AltaVista Nullnummer

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Dieses Magazin ist nicht für die Veröffentlichung bestimmt. Sämtliche Texte und die Rechte liegen bei den jeweiligen Urhebern.

Ausgabe 00 | April 2017 | CHF 6.80

Wenn das Herz aus

dem Takt gerät

Heimeintritt

Für alle eine Herausforderung

Europa ohne Hepatitis C Kliniken

Durchbruch im Jahr 2030 Umfrage zur Zufriedenheit

Rubrik Heimeintritt APRIL 2017 ALTA VISTA 1


Aus der Praxis für die Praxis:

Monatlich aktuell zum Vorzugspreis

in ihrem Briefkasten!

Jahresabo

11 Ausgaben

statt CHF 74.80

nur CHF 65.–

altavistamagazin.ch

2 ALTA VISTA APRIL 2017 Rubrik Heimeintritt


Impressum

Editorial

Inhalt

altavista ist eine Publikation der

Danya Care GmbH.

Chefredaktion

Peter Empl

Herausgeber

Naeim Said

Autoren

Christoph Held, Bettina Ugolini,

Peter Empl, Yvonne Beck,

Mathilde Käppeli, Stephan Inderbizin

Art Direction

Nicole Senn | nicolesenn.ch

Korrektorat

Birgit Kawohl

Bildredaktion

Peter Empl & Nicole Senn

Web

www.altavistamagazin.ch

redaktion@altavista.ch

Anzeigenverkauf

Telefon 076 535 87 57

Administration, Abos

Telefon 044 586 35 38

altavista erscheint ab dem

5. Mai monatlich.

Druckauflage

35 000 Ex.

altavista ist in der Schweiz

eine eingetragene Marke

der Danya Care GmbH

Sämtliche Artikel in dieser

Nullnummer dienen zu Illustrations-

und Anschauungszwecken.

Die Urheberrechte liegen

beim jeweiligen Autor. Eine

Weitergabe an Drittpersonen

ist nicht gestattet.

www.altavistamagazin.ch

Naeim Said

Herausgeber

Peter Empl

Chefredaktor

Es gibt kaum einen boomenderen

Bereich als die Gesundheitsbranche.

Immer mehr

Menschen werden immer älter

und benötigen entsprechend

mehr professionelle Hilfe. Die demografische

Entwicklung ist hinreichend

dokumentiert, entsprechend

werden laufend Pflegeinstitutionen

auf staatlicher und privater Basis

geschaffen. Und genau hier kommt

altavista ins Spiel: das neue Magazin

beleuchtet die grossen Themen aus

dem Bereich Pflege, untersucht die

berufliche Praxis und dokumentiert

Behandlungsmöglichkeiten, welche

für die entsprechenden Berufsgruppen

von Interesse sind. Ausserdem

berichtet altavista über aktuelle

Entwicklungen in Politik, Wirtschaft

und Sozialwesen – sofern für das

Berufsfeld von Interesse.

Die hier vorliegende Nullnumer will

detailliert zeigen, in welche Richtung

altavista gehen wird. Unser

Magazin wird sich durch fundierte

Reportagen, spannende Berichterstattung

und spannende Themenvielfalt

auszeichnen. In vielen Fällen

wird aus der Praxis für die Praxis

berichtet. altavista ist politisch neutral,

gehört keiner Institution oder

Konfession an und ist daher absolut

unabhängig – was sich in der entsprechenden

objektiven Berichterstattung

zeigt.

Herzlich

Naeim Said und Peter Empl

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Diabetes

Titel

Wenn das Herz aus

dem Takt gerät

Thema

Spannungsfeld

Langzeitpflege

News

gesehen & Gehört

Pflegeberufe im Wandel

die Krankenschwester

Info

nAtional und

international

Statistik

Sinkende Zufriedenheit

in Kliniken

Aus der Praxis

iSO 9001:2015

News

europa ohne Hepatitis C

Thema

Heimeintritt

Kolumne

dr. Christoph Held

Thema

empathie in der Pflege

der Praxis

Alt werden: Segen

oder Fluch?

Dossier

dem schmerz auf der Spur

Service

Stellenanzeigen

Wenn die Fachstellen

gefordert werden

Inhalt APRIL 2017 ALTA VISTA 3


4 ALTA VISTA April 2017 Titel Wenn das Herz aus dem Takt gerät


Wenn das Herz aus

dem Takt gerät

Schlägt das Herz hin und wieder zu schnell oder zu langsam, ist dies kein Grund zur

Sorge. Dauern Herzrhythmusstörungen aber länger an, kann eine Herzerkrankung

dahinterstecken. Und: ein «gebrochenes Herz» gibt es tatsächlich!

Stephanie Klöpke

U

nser Herz schlägt jeden Tag

etwa 100 000-mal, um das

Blut durch den Körper zu

pumpen und alle Organe,

Gewebe und Zellen mit Sauerstoff

und Nährstoffen zu versorgen. Taktgeber

ist der sogenannte Sinusknoten, der im

rechten Herzvorhof liegt. Im Ruhezustand

beträgt der Rhythmus eines gesunden Herzens

etwa 60 bis 80 Schläge pro Minute, bei

trainierten Ausdauersportlern auch weniger.

Da der Sinusknoten von unserem Nervensystem

beeinflusst wird, beschleunigt sich

der Puls, wenn wir uns körperlich anstrengen

oder psychisch belastet sind – auf bis zu

160 Schläge pro Minute. Beim Schlafen hingegen

verlangsamt sich der Puls auf 40 bis

50 Schläge. Diese Veränderungen sind völlig

natürlich und haben nichts mit einer

Herzrhythmusstörung zu tun.

Von einem unregelmässigen Herzschlag

spricht man, wenn der Puls längerfristig

unter 60 Schläge pro Minute fällt

oder dauerhaft über 100 (bis 300) Schläge

in der Minute aufweist.

Auf Beschwerden achten

Tickt das Herz zu langsam, sprechen Mediziner

von einer «Bradykardie». Mögliche

Symptome sind Schwindel, Atemnot, Ohnmacht,

extreme Erschöpfung und Müdigkeit.

Ist der Rhythmus zu schnell, handelt

Tickt das Herz zu langsam,

sprechen Mediziner

von einer «Bradykardie».

es sich um eine tachykarde Herzrhythmusstörung,

die sich mit Herzrasen, Kurzatmigkeit,

Schwindelgefühlen, plötzlicher

Schwäche, Flattern im Brustkorb, Benommenheit

oder Nervosität bemerkbar machen

kann. Herzschläge, die ausserhalb des

normalen Grundtaktes auftreten, nennt

man Extrasystolen (Extraschläge).

Leichte oder gelegentliche Unregelmässigkeiten

kommen häufig vor und sind

nicht unbedingt gefährlich. Oft wird das

Herzstolpern nicht mal bemerkt. Andere

Menschen reagieren sensibler und nehmen

jede Pulsunregelmässigkeit wahr, fühlen

sich unwohl.

Das «gebrochene Herz»

Nach einer überstandenen Akutphase erholten

sich die PatientInnen jedoch meist

rasch; die Sterblichkeit liegt mehreren Studien

zufolge nur bei wenigen Prozent, wobei

natürlich nur korrekt diagnostizierte

Fälle zu Buche geschlagen sind. Die meisten

Patienten – es sind vor allem Frauen

nach den Wechseljahren – erholen sich innerhalb

weniger Tage oder Wochen und

verlassen die Klinik ohne bleibende ➔

Titel Wenn das Herz aus dem Takt gerät APRIL 2017 ALTA VISTA 5


Das Herz: Im Bewusstsein immer präsent – und dennoch schenkt man diesem Muskel im Alltag wenig Beachtung.

Schäden, ganz anders als bei einem Herzinfarkt,

an dem etwa die Hälfte aller akut

Betroffenen stirbt, viele noch vor Erreichen

der Klinik. Beim Infarkt sind einige Herzkranzgefässe

verstopft, woraufhin ein Teil

des Herzmuskels absterben kann und das

betroffene Gewebe später vernarbt. Das

Herzbleibt geschädigt.

Das aus klinischer Sicht «gebrochene»

Herz fühlt sich in der Brust an, als ob

es abgedrückt wird. «Auf Röntgenbildern

kann man sehen, dass sich der ganze

Herzmuskel verkrampft und sich im oberen

Teil wie durch einen umgeschnallten

Gürtel einschnürt», sagt der Bad Nauheimer

Psychokardiologe Jochen Jordan. Bisher

kann nur das Sondieren des Herzens

mit einem Katheter Aufschluss sowie eine

begleitende Röntgenaufnahme verraten,

ob nicht doch ein Teil der Herzkranzgefässe

verstopft ist, also in Wahrheit ein

Infarkt vorliegt.

Neue Diagnostikmethode

In etwa 2,5 Prozent der Fälle einer Herzattacke

jedoch hat sich das Herz lediglich

aus psychischen Gründen verkrampft –

und dies womöglich aus einem guten

Grund: Gemäss einer neueren Studie aus

Beim Infarkt sind

einige Herzkranzgefässe

verstopft.

England nämlich, um sich vor einem

Übermass des Stresshormons Adrenalin

zu schützen, das bei heftiger Aufregung

vom Nebennierenmark ins Blut ausgeschüttet

wird und den ganzen Kreislauf

ankurbelt, das Herz aber womöglich zu

arg, weshalb es sich sozusagen zum eigenen

Schutz verengt.

Wissenschafter der Medizinischen

Hochschule Hannover (MHH) und des

Universitätsspitals Zürich haben nun

eine schonende Methode gefunden, das

Syndrom des gebrochenen Herzens zu diagnostizieren

und vom Infarkt zu unterscheiden:

Sie nutzen dafür spezielle

Biomarker im Blut, sogenannte mikro-

RNAs. Salopp gesagt, handelt es sich dabei

«um genetische Information, die im

Blutstrom durch den Körper zirkuliert»,

sagt der Mediziner Thomas Thum. Und

«ein bestimmtes Muster aus vier mikro-

RNAs unterscheidet das Syndrom von

einem Herzinfarkt». Der Direktor des

MHH-Instituts für Molekulare und

Translationale Therapiestrategien hofft

nun, dass die Blutuntersuchung auf die

verräterischen Biomarker bald zur Routine

werden kann; dies dürfte allerdings

noch eine Weile dauern, womöglich auch

zwei oder drei Jahre.

6 ALTA VISTA APRIL 2017 Titel Wenn das Herz aus dem Takt gerät


Gerade bei älteren

Menschen können Herzrhythmusstörungen

Vorboten für künftige

oder unbemerkte

Herzkrankheiten sein.

Wann muss ich zum Arzt?

Wer bemerkt, dass sein Herz öfters aus dem

Takt gerät, lässt sich am besten vom Arzt

untersuchen, um der Ursache auf den Grund

zu gehen. Gerade bei älteren Menschen können

Herzrhythmusstörungen Vorbote für

künftige oder unbemerkte Herzkrankheiten

sein. Aufpassen müssen auch Menschen, die

unter Bluthochdruck leiden.

Mögliche Ursachen für die krankhaften

«Fehlzündungen» im Herzen gibt

es viele. Vereinfacht gesagt, handelt es

sich um Störungen am Sinusknoten oder

Schädigungen im Reizleitungssystem, das

die elektrischen Impulse weitergibt;

grundsätzlich unterscheidet man zwischen

organischen Ursachen und äusserlichen

Auslösern von Herzrhythmusstörungen.

Körperlich ausschlaggebend sind

beispielsweise koronare Herzkrankheiten,

Herzmuskelerkrankungen, Herzklappenfehler,

angeborene Herzfehler, Bluthochdruck,

Schilddrüsen-Über- oder -Unterfunktion

sowie Elektrolyt-Störungen (wie

etwa Kalium- oder Magnesiummangel).

Zu den äusseren Faktoren, die das

Herz aus dem Takt bringen können,

zählen Nebenwirkungen bestimmter Medikamente,

Drogen, übermässiger Alkoholgenuss,

zu viel Koffein, Nervosität,

Aufregung und Angst.

Die wichtigste Untersuchung bei Herzrhythmusstörungen

ist aber nach wie vor die

sogenannte Elektrokardiografie, das EKG.

Die elektrischen Ströme im Herzen werden

erst im Ruhezustand gemessen, dann unter

Belastung, beispielsweise auf einem Laufband

oder einem Home-Velo. In bestimmten

Fällen braucht es ein Langzeit-EKG über

24 Stunden, um Störungen aufzudecken, die

nur sporadisch vorkommen.

Es geht darum, herauszufinden, ob

das Herzstolpern harmlos ist oder einer

Behandlung bedarf. Ist das Herz gesund,

braucht es in der Regel keine Medikamente,

sondern kleine Änderungen im

Lebensstil. Steckt allerdings eine Erkrankung

dahinter, können sogenannte

Antiarrhythmika Linderung bringen.

Reichen Medikamente nicht aus, kann

ein Herzschrittmacher oder ein Defibrillator

implantiert werden, damit das Herz

regelmässiger schlägt.

Titel Wenn das Herz aus dem Takt gerät APRIL 2017 ALTA VISTA 7


Konflikte im Spannungsfeld

Heim – Angehörige –

BewohnerIn

Angehörigenarbeit ist in der geriatrischen Langzeitpflege bereits seit längerer Zeit

ein wichtiges und viel diskutiertes Thema.

Dr. phil. Bettina Ugolini

8 ALTA VISTA APRIL 2017 Thema Spannungsfeld Langzeitpflege


So harmonisch wie auf diesem Bild läuft der Alltag nicht immer ganz ab.

D

ie Annahme, dass Familien

oder Angehörige ihre alten

und pflegebedürftigen Familienmitglieder

in Heime

geben und sich dann anschliessend

nicht mehr um sie kümmern

ist längst überholt und widerlegt. Im Gegenteil

ist die Einweisung in eine Institution

in den meisten Fällen erst dann möglich,

wenn sich wirklich alle familialen

und ambulanten öffentlichen Ressourcen

erschöpft haben (Chenowetz & Spencer,

1986; Morycz, 1985). Das Bewusstsein dafür,

dass Angehörige ein Teil des alten

Menschen sind und dessen Wohlbefinden

auch davon abhängt, wie sicher und wohl

sich der Angehörige in der Institution

fühlt, ist im Laufe der Zeit gestiegen.

Quellen von Schwierigkeiten im

Umgang mit Angehörigen

Eine eher grundsätzliche Problematik der

auftretenden Schwierigkeiten zwischen

Angehörigen und Mitarbeitenden liegt

wohl darin, dass das familiale und professionelle

Versorgungssystem andere Interessen

verfolgen und ihnen eine andere Logik zugrunde

liegt. Die beiden Personengruppen

haben eine unterschiedliche Perspektive

auf den von betroffenen Menschen (Kickbusch,

1981). Für die Mitarbeitenden ist

diese bestimmte Person nur ein Teil ihrer

gesamten Aufgaben. Je höher der Zeitdruck

Jede Person hat

jeweils eine

andere Perspektive.

und geringer die Ressourcen desto mehr

muss die einzelne Person und ihre ganz individuellen

Bedürfnisse in den Hintergrund

treten. Es gilt dann Prioritäten so

zusetzen, dass alle Beteiligten in gewisser

Form zu ihrem Recht kommen. Für die Angehörigen

aber sieht die Situation anders

aus. Hier stehen ein ganz bestimmter

Mensch und die Wahrnehmung seiner individuellen

Wünsche im Mittelpunkt von

Denken und Handeln.

Dieses Faktum kann zu Missverständnissen

auf beiden Seiten führen. Die

Pflegenden erleben die Ansprüche der Angehörigen

als überhöht und können ihnen

nicht gerecht werden, während die Angehörigen

die Pflege als unzureichend erleben,

da individuelle Bedürfnisse nicht ausreichend

berücksichtigt werden. Dass beide

Personengruppen das Wohlbefinden des

Bewohners als oberstes Anliegen verfolgen

wird dabei schnell aus den Augen verloren.

Auch Faktoren, wie Alter Geschlecht,

Bildung und kulturelle Hintergründe können

im Alltag zu Schwierigkeiten und Unverständnis

führen. Barker (1994) geht davon

aus, dass zwei Personen sich besser

verstehen je ähnlicher sie einander in Bezug

auf Werte und Sprache sind. Oft liegen

aber mehrere Generationen zwischen

Mitarbeitenden und Angehörigen und die

damit verbundenen unterschiedlichen

Lebensvorstellungen können zu Kommunikationsproblemen,

Missverständnissen ➔

Thema Spannungsfeld Langzeitpflege APRIL 2017 ALTA VISTA 9


mieren trägt zur Entwicklung von Verständnis

für die anderen bei.

Ganz sicher gibt es verschiedenste

Gründe und Ursachen für Schwierigkeiten

und Konflikte im Umgang mit Angehörigen

die eine gute Kooperation erschweren.

Wichtig scheint an dieser Stelle das Bewusstsein

dafür, dass es wohl in den seltensten

Fällen nur eine Ursache gibt. Es braucht

also das Wissen um die vielen Möglichkeiten

und eine gute Diagnostik, um die Quelle

für die aktuellen Spannungen benennen und

gegebenenfalls zum Wohle aller Beteiligten,

auch bearbeiten zu können.

Oft würde es den Alltag einfacher machen, wenn alle gleich wären.

Aber auch langweiliger.

Es geht um das

Entwickeln einer

Kultur und

eines Konzepts.

und konfliktreichen Beziehen führen

(Fineman, 1992) und machen das Einander

verstehen nicht einfach.

Unklare Aufgabenteilung und nicht

definierte Zuständigkeiten zwischen den

Professionellen und den Angehörigen

(Schwartz & Vogel, 1990, Vinton & Mazza,

1994) lassen ebenfalls Konflikte entstehen.

Oft sehen die Pflegenden das Leben im

Heim als echte Alternative zum Leben zu

Hause und wollen damit alle Verantwortlichkeiten

unausgesprochen übernehmen –

auch die, die Angehörige weiterhin bei sich

selbst sehen (vgl. Pillemer et al. 1998). Es

fehlt das Bewusstsein dafür, dass die emotionale

Beziehung zwischen Heimbewohner

und Angehörigen von keiner Institution

ersetzt werden kann. Konkurrenzprobleme

können dann die Folge sein. Wer kennt den

zu Betreuenden besser und weiss genauer,

was ihm jetzt gut täte? Diskussionen, die

schliesslich in mangelndem Vertrauen oder

gar Misstrauen auf beiden Seiten enden.

Unzufriedenheit mit der Qualität und Angemessenheit

der Pflege auf Seiten der Angehörigen

lassen auch häufig Kontroversen

entstehen. Immer dann wenn Angehörige

ihre Erwartungen in Bezug auf die Betreuung

nicht erfüllt sehen, können Spannungen

folgen (Vinton & Mazza, 1994). Konflikthafte

Beziehungen haben oftmals auch

ihren Ursprung in mangelhafter Information

übereinander. Sich gegenseitig zu infor-

Angehörigenarbeit mit und für

Angehörige

Die vorangegangenen Ausführungen machen

deutlich, dass etwas zur Integration von Angehörigen

getan werden muss, wenn die Qualität

der Betreuung und das Wohl der anvertrauten

Menschen ein wichtiges Ziel ist.

In der Praxis zeigt sich, dass nicht einzelne

Massnahmen wichtig sind, sondern

dass es grundsätzlich der Kompetenz auf die

Vielfalt von Anliegen und Bedürfnissen reagieren

zu können, bedarf. Es geht um das

Entwickeln einer Kultur und eines

Konzepts mit einem differentiellen Angebot

an Unterstützungsmassnahmen auf der

Zeitachse von der Entscheidung zum Eintritt

bis zum Todesfall aus dem der Angehörige

für sich selbst das Geeignete wählt, kann in

der komplexen Situation für den Angehörigen

hilfreich sein und in der Institution zur

Konfliktvermeidung und besseren Integration

der Angehörigen als Ressource beitragen.

Dabei sollte sowohl psychoedukative

Massnahmen wie auch psychosoziale Unterstützung

und die Möglichkeit zur aktiven

Beteiligung ins Auge gefasst werden. Wenn

bei der Umsetzung dann besonderer Wert

auf die Schulung und Begleitung der Mitarbeiterinnen

aller Dienstbereiche gelegt wird,

erst dann kann aus einer Begegnung mit Angehörigen

eine Arbeit für, mit und an Angehörigen

werden.

über die autorin

Bettina Ugolini, geb. 1962, ist diplomierte

Pflegefachfrau und Diplompsychologin

und leitet seit zehn Jahren am Zentrum

für Gerontologie der Universität

Zürich die psychologische Beratungsstelle

LiA, Leben im Alter. Ausserdem ist

sie in verschiedenen Fort- und Weiterbildungen

innerhalb und ausserhalb der

Universität tätig. Sie ist Autorin der Bücher

«Ich kann doch nicht immer für

Dich da sein» und «Wegweiser Alter».

Sie verfasste zusammen mit Christoph

Held das Kapitel «Mit Angehörigen von

Demenzkranken über dissoziatives Geschehen

sprechen».

10 ALTA VISTA APRIL 2017 Thema Spannungsfeld Langzeitpflege


1/2-SEITE

INSERAT

HOCH

SATZSPIEGEL

90x250mm


Gesehen & gehört

Wer viel sitzt, stirbt früher – oder?

Abhilfe gegen das Herumsitzen sollen

Stehpulte am Arbeitsplatz schaffen.

Eine neue Studie bezweifelt aber, ob

diese einen positiven Effekt auf unsere

Gesundheit haben.

Ob vor dem PC-Bildschirm im

Büro, beim Plaudern im Café oder

zum gemütlichen Fernsehabend zu

Hause: Wir sitzen. Und das nicht zu

knapp. Laut einer Studie des Bundesamts

für Gesundheit (BAG) verbringen

Schweizerinnen und Schweizer

zwischen 15 und 74 Jahren im Schnitt

vier bis fünf Stunden ihres Tages im

Sitzen. Jede sechste Person verbringt

gar achteinhalb Stunden täglich auf

ihrem Allerwertesten. Überhaupt

habe die körperliche Inaktivität durch

langes Sitzen in den letzten Jahren

stark zugenommen.

Das kann weitreichende Folgen

für die Gesundheit haben. Je länger

wir am Tag sitzend verbringen, so die

Ausführungen des BAG, desto grösser

ist das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen,

Übergewicht, Diabetes

und sogar Krebs. Kurz und knapp: Wer viel sitzt,

stirbt früher. Um dem entgegenzuwirken, rät das Bundesamt

vor allem: Keine Gelegenheit auslassen, aufzustehen

und sich zu bewegen.

Die Arbeitswelt hat auf dieses Problem bereits vor Jahren

reagiert. Seither halten in immer mehr Büros «ergonomisch

korrekte» Stehpulte Einzug. Um die trendigen Möbel

ist ein regelrechter Hype entstanden. Sie sorgen für eine

willkommene Abwechslung zur sitzenden Tätigkeit und fördern

damit die Gesundheit der Mitarbeiter.

Sollte man meinen. Doch jetzt äussern Wissenschafter

Zweifel am gesundheitlichen Nutzen von Stehpulten. Das

Forschungsteam der Cochrane Collaboration, einem weltweiten

Netzwerk von Wissenschaftern und Ärzten, hat

20 verschiedene Studien, die zum Thema durchgeführt

wurden, genauer unter die Lupe genommen. Ihr Fazit: Es

gebe keine eindeutigen Beweise dafür, dass Stehpulte am

Arbeitsplatz die Gesundheit der Mitarbeiter verbessern.

Ihren Befund untermauern die Forscher mit mehreren

Begründungen. Erstens hätten die Studien gezeigt, dass

Büroangestellte täglich lediglich zwischen 30 Minuten und

zwei Stunden im Stehen arbeiteten, wenn entsprechende

Pulte zur Verfügung stehen – eine viel zu kurze Dauer, um

die gesundheitlichen Folgen stundenlangen Sitzens auszugleichen.

Laut Experten seien dafür weitaus längere Stehphasen

und vor allem mehr aktive Bewegung notwendig.

Auch andere Anreize, wie regelmässige Gehpausen, hätten

Mitarbeiter nicht öfters von ihren Stühlen gelockt.

Zweitens bemängeln die Forscher aber vor allem die

durchgeführten Studien selbst. Die meisten seien so

schlecht konzipiert worden, dass ihre Ergebnisse kaum als

Beweis dafür reichen, dass Stehpulte tatsächlich zu einer

Verbesserung unserer Gesundheit führen. So seien die Untersuchungen

jeweils mit zu wenigen Probanden durchgeführt

worden – gerade einmal 2180 Teilnehmer verteilen

sich auf die 20 Studien. Auch seien die Untersuchungszeiträume

in den meisten Fällen viel zu kurz ausgefallen. Auf

die langfristigen Effekte lassen sich darum gar keine Rückschlüsse

ziehen. Im wissenschaftlichen Sinn bleibt also unklar,

inwiefern Stehpulte unsere Gesundheit beeinflussen.

12 ALTA VISTA APRIL 2017 News gesehen & Gehört


Unzufriedenheit im Job macht junge Leute krank

Arbeitszufriedenheit in den späten Zwanzigern und Dreissigern

hat einen direkten Zusammenhang mit der Gesundheit

Anfang vierzig, wie eine landesweite Studie ermittelt hat.

Arbeitszufriedenheit hat demnach Folgen auf die psychische

Gesundheit Deutlich ausgeprägter sind jedoch die Folgen

für den Körper.

Jene Studienteilnehmer, die mit ihrem Job zu Beginn ihrer

Karriere wenig glücklich waren, berichteten später deut-

lich häufiger über Depressionen und Ängste und hatten auch

Schlafprobleme. Die Entwicklung der Arbeitszufriedenheit in

diesen frühen Jahren wirkt sich später ebenfalls aus.

Ganz anders sieht es jedoch aus, wenn die Situation im

Job im Laufe der Jahre immer schlechter wird. Laut dem

Studienleiter Hui Zheng von der Universität Zürich zeigen

die Studienergebnisse die Bedeutung der frühen Arbeitsverhältnisse

für das weitere Leben. (Red)

Hypnose gegen Pollenallergie?

Nebst schulmedizinischen Therapien kann auch die Alternativmedizin

bei Pollenallergien Linderung verschaffen.Die

Temperaturen steigen langsam, die Winterstiefel werden in

den Keller geräumt – der Frühling macht sich zurzeit

schrittweise bemerkbar. Dies tut er aber nicht zur Freude

aller Leute. Mit ihm beginnt auch die Zeit der Pollenallergie,

die vielen Personen Probleme bereitet: Es wird geniest, geschnäuzt

und geweint. Laut Aha! Allergiezentrum Schweiz

wird 2017 ein starkes Birkenpollenjahr. Wer gegen seine Allergie

vorgehen will, findet auch regionale

Alternativen zur Schulmedizin.

So gross wie das Feld der Komplementärmedizin

ist, so unterschiedlich

sind auch die Therapieformen,

welche angewendet werden. Eine davon

ist neuerdings Hypnose. Beispielsweise

in Oftringen gefunden

werden. Dort aktiviert Jana Schadt die

Immunkräfte mithilfe von Hypnosetherapien.

«Dies ist vor Ausbruch

der Pollenallergie am wirkungsvollsten»,

erklärt die diplomierte Hypnosetherapeutin.

Doch auch bei akuten

Fällen helfe es, den Körper herunterzufahren.

«Mithilfe der Therapie wird

hinter die Geschichte geschaut und

gefragt, was der Körper uns sagen

will», so Jana Schadt. Nach einem Gespräch

mit der betroffenen Person folge

eine Hypnosesitzung. Etwa nach

zwei Wochen folge eine weitere. Wenn

der Betroffene darauf anspreche,

brauche es nur wenige weitere Sitzungen, um längerfristig

Linderung bei einer Pollenallergie zu verschaffen.

Zwar gibt es viele Therapieformen der Alternativmedizin

dennoch greifen die meisten Betroffenen zu Medikamenten

in Form von Nasensprays, Augentropfen oder auch Tabletten,

um die Symptome zu bekämpfen. In der Schweiz sind,

wie das Allergiezentrum Schweiz schreibt, rund 15 bis

20 Prozent der Einwohner von der Pollenallergie betroffen.

Dies entspricht ungefähr 1,2 bis 1,6 Millionen Menschen.

News gesehen & Gehört APRIL 2017 ALTA VISTA 13


Aus dem Leben einer

Krankenschwester in

früherer Zeit

Kaum ein Beruf hat sich in den letzten Jahrzehnten so gewandelt wie

derjenige der dipl. Pflegefachfrau HF. Früher – vor 40 Jahren – gab es

schlicht «die Krankenschwester».

Schwester Mathilde

14 ALTA VISTA APRIL 2017 Pflegeberufe im Wandel Die Krankenschwester


W

ie beeindruckend war

doch das Spital, als ich

vier Jahre alt war. Mein

Vater musste damals eingewiesen

werden wegen

eines schweren Unfalls. Beim ersten Besuch

kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Die weissgekleideten Frauen und Männer –

die waren für mich alle Engel – deren Arbeit

ich nicht verstand. Die Besuche vermittelten

mir einen unvergesslichen Eindruck. Das

wollte ich später auch einmal sein – so ein

schöner, weisser Engel. Mein Vater starb

später bei diesen Engeln. Trotzdem konnte

mich nichts zurückhalten – Krankenschwester

wollte ich werden. Fragte mich später

jemand nach meinem Berufswunsch kam

laut und deutlich und mit strahlenden Augen

nur die Antwort: Krankenschwester.

Bis ich altersmässig soweit war, das

18. Altersjahr musste erfüllt sein, waren weitere

Vorgaben zu erfüllen: Abgeschlossene

Sekundarschule, Haushaltlehrjahr, eine zweite

Landessprache erlernt und – natürlich–

ein guter Leumund. Es stand somit eine lange

Wartezeit bevor, die ich aber durch Tätigkeiten

im Haushalt und in sozialen Institutionen

sinnvoll überbrücken konnte.

Sitte und Moral als Orientierungspunkte

Es kam der Tag der Aufnahmeprüfung.

Beim Bewerbungsgespräch wollte die

Schulleiterin wissen, warum Krankenschwester

mein Traumberuf sei. Meine

Antwort auf diese Frage weiss ich nicht

mehr. Sicher gab ich mein Geheimnis nicht

preis, als Vierjährige die Krankenschwestern

als Engel erlebt zu haben. Die Schwesternschule

wurde damals von Ordensschwestern

geleitet. Sie gehörten einem

Frauenorden an, mit dem Hauptsitz in Besançon.

Ihr Ordenskleid war beeindruckend.

Sitte und Moral waren wichtige Orientierungspunkte.

Mein Ankommen im

Schwesternhaus prägte

mich zeitlebens.

Mein Ankommen im Schwesternhaus

prägte mich zeitlebens. Es war ein

Ankommen in einer anderen, aber schönen

Welt. Das Schwesternhaus, ein Neubau,

erschien mir als luxuriös. Es gab aber

auch den Eindruck eines Internats mit

strengen Regeln: Keinen Männerbesuch,

Rauchverbot, Radio- und Fernsehverbot,

eingeschränkter und nicht gerne gesehener

Ausgang – lernen und erholen, waren

die Devise. Um Fernsehen zu können,

stand ein Apparat im Aufenthaltsraum zur

Meine Freude wurde

durch die rigiden Kleidervorschriften

getrübt.

Verfügung. Meine Freude wurde auch

durch die rigiden Kleidervorschriften getrübt.

Selbstverständlich waren die vom

Spital zur Verfügung gestellten Berufskleider

zu tragen, mit dem Häubchen. Es

musste alle Haare bedecken. Nur vorne

durfte ein Streifen Haare zu sehen ein.

Der Streifen wurde bei mir allmählich

breiter, aber nur für kurze Zeit, denn wir

wurden ständig überwacht. Warum hatten

die Röcke bis zur Wade zu reichen – zu

gleicher Zeit waren modische Miniröcke

gefragt. Die Schuhe hatten schwarz zu

sein, mit 4 cm hohem Absatz. Sicher gut ➔

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Rubrik Heimeintritt APRIL 2017 ALTA VISTA 15


Schwester Mathilde (rechts) in der Ausbilung. Damals gab es lediglich Krankenschwestern und Hilfsschwestern.

Entsprechend rudimentär waren auch die Schulfächer.

gemeint für langes Stehen und gehen.

Heute lache ich über diese Äusserlichkeiten

und habe auch ein gewisses Verständnis

für die damaligen Vorschriften.

Ordensschwestern mit breiten

Hauben

Der Start ins Berufsleben begann mit der

Übergabe des Namensschildchens: Sr.

Mathilde. Die Abteilung leitete eine Ordensschwester.

Zum Team gehörten auch

Mitschwestern, die bereits im zweiten und

dritten Lehrjahr waren. Es herrschte eine

gute, aber strenge Atmosphäre. Wir hatten

es auch lustig. Die breiten Hauben der Ordensschwestern

führten hin und wieder zu

einem Missgeschick, das wir mit schmunzeln

beobachten konnten. So verlor eine

Ordensschwester bei einem schmalen

Durchgang ihre Kopfbedeckung, was Verlegenheit

und Nervosität zur Folge hatten.

Wir hofften insgeheim auf die Wiederholung

solcher Vorfälle.

Zum Glück wurde ich an meinem ersten

Arbeitstag nicht von einem Todesfall

betroffen. Pro Woche hatten wir zwei Tage

lang die Schule zu besuchen. Die übrige Arbeitszeit

verbrachten wir auf der Abteilung.

Nach 1,5 Jahren war eine mündlich Zwischenprüfung

zu bestehen. Eine spezielle

Vorbereitung war nicht möglich, der Bereich

der möglichen Fragen betraf den gesamten

menschlichen Körper. Für mich hatte das

fünfköpfige Befragungsteam Fragen zum

Magen- Darm-Trakt vorgesehen. Das Ergebnis:

Zwischenprüfung gut bestanden.

In der Ausbildung hatten

wir nur freie Kost

und Logis, keinen Lohn.

Nach der Zwischenprüfung war ein

halbjähriges Praktikum in einem anderen,

grossen Spital zu absolvieren. Ich wählte das

hôpital de la Providence in Neuenburg aus.

Ich erlebte den Wechsel als Bereicherung in

fachlicher und menschlicher Hinsicht.

Krankenschwester aus

Berufung

Im dritten und letzten Lehrjahr hatten wir

weitere Abteilungen kennen zu lernen:

Chirurgie, Medizin, Gynäkologie, Gebärstation

mit Gebärsaal, Operationssaal. Wir

bekamen ein gutes Rüstzeug, um später

eine Abteilung führen zu können. Die bestandene

Abschlussprüfung war die Krönung

meiner schönen Ausbildung.

Die Wahl des Schwesternberufes war

nicht verbunden mit der Hoffnung, viel

Geld zu verdienen. In der Ausbildung hatten

wir nur freie Kost und Logis, keinen

Lohn. Wir bekamen hin und wieder ein

Trinkgeld, vor allem in der Wöchnerinnen-Abteilung.

So war die Tätigkeit in dieser

Abteilung besonders begehrt.

Nach der Lehrabschlussprüfung war

ein sogenanntes Pflichtjahr zu absolvieren.

Zur Auswahl standen fünf verschiedene

Spitäler. Ich entschied mich für die Kinderinfektions-Station

am Lernort.

Und dann, nach vier Jahren Ausbildung,

begann das Leben ohne lästige, enge

Vorschriften. Ich war immer neugierig auf

«das Leben». Mein Ziel war die Arbeit in

Spitälern in der französischen und italienischen

Schweiz. Später besuchte ich die

Schule für soziale Arbeit, nach Abschluss

arbeitete ich aber nie auf diesem Gebiet.

Ich blieb eine überzeugte Krankenschwester

aus Berufung.

16 ALTA VISTA APRIL 2017 Pflegeberufe im Wandel Die Krankenschwester


Info

Tabuthema wird präsent

Psychische Gesundheit – Die Gsud hat eine neue Kampagne

lanciert. Sie soll die Selbsthilfe unterstützen.

Der Kanton macht sich für die psychische Gesundheit

stark. Vergangene Woche wurde die vierte Kampagnenphase

der Aktion «10 Schritte für psychische Gesundheit

gestartet. Die zehn Schritte sind in den kommenden drei

Wochen in den öffentlichen Verkehrsmitteln und in den

Medien präsent. Zudem wird das Kampagnenmaterial an

die Bevölkerung und Fachpersonen verteilt.

Die Kampagne ist Teil des kantonalen Programms Psychische

Gesundheit das seit 2012 im Auftrag der Gesundheits-,

Sozial- und Umweltdirektion (Gsud) von der Fachstelle

Gesundheitsförderung Uri umgesetzt wird. Die «10

Schritte»-Kampagne soll für das Thema der psychischen

Gesundheit sensibilisieren.

Auf der Website www.psychische-gesundheit-uri.ch

gibt es ein Forum mit dem Titel «Sag es uns!». Dort können

eigene Tipps (anonym) mit anderen geteilt werden. Man erfährt,

was andere Urnerinnen und Urner für ihre psychische

Gesundheit tun. (red.)

Mehr Informationen zum Programm Psychische Gesundheit

findet unter ww.gesundheitsfoerderung-uri.ch/Psychische

Gesundheit.

In der Schweiz fühlt sich die

Bevölkerung besonders fit

Die Schweiz ist gesundheitlich in Form: Zwei Drittel der Bevölkerung

beschreiben ihre eigene Gesundheit als gut oder

sehr gut – nur wenige Länder kommen auf noch höhere

Werte. Ihre Gesundheit bietet den meisten Schweizerinnen

und Schweizern kein Grund zum Klagen: Gut zwei Drittel

fühlen sich gesundheitlich gut oder sehr gut. Nur in wenigen

Ländern der Industriestaatenvereinigung OECD fühlt sich

die Bevölkerung noch fitter: In Neuseeland beschreiben sogar

87 Prozent ihre Gesundheit als gut oder sehr gut. Auch

die USA und Kanada kommen auf sehr hohe Werte, wie die

Grafik des Datenportals Statista zeigt.

In Ländern wie Japan oder Südkorea sieht die Bevölkerung

ihren Gesundheitszustand kritischer: Nur nur rund ein

Drittel der Bevölkerung ist dort nach eigener Einschätzung

bei guter oder sehr guter Gesundheit Fast in allen Ländern

halten sich Männer für gesünder als Frauen. Ein ähnliches

Muster gibt es auch in Bezug auf das Einkommen und die

Ausbildung: Reiche und Gutausgebildete schätzen fast

überall ihre Gesundheit als besser ein. (red)

Bund und Kantone wollen

gesunden Lebensstil fördern

Nicht übertragbare Krankheiten wie Krebs, Diabetes, Demenz

oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind für 80 Prozent

der Gesundheitskosten verantwortlich. Mit einer gemeinsamen

Strategie gehen Bund und Kantone nun dagegen

vor. Bund, Kantone, die Gesundheitsförderung Schweiz und

weitere Partner haben deshalb im April 2016 eine nationale

Strategie gegen nicht übertragbare Krankheiten verabschiedet.

Deren Ziel ist es, den Ausbruch solcher Krankheiten

zu verhindern, zu verzögern oder die Folgen zu mildern.

Die Akteure setzen dabei auf eine wirksame Prävention.

Um dieses Potenzial noch besser nutzen zu können,

müssten Bund und Kantone ihre Kräfte bündeln und ihre

Aktivitäten auf die gleichen Ziele ausrichten, schreibt das

Bundesamt für Gesundheit in einer Mitteilung. Das Schweizer

Gesundheitswesen wendet rund 2,2 Prozent der Ausgaben

für die Prävention auf.

Gesundheit 2020» ist eine Gesamtschau, welche die

Prioritäten in der Schweizer Gesundheitspolitik festlegt.

Der Bericht wurde im Januar 2013 vom Bundesrat verabschiedet.

Dessen Ziel ist, das Gesundheitswesen bezahlbar

zu halten und die hohe Versorgungsqualität auch in Zukunft

zu erhalten.

Info National und International APRIL 2017 ALTA VISTA 17


Zufriedenheit mit

Kliniken sinkt

Die Zürcher sind mit der Gesundheitsversorgung grundsätzlich zufrieden.

Gemäss einer Umfrage werden Behandlungen in Kliniken aber kritischer

beurteilt als in den Vorjahren, wie die Gesundheitsdirektion mitteilt.

Andreas Inderbizin

S

eit 2003 führt die Gesundheitsdirektion

jährlich Befragungen

durch. Die neueste

Umfrage, für die im letzten

November rund 1600 Zürcher

interviewt wurden, zeigt: Die Art, wie die

Kliniken funktionieren, und die Verfügbarkeit

der medizinischen Dienstleistungen

erhalten so gute Noten wie noch nie.

Die «generelle Zufriedenheit mit der Gesundheitsversorgung

insgesamt» liegt bei

8,0 von 10 möglichen Punkten.

Seit 2003 hat sich dieser Wert von

7,5 erhöht. Sowohl Alters- und Pflegeheime

als auch Spitex-Organisationen werden

punkto Qualität und Verfügbarkeit besser

bewertet als in den Vorjahren. Im Vergleich

zu den Kliniken liegen deren Beurteilungen

aber immer noch auf tieferem Niveau.

Rückläufig ist seit 2012 die Zufriedenheit

jener Personen, die in den letzten zwölf

Monaten im Spital war. Hier sank der Wert

von 8,9 auf 8,5 Punkte. «Nachdem diese

Kundenzufriedenheit jahrelang für Spitzenbewertungen

gesorgt hatte, liegt sie

heute auf vergleichbarem Niveau wie andere

Indikatoren», heisst es in der Mitteilung.

Weiter zeigt die Umfrage: wer nicht

in einer Klinik war, würde sich – hypothetisch

– in jenem behandeln lassen, das die

beste Qualität aufweist und vom Arzt

empfohlen wurde. Anders sehen die Auswahlkriterien

hingegen bei den Befragten

aus, die tatsächlich im Spital waren. Bei

ihnen spielte der Standort eine wesentlich

wichtigere Rolle. «In der Realität lassen

sich viele Befragte entgegen ihren Vorsätzen

wohnortnah behandeln», schreibt die

Gesundheitsdirektion. Und: Auch die

Grösse und die Art der Klinik «tendenziell

eine immer wichtigere Rolle».

Widersprüchlich scheinen auf den

ersten Blick die Resultate bezüglich der

ärztlichen Versorgung zu sein: So glauben

immer weniger der befragten Personen,

dass es im Kanton Zürich genügend Ärzte

gebe. Und immer weniger geben an, einen

persönlichen Hausarzt zu haben. Trotz dieser

Angaben halten die Befragen die Hausärzte

und die Spezialisten heute für besser

erreichbar als früher.

Die Gesundheitsdirektion interpretiert

dies so, dass es vielen Personen heute

wichtiger sei, Hausarztdienstleistungen

zeitlich flexibel in Anspruch nehmen zu

können, als durch einen persönlichen

Hausarzt behandelt zu werden.

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18 ALTA VISTA APRIL 2017 Statistik Sinkende Zufriedenheit in Kliniken


Risiken und Chancen in

der ISO 9001:2015

Die Kernanforderungen zum «risikobasierten Denken» sind in der

ISO 9001:2015 «Massnahmen zum Umgang mit Risiken und Chancen»,

enthalten. Aber was bedeutet das?

Von Stephan Inderbizin

D

ie Risiken und Chancen zu

managen ist eine Entscheidung

für eine positive Zukunft

und bedeutet, heute zu erkennen,

was uns morgen beeinflussen

kann, die besten Chancen zu nutzen

und die damit einhergehenden Risiken mit

geeigneten Massnahmen im Sinne der Unternehmensziele

und -strategie zu steuern.

Der systematische Umgang mit Risiken

ist kein formales System, sondern

spiegelt vielmehr die unternehmerische

Grundhaltung und den Gestaltungswillen

wider. Um Risiken und Chancen erfolgreich

zu managen muss es zu einer vollständigen

Integration des risikobasierten

Denkens in die Unternehmens-Steuerungssysteme

und in die Entscheidungsprozesse

der Organisationen kommen. Dazu ist es

erforderlich, das systematische Managen

von Risiken und Chancen in den Köpfen

der Entscheidungsträger zu verankern.

Das wichtigste Ziel dabei ist die

systematische Verhinderung von Schadensfällen

und die systematische

Nutzung von Chancen durch das Setzen

gezielter Handlungen.

Risiken sind ein integraler Bestandteil

jeder unternehmerischen Tätigkeit. Unter

Risiken werden alle zukünftigen Ereignisse

(finanzielle und nicht finanzielle) und

alle möglichen Entwicklungen innerhalb

und ausserhalb eines Unternehmens verstanden,

die sich (negativ/positiv) auf die

Erreichung von Unternehmenszielen auswirken

können.

Um am Markt erfolgreich agieren zu

können, müssen Risiken einerseits vermieden,

vermindert oder auf Dritte übertragen

werden. Andererseits müssen Risiken jedoch

auch bewusst akzeptiert und eingegangen

werden um Chancen wahrzunehmen

(unternehmerisches Risiko).

In der Praxis gibt es eine Vielzahl

von Instrumenten und Methoden zum Managen

von bekannten Risiken, aber auch

um neue Risiken und Veränderungen bereits

erkannter Risiken frühzeitig zu identifizieren.

Beim systematische Managen

von erkannten Risiken handelt es sich um

ein bedeutsames Instrument, das diese

Aufgabe unterstützt. Im Gegensatz zum

sog. Krisen- oder Problemmanagement ist

das Managen von Risiken durch eine ausgeprägte

Zukunftsorientierung durch die

Chancenorientierung geprägt.

Durch aktive Massnahmen soll ein

effektives und effizientes Managen von

Risiken dazu beitragen, das Eintreten

akuter Probleme bis hin zu Krisen zu

vermeiden bzw. deren meist negativen

Auswirkungen zu vermindern – nach

dem Motto «Good managers manage risks,

poor managers manage problems».

Wie sich diese Umsetzung in der Praxis

gestaltet, weist sich nach und nach. Wir

werden in der nächsten Ausgabe ausführlich

darüber berichten.

Aus der Praxis ISO 9001:2015 APRIL 2017 ALTA VISTA 19


Europa ohne

Hepatitis C: Ab 2030

soll das möglich sein

Europas führende Experten, Fachärzte und Interessenvertretungen für

Patienten mit Hepatitis gaben bekannt, dass sie zusammenarbeiten wollen,

um das Hepatitis-C-Virus (HCV) in Europa bis zum Jahr 2030 zu eliminieren.

Peter Empl

20 ALTA VISTA APRIL 2017 News Europa ohne Hepatitis


D

as «Manifest zur Eliminierung

von Hepatitis C» wurde

zuerst auf dem EU HCV Policy

Summit präsentiert, der

von der Hepatitis B and C Public

Policy Association organisiert wurde

und von den wichtigsten europäischen Patienten-

und klinischen Gruppen unterstützt

wird.

Unterzeichner des «Manifests zur

Eliminierung von Hepatitis C» plädieren

dafür, dass:

– Hepatitis C und dessen Beseitigung

explizit zu einer Priorität der Gesundheitspolitik

gemacht und auf allen Ebenen

angestrebt wird

– Sichergestellt wird, dass Patienten, zivilgesellschaftliche

Gruppen und andere

relevante Interessengruppen direkt in

die Entwicklung und Implementierung

von Strategien zur Beseitigung von

Hepatitis C involviert sind

– Ein besonderes Augenmerk auf die Verbindungen

zwischen Hepatitis C und die

soziale Marginalisierung gelegt wird

– Einführung einer europäischen Woche

zur Sensibilisierung für Hepatitis

Vytenis Andriukaitis, Kommissar für

Gesundheit und Nahrungsmittelsicherheit

sagte in seiner Ansprache zur Eröffung

der Veranstaltung: «In der Vergangenheit

wurde Hepatitis C als die ‹stille› Epidemie

innerhalb der Europäischen Union

bezeichnet. Es ist höchste Zeit, dass wir

diese ‹stille› Epidemie aus dem Schatten

in das Licht bringen. Daher begrüsse ich

Initiativen wie diesen Gipfel und das Manifest

zur Beseitigung mit denen ein Impuls

für weitere Massnahmen, für mehr

Wenn wir jetzt handeln,

wird Europa bis

zum Jahr 2030 frei

von Hepatitis C sein

Sensibilisierung sowie for anregende Diskussionen

gegeben werden.»

Nach 25 Jahren Forschung haben

Wissenschaftler die Mittel gefunden, um

Hepatitis C effektiv zu heilen, womit der

Weg geschaffen wurde, um das Virus innerhalb

des nächsten Jahrzehnts in Europa

zu beseitigen. «Was hundert Jahre gedauert

hätte, ist nun in Handumdrehen möglich!

Dies ist eine einzigartige Möglichkeit,

aber diese erfordert politische

Massnahmen, um sie Realität werden zu

lassen», erklärte Professor. Angelos

Hatzakis, Co-Vorsitzender der Hepatitis B

and C Public Policy Association. «Unser

‹Manifest zur Eliminierung› ist das Startprogramm

für politische Entscheidungsträger

und Interessenvertreter. Wenn wir

jetzt handeln, wird Europa bis zum Jahr

2030 frei von Hepatitis C sein», fuhr Professor

Hatzakis fort.

Die spezifischen Herausforderungen

von Hepatitis C erfordern holistische und

menschenzentrierte Ansätze für das gesamte

Gesundheitssystem, mit denen eine

Sensibilisierung für die Krankheit, Prävention

und integrierte Pflege erreicht wird,

wobei alle Interessenvertreter ihre Fähigkeiten

und Ressourcen in einer gemeinsamen

Anstrengung vereinen.

«Erfolgreich gegen Hepatitis C in Europa

vorzugehen, ist angesichts der aktuellen

internationalen Krisen und Flüchlingsströme

in unsere Länder noch wichtiger als

je zuvor», erklärte Cristian-Silviu Busoi,

Mitglied des Europäischen Parlaments und

Ko-Vorsitzender der Gruppe «Friends of

the Liver» des Parlaments. Busoi fuhr fort:

«Eliminierungsstrategien müssen die Verbindungen

zwischen Hepatitis C und marginalisierten

Gruppen berücksichtigen: wie

neue Einwanderer; Menschen, die Drogen

injizieren und andere.»

«Das Manifest zeigt unsere Vision

und unser Engagement zur Beseitigung von

Hepatitis C in Europa auf», erklärte Professor

Michael P. Manns, Ko-Vorsitzender der

Hepatitis B and C Public Policy Association.

Er fuhr fort: «Konkrete Massnahmen

auf allen Ebenen müssen folgen, wenn wir

unser Ziel erreichen wollen». Das Manifest

wird nationalen und lokalen Regierungen

sowie Europäischen Institutionen vorgestellt,

um Massnahmen zu fördern.

Nach 25 Jahren Forschung haben

Wissenschaftler die Mittel gefunden, um

Hepatitis C effektiv zu heilen. «Was hundert

Jahre gedauert hätte, ist nun in Handumdrehen

möglich! Dies ist eine einzigartige

Möglichkeit, aber diese erfordert

politische Massnahmen, um sie Realität

werden zu lassen», erklärte Professor. Angelos

Hatzakis, Co-Vorsitzender der Hepatitis

B and C Public Policy Association.

«Unser ‹Manifest zur Eliminierung› ist das

Startprogramm für politische Entscheidungsträger

und Interessenvertreter. Wenn

wir jetzt handeln, wird Europa bis zum

Jahr 2030 frei von Hepatitis C sein», fuhr

Professor Hatzakis fort.

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News Europa ohne Hepatitis APRIL 2017 ALTA VISTA 21


«Der Heimeintritt ist

für alle eine grosse

Herausforderung»

Welche Bedeutung hat die Familie beim Eintritt in ein Alters- und Pflegeheim?

Die Antworten sind überraschend.

Naeim Said

22 ALTA VISTA APRIL 2017 Thema Heimeintritt


Egal ob Familienangehörige, Bewohner oder Personal: Eine neue Situation erfordert Flexibilität für alle Beteiligten.

D

ie gewonnenen Erkenntnisse

und Erfahrungen bestätigen,

dass jeder Heimeintritt für

alle Beteiligten, also für Angehörige

und betagte oder

pflegebedürftige Menschen, eine grosse

Herausforderung darstellt. «Familienangehörige

sind daher wichtige Bezugspersonen

in der professionellen Altersarbeit», sagt

Urban Eyer, Heimleiter des Alters- und

Pflegeheims. Gemäss Eyer werden dabei

die Angehörigen als Partner erachtet. Sie

werden durch Gespräche und Informationen

unterstützt und spielen auch nach dem

Heimeintritt eine wichtige Rolle bei der

Betreuung ihres Angehörigen.

Die Familie gerät aus dem

Gleichgewicht

Durch die demografischen und sozialen

Veränderungen wird es in Zukunft zu einer

ansteigenden Anzahl von Personen kommen,

die in ein Alters- und Pflegeheim eintreten.

Der Heimeintritt eines Familienmitgliedes,

so Eyer, bringe die Familie als

System aus dem Gleichgewicht: «Es ist

daher Aufgabe der professionellen Pflege,

diese Herausforderung zu erkennen und die

Auswirkungen der Familiendynamik auf

Gesundheit und Krankheit zu berücksichtigen.»

Eine zukunftsweisende Strategie,

dieser Herausforderung zu begegnen, liege

im Einbezug der Familie in die pflegerische

Versorgung sowie in der gezielten Unterstützung

des Familiensystems durch die

Pflegenden.

Der Heimeintritt eines

Familienmitgliedes bringt

die Familie als System

aus dem Gleichgewicht.

Bezugspersonen einbeziehen

Die familienzentrierte Pflege richtet sich

an den Heimbewohner, die betreuenden

Angehörigen und an die ganze Familie als

«ein System». Die wichtigsten Bezugspersonen

werden als Mitbetroffene von Anfang

an und kontinuierlich einbezogen. In

der familienzentrierten Pflege geht es darum,

die Familie als Ganzes zu stabilisieren

und zu befähigen, mit einer neuen Situation

wie einem Heimeintritt zurechtzukommen.

Entsprechend der vielfältigen gesellschaftlichen

Entwicklungen wird in der familienzentrierten

Pflege von einem offenen Familienbegriff

ausgegangen. Familie ist eine

Einheit, die Mitglieder können, müssen

aber nicht verwandt sein. Es bestehen Bindungen

und Zugehörigkeitsgefühle unter

den Mitgliedern. Die Familie sind nahestehende

Menschen, die der Bewohner selber

als seine Familie bezeichnet. Familien

haben je nach Phasen, in denen sie sich

befinden, auch unterschiedliche Bedürfnisse.

Diese sind in der jeweiligen Situation

einzigartig. Bedürfnisse, Wünsche, Ressourcen

und Möglichkeiten führen nicht

selten zu einem Spannungsfeld. Oft fehlt ➔

Thema Heimeintritt APRIL 2017 ALTA VISTA 23


Wird der Umgang mit der Familie als bereichernd angesehen, steigert dies auch die Arbeitszufriedenheit der Pflegenden.

die emotionale Unterstützung, die so dringend

notwendig wäre. Durch die gezielte

Begleitung und Beratung wird die Zusammenarbeit

zwischen den Pflegenden und

der Familie verbessert.

Welche Fähigkeiten hat der

Heimbewohner noch?

Wenn beim Heimeintritt von den Bezugspersonen

Zuwendung und eine verständnisvolle

Grundhaltung zum Ausdruck

kommen, steigt auch die Zufriedenheit

beim Bewohner und dessen Familie. Sehr

hilfreich ist die Erstellung eines sogenannten

Geno-Ökogramms beim Heimeintritt.

Dabei werden alle Beziehungen

der Familienmitglieder und weiterer

wichtiger Personen zum Heimbewohner

schriftlich festgehalten. Aus dem erstellten

Geno-Ökogramm werden Ressourcen

und Fähigkeiten des Heimbewohners

sichtbar, die im weiteren Verlauf der Betreuung

genutzt werden können. Den Pflegefachpersonen

bietet sich bei diesen Gesprächen

immer wieder die Gelegenheit,

Wertschätzung und Anerkennung den

Angehörigen gegenüber auszusprechen.

Damit ein familienzentriertes Gespräch

Damit ein familienzentriertes

Gespräch möglich

ist, bedarf es aber

räumlicher, personeller

und organisatorischer

Rahmenbedingungen.

möglich ist, bedarf es aber räumlicher,

personeller und organisatorischer Rahmenbedingungen.

Der Zeitaufwand stellt

auch laut der Heimleitung eine wichtige

Voraussetzung für eine gute Pflege dar.

Alle Parteien profitieren

Wird der Umgang mit der Familie vom ersten

Zusammentreffen an als bereichernd

angesehen, steigert dies auch die Arbeitszufriedenheit

der Pflegenden. Die Arbeitsmotivation

bleibt bestehen und die Personalfluktuation

sinkt. Pflegende arbeiten

theoriegeleitet und können ihre Praxis begründen.

«Ein solches Projekt ist eine

Chance. Es zeigt auch, dass viele Institutionen

und Heime lernende Institutionen

sind, die neuen Ideen und Projekten gegenüber

aufgeschlossen ist», sagt Eyer. Abschliessend

könne man nach einem halben

Jahr festhalten, dass die familienzentrierte

Pflege für den Bewohner, seine Familie,

die Pflegenden und nicht zuletzt für die

Institution, die dieses Konzept umsetze,

ein Gewinn sei.

24 ALTA VISTA APRIL 2017 Thema Heimeintritt


Die Prinzessin

auf der Erbse

Kolumne

V

on den vielfältigen psychischen Beeinträchtigungen im Alter ist gewiss der

wahnhafte Zustand am faszinierendsten. Eine betagte Frau erstattet bei der

Polizei Anzeige gegen ihren Nachbarn in der unteren Wohnung, da er sie,

wie sie sagt, mit einem Lasergerät durch den Fussboden hindurch traktiert

und überdies mit Gas zu vergiften trachtet. Die polizeiliche Inspektion,

welche zu meinem Hausbesuch führt, legt zutage, wie sich die ständig erkältete Patientin

vor diesen Angriffen schützt: Mit über 50 Ventilatoren, welche ununterbrochen im

Betrieb sind, vertreibt sie das Gas und schirmt die Strahlen mit Kuchenblechen ab, die

sie auf dem Boden ausgelegt hat und sich ausschliesslich auf dieser Blechstrasse bewegt.

Wie die Prinzessin, die in unglaublicher Höhe auf vielen Matratzen von der Erbse gepeinigt

wird, hat die Patientin viele Matratzen übereinandergelegt, sodass ihr zum Liegen

gerade noch ein Spalt zwischen der obersten Matratze und der Decke übrigbleibt.

Grundlage der Wahntheorie ist immer noch das Werk von Karl Jaspers mit seinen drei

Kriterien: «Die Personen müssen erstens an ihren Denkweisen mit unvergleichlicher

subjektiver Gewissheit festhalten. Zweitens sollen die Denkweisen durch zwingende

Schlüsse unbeeinflussbar bestehen bleiben und drittens inhaltlich unmöglich sein.»

Folgerichtig ist also, dass diese Patientin bei meinem Besuch empört ist, weil ich zu ihr

gekommen bin und sie, das Opfer, befrage und nicht den Täter.

An Jaspers Ansatz haben die späteren Autoren der anthropologischen Psychiatrie wie

etwa Christian Scharfetter angeknüpft, die dem Wahn so etwas wie eine Tiefendefinition

gaben, nämlich, dass der Wahn eine allgemeinmenschliche Möglichkeit darstellt, Dasein

und Welt subjektiv zu konstituieren und zwar auf eine Weise, die sich nicht so sehr von

der Psychologie des normalen Menschen unterscheidet.

Meine Patientin hatte nach einer Scheidungen mehrere Jahre mit einem älteren Partner

in der beschriebenen Wohnung zusammengelebt und der Wahn trat einige Zeit nach

dessen Tod auf. Die Quälereien durch den Nachbarn, berichtet sie, hätten zugenommen,

seit dieser wieder mit einer neuen Freundin zusammen sei. Eigentlich habe es dieser

nämlich auf sie abgesehen, aber sie wolle, entrüstet sie sich, doch kein Dreierverhältnis.

Vielleicht ist es diese Konstellation, welche nun bei ihr zu einem so zugigen und verstrahlten

Dasein geführt hat. Mag sein, dass zu ihrer Verunsicherung auch noch Gedächtnisstörungen

beitragen, aber aus diesem Fall wird wieder einmal ersichtlich, was

stets für das Wähnen gilt: Es geht um weit mehr als um «falsche» Aussagen über die

Wirklichkeit, es geht um die Aberkennung einer gemeinsamen Wirklichkeit.

Und doch tritt bei dieser Bewohnerin der Wahn bald einmal in den Hintergrund. Sie geht

nämlich auf meinen Vorschlag ein, sich zumindest einmal medizinisch abklären und

später vielleicht sogar einmal behandeln zu lassen – allerdings will sie, dass ich auch den

Nachbarn untersuche und behandle. Bei der nächsten Konsultation berichtet sie, wie

anstrengend es gewesen sei, das hohe Bett abzubauen.

Dr. Christoph Held

Dr. Christoph Held, arbeitet als Heimarzt

und Gerontopsychiater beim

Geriatrischen Dienst der Stadt Zürich

sowie im Alterszentrum Doldertal.

Lehrbeauftragter der Universität Zürich

sowie Dozent an den Fachhochschulen

Bern, Careum Aarau und ZAH Winterthur

sowie an der Universität Basel.

Bücher «Das demenzgerechte Heim»

(Karger, 2003), «Wird heute ein guter

Tag sein? Erzählungen» (Zytglogge,

2010), «Accueillir la demence»

(Médecine et Hygiène, 2010), «Was

ist gute Demenzpflege?» (Huber, 2013)

Im Herbst 2017 erscheint «Bewohner»

Erzählungen Dörlemannverlag

Dr. Chirstoph Held wird künftig an

dieser Stelle regelmässig über seine

Erfahrungen im Umgang mit Demenz

berichten.

Kontakt

christoph.held@bluewin.ch

KOLUMNE Dr. Christoph Held APRIL 2017 ALTA VISTA 25


Empathie in der Pflege –

lässt sich Grundhaltung

erlernen?

Es gibt nichts, was mehr über das Gelingen zwischenmenschlichen Umgangs

entscheidet, als die Fähigkeit zur Empathie. Aus diesem Grund investieren immer

mehr Pflegeeinrichtungen in die gezielte Förderung einer einfühlsamen Grundhaltung.

Nils Magnusson

P

flegekräfte sind aussergewöhnlichen

Arbeitsbelastungen ausgesetzt.

Sie bewältigen ein gewaltiges

Arbeitspensum und

benötigen dafür eine entsprechende

Arbeitshaltung. Sie tragen Verantwortung

und verfügen über entsprechende

fachlich-theoretische Kenntnisse. Auch unter

Zeitdruck und in schwierigen Situationen

müssen sie ihr Wissen zuverlässig abrufen

können. Sie beweisen ihre Teamfähigkeit

tagtäglich im Umgang mit anderen Berufsgruppen

und Institutionen.

Pflegebedürftige Menschen und deren

Angehörige sprechen jedoch erst dann von

guter Pflege, wenn sie sich über die genannten

Leistungen hinaus auch angenommen

und verstanden fühlen. Empathie ist das

Fundament einer wertschätzenden Haltung,

die sich durch menschliche Zuwendung

und eine einfühlsame Sprache ausdrückt.

Die Ausbildung von Schwestern

und Pflegern kann durch gezieltes Training

empathischer Kommunikation wirkungsvoll

und nachhaltig bereichert werden.

Wodurch zeichnet sich

Empathiefähigkeit aus?

Empathie ermöglicht es, sich spontan in die

Gefühle und Bedürfnisse anderer Menschen

einzufühlen. Diese Fähigkeit wird Pflegekräften

unzählige Male am Tag abgefordert:

beim Aufnahmegespräch, im Rahmen der

Übergabe, im Umgang mit einem unzufriedenen

Patienten oder beim Überbringen

trauriger Nachrichten. Erst durch gegenseitige

Einfühlung entsteht bei den Beteiligten

Sicherheit und Vertrauen, die sie auch in

schwierigen Situationen konstruktiv handeln

lassen. Oft wird Empathiefähigkeit mit

Selbstlosigkeit verwechselt. Das Gegenteil

trifft den Kern. Die Grundlage für einen empathischen

Umgang mit anderen ist ein empathischer

Umgang mit uns selbst. Indem

wir täglich üben, in uns hinein zu spüren

und zu fühlen, wie es uns geht und was wir

brauchen, wächst auch das Verständnis für

die Bedürfnisse anderer.

Warum ist Empathie

so wichtig?

Eine bedürfnisorientierte Sprache führt

dazu, dass uns andere mit mehr Bereitschaft

zuhören, weil sie verstehen, wie wir

fühlen und was wir brauchen. Bedürfnisse,

über die wir in Ich-Botschaften sprechen,

kennt unser Gegenüber aus anderen Zusammenhängen

von sich selbst. Er kann

uns offen zuhören, weil wir ihn weder anklagen

noch verurteilen.

Gleichzeitig dienen wir unserer Umwelt

mit einer bedürfnisorientierten

Sprache als Vorbild. Wenn wir gegenüber

Patienten oder Pflegefällen deutlich aussprechen,

worum es uns bei unpopulären

Massnahmen wirklich geht, steigt die

Bereitschaft der Betroffenen uns zu unterstützen.

Gleichzeitig motivieren wir

Patienten und Pflegefälle dazu, ihre Bedürfnisse

uns gegenüber und untereinander

auszusprechen.

Die moderne Leistungsgesellschaft

lehrt

uns eine Sprache voller

Werturteile.

Die moderne Leistungsgesellschaft

lehrt uns eine Sprache voller Werturteile.

Bereits im Babyalter werden unsere Gefühlsäusserungen

häufig übersehen oder in

den Kategorien der «Grossen» falsch interpretiert.

Im Kindergarten und in der Schule

lernen wir, dass Gehorsam und Anpassung

wichtiger als der eigene Rhythmus und bedingungslose

Zuwendung sind. Als Erwachsene

haben die meisten Menschen nur

26 ALTA VISTA APRIL 2017 Thema Empathie in der Pflege


Der zwischenmenschliche Umgang ist mitunter ein sehr fragiles Gebilde, welches leicht zu zerbrechen droht.

noch einen sehr indirekten Zugang zu ihren

wahren Gefühlen, einige wichtige Bedürfnisse

sind seit Jahrzehnten im Dauermangel.

Die Anzahl psychisch erkrankter

Arbeitnehmer und die Zahl der Krankschreibungen

steigt Jahr für Jahr. Der Pflegebereich

ist von dieser Entwicklung besonders

stark betroffen.

Dieser Trend lässt sich durch systematisches

Training von Empathiefähigkeit

teilweise umkehren. Workshops zum

Thema Empathie beginnen mit Übungen

zur Achtsamkeit und Selbstwahrnehmung

bei inneren Spannungen und Konflikten.

Erst wenn wir unsere Gefühle spüren, öffnen

wir uns für einen klaren Selbstausdruck

bei Ärger, Frust, Irritation und eigenen

Wünschen. Schritt für Schritt

eignen wir uns die Fähigkeit an, auch

schwierige Dialoge erfolgreich zu führen.

Für Führungskräfte sind die allparteiliche

Leitung von Sitzungen und der einfühlsame

Umgang mit Widerständen und

Eskalation in Gruppensituationen spannend.

Wie kann ich Grenzen mit Klarheit

ausdrücken, ohne beim Gegenüber Schaden,

Gesichtsverlust, Druck oder Schuldgefühle

auszulösen? Wie kann ich, wenn

der Dialog nicht ausreicht, beschützend

Macht ausüben und dabei trotzdem Einfühlung

in die Bedürfnisse der Beteiligten

zeigen?

Für Mitarbeiter der Pflege stellt der

Umgang mit starken Gefühlen das Ansprechen

von kalten und heissen Konflikten unter

Kolleginnen und in Teams ein besonders interessantes

Thema dar. Viele Pflegekräfte

möchten lernen «Nein» zu sagen, ohne aus

dem empathischen Kontakt zu gehen. Sie

Dieser Trend lässt sich

durch systematisches

Training von

Empathiefähigkeit

teilweise umkehren.

möchten Sicherheit und Authentizität beim

empathischen Selbstausdruck erlangen und

damit ein vertrauensvolles und unterstützendes

Verhältnis zu Kollegen, Patienten, Pflegefällen

und deren Angehörigen aufbauen.

Wie lässt sich ein empathischer

Umgang in Pflegeeinrichtungen

fördern?

Das Training der Empathiefähigkeit

sollte zu Ausbildungsgängen von Pflegeeinrichtungen

verbindlich dazu gehören.

Ausserdem kann es als fester

Bestandteil der innerbetrieblichen Weiterbildung

etabliert werden (z.B. zu

Themen wie «Selbsteinfühlung», «Umgang

mit starken Gefühlen» oder «empathisch

vermitteln»).

Die überragende

Bedeutung von Empathie

für den Pflegealltag

ist offensichtlich.

Die überragende Bedeutung von

Empathie für den Pflegealltag ist offensichtlich.

Empathie erhöht die Arbeitszufriedenheit

im Team, beschleunigt dem

Heilungsprozess von Patienten, verbessert

das Verhältnis zu Angehörigen und

externen Experten und dient der Senkung

von Konfliktkosten.

Indem wir eine bedürfnisorientierte

Kommunikation üben, verändern wir unser

Arbeitsumfeld.

Wir tragen zu gegenseitiger Wertschätzung,

Verbindung und Entwicklung

bei.

Thema Empathie in der Pflege APRIL 2017 ALTA VISTA 27


Alt werden – Segen

oder Fluch?

Die meisten Menschen wünschen sich, ein hohes Alter zu erreichen. Wer alt ist,

kann das Leben lange geniessen und das Leben der Kinder und Enkel mitverfolgen.

Die Chancen, alt zu werden, stehen gut. Aber: Es stellen sich auch

einige Fragen.

Haymo Empl

28 ALTA VISTA APRIL 2017 Aus der Praxis Alt werden. Segen oder Fluch?


J

e älter die Menschen werden, desto

mehr stellt sich ihnen die Frage:

Wer bin ich eigentlich? Sie erkennen

immer besser, dass ihr Wert

nicht von Leistung, Können, Besitz

oder Ansehen abhängt. Sie stellen zwar

vermehrt körperliche Defizite fest, können sich

aber damit trösten, dass ihre Altersweisheit

zunimmt. Sie haben schon viel erlebt, ganz unterschiedliche

Menschen kennengelernt, viel

erfahren. Die unterschiedlichsten Sichtweisen,

Kulturen und Religionen sind ihnen nicht

fremd. Zunehmende Weisheit müsste die Folge

dieses Prozesses sein. Ist das Älterwerden

auch verbunden mit der Altersstarrheit? Diese

ist nicht nur negativ zu betrachten, denn sie

hilft mit, das beschwerlichere Leben besser zu

meistern. Alles hat seinen klar strukturierten

Ablauf, alles hat seinen Platz und seine Ordnung.

Ist die alte Person aber auch noch weise

merkt sie, wann von starren Regeln abzuweichen

ist und kann Wichtiges von Unwichtigem

unterscheiden.

Wer sich für wen interessiert …

oder eben nicht

In den letzten 50 Jahren stieg die durchschnittliche

Lebenserwartung in der Schweiz

von 71 auf über 82 Jahre an. Es gibt immer

mehr Menschen, welche den hundertsten Geburtstag

feiern können. Segen oder Fluch?

Aus Sicht älterer Menschen wird diese Entwicklung

zuerst mal als positiv angesehen.

Das Leben kann länger genossen, die Entwicklung

der Enkel verfolgt werden. So liesse

sich auch die Lebenserfahrung und die Kompetenzen

älterer Menschen nutzen. Doch gibt

es noch den Kontakt zur jungen Generation,

wollen diese überhaupt die Ansichten älterer

Menschen kennen lernen? Die Gegenfrage:

Interessierten sie sich in jungen Jahren für die

Meinung ihrer Väter und Grossväter? Die

Antwort ist klar: Nein! Mit jeder Generation

bricht eine neue, bessere Welt an, so die Hoffnung.

Die Gesellschaft ändert sich, das ist

unbestritten. Werte erhalten eine andere Gewichtung,

doch die Grundeigenschaften von

Liebe, Hass, Neid, Anerkennung, das Streben

nach Macht und Einfluss bleiben unverändert.

Wem bringt die höhere Lebenserwartung

etwas?

Die höhere Lebenserwartung ist auch ein

Segen für die Finanzwirtschaft, für Reiseunternehmen,

für Hoteliers. Ältere Menschen

haben oft ein gewisses Vermögen,

sind reiselustig und manchmal auch kauffreudig.

Sie haben aber mit zunehmendem

Alter auch mit körperlichen Einschränkungen

zu leben, können den Alltag nicht mehr

alleine bewältigen, leiden unter Einsamkeit.

Etwa ein Viertel der 85 bis 89-jährigen

leidet an Demenz. In der Gruppe der über

90-jährigen sind sogar 44 Prozent Demenzkrank

– eine grosse Herausforderung

für die jüngere Generation.

Die Sterbehilfsorganisationen haben

grossen Zulauf. Gemäss dem Bundesamt für

Statistik wurden 2014 in der Schweiz 742 Fälle

von assistiertem Suizid verzeichnet, 26 %

mehr als im Vorjahr. EXIT hält fest, dass der

Anstieg betagter Menschen sowie die steigende

Lebenserwartung die Wahrscheinlichkeit

für schwere Krankheiten erhöhen und als logische

Konsequenz auch mehr Zuwachs bei

den EXIT-Mitgliedern führen. Zudem kommt

nun eine stetig selbstbestimmtere Generation

ins Alter. Sie sind sich gewohnt, eigene Entscheidungen

zu treffen. Es gilt vermehrt die

Devise: Alt werden – ja –, aber nicht in Hilfsund

Pflegebedürftigkeit geraten. Die Frage:

Alt werden – Fluch oder Segen bleibt letztlich

unbeantwortet.

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Rubrik Heimeintritt APRIL 2017 ALTA VISTA 29


Dem Schmerz

auf der Spur

Den Schmerz bei Personen mit Behinderung zu erfassen, ist oft eine

eigentliche Detektivarbeit. Es bieten sich verschiedene Lösungsansätze an.

Welcher ist der Richtige?

Thomas Büchler

30 ALTA VISTA APRIL 2017 Dossier Dem schmerz auf der Spur


Rückzug oder plötzliche

Wutausbrüche sind

ebenfalls ernst zu

nehmende Zeichen.

Auch Arthritis ist bekanntlich äusserst schmerzvoll und schränkt den Alltag mitunter massiv ein. Je nach Behinderung kann der

Patient aber nicht sagen, wo und ob es ihm weh tut.

W

ie lässt sich bei jemandem,

der nicht sprechen

kann, Schmerz erfassen?

Wie kann Schmerz eingestuft

und behandelt

werden? Mit solchen Fragen werden Familien,

Pflegepersonal und Betreuende immer

wieder neu konfrontiert. Dies zeigt etwa der

Fall der Familie Benelli (vgl. Artikel S. 9).

«Die Gründe für Schmerzen sind vielfältig,

und die Anzeichen für Schmerzen äussern

sich fast nie gleich», sagt Patricia Fahrni-Nater,

Verantwortliche für das pädiatrische

Palliativteam des Kantons Waadt.

Methoden der Schmerzerfassung

«Meistens sind es mehrere Symptome zusammen,

die die Eltern oder das Betreuungspersonal

aufhorchen lassen. So können

bei einem mehrfach behinderten Kind Verkrampfungen

der Muskeln oder ungewohntes

Stöhnen Ausdruck des Schmerzes sein»,

erläutert Patricia Fahrni-Nater. Rückzug

oder plötzliche Wutausbrüche sind ebenfalls

ernst zu nehmende Zeichen. In solchen Momenten

ist erhöhte Wachsamkeit gefordert.

Für Menschen mit starker Behinderung sei

der Schmerz ein Bestandteil des Lebens, bemerkt

die Pflegefachfrau.

Dank den Schmerzskalen, mit denen

sich die Intensität des Schmerzes einschätzen

lässt, können Therapien festgelegt, Behandlungen

angepasst oder Informationen

an alle Beteiligten weitergeleitet werden.

Bei Kindern bis 18 Jahren mit mehrfacher

Rückzug oder plötzliche

Wutausbrüche sind

ebenfalls ernst zu

nehmende Zeichen.

Behinderung wird oft die San-Salvador-

Schmerz-skala angewendet. Für Jugendliche

und Erwachsene gibt es eine vergleichbare

Skala zur Evaluation von

Schmerzzeichen. Auch wenn die einzelnen

Skalen von Patientenkategorie zu Patientenkategorie

variieren, funktionieren sie

doch mehr oder weniger nach dem gleichen

Prinzip. So werden etwa beim San-

Salvador-System in einem ersten Schritt

mithilfe von zehn Punkten Situationen erfasst,

bei denen es dem Kind körperlich gut

geht. Verschlechtert sich die Situation, dokumentieren

Eltern oder Betreuende dies

während mehreren Tagen. Dazu tragen sie

auf einer zweiten Skala Schmerzstufen von

0 bis 40 ein. Je nach Stufe des ermittelten

Schmerzgrades wird eine Behandlung ins

Auge gefasst. «Um den Schmerz zu behandeln,

gehen wir während den Therapien

manchmal nach dem Aus-schlussprinzip

vor. Meist ist es ein langer Suchvorgang»,

sagt Patricia Fahrni-Nater. Ein neues Instrument

zur Schmerz-Erfassung ist die «Fotografie

des Schmerzes». «Es handelt sich

um eine Momentaufnahme, die das gewohnte

Verhalten einer Person mit Behinderung

festhält, und zwar in einem Moment

der Ruhe, wenn es ihr gut geht», erklärt

Laetitia Probst, Leiterin des Waadt-länder

Projektes zur Entwicklung der Palliativpflege

im sozialpädagogischen Umfeld.

Das Verfahren wurde mit drei mobilen

Teams der Palliativpflege wie auch mit

Pflegefachkräften, Atelierleitenden und

den Familien entwickelt. Diese «Fotografie»

wird ausgehend von Schmerzskalen

und anderen Dokumenten erstellt, unter

Beteiligung der verschiedenen Personen,

die sich um den Patienten in einer Institution

kümmern, oder mit dem Betroffenen

selbst, wenn dies möglich ist. Damit lassen

sich mögliche Schmerzen anhand ungewöhnlicher

körperlicher Haltungen, aber

auch Änderungen im Verhalten feststellen.

«Das sind Aspekte, denen bislang wenig

Beachtung geschenkt wurde, die aber äusserst

wichtig sind», sagt Probst.

Warnsignal

Bei der «Fotografie» wird eine im sozialpädagogischen

wie auch medizinischen Umfeld

bekannte Sprache verwendet. Das erleichtert

die Interdisziplinarität und die

Versorgung des Patienten im Alltag – etwa

bei einer Hospitalisierung oder einem Wendepunkt

im Leben. «Mittels allgemein verständlicher

Worte für ein ungewöhnliches

Verhalten und dank des Dokumentes lässt

sich aufzeigen, dass ein Problem vorhanden

ist», führt Laetitia Probst weiter aus. «Die

Fotografie ersetzt die Schmerzskala nicht.

Sie funktioniert eher als Warnsignal.»

Dossier Dem schmerz auf der Spur APRIL 2017 ALTA VISTA 31


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Service Stellenanzeigen APRIL 2017 ALTA VISTA 33


Die Schweizerische

Diabetesgessellschaft

ist gefordert.

Im Juni findet der 4. Deutschschweizer Diabetestag statt.

Im Vordergrund steht vor allem die Prävention.

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M

ehr als 50000 Menschen

sind in der Schweiz gemäss

Schätzungen von Gesundheitsinstitutionen,

Ärzten

und Betreuungsspezialisten

von Diabetes mellitus betroffen. Diabetes

ist die grösste Volkskrankheit unserer

Zeit – Tendenz steigend.

Und die Zukunftsperspektiven sind

düster: Experten befürchten, dass die Zahl

der Betroffenen weiter zunehmen wird. Die

Gründe dafür sind bekannt. Der zu hohe

Anteil an Zucker, Kohlehydraten und Fetten

in den Nahrungsmitteln, die wir täglich

zu uns nehmen, überdurchschnittlicher

Medikamenten- und Alkoholkonsum oder

die gefährliche Kombination von beidem –

und die mangelnde Bewegung. Darin unterscheidet

sich Diabetes nicht von anderen

sogenannten Zivilisationskrankheiten.

Eine heimtückische Krankheit

Diabetes ist eine heimtückische Krankheit.

Viele Menschen merken erst sehr spät –

viel zu oft auch zu spät –, dass sie an der

Zuckerkrankheit leiden. Er kündigt sich

schleichend an, die Symptome werden oft

auch von Ärzten erst spät erkannt. Nur der

Typ-1 Diabetes der etwa 10% aller Diabetes

Erkrankungen ausmacht, wird in aller

Regel früh erkannt und von Anfang an

richtig behandelt. Auch hier ist die Anzahl

an Erkrankten am Steigen, allerdings nicht

so stark wie beim Diabetes Typ 2, der

mehrheitlich erwachsene und vor allem ältere

Menschen betrifft.

Doch die Krankheit ist kontrollierbar

und bis zu einem gewissen Grad aufschiebbar,

wenn sie früh erkannt wird. Dann ist

auch der Erhalt einer guten Lebensqualität

möglich. Wird die Krankheit zu spät entdeckt

oder verdrängt, sind schwerwiegende

Komplikationen, z. B. schwere Durchblutungsstörungen

vor allem in den Extremitäten

bis hin zu Amputationen oder gar Erblindung

rasch einmal die Folge.

Diabetes-Gesellschaft Schweiz

In diesem Zusammenhang führt die

Schweizerische Diabetes Stiftung am

1. Juni 2017 Kantonsspital bereits den vierten

Deutschschweizer Diabetikertag durch.

An diesem Tag referieren renommierte Diabetes

Spezialisten über Themen von der

Prävention über die Behandlung von Diabetes

bis hin zur Bewältigung des Alltages

und stehen danach den Teilnehmern für

Diskussionen und Fragen zur Verfügung.

Die Schweizerische Diabetes Gesellschaft

(SDG) nimmt sich dieser Problematik

generell und der betroffenen Menschen im

speziellen an. Die Schweizerische Diabetes

Gesellschaft zählt heute rund 25 000 Mitglieder

und ist neben der Geschäftsstelle, die

sich vor allem der Interessensvertretung von

Diabetikern und Diabetes im nationalen Gesundheitswesen

widmet, in 20 regionalen

Diabetes Gesellschaften organisiert.

34 ALTA VISTA APRIL 2017 Diabetes Wenn die Fachstellen gefordert werden


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Rubrik Heimeintritt APRIL 2017 ALTA VISTA 35


36 ALTA VISTA APRIL 2017 Rubrik Heimeintritt

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Anschauungszwecken. Die Urheberrechte liegen beim jeweiligen Autor.

Eine Weitergabe an Drittpersonen ist nicht gestattet.

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