Cruiser im April 2017

cruisermagazin

Mehr als drei Dekaden lang war AIDS tödlich und hat viele schwule Männer nachhaltig traumatisiert. Die Generation AIDS erinnert sich noch gut an die damaligen Bilder – und fast jeder hat damals gute Freunde an die Krankheit verloren. Schnell wurde vor etwas mehr als 30 Jahren klar: Es muss etwas geschehen - das Massensterben in den Metropolen muss unter Kontrolle gebracht werden. Roger Staub war Mitbegründer der AIDS-Hilfe Schweiz und erinnert sich exklusiv in dieser Ausgabe an die Anfangszeiten der Epidemie. Ausserdem: Wie politisch ist eigentlich der kommende ESC wirklich? Unsere Autorin Yvonne Beck wagt einen etwas anderen Blick auf die Veranstaltung.

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Die neuen Angels

Interview

Die Angels haben auch vor 10 Jahren schon Wert auf ansprechende Flyer gelegt: Hier die beiden grössten Partys «White» und «Black» aus dem

Cruiser von 2007.

«Angels»: Push-Ups, Porno

und Powerpartys

Vor 23 Jahren fand die erste White

Party statt. Die Ur-Angels lernten sich damals

in einem angesagten Fitnessclub in

Zürich kennen und konzipierten die allererste

White-Party zwischen Laufband,

Hanteln, Push-Ups und Dampfbad. Kopf

und Drahtzieher der Chose war Olivier Reveillon,

ein migrierter Franzose mit gewinnender

Ausstrahlung, genügend Biss, tollen

Ideen, wenig Kapital, aber dafür einem

grossen Freundeskreis.

Die erste Hürde stellte die Location

dar: Gross sollte sie sein. Also wurde kurzerhand

das Volkshaus gemietet – niemand der

Angels hatte eine Ahnung, ob 20 oder 2000

Gäste kommen würden. Das Volkshaus wiederum

hatte keine Ahnung, dass es sich um

eine Gay-Party handeln sollte. Der Rest ist

Geschichte: Bereits die erste Party war ein

CRUISER April 2017

voller Erfolg. Olivier und seine Mannen

(und eine Frau) überraschten mit einem Party-Konzept,

auf welches Zürich gewartet zu

haben schien. Bald folgten weitere Events:

Kitsch, Black und Folies au Lac. Man experimentierte,

provozierte und schockierte,

beispielsweise, als die Black Party im Kanzlei

stattfand – und mittendrin ein Schwulenporno

gedreht wurde. Alle Besucher mussten

seinerzeit beim Einlass an der Türe unterschreiben,

um ihre Bildrechte an die Porno-Produktionsfirma

abzutreten. Als die

Darsteller auf einer improvisierten Bühne

zum Höhepunkt kamen, applaudierte das

anwesende Partypublikum frenetisch.

Mehr Partys, mehr Gäste und mehr

Geld: Dieses wurde in den frühen Nullerjahren

in eine eigene Bar investiert. Die

Angels-Bar im Kreis vier mit lauschigem Innenhof

war aber nur kurz erfolgreich, denn

die Angels hatten sehr viele Freunde und

tranken selbst auch gerne. Entsprechend war

die Bar wohl gut besucht – aber nicht von

zahlenden Gästen.

Nach zehn Jahren stellte sich in Zürich

eine gewisse Partymüdigkeit ein – einige der

Ur-Angels (auch Olivier) verliessen den Verein,

neue kamen hinzu und gingen wieder.

Vor gut sechs Jahren haben Stephan Willi,

Erich Schlumpf, Jvan Paszti und Chris Eckstein

übernommen und das Konzept weitergeführt.

Ivan und Stephan sind im ersten

Halbjahr 2016 ausgestiegen und an ihre Stelle

sind Alex und sein Partner eingestiegen. Im

neuen Team war Alex schon für die Produktion

der Flash Party 2016 und der Black Party

2016 verantwortlich. Ende 2016 haben sich

auch Erik und Chris zurückgezogen. Seit dem

Beginn dieses Jahres organisieren Alex und

sein Partner nun die «Angels-Partys» alleine.

Die White Party 2017 findet am 7. Mai im X-tra

Zürich statt. Weitere Infos auf Seite 17.

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