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Inspiration 04/2016 de

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BY

BON PLAN VAL D’HÉRENS – ÉTOILES ET RANDOS À SKI P. 12

PLAISIR DIVIN BAINS & MONTAGNE – IDÉES DE BAINS THERMAUX P. 24

EXPERT FIXATION DE RANDONNÉE – LAQUELLE SUR QUEL SKI ? P. 30


HANDS FREE

TRONIC: UN SEUL CLIC POUR PASSER DU

MODE SKI AU MODE MARCHE

F1 TR, la nouvelle avancée dans le monde

du ski de randonnée! Son dispositif ski/walk

innovant TRONIC permet de bloquer/débloquer

le collier sans utiliser les mains, tout simplement

en insérant la chaussure dans la fixation ou

en la retirant de celle-ci.

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ALPINES KOPFKINO

Noch hängen die letzten Blätter hartnäckig an den Laubbäumen. Doch spätestens nach

dem nächsten Herbststurm ist die Natur bereit für den Einzug des Winters. Bin ich es? Ich

steige üblicherweise Mitte November ein erstes Mal in den Materialkeller und verschaffe

mir einen Überblick über die Winterausrüstung. Gilt es, ein Produkt auszutauschen? Funktioniert

wirklich alles noch wunschgemäss? Nachdem ich das Material geprüft habe,

wächst die Sehnsucht mehr und mehr.

«Vorfreude ist die schönste Freude» – es

klingt abgedroschen, aber da steckt mehr

als nur ein kleiner Funken Wahrheit drin. Ich

geniesse diese Momente, in denen die Pläne

für den anstehenden Winter geschmiedet

werden. Welche Touren lohnen eine Wiederholung?

Welche Ziele harren noch der Realisierung?

Welche Wochenenden sind unverplant?

Liegt eine ganze Tourenwoche

zeitlich drin? Im Kopf wird die Winterwelt

dabei immer grossartiger. Der Himmel

blau, der Schnee knietief und locker, sogar

die Anstrengung fühlt sich angenehm an!

Über topografische Karten und Tourenführer

gebeugt prüfe ich verheissungsvolle Möglichkeiten.

Einsame Aufstiege und rasante Abfahrten müssen sorgfältig geplant sein und mit

den drohenden Gefahren und den zu erwartenden Verhältnissen verknüpft werden. Ich habe

mir vorgenommen, einige neue Routen auszuprobieren. Eine bewusste Entscheidung. Ich

möchte mich in diesem Winter vermehrt auf die Suche nach dem Fremden machen und Unbekanntes

entdecken. Routen, die ich schon viele Male wiederholt habe, können dieses Verlangen

nicht stillen. Und bekannte Touren mit Blick auf die Uhr abzuspulen, das reizt mich immer

weniger. Also – auf zu neuen Zielen! Wann kann es wohl endlich losgehen?

Ich wünsche Ihnen starke Erlebnisse bei der Planung und Umsetzung Ihrer Tourenziele.

Herzlichst,

Felix Bächli

Geschäftsführer Bächli Bergsport AG

INHALTSVERZEICHNIS AUSGABE 4/2016

6 – WEGWEISER Eisklettern in Schottland

12 – WEGWEISER Skitouren im Val d’Hérens

18 – GIPFELTREFFEN Bergführer im

Generationengespräch

24 – HOCHGENUSS Alpine Thermen

30 – EXPERT Hintergrundwissen Tourenbindungen

36 – EXPERT Nationalkader-Trainer Urs Stöcker

38 – 3 x 3 Produktneuheiten & Bergsport-News

42 – PARTNERCHECK Peak Performance

48 – BERGKAMERAD Markus Villiger

Zustieg

1

FOTO TITELSEITE Jochen Reiser im nächtlichen Andermatt. Belichtungszeit genau zwei Minuten.

Christoph Jorda


Aussicht

DOLOMITEN-KÖNIGE

Fast wie ein Gemälde komponiert: Mensch und Natur – Berge, Schnee und Wolken. Im zweitägigen

Contest «Arc´teryx King of Dolomites» kämpfen jedes Jahr Teams aus Fotografen und Skifahrern um

das beste Bild. Dieses gewann in der Kategorie «Alpinism».

www.kingofdolomites.com

2 3

ORT: Passo Rolle, San Martino di Castrozza

Christian Oberschneider

Aussicht


WELLENREITER

Wie grosse Wogen fliessen schneebedeckte Hänge, vereiste Kuppen und Wolken ineinander.

Obenauf: drei «Wellenreiter». Purer Genuss, denn das Gebiet an der Grenze von Kanada zu

Alaska gilt als wahres Powder-Paradies – und das grösste Heli-Ski-Gebiet der Welt.

ORT: Last Frontier, Kanada.

Grant Gunderson

Aussicht

Aussicht

4 5


RAUE SITTEN

Die höchsten Gipfel Schottlands liegen niedriger als viele

Dörfer in den Alpen. Trotzdem geniesst das Nordend des

Britischen Königreiches unter Bergsteigern einen gefürchteten

Ruf – insbesondere in der Disziplin des Eiskletterns,

für die Schottland Heimat und Mekka zugleich ist.

Wegweiser

«Schottland? Gibt’s da überhaupt Berge?»

Wir dürfen melden: Ja. Es gibt Berge. Viele.

Richtige. Ob man nun gern lange Eisfälle

klettert, kombiniert kraxelt oder sich mit

Vorliebe mit Schneeschuhen über einsame

Bergrücken quält – es ist alles da. Und auf

einem winterlichen Berg in den Highlands

stehen, heisst meistens auch in eine unbeschreiblich

schöne und menschenleere

Fjordlandschaft zu schauen. Es sei denn,

man steht bei schlechtem Wetter auf dem

Ben Nevis. Dann sieht man gar nichts und

muss den Kompass rausholen, weil man

sich sonst verirrt und abstürzt. Eben alles

sehr direkt in Schottland.

Der Ben Nevis, mit 1344 Metern die höchste

Erhebung der Britischen Inseln, ist die Wiege

des Eiskletterns. Klingt seltsam, ist aber

wahr. Zero Gully, Point Five Gully, The Shield

und Orion Direct sind Routennamen, die noch

bis vor wenigen Jahren Referenzmarken für

jeden Alpinisten (oder die, die es noch werden

wollen) waren. Und vor gut fünfzig Jahren

haben sich hier ausserdem ein paar lokale

Altvordere Gedanken darüber gemacht, wie

man sich schneller und sicherer im Eis fortbewegen

könnte. Geboren war der Eishammer,

auch «Terrordactyl» genannt, den man

nunmehr neben dem traditionellen Eispickel

als zweites Instrument einsetzen konnte.

Sichern mit Mordinstrumenten

Winterbergsteigen am Ben ist allerdings

nicht nur wegen dem häufig nur mässigen

Wetter ein mühsames Unterfangen. Wer

nicht gerade das Glück hat (hat eigentlich

niemand), in der Charles-Ingles-Clark-Memorial-Hütte

direkt unter der Nordwand

nächtigen zu dürfen, der muss von Fort William

aus aufsteigen. Das

sind erst mal zwei bis drei

Stunden Latscherei durch

Thwack! Das Gerät sitzt!

Rainer Pircher im

«The Bog», wie man die Mischung

aus knietiefem am Lochnagar, südliche

Polyphe mus Gully (V, 5)

Matsch, kleinen Tümpeln

Cairngorms.

und Schafexkrementen hier

liebevoll nennt. Wenn man

dann unter der Wand steht,

stellt man fest, dass man zu

spät dran ist. Die Engländer,

die übers Wochenende wie

die Heuschrecken über den

Ben und die Routen im Glencoe

herfallen, sind alle

schon da. Alle. Gut, dass die

Wand mit knapp 500 Metern

nicht nur richtig hoch, sondern

auch drei Kilometer

breit ist. Der Einfachkeit halber

haben die Schotten die Wand gemäss

den natürlich vorkommenden Rinnensystemen

(«Gullys») von links nach rechts durchnummeriert:

Ausgehend vom Zero-Gully in

Gipfelfalllinie schliessen sich rechts der

One-Gully (der inzwischen Gardyloo-Gully

heisst, da früher dort der Müll des Gipfel-

Observatoriums entsorgt wurde), der No. 2

Gully, No. 3 Gully und so weiter an. Minus-

One-Gully, Minus-Two-Gully und Co. liegen

logischerweise in der anderen Richtung.

6 7

Hinauf in den Nebel und rein ins Eis:

Rainer Pircher in der ersten Seillänge von

Smith’s Gully (VI, 5), Creag Meagaidh.

Wegweiser


KURZCHARAKTERISTIK DER GEBIETE

Bogholes nennt man Löcher, die sich plötzlich

und unvorhergesehen unter einem öffnen können.

Die geplante Tour ist damit meistens beendet.

Lochnagar ist königliches Jagdrevier.

Auf dem Weg zu den Klippen sieht man, warum.

BEN NEVIS

Der «Ben» ist und bleibt der grösste Eisklettermagnet in Schottland.

Durch eine glückliche Fügung ist der Ben Nevis nicht nur der höchste

Berg Grossbritanniens, er enthält auch einige der besten Fels- und

Eisklettereien. Den besten Einblick in das Klettergebiet bietet der

Weg über die Carn Mor Dearg (CMD) Arête. Hohe Niederschläge

sowie rasche Wechsel von Tau- und Gefrierperioden führen am Ben

zu einer ziemlich verlässlichen Eisbildung.

Wegweiser

Die Natur ist ein fantastischer Baumeister:

Skurrile Eisskulptur am Einstieg des Smith

Gully am Creag Meagaidh. Rainer Pircher

testet ihre Festigkeit.

ren monumentale Unfähigkeit betreffen.

Sollte man dabei zum Abschluss aufgefordert

werden, Fort William niederzubrennen,

so liegt dies daran, dass auch die Schotten

das Städtchen eher als Schandfleck in ihrer

sonst so pittoresken Landschaft sehen: eine

Fussgängerzone mit angeschlossenem Industriegebiet.

Die landschaftlich sicherlich

schönste Tour am Ben Nevis ist übrigens der

Aufstieg über die Tower Ridge und der sich

daran anschliessende Abstieg über die

CMD-Arête. Zu jeder Jahreszeit eine der

besten Gratüberschreitungen des Kontinents,

und im Winter sogar mit den grossen

Himmelsleitern der Westalpen vergleichbar.

Zwei Tage später stehen wir in dem kleinen

Städtchen Aviemore im Regen und versuchen,

über diverse Telefonnummern eine

zuverlässige Wettervorhersage und Informationen

über die Eisverhältnisse oben

zu bekommen. Schliesslich landen wir in

der Glenmore Lodge, wo sich neben einem

ordentlichen und preiswerten Hotel für

Wintersportler aller Art auch das National

Outdoor Training Center befindet. Hier stos -

-sen wir auf echte Experten. Ein Instructor,

den wir nach den Eisverhältnissen fragen,

fuchtelt mit einer Art geflammtem Dolch vor

unseren Nasen herum. Das Ding erinnert

an ein mittelalterliches Mordinstrument,

tatsächlich ist es jedoch ein bevorzugtes Sicherungsgerät

hier in den Cairngorms, wo

häufig kein Eis anzutreffen ist. Dafür findet

man aber frozen turf, gefrorene Grassoden,

in denen sich die dünne Vegetation auf den

Felsstufen festkrallt. Als wir uns am nächsten

Tag – ähnlich wie besagte Vegetation –

in Andromeda (Schottisch IV) festkrallen,

stellen wir fest, dass er wunderbar ist, der

frozen turf, in den man die Axt reinhauen

Dermassen orientiert hat man die Qual der

Wahl. Sollte man sich tatsächlich für das

«Point Five» entscheiden, sind neben wirklich

grossartigen Klettermetern auch längere

Wartezeiten an den Ständen einzukalkulieren.

Das kann abhängig vom Publikum

sehr kurzweilig sein. Während kohlkopfgros

se Eisstückchen von unbeholfenen Vordermännern

(oder -frauen) die Festigkeit des

neuen Helms testen, kann man den einfallsreichen

Verwünschungen der Locals lauschen,

welche die Herren Engländer und deund

sich wirklich sicher fühlen kann. Oben

auf dem Plateau des Cairngorm schaut man

zig Kilometer nach Süden auf eine arktische

Landschaft. Ein paar Rentiere ziehen vorbei.

(Echt.) Es ist verblüffend windstill. In den Ohren

hat man noch dieses wunderbar beruhigende

Geräusch, wenn die Axt turf gefunden

hat. Thwack!

Keuchhusten und Werwölfe

Das Geräusch, das eine über den Fels kratzende

Eisaxt macht, dürfte das phonetische

Äquivalent zu dem korrekt ausgesprochenen

gälischen Namen unserer Route hier

sein. (Das gilt für das Gälische im Allgemeinen,

welches sich stark auf Laute stützt,

die sonst nur von Keuchhustenpatienten

erzeugt werden.) Auf Englisch heisst die

Route Shadowbuttress (III/IV), eine sich

auf einem Felssporn aus dem Kessel des

Lochnagar hoch zum Gipfelcairn windende

Kletterei über Firn, Turf und Felsplatten.

«Interesting route for strong parties in

poor conditions» schreibt der Führer. Wir

fanden natürlich, dass die Verhältnisse

schlecht waren, weil wir ganz gerne eine

strong party sein wollten. Oben auf dem

Gipfel warten wir dann auf den Sonnenuntergang.

Das ist so ein Muster von uns. Wir

warten häufig auf Gipfeln auf Sonnenuntergänge.

Aber nicht, weil wir den Abstieg

im Dunkeln für sportlicher halten (was er

zweifelsohne ist), sondern weil der sich rot

färbende Himmel immer wieder ein Schauspiel

ist, das einen in einen fast mystischen

Taumel versetzt. Doch, doch. Es ist stockdunkel,

als wir endlich absteigen. Noch

circa drei Stunden bis zum Parkplatz. Es ist

GLENCOE

Glencoe ist das von den Lowlands aus nächstgelegene Eisklettergebiet.

Es bietet zudem fantastische Gratüberschreitungen und

Wanderungen, hat traditionsreiche Gasthäuser an beiden Enden des

Tales und ist entsprechend populär. Fürs Winterbergsteigen sind

insbesondere der Buachaille Etive Mor und die rund um das «Lost

Valley» liegenden Gipfel (Lost Valley Buttresses, Gearr Aonoch,

Aonoch Dubh, Stob Coire nan Lochan, Stob Coire nam Beith, Bidean

nam Bian) relevant.

CREAG MEAGAIDH

Creag Meagaidh (1128 m, gesprochen kräck mäggie) liegt nordöstlich

des Ben Nevis. Anders als das Glen Coe oder der Ben Nevis ist

dies ein reines Winterkletterparadies, das durch die schiere Grösse

vieler Routen (400 Meter Kletterlänge) in einer Liga mit dem Ben

Nevis spielt. Creag Meagaidh hat neben Extrem-Klassikern auch

lohnende Anfängerrouten zu bieten, viele Schotten haben ihre ersten

Eisklettermeter deshalb hier gemacht, etwa in Raeburn’s Gully (I)

oder Cinderella (II).

CAIRNGORMS

Die hoch gelegenen Cairngorms liegen in der kältesten Zone Schottlands

und sind von den aus Westen einschwappenden Atlantikstürmen

am besten entkoppelt. Die Cairngorm-Winterklettereien beginnen oft

da, wo im Glencoe bereits der Gipfel erreicht ist. Die meist mit Schnee

überpulverten Granitklettereien, brauchen keine langen Tau/Gefrierperioden,

um gute Bedingungen zu bieten. Dank der hoch gelegenen

Parkplätze (620 m) lassen sich einige Eisklettereien in unter einer

Stunde erreichen. Der Rückweg ist gelegentlich schwieriger. Whiteout

auf dem Gipfel ist hier häufiger ein Problem.

NORTH WEST HIGHLANDS

Der Norden bietet ein weites Betätigungsfeld für‘s Winterbergsteigen.

Die klassischen Gratüberschreitungen von An Teallach, The Saddle

oder der Torridon-Riesen Beinn Alliginn und Liathach stehen im Winter

grossen 4000er-Überschreitungen in den Alpen in nichts nach.

8 9

Wegweiser


Einsamkeit garantiert: In den North

West Highlands verirren sich nur wenige

Kletterer: Eine Seilschaft am Beginn des

Penguin Gully (III,4) am Beinn Dearg.

«Alles Gute kommt von oben?» Im berühmtesten

Gully der Welt, dem 0,5 Gully (V, 5).

Oder liebevoll abgekürzt: Point Five! Gemacht

haben muss man es …

ARC‘TERYX

ALPHA FL GLOVE

Dieser Handschuh wurde gezielt zum

Eisklettern und Skifahren entwickelt. Die

Handflächen und Fingerknöchel sind aus

robustem Leder gefertigt, was den Grip an

Eisgerät und Skistock erhöht. Die notorische

Schwachstelle an der Daumenwurzel ist

doppelt verstärkt, da hier das Seil durchläuft

oder die scharfkantigen Eisschrauben ergriffen

werden. Eine GoreTex® Membran verhindert

das Eindringen von Wasser und Feuchtigkeit,

während die Kunstfaserwattierung von Primaloft® die Wärme effektiv

zurückhält. Mit dem Klettverschluss am Handrücken kann das Volumen

des Handschuhs individuell variiert werden. Dank Kordelzug an

den Handgelenken bleibt die Kälte draussen.

x Gewicht: 155 g

x Preis: CHF 189.-

GRIVEL

THE TECH MACHINE

Wegweiser

INFO EISKLETTERN SCHOTTLAND

ANREISE

Am besten mit dem eigenen Fahrzeug und der Fähre. Gut und günstig,

gerade im Winter, die ganzjährig von Amsterdam nach Newcastle

verkehrende Fähre von DFDS. Nähere Infos unter: www.dfds.de

Alternativ per Flieger nach Edinburgh und anschliessend

Leihwagen (z.B. www.holidayautos.de)

FREMDENVERKEHRSBÜROS

www.visitscotland.com (Zentrale des Scottish Tourist Board in

Edinburgh)

WETTERVORHERSAGE

www.mwis.org.uk

KARTEN

Die Blätter des Ordnance Survey, Massstab 1:50‘000

https://www.ordnancesurvey.co.uk/

LITERATUR

Bertram/Gantzhorn, Schottland – Outdoor Erlebnis am Rande

Europas, Bergverlag Rother, € 49,90 (opulenter Bildband mit

Tourenvorschlägen, Karten und Topos)

Hütten gibt es in den

Schottischen Highlands

so gut wie keine. Auch die

Biwakschachtel am Gipfel

des Ben Nevis ist nur als

absolute Notunterkunft

gedacht. Aber zumindest

bietet sie etwas Windschutz.

Vollmond. Wir laufen mutterseelenallein

durch ein schottisches Hochmoor. Wenn es

einen Ort und eine Zeit gibt, an Werwölfe zu

glauben, dann hier und jetzt.

Endlich im ersehnt abgelegenen Norden,

nur wenige Kilometer von der Westküste

entfernt. Wir steigen in Poacher‘s Fall in

der Nordwand des Liathach ein. Die grandiose

erste Seillänge: 60 Meter steilstes,

festes, wenngleich manchmal recht

dünnes Eis. Dann Stand in einer Grotte.

So weit, so romantisch. Dann zwingt ein

morscher Eisvorhang zum Ausweichmanöver

in den Salmon Leap. Diese Route

ist zwar mit Schottisch VI noch einen Grad

schwerer als Poacher’s Fall, aber dafür

weist das Eis die gewünschte Konsistenz

auf. 20 Minuten benötigt Christoph, bevor

er zehn Meter über der letzten Sicherung

die gewünschte Eisschraube gesetzt hat.

20 Minuten an einem Eisbeil hängend: das

Eis muss fest sein! Oben angekommen bemerken

wir, dass die zuvor so fotogen über

den Kamm wirbelnden Wolken eine Ursache

haben: Sturm! Schneefahnen umspielen

die Gipfel, Eiskristalle schiessen

uns wie kleine Schrapnelle ins Gesicht, die

Sicht reduziert sich innerhalb weniger Minuten

auf Null. Wie aus dem Nichts taucht

plötzlich eine zweite Seilschaft aus dem

Nebel auf. «Enjoy the pain» grüssen die

beiden. Das tun wir.

TEXT UND FOTOS: RALF GANTZHORN

Mit dem stark gebogenen, 49 cm langen Schaft ist The Tech Machine

ein Eisgerät für anspruchsvolles Steileisgelände, technische Mixed-

Klettereien aber auch Drytooling. Die extrem robuste Haue wird bei

einer Temperatur von rund 950 °C geschmiedet. Sie lässt sich leicht

nachschärfen und ist einfach austauschbar. Der Schaft wird aus

Chrommolybdän-Stahl gefertigt. Der ergonomische Griff besteht aus

Polyamid und Gummi mit einer Zeigefingerauflage und zusätzlichem

Fingerschutz. Dieser Materialmix ist griffig und bleibt auch bei frostigen

Temperaturen warm. Durch die grossen Löcher an der Haue und

am Schaftende passt problemlos

ein Karabiner für den Standplatz

oder die Leashes. Das Eisgerät

erfüllt die UIAA T-Norm.

x Gewicht: 660 g

x Preis: CHF 249.-

BLACK YAK

GORE PRO SHELL 3L W JKT

Diese robuste 3-Lagen-Jacke für Damen

hat ein Innenleben aus Gore-Tex Pro Shell

Material und wurde für Skitouring, Bergsteigen

und Expeditionen entwickelt. Durch

den Einsatz von Gore Tex Pro Shell Stretch

Material am Rücken wird die Bewegungsfreiheit

extrem verbessert, denn die Jacke kann körpernah geschnitten

werden und passt trotzdem individuell. Auch die Kapuze ist zweifach regulierbar:

ein Kordelzug am Hinterkopf und einer am Genick hält auch

vom schlankesten Hals das Schneegestöber fern. Der Front-RV und die

Unterarmbelüftung können in beide Richtungen geöffnet werden. Die

Jacke bietet Stauraum in zwei RV-Brusttaschen, die hoch platziert sind,

SMC-Guides zu den jeweiligen Gebieten

um die Bedienung auch mit angelegtem Bauchgurt zu ermöglichen,

10 http://www.smc.org.uk/publications/climbing

und in einer RV-Innentasche.

11

x Gewicht: 398 g

x Preis: CHF 649.-

Wegweiser


Pulverschnee unten, Sternenhimmel

oben: Blick von der Cabane des Aiguilles

Rouges auf die Pigne d’Arolla im

hintersten Val d’Hérens.

AUSSICHT BIS

ZU DEN STERNEN

Die Pointe de Vouasson und der Mont

de l’Étoile fristen in der Deutschschweiz

ein unbekanntes Dasein. Zu Unrecht.

Die beiden Gipfel hoch über dem Val

d’Hérens bieten weite Gletscher,

ferne Ausblicke und ein klein wenig

Hochtourenflair. Ausschlafen in der

Cabane des Aiguilles Rouges inklusive.

Wegweiser

Wie eine Laterne schiebt sich der Vollmond

hinter einem Berggrat hervor. So hell, dass

auf einmal alles einen Schatten wirft: die angelehnten

Ski neben der Tür der Cabane des

Aiguilles Rouges, die Schneekuppen vor der

Hütte und gar ich selbst, die ich auf der Terrasse

stehe und in die Nacht hinausblicke. In

eine Welt, die eben noch pechschwarz war

und innert eines Augenblicks vor mir auf-

taucht. Als wäre ein Vorhang angehoben, erkenne

ich nun die weiss schimmernde Nordflanke

der Pigne d’Arolla zuhinterst im Tal,

den wuchtigen Mont Collon links von ihr, den

scharfen Zahn der Aiguille de la Tsa auf der

anderen Talseite und, in der Ferne, das

Weisshorn, dessen silberne Pyramide auch

nachts eine Majestät bleibt. Und über all dem?

– Eine Stille wie am Ende der Zeit und ein

Sternenmeer, als wäre der Himmel aus glitzerndem

Kristallglas.

«Bellevue» vom Sternenberg

«Passend zur Tour sind diese Sterne»,

denke ich mir. Denn am nächsten Tag wollen

wir per Tourenski erst auf die Pointe de Vouasson

steigen, dann auf den Mont de l’Étoile.

Den Sternenberg. Beide Gipfel erheben sich

im recht unbekannten Gebiet zwischen

Arolla und dem Val des Dix – besser bekannt

als Lac des Dix – und die Routenbeschriebe

im offiziellen Tourenführer beschränken

sich auf ein paar trockene Zeilen zu Punkten,

Höhen und Richtungsangaben. Dennoch

entschieden wir uns für genau diese zwei

12 13

Wegweiser


Im Aufstieg zur Cabane des Aiguilles Rouges

riecht es nach Pulverschnee!

Die Vorahnung stimmt: Am nächsten Tag

gibt’s eine nette Abfahrt ins Tal.

Holzstube, in der auch ich bald wieder sitze.

Kurz vor dem Nachtessen verteilen wir klimpernd

und klirrend Teller und Besteck auf den

Holztischen. Derweil Bernard Maître allein in

der Küche steht und mit Kellen, Töpfen und

Sieben hantiert. Wortkarg, aber freundlich ist

er. Ein Hüttenwart der alten Garde. Einer, so

gelassen wie die Steinmauern seiner Hütte,

der auch bei voll besetzter Stube die Ruhe bewahrt

und um Punkt halb sieben die erste

Suppenschüssel aus der Küche trägt. Was

vielleicht auch damit zu tun hat, dass Bernard

Maîtres Leben von Anfang an mit dieser Hütte

verwoben ist: Als acht Handwerker aus dem

Val d’Hérémence und aus Evolène die Cabane

des Aiguilles Rouges 1948 bauten, war einer

der Arbeiter Bernard Maîtres Vater – Maurice

Maître, der zugleich erster Hüttenwart der

neuen Cabane wurde und dies bis zu seinem

Tod im Jahr 1973 blieb. Worauf dessen Frau,

Fast am Ziel des ersten Tages:

die Cabane des Aiguilles Rouges.

Wegweiser

Berge, was in erster Linie mit meiner Grosstante

zu tun hat. Einer nunmehr älteren

Dame Mitte achtzig, die ein Leben lang auf

Berge stieg und in einem Nebenzimmer eine

kleine Alpinbibliothek hegt. Eine Schatztruhe

in Bücherform quasi, aus der ich in ein

paar Migrostüten einige Kronjuwelen und

Trouvaillen mit nach Hause tragen durfte.

So stöbere ich nun regelmässig in 120 Jahren

Alpinliteratur und siehe da: Im SAC-

Führer von 1970 verdiente die Pointe de Vouasson

noch das Prädikat «Belvédère

intéressant», 1924 schrieb Ski-Pionier Mar-

cel Kurz in seinem Walliser Skiführer gar

von einer «très belle course». Und selbst im

Kronjuwel par excellence, dem Climbers’

Guide to the Central Pennine Alps aus dem

Jahr 1890, war der Gipfel dem Autor und Alpinisten

Sir William Arthur Conway einen

Eintrag wert. Und was Baron Conway of Allington

recht war, kann uns nur billig sein,

habe ich mir gedacht. Und so stehe ich in dieser

Vollmondnacht vor der Cabane des Aiguilles

Rouges, die selbst ein wenig an alte

Zeiten erinnert. Mit Bruchsteinmauern und

roten Fensterläden und einer gemütlichen

INFO SKITOUREN POINTE DE VOUASSON

& MONT DE L’ÉTOILE

GEBIET

Die Pointe de Vouasson (3490 m) und der Mont de l’Étoile (3370 m)

liegen beide zwischen den Walliser Tälern Val d’Hérémence und Val

d’Hérens respektive zwischen dem Lac des Dix und Arolla.

ANREISE

Mit dem Zug nach Sion und weiter per Postauto via Les Haudères bis

zur Haltestelle «Arolla, La Gouille». www.sbb.ch

AUSGANGS-/ENDPUNKT

Postautohaltestelle «Arolla, La Gouille»

ÜBERNACHTEN

Cabane des Aiguilles Rouges, Tel. 027 283 16 49, ausserhalb der

Bewartungszeiten Tel. 027 283 33 25 und 079 362 55 88, www.aiguillesrouges.ch;

die Tour ist als lange Tagestour aus dem Tal machbar;

diverse Übernachtungsmöglichkeiten im Tal; ideal gelegen ist die

Pension du Lac Bleu in La Gouille, Tel. 027 283 11 66.

ROUTE

Vom südlichen Ende der Siedlung La Gouille steigt man über einen

offenen Hang südwestwärts und gelangt nach wenigen Minuten in den

Wald. Durch diesen geht es, in etwa dem Sommerwanderweg folgend,

in den Weiler Louché und zum Lac Bleu. Die Hänge von Louché –

lawinentechnische Schlüsselstelle im Hüttenzustieg – überwindet

man anschliessend in deren flachsten Passagen und gelangt so

über Remointse du Sex Blanc in den Kessel von Les Crossayes. Aus

diesem führt die Route nördlich des Bachbetts hoch zu P. 2824 und,

nach einem scharfen Schwenk nach Südwest, in wenigen Minuten zur

in einer steileren Passage, auf das weite Plateau des Glacier de Vouasson

und über dieses in WNW-Richtung zur Pointe de Vouasson. Auf

dem Rückweg lässt sich der Mont de l’Étoile mitnehmen. Dazu fährt

man auf der Aufstiegsroute bis kurz vor der Pointe de Darbonneire

ab, folgt dem Gletscherrand nordostwärts bis zur Senke nördlich von

P. 3266 und steigt über die Südwestflanke des Mont de l’Étoile auf.

Diese steilt auf und läuft zu einem Grat zusammen; je nach Verhältnissen

wird früher oder später Skidepot gemacht, um dann – Steigeisen

je nachdem praktisch – zum Gipfel aufzusteigen. Vom Skidepot

fährt man danach erst süd-, dann südwestwärts ab und erreicht den

Moränenrücken oberhalb des kleinen Glacier Supérieur des Aiguilles

Rouges, auf dem man auf die ursprüngliche Aufstiegsspur trifft. Die

weitere Abfahrt nach La Gouille folgt der Aufstiegsroute des Vortages.

Bei sehr sicheren Lawinenverhältnissen ist es möglich, von der Pointe

de Vouasson direkt nordwärts über den Glacier de Vouasson ins Skigebiet

von Evolène abzufahren.

AUFSTIEGE

La Gouille – Hütte: PD, 980 Hm, 3 1/2 Std.

Hütte – Pointe de Vouasson: PD, 680 Hm, 2 1/2 Std.

Pointe de Vouasson – Mont de l’Étoile: PD+, ca. 3/4 Std.

LITERATUR

Georges Sanga, «Ski de randonnée Bas-Valais.»

SAC Verlag, Bern 2008

KARTE

Schweizer Landeskarte 1:25‘000,

Blätter 1327 Evolène und 1326 Rosablanche;

Swiss Map Online www.map.geo.admin.ch

(inkl. Skirouten und Hangneigungsklassen)

Cabane des Aiguilles Rouges. Tags darauf geht es zurück zu P. 2824 ALLGEMEINE INFOS

14 und weiter nordwestwärts sanft ansteigend in Richtung Pointe de

15

Office du Tourisme du Val d’Hérens, Tel. 027 281 28 15,

Darbonneire. Direkt nördlich dieses Gipfels gelangt man, zum Schluss

www.valdherens.ch

Wegweiser


Keine Sterne, dafür ein Gipfelkuss

auf dem Mont de l’Étoile.

MOVEMENT

VERTEX

Mondlicht – der letzte «Wetterbericht»

vor der Cabane des Aiguilles Rouges.

Unterwegs zu den

Sternen: Gipfelaufstieg

am Mont de l’Étoile.

Der Vertex ist ein vielseitiger Touren-und Freerideski, der

selbst einen Ausflug auf präparierte Pisten mit stoischer

Ruhe mitmacht. Der Ski zaubert Toureneinsteigern ein

genauso breites Grinsen aufs Gesicht wie den Profis. Der

Tip- und Tail-Rocker und die ausgewogene Taillierung

garantieren für viel Auftrieb im Tiefschnee und eine einfache

Schwungeinleitung. Die Sandwichkonstruktion mit

Karuba-Holzkern und Carbon-Einlagen verleiht dem Ski

die notwendige Steifigkeit für präzise Turns bei gleichzeitig

tiefem Gewicht. Dank ABS-Seitenwangen bietet der Ski bei

steilen Traversen und Hangquerungen einen guten Halt.

x Gewicht: 2800 g (Länge 177 cm)

x Preis: CHF 592.-

Wegweiser

Françoise Maître, mit ihren Söhnen Jean-

Maurice und Bernard die Hütte für weitere

zwanzig Jahre übernahm. Bis Letzterer im

Jahr 1993 offizieller Gardien wurde.

Hütte als perfekter Ausgangspunkt

Ob dies die längste Familientradition in einer

Schweizer Berghütte ist, wissen wir

nicht. Klar indes scheint uns, dass wir es

dank der Cabane des Aiguilles Rouges besser

haben als die Herren Conway und Kurz.

Diesen blieb zu ihrer Zeit nichts anderes übrig,

als die Tour auf die Pointe de Vouasson

und den Mont de l’Étoile von Arolla aus zu

unternehmen. Eine Variante, die freilich

auch heute noch besteht, die allerdings eher

von Leuten mit leichteren Ski und engeren

Hosen als den unseren gewählt wird. So

schlagen wir Marcel Kurz’ Hinweis «compter

6-8 heures» für die ganze Unternehmung

getrost in den Wind, schlafen am nächsten

Morgen aus und frühstücken, um kurz vor

acht Uhr in der Morgensonne vor der Hütte

die Felle auf die Ski zu kleben.

Dabei ist die Geschichte der Hütte im

Grunde alles andere als sonnig. Geht sie

doch zurück auf den Medizinstudenten Hans

Ueli von Waldkirch, der Mitglied des Club

Alpin Académique de Genève war. Im Jahr

1947 unternimmt er eine Klettertour auf der

anderen Talseite – über die Arête de Bertol

südlich der Cabane de Bertol CAS. Dabei

kommt er, gerade mal 21-jährig, ums Leben.

In seinem Andenken lassen seine Eltern

im Jahr darauf die Cabane des Aiguilles

Rouges bauen, finanziert mit jener

Geldsumme, die sie zur Seite gelegt hatten,

um später einmal seine Arztpraxis einzurichten.

In älteren Texten erinnert der Name

«Cabane de Waldkirch» noch an diese Geschichte,

wobei auch der heute übliche

Name passt: Seit ihrem Bau ermöglicht die

Hütte all jenen eine bequeme Nacht, die

sich die lange Überschreitung der Aiguilles

Rouges d’Arolla zum Ziel gesetzt haben.

Zu Fuss zum Gipfelkreuz

Wir hingegen lassen die Aiguilles Rouges

d’Arolla an diesem Morgen links liegen.

Staunen höchstens über ihre wuchtigen

Felsaufschwünge und Zacken, die so unvermittelt

aus den weissen Wellen und Hubbeln

aufragen, durch die wir bergwärts ziehen.

Immer sanft ansteigend bis in einen

Sattel, in dem sich mit einem Mal eine neue

Welt vor uns öffnet: das Gletscherplateau

des Glacier de Vouasson. Verborgen vom

Rest der Welt, breitet es sich hier oben aus.

Ein See aus Schnee, in dem wir zu kleinen

Punkten werden, während wir auf unseren

Ski dem anderen Ufer entgegenziehen.

Dorthin, wo sich die Pointe de Vouasson als

weisse Kuppe erhebt.

An deren Fuss schnallen wir unsere Ski ab

und steigen zu Fuss die letzten Meter hoch

zum Gipfelkreuz. Auf diesen Berg, dessen

Name in der Deutschschweiz kaum jemand

kennt. Zu Unrecht, wie wir rasch merken, ist

er doch tatsächlich ein «Belvédère intéressant».

Als wir uns einmal um die eigene

Achse drehen und in die Runde blicken, sind

sie alle da: Mont Blanc, Grandes Jorasses

und Aiguille Verte, Blüemlisalp, Bietschhorn

und Jungfrau, Weisshorn, Dent

Blanche und Matterhorn – das gesamte Who

is who der Westalpen ragt rund um uns auf.

Lange könnten wir hier oben verweilen.

Doch vor der Abfahrt ins Val d’Hérens wollen

wir das tun, was Marcel Kurz schon 1924

empfohlen hat: Auf dem Rückweg von der

Pointe de Vouasson gleich noch den Mont de

l’Étoile, den Sternenberg, mitnehmen, der

sich um einiges luftiger auf der anderen

Seite des Gletscherplateaus erhebt. Und so

machen wir, zurück am anderen Ufer des

Sees aus Schnee, noch einmal Halt, deponieren

die Ski, zurren die Steigeisen fest und

stapfen die Südwestflanke des Berges hoch

zum Gipfel. Den wir ganz für uns allein haben

und der uns einige Höhenmeter Hochtour

im Kleinstformat bietet. Und natürlich

einen Stern. Wenn auch keinen, der glitzert

wie das Sternenzelt am Abend zuvor, so

doch einen fürs Tourenbuch.

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Die Glücksbringer: «Den Gästen etwas Schönes ermöglichen» ist für

Raphael Imsand (li.) das Beste am Bergführerberuf. Walter Josi (re.) ist das

schon so oft gelungen, dass er manchmal ins Grübeln gerät, wenn frühere

Gäste von ihren Highlights schwärmen.

Gipfeltreffen

«SINGEN WÄRE NICHT

DAS DÜMMSTE!»

Von Whymper bis zum Canyoning: Im Generationengespräch

unterhalten sich der Berner Walter Josi (74) und Raphael

Imsand (28) aus dem Goms über Vergangenheit und Zukunft

des Bergführerberufs – und die Bedeutung von Bergen in

schnelllebigen Zeiten.

Rob Lewis

Walter, du bist seit 1968 Bergführer. Wie lief

der erste Arbeitstag ab?

Walter Josi: Es war sehr lustig. Ich wurde

vom Universitätssport angefragt, einen

Kletterkurs in den Sieben Hengsten zu leiten.

Ich wusste knapp, wo die waren. Der

Chef hat gesagt: «Es kommt noch einer mit,

der alles kennt, und ich komme auch mit.»

Der Chef kam dann in Schale und Krawatte

an den Treffpunkt, der andere Typ kam gar

nicht. Ich hatte eine Karte dabei, aber keine

Ahnung, wo man klettern kann. Als der Chef

fragte, wie es war, sagte ich: «Es war eigentlich

ein ziemlicher Flop!» Dann wurde

ich Chef und habe 45 Jahre lang Studenten

zum Klettern gebracht, auf etwas weniger

als 1000 Touren.

Gibt es etwas, worum du die jungen Bergführer

von heute beneidest?

Josi: Dass sie noch jünger sind und tolle Sachen

machen können. Mit der Zeit hat man

mehr Erinnerungen als Projekte, was zwar

auch schön ist. Aber die Jungen haben heute

natürlich viel mehr Möglichkeiten. Man kann

Snowboard-Touren machen und Canyoning,

man kann viel mehr Reisen unternehmen.

Darum beneide ich sie auf jeden Fall.

Und du, Raphael? Würdest du gerne in einer

anderen Zeit führen als jetzt?

Raphael Imsand: Eigentlich nicht. Aber um

was ich die Bergführer beneide, die früher

geführt haben, ist das Abenteuer. Für uns

sind die vielen Informationen von heute ja

eigentlich ein Vorteil. Aber das Abenteuer

geht mit den Karten, dem Wetterbericht,

dem GPS und den Bildern im Internet schon

ein bisschen verloren.

Wann wäre denn deine Zeit gewesen?

Imsand: Meine Zeit ist schon jetzt. Mich

würde es aber interessieren, wie es zu den

Anfängen des Bergführerwesens zuging,

als ein Alexander Burgener und Co. geführt

haben und mit Gästen Erstbesteigungen gemacht

haben. Die wussten nicht, was auf sie

zukommt.

Josi: Ich hatte das Glück, Gäste zu haben,

die genau das wollten – Erstbegehungen

machen. Da haben wir zum Teil noch von

Hand gebohrt. Man wusste nicht genau, ob

es die ganze Zeit eine schöne Route bleibt,

oder ob es plötzlich irgendwo gefährlich

wird und man einen Rückzug machen

müsste. Der Schritt ins Ungewisse ist das

Faszinierende dabei.

Ihr seid beide selbstständige Bergführer,

nicht bei Bergschulen angestellt. Wie kommt

ihr zu euren Gästen?

Imsand: Ich persönlich erreiche viele Leute

über Social Media. Das hat mich anfangs

schon erstaunt. Gerade im Winter zum Beispiel,

wenn ich in der Abfahrt auf die Gäste

warte, mache ich mit dem Handy ein Foto

und lade es direkt bei Facebook hoch. Das

kostet nichts und bedeutet keinen Aufwand.

Aber wenn ich das jeden Tag mache, dann

merken die Leute irgendwann: Ah, der ist ja

immer im schönen Schnee unterwegs.

Karte oder Smartphone? Bergführer

Imsand setzt auf beides.

Wie ist es bei dir, Walter? 1968, knapp vor

dem Internet gestartet?

Josi: Ziemlich viel vor dem Internet! Ich

habe zwar seit 13 Jahren eine Website, aber

ich bin nicht auf Social Media. Einen Prospekt

habe ich nie gemacht, aus dem gleichen

Grund wie Raphael – das Internet ist

gratis. Meine Gäste haben vor allem über

Mund-zu-Mund-Propaganda zu mir gefunden.

Es ist aber nicht jedermanns Sache,

sich selbst die Arbeit zu beschaffen. Angestellt

sein hat auch Vorteile.

Die unangenehme Seite des Berufs?

Imsand: Ich habe die Bergführerausbildung

18 19

PatitucciPhoto

Gipfeltreffen


Auszeit am Arbengrat: Weil man im Tal «am besten an drei Orten zugleich ist»,

sehen Josi und Imsand grosses Potenzial für den Bergführerberuf.

Gipfeltreffen

gemacht, weil ich gerne in die Berge gehe.

Aber meine Aufgabe ist, den Gast so sicher

und bequem wie möglich auf den Berg zu

bringen, und nicht, dass es für mich ein guter

Tag ist. Viele Kollegen sagen: Du hast

einen schönen Job, du kannst Skifahren.

Aber es ist trotzdem Arbeit und nicht einfach

Freizeit. Wenn ich mit Kollegen fahre,

bin ich ganz unbekümmert, kann dort runterfahren,

wo ich möchte. Mit Gästen ist

man den ganzen Tag auf der Suche nach

dem besten Schnee.

Walter, bist du aus den gleichen Gründen

Bergführer geworden – weil du einfach

gern in die Berge gehst?

Josi: Ja, eindeutig. Es gibt aber kaum Bergführer,

die nicht vorher einen anderen Beruf

erlernt haben. Und das ist auch gut und

richtig so. Jeder Bergführer, der freiberuflich

unterwegs ist, sollte ein Backup haben

– z.B. als Zimmermann oder Architekt.

Wenn du einen kleinen Unfall hast, bist du

weg. Manchmal für lange Zeit – man kann ja

als Bergführer nicht humpeln. Die Leute,

die zu 100 % vom Bergführerberuf leben, die

leben auf hohem Seil.

Welche Unterschiede gibt es zwischen euren

Ausbildungen?

Josi: Ausbildung ist ein grosses Wort für

das, was wir gemacht haben.

Was habt ihr denn gemacht?

Josi: Einfach Bergtouren, und ein bisschen

Theorie. Es war wirklich nicht überragend.

Aber von meinen Lehrern habe ich sehr

profitiert. Nicht in puncto Technik, aber in

puncto Wegfindung und Umgang mit den

Gästen. Es waren wirklich gute Pädagogen.

Imsand: Gab es bei euch nicht die Disziplin

Singen?

Josi: Singen mussten wir, glaube ich, nicht.

Aber es wäre ja nicht das Dümmste! Vieles

war eher hemdsärmelig. Die Skiprüfung

war ein Rennen auf dem Sustenpass. Wobei,

zuerst mussten wir mit einem Rucksack im

schlechten Schnee hinunterfahren. Das war

wohl das Sinnvollste.

Imsand: Man spricht immer von Bergführerausbildung,

aber das ist eigentlich die

falsche Bezeichnung. Es ist keine Ausbildung

wie bei einer Lehre, bei der ich ohne

Vorwissen Schreiner werden kann. Man

muss schon sehr viel Können mitbringen.

Abgesehen vom Singen – was hast du in der

Ausbildung vermisst, Walter?

Josi: Obwohl sich damals schon viele einen

Gurt gebastelt hatten, hiess es: Das gibt es

im Kurs aber nicht! Das Seil geht um den

Bauch wie bei Eddy Whymper am Matterhorn.

Vom Führer zum Gast – und wer das

nicht macht, der ist ein Feigling. Originalzitat!

Die Ausbildung war aber nicht schlecht.

PatitucciPhoto

Was bis heute noch verbesserungswürdig

ist: Wie bildet

man selber aus? Sehr

viele Bergführer sind heute

Berglehrer, haben eine

Gruppe vor sich.

Imsand: Es gibt heute schon

Ausbildungsmodule, die genau

darauf zielen. Man

muss nicht nur möglichst

schwierige Routen klettern,

sondern auch Lektionen vor

einer Gruppe halten, sodass

alle beschäftigt sind, etwa

bei der Spaltenbergung.

Man sieht dann sofort, was

hängen geblieben ist.

Josi: Das freut mich natürlich

überaus, dass sich das

verbessert hat. In den 80er-

Jahren, als ich selber in Aspirantenkursen

als Lehrer tätig war, war das noch nicht so.

Der Bergführer war einer, der mit seinem

Gast auf die Jungfrau und auf das Matterhorn

geht. Und wenn du keinen Gast hast,

nimmst du halt mal eine Gruppe vom Militär

oder einen Rettungskurs. Das war eine unwichtige

Nebenbeschäftigung – ein Zwei-

Klassen-Denken.

Was macht einen guten Bergführer aus?

Josi: Er muss technisch gut sein. Er muss

gut kommunizieren. Die Leute müssen wissen,

woran sie sind. Er muss ein gutes

Klima schaffen. Es soll niemand denken,

wenn ich jetzt eine Frage stelle, bin ich der

Dumme. Er muss die Leute ernst nehmen.

Es braucht eigentlich sehr viele Qualitäten.

Anderes Medium, gleiches Prinzip: Josi fand die

meisten Gäste durch Mund-zu-Mund-Propaganda,

Imsand über Facebook.

Wie schafft man das?

Imsand: Vor allem, indem man besonders

den Schwächeren hilft. Für mich ist wichtig,

dass ich mit allen gut klarkomme. Man darf

eben nicht nur mit denen reden, die man bereits

kennt. Sondern mit allen Leuten.

Josi: Ich habe anfangs den Fehler gemacht,

Gästen zum Start der Tour alles zu erklären.

Aber das können die gar nicht fassen.

Ein junger Mensch kann zweieinhalb Stunden

durchhalten, ohne zu trinken. Dann, an

einem schönen Platz, gibt man ihnen viel

Zeit zum Pause machen, auch um untereinander

zu schwatzen. Und erst dann erklärt

man beispielsweise den genauen Gipfelaufstieg.

Nicht schon am Morgen die Birne

vollschwatzen mit Dingen, die noch gar

nicht aktuell sind.

Raphael, spielt das Naturerlebnis bei deinen

Gästen heute noch eine Rolle?

Imsand: Das ist ganz unterschiedlich. Manche

wollen abends ein cooles Foto oder Video

haben, da geht es weniger ums Erlebnis

als darum, zu zeigen, was sie gemacht haben.

Andere wollen einfach den Tag geniessen,

wieder andere wollen Gipfel abhaken.

Aber die Natur suchen sie eigentlich alle.

Musst du dir Sprüche anhören von älteren

Gästen?

Imsand: Was ich erlebt habe, sind Diskussionen,

dass Gäste weniger bezahlen möchten,

wenn beispielsweise beim Freeriden

das Wetter oder der Schnee nicht gut waren.

Aber das hat eigentlich nichts mit dem

Alter zu tun.

Das Bergführerabzeichen verleiht Autorität

also unabhängig vom Alter?

Imsand: Ja. Eigentlich sagen immer alle

gleich: Du entscheidest. Ich habe auch

schon viele Entscheidungen getroffen, die

den Gruppen nicht gepasst haben – umkehren,

weil die Lawinenlage zu kritisch oder

20 21

Rob Lewis

Gipfeltreffen


Gipfeltreffen

«Man kann als Bergführer ja nicht humpeln»:

Auch Zimmermann Imsand und Lehrer Josi

haben ihre Backup-Berufe. Das Führen aber

ist und bleibt der Traumjob.

der Nebel zu stark war. Das wurde aber immer

akzeptiert, es gab nie eine Diskussion.

Josi: Das kann ich absolut bestätigen. Bei

früheren Lawinenunfällen hiess es manchmal:

Die Bergführer wurden gepusht von

ihren Gästen. Das glaube ich nicht. Mehrheitsentscheide

sind am Berg nicht tauglich.

Du musst Autorität zeigen und deine

Verantwortung erklären: Ich bin öfter unterwegs

als ihr, ich beurteile die Sache so,

und zwar genau aus diesen Gründen. Ich

habe noch keinen gesehen, der dann gesagt

hat: Wir gehen trotzdem.

Imsand: Ich habe es diesen Winter zweimal

erlebt: Beide Male wäre meine Gruppe

gerne weiter; ich habe entschieden, umzukehren.

Beide Male sind andere Gruppen

weitergegangen, beide Male sind Lawinen

abgegangen. Man darf sich nicht von der

Gruppe verleiten lassen. Ich trage schlussendlich

die gesamte Verantwortung für sie.

Josi: Dass nichts passiert ist, ist noch kein

Beweis, dass es nicht gefährlich war. Heldentum

ist völlig fehl am Platz, wenn es

um Risiko geht. Die Natur ist immer stärker.

Ich habe es auch erlebt, dass eine

Gruppe nach einer Umkehr erst richtig zueinander

gefunden hat, sich geholfen hat.

Das ist auch eine Qualität. Was anderes,

als 4000er abhaken.

Wo seht ihr den Bergführerberuf in 20 Jahren?

Josi: Ich bin kein Prophet. Die Bergführer

werden nicht die Reichen sein, wie in den

goldenen 20er-Jahren oder die Sherpa

heute im Himalaya. Aber abgesehen davon

ist die Entwicklung gut. Es kommt Nachwuchs,

aber nicht so viel, dass man sich auf

den Füssen steht. Das Berufsbild wird sich

weiter diversifizieren, das klassische Bergsteigen

ist eher im Rückgang. Die berühmten

Gipfel zählen noch, aber Hütten an anderen

Bergen müssen kämpfen. Ich habe

aber keine Angst, dass es das nicht mehr

gibt in 20 Jahren. Nur anders.

Wie, anders?

Josi: Das Bergsteigen ist eine langsame Tätigkeit.

Man bricht in der Nacht auf und langsam

kommt der Morgen. Es ist die Vereinfachung

des ganzen Lebens auf wenige

Grundbedürfnisse – auf atmen, essen, trinken

und WC, auf Schritt für Schritt gehen.

Deshalb ist Bergsteigen bei vielen Leuten so

beliebt. Es geht nicht nur darum, auf dem Gipfel

zu stehen, sondern dass das ganze Leben

mal ein bisschen langsamer geht. Unabhängig

von der technischen Schwierigkeit und der

Disziplin. Diese Faszination zu vermitteln ist

ein ganz grosses Kapital.

Imsand: Das denke ich auch, vor allem heute,

wo sich immer alles schneller dreht. Am

besten ist man an drei Orten gleichzeitig. Am

Berg ist man auf sich gestellt und kann Gedanken

sacken lassen, die Zeit nimmt man

sich heute ja nicht mehr. Das wird in Zukunft

vielleicht noch wichtiger, und die Erlebnisse

noch intensiver, wenn die Leute von einer

schnelllebigen Welt abschalten können.

Was sagt ihr dann, wenn Gäste mitten auf

der Bergtour ihr Handy rausziehen?

Josi: Das ist Realität. Die haben Termine. Es

ist aber auch für uns sehr praktisch. Das

Handy hat mir mehr gebracht als der Com-

Rob Lewis

puter: Du kommst nach Hause, hast alles

schon erledigt, musst niemanden zurückrufen

und kannst mit den Kindern noch singen.

Das ist genial.

Imsand: Es ist Fluch und Segen zugleich.

Der Wetterbericht zum Beispiel: Ich kann

immer das Wetter abchecken. Andererseits

kommen die Gäste jetzt schon vier Tage vorher

und sagen, das Wetter sieht für die Region

nicht so gut aus! Aber als Bergführer

kann man sich der Technik nicht verschliessen.

Natürlich habe ich eine Papierkarte als

Backup im Rucksack. Aber mit externem

Akku kann ich ohne Probleme vier Tage mit

dem Handy navigieren. Wieso soll ich darauf

verzichten? Ich möchte immer einen

Schritt weiter sein als der Gast. Und es sieht

schlecht aus, wenn der Gast mit seinem

Smartphone kommt und sagt «Schau, wir

sind hier», während ich irgendwo auf der

Papierkarte herumsuche (lacht).

Was ist das Schönste am Bergführerberuf?

Josi: Jeder Tag ist einmalig, jede Tour ist

einzigartig. Und es spielt keine Rolle, ob

es eine schwierige oder leichte, kurze

oder lange Tour ist. Mit den Gästen, mit

denen man unterwegs ist, erlebt man diesen

Tag. Nur dieser Tag zählt, er ist nicht

wiederholbar. Das ist wunderschön. Und

diese Fokussierung auf das Hier und Jetzt.

Imsand: Vor allem auch, dass man dem

Gast etwas Schönes ermöglichen kann, und

dann die Dankbarkeit zurückkommt. Teilweise

wird man noch Monate später darauf

angesprochen. «Weisst du noch damals?»

Welche Erlebnisse noch präsent sind – das

ist fantastisch.

Josi: Das ist mir manchmal richtig peinlich,

wenn die Leute sagen «Oh, das war ja so

toll» und ich kann mich beim besten Willen

nicht erinnern. Für sie war das ein ganz

wichtiger Moment, und wir haben so viele

davon. Das zeigt, dass wir einen wirklich

tollen Beruf haben.

INTERVIEW: THOMAS EBERT

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Gipfeltreffen

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Schöne Bäder, schöne Berge: Einige Alpenorte sind

reich an beidem. Bormio etwa, wo der Bädertourismus

mehrere Jahrhunderte zurückreicht. Die Anlagen sind

freilich auf dem neuesten Stand.

LUFT UND WASSER –

ABER MIT STIL

Wellness ist offenbar ein einträgliches Geschäft: Luxuriöse

Hotel-Spas boomen ebenso wie öffentliche Erlebnisbäder.

Wir haben aussergewöhnliche alpine Thermen gesucht, in

denen ein anstrengender Tourentag im Schnee ein stilvolles

und erholsames Ende findet. Dabei sind wir auf einige

Trouvaillen gestossen.

BORMIO

Von römisch bis Belle Époque

Bormio kennen die meisten nur für seinen Weltcup-

Abfahrtsklassiker. Aber als Thermalbad-Destination?

Kaum bekannt, und schon gar nicht am Weg.

Dabei liegt das beliebteste Veltliner Ferienziel eigentlich

gleich über der Südostschweizer Landesgrenze.

Doch die lange Anfahrt über drei Pässe

lohnt sich: Die Bagni di Bormio sind eine Therme,

wie man sie in der Schweiz nicht kennt.

Hochgenuss

Die Mehrzahl stimmt in mehrfacher Hinsicht: Zum

einen handelt es sich um zwei unterschiedliche Bäder,

die Bagni Vecchi und die Bagni Nuovi. Sie werden

aus nicht weniger als neun Quellen gespiesen,

die alle zwischen 37 und 43 Grad warm sind. Und dann gibt es so viele verschiedene Bäder

wie kaum sonst wo – allein in den Bagni Vecchi sind es ein Dutzend. Dazu kommen eine

Handvoll Saunen (gewöhnungsbedürftig, dass es in Italien nur Textilsauna gibt). Hier fing

alles an, zu Zeiten der Römer. Verblüffend ist, dass die Grottenbäder Bagni Romani noch

immer existieren. Und ebenso einzigartig: In der Grotte Iaconicum sieht man, wie das warme

Wasser aus dem Felsen sprudelt. Dazu gibt es drei Aussenpools. Doch die Bagni Vecchi gelten

eher als Wintertherme. Im Sommer empfehlen sich die Bagni Nuovi durch ihren herrlichen

Poolgarten mit acht Bädern. Von den Brauliofässern über den Wasserfall und das etwas

kühlere Schwimmbad, das sogar Bewegung zulässt, bis zur historischen Saunastube

mit Opernklängen. Eine besondere Attraktion ist das Lehmbad.

Die Aussicht ist beeindruckend: Hinunter ins obere Veltlin und hinauf zum Parco Stelvio und

die Felswände des Monte Braulio. Überragt wird der Bäderpark vom würdevollen Grand

Hotel Bagni Nuovi. Während das 100 Meter höher gelegene Hotel Bagni Vecchi einen eher

alpinen Charme hat, strahlt dieser rosafarbene Palast noch die ganze Grandezza der grossen

derzeit im vorletzten Jahrhundert aus. Ein Diner im historischen Ballsaal ist nach

dem Baden das zweite grosse Erlebnis. Das 1837 im Belle-Époque-Stil erbaute Hotel wurde

nach fast drei Jahrzehnten Dornröschenschlaf von den QC Terme Bagni di Bormio übernommen

und 2003 als authentisch renoviertes Fünfsternehaus mit den Bädern neu eröffnet.

24 www.bagnidibormio.it

25

Hochgenuss


Hochgenuss

SAMEDAN

Hoch gelegen, hoch gebaut

Es ist nicht nur die höchstgelegene öffentliche

Therme der Schweiz, sondern auch die am speziellsten

angeordnete: Das Mineralbad & Spa Samedan

liegt unmittelbar am Dorfplatz, angebaut

an die Kirche. Und es ist landes- wenn nicht weltweit

das erste vertikale Mineralbad. Neben der

aufsteigenden Platzierung der Bäder über fünf

Etagen lebt der von den renommierten Architekten

Miller & Maranta erstellte Bau von den unterschiedlichsten

Ein-, Aus- und Durchblicken sowie

Lichteinstrahlungen und -stimmungen. Zusammen

mit den glasierten Mosaikplatten, mit denen

alle Baderäume vom Boden über die Wände bis zu den Decken ausgekleidet sind, entsteht

eine mystische Stimmung. Der Gast durchwandert wie in einem Berg-Labyrinth eine Welt

mit unterschiedlichsten Bade- und Dampfräumen. Als abschliessendes Highlight lockt das

offene Dachbad, wo sich direkt unter dem Kirchturm die Engadiner Bergluft geniessen

lässt. Auf dem Weg zurück laden der Arvenraum und die Lärchenstube zum Verweilen und

Ruhen. Das Mineralwasser wird direkt unter dem Bad in 35 Metern Tiefe entnommen und

gilt dank der Zusammensetzung als Heilquelle.

www.mineralbad-samedan.ch

BAD RAGAZ

Mondäne Therme oder privates Dorfbad

Die Tamina Therme liegt zwar nicht ganz in den Alpen,

aber doch am Tor zu Graubünden. Und damit

ideal gelegen für ein Regenerationsbad nach einer

anstrengenden Berg- oder Skitour. Bad Ragaz gilt

als Ikone der Schweizer Thermen, erst recht seit

der Neueröffnung der Tamina Therme 2009. Weiss

lackiertes Fichtenholz mit grossen ovalen Fenstern,

futuristische Säulen und hohe Decken verleihen

dem Spa ein stilvolles, grosszügiges und zeitgenössisches

Gepräge, das sich gleichwohl

harmonisch in den baulichen Kontext der altehrwürdigen

Grand Hotels einfügt.

Der Name stammt von der Taminaschlucht, in der Europas wasserreichste Thermalquelle

1242 entdeckt wurde. Schon der Arzt und Alchemist Paracelsus würdigte die heilende Wirkung

des Wassers. Die ersten Kurgäste wurden noch an Seilen in die Schlucht hinuntergelassen.

Ab 1840 wurde das 36,5 Grad warme Wasser mit einer Wasserleitung vom Alten Bad

Pfäfers bis zum Hof Ragaz geführt. Zusammen mit dem anderen Luxushotel, dem Quellenhof,

bildet er noch heute einen der Eckpfeiler des Grand Resort Bad Ragaz, «einem der führenden

Wellbeing und Medical Health Resorts Europas», wie es angepriesen wird. Schön,

dass auch die neue Tamina Therme für jedermann zugänglich ist.

Wer es beschaulicher und persönlicher mag, der findet mitten im Kurort eine Alternative:

Das historische Dorfbad aus dem Jahr 1866 ist sorgfältig renoviert und als modernes

Spahouse wiedereröffnet worden. Das Konzept beinhaltet sinnliche Baderituale, Kulinarik,

naturheilkundliche Heilbäder sowie Therapien und Massagen in privaten Baderäumen. Ein

Highlight ist das «Private-Dinner»-Bad bei Kerzenschein für Paare.

www.taminatherme.ch

www.spahouse.ch

Stylisch mit Botta, archaisch bei Franz-Toni

Die Rigi ist der traditionelle Ausflugsberg der Zentralschweiz, seit über 140 Jahren erschlossen

von zwei pittoresken Zahnradbahnen. Bis vor Kurzem kaum (mehr) bekannt war sie als

Badedestination. Dabei müsste ja mindestens der Name der Hauptstation Rigi Kaltbad hellhörig

machen. Hier hat Baden in der Tat auch schon seit 600 Jahren Tradition: Es war Brauch,

dass die Badegäste dreimal ins «chalte Bad» des Drei-Schwestern-Brunnens eintauchten,

welcher direkt neben der Kapelle aus der Felsspalte entspringt. Danach hatten sie je fünf

Vaterunser und Ave Maria zu beten.

Mit kaltem Wasser kann man heute natürlich keinen

Gast mehr auf den Berg locken. Aber mit einem

berühmten Namen: Die Aqua-Spa-Resorts

AG, Betreiberin von insgesamt sechs Schweizer

Wellnesswelten, engagierte mit Mario Botta einen

Star-Architekten, um die langjährige Brache des

alten Hallenbades in die neueste Rigi-Attraktion zu

verwandeln: das Mineralbad & Spa Rigi Kaltbad.

Es besteht aus dem Mineralbad mit einem Innenund

einem Aussenbecken (dem einzigen Ort, wo

man wirklich Aussicht auf die Bergwelt hat) und

einem Kräuterdampfbad sowie dem Spa (nur für Erwachsene) mit Kräutersauna und Kristallbad

als Highlight. Es wird von aussen durch einen der acht «Kristalle» beleuchtet, welche

in den darüber liegenden Dorfplatz ragen. Gebadet wird immer noch im mineralhaltigen

Wasser der legendären Heilquelle des «Drei-Schwestern-Brunnens» – natürlich aufgeheizt.

Und zwar ausschliesslich mit Holz von der Rigi, womit ein wertvoller Beitrag zur hier sonst

unrentablen Waldbewirtschaftung geleistet wird.

Mit Holz feuert auch Franz-Toni Kennel ein – seine Holzofensauna. Auch die Rigi hat nämlich

eine Alternative: Auf der Alp Chäserenholz – einen halbstündigen Spaziergang von Rigi Staffel

oder Kulm entfernt – bietet der Käser und Wirt ein herrliches Wellness-Kontrastprogramm

mit Saunakuppel, Whirlpool und Molkenbädern. Letzteres nur im Sommer. Und hier

gibt’s auch den vollen Panoramablick, im Winterhalbjahr oft über ein imposantes Nebelmeer.

Eine neue Alp-Geschäftsidee? Mitnichten, Franz-Toni macht das nur aus Idealismus

und weil er selbst ein Wellness-Fan ist. Versteht sich, dass es hier keine Pommes gibt, dafür

das beste Käseplättchen weit und breit, mit rund einem Dutzend eigener Spezialitäten.

www.mineralbad-rigikaltbad.ch

www.rigi.ch

26 27

RIGI

MIT BÄCHLI IN DIE THERMEN

Bächli Bergsport verlost 10 Eintrittskarten für eines der Thermalbäder.

Mehr Informationen auf www.baechli-bergsport.ch/therme

ZU

GEWINNEN

«Ther men-Ticket»

Hochgenuss


FOTO: FRODE SANDBECH

Gruyère und Cailler lassen grüssen

CHARMEY

In einem unprätentiösen Ferienörtchen wie Charmey,

mitten in den beschaulichen Freiburger Voralpen,

würde man das ja überhaupt nicht erwarten:

eine veritable Wellness-Oase in modernster Architektur,

kreisrund mit offenen Pool-Segmenten, fast

wie ein Ufo, oder eben wie ein angeschnittener

Greyerzer-Laib – die Bains de la Gruyère. Die

Badelandschaft besteht aus zwei grossen Becken

mit mineralstoffreichem Wasser. Wahrzeichen der

Therme ist der grosse Wasserfall. Familien schätzen

den Spiel- und Entspannungsbereich, wo sich

selbst die ganz Kleinen vergnügen können. Dazu

gibt es einen nordischen Bereich mit verschiedenen Saunen und einen orientalischen mit

Hamam und türkischen Dampfbädern. Im privaten Reich im ersten Stock kann man sich 50

verschiedene Behandlungen angedeihen lassen – darunter eine betörende Schokoladen-

Massage; Cailler in Broc liegt ja nah. Auf dem Dach der Bäder befindet sich eine windgeschützte

Ruheterrasse mit einer wunderbaren Panoramaaussicht auf die Berge des Greyerzerlandes.

Eine Anlage und eine Umgebung, wo man wirklich die Seele baumeln lassen kann

– etwa bei einem Stopp auf der nationalen Mountainbike-Route 2 oder nach einer Skitour.

www.bainsdelagruyere.ch

Hochgenuss

Kaum bekannte Walliser Familientherme

VAL D’ILLIEZ

Noch mehr als die nahen anderen Walliser und

Waadtländer Thermen in Ovronnaz, Saillon und Lavey

ist der Thermenpark im Val d’Illiez in der «Ausserschweiz»

ein Geheimtipp. Er besteht auch erst

seit 2009, und die Strecke von Monthey nach Champéry

liegt ja nie zufällig am Weg. Es sei denn, man

komme gerade von einem Skitag aus Europas

grösstem Skigebiet Les Portes du Soleil zurück

oder hat vorher die Dents du Midi bestiegen. Das

Thermalbad wird von drei natürlichen Quellen gespiesen,

die mit einer Temperatur zwischen 20 und

32 °C aus der Erde sprudeln. Der Park versteht sich

zum einen als Familientherme für Spiel, Spass und Körperpflege – mit Frei- und Hallenbad,

Sauna, Dampf- und Sprudelbad. Dank des hohen Mineralgehalts gilt er aber auch als eigentliches

Heilbad mit vielen therapeutischen Indikationen; ein medizinisches Zentrum bietet

zudem viele klassische Behandlungen.

www.thermes-parc.com

Welcome to tamok

New line for backcountry freeriding

28

TEXT: PETER HUMMEL

FOTOS: PETER HUMMEL / ZVG

www.norrona.com


Expert

Diamir Vipec 12: Pin-Bindung mit

umfassender Sicherheitsauslösung

wie bei einer Alpinbindung.

PUZZLE-SPIEL

Kaum ein Ausrüstungsteil für Skitouren hat sich in den

vergangenen Jahren so rasant entwickelt wie die Bindung.

Aber aufgepasst! Nicht jede Bindung harmoniert mit jedem

Skischuh und jedem Ski. Die Bächli-Tourenexperten ver-

raten, welche Produkte zusammenpassen.

Ja, früher war manches leichter. Zum Beispiel

die Wahl der Tourenbindung. Zwei,

drei relevante Modelle standen zur Auswahl,

das war’s. Aber war früher auch alles

besser? Sicher nicht. Jedenfalls nicht,

was die Skitourenbindungen betrifft. Der

Skitouren-Boom hat auch den Innovationsgeist

in der Branche neu geweckt – mit vielen

Vorteilen für Tourengeher. Je nach persönlichen

Vorlieben gibt es mittlerweile

für jeden Einsatzbereich massgeschnei-

derte Modelle. Mal liegt der Schwerpunkt

auf minimalem Gewicht, mal auf perfekter

Kraftübertragung. Und auch in puncto Sicherheit

und Komfort können die aktuellen

Bindungsmodelle eine Menge bieten. Tourenbindung

ist längst nicht mehr gleich

Tourenbindung, die Unterschiede sind teils

enorm. Gut, wenn man bei der Wahl Experten

wie die Tourenspezialisten von Bächli

Bergsport an der Seite hat, die sich damit

auskennen.

Klassische Rahmenbindungen ähneln in

der Bauweise Alpinbindungen. Bindungskopf

und Fersenautomat sind auf einen

Rahmen aufgesetzt, der vorne durch ein

Gelenk mit dem Ski verbunden ist. Für Aufstiege

lässt sich der Rahmen samt Bindungselementen

hinten entriegeln und in

der Gehbewegung mit der Ferse hochklappen.

Rahmenbindungen sind heute weitgehend

ausgereift. Sie besitzen alle eine von

den Alpinbindungen bekannte, normierte

Sicherheitsauslösung.

Anders als bei Rahmenbindungen sind bei

Pin-Bindungen Vorder- und Hinterbacken

nicht miteinander verbunden. Der Skischuh

wird an der Sohle vorne seitlich durch zwei

Pins fixiert. Das erlaubt am Vorderbacken

eine sehr stabile und steife Verbindung zum

Ski. Am Hinterbacken befinden sich zwei

Metallstifte, die in ein in der Schuhsohle integriertes

Metall-Insert geklickt werden.

Die Sicherheitsauslösung bei einem Sturz

erfolgt bei Pin-Bindungen klassischer Bauart

in erster Linie über den Hinterbacken.

Der Vorderbacken löst dann indirekt aus,

wenn er durch eine seitliche Drehbewegung

belastet wird. Mittlerweile gibt es allerdings

auch Pin-Bindungen mit Sicherheitsauslösung

wie die Fritschi Diamir Vipec 12 oder

die Dynafit TLT Radical 2 ST.

Rahmenbindungen –

unkompliziert und sicher

«Waren bis vor etwa vier Jahren Rahmenbindungen

wie die Fritschi Diamir Eagle

noch Standard, hat sich das Bild mittlerweile

komplett gedreht», hat Matthias Schmid beobachtet.

Der Produktmanager bei Bächli

Bergsport ordert mittlerweile Jahr für Jahr

mehr Pin-Bindungen. «Was nicht heisst,

dass wir unsere Kunden zu den Leichtbau-

Bindungen drängen wollen», merkt er an.

Denn auch wenn ihr Anteil abnimmt, haben

Rahmenbindungen immer noch ihre Berechtigung.

«Gerade

für Skifahrer, die mit

dem gleichen Ski mal

auf der Piste fahren,

mal auf Tour gehen

und eine Bindung mit

guter Kraftübertragung

suchen, sind Rahmenbindungen

eine gute

Wahl», weiss Schmid.

Auch Senioren, die

eventuell koordinativ Marker Kingpin: Drei Federn für

eine dynamische Kraftaufnahme sollen

Fehlauslösungen minimieren.

nicht mehr ganz so

fit sind, wüssten sie

wegen des unkomplizierten

Einstiegs zu schätzen. Und nicht

zuletzt sind Rahmenbindungen auch für

Freerider, die einen aggressiven Fahrstil

bevorzugen und auch mal grössere Sprünge

machen, nach wie vor die erste Wahl. Denn

beim Freeriden zählen nicht nur die puren

Z-Werte. Entscheidend

ist auch die dynamische

Energieaufnah-

me der Bindung. Und

da haben die massiveren

Bindungsbacken

von Rahmenbindungen

mit stärkeren Federn

die Nase vorne. Diese

Konstruktionsweise

verhindert, dass die

Bindung bei harten

Landungen oder in heftigen

Kompressionen

aufspringt.

Pin-Bindungen – Leichtgewichte

mit verbesserter Funktion

Die Grundidee der Pin-Bindung ist ein möglichst

leichtes Bindungssystem für Skitouren.

Um das zu erreichen, wurden ursprünglich

bewusst Kompromisse bei der Sicherheitsauslösung

und beim Bedienungskomfort

eingegangen. Doch mittlerweile haben

die Pin-Bindungen zumindest im mittleren

und gehobenen Gewichtssegment in puncto

30 31

Rasante Kurven: Die Kraftübertragung

von manchen Pin-Bindungen hinkt der von

Rahmenbindungen kaum noch hinterher.

Dynafit Radical 2 ST: Eine seitliche

Auslösung nach links und rechts ist

durch Schwenken des Rotationsvorderbackens

möglich.

Expert


DIE TOP-BINDUNGEN DES WINTERS

Kategorie: Rahmenbindung Tour klassisch

Kategorie: Pin-Bindung Tour klassisch

Expert

einfacher Handhabung, Sicherheit und Komfort

aufgeholt und bieten für viele klassische

Freizeittourer einen guten Kompromiss aus

attraktivem Gewicht und solider Funktion.

Also alles in Butter? Nicht ganz. Denn längst

nicht jede Tourenbindung ist mit jedem Tourenschuh

kompatibel.

Welche Bindung

passt zu

welchem Schuh?

In der Tat ist eine sorgfältige

Abstimmung

von Ski, Skischuh und

Bindung für eine zuverlässige

Funktion

Marker Duke: Eine massive Metallfeder enorm wichtig. Vergleichsweise

einfach

im HInterbacken federt auch harte Landungen

nach hohen Sprüngen gut ab. ist die Lage bei Rahmenbindungen.

Sie

sind generell sowohl mit Alpinskischuhen

(glatte Alpin-Normsohle) als auch mit Tourenschuhen

(profilierte Tourensohle) kompatibel.

Wer allerdings in einer Rahmenbindung

abwechselnd Alpinschuhe ohne und

Tourenschuhe mit Profilsohle verwendet,

sollte die Bindung jeweils neu einstellen lassen.

Denn wegen der unterschiedlichen

Höhe der Sohle (Anpressdruck) und Reibung

kann es zu massiv abweichenden Auslösewerten

kommen. Ausserdem gibt es Tourenschuhe

mit einem

verkürzten Sohlensteg

für Pin-Bindungen

(zum Beispiel Dynafit

TLT 5, TLT 6, TLT 7),

bei denen eine einwandfreie

Funktion in

Rahmenbindungen

nicht gewährleistet ist.

Etwas unübersichtlicher

ist die Lage bei

Tourenschuhen für

Pin-Bindungen. Der

Grund: Es gibt keine

klare Schuhnorm für

Pin-Systeme. Und so ist Pin-Schuh nicht

gleich Pin-Schuh. Unterschiede bestehen vor

allem in folgenden Punkten: Dicke der

Schuhsohle, Sprengung (leichte Biegung) der

Diamir Vipec 12: Mit einer Einstellschraube

lässt sich die Breite der Schuhaufnahme

an den Pins feinjustieren.

Sohle, Geometrie von Schuhspitze und Fersenbereich

sowie Form und Abstand der Inserts,

in die die Pins einrasten. Die Inserts

für die Pins und ihr Abstand an der Schuhsohle

sind nicht bei allen Schuhmarken und

-modellen exakt gleich. Die Abweichungen

betragen zwar nur wenige Millimeter, doch

die Auswirkungen können erheblich sein.

Rasten zum Beispiel die Pins nur minimal

weniger tief ein oder ist ihr Abstand etwas

grösser, als vom Bindungshersteller vorgesehen,

befindet sich die Bindung dadurch bereits

im normalen Abfahrtsmodus in leicht

geöffnetem Zustand. So kann es zu Fehlauslösungen

kommen. Dank langjähriger Erfahrungen

in der Praxis und bei der Montage

können die Bächli-Experten auf einen grossen

Erfahrungs-Pool zurückgreifen und so

Fehlkäufe vermeiden helfen.

Der Pin-Kompromiss:

Gewicht und Sicherheit

Pin-Bindungen mit eingeschränkter Sicherheitsauslösung

wecken bei manchen Skitourengehern

Skepsis. Natürlich bieten solche

Bindungen nicht die maximalen Sicherheitsfunktionen

einer Rahmenbindung. Eingeschränkte

Sicherheitsauslösung bedeutet

allerdings nicht: keine Sicherheit und keine

Auslösung im Fall von Stürzen. Sondern

eben nur eine eingeschränkte Funktion. Gerade

Tourer, die bergauf schnell sein wollen

und denen es auf minimales Gewicht ankommt,

gehen diesen Kompromiss bewusst

ein. Entscheidet man sich für eine solche

Bindung, sollte man sich darüber im Klaren

sein, dass man nicht mit der maximalen Sicherheit

rechnen kann. «Die sicherste Bindung

ist noch immer nicht die leichteste»,

fasst Matthias Schmid zusammen.

Je nach Konstruktion gibt es auch deutlich

spürbare Unterschiede in der Kraftübertragung

unterschiedlicher Pin-Systeme. Massstäbe

hat da die Marker Kingpin gesetzt. Das

Hybridmodell aus breit abgestütztem Pin-

Vorderbacken und einem Alpin-Hinterbacken

erlaubt ein präzises Aufkanten wie mit

einer Alpinbindung. Die Diamir Vipec erreicht

diese Performance nicht ganz, bietet dafür

aber eine per Z-Wert definierte Sicherheits-

x Preis: CHF 459.- netto

x TÜV-Prüfung: ja

32 x Gewicht: ca. 2790 g/Paar inkl. Stopper 110 mm

33

FRITSCHI

EAGLE 12

Die Eagle 12 ist eine vielseitige und seit Jahren

bewährte Tourenbindung. Ein frei gleitender Bindungssteg

sorgt bei der Abfahrt für den Längenausgleich

und natürlichen Skiflex. Der Einstieg

erfolgt problemlos wie bei einer Alpinbindung.

Das System ist sowohl mit Alpinskischuhen als

auch mit den meisten Tourenskischuhen mit

Gummisohle kompatibel.

x Preis: CHF 379.-

x Gewicht: ca. 1780 g/Paar inkl. Stopper 90 mm

x TÜV-Prüfung: ja

Kategorie: Rahmenbindung Freeride

MARKER

DUKE EPF 16

Die Marker Duke ist längst ein Freeride-Klassiker.

Mit einer noch breiteren Abstützung als bei der

Vorgängerversion ist die Duke EPF in erster Linie

für breite, stabile Freeride-Ski konstruiert. In der

Abfahrt bietet die Bindung eine beeindruckende

Kraftübertragung. Und die starke Feder im

Hinterbacken schluckt Landungen nach hohen,

weiten Sprüngen ohne Fehlauslösung. Dank

Z-Wert-Bereich bis 16 auch für schwere Fahrer

mit aggressiver Fahrweise geeignet.

x TÜV-Prüfung: ja

FRITSCHI

VIPEC 12

Bindungshersteller Fritschi hat mit der

Vipec 12 für ein neues Level der Sicherheitsstandards

bei rahmenlosen Bindungen

gesorgt. Die Pins am Vorderbacken der

Vipec 12 sind auf einen Schlitten montiert,

der sich im Falle eines Sturzes bei entsprechendem

Druck nach aussen bewegt.

Die Auslösehärte lässt sich von Z 5 bis 12

einstellen. Gepaart mit dem Längenausgleich

ergibt das eine rahmenlose Bindung,

die sicherheitstechnisch und funktionell den

Vergleich mit Alpinbindungen nicht scheuen

muss und in puncto Gewicht ebenfalls vollends

zu überzeugen vermag.

x Preis: CHF 479.- bis CHF 489.- netto

x Gewicht: ca. 980 g/Paar

x TÜV-Prüfung: ja

Kategorie: Hybrid-Bindung

MARKER

KINGPIN 13

Einen Meilenstein in der Kraftübertragung von rahmenlosen Allround-

Bindungen markiert die Marker Kingpin. Marker verzichtet auf einen

klassischen Pin-Hinterbacken. Stattdessen kommt ein Hinterbacken

ähnlich wie bei Alpinbindungen zum Einsatz, der den Sohlenrand des

Skischuhs auf voller Breite umfasst. Zusammen mit dem sehr stabil

und breit abgestützten Pin-Vorderbacken ergibt das eine sehr steife

Bindungskonstruktion.

x Preis: CHF 539.- netto

x Gewicht: ca. 1460 g/Paar

DYNAFIT

RADICAL 2 ST

Die TLT Radical 2 ST ist eine

konsequente Weiterentwicklung

der Radical ST unter

sicherheitsrelevanten Aspekten.

Der Rotationsvorderbacken

löst auch vorne seitlich

aus und federt gleichzeitig

seitliche Schläge ab, um Frühauslösungen

zu vermeiden.

Auch in puncto Aufstieg- und

Abfahrtsperformance wurde

die Bindung im Vergleich zum

Vorgängermodell TLT Radical

ST noch in einigen Details

verbessert.

x Preis: CHF 439.- netto bis

CHF 459.- netto

x Gewicht: ca. 1198 g/Paar

x TÜV-Prüfung: ja

Expert


Unkompliziert und breiter Einsatzbereich –

auch wenn sie schwerer als Pin-Bindungen

sind, für Einsteiger und Allrounder sind Rahmenbindungen

immer noch eine gute Wahl.

eine möglichst leichte Ausrüstung Abstriche

bei den Auslösefunktionen hinzunehmen?

Der Schlüssel, so Mattias Schmid,

«ist die überlegte Abstimmung von Bindung,

Ski und Schuh – denn das System ist

nur so gut wie das schwächste Glied der

Kette.» Und damit bei diesem Puzzle auch

alle Teile stimmig zueinanderpassen, helfen

die Bächli-Experten mit ihrer Erfahrung

gerne weiter.

Expert

34

auslösung mit einem seitlich beweglichen

Schlitten am Vorderbacken. Je breiter der

Ski und je höher damit die Hebelkräfte, desto

mehr verwinden sich herkömmlich konstruierte

Pin-Hinterbauten wegen der geringen

Abstützungsbreite des Skischuhs an der

Bindung. Darunter leidet letztendlich die

Kraftübertragung. In der Praxis ist das im

weichen Schnee weniger von Bedeutung als

bei harten, harschigen Bedingungen.

Und noch aus einem weiteren Grund ist die

Abstimmung der Bindung auf die Ski wichtig.

Pin-Bindungen wurden ursprünglich für

eher schmale, wenig steife und leichte Ski

konstruiert. Solche Skimodelle nehmen die

bei Stürzen auftretenden Kräfte zu einem

grossen Teil auf, indem sie sich durchbiegen.

Die Energie wird durch Verformung abgebaut.

Je steifer und schwerer ein Ski konstru

iert ist, desto wichtiger wird deshalb

eine zuverlässige, im Idealfall definierte Sicherheitsauslösung

vorne und hinten.

Die entscheidenden Teile

im Bindungs-Puzzle

Letztendlich gehören neben Bindung, Ski

und Schuh auch die individuelle Fitness,

das Körpergewicht, der Fahrstil und die geplanten

Vorhaben als wichtige Teile zu dem

Puzzle-Spiel rund um Tourenbindungen.

Erst sie ergeben ein rundes Bild. Deshalb

ist es wichtig, sich vor dem Bindungskauf

folgende Fragen möglichst detailliert und

klar zu beantworten: Was sind meine Ziele

als Tourengeher? Was ist mir dabei wichtig?

Wo bin ich zu Kompromissen bereit?

Will ich meine Tourenausrüstung auch auf

der Piste einsetzen? Und bin ich bereit, für

TEXT: CHRISTIAN PENNING

FOTOS: ZVG

BINDUNGSKAUF BEI BÄCHLI –

SICHER IST SICHER

Gerade für Skitourengeher, die noch mit altem Material unterwegs

sind, lohnt sich die Anschaffung neuer Ausrüstung

– egal, ob Bindung, Ski oder Skischuhe. Denn Funktion und

Komfort der aktuellen Modelle sind gut wie noch nie. So

kann man nur gewinnen. Um die individuell optimale Ausrüstung

zusammenzustellen, arbeitet Bächli Bergsport mit

erfahrenen Experten, die nicht nur bestens mit den technischen

Details der Bindungstypen und -modelle vertraut

sind, sondern auch selbst schon im Schnee getestet haben

und als begeisterte Skitourengeher genau wissen, worauf

es ankommt. Einige Bächli Mitarbeiter starteten dieses Jahr

wieder als Rennläufer bei der legendären PDG von Zermatt

nach Verbier, andere wie Sébastien de Sainte Marie «Seb le

Fou», haben sich als Freerider einen Namen gemacht. Bei

Bedarf checken die Mitarbeiter die bestehende Ausrüstung.

Und auch neues Material wird bei der Montage einem Funktionscheck

unterzogen. So können Sie sicher sein, dass Ski,

Schuh und Bindung auch wirklich miteinander harmonieren.

Vor allem für Tourenneulinge interessant ist das Bächli Mietangebot.

Es erlaubt dem Kunden, die Welt des Skitourengehens

auch ohne eigene Ausrüstung zu entdecken. Wird innerhalb

von fünf Tagen nach der Miete ein vergleichbarer

Artikel oder eine komplette Ausrüstung gekauft, werden

die Mietkosten vom Kaufpreis abgezogen.

CLIMB.

SKI.

Für Skibergsteiger.

Der Procline verbindet enorme

Bewegungsfreiheit zum

Klettern mit herausragenden

Abfahrtseigenschaften.

Eine Bergschuhinnovation.


Expert

DER COACH FÜRS LEBEN

Als langjähriger Nationalcoach der Schweizer Elite-Kletterer

zeichnet Urs Stöcker verantwortlich für das gute Abschneiden

bei der WM in Paris. Dass der gebürtige Churer überhaupt als

Trainer tätig ist, war keineswegs abzusehen: Auch eine Karriere

als Wissenschaftler oder Profibergsteiger hätte durchaus

steil verlaufen können.

Aus Schweizer Sicht war es der Höhepunkt

der Kletter-Weltmeisterschaften in Paris:

Im ehrwürdigen Palais Omnisports de Paris-

Bercy, wo die Fans sonst Roger Federer oder

den Rolling Stones zujubeln, richteten sich

die Scheinwerfer und zehntausend Augenpaare

plötzlich auf Petra Klingler. Lachend

hing sie in der Wand, vor lauter Staunen darüber,

dass ihre linken Zehen, eingehakt hinter

einer winzigen Leiste, sie vor dem Sturz

aus dem finalen Boulderproblem bewahrt

hatten. Wenige Züge später der Ausstiegsgriff,

Tränen des Glücks. Am Ende gewinnt

Klingler die Goldmedaille im Bouldern.

Zehn Jahre war Urs Stöcker der Trainer von

Petra Klingler. Eine «geniale Basis» habe

der geschaffen, erzählt Klingler später dem

SAC. Sogar die Mittagspause habe Stöcker

dem gemeinsamen Training geopfert. Und

obwohl eineinhalb Jahre vor Paris Kevin Hemund

als Trainer von Klingler übernahm,

vergisst die ihren früheren Coach nicht:

«Dass Urs damals so viel investierte, ist

sehr viel wert», sagt die Weltmeisterin kurz

nach ihrem Coup.

Stöcker, der gebürtige Churer, 40 Jahre alt,

hat seinen Anteil an der Entwicklung des

Schweizer Kletterns, so viel steht fest. Seit

SAC / davidschweizer.ch

2003 betreut er das Zürcher Regionalkader,

seit acht Jahren das Nationalkader. Lange arbeitete

er nebenbei als Software-Entwickler,

doch als der damalige Elite-Trainer 2014 den

Dienst quittierte, war die Erhebung Stöckers

zum hauptberuflichen Nationalcoach ein «logischer

Schritt», wie er selbst sagt.

Dabei hätte Stöckers Karriere durchaus auch

anders verlaufen können. Nach mehreren

erfolgreichen Expeditionen in Pakistan (2001

mit Thomas Huber und Iwan Wolf am Ogre)

und Indien (2003 mit Simon Anthamatten und

Rainer Treppte am Bhagirati III) stand die Option

im Raum, es als Profibergsteiger zu versuchen.

Gleichzeitig fing Stöcker mit dem

Berufstrainerschein an. Beides zusammen

war zu viel. «Ich konnte mich nicht mehr richtig

auf die Expeditionen vorbereiten. Entweder

oder. Da habe ich mich für den Trainerschein

entschieden.» Bis heute grübelt

Stöcker, ob es die richtige Entscheidung war,

denn Projekte und Ideen hat der Bündner

Klettermeister von 1996, der immer noch bis

8a klettert, zuhauf. Was fehlt, ist die Zeit.

«Man weiss es natürlich nie. Aber ich denke,

zur Zeit stimmt es so.»

Was daran liegen könnte, dass Stöckers Methode

Erfolg hat? Fünf Mal pro Woche steht er

mit seinem Regionalkader in der Halle, dazu

kommen zwei Einheiten mit dem Nationalkader.

Die Jahrespläne und Trainingsstandorte

richtet Stöcker bis ins Detail auf die Titelwettkämpfe

aus: «Da ich die Routenbauer beim

Weltcup und ihren Stil recht gut kenne, kann

ich für das Training eher mehr seitliche

Sprünge, technische Platten oder schwierige

Starts einschrauben.» Als Motivationsspritze

für die WM in Paris holte Stöcker den ehemaligen

Weltmeister und Klettercoach Patxi

Usobiaga nach Zürich. «Patxi hat dann erzählt,

wie er trainiert hat und wie er Adam

Ondra coacht – ein letzter Wissens-Boost für

die Athleten.»

Dass auch Stöcker selbst seine Athleten mit

solchen Boosts versorgt, davon ist angesichts

seiner wissenschaftlichen Karriere auszugehen.

Stöcker promovierte an der ETH Zürich

über Theoretische Muskelmechanik, sein

Spezialgebiet sind Myofibrillen. Er publizierte

über instrumentierte Klettergriffe, gab Lesungen

über Biomechanik und leitete kürzlich

die Cybathlon-Wettkämpfe der ETH Zürich.

Die Physik und das Klettern: Stöcker

pflegt beide Leidenschaften. Als Student

schickte er aus dem Basislager des Ogre

seinen Professoren Postkarten, zum Dank

für die Freistellung von Prüfungen.

Wissenschaftliche Akribie, Gespür für die

beim Klettern so wichtigen Wechselwirkungen

zwischen Kopf und Körper und der

Mut, Probleme an der Wurzel zu packen:

das umreisst Stöckers Ansatz als Nationalcoach.

«Die Schweizer waren immer

sehr erfolgreich in der Jugend, mit vielen

Welt- und Europameistertiteln. Aber der

Transfer in die Elite hat irgendwie nicht geklappt.

Dieses Problem sind wir angegangen.»

Das Schweizer Jugendförderungssystem

mit Heimtrainern greift bis zum 20.

Lebensjahr, danach ist der Verband gefordert.

«Wir haben in der Jugend in sie investiert,

es wäre ja schade, wenn dann alles

wegbricht.» Stöcker setzte nicht nur Kraftausdauer

und Fusstechnik auf die Pläne,

sondern tat, was er «das Leben coachen»

nennt: Wohin geht’s im Studium? Wie kann

man Training und Beruf vereinbaren, ohne

dass die Arbeitslast nach der Matura ins

Immense steigt? «Ich habe das Gefühl,

dass dieses Jahr der erste Erfolg aus diesen

Anstrengungen herausgekommen ist»,

sagt Stöcker. «Nicht nur Petra Klingler,

auch andere Leistungsträger aus der Jugend

konnten in der Elite Fuss fassen:

Baptiste Ometz im Bouldern, Sascha Lehmann,

Alina Ring, Anne-Sophie Koller im

Lead. Auch Jara Späte, Beni Blaser oder

Andrea Kümin.»

Es sind Namen darunter, die Bächli Bergsport

seit Jahren unterstützt, und die auch

fallen könnten, wenn 2020 in Tokio erstmals

um olympische Medaillen geklettert wird.

Da je nur 20 Männer und Frauen in einer

Kombinationswertung aus den sonst eigenständigen

Disziplinen Lead, Speed und Bouldern

an den Start gehen, wird die bevorstehende

Selektion der Athleten zur Qual der

Wahl. Stöcker wird das einfordern, was er in

einem sozialen Netzwerk als Lebensmotto

unter sein Profilbild schrieb: «Mit Fleiss

und Eleganz ans Ziel».

TEXT: THOMAS EBERT

36 37

Expert


3 X 3 – NEUES AUS DER

WELT DES BERGSPORTS

JANUAR

2017

7x in der Schweiz

ÜBER LEBEN

Wie riecht Heimat? Wie überlebenswichtig sind Angst, Egoismus und

Instinkt? Überraschend persönlich skizziert Reinhold Messner seinen

Weg vom Südtiroler Bergbub zum Extrembergsteiger und Abenteurer.

Sein Leben ist schon früh von der Auseinandersetzung mit Tod und Überleben

geprägt. Gemeinsam mit Peter Habeler bezwang er als erster

Mensch den Mount Everest ohne Sauerstoffmaske, kurze Zeit später

wiederholte er dies sogar im Alleingang. Er bestieg als Erster alle 14 Achttausender,

stand auf über 3500 Berggipfeln. Zu Fuss durchquerte er die

grössten Eis- und Sandwüsten der Erde. Wie kaum ein anderer bewegte

sich Messner am Limit und setzte sich über vermeintliche Grenzen hinweg.

In seinem neuen – von Bächli Bergsport unterstützten – Live-Vortrag

spricht der 72-Jährige über Ehrgeiz und Scham, Alpträume und das Altern,

über Scheitern, Neuanfänge und die Fähigkeit, loszulassen.

10% Rabatt mit «BAECHLI2209» auf WWW.MESSNER-LIVE.DE

FRAUENRÜCKEN ENTZÜCKEN

Der Kresta ist ein Damen-Winterrucksack für Tagestouren mit Ski oder

Snowboard. Der speziell kurze thermogeformte und schneeabweisende

Rücken schmiegt sich perfekt an den Körper an. Die diagonale

und seitliche Skihalterung sowie die vertikale und horizontale Snowboardhalterung

lassen viele Tragvariationen zu, wenn die Steilheit des

Geländes eine Tragepassage erfordert. Der Reissverschluss ermöglicht

einen schnellen Zugriff ins Hauptfach. Simplizität und Funktionalität

zeichen auch das Frontfach für Schaufel und Sonde und die Helmund

Pickelhalterung aus. Das zusätzliche Skibrillenfach ist mit Fleece

ausgekleidet für einen erhöhten Schutz der kratzanfälligen Gläser.

Der Hüftgurt aus EVA-Schaum gewährleistet einen hohen Tragekomfort

und eine effektive Lastübertragung. In seinen RV-Taschen verschwinden

Smartphone und Schlüssel, auf die jederzeit und schnell zugegriffen

werden kann.

3 X 3

MINIRETTER

Der Name lässt bereits erahnen – Micro ist das kleinste und leichteste LVS-Gerät

des Herstellers Pieps. Das 3-Antennen-LVS-Gerät verfügt über ein grosses helles

Display, das bei allen Lichtverhältnissen gut lesbar ist. Nach jedem Einschalten

führt das Gerät einen umfassenden Selbstcheck durch. Bei einer Störung der sendenden

Antenne durch elektronische Geräte oder metallene Gegenstände schaltet

das Gerät automatisch auf die andere Antenne um. Im Suchmodus beträgt die Suchstreifenbreite

40 m und das Gerät vibriert beim Empfang des ersten Signals. Optional

sind die neuen Software-Updates, die mittels Bluetooth durchgeführt werden

können: Wird der Suchende von einer Nachlawine verschüttet, stellt das Gerät dank

eingebautem Bewegungssensor automatisch von Suchen auf Senden um.

PIEPS

MICRO

x Gewicht: 150 g (inkl. Batterien)

x Preis: CHF 399.-

PIN MIT BISS

ATKs Raider 12 2.0 ist eine überraschend leichte Bindungs-Option für eher breite

Tourenski. Stopper sind von 75 bis 120 mm Breite erhältlich und werden an der

Raider am Vorderbacken montiert. Die +/- 25 mm Verstellweg am Hinterbacken

und fünf per Skistock verstellbare Aufstiegsmodi machen die

Raider sehr variabel. Der Z-Wert reicht von DIN 5 bis 12, die Bindung ist

aus Aluminium und Edelstahl gefertigt. Für eine bessere Kraftübertragung

auf sehr breiten Ski kann der Spacer Raider 2.0 montiert werden.

ATK

RAIDER 12 2.0

x Gewicht: 700 g/Paar

x Preis: CHF 549.-

OSPREY

KRESTA 30

x Gewicht: 1440 g

x Preis: CHF 179.-

GE(H)HILFE

Mit 41 Zentimetern Länge passt der gefaltete Tour Stick Vario Carbon V in jeden

Rucksack, wenn er gerade mal nicht gebraucht wird. Die Entriegelung erfolgt per

Knopfdruck, genauso simpel ist auch der Zusammenbau des Stocks. Die oberen

Segmente sind aus extrem leichtem Carbon gefertigt, das unterste aus hoch festem

Aluminium, damit auch scharfe Skikanten keinen Schaden anrichten können.

Besonders clever: Das oberste Stocksegment verfügt über einen schnell und einfach

bedienbaren Längenverstell-Mechanismus, mit dem die Stocklänge zwischen

115 bis 135 cm Länge variiert werden kann.

Hinter dem Begriff «Trigger S Vertical-System» verbirgt sich eine Sicherheitsauslösung

am Griff, die ein einfaches und rasches Einrasten und Lösen der Handschlaufe

ermöglicht. Der ergonomisch geformte, offenporige Schaumstoffgriff

liegt perfekt in der Hand – dank Verlängerung auch zum Umgreifen in steilen

Hangtraversen. Der Stock wird mit einer Hartmetall-Flexspitze geliefert, der

breite Teller ist ohne Werkzeug austauschbar.

LEKI

TOUR STICK VARIO CARBON V

x Gewicht: 552 g/Paar

x Preis: CHF 169.-

38 39

3 X 3


3 X 3

ALLES IM GRIFF

Ich bin mir unsicher, welcher Winterhandschuh

für mich der richtige ist.

Muss ich zugunsten von Wärme immer

auf «Fingerspitzengefühl» verzichten?

Valérie Reymond, Lausanne

BÄCHLI BERGSPORT

ANTWORTET:

Es ist grundsätzlich richtig, dass Handschuhe

mit zunehmender Dicke der Isolationsschicht

an Taktilität verlieren.

Die Handschuhe sollte man deshalb nach

ihrem Einsatzzweck wählen. Ein Eiskletterer,

Ski- oder Hochtourengeher etwa benötigt

einen anderen Handschuh als jemand, der

ausschliesslich auf Pisten Ski fährt oder

Winterwanderungen unternimmt. Für Erstere

ist ein taktiler Handschuh wichtig, mit

dem man auch mal ein Seil verknoten oder

ein LVS-Gerät bedienen kann. Die Finger

sind daher meist schon leicht vorgeformt.

Das Material sollte wasserdampfdurchlässig

sein. Leder- oder Silikonbesätze an den

Innenseiten verbessern die Griffigkeit, was

sich besonders beim Halten von Stöcken

oder Eisgeräten bezahlt macht. Bei weniger

intensiven Aktivitäten kühlen die Finger

dagegen schneller aus. Dementsprechend

benötigt man einen wärmeren, dick gefütterten

Handschuh – das können Fingerhandschuhe

oder Fäustlinge sein. Natürlich

gibt es auch Kompromisslösungen: Ein

sehr dünner Handschuh aus Fleece oder

Merinowolle kann als zusätzliche Schicht

unter einem anderen Handschuh getragen

werden. So kann die Wärmeleistung

bei Bedarf erhöht werden. Bei manchen

Handschuhen ist ein herausnehmbarer Innenhandschuh

schon integriert. Ausserdem

ermöglichen mittlerweile viele Modelle die

Bedienung von Touchscreens über einen

leitenden Einsatz an der Fingerkuppe.

Nicole Weissbrodt

Abteilungsleiterin Textil

Bächli Bergsport Bern

Terminvereinbarung:

LEICHTES SICHERHEITSPLUS

Das neue Lawinenairbagsystem AVABAG ist besonders leicht und

kompakt – es wiegt gerade mal 640 Gramm und nimmt im Rucksack

ein minimales Volumen von 1,8 Litern ein. Erreicht werden diese

Spitzenwerte dadurch, dass der Stoff des Airbags hochfrequenzverschweisst

wird, weshalb Ortovox auf zusätzliche Abdichtungen verzichten

kann. Ausserdem wurde die Venturi-Einheit maximal reduziert.

Die komplette Einheit ist herausnehmbar und kompatibel mit

allen Avabag-Rucksäcken von Ortovox. Ein grosser Reissverschluss-

Zugang zum Haupt- und Frontfach bietet Verstaumöglichkeiten für

Lawinenschaufel und -sonde. Am Rucksackrücken sind Fixiermöglichkeiten

für Snowboard, Ski (diagonal), Schneeschuhe

sowie Eispickel und Helm angebracht. Der Auslösegriff ist

verstellbar und so konstruiert, dass man ihn links- und

rechtshändig bedienen kann und auch mit dicken Handschuhen

gut zu fassen bekommt. Die Kartusche zur Auslösung

muss zusätzlich bestellt werden. Eine kostenlose Testauslösung

ist in jeder Bächli Bergsport Filiale möglich.

ORTOVOX

ASCENT 30 AVABAG

x Gewicht: 2070 g

x Preis: CHF 739.-

MEISTER-SCHNEIDER

Italienische Schneider geniessen einen hervorragenden Ruf. Made

in Italy – da denken die meisten allerdings an modische Anzüge und

seidene Krawatten der obersten Preisliga. Aber Bergsportbekleidung?

Die muss nicht alle Welt kosten und kann trotzdem herausragend

sein. Beispiel gefällig? Die Isolationsjacke Genesis des italienischen

Alpinspezialisten Montura ist nicht nur ausgesprochen

leicht, sie isoliert auch hervorragend. Sie lässt sich als isolierende

zweite Lage genauso tragen wie als äusserste Schicht. Als Aussenstoff

wird das bewährte Pertex Quantum verwendet, das robust

und gleichzeitig stark wasserabweisend

ist. Darunter hält eine leichte und

feuchtigkeitsresistente Kunstfaserwattierung

die Wärme am Körper.

Ärmelbündchen und Hüftbund

schliessen dank Elast schön ab

und sperren kalte Winde effektiv

aus. Zwei Reissverschluss-

Eingrifftaschen und eine Innentasche

bieten genügend

Stauraum.

MONTURA

GENESIS HOODY W JKT

x Gewicht: 407 g (Grösse M)

ERHELLEND

Die Nao+ von Petzl ist eine wiederaufladbare,

wasserfeste (IPX4) Stirnlampe mit

der bereits bewährten Reactive-Lighting-

Technologie. Dabei steuert ein Sensor automatisch

die Intensität des Lichtkegels:

Bei stark reflektierenden, hellen Flächen

wie Schnee wird die Lichtmenge reduziert,

bei Dunkelheit wird die maximale

Lichtmenge (750 Lumen) abgegeben –

ohne Zutun des Nutzers. Die verschiedenen

Abstrahlwinkel der LEDs ermöglichen

wahlweise weite Fernsicht (max. 140

Meter) oder breite Ausleuchtung des Nahbereichs.

Der Li-Ion-Akku hat eine Kapazität

von 2500 mAh und wird in 6 Stunden

mit einem USB-Kabel aufgeladen. Über

die «MyPetzl Light»-App kann die Stirnlampe

individuell konfiguriert werden.

PETZL

NAO+

x Gewicht: 185 g

x Preis: CHF 179.-

FUSSWELLNESS

Egal, ob während der Arbeit oder in der

Freizeit – wir zwängen unsere Füsse fast

immer in Schuhe. Erstaunlich genug,

dass wir trotzdem kaum je einen Gedanken

daran verlieren, wie wir unsere

Füsse besser unterstützen und mehr

Komfort erzielen könnten. Es wäre relativ

einfach. Mit der Flashfit-Technologie

von Sidas können Einlegesohlen in

kurzer Zeit (5 bis 10 Minuten) individuell

an den Fuss angepasst werden. Der Experte

in jeder Bächli Bergsport Filiale

erwärmt die vorgeformten Sohlen und

gleicht sie dann im Mittelfussbereich an

die Fussform des Kunden an. Jetzt aktuell:

Die Einlegesohlen WINTER+ und WIN-

TER+ Slim Einlegesohlen sind speziell für

den Wintersport ausgelegt und bieten erhöhten

Komfort. Ausprobieren lohnt sich!

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100% SWISSWOOL für beste Isolation.

Ursprung unserer Wolle

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OUT OF ÅRE!

Vor 30 Jahren standen Neonfarben hoch im Kurs auf den

Skipisten. Das wollten drei stilbewusste Skifanatiker ändern

und gründeten deshalb die Marke Peak Performance.

Die neue Ästhetik der Schweden kam an, und die kleine

Marke aus Åre startete ihren globalen Siegeszug.

Die erste «Firmenzentrale» hatte variable Öffnungszeiten.

Oft baumelte ein Schild an der Tür: «Gone Skiing».

Starker Indianer: Das ursprüngliche

Markenlogo erinnerte weder an

Schnee noch an Schweden.

Alles beginnt mit diesem «Man müsste

mal»-Moment. Zwei schwedische Skifanatiker

treffen sich zufällig in einem US-Skiresort,

haben eine gute Zeit im Schnee und

gute Gespräche über Gott und die Welt im

Lift. Ihre Welt ist die Skiwelt. Und mit einigen

Dingen sind sie unzufrieden. Man müsste

eben mal ...

Gedanke setzt sich in den Köpfen fest: Man

müsste mal dringend was anderes machen.

Geblendet von all dem Neonbunten sehnen

sich Peter und Stefan nach klassischer

Schlichtheit. Nach Kleidung, die nicht ins

Auge sticht und dennoch Coolness ausstrahlt.

Geredet wird viel, «Man müsste

mal»-Sprüche fallen ständig. Nur: Man

müsste es eben auch mal durchziehen. Und

das tun die beiden nach ihrer Rückkehr

nach Åre. Der kleine Skiort im Herzen der

schwedischen Berge boomt 1986 gewaltig.

Im Jahr zuvor wurde die von Bernhard Russi

entworfene Weltcup-Piste Störtloppet eröffnet,

die wie die Lauberhornabfahrt mit

einem Russi-Sprung aufwartet. Åre zieht

die schwedischen Skifahrer geradezu magisch

an. So auch Kreativ-Designer Christer

Mårtensson, der die Vision für die Kombination

aus Technizität und Stil teilt. Er schliesst

sich Peter und Stefan an, gemeinsam gründen

sie Peak Performance. Der Name

spricht für sich: Spitzenleistung sollen die

Produkte am Berg bringen.

Neonersatz

Partnercheck

Es ist in Sun Valley/Idaho, wo

Peter Blom, Chefredaktor des

schwedischen Skimagazins

Åka Skidor, auf Stefan Engström

trifft. Der einstige Buckelpisten-Weltmeister

verdient

seine Kronen inzwischen nicht

mehr nur als Athlet, sondern

auch als Handelsvertreter einer

Skibekleidungsmarke. Er

zeigt Peter die neueste Kollektion.

Und die ist – wie im Jahr

1986 so üblich – eine einzige

Farborgie. In identischen Outfits

gekleidet verbringen sie

einige Tage gemeinsam auf

der Piste. Äusserlich strahlend,

aber innerlich von modischen

Zweifeln geplagt. Der

Freeride-Pro Henrik Windstedt

stammt aus Åre und war einer der

ersten Peak-Performance-Athleten.

42 43

Partnercheck


EXPEDITIONEN

Selbst ist der Schwede: Firmengründer

Peter Blom entwickelte die

Bekleidung in erster Linie für sich.

Partnercheck

Von Åre in die Alpen

Funktionalität ist in Åre ein Schlüsselfaktor.

Für Augen, die das felsig schroffe Bild der

Alpen gewohnt sind, mag das kleine Dorf

idyllisch erscheinen, so wie es in die sanfte

Weite Jämtlands gebettet ist. Es liegt auf 370

Metern über Meer und der höchste Berg

Åreskutan notiert gerade einmal 1420 m.

Doch das skandinavische Wetter ist unberechenbar,

die Winde heftig und die Temperaturen

tief. Durchaus perfekte Testbedingungen

also für das ambitionierte Dreiergespann.

So baumelt tagsüber meist das «Off Skiing»-

Schild an der Bürotür, während nachts über

Logo, Stoffe, Schnitt diskutiert und die ersten

Lieferungen gepackt werden. Die Zusammenarbeit

des Teams ist sehr eng. Auch

im Wortsinne – das erste Büro ist gerade

einmal 15 Quadratmeter gross. Peter, Stefan

und Christer denken noch nicht an Wachstum.

In erster Linie wollen sie coole, technische

Bekleidung für sich und ihre Freunde

entwerfen und damit einigermassen über

die Runden kommen. So eröffnen sie stolz

ihren ersten Shop in Åre, ohne annähernd zu

ahnen, wie begehrt ihre Marke bald von Aspen

bis Zermatt sein würde ...

Über die Piste zur Bank

Doch die Zeit ist reif. Es ist Ende der 80er-

Jahre und die Welt ist gesättigt vom künstlichen

Synthiepop-Lifestyle. Die Leute wollen

Grunge statt Glanz, Chucks statt

Aerobic-Stulpen, Karohemden statt Schulterpolster.

Und sie wollen die Sachen der

kleinen Marke Peak Performance. Als das

kleine Postamt von Åre die Bestellungen

der Versandkataloge kaum mehr bewältigen

kann, merken die drei, dass es an der

Zeit ist, den nächsten Schritt zu machen.

Sie müssen die Banken davon überzeugen,

Geld zu investieren. Kein einfaches Unterfangen

in dem traditionell denkenden Åre.

Die Lösung: Sie stecken die Finanzvorstände

in Peak-Performance-Bekleidung

und nehmen sie mit zum Skifahren. Zum

Après-Ski haben sie die Unterschrift der

Kapitalgeber in der Tasche.

Ausserdem holen Peter, Stefan und Christer

mit Kumpel Jonas Ottosson noch einen erfahrenen

Marketing-Mann (und Top-Skifahrer)

an Bord, der sich um die Vertriebswege

kümmern soll. Jonas bringt die Marke nach

Norwegen und Dänemark – und in das erste

nicht-skandinavische Land: die Schweiz.

The Great Outdoors & die Royals

Schon 1995 zählt Peak Performance zu

den bedeutendsten Sportmarken im Heimatmarkt,

1999 sind die Schweden Titelsponsor

der Ski WM in Vail, 2003 in St.

Moritz. Peak Performance geht an die

Börse, expandiert Richtung Japan und

USA, denkt sich den Claim «The Great Outdoors»

aus und erweitert sein Sortiment

kontinuierlich. Die Marke wird mittlerweile

in den Steilhängen der Alpen genauso

getragen wie in den Strassen von

Zürich – oder in den schwedischen und

englischen Königshäusern.

Peak Performance begeht 2016 sein

30-jähriges Jubiläum und eine, die das sicherlich

besonders feiern wird, ist Lena

Claesson. Die Design-Direktorin ist nämlich

selbst seit zehn Jahren Teil der

Marke. «Wobei unsere Beziehung bis in

die Anfänge zurückreicht», wirft die

Schwedin ein. «Ich muss 1986 eine der

ersten Kundinnen gewesen sein. Ich war

ein Teenie und da kam diese neue, kleine

Marke auf, die so anders war, so viel cooler

und mutiger. Das ist ja genau das, was

man als Jugendlicher sucht: eine Inspiration,

die zeigt, dass es da draussen noch

so viel mehr gibt als den etablierten Einheitsbrei.

Dass man Dinge ausprobieren

sollte und alles erreichen kann.» Lena

macht eine Pause und reflektiert: «Na ja,

und es sah einfach verdammt gut aus. Ich

hatte absolut kein Geld und bin meiner

Mutter bis heute noch dankbar, dass sie

mir das Ski-Outfit bestellte.» Jacke und

Hose in Rot trug Lena nicht nur als Teenager,

sondern auch noch als Studentin –

und sie hat sie noch immer: «Allerdings

trage ich inzwischen andere Sachen.»

Sport und Spiele

Es sind 30 Jahre vergangen, seit Lena Peak

Performance kennengelernt hat, aber ihre

Begeisterung für die Marke und ihren Job

hört man aus jedem ihrer Wort heraus: «Ich

konnte mir hier diesen Drang nach vorne

erhalten. Ich denke, das ist einer der wichtigsten

Gründe, warum ich jeden Tag so

SCHNEESPORT

KURSE

TREKKING

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TIEFSCHNEEFIEBER

FREERIDE

NIGHT

7.12.16

Bächli Store Zürich

Einen Abend ganz im Zeichen des Freeridens spendieren Bächli,

Peak Performance und die Skiregion Engelberg: Tiefschnee-Feinschmecker

sollten sich die «Freeride Night» am 7. Dezember im

Bächli Store Zürich nicht entgehen lassen. Die Szene-Stars Sandra

Lahnsteiner und Martin McFly Winkler diskutieren mit den ehemaligen

Rennprofis Marco «Büxi» Büchel und Dominique Gisin über

den Skisport abseits der Pisten. Als zusätzliches Highlight wird

Sandra Lahnsteiner Ausschnitte ihres neuen Films «Shades of

Winter» zeigen. Dazu werden Apero und Bier serviert. Los geht’s

um 19 Uhr in der Binzmühlestr. 80 in Zürich-Oerlikon.

Weitere Informationen unter:

WWW.BAECHLI-BERGSPORT.CH/FREERIDENIGHT

gerne ins Büro gehe. Ich will nicht stillstehen.

Ich will schauen, was noch geht, und Dinge anders

denken. Und das darf ich hier nicht nur.

Nein, ich muss es.» Lena leitet das elfköpfige

Active-Team. Wie sportlich aktiv geht’s denn

im Büro zur Sache? «Schon sehr. Dienstags

machen wir Yoga, freitags ist allgemeines

Training angesagt.» Lena macht eine Pause,

«Gemeinsam Sport zu betreiben prägt uns als

Team einfach auch sehr stark. Wir fahren zusammen

in unsere Berghütte in Åre oder mieten

uns in Verbier zur Freeride World Tour ein

Haus für das ganze internationale Team. Wir

kochen und essen zusammen, reden viel und

machen Spiele, wo ich meist verliere.»

Nadelstreifen für die Steilwand

Apropos Verbier und Team: Peak Performance

wurde nicht nur von erstklassigen

Skifahrern gegründet, sondern hat im Laufe

der Jahre auch ein starkes eigenes Athletenteam

aufgebaut. Bereits im Jahr 2000

stiess Freerider Henrik Windstedt zur

Marke, er trägt Peak Performance genauso

wie seine österreichische Kollegin Sandra

Lahnsteiner. In Sachen Entwicklungsarbeit

redet Lena von den Athleten wie von Arbeitskollegen.

Ist der Input tatsächlich so

gross? «Ja, absolut. Wir haben sie nicht nur

regelmässig hier vor Ort, wir skypen auch

viel. Inzwischen nehmen sie sogar Videos

auf, um zu zeigen, was sie sich vorstellen.

Und wo welches Detail noch fehlt. Zum Beispiel,

damit die Jacke auch 100 Prozent perfekt

auf das Tragen mit Lawinenrucksack

abgestimmt ist.» Die Heli-Line trägt deutlich

den Schriftzug der Freeskier, aber die

Nadelstreifen-Optik trifft zugleich auch in

den modisch modernen Kern der Marke.

Spagat und Tanzeinlagen

Womöglich hilft das dienstägliche Yoga

dem Team um Lena dabei, auch in der Entwicklungsarbeit

den ambitionierten Spagat

hinzubekommen zwischen dem funktionellen

Anspruch der Extremsportler und der

modischen Ausrichtung. Die beiden Seiten

zusammenzubringen war vor 30 Jahren der

Antrieb für das Trio in Åre und ist bis heute

die grosse Herausforderung. «Am liebsten

wäre mir natürlich, dass die Leute ständig

Peak Performance tragen. Also müssen

wir etwas schaffen, das zu allen Anlässen

passt. Am Berg genauso wie im Alltag. Das

heisst: technische Materialien, progressive

Schnitte, cleane Silhouette. An dieser modernen

Multifunktionalität feilen wir Tag

und Nacht.» Das klingt nach brutalen Arbeitszeiten.

Lena lacht: «Ja, vergangene

Woche kamen wir zum Beispiel erst um

drei Uhr aus dem Office.» Es folgt eine

lange Sprechpause bis sie aufklärt: «Irgendjemand

kam am Feierabend auf die

Idee, für das Jubiläum den perfekten

Soundtrack zusammenzustellen. Die besten

Songs der letzten 30 Jahre. Es wurde

sehr viel diskutiert, gesungen und getanzt.

Um drei Uhr waren wir dann endlich im

Jahr 2016.» Für ihren persönlichen Soundtrack

muss die Kreativdirektorin nur die

letzten 10 Jahre nach Liedern durchforsten.

Wobei sie aktuell natürlich schon wieder

viel weiter ist: Sie sitzt gerade an der

Kollektion für die Saison 2018/19.

TEXT: SISSI PÄRSCH

FOTOS: ZVG/OSKAR ENANDER

SWATCH FREERIDE WORLD TOUR

Freeriding und Peak Performance – das passt! Wenig erstaunlich, dass

die Schweden als Textilpartner die prestigeträchtigste Wettkampfserie

unterstützen. Die fünfteilige Serie startet Ende Januar in Chamonix

und endet Anfang April mit dem legendären Verbier Xtreme.

www.freerideworldtour.com

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funktioniert wie eine zweite Haut und sorgt so für ein

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«SCHUBLADE AUF UND

RAN AN DIE BULETTEN»

Seil statt Surfbrett, Skitour statt Snowboard: Markus Villiger

(48) aus Rothenburg bei Luzern wechselte vom Fun- zum

Bergsport. Spass hat er immer noch. Seine Ziele plant er teils

über Jahre – bis er blitzschnell zuschlägt.

Bergkamerad

«Ich bin überhaupt kein Peakbagger. Ich mag

das nicht. Bei uns gibt es so feine Dreitausender,

wie das Bietschhorn, die teils viel

schwieriger sind als Viertausender, auf die

man einfach rauflatscht. 20, 30 Mal hab ich es

vorher angeschaut. Es sieht einfach nur geil

aus, wie ein Haifischzahn. Aber keine 4000

Meter hoch. Da wollen die wenigsten rauf.

Genau das hat mich gereizt. Dort auf dem

Gipfel zu stehen, war eine der tiefsten Befriedigungen,

die ich seit Langem erlebt habe.

Nach den üblichen Bergtouren mit den Eltern

gab es eine lange Pause. Ich habe mich

jahrelang mit Surfen begeistert, bis ich die

Schnauze voll hatte vom Warten auf den

guten Wind. Es hat mich nach festem Untergrund,

nach Fels und Stein gedürstet.

Freunde haben mich zum Sportklettern

mitgenommen, und es hat sofort gepasst.

Ich wollte bald mehr, als nur den 5er hochschrubben;

Routen klettern, die mich mehr

herausforderten. Also habe ich meine

komplette Energie ins Sportklettern gesteckt.

Zusammen mit Freunden haben wir

sogar einen alten Trafo-Turm entkernt und

einen Indoor-Kletterturm daraus gemacht,

das war vor 20 Jahren. Das Ziel war, eine

günstige Klettermöglichkeit für die Jugend

zu schaffen, denn so etwas gab es in der

Region nicht. Heute trainieren wir dort immer

noch.

Mein Sohn ist sechs. Gerade ist er wahnsinnig

gerne draussen, aber wenn er am Ende Balletttänzer

wird, dann ist es halt so. Natürlich

denkt man anders, wenn man ein Kind hat.

Aber wenn man nach der Geburt etwas am

Bergsport umstellen muss,

dann hat man es davor

schon nicht korrekt gemacht.

Ich suche trotzdem

noch meine Herausforderungen

und den Ausgleich.

Ich habe viele Ideen, die ich

tischfertig ausarbeite. Ergibt

sich plötzlich die

Chance, dass ich mich von der Familie wegreissen

kann, und dazu das Wetter stimmt,

dann greife ich – zack – in die Schublade, rufe

Kumpel XY an und dann ran an die Buletten.

Da bin ich ein Lust-und-Laune-Mensch.

Bei Bächli schätze ich die grosse Bergkompetenz

und dass die Leute Lust haben und in

der Lage sind, mich zu beraten. Wenn einer

etwas nicht weiss, gibt es einen anderen,

der dort Erfahrungen hat und mir Tipps geben

kann. Da ich selbst früher im Bergsporthandel

gearbeitet habe, kann ich das,

glaube ich, ganz gut einschätzen.

Mein Hausberg ist ganz klar der Pilatus. Da

kann man am gleichen Berg alles haben an

Sportarten. Früher wollte ich dort unbedingt

etwas selbst einbohren. Ich habe nahezu

sämtliche Wände dort abgecheckt, bin

abgeseilt und abgeklettert. Gebohrt habe

ich aber nichts, dazu war die Zeit noch nicht

reif. Es hätte schon noch Platz gehabt, aber

das Eisen wäre wohl eher verrostet, als

dass jemand die Tour wiederholt hätte. Das

wäre ja auch schade gewesen.»

TEXT: THOMAS EBERT

FOTO: SOULRIDER

48

Impressum

«Inspiration», die Kundenzeitschrift der

Bächli Bergsport AG, erscheint 4 x jährlich

und ist in allen Filialen kostenlos erhältlich.

Auflage: 90’000 Exemplare

Herausgeber

Bächli Bergsport AG

Gewerbestrasse 12, 8606 Nänikon

Telefon 0848 448 448 (8 Rp./Min.)

E-Mail info@baechli-bergsport.ch

Redaktion & Layout

outkomm gmbh

Eichbergerstrasse 60, 9452 Hinterforst

Telefon 071 755 66 55

E-Mail info@outkomm.com

Druck

Bruhin AG

Pfarrmatte 6, 8807 Freienbach

Telefon 055 415 34 34

E-Mail info@bruhin-druck.ch

Copyright

Alle Beiträge sind urheberrechtlich

geschützt. Jede Verwendung ist ohne

Zustimmung des Herausgebers unzulässig

und strafbar. Das gilt insbesondere für

Vervielfältigungen, Übersetzungen und die

Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen

und multimedialen Systemen.


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