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mein HIMBEERgrün 03/2017

Seite 14 Ausgabe 2|17

Seite 14 Ausgabe 2|17 Durch die Auswirkungen des Klimawandels könnte es in Deutschland und Europa häufiger und stärker regnen. In Afrika müssen die Menschen möglicherweise noch mehr mit Dürren kämpfen und daher jeden Tropen Wasser auffangen. www.fotolia.com bieten eine Lösung. Das sind große Aufgaben für eine Stadt wie Osnabrück – genauso wie für das ganze Bundesgebiet. Man muss allerdings auch sagen, dass der Stickstoffdioxid-Wert, da Osnabrück eine ländlichere Stadt ist, bis auf einige Kernbereiche gar nicht allzu hoch ist. Das ist nicht vergleichbar mit den Werten in Ballungszentren wie dem Rhein-Ruhr-Gebiet. Man kann in Osnabrück noch gut leben. Wo lebt man überhaupt umweltfreundlicher, in der Stadt oder auf dem Land? Da spricht sehr viel für die Stadt. Zum einen die Nähe zum Arbeitsplatz und die Infrastruktur. Zum anderen lebt man in der Stadt verdichteter. Energetisch ist das Mehrfamilienhaus die bessere Lösung als das Einfamilienhaus. Im ländlichen Bereich habe ich eine höhere Mobilität und lebe oft in Einzelhäusern, die einfach einen höheren Unterhalt haben. Unter energetischen Punkten ist der Ansatz des Stadtlebens also besser. Allerdings ist das Wachsen der Städte, die steigende Menge der verbauten Flächen, ja auch immer wieder Thema. Inwiefern kann das Folgen für uns haben? Flächenverlust ist ein großes Problem. Flächen werden versiegelt, indem Straßen, Neubauoder Industriegebiete gebaut werden. So schön es auch ist, dass wir überall in Siedlungen leben können, langfristig wird das noch viele die Umwelt beeinträchtigende Folgen haben. In Deutschland werden täglich rund 75 Hektar Land zugebaut, und das, obwohl die Pfl anzen unsere Luft wieder reinigen und Sauerstoff produzieren können. Zudem kann der Boden so seine Reinigungsfunktion fürs Wasser nicht mehr wahrnehmen. Der Regen bringt Schadstoffe in den Boden, und wenn da keine Erde mehr ist, dann kann unser Grundwasser nicht mehr gereinigt werden. Es geht also immer mehr natürliche Fläche „über den Jordan“, die dann ihre natürlichen Funktionen nicht mehr erfüllen kann. Man hört ja immer von den großen Folgen des Klimawandels, der Meeresspiegel steigt, die Erde erwärmt sich. Aber kann ich den Klimawandel jetzt überhaupt schon selber wahrnehmen? Den Klimawandel merkt man eindeutig jetzt schon. Zum einen hat sich die Vegetationsperiode verlängert. Es wird im Frühling früher grün. Zum anderen gibt es immer mehr Starkregenereignisse. Dass es so plötzlich und stark regnet, das gab es früher so gut wie gar nicht. Das sind die Auswirkungen hier. Aber man muss immer die ganze Welt im Blick haben. Wir leben hier in Deutschland und haben es sehr gut. Schaut man sich aber mal manche Gebiete in Afrika an, sieht das ganz anders aus. Da sind die Folgen des Klimawandels schon sehr viel deutlicher zu spüren. Ein Beispiel ist die große Hungersnot in Kenia, Äthiopien und Somalia, die wurde vom Klimawandel ausgelöst. An den Wetterextremen sterben Menschen. Und dass sich diese Menschen in ein Boot setzen und versuchen hierherzukommen, das kann ich ihnen nicht verdenken. Wir müssen uns bemühen, den Klimawandel zu begrenzen. Wir müssen aber auch die Folgen, die an anderen Stellen bereits entstanden sind, mit beachten. Wir müssen versuchen, den Menschen dort bessere Lebenschancen und bessere Möglichkeiten zu geben, um damit umgehen zu können. Es ist sehr wichtig, dass wir das im Blick haben und uns unserer Verantwortung in der Hinsicht stellen. Wir können hier nicht leben wie Gott in Frankreich und alles in die Luft pusten und dann sagen, die da in Afrika haben das Problem und das ist deren Problem. Das geht nicht. Und wie wird sich das Klima hier im Laufe meines Lebens noch verändern? Wir können das mal für 2050 sagen. Wir rechnen damit, dass sich der Temperaturanstieg auf zwei Grad beschränkt. Es wird mehr und heftiger regnen. Die Zahl der Gewitter und Stürme wird stark steigen. Darüber, wie die Winter werden, ist man sich noch nicht so ganz einig. Die Mehrheit der Forscher ist der

Ausgabe 2|17 Seite 15 Meinung, dass die Winter wärmer werden. Es gibt aber auch die Überlegung, dass die Winter kälter werden. Das könnte an dem vielen geschmolzenen Polareis liegen. Die große Menge an Wasser könnte dafür sorgen, dass der Golfstrom geringer wird, und das würde für eine neue, kalte Klimaströmung aus dem Norden sorgen. Ich werde vieles wahrscheinlich nicht mehr erleben, aber du kannst mir ja vielleicht irgendwann eine Nachricht zu der Wolke schicken, auf der ich sitze, und mir sagen, ob meine Prognose gestimmt hat. (lacht) Was kann ich gegen den Klimawandel machen? Authentisch sein. Nicht nur drüber reden, sondern handeln. Dinge wie Stromsparen, Verpackungen vermeiden sind die Sachen, die man machen kann. Das heißt, wenn man Lebensmittel einkauft, entscheidet man sich nicht für das billigere Angebot, weil man ja Geld für den dritten Flug in den Urlaub in diesem Jahr sparen muss, sondern nimmt einfach mal regionale Produkte, auch wenn sie etwas teurer sind. Ich denke immer, wenn ich so niedrige Preise sehe, das kann doch nicht passen. Das ist allerdings auch eine soziale Frage. Für einen Studenten oder jemanden, der sehr wenig verdient, zählt das nicht. Aber als Normalverdiener darf ich so ein Preis-Dumping nicht unterstützen. Das ist das, was man selber machen kann. Verantwortlich leben und bewusst mit Ressourcen und Rohstoffen umgehen. Und damit ein Vorbild sein und vielleicht auch andere davon überzeugen, dass man auch anders leben kann. Und was wird im Großen, in Deutschland und in der Welt, gegen den Klimawandel gemacht? Wichtig ist, dass man versucht, weg von der Kohleverbrennung zu kommen. Das belastet das Klima sehr stark. Das für Strom zu verbrennen geht gar nicht mehr. Da sind wir in Deutschland, Gott sei Dank, sehr gut vorangeschritten, bei der Kohleverbrennung steigen wir ganz aus. Es wird außerdem versucht, Strom regenerativ zu gewinnen, beispielsweise mit erneuerbarem Erdgas. Ganz wichtig ist auch die Energiewende. Was sind die Schwerpunkte der DBU beim Umweltschutz? Auf der einen Seite sind wir intensiv dabei, technischen Fortschritt zu betreiben. Dann ist bei uns Landwirtschaft und Ernährung ein großes Thema. Ich halte sehr viel davon, diese Lebensgrundlagen ernst zu nehmen und zu berücksichtigen, wie Lebensmittel und Futtermittel produziert und Tiere gehalten werden. Als Drittes haben wir den großen Bereich Naturschutz. Insgesamt gibt es in Deutschland 70 Flächen des Nationalen Naturerbes mit insgesamt 69.000 Hektar, in denen wir aktiv Naturschutz betreiben. Der Klimawandel macht den Eisbären immer mehr zu schaffen. www.fotolia.com Ich kenne ganz viele, die sich einfach nicht für den Klimawandel interessieren. Wie kann man Leute davon überzeugen, dass das ein ernstes Thema ist? Solchen Menschen muss man klarmachen, dass dieses sehr behütete Leben, was wir ja insgesamt heute führen, hier in Deutschland und in Europa, eigentlich nur dadurch besteht, dass das Klima über Zehntausende von Jahren immer weitgehend stabil war. Wenn jetzt aber in den nächsten Jahren diese extremen Wetterereignisse kommen, dann ist das Leben nicht mehr so prickelnd, dann kann es bei uns unter Umständen so kommen wie zurzeit in Afrika. Ernteausfälle oder Umweltschäden hätten wir beispielsweise vielleicht nicht, weil es so heiß wird, sondern wegen großer Überschwemmungen. Ich kann diesen Leuten nur empfehlen, guckt über den Tellerrand, lest und glaubt nicht den Unsinn, den irgendwelche Ignoranten erzählen, die den Klimawandel leugnen. Und was kann man gegen Menschen wie US-Präsident Donald Trump machen, die behaupten, den Klimawandel gäbe es überhaupt nicht? Was wir gegen diese Art und Weise von Problemen machen, ist, sie einfach offen zu benennen. Wer den Klimawandel leugnet, der lügt. Und das ist unverantwortlich gegenüber anderen Menschen. Die wiegen sich so in einer scheinbaren Sicherheit und können sich nicht auf die Auswirkungen vorbereiten. Es hat immer wieder Klimawandel auf diesem Planeten gegeben, aber über Zehntausende von Jahren. Jetzt machen wir aber eine Periode, die sonst zehntausend bis dreißigtausend Jahre in Anspruch genommen hat, mal eben in knapp 200 Jahren. Und das ist – gelinde formuliert – ein bisschen anstrengend. Der Klimawandel ist da, und wir werden große Anstrengungen unternehmen müssen, um ihn zu reduzieren. Impressum meinHIMBEERgrün Herausgeber: Verlag Neue Osnabrücker Zeitung GmbH & Co. KG Breiter Gang 10–16 49074 Osnabrück Telefon 05 41/310-0 Redaktion: Neue Osnabrücker Zeitung GmbH & Co. KG Kathrin Pohlmann, Nina Strakeljahn V.i.S.d.P.: Ralf Geisenhanslüke Konzeption und Umsetzung: NOW-Medien GmbH & Co. KG Große Straße 17–19 49074 Osnabrück Lothar Hausfeld, A-C Fischer MSO-Grafik Große Straße 17–19 49074 Osnabrück Manfred Vogelsang Druck: Druck- und Verlagshaus Fromm GmbH & Co.KG Breiter Gang 10 49074 Osnabrück

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