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mein HIMBEERgrün 03/2017

Seite 4 Ausgabe 2|17

Seite 4 Ausgabe 2|17 Muss die Stadt irgendwelche Strafen an die EU zahlen? Gerdts: So schnell passiert das nicht. Es läuft zwar ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland, weil viele Städte die Vorschriften der EU nicht einhalten können. Aber die Strafe dadurch muss nicht direkt die Stadt zahlen, sondern nach derzeitiger Gesetzeslage das Land Niedersachsen. Lange Zeit wurde gesagt, dass Dieselfahrzeuge besser sind als Benzinautos. Warum sind Dieselautos denn nun schlechter? Langer: Für das Klima haben die Dieselfahrzeuge durchaus Vorteile, weil sie weniger Treibstoff verbrennen und damit weniger CO 2 produzieren. Da aber der Treibstoff bei einer höheren Temperatur als Benzin verbrannt wird, entsteht dadurch auch mehr Stickstoffdioxid. Die Industrie hatte versprochen, dass sie bestimmte Werte einhalten wird. Beim VW-Skandal haben wir gesehen, dass die Autoindustrie bei der Einhaltung der Grenzwerte schummelt und wir somit von falschen Voraussetzungen bei der Beantragung unserer Ausnahmegenehmigung 2010 ausgegangen sind. Warum sperrt man Dieselfahrzeuge nicht einfach aus der Stadt aus? Langer: Wenn man jetzt einfach so alle Dieselfahrzeuge aus der Stadt aussperren würde, könnten viele nicht mehr zur Arbeit fahren, die Läden nicht mehr beliefert, Pakete nicht mehr gebracht werden, weil diese Fahrzeuge fast alle mit Diesel fahren. Zudem kann man gar nicht so schnell ein Fahrverbot für Dieselwagen einführen, weil man zusätzlich die Straßenverkehrsordnung ändern müsste, um eine blaue Plakette einzuführen, da die Polizei ansonsten die auszuschließenden Dieselfahrzeuge gar nicht erkennen kann. Was macht die Stadt momentan dafür, dass die Luft besser wird? Gerdts: Momentan wird der Luftreinhalteplan ergänzt und geschaut, wo wie viele Fahrzeuge fahren und zu Problemen führen. Auch die Ampelschaltungen sollen weiter verbessert werden, um Stop-and-go-Verkehre zu vermeiden. Zudem hat die Stadt nur noch Fahrzeuge mit grünen Umweltplaketten, darunter viele Müllwagen. Wie stellen Sie sich eine Reduzierung des Verkehrs vor? Durch eine Sperrung des Neumarkts? Gerdts: Das wäre für die Verbesserung der Luftqualität an dieser Stelle gut. Es würde im Zentrum einige Tausend Fahrzeuge weniger am Tag bedeuten, sicher mehr als 10.000. Aber auch an anderen Stellen muss der Verkehr deutlich reduziert werden, zum Beispiel am Schlosswall oder in der Martinistraße. Versucht wird, über Optimierung und Beschleunigung des öffentlichen Nahverkehrs Anreize zu schaffen, vom Auto auf den Bus zu wechseln. Von einem Tag auf den anderen wird das aber nicht funktionieren. Langer: Die Förderung des Radverkehrs ist auch ein wichtiges Thema. Wir wollen durch die Bereitstellung der Infrastruktur und den Bau von geeigneten Radwegen die Menschen animieren, auf das Fahrrad umzusteigen. Gerdts: Das sind mögliche Maßnahmen, aber auf die Frage, wie und wohin der Verkehr letztendlich konkret verlagert werden soll, haben wir noch keine Antworten. Woran liegt es, dass so wenig Elektroautos genutzt werden? Langer: Das liegt vor allem daran, dass es durch steuerliche Privilegien günstiger ist, ein Dieselfahrzeug zu fahren, weil man in den vergangenen Jahren von einer besseren Umweltverträglichkeit ausgegangen ist. Für viele Menschen rechnet sich ab einer bestimmten Kilometerleistung ein Diesel. Außerdem sind Preis, Reichweite und Lade-Infrastruktur von Elektrofahrzeugen für viele noch nicht zufriedenstellend. Gerdts: Wir sind trotzdem fest davon überzeugt, dass die Zukunft des Verkehrs elektrisch sein wird, das ist nur eine Frage der Zeit. Wie kann es sein, dass ein Land wie Deutschland, das in Sachen Automobilindustrie eigentlich an vorderster Front steht, in diesem Bereich derart hinterherhängt? Langer: Wir fi nden es auch wichtig, dass Deutschland diese Position nicht verliert und auf dem Weltmarkt innovativ mehr in Erscheinung tritt. Es wurde sehr lange Zeit auf saubere und immer sauberer werdende Dieselfahrzeuge gesetzt. Das hat sich ja als Trugschluss erwiesen. Gerdts: Es gibt neue Diesel, die halten das, was sie auf dem Prüfstand einhalten, auf der Straße ein. Das ist allerdings trotzdem dreimal so viel wie bei einem gewöhnlichen Benziner. Es wird zwar oft behauptet, dass in Richtung Elektrofahrzeuge mehr entwickelt wird, um Deutschlands Stellung auf dem Weltmarkt zu stärken, aber trotzdem werden viel seltener neue Elektromodelle herausgebracht als normale mit Benzin und Diesel betriebene Fahrzeuge. Ich glaube dennoch, dass sich da in den nächsten Jahren vieles tun wird. An amerikanischen Marken wie Tesla sieht man, dass es funktionieren kann. Solange Elektrofahrzeuge bei deutschen Autoherstellern aber nur eine kleine Sparte darstellen und alles andere parallel in größerem Maße produziert wird, ist es schwierig, diese zu etablieren. www.fotolia.com

Ausgabe 2|17 Seite 5 Sind Sie mit der Nutzung der Linienbusse zufrieden? Gerdts: Bei der Ausnutzung der Busse stehen wir im Bundesdurchschnitt gut da. Es müssten allerdings noch immer deutlich mehr Menschen sein, die sie benutzen, damit sich die Luftqualität merklich ändert – und dafür müssten die Busse wiederum dem anderen Verkehr gegenüber bevorrechtigt und schneller sein sowie häufi ger fahren. Wie gestaltet die Stadt die Förderung des Busverkehrs? Langer: Wir versuchen, Anreize zu schaffen, wo wir können. Es sind zum Beispiel sogenannte Mobilpunkte in der Planung, das heißt, dass die Pendler zukünftig nicht bis in die Innenstadt fahren müssen, sondern am Stadtrand auf schnelle Buslinien des ÖPNV umsteigen können. Auf die Tarifl andschaft der Stadtwerke haben wir keinen direkten Einfl uss. Gerdts: Wir versuchen zum Beispiel, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Busse dort, wo künftig die Elektrobuslinien eingesetzt werden sollen, gegenüber dem restlichen Verkehr bevorrechtigt sind. Denn was nützt der tollste Bus, wenn er im Stau steht? Die Stadtwerke haben erst kürzlich ein großes Gutachten in Auftrag gegeben, im Rahmen dessen der gesamte Busverkehr durch Osnabrück analysiert werden soll, an welcher Stelle die Busse noch beschleunigt werden könnten. Aber das heißt natürlich, dass die Zeit, die für Busse herausgeholt wird, irgendjemandem auch wieder verloren geht, denn der Straßenquerschnitt ist nun einmal begrenzt und soll ja in der Regel auch noch sicherere Radwege aufnehmen. Nicht alle können aus diesen geplanten Umstrukturierungen des Verkehrs ihren Gewinn ziehen. Insbesondere Pkw werden vermutlich in Zukunft nicht mehr überall so schnell vorankommen wie heute noch. Langer: Aber es ist schon richtig, dass das vorrangige Ziel sein muss, den ÖPNV zu stärken. Gerdts: Und den Fahrradverkehr. Deshalb freuen wir uns, Gelder vom Bund erhalten zu haben, um einen Radschnellweg Richtung Belm bauen zu können. Wir sehen auch, dass Elektrofahrräder stark im Kommen sind und sich schnell verbreiten, anders als Elektroautos. Man hat festgestellt, dass die Leute, die mit einem Elektrofahrrad zur Arbeit fahren, ungefähr doppelt so große Distanzen zurücklegen wie die normalen Fahrradfahrer. Und für diese Radfahrer müssen wir zukünftig auch die Infrastruktur zur Verfügung stellen, denn sie verpesten nicht die Luft. Was müsste in Osnabrück für die Radfahrer dringend gemacht werden? Langer: Der Winterdienst auf den Radwegen funktioniert zum Beispiel nicht wirklich gut. Oft sind diese trotz Einsatz einer speziell angeschafften Kehrmaschine für die Radwege entweder verschneit oder vereist. Das muss sich ändern. Ich vermisse auch häufi g gegenseitige Rücksichtnahme unter den Verkehrsteilnehmern. Gerdts: Es gibt viele gefährliche Stellen. Es müsste seitens der Stadt viel mehr investiert werden. Im Moment gibt die Stadt pro Bürger zwei Euro im Jahr aus, andere Städte drei oder vier. Damit könnte man schon deutlich mehr machen. Ich glaube, dass wir ohne eine deutlich bessere Förderung des Radverkehrs unsere Klimaschutzziele für den Verkehr nicht erreichen werden. Eine Win-win-Situation für alle zu schaffen ist dabei nur in wenigen Fällen möglich, der zur Verfügung stehende Straßenraum kann schließlich nur einmal vergeben werden. Welchen Tipp würden Sie einem sich um die Umwelt sorgenden Bürger geben? Gerdts: Rad zu fahren, den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen und möglichst emissionsarme Fahrzeuge zu kaufen. Am besten sind natürlich Elektrofahrzeuge, dann sogenannte Plug-in-Hybride mit einer Mischung aus Verbrennungs- und Elektromotor. Gasbetriebene Fahrzeuge emittieren auch relativ wenig, als Nächstes kommen die Benziner und ganz zum Schluss die Dieselfahrzeuge. Langer: Und dann nicht so viel mit dem Auto fahren (lacht). Was tun Sie beide denn persönlich für das Stadtklima? Langer: Ich fahre privat und im Dienst viel Fahrrad und nutze den Zug, um zwischen Münster und Osnabrück zu pendeln. Gerdts: Ich komme auch meistens mit dem Rad zur Arbeit, unser Dienstfahrzeug ist ein Elektrofahrzeug aus dem Osnabrücker Carsharing-Pool. Wird der motorisierte Individualverkehr jemals aussterben? Gerdts: Ich glaube nicht. Die Leute wollen auf das Freiheitsgefühl, jederzeit das Auto nehmen zu können, nicht verzichten. Langer: Es gibt aber eine Trendwende. Die jungen Menschen sehen das Auto immer weniger als Statussymbol. Die meisten brauchen nicht mehr mit 18 ihr erstes eigenes Auto vor der Tür. Gerdts: Das stimmt. Ich bin mir sicher, dass der Individualverkehr in zehn Jahren völlig anders aussehen wird. Meine Zukunftsvision ist, dass man nur noch auf das Auto zurückgreift, wenn man es unbedingt braucht, und ein breites Spektrum an umweltfreundlichen Alternativen zur Verfügung stehen hat – Fahrrad, ÖPNV, Carsharing mit Elektrofahrzeugen, zu Fuß gehen. Langer: Diese noch besser zu vernetzen ist ein Ziel, an dem wir und die Stadtwerke intensiv arbeiten, sodass Osnabrück sowohl für Bewohner als auch für Touristen attraktiver wird.

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