Cruiser im April 2017

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Mehr als drei Dekaden lang war AIDS tödlich und hat viele schwule Männer nachhaltig traumatisiert. Die Generation AIDS erinnert sich noch gut an die damaligen Bilder – und fast jeder hat damals gute Freunde an die Krankheit verloren. Schnell wurde vor etwas mehr als 30 Jahren klar: Es muss etwas geschehen - das Massensterben in den Metropolen muss unter Kontrolle gebracht werden. Roger Staub war Mitbegründer der AIDS-Hilfe Schweiz und erinnert sich exklusiv in dieser Ausgabe an die Anfangszeiten der Epidemie. Ausserdem: Wie politisch ist eigentlich der kommende ESC wirklich? Unsere Autorin Yvonne Beck wagt einen etwas anderen Blick auf die Veranstaltung.

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Politik

Interview

wieder wird in dieser Diskussion, leider

fälschlicherweise, auf die niedrige Wahlbeteiligung

der Jungen bei kantonalen und

nationalen Abstimmungen hingewiesen. Ich

werde oft mit dem Argument konfrontiert,

die Jungen beteiligten sich nicht am politischen

Prozess oder seien nicht interessiert.

Diesen Ball muss ich jedoch der älteren Generation,

unseren Politikern in Bundesbern,

zuspielen, denn oft fehlt es schlichtweg

an der Verständlichkeit einer komplexen

Vorlage oder Abstimmung. Wären Abstimmungsunterlagen

frischer und weniger komplex

aufgebaut und geschrieben, so hätte die

Jugend auch einfacher Zugang. Wäre der

politische Betrieb zeitgemässer gestaltet, z.B.

mit Online-Teilnahme an nationalen Abstimmungen,

so bin ich überzeugt, wäre die

Beteiligung der Jungen grösser am politischen

Prozess der Schweiz.

Was persönlich fasziniert dich an der Politik?

In der Schweiz haben wir das grosse Glück

uns am demokratischen Prozess aktiv beteiligen

zu können und Einfluss zu nehmen. Es

ist jedoch nicht einfach nur Glück, dass wir

dies hier so haben, denn viele Generationen

vor uns haben dies aufgebaut und erst möglich

gemacht. In der Schweiz kann jeder

Schweizer Bürger Einfluss nehmen und ändern,

was ihn stört, dies ist beinahe einzigartig

auf der Welt und fasziniert mich sehr.

In der Schweiz haben wir

das grosse Glück uns am

demokratischen Prozess

aktiv beteiligen zu können

und Einfluss zu nehmen.

Die BDP Luzern ist nicht gerade erfolgreich.

Bei ihrem ersten Antreten bei den Kantonsratswahlen

2011 in Luzern erreichte die

Partei 1,66 Prozent der Stimmen. 2015, beim

zweiten Anlauf, waren es nur noch 0,88

Prozent. Wo klemmt es bei der Partei? Und

was macht die JBDP besser?

Nicht nur die BDP hat in den letzten Jahren

einen schwierigen Stand bei Wählerinnen

und Wählern, sämtliche Mitteparteien müssen

sich neu orientieren und gegenüber den

etablierten Parteien behaupten. Es ist aber

richtig, dass für die BDP in den nächsten

Jahren viel auf dem Spiel steht. Gerade deshalb

ist es wichtig, dass wir die jungen Kräfte

mobilisieren und sichtbar machen. Die Junge

BDP kann zudem die Mutterpartei weiter

CRUISER April 2017

mitgestalten. Wir Jungen denken oft etwas

anders, wir haben andere Lösungsansätze

für Probleme, davon kann unsere Mutterpartei

nur profitieren.

Die Junge BDP muss endlich

wieder sichtbarer und

hörbarer gemacht werden.

Was würde sich in der Partei ändern, wenn

du Präsident würdest?

Eines habe ich mir auf die Kappe geschrieben,

welches ich unbedingt vorantreiben

muss: Die Junge BDP muss

endlich wieder sichtbarer und hörbarer

gemacht werden. Wir müssen national

mehr an Bekanntheit gewinnen,

im jugendpolitischen Prozess

mehr wahrgenommen werden.

Zudem ist es wichtig, dass sich

die Jungen wieder mehr mit

uns identifizieren können.

Warum thematisierst du

deine sexuelle Ausrichtung?

In der heutigen Gesellschaft

ist es wichtig,

dass man sich selbst

sein kann. Alle predigen

Vielfalt, welche bei manchem

Bürger jedoch bei der sexuellen Ausrichtung

aufhört. Schwule und Lesben sollten

sich nicht länger verstecken müssen. Es macht

mir Sorgen, wenn ich sehe, wie viele Freunde

von mir ihre Sexualität verbergen müssen aus

Angst, diskriminiert werden zu können. Ich

möchte mit gutem Beispiel vorangehen und all

jenen Mut machen, die noch nicht den Weg

gefunden haben, zu sich zu stehen.

Da gab es mal eine Geschichte in diversen

Medien: «Zwei Nationalratskandidaten outen

sich». Da sah man euch etwas schlecht

ausgeleuchtet vor Palmen auf einem Schiffsteg.

Warum hast du dich mit deinem Partner

Denis Kläfiger seinerzeit zu diesem

Schritt entschlossen?

Wir haben uns damals gut überlegt, ob wir

diesen Schritt tatsächlich gehen sollten. Wir

haben uns dann klar dafür entschieden, weil

wir davon überzeugt sind, dass dies ein starkes

Zeichen für die Gay-Community ist. Das

Resümee unserer Aktion war übrigens über

die Landesgrenze hinaus durchweg positiv.

Nico Planzer

am 08. August 1995 in Luzern geboren, in

Ausbildung zum Fachmann Gesundheit

EFZ, engagiert sich seit gut sechs Jahren

in der Jugendpolitik.

2011 trat Nico Planzer dem Luzerner Kinderparlament

bei. Dort machte er erste Gehversuche

und Polit-Erfahrungen. Einige Zeit später

durfte er ins städtische Jugendparlament

emigrieren, welches er dann nach einem Jahr

Kommissionsarbeit als Co-Präsident präsidieren

durfte. 2014 gründete Nico Planzer mit

einem jungen und engagierten Team den

Verein Jugendparlament Kanton Luzern und

durfte als Co-Präsident die erste kantonale

Jugendsession im Kantonsratssaal erfolgreich

abhalten. Seit gut zwei Jahren ist Nico Planzer

aktives Mitglied der BDP Kanton Luzern.

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