s'Positive Magazin 03.2017

onexmagazin

AUSGABE 3 MÄRZ 2017

Pius Schwizer

PFERDE-

NARR

Beim erfolgreichen Springreiter

aus Oensingen stehen

die Pferde in Sport, Beruf

und Freizeit im Zentrum.

VERKAUFSSTRATEGIE

Supermärkte sind

die perfekten Orte der

Kunden-Verführung.

REICHES LAND

Die Geschichte des

Oberaargaus: Ein

Wirtschaftswunder.

INTERVIEW

Wie Dominique

Aegerter den «Lüthi-

Komplex» überwindet.


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EDITORIAL / INHALT

Liebe Leserin,

lieber Leser

4

Immer wieder mal fragen wir uns, weshalb

gerade wir so viel haben und andere nicht.

Weshalb fliesst bei uns das Wasser aus

dem Hahn, und andere müssen stundenlang

laufen, um welches zu holen? Warum

gibt es diese Diskrepanz zwischen armen

und reichen Ländern, armen und reichen

Menschen? Ist, dass es uns gut geht, allein

unserem Fleiss und unserer Cleverness

zuzuschreiben? Haben wir alles nur unseren

Vorfahren zu verdanken? Oder spielen

da auch andere Faktoren eine Rolle? Klaus

Zaugg ist dem Umstand nachgegangen,

weshalb der Oberaargau eine der reichsten

Gegenden der Welt ist – und er hat Antworten

gefunden.

Ein Grund, dass es uns so gut geht, ist

eine gut geölte Wirtschaft. Je besser sie

läuft, desto besser geht es uns allen. Dabei

spielt auch der Privatkonsum eine grosse

Rolle. Da unser Wirtschaftssystem auf

Wachstum ausgelegt ist, müssen Firmen

von Jahr zu Jahr grössere Umsätze generieren.

So auch die Einkaufszentren. Was

die alles unternehmen, um ihre Kunden

dazu zu bringen, immer noch mehr auszugeben,

erfahren Sie in diesem Heft.

Sehr viel Gespür braucht es im Umgang

mit Tieren. Vor allem dann, wenn wir wollen,

dass sie Leistung erbringen. Am besten

geht dies, wenn das Tier Spass hat an dem,

was es tut. Pius Schwizer ist einer der weltbesten

Reiter. Er verdankt alles, was er

hat und ist, seiner Fähigkeit, mit Pferden

umzugehen. Er erzählt uns im grossen

Interview, um was es dabei geht.

Viel Spass beim Lesen

Ihr Bruno Wüthrich

IMPRESSUM

Herausgeber: one X Services

Redaktion: Bruno Wüthrich,

Klaus Zaugg

Layout: tnt-graphics AG,

8305 Dietlikon,

www.tnt-graphics.ch

Auflage: 69 000 Exemplare

Druck: LZ Print,

Luzerner Zeitung AG

Versand: Die Post

Inserate-Annahme und Redaktion:

inserate@spositive.ch

10

4 PFERDEFLÜSTERER

Pius Schwizer zählt zu

den besten Springreitern

der Welt. Der in Oensingen

wohnhafte Pferdehändler

gibt im Interview Auskunft

über seine Arbeit.

10 NEUE LÄDEN

Der Supermarkt von heute

ist eine durchorganisierte

Welt, in der die Kunden bewusst

und unbewusst zum

Kaufen animiert werden.

18 SCHARF ALTERN

Chili soll das leben verlängern,

heisst es in einer chinesischen

Studie, bei der

die Essgewohnheiten von

einer halben Million Menschen

protokolliert wurden.

20 PRIVILEGIERTE REGION

Der Oberaargau ist eine

der reichsten Landschaften

der Welt. Die Geschichte

der wirtschaftlichen Entwicklung

zeugt davon.

28 DIE FORMFRAGE

In welcher Verfassung ist

Dominique Aegerter, der

kürzlich zum Team der Gebrüder

Kiefer gewechselt

hat?

34 DIE SEITE DER LESER

Leserbriefe, Veranstaltungskalender,

Impressum.

20

28

18

s’Positive 3 / 2017 3


PIUS SCHWIZER

«Eine Höchstleistung

ist nur in Harmonie

mit dem

Pferd möglich.»

Vom Bauernhof zur

Nr. 1

der Welt

Er schaffte es als einfacher

Bauernbub zum weltbesten

Reiter. 2010 belegte er

während fünf Monaten den

1. Rang in der Weltrangliste.

Seine Leidenschaft für Pferde

und fürs Reiten erbte Pius

Schwizer von seinem Vater,

der selbst nicht Reiter werden

durfte.

TEXT: KLAUS ZAUGG, BRUNO WÜTHRICH

Wir trafen Pius Schwizer auf

Stall Klushof bei Oensingen,

wo nicht nur Spitzenpferde

trainiert und «normale»

Pferde in Pension

genommen werden, sondern auch mit Pferden

gehandelt wird. Sport- und Freizeitreitern

wird ein umfassendes Angebot mit Top-

Trainingsmöglichkeiten geboten. Rund 70

Pferde werden aktuell von 15 Fachleuten

betreut, die alle ein «Gspüri» für die Tiere

haben müssen, wie Pius Fischer betont.

s’Positive: Sie gehören zu den besten

Springreitern der Welt. Wir kennen den

Film «Pferdeflüsterer». Können Sie mit

den Pferden sprechen?

Pius Schwizer: Nein. Aber ein Reiter muss

eine Beziehung zu seinem Pferd aufbauen.

Wie tun Sie das? Mit Worten? Mit Zucker

und Rüebli?

Wenn es so einfach wäre, würden wir Lastwagen

mit Rüebli bestellen. Am besten funktioniert

das Prinzip Zuckerbrot und Peitsche.

Ein Pferd ist wie ein Elefant. Wenn es wüsste,

wie kräftig es ist, hätten wir keine Chance.

Ein Pferd soll Respekt, aber keine Angst

haben. Das bedeutet, dass ich nicht immer

flattieren kann. Frauen machen oft den Fehler,

dass sie ihren Pferden ständig flattieren

und dann klagen, dass es sich nicht mehr

weiterentwickelt. Andererseits ist es aber

auch nicht möglich, etwas zu erzwingen.

Eine Höchstleistung ist nur in Harmonie mit

dem Pferd möglich. Wer mit Pferden arbeitet,

muss ein gutes Gespür für die Tiere mitbringen.

Jedes Pferd hat seine ganz eigene

Persönlichkeit, keines ist gleich wie das andere

und der Weg zur Harmonie gleicht oft

einem Irrgarten.

Gibt es kluge und weniger kluge Pferde?

Ja, so wie es kluge und dumme Menschen

gibt. Kluge Pferde spüren selber, wenn sie

bei einem Springen nicht gut waren und stehen

bedrückt in ihrer Box. Wenn sie gut wa-

Foto: Marcel Bieri

4 s’Positive 3 / 2017


en, zeigen sie Selbstvertrauen in ihrer Körpersprache.

Sind Hengste schwieriger zu führen als

Stuten oder Wallache?

Der Hengst will der Chef sein, und ich muss

ihn Chef sein lassen.

Das stellen wir uns schwierig vor. Bei uns

Menschen bringen wir eventuell einen

Chef durch Manipulation dazu, das zu

wollen und anzuordnen, was wir auch

wollen. Aber bei einem Hengst?

Ein Hengst bleibt beim Ausreiten gerne mal

stehen und schnuppert am Kot eines anderen.

Dann muss ich gewähren lassen. Er darf

auch kleine Gewohnheiten haben. Ich darf

nicht versuchen, ihn zu zähmen wie einen

Tiger, wie ein Raubtier. Hengste haben sehr

viel Energie und Kraft und es geht darum,

diese zu kontrollieren. Das ist ein sehr langer

Lernprozess.

Wann sollte man mit einer Reiterkarriere

beginnen?

Es ist ähnlich wie im Fussball oder einem

anderen Sport. Je früher, desto besser. Am

besten ist es, schon als Kind auf eine ganz

natürliche Weise mit Tieren, mit Ponys beispielsweise,

vertraut zu sein.

Das war bei Ihnen der Fall?

Ich bin auf einem Bauernhof im Vogelsang

bei Eich aufgewachsen. Mein Vater wäre

gerne Reiter geworden. Aber er durfte nicht.

Sein Vater war der Meinung, Pferde seien in

erster Linie zum Arbeiten da. Umso mehr hat

mich mein Vater bei meiner Reiterkarriere

unterstützt und mich früh zu den richtigen

Reitlehrern geschickt. Damit ich das erreichen

kann, wovon er nur träumen durfte. Er

hat mich auch den Respekt vor den Pferden

gelehrt. Wenn ich einmal ein Pferd als «Bock»

bezeichnet hätte, wäre mir eine doppelte

Ohrfeige sicher gewesen.

Wie sind Sie aus dem Luzernischen auf

den Klushof in Oensingen gekommen?

Schon bald nach meiner Metzgerlehre habe

ich mein Hobby zum Beruf gemacht. Bald

s’Positive 3 / 2017 5


PIUS SCHWIZER

brauchte ich mehr Platz und Armin Übelhard

hat mir angeboten, auf seinen Hof an der Klus

zu kommen. Ein Glücksfall für mich. Wir verstehen

uns sehr gut, ein Wort ist ein Wort und

wir mussten nicht einmal Verträge machen.

Sie bestreiten Turniere in Asien, in Nordamerika,

in Europa – wie sieht der Alltag

eines Spitzenreiters aus?

Das Training und der Alltag mit den Tieren

bedeuten sehr viel Arbeit. Wir haben hier

70 Pferde, darunter etwa 20 Hochleistungspferde,

die von 15 Leuten betreut werden.

Die Anforderungen an unser Team sind hoch,

denn bei so viel Tieren ist an sieben Tagen

in der Woche und während 24 Stunden pro

Tag ständig etwas los. Pferde lassen sich

nicht einfach für ein paar Tage zur Seite stellen

wie ein Auto. Nach einem solchen Arbeitstag

brauche ich kein zusätzliches Fitnesstraining

mehr.

Sie reiten Spitzenpferde. Die kosten über

eine Million.

Die Spitzenpferde gehören nicht alle mir.

Einige gehören Sponsoren, bei anderen bin

ich Mitbesitzer. Das bedeutet allerdings

auch, dass ich nicht alleine entscheiden

kann, ob ein Pferd verkauft wird oder nicht.

Gehört das Pferd einem Sponsor, entscheidet

er sogar allein über den Verkauf. Es ist eine

Kunst, den richtigen Augenblick zum Verkauf

zu erkennen. An einem Tag kann ein

Pferd nach einer Spitzenleistung mehr als

eine Million bringen – und am nächsten Tag

kann es sich verletzen und hat keinen Wert

mehr oder es bringt seine Leistungen nicht

mehr und stagniert. Als Sportler möchte man

ein Spitzenpferd natürlich behalten, als Geschäftsmann

hingegen etwas verdienen und

drängt auf einen Verkauf.

Aber das beinhaltet das Risiko, dass ein

Pferd im für Sie wahrsten Sinne des Wortes

dümmsten Moment verkauft wird. Ist

dies aus sportlicher Sicht nicht eine grosse

Gefahr?

Dies ist schon geschehen. Einmal wurde mir

ein Pferd, mit dem ich an der Olympiade Medaillenchancen

gehabt hätte, quasi unter dem

Hintern weg verkauft. Das Pferd war dann

nicht an Olympia, weder mit mir noch mit

dem neuen Reiter. Der Sponsor bekam

Schwierigkeiten mit seinem Kunsthandel und

musste deshalb verkaufen. Doch alles lief

korrekt und anständig ab. Aber ich verlor da-

«Noch vor 20 Jahren konnte man

mit Talent sehr weit kommen.

Heute ist der Erfolg nur noch mit

konsequenter Arbeit möglich.»

Pius Schwizer

mit Nobless M an

den Olympischen

Spielen 2008.

durch nicht nur dieses eine Pferd, sondern

noch vier weitere. Plötzlich stand ich fast

ohne Spitzenpferde da. Der Reiter ist immer

nur so gut wie seine Pferde. Bin ich bei einem

Pferd Mitbesitzer, habe bei einem Verkauf

auch ich selbst ein Wort mitzureden.

Können Sie diese Pferde versichern?

Nein, es ist nicht möglich, diese Risiken zu

versichern – oder wenn,

dann zu horrenden Prämien.

Ich kaufe Pferde,

bevor sie Spitzentiere

sind, beispielsweise für

12 000 Franken, und

bilde sie aus. Wenn

dann etwas passiert,

hält sich der Schaden in

Grenzen.

Erlauben Sie uns als Pferdelaien eine ganz

banale Frage: Kann ein Beinbruch bei einem

Pferd heilen?

Nein, ein Beinbruch bedeutet in den meisten

Fällen das Ende des Pferdelebens, weil es das

verletzte Bein nicht entlasten kann. Es ist

schon alles versucht worden, beispielsweise,

das behandelte Pferd mit Hilfe von Gurten

und einem Flaschenzug so aufuzuhängen,

dass der Bodenkontakt vermindert oder zum

Teil auch gänzlich verhindert wird. Doch das

ist eine Quälerei und führt bloss zu Verletzungen

durch Aufscheuern der Haut.

Sie bilden junge Pferde aus, die Sie später

verkaufen – im Fussball oder im Eishockey

wären Sie ein Ausbildungsklub.

Ein guter Vergleich. Ich bilde nicht nur eigene

Pferde aus, die mir gehören. Besitzer

Fotos: wikimedia.org/Craig Maccubbi

6 s’Positive 3 / 2017


«Ich habe es

geschafft, als

Bauernbub in die

Weltspitze zu

gelangen.»

Das ehemalige Spitzenpferd Ulysse ist

auch mit Zwanzig noch gut in Form.

bringen ihre Pferde auch zur Ausbildung zu

mir und ich setze diese bei Turnieren ein.

Wenn dann ein Pferd verkauft wird, werde

ich als Entschädigung für meine Ausbildungsarbeit

prozentual beteiligt. Vier Olympiasieger

setzen heute Pferde ein, die ich hier

ausgebildet habe.

Wann erkennt man, dass ein Pferd zu Spitzenleistungen

fähig ist?

Das Talent zeigt sich so ab drei Jahren. Zwischen

sechs und acht Jahren folgt die Entwicklung

zum Spitzenpferd. Aber es ist auch

möglich, dass ein achtjähriges Spitzenpferd,

das mehrere Millionen kostet, auf einmal

stagniert und innert kürzester Zeit seinen

Pius Schwizers

Trophäensammlung.

Wert verliert. Deshalb ist es besser, Pferde

jung zu kaufen und auszubilden. Das wirtschaftliche

Risiko ist dann viel geringer, als

ein «fertiges» Spitzenpferd zu kaufen. Der

Markt ist heute so, dass Pferde entweder sehr

billig oder sehr teuer sind. Ein Amateur will

nicht mehr so viel Geld ausgeben und die

Spitzenreiter haben heute oft sehr reiche

Leute als Sponsoren, die mehrere Millionen

für ein internationales Spitzenpferde bezahlen.

Aber eine Mittelklasse, also Pferde für

40 000 bis 80 000 Franken, gibt es heute fast

nicht mehr.

Welche Eigenschaften sind, neben Talent

natürlich, ganz besonders wichtig?

Fleiss und Ausdauer. Noch vor 20 Jahren war

es möglich, allein mit Talent sehr weit zu

kommen. Heute gibt es weltweit so viele

gute Reiter, dass der Erfolg nur mit konsequenter

Arbeit möglich ist. Die Ausbildung

eines Pferdes muss heute umfassend sein,

jedes Springpferd ist eigentlich auch ein bisschen

ein Dressurpferd. Bei den Parcours ist

die Höhe der Hindernisse limitiert. Deshalb

machen die Parcoursbauer die Differenz

eher mit unterschiedlichen Abständen zwischen

den Hindernissen und mit schwierigen

Kombinationen. Der Reiter muss mit dem

Pferd den Rhythmus wechseln, abbremsen

und wieder beschleunigen.

Sie waren 2010 die Nummer 1 der Welt.

Wie fühlte sich das an?

Das war ein Supergefühl. Und zwar aus dem

einfachen Grund, weil ich es geschafft hatte,

aus einfachen Verhältnissen kommend, dank

meines Fleisses und meines Talents als Reiter

die Nummer 1 zu werden. Heute wäre

dies mit meinen damaligen Möglichkeiten

nicht mehr denkbar.

Ihre damaligen Spitzenpferde waren Ulysse

und Carlina. Die Namen dürften selbst

Reitsport-Laien schon gehört haben.

Ulysse war ein Phänomen. Er war eigentlich

ein Speedpferd und ich formte ihn

zu einem Grandprix-Pferd. Eigentlich ist

Ulysse über seine Verhältnisse gesprungen.

Meine Art zu reiten half ihm, Unmögliches

zu schaffen. Ich erhielt ihn

erst, als er schon 11-jährig war mit dem

Hinweis, das sei ein gutes 145er-Pferd,

schnell, und man könne viel gewinnen

(gemeint waren damit eher die kleineren

Prüfungen, nicht die Grand Prix’, die

Red.). Doch ich fühlte bald, dass etwas in

diesem Tier steckte. Dass es mehr kann,

wenn man es ruhiger reitet. Aber ich hatte

zu dieser Zeit auch andere gute Pferde.

Neben dem von Ihnen erwähnten Spitzenpferd

Carlina auch noch Nobless M.

Und was ist aus Ulysse geworden?

Der ist immer noch bei mir. Heute ist er

20-jährig und springt immer noch 140er-

Hindernisse. Ich kaufte ihn nach seinem

Rückzug aus den ganz grossen Springkonkurrenzen

seinem Besitzer ab. Dieser wollte

ihn zwar eigentlich gar nicht verkaufen,

sondern ihn seiner Freundin zum Reiten geben.

Ich sagte ihm, dass er das dem Pferd

nicht antun könne. Ich wusste nämlich, wie

seine Freundin reitet und ich beschwor ihn,

doch zu bedenken, was wir diesem Pferd

alles zu verdanken hätten. So einigten wir

uns schliesslich auf den Kaufpreis von 30 000

Franken. Ulysse geht es gut.

Sie gewannen 2008 mit der Mannschaft

bei den Olympischen Spielen die Bronzemedaille,

Sie waren 2010 die Nummer 1

der Welt, aber bei den Spielen von 2016

s’Positive 3 / 2017 7


PIUS SCHWIZER

ZUR PERSON

Pius Schwizer

Pius Schwizer (*13. August 1962)

ist einer der besten Springreiter

der Welt. 2010 war er vom Feb ruar

bis Juni sogar die Nummer 1 der

Weltrangliste («Ein sehr schönes

Gefühl und eine grosse Genugtuung,

dass es mir als einem Reiter aus

einer ganz normalen Bauernfamilie

gelungen ist, so weit zu kommen»).

2008 gewann er mit der Schweizer

Equipe bei den Olympischen Spielen

Bronze, 2009 EM-Gold. Seit

Anfang der 2000er-Jahre hat er als

selbstständiger Partner des Inhabers

seine Basis auf dem Klushof in

Oensingen (www.piusschwizer.ch)

wo er auch wohnt. Der 54-Jährige,

der nicht nur Springreiter, sondern

auch Pferdehändler ist, fokussierte

sich in den letzten Jahr darauf,

junge Pferde an die Welt spitze heranzuführen.

Schwizer hat sich im

Februar von seinem Spitzenpferd

PSG Future getrennt. Sein Ziel sind

die nächsten Olympischen Spiele.

Das Pferd dafür hat er bereits.

in Rio waren Sie nicht mehr dabei. Haben

Sie den Traum vom Olympiasieg auf -

ge geben?

Nein, nein. Ich war 2016 nicht dabei, weil

ich kein Pferd hatte, das gut genug war. Mein

nächstes Ziel sind die Spiele von 2020.

Dann werden Sie bereits 58jährig sein…

…aber noch nicht zu alt. Nick Skelton wurde

letztes Jahr in Rio mit 59 Olympiasieger. Er

ist zuvor mindestens fünfmal als Favorit bei

Olympischen Spielen gescheitert, hat nie aufgegeben

und es schliesslich doch geschafft.

Das stimmt mich zuversichtlich. Es ist eben

sehr, sehr schwierig, an einem ganz bestimmten

Tag eine Spitzenleistung abzurufen. Der

Reiter und das Pferd müssen in Form sein und

zu einer Einheit verschmelzen.

In Rio haben wir letztes Jahr wahrscheinlich

eine Medaille vergeben, weil Equipenchef

Andy Kistler nicht Janika Sprunger

sondern Romain Duguet fürs Einzel nominierte.

Es gab eine lebhafte Polemik

rund um diese Nomination. Uns

interessiert Ihre Meinung:

War es tatsächlich ein

Fehlentscheid?

Kritik im Nachhinein ist

zwar billig. Trotzdem:

Ja, es war ein Fehlentscheid.

Weil sich Equipenchef

Andy Kistler gegen

Coach Thomas Fuchs, der auch Romain

Duguets persönlicher Trainer ist, nicht

durchsetzen konnte?

Dazu sage ich nichts.

Bleiben wir beim Sport, aber ohne zu polemisieren.

Sie reisen mit Ihren Pferden

auch zu Turnieren in Asien oder Übersee.

Wie funktioniert der Transport?

Die europäischen Reiter bringen ihre Pferde

mit ihren Transportern nach Lüttich in Belgien,

wo ein Militärflugplatz für Pferdeflüge

eingerichtet ist. Von dort aus werden die

Mit Coolgirl gewann

Schwizer 2012 das

Equita in Lyon.

Tiere mit dem Flugzeug transportiert. Auch

das Flugzeug ist speziell für die Pferde eingerichtet.

Und das verkraften die Pferde?

Ja, ich habe mit meinen Pferden noch nie

Probleme gehabt. Jedes Pferd hat seine Box

und zudem begleitet ein Tierarzt den Flug.

Überseeflüge sind für ein Pferd angenehmer

als eine Reise auf der Strasse. Ein Flugzeug

startet und fliegt dann stundenlang gleichmässig.

Auf der Strasse muss man immer

wieder bremsen und beschleunigen.

Und die Kosten?

Die Reiter werden zu diesen Turnieren eingeladen

und der Organisator übernimmt die

Kosten.

Sie haben als Ziel die Olympischen Spiele

2020 in Tokyo. Die Ausbildung eines Spitzenpferdes

dauert Jahre. Wir sehen hier

auf dem Klushof viele wunderbare Tiere.

Ist darunter bereits das Pferd, das Sie

2020 zur Goldmedaille tragen kann?

Ja. Aber welches Pferd es ist, bleibt mein

Geheimnis.

Und was braucht es, um an Olympia

eine Medaille zu gewinnen?

Es braucht ein Ausnahmepferd

und einen Ausnahmereiter, und

beide müssen am Tag X in Hochform

sein. Dies ist eine grosse

Herausforderung, denn Tiere sind keine

Maschinen.

Fotos: wikimedia.org/OndRond

8 s’Positive 3 / 2017


ei uns

eine saubere

Sache!

Fahrzeugkosmetik

Die Pneu Boesiger AG bietet Ihnen professionelle Autopflege, Hochglanz und

Sauberkeit vom Spezialialisten. Bei uns werden sowohl neue wie auch gebrauchte

Fahrzeuge für den Verkauf respektive die Vermietung aufbereitet.

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EINKAUFS-PSYCHOLOGIE

So funktioniert ein

umsatzstarker

SUPER-

MARKT

Die Konkurrenz wird immer härter.

Detailhandelsketten müssen – wie andere Firmen

auch – immer wachsen und mehr Umsatz

generieren. Wie bringen die Händler ihre

Kunden dazu, immer mehr zu kaufen?

TEXT: BRUNO WÜTHRICH

Stellen wir uns vor, wir könnten günstig

einen Supermarkt übernehmen,

den die Eigentümer verkaufen, weil

er nicht gut genug lief. Der Supermarkt

ist gross, befindet sich an guter Lage,

und er bietet ein breites Sortiment von Qualitätswaren

zu guten Preisen an. Wir fragen

uns deshalb, weshalb dieser Laden nicht

genügend Umsatz generieren konnte. Diese

Analyse ist für uns überlebenswichtig. Denn

wenn wir das Problem nicht lösen, wird es

nicht lange dauern, bis wir uns an exakt

derselben Stelle befinden wie die Vorbesitzer.

Nämlich da, wo wir den Laden übergeben

müssen. Unsere erste Grob analyse

ergibt: An der Anzahl Kunden liegt es nicht.

Weil der Laden günstig liegt, kommen viele

vorbei, um hier einzukaufen. Aber sie kaufen

zu wenig ein.

Dabei haben wir doch alles schön eingeordnet.

Die Ware ist präsentabel aufgestapelt.

Die Wege durch den Laden sind übersichtlich

und kundenfreundlich kurz gehalten.

Die Kunden finden schnell, was sie

Foto: shutterstock.com/LADO

10 s’Positive 3 / 2017


Wo und wie

welche Waren präsentiert

werden,

ist entscheidend.

s’Positive 3 / 2017 11


EINKAUFS-PSYCHOLOGIE

«Nicht übersichtlich soll unser

Supermarkt sein, sondern ein

wahrer Hindernisparcours. Unser

Laden wird zur Bremszone. Dies

beginnt bereits beim Eingang.»

suchen. Unser Supermarkt geniesst deshalb

einen guten Ruf und die Kunden kommen

gern. Aber nochmal: Sie kaufen zu wenig.

Nehmen wir an, wir lassen uns beraten.

Aber wen ziehen wir da bei? Bei grossen

Warenhausketten sorgen Psychologen, Verhaltensforscher,

Neurowissenschafter und

Marketingexperten dafür, dass in den Filialen

eine Einkaufsumgebung herrscht, die das

Kaufverhalten der Kundinnen und Kunden

begünstigt. Denn sie wissen: Mit geschickten

Massnahmen kann man Menschen dazu

bringen, bis zu drei Mal so viel einzukaufen,

wie geplant. Bis zu zwei Drittel aller Waren,

die im Einkaufswagen landen, sollten nicht

auf dem Einkaufszettel stehen. Wie bringen

wir die Menschen in unserem Laden dazu,

mehr zu kaufen, als sie brauchen?

Das Beraterteam macht sich ans Werk

und was es uns präsentiert, haut uns aus den

Socken. Nicht übersichtlich soll unser Supermarkt

sein, sondern ein wahrer Hindernisparcours.

Nix da mit schnellem Einkauf.

Unser Laden wird zur «Bremszone». Dies

beginnt bereits beim Eingang. Die Schiebetüren

werden auf langsam gestellt. Wer eintreten

will, soll ein erstes Mal gebremst werden

und innehalten. Es ist also kein Defekt,

wenn sich die automatischen Schiebetüren

quälend langsam öffnen. Das ist gewollt!

Unsere Berater schlagen vor, im Eingangsbereich

eine Bäckerei zu installieren

und die Kunden mit frischen Backwaren zu

empfangen. Die Empfehlung geht sogar noch

weiter: Die Abluft aus dem Backofen sollen

wir gekühlt wieder in den Laden blasen, um

mit dem angenehmen Geruch gute Laune zu

verbreiten und den Menschen Appetit zu

machen. Wer gut gelaunt ist und Appetit hat,

kauft mehr. Der Backshop verführt mit Brötchenduft

zum ersten Extrakauf. Kinder wollen

einen Nussgipfel und eine Butterbrezel.

Warum fallen Menschen auf solch simple

Tricks so bereitwillig herein? Was Verhaltensökonomen

herausfinden, macht viele Wirtschaftswissenschaftler

nervös. Die gehen

nämlich davon aus, dass sich Menschen im

Wirtschaftsleben vorhersehbar rational verhalten

und nennen den perfekten Geschäftsmenschen

«Homo oeconomicus». Bevor

dieser ein Geschäft tätige, sammle und analysiere

er alle wichtigen Daten, um anschliessend

eine vernünftige Entscheidung zu

treffen, die für ihn selbst oder seine Firma

optimal sei. Doch dies ist Theorie. Mit der

Praxis hat dies nichts zu tun. Im Privatleben

handeln Menschen eher unvernünftig. Sie

kaufen Sachen, die sie nicht brauchen und

machen Geschäfte, die ihnen schaden. Unser

Gehirn sorgt dafür, dass wir irrational handeln

und leicht zu manipulieren sind.

VIELES LÄUFT UNBEWUSST

Nach der Bäckerei geht es in die Obst- und

Gemüseabteilung. Eine spezielle Beleuchtung

und aromatisierte Luft aus unauffälligen

Belüftern sollen für Marktatmosphäre

sorgen und Frische demonstrieren. Die Shopper,

wie die Kunden im Fachjargon heissen,

halten sich in dieser Abteilung im Schnitt

fast zwei Minuten lang auf, sechs mal länger

als vor dem Kühlregal.

Um Überlastungen zu vermeiden, weigert

sich unser Gehirn, jede einzelne Entscheidung,

die wir treffen, vollständig zu

durchdenken. Es entwickelt Abkürzungen

(Shortcuts). In der Forschung

wird dies Heuristik

genannt, ein grobes

Verfahren, um Entscheidungen

zu treffen. Ähnlich

wie bei einer Überschlagsrechnung.

Forschungen des Psychologen

und Wirtschaftsnobelpreisträgers

Daniel

Kahnemann ergaben, dass

Menschen oft nahezu vollautomatisch

handeln, Gegenstände erkennen,

Auto fahren, Texte in Grossbuchstaben

auf Werbeplakaten lesen, und dabei nicht

nachdenken. Das menschliche Gehirn erledigt

dies sozusagen mit links.

Auch sonst versucht es, sich das Leben

leicht zu machen. Neue Eindrücke im Supermarkt

vergleicht es einfach mit ähnlichen

Erinnerungen: rote Preis-Sticker zeigen Sonderangebote

an, grosse Stapel von Waren auf

einer Palette sind günstiger als Einzelstücke.

Oder: Teurer Whisky ist besser als billiger

(gutes hat seinen Preis).

Jeder Mensch speichert hunderte solcher

Informationen und Binsenwahrheiten. Oft

machen wir uns gar nicht die Mühe, im Einzelfall

zu prüfen, ob sie noch stimmen. Der

Handel macht sich diese Lässigkeit zunutze.

So soll ein Schmuckhändler in New York

einige Ladenhüter erst verkauft haben, nachdem

er deren Preise deutlich erhöht hatte.

Besser belegt ist das Beispiel der Whiskymarke

Chivas Regal. Diese wurde in den

1950er-Jahren nachgewiesenermassen erst

dann zum Renner, als ihr Preis deutlich

herauf gesetzt wurde.

Offenbar entscheidet eine bestimmte Region

im Gehirn, ob wir zugreifen oder nicht. Sie

wirkt als Belohnungszentrum und heisst Nucleus

accumbens. Löst ein Schnäppchen oder

der Kauf von Schokolade bei uns ein gutes

Gefühl aus, sorgt dieser Bereich dafür, dass

wir uns dies merken. Bei der nächsten Gelegenheit,

Schokolade oder ein Schnäppchen

zu kaufen, setzt sofort der «Haben-wollen-

Effekt» ein. Wissenschaftler haben nachgewiesen,

dass der Nucleus accumbens in

Aktion tritt, wenn es um die Befriedigung

materieller Wünsche geht.

SCHNELLDREHER SIND BÜCKWARE

Von der Gemüseabteilung geht es auf die

«Rennstrecke», wo die wichtigen Waren

präsentiert werden. Teure Markenprodukte

und Waren mit hoher Gewinnmarge befinden

sich auf Sichthöhe (140 – 180 cm). Für

günstige Produkte oder für Schnelldreher

Fotos: shutterstock.com/Thaiview, Sorbis

12 s’Positive 3 / 2017


Die Gemüseabteilung

verbreitet

Marktatmospäre –

mit Hilfe künstlicher

Düfte.

wie Zucker, Mehl und Salz müssen sich die

Kunden bücken. Es sind sogenannte Bückwaren.

Wer sparen will, muss in die Knie

gehen.

Allzu schnell soll es aber auf der «Rennstrecke»

nicht vorwärts gehen. Deshalb empfehlen

die Berater, glänzende Steinplatten

zu verlegen, die wie eine Eisfläche schimmern

und die den Schritt des Shoppers verlangsamen.

Alternativ würden auch unebene

Böden gehen. Aber allzu uneben dürften die

dann auch nicht sein, sonst mache das

Wagen schieben keinen Spass mehr, erklären

die Berater. Zudem dürfen die Regale weder

zu nahe beieinander, noch zu weit auseinander

stehen. Ungefähr 160 cm seien ideal.

Bei weniger würde ein Tunneleffekt entstehen,

und zwei Einkaufswagen könnten nicht

mehr kreuzen. Bei mehr komme beim Shopper

ein Autobahnfeeling auf. Er braust durch

die Gänge, ohne etwas zu kaufen.

Am Kühlregal ist die Aufenthaltsdauer nur sehr kurz.

s’Positive 3 / 2017 13


EINKAUFS-PSYCHOLOGIE

RABATTE SIND WIE BELOHNUNGEN

Sonderangebote und rote Rabattzeichen

wirken auf viele Shopper wie ein Stopp-Signal.

Sie greifen zu – auch wenn das «Schnäppchen»

nicht auf dem Einkaufszettel steht. Der

impulsive Rabattkauf ist typisch, so Hirnforscher

Bernd Weber. Er sagt: «Bei Rabatten

setzt unser Verstand aus.» Der Bonner Wissenschaftler

der Firma Life&Brain ist Vorreiter

auf dem Gebiet der Neuroökonomie. Die

Ausgründung der Universität Bonn verbindet

die Fachbereiche der Wirtschafts- und

«Rabatte und Schnäppchen

aktivieren das Belohnungsnetzwerk

im Hirn. Es sorgt für die

Aus schüttung von Dopamin, das

für Glücksgefühle sorgt.»

Hirnforschung. Die Wissenschaftler haben

festgestellt, dass unsere Kaufentscheidungen

hauptsächlich emotional motiviert sind.

Bernd Weber hat Testpersonen in einem

Kernspintomographen (MRT) verschiedene

Produkte mit und ohne Rabattzeichen auf

einer Videobrille vorgespielt. Die Grundidee

dahinter: Die Bereiche des Gehirns, die stärker

benutzt werden, werden auch stärker

durchblutet. Auf Geldausgeben reagiert unser

Gehirn mit Schmerzsignalen und aktiviert

Vernunft- und Kontrollinstanzen im

Vorderhirn. Bei Rabatten und Schnäppchen

dagegen wird das Belohnungsnetzwerk im

sogenannten Streatum aktiviert. Es sorgt für

die Ausschüttung von Dopamin, einem Neurotransmitter,

der für Glücksgefühle sorgt,

und unterdrückt zugleich die «Vernunftareale».

Kinder reagieren auf knallige Farben, Erwachsene

achten eher auf Qualität. Dabei

spielen Siegel eine wichtige Rolle. Die Forscher

von Life&Brain untersuchten, welche

Rolle solche Auszeichnungen bei der Kaufentscheidung

spielen. Das Ergebnis: Vor allem

Biosiegel steigern den Produktwert.

Probanden waren bereit, für ein Produkt mit

Siegel im Durchschnitt 40 Prozent mehr zu

bezahlen.

Ähnlich raffiniert ist das Framing. Bei

dieser Methode geht es darum, dem Shopper

einen Rahmen (Frame) anzubieten, insbesondere

bei Produkten, deren Wert nicht

ohne Weiteres bekannt ist. Dies können zum

Beispiel Weine sein, oder Eigentumswohnungen,

oder das Essen in Restaurants.

Beispiel Whisky: Der Shopper hat nicht

wirklich Ahnung, welcher gut ist. Im Regal

steht eine Flasche für 12, eine für 22 und

eine für 35 Franken. Mit grosser Wahrscheinlichkeit

wird zur Flasche im mittleren

Preissegment gegriffen. Denn dies scheint

kein billiger Ramsch, aber auch kein überteuerter

Luxus zu sein.

Ist eines der Angebote so richtig teuer,

fällt oft gar nicht so sehr auf, dass auch die

anderen nicht gerade günstig sind.

Doch es geht noch besser. Und zwar mit

dem Anchoring. Es ähnelt dem Framing,

wirkt aber viel brutaler. Doch die Methode

ist simpel. Man gibt eine bestimmte Zahl vor,

an der sich das Gehirn orientiert.

Es bewertet unbewusst

alle Preise in Relation

zu dieser Zahl, auch

wenn diese mit dem Produkt

überhaupt nichts zu

tun hat.

Elektromärkte nutzen

das Anchoring, indem sie

besonders teure Flachbildfernseher,

Waschmaschinen

und Kühlgeräte mit

grossen Preisschildern in den Eingangsbereich

stellen. Der Anker (Anchor) ist damit

geworfen. Alle andern Geräte wirken im Vergleich

dazu richtig günstig, egal, wie teuer

sie sind.

Grosse Einkaufswagen

bringen

mehr Umsatz

als kleine.

PROBLEMATISCHE MÄNNER

Von den Beratern erfahren wir, dass die optimale

Temperatur im Laden 19 bis 20 Grad

beträgt, und dass die Musikberieselung

ebenfalls wichtig ist. Diese soll 72 bpm

(beats per minute) betragen, was dem Ruhepuls

des Menschen entspricht. Vor allem

Männer sollen damit Entspannung finden.

Sie neigen dazu, sich im Supermarkt aufzuregen

und entwickeln schnell einen Pulsschlag

von 130 bpm. Das ist Stress und

schädlich für das Kaufverhalten.

Männer seien – so die Berater – ohnehin

ein Problem beim Einkauf. Sie halten sich

durchschnittlich nur halb so lange im Laden

auf wie die Frauen. Wenn einer gemeinsam

mit seiner Frau einkauft, hetzt er sie häufig

so flott durch den Laden, dass sie den Einkaufswagen

nicht richtig füllen kann. Optimal

sei deshalb, beim Einkauf die Geschlechter

zu trennen, führen die Berater aus. Sie

regen deshalb einen Bratwurststand an, der

Männern die Möglichkeit bietet, dort erst

mal hängenzubleiben.

VERLIEBT IN DEN BESITZ

Zwei weitere Effekte nutzen Händler gerne

im Umgang mit ihren Kunden. Den Endowment-Effekt

und die Risikoaversion. Der

14 s’Positive 3 / 2017


HINTERGRUND

Auch das ist

Framing

Forscher präsentierten bei einer Studie

den Teilnehmenden zwei Arten

von Fleisch: «99 % fettfrei» und «1 %

fetthaltig». Obwohl beide Fleischarten

identisch waren, wurde das erste

Stück Fleisch von den Befragten als

gesünder eingestuft. Auch bei der

Auswahl von «98 % fettfrei» und «1 %

fetthaltig» entschieden sich die meisten

Teilnehmenden für die erste Variante,

obwohl diese rund doppelt so

viel Fett enthielt. (Dobeli 2011)

Endowment-Effekt sorgt dafür, dass wir uns

in Dinge verlieben, die wir besitzen. Wenn

wir sie einmal haben, geben wir sie ungern

wieder her. «Nehmen Sie es doch mit und

probieren Sie es zwei Wochen lang kostenlos

aus.» Dieses Angebot funktioniert sehr gut.

Nach zwei Wochen wollen die wenigsten auf

die erworbene Ware verzichten.

Dieses Gefühl wird noch verstärkt durch

eine angeborene Risikoaversion. Die Freude,

etwas Neues zu bekommen, erscheint uns

weniger gross als das Risiko, etwas zu verlieren,

das wir schon haben. Jeder Neuerwerb

ist schliesslich mit der Abgabe von Geld

verbunden, das wir besitzen. Das ist der

Hintergrund für Angebote wie «Jetzt kaufen,

später bezahlen». Dadurch wird die Risikoaversion

neutralisiert.

Die Risikoaversion funktioniert auch beim

Online-Shopping. Zum Beispiel beim Kauf

von Computern, wo es zwei Möglichkeiten

von Angeboten gibt: Der Händler kann nur

ein Basisgerät anbieten und dem Kunden die

Möglichkeit geben, Sonderausstattungen

(grösserer Bildschirm, mehr Speicher, mehr

Software) zu buchen. Oder es wird gleich ein

maximal ausgestattetes Gerät angeboten, wo

der Kunde auf Teile der Ausstattung verzichten

oder diese minimieren kann. Wissenschaftler

haben festgestellt, dass Kunden nur

äusserst ungern bereit sind, auf Eigenschaften

eines Geräts zu verzichten, das sie gedanklich

schon fast besitzen. Mehr Umsatz

macht also, wer das Topgerät anbietet.

Ziemlich am Ende seiner Reise durch den

Supermarkt findet der Kunde das Kühlregal.

Butter, Käse, Joghurt und Wurst wird fast

immer gebraucht. Wer also einen dieser

«Schnelldreher» kaufen will, muss den Markt

komplett durchqueren – vorbei an den ganzen

«Blockern», den angeblichen Sonderangeboten,

Verkaufsboxen und Paletten, die im

Gang stehen, um den Shopper zu bremsen.

Manchmal brauchen Menschen nur einen

kleinen Anstoss, um sich in eine gewünschte

Richtung zu bewegen. Um einen Kaufimpuls

auszulösen, gibt es mehrere Möglichkeiten:

die positive Erwähnung eines Produkts im

Freundeskreis oder durch einen «Influencer»

(jemand, der Einfluss ausübt) in einem sozialen

Netzwerk, eine besondere Präsentation

im Geschäft, ein bewährter Markenname,

das Bio-Siegel.

Die meisten Menschen vergleichen sich

gern mit anderen und möchten zur Mehrheit

gehören. Wie dies genutzt werden kann,

zeigen folgende Beispiele: Im australischen

New South Wales haben die Behörden eine

«Nudge Unit» eingerichtet, welche die Menschen

zu besseren Bürgern machen soll.

Nudge ist das englische Wort für Stupser

und bezeichnet eine von den Verhaltensökonomen

entwickelte Technik der Manipulation.

Ein guter sozialer Stupser ist zum

Beispiel der Hinweis auf das Verhalten anderer.

Die Nudge Unit in Australien verschickt

seit ein paar Jahren ihre Bussgeldbescheide

mit dem Hinweis, dass 90 Prozent

der Verkehrssünder ihre Strafe pünktlich

bezahlen. Seither beeilt sich auch ein Teil

der restlichen 10 Prozent mit der Bezahlung.

Und seit die Stromrechnung mit einem

Hinweis auf den geringeren Pro-Kopf-Verbrauch

der Nachbarn versehen wird, sinken

auch bei bisherigen Energieverschwendern

die Kosten.

DIE QUENGELZONE

Bis zu fünf Prozent ihrer Umsätze machen

Supermärkte, wenn die Reise der Kunden

durch die Regale eigentlich schon zu Ende

ist und sie an der Kasse warten, bis sie dran

kommen. Wie effektiv dieser Bereich ist, erkennen

wir an der benötigten Verkaufs-

Nicht zu breit – aber auch nicht zu schmal müssen die Gänge sein.

Fotos: shutterstock.com/Minerva Studio, Sorbis

s’Positive 3 / 2017 15


EINKAUFS-PSYCHOLOGIE

An der Kasse

locken Süssigkeiten

und

sorgen für

Umsatz.

fläche. Diese beträgt nämlich nur gerade 1,5

Prozent. Die Kunden, oft mit ihren Kindern,

müssen hier durch. Gerade Kinder warten

nicht gerne und werden ungeduldig. Gleichzeitig

sehen sie direkt vor ihren Augen

«Schoggistängeli», Überraschungseier und

andere Süssigkeiten und machen sich durch

für alle hörbare und als unangenehm empfundene

Quengeleien bemerkbar. Eltern

geraten damit unter Druck und schon landet

eine dieses Süssigkeiten im Einkaufswagen.

Weil zu diesem Zeitpunkt des Einkaufs keine

Preise mehr verglichen werden können, ist

die in der Quengelzone angebotene Ware oft

teurer als in den normalen Gestellen. Auch

Erwachsene können diesen Angeboten beim

Warten oft nicht widerstehen.

Unsere Berater weisen jedoch darauf hin,

dass die Quengelzone nicht unumstritten ist

und unter den Kunden auch für Unmut sorgen

kann. In Deutschland wurde sie zum Teil

abgeschafft.

Quellen: PM-Magazin; Life & Brain GmbH;

daserste.de

ZUSATZINFOS

Gezielte Verkaufsförderung

Obst und Gemüse zuerst: Das

nimmt das Tempo aus dem

Einkauf raus. Niemand soll

durch einen Supermarkt rasen.

Die Ware ist ausserdem perfekt

ausgeleuchtet, soll Appetit

machen und – zeitgemäss –

gleich zu Beginn des Einkaufs

den Akzent «gesunde Ernährung»

setzen.

Grosse Einkaufswagen: Wenig

Ware sieht in einem großen

Wagen verloren aus, so als

könnte noch einiges dazugekauft

werden. Einkaufskörbe

werden eher wenig angeboten,

da diese schnell voll sind und

unbequem zu tragen. Der Kunde

soll sich wohlfühlen!

Ideale Einkaufstemperatur: In

der Regel ermöglichen 19 – 20°

C einen langen und angenehmen

Aufenthalt im Supermarkt.

Hinweisschilder: Gezackte

oder sternförmige Aufsteller

und Schilder wecken die Aufmerksamkeit

des Verbrauchers.

Rote oder orange Neonfarben

deutet der Mensch

automatisch als billiges Sonderangebot,

obwohl vielleicht

gar nichts wirklich billig ist.

Verkaufsfördernde Musik: Bei

72 bpm hat der Mensch eine

angenehme Pulsfrequenz und

fühlt sich wohl. Werbeunterbrechungen

machen Kunden

auf Aktionen aufmerksam.

Gerüche: An manchen Stellen

im Supermarkt können gezielt

Gerüche eingesetzt werden,

welche die Kauflust steigern

sollen, zum Beispiel der Geruch

von frisch gebackenen

Brötchen. Das macht Appetit

und animiert zum Kauf.

Teure Ware in Griffhöhe: Lohnt

sich die Mühe? Teure Produkte

sind bequem in Griffhöhe zu

erreichen. Günstige Produkte

werden in den Regalen unten

platziert und sind damit unbequemer

zu erreichen. Da der

Mensch in seinen Bewegungen

automatisch eher nach rechts

tendiert, stehen hier auch eher

teurere Produkte.

Weite Wege: Durch eine

manchmal unlogische Anordnung

der Produkte ergeben

sich längere Wege und damit

eine – gewünschte – längere

Verweildauer im Supermarkt.

Billige Grundnahrungsmittel

stehen meist ganz hinten im

Supermarkt. Man erreicht sie

erst, nachdem man die vielen

anderen Angebote abgelaufen

und damit wahrgenommen hat.

Beleuchtung der Ware: Bei

Obst, Gemüse und Fleisch kann

spezielles Licht Mängel unsichtbar

oder weniger sichtbar

machen. Die Ware sieht auch

am Abend noch ganz frisch

aus.

Breite der Gänge: Die Gangbreiten

sind genau berechnet.

Nicht zu schmal, damit sich

der Kunde nicht bedrängt

fühlt, aber auch nicht zu breit,

weil der Kunde sonst zu

schnell den Supermarkt durchqueren

würde.

Aufsteller: Aufsteller suggerieren

immer Angebote, die Aufmerksamkeit

erfordern. Auch

entstehen Laufpausen, wenn

z. B. zwei Einkaufswagen nicht

mehr durch einen Gang passen.

Süsswaren an der Kasse: Der

Einzelverkauf von Süsswaren

an den Kassen (Wartebereich)

ist manchmal teurer, als die

normalen Verpackungen in der

Süsswarenabteilung. Kinder

warten ausserdem ungern an

der Kasse, sie langweilen sich

und bedrängen dann die Eltern,

ihnen die Süssigkeiten zu

kaufen, die – raffiniert – genau

auf Augenhöhe auf sie warten.

Rundläufe: Gibt es z. B. bei

IKEA. Die Gänge führen systematisch

an allen Produkten

vorbei. Abkürzungen sind

schwer zu finden. So nimmt

der Kunde besonders viele

Angebote und Produkte wahr

und geht selten nur mit dem

einen Artikel zur Kasse, den

er eigentlich kaufen wollte.

Kundenkarten: Kundenkarten

geben die Möglichkeit, das

Einkaufsverhalten der Verbraucher

zu analysieren und

damit zu steuern. Sofern eine

Kundenkarte vorhanden ist,

zieht es den Kunden zum Kaufen

auch immer wieder dorthin

zurück. Auch Rabattmarken

sollen eingesetzt werden

und nicht verfallen, also nichts

wie wieder hin zum gewohnten

Supermarkt. Zudem verdienen

die Kaufhäuser mit

dem Verkauf der anomysierten

Daten zusätzliches Geld.

Quelle: moneycare-online.de

Foto: ZVG

16 s’Positive 3 / 2017


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WUSSTEN SIE SCHON?

1

LEBEN WIR LÄNGER

wenn wir scharf essen?

WUSSTEN

SIE SCHON?

Kommt Ihnen das bekannt vor? Erst prikelt

es auf der Zunge, dann brennt der ganze

Mundraum und schliesslich auch der Rachen.

Die Nasenspitze wird rot und dann

tränen auch noch die Augen. Scharf essen

kann ganz schön leidvoll sein. Doch es gibt

gute Gründe, die Speisen kräftig zu würzen.

Das Capsaicin, so heisst der Wirkstoff von

Chili, der so scharf schmeckt, ist nämlich

äusserst bekömmlich für unsere Gesundheit.

Unter anderem wirkt er der Entstehung von

Übergewicht und Tumoren entgegen, ist gut

für den Herzkreislauf sowie die Darmflora

und hat obendrein noch eine antibakterielle

und entzündungshemmende Wirkung.

Als ob dies nicht schon genug wäre, gibt

eine gross angelegte Studie Hinweise darauf,

dass Chili auch das Leben verlängert.

Sieben Jahre lang haben chinesische Wissenschaftler

der Uniklinik in Peking die Essgewohnheiten

von einer halben Million

Menschen zwischen 30 und 79 Jahren protokolliert.

Die Probanden lebten in verschiedenen

Regionen Chinas. Während des Studienzeitraums

starben rund 20000 Teilnehmer.

Bei der Auswertung der Daten stellten

die Forscher schliesslich fest, dass das Sterberisiko

bei Probanden, die mindestens dreimal

wöchentlich scharf assen, um 14 Prozent

geringer war als bei denen, die seltener

als einmal in der Woche Chili zu sich nahmen.

Ausserdem stellten die Wissenschaftler

fest, dass sich das Sterberisiko noch weiter

minimieren lässt, wenn die Chilischoten

frisch sind. In ihnen befindet sich nämlich

mehr Capsaicin.

18 s’Positive 3 / 2017


DER UNTERSCHIED ZWISCHEN

Ethik und Moral

2

Sie werden so oft gemeinsam genannt, dass

man meinen könnte, dass sie gleichbedeutend

sind. Doch sie bezeichnen zwei verschiedene

Dinge. So werden mit dem Begriff

Moral die allgemein akzeptierten, konkreten

Wertvorstellungen, Verhaltensregeln, Normen

und Prinzipien beschrieben, nach denen

eine Gesellschaft, eine Subkultur oder auch

einzelne Menschen ihr Handeln ausrichten.

Diese Moralvorstellungen können sich

nicht nur von Land zu Land stark unterscheiden.

Auch die verschiedenen Millieus einer

Gesellschaft können voneinander abweichende

Moralvorstellungen haben. Sie werden

uns nicht in die Wiege gelegt, sondern

sind anerzogen. Die Eltern geben sie an ihre

Kinder weiter.

Die Ethik ist der gedankliche Überbau.

Aus ihr leiten wir unsere Moralvorstellungen

ab. Sie ist damit die hinter den Moralvorstellungen

stehende Philosophie. Die

Moral bezeichnet also die gelebte Praxis,

während die Ethik die dahinter stehende

Theorie verkörpert. Ethik ist sowohl eine

philosophische wie auch eine theologische

Disziplin. Sie kann sich also entweder aus

rein vernunftbasierten Überlegungen speisen

oder auf den vermeintlichen Willen

eines Gottes beziehen.

Während der Begriff Ethik auf das altgriechische

«Ethos» zurückgeht, hat das Wort

Moral seinen Ursprung im lateinischen «mores».

Beide Begriffe bedeuten ursprünglich

fast dasselbe, nämlich in etwa «Sitte» und

«Gewohnheit». Erst im Verlaufe der Sprachund

Philosophiegeschichte entwickelten

sich die beiden zu ihren heute getrennten

Bedeutungen.

BENZIN ODER DIESEL

Kennen Sie den Unterschied?

Fotos: Shutterstock.com/Sea Wave, CHOATphotographer, Daniel Jedzura

5000 Mal rückt der TCS jährlich aus, weil

Fahrzeuge falsch betankt sind. Meistens hat

der Irrtum das Abschleppen des Fahrzeugs

zur Folge. Wird der falsche Kraftstoff im Tank

nicht abgepumpt, drohen schwere Motorschäden.

Benzin wischt den Diesel-Schmierfilm

in der Hochdruck-Einspritzanlage sofort

ab, was zu einem Pumpen-Totalschaden

führt. Ausserdem kann es zu Schäden an der

Einspritzanlage kommen.

Wurde hingegen fälschlicherweise Diesel

getankt, ist je nach Motor ein vorsichtiges

Weiterfahren möglich. Unabdingbar ist in

diesem Fall jedoch ein ständiges Nachtanken,

um den falschen Kraftstoff zu verdünnen.

Doch aufgepasst: Um nicht eine böse

Überraschung zu erleben, sollte man sich

beim Hersteller über die nötigen Massnahmen

informieren. Und zwar, bevor man den

Motor startet.

3

Bei Benzin und Diesel handelt es sich um

zwei grundsätzlich unterschiedliche Stoffe,

obwohl beide aus Rohöl hergestellt werden

und sich mit beiden Autos antreiben lassen.

Aber was macht sie so verschieden?

In der Raffinerie werden die Kohlenstoffketten

des Rohöls in kürzere Molekülreihen

für Benzin und längere für Diesel aufgespalten.

Je kürzer die Molekülketten, umso entzündlicher

der Treibstoff. Diesel ist schwerer

als Benzin, und beim Verbrennen entsteht

mehr Kohlendioxid. 7,6 Liter Diesel setzen

so viel CO 2

frei wie zehn Liter Benzin. Dieselmotoren

haben dafür etwas bessere Verbrauchswerte.

Der entscheidende Unterschied ist die

Selbstzündung des Dieselkraftstoffs. Denn

während das Kraftstoff-Luft-Gemisch beim

Ottomotor auf ein Verhältnis von 7:1 verdichtet

wird – bei einem Druck von 8 – 18 bar und

400 bis 600 Grad – liegt das Verdichtungsverhältnis

beim Dieselmotor bei 25:1. Dies entspricht

einem Druck von 50 bar. Durch die

Kompression wird das Gemisch so heiss, dass

es sich selbst entzündet (900 Grad). Nur beim

Kaltstart muss der Dieselmotor «vorglühen».

Der Ottomotor benötigt jedoch immer einen

Funken von aussen – durch die Zündkerze.

Dieselmotoren haben bei Reinheit des Kraftstoffs

ausserdem geringere Ansprüche.

s’Positive 3 / 2017 19


OBERAARGAU

Der Zeit

voraus

Der Oberaargau ist eine der reichsten Landschaften

der Erde. Die faszinierende Geschichte eines erstaunlichen

Wohlstandes. Geld und Geist im besten Wortsinne.

TEXT: KLAUS ZAUGG

Warum erreichen Länder ein hohes Mass an

wirtschaftlichem Erfolg, während andere in

Armut steckenbleiben? Liegt es am Klima?

An der Kultur? An der Politik? An der geographischen

Lage? Oder ist es einfach Glück? Diese Fragen

haben Historiker und Wirtschaftstheoretiker immer

wieder umgetrieben. Der Amerikaner David Landes hat

darüber sogar ein dickes, lesenswertes Buch geschrieben

(«Wohlstand und Armut der Nationen»). Er zeigt darin

auf, dass es um ein komplexes Zusammenspiel aus geographischen

Gegebenheiten, historischen Grundbedingungen

und kulturellen Gewohnheiten, der Einstellung

zu Arbeit und Leistung, der Regelung von Eigentumsrechten,

der Politik und der Haltung gegenüber Zukunft

und Fortschritt geht.

«Langenthal als Wirtschaftszentrum

des Oberaargaus blieb immer ein Dorf, das

zwischen den Herrschaftsansprüchen

Berns und des Klosters St. Urban stand»

Die erstaunliche Wirtschaftsgeschichte des Oberaargaus

ist recht gut dokumentiert. 1938 publizierte Dr. Walter

Wegmüller, der spätere Direktor der Porzellanfabrik zu

diesem Thema eine Doktorarbeit («Die industrielle Entwicklung

Langenthals»). Wenn wir tief in die Geschichte

tauchen, dann erkennen wir, wie aussergewöhnlich

der Wohlstand des Oberaargaus seit Jahrhunderten

eigentlich ist. Es gibt ja im Einzugsgebiet der Städte

Zürich, Bern, Basel oder St. Gallen durchaus vergleich-

bare Regionen, die wirtschaftlich bei weitem nicht so

erfolgreich sind wie der Oberaargau. Und es ist im

Oberaargau auch nie zu einer dramatischen Verarmung

und einer starken Abwanderung gekommen. Warum

ist das so?

Da ist einmal die geographische Lage als Grenz- und

Durchgangsland im Herzen Helvetiens. Als Grenzland

zur katholischen Innerschweiz genoss Langenthal schon

früh den Schutz der bernischen Obrigkeit. Weil der

Oberaargau immer auch ein Durchgangsland war, mussten

nicht nur Zölle bezahlt werden. Das Kommen und

Gehen führte auch zu Weltoffenheit, weit verzweigten

Beziehungen und förderte die Fähigkeit, Entwicklungen

zu erkennen und Chancen zu ergreifen. Langenthal genoss

zwar den Schutz der bernischen Obrigkeit und bekam

früh das Recht, Märkte abzuhalten und damit wirtschaftliche

Freiheit. Aber das Dorf wurde nicht so stark

gefördert wie befestigte Städte, und so entwickelte sich

nie eine vornehme Schicht, die vor allem von obrigkeitlich

verliehener Macht und staatlichen Pfründen lebte und

ob Arbeit und wirtschaftlichem Streben die Nase rümpfte.

Langenthal als Wirtschaftszentrum des Oberaargaus

bliebt immer ein Dorf, das zwischen den Herrschaftsansprüchen

Berns und des Klosters St. Urban stand, und

sich geschickt zwischen diesen beiden Mächten zu behaupten

wusste.

AUFFALLEND WOHLHABEND

Selbst ausländischen Besuchern fällt der Wohlstand des

Oberaargaus auf. «Langenthal ist gewiss einer der

schönsten und reichsten Flecken Europas», schreibt der

Göttinger Philosophie-Professor Christoph Meiners anfangs

der 1780er Jahre in seinen «Briefen über die

Schweiz». Eine unkritische Haltung kann ihm nicht vorgeworfen

werden. Er stellt nämlich auch warnend fest,

20 s’Positive 3 / 2017


«Der Holzschuhmacher in

seiner Werkstatt». Ölgmälde von

Wolfgang Schüler, gefunden

in «Das goldene Handwerk» von

Nathalie Robatel.

s’Positive 3 / 2017 21


OBERAARGAU

dass «der Luxus die Schätze schon wieder zu verzehren

anfängt, welche Fleiss und Betriebsamkeit erworben

haben.» Auch andere Reisende sind beeindruckt. Nach

einem Besuch im Oberaargau ändert beispielsweise der

weltberühmte englische Historiker Edward Gibbon 1755

seine Meinung, dass alle Schweizer arme Leute seien.

Der Uetikoner Pfarrer Johann Conrad Fäsi sucht in seiner

1765 erschienenen «Staats- und Erdbeschreibung der

ganzen helvetischen Eidgenossenschaft» nach möglichen

Ursachen für den Erfolg der Oberaargauer. Er schreibt

unter anderem über Langenthal: «Der Ort ist wohl gelegen

… Auch treibt man starken Handel mit fettem und

magerem Hornvieh, Getreide, Früchte, Geflügel und

anderen Lebensmitteln, nicht weniger mit allen Arten

Kramwaren.» Pfarrer Johann Conrad Füesslin aus Veltheim

stellt 1780 fest «dass viele der commercierenden

Leute wohl bemittelt sind».

Die verkehrstechnisch günstige Lage als «Land des

Durchgangs und Übergangs, altes Grenzland, wo Verschiedenartigkeit

sich berührt und wohlgeordnet nebeneinanderlagert

und ergebnisvoll durchdringt; Land des

vernünftigen Mittelmasses, des gesunden Durchschnittes,

Land der Wohlausgeglichenheit in allen Dingen»

(Jakob Reinhard Meyer) begünstigte früh eine rege wirtschaftliche

Tätigkeit und führte zu einem Wohlstand,

der ab den 1500er-Jahren immer wieder in Dokumenten

erwähnt und gerühmt wird.

Die Autoren der «Beschreibung der Stadt und der Republik

Bern» sehen 1796 den Hauptgrund für den Wohlstand

in einer geglückten Symbiose zwischen Landwirtschaft,

Handwerk, Handel und Leinwandindustrie. «Zu Langenthal

gibt es nicht nur reiche Bauern, weil sie ihre Früchte

gut verkaufen können, sondern es haben sich auch Söhne

von solchen Landleuten der Handelschaft gewidmet und

die Gegend mit fleissigen Leuten angefüllt.»

AUCH BERN PROFITIERT

Nach dem Grundsatz: «Hat der Bauer Geld, hat’s die ganze

Welt» entwickeln sich ab den 1300er-Jahren Handel

und Gewerbe besser als in anderen Regionen der Schweiz.

1477 bekommt Langenthal von der bernischen Obrigkeit

das Privileg eines Wochenmarktes. Damit ist sehr früh

die wirtschaftliche Anziehungskraft eines Marktortes

gesichert. Von da an spielt Langenthal wirtschaftlich eine

ähnliche Rolle wie die Städte, bleibt aber äusserlich ein

Dorf. Die Folge des Marktrechtes und des Wochenmarktes

ist ein rascher Aufschwung des Kleinhandels und des

selbstständigen Kleingewerbes. 1571 erhält Langenthal

die Bewilligung, zusätzlich zwei Jahrmärkte mit freiem

Warenverkehr abzuhalten. Der Getreidehandel wird ein

wichtiger Faktor, die bernische Regierung erlaubt den

Bau eines «Korn- und Kaufhauses». Im Laufe der 1600erund

1700er-Jahren entwickelt sich der Grosshandel (u. a.

Vertrieb mit Leinwand), der viel Geld in die Region bringt.

ZUSATZINFOS

Reich, mächtig – und bescheiden

Einen Vergleich mit den Herrensöhnen

aus der Stadt

brauchten die «Untertanen»

aus dem Oberaargau bereits

in den 1700er Jahren nicht zu

scheuen.

Sie waren reich, gebildet, trugen

trotz bürgerlicher Bescheidenheit

teuren Schmuck und

kleideten sich nach der neusten

Mode. Viele Familien wussten

den wirtschaftlichen Aufschwung

der 1700er-Jahre zu

nutzen. Was ihnen zwar weitherum

den Ruf einbrachte,

«Krämerseelen» zu sein. Doch

das kümmerte sie wenig. Dank

ausgedehnten Geschäftsbeziehungen

weit über die Grenzen

des Bernbiets hinaus und

dem vielen Geld, das sie mit

allerlei Handelsgeschäften verdienten,

standen die Oberaargauer

bereits vor der französischen

Revolution in den Zeiten

des «alten Bern» auf Augenhöhe

mit den Mächtigen des

Stadtstaates Bern.

Stattliche Einkommen

Manch ein Dörfler aus dem

Oberaargau brachte es auf einen

grösseren Jahresverdienst

als ein stadtberner Patrizier.

Müller, Bleicher, Händler, Ärzte

und Grossbauern brachten es

auf Jahreseinkommen von umgerechnet

über 200 000 Franken

und häuften bei der geringen

Besteuerung Millionenvermögen

an. Die Langenthaler

Pfarrherren mussten sich hingegen

mit einem bescheidenen

Jahreseinkommen von rund

25 000 Franken begnügen, das

wenigstens durch hohes

Sozial prestige ein wenig versüsst

wurde.

Bescheidenheit war Pflicht

Im Gegensatz zu den führenden

Familien in Bern, die ihre

Macht mit Pomp zelebrierten,

übte sich die Oberaargauer Elite

in Bescheidenheit. In einem

Gesuch um die Errichtung einer

weiteren Brauerei liess der

Langenthaler Arzt Johann Georg

Mumenthaler (1784 bis

1814) «Schultheiss und Rath

der Stadt und Republik Bern»

wissen, dass er lediglich «ein

Mann von einem nur mittelmässigen

Vermögen» sei.

Einen Vergleich zu den

«wohledelfesten Berner Familien

möge sein Vermögen nicht

standhalten.» Der ehemalige

Student der Universität Strassburg

untertrieb kräftig. Neben

einem Haus an der Marktgasse

mit seiner Praxis besass er

1802 eine Bierbrauerei an der

Hinderstrasse sowie ein weiteres

Wohnhaus mit Speicher auf

dem Hübeli. Zu seinem «mittelmässigen

Vermögen» gehörten

auch 30 Jucharten Land.

Dazu kamen die steuermässig

nicht erfassten Einkünfte aus

seiner Arztpraxis und angelegten

Kapitalien. Insgesamt besass

Mumenthaler zusammen

mit den Nachkommen seines

Grossvaters geschätzte sechs

Prozent aller Langenthaler

Liegenschaften.

Als der Rosshaardhändler Andreas

Marti (1747 bis 1774)

starb, fanden die Behörden

Kleidungsstücke im Wert von

rund 14 000 Franken. Für den

Betrag musste ein Taglöhner

zwei Jahre lang arbeiten, eine

gewöhnliche Dienstmagd gar

acht Jahre.

Der Landarzt Andreas Dennler

(1755 bis 1819) leistete sich

1792 ein teures Hobby. Er

liess im Elsass sein Buch über

Seelenwanderung drucken und

erlitt mit dem Projekt einen

Verlust von rund 30 000 Franken,

den über die «Portokasse»

regelte. Für den Betrag

hätte er im Dorfzentrum ein

kleines Haus kaufen können.

Auch heute noch wohlhabend

Und heute? Das Wirtschaftsmagazin

«Bilanz» schätzt das

Vermögen der Familie Schneider-Ammann

auf rund 500

Millionen Franken. Wie vor

300 Jahren brauchen die

reichsten Oberaargauer also

den Vergleich mit den Herrensöhnen

aus den grossen Städten

auch heute nicht zu scheuen.

Und auch heute protzen

die reichen Oberaargauer

nicht. Sie üben sich nach wie

vor ganz in den ewigen Tugenden

der protestantischen Arbeitsethik

und benehmen sich

ganz im Sinne des amerikanischen

Gelehrten Benjamin

Franklin (1839 bis 1898), der

die Oberaargauer gemeint haben

könnte, als er sagte: «Neben

Fleiss und Mässigkeit trägt

nichts so sehr dazu bei, einen

jungen Mann in der Welt vorwärts

zu bringen, als Pünktlichkeit

und Gerechtigkeit bei

allen seinen Geschäften.»

Bilder: «Das goldene Handwerk» von Nathalie Robatel

22 s’Positive 3 / 2017


Dass Langenthal zu einem überregionalen Handelszentrum

wird, ist für die spätere Industrialisierung von

grosser Bedeutung. Von diesem Grosshandel profitiert

auch der Stadtstaat Bern, der 1748 ein Zoll- und Lagerhaus

(später Amtshaus) errichten lässt. Langenthal wird

einer der bedeutendsten bernischen Zollstandorte.

Das Dorf liegt nahe der Grenzen zu den Ständen Solothurn

und Luzern und wird Mittelpunkt des interkantonalen

Grenzverkehrs. Im Jahre 1753 zählt Langenthal

bereits 30 Handelsleute, die sich mit Export und Import

beschäftigten. Dieser rege Handel förderte die Fuhrhalterei

(das Transportwesen) und die Gastwirtschaft und

bringt viel Geld in die Ortschaft. Es werden die Vermögen

gebildet, die es später ermöglichen, die Industrialisierung

voranzutreiben, die den Oberaargau zur wirtschaftlichen

Lokomotive des Kantons Bern macht.

Die Wirtschaft im Oberaargau wird so stabil, dass die

Turbulenzen, Kriege und Umbrüche, die den Untergang

des alten Bern und der alten Ordnung Ende der 1700er

Jahre auslösen, besser verkraftet werden als in anderen

Regionen. Die politischen Umwälzungen nach 1798 bedeuten

zwar das Ende der Förderung und des Schutzes

sowie der Garantie der wirtschaftlichen Privilegien

durch die bernische Obrigkeit, bringen aber auch eine

ganz neue Gewerbefreiheit. Dank der günstigen Verkehrslage

und der guten Mischung aus Landwirtschaft,

Gewerbe, Fabrikation und Handel bleibt Langenthal

auch in diesen schwierigen Zeiten des Wandels einer

der wichtigsten und einträglichsten Handelsplätze der

Republik Bern.

Mit der Gründung des Bundesstaates im Jahre 1848

verliert Langenthal alle Privilegien einer Zollstadt. Zölle

wurden nur noch an den Landesgrenzen erhoben. Diese

«Die politischen Umwälzungen nach

1798 bedeuten zwar das Ende der

wirtschaftlichen Privilegien, bringen aber

auch eine ganz neue Gewerbefreiheit.»

Liberalisierung bringt das Ende aller politisch bedingten

Vorteile der vorrevolutionären Epoche. Weil zu diesem

Zeitpunkt die Industrialisierung im Oberaargau schon

erstaunlich weit fortgeschritten ist, führt diese Zeitenwende

nicht zu einer Krise. Vielmehr beginnt eine ungeahnte

Entwicklung.

Ein Bericht über die Gewerbeausstellung der Amtsbezirke

Wangen und Aarwangen aus dem Jahre 1853

dokumentiert den damaligen Stand der oberaargauischen

Wirtschaft. Bei dieser Ausstellung im Gasthof zum

Kreuz werden Erzeugnisse präsentiert, die nach Schät-

Die Handweberin,

Zeichnung von

François Rabasse.

Der Küfer,

Ölbild von Wolfgang

Schüler.

s’Positive 3 / 2017 23


OBERAARGAU

«Die Industrialisierung ist so erfolgreich,

weil es aus dem Kleingewerbe viele

handwerklich geschickte Arbeiter gibt, die

zu Fachkräften geschult werden können.»

zungen von zeitgenössischen Experten einen Wert von

54 458 Franken haben. Ausgestellt werden Schreinerund

Tapezierwaren, Garne, Gewebe und Strumpfwickerfabrikate,

Frauenarbeiten aller Art, Hutmacher-, Schneider-,

Kürschner- und Schirmfabrikate und feine Stroharbeit.

Wagner-, Schmiede- und Sattlerarbeiten, Leder- und

Filzwaren sowie gröbere Schreinerware und Holzschuhe.

Uhren, Gold-, Silber- und Gürtlerwaren, musikalische

Instrumente, Erzeugnisse der Messerschmiede, Drechsler,

Kammmacher, Buchbinder. Tuchfabrikanten, Seifensieder,

Bürstenbinder, Seiler, Blattmachern, Hafner,

Furniersäger und Tabakfabrikanten. Ausgestellt werden

Pflüge, Sähmaschinen und Leiterwagen. Die Gewerbetätigkeit

beschränkt sich nicht nur auf Langenthal. Es

gibt in dieser Zeit eine Strohmanufaktur in Roggwil,

Der Gerber, Zeichnung

von François Rabasse.

Strohflechtereien in Steckholz, Busswil, Melchnau,

Thunstetten und Bützberg, Holzschuhfabrikation in

Steckholz, Melchnau, Bleienbach, Kleindietwil, Gondiswil

und Bützberg. Eine Zigarren-Fabrik in Herzogenbuchsee

und eine Bürstenbinderei in Aarwangen. In

einem zeitgenössischen Bericht lesen wir: «Diese Ausstellung

gewährt im allgemeinen jedem Unbefangenen

den erfreulichen Eindruck einer grossen gewerblichen

Selbständigkeit dieser Landesgegend, weit verbreiteter

intellektueller Fähigkeiten, Arbeitsliebe und grosse Halblichkeit.»

DIE EISENBAHN KOMMT!

Der nächste Entwicklungsschub folgt durch die Entwicklung

der Eisenbahn, durch den Triumph des Schienenstranges

über die Landstrasse, durch die erste Globalisierung

der Wirtschaft, die erst mit dem Ausbruch des

Ersten Weltkrieges im Jahre 1914 zu Ende geht.

Die bisher dominierende Hausindustrie – also das

Kleingewerbe – wird nach und nach durch die Fabrikindustrie

verdrängt. Diese Industrialisierung ist so erfolgreich,

weil es aus dem Kleingewerbe viele handwerklich

geschickte Arbeiter gibt, die zu Fachkräften geschult

werden können. Der starke Einfluss der bäuerlichen Kultur,

die uns Jeremias Gotthelf so anschaulich schildert

(er wird ja auch durch seinen Aufenthalt in Herzogenbuchsee

inspiriert), wirkt sich in einer gesunden Einstellung

zur Arbeit aus.

Dabei spielt im reformierten Oberaargau die protestantische

Arbeitsethik eine nicht zu unterschätzende

Rolle. Sie ist gekennzeichnet durch die Vorstellung von

Arbeit als Pflicht. Die Arbeit bildet den Mittelpunkt des

Lebens, um den herum die Freizeit gestaltet wird. Sie

sagt, dass der Mensch sein Schicksal selber in die Hand

nehmen und sich Wohlstand erarbeiten kann und soll

und Erfolg gottgefällig ist. Dabei ist jeder erlaubte Beruf

vor Gott gleich viel wert – der geistliche genauso wie der

weltliche. Sie unterscheidet sich von der vorreformatorischen

Auffassung, dass das Schicksal vorbestimmt, der

soziale Status durch Geburt gegeben und unabänderlich

ist, und der Lohn noch nicht auf Erden, sondern erst im

Himmel ausbezahlt wird. Johann Kaspar Lavater hat das

1773 in seinen «Ansichten zur Ewigkeit» wunderbar formuliert:

«Selbst im Himmel können wir ohne eine Beschäftigung

nicht gesegnet sein.»

Während mehr als zwei Jahrhunderten hat der blühende

Handel zur Bildung beträchtlicher Privatvermögen

geführt, die nun investiert werden und die einsetzende

Industrialisierung finanzieren. Es ist bemerkenswert, dass

der frühe Erfolg der Industrialisierung, anders als etwa

in den USA, nicht zu «Raubtierkapitalismus», zur Bildung

riesiger Vermögen durch Ausbeutung führt. Der Oberaargau

kennt zwar früh eine reiche Elite, aber keine kapitalistischen

Räuberbarone wie die Vanderbilts oder Rockefellers.

Im Gegenteil: der erstaunliche wirtschaftliche

Erfolg führt früh zu gut ausgebauten Fürsorgeeinrichtungen

und einer weitsichtigen Sozial- und Lohnpolitik.

WENIG SOZIALE GEGENSÄTZE

Im Oberaargau sind die sozialen Gegensätze bereits in

der Frühzeit der Industrialisierung geringer als in vielen

anderen Industriezentren der Schweiz. Im Oberaargau

gibt es früh einen Mittelstand und eine gewisse sozi-

Bild: «Das goldene Handwerk» von Nathalie Robatel

24 s’Positive 3 / 2017


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OBERAARGAU

Der Weber, von Johann

Schiess um 1830.

ale Marktwirtschaft entwickelt sich schon lange, bevor

dieser Ausdruck nach dem Zweiten Weltkrieg Eingang

in die Politik findet. Es gibt zwar auch im Oberaargau

nach der französischen Revolution heftige politische

Auseinandersetzungen. Aber nie politische Radikalisierung

oder Revolution aus wirtschaftlichen Gründen oder

aufgrund von sozialen Missständen, weil es ein verarmtes

Proletariat gibt. Die erstaunliche Diversifizierung der

Wirtschaft (zu der auch die Bewahrung eines starken

Bauernstandes gehört) macht die Region krisenbeständig.

Der Oberaargau kommt besser durch die wirtschaftlichen

Depressionen als die meisten anderen Industriestandorte.

Wir finden heute in Langenthal verhältnismässig

wenige «Industriebrachen».

Ein weiterer Schlüsselfaktor für die Entwicklung der

Wirtschaft, für den Übergang vom Kleingewerbe zur Fabrikproduktion,

ist die nach 1798 einsetzende politische

Umwälzung. Die Auflösung der alten Ordnung und die

Schaffung einer liberale Verfassung schaffen ungeahnte

Möglichkeiten der wirtschaftlichen Entwicklung.

In Langenthal nutzen starke Persönlichkeiten diese

Chance und machen den Oberaargau zum Kraftzentrum

der Modernisierung der bernischen Wirtschaft. Dazu

gehörte auch der Bau des Elektrizitätswerkes Wynau im

Jahre 1895. Als erstes grosses Unternehmen ersetzt die

Firma Gugelmann in ihren Textilfabriken die Wasser- und

Dampfkraft 1895 durch Strom. Die neue Energieform

bildete die Grundlage der Langenthaler Maschinenindustrie.

Aus der 1896 von Madiswil nach Langenthal

verlegten mechanischen Werkstätte von Ulrich Ammann

entwickelt sich eine Maschinenfabrik von internationaler

Bedeutung. Die Industrie im Oberaargau gehört zu den

ersten, die in der Schweiz auf Elektrizität umstellt, der

Oberaargau wird im besten Sinne früher dem Strom angeschlossen

als Zürich.

Die Alphatiere der frühen Industrialisierung vernachlässigen

auch nicht die Politik. Sie nehmen Einfluss auf den

Eisenbahnbau, sorgen für den Anschluss an die wichtigen

Eisenbahnlinien und damit für die Bewahrung des Standortvorteils

als Verkehrsknotenpunkt im geographischen

Herzen der Schweiz. Langenthal gilt ab Mitte der 1800er-

Jahre als Hochburg des Freisinns. Im «Bären» konstituiert

sich eine freisinnige Männerrunde und um ein Haar wäre

einer aus ihrer Mitte (der Fürsprecher Johannes Bützberger

aus Bleienbach) statt Jakob Stämpfli 1854 Bundesrat

geworden. Von diesen Anfängen führt eine direkte

Linie in die Gegenwart. Der Oberaargauer Freisinn

stellt gut 150 Jahren später mit Johann Schneider-Ammann

das Staatsoberhaupt.

Wir finden also im Oberaargau alle Faktoren – von

der Geographie über die Religion, die Politik und die

Kultur bis zum Klima – für die Entwicklung von Reichtum

und Stabilität, die der amerikanische Wirtschaftstheoretiker

David Landes in seinem Bestseller als Voraussetzungen

für Wohlstand nennt. Er hätte sein Buch im Umfang

von 684 Seiten auch im Rahmen eines Studienaufenthaltes

in Langenthal schreiben können.

Ausgewählte Literatur:

• «Ein Dorf übt sich in Demokratie – Langenthal

zwischen 1750 und 1850» von Alfred Kuert.

• «Die Industrielle Entwicklung Langenthals» von

Dr. Walter Wegmüller

• «Beiträge zur Heimatkunde des Kantons Bern –

der Oberaargau» von Christian Lerch.

• Berner Heimatbücher, Band 72 «Langenthal» von

J. R. Meyer.

• «Wohlstand und Armut der Nationen» von David

Landes.

Bild: «Das goldene Handwerk» von Nathalie Robatel

26 s’Positive 3 / 2017


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DOMINIQUE AEGERTER

Von der

Zwangsjacke

befreit?

Die Frage stellten sich nicht nur die

Motorsport-Fans im Oberaargau:

In welcher Verfassung ist Dominique

Aegerter (26)? Die Antwort: Besser

als es das Resultat (11.) beim Saisonstart

vermuten liesse.

TEXT: KLAUS ZAUGG, KATAR

Dominique Aegerter steht vor einem

Neubeginn. Erstmals in

seiner GP-Karriere wird er nicht

mehr von Olivier Métraux unterstützt.

Er hat seinen Förderer

im letzten Spätsommer im Krach verlassen

und weiss, dass der Weg zurück nicht mehr

möglich ist.

Aber der Rohrbacher ist so gut, dass er

eine neue Chance bekommen hat. Er fährt

nun im Team der Gebrüder Jochen und Stefan

Kiefer und ist aus der Zwangsjacke der

Zweckgemeinschaft mit Tom Lüthi (30) nach

zwei verlorenen Jahren befreit. Die Nähe

seines einstigen Vorbildes hatte den charismatischen

Rock ’n’ Roller gelähmt. Nach zwei

5. WM-Schlussrängen stürzte er in der zweitwichtigsten

Töff-WM an der Seite von Tom

Lüthi auf die 17. (2015) und 12. Position

(2016) ab. Zusätzlich bremsten ihn 2015

schwere Stürze, und 2016 kam es schliesslich

zum Eklat – das Team setzte ihn vier Rennen

vor Schluss vor die Türe.

Der Rennsport ist der Sport der Ausreden.

Selbst in der Moto2-WM mit Einheitsmotoren

und Einheitsreifen. Kein Fahrer gibt in

dieser «Macht-Welt» zu, dass ihn «weiche»

Faktoren wie Selbstvertrauen oder Angst

bremsen. Auch Dominique Aegerter ist ein

spektakuläres Beispiel dafür, wie sehr Rennsport

im Kopf entschieden wird. Die vordergründigen

Schwierigkeiten

mit der Abstimmung der Maschine,

die tatsächlich entscheidend

sind und ihm in

den letzten zwei Jahren so zu

schaffen machten, hatten ihre

Ursachen letztlich im fehlenden

Selbstvertrauen. Im

«Lüthi-Komplex». Vieles, was

wir von aussen ehrfürchtig als High-Tech

wahrnehmen, ist oft nichts anderes als «Voodoo».

Wenn ein Fahrer im Training an die

Box zurückkehrt und sagt, dies und das funktioniere

nicht, er könne deshalb nicht schneller

sein, verändern die Techniker manchmal

«Ich fühle mich in meinem neuen

Team sehr wohl. Die Suter hat

grosses Potenzial.»

gar nichts, sagen dem Fahrer aber, dies und

das sei nun justiert – und auf einmal gelingen

schnelle Rundenzeiten.

Dominique Aegerter hat nun keine Ausreden

mehr. Bei den Gebrüdern Kiefer ist die

Teamsprache Deutsch (und nicht mehr, wie

vorher, französisch oder englisch). Er hat

keinen Teamkollegen, den er als übermächtig

empfindet und er darf nach zwei Jahren

auf Kalex wieder eine Suter fahren. Die Maschine,

auf der er 2014 auf dem Sachsenring

triumphierte. Gelingen ihm jetzt nicht regelmässige

Klassierungen in den Top Ten, dann

ist seine Karriere in grösster Gefahr.

Foto: Carxpert-Racing.com

28 s’Positive 3 / 2017


Dominique

Aegerter hat die

Nase vorn: Hier im

Duell mit Luca

Marini.

Weil Tom Lüthi und Dominique Aegerter

2017 wieder getrennte Wege gehen (nicht

mehr im gleichen Team sind), dürfen wir uns

auf Zweikämpfe auf der Piste und auf verbale

Auseinandersetzungen freuen – und in

diesem Zusammenhang auf «psychologische

Kriegsführung» von Tom Lühti. Anders als

sein Rivale hat er die Bedeutung von «Voodoo»

in diesem Sport erkannt. In Katar war

es an dieser Front vorerst ruhig. Tom Lüthi

hatte viel zu viel mit seinen eigenen Schwierigkeiten

zu kämpfen.

Wenn wir diese Vorgeschichte kennen,

können wir erahnen, unter welchen Druck

Dominique Aegerter in dieser Saison steht.

Seine Tests im sonnigen Spanien im Februar

und März waren vielversprechend. Er fuhr

auf Augenhöhe mit Tom Lüthi – oder schneller.

Aber die letzten Übungsfahrten in Katar

– die Moto2-Helden flogen zehn Tage vor

dem Saisonstart für die letzten Tests nach

Katar – brachten eine Ernüchterung. Während

sich Tom Lüthi in der Spitzengruppe

Moto2, Doha

1. Franco Morbidelli (It), Kalex, 40:18,480 (160,10 km/h)

2. Tom Lüthi (Sz), Kalex, 2,681 Sek. zur

3. Takaaki Nakagami (Jap), Kalex, 3,304

4. Miguel Oliveira (Sp), KTM, 3,584

5. Alex Marauez (Sp), Kalex, 11,226

ferner:

11. Dominique Aegerter (Sz), Suter, 17,892

14. Jesko Raffin (Sz), 22,798

Dominique Aegerter

im Gespräch mit dem

Kiefer-Team.

s’Positive 3 / 2017 29


DOMINIQUE AEGERTER

behauptete (6.) kam Dominique

Aegerter nicht auf Touren

(22.). Was nun?

Der Saisonstart ist am

vergangenen Wochenende

auch wegen der äusseren Bedingungen

turbulent verlaufen.

In Europa, Nordamerika

und Asien ist der Regen kein Problem.

Die Rennstrecken sind so konzipiert,

dass das Wasser schnell abläuft und der Asphalt

zügig trocknet. Aber der hochmoderne

Rundkurs vor den Toren von Doha in Katar

funktioniert nur bei trockenem Wetter.

Schliesslich fällt im Wüstenstaat fast kein

Regen. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge

in Katar beträgt rund 70 Millimeter

pro Jahr. Auf der Alpennordseite in der

Schweiz sind es rund 2000 Millimeter. Bisher

musste hier nur einmal (2009) wegen Regens

das MotoGP-Rennen auf den Montag

verschoben werden.

Doch diesmal spielte das Wetter verrückt.

Seit zwei Wochen hielt sich ein Tiefdruckgebiet

über der Wüste, das sich erst

am letzten Montag nach dem Grand Prix

auflöste. Wind und Regen hatten bereits die

Tests beeinträchtig – und nun fiel das samstägliche

Abschlusstraining aus. Ein heftiges

Gewitter hatte die ganze Anlage so

unter Wasser gesetzt, dass die Piste nicht

mehr trocknete. So wurden die Startplätze

nach den Klassierungen der drei freien Trainings

vergeben.

Die Bedingungen für den ersten GP sind

also schwierig. Es ist nicht alleine das Wetter,

das die Suche nach der Wahrheit über Dominique

Aegerters Formstand beim Saisonstart

so schwierig macht. In den drei freien

Bei den

Trainingsfahrten in

Katar kam Aegerter

nicht so richtig

auf Touren.

«Ich war einfach noch nicht dazu

in der Lage, ein Optimum herauszuholen.

Ich muss mich wieder

an die Intensität eines Rennens

gewöhnen.»

Trainings vermag er die Dämonen des Zweifels

nicht zu verscheuchen. Während Tom

Lüthi trotz eines schweren Sturzes ganz vorne

mitfährt – 1. im ersten, 4. im zweiten und

3. im dritten Training – und sich schliesslich

für die erste Startreihe qualifiziert (3.), sucht

«Domi» nach seiner Form: 17. im ersten, 23.

im zweiten und 7. im dritten Training. Start

aus der dritten Reihe (7.).

Erstaunlicherweise bleibt der Rohrbacher

in dieser resultatmässig kritischen Situation

gelassen. «Ich fühle mich in meinem neuen

Team sehr wohl. Die Suter hat grosses Potenzial.

Aber ich bin noch nicht dazu in der

Lage, dieses Potenzial auszuschöpfen.»

Also noch kein Grund zur Beunruhigung.

Ein Blick zurück zeigt: Dominique Aegerter

war im Training in Katar noch nie sehr

schnell. Seit Einführung der Moto2-WM

(2010) hat er sich hier nur ein einziges Mal

(5.) in den Top Ten klassiert. Ja, sein 7. Platz

nach den drei freien Trainings, der für die

Startaufstellung zählt, ist sogar das zweitbeste

Trainingsresultat in Katar. Also ist er

doch in Form?

Doch das Rennen ist auf den ersten Blick

eine arge Enttäuschung. Der 11. Platz reiht

sich zwar in die bisherigen Ränge ein, die er

jeweils zum Saisonstart im Morgenland herausgefahren

hat: 11. (2010), 13. (2012), 4.

(2013), Motorenschaden (2014), 15. (2015)

und 5. in der letzten Saison. Aber hätte aus

der zweiten Reihe heraus nicht eine bessere

Platzierung resultieren müssen?

Wo war der bissige, der

verwegene Dominique Aegerter,

der sonst so oft auf

den ersten paar hundert Metern

fünf, sechs oder noch

mehr Ränge gutmacht?

Bremsen ihn doch die Dämonen

des Zweifels? Nein. Er ist

nach dem Rennen guter Dinge.

«Das Potenzial ist viel

grösser als es meine Klassierung

sagt. Ich war einfach noch nicht dazu

in der Lage, ein Optimum herauszuholen.

Ich muss mich wieder an die Intensität eines

Rennens gewöhnen. Es ist hier hart zur Sache

gegangen. Schon in der zweiten Kurve

ist mir Marini in die Kiste gefahren und ich

habe manchmal beim Anbremsen gleich

mehrere Plätze verloren.»

Der Saisonauftakt in Katar war sein erstes

Rennen seit dem 26. September. Weil er vom

Team damals nach dem GP von Aragonien

auf die Strasse gestellt worden war (weil er

bereits zu diesem Zeitpunkt bei seinem jetzigen

Team unterschrieben hatte), verpasste

er die vier letzten Rennen (und damit

auch die dazugehörigen Trainings) der letzten

Saison. Er musste also in Katar auch ein

bisschen den «Rost» aus der Rennseele fahren

und sich wieder an seine Limits herantasten.

Kommt dazu, dass die Strecke in

Katar eine ganz besondere Eigenschaft hat:

Die Ideallinie ist schmaler als bei anderen

Rennbahnen. Will heissen: Richtig schnelle

Rundenzeiten gibt es nur auf eben dieser,

ein paar Zentimeter breiten Ideallinie.

Ein «Kampfpilot» wie Dominique Aegerter

hat auf einer solchen Strecke mehr Mühe

als ein feiner Stilist, der kaum je von seiner

Ideallinie abweicht. Und heftige Zweikämpfe

in der Gruppe sind viel heikler. In diesem

Zusammenhang ist bemerkenswert, dass

Dominique Aegerter diese Saison noch nie

gestürzt ist – Tom Lüthi hat hingegen auf

INFOS

Renndaten 2017

26. März GP Katar (Doha)

9. April GP Argentinien (Rio Ondo)

28. April GP Amerika (Austin)

7. Mai GP Spanien (Jerez)

21. Mai GP Frankreich (Le Mans)

4. Juni GP Italien (Mugello)

11. Juni GP Katalonien (Barcelona)

25. Juni GP Holland (Assen)

2. Juli GP Deutschland

(Sachsenring)

6. August GP Tschechien (Brünn)

13. August GP Österreich (Spielberg)

27. August GP England (Silverstone)

10. Sept. GP San Marino (Misano)

24. Sept. GP Aragon (Alcaniz)

15. Okt. GP Japan (Motegi)

22. Okt. GP Australien

(Philipp Island)

29. Okt. GP Malaysia (Sepang)

12. Nov. GP Valencia (Valencia)

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DOMINIQUE AEGERTER

der Suche nach dem Limit bereits sieben Mal

abgesattelt – sechsmal während der Tests

und im ersten freien Training in Katar.

Aber sind nicht die Resultate immer die

letzte Wahrheit im Sport? Eigentlich ja. Aber

es gibt eine Ausnahme von diesem ehernen

Gesetz des Spitzensports. Katar 2017 ist diese

Ausnahme. Die Klassierung von Dominique

Aegerter ist mehr wert, als es der 11.

Platz vermuten liesse.

Vor einem Jahr hatte er hier beim Saisonstart

Platz 5 geholt. In einem Rennen, in

dem es drunter und drüber ging und mehrere

Favoriten wegen Frühstarts weit zurückgeworfen

wurden – der späterere Weltmeister

Johann Zarco sogar auf Rang 12.

Dominique Aegerter sagt: «Ich hatte auf

Platz 5 vor einem Jahr fast so viel Rückstand

auf den Sieger wie jetzt auf Rang 11.» Tatsächlich

betrug letztes Jahr die Differenz

zum Sieger 16,064 Sekunden. Jetzt sind es

17,802. Und seinen neuen Teamkollegen

Der 11. Platz am GP Katar reiht sich in die vergangegen Ränge zum Saisonstart ein.

Dany Kent (13.) hat er im Rennen hinter sich

gelassen. Er wird so oder so kein «Störfaktor»

wie Tom Lüthi sein.

Was sind nun also die Wahrheiten aus

dem Saisonauftakt? Tom Lüthi (2. in Katar)

ist Titelanwärter, Dominique Aegerter wird

noch um Podestplätze fahren – und könnte

in der zweiten Saisonhälfte zum Spielverderber,

zum Zünglein an der Waage im Titelkampf

werden. Wir dürfen uns auf allerbeste

Unterhaltung, ja auf die dramatischste

Saison seit dem Einstieg von Dominique

Aegerter in den GP-Zirkus (Herbst 2006)

freuen.

ZUSATZINFOS

Erweist sich der «Rausschmiss» als Glücksfall?

Die Gefahr, dass das Team von

Tom Lüthi und Jesko Raffin

seinen wichtigsten Geldgeber

aus politischen Gründen verlieren

könnte, ist beunruhigend

gross. So gesehen könnte

sich der Rausschmiss aus diesem

Team für Aegerter noch

als Glücksfall erweisen.

In Katar war helvetische Politik

ein heisses Gesprächsthema.

Das kommt so: Internet-

Wetten sind «Big Business».

Alleine die Firma Interwetten

mit Sitz in Wien setzt im Jahr

rund eine Milliarde um. Fast

200 Millionen davon in der

Schweiz. Interwetten ist seit

2006 der wichtigste Sponsor

von Tom Lüthi und auch des

Teams, in dem der Weltmeister

von 2005 (125 ccm) zusammen

mit der grossen Nachwuchshoffnung

Jesko Raffin

(21) heute fährt. Die Zusammenarbeit

ist langfristig ausgelegt.

Es gibt bereits eine mit

Interwetten abgestimmte, auf

drei Jahre ausgelegte Strategie

mit dem Endziel einer Schweizer

Präsenz in allen drei Kategorien

(MotoGP, Moto2, Moto3)

in der Saison 2019. Tom Lüthi

mit KTM in der Königsklasse

MotoGP, Jesko Raffin in der

Moto2-WM und Jason DuPasquier

(jetzt in der Moto3-Junioren-WM)

in der Moto3-WM.

Aber diese Pläne sind Makulatur,

wenn sich die Politik

Tom Lüthi, Jesko Raffin, Dominique Aegerter.

durchsetzt. Eine Gesetzesvorlage

für das generelle Verbot

von ausländischen Internetwetten

in der Schweiz zum

Schutze der Schweizerischen

Lotteriegesellschaft von Swisslos

hat bereits den Nationalrat

passiert und wird auch im

Ständerat keine Probleme haben.

Ist das Gesetz in Kraft, wird es

nicht mehr möglich sein, auf

einem Computer in der

Schweiz auf ausländischen

Websites zu wetten. Für Interwetten

gibt es dann keinen

Grund mehr, fast eine Million

in das Team von Tom Lüthi

und in das persönliche Sponsoring

des Fahrers zu investieren.

Lüthis Manager Daniel

Epp sagt: «Es wäre sehr

schwierig einen Sponsor zu

finden, der im gleichen Umfang

wie Interwetten einsteigt.»

Die alles entscheidende Frage

ist nun, wann das neue Gesetz

in Kraft tritt. «Das ist noch

nicht ganz klar» sagt Epp. «Es

ist möglich, dass die Ausarbeitung

so lange dauert, dass das

Gesetz erst ab 2020 greift.

Aber es ist auch nicht ausgeschlossen,

dass es schon ab

dem 1. Januar 2018 in Kraft

tritt.» Das wäre bereits das

Aus für nächste Saison. «Selbst

wenn das Gesetz erst ab 2020

umgesetzt wird, ist die Rechtsunsicherheit

bis dahin so

gross, dass es schon vorher zu

einem Ausstieg von Interwetten

kommen könnte.»

Daniel Epp ist nun daran, an

einem Plan B zu arbeiten. Was

ist vorzukehren, wenn Interwetten

bereits Ende Saison

aussteigt? Was ist zu tun, um

Tom Lüthis Moto2-Karriere

weiterhin finanzieren zu können?

Steigt Interwetten aus,

dann muss Epp über eine halbe

Million auftreiben. Und das

ist nur möglich, wenn er jetzt

schon erste Kontakte knüpft.

Aber Interwetten wird erst im

Herbst entscheiden, ob der

Vertrag um eine weitere Saison

verlängert wird. Zu diesem

Zeitpunkt sind die wichtigsten

Sponsoring-Deals für 2018

längst unter Dach und Fach.

Dominique Aegerter ist im

Team von Stefan und Jochen

Kiefer von dieser Problematik

nicht betroffen.

Der wichtigste Sponsor dieses

Rennstalls aus Deutschland ist

der Recycling-Spezialist Air-

Grinder mit Sitz in Schweden

und in der Schweiz. Auch Dominique

Aegerters persönliche

Werbepartner (über die er den

grössten Teil seines Einkommens

erzielt) müssen sich

nicht um Politik kümmern.

Schliesslich kommen sie nicht

aus dem Bereich der Internetwetten.

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IN EIGENER SACHE

Leserbriefe

Ferdinand Hodler

Sehr interessanter Artikel über den

Oberaargau. Besonders die Beschreibung

des «Nicht-Oberaargauers» finde ich

witzig.

Sie zählen auch die vielen berühmten

Menschen auf, die ihr Leben hier verbrachten,

viele wenigstens zeitweise. Zu

den zeitweise hier Lebenden habe ich eine

Bemerkung: Ferdinand Hodler lebte zeitweise

im Oberaargau, jedoch in Langenthal,

bei seinem Onkel Neukomm. Seine

Anwesenheit ist im Stöckli sogar eingeschnitzt.

Das Stöckli befindet sich bei der

alten Mühle. am Stützli, das in die St- Urbanstrasse

mündet.

Ich freue mich aufs nächste s’Positive.

Margaritha Lüthi

Als geborene Langenthalerin las ich mit

Freude Ihren interessanten Bericht über

den Oberaargau. Vieles war mir bekannt,

vieles konnte ich aber auch dazu lernen. In

einer Sache muss ich Sie aber korrigieren.

Ferdinand Hodler fand in Langenthal bei

seinem Onkel Friedrich Neukomm Unterschlupf.

Das Stöckli neben der Mühle steht

heute noch. Dort entstanden auch die Bilder

von der Mühle und den Wässermatten.

Herzlichen Dank für die immer interessanten

Berichte im s’Positive.

Verena Costa

Was ist Tatsache?

Ihr Bericht über den Oberaargau ist hoch

interessant. Ich bin nun nach wie vor nicht

sicher, was wirklich alles zum Oberaargau

gehört.

Vor Jahren hatte ich eine Karte in den

Händen, wo unsere Gemeinde Murgenthal

ebenfalls zum Oberaargau gehörend eingezeichnet

ist. Bis jetzt war ich immer der

Meinung dass wir die einzige Aargauer

Gemeinde sind, die zum Oberaargau oder

genau zum Oberen Aargau gehört.

Auch im Internet existiert eine Karte, in

der Murgenthal dem Oberaargau zugeordnet

wird (unter Karten Oberaargau).

Alle Ihre Berichte sind immer hoch interessant

und super recherchiert. Aber diesmal

bin ich etwas verunsichert.

Ich freue auf jede neue Ausgabe von

s’Positive.

Rudolf Ruf

Grossartig!

So lautet mein Fazit zu Ihrem Magazin. In

Zeiten von Globalisierung, Fusionen und

einer Welt die aus den Fugen zu geraten

scheint, ist es eine richtige Wohltat

«s’Positive» zu lesen.

Geschichten aus der Region in der ich verwurzelt

bin! Ich sauge diese Artikel förmlich

auf und hatte schon etliche Aha-Erlebnisse!

Denn mein Interesse an solchen historischen

Geschichten ist nicht verklärte Nostalgie,

sondern: «Man muss die Entwickung

kennen, um den Ist-Zustand zu verstehen.»

Um nicht allzu ausführlich zu werden, liste

ich meine Vorschläge für künftige Artikel

nur in Stichworten auf: Oberaargauer-Dialekt,

Dorfgeschichten (Entstehung). Wirtshäuser

(insbesondere Ihre Namen), Käsereien,

altes Handwerk, Vereinshistorien, Industriegeschichte

(Porzi, Ziegelei, etc.) gescheiterte

Grossprojekte (z.B. Centralbahn),

Geschichte der OJB, usw. Nicht fehlen sollten

auch künftig Interviews mit Oberaargauer-Persönlichkeiten.

Wobei nicht der

Grad der Prominenz ausschlaggebend ist,

sondern was Sie zu erzählen haben: Fragt

doch einfach mal die «Altvorderen»

Kurzum: «weiter so, ich freue mich auf die

nächste Nummer!»

Andreas Witschi

Veranstaltung

Potentielle Normaliensammlung

Reto Müller

Arresting Fragments of the World.

Brigham Baker, Judith Kakon,

Clare Kenny, Maya Rochat

Ausstellung: 27. April – 25. Juni 2017

Vernissage: 26. April 2017, 18 Uhr

Kunsthaus Langenthal, Marktgasse 13,

4900 Langenthal

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garantieren. Aber prüfen werden wir

Ihren Vorschlag ganz bestimmt.

Wir wissen noch nicht, was auf uns zukommt,

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müssen. Werden Sie bitte nicht zu lang.

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rassistischen und sexistischen Inhalt werden

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34 s’Positive 3 / 2017


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