SPECIAL

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KUNST

SPECIAL

Art Cologne:

Was den Messe-Besuch lohnt

Brille auf:

Virtual Reality

in Kunst und Museen

Skulpturen

Projekte Münster –

erstmals auch in Marl

Jubiläum De Stijl:

Mondrians Musik

der Farben

VERLAGSBEILAGE


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bundesweit und werbefrei

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Inhalt

IMPRESSUM

KUNST SPECIAL

erscheint monatlich im

Verlag K-West GmbH

Dinnendahlstr. 134 / 45136 Essen

Tel.: 0201 / 49068-14,

Fax: 0201 / 49068-15

www.kulturwest.de

REDAKTION

V.i.S.d.P.: A. Wilink

MARKETING

MaschMedia, Oberhausen

LAYOUT

Morphoria, Pecher

DRUCK

Hitzegrad Print

Medien & Service GmbH, Dortmund

TITEL

Foto: Li Alin: Enter Me Tonight, 2016.

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6 Fragen an …

Susanne Gaensheimer, die frisch berufene Direktorin der

Kunstsammlung NRW

Sieh mal an!

200 Galerien sind auf der Art Cologne –Wir sagen, welche

sich lohnen.

Zwei von zwanzig

Nachwuchs mit »New Positions« auf der Messe: Tobias Nink und

seine »Guten Stücke«, Arne Schmitt und seine »Neue Pracht«

Und wohin nach dem Messe-Besuch?

Unsere Ausgeh-Tipps

Melonen gegen die »Angst«

Die Skulptur Projekte Münster erweitern sich – nach Marl

Reif für die Insel im Kopf

Die Kunstszene entdeckt die Virtual Reality – Was sagen

Künstler, das Duo Friedemann Banz und Giulia Bowinkel, dazu

und was eine Kuratorin, Tina Sauerländer?

Museums-Ausstellungen im Überblick

Fromme Massenware

Albrecht Bouts in Aachen mit malerischen »Blut und Tränen«

Ausstellungs-Empfehlungen

von Bonn bis Paderborn

Keine Angst vor Rot, Gelb, Blau

Die Kunst-Bewegung De Stijl wird 100 und feiert Piet Mondrian

und seine Kollegen


6 Fragen an Susanne Gaensheimer

INTERVIEW STEFANIE STADEL

Die Vakanz hat ein Ende. Ab September wird Susanne

Gaensheimer (50), zur Zeit noch Direktorin des Museums

für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt, die Leitung der

Kunstsammlung NRW in Düsseldorf übernehmen.

k.west: Sie waren Leiterin des Kunstvereins in Münster und

Kuratorin am Münchner Lehnbachhaus, sind noch Chefin des

MMK in Frankfurt. Nebenbei haben Sie zweimal den deutschen

Pavillon der Venedig Biennale kuratiert. Woran erinnern Sie

sich besonders gern, worauf sind Sie stolz?

SUSANNE GAENSHEIMER: Eigentlich fand ich

alle Stationen toll. Ein Highlight war aber doch Venedig –

natürlich ein besonderer Ort. Wir waren bei den Vorbereitungen

beide Male mehrere Monate mit der ganzen Familie

dort. Eine schöne Zeit, auch wenn der erste Aufenthalt eine

sehr traurige Wendung nahm, als Christoph Schlingensief

mitten in unserer Arbeit starb; das war ein Schlag von ungeheuer

emotionaler Intensität, eine sehr prägende Erfahrung.

k.west: Als die Anfrage aus Düsseldorf kam, wussten Sie gleich,

dass die Leitung der Kunstsammlung das Richtige für Sie ist?

SG: Nein, wir haben lange darüber nachgedacht. Die

Findungskommission und ich waren fast ein halbes Jahr im

Gespräch. Obwohl ich die Kunstsammlung NRW schon immer

für eines der interessantesten Museen in Deutschland hielt,

hatte ich zunächst überhaupt nicht den Wunsch, aus Frankfurt

wegzugehen, weil es uns hier sehr gut geht – mir beruflich wie

auch meiner Familie. Die Gespräche haben sich aber dann sehr

schön entwickelt. Ich habe mich eingehender mit der Kunstsammlung

beschäftigt und mit den Potentialen der drei Häuser

K20, K21 und Schmelahaus, aber auch mit Düsseldorf und dem

Land Nordrhein-Westfalen. Besonders spannend finde ich die

Herausforderung, mit der Sammlung der Klassischen Moderne

zu arbeiten und sie ins 21. Jahrhundert zu führen.

k.west: Bisher waren Sie eigentlich nur befasst mit der Zeit nach

1945 und vor allem mit Gegenwartskunst. Wie wollen Sie das

Erbe der Klassischen Moderne angehen?

SG: Hier in Frankfurt haben wir nun über Jahre unser

Ausstellungprogramm und die Sammlung mit einer globalen

Perspektive erweitert. Wir haben Künstlerinnen und

Künstler aus aller Welt darin integriert. Diese globale Perspektive

auf den Bereich der Klassischen Moderne zu übertragen,

erscheint mir eine folgerichtige Fortsetzung meiner Arbeit in

Frankfurt.

Prof. Dr. Susanne Gaensheimer. Foto: Frank Blümler.

k.west: Ihre Vorgängerin Marion Ackermann hat bereits in diese

Richtung gearbeitet – zumal mit dem laufenden Projekt »Museum

Global«, an dem auch Ihr MMK beteiligt ist. Gibt es weitere

Aspekte und Elemente, die Sie aufgreifen möchten?

SG: Auf jeden Fall. Marion Ackermann hat den Bereich

Bildung und Vermittlung stark ausgebaut, wichtige neue Formate

und überhaupt eine neue Haltung dazu etabliert. Das möchte ich

aufgreifen und fortführen. Auch im Bereich der Digitalisierung

hat sie einiges auf den Weg gebracht, das ich ebenfalls ausbauen

möchte.

k.west: Und eigene neue Akzente?

SG: Ja, das betrifft vor allem das Feld der Gegenwartskunst.

Zum Beispiel möchte ich das K21 wieder als Haus des

21. Jahrhunderts profilieren. Das war ja ursprünglich die Idee

– und ich fand sie toll. Das K21 soll zu einem lebendigen Ort

werden, der internationale Gegenwartskunst zeigt. Das möchte

ich interdisziplinär angehen und auch angrenzende Kunstgattungen

in den Blick nehmen, Choreografie etwa oder Architektur

und Film. Auch denke ich daran, ein regelmäßiges Performanceprogramm

zu etablieren.

k.west: Was sagt Ihre Familie – Sie haben auch zwei Kinder –

zum Umzug nach Düsseldorf?

SG: Die Kinder gehen inzwischen beide aufs Gymnasium.

Wir haben uns umgeschaut und die Stadt hat ihnen sehr gut

gefallen. Inzwischen freuen sie sich auf den neuen Ort. Gegen die

Familie hätte ich die Entscheidung nicht durchsetzen wollen.

4 SPECIAL KUNST

K.WEST 04/17


Di 2. Mai 20:00 Sartory-Säle

Fr 5. Mai 20:00 Kölner Philharmonie

Käptn Peng

Inna Modja

Malikah

s t a r g a z e

u. a.

Ensemble Musikfabrik

»Cantatrix Sopranica«

Marco Blaauw | Doppeltrichter-Trompete

Piia Komsi, Emily Hindrichs | Sopran

Thomas Lichtenecker | Countertenor

Peter Veale | Oboe, Englischhorn

Helen Bledsoe | Flöte

Peter Rundel | Dirigent

Werke von

Jonathan Harvey

Rebecca Saunders

Peter Eötvös

Julien Jamet

und Unsuk Chin

Gefördert durch

Unterstützt durch

cd: hidabicer.com | Fotos: Klaus Rudolph, Marco Conti, Klaus Rudolph

Mi 3. Mai 18:00 Stadtgarten

Do 4. Mai 18:00 Kunst-Station Sankt Peter

Fr 5. Mai 18:00 Kölnischer Kunstverein

Mit

Scott Fields

Niklas Seidl

Matthias Schubert

Dirk Rothbrust

Camilla Hoitenga

sprechbohrer

u. v. a.

achtbruecken.de

0221.280 281

ON@ACHT BRÜCKEN

Das Netzwerk Neue Musik

mit der freien Kölner Szene

präsentiert sich bei ACHT BRÜCKEN


Sieh mal an!

TEXT ALEXANDRA WACH

200 Galerien aus 28 Ländern präsentieren

rund 2.000 Künstler mit

ihren Werken von der Klassischen

Moderne bis in die Gegenwart –

soweit die Fakten zur 51. Art

Cologne in knappen Worten. Aber

was steckt dahinter? k.west sagt,

welche Stände man beim Rundgang

durch die Messehalle Elf nicht

verpassen sollte.

Tracey Emin: Walking Around My World, 2011. © Tracey Emin. All rights reserved, DACS 2016. Photo © White Cube (Ben Westoby).

Derda Berlin

Im Segment der Klassischen Moderne dürfte sich der Debütant

Derda Berlin als Glücksfall erweisen. Der erste Auftritt reicht

von den Kölner Progressiven über die Meister und Studenten

des Bauhauses bis zu den Mitgestaltern des Neuen Frankfurts.

Eine von ihnen war die Fotografin Ilse Bing, auch »Königin

der Leica« genannt. Sie dokumentierte das von dem Architekten

Mart Stam 1930 erbaute Budgeheim. Viele Arbeiten aus

der Serie befinden sich heute im Victoria & Albert Museum in

London oder in der Sammlung des Art Institute in Chicago.

Ein ungewöhnliches Highlight im Angebot von Derda ist auch

ein frühes Landschaftsgemälde von Kurt Schwitters, das noch

dem expressionistischen Malstil nacheifert. Oder die 42.000

Euro teure Farblithografie »Der Verliebte« von Paul Klee. Die

in Weimar erschienene »Meistermappe des Staatlichen Bauhauses«

von 1923 enthielt insgesamt acht Lithographien und

präsentierte Arbeiten der Meister – von Kandinsky, Feininger,

Marcks, Moholy-Nagy und eben auch Klee, der die Figur des

Verliebten als Spielball seiner Fantasien darstellt.

Klaus Gerrit Friese, Berlin

2015 zog der Galerist Klaus Gerrit Friese von Stuttgart nach

Berlin, wo viele seiner Künstler leben. Etwa der 1938 geborene

Maler K.H. Hödicke, der es sich nicht nehmen lässt, am Rhein

für »Das Brandenburger Tor« zu werben, eine im Duktus eines

Kindes gemalte Ode an Berlins Touristenattraktion. Keinen

akuten Lokalpatriotismus muss man bei dem zwischen Düsseldorf

und New York pendelnden Cornelius Völker fürchten; der

1965 geborene Maler verguckt sich gern in banale, stark vergrößerte

Motive wie Butterbrote, Teebeutel, Meerschweinchen

oder Aspirin, und das gleich in Serie. Seine pastosen, farblich

schrillen »Blüten«-Gemälde versprühen pure Lebensfreude im

Hier und Jetzt. Das kann der ermüdende Messetrubel als Augendusche

gut gebrauchen.

6 SPECIAL KUNST

K.WEST 04/17


Le Minotaure, Paris

Zu den Neuzugängen im Segment »Modern, Post-War and Contemporary«

gehört Le Minotaure aus Paris. Gegründet wurde

die Galerie 2002 von Benoit Sapiro; im Programm sind neben

Größen wie Fernand Léger vor allem weniger bekannte russische

und zentraleuropäische Künstler der ersten Hälfte des 20.

Jahrhunderts. Am Stand ist etwa mit den Ende der 1920er Jahre

entstandenen Gemälden von August Herbin zu rechnen. Als

Ateliernachbar von Braque und Picasso setzte er sich zunächst

mit dem Kubismus auseinander. Ab 1917 begann seine ungegenständliche

Phase. Er verwendet die elementaren Grundformen

Dreiecke, Kreise, Rechtecke und Trapeze. 1931 wird

Herbin Mitbegründer der Künstler-Vereinigung »Abstraction-Création«.

Seine farblich muntere »Spirale dynamique« von

1928 überrascht mit rundlich zerfließenden Formen. Geometrisches

hat hier Leinwandverbot. Die Wiederentdeckung wert

ist auch der Armenier Léon Tutundjian – ein Überlebender des

Genozids. Er zog 1924 nach Paris und verband auf seinen Gemälden

Abstraktion mit figurativen Andeutungen, wenn sich

etwa Linien, Kreise und Kugelkörper zur Silhouette einer menschelnden

Figur formten.

Pieter Hugo: Beijing, 2015. Galerie Priska Pasquer, Köln.

Kadel Willborn, Düsseldorf und Karlsruhe

Kadel Willborn bespielen inzwischen die wichtigsten Kunstmessen

von der Art Basel bis zur Frieze London. Nach Köln bringen

sie Matthias Bitzer mit, einen 1975 geborenen Künstler, der in

der Malerei wie auch in der Skulptur, Zeichnung, Collage und

Installation zu Hause ist. In einer Neusichtung der Klassischen

Moderne kombiniert der Wahl-Berliner Fotoporträts, die nach

Vintage aussehen, mit geometrischen Konstruktionen. Seine

Arbeiten beziehen sich auf historische Biografien, die wegen ihrer

Andersartigkeit ins Abseits geraten sind. Dazu gehören die

Dichterin und Künstlerin Mina Loy, die Dada-Mitbegründerin

Emmy Ball-Hennings oder der britische Schriftsteller T.S. Eliot.

Das Ergebnis ist ein mit Zitaten und visuellen Verfremdungen

aufgeladener Bilderkosmos, den man inspizieren kann wie einen

lebendig gewordenen Geschichtswälzer.

INVENTUR 2

June 01 –

June 03, 2017

Panels

Lectures

Live Acts

Performances

Registration starts

April 15, 2017

www.tanzhaus-nrw.de

Mithkal Alzghair, Rustom Bharucha,

Claire Bishop, Jonathan Burrows,

Panaibra Gabriel Canda, Nora

Chiapaumire, Bojana Cvejić, Dan

Daw, Gurur Ertem, Tomasz Foltyn,

Susan Leigh Foster, Sujata Goel,

Trajal Harrell, Maria Hassabi,

Raimund Hoghe, Ana Janevski, Janez

Janša, Bojana Kunst, Isabelle

Launay, Ralph Lemon, Lina

Majdalanie, Babette Mangolte,

Achille Mbembe, Joe Moran, Rabih

Mroué, Sandra Noeth, Opiyo Okach,

Jay Pather, Pauline Payen, Manuel

Pelmuş, Maque Pereyra, Javiera

Peon-Veiga, Chantal Pontbriand,

Laurence Rassel, Jan Ritsema, Lia

Rodrigues, Georg Schöllhammer,

Agata Siniarska, Gabriel Smeets,

Susana Tambutti

CONTEMPORARY

DANCE &

PERFORMANCE

Main sponsor

Sponsors

Concept: Sigrid Gareis, Gabriele

Brandstetter, Martina Hochmuth,

Bettina Masuch

An event of the Arts Foundation of North Rhine-Westphalia in collaboration with the tanzhaus nrw, supported within theframework of the Alliance of International

Production Houses by the Federal Government Commis sioner for Culture and the Media. Inventur 2 takes place within the framework of the European Dancehouse

Network (EDN), co-funded by Creative Europe Programme of the European Union.


Lyles + King, New York

Nachjustiert hat die Messeleitung im Bereich der jungen zeitgenössischen

Kunst, die jetzt unter dem Branding »Neumarkt«

firmiert. Die hier versammelten Galerien dürfen nicht älter als

zehn Jahre sein. Gerade mal zwei Jahre haben Lyles + King auf

dem Buckel und können in ihrem smarten Programm bereits

auf vielversprechende Talente zurückgreifen. Die New Yorker

Galerie reist von der wenige Tage vorher stattfindenden Art

Brussels weiter zur Art Cologne mit einer Solo-Show des 1984

geborenen Malers Chris Hood – seinen Mixturen aus Cartoon-Elementen,

gezeichneten Linien, Textbruchstücken und

kräftig sommerlicher Farbgebung à la van Gogh haben schon

bedeutende Magazine wie Elephant, Art in America oder Time

Out New York lobende Besprechungen gewidmet. Wenn das

dann noch ein Geheimtipp ist...

Cornelius Völker: Blüten, 2016.

Galerie Klaus Gerrit Friese, Berlin.

Museumsmeile

Friedrich-Ebert-Allee 2

53113 Bonn

Info: 0228 77-6260

www.kunstmuseum-bonn.de

Gerhard Richter

Über Malen –

Frühe Bilder

15.6.–1.10.2017

Hans-Fries-

Stiftung, Köln

Abb.: Gerhard Richter, Vorhang IV (Detail), 1965; Kunstmuseum Bonn; © Gerhard Richter 2017 (16012017)

Galerie Neu, Berlin

Am Stand der Berliner treffen zwei deutsche Bildhauer aufeinander,

die unserem Alltag mit Lust an der ungewöhnlichen

Sinnverschiebung begegnen. Der 1982 geborene Yngve Holen

verlegt blauen Teppich aus der Luftfahrtindustrie auf Hebebühnen

oder verwandelt Marmor per 3D-Scan in scheinbar

organisch glänzende Fleischstücke. Manfred Pernice, Jahrgang

1963, teilt diesen erfinderischen Furor, wenn er sich Bartresen,

Mülltonnen oder Litfaßsäulen als Inspirationsquelle aussucht

und ihre Einzelteile zu Installationen verdichtet. Auf das Rendezvous

der Meister-Bricoleure darf man gespannt sein.

Priska Pasquer, Köln

Passend zur großen Ausstellung des südafrikanischen Fotokünstlers

Pieter Hugo, die bis Juli im Kunstmuseum Wolfsburg

läuft, bestückt die Kölnerin Priska Pasquer ihren Stand

mit der Serie »Flat Noodle Soup Talk«. Sie entstand während

eines einmonatigen Aufenthalts in Peking. Im Fokus von Hugos

Stadterkundungen standen die Kontraste, die das heutige

China beherrschen: Eine Generation, die noch zu Zeiten der

Revolution aufgewachsen ist und in ihrem Leben bittere Opfer

brachte, trifft auf junge Kunststudenten, die ihren Platz in einer

vom Staat gelenkten Konsumgesellschaft finden müssen, etwa

als Teil einer Subkultur, die nicht den herrschenden Idealen

entsprechen will. Für Kontrast sorgt auch die Galeristin selbst,

indem sie Hugos eindringlichen Menschenporträts die postdigitalen,

von Bildbearbeitung geprägten Arbeiten der 1977 geborenen

Johanna Reich gegenüberstellt.

Brigitte Schenk, Köln

Es gibt nicht viele deutsche Galeristen, die sich auf zeitgenössische

Kunst aus muslimisch geprägten Ländern spezialisieren.

Die Kölnerin Brigitte Schenk ist eine davon. Sie versteht

ihren Auftritt diesmal explizit politisch als Demonstration

gegen das von Donald Trump verhängte Einreiseverbot. Mit

den Arbeiten von Magdi Mostafa aus Ägypten, Abdulnasser

Gharem aus Saudi Arabien, Tarek Al Ghoussein, einem Palästinenser

aus Kuwait, Shahram Karimi aus dem Iran und

Halim Al Karim aus dem Irak fächert Schenks Solidaritätsbeitrag

ein breites Spektrum an Positionen auf. Der 1973 geborene

Abdulnasser Gharem, der zeitgleich zur Art Cologne

mit einer Einzelausstellung im Los Angeles County Museum

K.WEST 04/17


of Art, LACMA, vertreten sein wird, hat sich den Ruf eines

hochpolitischen Künstlers erworben, der mit dem Werkzeug

des Stempels, Inbegriff der Bürokratie, arbeitet. Das Ergebnis

sind »verpixelte« Holzbilder, die man mit gestörtem

Fernsehempfang verbindet. Gharems Botschaften lassen sich

indes unschwer dechiffrieren: Über ein Obama-Foto lässt er

etwa Zensurbanner der Regierung schweben und hinterfragt

damit die Aussagekraft gelenkter Medien.

White Cube, London

Ein gewichtiger Neuzugang ist aus London zu verzeichnen.

Die Galerie White Cube war am Aufstieg der Young British

Artists beteiligt und weist in ihrem in der A-Liga fischenden

Programm auch deutsche Größen wie Anselm Kiefer, Andreas

Gursky oder Georg Baselitz auf. Am Rhein meint man mit deutschen

Positionen punkten zu können und hat Imi Knoebel dabei.

Auf »Sommer« stimmt der Vertreter der Minimal Art mit

gelben und grünen Balken ein, die eine verdunkelte Winterwelt

zu vertreiben scheinen. Auch mit dabei ist das britische Enfant

terrible Tracey Emin mit der Neonschrift »Walking Around My

World«, die sich als ganzes Manifest entpuppt: Emins Kunst

lässt sich von ihrer Biografie nicht trennen. Sie selbst ist das

Kunstwerk. Ihre intimen Arbeiten – Videos, Raum-Installationen,

Zeichnungen, bestickte Stoffe, Texte – kreisen am liebsten

um nackte Tatsachen.

Matthias Bitzer: a sensational air, 2017.

Courtesy Kadel Willborn, Düsseldorf.

ART COLOGNE 2017 –

51. INTERNATIONALER KUNSTMARKT

HALLE 11, MESSEGELÄNDE KÖLN-DEUTZ

26. BIS 29. APRIL 2017

TEL.: 0221/8210

VON DER HEYDT-MUSEUM

WUPPERTAL

erbsloeh-ausstellung.de

Ermöglicht durch

Mädchen mit rotem Rock, 1910, Von der Heydt-Museum Wuppertal © VG Bild-Kunst, Bonn 2017


Zwei von

zwanzig

Wie immer bekommen die Förderkojen

der Art Cologne besondere

Aufmerksamkeit. Zwanzig ausgewählte

»New Positions« sind zum

Messe-Debüt geladen. Zwei Künstler

hat k.west bei den Vorbereitungen

für ihren Auftritt beobachtet.

Möbel neu interpretiert von Tobias Nink. (Ansicht der Ausstellung 2017 in der Galerie Heinz

Holtmann mit »Agent Orange«, »hoppe, hoppe Reiter« und »Totem«.)

10 SPECIAL KUNST

K.WEST 04/17


Gute Stücke

Tobias Nink bei Heinz Holtmann, Köln

TEXT STEFANIE STADEL

Kein cooles Atelier. Tobias Nink und seinen Langhaar-Kater trifft

man in einem sanierungsbedürftigen Reihenhäuschen in Duisburg

Homberg. Für ihn und seine Arbeit die beste Lösung, findet

der 31-Jährige. Das Haus gehöre der Familie, und in Düsseldorf

wäre er wohl kaum zur Kunst gekommen, vor lauter Nebenjobs,

die nötig wären, um die Miete zu zahlen.

Auf der ersten Etage schläft er, im Wohnzimmer wird gearbeitet,

neben Türmen alter Truhen, Tische, Schränke. Alles was geht,

scheint in den Raum gestopft. Das 70er Jahre Sideboard hat Nink

in einer Garage aufgetan, die beiden bauchigen Kommoden waren

bei Ebay-Kleinanzeigen zu haben. Die Suche danach macht er

sich nicht leicht. Sperrmüll als Quelle kommt für ihn keinesfalls

in Frage, weil er Möbel braucht, die zwar benutzt, aber nicht allzu

abgenutzt sind. Manchmal sei er stundenlang mit dem Transporter

unterwegs über Land. Nur, wenn der Funke überspringe,

lasse sich etwas aus dem Material machen. Aber was und wie?

Es bleibt nicht beim objet trouvé. Auf ganz eigene Art eignet

sich Nink die Stücke seiner Wahl an. Mit der Säge werden sie

sorgfältig ausgeweidet und planvoll zerlegt, jeder Schnitt muss

sitzen. Mindestens die Hälfte des Materials landet anschließend

im Müll, der gute Rest wird zur Skulptur verklebt, in der das Ursprungs-Möbel

immer sichtbar bleibt, aber völlig neue Gestalt

annimmt. Oft werden einzelne formale Eigenschaften herausgegriffen

und akzentuiert oder ad absurdum geführt. Nicht selten

entwickeln die zweckentfremdeten Wesen bei dieser Gelegenheit

eine gewisse Komik, vor allem, wenn Nink sie mit Titeln bedenkt.

Dann erkennt man etwa in Schubladen die geschwellte Brust

des strammstehenden »Generals«, die Möbelknäufe werden zu

Uniformknöpfen. Aus zwei Nachttischchen macht er niedliche

»Geschwister«, aus einem kühlen Stahlschrank den unnahbaren

»Onkel Doktor«, und sein total geschrumpfter Elektroherd

bittet »zu Tisch«. Es überrascht, wie Vertrautes derart umgekrempelt

neue Assoziationen weckt. Weitertreiben lässt sich

das entfremdende Spiel, indem die Objekte im Betonguss abgeformt

werden. Eine Idee, die Nink schon erprobt hat und die

noch weiter gehen soll.

Kunst lag nicht in der Familie, doch haben ihn die Eltern machen

lassen. Nink kam an. In der Bildhauerklasse von Tony Cragg

wurde er 2013 Meisterschüler. Den Akademiebrief erhielt er zwei

Jahre später von Craggs Nachfolger Richard Deacon. Bevor er

sich erstmals an einem Möbel vergriff, hatte Nink – noch an der

Akademie – Rigipsplatten in schmale Streifen geschnitten, um

daraus monumentale Skulpturen zu bauen. 2014 kam dann ein

erster Schrank unter die Säge. Das »gute Stück« steht noch heute

in Ninks Schlafzimmer.

Viele andere Möbelwerke haben herausgefunden, in die Kunstvereine

nach Leverkusen und Schweinfurt zum Beispiel. Und

zuletzt zur ersten großen Einzelausstellung in die Kölner Galerie

Heinz Holtmann, die Größen wie Cragg, Uecker, Richter, Polke

vertritt und Nink als »New Position« auf der Art Cologne präsentiert.

Einen alten Herd will er für den Auftritt herrichten. Das

Gerät steht bereits im Keller, in Einzelteile zerlegt und von allen

funktionalen Innereien befreit. Mit Fettlöser macht Nink sich am

weißen Email zu schaffen, so etwas kann Tage dauern. Erst wenn

alles blitzblank ist, kommt die Flex zum Einsatz.

Viel zu tun gibt es auch an einer zweiten Baustelle: ein riesiger

Kleiderschrank, der für fünf Arbeiten reichen soll, die Nink bei

der Art Cologne an die Kojen-Wand hängen will. Man kann ihm

die Begeisterung für den Fund ansehen. Das verschossene Petrol

erinnere ihn fast an Blätterwerk, das in der Sonne funkelt. Einen

Titel hat Nink schon für die Arbeit: Ein wenig »Waldeinsamkeit«

wird sicher gut tun im Messerummel.

SIEBEN SÄRGE

Es gibt einen Tod nach dem Leben

Ein Kunstprojekt von Gerhard Rossmann

K.WEST 04/17

cubus kunsthalle, duisburg (im Kantpark)

Friedrich-Wilhelm-Str. 64, 47051 Duisburg

6. Mai – 4. Juni 2017, Öffnungszeiten: Mi-So 14-18 Uhr

www.cubus-kunsthalle.de

RUBRIK

11


Neue Pracht

Arne Schmitt bei Jacky Strenz, Frankfurt

TEXT ALEXANDRA WACH

Die Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig ist nicht nur bei

Nacheiferern des Maler-Stars Neo Rauch beliebt, sondern auch bei

konzeptuell denkenden Fotografen. Gleich vier Foto-Klassen und

Professoren wie Heidi Specker oder Joachim Brohm sorgen für ein

Klima, in dem anspruchsvollere Gemüter gedeihen. Arne Schmitt

ist einer von ihnen. Sein Studium schloss er mit dem Fotobuch

»Wenn Gesinnung Form wird« ab. Ein Titel, der jedem einleuchtet,

der mit dem 32-Jährigen ins Gespräch kommt.

12 SPECIAL KUNST

K.WEST 04/17


Unter dem Titel »In neuer Pracht« nimmt

Arne Schmitt das Kölner Gerling-Quartier ins Visier.

(© Arne Schmitt / VG Bild-Kunst, Bonn 2017.

Courtesy Arne Schmitt/ Jacky Strenz, Frankfurt/Main.)

Der Nachkriegsarchitektur der westdeutschen Innenstädte gilt

sein Interesse, jene Beton-Bausünden, die heute gern abgerissen

oder umfunktioniert werden. Allerdings begnügt sich Schmitt

K.WEST 04/17

PAN kunstforum niederrhein

Agnetenstraße 2, 46446 Emmerich am Rhein

Tel.: +49(0)2822 5370110; Fax: +49(0)2822 5370122

http://www.pan-forum.de

nicht mit den ästhetischen Eigenheiten: »Es geht darum, eine

These aufzustellen«, meint er. »Wie hängt die Architektur mit

der Geschichte des Gebäudes zusammen? Warum entledigt

sich eine Gesellschaft eines bestimmten Stils? Oder greift Jahrzehnte

später auf ihn zurück?«

Ein schlauchartiger Flur in einer Wohnung der Kölner Südstadt

führt direkt ins Atelier. Kreatives Chaos sucht man vergeblich.

Von Platznot keine Spur. Die minimalistische Einrichtung

aus Schreibtisch, Kopierer und gerade mal zwei Regalen

lässt auf ein gut sortiertes Gehirn schließen. Auch die Heizung

muss jetzt als Ablage dienen. Schmitt ist mitten im Prozess der

Motivauswahl. »In neuer Pracht« heißt die Arbeit, die in der

Koje der Frankfurter Galerie Jacky Strenz zu sehen sein wird.

Schwarz-weiße Aufnahmen dokumentieren nüchtern das Kölner

Gerling-Quartier, darunter vor allem die skulpturalen Anteile,

die Hitlers Lieblingsbildhauer Arno Breker als Freund der

Gerling- Familie beigesteuert hatte.

Der einstige Sitz des Versicherungskonzerns ist inzwischen

zum Objekt der Begierde von Immobilienfirmen geworden,

die das Gelände in eine neoklassizistische Abfolge aus Luxuseigentumswohnungen,

hochpreisigen Büros und einem Hotel

verwandeln. In den pathetisch-schwülstigen Werbespots, die

Schmitt in seine Installation einbauen wird, preist man den Ort

als einen, »an dem jeder Stein Geschichte atmet«. Die braunen

Details bleiben aber geschichtsvergessen außen vor.

Genau diese wechselnden ideologischen Konstellationen sind

es, die Schmitt auch in anderen Serien, Buchprojekten und Videos

recherche-intensiv seziert. Mal findet er auf Berliner Straßen

von Albert Speer entworfene Peitschenlampen, die nach

dem Krieg aus nicht bombardierten Depots herausgeholt wurden.

Oder er geht den politischen Debatten um die Serra-Skulptur

am Hauptbahnhof Bochum nach.

Dabei sieht sich Schmitt nicht etwa in der Tradition der Becher-

Schule. Die sind ihm in ihrer Neigung zu Großformaten zu

»bildverliebt«. Eher in der Gefolgschaft des 2014 verstorbenen

Essay-Filmers Harun Farocki, der nicht zuletzt auch den Einfluss

der Werbung und der Medien auf den kapitalistischen

Alltag analysierte. Und was greift mehr ins öffentliche Leben

ein als der mit jeweiligem Zeitgeist kontaminierte Städtebau?

Didaktik sei für ihn kein Angstbegriff mehr, sagt er. Deswegen

setzt er bei aller Liebe zur Aussagekraft der jeweiligen

architektonischen Situation zunehmend auf kommentierende

Texte, um nicht zu nebulös rüberzukommen. Ein Architekt

der Beunruhigung, der auf Nummer Sicher geht. Wie

beruhigend!

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11–16 Uhr

Samstag und Sonntag 11–18 Uhr

Eintrittspreise

Erwachsene 9,50 € Familie 19,50 €

Ermäßigt 7,50 € Gruppen pro Person 7,50 €

Führungen Sonntags 14 Uhr und nach Ankündigung im

Internet 2,- € + Eintritt

Gruppenführungen nach Voranmeldung

55,- € + Gruppeneintritt

Große

Sonderausstellung

Große Sonderausstellung

Dalí

am Niederrhein

am Niederrhein

über 600 Exponate

11. März — 3. September 2017

PAN kunstforum niederrhein

Emmerich am Rhein

über 600 Exponate

11. März bis

3. September 2017

PAN kunstforum

niederrhein

Agnetenstraße 2

46446 Emmerich am Rhein

Tel.: +49(0)2822 5370110

pan-forum.de


Lassen Sie

es sich

schmecken!

TEXT PETER ERIK HILLENBACH

Um die 51. Art Cologne gesund

und fit an Geist und Körper zu

überstehen, braucht es Nervennahrung

und Soulfood. Entsprechende

Restaurants und Bars

gibt es genug – fußläufig erreichbar

innerhalb des Grüngürtels,

in der Altstadt und am nahen

Rhein.

Das Spektrum von der Klassischen Moderne bis zur aufstrebend

jungen »cutting edge art«, mit dem die Art Cologne wirbt, spiegelt

sich in den Speisekarten Kölner Lokale. Hat man genug vom

White-Cube-Korsett, ist ein Besuch im Pure White Food Club

zu empfehlen. Hier und im benachbarten Pure White brilliert

Küchenchef Cristiano Rienzner am katalanischen Josper-Ofen,

auf dessen glühender Holzkohle beste Grundprodukte puristisch

behandelt werden – sehr kurz bei sehr großer Hitze. Jakobsmuscheln

und Wagyu Beef, Steinbutt und Gänseleber – geschmackserregender

lässt sich das kaum präsentieren.

Konzentration aufs Wesentliche zeichnet auch Pepe Bar &

Restaurant im Belgischen Viertel aus. Offeriert die Speisekarte

schon sexy food mittelmeerischer oder fernöstlicher Provenienz,

dem exotische Früchte wie Granatapfel, Kumquats

oder Tamarinde den Kick geben, so ist die Barkarte mit 500

Gin-Sorten aus aller Welt Anlaufstelle für die Wacholder-

Aficionados. Umwerfend!

Zu Zeiten, da der Kunde / Gast jederzeit alles haben kann, fehlt

es nicht an Gegenbewegungen. Dem elitären Sterne-Habitus

setzt man die Idee des Casual Fine Dining entgegen, ausufernden

Speisekarten mit überreichlichem Angebot ein Ein-Produkt-Konzept.

Das kann man selbst mit Pizza fahren und bietet

wie im 485° erstklassige neapolitanische Edel-Flachware an.

»Hellboy« etwa wird mit bester Chorizo Ibérico Negra belegt,

»Reuben Pastrami« mit Gruyère, Coleslaw und Pastrami vom

Kultmetzger Hennes.

Auch im Pigbull BBQ wird gern hantiert mit Pastrami; umwerfend

und in der Szene hoch angesehen ist jedoch vor allem das

Pulled Pork, 24 Stunden mariniert und sechzehn Stunden im

US-Smoker gegart.

Die Fette Kuh wiederum genießt bundesweit einen Ruf unter

Burger-Fans und bietet klassische Hamburger, Cheeseburger oder

Teriyaki-Burger bester Qualität. Übrigens, wer die Sache mit den

stringenten neuen Konzepten ernst nimmt, muss einen Ausflug

Richtung Zoobrücke unternehmen: Im Laden Ein werden regelmäßig

wechselnde Pop-Up-Konzepte vorgestellt, mal nur Tapas,

mal nur Gerichte aus Sardinendosen. Immer originell!

Spannend auch, wenn ehemals unzugängliche Gewerbe- und Industriegebiete

neu erschlossen und kulinarisch erweckt werden.

So lässt sich an den Besuch im Schokoladenmuseum südlich ein

Streifzug durch Zollhafen und Aggripinawerft anschließen. Eine

Vielzahl attraktiver Gastronomien hat vor der schicken Kulisse

von Hafenkränen und Kaimauern eröffnet, darunter das charmante

Bona’Me mit orientalischen Speisen aus der offenen Küche

oder das Limani, ein elegantes griechisches Restaurant mit

Rheinblick.

Anspruchsvoll ist das Konzept des The New Yorker | Long

Island Restaurant & Bar; hier werden Seafood, Steaks und

Caesar’s Salad nach Art der New Yorker Halbinsel aufgetischt, in

relaxter Beachclub-Atmosphäre.

Endgültig im Sternebereich angekommen sind wir bei Daniel

Gottschlich, dem Küchenchef im Ox & Klee. Die abgefahrene

Location in einem der mondänen Kranhäuser am Rhein wird

gespiegelt von der Kunst auf dem Teller: Makrele mit Ibéricoschwein

kombiniert, mariniertes Lamm mit orientalischen Gewürzen,

Ayran, Erbse und Bottarga. In der angeschlossenen Bar

Bayleaf wirkt Chef Michael Elter, ein Meister seines Fachs, und

komponiert Cocktails passend zum Menü. Bayleaf it or not!

Neben Ox & Klee locken zahlreiche Sternerestaurants, so das

wunderschöne Zwei-Sterne-Bistro Le Moissonnier, das Himmel

und Äd im Wasserturm, das japanisch inspirierte Taku im

Excelsior Hotel Ernst, das L’Escalier des engagierten Maximilian

Lorenz oder das charmante MaiBeck.

Sicher, ebenso kann der Messegast seinen Abend in einem der

bekannten Brauhäuser verbringen, für die es eigene Guides und

Kompendien gibt.

Zum Schlussakkord laden wir jedoch noch mal ins Stadtzentrum:

Die Sektion NEUMARKT wird von der Art Cologne als zentrale

Plattform für »cutting edge art« junger Galerien präsentiert. Kuratierte

Präsentationen und besondere Galerieprojekte machen

Lust auf einen kulinarischen Trip zum urbanen Namensvetter,

dem echten Neumarkt. Doch findet der avantgardistisch Umtriebige

hier leider keine gastronomische Entsprechung, wenn auch

gewisse globale Vielfalt. Von Donut bis Kebap und von Nordsee

bis Wurstteufel reicht das Angebot; die an den Neumarkt angrenzende

Fleischmengergasse lockt immerhin mit indischen,

thailändischen und vietnamesischen Streetfood-Genüssen.

Ein Hauch von Warhol allerdings umweht einen in der benachbarten

Puszta Hütte, denn das ungarische Lokal serviert seit

1948 ausschließlich sein Pusztahütten-Gulasch, das auch als

Konserve erhältlich ist. In Erinnerung an Campbell’s Tomatensuppe.

An der Grenze zwischen performativer Kunst und

Land Art liegt das Angebot des Hauses, seinen eigenen Kessel

mitzubringen und sich aus dem Gulaschkessel einen ordentlichen

Schlag für unterwegs mitzunehmen – die 47 Fußminuten

von hier bis zur Messe machen schließlich hungrig.

.

14 SPECIAL KUNST

K.WEST 04/17


Stadt wie Samt und Seide

ADRESSEN:

485°

KYFFHÄUSER STR. 44

WWW.485GRAD.DE

PEPE RESTAURANT & BAR

ANTWERPENER STR. 63

WWW.PEPE.DE

BONA’ME

ANNA-SCHNEIDER-STEIG 22

WWW.BONA-ME.DE

PIGBULL BBQ

AACHENER STR. 51

WWW.PIG-BULL-BBQ.DE

DIE FETTE KUH

BONNER STR. 43

WWW.DIEFETTEKUH.DE

PURE WHITE

ANTWERPENER STR. 5

WWW.PURE-WHITE-FOOD.DE

HIMMEL UN ÄD*

KAYGASSE 2

WWW.HOTEL-IM-WASSERTURM.DE

PURE WHITE FOOD CLUB

BRABANTER STR. 48

WWW.PURE-WHITE-FOOD.DE

LADEN EIN

BLUMENTHALSTR. 66

WWW.LADEN-EIN.COM

PUSZTA HÜTTE

FLEISCHMENGERGASSE 57

WWW.PUSZTA-HÜTTE.DE

LE MOISSONNIER**

KREFELDER STR. 25

WWW.LEMOISSONNIER.DE

TAKU*

DOMPLATZ/TRANKGASSE 1–5

WWW.TAKU.DE

LIMANI

AGGRIPINAWERFT 6

WWW.LIMANICOLOGNE.DE

MAIBECK*

AM FRANKENTURM 5

WWW.MAIBECK.DE

THE NEW YORKER | LONG ISLAND

RESTAURANT & BAR

AGGRIPINAWERFT 30

WWW.LONG-ISLAND.EU

MAXIMILIAN LORENZ IM L’ESCALIER*

BRÜSSELER STR. 11

WWW.LESCALIER-RESTAURANT.DE

OX & KLEE* / BAYLEAF BAR

KRANHAUS 1 / IM ZOLLHAFEN 18

WWW.OXUNDKLEE.DE

WWW.BAYLEAF.COLOGNE

K.WEST 04/17

KULTUR

BÜROKRE

FELD

RUBRIK

15


Melonen gegen

die »Angst«

TEXT STEFANIE STADEL

Kunst-Ereignisse auf Expansionskurs:

»Lernen von

Athen« will die Kasseler

documenta und eröffnet

in ihrer 14. Ausgabe einen

zweiten Schauplatz

in Griechenland. Auch die

Skulptur Projekte Münster

zieht es erstmals hinaus –

ins gut 50 Kilometer entfernte

Marl.

Die »Angst« von Ludger Gerdes verschwindet aus Marl und verbringt den Sommer in Münster –

»Skulpturentausch« heißt der Marl-Münster-Deal, der dahinter steckt.

16 SPECIAL KUNST

K.WEST 04/17


Warum haben sich Kasper König und

seine beiden Kuratoren-Kolleginnen bei

ihrer Partnersuche ausgerechnet in Marl

verguckt? Für ihre Wahl lassen sich jede

Menge Gründe nennen. So viele und gute,

dass, alle zusammengenommen, kaum

ein Partner besser geeignet scheint, die

inzwischen gesetzte Münsteraner Großausstellung

in ihrem 40. Jahr vor selbstzufriedener

Entspannung zu bewahren.

Energie dürfte das Städte-Paar aus dem

Gegensätzlichen schöpfen.

Hier Münster: wohlhabende, konservative

Kaufmanns- und Unistadt mit Akademikerdichte.

Gut 300.000 Einwohner

– Tendenz steigend. Der schmucke Stadtkern

war nach dem Krieg wieder hergerichtet

worden und lässt der Moderne

kaum Raum. Dort Marl: gebeutelt von

Arbeitslosigkeit und sozialen Problemen.

Man hatte der aus Dörfern und Bergarbeiter-Siedlungen

verklebten Stadt einst eine

große Zukunft prophezeit. Das seit den

60ern mit architektonischem Ehrgeiz und

Elan auf der grünen Wiese hochgezogene

Zentrum samt City-See zeugt von diesem

Aufbruchsgeist. Doch leere Ladenlokale

im riesigen Einkaufszentrum belegen –

Marl ist eine schrumpfende Stadt. 2015

musste die letzte Zeche schließen.

Kasper König hat die Differenzen an den

Rathausfenstern festgemacht: In Münster

sind es Butzenscheiben, in Marl Fenstermosaiken

in den De-Stijl-Farben Rot,

Blau, Gelb. Den Marler Museumsdirektor

Georg Elben für die Verkupplung zu begeistern,

hat ihn nicht viel Mühe gekostet.

Verlockend war die Aufmerksamkeit, die

den Skulptur Projekten garantiert ist. In

Münster rechnet man mit 650.000 Gästen.

Endlich wird Elbens Haus und Marl ins

Kunst-Blickfeld geraten, verdientermaßen.

Immerhin hat man einiges zu bieten in

Sachen Skulptur. Seit den 60ern wurde

nicht nur Beachtenswertes gebaut, auch

steckte die damals aufstrebende Stadt

kräftig Geld in die Kunst. Skulpturen

für Büros und den öffentlichen Raum

wurden gekauft und angesammelt. Jahre

bevor Münster mit den Projekten antrat,

hatte Marl 1970 und 1972 große Skulptur-

Ausstellungen unter freiem Himmel organisiert.

Lang, lang ist’s her. Was erwartet den Besucher,

der sich ab Juni aufmacht nach

Marl? Er wird einige alte Bekannte aus

Münster treffen, die am fremden Ort in

neue Zusammenhänge treten. So kommt

Richard Artschwagers bewachsener Beton-Fahrradständer

herüber. Dafür schickt

Elben »yzi«, eine filigrane Metallskulptur

von Olle Bærtling, ins Foyer des

LWL-Landesmuseums. Die »Angst« verschwindet

für einige Monate aus Marl.

Ludger Gerdes Lichtschrift-Skulptur wird

von der Rathauswand abmontiert, um

den Sommer über in Münster zu leuchten.

Im Gegenzug sollte Thomas Schüttes

monumentales Kirschenpaar nach Marl

kommen. Die Pläne wurden aber verworfen,

weil sich der Künstler um die Säule

unter den Kirchen sorgte; der Münsterländer

Sandstein könnte beim Transport

bröckeln. Freuen kann sich Marl stattdessen

über Schüttes eigens produzierte

Alternative mit drei Melonenstücken auf

einer Betonsäule, die ohnehin viel besser

ins brutalistische Ambiente passt.

Neben dem »Skulpturentausch« steht

noch einiges mehr auf dem Plan. Zwei

Ausstellungen etwa, eine zeigt Videoarbeiten,

die andere Skulptur-Modelle aus

Marl und Münster. Auch soll Reiner

Ruthenbecks 1997 in Münster uraufgeführte

Reiterperformance mit Schimmel

und Rappen nun eine Neuauflage

erfahren. Ob das reicht, um Besucher zu

locken? Da ist man sich offenbar nicht

ganz sicher. Helfen soll ein Busshuttle, der

allerdings finanziert werden muss – auch

eine Kunst.

Ohne Netz und doppelten Boden

Über die Uneindeutigkeit von Bildern

4. März bis 9. April 2017

Sebastian Bartel, Christof John

Katharina Maderthaner, Christoph Westermeier

KARARO

6. Mai bis 11. Juni 2017

Every Day Is Like Sunday

im Rahmen des Fotofestivals f 2

24. Juni bis 23. Juli 2017

Blind Spot

2. September bis 18. Oktober 2017

Klasse Gostner Düsseldorf

21. Oktober bis 19. November 2017

»SKULPTUR PROJEKTE MÜNSTER 2017«

MÜNSTER:

10. JUNI BIS 1. OKTOBER 2017

MARL:

4. JUNI BIS 1. OKTOBER 2017

TEL.: 0251/5907500

Das Fenster zum Code

18. November 2017 bis 14. Januar 2018 www.kh-do.de

K.WEST 04/17


Reif für die

Insel im Kopf

TEXT UND INTERVIEW STEFANIE STADEL

Man wird ihnen künftig öfter begegnen:

umhertappenden Museumsbesuchern,

die der Welt unter großen schwarzen

Virtual-Reality-Brillen entrückt scheinen.

Seit letztem Jahr sind erschwingliche

Modelle auf dem Markt und machen

auch unter Künstlern die Runde.

Was reizt die Szene an dem Instrument,

und wie geht sie damit um? Ein Besuch

im Düsseldorfer Atelier von Friedemann

Banz und Giulia Bowinkel, die bald im

NRW-Forum ausstellen.

»UNREAL: EINE VIRTUAL-REALITY-AUSSTELLUNG«

NRW-FORUM KULTUR UND WIRTSCHAFT

25. MAI BIS 30. JULI 2017

TEL.: +49 211 / 89 26 690

18 SPECIAL KUNST

K.WEST 04/17


Inselhopping mit Daten-Brille. Für die tanzenden Männer stand Friedemann Banz persönlich

Pate. Foto: Banz & Bowinkel: VR 01.

Über öde Eilande wandeln. Hier tanzt eine nackte Frau ohne

Oberarme und Schenkel. Da hängen rote Kreise wie Monde zwischen

kahlen Bäumen. Mit der Daten-Brille vor Augen tastet sich

der Reisende über schmale Stege von hier nach dort, erobert balancierend

eine surreale Insel nach der anderen. Wüstengleiche Szenerien

wecken Erinnerungen an Salvador Dalí und antike Statuen

an Giorgio di Chirico. Aber es ist eben kein Gemälde an der Wand,

vor dem man steht – der Brillenträger bewegt sich geradewegs

durchs belebte Bild hindurch. Mittendrin im Geschehen. Spürt

Schwindel beim Blick vom Steg hinab in die Tiefe auf ein Gebirge

und fühlt sich bedrängt von riesigen Bällen, die von allen Seiten

rollend oder titschend auf ihn zukommen. Stopp, genug! Jetzt erst

mal die schwarze Apparatur absetzen und Luft holen.

Fast hätte der Gast vergessen, wo er sich befindet. Das reale Atelier

von Friedemann Banz und Giulia Bowinkel liegt im Erdgeschoss

eines Altbaus mitten in Düsseldorf. Vor den Fenstern Frühlingssonne

und dahinter die Computer-Arbeitsplätze. Als Maler hatten

Banz und Bowinkel in der Klasse von Albert Oehlen an der Düsseldorfer

Akademie angefangen. Doch Haarpinsel und Tubenfarbe

– das war einmal. Mit Mitte dreißig rühren sie die üblichen

Utensilien nicht mehr an.

Der Weg ins Digitale führte über Photoshop zu 3D-Programmen.

An der Wand lehnen ein paar ältere Arbeiten – Großformate mit

sogenannten »bodypaintings«. Es sieht aus wie fließende Lackfarbe,

die sich wild im Raum windet. Zu Grunde liegen Körperbewegungen

der Künstler, die das Spiel der farbigen Flüssigkeiten

lenken, ohne sich dabei die Hände schmutzig zu machen. Denn

alles ist per Computer simuliert. Giulia Bowinkel zieht das Smartphone

aus der Tasche und startet die eigens produzierte App zum

Bild – die Farbformen scheinen sich vom Bildträger zu lösen und

wackelnd in den Raum zu wachsen.

An der Akademie haben sie so etwas nicht gelernt. Das Know-how

erwarben sie nach der Trial-and-Error-Methode und beim Hangeln

durch einschlägige Internetforen. Mühsame Pionierarbeit, die

durch den rasanten Fortschritt nie aufhört und ständig von neuen

Möglichkeiten beflügelt wird. Besonders Anfang letzten Jahres, als

die ersten erschwinglichen Modelle leistungsstarker Daten-Brillen

auf den Markt kamen. Unter vielen anderen griff auch die noch

überschaubare Gemeinde von VR-Künstlern begeistert nach dem

Instrument. Friedemann Banz setzt sich auf den Drehstuhl, um

zu zeigen, wie man’s macht. Klick für Klick entsteht im Raster auf

dem Bildschirm ein romantischer Sonnenuntergang. An zig Rädchen

ist zu drehen, jede Kleinigkeit zu bestimmen, bis die Szenerie

Gestalt gewinnt.

Woher kommt die Begeisterung für die künstlerische Computerarbeit?

Dazu haben Banz und Bowinkel viel zu sagen.

K.WEST 04/17


Bebrillt durchs Museum – so sah man die Besucher zuletzt bei der ersten Überblicksschau zur Virtual-Reality-Kunst, die Tina Sauerländer im

Haus für elektronische Künste Basel kuratiert hat. (Ausstellungsansicht »The Unframed Worldim HeK Basel. Mit Rachel Rossin: Just A Nose,

2016. Foto: Franz Wamhof.)

Friedemann Banz und Giulia Bowinkel – das Düsseldorfer Duo tut sich

seit Jahren im virtuellen Raum um und zählt heute zu den Großen in der

noch kleinen Szene von Virtual-Reality-Künstlern. Foto: Privat

Es sprudelt nur so. Ein wichtiger Punkt sei die ungeheure Relevanz,

die dem Rechner inzwischen in allen Lebensbereichen

zugewachsen ist. Überall arbeitet er nach ähnlichen Regeln und

beeinflusst damit auch unsere Art zu denken. Autos, Häuser,

Städte – alles existiert zuerst im Virtuellen, bevor es Wirklichkeit

wird und dann vielleicht wieder den Weg in den Computer

findet, wo es Realität simuliert. Hin und Her mit Übergängen,

die immer fließender werden.

Als sie das Malen für das Digitale aufgaben, stießen Bowinkel

und Banz Freunde und Fans vor den Kopf. Doch war es wohl

die richtige Entscheidung. Erfolg belohnt den Entdeckergeist.

Oft trifft man auf die Zwei. Zuletzt in Basel im Haus

für elektronische Kunst, wo sie ihr virtuelles Inselhopping

in der europaweit ersten Überblicksschau zur Virtual-Reality-Kunst

präsentierten. Und demnächst im NRW-Forum.

Dort ziehen sie mit der gleichen Arbeit in eine von fünf Parzellen,

die im Obergeschoss eingerichtet werden. Zur Baseler

Version werde in Düsseldorf vielleicht noch eine weitere Insel

hinzukommen, stellt Bowinkel in Aussicht. Das Tolle sei,

dass diese Werke sich wandeln und wachsen könnten.

Ganz allein soll sich der Ausstellungsbesucher mit der Brille

vor Augen in Drei-mal-Drei-Meter-Räumen der Täuschung

hingeben, sagt Forumsleiter Alain Bieber. Ihm sei die Auswahl

der Positionen nicht leicht gefallen. Der Kreis von

Künstlern, die in dem Genre Qualitätvolles zu bieten haben,

sei noch ziemlich begrenzt. Wie in den Anfängen der Medienkunst

lasse oft noch der Wow-Effekt künstlerische Aspekte in

den Hintergrund treten.

Doch sieht auch Bieber die Sparte im rasanten Wachstum,

deshalb will er sich in seinem Haus künftig besonders dem

VR-Thema widmen. Man überlege sogar, ob solche Ausstellungen

nicht per App zum Download verfügbar gemacht werden

könnten. Einfach herunterladen, und dann daheim mit Banz

und Bowinkel zu unbekannten Ufern aufbrechen.

20 SPECIAL KUNST

K.WEST 04/17


Viel näher dran

Tina Sauerländer hat kürzlich

eine Ausstellung zur Virtual-Reality-Kunst

in Basel kuratiert.

Ein Gespräch über digitale Museumssammlungen

und geklonte

Künstler.

k.west: Frau Sauerländer, was reizt Sie an Virtual-Reality-Kunst?

SAUERLÄNDER: Mich reizt, dass Virtual Reality ein Medium

sein wird, das wir alle zu Hause nutzen werden, in unterschiedlichen

Zusammenhängen. Zum Beispiel, wenn wir Filme schauen,

oder wenn wir uns virtuell auf eine Südseeinsel begeben.

Es gibt verschiedene Nutzungsmöglichkeiten, Kunst kann eine

davon sein. Wir müssen vielleicht gar nicht mehr ins Museum

gehen.

k.west: Ist das nicht eine traurige Vorstellung, Kunst

durch die Brille in den eigenen vier Wänden?

SAUERLÄNDER: Es geht nicht darum, Museen abzuschaffen.

Eher darum, dass Kunst durch die VR-Technologie wieder

einen höheren Stellenwert im Leben von mehr Menschen

bekommen kann. Noch immer haftet ihr etwas Elitäres an,

es gibt Kunst-Tempel, Museen, den White Cube. Ich sehe die

Chance, dass man Menschen, die sich nicht unbedingt für

Kunst interessieren, einen unkomplizierten Zugang schafft

mit Geräten, die ohnehin in ihren Alltag gehören.

k.west: Die VR-Brille ist erst seit kurzem für kleines

Geld zu haben. Wahrscheinlich ist der Kreis der Künstler, die

das Medium nutzen, noch begrenzt.

SAUERLÄNDER: Aber er breitet sich sehr schnell aus, unter

Künstlern, die sich ohnehin schon mit digitalen Medien beschäftigen,

aber auch unter bisher eher technikfernen Vertretern unterschiedlicher

Sparten. Bildhauer zum Beispiel oder eine Künstlerin

wie Li Ailin, die von der Performance kommt und eine VR-Arbeit

schafft, in der sie als Klon siebenfach in Erscheinung tritt.

k.west: Ist es tatsächlich so einfach, man braucht

doch einiges an Know-how?

SAUERLÄNDER: Einige lassen solche Arbeiten von spezialisierten

Firmen programmieren. Andere haben sich bereits eingehende

Kenntnisse angeeignet, weil ihnen das Selbstmachen wichtig

ist, wie etwa Banz & Bowinkel.

K.WEST 04/17

k.west: Ist VR schon an den Akademien angekommen?

SAUERLÄNDER: An einigen Orten, ja, Basel ist ein Beispiel.

k.west: Und auf dem Markt?

SAUERLÄNDER: Vereinzelt werden VR-Arbeiten gezeigt. Oft sind

es Künstler anderer Sparten, die neuerdings das Medium als eines

unter anderen einbeziehen. Grundsätzlich werden Galerien, wie

der Kunstmarkt überhaupt, komplett umdenken müssen. Für mich

persönlich ergibt es keinen Sinn, digitale Arbeiten in Editionen zu

verkaufen, weil es der Struktur des Mediums nicht entspricht.

k.west: Wie sehen Sie die Zukunft von Virtual Reality

in der Kunstvermittlung?

SAUERLÄNDER: Die Technologie wird sich weiterentwickeln

und die visuelle Haptik der Wirklichkeit immer glaubhafter

nachahmen können. Man wird sich bewegen und fühlen wie im

Museum, wenn man eine solche Brille aufhat. Oder zum Beispiel

die Art Basel, man könnte sie theoretisch einfach im virtuellen

Raum abhalten. Man brauchte nicht mehr hinzufahren. Auch für

Museen sehe ich Chancen. Die Depots sind oft voll mit Werken,

die nie gezeigt werden; es wäre doch schön, sie auf diese Weise

auszustellen und zugänglich zu machen. Da müsste man nicht

unbedingt noch den zehnten Erweiterungsbau hochziehen.

k.west: Gibt es für Sie auch Gefahren, die diese Entwicklung

mit sich bringt?

SAUERLÄNDER: Eine schwierige Frage. Ich bin nach wie vor

wahnsinnig begeistert von Virtual Reality. Gefahren, die ich

sehe, beziehen sich eher allgemein auf das Leben im Digitalen,

dass etwa der physische, zwischenmenschliche Kontakt verloren

geht. Dass sich insgesamt die Psyche des Menschen verändern

wird. Dabei darf man aber die Chancen nicht vergessen, die das

Medium für die Kunst bereithält. VR ist sicher eine Kunstform,

die nah an den Menschen, an der Gesellschaft dran ist – viel näher

als eine Kunst, die im Museum auf dem Sockel steht.

31.3.–13.8.2017

Diözesanmuseum Paderborn

www.wunder-roms.de


Ausstellungen

Eine Übersicht von

Aachen bis Wuppertal

A A C H E N

Ludwig Forum für

internationale Kunst

LuForm – Das Design Departement

Armin Linke – The Appearance

of That… | Interieur X Exterieur

– Werke Sammlung Ludwig | Pop

Art & Hyperrealismus | Optische

Schreie – Wandmaler Klaus Paier

Jülicher Straße 97–109

Tel.: 0241/18 07 104

www.ludwigforum.de

Suermondt-Ludwig-Museum

Wundern & Staunen – Bürgerliche

Kunstkammer | BEWundern – Architekturentwürfe

| Albrecht Bouts

– Blut und Tränen

Wilhelmstraße 18

Tel.: 0241/47 98 00

www.suermondt-ludwig-museum.de

NAK Neuer Aachener Kunstverein

Plamen Dejanoff (ab 9.4.)

Passstraße 29

Tel.: 0241/50 32 55

www.neueraachenerkunstverein.de

A H L E N

Kunstmuseum

Helmuth Macke – Dialog mit express.

Künstlerfreunden

Museumsplatz 1

Tel.: 02382/91 83 - 0

www.kunstmuseum-ahlen.de

B E D B U R G - H A U

Museum Schloss Moyland

Jochen Stücke – Moyländer Episoden

| Liebling Moyland – Sammlung

& Geschichte | Joseph Beuys

– Kunst. Bewegt. 11 (ab 2.4.)

Am Schloss 4

Tel.: 02824/95 10 60

www.moyland.de

BERG.-GLADBACH

Kunstmuseum Villa Zanders

Karin Sander – Identities on Display

Michael Toenges – Arbeiten auf

Papier (ab 2.4.)

Konrad-Adenauer-Platz 8

Tel.: 02202/142356

www.villa-zanders.de

B I E L E F E L D

Kunsthalle

A.H. Barr Jr. & Philip Johnson –

Bauhauspioniere in Amerika

Unsere Amerikaner – Werke aus der

Sammlung

Artur-Ladebeck-Str. 5

Tel.: 0521/32 99 95 00

www.kunsthalle-bielefeld.de

Kunstverein

Baukunst – ZAO/standardarchitecture

(bis 17.4.) | Shilpa Gupta (ab 29.4.)

Welle 61

Tel.: 0521/178806

www.bielefelder-kunstverein.de

B O C H U M

Kunstmuseum Bochum

Ingo Ronkholz – Ein Sammlungsprojekt

| Das Haus Deiner Kindheit

Malerei & Grafik der COB-

RA-Künstler (bis 23.4.)

Kortumstr. 147

Tel.: 0234/9104230

www.kunstmuseumbochum.de

B O N N

August-Macke-Haus

Geschlossen wegen Umbau bis

Herbst 2017

Bornheimer Str. 96

Tel.: 0228/65 55 31

www.august-macke-haus.de

Haus der Geschichte der Bundesrepublik

Deutschland

Gundula Schulze Eldowy – Zuhause

ist ein fernes Land (bis 2.4.) | Neue

Alte. Fotografien von Ute Mahler

Geliebt, gebraucht, gehasst – Die

Deutschen & ihre Autos

Museumsmeile

Willy-Brandt-Allee 14

Tel.: 0228/91 650

www.hdg.de

Bundeskunsthalle

Katharina Sieverding – Kunst &

Kapital. Werke 1967-2017 | Iran –

Frühe Kulturen zw. Wasser & Wüste

(ab 13.4.) | Der persische Garten –

Die Erfindung des Paradieses (ab 13.4.)

Museumsmeile Bonn

Friedrich-Ebert-Allee 4

Tel.: 0228/91 710

www.kah-bonn.de

Kunstmuseum

Videonale.16 – Perform! (bis 2.4.)

Lundahl & Seitl – New Originals

Museumsmeile Bonn

Friedrich-Ebert-Allee 2

Tel.: 0228/77 62 60

www.kunstmuseum-bonn.de

Kunstverein

Amanda Ross-Hoh (bis 2.4.)

Nick Relph (ab 25.4.)

Hochstadenring 22

Tel.: 0228/693936

www.bonner-kunstverein.de

LVR-LandesMuseum

Eva‘s Beautycase – Schmuck & Styling

(bis 23.4.) | Rudolf Knubel – Retrospektive

(bis 17.4.) | Klaus Mettig –

Reisender ohne Fahrschein (ab 6.4.)

Colmantstr. 14-16

Tel.: 0228/2070-0

www.landesmuseum-bonn.lvr.de

B O T T R O P

Josef Albers Museum Quadrat

Claus Goedicke – Dinge (Fotografien

2007-2015)

Im Stadtgarten 20

Tel.: 02041/29716

www.quadrat-bottrop.de

B R Ü H L

Max Ernst Museum

Jürgen Klauke – Selbstgespräche

(Zeichnungen 1970-2016)

Comesstraße 42 / Max Ernst Allee 1

Tel.: 01805/743465

www.maxernstmuseum.lvr.de

D O R T M U N D

Dortmunder U – Zentrum für Kunst

und Kreativität

Museum Ostwall / Hartware Medien-

KunstVerein

Neues Spiel, neues Glück | Living

Cities – Ansichten d. Urbanen v.

Picasso b. z. Gegenwart | Ich bin

eine Kämpferin – Niki de Saint

Phalle (bis 23.4.) | Gesellschaft

z. Wertschätzung d. Brutalismus

(HMKV) (ab 8.4.) | Dan Perjovschi

– The Hard Drawing (HMKV)

Leonie-Reygers-Terrasse

Tel.: 0231/50 24723

www.dortmunder-u.de

Museum für Kunst und

Kulturgeschichte

Europas neue Alte – Ein foto-ethnografisches

Projekt | Beyond Vietnam

– A Time to Break Silence (ab 1.4.)

Hansastr. 3

Tel.: 0231/50 25522

www.dortmund.de/mkk

D Ü S S E L D O R F

Hetjens Museum

Russische Brautschätze – Porzellan

d. Großfürstinnen (bis 2.4.) | Yvonne

Roeb – Bestiarium (bis 30.4.)

Matthias Wollgast – The Age of

Neptune

Schulstr. 4

Tel.: 0211/89-94210

www.duesseldorf.de/hetjens

K20 Kunstsammlung

Otto Dix – Der böse Blick

Grabbeplatz 5

Tel.: 0211/83 81 - 130

www.kunstsammlung.de

K21 Kunstsammlung

Marcel Broodthaers – Eine Retrospektive

| Tómas Saraceno – in orbit

Ständehausstr. 1

Tel.: 0211/83 81 600

www.kunstsammlung.de

Kai 10

Metamorphosis

Kaistraße 10

Tel.: 0211/99 434 130

www.kaistrasse10.de

Kunsthalle / KIT Kunst im Tunnel

50 Jahre Kunsthalle – Wirtschaftswerte/Museumswerte

| Malte Bruns

– Tremors (KIT)

Grabbeplatz 4

40213 Düsseldorf

Tel.: 0211/89 96 243

www.kunsthalle-duesseldorf.de

www.kunst-im-tunnel.de

Kunstverein für die Rheinlande &

Westfalen

Alicia Frankovich (bis 9.4.)

Johannes Paul Raether (ab 23.4.)

Grabbeplatz 4

Tel.: 0211/32 70 23

www.kunstverein-duesseldorf.de

Museum Kunstpalast

Cranach – Meister-Marke-Moderne

(ab 8.4.) | Ehrenhofpreis 2016: Ulrike

Schulze (bis 16.4.) | Idea et inventio

– Ital. Zeichnungen d. 15. & 16.

Jhd. | Kunst im Gleichgewicht – Von

Buchheister bis Serra (ab 14.4.)

Ehrenhof 4–5

Tel.: 0211/566 42 100

www.smkp.de

NRW-Forum

Peter Lindbergh/Garry Winogrand

– Women on Street (bis 30.4.)

Thomas Mailaender – The Fun

Archive (bis 30.4.) | In Transit –

Digitale Medienkunst aus Malta (bis

16.4.)(bis 12.3.)

Ehrenhof 2

Tel.: 0211/89 266 90

www.nrw-forum.de

D U I S B U R G

Museum DKM

Linien stiller Schönheit

70 Jahre Junger Westen – Ernst

Hermanns & 6 Bildhauer

Güntherstr. 13 - 15

Tel.: 0203/9355547-0

www.museum-dkm.de

MKM Museum Küppersmühle für

Moderne Kunst

David Schnell – Fenster

Philosophenweg 57

Tel.: 0203/30 19 48 11

www.museum-kueppersmuehle.de

Lehmbruck Museum

Im Studio – Wilhelm Lehmbruck

Jana Sterbak – Life-Size. Lebensgröße.

| Sculpture 21st – Christian

Keinstar (ab 6.4.)

Friedrich-Wilhelm-Str. 40

Tel.: 0203/283 26 30

www.lehmbruckmuseum.de

E S S E N

Museum Folkwang

6 ½ Wochen: Eliza Douglas (bis 2.4.)

Maria Lassnig | Gerhard Richter –

Die Editionen (ab 7.4.)

Museumsplatz 1

Tel.: 0201/8845444

www.museum-folkwang.de

Zeche Zollverein

Derzeit keine Sonderausstellung

Gelsenkirchenerstr. 181

Tel. 0201-246810

www.zollverein.de

Zeche Zollverein: Red Dot Design

Museum

World‘s Best Communication

Design & Highlights from NRW

(ab 6.4.)

Tel. 0201 30104–32

www.red-dot-design-museum.de

Zeche Zollverein: Ruhr Museum

Ausgegraben – Archäologie im Ruhr

Museum | Der geteilte Himmel – Reformation

an Rhein & Ruhr (ab 3.4.)

Tel.: 0201/24681 444

www.ruhrmuseum.de

G E L S E N K I R C H E N

Kunstmuseum

Macht-Ohnmacht – Karl Heinz Langowski

(bis 30.4.) | Im Gästezimmer:

Johanna Reich (bis 3.4.) | Zweite

Generation – Graphic Novel von

Michel Kichka (bis 2.4.)

HBK Essen – Studierende stellen

sich vor (bis 30.4.)

Horster Str. 5-7

Tel.: 0209/169-4361

www.gelsenkirchen.de/de/Kultur/

Museen_und_Dauerausstellungen

G L A D B E C K

Neue Galerie Gladbeck

Derzeit keine Sonderausstellung

Bottroper Str. 17

Tel.: 02043/3198371

www.neue-galerie-gladbeck.de

G O C H

Museum Goch

Jan Lemitz – Blockbuster. Bilder von

Kriegen | Julia Bünnagel

Kastellstr. 9

Tel.: 02823/97 08 11

www.museum-goch.de

22 SPECIAL KUNST

K.WEST 04/17


H A G E N

Emil Schumacher Museum

Emil Schumacher – Orte der Geborgenheit

Museumsplatz 1

Tel.: 02331/3060 066

www.kunstquartier-hagen.de

Osthaus Museum

#Participate – Mach Dich zum Kunstwerk

| Maki Na Kamura – Steine

legen, Äpfel lesen (bis 16.4.)

Junges Museum: Gilsuk Ko (bis 30.4.)

Kemal Seyhan – Malerei (ab 28.4.)

Museumsplatz 3

Tel.: 02331/207 3129

www.osthausmuseum.de

H A M M

Gustav-Lübke-Museum

Lieblingsorte – Künstlerkolonien v.

Worpswede bis Hiddensee | Reise

doch – bleibe doch! Sehnsuchtsorte

Neue Bahnhofstraße 9

Tel.: 02381/17 57 14

www.hamm.de/gustav-luebcke-museum

H E R F O R D

Marta

Die innere Haut – Kunst & Scham

Risse in der Wirklichkeit – Gavin

Turk / Jens Wolf (ab 2.4.)

Goebenstr. 4-10

Tel.: 0 52 21/99 44 30–0

www.marta-herford.de

K L E V E

Museum Kurhaus

13. Salon der Künstler

Jongsuk Yoon – Mind Landscapes

Tel.: 02821/75 010

www.museumkurhaus.de

K Ö L N

Forum für Fotografie

Fotobuch 2017 – Special Guest:

Tomasz Laczny (ab 23.4.)

Schönhauser Str. 8

Tel.: 0221/3401830

www.forum-fotografie.info

Käthe Kollwitz Museum

Aufstand! – Renaissance, Reformation

& Revolte

Neumarkt 18 - 24

Tel.: 0221/227-2899

www.kollwitz.de

Koelnischer Kunstverein

Derzeit keine Sonderausstellung

Hahnenstr. 6

Tel.: 0221/217021

www.koelnischerkunstverein.de

Rautenstrauch-Joest-Museum

Pilgern – Sehnsucht nach dem

Glück? (bis 9.4.)

Cäcilienstr. 29-33

Tel.: 0221/221 313 56

www.museenkoeln.de/rautenstrauch-joest-museum

Römisch-Germanisches Museum

Drunter und drüber: Der Heumarkt

Roncalliplatz 4

Tel.: 0221/2212 44 38

www.museenkoeln.de/roemisch-germanisches-museum

SK Stiftung Kultur

Emil Otto Hoppé – Unveiling a

Secret (ab 6.4.) | Blick in die Sammlung

– Industrie als Motiv (ab 6.4.)

Im Mediapark 7

Tel.: 0221/888 95 100

www.sk-kultur.de

Wallraf-Richartz-Museum / Fondation

Corboud

Republik der Kinder | Die Kunst der

Pause | Paris erwacht! Der Place de

la Concorde (ab 7.4.)

Martinstraße 39

Tel.: 0221/221–211 19

www.wallraf.museum

K R E F E L D

Museum Haus Lange / Haus Esters

Elmgreen & Dragset – Die Zugezogenen

| Naufus Ramírez-Figueroa –

Die Vereinigung zweier Flamingos..

Wilhelmshofallee 91–97

Tel.: 02151/97 55 80

www.kunstmuseenkrefeld.de

L E V E R K U S E N

Museum Morsbroich

Hans Op de Beek – The Silent Castle

(bis 30.4.)

Gustav-Heinemann-Str. 80

Tel.: 0214/85 55 60

www.museum-morsbroich.de

M A R L

Skulpturenmuseum Glaskasten

Skulptur im Foto

Creiler Platz

Tel.: 02365/99 22 57

www.marl.de/skulpturenmuseum

M . – G L A D B A C H

Museum Abteiberg

Alexandra Bircken – Stretch (ab 26.3.)

Abteistr. 27

Tel.: 02161/25 26 31

www.museum-abteiberg.de

MÜLHEIM / RUHR

Kunstmuseum in der Alten Post

Heiko Tiemann – Die im Dunkeln.

Fotografie. | WeltenWanderer –

Zwischen den Kulturen

Synagogenplatz 1

Tel.: 0208/4 55 41 38

www.kunstmuseum-mh.de

M Ü N S T E R

Kunstmuseum Pablo Picasso

Picasso – Die Kunst des Porträts

Im Fokus – Picasso im Fotoporträt

Picassoplatz 1

Tel.: 0251/41 44 710

www.kunstmuseum-picasso-muenster.de

LWL-Landesmuseum für Kunst- und

Kulturgeschichte

Yves Netzhammer – Selbstgespräche

nähern sich… (bis 23.4.)

Radar: Lena Dues – Aquarius

Domplatz 10

Tel.: 0251/5907-01

http://www.lwl.org/LWL/Kultur/

LWL-Landesmuseum-Muenster

N E U S S

Langen Foundation / Raketenstation

Japanische Malerei – Sammlung

Viktor & Marianne Langen

Paloma Varga Weisz (Skulpturenhalle)

(ab 21.4.) | Fotografische

Inkunabeln/Sammlung Kahmen

(Siza-Pavillon) (ab 23.4.)

Raketenstation Hombroich 1

Tel.: 02182/57 010

www.langenfoundation.de

Clemens Sels Museum

HundKatzeMaus – Tierdarstellungen

| Erich Bödecker & Josef

Wittlich – Selbst ist der Mann

Am Obertor

Tel.: 02131/90-4142

www.clemens-sels-museum-neuss.de

O B E R H A U S E N

Gasometer

Wunder der Natur – Intelligenz der

Schöpfung

Arenastr. 11

Tel.: 0208.850 37 30

www.gasometer.de

Ludwig Galerie Schloss Oberhausen

Let‘s buy it! Kunst & Einkauf – Dürer,

Warhol, Richter | Shop! Wie es

uns gefällt. Oberhausener Künstler

Tel.: 0208/4124928

www.ludwiggalerie.de

RECKLINGHAUSEN

Städtische Kunsthalle

Anton Henning – 95 hypermanische

Paraphrasen (bis 17.4.)

Grosse-Perdekamp-Str. 25–27

Tel.: 02361/50 19 35

www.kunst-in-recklinghausen.de

S I E G E N

Museum für Gegenwartskunst

Sebastián Díaz Morales –

Ficcionario IV

Unteres Schloss 1

Tel.: 0271/40 57 70

www.mgk-siegen.de

U N N A

Zentrum für Internationale Lichtkunst

International Light Art Award 2017

(ab 22.4.)

Lindenplatz 1

Tel.: 02303/103770

www.lichtkunst-unna.de

W U P P E R T A L

Skulpturenpark Waldfrieden

Klaus Rinke – DERZEIT

Hirschstraße 12

Tel.: 0202/551350

www.skulpturenpark-waldfrieden.de

Von der Heydt Museum

Mehr Licht! – Werke aus der Sammlung

(ab 19.3.) | Adolf Erbslöh – Der

Avantgarde Macher (ab 11.4.)

Something old, Something new (ab 11.4.)

Turmhof 8

Tel.: 0202/563 62 31

www.von-der-heydt-museum.de

Von der Heydt Kunsthalle

Holmead

Geschwister-Scholl-Platz 4-6

Tel.: 0202/563 65 71

www.von-der-heydt-kunsthalle.de

Kolumba

Me in a no-time state – Über das

Individuum | Kurt Benning – Burgtreswitzmensch

Kolumbastr. 4

Tel.: 0221/933193-0

www.kolumba.de

makk Museum für angewandte

Kunst

Full House – Design by Stefan Diez

An der Rechtschule

Tel.: 0221/221-26735

www.museenkoeln.de/museum-fuer-angewandte-kunst

Museum Ludwig

Gerhard Richter – Neue Bilder

Otto Freundlich – Kosmischer Kommunismus

| Wolfgang-Hahn-Preis

2017 – Trisha Donnelly (ab 25.4.)

Bischofsgartenstr. 1

Tel.: 0221/221 26 165

www.museum-ludwig.de

K.WEST 04/17

Alexianerweg 9

48163 Münster

Kunsthaus Kannen

Museum für Art Brut und Outsider Art

Öffnungszeiten: Di - So 13 - 17 Uhr

Führungen n.V.: Mo - Fr 9 - 17 Uhr

www.kunsthaus-kannen.de

Fon: 02501/ 966 20 560


Fromme

Massenware

TEXT KATJA BEHRENS

Unter dem passenden Titel

»Blut & Tränen« zeigt das

Aachener Suermondt-Ludwig-

Museum das Werk von

Albrecht Bouts (1451/55 bis 1549),

der vor allem wegen seiner

biblischen Schmerzensthemen

über den Gekreuzigten

bekannt ist.

Rotgeweinte Augen, Tränen rinnen über die Wangen, und lange Stacheln werfen Schatten.

Bis ins feinste Härchen ausformuliert zeigt Albrecht Bouts seinen »Christus mit der Dornenkrone«

(um 1505-1510. Foto: Kansas City: The Nelson-Atkins Museum of Art / Gift of Mary

E. Evans and Mrs. John E. Wheeler in memory of Harry Martin Evans.)

Kullernde Tränen, rinnendes Blut, gefaltete Hände auf goldenem

Grund. Stimmungsvoll inszeniert sind die Tafeln in der

Dunkelheit auf kleinen Lichtinseln. Leise ertönt ein Requiem,

man hört geistliche Kantaten, Choräle.

Albrecht Bouts und sein Bruder Dierick waren gewissermaßen

mit dem Pinsel in der Hand aufgewachsen. Dierick Bouts

Senior (1415 bis 1475) betrieb in der südniederländischen

Stadt Löwen eine erfolgreiche Malerwerkstatt, in die beide

Söhne nach ihrer Ausbildung und Wanderjahren zurückgekehrt

waren. Nach dem Tod des weithin berühmten Vaters

übernahmen sie nicht nur die Werkstatt, sondern vollendeten

gleich ein paar Arbeiten des Alten. Dabei blieb es mehr oder

weniger: Die Malerbrüder orientierten sich stilistisch am Vater,

kopierten seine Bildentwürfe und bemühten sich dennoch

um eine eigene Handschrift. So Albrecht, wenn er die Konturen

besonders betonte.

Im 15. und besonders 16. Jahrhundert erlebte die Tradition

des privaten Andachtsbildes erneute Blüte, die sich die Brüder

zunutze zu machen wussten. Früh schon hatten die Bouts das

Potential des Bildes als Massenmedium erkannt. Statt es im

Druck zu vervielfältigen, schufen sie mit ihrer Werkstatt im

handwerklichen Akkord immer gleiche Motive, was irgendwann

schematisch und unoriginell werden kann. So sind in

Aachen zahllose dornengekrönte Christusköpfe versammelt,

trauernde Marien und diverse abgeschlagene Johannesköpfe,

als Bild und Objekt.

Auch nach dem Tod des Bruders 1490 gab Albrecht, der die

Werkstatt weiterbetrieb, die drei Lieblingsthemen nicht auf, im

Gegenteil. Für die persönliche, nicht-öffentliche Versenkung

seiner kirchlichen wie privaten Auftraggeber schuf er mit

seinen Gehilfen Andachtsbilder en masse. Ein Widerspruch?

Nein, ein tüchtiges Geschäftsmodell.

In Aachen sind die Werke im dunklen Raum mit hellen

Lichtspots und der unterlegten Musik dramatisch inszeniert,

dargeboten wie für die private Andacht und feierliche Einkehr.

In altmeisterlicher Manier und glänzenden Farben sind

Gesichter und Hände bis zum feinsten Härchen ausformuliert.

Wunderbar deutlich wie im Holztafelbild aus Karlsruhe,

»Christus mit Dornenkrone« (1505-1510) – es zeigt den

Schmerzensmann weinend mit geröteten Augen, die lang in

die Luft stechenden Dornen der Krone werfen Schatten. Die

gesuchte Naturnähe der Malerei dient hier als Bestätigung

und Beglaubigung des heiligen Geschehens.

Der prächtige kleine Klappaltar aus dem museumseigenen

Bestand, zwischen 1496 und 1515 ausgeführt, ist ein weiteres

Beispiel jener obsessiven privaten Frömmigkeit, die bedient

werden musste. Es war wohl ein Glück für die Künstler,

die nicht mehr nur auf Großaufträge der Kirche angewiesen

waren, sondern einen breiteren Markt mit ihren frommen

Bildern bedienen konnten. Blut und Tränen waren offenbar

schon damals ein Erfolgs-Rezept.

SUERMONDT-LUDWIG-MUSEUM, AACHEN

BIS 11. JUNI 2017

TEL.: 0241/4798040

24 SPECIAL KUNST

K.WEST 04/17


Empfehlenswerte

Ausstellungen

Lundahl & Seitl: New Originals, 2017. Ausstellungsansicht Kunstmuseum

Bonn. Foto: David Ertl. Zu sehen im Kunstmuseum Bonn.

Bonn

Kunstmuseum

»Lundahl & Seitl. New Originals«

Bis 28. Mai 2017

Alle reden von Virtual Reality. Christer Lundahl

und Martina Seitl interpretieren das Medium auf

eigene Weise. Im Kunstmuseum Bonn lotsen sie

den Besucher zunächst mit Klängen aus dem Kopfhörer

und Textnachrichten via Smartphone durch

eine kleine Schau mit einer Handvoll ausgewählter

Werke. Durch Max Ernsts »Grätenwald« saust der

Sturm, zwischen Stephan Hubers Gebirgsmodellen

hört man Schmelzwasser gurgeln. Noch besser wird

es im zweiten Teil des Parcours: Das Smartphone

wandert in eine Halterung direkt vor die Augen –

einfache Variante der Virtual-Reality-Brille. Doch

diesmal gaukelt das Gerät uns keine andere Welt

vor. Nur Farben, Licht und Schatten sind zu sehen.

An einem Seil entlang hangeln wir uns voran in einen

weiteren Raum, wo Anweisungen und Klänge

per Kopfhörer Erinnerungen an die zuvor gesehenen

Kunstwerke wachrufen. Ein eigenartiges, einnehmendes

Ausstellungserlebnis. Es macht klar:

Man braucht nicht unbedingt technisch ausgefeilte

3D-Videos, um sich in fremde Sphären zu beamen.

Es reicht die eigene Fantasie.


Lucas Cranach der Ältere:

Das ungleiche Paar,

um 1530.

Museum Kunstpalast,

Dauerleihgabe der

Kunstakademie Düsseldorf.

Foto: © Museum

Kunstpalast – ARTOTHEK.

Zu sehen im

Museum Kunstpalast

in Düsseldorf.

Düsseldorf

Museum Kunstpalast

»Cranach. Meister – Marke – Moderne«

8. April bis 30. Juli 2017

Madonnenbilder und erotische Akte. Lucas Cranach d. Ä. arbeitete

für katholische Würdenträger und machte sich gleichzeitig

zum Vorkämpfer der Reformation. Dank ihm haben wir ein Bild

von Martin Luther – vom jungen Mann mit glühendem Blick

und ebenso vom gesetzten Religionsstifter. Ein Star war Cranach

schon zu Lebzeiten. Heute gilt er als einer der wichtigsten, produktivsten

und innovativsten Vertreter der deutschen Renaissance.

Die Schau will Cranachs Werk nicht allein für sich betrachten.

Es geht ihr auch um die Wechselbeziehung zu anderen

Künstlern. Der Maler habe den Wettstreit geradezu gesucht, so

die These. Das Spiel von Aneignung und Überbieten soll im Museum

Kunstpalast an Beispielen, etwa von Albrecht Dürer oder

Hans Holbein dem Jüngeren, nachvollziehbar werden. Bis in die

Moderne reicht die künstlerische Rezeption, auch dies ist Thema

in Düsseldorf.

NRW-Forum

»Thomas Mailaender. The Fun Archive«

Bis 30. April 2017

Das »Fun-Archive«, das Thomas Mailaender ins NRW-Forum

gebaut hat, ist ein Bunker, gekrönt von bunten Leuchtbuchstaben

und Stacheldraht. Pittoresk zugerümpelte Räume, gefüllt

mit alten Möbeln und Bildern aus dem Netz – verstörend, bizarr,

amüsant und peinlich. Ein Setting, als wäre Künstlerkollege

Gregor Schneider an die falschen Tabletten geraten. Hinzu

kommen merkwürdig zurechtgetöpferte Vasen, beklebt mit

bewährtem Internet-Trash und eine lange Fotoreihe UV-geröteter

Körper, auf die der Künstler Negative gelegt und sie belichtet

hat. Im hinteren Teil der Schau hat Mailaender sein »Fish

Museum« eingerichtet, beleuchtete Aquarien mit versenkter

Kitschkunst, wie der Ballonhund von Jeff Koons, die von echten

Zierfischen und Piranhas umschwommen wird.

Essen

Museum Folkwang

Maria Lassnig

Bis 21. Mai 2017

»Körperbewusstseins-Malerei« – dies war das Konzept der

österreichischen Malerin Maria Lassnig (1919–2014). Was zunächst

etwas anthroposophisch klingt, funktioniert hervorragend:

Lassnig erklärt den eigenen Körper und ihre Empfindungen

zum Gegenstand ihrer Kunst: »Da habe ich eine realistische

Nase gemalt und dafür keinen Mund, weil ich den Mund nicht

gefühlt habe.« Mal verschwindet ihr Kopf in gedeckten Farben

hinter abstrakter Panzerung, an anderer Stelle löst sich der

Körper in leuchtenden Farben im strahlenden Weißraum auf.

Erst nach Lassnigs Tod wurden ihre Werke von der Kunstwelt

»entdeckt«. Das Museum Folkwang widmet ihr eine Retrospektive

mit 41 Gemälden, ergänzt durch mehrere Animationsfilme

Lassnigs und Archivmaterialien aus ihrem Nachlass.

Kerpen

»Haus Mödrath – Räume für Kunst«

Ab 23. April 2017

1000 Quadratmeter, 15 Schlafzimmer, mehrere Bäder, vier

offene Kamine, Ateliers und eine Kapelle – als Herrenhaus

war Haus Mödrath um 1830 errichtet worden. Später diente

es als Wöchnerinnenstation, während der NS-Zeit als Schulungsheim

und zuletzt als Firmensitz eines Immobilienunternehmers.

Jetzt wurde das Anwesen zum Kunstzentrum

umgebaut. Ende April eröffnet die erste Ausstellung, kuratiert

vom einstigen Direktor des Museums Abteiberg, Veit

Loers. Vom Keller bis ins Dachgeschoss ist Platz für rund 20

zeitgenössische Positionen, darunter Günther Förg, Andreas

Slominski und Georg Herold.

Paderborn

Diözesanmuseum

»Wunder Roms«

Bis 13. August 2017

»Ich kann sagen, dass ich nur in Rom empfunden habe, was

eigentlich ein Mensch sei«, hielt Johann Wolfgang Goethe

fest. Paderborn nimmt den Mythos der ewigen Stadt in den

Blick. Das Diözesanmuseum betrachtet Rom als Sehnsuchtsort,

Pilgerziel, Inspirationsquelle für Philosophen, Literaten

Künstler. Von der Antike bis in die Gegenwart reicht das

Spektrum der versammelten Werke. Erstmals ist das Original

der riesigen Marmor-Hand der Kolossalstatue Kaisers

Konstantin in Deutschland zu sehen. Bilder etwa von Peter

Paul Rubens zeigen die römischen Antiken als Inbegriff des

barocken Kunstideals. Rom als Ideal spiegelt sich auch bei

William Turner. Zeitgenössische Foto- und Videoarbeiten

aus den Vatikanischen Sammlungen von Christoph Brech

gaben Anlass zur Beschäftigung mit den »Wundern Roms« –

mit ihnen schließt die Schau.

26 SPECIAL KUNST

K.WEST 04/17


Christopher Domakis: »Hutong I«, Courtesy: The Artist, Foto: Kölner Liste

Für Entdecker

»Kölner Liste 2017« – Messe für moderne Kunst

Wer nach dem Besuch der Art Cologne noch nicht genug hat,

kann bei der parallel laufenden »Kölner Liste« junge zeitgenössische

Kunst entdecken. Nahe der Innenstadt, in den Mauern des

ehemaligen Paketzentrums »XPost«, zeigen auf 4000 Quadratmetern

mehr als 80 nationale und internationale Aussteller Malerei,

Zeichnung, Grafik, Skulptur, Installationen, Medienkunst und

Fotografie. Das gleichberechtigte Nebeneinander von Galerien,

Projekträumen und Künstlern will mit einer kommunikativen Atmosphäre

Sammler wie Erstkäufer ansprechen. Besonderes Augenmerk

gilt der Fotografie und Urban Art, präsentiert in zwei eigenständig

kuratierten Bereichen. Diesmal sind u.a. dabei: die MSK

Eastside Gallery (Moskau), Boesso Art Gallery (Bozen), Gallery

PontArte (Maastricht), Eva Steynen Deviation(s) Gallery (Antwerpen),

Galerie Reitz (Köln) und weartberlin.

In der Urban Art Section, vom Galeristen Guillaume Trotin kuratiert,

hat der französische Street Art Künstler OX seinen Auftritt,

zu dessen bevorzugtem Medium überdimensionale Werbetafeln

gehören. In der Fotografie werden Schwarz-Weiß-Aufnahmen

des Spaniers Jordi Rosado, spektakuläre Bilder des Outdoor-

Fotografen Gürel Sahin und die bizarren Inszenierungen des Russen

Andrey Kezzyn gezeigt. Kurator ist dort Stefan Maria Rother.

Zum Begleitprogramm gehören Vorträge und Buch-Vorstellungen

(die Autorin und Künstlerin Alina Gause mit ihrem neuen

Buch »Kompass für Künstler – Ein persönlicher Wegbegleiter für

Kreative«). Es pendeln Shuttlebusse zwischen der »Kölner Liste«

und der Art Cologne.

28. BIS 30. APRIL 2017, WWW.KOELNER-LISTE.ORG

KATHARINA

SIEVERDING

Kunst und Kapital

Werke von 1967 bis 2017

bis 16. Juli 2017 in Bonn

Katharina Sieverding, Die Sonne um Mitternacht schauen SDO/NASA (Blue) (Ausschnitt), 2010–2015© Katharina Sieverding, VG Bild-Kunst, Bonn 2017© Foto: Klaus Mettig, VG Bild-Kunst, Bonn 2017

IRAN

Zeitgleich:

Der Persische

Garten

auf dem

Museumsplatz

Frühe Kulturen zwischen Wasser und Wüste

13. April – 20. August 2017 in Bonn

Löwenprotom, „Ziwiye“, 1. Jh. v. Chr., Gold, Iranisches Nationalmuseum, Teheran

Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

Museumsmeile Bonn, Friedrich-Ebert-Allee 4, 53113 Bonn, T +49 228 9171–200, info@bundeskunsthalle.de

www.bundeskunsthalle.de


Keine Angst

vor Rot, Gelb, Blau

TEXT STEFANIE STADEL

Vom alten Schulhaus bis in die gestylte Villa –

Holland feiert 100 Jahre De Stijl und

legt Spuren der Avantgarde-Bewegung kreuz und

quer durch die Kunstlandschaft.

Unbekannt, aber Interessant: Das Bild stammt von Bart van der Leck, der auch kurz mitmachte bei De Stijl. Er war es wohl auch, der Piet Mondrian die klaren Primärfarben

nahe gebracht hat. (Bart van der Leck: Der Sturm, 1916. Kröller-Müller Museum, Otterlo.)

28 SPECIAL KUNST

K.WEST 04/17


Ein Städtchen wie viele in Holland. Doch nur einen Schritt aus

dem Bahnhof, und man weiß, wo es lang geht in Amersfoort:

über das Mondriaansplein auf die Mondriaanslaan. Der Weg zur

Sehenswürdigkeit Nummer Eins ist geebnet: das Mondriaanhuis,

wo der Künstler 1872 zur Welt kam. Der Meister, der den

Neoplastizismus erfand, der mit Kandinsky und Malewitsch als

Vater der abstrakten Kunst gefeiert wird und als prominentester

Vertreter der wegweisenden De-Stijl-Bewegung glänzt. Piet

Mondrians Geburtshaus tanzt etwas aus der Reihe, allein durch

die Größe. Doch mit dem Wohlstand der Familie hat das nichts

zu tun. Der gestrenge Vater war Lehrer und bewohnte mit Frau

und fünf Kindern das Schulhaus, bis Enge und Schimmel die

Familie zum Umzug bewogen.

Deutlich besser in Schuss als damals ist die alte Schule heute, sie

hat eine gründliche Renovierung hinter sich. Anlass für den Aufwand

ist der runde Geburtstag von De Stijl – die avantgardistische

Gruppe formierte sich vor hundert Jahren. Den Start markierte

Theo van Doesburg als Gründer der Zeitschrift, die der Bewegung

ihren Namen gab. De Stijl war keine feste Vereinigung, eher

eine lockere Verbindung von Kreativen, die sich nicht persönlich

treffen mussten, sondern ihre Ideen und Aufbruchs-Gedanken

auch in dem Magazin austauschen konnten. Neben Doesburg und

Mondrian gehörten Gerrit Rietveld und Bart van der Leck zum

Kreis von Malern, Architekten, Designern.

Die Heimat der Bewegung nutzt das Jubiläum zur Marketing-

Offensive und überzieht das ganze Land mit De-Stijl-Ereignissen:

Ausstellungen, Spaziergänge, Workshops, Festivals, Radtouren,

Konzerte … Amersfoort bietet einen schönen Einstieg.

Sehr viel hat das Mondriaanhuis zwar nicht zu bieten, aber

immerhin kann man einige Frühwerke sehen und sich wundern

über die Anfänge des malenden Utopisten – mit Bäumen,

Bauernhäusern, heimischen Polder-Landschaften in gedeckten

Tönen. Sie stammen aus einer Zeit, als er sich noch Mondriaan

nannte, wie das Plein und wie die Laan. Erst später entschloss

er sich, das zweite a zu streichen – und ging als Mondrian in die

Kunstgeschichte ein.

Eine kleine Doku-Schau streift den Lebenslauf und beginnt

mit Mondrians Wiege. Piet ist acht Jahre alt, als die Familie

Amersfoort verlässt und nach Winterswijk nahe der deutschen

Grenze zieht, wo sich der Junge bald, angeleitet von Vater und

Onkel, malend in der Landschaft umtut. Weitere wichtige Stationen

sind Amsterdam und das Kunststudium, Paris, wo der

30-Jährige den Kubismus entdeckte, Leiden und die Gründung

von De Stijl, wieder Paris mit der Entwicklung des charakteristischen

Neoplastizismus. Schließlich die späten Jahre in London

und New York, wo Mondrian 1944 an den Folgen einer Lungenentzündung

stirbt.

Fotos zeigen ihn als strengen, schlanken, gestreckten Herrn in

korrekter Haltung und mit ernster Miene: einwandfrei gekleidet,

brachte sich Mondrian vor der Kamera in Pose. Ebenso tadellose

Figur machte er auf dem Parkett. In Amersfoort steht

sein Grammophon. Mondrian war leidenschaftlicher Tänzer.

Dabei nahm er das Vergnügen nicht auf die leichte Schulter,

wie eine seiner zahlreichen Gefährtinnen berichtet: »Er tanzte

ganz gerade, streckte den Kopf schräg nach oben und machte

stilisierte Schritte.« Auch der Alltag verlief in strengem Takt.

Vormittags einkaufen, dann arbeiten in der geometrisch durchgestylten,

blitzsauberen Pariser Atelierwohnung – die Ausstellung

zeigt ein Modell.

mkdw.de · Hauptstraße 1 · D-25938 Alkersum · Föhr

junger

westen

Kunstausstellung der

ruhrfestspiele recklinghausen

kunsthalle recklinghausen

7. Mai bis 13. August 2017

K.WEST 04/17

kulturpartner


Es wäre ein wenig übertrieben zu sagen, dass Mondrian genauso

geradlinig lebte und tanzte, wie er malte. Doch ein Blick auf

sein System säuberlich gezogener Linien und rechteckiger Flächen

in den Grundfarben Rot, Gelb, Blau böte Anlass für solche

Thesen. Aus Mangel an Originalen aus Mondrians reifer Zeit,

kramt man im alten Schulhaus von Amersfoort im kitschigen

Nachleben dieser Idee und füllt eine Abteilung mit Schüsseln,

Schuhen, Regenschirmen, Krawatten und dergleichen im

Mondrian-Look. Wie Verlegenheitslösungen wirken auch zwei

kurzweilige, eher fragwürdige Videoinstallationen, die uns

Mondrians Weg und sein malerisches System wild flackernd,

musikalisch untermalt, wand- oder raumfüllend präsentieren.

Wer mehr will, muss weg aus Amersfoort. Auf den Spuren von

Mondrian & Co. bewegt man sich am besten Richtung Den

Haag und legt einen Zwischenstopp in Utrecht ein, wo 1888

Gerrit Rietveld zur Welt kam, lebte, wirkte und mit 76 Jahren

starb. Das Centraal Museum ist reich bestückt mit seinen Werken

und steuert noch bis Mai eine schöne Rietveld-Schau zum

Jubiläumsprogramm bei. Da geht es vor allem um das frühe

Schaffen und um das Rietveld-Schröder-Haus als architektonisches

Schlüsselwerk.

Ziemlich zu Anfang sieht man den jungen Mann dort im Großfoto

von 1918. Begleitet von Gesellen posiert Rietveld lässig vor

seinem Laden – eine »Meubel Makerij« in Utrecht. Im selben

Jahr baute der Schreinermeister mit 13 Vierkanthölzern und

zwei Latten aus Buche jenen Stuhl, der später rot-blau gefasst

SKULPTUREN-

PARK

WALDFRIEDEN

in WUPPERTAL

Klaus Rinke 25.3. – 25.6.2017

Imi Knoebel 15.7. – 3.12. 2017

www. skulpturenpark-waldfrieden.de

wurde und beinahe den gesamten Rest des Werks in den Schatten

stellte. Schon De-Stijl-Begründer Doesburg schwärmte. Mit

einem Gemälde von Giorgio de Chirico verglich er den Lattenstuhl.

Als »schlankes, räumliches Geschöpf« und als »unbeabsichtigte,

doch radikale Wiedergabe offener Räume«. Ein Jahr

später ist Rietveld dann mit von der Partie in Doesburgs Club

der Kreativen.

Mit der Losung von der »räumlichen Hygiene« wird Rietveld

in den 20er und 30er Jahren für eine neue Wohnkultur kämpfen

und seinen zweiten Geniestreich landen, als er im Auftrag

der Rechtsanwaltswitwe Truus Schröder in einer traditionellen

Backsteinhäuser-Zeile in Utrecht ein Wohnhaus baute, wie

man es nie zuvor gesehen hatte. Da steht es noch heute wie ein

Fremdkörper – und hat es in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes

gebracht. Beinahe idealtypisch spiegelt das Haus von

1924 die De-Stijl-Prinzipien: Rietveld feiert die Grundfarben

und betont Vertikale wie Horizontale. Ein Bau, der aussieht

wie ein Mondrian-Gemälde. Drinnen bot es Truus Schröder

und ihren drei Kindern allerhand Freiheiten. Je nach Bedarf

konnten sie Wände verschieben, neue Räume schaffen und alte

verschwinden lassen. Rietveld sollte später selbst einziehen und

mit Schröder zusammen dort leben.

Noch mehr Rietveld lässt sich in Utrecht auf einer geführten

Radtour lernen. Wem jedoch Schau, Stuhl und Haus reicht,

macht sich auf nach Den Haag. Das dortige Gemeentemuseum

bewahrt die weltweit größte Mondrian-Sammlung und

bietet aktuell noch eine Ausstellung, die den Meister zusammenbringt

mit seinem wenig bekannten, doch interessanten

Kollegen Bart van der Leck. Um 1915 müssen sich Mondrian

und van der Leck getroffen und im nordholländischen Künstlerdorf

Laren für kurze Zeit gemeinsame Sache gemacht haben.

Wichtig für beide: Während Mondrian van der Lecks

Prinzip der klaren Primärfarben gefiel, lernte van de Leck die

strikte Geometrie in Mondrians Kunst zu schätzen. Wie dieser

zählte auch van der Leck zu den Gründungsmitgliedern

der De-Stijl-Bewegung, verlässt die Clique aber bald wieder,

um eigene Wege zu gehen. Denn im Kern wollte er den Gegenstand

nie aufgeben; das konnten die stil-strengen Freunde

nicht billigen.

Das erste De-Stijl-Paket füllt den Frühlings-Ausflug gut

aus. Doch das Themen-Jahr ist jung und hat noch mehr in

petto. Wer das volle Programm will, muss wiederkommen –

im Sommer, Herbst, Winter. So funktioniert effektives

Marketing.

Hirschstraße 12 · 42285 Wuppertal · 0202 47898120

Henry Moore, Large Interior Form, 1981-82

© Reproduced by permisson of The Henry Moore Foundation

MONDRIAANHUIS, AMERSFOORT

TEL.: +31 (0)33/4600170

»RIETVELDS MEESTERWERK: LEVE DE STIJL«

CANTRAAL MUSEUM, UTRECHT

BIS 11. JUNI 2017

TEL.: +31 (0)30/2362362

»PIET MONDRIAN EN BART VAN DER LECK«

GEMEENTEMUSEUM, DEN HAAG

BIS 21. MAI 2017

TEL.: +31 (0)70/3381111

MEHR INFORMATIONEN ZUM DE STIJL-THEMENJAHR UNTER

WWW.HOLLAND.COM

K.WEST 04/17


Energie ist Kunst

Lichtkunst ist für uns die schönste Form, Energie zum Ausdruck zu

bringen. Sie ist innovativ und Anlass für interdisziplinäre Diskussionen.

Mehr Licht oder ein Recht auf Dunkelheit? Andere Energie oder weniger?

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Die neue Saison

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guerzenich-orchester.de

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