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Kultur Joker April 2017

6 KULTUR JOKER THEATER

6 KULTUR JOKER THEATER Die Verwandlung toleranter Weltenbürger Das Freiburger Wallgraben Theater inszeniert Ayad Akhtars Debütstück „Geächtet“ Viel Ruhm und Vorschusslorbeeren sind „Geächtet“ vorausgeeilt: 2013 wurde das Debütstück des pakistanisch stämmigen New Yorkers Ayad Akhtar mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet, 2015 beim Tony Award für das beste Theaterstück nominiert und 2016 bei der Kritikerumfrage der Fachzeitschrift „Theater heute“ zum „ausländischen Stück des Jahres 2016“ gewählt. Jetzt feierte „Geächtet“ unter der Regie von Ralf Buron im Freiburger Wallgraben Theater Premiere. Das macht Sinn, brachte Buron mit seiner brillanten Inszenierung von Sarah Kanes „Zerbombt“ ja erst vor kurzem auf die Südufer-Bühne, wie der Krieg in die Schlafzimmer kommt. Rund achtzig Minuten später ist man ein wenig enttäuscht: Keine Frage – souveräne Handschrift, interessanter Stoff, sehr gut gespielt, aber ein packendes oder gar aufrüttelndes Theatererlebnis ist dieses Drama nicht. Vielmehr braucht es lange um überhaupt Fahrt aufzunehmen und wirkt auch auf dem Höhepunkt seiner Eskalation wie am Reißbrett konstruiert. Oder ist es dieses für New York typische Setting samt der Klischeehaftigkeit seiner Figuren, die jede Übertragbarkeit auf europäische Verhältnisse zwar möglich, auf der Bühne aber kaum erlebbar machen? Braucht es für die Florian Kleine, Sabine Flack, Natalia Herrera (v.l.n.r.) Überassimilation und Verwandlung der Hauptfigur Amir ein 9/11? Oder genügen Rechtspopulismus, Islamophobie und Terroranschläge zur Zerstörung des fragilen, sozialen Friedens? Das ist die spannende Frage dieses Kammerspiels à la Yasmina Reza, das in einem völlig weiß möblierten Loft in der Upper East Side von Manhattan spielt (Bühne: Ralf Buron). Amir (Florian Kleine) jedenfalls hat den amerikanischen Traum geschafft: Der Sohn pakistanischer Einwanderer arbeitet als Wirtschaftsanwalt in einer renommierten Kanzlei, seine Hemden sind sehr teuer und seine Frau Emily (Sabine Flack) ist nicht nur schön, sondern auch eine aufstrebende Künstlerin. Dass sie ausgerechnet den von Amir als Gewaltverherrlichung verhassten Islam als neue Inspirationsquelle entdeckt hat, geht lange Zeit als bildungsbürgerliche Schwärmerei durch. Foto: Herrmann Posch Katastrophale Folgen allerdings hat es, als sie ihren Mann dazu drängt seinen Neffen Abe (mit nervöser Energie: Matthias Happach) zu unterstützen, in dem er sich für einen angeklagten Iman einsetzt. Bis hierhin gepflegtes Geplänkel. Das abrupt endet beim gemeinsamen Abendessen mit dem jüdischen Kurator Isaac (schön schnöselig: Achim Barrenstein) und seiner slawischen, im Original afroamerikanischen Frau Anna (bissige Zicke: Natalia Herrera), die in derselben Kanzlei wie Amir arbeitet. Kaum kommt man hinterher, wie plötzlich bei Fenchel-Anchovis-Salat Beleidigungen und Vorurteile im gefeilten Dialog-Pingpong hin und her schießen, wie diese toleranten Weltenbürger mit „ihr“ und wir“ argumentieren, wie der souveräne Identitätsverleugner Amir in die Ecke gedrängt plötzlich zum „Drecks-Dschihadisten“ mutiert. Im Grunde genommen explodiert die Bombe aber aus sehr persönlichen und nicht religiösen Gründen: Emily hat ihn mit Isaac betrogen, Anna hat seinen Job bekommen. Da steht der gekränkte Mann schon mal zu seinem Stolz, dass seine Glaubensbrüder so erfolgreich das World Trade Center pulverisierten. Ein Stück im Spagat zwischen klassischer Konversationskomödie und psychologischem Drama, das hochaktuelle Probleme verhandelt und auch unbequeme Fragen muslimischer Identität nicht scheut. Die Frauen allerdings haben hier lediglich eine Katalysator-Funktion und bleiben als Charaktere blass. Happy End gibt es keines: Amirs Selbstbild und Existenz sind zerstört, sein Neffe Abe hat sich radikalisiert. Weitere Termine: bis 16. April, Wallgraben Theater Freiburg. Marion Klötzer Kreative Köpfe Michael Barop / Theater Spielzimmer Das Theater Spielzimmer kam 2016 zur Welt und lernt gerade laufen. Im Februar feierten wir mit Max Frischs „Stiller“ unsere erste Premiere. Wir spielen Theaterstücke in den Wohnzimmern privater Gastgeber, die dazu ihre Freunde einladen. Die Idee für Theater Spielzimmer wächst schon seit Jahren in mir heran: 2012 probte ich im Wohnzimmer Monologe für die Aufnahme an der Schauspielschule (Ausbildung 2012-2015, Freiburger Schauspielschule im evangelisch in Freiburg E-Werk). Ich fand es schade, die Monologe nur für diese eine artifizielle Situation einstudiert zu haben und wollte sie wenigstens vor Freunden aufführen. Aus dieser Knospe von einem Gedanken öffnete sich uns dann ein völlig neuer Theaterraum. Wir begannen, das Theater dahin zurückzuholen, wo das Erträumen fremder Welten für viele von uns einmal angefangen hat, nämlich ins Wohnzimmer. Dort spielen wir mit dem, was sowieso da ist: Türen, Lampen, Den Willen unseres Vaters im Himmel tun Evangelische Theologie im Dialog mit Judentum und Islam 5., 10. und 20. April jeweils 19.30 Uhr im Evangelischen Forum, Ernst-Lange-Haus, Habsburger Str. 2, Freiburg mehr Infos: EEB, Telefon 0761 7086342 oder www.eeb-freiburg.de Bücher, Telefon, Türklingel, Kochtöpfe. Wir sind: taufrisch, euphorisch, mutig. Uns inspirieren: Räume, Gegensätze, Neues. Unsere Themen: Am Anfang einer jeden Produktion steht für uns die Frage, ob sich ein Wohnzimmer als Bühnenbild eignet. Das beschränkt uns jedoch nicht auf Kammerspiele: Sartres „Geschlossene Gesellschaft“ ist genauso denkbar wie Gullivers Reisen, Faust oder Robinson Crusoe, Leseabende oder individuell gestaltete Programme. Solange uns der Stoff zum Erforschen neuer Welten inspiriert und unsere Phantasie herausfordert, ist fast alles möglich. Aktuelle und nächste Produktion: Aus den Requisiten des Alltags bauen wir in den Wohnzimmern unserer Gastgeber die Welt unseres kauzig-wütenden Protagonisten Stiller. So entsteht in der Phantasie unserer Zuschauer eine Gefängniszelle, der Wald in der Nähe eines Lungensanatoriums, ein Atelier. Eine Schauspielerin und zwei Schauspieler erzählen Stillers Geschichte in fremden, für uns jedes Mal überraschenden (und anders knarrenden) Wohnzimmern in Freiburg und Umgebung, hautnah erlebt von je ca. zwanzig bis dreißig Gästen. Ab Mai kommt dann unsere neue Produktion Sommernachtslyrik hinzu, ein von Shakespeares Puck inspirierter lyrischer Abend in den Gärten der Gastgeber. Auch ein Garten ist ganz von selbst ein zauberhaftes Bühnenbild, und anders als andere Sommernachtsträumer müssen wir uns nicht fragen, wie wir einen Wald auf die Bühne kriegen. Für unsere Arbeit brauchen wir: Ein Wohnzimmer. Die Größe spielt dabei keine Rolle. Spontaneität und Flexibilität. Mut, sich in neue Welten zu begeben. Von uns selbst und von unseren Gastgebern. Visionen/Zukunftsprojekt: Wir träumen davon, mit einem kleinen Repertoire unterschiedlichster ernster und komischer Stücke die Feste unserer Gastgeber zu beleben, ihre manchmal bis zur Unkenntlichkeit bekannten Wohnzimmer in immer wieder neue Welten zu verwandeln und so nie in den Trott der siebenunddreißigsten Aufführung zu fallen. Infos/Buchung: www.spielzimmer-freiburg.de www.facebook.com/theaterspielzimmer kultur-joker_anzeige_vater_EBlogo.indd 1 20.03.2017 15:55:01

theater KULtUr JOKer 7 „Le Café d´Amour“, so der Titel der zwölften Inszenierung der Freiburger Schattenspringer, Baden-Württembergs ältester inklusiver Theatergruppe für Menschen mit und ohne Behinderungen unter der Trägerschaft des Diakonischen Werks. Aufgrund vieler Neuzugänge brauchte es bis zur Premiere eineinhalb Jahre intensiver Probenarbeiten, erzählt Regisseur Wolfgang Kapp. Denn Gruppendynamik, individuelle Eigenarten und Potentiale, die Suche nach Herausforderungen – all das spielt bei den Schattenspringern eine große Rolle. Schließlich bringen sie in ihren Produktionen nicht nur auf die Bühne, was sie selbst bewegt, sondern tun dies auch auf ihre ureigene Art und Weise. Um die Liebe geht es dieses Mal, um Sehnsucht, Mut und Vertrauen, aber auch um Enttäuschungen und Schwierigkeiten. – Eine extrem verwirrende Angelegenheit, das gibt sogar die Liebe selbst zu, die als eine Art blondgelockte Fee in leuchtend rotem Kleid im Einig Volk von Brüdern Am Theater Basel ist mit Schillers „Wilhelm Tell“ ein Nationalmythos zu sehen Thiemo Strutzenberger Gegen Ende, wenn die Heldenverehrung übergreift, gibt es einen Moment der Verwirrung. Wer hat hier eigentlich wen mit einem kühnen Schuss getötet? Hatte Wilhelm Tell und vor allem der Landgraf (Thiemo Strutzenberger) nicht eben noch eine ganz andere Physiognomie? Stefan Bachmann schafft am Ende seiner gut zweistündigen Inszenierung von Friedrich Schillers „Wilhelm Tell“ eine Irritation. Bruno Cathomas, der bis dahin mit viel Verve die Rolle des Tells gespielt hat und der dem Basler Publikum bestens bekannt ist, steht nun in der hohlen Gasse. Einen Moment später ist der Mann tot, erschossen von Tell, der er vor wenigen Minuten noch selbst war. Man muss diesen Regieeinfall nicht besonders schlüssig finden. Vielleicht ist er einfach der Schweizer Herkunft des Intendanten des Kölner Schauspiels Stefan Bachmann geschuldet und der frühere Schauspielchef des Theater Basel ist gegen die Mythisierung Tells allergisch. Am Anfang jedoch ist das Metronom. Es gibt den Takt für Schillers Blankverse. Einmal muss dieser verhältnismäßig ungebundene Vers die rechte Sprechweise für ein Volk gewesen sein, das frei sein will. Heute hat man fast vergessen, wie rhythmisch das klingt. Zusammen mit DJ Flink, der rechts auf der Großen Bühne seinen Laptop installiert hat, ist dieser „Wilhelm Tell“ nicht zuletzt ein Sprachkunstwerk. Bachmann hat ein reines Männerensemble zusammengestellt. Dessen Stimmen vereinen sich zum Chor, manchmal ist die Nähe zum Sprechgesang des Rap offensichtlich. Man hört jedenfalls auf den Text, der wie alle klassischen Dramen reich an geflügelten Worten ist, die mit einiger Ironie über die Rampe kommen. Ansonsten herrschen klare Gegensätze. Jana Findeklee und Joki Tewes haben für die Eidgenossen wattierte Kostüme mit Anleihen an die Folklore und den Skisport entworfen, die Habsburger tragen höfisches Schwarz. Stefan Bachmann übersetzt den Zustand der Unfreiheit, in dem sich die Schweizer befinden, in formale Stilistiken. Nicht nur in die Sprache, sondern Olaf Altmann hat auf die Große Bühne auch ein überdimensioniertes Schweizer Kreuz gesetzt. Angesichts der bedrückenden Verhältnisse des Landes besteht es jedoch aus schwarzen Brettern, die einen horizontalen und einen kürzeren, vertikalen Gang frei lassen. Die Schweizer müssen sich also ordentlich bücken – was die darstellerischen Möglichkeiten einschränkt. Die Habsburger jedoch sowie Abtrünnige wie Ulrich von Rudenz (Simon Kirsch) können sich auf dem schmalen Streifen vor dieser Wand bewegen. Der vertikale Balken wird wie ein Kamin genutzt – man versteht nun endlich die Begeisterung fürs Alpine, es ist eine Kompensation für jede Form von Enge. Ein bilderreicher Szenenreigen Die Freiburger Schattenspringer mit „Le Café d´Amour“ im Freiburger E-Werk fast ausverkauften E-Werksaal durch den Abend führt. Doch dass dieses XXL-Gefühl das Leben erst lebenswert macht, davon ist sie überzeugt. Soll die Liebe sein wie ein perfektes Menü, müssen allerdings die Zutaten stimmen und sich alle Geschmäcker frei entfalten können. Wie das von der Vorspeise bis zum Dessert funktionieren kann, zeigt das „Café d´Amour“, das hier ein schlichtes Bahnhofsrestaurant mit großer Uhr und kleinteiligen Bildern ist (Bühnenbild: Christoph Fischer). Seine Gäste sind die sechzehn Schauspieler, die in den folgenden hundert Minuten viele Mini- und Fortsetzungsgeschichten zeigen werden – einen schnell geschnittenen Szenereigen, umrahmt von Liedern zu Live-Klaviermusik (Verena Renner), Tanzeinlagen und Gedichten. Erzählt wird bilderreich und mit viel Situationskomik: Da ist dieser schüchterne Typ im Pullunder, der am Bahngleis ein Auge riskiert und sich dann schnell verdrückt, als sein Flirt ihn wirklich anspricht. Foto: Simon Hallström Man wird ihn das ganze Stück über immer wieder sehen, meistens panisch an der Hose nestelnd und auf der Flucht, bis er sich ganz am Ende endlich traut. Da ist der italienische Koch, der so gutgelaunt seine Schlager trällert und den Takt mit dem Kochlöffel dazu klopft, bis er nach einem Anruf abrupt in Liebeskummer versinkt. Da gibt es Kostverächter und Theoretiker wie die immer beschäftigte Schreibtischfrau oder jener verspulte Professor, der Männlein und Weiblein nicht auseinander halten kann. Sie alle wagen oder versemmeln ihr Glück, manch einer wird dazwischen von der Schokoladenfrau getröstet oder von der Femme Fatale vernascht. Zum Glück ist die Liebesfee am Start, die ermuntert und neue Chancen schafft. Kommentiert wird das Geschehen von den Clowns mit frech-witziger Pantomime und liebevollem Spott. Ein sehr kurzweiliger Abend voller Ideen und Facetten, vor allem aber mit ganz unterschiedlichen Bühnensprachen. Dabei kommt jeder der Akteure zum Zug, es gibt manch Talent zu entdecken und viel zu lachen. Mit „Le Café D´Amour“ werden die Schillers 1804 uraufgeführtes Stück ist auf der Folie der Zeit Napoleons entstanden. In „Wilhelm Tell“ besteht zwischen der Gemeinschaft der Schweizer, die den Rütlischwur ablegen und Tell ein unklarer Antagonismus. Tell, der in der Verkörperung von Cathomas etwas von Obelix hat - wie alle Schweizer hier einen leichten Zug ins Comichafte haben, weigert sich der Vereinigung beizutreten. Es ist etwas verschroben Ungeselliges um diesen Tell. Thiemo Strutenberger gibt den wendigen, hinterhältigen Gessler, verlangt er von Tell den Apfelschuss, ballen die Schweizer vor allem in der Tasche die Hand. Als Tell verhaftet wird, wirken diese seltsam kopflos. Am Ende ist es Tell, der mit seiner Tat die Freiheit aller („frei erkläre ich alle meine Knechte“) herstellt. Bis dahin jedoch entwickelt Bachmanns Inszenierung ein geradezu mitreißendes Pathos, das große Empathien für die Schweizer und die Idee der Freiheit auslöst. Weitere Vorstellungen: 5./8. und 23. April, Große Bühne des Theater Basel. Annette Hoffmann Schattenspringer im Juni auch zum ersten Mal zum inklusiven Theaterfestival Klatschmohn nach Hannover reisen. Marion Klötzer

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Spiegel Gastronomie und die reGion Für FreiburG - Kultur Joker
LÜNEBURG AKTUELL ½ KULTUR ½ KUNST ½ ... - Quadrat
(FSB) am 25. April 2010 im Kultur - Fränkischer Sängerbund
am 24. und 25. April - KUF - Amt für Kultur und Freizeit
KAPUzine März/April 2005
KulturSeiten: Ein halbes Jahr Kultur in einem ... - Stadt Osnabrück
comunic club 2-2010 (pdf) - foto. kunst. kultur.
hof-programm - April 2017
Katalog April 2017
Kultur im Forum - CongressForum Frankenthal
Kultur Kulinarisches Kunst im Kulturelles Reisen ... - Haus Schlesien
Schoggi_Ausstellungs Flyer - Museum der Kulturen
März April - Internationaler Bodensee-Club eV
Kunst Kultur Kurioses - SIEBEN:regional
Hindenburger April 2017
JUNI 2011 BIS APRIL 2012 - Kreuztal Kultur
Fichtelgebirgs-Programm - April 2017
Kunst & Kultur 2013 - Oberderdingen