Cruiser im April 2017

cruisermagazin

Mehr als drei Dekaden lang war AIDS tödlich und hat viele schwule Männer nachhaltig traumatisiert. Die Generation AIDS erinnert sich noch gut an die damaligen Bilder – und fast jeder hat damals gute Freunde an die Krankheit verloren. Schnell wurde vor etwas mehr als 30 Jahren klar: Es muss etwas geschehen - das Massensterben in den Metropolen muss unter Kontrolle gebracht werden. Roger Staub war Mitbegründer der AIDS-Hilfe Schweiz und erinnert sich exklusiv in dieser Ausgabe an die Anfangszeiten der Epidemie. Ausserdem: Wie politisch ist eigentlich der kommende ESC wirklich? Unsere Autorin Yvonne Beck wagt einen etwas anderen Blick auf die Veranstaltung.

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KOLUMNE

Mirko!

Mirko freut sich auf die

Midlife-Crisis

Das schnelle Leben als junger Schwuler ist

auch anstrengend.

VON Mirko

S

cho gläse, was de Michi gschriibe

het? Uaaauh. De Schef hat mir seinen

Text gegeben und es hat mich

umghaue. Was kann ich anders? Der Mann

hät scho im Cruiser gschriibe, da war ich

noch nicht mal geboren. Isch e Joke, Michi.

Nei, ich habe kein Problem mit deiner Midlife-

Crisis. Chunnt bi mir au no, weiss i. Ich

habe auch schon geschrieben, dass ich kein

Problem damit habe, wenn andere aus der

Form geraten und dann doch mehr Sex haben

als ich, nur weil ich meine Zeit vor dem

Spiegel verbringe oder mit meinen Bros

beim Frizer sitze und mir die Haar fürs

Weekend stylen lasse. No prob. Jeder

macht, was er will. Aber was isch los? I ha e

grossi Schnurre gha letscht Johr a de Pride

und zack han i die Kolumne übercho im

Cruiser. Han i chönne wüsse, dass so vil

Lüt sich plötzlich für mich interessieren?

Also ok, Michi, du bist scharf auf

mich. Hä, bisch nöd de einzig. Aber Jungs

wie n ich chönnd nüd mit dir aafange,

schriibsch. Wie gseit, ich habe kein Problem

mit deiner Midlife-Crisis. Ich habe

genug am Grind mit meinen eigenen

Tröbels. Da devo schriib i jo meischtens.

Sicher ist vieles anders bei uns. Meine

Eltern sind in die Schweiz gekommen, wo

ihri Heimat plötzlich eifach weg gsi isch.

Wir haben Glück gehabt und mir hend üs

CRUISER April 2017

in der Schweiz einen guten Platz gschaffe.

Aber Studieren lag dann nicht drin. Brötli

müend zahlt werde, weisch Mann. Wäre

mir auch zu viel gewesen. Und Paps und

Mams hätten auch nicht gewusst, wie das

genau möglich wäre, ich und studiere. Ja,

du hast recht, mir ist das Aussehen wichtig.

Aber ich habe damit kein Problem.

Doch ich schriibe nur, was ich so gseh und

wie ich so bin. Weisch, der andere Kumpel,

wo n i letscht Monet gschriibe ha, der

Ja Michi, du hast recht, mir

ist das Aussehen wichtig.

seiner Freundin erzählt, dass er die Bohrmaschine

beim Nachbar ausleihen will,

aber denn öppis ganz anders bohret und

ganz ohni Maschine, LOL, der Nachbar,

der hat die Midlife-Crisis scho lang hinder

sich und isch Schwiizer. D’Völkerverständigung

funktioniert perfekt bi dene

zwei. Isch halt jeder anders, denke ich

dann. Aber was sicher bi allne gliich isch,

isch d’Angscht, dass di niemet liebt. Das

verstehe ich. Mängisch dänk i, möched

schon alle komischi Sache, nur weil wir

Angst haben, vergessen zu werden oder

nicht geliebt zu werden. Aber äbe, au das

gseht jede anders. De anderi dumm aamache,

nur dass er dir nöd weh cha tue und

so Sache. Uuui, werd ich jetzt philosophisch

oder so? Shit. Oder andersch gseit:

mir ficken, damit mir nöd gfickt werden,

wörtlich oder au andersch. Wörtlich isch’s

mir lieber. Obwohl da musste ich grad

kürzlich per Whatsapp eine tröste. Riiiiiesepanik,

säg dir. D’Wält goht under. Es

Date hat ihm mitgeteilt, er habe Syphilis.

Hei Alte, sonst bist du auch nicht so

schwer von Begriff und googlisch alles.

Aber nei, er stirbt grad jetzt und so.

Schlechtes Gewissen und «hätte ich nur

nie mit Männern» und so wiiter. Fuck.

Denn hani halt selber mal googlet und siehe

da: Nei, Syphilis ist gar nicht so

schlimm, en Spritze in Arsch und ab zum

nächste Date, würd ich sagen.

Lueg, Michi, in der Midlife-Crisis

musst du dich nicht mehr mit solchen Hysterieanfällen

rumschlagen. Ich scho. Wenn

ich so vor dem Spiegel stehe und meine

Bartkante nachziehe, dann denk ich ganz

kurz: Wäre schön, wenn alles etwas ruhiger

wäre. Aber das denke ich nur kurz.

Dann geht’s wieder ab. Mir sind äbe die

vom Multitasking, uvijek sve i odmah.

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