vom

feuerroten Klatschmohn unterscheidet,

dass er etwas Wässriges in sich birgt.

Und tatsächlich ist Opium, das Produkt

des Schlafmohns, etwas, das einen

Menschen bleich und müde macht.

Opium-süchtige erinnern in ihrer

Bewegungsarmut und Bedürfnislosigkeit

an Babys, und tatsächlich scheinen sie

dieses frühe Lebensstadium, das vom

Element Wasser regiert wird,

anzustreben.

Wenn ich Schmerzpatienten in meiner

Praxis beobachte, fällt mir sehr schnell

auf, dass ein feuriger Typ mit Wärme-


pflastern schlecht bedient ist. Diese

Chiliprodukte erhöhen die innere Hitze

und führen zur Schmerzverschlechterung.

Dagegen ist mit

Salicylsäureabkömmlingen wie Aspirin

oder Weiterentwicklungen auf ähnlicher

Basis wie Diclofenac bei feurigen Typen

eine gute schmerzstillende Wirkung zu

erzielen. Anders steht es hier mit

wässrigen oder erdigen Typen. Ihre

Schmerzen reagieren auf kühlende

Arzneien nicht, dafür aber entwickeln

sie aus dem Übermaß an Kühle im

Körper heraus Magengeschwüre oder

beginnen zu bluten, ein Vorgang, der zu

weiterer Kälte im Gewebe führt.

Dafür ist es für kühle Typen sehr

angenehm, wenn man ihnen ein


Capsicainpflaster oder ähnlich

wärmende Gels oder Salben appliziert.

Sobald die Durchblutung ihrer Gewebe

zugenommen hat, werden auch

Schmerzen gelindert, die durch das

Übermaß an Kälte entstanden sind.

Diese Bemerkungen zu einigen Arzneien

und ihren Wirkweisen sollen Ihnen

zeigen, dass man bei der Beurteilung

einer Arznei und ihrer heilenden

Eigenschaften nicht immer nur die

chemischen Wirkstoffe, die man in der

pharmazeutischen Industrie identifiziert

hat, berücksichtigen soll, sondern ein

Gesamtbild, in das die Herkunft, die

Geschichte und die Charakteristika

dieser Arznei einschließt. Je mehr man

davon erkannt hat, desto genauer wird


man die Arznei verstehen und so

anwenden können, dass auch ein

maximaler Gewinn daraus gezogen

werden kann.

ELEMENTE UND MEDIZIN

Krankheiten und die Elemente

Gehen wir jetzt ein bisschen intensiver

auf das Wesen von Krankheiten ein. Sie

haben mittlerweile schon so viel von


den Elementen gehört, dass Sie, wenn

eine Krankheit auftritt, sogleich ein Bild

vor dem inneren Auge aufsteigen sehen.

Sie haben da einen Mann vor sich, der

sehr intensiv arbeitet, unter höchster

Anstrengung und Konzentration, ein

fleißiger, ehrgeiziger Mensch, der den

ganzen Tag am Computer sitzt, um ein

Programm zu schreiben. Wenn der in die

Praxis kommt und darüber klagt, dass

der Bauch aufgetrieben ist und er

Sodbrennen hat, und dass seine Beine

geschwollen sind, weil sich in ihnen das

Wasser staut, überlegen Sie folgendes:

Hier kocht das Element Feuer in einem

bewegungslosen Menschen. Der Körper

kann das Übermaß an Hitze und

Trockenheit nicht los werden. Dadurch


tritt Wasser aus dem gesunden Gewebe

aus, bleibt im Zwischengewebe hängen.

Kühlwasser, gleichsam. Und die

Überaktivität der Leber bringt die

Verdauungssäfte ins Fließen, darunter

auch den Magensaft, der die Speiseröhre

hochgetrieben wird. Das sich Aufblähen

des Bauchs ist Zeichen der Trockenheit,

die sich dort aufgrund dieser

Überhitzung bildet. Was passiert, wenn

dieser Mensch sich nun in die Ruhe

begibt? Er legt sich hin, der Geist

entspannt sich, vielleicht schläft er ein

bisschen. Jetzt wird das Element Wasser

aktiv. Die Organe des Wassers, vor

allem die Niere, beginnt zu arbeiten. Sie

sammelt das „Kühlwasser“ aus den

Beinen zusammen. Sie kühlt den Bauch,


indem sie einen Teil des Wassers wieder

in die Eingeweide schickt. Dadurch

wird der Verdauungsbrei wieder

flüssiger und formbarer, die Auftreibung

des Darms aufgrund der Trockenheit geht

zurück. Der Fluss der Magensäfte lässt

in dem Augenblick nach, indem die

hektische Aktivität wegfällt. So kann

sich auch das Sodbrennen wieder

zurückziehen – es sei denn, man hat nicht

mit Kaffee und Kuchen wärmende

Arzneien „eingeworfen“, um sich

aufzuputschen, und die die innerliche

Hitze noch verstärken. Dann kann das

Sodbrennen nicht zur Ruhe kommen.

Stattdessen aber könnte man

beispielsweise Wasser mit etwas

Wermut vermischt trinken. Sicherlich


wird es hier viel schneller zu einer

Heilreaktion kommen, denn man ergänzt

den Wassermangel in den überhitzten

Bereichen und fördert durch den bitteren

Geschmack des Getränks den

Gallenfluss, der die Leber entlastet und

dadurch auch kühlt.

Alles, was ich hier beschreibe, wird

dem, der nicht mit der Elementelehre

arbeitet, fremd erscheinen. Viele Ärzte

werden darüber milde lächeln, weil sie

es nicht kennen und auch auch nicht mehr

gelehrt bekommen haben. Es sei denn, so

ein Arzt wäre mehrere hundert Jahre alt

– denn früher hat man sehr wohl diese

Gedanken gepflegt und damit auch viele

Patienten heilen können. Heute ist es

üblich geworden, die Beurteilung von


Krankheiten nach Details vorzunehmen.

Man sieht beispielsweise, dass die

Magenschleimhaut vermehrt Säure bildet

und entwickelt ein chemisches Produkt,

das diese Bildung verhindert. Dadurch

kann man effektiv Probleme an der

Wurzel packen und schnelle Erfolge

erzielen. Doch diese Erfolge sind

eigentlich keine. Denn Krankheiten

haben nicht eine Wurzel, sondern viele.

Krankheiten sind so lebendig wie die

Menschen, die sie haben. Krankheiten

verändern ihr Bild, und können, wenn

man sie in einem Bereich löscht, in

einem anderen eine Feuersbrunst

entfachen. Sie tun das, wenn man sie

nicht versteht. Wenn man ihre

Grundcharakteristik ignoriert. Was wir


heute tun, ist so, als würde ein

Feuerwehrmann, der zu einem

brennenden Haus gerufen wird, nur das

Feuer löschen, das in den Fenstern zu

sehen ist, nicht aber versuchen, dem

Feuer den Nachschub abzuschneiden.

Die Grundbeurteilung einer Krankheit

geschieht mit der Frage: Ist sie warm

oder kalt? Ist sie feucht oder trocken?

Und wenn man diese Frage beantworten

kann, kennt man damit auch schon die

Grundrichtung, die die Heilung nehmen

muss. Denn man wird versuchen, nach

dem Gegensatzprinzip einen Ausgleich

zu versuchen. Je nachdem, wie lange

eine Krankheit für ihre Herausbildung

gebraucht hat, wird das länger oder

kürzer dauern und mit größerer oder


geringerer Vehemenz versucht werden.

Die Heilung einer Krankheit ist wie

Fischefangen. Einen kleinen, leichten

Fisch kann man mit einem Ruck aus dem

Wasser ziehen. Große, alte Fische aber

laden den Arzt zu einem Wettkampf ein,

ein Tauziehen, bei dem die Leine nicht

reißen darf. Hier müssen auch schon

einmal Schlachten verlorengegeben

werden, um den Krieg zu gewinnen.

Aber wenn der Arzt aufmerksam und mit

seinen Arzneien am Ball bleibt, wird er

letztendlich gewinnen, denn er weiß, in

welcher Richtung das Gleichgewicht

liegt.


Krankheiten

Feuer Trockene Entzündungen, Leber-

Galle-Probleme, Herzinfarkt und

Hirnschlag,

Gallen- und Nierensteine

Luft Feuchte Entzündungen,

Herzbeklemmungen, Infektneigung,

Angststörungen

Erde Verstopfung, Blähungen,

Schwindel, Schwäche, Krebs,

Depression


Wasser Herzschwäche,

Nierenschwäche, Diabetes

Sauerstoffreiches Blut ist hellrot und

sogar etwas rosig, eine Mischung der

Elemente Feuer und Luft.

Sauerstoffarmes, „verbrauchtes“

venöses Blut dagegen ist bräunlich und

erinnert an das Element Erde.


Die Körperdiagnostik

Der Puls eines Menschen liefert einen

wichtigen Hinweis auf das Element, das

in ihm vorherrscht. Ist jemand gesund

und alle Elemente kreisen in ihm

regelmäßig, dann wird er einen ruhigen,

mittelgradig starken Puls haben. Was

darunter zu verstehen ist, werden Sie

dann erkennen, wenn Sie viele

Menschen auf den Puls gefühlt haben.

Ein Ungleichgewicht erkennen Sie dann

daran, dass der Ruhepuls entweder

schneller geht – das ist ein Hinweis auf

eines der warmen Elemente. Oder er

geht auffallend langsam – dann handelt


es sich um einen kühlen Typ. Wichtig ist

auch der Füllungsdruck in den Adern,

der sich durch die Höhe der Pulswelle

ausdrückt. Wenn viel Flüssigkeit in den

Adern vorhanden ist, haben Sie einen

feuchten Typ vor sich, entweder den

luftigen oder der wässrigen Typen. Ist

der Puls klein und hart durch den Mangel

an Flüssigkeit, dann werden Sie

entweder einen feurigen oder einen

erdigen Typ vor sich haben.

Diese Pulsdiagnostik gehört zum

Grundgerüst des Arztes und wird in

Weltgegenden, in denen noch nach der

Elementelehre geheilt wird – ein

herausragendes Beispiel sind die Ärzte

im Hochland von Tibet – wird die

Pulsdiagnostik auf höchstem Niveau


ausgeübt. Es geht dort aber auch zu der

alten Tradition des Heilens, dass ein

Geheimnis darum gemacht wird, was die

Finger des Arztes da so spüren und wie

diese Empfindungen einzuordnen sind.

Dieses Verkomplizieren von

Sachverhalten gehört zum Fach der

Eingeweihten, denn wenn jeder „Dahergelaufene“

das Pulsfühlen innerhalb

weniger Minuten erlernen könnte,

bestünde ja auch die Gefahr, dass er sich

auch gleich die Ausübung der Heilkunst

zutrauen könnte. Diese Gefahr besteht ja

auch in Deutschland, wo es

Heilpraktiker gibt, die lebenslange

Erfahrung haben – und andere, die sich

die Aufgabe des Heilens schon nach

wenigen Kurstagen zutrauen.


Kreislauf und Puls

Feuer Bluthochdruck, harter, schneller

Puls

Luft Bluthochdruck, weicher, schneller

Puls

Erde Niedriger Blutdruck, harter,

langsamer Puls

Wasser Niedriger Blutdruck, weicher,

langsamer Puls


Man kann das wirksame Element aber

auch an vielen anderen körperlichen

Merkmalen eines Menschen ablesen.

Wer weiche Gesichtszüge und einen

weichen Körperbau hat, wird den

feuchten Elementen zugeordnet, wer aber

kantige Gesichtszüge und einen

vierschrötigen oder mageren Körper hat,

den kühlen Elementen. Im Gesicht sind

Menschen, die bei Erregung leicht

erröten können aber zwischendurch auch

wieder blass sind, den warmen

Elementen zuzuordnen. Eine dunkle Röte

der Wangen, die bleibt und zerbrochene

Äderchen sprechen dann im mittleren


Lebensalter für eine feurige

Konstitution, während fliegende Hitze

und Hitzewallungen luftig sind.

Erdige und wässrige Typen sind blass,

und ihre Haut ist eher kühl. Beim

erdigen Typen ist das „Knochige“,

„Ledrige“, „Verhornte“ der Haut typisch,

während wässrige Typen eine auffallend

weichliche, feuchte Haut haben und auch

leicht schwitzen.

Wenn wässrige Typen unter seelischen

Druck kommen, merkt man das auch

optisch, denn das Gesicht rundet sich

und auch der Körper lagert sichtlich

Wasser ein. In einer Belastungssituation

beginnen erdige Typen eher zu frieren,

sind blass und der Kreislauf ist

schwach. Verstopfung des Darms ist bei


eiden Typen eines der Probleme, die

nicht auf den ersten Blick sichtbar

werden. Überhaupt sind die kühlen

Konstitutionstypen eher ruhig und äußern

Beschwerden selten, weshalb sie häufig

als „Fels in der Brandung“ empfunden

werden. Stress drückt sich bei ihnen oft

auch als ein Nichtreagieren oder eine

Kälte des Gefühls aus.

Die trockenen Typen neigen zu

Haarausfall. Die schlimmste

Kombination ist hier die Trockenheit und

die Hitze der mittleren Jahre, das

Element Feuer, das die Haare verzehrt.

Aber auch das Element Erde führt zur

Ausdünnung des Kopfhaars wie auch des

Haars am Körper, das der feurige Typ

meist lange behält.


Das Klima und die Elemente

Es hat in der westlichen Medizin eine

ehrenwerte Tradition, durch

Ortsveränderung Heilung von

Krankheiten bewirken zu wollen.

Bekannt geworden ist vor allem der

Versuch, die im 19. Jahrhundert

grassierende Tuberkulose durch Bergkuren

im Schweizer Gebirge ausheilen

zu wollen, was ja auch nachweislich in

vielen Fällen gelang.

Aus der Sicht der Elementelehre läuft

die Sache so: Die Tuberkulose ist eine


warme und feuchte Krankheit, die vor

allem die Lymphgewebe befällt. Das

Bergklima ist ein trockenes und kühles,

wirkt also gegensätzlich und dadurch

heilend. Doch da oben in den Bergen ist

man auch der Sonne näher, und diese

wirkt ausgleichend und schützt vor

Überreaktionen.

In Mitteleuropa herrscht eine gemäßigte

Klimazone mit allen Jahreszeiten.

Insgesamt ist es hier aber etwas zu kühl

für den Menschen. Dagegen schützen wir

uns durch feste Bauten und warme

Kleidung und auch durch gutes Heizen in

der kühlen Jahreszeit, doch diese

Maßnahmen können ein warmes Klima

nicht ersetzen. In der Nähe der Tropen

finden wir das feuchtwarme Klima, das


das Element Luft in uns am stärksten

befeuert und damit das Lebensgefühl

steigert. Manche Menschen, die bei uns

an Krebs erkranken – einer trockenen

und kühlen Krankheit, die sich durch

Verdichtung von Gewebe ausdrückt –

sind in den Tropen mitunter gesund

geworden, da sie dort klimatisch eine

starke Kontrastwirkung erfahren. Damit

einher geht aber das Lebensgefühl von

Menschen in diesen Klimazonen, die

dadurch auch „luftig“ werden, das heißt

also sorglos, unbekümmert und kindlich.

Diese seelische Veränderung muss dann

auch einen schwer Kranken erfassen, um

Heilung zu erfahren. Zahlreiche „erdige“

Krankheiten wie Gefäßverkalkungen und

Diabetes sind nämlich nur Ausdruck


einer geistig-seelischen Verfasstheit, die

sich ändern und dem Leben öffnen muss,

um wieder gesund werden zu können.

Ähnlich wohltuend sind

Wüstenlandschaften wie in Nordafrika

oder in den Südstaaten Nordamerikas

für „wässrige“ Typen, die in der Heimat

an Heuschnupfen oder Infektneigung

oder rheumatischen Schmerzsyndromen

erkrankt waren. Es ist immer wieder

erstaunlich, zu sehen, wie nach mehreren

Jahren in diesen Klimazonen

Krankheiten ausheilen, die zu Hause nur

mit stärksten Arzneien in Schach

gehalten werden konnten.

Und letztendlich sind Menschen, die von

Natur aus feurig und tatkräftig sind, recht

gut im Norden Europas aufgehoben. Wo


andere durch das Übermaß an

Dunkelheit, Feuchtigkeit und Kälte dazu

neigen, sich mittels Alkoholgenuss und

Saunieren Wärme einzuverleiben, sind

viele feurige Naturen dort ruhiger und

ausgeglichener geworden und klagen

weit weniger über Beschwerden wie

Bluthochdruck oder Gastritis.

Klimazonen

Polarkreisnah: Kühl und trocken –

heilend für „luftige“ Typen

Gemäßigte Klimazonen: Kühl und


feucht – heilend für „feurige“ Typen

Wüstengebiete: Warm und trocken –

heilend für „wässrige“ Typen

Regenwaldgebiete: Warm und feucht –

heilend für „erdige Typen“.

Schafgarbe, Sauerampfer und


Brennnessel

Wenn Sie gerne joggen gehen, werden

Sie das Problem kennen, dass Sie

manchmal Durst haben und Sie finden

kein Wasser in der Nähe. Wohl aber

werden Sie in der warmen Jahreszeit auf

Wiesen den Sauerampfer finden, der

seinen Namen erhalten hat, weil seine

Blätter ungewöhnlich sauer schmecken.

Kaum haben Sie einige Blätter gekaut,

werden Sie merken, dass Ihr Durst

gelöscht ist. Es ist der Geschmack, der

hier medizinische Wirkung hat. Durst ist

innere Hitze und Trockenheit, und der

saure Geschmack kühlt und befeuchtet.

Dann gibt es beim Joggen Situationen, in


denen Ihnen übel ist und sie sich kraftlos

fühlen. Naturheilkundlich gesprochen ist

das eine Form der Leberschwäche, meist

durch Stoffwechselüberlastung. Sie

haben vielleicht zu schwer gegessen und

auch zu wenig geschlafen. Kauen Sie nun

die in der Form an Augenbrauen

erinnernden Blätter der Schafgarbe,

wird der bittere Geschmack in Ihnen

einerseits reflektorisch Gallenfluss

auslösen, der die Leber entlastet und

dadurch Übelkeit und Schwäche zur

Rückbildung bringt. Aber auch die durch

Schleimbildung bedingte Feuchtigkeit,

die durch Übererregung des Nervus

vagus entstanden ist, wird durch

Austrocknung behoben. Dass Bitterstoffe

diese Wirkung haben, ist seit vielen


Jahrhunderten bekannt. Nach der

Elementelehre ist es die kühlende und

trocknende Qualität dieser Arznei, die

sich hier über den Geschmack mitteilt.

Letztlich werden Sie an Wiesenrändern

auch Brennnesseln stehen haben. Gerade

die kleinen Brennnesseln, die meist als

Arznei genutzt werden, zeigen durch ihre

hellgrünen Blätter, die gelblichen Blüten

und den herb-süßlichen Geschmack an,

dass es hier die wärmenden Elemente

sind, die dem erschöpften Jogger neue

Kräfte verleihen können.

Brennnesselblätter enthalten unter

anderem größere Mengen von

Acetylcholin, jenem Wirkstoff, der die

Zusammenziehung unserer Muskeln

bewirkt. Reiben Sie diese Blätter zu


einem kleinen Ball und kauen Sie daran

und Sie werden sehen, dass Sie wieder

wacher und leistungsfähiger werden.

Denn die Abgespanntheit nach großer,

anhaltender Anstrengung führt zur

Zunahme des Elementes Erde, da die

Lebenskraft aus einem weicht. Diese

kann durch eine feuchtwarme Pflanze

wie die Brennnessel wieder gehoben

werden.

Heilmittel und die Elemente

Die meisten Heilanwendungen der


„Klostermedizin“ sind Fortschreibungen

der Elementelehre, die in der Antike

ausgeübt wurde und in unseren Breiten

in der Volksmedizin überlebt hat. Eine

„Klostermedizin“ ist es also nicht, da sie

auch kein Element der christlichen

Medizin aufweist, wohl aber der

Signaturenlehre, die von den „Hexen“

ausgeübt wurde. Also solche galten

sicherlich auch Ärzte, die sich im

ehemaligen römischen Reichsgebiet nach

dem Zusammenbruch erhalten hatten und

ihre Heilkunst an Schüler weitergaben.

Die Elementelehre musste dann aufgrund

des christlich-politischen Komplexes,

der sich in Europa zwischen 500 und

1500 aufbaute, in den Untergrund der

Wälder flüchten, denn die damaligen


Christen waren davon überzeugt, dass

alles von Gott ausgeht, deshalb auch

Krankheiten und Heilung. Die Erbsünde

erklärte, warum die Menschheit

überhaupt unter Krankheiten litt, und

warum selbst Babys starben. Die

nachfolgenden Sünden des einzelnen

Menschen sollten zusätzlich erklären,

warum er in späteren Jahren erkrankte.

Krankheiten konnten eine Strafe Gottes

sein, aber auch eine Prüfung, nach der er

geheilt und auch seine Seele geläutert

war. Prüfungen wurden aber auch von

Gott zu Lebzeiten durchgeführt, um die

Zeit, die der Mensch nach dem Tod im

Fegefeuer zuzubringen hatte, zu

verkürzen. Polemisch gesagt: Bei

Überfüllung des Fegefeuers waren die


Leute schon zu Lebzeiten kränker.

Da der Mensch aber seine Hoffnung

nicht gänzlich von Gott abhängig machen

wollte, haben sich bestimmte Heilmittel

nach den Elementen trotz Unterdrückung

und heftigen Widerstand der Kirche

erhalten. Übrig geblieben sind hier vor

allem Heilmittel, die man als unschuldig

bezeichnen kann wie Wasser, oder

ungiftige und alltägliche Pflanzen vom

Wegrand. Unbescholtene, unverdächtige

Arzneien also, die wir im ersten

Abschnitt dieses Buches kennen gelernt

hat, die in keiner Art und Weise mit dem

Teufel in Verbindung gebracht werden

konnten.


Der Lebensstil und die Elemente

Welches Leben sollen wir führen? In

Hinblick auf die Elemente kann man

schon einmal eines sagen: Der Feurige

sollte ein beschauliches Leben suchen,

und der Erdige ein lustiges,

abwechslungsreiches, in dem alles im

Fluss ist. Der Wässrige braucht Klarheit

und Struktur und jede Menge Humor.

Und auch der Luftige ist jemand, der

Struktur finden muss, dabei aber eher

nüchterne, oft ernüchternde

Perspektiven. Luftige Menschen müssen

lernen, vernünftig zu sein.

Welches Leben aber jemand führt, ist


ihm natürlich selbst überlassen. Was für

ihn gut ist oder nicht entscheidet er

letztendlich selbst. Denn die Freiheit ist

die Grundvoraussetzung allen Lebens.

Trotzdem gibt es immer wieder Fragen

von der Art: Was soll ich essen? Darf

ich in die Sauna? Soll ich Sport machen,

und wenn ja, wie viel? Hierzu folgende

Anmerkungen:

Schwitzen: Für wässrige und luftige

Typen

Wenn der Körper schwitzt, scheidet er

Wasser aus. Außerdem führt die


Abkühlung der Hautoberfläche dazu,

dass der Körper insgesamt abkühlt.

Wenn man Menschen am Arbeitsplatz

oder dort, wo sie sich meistens

aufhalten, einen heißen,

schweißtreibenden Tee wie

Lindenblütentee anbietet, wird diese

Abkühlung verhindert. So können sich

wässrige Typen therapieren indem sie

einfach zwischendurch etwas trinken.

Das ist Lebensstil und Behandlung

zugleich.

Fasten: Für wässrige und erdige

Typen

Vor dem Sport zu essen kann man


feurigen und luftigen Typen empfehlen.

Sie haben einen so aktiven Stoffwechsel,

dass es sonst leicht zu Unterzuckerungen

kommen kann. Das Gegenteil gilt für die

kühlen Typen. Hier ist Hungern

„energiebildend“, da das

Verdauungssystem dabei nicht so stark

durchblutet werden muss. Sie sollten

also nüchtern zur Behandlung kommen –

zumindest, wenn Sie vorhaben, Ihnen

eine ordentliche körperliche Leistung

abzuverlangen.

Wässrige Typen haben meist eine gute

Verdauung, während erdige Typen hier

ständig über Beschwerden klagen.

Wenig zu essen und dabei gut zu kauen

führt bei Ihnen zu einer deutlichen

Verbesserung, da sich das


Mischverhältnis zwischen

Verdauungssäften und Nahrung

ausgleicht. Das ist empfehlenswert für

alle Typen, besonders bedeutungsvoll

aber bei erdigen Menschen, deren

Trockenheit im Verdauungstrakt sich

durch einen Mangel an Verdauungssäften

ausdrückt. Dadurch werden

Nahrungsmittel später und schlechter

aufgespalten. Blähungen und Stuhlverhalt

sind die Folge, was sich deutlich

vermindernd auf die Bewegungslust

auswirkt. Diese Menschen werden

kraftlos und träge und sind noch

schwerer für sportliche Aktivitäten zu

motivieren, die sie eigentlich brauchen.


Wasseranwendungen: Für feurige

Typen

Durch die Kneipp'sche

Gesundheitsbewegung haben die meisten

Menschen schon etwas von

Wasseranwendungen gehört. Welche

aber sind sinnvoll? Und welche können

auch schaden? Es ist kein Wunder, dass

viele schon innerlich zu frieren

beginnen, wenn sie das Wort Kneipp

hören, weil der kühle Guss jemandem,

der wässrig oder erdig ist, genauso

schaden kann wie ein Aderlass. Aber

Wasser muss nicht heißen, dass man es

auch mit kühlen Temperaturen zu tun hat.

Es gibt so viele heiße Erdquellen, in


denen man sich bewegen kann, und es

gibt Dampfbäder. Wassergymnastik muss

für kühle Typen immer im warmen

Becken stattfinden. Dort haben aber

warme Typen nichts zu tun. Bei ihnen ist

es besser, wenn sie sich im kühlen

Becken betätigen. Die Bewegung schafft

Wärme, doch das kühle Wasser kann

dabei zum „Kühlwasser“ werden und

eine innerliche Überhitzung verhindern,

die sonst stattfinden kann. Kühle Güsse

bleiben für die warmen Typen reserviert

und wirken gerade bei feurigen Typen oft

Wunder. Sie leiden an einer

Verteilungsstörung der Hitze im Körper

und können manchmal sogar frieren,

obwohl es in anderen Körperteilen vor

Hitze und Schmerz pocht.


Wasseranwendungen auf die Haut

wirken hier regulierend. Es muss aber

auch wohl dosiert werden. Auch feurige

Typen können sehr rasch auskühlen.

Bedeutungsvoll ist aber, dass sie

beispielsweise durch Wechsel-duschen

oder Taulaufen oder kühle Güsse mit

anschließendem Abrubbeln der Haut

eine bedeutsame Verbesserung ihres

Allgemeinbefindens erleben. Die Hitze

wird durch diese Maßnahmen aus dem

Körper ausgeleitet oder zumindest

gleichmäßig über ihn verteilt.

Freizeitaktivitäten


Fernsehen, Filme, Krimis – all das

liefert Wärme für den Geist.

Anspannung, die auch in

Reizüberladung, in Überhitzung, münden

kann.

Ein Dauerlauf schafft mehr Hitze als ein

Spaziergang. Der Müßiggang, das

einfach wo sitzen und schauen, ist ideal

für jemanden, der sich in seiner Arbeit

überhitzt hat. Er sucht Entspannung,

möchte relaxen. Wer aber erdig ist und

sich für die Jägerei interessiert und eine

Nacht lang in der Kälte am Hochstand

sitzt, hat nichts für seine Konstitution

getan. Er hat stattdessen die Kälte und

Trockenheit in seinem Körper verstärkt,

wird noch kränker, noch passiver, noch

gleich-gültiger, noch nüchterner werden.


Da wäre es besser, er hätte sich in die

Disko begeben, dort Alkohol oder

Ecstasy eingeworfen und die Nacht

durchgetanzt, denn dadurch kommt in

ihm eine Heilreaktion in Gang, die ihn

aus der Vererdung in die jugendliche

Beweglichkeit hinein holt, in der er

beweglich, schwingungsfähig,

einfühlsam, kontaktfreudig und vieles

andere mehr wird, was wir als

Eigenschaften mit einem „luftigen“

Typen assoziieren.

Kochen und die Elemente


Zumindest im indischen Ayurveda hat

sich bis zum heutigen Tag die

Überzeugung gehalten, dass ein Gericht

nur gut sein kann und gut schmecken

kann, wenn in ihm alle vier Elemente

harmonisch miteinander verbunden sind,

wenn es also „lebt“. Nur so kann es ja

auch harmlos für den Menschen sein.

Denn alles andere macht eine Speise zur

Arznei. Ein scharf gewürztes Gericht

wird das Element Feuer in denen

entfachen, die es verspeisen. Ein Koch,

der so ein unbalanciertes Gericht

anbietet, ist eigentlich ein Arzt, der eine

Arznei verschreibt.


Speisen

Feuer Salzig, würzig

Luft Süß, nach Blüten duftend

Erde Bitter, faulig

Wasser Sauer, verwässert

Kochen nach den vier Elementen heißt,

diese vier Elemente harmonisch in

einem Gericht zu verbinden. So

entstehen süß-saure Speisen, die man


dann mit einem würzigen, bitteren

Getränkt serviert und vieles andere

mehr. Diese Aufteilung liegt heute

vielfach der asiatischen Küche zugrunde,

deren Gerichte nach den Prinzipien des

indischen Ayurveda (ein Wort, das

„Lebenskunst“ bedeutet) erstellt werden.

Hier hat jedes Lebensmittel eine klare

Zuordnung. Fleisch ist wärmend,

Milchprodukte kühlen. Lassi, das

Molkegetränk, wird mit dem

trocknenden und wärmenden Salz

versetzt, um die kühle und feuchten

Eigenschaften von Milch abzudämpfen.

Mischt man hier einen Fruchtsaft hinzu,

hat man hier im besten Fall wieder

etwas Balanciertes, bei dem die süßen –

also befeuchtenden und wärmenden –


Eigenschaften des Saftes durch

Fruchtsäuren gekühlt und durch Pfeffer

ausgetrocknet werden.

Man kann mit dieser Art Küche auch

heilen, indem man bei einem feurigen

Typen versucht, durch „kühle“

Lebensmittel zu „löschen“. Die

Lebenserfahrung sagt uns, dass wir

durch roten Pfeffer ein inneres

Hitzegefühl und einen roten Kopf

bekommen. Solche Gewürze wären für

den feurigen Typen schädlich – und

diese Einstufung reicht über die

Gewürze hinaus zu allem Salzigen und

Herb-Anregenden. Hingegen rufen alle

sauren Nahrungsmittel Speichelfluss

hervor, eine Wassermenge, die sich dem

Speichel beimischt, den Durst noch


steigert und dadurch eine beruhigende

Wirkung auf feurigen Typen hat. Die

einfachste Art, innerliche Hitze zu

löschen ist das Trinken von kaltem

Wasser. Und noch effektiver wird das,

wenn man diesem einen Fruchtsaft mit

säuerlichem Geschmack beimischt.

Diese Theorie hat in der Praxis die gute

alte Zitronenlimonade hervorgerufen, die

von wohlmeinenden Eltern für ihre

Kinder durch Zucker wieder

„entschärft“, das heißt, nach den

Prinzipien des Ayurveda, ausgeglichen

wird, wodurch sie ihre Eigenschaften als

Arznei verliert.

Wenn man Kinder gewähren lässt,

bedienen sie sich nahezu vollständig bei

fetten und süßen Speisen. Diese wirken


nach der Elementelehre wärmend und

befeuchtend und können das ohnehin in

diesem Lebensalter vorherrschende

Element der Luft so sehr bestärken, dass

dann Fieber und Entzündungen des

lymphatischen Gewebes (meist eitrige

Angina oder auch eine

Blinddarmreizung) die Folge sind. Will

man diesen schädlichen Wirkungen eine

Arznei entgegensetzen, muss diese bitter

schmecken, denn der bittere Geschmack

ist kühlend und trocknend, beides

Eigenschaften, die den Kindern in dieser

Situation helfen. Nicht zufällig

schmecken die meisten Arzneien gegen

Überhitzung deshalb sauer oder bitter.

Das gilt für die nichtsteroidalen

Medikamente wie Aspirin, aber auch für


Antibiotika wie Penicilline. Was bitter

schmeckt, regt den Gallenfluss an und

entlastet die Leber. Hier kann man auf

körperlicher Ebene beobachten, wie

schlüssig die Elementelehre ist, denn die

Leber ist das feurige Organ, und das

kann eben nur mit bitteren Arzneien

„gelöscht“ werden.

Denken Sie nicht, dass nur Kinder dazu

neigen, Krankheiten zu provozieren und

das in ihnen vorherrschende Element

zum Überschießen zu bringen. Ganz

ähnlich macht es ein feuriger Typ in der

Mitte seines Lebens, der sich Zigaretten

und herben Rotwein reinzieht und dazu

Knabbergebäck nimmt. All das sind

Maßnahmen, Trockenheit und Hitze zu

verstärken. Dass die Folge dann


langfristig Blutgerinnselbildung ist, die

einen Herzinfarkt auslösen kann, bedenkt

er dann genauso wenig wie Kinder, die

Süßes oder Fettes in sich hineinstopfen.

Aber auch die Neigung vieler Menschen,

im hohen Alter zu bitteren

Nahrungsmitteln zu greifen, ist völlig

falsch. Bittere dunkle Schokolade wären

Arzneien für Kinder – im hohen Alter, in

dem das Element der Erde vorherrscht,

sind sie dagegen Gift. Hier wäre es weit

mehr angebracht, zu der süßen

Milchschokolade zu greifen, die Kinder

so lieben, denn Süßes wärmt und

befeuchtet, und beides haben alte

Menschen dringend nötig.

Will man nach der Elementelehre

medizinisch behandeln, beginnt man


deshalb immer mit den

Geschmacksrichtungen. Schmeckt etwas

süß, wird es für erdige Menschen eine

gewisse Heilwirkung haben. Schmeckt

es bitter, wird es ihnen schaden. Bei

luftigen Typen ist es gerade umgekehrt.

Feurige Typen werden von Saurem

profitieren – ihnen kann man

gewissermaßen „Saures geben“ –

während wässrige Typen Saures

vermeiden sollten und lieber zu

Salzigem greifen. Hier gilt aber auch

eine der wichtigen Gesundheitsregeln

des Altertums, das schon am

Apollotempel von Delphi eingraviert

war: Halte Maß in allem! Auch wenn

wir hier vorwiegend über

Nahrungsmittel sprechen, so sind diese


auch Arzneien und müssen mit Vorsicht

angewandt werden.

Wie sollen wir also essen? Prinzipiell

so, wie es uns bekommt. Versuchen Sie

bei jedem Nahrungsmittel darauf zu

achten, dass es ausgereift und

unverfälscht auf den Tisch kommt, und

bei gekochten Lebensmitteln schonend

zubereitet, bei kleiner Flamme gegart. Je

besser Ihnen eine Speise mundet, desto

gesünder ist sie auch für Sie – ganz

unabhängig davon, was andere

Menschen dazu meinen.

Das Frühstück


In unseren Breiten ist es üblich, morgens

Milch zu uns zu nehmen. Milch und

Käseprodukte sind Schleimbildner, das

heißt, sie haben eine hohe wässrige

Eigenschaft, die bei Kuhmilch durch

eine erdige Qualität verstärkt wird. Sie

wirkt also kühlend, was am Morgen gar

nicht so schlecht ist, denn der Körper ist

gut ausgeruht mit regen Säften, die sich

durch die Aktivität des Tages noch

zusätzlich erhitzen werden. Sie sollen

am Morgen durchaus viel essen, denn

Sie brauchen Kraft für den Tag. Damit

der Stoffwechsel nicht überlastet wird

und heiß läuft, ist Milch und Käse also

positiv zu sehen.

Ähnlich steht es mit Vollkornprodukten,


die meist auch noch ein kühles Getreide

wie den Roggen beinhalten. Dagegen

können Auszugsmehle, vor allem von

Weizen und Dinkel, den Körper morgens

überhitzen. Auch Obst ist kühlend,

sofern es nicht zu süß ist und deshalb

ideal für den Morgen.

Süßes und Salziges wie Wurst oder

Nutella oder Marmelade sind in Maßen

okay, können aber den Körper frühzeitig

überhitzen und dadurch schwächen.

Das Mittagsmahl

Viele Menschen essen zu Mittag, um am


Nachmittag nicht schwach zu sein.

Andere essen zu Mittag, um eine

Mittagsruhe halten zu können. Das eine

schließt das andere aus. Wenn Sie aktiv

sein wollen, dann machen Sie ein

kleines Essen mit Obst, wasserreichem

Gemüse und hellem Fleisch oder Fisch,

da eiweißreiche Nahrung ein

langfristiger Energiespender ist. All das

darf nicht zu stark gesüßt oder gewürzt

sein.

Wollen Sie schlafen, müssen Sie den

Stoffwechsel mit hitzigen Arzneien

zudecken. Dazu geeignet sind Gewürze,

Süßes und Fettes, rotes Fleisch und

Auszugsmehle, wie sie für die meisten

Nudelgerichte üblich sind. Auch Reis

und Kartoffeln unterstützen diesen


Kohlenhydrat-Schock, von dem Sie in

das Koma zur Tagesmitte fallen, das die

Italiener Siesta nennen. Der Anstieg des

Blutzuckers ist auch bestens geeignet

dafür, Liebe zu machen, denn er verleiht

das Gefühl von Kraft und Vitalität –

zumindest, bis die Müdigkeit einsetzt.

Das Mittagsmahl dieser Art dient dazu,

das Feuer im Menschen anzufachen, um

die Leidenschaft zu fördern und damit

eine kurze „Nacht“ am frühen

Nachmittag hervorzurufen, bei der man

wunderbar schlafen und danach einen

zweiten „Tag“ beginnen kann.

Das Abendessen


Es ist eine unglückliche Entwicklung,

dass Leute so gerne so viel zu Abend

speisen. Wo liegen die Vorteile? Darin,

dass man danach nicht mehr

leistungsfähig sein muss und ohnehin

schläft. Also ist reichliche Kost für die

Bettschwere nicht so schlecht.

Zumindest gilt das für die Jugend. Wer

aber schon einen etwas eingeschränkten

Stoffwechsel aufweist, wie das die

Lebensmitte mit sich bringt, provoziert

durch eine späte Mahlzeit einen

aufgetriebenen Bauch mit unruhiger

Verdauung, rastlose Beine und

Schlaflosigkeit, alles Zeichen, dass die

Leber als Organ des Elementes Feuer

überbelastet wird. Das ist für die


Nachtruhe insgesamt schädlich, denn

hier sollte das Element Wasser regieren

und den Schlaf tief und erholsam

machen. So gesehen hat der Spruch:

Morgens wie ein König, mittags wie ein

Edelmann, abends wie ein Bettler einen

soliden Hintergrund in der Tatsache,

dass der Stoffwechsel abends und nachts

Ruhe braucht, weshalb Sie das

Abendessen auch gut und gerne ganz

ausfallen lassen können.

Die Latwerge


Es gibt einen großen Unterschied

zwischen dem Altertum und dem

Mittelalter und der Neuzeit. Wie man die

Epochen im Detail von einander trennt,

ist hier nicht so wichtig. Bedeutungsvoll

ist eigentlich nur, dass man im Altertum

einen Wissensstand erreicht hat, der

heute noch nicht ganz aufgeholt worden

ist. Und dass die Neuzeit, die vor einem

halben Jahrtausend begonnen hat, in

fünfhundert Jahren nicht ersetzen konnte,

was zuvor verloren gegangen war. Und

das das Mittelalter, über das man auch

viel Gutes sagen kann, in Bezug auf das

Wissen so etwas war wie die Zerstörung

der Welt. Spuren finden sich. Doch diese

Spuren sind Bruchstücke eines Puzzles,

das unwiederbringlich verloren


gegangen ist.

Eines dieser Spuren ist die Latwerge.

Der Name kennt viele Spielformen.

Neuzeitlich müsste sie Leckschmiere

heißen. Tatsächlich leckt man sich die

Lippen danach, wenn auch das Wort

Schmiere heute eher unappetitliche

Dinge bezeichnet. Doch die Konsistenz

der Latwerge ähnelt Schmieröl. Obwohl

sie vollständig und ohne Zusätze aus

Obst hergestellt wird. Und das seit

vielen Jahrtausenden.

Wie macht man Latwerge? Das Rezept

haben Frauen erfunden, denen weder

eine Küche noch irgendwelche

ausgefeilte Hilfsmittel zur Verfügung

standen. Offenbar hatten sie eine

Feuerstelle und einen Topf, das war's.


Früher einmal wird dieser ein

Kupferkessel gewesen sein, wie man ihn

schon vor der Eisenzeit, also früher als

3500 vor Christus hatte. In diese Kessel

wurde Obst gelegt und dann so lange

gekocht, bis daraus ein braunes Mus

entstanden war, dessen

Fruchtzuckergehalt an die 70 Prozent

beträgt. Es ist ein mineralienreiches,

zum Teil auch sehr vitaminreiches

Nahrungsmittel, das man sehr gut auf

Fleischgerichte folgen lässt oder auch

mit ihm kombiniert. Gemeinsam können

sie – ohne dass man dazu noch Brot oder

Kartoffeln essen müsste - den Menschen

gut über den Winter bringen. Das wurde

früher auch so gemacht.

In manchen ländlichen Bereichen hat


sich über alle geschichtlichen Wirrnisse

hinweg das Kochen von Latwerge bis

zum heutigen Tag erhalten. Das ist

erstaunlich und überaus erfreulich. Es

zeigt, dass es durchaus Beispiele gibt,

wie sich etwas Gutes auch dauerhaft

durchsetzen kann. Selbst wenn ein Dorf

mehrmals zerstört oder umgebaut oder

verlassen und neu besiedelt wurde: Die

Menschen bewahren manches Kostbares

und Unersetzliches doch. Und so kann es

gehen, dass man heute noch öffentlich in

nachbarschaftlicher Gemeinschaft in

Kupferkesseln Latwerge einkocht. Dabei

werden nur reife Früchte verwendet,

zuerst durch den Fleischwolf zu Mus

zerkleinert, mit wenig Wasser und

sachter Flamme mehrere Stunden lang


geköchelt bis das Mus braun und steif

geworden ist, und das so sehr, dass „der

Löffel darin steht“. Trotz des hohen

Zuckergehaltes braucht Latwerge keine

Konservierungsmittel und hält sich in

einem abgedeckten Steinguttopf Monate

lang, ohne schlecht zu werden.

Eine meiner Patientinnen, die schon um

die 90 Jahre alt ist und sich dabei eine

große Geistesfrische und Vitalität

erhalten hat, erzählte mir neulich, dass

es für sie in der Zwischenkriegszeit

völlig normal war, Latwerge zu kochen.

Der Herd wurde damals noch mit Holz

und Kohle befeuert, diente auch zu

Heizzwecken und war deshalb meist Tag

und Nacht in Betrieb. In ihrer Kindheit

hatte sie auf einem Hof gelebt und nachts


musste eine Küchengehilfin den Ofen

anschüren und nachlegen. Dabei rührte

sie auch immer wieder im Latwergetopf,

der rechts hinten auf der Herdplatte

stand und Tag und Nacht vor sich dahin

köchelte, bis sein Inhalt zähflüssig und

braun geworden war und abgefüllt

werden konnte. Birnenlatwerge war im

Nordwesten Deutschlands üblich. Eine

andere Patientin, die aus dem

entgegengesetzten, sudetendeutschen

Reichsteil stammt, der im heutigen

Tschechien lag, erzählte mir, dass sie aus

„Zwetschken“, also Pflaumen, „Powidl“

machten, was die Tschechen „Powidla“

und die Polen „Powidla“ nannten, was

sie „Powidwa“ aussprachen. Alle diese

Völker waren Fans der Latwerge.


Mittlerweile habe ich zahlreiche andere

Formen der Latwerge kennengelernt. Im

Prinzip gibt es kein Obst, das zur

Herstellung nicht geeignet wäre. Warum

Obst? Weil jedes Obst ein Kind des

Elementes Luft ist. Es sind die

Nachfolger der Blüten, die zuerst hoch

oben von der Luft umstrichen und zuerst

sauer schmecken, bald aber durch die

dauernde Umfächelung mit

Sonnenstrahlen eine luftige, süß

schmeckende Qualität annehmen.

Der Begriff der Latwerge ist weitgehend

verlorengegangen. Man behilft sich von

Seiten der Nahrungsmittelindustrie, die

sie vereinzelte noch anbietet, mit

Kunstnamen wie „Birnenkraut“. Ganz

vergessen ist auch, dass die Latwerge


nicht nur ein Nahrungsmittel ist, sondern

auch ein starkes Heilmittel sein kann.

Davon erfahren wir von den wenigen

noch erhaltenen Schriften des Altertums.

Und so kann man die Lehre von den

Elementen, die Chinesen und Inder

sorgsam bewahrten, weil sie den

Schlüssel zu jeder Heilkunst bewahrt,

auch auf die Latwerge anwenden, und

plötzlich erkennen, dass sie in Form und

Inhalt etwas ist, das für den alten

Menschen zum Jungbrunnen werden

kann, da sie für ihn das in dieser

Altersstufe so wichtige Element der Luft

bewahrt.

Oberflächlich betrachtet, dient das Mus

von Früchten vor allem einmal dazu, den

Appetit zu stillen. Doch unter Appetit


versteht man sehr Unterschiedliches. Wir

haben den Appetit nach Nahrungsmitteln,

die uns das Gefühl von Kraft und

Ausdauer geben. Hier gibt es

wahrscheinlich weniges, das so

kräftigend ist wie Rindfleisch oder

Rindsuppe. Denn dieses rote Fleisch

erzählt einerseits die Geschichte der

Muskulatur, die uns ja das Gefühl von

Kraft vermittelt. Ihre rote Farbe aber und

der würzige Geschmack erzählt aber

auch von den warmen Elementen, die

auch unser Gemüt aufhellen, die unserem

Körpergewebe das Gefühl geben,

lebendig zu sein. Ähnlich ist es mit dem

süßen Geschmack der Latwerge, die

angereichert ist mit allem, was einen

Apfel oder eine Birne für den Menschen


erstrebenswert macht. Denn der süße

Geschmack reifer Früchte ist das

essbare Element Luft. Früchte sind das,

was eine Pflanze dem Himmel entgegen

streckt als Ausdruck vollendeter

Kreativität. Sie sind das „Produkt“ der

Pflanze. Auch unsere Babys, die man

früher „Liebesfrüchte“ nannte, sind

Früchte in diesem Sinn, dass sie das

blühende Leben in sich bergen, für das

unsere Blüten nur Hinweise waren. Bei

der Pflanze sieht man sehr deutlich, dass

die Wurzel der Pflanze selbst dienlich

ist, der erdige Anteil, der den Körper

stützt und ihm Sicherheit verleiht. Der

Saft der Pflanze, der bei Laubbäumen

durchaus milchig aussehen kann und

auch kohlenhydratreich ist, ist die Milch


des Baums und dafür verantwortlich,

dass er sich zuerst mit Blumen schmückt

und dann Früchte bekommt. Die Blüten

gehören noch dem Element des Feuers

an, werden durch die ersten heißen

Strahlen der Sonne hervorgerufen,

wollen Samen verstreuen und andere

Lebewesen anlocken. Diese Art der

Leidenschaftlichkeit passt zum heißen

und trockenen Element, und die

Schönheit eines blühenden Laubbaums

erinnert an die Schönheit einer jungen,

furchtbaren Frau, die sich nach

Nachkommen sehnt. Das Gegensatzbild

in der Natur zum Mann ist nebenbei

bemerkt der Nadelbaum mit seinem

harzigen, würzig riechenden Saft und

seinen Stacheln, seiner rötlichen Rinde


und der Trockenheit, die er verströmt. Es

ist kein Zufall, dass die Parfüms, die

männlichen Geruch verströmen sollen,

aus Nadelbäumen und anderen Bäumen

mit roter Rinde gewonnen werden.

Früchte sind also die Babys der Bäume,

die ja ihrerseits wieder Samen von

neuen Bäumen in sich bergen, und

ebenso wie die Lebenskraft in kleinen,

jungen Menschen überschäumend ist,

kann jede Frucht dem Menschen von der

Süße des Lebens erzählen. Die Frucht ist

das der Erde und den Wurzeln Fernste.

Es ist der Teil der Pflanze, der der

Sonne, aber auch dem Wind am

Nächsten ist weil er nur an einem Stiel

hängt. Und dieser Teil nimmt dann auch

in der Regel eine rundliche Form an,


denn diese garantiert, dass der süße

Inhalt der Frucht möglichst frei von

Stamm und Blättern hängen kann. Vor

allem aber ist es der süße Geschmack

einer reifen Frucht, die uns anzeigt, dass

sich hier das Element der Luft

eingegraben hat.

Die Aufgabe der Medizin kann es ja

nicht sein, die Natur zu übertölpeln zu

versuchen. Egal, was wir dabei

anstellen: Wir werden immer lebende

Wesen bleiben, die sich durch

Zauberkraft aus toten Materialien

zusammensetzen, sich entfalten, blühen

und Früchte bringen und dann wieder

verwelken. Was die Medizin kann, ist

die Entfaltung und das fruchtbar werden

zu fördern und das Verwelken zu


verlangsamen. Wollen wir das aber tun,

dann müssen wir versuchen, Heilmittel,

die uns aus der Vergangenheit erreichen,

genau zu verstehen, und unsere

Kenntnisse zu vertiefen. Denn was

Medizin bedeutet, haben wir in

fünfhundert Jahren des Forschens und

großer technischer Fortschritte noch

nicht verstanden. Wahrscheinlich werden

noch hundert oder fünfhundert Jahre

vergehen müssen, bis wir zu dem

aufschließen, was ein Hippokrates oder

Galen wusste.

Nehmen wir also noch einmal die

Bruchstücke der Vergangenheit in die

Hand und betrachten wir sie am Beispiel

der Latwerge. Was wissen wir noch

über sie? Das Wort Latwerge soll vom


Lateinischen Electuarium abgewandelt

sein, ein Begriff für einen steifen Brei,

der zur medizinischen Einnahme gedacht

war. Die Ärzte des Altertums werden

viel gekocht haben. Im Prinzip kann man

jedes Lebewesen oder jeden Teil eines

Lebewesens zur Latwerge machen,

indem man es oder ihn in einen Kochtopf

gibt und so lange köcheln lässt, bis ein

brauner Brei daraus entstanden ist. Man

nimmt das trockene und warme Element

des Feuers und das kühle und feuchte

Element des Wassers, erhitzt dieses,

bringt dieses zum Köcheln und hat etwas

Warmes und Feuchtes, das das Element

Luft an sich verkörpert.

Kochen ist also Luftzufuhr im doppelten

Sinn. Einerseits, auf einer chemisch-


physikalischen Ebene, haben wir die

Oxidation, also die Durchwirkung von

Stoffen mit Sauerstoff, das ja bei uns

auch über die Lunge das Lebenselixier

schlechthin wird. Aber es ich auch das

Element Luft, mit dem sich Körper

beschicken lassen. Wer Nahrungsmittel

kocht, reicht sie mit dem Element Luft an

und vollzieht nach, was auch Gott bei

der Schöpfung mit den kalten und

trockenen Mineralien gemacht hat.

Medizinisch gesehen ist Kochen also

gut. Wer es aber übertreibt, überfordert

die Aufnahmefähigkeit der dabei

behandelten Gewebe. Verbrennt man

Nahrungsmittel, treibt man ihnen die

belebende Wirkung aus und schafft totes

Material, das auch Tod bringt, also


vererdet. Die Kunst des Kochens liegt

also darin, möglichst langsam und

vorsichtig zu Erwärmen. Spitzenköche

wissen, dass im sachten Köcheln auch

das Geheimnis wohlschmeckender

Speisen liegt.

Die Latwerge stellt sich in dem

Zusammenhang als Gipfel der Kochkunst

dar. Denn nur dann, wenn man das

„Köcheln“ perfektioniert, schmeckt sie

auch gut. Tut sie das aber, dann wird sie

zur Arznei. Und das gilt sicherlich für

alle Latwergen. Vor allem aber für jene,

die reife Früchte einkochen, die ja an

sich das Element Luft verkörpern und

durch eine weitere „Verluftung“ noch

intensiver das Lebensgeheimnis

speichern.


Wer in mehrere hundert Jahre alten

medizinischen Rezeptbüchern blättert,

wird schnell feststellen, dass die

Latwerge als Arznei in ihnen einen

großen Platz einnimmt. Prinzipiell

wurde zwischen dem Electuarium

aromaticum und dem Electuarium

lenitivum unterschieden, also der

würzigen und der sanften Latwerge.

Lenis heißt sanft, wenn man aber im

alten Raum ausdrücken wollte, dass

etwas abführend wirken sollte, nannte

man es ein Lenitivum. Sanft und

abführend, also Wasser aus dem Körper

austreibend ist also medizinisch gesehen

das Gleiche. In der Sprache der

Elemente ist sanft und abführend luftig,

nämlich Wärme und Feuchtigkeit


zuführend. Dadurch kommt es nämlich zu

einer Erwärmung des Körpers, die sich

auch durch eine Verflüssigung der

Darmausscheidungen ausdrücken kann.

Denn die Stuhlverstopfung im Alters,

diese Form der „Vererdung“, bei der

sich im Körper sogar Kotsteine bilden

können, ist eben nicht normal, sondern

Ausdruck eines Mangels am

feuchtwarmen Element Luft im Darm.

Dass viele Menschen „Luft im Darm“

mit Blähungen gleich-setzen, ist

bedauerlich. Denn diese sind nur

Ausdruck von Trockenheit und somit

eine Nebenerscheinung der „Vererdung“

dieses Körperteils, der eigentlich wie

alle Schleimhäute feucht sein sollte.

Das Electuarium aromaticum wurde aus


würzigen Früchten hergestellt, die im

Spätsommer reifen. Sie eignen sich für

Menschen, die an einem Überschuss am

Element Wasser leiden, also

beispielsweise Nierenschwäche oder

Herz-schwäche. Das Electuarium

lenitivum dagegen aus

Frühsommerfrüchten, die dann eben eher

abführend wirkten. Wir haben hier also

eine wichtige Information darüber,

welche Heilwirkungen wir uns von den

einzelnen Latwergen erwarten dürfen.

Sie sind Heilmittel für Menschen mit

„erdigen“ Krankheiten wie Schwäche,

Frieren, Gefäß-verkalkung, Depression

bis hin zum Krebs günstig beeinflussen

können.

Welche Latwergen befinden sich denn


nun am Markt? Bekannt sind neben der

Pflaumen- und Birnenlatwerge auch

Schlehe, Wacholder und Hagebutte. Aus

medizinischer Sicht fest steht, dass jede

Frucht, der man Heilkräfte zuschreibt, in

Form einer Latwerge intensiver wirken

wird. Allerdings sollte man hier

durchaus nur die reifen, süß

schmeckenden Früchte nehmen. Denn

egal, welche der beiden Basislatwergen

man nimmt, sie alle sollen die

Lebenskraft anfachen. Und das gelingt

nur durch süße Arzneien.

Wie steht es mit Früchten, die eher herb

oder sauer schmecken? Sie verkörpern

das Element Erde oder Wasser und

können weit besser überschießende

Hitze aus dem Körper nehmen wie sie


ei Infektionen oder Entzündungen

vorliegt. Nehmen wir hier als Beispiel

die in Nordamerika häufig von

Naturheilern eingesetzte Cranberry, die

unserer Preiselbeere ähnelt. Sie ist rot

als Zeichen einer Pflanze, die sich für

Krankheiten der warmen Elemente

eignet und schmeckt etwas säuerlich und

etwas bitter, was anzeigt, dass sie vor

allem bei feuchtwarmen Erkrankungen

heilend sein könnte. Deshalb eignet sie

sich wie wenig andere Früchte für die

Behandlung von Harnwegsinfekten, wo

sie antibakteriell und

entzündungshemmend wirkt. Diese

Frucht des Spätsommers wird nie

wirklich süß, da in ihr die Lebendigkeit

des Frühjahrs fehlt. Als Latwergebasis


ist sie nicht geeignet.

Ganz anders steht es mit der Pflaume,

die in Herbst ausgereift ist und so süß

wie wenig andere Früchte. Zwar ist auch

sie würzig vom Sommer und kann

deshalb trocknend wirken, was für ältere

Menschen ein Nachteil sein kann. Doch

wenn Sie ein älterer Mensch sind, der

auch an einem Überschuss von Wasser

leidet – was sich in Form von

Wassereinlagerungen oder Schwitzen

äußern kann – werden Sie Powidl als

stark wirksame, äußerst hilfreiche

Arznei empfinden.

Als Electuarium aromaticum – würzige

Latwerge gegen Feuchtigkeit und Kälte


(also für Babys und Herz und

Nierenkranke) – gelten:

Schlehe

Wacholder

Pflaume

Als Electuarium lenitivum – sanfte

Latwerge gegen Trockenheit und Kälte –

(für Alte und chronisch Kranke) –

gelten:

Birne

Hagebutte


Sport und die Elemente

Generell hilft Muskelaktivität allen

Menschen. Schon die rote Farbe der

Muskulatur und ihre Fähigkeit, Wärme

im Körper zu bilden – denken Sie nur

daran, dass man bei Unterkühlung zu

Frösteln beginnt, eine hektische

Muskelbewegung, die wärmebildend ist

– zeigt, dass man mit körperlicher

Bewegung die Lebenskraft steigern kann.

Bewegung ist Leben.

Hier muss man bei warmen Typen

allerdings vorsichtig sein. Sie können


sehr stark überhitzen. Feurige Typen

müssen viel Flüssigkeit trinken, während

starke körperliche Aktivität bei luftigen

Typen besser bei niedrigen

Temperaturen ausgeführt wird, die auch

eher leicht bekleidet laufen sollten.

Trotzdem dürfen sie dabei aber natürlich

niemals frieren.

Bei wässrigen Typen ist Bewegung gut.

Genauso wichtig aber ist eine wärmende

Kleidung, die verhindert, dass durch

Schwitzen eine Abkühlung erfolgt.

Wässrige Typen sollen sich deshalb

beim Sport besonders sorgfältig

„einpacken“.

Bei erdigen Typen ist ebenso auf warme

Kleidung zu achten. Genauso wichtig ist

es aber auch, die beim Sport im Körper


entstehende Wärme mit Feuchtigkeit

auszugleichen. Diese Menschen sollten

auch eher warme Getränke in einer

Thermoskanne zum Sport mitnehmen und

eher darauf achten, dass sie sich langsam

durch Trinken als durch die Bewegung

erwärmen. Denn durch die in ihnen

angelegte Trockenheit können sie beim

Sport sehr leicht Kreislaufstörungen

entwickeln und müssen sachte an den

vermehrten Durchblutungsbedarf der

Muskulatur heran-geführt werden.

In Bezug auf die Verletzungsgefahr beim

Sport sind Muskelkrämpfe bei den

trockenen Typen zu erwarten, also die

feurigen und erdigen Naturen. Bei ihnen

kommen auch häufiger Sehnenrisse vor.

Seitenstechen ist eine Anschwellung der


Leber, wie sie besonders häufig bei

feurigen und luftigen Typen auftritt.

Heilsame Sportarten

Feuer Schwimmen

Luft Baseball

Wasser Joggen

Erde Tanzen

Wenn man Sportarten tiefgründiger


etrachtet, sollte man beachten, worum

es in ihnen „geht“, um zu beurteilen,

welche nun für welchen Konstitutionstyp

heilsam sein könnten. Der feurige Typ,

der in einem Spiel immer nur gewinnen

will, sollten nicht Tischfußball als

Lieblingssportart wählen. Hier ist es

besser, an das Schwimmen zu denken, in

einem Becken mit eher kühlem Wasser,

in dem man bedächtig und allein seine

Bahnen zieht.

Der wässrige Typ dagegen, der

Auseinandersetzungen scheut und eher

auf Harmonie bedacht ist, sollte

durchaus versuchen, sich in Sportarten

zu üben, die sich durch Schnelligkeit und

Wettbewerb auszeichnen, und in denen

die Aggressivität, einen Gegner


übertrumpfen zu müssen, eingebaut ist.

Vielleicht wird er dort nicht so schnell

oder vielleicht auch nie eine

Spitzenposition erringen können, doch

diese Achillesferse durch Übung

abzuschwächen, ist heilsam und

gesundheitsförderlich.

Erdige Menschen, gerade im höheren

Alter, neigen oft dazu, einsame

Spaziergänge zu machen. Diese Tätigkeit

mag gut für die Verdauung sein, aber sie

verstärkt eher die Einsamkeit und

mangelnde Beweglichkeit, unter der

diese Menschen ohnehin schon leiden.

Eine Mannschaftssportart, bei der man

viel mit anderen kommunizieren muss,

bei der auch Hektik und Durcheinander

herrschen, eine Sportart, bei der


Fröhlichkeit und Musik geübt werden,

ist hier eine gute Sache. Zwar ist die

Verletzungsgefahr in Betracht zu ziehen –

beispielsweise wäre hier Volleyball,

selbst bei einer größeren Mannschaft,

einfach mit zu großen Risiken behaftet.

Aber Kreistänze oder andere Formen

des Gemeinschaftstanzes sind sinnvoll

und wohltuend und können einem das

Gefühl geben, wieder „jung“ - also luftig

– zu sein.

Für den luftigen Typ hingegen kann es

sinnvoll sein, sich eine eher eintönige

und einsame Tätigkeit, die nicht zu

hektisch ist, auszusuchen. Spaziergänge

in Wäldern, Wanderungen, Yoga oder Qi

Gong sind Betätigungen, bei denen der

Körper fit bleibt und die Seele ihren


Boden findet.

Öle und die Elemente

Öle zur Hautpflege oder zur Massage

können typgerecht gewählt werden und

haben dann in der Regel auch eine hohe

Verträglichkeit und halten die Haut

geschmeidig.

Für feurige Typen: Kokosfett oder

Kokosöl


Kokosnüsse liefern ein schmalzweiches

Fett, das bei 24° C schmilzt. Man kann

es beim Kochen verwenden, da es hoch

erhitzbar und lange haltbar ist. Es hat

einen angenehmen Geruch und wird

deshalb in Bioläden gerne in

Kombination mit anderen Ölen für die

Hautpflege angeboten. Aber auch das

naturbelassene Kokosfett, das weit

aromatischer nach Kokos duftet, kann

verwendet werden. Ich verwende in der

Praxis Kokosfett, das mit Jojobaöl im

Verhältnis 1:1 gemischt ist. Es zieht

rasch in die Haut ein, hinterlässt keinen

Fettglanz, erzeugt eine angenehme Kühle

und schützt die Haut vor

Feuchtigkeitsverlust.


Ähnlich wirken Avocadoöl, Babassuöl,

Haselnussöl, Macademianussöl, Palmöl

und Sesamöl.

Für wässrige Typen: Sanddornöl

Das wohlriechende Fruchtfleischöl des

Sanddorns ist wärmend und enthält einen

hohen Anteil von Tocopherol und

Carotinoiden. Es wird häufig als

Massageöl angeboten und hilft

besonders bei kühlen Typen dazu, die

Durchblutung von Haut und Unterhaut zu

fördern. Ich bevorzuge es wegen seines

angenehmen Duftes gegenüber anderen


klassisch wärmenden Ölen wie

Johannisöl oder Arnikaöl besonders

beim wässrigen Typen. Ähnlich wirken

Distelöl, Granatapfelsamenöl,

Hagebuttenöl, Kürbiskernöl und

Zedernöl.

Für luftige Typen: Nachtkerzenöl

Es kann kein Zufall sein, dass sich in

dieser Gruppe jene Öle finden, die in

allen Hochkulturen bei der Behandlung

von Hautleiden eingesetzt werden, die

man vor allem in der Jugend findet,

darunter die Neurodermitis. Luftige


Typen leiden am häufigsten an

ekzematösen Hauterscheinungen, und

deshalb eignen sich kühlende und

trocknende Öle wie das Gamma-

Linolensäurehaltige Nachtkerzenöl am

besten zur Massage dieser Menschen.

Die Gamma-Linolensäure wirkt

regulierend auf den Hormonhaushalt, der

in dieser Lebensphase und bei diesem

Konstitutionstypen meist stark unter

„Druck“ steht und ist deshalb eine

Wohltat für die Psyche. Ähnlich wirken

Pflanzenöle, die ebenfalls die seltene

Gamma-Linolensäure beinhalten wie das

aus den Samen von Borretsch und

Johannisbeeren gepresste Öl. Weiters

zur Anwendung kommen können

Algenöl, Leinöl, Mohnöl und


Nachtkerzenöl.

Für erdige Typen: Aprikosenöl

Aprikosenkerne liefern seit fünftausend

Jahren ein angenehm nach Marzipan

duftendes Öl, das aufgrund seines hohen

Gamma-Tocopherol Gehaltes vor allem

bei trockener, spröder und rissiger Haut

eingesetzt wird. Es aktiviert den

Hautstoffwechsel, und da es den

Wassergehalt erhöht, bringt es die Haut

zum Leuchten. Deshalb gehört

Aprikosenöl auch zu den besten

Massageölen für erdige Typen. Es ist


dadurch auch eine Verschönerung und

ein Geschmeidigwerden der haut

erzielbar. Ähnlich geeignet sind

außerdem Rapsöl, Schwarzkümmelöl,

Sojaöl, Sonnenblumenöl und

Traubenkernöl.

Spirituelles und die Elemente

Kann man das Wirken der Elemente auch

auf geistiger Ebene feststellen? Hier

sagte schon Hildegard von Bingen ganz

klar, dass sich nur die feurigen und

luftigen Typen überhaupt für den


Glauben eignen, da nur sie nach oben

gerichtet wären. Der Hausverstand sagt

uns, dass man einen Glauben nur in der

Jugend säen kann, diesem idealistischen

Zeitalter, in dem wir am stärksten

Suggestionen von außen unterliegen. Je

älter wir werden, desto geerdeter

werden auch unsere Einstellungen. Die

kalte rationale Logik gelingt am Besten

alten Menschen, die relativ gesehen auch

weniger Fühlen als die Jungen, denn

auch der „Gefühlssaft“ geht durch den

Alterungsprozess zurück.

Feuri