Geschäftsbericht 2016

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Geschäftsbericht 2016 - Eidgenössische Revisionsaufsichtsbehörde RAB

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Vorwort | RAB 2016

Vorwort

Die RAB hat im ersten Jahr ihrer neuen

Strategieperiode 2016 bis 2019

erste Fortschritte in deren Umsetzung

erzielen können. Einerseits wurde die

Zusammenarbeit bzw. die Kontaktpflege

zu nationalen und internationalen

Stakeholdern der Revision weiter

ausgebaut. Andererseits wurde die

Transparenz zu den Enforcement-Verfahren

durch die Publikation rechtskräftiger

Gerichtsentscheide (in anonymisierter

Form) und von Enforcement-Grundsätzen

erhöht. Neben

der Umsetzung der Strategie bleiben

die vom Gesetzgeber definierten

Hauptaufgaben unverändert im Fokus

der RAB.

An dieser Stelle möchten wir uns bei

den Mitarbeitenden der RAB herzlich

für ihren grossen Einsatz bedanken,

mit dem sie die Aufgaben der RAB

erfüllen und die aktuelle Strategie

umsetzen.

Staatlich beaufsichtigte Revisionsunternehmen

Die grösseren Revisionsunternehmen

in der Schweiz haben in der letzten

Berichtsperiode insgesamt höhere

Umsätze in der Wirtschaftsprüfung

erarbeitet. Diese Umsatzsteigerungen

sind erfreulich, dürfen aber nicht

darüber hinwegtäuschen, dass der

Schweizer Revisionsmarkt und die

Revisionshonorare insbesondere bei

Neuausschreibungen weiterhin unter

Druck stehen. Die im Vergleich zum

Vorjahr höheren Umsätze sind grösstenteils

auf nicht wiederkehrende

Prüfungsarbeiten (z.B. forensische

Arbeiten) zurückzuführen. Die Revisionsausschüsse

(Audit Committees)

respektive der Verwaltungsrat sind

in der Pflicht, sich bei Neuausschreibungen

und der Genehmigung der

jährlichen Revisionshonorare zu vergewissern,

dass mit den vorgeschlagenen

Honoraren eine effiziente und

wirkungsvolle Prüfung durchgeführt

werden kann.

Der Revisionsbericht an die Generalversammlung

börsenkotierter Unternehmen

wird künftig auch Angaben

zu den für die Prüfung bedeutsamen

Sachverhalten (Key Audit Matters)

enthalten, die im Rahmen der Revision

beurteilt wurden. Die Verständlichkeit

von Revisionsberichten für Investoren

und andere Adressaten wird durch die

neuen Anforderungen gemäss ISA 701

bzw. gemäss dem RAB-Rundschreiben

Nr. 1/2015 erheblich verbessert. Die

erweiterte Berichterstattung wird dazu

führen, dass die aus Sicht des Prüfers

bedeutendsten finanziellen Risiken

sowie komplexe Sachverhalte und die

dazu gehörenden Prüfungshandlungen

offengelegt werden. Die Risikoüberlegungen

des Prüfers werden

somit nicht nur für den Verwaltungsrat

der geprüften Gesellschaft, sondern

auch für Investoren und andere Stakeholder

sichtbar. Die Qualität des Prüfungsprozesses

kann auf diese Weise

besser eingeschätzt werden, so dass

der Wettbewerb zwischen den Revisionsunternehmen

vermehrt auch

durch qualitative Argumente beeinflusst

wird.

Digitalisierung in der Wirtschaftsprüfung

Die zunehmende Digitalisierung verändert

auch die Wirtschaftsprüfung

grundlegend. Moderne Technologien

wie die Datenanalyse (Data Analytics)

zeigen neue Möglichkeiten

auf. Beispielsweise kann ein gesamter

Datenbestand automatisiert geprüft

werden; manuelle Stichproben nach

definierten Kriterien werden hingegen

reduziert. Der Wirtschaftsprüfer

wird dabei weiterhin eine wertvolle

Rolle spielen: Seine profunden betriebswirtschaftlichen

Kenntnisse sind

die Voraussetzung dafür, dass in der

Datenanalyse die richtigen Fragen

gestellt und relevante Zusammenhänge

erkannt werden. Die Erfahrung

des Wirtschaftsprüfers ist ferner

gefragt, wenn es darum geht, die

Einschätzungen des Managements

zu hinterfragen. Der Beruf bzw. die

Anforderungen, welche an den Wirtschaftsprüfer

gestellt werden, verändern

sich aufgrund dieser Entwicklung

jedoch stark.

Zukünftige Technologien mit künstlicher

Intelligenz (Artificial Intelligence)

werden heute intensiv diskutiert.

Solche Technologien haben mittelfristig

das Potenzial, den Wirtschaftsprüfer

zu unterstützen, insbesondere im

Bereich der Ermessensentscheide des

Prüfers. Die kritische Grundhaltung

gegenüber scheinbar korrekten Informationen

wird voraussichtlich aber

eine menschliche Eigenheit bleiben,

die kaum ersetzbar sein wird.

Bedeutsam ist weiter die Frage, ob alle

Revisionsunternehmen die notwendigen

Investitionen im Bereich der Digitalisierung

vornehmen wollen oder

können. Kleinere Revisionsunternehmen

sind gut beraten, wenn sie sich in

diesem Bereich zusammenschliessen

und die notwendigen Investitionen

gemeinsam finanzieren. Möglich erscheint

weiter, dass die Revisionsunternehmen

diesen Bereich an spezialisierte

Unternehmen auslagern.

Insgesamt sind die Entwicklungen in

der Berichterstattung und die sich

abzeichnenden technologischen Fortschritte

als Chance für die Wirtschaftsprüfung

zu sehen, die Prüfungsqualität

zu erhöhen und den Nutzen der

Abschlussprüfung der Öffentlichkeit

zugänglicher zu machen. Der neue,

erweiterte Revisionsbericht fördert

eine intensivere Auseinandersetzung

mit dem Prüfungsauftrag und wird

das Vertrauen in die Prüfung erhöhen.

Mittelfristig wird sich der Beruf des

Wirtschaftsprüfers stark verändern,

tendenziell an Relevanz gewinnen

und sicherlich auch in Zukunft in einer

neuen Form weiterbestehen.

Prüfung von Vorsorgeeinrichtungen

Die Prüfung von Vorsorgeeinrichtungen

steht in einem erhöhten öffentlichen

Interesse. Die RAB stellt bei der

Prüfung von Vorsorgeeinrichtungen

jedoch wiederholt schwere Verstösse

gegen die anwendbaren Sorgfaltspflichten

fest. Diese Verstösse werden

in diesem Geschäftsbericht eingehend

thematisiert (siehe eigenes Kapitel).

Es stellt sich nach der Analyse dieser

Verstösse die Frage, ob die gesetzlichen

Vorgaben an die Revisionsstellen

und leitenden Revisoren von Vorsorge-

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