Jugendbündnis 1. Mai 2017 Braunschweig

dgbjugendbs

Her mit dem schönen Leben! Gemeinsam für eine solidarische Gesellschaft

Impressum

Die Texte dieses Heftes geben nur die Meinung der jeweiligen

Autor*innen wieder. Die Verteiler*innen dieses Heftes sind

nicht mit den Macher*innen identisch.

Wir verwenden eine geschlechtergerechte Schreibweise

mit dem sog. „Gender*Sternchen“, um auch

Geschlechtsidentitäten jenseits des heteronormativen

Zweigeschlechtersystems sichtbar zu machen.

Erschienen im April 2017

Auflage: 1000 Stück

Satz und Gestaltung: dominik.hirtel@googlemail.com

V.i.S.d.P.:Denise Steinert, Jugendbildungsreferentin

DGB Region SüdOst-Niedersachsen

Wilhelmstr. 5, 38100 Braunschweig

Bildnachweise

2013

2014

Hello,

und herzlich Willkommen zur Lektüre der Broschüre des wunderbaren, alljährlichen

Jugendbündnis zum 1. Mai 2017.

Über die vergangenen sechs Jahre hinweg haben wir uns auf vielfältige Weise mit der Kritik

der gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnisse und unseren Antworten darauf aus

gewerkschaftlicher, antifaschistischer, linker Sicht beschäftigt.

In diesem Jahr wagen wir den Versuch, trotz eines allerortens zu beobachtenden

gesellschaftlichen Rechtsrucks, uns nicht die Themen durch eben jene reaktionären Akteure

vorgeben zu lassen, sondern stattdessen eigene Schwerpunkte zu setzen. Unter dem Motto

„Her mit dem schönen Leben – Gemeinsam für eine solidarische Gesellschaft“ wollen wir im

Dossier-Teil drei Perspektiven linker Kritik und Praxis aufzeigen:

Der Kampf für Feminismus und die Verteidigung seiner Errungenschaften gegen bürgerliche

Geschlechterordnungen und rechte Angriffe. Die Proteste gegen den G20-Gipfel als

Ansatzpunkt für die Auseinandersetzung um eine andere Gesellschaftsordnung jenseits

von Kapital, Staat und Nation. Sowie das Konzept einer Stadt für alle und von unten als

Gegenprojekt zu kapitalistischer Verwertungslogik.

Für die Möglichkeit eines konkreten politischen Engagements vor Ort stellen sich im zweiten

Teil der Broschüre die vielfältigen, am Jugendbündnis beteiligten Gruppen und Organisationen

vor. Hier findet ihr genaueres zum inhaltlichen Profil der jeweiligen Gruppierungen sowie direkte

Kontaktdaten zum näheren Kennenlernen.

Denn auch dieses Jahr ist für uns klar: Das schöne Leben wird nicht nur am 1. Mai durch

demonstrieren und feiern erreicht, sondern es muss auch die übrige Zeit des Jahres für das Ziel

einer emanzipatorischen, solidarischen Gesellschaft gestritten werden.

Wir hoffen, dir und euch im Folgenden einige Inspirationen für dieses Unterfangen

liefern zu können.

S. 10: „Reclaim feminism“-Demo (Köln 2016) CC BY-NC 2.0 strassenstriche@flickr

S. 13: Women’s March of Washington (2017) CC BY-SA 2.0 mobili@flickr

S. 15: CC BY 2.0 cecooper@flickr

S. 18 Hafenpanorama CC BY-NC-SA 2.0 astielau@flickr

S. 22: G20-Protest in Toronto CC BY 2.0 kowaleski@flickr

S. 25: G20-Protest in Toronto CC BY 2.0 bonvoyagetohappy@flickr

S. 29: Plattenbau CC BY-NC-ND 2.0 bastian@flickr

S. 31: „Wohnraum für alle“: CC BY-NC 2.0 strassenstriche@flickr

S. 33 „Recht auf Stadt“ CC BY-NC-ND 2.0 fotokiosk@flickr

Stay rebel! Heraus zum 1. Mai!

Euer Redaktionskollektiv

3

Ein Blick ins Archiv lohnt:

jbbs.blogsport.de/lesefutter/


Inhalt

Her mit dem schönen Leben!

2015

5—Aufruf

Der diesjährige Aufruf zum Jugendbündnis

am 1. Mai in Braunschweig

8—Dossier

Drei Texte, die sich einführend mit

Feminismus, dem diesjährigen G20-

Gipfel und Wohn- bzw. Freiraumpolitik

auseinandersetzen.

36—Vor Ort

Politische Gruppen und Jugendverbände

bekommen hier den Raum um sich und ihre

Arbeit vorzustellen.

2016

Die aktuelle gesellschaftliche Dynamik wird zurzeit einmal mehr geprägt durch wirtschaftliche

Krisen und der damit einhergehenden ausgrenzenden Politik gegen ihre Verlierer*innen.

Ein ohnehin schon seit langem zu beobachtendes Auseinanderdriften von Arm und Reich

verstetigt sich und der kapitalistische Krisenprozess tritt offen zutage: Ob in prekären

Beschäftigungsverhältnissen (wie befristete Verträge oder Leiharbeit), einer zunehmenden

Jugendperspektivlosigkeit (vor allem in den Ländern Südeuropas) oder einer sich verschärfenden

Wirtschaftssituation durch steigenden Konkurrenz- und Wettbewerbsdruck.

Die Jugend auf Suche nach Wohnraum

Neben dem Rechtsruck und den wirtschaftlichen Krisenprozessen wirkt sich die aktuelle

Lage auch auf unser unmittelbares Leben in und um Braunschweig ganz konkret aus. Ohne

Unterstützung der eigenen Eltern wird es zum Beispiel durch die hohen Mietpreise und die

soziale Wohnungsnot in Braunschweig sehr schwierig für junge Menschen ein eigenes Leben

zu starten. Allein seit Beginn unseres Jugendbündnisses im Jahr 2011 sind die Mietpreise pro

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Quadratmeter in Braunschweig um fast 40 Prozent gestiegen. Dazu gibt es kaum ein Angebot

an sozialem Wohnungsbau.

Die Welt im Wandel

Vermeintliche Antworten auf diese Probleme kommen gegenwärtig und seit je her vor allem

in Form stark verkürzter und menschenverachtender Erklärungsmuster von Rechts. Durch

eine Re-Nationalisierung erhoffen sich viele die Wiederherstellung früherer Zustände und im

verklärend-reaktionären Taumel wird dann das „Hochziehen von Grenzzäunen“, „ein Europa der

Vaterländer“ und ein „Ausstieg aus der EU“ gefordert.

Make Feminism a Threat Again!

Als weiterer Teil dieses Wunsches steht der Versuch, die Erfolge bisheriger feministischer

Kämpfe aufzuheben. Beispielhaft stehen dafür die Forderung, Abtreibung erneut zu

kriminalisieren oder Bemühungen mittels „Herdprämie“ Frauen zurück in die Küche zu schicken.

Es verwundert nicht, dass die Verherrlichung starrer Geschlechterrollen sowie des bürgerlichen

Familienbildes (Vater, Mutter und Kinder) als Idealvorstellung gegen

ein selbstbestimmtes Leben in Stellung gebracht wird. Diesen

Rückschritten stellen wir uns entgegen. Ziel unseres

feministischen Kampfes ist dabei nichts weniger als die

Abschaffung des Patriarchats!

Insgesamt sind ein zunehmender Rechtsruck und

ein antidemokratisches Verhalten der Gesellschaft

wahrnehmbar. Das Gebrüll einer rechten Minderheit wird

von der „vermeintlichen Mitte“ übernommen und ist so

längst im gesellschaftlichen und politischen Alltag angekommen.

Die Abstimmung über den Brexit in Großbritannien, die

Wahl eines offen auftretenden Rassisten ins Weiße Haus der

USA und auch die zunehmende Abschottung Europas

und Deutschlands, einhergehend mit beschleunigten

Abschiebungen, Bürgerwehren (die „unsere Frauen“ vor

„Fremden“ beschützen wollen) und zum Normalzustand

werdendem Racial Profiling, zeigen deutlich:

Es wird Zeit gegen die rassistischen und nationalistischen

Zustände aufzustehen und Widerstand zu organisieren.

Unsere Alternative: Das schöne Leben

Für uns ist klar, dass es ein schönes Leben für alle im Kapitalismus nicht

geben kann und dass seine Widersprüche nicht einfach durch eine „sozialere“ oder „gezügelte“

Marktwirtschaft zu beheben sind. Unsere Antwort auf die aktuelle Krisendynamik ist daher

eine auf Solidarität, Emanzipation und Freiheit aufbauende Gesellschaft. In dieser haben

Ausbeutung, Spaltung und Diskriminierung keinen Platz. Unsere Ziele zur Errichtung dieser

Gesellschaft sind die Überwindung des Kapitalismus und die Abschaffung jeglicher Formen von

Ausbeutung und Ausgrenzung!

Heraus zum 1. Mai!

Wir schließen uns jedes Jahr zum 1. Mai zusammen, weil uns die unterschiedlichsten,

tagtäglichen Kämpfe miteinander verbinden. Diese machen deutlich, dass gerade in Zeiten des

Rechtsrucks ein geeinter Protest durch eine emanzipatorische Alternative sichtbar gemacht

werden muss! Denn egal ob im Betrieb, Uni, Schule, Viertel, Stadion, Parlamenten oder

sonstwo: Nationalismus, Rassismus, Anti-Feminismus und Abschottung sind keine Alternativen,

wir stehen für ein solidarisches und diskriminierungsfreies Handeln! Jeder Mensch soll einen

Anspruch auf ein schönes Leben haben.

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Feminismus

G20

(Frei-)Räume


Fight for feminism!

Gegen die (anti-)bürgerliche Moral von Islamisten, AfD und deutscher Mehrheitsgesellschaft

Text: Antifaschistische Gruppe Braunschweig

Kapitalismus und Patriarchat – A Love Story

Die kapitalistische (bürgerliche) Gesellschaft, in der wir leben, ist gekennzeichnet durch Freiheit.

Frei im Sinne davon, dass es keinen von Abstammung oder Gott bestimmten Herrscher gibt,

der uns sagt, was wir zu tun oder zu lassen haben. Auch wenn dies historisch ein Fortschritt ist,

hinter den wir nicht wieder zurückzufallen wollen, ist diese Freiheit dennoch tückisch. Es gibt

dennoch Zwänge, die dafür sorgen, dass wir unser Leben nicht wirklich in Freiheit genießen

können. Spätestens wenn der Magen knurrt oder man sich irgendwie komisch fühlt, die alten

Klamotten der großen Geschwister aufzutragen, zeigt sich, dass man Geld braucht, um sich

Dinge kaufen zu können. Ausreichend Geld bekommt man nur über den Weg zu arbeiten.

Dieser Zwang ist dabei a-personell, d.h. es gibt im Normalfall keine Person, die einen dazu

körperlich zwingt. Machen muss man es trotzdem.

Ähnlich ist es, wenn wir uns die sexuelle Moral der bürgerlichen Gesellschaft anschauen. Im

Normalfall werden wir nicht mit Gewalt gezwungen, sexuelle oder emotionale Intimitäten mit

anderen Personen auszutauschen und sind scheinbar frei in der Entscheidung, was wir machen

wollen oder nicht. Beim genaueren Hinsehen zeigt sich aber, dass es in kaum einem anderen

Bereich so viele Erwartungen und Einschränkungen gibt wie im Bereich der Geschlechter und

der Sexualität. Dabei ist diese Art des Umgangs relativ neu, keine 200 Jahre alt. So wurde

am Ende des 18. Jahrhunderts „in einigen adeligen Kreisen von einem wahren Gentleman (…)

erwartet, daß er die Brüste seiner schönen Tischdame liebkoste“ (Mosse: 12). Eine Sache, die

unter heutiger Sicht ein undenkbarer (und aus linker Perspektive durchaus zu kritisierender)

Vorgang wäre.

Ursächlich für diesen Wandel ist auch hier die bürgerliche Gesellschaft mit ihren

geschlechtlichen Normen, die klare Einteilung in Männlichkeit und Weiblichkeit und wer was

genau zu begehren hat und was nicht. Komisch ist dabei aus unserer Sicht, dass es heute bei

vielen selbstverständlich ist, wenn die Arbeitsbedingungen scheiße sind, diese zu ändern. Sei

es durch verzweifeltes Betteln um mehr Lohn oder durch gewerkschaftliche Organisierung

und Arbeitskampf. Wenn das sexuelle Begehren oder die Geschlechtlichkeit nicht mit dem

übereinstimmt, was erwartet wird, organisieren sich allerdings die wenigsten, sondern ertragen

teils ihr Leben lang einen Zustand, der sie unglücklich macht und bis zum Selbstmord treiben

kann. Historisch haben hier erst die feministischen Kämpfe eine Thematisierung, Öffnung und

Veränderung dieser geschlechtlichen und sexuellen Normen gebracht. So ist es in Deutschland

erst seit 1997 eine Straftat, in der Ehe zum Sex gezwungen zu werden. Dass ein Nein beim Sex

auch wirklich „Nein“ bedeutet, hat sich strafrechtlich erst im letzten Jahr geändert. Dabei ist

jedoch zu beachten, dass grundsätzlich nur jedes 5. bis 20. Sexualdelikt überhaupt zur Anzeige

gebracht wird.

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Wie wir sehen, gibt es also noch viel zu tun. Und obwohl dies so ist, wollen rechte und

konservative Bewegungen, allen voran die AfD, hinter den erreichten Standard zurück. Sie

sehen die Individualisierung als Gegenpol, als Gefahr ihres rückwärtsgewandten Weltbilds und

wollen zurück zum kollektiven Zwang, in dem das mit der Sexualität und dem Geschlecht klar

geregelt ist.

Feministische Kämpfe gestern und heute

Die bisherigen feministischen Kämpfe können in drei Wellen aufgeteilt werden. In der

ersten Welle im 19. Jahrhundert wurde als wichtigste Errungenschaft das Wahlrecht für

Frauen erkämpft. Zudem wurde dort erstmals der Begriff „Feminismus“ als Gegenstück

zum Maskulinismus etabliert. In dieser Zeit gab es bereits Zusammenschlüsse, die für eine

Gleichstellung kämpften. Der Nationalsozialismus zerschlug diese emanzipatorischen

Bewegungen und machte es unmöglich, während dieser Zeit weitere Ziele zu erreichen.

Nach Ende des 2. Weltkriegs war es schwierig, die Bündnisse wiederherzustellen, da die

konservative Kernfamilie als Konzept in diesen vom wirtschaftlichen Notstand geprägten Zeiten

gewünscht wurde. Die zweite Welle der Frauenbewegung schwappte erst einige Jahre später aus

den USA nach Europa. Das Women‘s Liberation Movement (Women’s Lib) galt als Vorbild für

die weiteren Bewegungen in Westdeutschland. Erst in den 1960er-Jahren wurden diese sichtbar.

Sie prangerten die Bildungsunterschiede zwischen Frauen und Männern an. Eine höhere

Schulbildung oder gar ein universitärer Abschluss waren in dieser Zeit für Frauen fast undenkbar.

Außerdem waren Frauen vor dem Gesetz nicht gleichgestellt, sie konnte z.B. nicht eigenständig

ein Konto eröffnen oder der Lohnarbeit ohne Einwilligung ihres Ehemannes nachgehen.

1971 startete die Frauenbewegung die Kampagne zur Legalisierung der Abtreibung und löste

damit eine Debatte aus, die in der breiten Gesellschaft geführt wurde. Dabei blieb es jedoch

nicht allein bei dem Thema Abtreibung, es wurde generell über die sexuelle Selbstbestimmung

von Frauen diskutiert.

Die Dritte Welle begann in etwa mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dauert bis

heute an. Inzwischen hat die Frauenbewegung auch das Parkett der Politik erreicht. Die UNO

veranstaltet regelmäßige Weltfrauenkonferenzen, die besonders für die Frauen aus der dritten

Welt als Plattform dienen. Die Frauenbewegungen außerhalb dieser Institutionen sind ebenfalls

gestärkt. Populäre Beispiele dafür sind breit organisierte Bündnisse wie der Slutwalk, One Billion

Rising oder zuletzt der Women’s March on Washington.

Die genannten Kämpfe hatten zum Ziel, die Situation der Frauen zu verbessern. Allerdings

ist eine Gleichberechtigung in der kapitalistischen Gesellschaft nicht absolut möglich. So

muss in der arbeitsteiligen kapitalistischen Gesellschaft klar aufgeteilt werden, wer welche

Arbeit macht. Unter Arbeit verstehen wir in dem Kontext nicht nur klassische Lohnarbeit

sondern auch sogenannte „Care“-Arbeit. Dies ist die Arbeit, die sich um die sogenannten

Reproduktionsbedingungen, wie Kinder erziehen, den Haushalt oder soziale Fürsorgearbeit,

kümmert. Auch heute bleibt diese noch zum Großteil an Frauen hängen und muss von ihnen

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erledigt werden. Oder fragt euch doch einfach mal selber, wer in eurer Familie oder WG die

Das von der Rechten Küche regelmäßig aufräumt und wer „da einfach einen anderen Hygienestandard

vermittelte Frauenbild hat“. Oder welches Geschlecht nach dem Orgasmus erschöpft im Bett/Boden/

wirkt in der heutigen Park liegt, während der andere Part sich alleine um seine Bedürfnisse kümmern

Gesellschaft wie aus muss. Dies ist kein Zufall und darf gerne zum Anlass genommen werden, eingerostete

einer anderen Zeit Rollenverteilungen auch im persönlichen Umfeld in den Blick und zur Diskussion zu

stellen. Wie ihr seht, sind feministische Kämpfe auch im Kapitalismus nicht sinnlos. Unser Kampf

für eine gerechte Gesellschaft muss auf Grund der gegenseitigen Bedingung von Kapitalismus

und Patriarchat aber zwangsweise antikapitalistisch und feministisch sein.

Angriff von rechts

Durch das Erstarken des Rechtspopulismus in Deutschland und vielen anderen Ländern in

den letzten Jahren sind viele Errungenschaften der feministischen Bewegungen in Gefahr.

Diese teilweise hart erkämpften Rechte, die für viele inzwischen zur Selbstverständlichkeit

geworden sind, werden von rechten Bewegungen und Parteien angegriffen. Das von der

Rechten vermittelte Frauenbild wirkt in der heutigen Gesellschaft wie aus einer anderen Zeit,

jedoch werden diese Vorstellungen immer weiter verbreitet und werden auch in der Mitte der

Gesellschaft wieder offener diskutiert.

Die AfD hat eine große (mediale) Reichweite und verankert in ihren Parteiprogrammen

rückschrittliche Forderungen beispielsweise nach einer zu erreichenden Geburtenquote für

deutsche Frauen und der Streichung von Mitteln und Programmen zur Frauenförderung. Kurz

gesagt sollen die Frauen wieder in ihre „traditionelle“ Rolle als Hausfrau und Mutter gedrängt

werden. Neben diesen rückwärtsgewandten Vorstellungen von Männern und Frauen, hat die

AfD auch eine genaue Idee von den „normalen“ sexuellen Neigungen und zeigt eine eindeutig

homo- und transphobe Haltung.

Die Familie als Kernstück unserer Gesellschaft soll, laut AfD, ausschließlich aus der

Konstellation Vater-Mutter-Kind(er) bestehen und so dieses Bild von Familie weitervermitteln.

Schulen sollen ebenfalls dieses Bild propagieren und die angeblich von der „Homolobby“

durchgesetzten Änderungen in den Lehrplänen, die eine unvoreingenommene Sicht auf die

unterschiedlichen sexuellen Identitäten und Neigungen haben sollen, gehörten abgeschafft.

Dies sind nur wenige Beispiele aus einem Parteiprogramm, welches klar sexistisch, homophob

und rassistisch ist. Besonders aufgrund dieser Entwicklung, ist es uns ein Anliegen, die

feministischen Kämpfe weiter zu führen und die bisherigen Errungenschaften zu schützen.

Die Sache mit dem Kopftuch

Die Kopftuchdebatte, die seit Jahren immer wieder in den Medien stattfindet, spaltet die

Geister. Die Frage nach der Symbolik dieses Kleidungsstücks wird unterschiedlich beantwortet.

Ist es ein Zeichen der Unterdrückung oder sogar ein feministisches Symbol, welches zeigt, dass

Muslimas selbstbestimmt entscheiden, was sie tragen oder nicht? Eine Sichtweise, auf die

sich viele einigen können, ist die Auffassung, dass das Kopftuch nicht nur ein religiöses oder

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modisches Symbol ist, sondern auch ein ideologisches sein kann, wenn es unter Zwang getragen

wird. Wo dieser Zwang allerdings anfängt, ob es klare Vorschrift seitens der Eltern gibt, es

irgendwie von Freunden und Familie zwar erwartete aber nicht „verordnet“ wird oder man sich

anscheinend freiwillig religiösen Normen unterordnet und diese dann in die Öffentlichkeit trägt,

ist allerdings umstritten und kann an dieser Stelle nicht beantwortet werden.

Fest steht für uns dabei nur folgendes: Wird das Kopftuch nicht mehr freiwillig getragen,

ist es ein patriarchales Zeichen für die Unterdrückung der Frau und gehört damit aus

emanzipatorischer Sicht bekämpft. Aber eben weil diese Frage keine leichte ist und von außen

betrachtet individuelle Beweggründe kaum nachvollziehbar sind, besteht die Gefahr einer

pauschalen Verurteilung. Dies muss insbesondere unter dem Eindruck einer rassistischen

Mehrheitsgesellschaft, welche sich nur zu gerne aufgeklärt gegenüber dem Fremden gibt,

ernst genommen werden. Klar ist für uns aber auch: Muslimas, die sich für die Befreiung vom

Kopftuch einsetzen, verdienen dabei unsere Solidarität.

Unser Ziel ist es feministische Kämpfe weiter zu führen und möglichst viele Menschen in

diese Entwicklungen und Diskussionen mit einzubeziehen, um gemeinsam solidarisch zu

streiten. In welcher Gesellschaft wir leben wollen und in welcher nicht, müssen wir gemeinsam

unter emanzipatorischen Standards entscheiden. Gegen das Patriarchat und die bürgerliche

Gesellschaft!

Ford Madox Ford sagte 1913 zur bürgerlichen Moral, dass: „die Gesellschaft (…) nur

existieren kann, wenn es den Normalen, wenn es den Tugendhaften und den ein wenig

Hinterlistigen wohlergeht und wenn die Leidenschaftlichen, die Eigensinnigen und die

allzu Wahrheitsversessenen zu Selbstmord und Wahnsinn verurteilt sind“. Also lasst uns

leidenschaftlich, eigensinnig, individuell und wahrheitsversessen sein und diese Gesellschaft

endlich auf dem Müllhaufen der Geschichte entsorgen.

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Kommst du mit uns ins Gefahrengebiet?

Am 7. und 8. Juli findet der Gipfel der G20 in Hamburg statt – Er bietet die Möglichkeit eines

öffentlichkeitswirksamen, antikapitalistischen Protestes und einer linken Offensive

Text: Gruppe in/progress

Nachdem sich die Gruppe der 19 größten Industrienationen und die Europäische Union letztes

Jahr in der chinesischen Stadt Hangzhou versammelt hatten, findet das diesjährige Treffen der

G20 unter großem Aufwand und noch mehr Aufmerksamkeit in Deutschland statt.

Von autoritärem Neoliberalismus...

In neoliberaler Manier wird dann gemeinsam über Möglichkeiten zur Steigerung des

Wirtschaftswachstums und den Abbau von Hindernissen, welche der globalen Verwertung

und Vermehrung des Kapitals entgegenstehen, gesprochen. Hierbei ist alles gerne gesehen,

was die ökonomische Ordnung mitsamt ihren Widersprüche stabilisiert und ihren Fortbestand

sichern soll. Denn egal, ob es sich dabei um die Ausweitung des Warenverkehrs mithilfe von

Freihandels abkommen oder um andere, dem Erhalt des Wirtschaftssystems zuträgliche

Projekte handelt: Die Absicht der G20 ist es, den Kapitalismus trotz seiner zerstörerischen

Kräfte aufrechtzuerhalten und nicht, wie stets beteuert, seine dem Wohle der Menschen

widersprechenden Gegensätze einzuebnen. Die Behauptung, eine sozialere Umgestaltung der

Welt sei bei gleichzeitigem Erhalt der bestehenden Eigentums- und Produktionsverhältnisse

möglich, kann unter diesen Umständen nur als absurd bezeichnet werden.

Denn wenn die kapitalistischen Krisenprozesse der letzten Jahre bzw. Jahrzehnte und

deren Verwaltung durch staatliche Regierungen sowohl in Europa als auch weltweit eines

gezeigt haben, dann, dass der Profit der einen mit den Verlusten der anderen zwangsläufig

verknüpft ist. Hohes Wirtschaftswachstum einzelner Staaten sagt eben nichts (gutes) über die

Gerechtigkeit der nationalen und globalen Verteilung aus. Vielmehr muss festgehalten werden,

dass die steigende Konzentration von Vermögen bei gleichzeitiger massenhafter Armut System

hat. Ungerechte politische und ökonomische Verhältnisse innerhalb der Gesellschaften und

zwischen den Nationalstaaten sind Ausdruck des kapitalistischen Konkurrenzprinzips.

Während der globale Verelendungsprozess sich also weiter verfestigt, wird demnächst in

Hamburg darüber diskutiert, wie sich die dem Elend zugrundeliegenden Strukturen weiter

ausbauen lassen. Die konkreten Folgen dieser Politik sind bereits heute eindeutig zu sehen: Sei

es im organisierten Landgrabbing und den Spekulationen auf Nahrungsmittel, in einer weiteren

Liberalisierung der internationalen Finanzarchitektur oder in der ökologischen Gefährdung

durch Fracking und Kohleförderung. Der Befund ist nicht neu, muss aber dennoch immer

wieder ausgesprochen werden: Eine „faire(re)“ Wirtschaftsordnung ist mit den G20 definitiv

nicht zu haben.

Das alles hat seinen Preis: 65 Millionen Menschen befinden sich derzeit weltweit auf der

Flucht vor Krieg, Unterdrückung, Umweltkatastrophen, Hunger und Armut - in der Hoffnung

auf ein schöneres, menschenwürdiges Leben. Von größerem Interesse ist das für die Staaten

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und Regierungen der G20 jedoch erst, seit dem die von ihnen maßgeblich beförderte globale

Reaktionäre Positionen Ungleichheit in Form vom Asyl und Fluchtbewegungen als Resultat an die eigene

erfreuen sich längst auch Haustür klopft. Die „Bekämpfung der Fluchtursachen“ und „Partnerschaft mit Afrika“

wieder in vielen Teilen sollen aus diesem Grund weitere Punkte auf der Agenda sein. Dabei wird aber vor

des vermeintlich liberalhuma

nistischen Europas fehlt zudem fast der gesamte afrikanische Kontinent. Die Antwort der G20-Staaten,

allem über die Köpfe der am stärksten betroffenen Länder hinweg entschieden, es

großer Beliebtheit die bisher am meisten von den bestehenden Verhältnissen profitiert haben, scheint

ohnehin festzustehen: Abschotten und die Folgen ignorieren.

...bis nationalistischem Autoritarismus

Neben den Vertreter*innen neoliberaler Positionen pilgert folglich auch eine bunte Mischung

aus Rassist*innen, Antisemit*innen und völkischen Nationalist*innen zum Gipfel nach Hamburg,

um sich auf der Bühne der „global player“ als gleichberechtigte Partner auf Augenhöhe zu

inszenieren.

Egal ob US-Präsident Trump, der spätestens seit Beginn seiner Amtszeit vielen als plakatives

Beispiel eines narzisstischen Apologeten von Nationalismus und Menschenfeindlichkeit

dient, Vorzeigeunterdrücker Erdoğan, der rigoros versucht die Türkei in eine offene Diktatur

zu verwandeln, oder Putin, unter dessen Regierung Homophobie und Antifeminismus zur

Staatsdoktrin gehören. Die Liste nationalistisch-chauvinistischer Mitglieder ist lang.

Doch wagt man einen Blick hinter jene bekannten „Problemfälle“, wird offensichtlich: Diese

reaktionären Positionen erfreuen sich längst auch wieder in vielen Teilen des vermeintlich liberalhumanistischen

Europas großer Beliebtheit, wie verschärfte Asylgesetze in Deutschland oder

die jüngsten Angriffe auf die weibliche Selbstbestimmung in Polen beispielhaft zeigen.

Dass die Teilnahme von Staatsoberhäuptern, denen sich solche Attribute zuschreiben lassen,

niemanden der sonstigen anwesenden Politiker*innen zu stören scheint, ist zwar bezeichnend

jedoch nur folgerichtig. Entweder sie teilen ähnliche Überzeugungen oder billigen zumindest

aus strategischen und wirtschaftlichen Überlegungen Kooperationen mit autoritären Regimen

wie der Türkei oder Saudi-Arabien. Schließlich bewähren diese sich bei der Schließung von

Fluchtrouten und sind geschäftige Partner in Rüstungsdeals. Nicht zuletzt die deutsche

Regierung paktiert dabei aus Eigeninteresse mit Diktatoren wie Erdoğan und unterstützt dessen

Krieg gegen die kurdische Bevölkerung, um den über die Türkei flüchtenden Menschen den

Weg nach Europa zu versperren.

Zugegeben: G20 stand noch nie für Menschenrechte und Emanzipation, aber der Mix an

Teilnehmer*innen, die dieses Jahr nach Hamburg reisen, ist im negativen Sinne bemerkenswert.

Vielleicht auch als Reaktion auf diesen Umstand möchten sich die Gastgebenden diesmal

mitten in Hamburg betont ,,volksnah“ und dialogbereit geben.

Hegemonie gepanzert mit Zwang

Obwohl (oder gerade weil) bei dem Treffen der Regierenden maßgebliche globale

Problematiken nicht als das erkannt werden was sie sind - nämlich Ausdruck des Kapitalismus

und eines rassistischen, menschenverachtenden Normalzustandes - wird seitens der

Veranstalter*innen die konstruktive Auseinandersetzung mit NGOs oder auch Gewerkschaften

simuliert. Diese sollen als vernünftige, „legitime“ Kritiker*innen dienen und die Der entschlossene Protest

Illusion aufrecht erhalten, dass mit etwas gutem Willen und ein paar Reformen auf der Straße gegen dieses

alle Unwägbarkeiten zu überwinden seien. In diesem Zusammenhang ist auch Spektakel ist wichtig,

der Verweis auf die vermeintlichen Erfolge der letzten Treffen zu verstehen. besonders in Zeiten, in

So wird sich auf der Internetseite der Veranstaltenden damit gebrüstet, dass denen das politische Tagesgeschehen

durch rechte

weltweite Steuerhinterziehungen erfolgreich bekämpft und die Begrenzung der

Vergütungen von Bankmanagern beschlossen worden seien. Als Kernbotschaft Diskurse und den Rückbau

soll hängen bleiben: die G20 haben alles im Griff und die Zügelung des

gesellschaftlicher Errungenschaften

bestimmt wird

Kapitalismus funktioniert.

Völlig konträr zu dieser geheuchelten Dialogbereitschaft steht jedoch die

Mobilisierung eines polizeilichen Repressionsapparates, der in seinem Umfang schlicht

als Wahnsinn bezeichnet werden muss: Hubschrauber, Boote, Wasserwerfer und mehr

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als 10.000 Polizist*innen sollen in Stellung gebracht werden, ergänzt durch riesige

Gefangenensammelstellen für Gegendemonstrant*innen und eigene Container für

Staatsanwält*innen und Haftrichter*innen. Ein teures, inszeniertes Schauspiel der Macht,

bei dem die in Hamburg lebenden und demonstrierenden Menschen an den Rand gedrängt

werden sollen. Ziel ist es, den aus ihrer Sicht „illegitimen“ Protest zu verhindern und sichtbare,

unversöhnliche Kritik an G20 und den dahinterstehenden Strukturen zu unterbinden.

Aber die Kriminalisierungsversuche zeigen eines explizit: Der entschlossene Protest auf

der Straße gegen dieses Spektakel ist wichtig, besonders in Zeiten, in denen das politische

Tagesgeschehen durch rechte Diskurse und den Rückbau gesellschaftlicher Errungenschaften

bestimmt wird. Demgegenüber kann deutlich gemacht werden, dass es sehr wohl eine

handlungsfähige und offensive (radikale) Linke gibt, die in der Lage dazu ist, Menschen für ihre

Themen auf die Straßen zu bewegen.

Die Reichweite der G20-Proteste bietet somit die Chance, als Linke öffentlichkeitswirksam

deutlich zu machen, dass eine andere Gesellschaftsordnung jenseits von Kapital, Staat und

Nation nötig ist und das schöne Leben erkämpft werden muss.

Es gibt (k)einen richtigen Protest im Falschen

Wenngleich der Vorwurf an dem Eventcharakter einer derartigen

Mobilisierung anlässlich des Gipfels durchaus seine Berechtigung hat und

(selbst)kritisch mitgedacht werden muss, sollte jedoch nicht vergessen

werden: Selbstverständlich kann so ein anlassbezogener Protest nur Teil

einer tiefergehenden, kritischen Auseinandersetzung mit den Ursachen

Selbstverständlich kann so

ein anlassbezogener Protest

nur Teil einer tiefergehenden,

kritischen Auseinandersetzung

mit den Ursachen

der gegenwärtigen gesellschaftlichen Zustände und deren Überwindung

der gegenwärtigen

in kontinuierlichen, nachhaltigen Kämpfen sein. Aber er bietet eben als

Kristallisationspunkt auch die Möglichkeit sich ins Handgemenge zu begeben

und gemeinsam für eine solidarische Gesellschaft einzutreten. Zu all dem

laden wir herzlich ein.

gesellschaftlichen Zustände

und deren Überwindung in

kontinuierlichen, nachhaltigen

Kämpfen sein.

Bei gleichzeitigem Bewusstsein über Grenzen von Protestformen ist es

ebenso wichtig, sich vom bürgerlichen Symbolprotest abzuheben, der nicht selten bloß nach

einem fairen Kapitalismus und einer sozialen Marktwirtschaft schreit und damit dem Trugschluss,

eine solche Ökonomie sei sinnvoll und machbar, in die Arme läuft.

Bedacht werden sollte überdies, dass eine Kritik, die sich ausschließlich an den

Protagonist*innen des Gipfels aufhängt und in simples ,,Die da oben-Denken“ verfällt, sich in

diesem Augenblick bereits selbst unterläuft und mit einer grundlegenden Kapitalismuskritik

nichts mehr gemein hat.

Eine Analyse die sich dem Trugschluss hingibt, aktuelle Herrschaftsverhältnisse könnten

mit einer anderen, „besseren“ Regierung einfach überwunden werden, muss zwangsläufig

im System gefangen bleiben. Auch die jüngere Geschichte ist voll von Beispielen, dass sich

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das Kapital nicht nachhaltig „bändigen“ lässt und der Austausch regierender Parteien nicht

dessen Krisen beendet. Solange der Staat als ideeller Gesamtkapitalist und Sicherer der

eigenen Geschäftsgrundlage fungiert, greift jeglicher Protest zu kurz, der sich vor allem gegen

konkrete Regierungsvertreter*innen richtet und versucht strukturelle Herrschaftsverhältnisse

der Einfachheit halber zu personalisieren. An dieser Stelle wird schnell deutlich, warum das

Thema G20 auch für Rechte und Antisemit*innen anschlussfähig ist. Denn wo es auch um die

Finanzwelt geht, ist die Aufteilung in ,,böses“ (raffendes/globales) und ,,gutes“ (schaffendes/

lokales) Kapital oft nicht weit. Der Vorwand eines antikapitalistischen Protestes wird dann dazu

genutzt, um antisemitische Ressentiments zu bedienen, einfache Schuldige für die beschissenen

Zustände zu benennen und damit möglichst auch noch gesellschaftlichen Anschluss zu finden.

Stattdessen sollte klar sein, dass die herrschende Ökonomie bereits bis ins innerste Bewusstsein

einer*eines jeden vorgedrungen ist, und diese in all ihren Verästelungen nur durch ein kritisches,

gesamtgesellschaftliches Gegenwirken entlarvt werden kann.

Aber auch bei diesem Prozess kann ein wahrnehmbarer Protest, der gesellschaftliche

Gegensätze enttarnt und benennt, als Ausgangspunkt ansetzen. Die Chancen, welche

der G20-Gipfel als konkreter Anlass für den weit über Deutschland hinausreichenden,

antikapitalistischen und linken Protest bietet, sollten daher genutzt werden.

Zum Weiterlesen und informieren

– #NoG20 2017 - Infoportal zu den Protesten gegen G20-Gipfel 2017 in Hamburg –www.g20hamburg.org

– Dossier mit Diskussionen und Hintergründen www.neues-deutschland.de/dossiers/397.html

– „Don’t fight the players, fight the game: Zum G20 die Logistik des Kapitals lahmlegen!“ –www.umsganze.org/die-logistik-des-kapitals-lahmlegen/

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Eine Stadt für Alle!

Warum eigentlich nicht?

Text: Unabhängiges Kulturzentrum Nexus

Seit geraumer Zeit finden sich in sämtlichen Medien regelmäßig Berichte, über zu knappen

und zu teuren Wohnraum in Deutschland. Auch in Braunschweig ist günstiger Wohnraum

inzwischen ein rares Gut geworden. Für Studierende ist es schwer, zu Semesterbeginn

ein bezahlbares WG – Zimmer oder gar eine bezahlbare Wohnung zu finden und

einkommensschwache Menschen müssen mit ihren Familien in Randgebiete ausweichen, weil

sie sich die Mieten im Innenstadtbereich nicht mehr leisten können.

Im folgenden Text sollen die Gründe für diese Entwicklung beleuchtet werden und Anregungen

gegeben werden, wie dem begegnet bzw. was dieser Entwicklung entgegnet werden kann.

Die funktionale Stadt

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die moderne Industriegesellschaft in Deutschland in

erster Linie vom sogenannten „Fordismus“ geprägt. Die Idee des Fordismus ist es, durch

standardisierte, maschinengestützte Massenproduktion von Konsumgütern den Wohlstand

bis in die Arbeiterschichten zu steigern. Dabei wurde der Produktionsprozess in einfache

Arbeitsschritte zerlegt, sodass auch ungelernte Arbeiter*innen diese problemlos

durchführen konnten.

Diese Idee der Trennung

Der Fordismus und die damit einhergehende Aufgliederung des Produktionsprozesses der Bereiche Arbeiten,

hatten bis in die 1970er Jahre auch erheblichen Einfluss auf die Stadtpolitik und Wohnen und Freizeit

deren Entwicklung. Wie im Produktionsprozess, war auch hier der Funktionalismus führten im Zusammenhang

prägend: Die Stadt wurde in verschiedene Bereiche aufgeteilt, die diverse Funktionen mit der Herausbildung einer

erfüllten. So sollte die während der ersten industriellen Revolutionen entstandenen neuen Mittelschicht durch

Verflechtungen von Arbeiten, Wohnen und Freizeit entzerrt und gelöst werden. Es die Funktionalisierung des

gab Flächen ausschließlich für Gewerbe, Büros, Einkaufs – und Freizeitmöglichkeiten, Produktionsprozesses zu

sowie „reine“ Wohngebiete, die durch ein gut ausgebautes Straßennetz miteinander einer Suburbanisierung.

verbunden waren. Konzepte des „richtigen“ Wohnens und der „modernen“ Stadt

wurden entwickelt, die in Siedlungen des öffentlich geförderten Wohnungsbaus umgesetzt

wurden. So wurden zwischen 1949 und 1973 in Deutschland etwa 12,5 Mio. Wohnungen gebaut,

wovon die Hälfte Sozialwohnungen waren, um das wohlfahrtsstaatliche Modell einer Stadt für

alle umzusetzen.

Diese Idee der Trennung der Bereiche Arbeiten, Wohnen und Freizeit führten im

Zusammenhang mit der Herausbildung einer neuen Mittelschicht durch die Funktionalisierung

des Produktionsprozesses zu einer Suburbanisierung.

Arbeiter*innen, deren Einkommen über das Existenzminimum gestiegen war, zogen ins

Umland der Städte, das durch ein gut ausgebautes Straßennetz mit der Kernstadt und den

Arbeitsstätten verbunden war. Die Attraktivität der Randlagen wurde durch den Ausbau einer

öffentlich sozialen Infrastruktur, wie bspw. Bildungs – und Gesundheitseinrichtungen und einem

gewissen Angebot an privatwirtschaftlichen Einrichtungen noch gesteigert.

Durch die Abwanderung der neuen Mittelschicht in das Umland der Städte veränderte sich

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die Sozialstruktur in den Kernstädten. Diejenigen, die sich den Umzug in die “attraktiven“

Randgebiete nicht leisten konnten, blieben in den Kernstädten zurück. Während die

Randgemeinden aufgrund hoher Einkommenssteuereinnahmen meist recht wohlhabend

waren, sahen sich die Kernstädte mit sinkenden Steuereinnahmen und gleichzeitig steigenden

Ausgaben für soziale Aufgaben konfrontiert. Dazu kam die fortschreitende Neoliberalisierung

der Märkte, wodurch immer mehr Betriebe ihre Produktion dezentralisierten bzw. gänzlich in

Niedriglohnländer abwanderten.

Von der Verwaltung hin zu einer unternehmerischen Stadt

Grundsätzlich veränderten sich im Laufe der 1980er Jahre die sozioökonomischen Strukturen

in den Städten. So war es dem Staat eben aufgrund dieser Neoliberalisierung nicht mehr in dem

Maße möglich, wie noch in den 1950er/1960er Jahren, auf keynesianisch-fordistische Art und

Weise für Arbeitsplätze, Wohlstandssteigerung und sozialen Ausgleich zu sorgen. Hinzu kommt,

dass sich die Städte seitdem einem verschärften Standortwettbewerb ausgesetzt sehen, um

wirtschaftlich auf dem globalen Markt mithalten zu können. So kam es zu einem Wandel von

einer Stadt, die zunächst dafür zuständig war, sich selbst zu verwalten, sowie sozialstaatliche

und infrastrukturelle Maßnahmen umzusetzen, hin zu einer unternehmerischen Stadt, die

sich auf dem Markt gegenüber anderen Konkurrent*innen behaupten muss. Aufwertung

und Ausbau städtischer Potenziale, sowie die Förderung und Steuerung des eigenen

Wirtschaftswachstums gehören in der Folge zu den Kernaufgaben der Städte und Kommunen.

Ziel der unternehmerischen Stadt ist es nun, die eigenen Standortfaktoren zu verbessern und

dadurch private Investoren für sich zu gewinnen. Es entsteht ein Konkurrenzkampf zwischen

den Städten, der auf verschiedenen Ebenen ausgetragen wird. Durch Imagepolitiken versuchen

Städte ihre natur- und kulturräumlichen Eigenschaften zu betonen bzw. produzieren diese. Sie

betreiben eine sogenannte „Festivalisierung“, bei welcher durch verschiedene Großereignisse

wie Expo oder Olympia versucht wird, auf sich aufmerksam zu machen und potentielle

Investoren anzuziehen, aber auch öffentliche Gelder einzuwerben. Die Organisation dieser

Großveranstaltungen liegt jedoch nicht allein in den Händen der Städte selbst, sondern bei

öffentlich-privaten Entwicklungsgesellschaften. Bei diesen Veranstaltungen geht es selten um

die langfristige Verbesserung der Lebensverhältnisse der Mehrheitsbevölkerung, sondern in

erster Linie um die Steigerung der wirtschaftlichen Attraktivität der Stadt selbst.

Ein weiterer Aspekt der unternehmerischen Stadt ist die fortschreitende Privatisierung

öffentlicher Räume. Neben dem Raum an sich, werden auch Ordnungs- und Kontrollbefugnisse

zu einem erheblichen Teil an private Sicherheitsfirmen abgetreten, deren rechtliche

Zuständigkeiten nicht endgültig geklärt sind. Dies hat einen Ausschluss derjenigen zur Folge,

die nicht mehr in das Bild der aufgewerteten Stadt passen. Es trifft beispielsweise Obdachund

Wohnungslose oder Sexarbeiter*innen, die die konsumierende Bevölkerung mit ihrer

Anwesenheit irritieren oder gar stören könnten.

Diese Privatisierung betrifft nicht allein urbane Räume, sondern auch Aufgabenfelder, die

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vormals in der öffentlichen Verantwortung lagen, wie z.B. der öffentliche Nahverkehr, die

Gas- und Wasserversorgung und natürlich der Bau von Wohnungen. So geht der Trend weg

von der Mieter*innen hin zur Eigentümer*innenstadt. Im Gegensatz zu Maßnahmen des

sozialen Wohnungsbaus wird der Erwerb von Eigentum gefördert und steuerlich

Einkommensschwache

begünstigt.

Schichten sehen sich

Gefördert wurde die Entwicklung hin zur unternehmerischen Stadt durch

gezwungen, auf innenstadtferne

Randgebiete

einen allgemeinen Wandel der Gesellschaft. Während zu Zeiten des Fordismus

eine lebenslange Anstellung im selben Betrieb mit geregelter Arbeitszeit

ausweichen, während es

dem Standard entsprach, gibt es nun einen Anstieg von Arbeitsplätzen im

Teile der Mittelschicht

hochwertigen Dienstleistungsbereich, wie bspw. Vermarktung, Kultur, Bildung

wieder in die Zentren

und Kommunikation. Die Beschäftigungsverhältnisse in diesen Bereichen

der Städte zieht

sind zumeist befristet und verlangen von den in diesen Bereichen Tätigen ein

hohes Maß an Flexibilität. Das führt auch zu einem Wandel der Ansprüche an

die eigene Lebenswelt. Es ist notwendig, sich zu vernetzen, neue Kooperationspartner*innen

für neue Projekte zu gewinnen. Mit diesem Wandel der Arbeitswelt verändern sich auch die

Lebensstile der arbeitenden Bevölkerung und deren Bedarf an Wohnraum. Der Wohnraum

mit standardisiertem Grundriss am Stadtrand verliert zunehmend an Attraktivität. Es Beim Recht auf Stadt

ist wieder Wohnraum in den Innenstädten gefragt, der verschiedene Wohnformen geht es nicht um ein

möglich macht und die Nähe zu möglichen Netzwerkpartner*innen garantiert. So Stück vom Kuchen,

wird das Café nebenan zum Treffpunkt mit Geschäftspartner*innen und damit zum sondern um die Stadt

Arbeitsplatz in der direkten Nachbarschaft. Der einst funktionale Charakter der Stadt als ganze Bäckerei

wird aufgelöst und die strikte Trennung zwischen Lohnarbeit, Wohnen und Freizeit und die kollektive

verschwimmt zunehmend.

Gestaltung dieser

Diese neu gewonnene Attraktivität der Innenstädte ist ein Traum für Investoren und

die unternehmerische Stadt selbst. Einst heruntergekommene Innenstadtquartiere werden an

Privatinvestoren „übergeben“, grundsaniert und damit erheblich aufgewertet. Diese Aufwertung

führt zu einem Steigen der Mietpreise, welche die einstigen Bewohner*innen der Innenstädte,

nämlich diejenigen, die sich einen Umzug in das Umland der Städte nicht leisten konnten,

nicht mehr bezahlen können. Die Sozialstruktur in den Innenstädten verändert sich erneut.

Einkommensschwache Schichten sehen sich gezwungen, auf innenstadtferne Randgebiete

ausweichen, während es Teile der Mittelschicht wieder in die Zentren der Städte zieht.

Was tun? - Recht auf Stadt

Um dieser Entwicklung etwas entgegenzusetzen, formierten sich seit Anfang der 2000er Jahre

in diversen Städten in Deutschland und der Welt soziale Protestbewegungen unter dem Motto

„Recht auf Stadt“.

Bereits 1968 wurde das „Recht auf Stadt“ von dem französischen Soziologen Henri Lefebvre

als Reaktion darauf definiert, dass die Stadt als Ort kreativer Schöpfung zunehmend der

industriellen Verwertungslogik unterworfen wird. Lefebvre sah in der fortschreitenden

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Urbanisierung auch ein großes positives Potenzial, das im Rahmen einer urbanen Revolution zu

einer Entwicklung hin zu einer emanzipierten urbanen Gesellschaft führen könnte.

Beim Recht auf Stadt geht es nicht um ein Stück vom Kuchen, sondern um die Stadt als

ganze Bäckerei und die kollektive Gestaltung dieser. Es meint den gesamtgesellschaftlichen

Anspruch auf urbane Qualitäten, die Lefebvre in der Begegnung, im Austausch miteinander,

sowie in einem kollektiv gestalteten und genutzten städtischen Räumen definiert. Dabei liegt

der Schwerpunkt nicht allein auf der Nutzung städtischer Räume, sondern meint vor allem

die konkrete Mitgestaltung stadtpolitischer Entwicklungsprozesse. Als Beispiel für die Recht

auf Stadtbewegung lässt sich das Recht auf Stadt Bündnis Hamburg nennen. Das Bündnis

setzt sich zusammen aus verschiedensten Gruppen und Initiativen mit den unterschiedlichsten

gesellschaftlichen Hintergründen zusammen. Hier liegen die Schwerpunkte im Kampf gegen

die fortschreitende Gentrifizierung, Kämpfe um die Teilhabe marginalisierter Gruppen und

die Auseinandersetzung mit der zunehmenden Privatisierung und Überwachung öffentlicher

Räume. Dabei wird deutlich, dass das Recht auf Stadt von der breiten sozialen Masse auf den

verschiedenen Ebenen erkämpft werden muss und keineswegs durch staatliche Maßnahmen

und Programme umgesetzt werden kann.

Aber auch hier heißt das Problem Kapitalismus

Wie viele andere Phänomene, die in ihrer Beschissenheit für sich allein zu stehen scheinen, muss

auch die Vermarktung der Städte und die damit einhergehende Aufwertung im kapitalistischen

Gesamtzusammenhang gesehen werden.

So sind auch die Städte und Kommunen keine Glitzerseifenblasen, die sich den kapitalistischen

Mechanismen entziehen können, sondern unterliegen genauso wie die meisten anderen

Bereiche des Lebens auch der kapitalistischen Verwertungslogik. Die Städte befinden sich, wie

andere Unternehmen auch, in einem Konkurrenzkampf und sind auf wirtschaftlichen Profit

angewiesen, um dem standzuhalten. Dass dabei keine Rücksicht auf Schwächere genommen

wird, liegt dabei in der „Natur“ des Systems.

Städtische und staatliche Programme zur Schaffung für bezahlbaren Wohnraum können

die Gesamtsituation für Einzelne zwar tragbarer machen, verändern aber nichts am großen

Ganzen. Ebenso können wir uns eigene kleine Rettungsinseln in den Städten erkämpfen und

gestalten, die absolut notwendig sind, um das Leben in dieser Welt erträglicher zu machen.

Solche Rettungsinseln können Gemeinschaftsgärten oder Stadtteilparks sein, alternative

Wohnprojekte und Wagenplätze oder linke, selbstverwaltete (Kultur-)Zentren, wie es das

Nexus in Braunschweig ist. Dabei dürfen wir aber nicht vergessen, dass auch unsere kleinen

Glitzerseifenblasen exklusiv sind und Ausschluss erzeugen. Lasst uns deswegen unsere kleinen

Rettungsinseln verlassen und gemeinsam für eine bessere Welt kämpfen! Her mit dem schönen

Leben für Alle, in den Städten und überall!

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Antifaschistische Gruppe Braunschweig

AStA TU Braunschweig

DGB Jugend Braunschweig – TAK

IG Metall Jugend

in/progress

Jugendring Braunschweig

Junge BAU

Jusos Braunschweig

Naturfreundejugend

Offenes Antifa Treffen

Peer Leader Braunschweig

SJ – Die Falken

Unabhängiges Kulturzentrum Nexus

ver.di-Jugend

Viva con Agua


Antifaschistische Gruppe Braunschweig

Die Gesellschaft, in der wir leben, ist von unpersönlicher

Herrschaft und struktureller Gewalt

durchzogen. Das heißt, dass wir jeden Tag

gezwungen sind, in die Schule, zur Arbeit oder

zur Uni zu gehen, oder, wenn wir Pech haben,

zum Jobcenter oder zur Ausländerbehörde.

Dafür kann keine Person verantwortlich

gemacht werden, sondern die abstrakten

gesellschaftlichen Verhältnisse, die sich gegen

die Menschen verselbstständigt haben.

Nach dem Zweck unseres täglichen gesellschaftlichen

Handelns fragt niemand, obwohl

die Frage nach dem Zweck des Ganzen die

gesellschaftlichen Widersprüche und die alltägliche

Gewalttätigkeit des Systems sichtbar machen

würden.

Unser Anspruch ist es daher in erster Linie,

Gesellschaft zu verstehen, um unsere eigene

Erfahrung von Ohnmacht gegenüber den

Verhältnissen erklären zu können. Es geht nicht

darum, dass wir alleine in unserem Kämmerchen

Bücher lesen und über die Welt philosophieren,

sondern wir halten die theoretische

Kritik der Gesellschaft für eine wichtige Praxis.

Wir wollen in aktuelle gesellschaftliche

Auseinandersetzungen wirken sowie in

theoretische Diskurse und die Idee der

Möglichkeit des schönen Lebens für alle aufrecht

erhalten – damit diese Möglichkeit überhaupt

real werden kann. Dafür grundlegend

ist Ideologie kritik – das heißt die Kritik einer

falschen oder verschobenen Sicht auf die Welt

- aber auch eine Kritik an der real bestehenden

gesellschaftlichen Ordnung. Wir verstehen

uns als linksradikale, emanzipatorische Gruppe

die es wichtig findet, in die gesellschaftliche

Realität zu intervenieren und positive Veränderungen

zu bewirken. Allerdings sind wir uns

auch darüber im Klaren, dass dies nur in einem

gewissen Handlungsrahmen möglich ist. Da

die gegenwärtigen Verhältnisse von Zwängen

und Gewalt durchzogen sind und wir derzeitig

kaum emanzipatorisches Potenzial in der Gesellschaft

sehen, läuft es meist leider darauf

hinaus, nur den schlimmsten Auswüchsen dieser

Gesellschaft, beispielsweise neue und wieder

erstarkte rechte Bewegungen sowie Islamismus,

entgegenzuwirken. Die Wurzel dieses Übels liegt

jedoch in der bürgerlich-kapitalistischen und patriarchalen

Einrichtung der Welt als Ganzem. Es

kann also nicht darum gehen, die Welt wie sie

ist gegen das noch Schlimmere zu verteidigen,

sondern die Ursachen in der kapitalistischen

Vergesellschaftung zu benennen.

Derzeit widmen wir uns besonders dem Thema

„Feminismus“. Dafür haben wir verschiedene

Vorträge organisiert, die diesen Schwerpunkt

aus verschiedenen Perspektiven und Zusammenhängen

beleuchten sollen. Besonders wichtig

ist uns hierbei aufzuzeigen, dass Sexismus

kein importiertes Problem ist, sondern immer

im Kapitalismus und der patriarchalen Struktur

auftritt. Trotzdem wollen wir uns unterschiedliche

Ausprägungen betrachten und kontroverse

Themen, wie das Kopftuch, aus linker Sicht diskutieren.

Feminismus bleibt für uns und für die

Gesellschaft wichtig, denn solange wir in diesem

System leben, müssen wir für Gleichberechtigung

immer weiter kämpfen.

Im Jahr 2017 jährt sich der Tag der Gründung

unserer Gruppe zum zehnten Mal. Dies

nehmen wir als willkommenen Grund im

Sommer das Jubiläum gebührend zu feiern.

Haltet Augen und Ohren offen und erwartet

Großartiges!

Entscheidend beim Kampf gegen die Verhältnisse

und deren Auswüchse ist dabei die

kritische Diskussion und Vernetzung von interessierten

Menschen und Gruppierungen, wie

sie beispielsweise das Braunschweiger Jugendbündnis

zum ersten Mai darstellt. Auch wenn

an dieser Stelle zurecht die Sektkorken knallen

gelassen werden, fallen uns trotzdem ein paar

Kleinigkeiten ein, die noch besser gestaltet werden

können.

Am ersten Mai ein fancy Jugendbündnis

zu veranstalten ist nett, wer es allerdings dabei

belässt, betreibt letztendlich nur punktuellen

Aktionismus mit Bratwurst, Bier und leckeren

Cocktails. Gesellschaftliche Emanzipation wird

leider immer noch im kritischen Handgemenge

gemacht und in dieses wollen wir uns gerne häufiger

mit euch begeben.

Kontakt

/antifaschistischegruppebs

agb@mail36.net

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AStA TU Braunschweig

Her mit dem schönen Leben? Wenn die

nächste Prüfung drängt, der Nebenjob aber

eigentlich kaum Zeit zum Lernen lässt und

die Studiengebühren auch wieder anstehen,

dann ist dieser Wunsch eine Sehnsucht, die in

weiter Ferne steht. In möglichst kurzer Studienzeit

so viele Kernkompetenzen zu erwerben, wie

der Arbeitsmarkt verlangt, zeigt auf, in welcher

Situation des ständigen Drucks Studierende

heutzutage stehen.

Wir als Allgemeiner Studierendenausschuss

der Technischen Universität sind als politische

Vertretung in der schwierigen Situation, die

Interessen der Studierenden zu vertreten

und uns dafür einzusetzen, dass der Druck

aufhört zu steigen und vielleicht eines Tages

wieder etwas abnimmt. Das zu erreichen ist aber

schwierig, da ein Studienabschluss nur noch die

eigene Verwertbarkeit steigern soll, statt ein

Lernen fürs Leben zu sein. Kaum Studierende,

die mit ihrem Fach nicht zurechtkommen, versuchen

einen Wechsel des Studiengangs, um

bloß möglichst wenig Zeit zu verlieren und nicht

den Makel des Scheiterns mit sich herum zutragen.

Aber wir finden immer wieder Stellschrauben,

an denen es möglich ist zu drehen.

Das versuchen wir mit phasenweisen

Kampagnen sowie institutionalisierten Projekten.

So steht im kommenden Semester eine Änderung

der Allgemeinen Prüfungsordnung an. Wir

versuchen dort möglichst durchzusetzen, dass

diese freundlicher für alle Studierenden wird und

zugleich die Benachteiligung von Menschen mit

Handicap geringer wird. Das wird in der nächsten

Zeit ein Kernanliegen, genau wie die grundlegende

Verbesserung einer Vertretung für Studis

mit Handicap. Letzteres ist momentan eher

schlecht als recht besetzt und wir versuchen damit

auf ein Level zu kommen, welches ein Studium

ohne Probleme ermöglicht.

Zugleich kommen auch verschiedene kleinere

Sachen dazu, sei es die Unterstützung des CSD

in Braunschweig, eine Aktion für Knochenmarkspende

oder die weitere Begleitung der Reform

des Urheberrechtsgesetzes.

Dazu kommen die Strukturen, die durchgehend

vorhanden sind und auch für sich autonom

arbeiten. Der AStA hat Referate, welche

zu verschiedensten Themenkomplexen durchgehend

arbeiten und diese für die Studierenden

aufarbeiten. So gibt es auf diesem Wege

Arbeit zum Thema Antirassismus, bei dem

sich ein Arbeitskreis herausgebildet hat, der

unter dem Namen „UNIted for Solidarity“

versucht Refugees an der Universität und in der

Stadt zu unterstützen. Dazu begleiten wir auch

„Bridges4Refugees“, ein Programm der Universität,

Refugees einen Weg ins aktive

Studium zu ermöglichen.

Seit Jahren existiert auch die Frauenbibliothek,

welche vor allem ein Ort ist, um sich

mit Literatur aus dem feministischen und

queeren Bereich zu beschäftigen, welche an

einer Technischen Universität sonst zu kurz

kommen würde. Zudem gibt es ein Referat,

welches zu dem Thema Atomkraft arbeitet und

dieses kritisch begleitet. In der momentanen

Situation, in der die Stadt Braunschweig den

Prozess gege n das Unternehmen

„Eckert & Ziegler“ verlor, ist es umso wichtiger,

für das Thema zu sensibilisieren

und dieses auch für neue Studierende

aufzuarbeiten.

Wir als AStA versuchen auf verschiedenste

Weisen die Situation an der Uni zu

verändern. Dabei steht in allen Bereichen im

Fokus, den Druck auf die Studierenden zu

verkleinern und zugleich die Chancengleichheit

für alle zu ermöglichen. Zudem gilt es

uns als wichtige Aufgabe, ein erweitertes Bildungsangebot

zu bieten, damit verschiedenste

Themenkomplexe an der Universität nicht zu

kurz kommen. Kommt gerne vorbei und bringt

euch bei uns ein.

Kontakt

/AStATUBS

@astaTUBS

asta.tu-braunschweig.de

Katharinenstraße 1, 38106 BS

Mo-Fr 10–14h, vorlesungsfreie Zeit 11–13h

Frauenbibliothek

Zimmerstraße 24D, 38106 BS

Di 15–17h / Mi 10–12h & 17–19h / Do 18–20h

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DGB Jugend Braunschweig – TAK

Wir sind ehrenamtlich engagierte junge

Menschen, Schüler*innen, Azubis, Studierende

oder auch Arbeits- aber nie

Beschäftigungslose, die sich der politischen Jugendbildungsarbeit

verschrieben haben und gemeinsam

den Teamendenarbeitskreis (TAK) in

der DGB Jugend Braunschweig bilden.

Unser Ziel besteht darin, gemeinsam mit

Jugendlichen gesellschaftliche Missstände und

die dahinterstehenden Strukturen zu thematisieren

und sie gleichzeitig dazu zu ermutigen,

für die solidarische Gestaltug der Gesellschaft

aktiv zu werden - sei es im Betrieb, in

der Schule, der Uni oder auch im „privaten“

Umfeld. Wir möchten ein politisches Bewusstsein

wecken und aufzeigen, dass auch und

gerade junge Menschen partizipieren, d.h.

für ihre Interessen eintreten und ihren Vorstellungen

einer anderen Gesellschaft Gehör

verschaffen, können und sollten.

Das wollen wir nicht nach Lehrplan „beibringen“

oder gar von oben „verordnen“,

sondern ganz im Gegenteil gemeinsam mit euch

auf Augenhöhe und mit euren Perspektiven

erarbeiten. Unserem Verständnis nach müssen

die Grundsätze Freiheit, Gleichheit und

Solidarität mit Leben gefüllt werden und

dementsprechend gestalten wir auch unser

Bildungsangebot bewusst jenseits von Leistungsprinzip

und Autoritätsglaube sowie auf

neutralem Boden. Ihr werdet von der Vor- bis zur

Nachbereitung in die Gestaltung mit eingebunden.

Konkret stellen wir euch bei einem Vortreffen

mögliche Themenbereiche vor, aus denen ihr

Favoriten wählen könnt. Daraus gestalten wir ein

(i.d.R.) mehrtägiges Seminar, in dem wir euch mit

Hilfe von vielfältigen, kooperativen Methoden

bei einer eigenen Auseinandersetzung

unterstützen.

Diese Seminare führen wir seit vielen Jahren

in Kooperation mit unterschiedlichsten Schulen

und Einrichtungen durch, u.a. zu den Themenbereichen

Rassismus & Diskriminierung (Courage),

Demokratie & Mitbestimmung (PDM) und

Gesellschaft & Geschlecht (Gender).

Daneben veranstalten wir für politische Interessierte

noch Workshops zur Einführung

in die Kapitalismuskritik mit wechselndem

Schwerpunkt, dieses Jahr

z.B. zum Zusammenhang von Feminismus

& Kapitalismus. Um die Konzepte

immer auf dem neuesten Stand zu

halten und qualitativ weiterzuentwickeln, bilden

wir uns auch regelmäßig innerhalb unseres

Arbeitskreises sowie im überregionalen

Austausch mit anderen Teamer*innen fort.

Her mit dem schönen Leben – gemeinsam für

eine solidarische Gesellschaft

Zugleich sind das Thematiken, die nicht an der

Seminartür enden, sondern mit denen wir alle

auch in unterschiedlicher Weise im Alltag konfrontiert

werden. Der Wunsch nach einfachen

Antworten und Schuldigen als kollektive Sündenböcke

wird in den gegenwärtigen reaktionären

Debatten um die Migrations- und Asylpolitik

von Rechtsaußen bis in weite Bereiche der Gesellschaft

hinein bedient.

Wir sehen unsere Aufgabe darin, vermeintliche

Gewissheiten und gefährliches Halbwissen

(selbst-)kritisch zu hinterfragen und in einen gesamtgesellschaftlichen

Zusammenhang zu bringen.

Wir wollen damit aufzeigen, wie emanzipatorische

Antworten aussehen können, welche

die Perspektive eines selbstbestimmtes Lebens

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jenseit s

von Konkurrenzdenken und Ausgrenzung

in den Mittelpunkt rücken.

Entsprechend verstehen wir uns auch selbst als

politische Menschen und versuchen über unsere

Bildungsarbeit hinaus aktiv gegen gesellschaftliche

Unzumutbarkeiten vorzugehen und unsere

Vorstellungen einer solidarischen Gesellschaft

breiter zu streuen. Dazu beteiligen wir uns nicht

nur an antifaschistischen und antirassistischen

Protesten in Braunschweig und darüber hinaus,

sondern engagieren uns auch seit Beginn im Jugendbündnis

zum 1. Mai.

Vor allem aber freuen wir uns immer über

personellen Nachwuchs in unserem TAK - also

wenn du vielleicht schon mal ein Seminar als

„Teili“ mitgemacht hast und auf die andere Seite

wechseln möchtest oder aber politische Jugendbildungsarbeit

so wie wir einfach cool und

wichtig findest, dann bist du herzlichst eingeladen,

bei unseren regelmäßigen Treffen reinzuschnuppern

und mitzumachen!

/ dgb.jugendbraunschweig

denise.steinert@dgb.de

0531 4 80 96 37

Wilhelmstraße 5, 38100 BS


IG Metall Jugend

Für ein schönes Leben gilt es gemeinsam anzupacken.

Die Arbeitsbedingungen in der

Metall- und Elektroindustrie sind in den

letzten Jahrzehnten nicht vom Himmel gefallen.

Doch nur, weil wir vieles erreicht haben, ist

und bleibt es ein Verteidigungskampf. Wer sich

darüber hinaus politisch betätigt und über die

Welt nachdenkt, kommt schnell zu der Erkenntnis,

dass keiner unserer geschätzten Werte

wirklich selbstverständlich ist.

Insgesamt sind in den letzten Jahren ein

zunehmender Rechtsruck und ein antidemokratisches

Verhalten von Teilen der

Gesellschaft wahrnehmbar. Die anstehende

Bundestagswahl im September wird somit zu

einem weiteren Gradmesser der demokratischen

Standfestigkeit unserer Gesellschaft.

Wenn es an dieser Stelle keine Menschen gäbe,

die an diese Grundwerte unserer Gesellschaft

glauben, sie weiter verbessern und vor ihren

Feinden schützen wollen, sähe es schon bald

sehr finster aus.

Was tun wir für ein besseres und schönes Leben?

Bildungsarbeit: Emanzipation beginnt, wenn

wir uns mit unseren Grundwerten

auseinandersetzen und uns für ihre Verbreitung

und Verbesserung einsetzen. Deshalb

ist Bildungsarbeit ein elementarer Bestandteil

gewerkschaftlicher Betätigung. In den letzten

fünf Jahren haben knapp 250 Braunschweiger

Jugendliche unser Grundlagenseminar

„Jugend 1“ zur politischen Teilhabe im Betrieb

und der Gesellschaft besucht. Zahlreiche

weitere Seminare zu den Themen Mitbestimmung,

Tarif, Antikapitalismus, Antirassismus und

viele weitere sind unverzichtbar für ein emanzipatorisches

und solidarisches Selbstverständnis.

Aufklärung, Mobilisierung & Protest: Wo Unrecht

geschieht, muss klar und laut darauf

hingewiesen werden. Das machen wir, mit dem

IG Metall-Ortsjugendausschuss (OJA) und

in der Bündnisarbeit mit anderen Organisationen.

In Versammlungen thematisieren wir

unhaltbare Zustände und unsere Ziele zur Verbesserung.

Der Protest in der Vergangenheit gegen

Bragida und TTIP und nun gegen den G20-Gipfel

und die Kürzungen im Bildungsbereich gehört

genauso dazu wie unsere jährliche Nikolausaktion

oder die Teilnahme am 1. Mai.

Bessere Arbeitsbedingungen: Menschen

beginnen Werte anzuzweifeln, wenn sie das

Gefühl haben, dass diese nicht für sie gelten.

Sei es, weil sie ein so niedriges Einkommen

haben, weil sie nicht menschenwürdig leben

können, weil ihnen Lebensentwürfe systematisch

verbaut werden oder weil Betriebe im

Trend leider wieder weniger Menschen nach

der Ausbildung übernehmen. Für und mit

diesen Menschen kämpfen wir als Gewerkschafter*innen

jeden Tag, um gesellschaftliche

und ökonomische Teilhabe. In den Betrieben, auf

der Straße und in der Politik. Eine wesentliche

Errungenschaft der letzten Jahre ist der gesetzliche

Mindestlohn. Aber auch tariflich erreichen

wir Jahr für Jahr die Umverteilung gesellschaftlichen

Reichtums zugunsten der tarifgebundenen

abhängig Beschäftigten. Zahlreiche Jugendkampagnen

wie beispielsweise „Revolution

Bildung“, „modern bilden“ oder „BBS ohne

Stress“ (zur Verbesserung der Berufsschulqualität)

bewirken konkrete Verbesserungen der

Bildungsmöglichkeiten und damit eine Perspektive

für die Lebensplanung.

Wir sind auf einem guten Weg. Das zeigt die

Entwicklung der letzten Jahre. Lasst uns genauso

weiter machen und noch mehr Menschen und

Gruppierungen für den gemeinsamen Kampf für

eine solidarische Gesellschaft begeistern.

Kontakt

/igmetalljugendbs

igm-bs.de/gruppengremien/jugend/

Wilhelmstraße 5, 38100 BS

Ortsjugendausschuss, monatlich

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in/progress

Die gegenwärtige gesellschaftliche Struktur ist

von Gegensätzen geprägt wie sie offensichtlicher

nicht erscheinen könnten: Während auf der

einen Seite steter wirtschaftlicher und technischer

Fortschritt proklamiert werden, zeigen

sich auf der anderen Seite immer häufiger die

destruktiven Auswirkungen einer nach reiner

Wirtschaftlichkeit und Profitmaximierung ausgerichteten

Gesellschaft. Diese Widersprüche

drücken sich nicht nur in einer zynischen Vermögensverteilung

und einer rasant zunehmenden

Differenz zwischen Arm und Reich aus,

sie werden auch ganz konkret im persönlichen

Alltag zur Zerreißprobe.

Jene gesellschaftlichen Entwicklungen, die

sich, unter wechselnden Rahmenbedingungen,

bereits seit Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten

vollziehen, sehen wir jedoch nicht als gegeben

und unumgänglich an. Vielmehr finden wir in

ihnen den Ausdruck des Kapitalverhältnisses,

welches ohne diese Widersprüche gar nicht

zu denken ist.

Ein Ziel als Gruppe ist es darum, bestehende

Ausformungen dieses Kapitalverhältnisses

durch eine kritische Gesellschaftsanalyse

nachzuvollziehen,

zu hinterfragen und diese

langfristig in solidarischer Perspektive auch

zu überwinden.

Klar ist für uns in diesem Zusammenhang,

dass eine Kritik am Kapital nicht bloß in

moralischen Kategorien eines Gut-Böse-Denkens

verharren darf, sondern auf die Verhältnisse

in ihrer Ganzheit angewandt werden muss.

Ein linker Antikapitalismus muss sich folglich

von solch personalisierten, konsumfokussierten

und letztlich reaktionären Kapitalismuskritiken

abheben, ohne die konkreten Lebensverhältnisse

und Auseinandersetzungen unterschiedlicher

Gesellschaftsgruppen aus dem

Auge zu verlieren.

Gerade im aktuellen gesellschaftlichen

Diskurs erscheint uns jene Abgrenzung von

vermeintlicher „Systemkritik“ von rechts als

besonders wichtig. Ob Trump in den USA, der

Front National in Frankreich oder die AfD

in Deutschland: rassistisch-nationalistische

Agitation wird, trotz (oder gerade wegen) ihrer

wenig stichhaltigen Ökonomiekritik, zunehmend

erfolgreicher und markiert einen politischen

Rechtsruck, der erkämpfte gesellschaftliche

Errungenschaften massiv gefährdet oder bereits

rückgängig macht.

Das schöne Leben gemeinsam erkämpfen –

Kapitalismus abschaffen

Unser Ziel hingegen ist ein schönes, selbstbestimmtes

Leben für alle jenseits von Faschismus,

Diskriminierung und Patriarchat. Deshalb treten

wir für ein solidarisches Miteinander emanzipatorischer

Bewegungen als Gegenentwurf

zu kapitalistischer Vereinzelung und völkischer

Homogenisierung ein.

Aus diesem Grund verstehen wir uns als Teil der

undogmatischen radikalen Linken und möchten

somit weder einfache Lösungswege noch vorgegebene

Argumentationen bieten sondern uns

selber auf diesem Wege immer wieder hinterfragen.

Dabei sehen wir uns als Gruppe ebenso stets in

einem kritischen Wandel und somit in/progress.

Das heißt jedoch nicht, dass wir prinzipiell nicht

an die Möglichkeiten einer Gesellschaft jenseits

des Kapitalismus glauben, denn ohne diese Vorstellung

lohnt es sich auch nicht gegen deren

aktuelle Erscheinungsform vorzugehen. Fortschritt

in diesem Sinne bedeutet für uns die Realisierung

solidarischer und freiheitermöglichender

Konzepte und Ideen.

Um unseren Vorstellungen einer emanzipatorischen

Gesellschaft näher zu kommen, wollen

wir uns daher mit euch nicht nur in inhaltlichen

Vorträgen und Veranstaltungen mit dieser auseinandersetzen,

sondern wir möchten auch mit

euch zusammen auf der Straße konkrete politische

Kämpfe führen und diese mit kritischer

Reflexion verbinden.

Denn für uns ist klar: Es kann letztlich keinen

„gezügelteren“ oder „sozialeren“ Kapitalismus

geben, am Ende kann nur dessen Abschaffung

stehen!

Kontakt

/inprogress.bs

inprogress-bs.net

mail@inprogress-bs.net (PGP-Key auf Anfrage)

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Jugendring Braunschweig

Der Jugendring Braunschweig e.V. ist ein

Dachverband von über 30 Kinder- und

Jugendverbänden sowie anderen Trägern der

Jugendhilfe. Er unterstützt diese in ihrer Arbeit,

ist deren Sprachrohr bei jugendpolitischen Themen

und fördert die kritische Auseinandersetzung

junger Menschen mit sozialen, politischen,

ökologischen und kulturellen Themen.

Eine solidarische Gesellschaft beinhaltet für

uns ein friedliches und respektvolles Miteinander

aller Menschen und ihre gleich berechtigte

Teilhabe am gesellschaftlichen Reichtum

unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe,

Herkunft, sexueller Orientierung und

Ähnlichem.

Eine solche Gesellschaft kann jedoch nicht

von heute auf morgen entstehen. Nur wenn

sich immer wieder genügend Menschen engagieren,

auf gesellschaftliche Ungerechtigkeiten

aufmerksam machen, politischen Druck

ausüben, aber auch ihre eigenen Verhaltensweisen

kritisch reflektieren, können wir diesem

Ziel Stück für Stück näherkommen.

Im Jugendring Braunschweig gibt es diverse

AGs, mit denen wir einen Teil dazu beitragen

wollen. Viele von diesen bieten

auch nicht verband lich organisierten

Kindern, Jugend lichen und jungen Erwachsenen

die Möglichkeit, sich einzubringen und gemeinsam

mit uns aktiv zu werden:

AG gegen Rechts

In der 2015 ins Leben gerufenen AG gegen

Rechts können Jugendliche und junge Erwachsene

zusammen Aktionen und Projekte planen

und durchführen. In den letzten Jahren wurden

z.B. mehrere Filmvorführungen und Aktionstage

mit Veranstaltungen, Stadtrundgängen,

Workshops und Konzerten (u.a. mit Rantanplan

und der Antilopen Gang) organisiert. Auch in

diesem Jahr sind bereits einige Aktivitäten in

Planung. Je nach Interesse der Jugendlichen,

die in der AG mitwirken, können aber jederzeit

noch weitere hinzukommen. Die AG trifft sich

regelmäßig und wird aus Mitteln des Bundesprogramms

„Demokratie leben! - Aktiv gegen

Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“

gefördert.

AG ökologische und soziale Nachhaltigkeit

In dieser haben Jugendliche und junge Erwachsene

die Möglichkeit, sich für eine solidarische,

aber auch ökologisch nachhaltige Gesellschaft

einzusetzen. Die konkreten Themen und

Arbeitsfelder decken ein weites Feld ab und

werden von der AG selbst ausgesucht. So

wurde z.B. eine Aktion zur Eröffnung von

Primark in Braunschweig durchgeführt, um

über die Verhältnisse in der Textilindustrie aufmerksam

zu machen. Aber auch mit ökologischen

Themen wie eine fahrradfreundlichere

Stadt und mehr Grünflächen im Stadtgebiet

wurde sich schon beschäftigt.

AG Schüler*innenfahrkarten

Eine solidarische Gesellschaft bedeutet auch,

dass jeder und jede an den gesellschaftlichen

Angeboten und Möglichkeiten gleichberechtigt

teilhaben kann. Mobilität ist dafür eine Grundvoraussetzung.

Viele junge Menschen sind dabei

auf Bus und Bahn angewiesen. Leider erhalten

in Braunschweig jedoch nicht alle Schüler*innen

und Auszubildenden eine kostenlose Fahrkarten.

Wer zum Beispiel weniger als 2 km der

Schule entfernt wohnt oder schon in die 11. oder

12. Klasse einer allgemeinbildenden Schule geht,

hat das Nachsehen. Als Interessenvertretung

junger Menschen setzten wir uns daher dafür

ein, dass zukünftig alle Schüler*innen und

Auszubildende kostenlose Bus- und Bahnfahrkarten

erhalten.

Kontakt

Jugendring Braunschweig e.V.

jurb@jurb.de

jurb.de

An der Neustadtmühle 3, 38100 BS

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Junge BAU

Die Junge BAU, dass sind 30.000 Auszubildende

und Beschäftigte unter 28 Jahren aus den

Betrieben unserer Branchen der Bauwirtschaft,

Gebäudereinigung, Forst, Floristik, Gartenbau,

Baustoff, Wohnungs- und Landwirtschaft. Auch

ArchitektInnen, BauingenieurInnen, Forst- und

AgrarwissenschaftlerInnen, IngenieurInnen

für Facility Management oder NutztierwissenschaftlerInnen

gehören zur IG BAU.

Wir treten ein für eine sozial gerechte

Gesellschaft, in der niemand diskriminiert wird.

Dafür, dass Beschäftigte ihren Arbeit geberInnen

angstfrei gegenübertreten können. Für sichere

und gut bezahlte Arbeitsplätze, von denen wir

jetzt und im Alter gut leben können.

Wir engagieren uns für bessere Lebens- und

Arbeitsbedingungen, für Perspektiven, Sicherheit

und Qualität. Soziale Gerechtigkeit

und Solidarität treiben uns dabei an. Wir sind

international vernetzt und arbeiten über die

Grenzen Deutschlands hinaus. Mit Aktionen

gegen Fremdenhass kämpfen wir für Offenheit

und Toleranz. Wir lassen Worten Taten folgen.

Auch in Braunschweig, als Uni-Stadt,

liegt in der Wohnungsnot sozialer

Sprengstoff. Seit Jahren setzt

sich die IG BAU bundesweit für

sozialen Wohnraum ein und hat bereits 2012 eine

Studie über den Bedarf an Sozialwohn ungen in

Deutschland mit in Auftrag gegeben und macht

sich im Verbändebündnis Wohnungsbau stark

und übt Kritik an der Wohnungsbaupolitik.

Und deshalb lautet unser Motto „Auf.BAU“.

Unser Auftrag, unsere Arbeit. Wir stehen für:

Perspektiven schaffen – Deine Stimme im

Betrieb! Wir, die Junge BAU, arbeiten jeden Tag

daran, das Arbeitsleben der Auszubildenden und

Beschäftigten in unseren Branchen schöner und

besser zu gestalten.

Qualität garantieren – Für dein Leben!

Bildung und Qualifikation sind Voraussetzung

für ein gutes Leben – beruflich und privat. Die

Junge BAU ist Garant für eine gute Ausbildung

und Chancen auf Weiterbildung – von Anfang

an und ein Leben lang.

Sicherheit geben – Dein Fundament für die

Zukunft! Unser Leben ist geprägt von ständigen

Veränderungen. Das gilt auch und besonders

für die junge Generation. Für viele junge, gut

ausgebildete Fachkräfte ist die Frage nach der

Übernahme nach der Ausbildung mit massiver

Unsicherheit verbunden. Damit wir uns auf diesen

neuen Abschnitt in unserem Leben freuen

können, brauchen wir mehr Sicherheit, müssen

wir etwas verändern. Und deshalb „Her mit dem

schönen Leben. Jetzt!“. Wer nichts tut, darf

sich nicht beschweren. Also wenn Du die jetzige

Situation nicht gut findest und mit anpacken

willst, bist du bei uns genau richtig.

Kontakt

Junge BAU Braunschweig-Goslar

claudia.keil@igbau.de

0160 5 35 06 30

igbau.de

Wilhelmstraße 5, 38100 Braunschweig

Jeder zweite Freitag des Monats ab 17 Uhr im Gewerkschaftshaus

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Jusos

Wir JungsozialistInnen in Braunschweig (kurz:

Jusos) sind mehr als eine reine Parteijugend der

SPD. Wir sehen uns als eigenständigen sozialistischen,

feministischen und internationalistischen

Richtungsverband, der sowohl in die Gesellschaft

als auch in die SPD mit progressiven

Inhalten hineinwirkt. Dazu beschäftigen wir uns

auf unseren wöchentlichen Sitzungen mit unterschiedlichsten

Themen: Von praxisbezogener

Bildungs-, Umwelt- und Kommunalpolitik bis hin

zu theoretischen Inhalten wie Gesellschaftskritik

und Arbeitsethik.

Inhaltliche Arbeit

Wir legen sehr großen Wert darauf, dass

alle Aktiven bei uns eigenständig inhaltliche

Schwerpunktthemen mit einbringen können.

Einige dieser Inhalte werden bei uns langfristig

in sogenannten „Projekten“ behandelt. Derzeit

haben wir die Projekte „Umweltschutz“, „Kampf

gegen Rechts“, „Hochschulpolitik“ und die „Juso-SchülerInnengruppe“.

Darüber hinaus bieten

wir kostenfreie Wochenendseminare mit anderen

Juso-Gruppen im Großraum Braunschweig

an, auf denen wir unsere inhaltliche Arbeit vertiefen

können. Hinsichtlich des diesjährigen

Mottos des Braunschweiger

Jugendbündnis „Her mit dem schönen Leben

- gemeinsam für eine solidarische Gesellschaft“

haben wir bereits zahlreiche Positionen entwickelt.

So legen wir in unserer politischen Arbeit

stets einen Schwerpunkt darauf, die Hauptwidersprüche

im kapitalistischen System zu analysieren

und richten dementsprechend viele unserer

Workshops und Diskussionsabende auf die

Kritik unseres derzeitigen Wirtschaftssystems

(1. Hauptwiderspruch zwischen Erwerbsarbeit

und Kapital) sowie auf das Thema Feminismus

(2. Hauptwiderspruch in Bezug auf patriarchale

Strukturen). Darauf aufbauend zielen unsere politischen

Diskurse darauf ab, für eine Verbesserung

der Situation vieler Menschen einzustehen,

die in ihrem Leben weltweit unterdrückt werden.

Denn wir kämpfen für eine solidarische Gesellschaft,

in der alle Menschen frei, gleich und solidarisch

miteinander leben können - unabhängig

von Herkunft, Religion oder Geschlecht.

Aktionsorientierte Arbeit

Wir Jusos schmoren nicht im eigenen Saft!

Uns ist es wichtig, die inhaltliche Arbeit auch

nach außen zu tragen und mit Aktionen einen

Beitrag zur gesamtgesellschaftlichen Aufklärung

zu leisten. So richten wir jedes Jahr zahlreiche

Aktionen aus, wie das Juso-Fußballturnier oder

die 24-Stunden-Aktion, bei der wir 24 Stunden

lang durchgängig in der Braunschweiger Innenstadt

direkte Aufklärung vor Ort betreiben und

mit Menschen ins Gespräch kommen, die sich

sonst nicht unbedingt mit unserer politischen

Arbeit beschäftigen. Darüber hinaus beteiligen

wir uns auch an Aktionen und Demonstrationen

von anderen linken Organisationen.

Vor allem die Arbeit im Braunschweiger

Jugendbündnis zum 1. Mai sehen wir wie in

jedem Jahr mit großer Freude entgegen.

Durch diese Arbeit gelingt es bereits seit

sechs Jahren allen linken Jugendorganisationen

geschlossen für eine bessere Welt jenseits der

kapitalistischen Gesellschaftsordnung einzutreten.

Deshalb: Reih auch Du Dich beim 1. Mai in

den Braunschweiger Jugendblock mit ein!

Freizeit-Events

Politik soll natürlich auch Spaß machen. Wir

bieten allen Aktiven jedes Jahr zahlreiche Freizeitaktionen

an. So gehen wir im Sommer gemeinsam

in Parks Grillen, veranstalten Partys

oder gehen gemeinsam auf Festivals unserer

weltweiten Schwesterorganisationen. Gestalte

die Welt mit uns! Wir freuen uns auf Dich!

Kontakt

/JusosBraunschweigig

Schloßstraße 8, 38100 Braunschweig

Jeden Mittwoch um 18:30h (3. OG)

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Naturfreundejugend

Wir, die Naturfreundejugend, setzen uns für

eine gerechte, ökologische und solidarische

Gesellschaft ein. Unser Logo symbolisiert die

Solidarität der Menschen untereinander und

ein Leben in Einklang mit der Natur. Wir wollen

den Kapitalismus und seine sozialen und

ökologischen Widersprüche überwinden und

streben eine sozialistische Demokratie im Sinne

einer humanistischen, freiheitlichen und demokratischen

Gesellschaftsordnung an. Unsere

Ideale und Visionen lassen sich nur in und durch

eine vielfältige und tolerante Gesellschaft, die

nationale Grenzen und Sichtweisen überwunden

hat, verwirklichen.

Praktisch bedeutet das für unsere

Arbeit, dass wir Bereiche schaffen, in denen

sich junge Menschen entfalten und wohlfühlen

können. Dazu bieten wir einen großen

erlebnispädagogischen Bereich mit Geocaching,

Kistenklettern und Bogenschießen oder vielen

tollen und bezahlbaren Sportangeboten wie z.B.

Segeln für Kinder und Jugendliche bei uns am

Südsee. Bei allen sportlichen Aktivitäten stehen

nicht nur der Spaß im Mittelpunkt, sondern

auch das Erfahren von Gemeinschaft und das

Entdecken der Natur. Unsere Segelgruppen für

Kinder und Jugendliche treffen sich in

der Zeit zwischen den Oster- und Herbstferien

montags und dienstags um 16.00 Uhr und

freitags um 16.15 Uhr auf unserem Gelände am

Südsee, Schrotweg 112, 38122 Braunschweig.

Mit der Braunschweiger Jugendweihe

bieten wir Jugendlichen eine echte Alternative

zur Konfirmation oder Firmung. Ganz ohne

Gottesbezug und den Verweis auf übernatürliche

Kräfte, beantworten wir gemeinsam

Fragen zu den philosophischen und ökonomischen

Grundlagen unserer Gesellschaft.

Außerdem beschäftigen wir uns mit den

Themen Rassismus, Homophobie, Courage

und Mobbing. Den krönenden Abschluss der

Jugendweihe stellt unsere Jugendfeier dar. Dort

zelebrieren wir in großer Runde den Übergang

vom Jugendlichen- ins Erwachsenenalter.

Besonders froh sind wir über unsere beiden

Gruppen für schwule, lesbische und bisexuelle

Jugendliche. In 14-tägigem Rhythmus

treffen sich unsere Jugendlichen in vertraulicher

Runde zum Quatschen, Austauschen

und Spaß haben. Die Gruppen bieten einen

starken Rückhalt, Unterstützung und Beratung

für Jugendliche, die nicht unbedingt heterosexuell

sind oder sich einfach gerade Gedanken

über ihre Sexualität machen. Und selbst,

wenn du dich nur unter Gleichgesinnten austauschen

möchtest, bist du hier genau richtig.

Gemeinsam gehen wir Bowlen oder fahren auf

Freizeiten in den Harz.

Ganz herzlich möchten wir dich zu unserem

dritten Südsee Open Air einladen.

Am 09. Juni sorgen Directors Cut, Callin Tommy,

MonkeyNut und Vilkev für eine großartige

Atmosphäre – direkt am Braunschweiger Südsee.

Das kostenlose Festival startet um 19.00

Uhr am Schrotweg 112. Vorbeikommen lohnt

sich also in jedem Fall.

Egal wofür du dich interessierst oder was du dir

einfach mal anschauen möchtest, wir sind stets

eine nette und aufgeschlossene Runde und

freuen uns sehr auf dich!

Kontakt

/naturfreundejugend.braunschweig

nfj-bs.de

naturfreundeladen@web.de

0531 89 00 18

Goslarsche Straße 99, 38118 Braunschweig

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Offenes Antifa Treffen

Informieren! Mitmischen! Aktiv werden!

Das Offene Antifa Treffen ist ein Treffen bei

dem du, wenn du dich antifaschistisch engagieren

willst, einfach vorbei kommen kannst, um

uns kennenzulernen, um dich zu informieren,

um dich an den Diskussionen zu beteiligen, um

Ideen einzubringen oder um bei der Planung und

Organisation der nächsten Aktivitäten mitzumachen.

Wir organisieren das Antifaschistische Café,

das jeden Freitag ab 20 Uhr geöffnet ist. Das

Café ist ein Treffpunkt für antifaschistisch

eingestellte Menschen. Hier gibt es neben

Getränken aktuelle Flugblätter, T-Shirts, Buttons

und andere Materialien, sowie Diskussionsveranstaltungen

und Filmabende zu unterschiedlichen

politischen Themen.

Gegen Nazis? Na klar!

Schwerpunkt unserer Aktivitäten ist der

Antifaschismus. Antifaschismus heißt für uns

konkret gegen Nazis vorzugehen, z.B. in dem wir

ihr Auftreten, ihre Strukturen und Aktivitäten

öffentlich machen und versuchen Protest und

Widerstand dagegen auf die Beine

zu stellen.

Wir klären über die Strukturen

und Aktivitäten der Naziszene in der Region

auf, z.B. in Form von Flugblättern, Broschüren

oder durch Informationsveranstaltungen. Wir

organisieren oder beteiligen uns an antifaschistischen

Kundgebungen, Demonstrationen, sowie

Blockaden und Störungen von Naziveranstaltungen

und -aufmärschen, sowohl in Braunschweig

als auch in anderen Städten. Wir wollen

antifaschistische Positionen, z.B. durch Flugblattverteilungen

in Wohnvierteln oder in der

Fußgängerzone und durch Öffentlichkeits- und

Pressearbeit, in eine breite Öffentlichkeit tragen.

Wir arbeiten in Bündnissen, wie z.B. dem

Bündnis gegen Rechts Braunschweig, mit anderen

Organisationen, Gruppen und Initiativen

zusammen, um auch über politische Unterschiede

hinweg einen möglichst breiten Widerstand

gegen die Nazis auf die Beine zu stellen, ohne

dabei die eigenen Positionen aus dem Auge zu

verlieren!

Auf staatliche Stellen und die Polizei verlassen

wir uns nicht – im Gegenteil: Die Verstrickungen

und Vertuschungen der Geheimdienste und ihre

finanzielle Unterstützung der Naziszene durch

V-Leute, die Polizeieinsätze die Naziaufmärsche

schützen und Gegendemonstrant*innen

attackieren, die staatliche „Extremismustheorie“,

die versucht Nazis und Antifaschist*innnen

in einen Topf zu schmeißen und die kritisches

antifaschistisches Engagement versucht zu

diskreditieren und zu kriminalisieren, machen

deutlich, dass dieser Staat kein geeigneter Bündnispartner

ist, um gegen Nazis und ihre Ideologie

aktiv zu werden.

Aber Antifaschismus ist mehr als nur gegen Nazis!

Antifaschismus heißt für uns aber auch die gesellschaftlichen

Verhältnisse kritisch in den Blick

zu nehmen, in denen rassistische, antisemitische,

sexistische und faschistische Ideologien entstehen.

Elemente der faschistischen Ideologie

sind auch in breiten Teilen dieser Gesellschaft

vorhanden: Nationalismus, Rassismus, Militarismus,

Sexismus, Homophobie, Autoritätshörigkeit,

Wohlstandschauvinismus, Elitedenken,

Antisemitismus – die bürgerliche kapitalistische

Gesellschaft – sind das Fundament, auf dem die

Nazis agieren können.

Kontakt

antifacafebraunschweig.blogsport.eu

Eichtalstraße 8 (Hinterhaus), 38114 BS

Jeder erste und dritte Donnerstag des Monats

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Peer Leader International

Das selbstorganisierte Jugendnetzwerk Peer

Leader International (PLI) ist ein innovatives

Bildungsprojekt für Jugendliche und junge

Erwachsene. Die Gruppe in Braunschweig

organisiert ihre Aktionen in Kooperation mit den

Falken im SUB am Bohlweg.

Wir geben unseren Teilnehmenden die

Möglichkeit, Neues kennen zu lernen und

sich auszuprobieren, um ihre Umgebung aktiv

mitzugestalten. Lernen und Spaß durch eigenverantwortliches

und gemeinschaftliches

Erarbeiten von Projekten stehen dabei im Mittelpunkt.

PLI will die Idee der „global citizen“

(Weltbürger*innen) umsetzen und orientiert

sich dabei an den globalen Nachhaltigkeitszielen

wie Frieden, intakte Umwelt, Gerechtigkeit,

Beteiligung und Bildung. Alle PLI-Projekte

werden von der ersten Idee bis zur praktischen

Realisierung von den Jugendlichen selbst

entwickelt. Bisher haben Peers im Netzwerk

verschiedenste Projekte verwirklicht, darunter

viele Klimaschutz- und Energieprojekte, fairer

Handel, Exkursionen und internationale

Begegnungen unter anderem in Israel,

Weißrussland und Tunesien.

Im letzten Jahr beschäftigten wir uns

stark mit dem Thema „Flucht und Asyl“.

Zunächst haben wir uns mit den Inhalten des

Themas auseinandergesetzt und auf die tatsächlichen

Daten und Fakten, die in den Medien oft

verzerrt dargestellt worden sind, einen genauen

Blick geworfen. Projekte zu diesem Thema

setzten wir unter anderem in Form einer Reise

nach Lesbos um, während der wir aktiv in einem

Erstlager mitarbeiteten, um uns einen Eindruck

der Zustände in Flüchtlingslagern zu verschaffen.

Des Weiteren unternahmen wir einen

Soli-Flohmarkt mit Spendensammelaktion, die

Erstellung eines Stadtplans für Geflüchtete in

Braunschweig (in Kooperation mit den Falken)

und eine daran angegliederte Stadttourplanung

für jugendliche Geflüchtete in Braunschweig.

Aktuell, seit Beginn des neuen Jahres, haben

wir ein Projekt zum Thema „Stolpersteine“

begonnen und wollen uns mit der Geschichte

Braunschweigs zur Zeit des Nationalsozialismus

auseinandersetzen, um uns aktiv an der

Umsetzung einer Erinnerungskultur zu beteiligen.

Dafür haben wir Unterstützung vom Verein

„Stolpersteine für Braunschweig“ und dem

Archiv der „Gedenkstätte Schillstraße“

bekommen, damit wir nach einer gründlichen

Recherche über jüdisches Leben in

Braunschweig das Verlegen neuer Stolpersteineumsetzen

können. Zusätzlich planen wir

Exkursionen in mehrere ehemalige Konzentrations-

und Arbeitslager sowie ehemalige

Hinrichtungsstätten.

Bei Peer Leader International dabei zu sein

bedeutet, das eigene Leben aktiv zu gestalten,

Verantwortung für sich und das eigene Umfeld

zu übernehmen und sich über die Entwicklung

von Projekten kreativ in die Gesellschaft einzubringen.

Die persönliche Entwicklung des

Einzelnen ist der Lohn dafür.

Kontakt

pli-bs@web.de

Bohlweg 55, 38100 BS

Jeden Freitag um 16:30h (außerhalb der Ferien)

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SJ – Die Falken

Bezirk Braunschweig

falken-bs.de

bezirk@falken-bs.de

0531 89 17 61

Bohlweg 55, 38100 BS

Hört alle her, jetzt wird aufgepasst,

denn wir erzählen euch nun was -

Von der Sozialistischen Jugend,

mit solidarischer Falken Tugend.

Die trifft sich im Bohlweg 55,

im schönen „Sub“ seid ihr richtig.

Kinder und Jugendliche finden

sich hier zusammen,

sie plenieren, diskutieren, philosophieren -

das bloße Hinnehmen ist vergangen.

Die Falken kämpfen gegen Fatalismus,

mit Kino, Kochen, Kommunismus,

Party, Plenum, Pädagogik,

Subkultur, Siebdruck, Sozialismus -

denn Ziel ist die Metaphorik,

mit der wir Brücken bauen,

statt Leute zu hauen,

statt Mauern zu sprengen,

statt Falken mit SPD zu

vermengen. #nichtdiemama

Warum sind die obersten Zehn

so reich wie die untersten Hundert?

Bei uns kannst du lernen, es zu versteh‘n,

sonst bleibst du für immer verwundert.

Ein Mehrwert steckt für dich sicherlich drin

und das ganz ohne Ausbeutung.

Jetzt lernen wir etwas über den Sinn

und das ganz ohne Verkleidung.

Jedes Jahr iPhone 5, 6, 7 -

wo ist der Welt Realismus geblieben?

Der Lohn der Stund‘ 7, 6, 5 -

den Arbeiter*innen fehlen

Schuh und Strümpf‘.

Die Wirtschaft wächst uns durch die Decke,

die Umwelt liegt schon in der Ecke,

die Ökos versuchen sie zu retten

und fahren SUVs in Städten.

Doch steht die Scheiße nicht in Stein,

stattdessen mit Tinte auf dünnem Papier.

Wir pissen dem System ans Bein,

denn die Regeln schreiben WIR!

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Unabhängiges Kulturzentrum Nexus

Das Nexus ist ein selbstverwaltetes, unkommerzielles,

linkes Kulturprojekt, in dem regelmäßig

Konzerte und verschiedenste politische Veranstaltungen

stattfinden.

Das gesamte Projekt funktioniert über freiwillige

Mithilfe und Solidarität – niemand der

hier Tätigen wird bezahlt! Von der Organi sation

der Veranstaltungen, dem gastronomischen

Betrieb, der Instandhaltung der Räume bis zu

Verwaltung und Öffentlichkeitsarbeit leisten wir

alles selbstorganisiert in unserer Freizeit – und

lernen immer weiter dazu.

Das Nexus sieht sich als „Knotenpunkt“ für

regionale linke (Sub-)Kultur: wir bieten Infrastruktur

für kulturell und politisch tätige Gruppen

und Einzelpersonen. Eben jene AkteurInnen

sind eingeladen, das Nexus zu nutzen und sich

aktiv in die Weiterentwicklung des Projektes

einzubringen.

Wir leben in einer Gesellschaft, die mehr und

mehr durchkapitalisiert wird und in welcher der

warenförmige Konsum alle Bereiche des Lebens

zunehmend durchdringt. Auch bei der Gestaltung

der eigenen Freizeit tritt Mensch oftmals

als Konsument*in vorgefertigter Erlebnisprodukte

auf. Dem versuchen wir eine

Praxis entgegenzusetzen – so radikal

wie möglich und nur so kompromissbereit

wie nötig. Inspiriert durch anarchistische Ideen

der Selbstverwaltung ist unser Ansatz nicht nur

„viel Kultur für wenig Geld“, sondern ebenso das

Entwickeln einer Praxis möglichst hierarchiefreier

Strukturen, welche die Menschen befähigen

ihre Ideen selbstbestimmt zu verwirklichen und

die Möglichkeit Alternativen zum Status Quo

erlebbar zu machen.

Unser Wunsch ist es, dass das Nexus ein

Raum ist und bleibt, in dem Menschen fernab

von gesellschaftlichen Unterdrückungsmechanismen

gemeinsam feiern, sich bilden, vernetzen

und Kultur genießen können. Deswegen

sind rassistische, sexistische, homophobe und

vnationalistische Einstellungen und Verhaltensweisen

nicht willkommen.

Wir wollen nicht nur Utopien entwickeln, sondern

sie auch umsetzen und leben, hier und jetzt!

Kontakt

dasnexus.de

nexusplenum@dasnexus.de

Frankfurter Straße 253b, 38122 BS

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ver.di-Jugend

Frauen an die „Macht“!

…macht Kinderbetreuung, Pflege, Haushalt, Essen

– Geht‘s noch?!

Wir, die ver.di Jugend Braunschweig sind

Auszubildende, junge Beschäfigte und Studierende,

die sich alle 2 Wochen treffen. Bei den

Treffen beschäftigen wir uns mit den vielfältigsten

Themen wie zum Beispiel Flüchtlings politik,

Arbeitszeitverkürzung oder auch der immer

noch bestehenden Schlechterstellung der Frau

im alltäglichen Leben. Als Beispiel wollen wir die

Tätigkeit in sozialen Berufen heranziehen, da

diese noch immer von Frauen dominiert werden

und gerade hier die Anzahl der Teilzeitbeschäftigungen

sehr hoch und die Arbeitsbedingungen

schlecht sind. Die Schlechterstellung

zeigt sich ebenfalls darin, dass im Durchschnitt

Frauen immer noch 22% weniger als Männer bei

gleicher Qualifikation verdienen. Eine weitere

Tatsache ist die geringe Quote und Präsenz von

Frauen in Führungspositionen.

Die Forderung der Kolleg*innen nach Aufwertung

der sozialen Berufe lassen uns für

etwas kämpfen, dass über eine Gehaltserhöhung

hinaus geht. Neben der Aufwertung der

sozialen Berufe ist es unser Ziel, dass

die Tätigkeiten anerkannt werden, die

häufig im Verborgenen und Privaten stattfinden.

Unsere Heldinnen des Alltags sind die Frauen.

Die Frauen, die morgens um halb 6 aufstehen,

ihren Kindern das Pausenbrot schmieren,

zur Arbeit fahren und sich abends noch um den

Haushalt kümmern. Die Frauen, die morgens

ihre Kinder zum Kindergarten bringen, heimfahren,

um dort der Mutter, Schwiegermutter oder

Großmutter das Frühstück zu machen, da diese

das alleine nicht mehr kann.

Das Stichwort ist „Care-Arbeit“: unbezahlte

Arbeit wie Kinderbetreuung, Altenpflege oder

auch Hausarbeit, die in der Regel von Frauen

geleistet wird.

„Für Frauen ist das kein Problem

Sowas machen sie mit links

Im Sitzen, Liegen oder Stehen

Meistens gelingt‘s“

Dies ist der Refrain des gleichnamigen Liedes

von Max Raabe. Natürlich kann man dies

wunderbar als Loblied an die Frauen und ihre

tagtäglichen Höchstleistungen verstehen.

Wir wollen uns aber nicht allein damit aufhalten

die „Care-Arbeit“ all der Frauen auf der

Welt zu würdigen, sondern dafür kämpfen, dass

ihre Zukunft und ihr Lebensinhalt mit Gleichbehandlung

gewürdigt werden. Das bedeutet das

„Care-Arbeit“ nicht allein von Frauen geleistet

wird bzw. der/die „Care-Arbeit-Leistende“ dafür

entlohnt wird.

Unser Leitspruch dabei ist „Unser Feminismus

ist antirassistisch“, denn Solidarität unabhängig

von Herkunft und Geschlecht ist der

Schlüssel zu einem friedlichen, freien und gemeinschaftlichen

Leben, in dem wir gemeinsam

für unsere Interessen als Arbeitnehmer*innen

kämpfen und uns nicht spalten lassen.

Und ganz im Sinne der Solidarität kämpfen

wir natürlich nicht nur für diese Frauen, sondern

auch für alle anderen, indem wir uns in Tarifverhandlungen

für bessere Arbeitsbedingungen

stark machen. Dazu gehört für uns ganz klar der

Kampf für eine Verringerung der wöchentlichen

Arbeitszeit auf 30 Stunden die Woche bei

vollem Lohnausgleich. Dann haben wir neben

der Arbeit auch noch Zeit zum Leben.

Damit wir all das erreichen können, brauchen

wir jede*n, um mit voller Kraft in Richtung einer

solidarischen und gerechten Gesellschaft zu

steuern. Wenn Du uns dabei unterstützen willst,

dann komm zu unseren Treffen. Diese finden

jeden 1. und 3. Mittwoch im Gewerkschaftshaus

in Braunschweig statt und wenn wir uns

treffen, dann fließt viel Kaffee und Kekse gibt es

natürlich auch.

Komm vorbei und kämpfe mit uns gemeinsam

für eine solidarische Gesellschaft!

Kontakt

/verdijugendson

Wilhelmstraße 5, 38100 BS

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Viva con Agua

Her mit dem schönen Leben

Solidarität über die nationalen Grenzen hinaus

Wir von der Braunschweiger Crew des

Vereins Viva con Agua de Sankt Pauli e. V. stehen

gemeinsam mit dem Jugendbündnis für

eine solidarische Gemeinschaft, in der sich

„die Reichen“ nicht frei und rücksichtlos an den

globalen Ressourcen bedienen dürfen. Dabei

sind die Ausbeutung von Arbeitnehmer*innen

oder die bewusst inzidierte Verknappung

von Wohnraum, Nahrung oder Wasser Probleme,

die weit über die Grenzen Deutschlands

hinausgehen. In ihrem Profitrausch schrecken

Großkonzerne (hier gilt es besonders einen

Schweizer Großkonzern hervorzuheben)

auch nicht vor dem Aufbau von kommerziell

genutzten Wassermonopolen in den eh schon

trockenen Regionen unserer Erde zurück. Hier

werden Quellen privatisiert und das geförderte

Wasser in abgefüllten Flaschen zu untragbaren

Preisen an die lokalen Bürger*innen verkauft.

(Weitere Infos, siehe bspw. SpiegelOnline:

„Nestlés Geschäft mit dem Wasser“).

Wir von Viva con Agua wollen diese systematische

Ausbeutung der Menschen vor Ort

nicht weiter hinnehmen und uns aktiv in das

Weltgeschehen einmischen. Daher liegt

ein Schwerpunkt unserer Arbeit in der Akquise

von Spendengeldern, die bspw. zur Bohrung

von Tiefenbrunnen in Ländern wie Uganda,

Äthiopien oder Nepal eingesetzt werden.

Unsere Projekte haben das Ziel, den Menschen

der trockenen Weltregionen einen Zugang

zu frischem und sauberem Trinkwasser zu

verschaffen ohne, dass raffgierige Konzerne als

Profiteure aus dem Durst vieler Millionen hervorgehen.

Der Einsatz von Viva con Agua für die

Vision, dass alle Menschen Zugang zu sauberem

Trinkwasser haben, geschieht nicht mit erhobenem

Zeigefinger. Uns geht es vielmehr darum

mit freudvollen, gemeinschaftlichen Aktionen

und auf kreative und unkonventionelle Art

Menschen für soziales Engagement zu begeistern

und so Spenden für Wasserprojekte in

Kenia, Äthiopien, Uganda, Nepal und Indien

zu sammeln. Um unsere Mission umzusetzen

sind wir als offenes Netzwerk deutschlandweit

in 57 Städten und außerdem in der Schweiz,

Österreich und den Niederlanden mit mehr

als 12.000 ehrenamtlichen Supporter*innen

unterwegs. In Kampala, der Hauptstadt

Ugandas, hat sich sogar die erste Crew in

einem Projektland gegründet. In unseren zehn

Jahren als Verein konnten wir mehr als 2 Millionen

Menschen mit unseren weltweiten

Wasserprojekten erreichen. Kein Grund die

Füße still zu halten: Bei aktuell 663 Millionen

Menschen, die über keinen Zugang zu

sauberem Trinkwasser verfügen und bei rund

2,4 Milliarden Menschen, denen eine sanitäre

Basisversorgung verwehrt ist, besteht nach wie

vor Handlungsbedarf.

Den Bewohner*innen der betroffenen Länder

wird durch die Kontrolle der externen Machtmonopole

die Möglichkeit auf Entwicklung,

Bildung oder Unabhängigkeit erheblich eingeschränkt.

Somit sehen wir das Aufbrechen

der Wassermonopole als Hilfe zur Selbsthilfe

und als eine Befreiung von konzerngeführten

Strukturen an. Für uns ist Wasser keine

Handelsware, sondern ein Menschenrecht.

Wir würden uns freuen auch zukünftig

breite Unterstützung zu erfahren, damit

wir auch weiterhin den Arbeiter*innen der

trockenen Länder unserer Erde ein Stück des schönen

Lebens abgeben können und ihnen somit die

Möglichkeit auf Selbstentwicklung zurückgeben.

Alle für Wasser – Wasser für Alle!

Eure Braunschweiger Tropfen von Viva con

Agua

Kontakt

/VivaconAguaBraunschweig

vivaconagua.org

braunschweig@vivaconagua.org

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HERAUS ZUM 1. MAI!

Demonstration: 10:30 Uhr am Burgplatz

Im Anschluss: Jugendmeile im Bürgerpark

jbbs.blogsport.de

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