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Moorbad EGELSEE Unser

Moorbad EGELSEE Unser Egelsee – wo an klaren Tagen Berge und der nahe Wald in den Spiegel schauen können. Ein Beitrag von Hans Gfrerer „Wo ist er denn nun, der Egelsee?“ fragte mich bei einem Ortsrundgang eine rüstige ältere Dame. Sie habe, so erzählte sie, den Egelsee-Rundweg wirklich genossen, aber von einem See ... von einem See hätte sie nichts gesehen. Ist ja nicht verwunderlich, sommers versteckt ihn sein Schilfgürtel fast zur Gänze vor den Touristenblicken und winters tarnt ihn meist eine Schneedecke. Heute möchte ich vom alten Moorbad und der Egelsee-Lisi erzählen: Es war eher spartanisch eingerichtet, das hölzerne Badehaus am See unweit vom Oberegelsee-Gut. Drinnen stand in einem kleinen Raum ein gemauerter Ofen, über dem in einem Kupferkessel 300 Liter Moorwasser auf gute 35 Grad erwärmt wurden. Über Rohrleitungen lief die dunkle Brühe hinüber in den Hauptraum, in dem in vier Badekabinen je eine große emaillierte Wanne stand. So ein Vollbad im Moorwasser wirkt intensiv auf den Körper und hat nachweislich lindernde Wirkung auf alle möglichen Erkrankungen. Unvergleichlich wirkungsvoller als eine so genannte „Moorpackung“ in Plastikbeuteln, wie sie heute in Kuranstalten verabreicht wird. Vor allem aber wirkt so ein Wannenbad wundervoll entspannend. Zu den Badegästen zählten neben den Einheimischen viele Sommerfrischler, die „Herrschaften“, wie sie sich damals gerne nennen ließen. Sie kamen aus Wien und auch aus dem bayerischen Raum. Der Badebetrieb war natürlich nur im Sommer möglich. Der gute Geist des Hauses war über viele Jahre die Egelsee-Lisi. Jeder Morgen begann für sie mit Schwerarbeit. Eine halbe Stunde brauchte sie mit ihrer Handpumpe zum Füllen des Kupferkessels und zum Feuermachen. Sie war das Mädchen für alles: Bademeisterin, Hausmeisterin und geduldige Zuhörerin, wenn ihr körperliche oder seelische Wehwehchen anvertraut wurden. Und wer vom Bad ermüdet den Heimweg nicht sogleich antreten wollte, für den stand ein Ruheraum mit Liegestuhl zur Verfügung oder ein Platz auf der Sonnenterrasse. Wunderbar! Aber – wie viel Mensch verträgt ein sensibles Ökosystem? Der Inhalt von Badewannen, von einer Kaltwasserdusche und einem Wasserklosett liefen in eine Sickergrube. Und wenn die überlief? Eben 24 gangart

Name Hans Gfrerer Beruf früher: Lehrer, jetzt: alles andere als beschäftigungslos fasziniert vom Werden und Vergehen in der Natur schätzt Menschen, die sich einer guten Idee und deren Verwirklichung zuwenden Name Mag. Barbara Rainer-Mitterbauer ist aus Überzeugung Klinische Psychologin, Gesundheitspsychologin, Psychotherapeutin und eine Art Hüterin von Zeit und Raum mit tiefem Respekt vor der Natur Web www.zeitimraum.at Wellness für alle zum NULLTARIF Ein Beitrag von Barbara Rainer-Mitterbauer zurück in den See, wohin sonst. So gegen Ende der 1950-er Jahre wäre eine Modernisierung der ganzen Badeanlage vonnöten gewesen. Fehlte das Geld oder war die Konkurrenz durch das neue Freibad im Markt hinter dem Bezirksgericht zu groß? Um das Badehaus am Egelsee wurde es still und schließlich wurde es abgetragen. Erst in den 1970-ern sorgte der Plan, das westliche Seeufer auszubaggern und ein offenes Badegelände zu schaffen, für heftige Diskussionen. Interessenten und Naturschützer krempelten die Ärmel hoch. In diesem Fall setzte sich der Naturschutz durch; See und Schilfgürtel wurden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Heute wissen wir geologisch genauer Bescheid: Die Böden aller nacheiszeitlicher Seen sind durch feinsten Seeton wie versiegelt. Baggerarbeiten würden diesen wasserdichten Grund zerstören und da unter dem Egelsee ein mächtiger Gipsstock vom Lammertal hereinreicht. könnte es geschehen, dass der See im wasserlöslichen Gips einen neuen Ablauf findet und auf Nimmer-Wiedersehen verschwindet. Aber auch ohne menschliches Zutun: Irgendwann wird der See im Schilfgürtel verschwinden und es wird sich eine Moorlandschaft bilden mit einem neuen Ökosystem. Die Zivilisation ist tückisch. Einerseits verlängert sie unser Leben, andererseits beschert sie uns unterschiedlichste Probleme wie Übergewicht, Diabetes, Gelenks-, Rückenbeschwerden. Bei Kindern, die ihre Freizeit hauptsächlich drinnen ohne Bewegung bei künstlichem Licht vor irgendwelchen Bildschirmen verbringen, häufen sich Kurzsichtigkeit und ADHS. Wir entwickeln uns zum Technosaurier, weg von der Natur. Dadurch verlieren wir nicht nur den Bezug zu unserer lebensspendenden Umgebung, sondern auch zu uns selbst. So übergeben wir Denken und Körper in die Verantwortung von Apps, die uns mitteilen, wie wir liegen. Die uns Sicherheit geben und dadurch unser Vertrauen in uns Selbst untergraben. Die uns abhängig machen. Wie die Eskimos, die warme Wohnungen bekommen und dann arbeiten, um Geld für Kühlschränke zu verdienen, arbeiten wir knapp am Burnout, um uns Urlaub oder Wellness zu leisten. Wir können es uns leichter machen: klinische Studien belegen die heilsame Wirkung der Natur. Fällt etwa nach einer Operation unser Blick aus dem Fenster des Krankenzimmers auf einen Baum, so erholen wir uns schneller. Das Bergwandern wiederum wirkt nachweislich positiv auf die psychische Gesundheit. Und Bäume in unserer Lebensumgebung stärken über eine Vielzahl an gasförmigen Stoffen, die sie abgeben, das Immunsystem und senken das Risiko für Zivilisationserkrankungen. In Japan hat sich daraus eine Therapie entwickelt, man „badet“ in Waldluft. Also dann, egal, was die App sagt: nichts wie raus! Es gibt keine Öffnungszeiten für das Bad in der Natur. Wir sehen uns. Im Regen, von der Sonne geküsst oder unter dem Sternenhimmel. Im Wald. Am Berg. Oder sonst wo. Jeder auf seine GANGART. Denn, es ist, wie der weise Squan 'na 'vai erkennt: „Ich bin das Land, meine Augen sind der Himmel, meine Glieder die Bäume, ich bin der Fels, die Wassertiefe. Ich bin nicht hier, um die Natur zu beherrschen oder sie auszubeuten. Ich bin selbst Natur.“ Luftkurort Abtenau (712 m) Salzburg Heil- u. Moorbad Eglsee m. Tennengebirge gangart 25