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Dorfbuch Schwarzenberg

Dorbuch 750 Jahre Schwarzenberg

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inleitung - Grußworte - I nhalt | 01

750 Jahre Schwarzenberg

1262 ­ 2012

Von den Rittern bis ins 21. Jahrhundert

Dorfbuch

3


750 Jahre Schwarzenberg

1262 ­ 2012

Von den Rittern bis ins 21. Jahrhundert

Ein Dorfbuch von:

Adolf Seitz

Benno Sichler

Helmut Sinning

Layout:

Klaus Michael Potzkai

Druck und Weiterverarbeitung:

Druckerei Schreckhase, Spangenberg


I nhaltsverzeichnis | 01 -1

Inhaltsverzeichnis

01 Einleitung

01 Inhaltsverzeichnis ............................................................................... 5

02 Vorwort ............................................................................................. 7

03 Grußworte ......................................................................................... 10

02 Geschichte

01 Zeitentafel ......................................................................................... 16

02 Das Rittergeschlecht von Schwarzenberg (1262­1440) ............................ 20

03 Ritter in Schwarzenberg ...................................................................... 26

04 Das Dorf Schwarzenberg ..................................................................... 30

05 Schwarzenberg im Lauf der Geschichte bis 1960 ..................................... 44

06 Unser Ehrenmal auf dem Friedhof ......................................................... 62

07 Amtliche Bücher über Schwarzenberg .................................................... 66

08 Hessische Maße, Gewichte und Münzen ................................................. 73

03 Infrastruktur

01 Die Entwicklung des Dorfes Schwarzenberg bis 1950 ............................... 76

02 Entwicklung der Infrastruktur in Schwarzenberg ..................................... 92

03 Haltepunkte für die Eisenbahn in Schwarzenberg .................................... 98

04 Die Wasserleitung ............................................................................... 102

05 Elektrizität im Dorf.............................................................................. 105

06 Haus­ und Familienblätter .................................................................... 107

07 Urkunden .......................................................................................... 145

04 Flur

01 Gemarkung Schwarzenberg ................................................................. 152

02 Die Verkoppelung oder Separation 1882­1903 ........................................ 160

03 Unser Wald ........................................................................................ 163

05 Bevölkerung

01 Entwicklung der Bevölkerung ............................................................... 178

02 Namen in Schwarzenberg .................................................................... 182

03 Auswanderer aus Schwarzenberg .......................................................... 185

06 Bauern

01 Bauertum .......................................................................................... 190

02 Arbeiten auf dem Bauernhof ................................................................ 211

07 Dorfhandwerk und Berufe

01 Dorfhandwerk, Gewerbe und Berufe ...................................................... 218

5


01 -1 | I nhaltsverzeichnis

08 Kirche in Schwarzenberg

01 Die Kirche in Schwarzenberg ................................................................ 236

02 Vom EC Jugendbund im 2. Weltkrieg bis zur Evangelischen Jugend

Melsungen­Land ................................................................................. 258

09 Schule in Schwarzenberg

01 Die Schule in Schwarzenberg ............................................................... 262

10 Politik

01 Greben und Bürgermeister ................................................................... 282

02 Ortsvorsteher und Ortsbeirat von 1974 bis 2011 ..................................... 293

03 Maßgaben, Haushaltspläne in Schwarzenberg ab ca. 1989 bis 2010 ........... 295

04 Nationalsozialismus in Schwarzenberg ................................................... 302

11 Kultur und Vereine

01 Die Spott­Lichter ................................................................................ 310

02 Der Gemischte Chor Schwarzenberg ...................................................... 314

03 Helmut Jacob ..................................................................................... 329

04 Adventskonzerte in Schwarzenberg ....................................................... 333

05 Freiwillige Feuerwehr Schwarzenberg .................................................... 337

06 Der TSV Schwarzenberg e. V. 1923 ....................................................... 345

07 Natur­ und Wanderfreunde "Alte Linde Schwarzenberg" ........................... 384

08 Die Dorfgemeinschaft Schwarzenberg .................................................... 389

09 Ehemalige Vereine in Schwarzenberg .................................................... 389

12 Im Zeitenwandel

01 Beschreibung der Burg Schwarzenberg .................................................. 392

02 Wirtschaft und Lebensweise am Ende des 19. Jahrhunderts....................... 395

03 Hans Minklo wird Ortsbürger................................................................. 397

04 Bürgermeisterwahl im Juni 1903............................................................ 398

05 Momentaufnahmen 2. Weltkrieg............................................................ 399

06 Bau eines Hauses in früherer Zeit ......................................................... 401

07 Der Feuerherr .................................................................................... 403

08 Geschichten und Sagen ....................................................................... 404

09 Grenzbegehungen 2012....................................................................... 407

10 Neuer Dorfplatz an der Kirche 2012 ...................................................... 410

6


Vorwort | 01 -2

Vorwort

von Adolf Seitz

Sehr geehrte Leserinnen

und Leser dieses Buches,

Sie werden sich sicher wundern, warum wir

dieses Buch „Dorfbuch“ und nicht Chronik genannt

haben. Der Titel wurde gewählt, um an

eine Person zu erinnern, die es erst möglich

machte, dieses Buch in dieser Form zu erstellen.

Bei der Person handelt es um den ehemaligen

Schwarzenberger Lehrer Peter Schmidt. Er

wurde am 05. Mai 1891 in Obergude (Kr. Rotenburg/Fulda)

geboren, besuchte die dortige

Volksschule und wurde, nach seiner Ausbildung

am Seminar in Homberg, 1912 Lehrer in

Oberaula, 1913 in Büchenwerra. Er nahm am

1. Weltkrieg teil und kehrte 1919 nach Büchenwerra

zurück. Als die dortige Schule in

1928 geschlossen wurde, ging er bis 1931, jeden

Tag mit seinen Schülern zu Fuß nach

Guxhagen, um sie in der dortigen Schule zu

unterrichten.

Am 1. Februar 1931

kam er als Lehrer

nach Schwarzenberg

und trat hier die

Nachfolge seines

Onkels Justus Konrad

Schmidt an. Er

hatte in 1924 seine

Frau Klara Horn aus

Wuppertal geheiratet.

Ihre Tochter Ingeborg

wurde in

1926 geboren. Nach

25­jähriger Tätigkeit

in Schwarzenberg

Lehrer Peter Schmidt ging Lehrer P.

Schmidt 1956 in

Pension und zog nach Kassel, wo er 1968 als

Großvater von drei Enkeln verstarb.

Lehrer Schmidt war sehr heimatverbunden

und interessierte sich für das Leben der Menschen

in seiner Zeit und ihrer Vorfahren. Darüber

erschienen immer wieder von ihm

verfasste Artikel in den „Hessischen Nachrichten“,

dem „Kasseler Sonntagsblatt“ und den

„Heimat­Schollen“. Während seiner Zeit in

Schwarzenberg war er auch „Beauftragter für

Naturschutz und Landschaftspflege“ im Kreis

Melsungen. Auch aus dieser Tätigkeit heraus,

gab es Veröffentlichungen über Dorfgeschichten

und Naturdenkmäler.

Bereits in 1931 begann er, in Schwarzenberg

ein „Dorfbuch“ zu schreiben, in dem er die

Geschichte Schwarzenbergs und seiner Menschen

darstellen wollte. Es ist ein 380seitiges

Schreibbuch im DIN A4­Format. Ihn ihm hat

er, fein säuberlich, in „Sütterlinschrift“ (Deutsche

Schrift) eine Gliederung des vorgesehenen

Inhalts erstellt. Weiterhin sind auch einige

Kapitel des Dorfbuchs, teilweise oder komplett,

fertig gestellt. Dieses Buch gelangte auf

Umwegen zu dem ehemaligen Ortsvorsteher

Horst Riedemann. In dem Buch lagen viele

handschriftliche, teils nur schwer leserliche

Aufzeichnungen in Zettelform, für die noch zu

schreibenden Kapitel. Außerdem gab es eine

dicke Mappe, in der sich neben Unterlagen in

Sütterlinschrift, auch schon einige, in lateinischer

Schrift und mit Schreibmaschine geschriebene

Schriftstücke, befanden. Auch diese

Entwürfe bezogen sich auf Schwarzenberg.

All diese Entwürfe wurden von mir ausgewertet,

um Teile des Inhalts in diesem Buch zu

verwenden. Weitere Unterlagen erhielt ich von

Ingeborg Harbusch, der in Kassel lebenden

Tochter von Lehrer Schmidt. Diese versicherte

mir, dass ihr Vater nach seiner Pensionierung,

eine Chronik von Schwarzenberg erstellt habe.

Diese sei in einer, ihr leider nicht bekannten,

Druckerei in Kassel gedruckt worden. Ein Exemplar

sei nach Schwarzenberg gegangen. Es

wurde ja im Dorf schon immer von einer vorhandenen

Chronik geredet, aber sie ist nie

aufgetaucht. Vermutlich ist sie, genau wie die

Schulchronik, die es gab, beim Ausräumen

des Schulbodens in 1974 unwissentlich mit

vielen anderen Akten entsorgt worden.

Einen großen Teil der Aufzeichnungen von

Lehrer Schmidt hat auch der Lehrer Gert Ro­

7


01 -2 | Vorwort

senstock in seiner, mit Hilfe der Schulkinder,

erstellten Broschüre „700 Jahre Schwarzenberg

(1962) verwendet. Er bezieht sich in ihr

auch auf die, heute nicht mehr vorhandene,

Schulchronik. Ich habe überlegt, ob man seine

Ausführungen ordnen und ihr die Ereignisse

der Jahre 1962 bis 2012, dem Jahr unseres

750 jährigen Dorfjubiläums, hinzufügen solle.

Diesen Plan habe ich aber verworfen, weil

dann vieles aus der früheren Geschichte des

Dorfes, wahrscheinlich für immer, verloren

gegangen wäre.

Die von Lehrer P. Schmidt bereits in 1931 begonnenen,

und mit ihren Ergebnissen in seinen

Unterlagen festgehaltenen Nachforschungen,

u.a. auch im damaligen „Staatsarchiv“ in

Marburg und der Landesbibliothek in Kassel,

verdienen höchsten Respekt und Anerkennung.

Aber nicht nur die historischen Ereignisse,

sondern auch seine Schilderungen der Lebensumstände

der Menschen in vergangenen

Zeiten haben uns veranlasst, dieses Buch

Dorfbuch“ und nicht Chronik zu nennen. Wir

haben sozusagen das von Lehrer Peter

Schmidt begonnene Buch fortgeschrieben und

fertig gestellt.

„Wir“ das sind:

Benno Sichler

Geboren 1942 in Lodz, aufgewachsen im Weserbergland

bei Rinteln. Nach der Bundeswehrzeit

in Norddeutschland, Studium in Berlin

(Dipl. Ing. Technische Chemie). Beruflich

tätig in Bonn (SHELL), Wuppertal (BAYER),

Melsungen und im Ausland (B. BRAUN).

Seit 1975 mit der Familie wohnhaft in Schwarzenberg,

zwei erwachsene Kinder und zwei

Enkel sind außer Haus. Engagiert hat er sich

in Melsunger Vereinen.

Sein Arbeitsgebiet für das Dorfbuch war die

Zeit von 1950 bis zur Gegenwart und die

wichtige Aufarbeitung und Sortierung der vielen

historischen Fotos für die Chronik und die

Bilder–DVD mit Zuarbeit zur Fotoausstellung.

Helmut Sinning

Geboren 1940 in Schwarzenberg, ehemaliger

Landwirt und kaufmännischer Angestellter.

Lebt mit seiner Familie in Schwarzenberg,

dort wo sich seine Vorfahren bereits im 19.

Jahrhundert ansiedelten. Bereits in den

1960er Jahren engagierte er sich schwerpunktmäßig

in der Vereinsarbeit des TSV

Schwarzenberg, in dem er 25 Jahre als Vorstandsmitglied

die Aufgabe des Kassenwarts

übernahm.

Nach der Gebietsreform im Jahr 1974 setzte

er sich für die Belange der Schwarzenberger in

den Gremien der Stadt Melsungen ein, zuerst

als Stadtverordneter und später als Mitglied

im Ortsbeirat, sowie bei anderen Aufgaben.

Er hat als Schwarzenberger mit großer Freude

in diesem Buch die Geschichte des TSV

Schwarzenberg und die, bei den Unterlagen

von Lehrer Schmidt gefundenen, Haus­ und

Familienblätter bearbeitet. Das war eine aufwändige

Arbeit, bei der er aber auch aus den

Unterlagen von Lehrer P. Schmidt noch einige

Neuigkeiten über Schwarzenberger Familien

erfahren hat.

Adolf Seitz

Geboren 1939 in Malsfeld (Kr. Melsungen),

ehemaliger Bundesbahnbeamter, 2 erwachsene

Kinder, 3 Enkel. Ich lebte von 1949 bis

1963 in Obermelsungen und kam in 1963

durch die Heirat der Schwarzenbergerin

Christa Bubenheim nach Schwarzenberg. Wir

wohnten zuletzt im Haus Nummer 5 auf der

Steinbinge. In 2004 verkauften wir das Haus

und zogen nach Melsungen.

Während meiner Schwarzenberger Zeit engagierte

ich mich in der Gemeindevertretung,

der Kirchengemeinde, dem Gemischten Chor

und dem Sportverein. Zur Mitarbeit an diesem

Dorfbuch wurde ich vom leider so früh verstorbenen

Ortsvorsteher Horst Riedemann,

meinem ehemaligen Nachbarn, bewegt.

Mein Aufgabengebiet war die Geschichte des

Dorfes Schwarzenberg von den Anfängen bis

in die 1960er Jahre, einschließlich der Kirchen­

und Schulgeschichte und der Geschichte

des Gemischten Chors. Ich habe die Unterlagen

von Lehrer P. Schmidt ausgewertet, benutzt

und ergänzt, aber auch viele eigene

Nachforschungen über die Vergangenheit

Schwarzenbergs angestellt. Dabei habe ich

auch Dinge ermittelt, die bis heute noch nicht

bekannt oder falsch dargestellt waren.

8


Vorwort | 01 -2

Klaus Michael Potzkai

Geboren 1960 in Melsungen, kaufmännischer

Angestellter. Lebt mit seiner Familie seit 1969

in Schwarzenberg. Viele Jahre spielte er als

Aktiver in den Seniorenmannschaften des TSV

Schwarzenberg, bevor er sich im Jahr 1998

seiner 2. Leidenschaft als Tiertrainer widmete

und bis heute als Ausbilder in einem Hundeverein

tätig ist.

Er hatte die schwierigste Aufgabe. Er musste

das, was wir Schreiber in mehr oder weniger

guter Layoutform ablieferten, mit den Bildern

in eine ansehnliche und gut leserliche Form

bringen. Ich denke, dass ihm das sehr gut gelungen

ist.

Wir konnten dieses Buch aber nur erstellen,

weil wir als Team gearbeitet haben und weil

es im Hintergrund noch Menschen und Institutionen

gab, die uns unterstützt haben. Ich

denke dabei stellvertretend an das Hessische

Staatsarchiv in Marburg, das Schulamt des

Schwalm­Eder Kreises in Fritzlar, den Hessen­

Forst in Melsungen, das Pfarramt in Röhrenfurth

und die verschiedenen Gremien der

Stadtverwaltung in Melsungen. Sie alle haben

uns geholfen, indem sie uns bereitwillig Auskunft

erteilten, und wenn möglich, Unterlagen

zur Verfügung stellten. Natürlich sind wir auch

den Verfassern der Chroniken von Melsungen,

Jürgen Schmidt, und Röhrenfurth, Kurt Maurer

und Heinrich Riedemann, dafür dankbar,

dass wir die eine oder andere Information

über geschichtliche Zusammenhänge in Bezug

auf Schwarzenberg, in ihren Büchern nachlesen

und verwenden konnten. Neben den Vereinen

waren es auch Privatpersonen, die uns

halfen. Einige von Ihnen möchte ich hier stellvertretend

nennen. Ich danke Willi Jungermann

für den Artikel über die Feuerwehr in

Schwarzenberg, Hans­Günter Späth für die

Ausführungen über die Jugendarbeit der

Evangelischen Kirche. Ortsvorsteher Timo

Riedemann stellte für uns Verbindungen zur

Stadtverwaltung und zum Schulamt her. Helmut

und Willi Sinning, Karl­Heinz Helper, Reiner

Hofmann unterstützten mich bei meinen

Artikeln über das Bauerntum und die Jagdgenossenschaft

in Schwarzenberg.

Martha Goldhardt durchsuchte, genau wie ich,

das „Beschlußregister“ mit den Protokollen der

Sitzungen der Gemeindevertretungen von

1899 – 1932, nach verwertbarem Material.

Renate Vaupel übergab uns verschiedene Unterlagen,

die für die Hausblätter von Bedeutung

waren. Kurt Maurer stellte uns historische

Karten zur Verfügung. Jutta Pfannkuche

verwandelte Handschriften und andere geschriebene

Unterlagen in PC­gerechte Dateien.

Ludwig (Patti) Kördel war als Fotograf im

Einsatz. Er war gemeinsam mit Kurt Hofmann

und Nadine Döring, die mit ihm die Bilderausstellung

gestalteten, immer auf der Suche,

auch nach alten Bildern, auf die wir bei Bedarf

zurückgreifen konnten. Genauso gut funktionierte

auch der umgekehrte Weg mit Bildern.

Wir haben auch manches persönliche Gespräch

mit älteren Mitbürgern wie z.B. Regina

Sinning, Heinrich Möller und Erich Riedemann

geführt, um Dinge aus der Vergangenheit zu

klären. Noch einmal herzlichen Dank an alle,

die uns unterstützt haben.

Wir hoffen, dass es uns gelungen ist, die Geschichte

des Dorfes Schwarzenbergs und seiner

Bewohner, soweit wie möglich, miteinander

zu verbinden. Das war uns wichtig, um

späteren Bewohnern unseres Dorfes aufzuzeigen,

wie die Menschen bis zum Jahr 2012 in

unserem Dorf gelebt haben.

Benno Sichler Helmut Sinning Adolf Seitz Klaus Michael Potzkai

9


01 -3 | Grußworte

Grußwort

des Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier

zum 750­jährigen Jubiläum von Schwarzenberg 2012

Allen Bürgerinnen und Bürgern von Schwarzenberg sende ich

meine herzlichen Grüße. Ich freue mich, dass sie das 750­jährige

Bestehen ihres Stadtteils würdigen.

Das gemeinsame Feiern wie auch die Beschäftigung mit der

Geschichte tragen dazu bei, das Gemeinschaftsgefühl zu fördern

und die Verbundenheit der Menschen mit ihrer Heimat zu

stärken. Das ist unverzichtbar in einer Zeit, die von großer Mobilität

geprägt ist.

Das 750­jährige Jubiläum erinnert an die lange Geschichte einer

der traditionsreichen Siedlungen der Region bis hin zu einem

Stadtteil Melsungens.

Viele Stadtteile der großen Städte unseres Landes haben ihr

eigenes Gesicht und bereichern so das Gesamtbild. Mit ihrer

individuellen Prägung bieten sie Einheimischen und Zugezogenen

einen Ort, an dem sie sich zu Hause fühlen können. Bestimmend

für den Charakter einer Gemeinde ist ihre Geschichte – und das Engagement, mit

dem sich Bürgerinnen und Bürger darum kümmern, die Vergangenheit nicht in Vergessenheit

geraten zu lassen. Für die politische, kulturelle und soziale Entwicklung eines Ortes ist dies unverzichtbar.

Deshalb ist es wichtig, ein Jubiläum wie das 750­jährige zu feiern und damit eine

Brücke einerseits in die Vergangenheit, andererseits aber auch in die Zukunft zu schlagen.

Allen, die sich für das Jubiläum einsetzen, gilt mein herzlicher Dank. Den Leserinnen und Lesern

des Dorfbuches wünsche ich eine anregende Lektüre. Den Bürgerinnen und Bürgern von

Schwarzenberg und seinen Gästen wünsche ich viel Freude bei den Jubiläumsfeierlichkeiten.

Volker Bouffier

Hessischer Ministerpräsident

10


Grußworte | 01 -3

Grußwort

Ein Ortsjubiläum ist ein hervorragender Anlass für den

Brückenschlag von Vergangen­heit, Gegenwart und Zukunft.

Und bei der Vorbereitung und Gestaltung dieser Jubilä­umsfeiern

zeigt sich der Zusammenhalt und das Leistungsvermögen

der Dorfgemein­schaft.

Vom 6. bis 9.September 2012 wird das 750­jährige Bestehen

von Schwarzenberg ge­feiert und ich bin sicher, dass die Festveranstaltungen

als unvergessliche Ehrentage in die Geschichte

dieses oberhalb der Fulda gelegenen Dorfes eingehen werden.

Das Jubiläum soll zeigen, dass es sich lohnt, in Schwarzenberg

zu leben.

Es soll Erinnerungen wachrufen und deutlich machen, dass wir

aus der Auseinander­setzung mit der Heimatgeschichte für unser

heutiges Zusammenleben lernen und für die Zukunft der

nachfolgenden Generation die richtigen Weichenstellungen planen.

Wer nie weiß, was er war, wird auch nie wissen, was er werden soll.“

Dieser Satz des deutschen Physikers Johann Wilhelm Ritter könnte das Leitwort des Dorfbuches

und der Jubiläumsveranstaltungen sein.

Die Ortsgeschichte reicht nachweisbar bis in das Jahr 1262 zurück.

In der Auseinandersetzung mit der Ortsgeschichte können wir vieles über das Leben unserer

Vorfahren und über unsere eigene Lebensgeschichte erfahren. Das ermöglicht Identität und

Heimatverbundenheit.

Die Kirche, die Dorflinde und die alten Fachwerkhöfe sind noch heute sichtbare Zeichen einer

langen geschichtlichen Tradition. Im Umfeld des historischen Ortskerns sind vor allem in den

letzten Jahrzehnten viele neue Wohnhäuser entstanden.

Heute ist Schwarzenberg eine ansprechende ländliche Wohngemeinde und liegt nur wenige Kilometer

von Melsungen entfernt. Das Vereins­ und Gemeinschaftsleben wird groß geschrieben

und die schöne landschaftliche Umgebung lädt zu Radtouren, Spa­ziergängen und Wanderungen

ein. Eine besondere kulturelle Attraktion ist das „Schwarzen Berg Theater“, wo Mundart­

Akrobat „Justus Riemenschneider“ weltoffenes Kabarett mit viel Lokalkolorit präsentiert.

Auch als Stadtteil von Melsungen hat sich Schwarzenberg ein unverwechselbares, eigenständiges

Profil bewahrt.

Mögen die Jubiläumsfeiern die Verbundenheit der Einwohner stärken und die Verant­wortlichen

ermutigen, auch die zukünftigen Aufgaben zum Wohl der Bevölkerung zu bewältigen. In diesem

Sinne gratuliere ich herzlich zu diesem bedeutenden Jubiläum.

Ich wünsche Schwarzenberg weiterhin eine erfolgreiche Entwicklung, den Festveran­staltungen

einen guten Besuch und einen harmonischen Verlauf.

Ihr

Landrat Frank­Martin Neupärtl

11


01 -3 | Grußworte

Grußwort des Bürgermeisters

750 Jahre sind ein guter Grund, um ein schönes Jubiläumsfest

zu feiern und sich des Lebens und der Gemeinschaft in

Schwarzenberg zu erinnern. Zu diesem Jubiläum und der ihnen

vorliegenden gelungenen Chronik von Schwarzenberg gratuliere

ich herzlich.

Erinnern und nicht vergessen, das ist die Aufgabe einer Chronik.

Sie erinnert an die Entwicklung, die dieser Ort im Laufe

seiner Geschichte genommen hat, und erinnert vor allem an

die Menschen, die vor uns waren.

Dieses Buch zeigt, was über die Zeit hinaus Bestand hat, es

macht aber auch deutlich, wie schnell die Entwicklung gerade

in den letzten 40 Jahren war. Schwarzenberg ist in dieser Zeit

gewachsen und hat sein Gesicht verändert.

Dennoch, blickt man vom Huberg kommend auf Schwarzenberg,

so macht dieser Stadtteil immer noch den Eindruck eines

beschaulichen Dorfes, wunderschön eingebettet in das Fuldatal, umgeben von herrlichem Wald.

In diesem Ort, und das kann ich aus eigener Erfahrung sagen, lässt es sich gut leben. Sicherlich

liegt das an all den Menschen, die sich für Ihren Ort eingesetzt haben und auch heute noch dazu

beitragen, dass Schwarzenberg dieser lebens­ und liebenswerte Ort geblieben ist.

Über mindestens 750 Jahre teilen Menschen ihr Leben als Nachbarn und Freunde in Schwarzenberg.

Das ist eine lange Tradition, die bis zum heutigen Tag bei allen Veränderungen, die es

gab, Bestand hat und die es auch in Zukunft zu erhalten gilt. Das Jubiläumsjahr 2012 bietet sicherlich

viele Möglichkeiten, die gute Gemeinschaft miteinander zu feiern und weiter zu stärken.

Allen, die sich für die Gemeinschaft in Schwarzenberg und bei der Vorbereitung und Durchführung

der Jubiläumsfeierlichkeiten engagieren, danke ich herzlich. Mein Dank gilt auch jenen, die

an der Entstehung dieser Chronik mitgewirkt haben.

Den Jubiläumsfeierlichkeiten wünsche ich einen fröhlichen Verlauf und den Leserinnen und Lesern

dieses Buches viel Spaß bei der Lektüre.

Dieter Runzheimer

Bürgermeister

12


Grußworte | 01 -3

Grußwort des Ortsvorstehers

Ein Dorfjubiläum ist ein hervorragender Anlaß für einen

Brückenschlag zwischen der Vergangenheit und der Zukunft.

In der Vorbereitung auf unser Dorffest zeigt sich wieder einmal

das ganz Schwarzenberg zusammen steht und gemeinsam ein

tolles Fest vorbereiten will.

Aus Anlaß der Ersterwähnung des Ortes vor 750 Jahren fiel vor

vier Jahren die Entscheidung, die Geschichte von Schwarzenberg

zu erforschen und im Jubiläumsjahr in einem Buch vorzustellen.

Darin wird die Entwicklung von der ersten urkundlichen

Nennung bis zum heutigen Zeitpunkt dargestellt.

Das Dorfbuch präsentiert die Geschichte unseres Ortes lebendig

und anschaulich und steht in gedruckter Form nun auch

nachfolgenden Generationen zur Verfügung. Hiermit haben wir

ein zeitloses Nachschlagewerk für alle produziert um die Geschichte

des Ortes, seine Gebäude, seine Vereine und die historischen

Persönlichkeiten kennen zu lernen.

Gerade in der heutigen Zeit, ist es wichtig solche Dokumente zu haben, um für die zukünftigen

Generationen einen Gesamteindruck des Dorfes zu vermitteln.

Schwarzenberg ist ein Stadtteil in dem es sich lohnt zu leben, dies zeigen die ständig wachsenden

Einwohnerzahlen bei uns im Ort. Mittlerweile sind wir bei knapp 600 Einwohner und können

stolz auf uns alle sein, was wir zusammen in unserem Ort erreicht haben.

Die Vorbereitung auf unser Dorffest hat uns wieder einmal gezeigt, wie viele ehrenamtliche

Helfer bereit stehen um ein tolles Fest zu organisieren. In den einzelnen Arbeitsgruppen wurden

viele Ideen gesammelt und gut miteinander gearbeitet.

Mit dieser Chronik hat sich Schwarzenberg selber das schönste Geschenk zum Jubiläum gemacht.

Denn wer dieses Buch ließt, wird viel Spaß daran haben und auch die eine oder andere

Sache erfahren, die Ihm vielleicht noch nicht über Schwarzenberg bekannt war.

Allen die an der Chronik mitgewirkt haben, möchte ich meinen Dank und meine große Anerkennung

aussprechen. Ebenfalls möchte ich allen Dank sagen, die Fotografien und Berichte zur

Verfügung gestellt haben um somit das Buch mit Leben gefüllt haben. Vergessen möchte ich es

aber nicht mich bei allen Schwarzenbergerinnen und Schwarzenberger zu bedanken die für uns

dieses Fest organisiert haben und auch bei denen, die sich bei unserem Fest als Helfer zur Verfügung

gestellt haben.

Denn nur gemeinsam können wir unser Ziel erreichen und dies heißt, lassen Sie uns Schwarzenberg

noch attraktiver gestalten, mit einer starken Dorfgemeinschaft ist der erste Schritt in

die richtige Richtung getan.

Ihr Ortsvorsteher

Timo Riedemann

13


01 -3 | Grußworte

Grußwort Pfarrerin Dorothea Göbel

Liebe Schwarzenbergerinnen und Schwarzenberger,

liebe Besucherinnen und Besucher von Schwarzenberg,

rechtzeitig zur 750­Jahrfeier des Melsunger Stadtteils Schwarzenberg

ist der Blick von der Riedforststraße auf die Kirche

wieder frei.

Nun kann es nicht mehr vorkommen, dass man durch Schwarzenberg

fährt und sich suchend nach dem Kirchturm umschauen

muss. Die Kirche ist damit wieder zum sichtbaren Mittelpunkt

von Schwarzenberg geworden.

Die Kirchengemeinde braucht ein Gebäude wie die Kirche, die

im Zentrum des Ortes steht. Gerade in finanziell schwierigen

Zeiten ist es wichtig, dass die Gemeinde ein gut genutztes modernes

Gemeindehaus in Schwarzenberg unterhält. Denn nur

durch Begegnungen und Beteiligung aller, die sich der Kirche

zugehörig fühlen, ist es möglich, die Zukunft zu gestalten.

Und deswegen ist das Jubiläum ein guter Grund, zunächst den Blick zurück zu wenden. 750

Jahre zeugen von einer langen Geschichte des Ortes. Der romanische Taufstein in der Kirche

erinnert am deutlichsten an diese Vergangenheit. Er ist wesentlich älter als das Kirchengebäude

von 1790. In diesem Taufstein wurden seit Bestehen des Ortes Kinder und Erwachsene getauft

und so zu Mitgliedern der christlichen Kirche. Taufstein und Kirche sind sichtbare Zeichen, die

nach außen darauf verweisen, dass Gottes Geist uns getragen hat und weiterhin trägt. Und so

lautet die zentrale Botschaft:

„Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und

des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.

Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende (Mt 28,19f.).“

Damit wird das Jubiläum ein guter Grund, den Blick nach vorne zu richten. Unsere Kirche hat in

ihrer Geschichte schon viele Herausforderungen überstanden. Der Kirchenvorstand und zahlreiche

Ehrenamtliche gehen die Arbeit in der Gemeinde voller Schwung und Elan an. Durch Menschen

wie sie lebt unsere Gemeinde. Die Botschaft Gottes begleite den Ort und seine Bewohnerinnen

und Bewohner weiterhin.

In diesem Sinne gratuliere ich den Schwarzenbergerinnen und Schwarzenbergern herzlich zu

Ihrem Jubiläum und wünsche in der Zukunft gutes Gelingen bei allen Projekten und ein gutes

Miteinander zwischen den Menschen im Ort. Gottes Segen begleite Sie weiterhin.

Ihre Pfarrerin

Dorothea Göbel

Siegel der Kirchengemeinde

Schwarzenberg

14


2

Geschichte

15


02­1 | Zeitentafel

Zeitentafel des Dorfes Schwarzenberg

von Adolf Seitz, Benno Sichler, Helmut Sinning,

1000 v.Chr. Spätere Urnenfunde aus dieser

Zeit in unserer Gegend

15 n.Chr. Chatten kommen in das Fuldatal

um 800

"Schwarzenberg könnte in einer

2. Siedlungsperiode um diese

Zeit gegründet worden sein"

1230 In Rotenburg lebt Helfrich, der

Großvater von Helfrich von

Schwarzenberg

1262 "Helfrich von Schwarzenberg

siegelt Urkunde über Güter in

Konnefeld, Schreibweise in Urkunde

und Siegel verschieden:

Suarcenberg und Swarzenberch"

1269 "Priester Reinhard oder Reinher

Prediger in Schwarzenberg, das

Mutterkirche von Röhrenfurth

ist"

1275 Schwarzenberg (Die Burg) wird

als Ortsbezeichnung genannt

1293 Die Burg wird durch Landgraf

Heinrich I. zerstört

1295 Die Ritter Widekind und Berthold

v. Schwarzenberg verkaufen

dem Landgrafen Heinrich I. ihre

Güter

1301 "Graf Otto von Bilstein verkauft

das Schwarzenberger Lehen; damit

sind Widekind und Berthold

von Schwarzenberg mittellos

und verschwinden aus der Geschichte"

1329 "Knappe Johannes von Swarthenberg

taucht auf und erhält

als Johannes I. vom Landgrafen

Heinrich II. einen kleinen Besitz

als Lehen"

1366 Landgraf Heinrich II. verschenkt

Kirchenpatronat von Schwarzenberg

an Martinsstift in Kassel;

Papst Urban V. (Avignon) bestätigt

Schenkung

1372 Johann von Schwarzenberg II.

verzichtet nachträglich auf das

Kirchlehen

1385 "Helfrich II. von Schwarzenberg

tritt in den Dienst des Mainzer

Erzbischofs Adolf I. und kämpft

gegen den Landgrafen Hermann

II."

1387 "Helfrich von Schwarzenberg

kehrt nach Niederlage von Landgraf

Hermann II. nach Schwarzenberg

zurück"

1394 "Schwarzenberg gehört wieder

zum Besitz von Landgraf Hermann

II. und Helfrich II. geht

wieder in das Eichsfeld"

1417 "Helfrich von Schwarzenberg

überlässt Landgraf Ludwig I. Gericht

und Dorf Schwarzenberg;

Schwarzenberg wird herrschaftliches

Lehns­ und Zinsdorf und

teilweise Aktivlehen derer von

Hundelshausen"

1440 "Otto von Binsförth übernimmt

Besitz von Helfrich II. im Eichsfeld;

Helfrich ist zu diesem Zeitpunkt

bereits tot. Das Geschlecht

der Ritter von Schwarzenberg ist

erloschen"

1445 Schwarzenberg gehört zum

Oberamt des Bezirkes Melsungen

1470 Schwarzenberg gehört zum Gericht

Malsfeld

1471 "Aktivlehen geht von denen zu

Hundelshausen auf die von Taboldshusen

(Dagobertshausen)

über"

1500 Wollweber sind stärkste Zunft im

Dorf

1526 "Reformation in Hessen,

Schwarzenberg wird evangelisch

und kirchliches Vikariat von Melsungen"

1554 Aktivlehen geht von denen zu

Taboldshusen auf die Herren von

Nordeck über

1575 "Salbuch für Schwarzenberg wird

erstellt; Schreibweise: Schwart­

16


Zeitentafel | 02­1

zenbergk; Bauern werden erstmalig

namentlich genannt"

1585 "Schwarzenberg gehört zum Amt

Melsungen und muss Dienste auf

dem Schloss Melsungen leisten"

1601 Die ersten Fuldaschiffe passieren

Schwarzenberg

1618­1648 30­jähriger Krieg

1637 Kroaten plündern Schwarzenberg

1646 Schweden quartieren sich ein,

zerstören Kirche mit Orgel

1717 Joh. Georg Mentz ist erster namentlich

bekannter Grebe in

Schwarzenberg

1719 "Durch Einführung des Generalhufenschosses

(eine Steuer)

werden kleinere Leute entlastet"

1724 Jost Werner ist erster namentlich

bekannter Lehrer in Schwarzenberg

1742 Schifffahrt erlebt Blütezeit

1744 Lager­, Stück­ und Steuerbuch

für Schwarzenberg wird erstellt

1756­1763 "Siebenjähriger Krieg; Kampfhandlungen

mit Franzosen; Kirche

schwer beschädigt"

1778 Dorf wird erstmals Schwarzenberg

geschrieben

1786 "Schwarzenberg besitzt ein eigenes

Fuldaschiff mit ca 300 Zentner

Zuladung (ca. 15t)"

1790 Kirche erhält heutige Gestalt

1806­1813 Franzosen im Land; ab 1807 gehört

Schwarzenberg zum Königreich

Westphalen (König Jérome)

1813 Kosaken plündern Schwarzenberg

1821 "Große Verwaltungsreform;

Schwarzenberg gehört zum Kurfürstentum

Hessen, Provinz Niederhessen

Kreis Melsungen;

Nürnberger Straße erhält am

Wengesberg heutigen Verlauf"

1831 Lehns­ und Pachtverhältnisse

werden abgelöst; die Bauern

werden frei

1834 Martin Dittmar letzter Grebe und

erster Bürgermeister von

Schwarzenberg

1845 Baubeginn Friedrich­Wilhelm

Nordbahn

1846 Der heutige Friedhof wird erstmals

benutzt

1848 Erster Zug der Friedrich­Wilhelm

Nordbahn fährt an Schwarzenberg

vorbei

1852 Planmäßige Briefzustellung durch

Briefträger von Melsungen

1866 "Preußen annektiert Kurhessen;

Schwarzenberg gehört zur preußischen

Provinz Hessen­Nassau"

1879 Röhrenfurth wird von Schwarzenberg

nach Melsungen umgepfarrt

1883 Erste Feuerspritze wird für

369,90 Mark angeschafft

1883­1889 "Gesetzliche Kranken­, Unfallund

Rentenversicherung werden

unter Reichskanzler Otto von

Bismarck eingeführt"

1883­1902 Verkoppelung in Schwarzenberg

1886 Erste Probefahrt des Benz Motorwagens

(Autozeitalter beginnt)

1892 "Eisenbahnhaltepunkt zwischen

Schwarzenberg ­ Röhrenfurth

wird von Schwarzenberg abgelehnt

(hohe Kosten) "

1900 "Das Bürgerliche Gesetzbuch

(BGB) tritt in Kraft; in Schwarzenberg

wird die neue Schule

eingeweiht"

1902 Wasserleitung wird gebaut

1904 Spickenbrücke über die Fulda

wird erstmals aufgebaut (1932

letztmalig)

1905 "Gründung des ersten Sportvereins

mit dem Namen ""Deutscher

Turnverein""; er besteht bis

1918"

1911 "Katzmühlenweg nach Melsungen

darf von Schwarzenbergern

bis Melsungen benutzt werden"

1914­1918 Erster Weltkrieg

17


02­1 | Zeitentafel

1914 Schwarzenberg erhält ersten

Fernsprecher (Gastwirtschaft

Bangert)

1917 Schwarzenberg erhält elektrischen

Strom vom Elektrizitätswerk

Melsungen

1918 Nach Kriegsende wird der Freie

Turnverein "Frei Heil" gegründet

1919­1923 Inflation, wird mit Einführung

der Rentenmark in 1923 beendet

1923 "Gründung des Turnvereins

""Gut Heil Schwarzenberg

1923"" dem heutigen ""TSV

Schwarzenberg 1923"""

1924 Einführung der Reichsmark

1927 Pflasterung der Schweinetrift

1930 Schwarzenberg erhält Poststelle

im Haus Schmoll; erstes Postauto

im Dorf

1931 "Lehrer P. Schmidt kommt nach

Schwarzenberg; Feuerlöschwasserbehälter

wird gebaut"

1932 "Streit um Schulvermögen zwischen

Kirche und Schulverband

(Gemeinde) beigelegt"

1933 Machtergreifung durch Adolf Hitler,

das "Dritte Reich" beginnt;

NSDAP ist einzige Partei; es gibt

3 Rundfunkgeräte im Dorf

1934 Gründliche Kirchenrenovierung;

Gründung der Freiwilligen Feuerwehr

1937 Georg Seitz besitzt erstes Auto

in Schwarzenberg

1938 Karl Reinbold und Hans Hofmann

haben erste Motorräder

1939­1945 2. Weltkrieg

1941 Karl Riedemann besitzt ersten

Ackerschlepper

1943 "Edertalsperre wird zerstört;

Kassel wird bombardiert; Bürgermeister

Justus Sondermann

feiert 40­jähriges Dienstjubiläum"

1944 Schwarzenberg gehört zur Provinz

Kurhessen

1945 "Am 4. April erreichen amerikanische

Soldaten Schwarzenberg;

Kriegsende für Deutschland am

8. Mai"

1946 Hessen erhält neue Landesverfassung

1948 Währungsreform, die Deutsche

Mark (DM) wird eingeführt

1949 "Grundgesetz für die Bundesrepublik

Deutschland tritt in Kraft;

die Gemeinde wird an das

Stromnetz der EAM angeschlossen;

Neugründung des Turnvereins

nach dem 2. Weltkrieg mit

der Bezeichnung ""Turn und

Sportverein Schwarzenberg""

dem heutigen ""TSV Schwarzenberg

1923 e.V."" "

1950 "Gründung des Gemischten

Chors; Pflasterung Dorfstraße,

Ortsbeleuchtung mit 7 elektrischen

Laternen, es gibt 44 Landwirtschaftsbetriebe"

1951 Schule wird bis 1953 zweiklassig;

Neugründung der Freiwilligen

Feuerwehr

1952 Ausbau der Straße Melsungen ­

Schwarzenberg

1953 Ehrenmal auf dem Friedhof wird

eingeweiht

1956 "Kirchspiel Röhrenfurth/Schwarzenberg

wird gegründet; Lehrer

P. Schmidt wird pensioniert"

1959 "Pioniere der Bundeswehr beginnen

mit Bau des Sportplatzes;

Beginn des Ausbaus der Kreisstraße

Melsungen ­ Röhrenfurth

(außerhalb der Ortslage)"

1960 Es gibt 11 Fernsehgeräte im Dorf

1962 "Der Spielbetrieb auf dem neuen

Sportplatz in Schwarzenberg wir

mit einer Jugend­Fußballmannschaft

aufgenommen"

1964 7. bis 9. Schuljahr geht nach

Melsungen zur Schule

1968 "Größerer Umbau der Kirche;

neues Feuerwehrgerätehaus auf

dem Schulhof wird bezogen"

1969 "Die Grundschüler gehen nach

Melsungen; die Schule in

Schwarzenberg wird geschlossen"

1970 Die Friedhofshalle wird gebaut

18


Zeitentafel | 02­1

1971 "Kirchspiel Röhrenfurth/Schwarzenberg

wird aufgehoben, beide

Gemeinden gehören zu Melsungen"

1972 Feuerwehr erhält Tragkraftspritzenfahzeug

1973 "Ehemaliger Schulsaal wird zu

Gaststätte ""Burgschänke"" umgebaut;

Jubiläumsfeier des TSV

Schwarzenberg zum 50 jährigen

Bestehen"

1974 "Schwarzenberg wird Stadtteil

von Melsungen; der letzte Bürgermeister

H. Schneider wird

erster Ortsvorsteher"

1975 Trinkwasserversorgung erfolgt

durch neuen Hochbehälter "In

den Erlen"

1976 Eröffnung Kinderspielplatz an

der Blumenstraße

1980 "Kirchspiel Röhrenfurth/Schwarzenberg

wird erneut gegründet

Gründung Verein der Natur und

Wanderfreunde "" Alte Linde

Schwarzenberg"""

1981 Einweihung Dorfgemeinschaftshaus

1984 "Östlich von Schwarzenberg baut

die Bundesbahn die Schnellbahnstrecke

Hannover­Würzburg"

1985 Poststelle Schwarzenberg wird

geschlossen

1987 "Neue Kanalisation in Betrieb,

Hausabwässer fließen in die

Kläranlage von Melsungen; Einweihung

der neuen Sportanlage

des TSV Schwarzenberg mit

Sportplatz und Sporthaus"

1989 "Kabarett in Schwarzenberg, satirisch

politisch, Bernd Köhler als

""Justus Riemenschneider"",

""Die Spott­Lichter"" im

""SchwarzenBerg­Theater"" "

1990 "Beginn der kirchlichen Jugendarbeit

Melsungen­Land; Kabelanschlüsse

für Fernsehen und

Radioempfang benutzbar "

1992 Einweihung evangelisches Gemeindehaus

1994 "Kaufmannsladen Kördel wird

geschlossen, neues Feuerwehrgerätehaus

wird eingeweiht"

1995 Sanierung des Kirchturms; es

gibt nur noch einen Vollerwerbslandwirt

im Dorf

1996 "Bauarbeiten für Kanalisation

und Durchgangsstraße im Ort

beginnen, Bauende 1999"

1998 Jubiläumsfeier des TSV Schwarzenberg

zum 75 jährigen Bestehen

1999 "Schwarzenberg erhält neue

Straßen, Kanal­ und Wasserversorgungsanlagen

sowie erstmals

eine Gasleitung"

2001 Innenraum der Kirche wird renoviert

2003 Orgelrenovierung

2004 Neues Bauland "Über den Gärten"

wird ausgewiesen

2005 Baugebiet Seckenbach (Molkewiesen)

ist voll belegt

2006 Inbetriebnahme der RegioTram­

Linie 5 von Melsungen nach Kassel

2008 Burgschänke wird geschlossen,

der Gastraum wird in das DGH

eingegliedert

2009 "Erweiterung der Sportstätte und

die Einweihung des neuen

Sportheims des TSV Schwarzenberg

"

2010 "Der Gemischter Chor wird 60,

der Verein Natur und Wanderfreunde

""Alte Linde Schwarzenberg""

30 Jahre alt"

2012 "Schwarzenberg feiert sein 750­

jähriges Bestehen; die Naturund

Wanderfreunde ""Alte Linde

Schwarzenberg richten das 30.

Lindenfest aus;

Im ehemaligen Bauerndorf

Schwarzenberg gibt es keinen

Vollerwerbslandwirt mehr"

19


02­2 | Das Rittergeschlecht von Schwarzenberg

Das Rittergeschlecht von

Schwarzenberg (1262­1440)*

von Dr. phil. L. Armbrust

Wenn man von Melsungen aus die Kasseler

Landstrasse entlang geht, fällt einem am Fuße

der tannendunkeln Haar das Dorf Schwarzenberg

in die Augen. Ehemals bespülte die Fulda

den kleinen Hügel auf dem die Häuser liegen;

vor mehr als 70 Jahren ist sie der Eisenbahn

halber um einige Schritte abgeleitet. Zwischen

der Kirche und der Schule fließt der „Burggraben“,

jetzt eine schmale und wasserarme Rinne.

Das Schulhaus erhebt sich auf der Stätte

der ehemaligen Burg, von der keine Spur

mehr zu sehen ist.

Auf Schwarzenberg hauste vor Zeiten ein Rittergeschlecht.

Dessen Ahnherr war Eckhard

von Sumeringen, der zu Kleinballhausen im

thüringischen Kreise Weißensee (Reg.­Bez.

Erfurt) wohnte. Die von Sumeringen waren

im 12. Jahrhundert freie Herren, wurden aber

im Beginne des 13. landgräflich thüringische

Dienstleute und glitten in den Zeugenreihen

der Urkunden hinter den Schenken von Bargula

und andere Hofbeamte hinab.

Der genannte Eckhard, 1225 zuerst nachweisbar,

stand von Anfang an im Dienste des

Landgrafen von Thüringen. Im fürstlichen Gefolge

gelangte er ins Hessenland, so im September

1231 nach dem Kloster Ahnaberg bei

Kassel. Bei einer solchen Gelegenheit mag er

mit Helfrich von Rotenburg zusammengetroffen

sein, dessen jüngste, zuerst im Jahre

1216 mit Namen erwähnte Tochter Lukkardis

(Liutgard) er heimführte. Das war, wie man

zu sagen pflegt, eine gute Partie. Helfrich,

dessen Burg in der Gegend der Fuldastadt Rotenburg

lag, ist nämlich als einer der reichsten

Ritter des damaligen Hessenlandes zu bezeichnen.

Auch in der Melsunger Gegend und

in der Stadt selbst war er begütert. Ihm wird

ursprünglich der Grund und Boden von

Schwarzenberg gehört haben. Da seine Söhne

früh starben, ging der gesamte Besitz auf seine

drei Töchter und deren Erben über. Helfrichs

Tod fällt vor den 18. September 1259.

Im Jahre 1255 kommt Liutgard als Gattin des

Ritters Eckhard von Ballhausen, genannt von

Sumeringen, vor. Die Ehe muss aber schon

viel früher geschlossen sein, denn ihre Söhne,

auf die neben ihr Bezug genommen wird, geben

ihre Zustimmung zu einem Gütertausche

des Vaters, können damals also nicht mehr

im Säuglingsalter gestanden haben. Durch die

Verheiratung mit Liutgard von Rotenburg gewann

Eckhard von Sumeringen nicht nur die

Anwartschaft auf hessische Güter, sondern

seiner Familie wurde auch ein bestimmter

Weg gewiesen, auf dem sie außerhalb Thüringens

wandeln konnte.

Sein ältester Sohn, nach dem Großvater mütterlicherseits

Helfrich genannt, führt (1262)

genau das Siegelbild seines Vaters: zwei nach

außen gebogene Widderhörner, unter denen

sich, wie bei Eckhard, ein Nagel als persönliches

Merkmal befindet. Die Umschrift berichtet

jedoch nicht dass Geringste von Sumeringen

oder Ballhausen, sondern nimmt einzig

und allein auf Schwarzenberg Bezug. Ebenso

ist in der Urkunde selbst nur von Helfrich von

Schwarzenberg die Rede. Dieser war damals

schon verheiratet, und zwar wieder recht vorsichtig

und vornehm, gleichsam in Erinnerung

an den ehemaligen freien Herrenstand, mit

einer Grafentochter aus der Casseler Gegend,

mit Bertha, Tochter des Grafen Widekind von

Naumburg.

Damit war ein zweites festes Band zwischen

den von Ballhausen und dem niederhessischen

Lande geknüpft. Hessen war die ausschließliche

Heimat dieses Zweiges des Geschlechts

geworden. Das sprach sich darin

aus, dass Helfrich Lehnsträger der Grafen von

Bilstein für Güter zwischen Cassel und Rotenburg

wurde.

* Vergl. Zeitschrift für thüringische Geschichte 21, 220 ff. (1901) und 29, 241 f. (1911).

20


Das Rittergeschlecht von Schwarzenberg | 02­2

Mit dem Kloster Spießkappel nördlich Ziegenhain

einigten sich Helfrich und dessen Gattin

über Besitzungen zu Connefeld, zwischen Melsungen

und Rotenburg. Wenn das Kloster

durch den Ritter Eckhard von Ballhausen oder

dessen Erben an den Einkünften aus diesen

Besitzungen gehindert würde, verhieß Helfrich,

dafür zu sorgen, dass die Frucht nach

Rotenburg oder Melsungen gebracht würde,

oder er will bis zur Erfüllung seines Versprechens

Einlager (eine milde Art von Gefangenschaft,

dem Hausarrest vergleichbar) in Homberg

halten. Es scheint, als ob man gegen

Eckhard von Ballhausen und dessen jüngere

Söhne Mißtrauen hegte, vielleicht weil sie als

Raubritter bekannt waren, wahrscheinlicher,

weil sie selber Ansprüche auf die Korneinkünfte

in Connefeld erhoben. Der Vertrag zwischen

dem Kloster Spießkappel und Helfrich

von Schwarzenberg wurde in Melsungen geschlossen

und von Bürgern bezeugt.

Helfrich war kein langes Leben beschieden. Im

Mai 1265 wird er zum letzten Male erwähnt.

Er hinterließ zwei Söhne, Widekind und Berthold.

Diese fanden nach dem Tode ihres Großvaters

Eckhards I. von Ballhausen, genannt

von Sumeringen, an dessen Söhnen Eckhard

II. Hugo und Berthold, eine kräftige Stütze.

Ebenso wenig standen jene ihrem Stiefvater,

dem Edelherrn Giso von Ziegenberg, dem

Bertha von Naumburg nach dem Tode Helfrichs

von Schwarzenberg die Hand reichte,

feindselig gegenüber. Mit denen von Ballhausen

besaßen sie manche Güter gemeinsam

und waren so durch wirtschaftliche Interessen

an sie gekettet. Ob aber die Sinnesart der

jungen Schwarzenberger durch den Verkehr

mit den Oheimen und mit dem Stiefvater

günstigen Einfluß erfuhr, ist die Frage.

Die von Ballhausen gehörten jedenfalls zu den

Adligen, welche ihre Bauern bedrückten. Das

lässt sich urkundlich nachweisen. Das altberühmte

Nonnenkloster Gandersheim, an den

Ausläufern des Nordwestharzes gelegen, hatte

die Vogtei über seine Güter zu Tennstädt

im Kreise Langensalza den von Ballhausen zu

Lehen gegeben. Diese missbrauchten ihre

Vogteirechte, legten den Pächtern und Landleuten

hohe Naturalabgaben auf und trieben

sie vorher ein, ehe das Kloster seine Einkünfte

aus Tennstädt bezogen hatte. Erschien dann

der Gandersheimer Beamte, standen Felder

und Scheunen, Kasten und Ställe leer, und

aus ungefüllten Schläuchen wusste selbst die

Klosterkunst keinen Wein mehr herauszupressen.

Das war höchst ärgerlich. Die Minderung

des eigenen Einkommens bildete für die

Äbtissin gewiss einen ebenso starken Grund

zum Einschreiten wie die in den Vordergrund

gestellte Bedrückung der Untertanen, an der

indessen nicht zu zweifeln ist. Die drei Ballhäuser

und ihr Neffe Widekind – Berthold von

Schwarzenberg mochte noch so jugendlich

sein, dass man ihn nicht erwähnte – mussten

nachgeben.

Zwei Jahre danach, im Sommer 1275, wiesen

Widekind und die Brüder seines verstorbenen

Vaters dem Nonnenkloster Heydau bei Neumorschen

an der Fulda eine Hufe Landes, etwa

dreißig Morgen oder mehr, zu, deren Ertrag

bis dahin der Ritter Guntram von

Morschen von ihnen zu Lehen trug. Gleichzeitig

versprach Ritter Eckhard II. von Ballhausen,

nunmehr das Haupt der Familie, mit seinen

Brüdern binnen Jahresfrist die Hufe aus

dem etwaigen Lehnsverhältnisse zu befreien;

im Augenblicke vermochten sie nicht zu entscheiden,

ob es sich um ihr freies Eigentum

oder um ein ihnen verliehenes Lehen handelte.

Solche Unklarheit über Eigentum oder

Lehnsverhältnis, im Mittelalter keine Seltenheit,

konnte leicht zu verhängnisvollen Verwicklungen

und Streitigkeiten führen. An der

Urkunde ist der Ausstellungsort Schwarzenberg

bemerkenswert. Man hat darunter die

Burg Schwarzenberg zu verstehen. 1275 wird

diese also zum ersten Male ausdrücklich

(freilich ohne Hinzufügung des Wortes Burg)

erwähnt; Eckhards I. Sohn Helfrich nennt sich

allerdings schon 1262 danach. In derselben

Urkunde bieten einige Zeugennamen Anlass

zu Betrachtungen. Hermann von Spangenberg

und der ältere und der jüngere Ludwig von

Schlutwinsdorf weisen nach Spangenberg.

Siegfried von Haldorf und Helwig von Adelshausen

kommen in Melsunger Urkunden dieser

Zeit vor, Arnold wird als Pfarrer in Melsungen

bezeichnet.

Am bedeutsamsten ist jedoch die Anwesenheit

des landgräflichen Schultheißen Gerhard, sie

macht zur Gewissheit, dass die von Ballhausen

und die von Schwarzenberg in ungetrüb­

21


02­2 | Das Rittergeschlecht von Schwarzenberg

ter Freundschaft zum Herrn des Hessenlandes,

Heinrich dem Kinde, standen. So blieb es

nicht mehr lange. Der Landgraf sah mit Unwillen,

dass sein Land durch das Gebiet kleiner

Herren durchquert und zerrissen wurde, dass

seine eigene Macht dadurch gelähmt war,

dass selbst einfache Ritter es ablehnten, ihre

Lehen von ihm zu empfangen und so seine

Oberhoheit anzuerkennen, dass die hessischen

Untertanen dagegen unter Räubereien

litten.

Im Jahre 1293 unternahm darum Heinrich I.

einen Feldzug gegen unliebsame Burgen. Ihrer

achtzehn mussten sich ihm ergeben oder

wurden zerstört. Zu den ersteren gehörte Ziegenberg

in der Nordostecke Hessens, wo der

Stiefvater der Gebrüder Widekind und Berthold

von Schwarzenberg wohnte; unter den

zerstörten Schlössern wird Schwarzenberg

angeführt. Gegenüber erklomm die alte Casseler

Landstrasse den steilen Wengesberg, da

sahen sich die Fuhrleute der Lastwagen genötigt,

die Eile zu mäßigen; und unten auf dem

Fuldastrome glitten die Frachtkähne langsam

dahin: beides war geeignet verwilderte Gemüter

zu räuberischen Anschlägen zu verführen.

Es ist anzunehmen, dass die von Schwarzenberg

der Versuchung nicht widerstanden hatten

und deshalb nicht unschuldig büßten. Für

das Geschlecht war von der größten Bedeutung,

dass ihm auch das thüringische

Stammschloss kurz vorher verloren gegangen

war, vermutlich ebenfalls, weil es als Schlupfwinkel

von Freibeutern galt. Es war eine übele

Zeit, für welche der Reim passte: Reiten und

Rauben ist keine Schande, das tun die besten

Herren im Lande. Das Gefühl für Recht und

Unrecht hatte sich abgestumpft. Dem Landgrafen,

der anscheinend dem Beispiele Rudolfs

von Habsburg folgte, muss man Dank

wissen, dass er kräftig zugriff.

Widekind und Berthold von Schwarzenberg

blieb nach der Zerstörung ihrer Burg und nach

dem Verluste ihrer beiden anderen Zufluchtstätten

nichts weiter übrig, als sich Heinrich

dem Kinde bedingungslos zu unterwerfen. Sie

taten das im September 1295 zu Cassel. Ihr

Stiefvater, der Edelherr Giso von Ziegenberg,

stand ihnen zur Seite. Trotzdem fuhren sie

nicht glimpflich. Sie verkauften dem Landgrafen

und dessen Erben, oder besser sie wurden

gezwungen abzutreten alle Lehen und Eigengüter,

die sie im Hessenlande besessen hatten,

so die Hälfte des Allods in Körle und in

Rotenburg und das Allod neben der Burg Rotenburg.

Die letzteren beiden hatte der Landgraf

bereits mit Beschlag belegt und zwei Getreuen

als Lehen verliehen. Ferner gehörte die

Hälfte des Grundes und Bodens, auf dem die

Burg Schwarzenberg gestanden hatte – sie

musste wohl dem Erdboden gleichgemacht

sein – zu den veräußerten Gütern, ebenso die

Bilsteinschen Lehen zu Waldau, Krumbach und

zu Fuldhagen, einer Wüstung in der Casseler

Gegend, die ganze Münzstätte zu Melsungen

und ein Viertel vom Zehnten daselbst und Besitz

von geringerer Wichtigkeit.

Von dem Kaufpreise oder einer sonstigen Entschädigung

verlautet nichts. Widekind und

Berthold werden auf eine Neubelehung mit

einem Teile des Eigen­ und Lehngutes gerechnet

haben. Eine spätere Urkunde gestattet

zu vermuten, dass hiervon in beteiligten

Kreisen die Rede gewesen ist. Ein Siegel besaßen

die von Schwarzenberg nicht oder nicht

mehr, es mag bei der Eroberung und Zerstörung

ihrer Burg verloren gegangen sein. Der

Stiefvater und die Stadt Cassel besiegelten

den Vertrag. Landgraf Heinrich dachte vorläufig

nicht daran, sie wieder in Gnaden anzunehmen,

sondern nur daran, sich ihrer Güter

noch mehr zu versichern.

Im Jahre 1301 verkaufte Graf Otto von Bilstein,

der letzte seines Geschlechts, seine Aktivlehen

zwischen der Werra und dem Hainchen

bei Altmorschen, die er sonst an

zahlreiche Mannen ausgegeben hatte, an

Heinrich I. Darunter waren auch die Lehen

Widekinds und Bertholds von Schwarzenberg

und ihrer Oheime Eckhard und Hugo von Ballhausen,

die irrtümlich als Brüder der beiden

ersteren angeführt werden; der gemeinsame

Besitz hatte offenbar diesen Irrtum des Urkundenschreibers

hervorgerufen. Jetzt erst

zog dem Anscheine nach der Landgraf in Erwägung,

ob er den von Ballhausen ­ die von

Schwarzenberg lagen außerhalb seiner Gedanken

– einen Teil der Güter zurückgeben

sollte, insbesondere zwölf Malter Getreide in

Melsungen. Einstweilen erhielt sie jedoch Ritter

Johann Riedesel als landgräfliches Lehen.

Widekind und Berthold von Schwarzenberg

erschienen nicht wieder auf der Bildfläche.

Bisher ist es nicht geglückt, innerhalb oder

22


Das Rittergeschlecht von Schwarzenberg | 02­2

außerhalb Hessens eine Spur von ihnen zu

finden. Einer von ihnen muss aber wohl das

Geschlecht fortgepflanzt haben. Denn fast ein

Menschenalter später (am 27. Oktober 1329)

taucht der Knappe Johannes Swarthenberg

auf; zuerst als Zeuge für das Kloster Hardehausen

bei Paderborn, mit dem seine Ahnherren

Helfrich von Rotenburg und Eckhard I. von

Ballhausen­Sumeringen mehrfach zu tun gehabt

hatten. An der Zugehörigkeit Johannes,

zur niederhessischen Familie von Schwarzenberg,

besteht also kein Zweifel, auch bei

demjenigen nicht, welcher weiß, dass um dieselbe

Zeit zwei Johann von Schwarzenberg als

Mitglieder fremder Geschlechter gelebt haben.

Am wichtigsten ist, dass Johann von Schwarzenberg

nicht länger für die Vergehen seines

Vaters und seiner Oheime zu büßen brauchte,

sondern Versöhnung mit dem Landgrafen und

Wiederaufnahme in der hessischen Heimat erlangte.

Allerdings war es nur ein kümmerlicher Rest

der Familiengüter, der ihm als Lehen zuteil

wurde. Im Dorfe Schwarzenberg selbst war

ein Teil des Grundbesitzes in andere Hände

übergegangen. Elisabeth von Dagobertshausen

mit ihren Söhnen, die wenig später als

Melsunger Burgmannen, d. h. als berufene

Verteidiger der Stadt in des Landgrafen Auftrages,

vorkommen, besaß in Schwarzenberg

(1354) zwei Hufen, also mindestens 60 Acker

Landes. Statt über eine stolze Burg konnte Johann

von Schwarzenberg im Dorfe nur noch

über ein Wohnhaus nebst einem Hofe verfügen,

außerdem über eine Wiese, über ein

Ländchen und über ein Bergstück.

Von der Stadt Melsungen stand ihm ein

Sechszehntel des Zehnten zu, dass bis zur

Ablösung (1835) der Schwarzenberger Zehnte

hieß. Er war einem Melsunger Bürger namens

Korsener (Kürschner), durch den Landgrafen

natürlich, zu Lehen gegeben. Nach Korseners

Tode fiel er an Johann von Schwarzenberg zurück.

Weiter gehörte diesem der Zehnte zu

Wendersdorf, einem armseligen Dorfe (jetzt

Wüstung) oberhalb Röhrenfurths, an das der

Wengesberg erinnert, sowie gegenüber auf

dem rechten Fuldaufer eine Hufe zwischen

Melsungen und Schwarzenberg, ihrer lang gestreckten

Gestalt halber Zungenhufe genannt,

eine Hufe in Körle und fünf Viertel jährlichen

Kornzinses in Krumbach am Nordabhange der

Söhre. Von den Alloden oder Eigengütern, die

Widekind und Berthold dem Landgrafen Heinrich

I. abgetreten hatten, war einzig und allein

die Körler Hufe ein schwaches Überbleibsel,

aber jetzt gleichfalls landgräfliches Lehen. Von

solchem kargen Besitze ernährte Johann von

Schwarzenberg sich, sein Weib Katharina und

seine Kinder Johann und Gisela. Die Güter

waren nicht einmal den Erben sicher, sondern

nur Johanns I. persönliches Lehen. Wenigstens

in dieser Beziehung hatte Landgraf

Heinrich II. von Hessen ein milderes Einsehen

und belehnte (am 14.September 1351) auf

Johanns Bitten dessen Frau Katharina, deren

vorhandene und zukünftige Kinder und ihre

Erben mit den oben angeführten Besitzungen

und befreite Haus und Hof in Schwarzenberg

von Diensten und Steuern.

Über die so nahe gelegene Schwarzenberger

Kirche fiel in dem Lehenbriefe kein Wort. Vorhanden

war sie aber schon: denn 1269 bis

1284 besaß sie in dem Pfarrer Reinhard oder

Reinher und 1313 in Rupert eigene Prediger.

Die Ansprüche der von Ballhausen auf die Kirche

konnten von jeher unmöglich schwer wiegen:

als (1284) der Melsunger Bürger Helwig

von Adelshausen als würdiges Kind seiner Zeit

den Schwarzenberger Kirchenzehnten an sich

riss, ließ der Offizial der Propstei Fritzlar die

Sache durch die Pfarrer von Körle und von

Melsungen untersuchen und wies Helwigs

Übergriffe zurück, ohne Widekind und Berthold

von Schwarzenberg und deren Oheime zu

Rate zu ziehen oder auch nur mit einem Worte

auf sie hinzudeuten.

Daher fühlte sich Landgraf Heinrich II. berechtigt,

das Patronatsrecht über die Schwarzenberger

Kirche, zu der auch die Kapelle im

benachbarten Röhrenfurth gehörte, dem Martinsstifte

in Cassel zu schenken. Papst Urban

V. bestätigte die Schenkung und gab (20. Mai

1366) dem Bischofe von Halberstadt den Auftrag,

dass Casseler Martinsstift in den Genuss

der ihm verliehenen Rechte zu setzen. Nun

stellte es sich aber heraus, dass der Familie

von Schwarzenberg doch irgendein Anspruch

auf die Kirche zukam. Johann II. stimmte

nämlich (am 21. Oktober 1372) der Schenkung

des Landgrafen zu seinem und seiner Eltern

Seelenheile zu und verzichtete auf sein

bisheriges Anrecht am Schwarzenberger Kirchenlehen.

Der fromme Zweck schloss hier

23


02­2 | Das Rittergeschlecht von Schwarzenberg

jede Geldentschädigung aus, während Johann

sonst seinen bescheidenen Verhältnissen entsprechend

sich z.B. bei Belehnungen seiner

Lehnsleute, in üblicher Weise bezahlen ließ.

Sieben Jahre später weilte Johann II. vermutlich

nicht mehr unter den Lebenden. Deshalb

verlieh Landgraf Hermann der Gelehrte dem

jüngeren Ritter Walter von Hundelshausen als

Mannlehen eine Geldsumme, die in erster Linie

aus den Einkünften des Gerichtes und Gutes

zu Schwarzenberg und aus anderen Gefällen

des Dorfes bestritten werden sollte. Es

lebte aber noch ein Spross des Geschlechtes,

wie der älteste Vertreter der Familie, Helfrich

mit Vornamen geheißen. Auf diesen, wohl erst

nach 1351 geborenen Jüngling wurde keine

Rücksicht genommen. Helfrich war jedoch

nicht gesonnen, sich dem demütig zu unterwerfen.

Er begab sich in die Dienste des Erzbischofs

Adolf von Mainz, als dieser dem Landgrafen

feindlich begegnete. An den Kriegen

des Erzbischofs gegen Hessen hat Helfrich ohne

Zweifel teilgenommen. Es war zu spät und

für den Schwarzenberger kein Gewinn, dass

Hermann der Gelehrte schon nach kurzer Zeit

dem Ritter Walter von Hundelshausen seine

Lehen gerichtlich aberkennen ließ.

Der Erzbischof dagegen fesselte Helfrich noch

fester an sich durch Verleihung einer Baustelle

für einen Burgsitz auf dem Bischofssteine im

Eichsfelde und legte ihm die Verpflichtung auf,

diejenigen Lehen und Eigengüter, welche ihm

der hessische Landgraf vorenthielt, nach Wiedergewinnung

vom Erzstifte zu Lehen zu nehmen.

Zwei Jahre danach, im Sommer 1387,

eroberten Mainzer, Thüringer und Braunschweiger

die Städte Rotenburg an der Fulda,

Melsungen und Niedenstein. Bei Melsungen

endete das von den drei feindlichen Fürsten

besetzte Gebiet unmittelbar an der Schwarzenberger

Feldmark. Nun war Helfrich Zeit gekommen.

Er konnte unbesorgt in das Land

seiner Väter zurückkehren.

Dass Helfrich in die Familiengüter sofort einrückte

und sie vom Erzbischof von Mainz zu

Lehen empfing, berichtet kein Gewährsmann

und kein Schriftstück, das kann man aber als

selbstverständlich annehmen. 1390 belehnte

er einen Melsunger mit einem Stück Landes

bei dem „Kesseler Forthe“, vermutlich einer

Fuldafurt unter dem Kesselberge oder an der

Casseler Landstrasse, zwischen Melsungen

und Schwarzenberg. Und nicht lange darauf

besiegelte er einen Schenkungsbrief für das

Melsunger Georgshospital. Sein Siegel zeigt

die beiden nach auswärts gekrümmten Ballhausischen

Widderhörner, ist jedoch mit seiner

Winzigkeit ein Symbol für den Niedergang

des Geschlechtes. Helfrichs Aufenthalt in der

alten Heimat dauerte bloß sieben Jahre.

Nach dem Tode des Erzbischofs Adolf von

Mainz vermochte der gedemütigte Landgraf

Hermann sein Haupt wieder zu erheben. Was

ihm der Krieg geraubt hatte, warfen ihm kluge

Verträge wieder in den Schoß, auch die Herrschaft

über die drei verlorenen Städte. Mehrere

Urkunden mit genauen Einzelbestimmungen

über den Friedensschluss und über

die Fuldalandschaft sind erhalten, vom

Schicksale des Dorfes Schwarzenberg und

seines Herrn spricht keine. Die Gegend war ja

von der feindlichen Besetzung frei geblieben.

Helfrich hielt an seinen Ansprüchen zähe fest,

so musste er den Boden seines Vaterlandes

räumen. Die Wohnung auf dem eichsfeldischen

Bischofssteine bot ihm notdürftigen Ersatz.

Der letzte Helfrich war also nicht in so

übeler Lage wie hundert Jahre früher Wiedekind

und Berthold von Schwarzenberg, die

Söhne des ersten Helfrich. Bis zum Tode Hermann

des Gelehrten blieb er verschollen. Die

Zeit minderte aber wohl seinen Groll, ebenso

wie seine Anhänglichkeit an die alte Scholle.

Denn mit dem Landgrafen Ludwig I., Hermanns

des Gelehrten Sohne, schloss er einen

Vertrag (am 13. April 1417) und überließ ihm

das Dorf und das Gericht Schwarzenberg und

andere Besitztümer, welche daselbst und im

Amte Melsungen lagen. Zugleich erklärte er

frühere Lehenbriefe für kraftlos und versprach

deren Zurückgabe. Erzbischof Konrad von

Mainz entschädigte ihn durch eichsfeldische

Lehen, die ehemals Ludwig von Binsförth,

erzbischöflicher Provisor zu Erfurt, und dessen

Bruder Andreas besessen hatten. Am 4. Oktober

1440 trat Otto von Binsförth in Helfrichs

mainzische Lehen.

Damals war dieser also tot. Mit ihm starb die

Familie von Schwarzenberg aus, nachdem sie

länger als anderthalb Jahrhunderte bestanden

hatte. Der Stamm von Ballhausen in Thüringen

war schon früher erloschen.

24


Das Rittergeschlecht von Schwarzenberg | 02­2

Wer in unseren Tagen auf das friedliche und

freundliche Dörfchen Schwarzenberg blickt,

der ahnt nichts von den Gewittern, die sich

vor Zeiten über die ritterlichen Besitzer entladen

haben.

Dieser Aufsatz befand sich in gedruckter Form auf mehreren Seiten, die ursprünglich zu einer

unbekannten Zeitschrift gehörten, bei den Unterlagen von Lehrer Peter Schmidt. Er wurde

wörtlich übernommen.

Der Verfasser Dr. Ludwig Armbrust hat unter anderem auch die „Geschichte der Stadt Melsungen“

geschrieben. Er wurde 1861 in Göttingen geboren und war zwischen 1889 und 1893 Leiter

der Henkelschen Lehranstalt in Melsungen. Er verstarb in 1940 in Bad Berka.

Adolf Seitz

25


02­3 | Ritter in Schwarzenberg

Ritter in Schwarzenberg

(zusammengefasst von Adolf Seitz u. a. nach den Aufzeichnungen „Das Rittergeschlecht von

Schwarzenberg (1262­1440)“ und „Die von Balenhusen“ von Dr. phil. L. Armbrust.)

Aus alten Unterlagen geht nicht hervor, wann

und von wem die Burg zu Schwarzenberg erbaut

wurde. Fest steht nur, dass es sie gab.

Ihr Standort war vermutlich das Gebiet der

heutigen Häuser Nickel, Kördel, Ickler und

Wenzel (Riedforststraße Nr. 45, 43, 49 und

51). Bei Umbauten dieser Häuser wurden alte

Mauerreste, teilweise bis zu 1,25 Meter breit,

gefunden. Im Haus Ickler trat ein kreisrund

gemauerter Schacht zutage.

Über die Herrn der Burg ist folgendes bekannt:

Im Jahr 1230 lebt auf einer Burg in der Nähe

von Rotenburg einer der reichsten Ritter des

Hessenlandes mit Namen Helfrich. Er besitzt

in und bei Melsungen Güter und Ländereien.

So auch in Schwarzenberg. Eine seiner drei

Töchter mit Namen Lucardis (Luitgard), heiratet

nach 1231 den thüringischen Adligen Eckhard

von Sumeringen, der sich später „von

Ballenhausen“ (Ballenhusen) nennt. Aus dieser

Ehe gehen bis 1255 mehrere Söhne hervor.

Nach dem Tod Helfrichs von Rotenburg,

der zwischen 1255 und vor dem 18. September

1259 liegt, geht ein Teil seines Besitzes

auf seine Tochter Lucardis und ihre Söhne

über. Darunter wahrscheinlich auch die Burg

Schwarzenberg.

Der älteste Sohn von Eckhard und Lucardis,

nach dem Großvater mütterlicherseits Helfrich

genannt, ist die erste Person, die in 1262 namentlich

mit Schwarzenberg in Verbindung

gebracht wird. Er siegelt 1262 eine Urkunde,

in der es zwischen ihm und dem Abt von Cappel

um Güter in Konnefeld geht, als Helfrich

von „Swarzenberch“. Helfrich von Schwarzenberg

führt genau das Siegelbild seines Vaters:

Zwei nach außen gebogene Widderhörner, unter

denen sich, wie bei Eckhard, ein Nagel als

persönliches Merkmal befindet. In der Umschrift

des Siegels steht Schwarzenberg. Damit

dürfte der Beweis erbracht sein, dass er

auf der Burg in Schwarzenberg gelebt hat.

Die erste urkundliche Erwähnung der Burgherren

in 1262 wird auch von dem bedeutenden

thüringischen Historiker Otto Dobenecker

(1859 – 1938) in seinem Regestenwerk

zur thüringischen Geschichte „Regesta diplomatica

necnon epistolaria historiae Thuringiae“

Band 3 Nr. 3023 bestätigt. In alten Hainaer

Urkunden von 1290, 1306, 1308 und

1310 werden die Schwarzenberger Ritter öfter

als Zeugen genannt. Auch unter den Spangenberger

Burgmannen findet sich ein Mitglied

derer von Schwarzenberg.

Helfrich ist damals schon mit Bertha, der

Tochter des Grafen Widekind von Naumburg

verheiratet. Aus dieser Ehe gehen die zwei

Söhne Widekind und Berthold III. hervor.

Helfrich wird im Mai 1265 zum letzten Male

erwähnt. Bertha von Naumburg, die Witwe

Helfrichs heiratet nach seinem Tod den Edelherrn

Giso von Ziegenberg.

Im Sommer 1275, weisen Eckhard II. und

seine Brüder Hugo, Berthold II. und Rudolph

(die Onkel von Widekind und Berthold III.)

dem Nonnenkloster Haydau bei Neumorschen

an der Fulda eine Hufe Land (etwa dreißig

Morgen) zu. Ausstellungsort der Urkunde ist

Schwarzenberg. Im Januar 1286 stimmen Widekind

und Berthold III. dem Verkauf des

Leibeigenen ihrer Mutter Berta, Herwig von

Möllrich, an das Deutsche Haus in Marburg zu.

Nachdem Gerlach von Breuberg (1290 — 97)

Schloss Ballhausen in Thüringen in seine Gewalt

bringt, verlieren Eckhard II., Hugo und

Berthold II. einen großen Teil ihres Besitzes.

Sie halten sich deshalb in der Folgezeit öfter

auf der Burg in Schwarzenberg auf, da sie zu

ihren Neffen Widekind und Berthold III. ein

gutes Verhältnis haben.

Die Herren von Schwarzenberg haben ein gutes

Verhältnis zu Landgraf Heinrich I., der

auch das Kind von Brabant genannt wird. Das

ändert sich aber bald. Der Landgraf sieht mit

Unwillen, dass einige seiner Burgherren sich

26


Ritter in Schwarzenberg | 02­3

den Plänen zur territorialen Neuordnung seines

Machtbereiches widersetzen und auch zu

Raubrittern geworden sind.

Auch die Schwarzenberger Ritter Widekind

und Berthold III. konnten wahrscheinlich der

Versuchung nicht widerstehen, ihre Einnahmen

durch Überfälle auf Händler und Reisende,

die entweder auf dem Landwege (Alte

Kasseler Landstraße, Sälzerweg) oder auf der

Fulda unterwegs waren, aufzubessern. Deshalb

unternimmt der Landgraf im Jahre 1293

einen Feldzug gegen achtzehn Burgen. Zu den

zerstörten Burgen gehört auch die zu Schwarzenberg.

Sie muss wohl dem Erdboden gleich

gemacht worden sein.

Wigand Gerstenberg (geboren vermutlich am

1. Mai 1457 in Frankenberg (Eder), wo er

auch am 22. August 1522 verstarb, dessen eigentlicher

Familienname wohl Bodenbender

(oder auch Boddenbenders, Boddenbener)

war, hat dies als Chronist am Übergang zwischen

Spätmittelalter und Reformationszeit in

seiner Chronik des Hessenlandes beschrieben.

(Text siehe „Das Dorf Schwarzenberg“)

Nach der Zerstörung der Burg haben Widekind

und Berthold III. kaum noch Kontakt zu den

Brüdern ihres Vaters, von denen Berthold II.

in 1294 als Laienbruder im Kloster Volkenrode

bei Mühlhausen erwähnt wird. Hugo II. ist

nach der Zerstörung von Schwarzenberg so

gut wie verschollen, 1301 wird er noch einmal

genannt, aber ohne Angabe des Wohnsitzes

und sonstiger Lebensumstände. Eckhard II.

geht nach Thüringen zurück, wo er noch einige

Güter besitzt.

Der Lebensraum der Brüder Widekind und

Bertold III. von Schwarzenberg bleibt weiterhin

Hessen, auch weil Verwandtschaft und Besitz

hier angesiedelt waren. So versuchen sie,

sich mit dem Landgrafen Heinrich I. auszusöhnen,

was aber bedingungslose Unterwerfung

bedeutet.

Am 28. September 1295 führen sie gemeinsam

mit ihrem Stiefvater Giso von Ziegenberg

in Kassel Verhandlungen, an deren Ende sie

dem Landgrafen und dessen Erben alle Lehen

und Eigengüter, die sie im Hessenland besessen

hatten, abtreten müssen.

Der Inhalt der Übergabeurkunde zeigt, dass

es sich um einen nicht unerheblichen Besitz

handelte. Es ging unter anderem um einen

Hof in Waldau, Anteile am dortigen Zehnten,

Renten in Fuldahagen (südlich von Kassel),

Crumbach und Venne (bei Gudensberg). Weiterhin

die Hälfte des Zehnten von Elgershausen,

ein Viertel des Zehnten in Melsungen,

Grundbesitz in Körle und Rotenburg und die

Münze in Melsungen. Neben diesen Besitztümern

müssen sie auch die Hälfte des Grundes

und Bodens, auf dem die Burg Schwarzenberg

gestanden hatte verzichten. Gesiegelt wird die

Urkunde von der Stadt Kassel und dem Stiefvater

Giso von Zierenberg, weil das Siegel der

Brüder wahrscheinlich in den Trümmern der

Burg verloren gegangen war.

Eine Entschädigung für die Abtretungen wird

den Brüdern nicht gewährt, auch die Hoffnung

auf eine Neubelehnung der verlorenen Güter

erfüllt sich nicht. Als dann im Jahr 1301 Graf

Otto von Bilstein noch seine Aktivlehen zwischen

Werra und dem Hainchen bei Altmorschen,

zu denen auch Besitztümer Widekinds

und Bertolds III. gehören, an Heinrich I. verkauft,

sind beide mittellos. Von da an fehlt jede

Spur von ihnen.

Einer von ihnen muss aber zumindest einen

Sohn gehabt haben, denn am 27. Oktober

1329, taucht ein Knappe Johannes Swarthenberg

als Zeuge für das Kloster Hardehausen

bei Paderborn auf. Seine Ahnherren Helfrich

von Rotenburg und Eckhard I. von

Ballhausen (Sumeringen) hatten mit diesem

Kloster in der Vergangenheit öfters zu tun.

Somit dürfte an der Zugehörigkeit Johannes

zur Familie derer von Schwarzenberg kein

Zweifel bestehen.

Johannes I. von Schwarzenberg versöhnt sich

mit Landgraf Heinrich II., der ihn nicht länger

für die Vergehen seines Vaters büßen, sondern

ihn in die hessische Heimat zurückkehren

lässt.

Er erhält, da der größte Teil der einstigen Familiengüter

in fremden Besitz übergegangen

ist, einen verhältnismäßig kleinen Besitz als

Lehen. Statt in der wahrscheinlich teilweise

wieder aufgebauten Burg, lebt er mit seiner

Frau Katharina und seinen Kindern Johann II.

und Gisela in einem Wohnhaus mit Hof. Er

verfügt außerdem über eine Wiese und über

27


02­3 | Ritter in Schwarzenberg

zwei kleine Stücke Land. Von der Stadt Melsungen

steht ihm ein Sechzehntel des Zehnten

zu, der bis zur Ablösung (1835) der

Schwarzenberger Zehnte heißt.

Dieser war einem Melsunger Bürger namens

Korsener (Kürschner) zu Lehen gegeben.

Nach Korseners Tode fällt er an Johann von

Schwarzenberg zurück. Weiter gehört ihm der

Zehnte zu Wendersdorf (heute Wüstung), einem

armseligen Dorf südwestlich von Röhrenfurth

auf dem Wengesberg gelegen. Dazu

kommt eine Hufe Land auf dem rechten Fuldaufer

zwischen Melsungen und Schwarzenberg,

die wegen ihrer lang gestreckten Form

Zungenhufe genannt wurde.

Eine Hufe in Körle und fünf Viertel des jährlichen

Kornzinses in Krumbach am Nordabhange

der Söhre vervollständigen sein Lehen.

Ein fürstliches Leben war mit diesem nicht

möglich. Da der Besitz nur Johanns persönliches

Lehen war, macht er sich Sorgen, was

nach seinem Tod passieren wird.

Auf seine Bitten wird das Lehen mit allem Besitz

am 14.September 1351 vom Landgraf

Heinrich II. auf Johanns Frau Katharina, die

vorhandenen und zukünftigen Kinder und ihre

Erben übertragen. Außerdem werden Haus

und Hof in Schwarzenberg von Diensten und

Steuern befreit.

In 1372 lebt Johann nicht mehr, denn am 21.

Oktober 1372 bestätigt sein Sohn Johann II.,

dass er mit der in 1366 durch Landgraf Heinrich

II. und seinen Sohn Otto erfolgten Schenkung

des Kirchlehens von Schwarzenberg an

das Martinsstift in Kassel einverstanden ist

und auf seine Rechte an dem Kirchlehen verzichtet.

Nach 1372 wird Johann II. nicht mehr erwähnt.

Er hatte aber entweder noch einen

Bruder oder einen Vetter mit Namen Helfrich,

der erst nach 1351 geboren war. Dieser wird

in 1379 vom Landgrafen Hermann II. dem

Gelehrten, um Teile seiner Einnahmen gebracht,

weil der Landesherr diese dem Ritter

Walther von Hundelshausen zuspricht. Helfrich

betrachtet dies als einen Eingriff in seine

persönlichen Rechte und schließt sich dem

Erzbischof Adolf von Mainz an. Als es zwischen

dem Landgrafen und dem Erzbischof zum

Krieg kommt, kämpft Helfrich für den Kirchenfürst.

Dieser ernennt ihn am 29. Juli 1385 zum

Burgmann auf dem Bischofsstein in der Nähe

von Heiligenstadt (Eichsfeld) und sagt ihm

dort ein Grundstück für den Bau eines Herrenhauses

zu. Helfrich verpflichtet sich, die

eventuell vom hessischen Landgrafen zurückerworbenen

Lehen und 200 Gulden dem

Mainzer Erzstift zu übergeben. Als Gegenleistung

wird er dann Lehnsherr dieser in den

Mainzer Besitz übergegangenen Lehen.

Als im Sommer 1387, die Mainzer, Thüringer

und Braunschweiger die Städte Rotenburg,

Melsungen und Niedenstein erobern, kehrt

Helfrich wahrscheinlich nach Schwarzenberg

zurück. In 1390 erhält ein Melsunger Bürger

von ihm ein zwischen Schwarzenberg und

Melsungen liegendes Stück Land zum Lehen.

Es lag vermutlich an einer Fuldafurt unter dem

Kesselberg oder an der Kasseler Landstrasse.

Am 5. Januar 1392 siegelt Helfrich einen

Schenkungsbrief für das Melsunger Georgshospital.

Sein Siegel zeigt noch, genau wie die

Siegel seiner Vorfahren die Widderhörner,

wenn auch etwas kleiner.

Nach dem Tod des Erzbischofs Adolf von Mainz

gelangt Landgraf Hermann II. in 1394 wieder

in den Besitz von Schwarzenberg und Helfrich

muss den Ort verlassen.

Er geht vermutlich als Burgmann in das Eichsfeld

auf den Bischofsstein zurück. Von dort

versucht er seine Ansprüche auf seinen

Schwarzenberger Besitz durchzusetzen, was

ihm aber nicht gelingt.

Am 13. April 1417 schließt er mit dem Landgrafen

Ludwig I., dem Sohn Hermanns II.

einen Vertrag und überlässt ihm Dorf und Gericht

Schwarzenberg und andere Besitztümer.

Er erklärt die Lehensbriefe für nichtig und

verspricht deren Rückgabe. Erzbischof Konrad

von Mainz entschädigt Helfrich im Oktober

1420 für den Verlust seines Besitzes durch

Lehen im Eichsfeld, die vorher Ludwig von

Binsförth, der erzbischöflicher Provisor zu Erfurt,

und dessen Bruder Andreas besessen

hatten.

Am 4. Oktober 1440 übernimmt Otto von

Binsförth Helfrichs Lehen im Eichsfeld. Zu diesem

Zeitpunkt ist Helfrich also tot. Mit ihm

stirbt die Familie von Schwarzenberg aus,

nachdem sie länger als anderthalb Jahrhunderte

bestanden hatte.

28


Ritter in Schwarzenberg | 02­3

Widekind und Berthold III. waren die letzten

Ritter von Schwarzenberg, die die Burg bis zu

ihrer Zerstörung im Jahr 1293 bewohnten.

Was danach aus der Burg geworden ist, lässt

sich historisch nicht genau belegen. Vermutlich

ist sie nach ihrer Zerstörung durch Landgraf

Heinrich I. zumindest teilweise wieder

aufgebaut worden. Im Jahr 1379 soll ein General

von Wanger die Burg mit 200 Söldnern

besetzt haben. Er soll 1422 im Kampf in einer

Schlucht zwischen Schwarzenberg und Röhrenfurth

gestorben sein. Diese zieht sich auf

der rechten Seite der Kreisstraße, am Anfang

des Kriechenbergs, den Wald hinauf und heißt

bis heute noch der „Wangergraben“. (*) Danach

sollen weitere Ritter die Burg besetzt

haben, bis 1473 der österreichischer General

Görtz die Burg eroberte. Während des 30­jährigen

Krieges wurde die Burg endgültig zerstört.

Steine der Burg sind heute noch in der

Kirchgartenmauer zu sehen. Auch beim Bau

des Melsunger Schlosses sollen Steine der

Schwarzenberger Burg verwendet worden

sein.

(*) Eine andere im Umlauf befindliche Version,

die wahrscheinlich auf die fiktive Geschichte

von Lehrer Schmidt über die Burg Schwarzenberg

zurückgeht, bezeichnet eine Vertiefung

unterhalb des Standorts der ehemaligen Burg

Schwarzenberg ebenfalls als „Wangergraben“.

29


02-4 | Das Dorf Schwarzenberg

Das Dorf Schwarzenberg

von Adolf Seitz

Erste Erwähnung

Es gibt keine Urkunde, aus der die Gründung

des Dorfes Schwarzenberg hervorgeht. Zu

dieser Erkenntnis kam auch der ehemalige

Schwarzenberger Lehrer Peter Schmidt bereits

im Jahr 1939 bei seinen Nachforschungen

bei den verschiedensten Stellen, an denen

sich Geschichtsunterlagen befanden.

Auch von mir angestellte Versuche in dieser

Richtung blieben erfolglos.

Die erste Urkunde, die sich auf Schwarzenberg

bezieht, ist die nachstehende Urkunde

des ehemaligen Klosters Spießkappel, die sich

unter der Bezeichnung HStAM Best. Urk. 1886

im Hessischen Staatsarchiv Marburg befindet.

Sie ist datiert auf das Jahr 1262.

Die Urkunde wird vom Hessischen Archiv­,

Dokumentations­ und Informations­System

wie folgt beschrieben und ihr lateinischer Inhalt

in die deutsche Sprache übertragen:

Kurzregest

Vergleich mit Helfrich von Schwarzenberg

über Güter in Konnefeld.

Datierung: 1262

Originaldatierung: Actum in Milsungen anno

domini 1262.

Alte Archivsignaturen: Urk. A II Kl. Cappel a

1262

Vermerke: (Voll) Regest

Es wird bekundet, daß Abt und Konvent von

Cappel (in Cappellis) und Helfrich von

Schwarzenberg (Suarzenberg) mit seiner

Ehefrau sich über Güter in Konnefeld (Cunneuelt),

die der verstorbene Graf Bertold von

Ziegenhain (Cigenhayn) zu seinem Seelenheil

Dies ist ein Foto der Originalurkunde, das Ludwig

Kördel vor einigen Jahren im Staatsarchiv aufgenommen

hat. Laut Auskunft des Staatsarchivs Marburg

ist die Urkunde mittlerweile in einem Zustand,

der eine Digitalisierung nicht mehr zulässt.

30


Das Dorf Schwarzenberg | 02-4

Cappel verliehen hatte, wie folgt geeinigt haben:

Sollte das Stift von seiten Eckehards von Ballenhausen

(a) und dessen Erben irgendwelche

Hinderung an diesen Gütern (aliquem scrupulum

impedimenti) erleiden, so verpflichtet sich

Helfrich mit seiner Ehefrau (fide data compromisit),

daß, falls der aus diesen Gütern gewonnene

Getreideertrag von seinem Vater

oder anderen Erben beschlagnahmt würde (in

sequestro poneretur), er dafür sorgen werde

(procurare deberet), diesen nach Homberg

oder Melsungen (in opidum Honberg uel Milsungen)

zu überführen. Tue er dies nicht, so

verspricht er, in Homberg Einlager zu halten

(quod si non faceret intraturum Honberg se fide

pollicitus est et non exiturum nisi

promissis omnibus persolutis). Stirbt Helfrich,

so übernimmt seine Frau die gleiche Verpflichtung.

Rückvermerk: (14.Jh.) Super bonis in Cunninfelt.

Zeugen:

die Ritter Werner von Salzberg, Heinrich von

Caßdorf, die Bürger und Knechte (burgenses

et serui) Hermann von Malsfeld (Malzuelt),

Ludwig von Farnroda (Varenrot), Gerhard

Schütze (sagittarius), Heinrich [?] (Hetinrich)

Hoveman.

Siegler: Helfrich von Schwarzenberg.

Auf diesem Bild der Urkunde habe ich einige Stellen markiert und übertragen:

Markierung: 1 Helfrich de Suarcenbg Helfrich von Schwarzenberg

2 Cunneult Konnefeld

3 Cigenhayn Ziegenhain

4 Eckehardo de Ballenhusen Eckhard von Ballhausen

5 Helfrich Helfrich

6 sua fide data compromisit verpflichtet sich mit seiner Ehefrau

7 milsungen Melsungen

8 heinry Heinrich

9 de Castdorph von Caßdorf

31


02-4 | Das Dorf Schwarzenberg

Auf der aus Pergament bestehenden beschädigten

Urkunde sind auf der Umrandung des

anhängenden und stark zerstörten Siegels

von Helfrich leider nur diese Buchstabenreste

zu erkennen: LFRI SWARZEN

„Durch die Verheiratung mit Liutgard von Rotenburg

gewann Eckhard von Sumeringen

nicht nur die Anwartschaft auf hessische Güter,

sondern seiner Familie wurde auch ein

bestimmter Weg gewiesen, auf dem sie außerhalb

Thüringens wandeln konnte. Sein ältester

Sohn, nach dem Großvater mütterlicherseits

Helfrich genannt, führt (1262)

genau das Siegelbild seines Vaters: zwei nach

außen gebogene Widderhörner, unter denen

sich, wie bei Eckhard ein Nagel als persönliches

Merkmal befindet. Die Umschrift berichtet

jedoch nicht dass Geringste von Sumeringen

oder Ballhausen, sondern nimmt einzig

und allein auf Schwarzenberg Bezug. Ebenso

ist in der Urkunde selbst nur von Helfrich

von Schwarzenberg die Rede. Dieser war

damals schon verheiratet, und zwar wieder

recht vorsichtig und vornehm, gleichsam in

Erinnerung an den ehemaligen freien Herrenstand,

mit einer Grafentochter aus der Kasseler

Gegend, mit Bertha, Tochter des Grafen

Widekind von Naumburg.“

Da es keine anderen Belege gibt, wurde von

den Historikern das in der Urkunde genannte

Jahr 1262 als Zeitpunkt bestimmt, zu dem

Schwarzenberg öffentlich in die deutsche Geschichte

eingetreten ist.

Auch die Chronik „700 Jahre Schwarzenberg“,

die von Lehrer Gert Rosenstock in den Jahren

1962 und 1963 als Gemeinschaftsarbeit der

Volksschule Schwarzenberg erarbeitet und

herausgegeben wurde, und die größtenteils

auf den Unterlagen von Lehrer Peter Schmidt

basiert, bezieht sich auf das Jahr 1262 als Datum

der Ersterwähnung von Schwarzenberg.

Beschädigtes Siegel

des Ritters Helfrich

von Schwarzenberg

(Dieses Bild stellte

Kurt Maurer aus

Melsungen zur Verfügung)

Die o.g. Urkunde erwähnt auch der Geschichtsforscher

Dr. Armbrust in seinem Aufsatz

„Das Rittergeschlecht von Schwarzenberg“,

der an anderer Stelle dieses Buches

vollständig zu lesen ist. Er schreibt dort:

Weitere Erwähnungen

Die Regesten

Weitere historisch belegte Daten über

Schwarzenberg findet man in den Regesten

zur Geschichte der Landgrafen von Hessen.

Die Bezeichnung wird abgeleitet von dem lateinischen

res gestae = „die getanen Dinge“

und bezeichnet in der Geschichtswissenschaft

die Zusammenfassung des rechtsrelevanten

Inhalts einer mittelalterlichen oder frühneuzeitlichen

Urkunde. Regesten sind also Verzeichnisse

geschichtlicher Tatsachen. Auf den

Internetseiten der Universität Marburg und

dem Hessisches Landesamt für geschichtliche

Landeskunde findet man Regesten, die

Schwarzenberg betreffen.

Andere historischen Unterlagen

Neben den offiziellen Urkunden, wie den Regesten,

findet man unter anderem noch in einigen

anderen historischen Werken Angaben

über Schwarzenberg.

So hat zum Beispiel Dr. L. Armbrust seinem

Aufsatz „Die von Balenhusen“, in dem er auch

auf die Schwarzenberger Linie dieses Rittergeschlechts

eingeht, einen Auszug aus Urkunden

und Chroniken angefügt, die die Vorgeschichte

der Ritter von Schwarzenberg

verdeutlichen. Aus diesem Grund habe ich sie

auch aufgeführt. Manche dieser Texte haben

Regesten als Grundlage, enthalten aber

manchmal noch Einzelheiten, die in diesen

nicht vorkommen.

32


Das Dorf Schwarzenberg | 02-4

Auch in Beschreibungen der sich ändernden

politischen Landschaften wird Schwarzenberg

von verschiedenen Autoren erwähnt. Da es

sich bei all diesen Unterlagen um zeitgeschichtliche

Dokumente handelt, habe ich sie

nachstehend in zeitlicher Reihenfolge geordnet,

ihre Quellen angegeben und teilweise mit

Hinweisen versehen.

1. November 1255 ­ Erfurt

(Urkunde Nr. 26 „Die von Balenhusen“)

Ekkehardus de Ballenhusen dictus de Summeringen

miles vertauscht mit Erlaubnis seiner

Gattin Lucardis und unter Zustimmung seiner

Söhne dem Abte Andreas und dem Peterskloster

in Erfurt Güter. Eckhard gab die folgenden

hin: in Walschleben (nw. Erfurt) Güter,

die jährlich 3 Vierdunge einbrachten, in

Raßdorf, einer Wüstung bei Witterda (nw. Erfurt),

4 Hufen und in Herbsleben an der Unstrut

(A.­G. Touna) 1 Hufe.

Zeugen: venerabilis dominus Gerardus archiepiscopus

Moguntinus, Fridericus praepositus

Northusensis, dominus Heydenricus abbas

Bursfeldeusis, magister Bertoldus eiusdem archiepiscopi

scriptor, Fridericus de Drivordia

senior, Bertoldus vicedöminus, Heinricus pincerna

dictus de Appolt, Ecckehardus de Wartperg

milites et alii fide digni.

Joh. Fr. Schannat, Vindemiae litterariae, Fulda

u. Leipzig 1723, II, 12 No. 20.

1. August 1256 ­ Heida

Ekehardus de Ballenhusen ac Lucardis nostra

contectalis und beide Söhne übertragen ihr

Eigentum in Leimbach dem Kloster Heida.

Zeugen: Bertholdus de Cruceburg, Ekehardus

de Warberg, Hermannus de Reingotshusen,

Rudegerus Monachus milites et alii fide digni.

Datum Heyde anno domini MCCLVI", Kai. Augusti.

Das Siegel Eckhards v. B. anhängend.

Original im Staatsarchiv Marburg (Kloster

Heida).

Hinweis: Einer der in den beiden vorstehenden

und der Urkunde Nr. 34 erwähnten Söhne

Eckhards von Ballhausen ist Helfrich, der 1262

als Helfrich von Schwarzenberg historisch erwähnt

wird.

1. August 1256

Ballhausen (Kreis Weißensee).

(Urkunde Nr. 29 „Die von Balenhusen“)

Ekehardus de Ballenhusen miles teilt dem

Schultheißen, den Burgmannen und Bürgern

zu Rotenburg an der Fulda mit, daß er seine

Eigengüter in Leimbach, einer Wüstung südlich

von Altmorschen, dem Kloster Heida (bei

Altmorschen) übertragen habe. Seinen Knecht

Friedrich von Burschla (servum etiam meum

Fridericum de Burslo) ordnet er ab, um an

seiner statt vor ihnen (loco raei vobis presentibus)

die Güter dem Kloster zu übertragen.

Datum Ballenhusen anno domini MCCLVI",

Kai. Augusti.

Anhängend das Siegel Eckhards

Original im Staatsarchiv Marburg (Kloster

Heida).

Hinweis: Bei dem Kloster „Heida“ in den beiden

vorstehenden Urkunden handelt es sich

um Haydau in Morschen. Diese Urkunden sind

auch ein Beweis dafür, dass Eckhard von Ballhausen

nach dem Tod seines Schwiegervaters,

Helfrichs von Rotenburg, großen Besitz in

unserer Gegend inne hatte.

Urkunde über eine Schenkung Eckhardts von Ballhausen

an das Kloster „Heida“

Auch dieses Foto der Originalurkunde aus dem

Staatsarchiv Marburg stammt von Ludwig Kördel.

18. September 1259

(Urkunde Nr. 34 „Die von Balenhusen“)

Ritter Eckhard von Ballenhusen, dessen Frau

Lukkardis und beider Söhne erklären sich mit

33


02-4 | Das Dorf Schwarzenberg

einer Schenkung Helfrichs von Rotenburg seligen

Angedenkens einverstanden. Dieser, der

Schwiegervater Eckhards v. B., hatte den Cisterciensern

zu Hardehausen (bei Paderborn)

den Zehnten in Mönchehof (bei Cassel) übertragen.

Eckhard leistet den Mönchen, wenn nötig, Gewähr

für den Besitz. Zeugen: dominus Gumpertus

frater et monachus eiusdem monasterii,

dominus lohannes plebanus in

Surthenburg; dominus Albertus de Ebeleyuen,

Ekkehardus de Warthberg, Heinricus dictus

Thobelstein milites ; Theodericus scriptor et

multi alii fide digni.

Westfälisches Urkundenbuch, Bd. IV, Münster

1878—89

Hinweis: Diese Urkunde ist ein Beweis dafür,

dass eine Verbindung der Ritter von Schwarzenberg

zu dem Kloster Hardehausen bestand,

das am 27. Oktober 1329 mit dem Auftauchen

des Johannes von Schwarzenberg

eine Rolle spielte.

26. Juli 1275 ­ Schwarzenberg

(n. Melsungen an der Fulda)

(Urkunde Nr. 42 „Die von Balenhusen“)

Eckehardus miles de Ballennusen verpflichtet

sich mit seinen Brüdern, die Einkünfte von

6 solden., die der Ritter Guntram von Morschen

von ihnen einstmals zu Lehen gehabt,

und die sie jetzt den Nonnen zu Heida überlassen

haben, binnen Jahresfrist aus dem etwaigen

Lehensverhältnisse zu befreien. Augenblicklich

vermögen sie nämlich nicht zu

entscheiden, ob es sich um Eigentum oder Lehen

handelt.

Datum anno domini MCCLXXV apud Svarzenberg,

in crastino beati Jacobi apostoh.

Eckhards Siegel anhängend.

Original im Staatsarchiv Marburg (Kloster Heida).

Hinweis: Diese Urkunde wurde in Schwarzenberg

erstellt. Sie erwähnt Schwarzenberg

(wahrscheinlich die Burg) zum ersten Mal als

Ortsbezeichnung.

In der Urkunde von 1262 tauchte „Schwarzenberg

nur als Beiname von Helfrich auf.

6. Januar 1286

(Urkunde Nr. 49 „Die von Balenhusen“)

Berta de Nouo Castro (= Naumburg s Wolfhagen

in Niederhessen) verkauft auf den Rat ihres

Gemahls, des Herrn Giso Ritters von Ziegenberg,

und mit Zustimmung ihrer Söhne

Widekind und Berthold [von Schwarzenberg]

dem Deutschen Hause in Marburg ihren Leibeigenen

Herwig von Möllrich.

Zeugen Conradus de Uslathe miles , Gozwinus

de Osterhusen, Heinricus Vingerhut scultetus

und Bürger von Fritzlar.

Die letzteren und Giso von Ziegenberg sind

Siegler.

Wyss, Hessische Urkunden (Publ. aus Preuß.

Staatsarchiven III. Bd)

6. Januar 1286

(Urkunde Nr. 50 „Die von Balenhusen“)

Ritter Giso von Ziegenberg verbürgt sich für

die Zustimmung seines zweiten Stiefsohnes

Berthold [von Schwarzenberg] zu obigem

Verkaufe.

Wyss, Hess. Urk., I, 339.

6. Januar 1286

(Urkunde Nr. 51 „Die von Balenhusen“)

Giso Ritter von Ziegenberg und dessen Stiefsohn

Widekind [von Schwarzenberg] verbürgen

sich eidlich dafür, daß Berthold [von

Schwarzenberg], ihr Stiefsohn bezw. Bruder,

obigen Verkauf für gültig erklären und bis zum

Sonntage Quasiraodogeniti (April 21.) in eigener

Person zu Fritzlar auf den Leibeigenen H.

V. M. Verzicht leisten wird. Wenn dies am 22.

April nicht geschehen ist, wollen die beiden

Aussteller sich in Fritzlar stellen und dort so

lange bleiben, bis ihr Versprechen erfüllt ist.

Datum anno MCCLXXXVI, in Epiphania domini.

Guden, Codex diplomaticus, IV, 954 No 79.

Kurz erwähnt bei Wyss, Hess. Urk., I, 339.

Herbst 1293

Do man schreib nach gots geburt 1293 jar, du

quam grave Godfrid von Czigenhheyn mit den

Westphelingin zu stride. Unde der von Czi­

34


Das Dorf Schwarzenberg | 02-4

genhheyn gewan den strid, unde finck der

West­phelinge bie 200, unde bleb in wenig lude

toid. Dufs geschach im herbeste, bie Geismar

in Hessen. Alsus lefset man zu Heyne.

Bie disfsen getzyten woren in dem lande zu

Hessen vile roupslosfse und mortkulen, die

dan ire lehene nicht umbe den fursten entphaen

wulden, sundern sie woren des lants

fygent; etzliche uffenberliche, etzliche heymelichin.

Die bestreid der lantgrave, unde gewan

sie; etzliche brach er zu grunde nidder, etzlich

besatzste er mit den synen. Unde in sunderhoid

dusfse nachgeschrebin 18 slosfse:

Blancksteyn, die tzwey Hoenfelsche, die tzwey

Gudenberge, den Keseberg uff der Edern,

Aldenburg, Rulkirchen, Rudelfsen, Swartzenberg,

Helffinberg, Wulffefshufsen, Ruckershufsen,

Landesfsburg, Czigenberg, Pederfsheyn,

Ulrichsteyn unde Eysenbach. Unde in

sulcher masfse hat he gar eyne reyne strasfse

gemacht unde gehalten. Unde hat gar erlichin

unde kostlichin furstenstad degelichin gehalten,

zu glichin wole eynfs konnigs hoffe; unde

das was wole bilche, want seyne eltermuter,

sent Elisabeth, was eynfs konnigs tochter. Alsus

schribet Johan Rytesel in siner chroniken.

(Hir sal stehin, wie lantgrave Hinrich gewynnet

18 slosfse; etzliche verbornet er, etzliche

brichet er zu grunde nidder unde etzliche beheldet

er unzubrochen).

(Die Chroniken des Wigand von Gerstenberg

von Frankenberg (1457­1522 Landeschronik

Seiten 230 und 231)

Hinweis: Zum besseren Verständnis habe ich

den Text in unsere heutige Sprache übertragen.

Die Ortsbezeichnungen der Burgen wurden

entsprechenden Fußnoten auf den Seiten

230 und 231 der o.g. Chronik entnommen.

„Im Jahr 1293 kam es zwischen dem Grafen

Gottfried von Ziegenhain und den Westfälischen

zum Streit, den der Graf von Ziegenhain

gewann. Er nahm 200 Westfalen gefangen,

es gab wenig Tote. Dies geschah im

Herbst bei Geismar in Hessen. Dies kann man

in Hainaer Unterlagen nachlesen.

In dieser Zeit gab es in Hessen viele Raubburgen

und Mordnester, die keine Lehen von den

Fürsten empfangen wollten, sondern deren

Feinde waren. Einige öffentlich, einige heimlich.

Diese bekämpfte und besiegte der Landgraf.

Einige Burgen zerstörte er, andere besetzte

er mit seinen Leuten. Im besonderen

handelt es sich um die nachstehend aufgeführten

Burgen: Blankenstein (bei Gladenbach),

Doppelburg Hohenfels (gegenüber Buchenau

(Lahn)), Doppelburg Gudenburg (bei

Zierenberg), Keseberg (bei Ederbringhausen),

Altenburg und Ruhlkirchen (bei Alsfeld), Rodersen

(bei Wolfhagen), Schwarzenberg (bei

Melsungen), Helfenberg (bei Wolfhagen),

Wolfershausen (östl. von Gudensberg), Rückershausen

(evtl. bei Alsfeld), Landsberg

(nördl. von Wolfhagen), Ziegenberg (gegenüber

von Hedemünden), Petershain (bei Ulrichstein),Ulrichstein

und Eisenberg (bei Lauterbach).

Mit großem Aufwand hat er Ordnung

geschaffen und gehalten. Und er hat den ehrlichen

und guten Fürstenstand zum Wohle des

Königshofes erhalten. Dies war wohl nicht

mehr als recht und billig, weil seine Großmutter

(mütterlicherseits) Elisabeth von Thüringen,

eine Königstochter war. So schreibt Johann

Riedesel in seiner Chronik.

(Hier steht, wie Landgraf Heinrich 18 Burgen

gewann; einige verbrannte er, einige zerstörte

er bis auf die Grundmauern und einige behielt

er unzerstört.)

28. Sept. 1295 ­ Kassel

Die Brüder Widekind und Berthold v. Schwarzenberg

verkaufen dem Landgrafen Heinrich

vielerlei Güter und Gefälle.

In Nomine Domini Amen. Nos Widekindus et

Bertholdus fratres de Swarzenberg ad noticiam

tam presencium quam futurum cupimus

pervenire, quod inclito principi, domino nostro

Lantgravio, Heinrico, terre Hasfie domino, et

domine Mechtildi, collaterali fue atq. Ipforum

veris heredibus, curiam fitam in Waldahe,

(Waldau) cum nostra parte decime ibidem et

omnes redditus deuariorum nostrorum in

Volchane et octo maldra annone lingulis annis

in Crumbach, mediam partem allodii Curle,

mediam partem aree castri Swarcenberg,

quartam partem decime in Milsungen, omnem

monetam ibidem. Item mediam partem allodii

in Rotenberg, cum allodio fito juxta castrum

Rotenberg, que Thammo miles et Vollecop

habent in feudo a Domino nostro Lantgravio

35


02-4 | Das Dorf Schwarzenberg

prefato, vendidimus, resignavimus atq. damus

presentibus, tali jure, quo posfidebamus,

perpetuo posfidenda. Et ne de nostra venditione

aliquorum vacillet opinion presentem literam

nostram conscriptam, quia proprio figillo

caruimus figillo civitatis in Casle et domine

Gizonis de Cigenberg dedimus communitam.

Testes hujus funt Ludevvicus, miles, dictus

Kalp, Thammo de Alenhusen, Johannes Rithesel,

milites, Wernherus de Gesmaria, Heinricus

Conradi et Conradus de Gudensberg, scabini

in Casle et alii quam plures fide digni.

Datum in Caslo anno Domini MCCXC quinto,

quarto Kal. Octobris.

(Helfrich Bernhardt Wencks Hessische Landesgeschichte

Band 3 von 1803Urkundenbuch

Seite 163 und 164)

Hinweis: Die nachfolgende Übertragung des

obigen Textes in die deutsche Sprache entspricht

dem Wortlaut des nachstehenden Regests

Nr. 375

Regest Nr. 375

Betreff: Verkauf von Gütern durch die Brüder

Wittekind und Bertold von Schwarzenberg an

Landgraf Heinrich.

Die Brüder Wittekind und Bertold von Schwarzenberg

(Swarcenberg) (verkaufen) ihrem

Herrn, Landgraf Heinrich, seiner Gemahlin

Mechthild und ihren Erben folgende Güter:

einen Hof in Waldau (Waldahe) mit ihrem Anteil

(an dem dortigen Zehnten), alle ihre Zinsen

in Fuldhain (Volchanc) und acht Malter

Kornrente in Krumbach (Crumbach), den halben

(Zehnten in) Elgershausen (Elgershusen),

einen (Malter Weizen) in Venne, die Hälfte des

Allods in Körle (Curle), die Hälfte des Bodens

(area) der Burg Schwarzenberg, ein Viertel

des Zehnten in Melsungen (Milsungen), die

dortige ganze Münze, die Hälfte des Allods in

Rotenburg (Rotenberg) mit dem Allod [bei der

Burg Rotenburg (Rotenberg), die der Ritter

Thammo und Füllekopf (Vollekop) vom Landgrafen

zu Lehen haben.

Siegler: (da die Brüder kein Siegel haben): 1.

die Stadt Kassel (Casle), 2. Giso von Ziegenberg

(Cigenberg).

Zeugen: (die Ritter Ludwig genannt) Kalb

(Kalp), Thammo von (Ellnhausen (Alenhusen),

Johann Riedesel (Rithesel); die Kasseler

Schöffen Werner von Geismar (Gesmaria),

Heinrich Conradi und Konrad von Gudensberg

u. a.).

Datum: d. in Casle 1295 quarto Kalendas Octobris.

Ausfertigung: Staatsarchiv Marburg Generalrepertorium

Waldau (1290). Pergament, sehr

zerfetzt. Siegel ab.

Hinweis: Interessant ist, dass die Brüder kein

Siegel mehr besitzen. Vermutlich wurde es bei

der Zerstörung der Burg in 1293 vernichtet.

14. Mai 1301 (Regest Nr. 431)

Betreff: Verkauf von Lehngütern durch Graf

Otto von Bilstein durch den die Ritter von

Schwarzenberg ihre Lehen verlieren.

Graf Otto von Bilstein (Bilstene) verkauft mit

Einwilligung seiner Gattin Katherina dem

Landgrafen Heinrich I, dessen Gemahlin

Mechthild und ihren Söhnen seine Lehngüter

in (Nieder­Hessen) (Hassia) von dem Flusse

Werra (Gewerra) an bis zu dem Walde Hecheno.

Die Namen der Lehnträger und der Lehngüter

sind folgende: die Brüder Eckhard, Ritter

Bertold, Wittekind und Hugo von

Schwarzenberg (Svarzenberg) haben Güter in

Waldau (Walda), Volthagen und Crumbach,

den halben Zehnten in Ober­Melsungen (Milsungen

superior) und andre Lehngüter. Goswin,

Bürger in Melsungen, hat die andre Hälfte

des genannten Zehnten. Der Ritter Tammo

hat einen Zehnten in Homberg (Hoenberg),

außerdem ohne die Einwilligung (sine voluntate)

Graf Ottos Güter in Vorschutz (Vorschuz)

und zwei Mühlen, die der Ritter Eckhard von

Helfenberg von dem Grafen Otto zu Lehen

hatte. Der Ritter Hermann und sein Bruder

Dietrich ante Valvam haben den halben Zehnten

vor Kassel (Casele) und andre Güter. Degenhard

von Frommershausen (Fromershusen)

hat die andre Hälfte dieses Zehnten.

Hermann von Felsberg (Velsberg). Eckhard

von (Wald­)Kappel (Cappele) hat die Vogtei in

Harmuthsachsen (Ermensassen). Reinfried

von Reichenbach (Richenbach). Ludwig, Ritter,

und Gerlach von (Wald­)Kappel haben

Güter in (Wald­)Kappel. Die Brüder Hermann,

Ritter, und Konrad von Boyneburg (Bomeneborg).

Der Ritter Heinrich von Honstein

36


Das Dorf Schwarzenberg | 02-4

(Honstene). Bodo von Boyneburg. Keudell

(Koydelo) von Wichmannshausen (Wichmanneshusen)

hat sechs Hufen in Orpherode (Arnolverode).

Der Ritter Keudell (Keydelo) hat

Güter in Schwebda (Svevede). Johann von

Leichberg (Lichberge) hat Güter in Bornershausen

(Bornershusen). Sein Vetter (patruelis)

Johann und dessen Bruder Eilmar haben

Güter vor der Stadt Eschwege (Esscenewege).

Hermann Dedonis hat Güter in Niddawitzhausen

(Nedewedeshusen). Erkenbert und seine

Brüder von Aue (Owa) haben Güter bei der

Stadt Eschwege. Bertold und Heinrich genannt

Eselskopf (Eselescop). Hartrad von

Hundelshausen (Hunoldeshusen) und seine

Brüder. Heinrich Haupt (Caput). Die Brüder

Konrad und Brunward. Heinrich von Vierbach

(Virbach). Albert von (Nieder­)Hone (Honde).

Siegfried Jude (Judeus). Ludwig Scherf (Obulus)

und sein Schwager (sororius) H. von Tottleben

(Tuteleven) sowie Heinrich von Meensen

(Mence). Die Brüder Bertold, Ritter, und

Ulrich von Harstall (Harstal) haben Güter in

Grebendorf. Die Brüder Simon und Hermann

von Netra (Netere). Die Brüder Siegfried,

Walther und H(einrich) von Hundelshausen.

Die Söhne des Heinrich genannt Eselskopf.

Hugo von der Mark (de Marchia). Dietrich von

Rengelrode (Regelderode). Walther von Mihla

(Mela). Dietrich Widegonis. Konrad von Frankershausen

(Franwordeshusen). Louge hat

Güter in Weidenhausen (Widenhusen) und in

Borne (Bornem). Eckhard von Wolfterode

(Waldolferode) und seine Brüder. Johann von

Albungen (Albugen). Konrad von Honigen

(Honungede). Albert von Wickersrode

(Wichardesa) und seine Brüder. Heinrich genannt

Zöllner (Teolonarius). Konrad genannt

Gewelere. Konrad von Gensungen. Die Brüder

Heinrich und Konrad genannt Rathart. H.

Stango und seine Söhne haben Güter in Grebendorf,

eine Mühle in Schwebda und andre

Güter. Albert Heroldi. Gottschalk von Reystrode.

(Reidesrode). Eberhard vom Steinhaus

(de domo lapidea) und sein Bruder Hermund.

Hermann von Nazza (Natza) und seine Brüder.

Ditmar Roste. Ludwig von Schlutwinsdorf

(Slutwinsdorf) hat das Gericht in (Wald­)Kappel.

Die Söhne des Ritters Bruno von Weberstedt

(Weverstede) haben Güter in Oberhone

(Oberenhonde). Heinrich von Nazza (Netce)

hat Güter bei Schwebda. Die Brüder genannt

Valewen vom Stein (de Lapide) haben Güter

bei Eschwege. Der Ritter Helfrich genannt von

Creuzburg (Cruceburg). Sibodo von Weidenhausen.

Heidenreich genannt von Schlotheim

(Slaten). Dietrich genannt von Weidenhausen.

Zeugen: die Ritter Hermann von Brandenfels

(Brandefils), Friedrich und Hermann von

Spangenberg (Spagenberg), Hermann genannt

von Boyneburg; Bodo von Boyneburg;

die Städte Eschwege und Allendorf (Aldendorf).

Siegler: Graf Otto von Bilstein und die Zeugen.

Datum: d. 1301 pridie Idus Maii.

Ausfertigung: Staatsarchiv Marburg Generalrepertorium

von Bilstein. Pergament. Die

sechs Siegel sind ab.

Abschrift: Staatsarchiv Marburg Kopiar 1, Nr

32, Bl. 19.

Hinweis: In dieser Urkunde befinden sich

zwei Fehler:

1. Die Ritter von Schwarzenberg besaßen

nicht den Halben Zehnten von Obermelsungen,

sondern den von Melsungen.

2. Widekind und Berthold von Schwarzenberg

werden als Brüder von Eckhard und Hugo

von Ballenhausen bezeichnet. Sie sind

aber deren Neffen.

Diese Fehler hat auch der Chronist Wenck in

der nachfolgenden Urkunde übernommen

14. Mai 1301

(Urkunde Nr. 61 „Die von Balenhusen“)

Graf Otto von Bilstein bekennt, dass er (cum

consensu domine nostre Katerine) dem Landgrafen

Heinrich (I.), Herrn des Hessenlandes,

dessen Gattin Mechthild und den Söhnen beider

seine Aktivlehen zwischen der Werra und

dem Hainchen bei Altmorschen (usque ad silvam,

que Hecheno appellatur) verkauft hat.

Unter anderen haben Lehen vom Grafen Otto

von Bilstein, Ritter Eckhard, Berthold, Widekind

und Hugo Brüder von Swarzenberg, Güter

in Waldau, Volthagen und Crumbach, den

halben Zehnten in Obermelsungen und andere

Güter.

Wenck, Hessiche Landesgeschichte, Urk. zum

II Bd. S. 248

37


02-4 | Das Dorf Schwarzenberg

Währung zu rechnen, als Mannlehen erhalten

zu haben. Die Summe soll der jedesmalige

Amtmann oder Schultheiß zu Melsungen dem

Ritter am Walpurgistage auszahlen und zwar

aus den Einkünften des Gerichtes und Gutes

und den Gefällen zu Schwarzenberg, und erst

wenn diese nicht reichen, aus den Gefällen

des Gerichtes Melsungen. Der Zins ist ablösbar

für 100 Mark, die dann aber wieder in

Lehngut angelegt werden müssen.

An fritage nest nach sente Johanistage, als

yme sin houbit abe geslagen wart, anno domini

millesimo COC septuagesimo nono.

Original im Staatsarchiv Marburg

29. Juli 1385 ­ Fritzlar

(Urkunde Nr. 103 „Die von Balenhusen“)

Erzbischof Adolf I. von Mainz nimmt Helfrich

Swartzenberg und dessen Lehenserben für die

Dienste, die er (Helfrich) dem Mainzer Erzstifte

geleistet hat und noch leisten wird, zu Mannen

und Burgmannen auf dem Bischofssteine

(bei Groß­Bartloff, s. Heiligenstadt) an. Dort

sollen sie eine „Hobestat" (Herrenwohnung)

bauen zu ihrem Burglehen. Sowie der Landgraf

von Hessen Helfrich an Lehen oder Eigengütern

Unrecht thut, und Helfrich oder seine

Erben erlangen die Güter zurück, so sollen sie

dieselben nebst 200 Gulden dem Stifte zu Lehen

auftragen und für immer als Mainzisches

Lehen behalten.

Datum Fritzlare sabbato Eost diem sancti Jacobi

apostoli, anno domini milesimo trecentesimo

XXX quinto.

Mainzer Ingrossaturbuch Adolf L, Lib. II, No.

10 S. 353. Kreisarchiv Würzburg.

29. Juli 1385

(Urkunde Nr. 104 „Die von Balenhusen“)

Helfrich von Schwarzenberg stellt dem Erzbischof

Adolf I. von Mainz einen Revers desselben

Inhaltes aus.

Liber registri Utterarum ecclesiae Moguntinae

No. 6 S. 172 r. Kreisarchiv Würzburg

5. Januar 1392

(Urkunde Nr. 105 „Die von Balenhusen“)

Konrad Langirman und Kunne, dessen Frau,

schenken dem Georgs­Hospital zu Melsungen

(an der Fulda) zwei Stücke Landes.

Siegler: Junker Helfrich [von Schwarzenberg].

Gegeben nach Christi geburt dryczenhundirt in

denie zwey und nuynczigstem jare an deme

tzwelften obinde.

Original im Staatsarchiv Marburg (Stadt Melsungen).

Hinweis: Dieser Helfrich von Schwarzenberg

besitzt wieder ein eigenes Siegel

2. Juni 1414

(Regesten Nr. 2588 und 2589)

Betreff: Vergabe von Lehen

Landgraf Ludwig [I.] gibt dem Melsunger Bürger

Kurt Malsfeld als Mannlehen einen Acker

im Tiergarten zwischen Schwarzenberg und

Melsungen.

Siegel des Ausstellers.

D. a. d. 1414.

Abschrift: Staatsarchiv Marburg Kopiar 4, Nr.

36, Bl. 10.

Landgraf Ludwig [I.] gibt dem Melsunger Bürger

Peter Nusel als Mannlehen einen Acker im

Tiergarten zwischen Schwarzenberg und Melsungen.

Siegel des Ausstellers.

D. a. d. 1414 sabbato post festum Penthecostes.

Abschrift: Staatsarchiv Marburg Kopiar 4, Nr.

37, Bl. 10­10v.

13. April 1417

(Urkunde Nr. 106 „Die von Balenhusen“)

Helfrich Swarcenberg überläßt dem Landgrafen

Ludwig I. von Hessen Gericht und Dorf

Schwarzenberg und andere Güter, die daselbst

und im Gerichte Melsungen liegen, und

verspricht die Rückgabe der (Lehen­) Briefe,

die keine Gültigkeit mehr haben sollen.

Siegler: der Aussteller. Siegel fehlt.

…… feria tertia post festum Paschae.

Original (kaum noch lesbar) im Staatsarchiv

Marburg.

40


02-4 | Das Dorf Schwarzenberg

Kehrenbach, ein fast gleiches Dorf, an dem

Flüsschen dieses Namens, welches oberhalb

entspringet, darauf mit der von Günzerode

kommenden Oehe sich vereinigt, über Kirchhof

gehet und bey Melsungen in die Fulde fället,

1 starke Stunde von Schwarzenberg,

anderthalbe von Melsungen.

1926 ­ Reimers Historisches Ortslexikon

für Kurhessen S.434

Schwarzenberg. Das Dorf und Gericht war

hess. Lehen derer von Schwarzenberg, aber

Helfried von Schwarzenberg verzichtet darauf

1417 Hessen gegenüber Dorf und Gericht des

Amts Melsungen.

1813 ­ Statistisches Repertorium über

das Königreich Westphalen von Dr. Georg

Hassel

Schwarzenberg gehört zum Department Fulda,

Distrikt Cassel, Kanton Körle, die Mehrheit

der Bevölkerung ist reformiert; Qualität:

Kirchdorf, 33 Häuser, 239 Einwohner.

1842 ­ Beschreibung des Kurfürstenthums

Hessens von G. Landau S. 244 u.

266

Das Justizamt Melsungen hat 1 Stadt, 22 Dörfer,

6 Höfe, von denen Adelshausen, Albshausen,

Dagobertshausen, Ellershausen, Empfershausen,

Grebenau, Kehrenbach, Kirchhof,

Körle, Lobenhausen, Malsfeld, Obermelsungen,

Ostheim, Röhrenfurth, Schwarzenberg,

Wagenfurth und Wollrode das altlandgräfliche

Amt Melsungen bildeten.

Schwarzenberg, Kirchdorf, am rechten Fuldaufer,

wo der Heubach einfließt, mit 39 Häusern

und 347 Einwohnern. Oben am Ende des

Dorfes, da wo jetzt die Schule steht, erhob

sich im 13ten Jahrhundert die Stammburg des

Geschlechts der v. Schwarzenberg, welche

durch Landgraf Heinrich I. zerstört wurde.

Doch behielt die Familie hier ihren Sitz, bis sie

im 14ten Jahrhundert erlosch.

1941 ­ Die hessischen Ämter Melsungen,

Spangenberg, Lichtenau und Felsberg

von Walter Krummel S. 58

In Schwarzenberg hatte gegen Ende des 13.

Jahrhunderts das gleichnamige Adelsgeschlecht,

ein Zweig der thüringischen Familie

Ballhausen eine Burg.

1262 konnten die Schwarzenberger zum ersten

Mal belegt werden. In Hainaer Urkunden

werden sie öfters als Zeugen erwähnt.

Unser Dorfname

1907 ­ Hessische Landeskunde 2 von Carl

Hessler S. 415

Schwarzenberg hat 302 Einwohner, welche

Landwirtschaft treiben. Eine Wasserleitung

sorgt für gutes Wasser. Die Flur ist in den

letzten Jahren zusammengelegt worden. Viele

Bewohner finden in den Fabriken von Melsungen

ihr Beschäftigung. Das Dorf war ehemals

ein Stammsitz der Herrn von Schwarzenberg.

Durch Landgraf Heinrich I. wurde der Burgsitz

zerstört, im 14. Jahrhundert erlosch die Familie.

Ortstafel Schwarzenberg

Die Herkunft des Namens Schwarzenberg ist

geschichtlich nicht belegt.

In dem „Historisch­geographischen Wörterbuch

des deutschen Mittelalters“ von Dr. Hermann

Oesterley, herausgegeben in 1883, befinden

sich auf Seite 620 sechs Einträge

Schwarzenberg“, davon vier für Orte und

Burgen in Deutschland. Unser Dorf ist nicht

darunter.

42


Das Dorf Schwarzenberg | 02-4

Die aufgeführten alten Schreibweisen für drei

der deutschen Orte lauten:

1085 Swarcinberg

1261 Swarzinberg –

Swarcenberch mit der Anmerkung

„Niger Mons“

1300 Swartenberg

Einen Hinweis auf die Entstehung des Namens

Schwarzenberg könnte die lateinische Bezeichnung

„Niger Mons“ sein. Niger bedeutet

schwarz, dunkel, unheilvoll. Mons bedeutet

Berg, zusammen also „Schwarzer Berg“.

Wenn man sich die Lage unseres Dorfes anschaut,

stellt man fest, dass der Ort vor den

dunklen Wäldern des Riedforstes liegt. Vielleicht

war dies der Grund, dass unsere Vorfahren

ihre Siedlung Schwarzenberg nannten.

Die Schreibweise unseres Ortsnamens hat

sich im Lauf der Zeiten mehrmals geändert.

In der Urkunde von 1262, in der Schwarzenberg

in dem Vergleich mit Helfrich von

Schwarzenberg und dem Abt von Cappel über

Güter in Konnefeld erstmals historisch erwähnt

wird, finden sich zwei verschiedene

Schreibweisen des Ortsnamens. Während im

Text „Suarzenberg“ steht, beginnt die leider

nicht vollständige Ortsbezeichnung im Siegel

von Helfrich mit „Swarzen….". Der Rest ist

leider nicht mehr vorhanden, könnte aber

nach der in 1261 üblichen Schreibweise (s.o.)

„Swarzenberch“ gelautet haben.

Über Jahrhunderte hinweg tauchen immer

wieder andere Schreibweisen für den Namen

unseres Dorfes auf, bis es dann ab 1788 endgültig

Schwarzenberg heißt. Hier einige der

verschiedenen Darstellungen:

1262 Suarcenberg ­ Swarzenberch

(Hess. Staatsarchiv Marburg Best.

Urk. 18 86; erste urkundliche Erwähnung

Schwarzenbergs)

1269 Suarcenberg

(Reimers Historisches Ortslexikon für

Kurhessen 1926 S 434)

Svarcenberg

(Urkunde Kartause Gensungen)

1275 Svarcenberg

(Beschreibung des Hessengaus von

Dr. G. Landau 1857 S 99)

1293 Swartzenberg

(Die Chroniken des Wigand Gerstenberg

von Frankenberg S 230)

1295 Swarcenberg

(Urkundenbuch S 163/164 Hessische

Landesgeschichte Helfrich Bernhard

Wenck 1803)

1301 Svarcenberg

(Regest Nr. 431 Staatsarchiv Marburg)

1372 Swartzinberg

(Regest Nr. 11693 Stiftsarchiv Martinsstift

Kassel)

1575 Schwartzenbergk (Salbuch 1575)

1744 Schwartzenberg

(Lager­, Stück­ und Steuerbuch

Schwarzenberg 1744)

1778 Schwarzenberg

(Erdbeschreibung der Hessischen

Lande von Regnerus Engelhardt –

S 165)

1842 Schwarzenberg

(Beschreibung des Kurfürstentums

Hessen von G. Landau 1842)

1907 Schwarzenberg

(Carl Hessler Hessische Landeskunde

2 1907 S 415)

Soweit die offiziellen Nennungen unseres

Ortsnamens. Seit den 1980­iger Jahren gibt

es besonders bei den jüngeren Bewohnern

unseres Dorfes eine neue Variante. Sie lautet

„Black Hill“, was ja auch nichts anderes wie

„Schwarzer Berg“ heißt. Mit der Farbe

schwarz hat auch der Spitzname des Dorfes

zu tun, den ich bei Lehrer Schmidt gefunden

habe. Er lautet ganz einfach: „Negerdörfchen.“

Zum Schluss möchte ich an dieser Stelle noch

festhalten, was die Obrigkeit von den Bewohnern

ihres Landes hielt. Der königliche Regierungsrat

Höck schreibt in 1822 über die Bewohner

der Provinz Niederhessen, zu der ja

auch Schwarzenberg gehörte, folgendes:

„Die Einwohner der Provinzen Ober­ und Niederhessen

und Fulda sind von robustem Körperbau,

weder groß noch schön; rauh und

hart von Lebensart, ihrem Regenten treu, und

überhaupt moralisch, nur herrscht noch hie

und da viel Aberglauben.“

Ob das auch für die Einwohner von Schwarzenberg

zutraf, kann ich heute nicht mehr beurteilen.

43


02-5 | Schwarzenberg im Lauf der Geschichte bis 1 960

Schwarzenberg im Lauf der Geschichte

bis 1960

von Adolf Seitz

Schwarzenberg im Jahr 2011

Die Gegenwart

Schwarzenberg liegt in Nordhessen, einer Region

des Bundeslandes Hessen, in der sich das

Siedlungsgebiet der germanischen Chatten

befand. Von ihnen erhielt das Land im Lauf

der Geschichte seinen heutigen Namen. Nordhessen

setzt sich hauptsächlich aus den historischen

Gebieten Niederhessen, Fürstentum

Waldeck und Teilen von Oberhessen zusammen;

eine andere historische Beschreibung

bezeichnet Nordhessen als das vormalige

Kerngebiet der Landgrafschaft Hessen­Kassel

und des Fürstentums Waldeck. Nach 1866

ging das Kurfürstentum Hessen­Kassel in der

preußischen Provinz Hessen­Nassau auf.

Der Ort Schwarzenberg, seit der Gebietsreform

von 1974 ein Stadtteil von Melsungen,

mit heute fast 600 Einwohnern, war ursprünglich

ein kleines Dorf. Es liegt nördlich der

Kernstadt im schönen Fuldatal, rechts der

Fulda, auf einer Meereshöhe von 180 Metern.

Im Osten erhebt sich der Riedforst, ein Höhenzug

zwischen Söhre und Stölzinger Gebirge,

im Westen endet das Tal auf der linken

Fuldaseite am Quiller. Durch den Ort verläuft

die Kreisstraße von Melsungen nach Röhrenfurth.

Die Bahnlinie Kassel – Bebra führt unmittelbar

am Dorf vorbei, die Fulda fließt in

ca. 200 Meter Entfernung auf die Weser und

die Nordsee zu. Auf der linken Seite der Fulda

bewegt sich der motorisierte Verkehr auf der

Bundesstraße 83 in Richtung Kassel. Seit

1991 rauschen die schnellen ICE­Züge im Osten

auf der Schnellbahnstrecke Kassel – Fulda

an Schwarzenberg vorbei.

ICE im Höhbach zwischen Hainbuchtunnel und Kaiserautunnel

44


Schwarzenberg im Lauf der Geschichte bis 1960 | 02­5

In alter Zeit

3000 v. Chr. bis 800 n Chr.

Man vermutet, dass der Raum um Melsungen

seit der Jungsteinzeit besiedelt ist. In dieser

Zeit vollzieht sich etwa um 3000 v. Chr. der

Wandel des Menschen vom Jäger und Sammler

zum sesshaften Menschen, der in der Lage

ist, Ackerbau und Viehzucht zu betreiben. Der

Mensch wird Ackerbauer. Er lebt in Häusern,

kann Steine zu Werkzeugen schleifen und

formt Töpfe und Geschirr aus Ton. Dies wird

durch archäologische Funde in unserer Gegend,

die etwa aus der Zeit um 1000 v. Chr.

stammen, bestätigt. Lehrer Peter Schmidt erwähnt

in seinen Unterlagen den Fund von

Aschenurnen auf dem Hilgensand jenseits der

Breitenländer. Außerdem schreibt er, dass

beim Umbruch einer Wiese von Justus Hofmann

in der Nähe des ehemaligen Bahnübergangs

in Richtung Melsungen, vier Töpfe ausgeackert

wurden. Sie wurden aber achtlos zur

Seite geworfen und konnten nicht historisch

bewertet werden.

Im ersten nachchristlichen Jahrhundert finden

die Auseinandersetzungen zwischen dem

Stamm der Chatten, der sich zwischen 450 v.

Chr. und Christi Geburt gebildet hat, und den

Römern statt.

Das ursprüngliche Siedlungsgebiet der Chatten

ist der niederhessische Raum. Aber nachdem

der römische Feldherr Germanicus 15 n.

Chr. in das chattische Gebiet um Maden und

Metze (bei Gudensberg) eindringt, fliehen viele

Menschen über die Eder und gelangen so

wahrscheinlich auch in unser Fuldatal. Trotz

der Völkerwanderung bleibt ein Teil der Chatten

in unserem Gebiet und wird im 6. und 7.

Jahrhundert in den fränkischen Machtbereich

integriert.

Wir wissen nicht, wann sich die ersten Menschen

in Schwarzenberg angesiedelt haben.

Nach Meinung eines Historikers Arnold gehört

Schwarzenberg, „eine Talsiedlung des Fuldatales“,

zur zweiten Siedlungsperiode, die um

800 gewesen sein soll. Damit hätte der Ort

lange vor seiner urkundlichen Erwähnung bestanden.

Das Gebiet war meist Waldgebiet,

war aber trotzdem besiedelt (vorgeschichtliche

Siedlungs­karte Niederhessens von Dr. H.

Michel).

Die damaligen Einwohner haben wahrscheinlich

unter schwierigsten Verhältnissen viele

Rodungs­, Siedlungs­ und Kulturarbeiten vollbracht.

Mit der Ausbreitung des Christentums im 8.

Jahrhundert, in 723 fällt Bonifatius bei Geismar

die Donareiche, um den Menschen zu beweisen,

dass ihre germanischen Götter keine

Macht über sie haben, gewinnt auch die Kirche

Einfluss im hiesigen Raum. Das Bistum Mainz

herrscht über die hier gegründeten Diözesen,

Kirchen und Klöster. Gegenspieler der Kirche

sind die Landgrafen von Thüringen. Ein Sohn

Ludwigs I. führt den Titel eines Grafen von

Hessen. Diese Grafen von Hessen sind in politischer

Hinsicht die Grund­ und Gerichtsherren

der Bevölkerung.

Im Mittelalter

1262 ­ 1500

Im Mittelalter organisieren die Machthaber ihren

Landbesitz in Verwaltungseinheiten und

Gerichtsbezirken. Die größten Einheiten sind

die Gaue. Unsere Gegend gehört zum Hessengau,

der wiederum in Kleingaue unterteilt

wird. Einer davon ist der „pagus Milisunge“

(Zehntgebiet – Unterbezirk Melsungen), mit

Melsungen als Mittelpunkt.

Zu diesem Unterbezirk gehört auch

1262/1263 das Dorf und Gericht Suarzenberg

oder Swarzenberch. Das Dorf liegt in der Nähe

einer Waldstraße (silvatica via). Diese

Straße (der heutige Sälzerweg) ist eine wichtige

Ost – West Verbindung. Sie verbindet

nicht nur den Fritzlarer Raum mit den Salzquellen

in Soden­Allendorf, sondern auch das

Sauerland und den Niederrhein mit dem Thüringer

Raum.

Grundrechte für Schwarzenberg besitzen um

1240 der Ritter Helfrich von Rotenburg und

von 1262 ­ 1417 die Ritter von Schwarzenberg,

die im Ort auf einer Burg leben. Sie erhalten

einen Teil vom Melsunger Zehnten. Ab

1295 hält der Landgraf von Hessen Teile der

Grundrechte. Lehnsherr ist auch Graf Otto von

Bilstein, der 1301 Aktivlehen zwischen Fulda

und Werra an den Landgrafen verkauft. Unter

diesen Lehen befindet sich auch das Schwarzenberger

Lehen.

45


02-5 | Schwarzenberg im Lauf der Geschichte bis 1 960

So stellte sich ein unbekannter Zeichner die Burg Schwarzenberg in alter Zeit vor. Die Zeichnung befand sich

früher an einer Wand in der ehemaligen Gaststätte Bangert (heute Riedforststraße 57, B. Köhler)

Die Jahre von 1242 bis 1308 sind in Hessen

Zeiten schwerster äußerer und innerer Kämpfe

um den Bestand des Staates unter Landgraf

Heinrich I. Während dieser Zeit taucht

der Name Schwarzenberg erstmalig auf, und

zwar in 1262, als der Ritter Helfrich von

„Swarzenberch“ (Schwarzenberg) eine Urkunde

siegelt, in der es zwischen ihm und dem

Abt von Cappel um Güter in Konnefeld geht.

Die Gründung des Dorfes geht allerdings aus

dieser Urkunde nicht hervor, auch nicht, ob es

etwa durch einen Schulzen oder Greben gegründet

wurde. Es steht jedoch fest, dass das

Dorf schon vor 1262 bestand. Die Siedlung lag

unmittelbar an der Burg und entwickelte sich

im Laufe der Zeit zu einem Bauerndorf, das

als solches auch weiterbesteht, als das Geschlecht

der Ritter von Schwarzenberg Anfang

des 15. Jahrhunderts ausstirbt.

Um die Mitte des 13. Jahrhunderts ist der

Landgraf nicht Alleinherrscher in seinem

Machtbereich. Sein herrschaftlicher Besitz ist

nicht sehr groß, dazu weit verstreut. In seinem

Herrschaftsgebiet gibt es viel niedrige

Adlige, die als Grundbesitzer besondere Rechte

und Sondergewalten haben. Sein Bestreben

ist, die Besitztümer und Gerichte Hessens

möglichst alle in seine Hände zu bekommen.

Er will dann den Besitzern der Burgen und

Schlösser, unter anderen auch denen von

Homberg, Melsungen und Heiligenberg größere

Rechte und Freiheiten verleihen und sie

so an sich binden. Nicht einverstanden mit

dieser Politik ist das Erzstift Mainz, das im Begriff

ist, sich mitten in Hessen ein eigenes

Territorium aufzubauen, indem es seine

Rechte an Kirchen und Klöstern vergrößert

und weiteren Grundbesitz erwirbt.

So ist zu verstehen, dass beide Parteien um

ihre Position streiten und hart kämpfen. Die

Ritter von Schwarzenberg stehen auf der Seite

von Mainz.

Die Landesherren haben durch kostspielige

Kriege, die teilweise mit Söldnerheeren geführt

wurden, ungeheure Geldsummen ausgegeben,

die Staatskassen sind leer. Das verlorene

Geld wird von Geldleuten und dem Adel

geborgt. Als Gegenleistungen bzw. Sicherungen

werden Ortschaften als Lehen an die

Geldgeber verpfändet. So gewinnt auch der

Adel großen Einfluss auf die Landesregierung.

Die wirtschaftliche Lage der Bauern ist bis

Mitte des 13. Jahrhunderts günstig. Infolge

von Rodungen bis ins Gebirge, wachsen Besitz

und Ertrag. Der Grundzins ist gering und die

zu leistenden Frondienste sind erträglich. Erbteilung

ist noch selten.

46


Schwarzenberg im Lauf der Geschichte bis 1960 | 02­5

Ab 1300 verschlechtert sich die Lage. Es gibt

keinen ertragreichen Boden mehr, das Leben

wird durch die wachsende Geldwirtschaft teurer.

Die geforderten Leistungen (Naturalabgaben)

der Lehensnehmer bleiben aber unverändert.

Die Folge ist eine steigende Armut.

Schwarzenberg wird im April 1417, nach dem

Verzicht Helfrichs auf das Dorf und Gericht

Schwarzenberg zugunsten von Landgraf Ludwig

I., herrschaftliches Lehns­ und Zinsdorf

und kommt mit 2 Hufen (ca. 65 Acker) in den

Besitz adliger Herren. Zuerst wird es Aktivlehn

derer von Hundelshausen, 1471 derer von Taboldshusen

(Dagobertshausen) und 1554 derer

von Nordeck. Der größte Teil der Einwohner

ist dem gnädigen Herrn Landgraf dienstund

zinspflichtig. 1456 sind 5 Pflüge (Vollbauern)

und 13 Mann (Familien) im Dorfe. Die

Materialabgaben (der Zehnte) wird an die

herrschaftliche Rentscheuer in Melsungen abgeliefert.

Die geldlichen Zahlungen gehen an

die herrschaftliche Renterei Melsungen.

Als in 1445 der Bezirk Melsungen in Oberamt

und Unteramt aufgeteilt wird, gehört Schwarzenberg

mit Obermelsungen, Adelshausen,

Kirchhof und Kehrenbach zum Oberamt.

1470 gehört Schwarzenberg zum Gericht

Malsfeld.

In der Neuzeit

1500 ­ 1899

Um 1500 gibt es starke Steuerbelastungen,

eine erste Taxordnung für Arbeitslöhne und

Preisfestsetzungen für Lebensmittel, Brot und

Fleisch. Landstraßen werden gebaut, Verordnungen

über Jagd, Fischerei und eine Feuerordnung

werden erlassen. Die Wollweber bilden

die stärkste Zunft im Dorf.

Die Lage der Bauern ist unverändert, sie leiden

unter Kriegen und Fehden. Die Lasten,

die ihnen die Grundherren auferlegen (Besteuerung,

Hand­ und Spanndienste, Sachabgaben,

Fruchtzinsen), lassen ihnen kaum das

Notwendige zum Leben. Einzig das Vieh wird

scheinbar nicht hoch belastet.

In 1524 verpachtet Landgraf Philipp der Großmütige

die Fischereirechte von Schwarzenberg

an die Herrn von Wagenfurth.

Allmählich erkämpfen sich die Bauern Freiheit

von den Belastungen, die ihnen das Leben

schwer machen. Vermutlich nehmen auch

Schwarzenberger Bauern am Bauernkrieg

1525 bei Schmalkalden teil.

Das Bauerntum wird nicht vernichtet, sondern

geht gestärkt aus der jahrhundertlangen Erbuntertänigkeit

hervor.

Durch die Reformation 1526 – 34 wird Hessen

evangelisch. Schwarzenberg wird kirchliches

Vikariat von Melsungen und finanziert ab 1541

das Einkommen des dortigen zweiten Pfarrers

mit.

In 1545 wird angeordnet, dass beim Tod der

Bauern, wenn vorhanden, nur die Blutsverwandten

erben. Damit soll verhindert werden,

dass die meist schon kleinen Anwesen, noch

weiter zerstückelt werden.

1554 erhält der Landgräfliche Rat Johann von

Nordeck, Schwarzenberg mit allen Rechten als

Aktivlehen. Im gleichen Jahr zieht Landgraf

Wilhelm IV. die Waldstücke Karlshagen und

Hardt ein. Schwarzenberg ist nunmehr herrschaftlich

landgräfliche Dorfschaft und unterliegt

den hessischen Gesetzen, Verordnungen

und Verfügungen, die in zunehmendem Maße

erlassen werden.

1575 wird auf Anordnung der Obrigkeit auch

für Schwarzenberg ein Salbuch angelegt. Es

enthält die erste Liste der damaligen Bauern

mit der Größe ihres Eigentums und den darauf

zu leistenden Steuern und Abgaben. Durch

seine Fortschreibung bis 1737 kann man auch

die Veränderungen im Dorf nachvollziehen.

1585 gibt Landgraf Wilhelm IV. ein auf seinen

Befehl zusammengestelltes statistisches

Handbuch, mit dem Titel „Ökonomischer

Staat“ heraus. Es enthält eine genaue Beschreibung

des Landes und seiner Einkünfte,

eine Steuertafel, ein Verzeichnis der Dörfer,

Domänen und Waldungen.

In ihm heißt es unter anderem, dass zum Amt

Melsungen, einzelne Dörfer, wie Schwarzenberg

und Kehrenbach gehören. Diese Dörfer

nehmen auch bezüglich der Dienste eine Sonderstellung

ein.

47


02-5 | Schwarzenberg im Lauf der Geschichte bis 1 960

Schwarzenberg dienet mit dem Pfluge und

auch sonst ans Haus Melsungen“. (Gemeint ist

das Schloss Melsungen, zu dem etwa 404

Morgen Land gehören).

Die wirtschaftliche Lage Ende des 16. Jahrhunderts

ist sehr schwierig. Der Wert des Geldes

ist gesunken. Die Habenzinsen sind von

zehn Prozent im 14. Jahrhundert auf fünf Prozent

gesunken, die Preise sind hoch, die Löhne

gering. Die Lage der Bauern ist düster,

Preise für Lebensmittel, Brot und Fleisch müssen

festgesetzt werden. Es ist sehr gefährlich,

Missstände anzuprangern, denn dafür kann

man in das „Gefangenenhaus“ kommen.

In 1601 passieren die ersten Fuldaschiffe

Schwarzenberg auf ihrem Weg von Kassel

nach Bad Hersfeld.

kommt der kaiserliche Feldherr Tilly in unsere

Gegend, es gibt Plünderungen. Besonders

schlimm wird es in 1637, als die gefürchteten

Kroaten plündernd durch das Land ziehen.

In 1646 haben sich fünfhundert Schweden

wochenlang einquartiert. Sie nehmen die Glocken

mit, zerstören die Orgel, und zünden die

Kirche an, die ausbrennt. Die noch vorhandenen

Burgreste werden verwüstet. Am Wengesberg

findet ein Gefecht statt, das Dorf wird

beschossen. Von einer alten Schanze im Garten

oberhalb des Hauses Jacob/Joswig (Riedforststraße

28) soll nach dem Wengesberg

zurückgeschossen worden sein.

Am 24.10.1648 beendet der „Westfälische

Friede“ den 30­jährigen Krieg. Durch die Friedensverträge

zerfällt Deutschland in ein Mosaik

von Einzelstaaten. Die Menschen brauchen

50 Jahre, um die entstandenen

Kriegskosten zu bezahlen. Als Folge des Krieges

ist der Gemeinsinn vernichtet, Trägheit

und Selbstsucht der Menschen sind groß. Jeder

versucht aus den Angeboten der öffentlichen

Einrichtungen für sich persönlich den

größten Nutzen zu ziehen. Das Leben soll

möglichst angenehm sein. Aus der Not heraus

werden viele Menschen zu Wilddieben und

auch zu Bettlern.

Ab 1650 beginnt eine Zeit des Aufbaus. Häuser

werden gebaut oder instand gesetzt.

1696/1697 gibt es eine Klage der Gemeinde

Schwarzenberg gegen den Rentmeister in

Melsungen wegen der ihr zugemuteten Dienste.

Auf diesem Ausschnitt aus der Landtafel des Amtes

Melsungen von Wilhelm Dilich aus dem Jahr 1615 ist

auch Schwarzenberg mit Teilen seiner Gemarkung

zu sehen.

(Quelle: Dilich Melsungen: Farbdruck: Stengel,

Dilichs Landtafeln ­ Wilhelm Dilich ­ V. Sp.taffel des

Amptes Milsungen ­ Bezirck Der Stadt Milsungen –

1615)

Der 30­jährige Krieg (1618 – 1648) bringt

den Menschen viel Not, Leid und Tod. Sie fliehen

mit ihrem Vieh in die Wälder. Das Eigentum

wird geraubt, die Häuser verbrannt. 1623

Um 1719 führt Landgraf Karl den „Generalhufenschoss“

ein. Er ist eine durch König Friedrich

Wilhelm I. in Ostpreußen eingeführte Abgabe.

Mit ihm werden die vielen ständischen

Steuern zu einer einzigen Grundsteuer zusammengefasst.

Dabei wird adliger Grundbesitz

wesentlich stärker be­, der Besitz von

mittleren und kleineren Leuten aber entlastet.

Der Generalhufenschoss wird von allen steuerbaren

Äckern nach der Hufenzahl (Größe)

oder der festgesetzten Aussaatmenge erhoben.

Aufgrund von Verfügungen der Landgrafen

wird zwischen 1719 und 1734 der gesamte

Grund und Boden der Landgrafschaft vermessen.

Für jeden Ort wird der Grund und Boden

48


Schwarzenberg im Lauf der Geschichte bis 1960 | 02­5

nach dem Ernteertrag bzw. dem Grundstückspreis

bewertet. Die Ergebnisse wurden in den

„Lager­, Stück­ und Steuerbüchern“ festgehalten.

Auch für Schwarzenberg wurde in

1744 ein solches Buch in der damals üblichen

Verwaltungssprache erstellt.

Titelseite Lager­ Stück und Steuerbuch Schwarzenberg

(Das Original befindet sich im Hessischen

Staatsarchiv Marburg)

Ab 1739 regelt die Grebenordnung der Landgrafschaft

Hessen­Kassel die Amtsführung der

Dorfgreben.

In 1742 blüht die Fuldaschifffahrt durch die

Beförderung von Holz, Heu und Stroh. Im Amt

Melsungen, besonders in Schwarzenberg,

Röhrenfurth und Büchenwerra gibt es zwölf

Kahnbesitzer und Holzflößer.

Im Siebenjährigen Krieg von 1756 bis 1763

kämpfen die damaligen europäischen Großmächte

Preußen und Großbritannien auf der

einen Seite, gegen Österreich, Frankreich und

Russland auf der anderen Seite. Aber auch

zahlreiche mittlere und kleine Staaten sind

beteiligt, darunter auch die Landgrafschaft

Hessen­Kassel. In 1758 gibt es Gefechte am

Giesenhagen. Am Huberg und Galgenberg befinden

sich befestigte Lager mit Geschützen.

1762 setzen sich die Franzosen oberhalb von

Schwarzenberg fest. Schanzen werden am

Karlshagen und Eulerskopf errichtet.

Auch die Franzosen schonen die Kirche nicht

und beschädigen sie schwer. Nach dem Krieg

werden am Karlshagen und Eulerskopf Waldstücke

gerodet.

1756 erlässt Friedrich II. von Preußen (der Alte

Fritz) den sogenannten „Kartoffelerlass“.

Darin wird angeordnet, dass allen Untertanen

der Kartoffelanbau begreiflich gemacht werden

soll. Und so kommen auch die Schwarzenberger

mit Hilfe der Kartoffel durch die

harten Hungerjahre 1770/1772.

1806 wird ein Gesetz über die Ablösung der

Grundlasten zum 25­fachen Betrag derselben

erlassen. Seine Durchführung scheitert an der

Armut der Bauern, die diese Beträge nicht

aufbringen können.

Von 1806 – 1813 sind die Franzosen im Land.

Napoleon Bonaparte gründet das Königreich

Westphalen und setzt seinen jüngeren Bruder

Jérome als König ein. Durch die von ihm

eingeführten Verwaltungsreformen gehört

Schwarzenberg von 1807 ­ 1813 zum Department

Fulda, Bezirk Cassel, Kanton Körle. Die

Franzosenzeit bringt Religionsfreiheit, die

Aufhebung der Leibeigenschaft, aber auch erhöhte

Steuern, u.a. eine Kopfsteuer und eine

Grundsteuer. Das Geld verliert ein Drittel seines

Wertes.

In 1813 sollen Franzosen in das Haus Reinbold

eingedrungen sein, die Bewohner reißen aus,

nur eine alte blinde Frau bleibt in der Stube

zurück. Die Franzosen kommen in das Zimmer,

sehen die Frau, schlagen ein Stück vom

Tisch ab und verschwinden, ohne weiteren

Schaden anzurichten.

Im gleichen Jahr rückt der Russische General

von Czernitschef mit 4000 Kosaken in Melsungen

ein. Mehrere Hundert von ihnen fallen

am Michaelistag in Schwarzenberg ein, und

49


02-5 | Schwarzenberg im Lauf der Geschichte bis 1 960

nehmen neben Futter, Nahrungsmitteln und

anderen Gegenständen auch die Opferbüchsen

der Kirche mit. Der Kirche entsteht ein

Schaden von 2 Thalern, 21 Groschen und 13

Hellern.

Nach der Niederlage der Franzosen in 1813

kehrt der 1803 bereits zum Kurfürsten ernannte

Wilhelm I. (vorher Landgraf Wilhelm

IX.) aus dem Exil zurück und stellt die alte

Adelsherrschaft wieder her. Er veranlasst den

ausgedehnten Bau von Straßen und Brücken

und erlässt ein Gesetz über die Ablösung der

Lasten und Pflichten der Bauern.

In 1814 befinden sich noch fünf Schwarzenberger

als Soldaten im Krieg.

1819 wird der „Gemeindenutzen“ geregelt. Es

geht um die Mitbenutzung der Allmende (gemeinschaftliches

Eigentum), also der Weidplätze

und Wälder durch die Ortsbürger. Später

wird auch die Nutzung durch Ortsfremde,

denen ab 1.2.1867 kein höheres „Einkaufsgeld“

für den Gemeindenutzen als den Einheimischen

abgenommen werden durfte, geregelt.

Diese Gelder dienten zur Bestreitung der

Gemeindeausgaben.

1820 gibt es eine Krise in der Landwirtschaft,

weil die kleinen Betriebe mit einer Durchschnittsgröße

von achtzehn Ackern nicht genügend

Erträge erwirtschaften.

In 1821 erfolgt eine große Verwaltungsreform

mit der Bildung von Landkreisen. Die ehemaligen

Ämter Felsberg, Melsungen und Spangenberg

werden am 30.8.1821 zum Kreis Melsungen

zusammengefasst. Schwarzenberg gehört

jetzt zum Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen,

Kreis Melsungen und hat 37 Häuser

mit 260 Einwohnern.

Die Nürnberger Landstraße führt nicht mehr

über den Wengesberg, sondern erhält ihren

heutigen Verlauf. Außerdem werden die Straßenränder

mit Obstbäumen bepflanzt.

Da die Bewirtschaftung der kleinen, weit verstreuten

Ländereien schwierig und zeitaufwändig

ist, gibt es 1823 erste Anregungen

über Zusammenlegung der kleinen Parzellen

(Verkoppelung). Sie unterbleibt, weil der

„kleine Mann dadurch zu Schaden kommt“.

Ab 1831 beginnt die Freiheit der Bauern; die

Lehns­ und Pachtverhältnisse werden abgelöst.

Die Ablösung erfolgt mit dem 20­fachen

Betrag der jährlichen Abgaben. Damit die benötigten

Gelder auch verfügbar sind, wird in

1832 die Landeskreditkasse Kassel gegründet.

Im gleichen Jahr wird das Bürgergardistengesetz

und Rekrutierungsgesetz erlassen. Es

begründet die allgemeine Dienstpflicht, auch

mit Stellvertretern.

Die neue Gemeindeordnung von 1834 gibt den

Gemeinden fast vollständige Selbstverwaltung.

Die Greben werden durch Bürgermeister

ersetzt. Der erste Schwarzenberger Bürgermeister

ist Martin Dittmar.

Die Jahre zwischen 1840 und 1860 sind kritisch.

Die Bevölkerung leidet Hunger, weil das

Fehlen von Kartoffeln, diese, genau wie das

Brot, teurer macht. 1 Pfund Brot kostet

42 Pfennige, bei einem Tageslohn eines Mannes

von 7 Silbergroschen = 1,25 Mark. Die

Menschen holen sich Brot in Lichtenau. Das

Bettlerunwesen nimmt überhand, Ausländer

werden überwacht. Es fehlt an Arbeitskräften

(Gesindemangel) und an Ländereien. „Triescher“,

das sind gemeinschaftlich genutzte

Weidegrünländer, deren Bearbeitung vorher

zu mühselig war, werden gerodet und in

Ackerland umgewandelt.

In 1844 wird das Pfluggeld abgelöst. (Pfluggeld

war eine Steuer, die auch als Ersatz für

sonst zu leistende Frondienste an die Herrschaft

zu zahlen war).

1845 beginnt mit dem Bau der Friedrich Wilhelm

Nordbahn das Zeitalter der Eisenbahn.

Schwarzenberg bekommt keinen Bahnhof,

muss aber 5,60 Hektar seiner Fläche an die

Bahngesellschaft abgeben.

Im Juni 1866 unterstützt Kurfürst Wilhelm I.

die Österreicher im Kampf gegen die Preußen.

Daraufhin marschieren die Preußen in Hessen

ein. Ein Teil der der Friedrich Wilhelm­Nordbahn

wird zerstört. Die Abgeordneten Preußens

beschließen am 17. Juni 1866 die Annektierung

von Kurhessen. Nach dem Erlass

der Entscheidung am 20. September 1866

wird aus Kurhessen die preußische Provinz

Hessen­Nassau, zu der auch Schwarzenberg

gehört.

Im Deutsch­Französischen Krieg von

1870–1871 kämpfen vier Schwarzenberger an

der Front.

50


Schwarzenberg im Lauf der Geschichte bis 1960 | 02­5

Zwischen 1883 und 1902 wird in Schwarzenberg

die Verkoppelung (Flurbereinigung)

durchgeführt, nachdem der erste Versuch in

1823 gescheitert war.

Am 15. Juni 1883 verabschiedet der Reichstag

unter Reichskanzler Otto von Bismarck die gesetzliche

Krankenversicherung. Ihr folgt in

1884 die Unfall­ und 1889 die Rentenversicherung.

Im Juli 1866 beginnt mit der ersten Probefahrt

des Benz Motorwagens das Zeitalter des Automobils

in Deutschland.

Bereits 1892 beschäftigte man sich in Schwarzenberg

mit Bauplänen einer neuen Schule,

da das alte Schulhaus (heute Riedforststraße

45, Steube/Nickel,) den Anforderungen nicht

mehr genügte. In 1899 wurde dann mit dem

Bau begonnen und der Rohbau fertig gestellt.

Während des Kaiserreichs ist Deutschland ein

wirtschaftlich vorankommendes Land. Einer

von 1890 bis 1914 anhaltenden Hochkonjunktur

in Industrie und Wirtschaft, steht ein

ebenso rasanter Aufschwung von Wissenschaft

und Forschung zur Seite. Die Fortschritte

in der Medizin und Hygiene lassen die

Säuglingssterblichkeit deutlich sinken.

In Deutschland leben 1914 67 Millionen Einwohner.

In den industriellen Ballungszentren

entstehen vor allem im Dienstleistungsbereich

viele neue Arbeitsplätze und immer mehr

Frauen werden erwerbstätig.

Das 20. Jahrhundert

Am 1. Januar 1900 tritt das 1896 verabschiedete

Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) in Kraft.

Damit verfügt das Deutsche Reich erstmals

über eine einheitliche Gesetzgebung. Gleichzeitig

erhält das Invalidenversicherungsgesetz,

das zugleich die Altersversicherung regelt,

Gültigkeit.

Im Oktober 1900 wird in Schwarzenberg die

neue Schule eingeweiht und bezogen. Die

Kosten betragen 19.755,00 Mark.

In 1902 baut die Firma Emil Koch & Co. aus

Frankfurt/Main eine Wasserleitung mit Reservoir

für 12.525,44 Mark.

Am 08.07.1903 wird Justus Sondermann zum

ersten Mal zum Bürgermeister gewählt. Im

April 1944 legt er nach 41­jähriger ununterbrochener

Dienstzeit dieses Amt nieder.

Da die Landwirtschaft mit ausländischer Konkurrenz

zu kämpfen hat, fordert der Bund der

Landwirte (BdL) am 15.2.1904 in Berlin einen

besseren Schutz landwirtschaftlicher Produkte

vor ausländischer Konkurrenz.

Schwarzenberg auf einem Ausschnitt der Topographischen

Karte von 1909

(Quelle:TK 25 2796 (4823) 1909: Herausgegeben

von der Preußischen Landesaufnahme 1909)

Schwarzenberg wird in 1913 an das Fernsprechnetz

Melsungen angeschlossen. Die

„Telegraphenhilfsstelle“ befindet sich bei dem

Gastwirt Wilhelm Bangert.

Der 1. Weltkrieg 1914 – 1918

Das tödliche Attentat durch serbische Nationalisten

auf den österreichischen Thronfolger

Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gemahlin

in Sarajevo, führt zum Ausbruch des Ersten

Weltkriegs. Der Krieg beginnt am 28. Juli

1914 mit der Kriegserklärung Österreich­Ungarns

an Serbien. Nach der Generalmobilmachung

Russlands zur Unterstützung Serbiens

erklärt das Deutsche Reich als Bündnispartner

Österreich­Ungarns, Russland am 1.8.1914

den Krieg.

Die deutsche Bevölkerung nimmt die Kriegserklärung

mit "patriotischen Gefühlen" zur

Kenntnis. Am 2.8.1914 verkündet Landrat

Freiherr von Gagern im Kreis Melsungen die

Mobilmachung und so müssen auch Schwarzenberger

Bürger in den Krieg ziehen. Vor

dem Ersten Weltkrieg zählt das Dorf 310 Einwohner,

22 Bauernhöfe und 55 Haushaltungen.

51


02-5 | Schwarzenberg im Lauf der Geschichte bis 1 960

Die Gemeindevertretung beschließt, die Familien

der eingezogenen Soldaten zu Weihnachten

1914 finanziell zu unterstützen. Die Familien,

deren Ernährer im Krieg sind, erhalten

10 Mark, die übrigen Soldatenfamilien 5 Mark.

Die Zwangsbewirtschaftung für Nahrungsund

Futtermittel wird eingeführt. In 1915 werden

Brotkarten, in 1916 Zucker­ und Fleischkarten

und das allgemeines Markensystem

eingeführt.

Am 12. Juni 1916 wird ein Wirtschaftsausschuss

mit Bürgermeister Justus Sondermann,

Johannes Rode, und den Vertretern Johannes

Barthel und Heinrich Peter gebildet,

um die Rohstoffe und Lebensmittel rationeller

zu verteilen. Der Winter 1916/17 ist der bekannte

„Kohl­ oder Steckrübenwinter“. Er wird

so genannt, weil angesichts der katastrophalen

Versorgungslage die Nahrungsmittelrationen

noch einmal deutlich gekürzt wurden, und

sich viele Menschen von diesem Gemüse ernähren

mussten.

Da Petroleum kaum zu beschaffen ist und damit

die Beleuchtungsmöglichkeiten in den

Häusern bescheiden sind, beschließt die Gemeindevertretung

am 24.2.1917, das Dorf mit

Strom vom Elektrizitätswerk der Stadt Melsungen

versorgen zu lassen. Kriegsgeld wird

erhoben und die Kirchenglocken müssen abgeliefert

werden. Um Geld in die Gemeindekasse

zu bekommen wird ein Waldstück der

Gemeinde vor der Hardt abgeholzt. Es soll

versucht werden, das Stück landwirtschaftlich

zu nutzen.

In 1918 nimmt die Gemeinde zum Zweck der

Kriegsanleihenzeichnung ein Darlehen von

10.000 Mark mit einem halben Prozent jährlichem

Abtrag auf. Die Sicherheit der Menschen

macht der Gemeindeverwaltung Sorge.

52

Unehrliches Gesindel treibt sich umher, bettelt,

stiehlt und raubt. In Anbetracht dieser Situation

erfolgt eine Beratung über die „Bildung

einer freiwilligen Bürgerwehr in der

hiesigen Gemeinde“ aufgrund einer Verfügung

des Landrats. Es wird beschlossen, die Nachtwache,

die es bereits gibt, um einen Mann zu

verstärken. Dieser Wachdienst wird von den

männlichen Bewohnern des Dorfes reihum,

nach der Reihenfolge der Hausnummern, geleistet.

Diese Wache ist ausgerüstet mit

Schusswaffe und Feuerwehrhorn, das bei Gefahr

geblasen wird. Wenn dieses Horn ertönt,

haben alle Personen über 16 Jahre sofort auf

der Straße zu erscheinen. Die Missachtung

dieser Anordnung wird mit 100 Mark Geldstrafe

geahndet.

Trotz einer letzten großen Offensive Anfang

1918 gehört Deutschland zu den Verlierern

des 1. Weltkriegs. Mit der Unterzeichnung des

Waffenstillstands von Compiègne werden die

Kampfhandlungen am 11. November 1918

eingestellt. Durch den Versailler Vertrag auf

der Pariser Friedenskonferenz im Mai 1919,

wird ein Schlusspunkt unter das sinnlose Blutvergießen

des 1. Weltkriegs gesetzt, in dem

auch elf Schwarzenberger ihr Leben verloren.

Zwischen 1919 und 1923

Die Not der Bevölkerung ist nach dem Krieg

auch in Schwarzenberg groß. Sie leidet unter

Hunger, ist unterernährt, Krankheiten breiten

sich aus, die Todesfälle nehmen zu. Die Lebensmittelkarte

beherrscht das Dorf. Die Bauern

sollen neben ihrer eigenen Versorgung,

auch die Ernährung der anderen Menschen sichern.

Der Wirtschaftsausschuss wird von drei

auf sechs Personen verstärkt, es gibt mehr

verschärfte Kontrollen, um die Versorgung der

Bevölkerung sicher zu stellen und Hamsterei

zu unterbinden. Um die Einwohner ein wenig

aufzuheitern, findet in 1919 ein Tanzabend

statt, für den 20 Mark Vergnügungssteuer,

manche sagten damals auch Lustbarkeitssteuer,

an die Gemeinde zu zahlen sind.

Die Schlachtviehumlage, nach der jeder Bauer

entsprechend der Anzahl seines Viehs, einen

gewissen Teil seiner Tiere abgeben muss,

kann wegen Mangel an Vieh nicht aufgebracht

werden.

Die Wohnungsnot wird immer größer. Leerstehende

Wohnungen gibt es nicht mehr.

Selbst die notdürftigsten Unterkünfte sind bewohnt.

Weil in diesen unsicheren Zeiten niemand

Grund und Boden für Siedlungen abgeben

will, wird die Wohnungsnot nicht

behoben. Jakob und Justus Riedemann, Heinrich

Seitz und Ernst Weber möchten Bauplätze

kaufen, werden aber vorerst abschlägig

beschieden. Die Spannungen zwischen Vermietern

und Mietern wachsen. Um zwischen

beiden Parteien zu vermitteln, wird ein „Mie­


Schwarzenberg im Lauf der Geschichte bis 1960 | 02­5

Im Dritten Reich 1933 – 1938

Am 30. Januar 1933 kommen Adolf Hitler und

die Nationalsozialisten in Deutschland an die

Macht. Bei der Reichstagswahl am 05.03.1933

erhält die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei

(NSDAP) in Schwarzenberg 89,

die SPD 57, die Kampffront 25 und die KPD 10

Stimmen. Im Juli 1933 sind alle Parteien, außer

der NSDAP, verboten oder haben sich

selbst aufgelöst. Neue Parteien dürfen nicht

gegründet werden. Bei erneuten Reichstagswahlen

am 12.11.1933 bekommt die NSDAP

200 Stimmen im Dorf. Der Sälzerweg gilt

nicht mehr als öffentlicher Weg.

Am 1. Januar 1934 tritt das das „Preußische

Gemeindeverfassungsgesetz“ in Kraft. Es vereinheitlicht

alle bis dahin in Preußen geltenden

Kommunalverfassungen. Die Bürgermeister

werden als Gemeindeleiter nicht mehr

gewählt, sondern ohne Wahl auf 12 Jahre berufen.

Justus Sondermann bleibt Bürgermeister

und Christian Emmeluth wird politischer

Leiter. Die Bürgermeisterentschädigung wird

auf monatlich 30 RM festgelegt. Wegen

großer Arbeitslosigkeit (22 Personen) werden

überall Notstandsarbeiten ausgeführt. So wird

die Kirche renoviert und der Kirchhof in Ordnung

gebracht. Das Spritzenhaus wird für

478,57 RM instandgesetzt. Durch die Blutseuche

verenden von vorhandenen achtzehn

Pferden sieben Tiere.

In 1935 werden in der Gemeinde Arbeiten im

Wegebau für 8.685 RM unter Mithilfe von Arbeitslosen

durchgeführt. Die Kosten werden

vom Staat bezuschusst. Für die Zuleitung des

Höhbachwassers in den Löschbehälter werden

ab dem Weg „Über den Gärten“ Zementrohre

verlegt. Die allgemeine Wehrpflicht wird eingeführt.

Gemäß der NS­Rassenlehre werden

Christian Emmeluth und Peter Schmidt zu

Erbgesundheitspflegern ernannt. Zwei Personen

werden sterilisiert.

Im Rosengraben wird ein Schießstand gebaut.

Die Bauern bauen vermehrt Flachs und Rüben

an. Täglich liefern sie 250 – 300 Liter Milch an

die Molkerei Guxhagen.

Eine Eierverwertungsgesellschaft wird gegründet.

Es herrscht eine Wildschweinplage.

Fünf kinderreiche Familien erhalten eine einmalige

Beihilfe von 100 RM.

In 1936 wird die Feuerwehr mit 20 Jacken,

Koppeln und Mützen ausgestattet. Die dazu

passenden schwarzen Hosen sollen von ortsansässigen

Schneidern gefertigt werden und

müssen von den Trägern selbst bezahlt werden.

Die erste von nunmehr alljährlichen Viehzählungen

wird durchgeführt. Durch den zweijährigen

Wehrdienst und dem ihm vorgeschalteten

Reichsarbeitsdienst (6 Monate) gibt es

keine Arbeitslosen mehr.

Im Dorf fehlen Arbeitskräfte, weil Schwarzenberger

z.B. beim Autobahn­ und beim Flugplatzbau

eingesetzt werden. Es fehlt an Holzhauern

und Erntekräften. Am 31. August

überfliegt das Luftschiff „Graf Zeppelin“

Schwarzenberg. Während eines großen

Herbstmanövers werden vierzig Soldaten im

Ort einquartiert. Die Luftschutzausbildung

läuft an. Ein junges Ehepaar wird sterilisiert.

Das Wassergeld wird um 50 Prozent erhöht.

Arbeitsdienstpass H. Hofman

In 1937 wird am Eingang zur Schule ein Pressekasten

angebracht. Es gibt eine besonders

gute Kartoffelernte, die Schweineseuche ist im

Ort. Das Dorf wird dreimal wöchentlich von

einem „Reichsbahngüterkraftwagen“ angefahren.

Im Februar 1938 wird ein Ortsausschuss zur

Pflege und Schönheit des Dorfes gebildet. Ihm

gehören Konrad Riedemann, Wilhelm Sinning

und Christian Jacob II an. Im März wird aufgrund

des Anschlusses Österreichs an

Deutschland acht Tage lang geflaggt. Bei den

Reichstagswahlen im April erhält die NSDAP

55


Schwarzenberg im Lauf der Geschichte bis 1960 | 02­5

Viele Wasserleitungen sind eingefroren, Hydranten

beschädigt, Pflanzkartoffeln in den

Kellern und Obstbäume in der Gemarkung erfroren.

Holz und Kohlen sind knapp. Die Holzhauer

können wegen der Kälte und des vielen

Schnees kein Holz schlagen. Im Februar 1940

erfolgt ein schneller Wetterumschwung mit

viel Regen. Es gibt Hochwasser. Das ganze

Fuldatal ist überschwemmt. Pioniere sprengen

das Eis bei Röhrenfurth, damit das Wasser abfließen

kann. Auf den Wiesen bleiben neben

Schwemmmaterial, große Sand­ und Kiesbänke

zurück. Auf den Feldern wurde die aufgegangene

Saat teilweise weggespült.

Adam Hofmann und Christian Emmeluth zum

Einsatz. Für Kartoffeln, Obst und Gemüse

werden Festpreise angeordnet. Die Bauern

ersetzen das fehlende Stroh bei der Viehversorgung

durch Laub. Immer wieder finden

Musterungen für Menschen und Pferde statt.

Für dringende Reparaturen, bei denen man

Metall benötigt, werden „Eisenscheine“ ausgegeben.

Ab Juli gibt es täglich Fliegeralarm.

Es wird verstärkte Verdunkelung angeordnet,

die von 23.00 bis 3.00 Uhr durch Streifenposten

überwacht wird.

Ein Ballon mit englischen Flugblättern wird an

der Bahn gefunden. In 1941 werden Flugblätter

gefunden, welche die Royal Air Force im

Namen Englands, Amerikas und Russlands

abgeworfen hat.

So könnte es beim Eisgang in 1940 ausgesehen haben. Ob dies Bild aus dem Jahr 1940 stammt konnte ich

nicht feststellen. Nach dem Betrachten des vergrößerten Bildes könnte es von der Ansicht des Dorfes und

der Gemarkung her möglich sein.

Am sogenannten „Großen Opfertag der Deutschen

Nation“ am 13.4.1940 werden im Ort

277 RM gespendet. Altmaterial wird in erhöhtem

Maße einer Wiederverwendung zugeführt.

Zum 51. Geburtstag von Adolf Hitler am 20.

April werden 290 Pfund der verschiedensten

Altmetalle gesammelt. Die sechzig evakuierten

Saarländer kehren in ihre Heimat zurück.

Bei der Einbringung der durchschnittlichen

Ernte helfen deutsche Soldaten, polnische

Kriegsgefangene und Landarbeiter. Letztere

kommen unter anderem bei Ludwig Reinbold,

In 1944 wendet sich der amerikanische Präsident

Roosevelt in ebenfalls über Schwarzenberg

abgeworfenen Flugblättern mit einer

Warnung an das Deutsche Volk.

Der Zugverkehr wird noch weiter eingeschränkt.

Die Gemeinde zahlt 1.800 RM an

Kriegssteuern, bei einem Haushalt, der auf

der Einnahmenseite mit 26.053 RM und auf

57


02-5 | Schwarzenberg im Lauf der Geschichte bis 1 960

der Ausgabenseite mit 22.310 RM zu Buche

schlägt. Ab September erhält jede Person

über 18 Jahre, monatlich 75 Gramm Bohnenkaffee.

Diese Zuteilung soll voraussichtlich bis

zum März 1941 erfolgen. Die Kirmes wird

nicht mehr gefeiert. Im Saal der Gastwirtschaft

Bangert findet eine Großkundgebung

der NSDAP statt.

Zu Weihnachten werden Butterschmalz und

Schokolade ausgeteilt. Die Bauernschaft

spendet für das Melsunger Lazarett Kuchen,

Lebensmittel und Zigaretten. Ein Teil der Kirchenglocken

wird ausgebaut und abgeliefert.

Das Läuten der Glocken ist nur noch sonntags

zum Hauptgottesdienst für 3 Minuten erlaubt.

Bedingt durch unbeständiges Wetter während

des ganzen Jahres 1941, finden die Feldbestellung

und auch die Ernte verspätet statt.

Es gibt spärliches Wachstum und Auswuchs

beim Getreide. Das Heu wird direkt von der

Wiese an staatliche Stellen abgeliefert. Bei

der Ernte werden fünf französische Kriegsgefangene

und drei polnische Zwangsarbeiter

eingesetzt.

Da Speisekartoffeln nicht mehr verfüttert

werden dürfen, wird die Viehhaltung erschwert.

Vieh, Milch und Eier müssen abgeliefert

werden. Die wöchentliche Fleischzuteilung

wird von 500 auf 400 Gramm pro Person

gesenkt. Zwei Pferde müssen gegen eine Entschädigung

von insgesamt 2.000 RM abgeliefert

werden. Der Kaufpreis für ein gutes Pferd

beträgt aber 5.000 RM.

Neben dem Hamstern wird auch das Abhören

fremder Sender schwer bestraft. Himmelfahrt,

Buß­ und Bettag fallen aus kriegswirtschaftlichen

Gründen aus. Für die Soldaten im

Melsunger Lazarett werden 14 Gänse, 15

Hühner, 9 Hähne, 4 Enten und 41 Kuchen gespendet.

Der Bund Deutscher Mädel (BDM)

packt 41 Weihnachtspäckchen, die Kriegskameradschaft

40 Zigarettenspenden, für die

sich im Krieg befindenden vierzig Soldaten

aus dem Dorf. Das Postauto fährt im Winter

nur jeden zweiten Tag.

Der Winter 1941/1942 ist hart und dauert bis

Ende März. Im Januar 1942 wird die große

Kirchenglocke ausgebaut und abgeliefert. Das

Thermometer fällt auf minus 28 Grad. Es gibt

wieder große Schäden an der Wasserleitung

und Ausfälle bei der Winterfrucht. Wegen erfrorener

Kartoffeln stehen keine Pflanzkartoffeln

zur Verfügung. Die Raucherkarte wird

eingeführt. Der Wochen­ wird durch den Monatslohn

ersetzt, der Arbeitseinsatz der Frauen

auf dem Lande, wie auch die Schlachtesteuer

neu geregelt. Die Rationen der

Selbstversorger an Fleisch, Butter, Brot und

Fett werden weiter herabgesetzt. Die Gemüsehändler

dürfen die Bewohner der Dörfer

nicht mehr beliefern. Für fehlendes Gartengemüse

soll Wildgemüse gesammelt werden und

statt Blumen, sollen die Bewohner Gemüse in

den Gärten anpflanzen.

Die Kleintier­ und Schafzucht nimmt, genau

wie die Felddiebstähle, zu. Eine Spinnstoffsammlung

bringt 112,5 kg Lumpen. Im

Juni fliegt ein englischer unbemannter Ballon

über den Ort in Richtung Spangenberg. Es

gibt Bezugsscheine für Benzin und Petroleum.

Einwohner aus Emden werden nach Schwarzenberg

evakuiert.

Am 18. Februar 1943 ruft Reichspropagandaminister

Joseph Goebbels zum „totalen Krieg“

auf. Nach einem milden Winter herrscht im

Juli 1943 tropische Hitze mit Temperaturen

bis zu 40 Grad Celsius. Die gesamte Ernte ist

innerhalb 4 Wochen abgeschlossen, die Aussaat

im Herbst erfolgt 4 Wochen früher als

normal. Außer Hafer und Gerste muss, bis auf

das Saatgut, sämtliches Getreide abgeliefert

werden. Die Rationierung der Lebensmittel

wird weiter erhöht. Waschmittel gibt es nur

noch auf Bezugsscheine. Das Einberufungsverfahren

für Soldaten wird vereinfacht. Die

in den Häusern vorhandenen Kupferkessel

werden erfasst.

Am 17. Mai 1943 wird die Edertalsperre durch

eine Bombe zerstört. Auch die Luftangriffe auf

deutsche Städte nehmen zu. Am 22. Oktober

wird Kassel bombardiert. Der Feuerschein am

Horizont ist bis Schwarzenberg zu sehen.

Evakuierte Kasseler Bewohner kommen nach

Schwarzenberg. Die Zahl der Fliegeralarme

nimmt zu und bei der Kroneneiche werden

drei Phosphorkannister abgeworfen, von denen

einer explodiert und geringen Schaden

anrichtet. Außerdem werden von den Alliierten

Flugblätter abgeworfen.

Bürgermeister Sondermann feiert sein 40­

jähriges Amtsjubiläum. Arbeitskräfte für die

Ernte fehlen, immer wieder muss Vieh abge­

58


Schwarzenberg im Lauf der Geschichte bis 1960 | 02­5

liefert werden. Ährenlesen zum eigenen Gebrauch

wird verboten. Die Reichskleiderkarten

werden für Erwachsene gesperrt. Die Nationalsozialistische

Volkswohlfahrt (NSV) schickt

im Rahmen der Kinderlandverschickung einen

Jungen aus Schwarzenberg für 6 Wochen

nach Rügen, zwei weitere Jungen für 5 Wochen

nach Thüringen und veranlasst, dass

zwölf Kinder Solebäder in Melsungen erhalten.

Im Ort werden Splitterschutzgräben angelegt.

Durch Erlass des „Führers“ Adolf Hitler vom 1.

April 1944 werden aus der ehemals preußischen

Provinz Hessen­Nassau die beiden Provinzen

Kurhessen und Nassau gebildet.

Schwarzenberg gehört jetzt zum Kreis Melsungen

des Regierungsbezirks Kassel in der

Provinz Kurhessen.

Bürgermeister Justus Sondermann legt im

April nach 41­jähriger Amtszeit sein Amt nieder.

Sein Nachfolger wird Christian Emmeluth.

Der Gauleiter überträgt alle Entscheidungen

und Befugnisse an den Bürgermeister, der

auch Politischer Leiter und Ortsbauernführer

ist. Kohlen werden noch knapper, das Losholz

muss von den Verbrauchern selbst geschlagen

werden. Für die Wehrverwaltung schlagen 25

Soldaten, 6 Wochen lang, Buchenholz im

Schwarzenberger Forst. Die Kleintierzucht ist

erheblich gestiegen, die Schweinehaltung

nimmt wegen fehlendem Futter ab. Güter des

täglichen Bedarfs sind Mangelware und werden

vorzugsweise an Evakuierte abgegeben.

Ab Juli stellt die Post die Zustellung in

Schwarzenberg ein. Briefe und Pakete müssen

täglich in Melsungen abgeholt werden. Teilweise

tun dies auch die Schulkinder. Durch

die vielen feindlichen Bomberverbände, die

Schwarzenberg meistens in Richtung Kassel

überfliegen, gibt es Fliegeralarm am laufenden

Band. Es gibt keine Schutzbauten im Ort,

bei Gefahr flüchten die Mütter mit ihren Kindern

zeitweise in den Wald. Im Juli fallen drei

Bomben vor den Erlen, im Oktober werden

fünfhundert Brandbomben in Richtung Melsungen

auf die Wiesen unterhalb der Bahn abgeworfen.

Als Tiefflieger einen Zug angreifen,

gerät das Haus Nr. 45 von Johannes Seitz

(heute Riedforststraße 42, Gundolf Köhler)

unter Bordwaffenbeschuss.

Da die Freiwillige Feuerwehr kein Personal

mehr hat, werden zehn junge Frauen zwischen

20 und 22 Jahren dienstverpflichtet.

Die Zahl der Evakuierten steigt auf über einhundert

Personen. Es herrscht große Wohnungsnot.

Der elektrische Strom wird zeitweise

abgeschaltet, der Verkauf von

Grundstücken verboten, geregelter Schulunterricht

findet nicht mehr statt. Durch das

Auftreten der Hühnerpest wird die Versorgungslage

noch kritischer. Der Bevölkerung

werden maximal noch 1.200 Kalorien pro Tag

für die Ernährung zugestanden. Georg Ruppel,

10 Jahre alt, werden beim Hantieren mit einer

Sprengkapsel drei Finger der linken Hand abgerissen.

Im Oktober werden alle männlichen

Bewohner vom 16. bis 60. Lebensjahr zum

Volkssturm dienstverpflichtet. Sechzehn von

ihnen werden zu Schanzarbeiten am Westwall

einberufen.

Am 31. März 1945 erreichen die Amerikaner

das Fuldatal bei Melsungen. Als am 4. April die

ersten amerikanischen Soldaten in das Dorf

kamen war es leer. Die Einwohner hielten sich

im Höhbachgraben auf. 35 Häuser mussten

für die Amerikaner, die am 8. April wieder abzogen,

geräumt werden. Bahn­ und Postverkehr

werden eingestellt, es findet kein Schulunterricht

mehr statt.

Die alte Gemeindebehörde handelt nach Anweisungen

der Militärregierung in Melsungen.

Die Anordnungen dieser Stelle werden an einem

Anschlagbrett am Schuleingang veröffentlicht.

Die NSDAP wird verboten, ihre Gliederungen

und Gesetze aufgehoben. Sämtliche Waffen,

Fotoapparate, Gold­ und Silbermünzen sind

abzugeben. Für die Aufrechterhaltung der öffentlichen

Sicherheit sind die, von der Militärregierung

berufenen, Polizisten Heinrich Riedemann

und Konrad Liedlich verantwortlich.

Es wird eine nächtliche Ausgangssperre von

20.30 bis 6.30 Uhr, später von 21.00 bis 5.00

Uhr angeordnet. Im Mai wird Justus Sohl zum

neuen Bürgermeister bestimmt. Die dienstverpflichteten

Polen und Franzosen werden

freigelassen. Alle verfügbaren Kräfte werden

zu landwirtschaftlichen Arbeiten herangezogen.

Am 8. Mai 1945 ging mit der bedingungslosen

Kapitulation der deutschen Truppen der

2. Weltkrieg für Deutschland zu Ende. Mit der

japanischen Kapitulation am 2. September

1945 wurde er formell für die ganze Welt be­

59


02-5 | Schwarzenberg im Lauf der Geschichte bis 1 960

endet. Er war, mit rund 60 Millionen Toten,

der bis dahin verheerendste Krieg der

Menschheit. Allein durch die Judenverfolgung

starben in Europa sechs Millionen Menschen.

Zu den Toten gehören auch fünfundzwanzig

Schwarzenberger Männer, die aus dem Kriege

nicht in die Heimat zurückkehren. Sie sind gefallen

oder gelten als vermisst. Zur Erinnerung

an sie und diejenigen, die im 1. Weltkrieg

das gleiche Schicksal erlitten haben,

wurden ihre Namen auf einem Ehrenmal festgehalten.

Dieses wurde in 1953 auf dem

Friedhof eingeweiht.

Das Elend der Überlebenden in Europa ist geprägt

von zerstörten Städten, Hunger, Flucht

und Vertreibung. Auch in unserer Gegend ziehen

Tag und Nacht Flüchtlinge durch die Gegend.

Mit der Wiederaufnahme des Zugverkehrs im

Juli 1945 und der offiziellen Fortsetzung des

Schulunterrichts ab 1. Oktober gibt es wieder

ein wenig Normalität im Leben der Menschen.

Nach dem 2. Weltkrieg

1946 – 1960

Sämtliche Privatvermögen werden im April

1946 gesperrt. Im Juli kommen Flüchtlinge

aus dem Sudetenland nach Schwarzenberg.

Es herrscht große Wohnungsnot, die Tuberkulose

bricht aus. Die Spruchkammern zur Entnazifizierung

nehmen ihre Tätigkeit auf.

Die Mitglieder des Turnvereins werden (inoffiziell)

aktiv. In der Landwirtschaft werden verstärkt

Ölsaaten angebaut. Alle Erzeugnisse,

außer der Selbstversorgerration, sind ablieferungspflichtig.

Bei Hausschlachtungen werden

pro Person nur 32 kg Fleisch, bei Schlachtgeflügel

pro Person nur 1 Stück bewilligt. Es gibt

Preiserhöhungen, der Schwarzhandel blüht.

Um die Versorgungslage zu verbessern, geben

die Landwirte Schäfer und Reinbold Teile

ihrer Äcker ab, damit sich die Bewohner, die

keinen Grund und Boden besitzen, kleine Gärten

anlegen und damit ihre Versorgung verbessern

können. Im Oktober findet eine

Volks­, Berufs­ und Wohnungszählung statt.

Am 01.12.1946 stimmt die Bevölkerung per

Volksabstimmung der neuen Landesverfassung

zu.

Im Winter 1947 herrscht große Kälte bei nicht

vorhandenem Heizmaterial. Die Tuberkulose

breitet sich weiter aus, die Wildschweine werden

zur Plage. Allmählich erfolgt eine Lockerung

der Zwangswirtschaft.

In 1948 wird Adam Hofmann zum neuen Bürgermeister

gewählt. Am 20. Juli wird mit der

Währungsreform die Deutsche Mark (DM) eingeführt.

Pro Kopf werden 60 DM ausbezahlt.

Es werden Richtlinien für die Wohnraummieten

erlassen.

Am 23. Mai 1949 tritt das Grundgesetz für die

Bundesrepublik Deutschland in Kraft.

Durch den auch in 1949 anhaltenden Flüchtlingsstrom

aus dem Osten ist das Dorf überbelegt.

Wohnungen sind Mangelware. Die Bevölkerungszahl

ist von 305 Personen in 1939

auf 503 Personen angestiegen. Das Stromnetz

der Gemeinde wird an das Überlandnetz der

EAM angeschlossen. Die Kirmes wird erstmals

seit 1940 wieder gefeiert.

Im Januar 1950 erhält Schwarzenberg eine

Dorfbeleuchtung mit sieben Lampen. Kirchund

Friedhof werden in Ordnung gebracht, die

Dorflinde unter Naturschutz gestellt.

1952 wird ein Brunnen zur Verbesserung

der Wasserversorgung gebohrt; die Kosten

betragen 20.000 DM, von denen der Staat

10.000 DM übernimmt.

Bedingt durch ein sehr trockenes Jahr beginnt

die Erntezeit in 1953 bereits am 15. Juli und

ist am 13. August mit der Grummeternte abgeschlossen.

Die Wohnungslage entspannt

sich etwas, da ein Teil der Flüchtlinge

Schwarzenberg wieder verlässt. Einige von ihnen

gehen auch in das Ausland. Die Bautätigkeit

beginnt wieder. Die Dorfstraße wird gepflastert.

Dorfdiener Konrad Braun legt mit 78

Jahren sein Amt nieder, sein Nachfolger wird

Adam Göbel. Die Bundestagswahl am 6. September

hat folgendes Ergebnis in Erst­ und

Zweitstimmen: SPD 110/110, FDP 81/71, CDU

17/29, KPD 2/2, DP 8/7, BHE 25/27.

Der Turn­ und Sportverein ist 30 Jahre alt. Am

15. November (Volkstrauertag) wird das Ehrenmal

für die gefallenen und vermissten Soldaten

des 1. und 2. Weltkriegs auf dem Friedhof

eingeweiht.

60


Schwarzenberg im Lauf der Geschichte bis 1960 | 02­5

Im Januar 1955 stirbt Bürgermeister Adam

Hofmann an den Folgen eines Unfalls. Sein

Nachfolger wird am 19. Februar Heinrich Kördel.

Die Gemeinde beschafft einen Totenwagen

zur Überführung der Verstorbenen aus

dem Dorf zum Friedhof. Die Wasserleitung

wird vom Gemeindehaus zum Friedhof verlängert.

Die am 28. Oktober 1956 neu gewählte Gemeindevertretung

mit Bürgermeister Heinrich

Kördel plant folgende Vorhaben: Die Trift (Zur

Kroneneiche) soll bis oberhalb des Friedhofs

mit einer Teerdecke versehen werden. Der

Burggraben soll kanalisiert werden. Über die

Bahnstrecke soll eine von der Bundesbahn finanzierte

Brücke gebaut werden, damit die

beschrankten Bahnübergänge an den Ortseingängen

aus Richtung Melsungen (Lengemann),

im Ort (In der Senke) und Röhrenfurth

(Steuber) wegfallen können. Die Bahn lehnt

ab.

Der Burggraben wird in 1958 für 15.000 DM

kanalisiert, für die Bachregulierung werden

3.000 DM, den Feldwegebau 2.000 DM investiert.

Die Ausgaben für die Schule belaufen

sich auf 1.100 DM. Im Fuldatal werden

3 Acker Land von der Hessischen Heimat gekauft.

Pioniere der Bundeswehr beginnen in 1959

mit der Planierung des ehemaligen Steinbruchs

oberhalb des Friedhofs, damit dort ein

Sportplatz gebaut werden kann.

In 1959/1960 wird die Straße Melsungen –

Röhrenfurth außerhalb der Ortslage ausgebaut.

61


02­6 | Unser Ehrenmal auf dem Friedhof

Unser Ehrenmal auf dem Friedhof

von Adolf Seitz

Zur Vorgeschichte des Ehrenmals fand ich bei

den Unterlagen von Lehrer Schmidt einen Zeitungsausschnitt

(vermutlich Kasseler Zeitung)

vom 25. März 1953 mit folgendem Text:

Gedenkstein aus dem Acker

Lehrer Schmidt half seiner Gemeinde/

Ehrenmal für die Toten des Zweiten Weltkrieges

soll entstehen.

Schwarzenberg.

In der kleinen Schwarzenberger Dorfkirche

befindet sich seit langer Zeit eine Tafel, welche

die Namen der Gefallenen des Ersten

Weltkrieges trägt. Bald nach Beendigung des

letzten Krieges bemühte sich die Gemeinde,

auch den Opfern des Zweiten Weltkrieges ein

würdiges Denkmal zu setzen. Bisher scheiterten

die Bemühungen an der Finanzierung. Die

Gemeinde musste in den letzten Jahren beträchtliche

Summen für die Verbesserung ihrer

Wasserversorgung und ihres Stromnetzes

aufbringen.

Vor einiger Zeit trat Lehrer Peter Schmidt mit

einem neuen Plan vor Bürgermeister Adam

Hofmann. Lehrer Schmidt, der als Naturschutzwart

für den Kreis Melsungen vor allem

die natürlichen Gegebenheiten des Kreises

kennt, wusste, dass sich in geringer Tiefe unter

dem Acker des Bauern Georg Seitz ein

großer Stein befindet, der bereits einmal vorgesehen

war, Gedenkstein zu werden.

In diesen Tagen machte sich die Gemeinde,

daran den Stein zu heben. Bürgermeister

Hofmann und einige Arbeiter der Gemeinde

gruben an der bezeichneten Stelle nach und

fanden wirklich den Stein. Mittels Dreibock,

Flaschenzug und Bulldog wurde der Fels auf

der landschaftlich wunderschönen Bergkuppe

„In den Erlen“, von der man nordwärts bis

zum Herkules sehen kann, an das Licht des

Tages gehoben und entpuppte sich als ein

rechteckiger weißlichgelber Quarzit­Stein, in

einer Höhe von 2,60 Meter, etwa einen Meter

breit und 60 cm tief. Die scharfkantige Form

62


Unser Ehrenmal auf dem Friedhof | 02­6

des Steins deutet darauf hin, dass er schon

einmal behauen wurde.

Zur Zeit liegt er nahe bei der Fundstelle am

Wegrain und die Bevölkerung soll entscheiden,

ob er für den vorgesehenen Zweck verwandt

werden soll. Bürgermeister Hofmann

möchte, dass der Stein an einer schönen Stelle

im Dorf aufgestellt, und entweder aus Marmor

oder Bronze eine Tafel mit den Namen

der Toten und Vermissten des letzten Krieges

tragen soll.

Soweit der Zeitungsbericht. Die nachstehenden

Bilder, die mir von Erika Groß, der Tochter

des damaligen Bürgermeisters Adam Hofmann

zur Verfügung gestellt wurden, zeigen

die Bergung des Steins. Der Quarzitblock erhielt

seinen Platz auf dem Friedhof als Mittelpunkt

einer kleinen Gedenkstätte.

Er wurde von dem Steinbildhauer Willi Hartmann

aus Melsungen bearbeitet, der auch die

Bronzetafel mit den Namen der Gefallenen

und Vermissten beider Weltkriege in den Stein

eingfügte. Am Volkstrauertag in 1953 wurde

die Anlage eingeweiht und ist bis heute Mahnmal

und Gedenkstätte, zugleich, geblieben.

Am Volkstrauertag eines jeden Jahres wird

nach dem sonntäglichen Gottesdienst, der seit

einigen Jahren in der Friedhofskapelle stattfindet,

unter Mitwirkung des Pfarrers, der

Freiwilligen Feuerwehr und des Sozialverbandes

VdK Deutschland eine kurze Andacht am

Ehrenmal gehalten.

Adam Hofmann, Karl Jäger, Justus Kurzrock, Georg

Seitz (von links)

Justus Kurzrock, Heinrich Kördel, Rudi Iwanowski,

Adam Hofmann, Karl Jäger (von links)

Aus Anlass der Einweihung der Gedenkstätte erschien am 17.November 1953 im „Heimat­Echo“

der Tageszeitung „Hessische Nachrichten“ der folgende Bericht:

Umsäumt von Gräbern steht das neue Ehrenmal

für die Opfer beider Weltkriege auf dem

Schwarzenberger Dorffriedhof. Ein 60 Zentner

schwerer Quarzitblock, der von Lehrer

Schmidt in der Gemarkung ausfindig gemacht

worden war, trägt die Tafel mit den Namen

der Gefallenen und zeigt in Bronze mit Stahlhelm

und Schwert die Insignien deutschen

Soldatentums. In die Anlage mit einbezogen

wurde das Grab eines jungen Deutschen, der

in den Apriltagen am Rande des Dorfes sein

Leben lassen musste und hier seine letzte Ruhestätte

gefunden hat. An der Einweihung des

Ehrenmals beteiligte sich das ganze Dorf.

Steinbildhauer Willi Hartmann übergab das

Ehrenmal nach einleitenden musikalischen

Darbietungen des Posaunenchors und Gedichtvorträgen

an die Gemeinde. Bürgermeister

Adam Hofmann übernahm es mit dem

Versprechen, die Anlage zu pflegen. Sein besonderer

Dank galt Lehrer Peter Schmidt für

die Förderung und Unterstützung bei der Planung

des Ehrenmales. Herzlicher Dank galt

auch dem Leiter der Gartenbauberatungsstelle

beim Landwirtschaftsamt Melsungen, Plaß, für

die landschaftsgärtnerische Gestaltung der

Anlage. Bürgermeister Hofmann verlas anschließend

die Namen der Gefallenen beider

Kriege und sagte, dass die Gemeinde dieses

Opfer nicht vergessen wolle.

63


02­6 | Unser Ehrenmal auf dem Friedhof

Pfarrer Fischer stellte seine Ansprache unter

das Bibelwort: „Niemand hat größere Liebe

denn die, dass er sein Leben lässt für seine

Freunde“. Niemand dürfe sagen, dass die gebrachten

Opfer umsonst gewesen seien. Kein

Tropfen Blut sei umsonst, wenn das heilige

Gesetz Gottes verstanden werde.

Unter den Klängen des Liedes vom guten Kameraden

legte Bürgermeister Hofmann dann

den ersten Kranz am Ehrenmal nieder. Abordnungen

der VdK­Ortsgruppe Melsungen, der

Freiwilligen Feuerwehr, des Gemischten Chores

und des Turn­ und Sportvereins schlossen

sich mit ihren Kranzspenden an.

Soweit der Zeitungsartikel. Mit folgenden Eintragungen

auf der Bronzetafel des Ehrenmals

wird an die vermissten und verstorbenen Soldaten

der beiden Weltkriege erinnert:

Zu Ehren der Gefallenen u. Vermißten Helden 1939 – 1945

Fritz Cornelius * 1919 † 30.06.1941 Rußland

Wilhelm Sinning * 1908 † 15.10.1941 Rußland

Fritz Reinbold * 1920 † 15.12.1941 Rußland

Wilhelm Seitz * 1915 † 18.07.1941 Rußland

Karl Seitz * 1920 † 24.11.1942 Rußland

Willi Mainz * 1921 † 24.07.1942 Rußland

Emil Weß * 1915 † 18.03.1943 Rußland

Karl Reinbold * 1916 † 24.04.1943 Afrika

Konrad Steuber * 1922 † 02.02.1944 Rußland

Heinrich Waldschmidt * 1921 † 01.09.1944 Rumänien

Heinrich Seitz * 1920 † 07.09.1944 Frankreich

Heinrich Riedemann * 1925 † 01.02.1945 Elsaß

Christoph Göbel * 1925 † 23.03.1945 Deutschland

Hans Alter * 1921 † 05.04.1945 Serbien

Karl Schüler * 1910 † 21.04.1945 Jugoslawien

64


Unser Ehrenmal auf dem Friedhof | 02­6

Vermißte

Heinrich Hofmann * 1910 verm. Jun. 1943 Rußland

Heinrich Emmeluth * 1924 verm. Dez. 1944 Ungarn

Konrad Reinbold * 1925 verm. März 1945 Ostpreußen

Neubürger durch Folgen des Krieges

Paul Keppel * 1905 † 10.01.1943 Frankreich

Alfred Rößner * 1927 † 01.04.1945 Schwarzenberg

Harry Arsand * 1924 verm. Aug. 1943 Rußland

Ernst Richter * 1914 verm. Aug. 1944 Rumänien

Willi Marotzke * 1903 verm. Okt. 1944 Albanien

Johann Hinrichs * 1911 verm. Feb. 1945 Ungarn

Artur Horn * 1896 verm. Feb. 1945 Rußland

Erwin Hofmann * 1917 verm. Juni 1944 Rußland

In steter Erinnerung der Gefallenen u. Vermißten Helden 1914 – 1918

Heinrich Kieber * 1889 † 14.10.1914 Rußland

Wilhelm Mainz * 1884 † 22.10.1914 Belgien

Georg Hofmann * 1882 † 17.12.1914 Frankreich

Lorenz Schüler * 1880 † 05.04.1916 Rußland

Heinrich Emmeluth * 1893 † 17.06.1917 Frankreich

Johannes Schmelz * 1887 † 04.01.1918 Frankreich

Valentin Schmidt * 1895 † 24.03.1918 Frankreich

Heinrich Ruppel * 1891 † 04.04.1918 Frankreich

Justus Worst * 1889 † 10.07.1918 Frankreich

Vermißte

Heinrich Wenzel * 1885 verm. 21.10.1914 Frankreich

Siemon Bubenheim * 1898 verm. 29.08.1918 Frankreich

Die Inschrift auf dem Grabstein des mit in die Anlage integrierten Grabes lautet:

Soldat Alfred Rößner * 12.01.1927 † 01.04.1945

65


02­7 | Amtliche Bücher über Schwarzenberg

Amtliche Bücher über Schwarzenberg

von Adolf Seitz

Salbuch

Ein "Salbuch" war eine amtliche, vom Landesherrn

angeordnete Aufzeichnung über seine

Rechte, Einkünfte und Liegenschaften. Seinen

Rechten standen auf der anderen Seite die

Pflichten seiner Untertanen gegenüber. Die

ersten Salbücher in Hessen gab es am Anfang

des 14. Jahrhunderts. Zunächst wurden sie

nur für einzelne Orte, Gerichte, Vogteien, Ämter

und Herrschaften erstellt. Bis Ende des 16.

Jahrhunderts erfassten sie schließlich das

ganze Land.

1575 wurde auf Anordnung der Obrigkeit auch

ein Salbuch für Schwarzenberg angelegt. In

ihm steht am Anfang, dass das Dorf dem „allergnädigsten

Herrn und Fürst“ gehört, und

seine Bewohner ihm in seinem Haus in Melsungen

(Schloss), wie sonstiges Gesinde dienen

müssen.

Die Pächter von 8 1/2 Huben (Hufen) Grundbesitz

sind ihm ebenfalls dienst­ und steuerpflichtig.

Im einzeln sind dann die Größe des

Eigentums, die erwarteten Erträge und die

darauf zu leistenden Steuern und Abgaben der

Dorfbewohner für die Zeit von 1575 – 1737

festgesetzt.

Die interessantesten Details aus dem von

Lehrer P. Schmidt erstellten Auszug sind in

dem Artikel „Bauerntum“ dieses Buches bereits

erwähnt.

Lager­, Stück­ und Steuerbuch

Das Staatsarchiv Marburg hat

uns eine digitale Fassung dieses

Buches übermittelt. Einen

Teil seines Inhalts ist ebenfalls

in dem Artikel „Bauerntum“

dieses Buches in unserer Sprache

und Schrift enthalten. Weil

dieses Buch aber frühe umfassende

Angaben über unser Dorf

enthält, habe ich es in seinem

Wortlaut aus der damals üblichen

Kurrentschrift (Deutschen

Schrift) in unsere heutige

Schrift übertragen.

Um zu demonstrieren, wie damals

gesprochen und geschrieben

wurde, habe ich den Wortlaut

gegenüber dem Original

nicht verändert. Leider konnte

ich einige Wörter oder Ausdrücke

nicht entziffern. Sie sind

im Text mit ……… dargestellt.

Zum besseren Verständnis habe

ich heute nicht mehr gebräuchlichen

Worte am Ende

des jeweiligen Abschnitts

übersetzt.

Lager­, Stück­ und Steuerbuch von 1744 für Schwarzenberg

66


02­7 | Amtliche Bücher über Schwarzenberg

Accidentien = Gebühren

Extract = Auszug

pro parte Salary = als Teil der Besoldung

copulation = Eheschließung

§ 8

Freyes Schulhauß, Güter und Accidentien

Ein freyes Schulhauß und 1/4 Acker 8 Ruthen

Garten inglusive 1/16 Acker 5 Ruthen Wiese

und den Kirchhoff hat ein zeitiger Schulmeister

pro parte Salary zur Benutzung. Die Accidentien

und Schullohn hat er ebenfalß wie gewöhnlich

in dieser Gemeindte.

§ 9

Mineralia

Deren werden hieselbst keine gegraben; alsdaß

der hiesige Ziegelbrenner den Thon im

herrschafftlichen Walde gräbt, gibt das Fahs

26 alb an gnädigste Herrschafft.

§ 10

Gemeinds Gebräuche

Die Gemeindsgebräuche allhier bestehen in 2

5/8 Acker 8 Ruthen Wiesen, 3/16 Acker 5 Ruthen

Hirtengarten und 18 5/16 Acker Koppelhudenrasen,

worauff die Stadt Milsungen

ebenfalls die Hude hat.

§ 11

Bau und Brennholtz

Ein Baur allhier bekommt 3 Klafter und ein

Köther 2 Klafter Buchenscheite aus dem Kehrenbacher

Forst. Die Köther aber bekommen

aus dem Milsunger Forst gegen die gewöhnliche

gantze Forstgebühr. Das Bauholz bekommen

sie ebenfalß daraus, gegen gewöhnliche

Forstgebühr.

Köther = Kleinbauer od. Tagelöhner

§ 12

Maste

Treiben ihre Mastschweine, wenn Mast ist, auf

vorbe …… herrschaftliche Waldung gegen die

gewöhnliche gantze Mastgebühr.

§ 13

Hud und Weyd Gerechtigkeit

Diese Gemeinde treibt ihr Vieh auf den herrschaftlichen

Milsunger Wald woselbst ihnen

ein gewißer District abgebunden wird, und bestehet

ihre Viehherden in 21 Pferden, 44 Ochsen,

33 Kühen und 80 Schafen ohne die Rinder

und Schweine. Sie haben das Gefutter von

Vieh nicht gar zu hinlänglich, sondern müssen

dessen noch kauffen.

§ 14

Schäfferey

Hierselbst dorfen sie Schafe halten, haben

dermalen ein Hauff von 80 Stück, geben an

gnädigste Herrschaft 1 Pfirchhamel und 1

Lamm, desgleichen von jedem Stück 6 hlr

Triftgeld und 20 alb Käßegeld vom gantzen

Hauffen.

§ 15

Braugerechtigkeit

Solche haben sie nicht, sondern sind gezwungen

ihr benöthigtes Bier in der Stadt Milsungen

zu holen.

§ 16

Erbauung, Werth und Miethe derer Häußer

Allhier kostet das beste Hauß zu erbauen 300

Rthlr, das mittelmäßige 150 Rthlr und das

schlechteste 40 Rthlr. Hingegen ist das beste

200 Rthlr, das mittelmäßige 100 Rthlr und das

schlechteste 30 biß 20 Rthlr werth. Zugleich

könnte das beste um 5 Rthlr, das mittelmäßige

3 Rthlr und das schlechteste um 1 Rthlr

jährlich vermiethet werden.

§ 17

Anzahl der Häußer, der Menschen, auch

gewerbtreibender Persohnen, hersschaftl.

Gemeinds und anderen Bedienten

Dieses Dorff besteht in 32 gantzen Häußern

oder Feuerstätten, einem Gemeindshirtenhauß

und Schulhauß und einer Kirche. Darinnen

wohnen 31 Männer, 35 Weiber, 36 Söhne,

43 Töchter, 11 Knechte und 8 Mägde, darunter

sind 17 Ackermänner, 1 Schneider, 1 Ziegelbrenner,

1 Schiffsmann, 1 Branndtweinbrenner,

7 Leinweber, 1 Brechenmacher und 1

Taglöhner. An Bedienten 1 Grebe und 2 Vorsteher,

müssen auch 1 Außschößer, 1 Nebenmann

und 1/4 Grenadier halten.

Außschößer u. Nebenmann = Beisitzer und

Vertreter für die niedere Gerichtsbarkeit

68


Amtliche Bücher über Schwarzenberg | 02­7

Consumtion = Verbrauch

Brandtweinsblaße = kupfernes Gefäß zum

Branntweinbrennen

Conzehsion = Konzession

§ 20

Situation und Qualitet des Feldes auch

casus fortuiti, item qualitas moralis der

Güter

Der meiste Theil deren Felder gehet hinaufwerts

biß an die herrschaftlichen Waldungen,

grenzet auch theils an dem Milsunger und

Röhrenfurther Felde, dieß und jenseits der

Fulda, ist meist wassergallicht Thon und steinigter

Qualitet und ist dem Wildfraß sehr unterworfen,

die gutes bringen allhier zwischen

dem Dorffe und der Fulda gehören gnädigster

Herrschafft, die anderen aber sind schlecht

und trocken.

§ 17 – 19 Bewohner und Infrastruktur

§ 18 Mühlen

Hierselbsten ist keine Mühle, sie müssen in

den Milsunger Mühlen mahlen.

§ 19

Wirtschafft Consumtion und Brandtweinsblaße

Allhier treibt …….. Conrad Noll dermahlen

Wirthschafft mit Bier und Brandtwein und

muß desfalß alle 3. Jahr 2 Conzehsiones auff

königlfürtstliche Renthkammer lösen, alß auch

jährlich 2 ……. Gulden geben. Die Consumtion

aber ist geringe und verzapft kaum jährlich 30

biß 40 Zober Bier und 4/2 Ohme Brandtwein.

Sonst hat auch Henrich Riemanns Frau eine

Brandtweinsblaße von 20 eymer verzapft,

auch einzeln Brandtwein, und zwar jährlich

……. 2 1/2 Ohm, muß desfalß zwey Conzehsiones

lösen.

Die qualitatem moralem betreffend, so finden

sich 6 1/2 Hufen so gnädigster Herrschafft

dienst„ zins„ und zur 10. Garbe zehendbar

sind, sodann 2 dergleichen Hufen, so gnädigster

Herrschaft nur halb dienstbar und ganz

zehendfrey und einem zeitigen Diacono zu

Milsungen zinßbahr sind, zugleich 2 dienstfreye

Hufen deren von Nordeck zu Milsungen

Zinßen und auf doppelte Fülle zu Lehen gehen,

und geben auff jeden Fall soviel …… alß

sie Metzen ……. an selbigen Zinsen.

Die übrigen Güter sind erb und dienstfrey außer

denen § 4 u. 8 gemeldten herrschaftlichen

und Schulgütern und finden sich vorgemeldte

Güter alle nach deren Ackerzahl § 30.

casus fortuiti = Zufälligkeiten

item qualitas moralis = ferner rechtliche Beschaffenheit

§ 21

Schulden auff der Gemeinde

Keine

§ 22

Korn Außsaaht

Auff einen der besten Äcker allhier werden

gesäet 5 Caßler Metzen, auf den mittelmäßigen

5 1/2 Metzen und den schlechtesten 5 3/4

Metzen.

69


02­7 | Amtliche Bücher über Schwarzenberg

§ 23

Korn Erndte und Gewicht

Auf dem besten Acker werden 35, dem mittelmäßigen

20, und dem schlechtesten 14 Garben

geerndet und werden auß 60 ordinaire 2

Viertel 8 Caßler Maß ausgedroschen. Das

Viertel Korn wiegt 250 Pfund.

ordinaire = gewöhnlich

§ 24

Gersten Außsaath und Erndte

Auf dem besten Acker werden ordinaire geerndet

30 Garben, dem mittelmäßigen 16

Garben und dem schlechtesten wird keine

Gerste gesäet. Auß einem Fuder werden

ebenfals 2 Vierthel 8 Metzen Caßler Maß gedroschen.

Hingegen werden 5 1/2 Metzen

Caßler Maß auf einem Acker ausgesäet.

§ 25

Hafer Außsaaht und Erndte

Deßen wird 6 Metzen auf einen Acker gesäet

und 12 biß 14 Garben wieder geerndtet. Auß

einem Fuder werden 4 Vierthel gedroschen.

§ 26

Werth und Miethe der Länderey

Der beste Acker Land allhier ist werth 30

Rthlr, der mittelmäßige 20 Rthlr und der

schlechteste 10 Rthlr und könnte der beste

um 1 Rthlr, der mittelmäßige um 2/3 Rthlr

und der schlechteste um 1/3 Rthlr jährlich

vermiehtet werden.

§ 27

Wießenwuchs

Die Wiesen sind allhier nur 1 und 2 schürig

und wächset auff dem besten Acker 7, dem

mittelmäßigen 4 und dem schlechtesten 2

Centner Heu und Grommet.

1 und 2 schürig = Wiese wird ein­ oder zweimal

im Jahr gemäht

Grommet = zweiter Schnitt einer Heuwiese

§ 28

Werth und Miethe der Wießen

Der beste Acker Wiesen allhier ist werth 35

Rthlr, der mittelmäßige 24 Rthlr, der schlechteste

12 Rthlr und könnte der beste um 1 1/3

Rthlr, der mittelmäßige um 3/4 Rthlr und der

schlechteste um 1/2 Rthlr vermiethet werden.

§ 29

Meßung

Diese Dorfschaft ist in ao von dem Landmeßer

Kleinschmidt mit der 14­schuhigen Ruthe deren

150 Quadrat Ruthen einen Acker machen.

(vermessen worden; fehlt)

ao = anno = im Jahr (Jahreszahl fehlt)

§ 30

Gantzer Inhalt der Dorfschaft u. deren

Feldmark

Das Dorff bestehet wie § 17 bereits gemeldt in

32 gantzen Feuerstädten und einem Gemeindts

Hirten und Schulhauß, auch Kirche,

davon Feldmark aber als

1.) die 6 1/2 Hufen, so gnädigster Herrschaft

ganz dienst, zinß und zehendbar sind,

solche bestehen in 369 5/8 Acker 16 1/2

Ruthen Wiesen und Garten, 251 1/16

Acker 31 Ruthen Land und 8 7/8 Acker 4

Ruthen wüste Triescher. Sodann

2.) die 2 Hufen, so gnädigster Herrschaft nur

halb dienstbar und einem zeitige Diacono

in Milsungen Frucht und andere Zinßen

entrichten und bestehen solche in 43 3/16

Acker 16 Ruthen Wiesen und Garten, 26

1/16 Acker 2 3/8 Ruthen Land und 1 5/8

Acker 7 Ruthen wüste Triescher.

3.) Die 2 Nordeckischen Hufen, so gnädigster

Herrschaft zehendbar denen von Nordeck

zu Milsungen, aber zinßenpflichtig auch

aus doppelter Fülle lehnbar, bestehen in

76 3/16 Acker 28 Ruthen Land und 14 3/8

Acker 2 Ruthen Wiesen, Triescher 2 Acker

15 Ruthen.

4.) Die übrigen Erb„ und dienstfreien Güter

bestehen in 77 11/16 Acker 31 Ruthen

Land, 43 3/8 Acker 33 Ruthen Wiese und 2

3/8 Acker 30 Ruthen wüste Triescher.

5.) Die Gemeinds Güter bestehen in 2 5/8

Acker 8 Ruthen wiesen, 3/16 Acker 5 Ruthen

Garten und 18 5/16 Acker …… Rasen,

worauff die Stadt Milsungen Koppelhude

hat, in Summa 451 7/16 Acker 3 Ruthen

Land, 191 5/8 Acker 70 7/12 Ruthen Wiesen

und Garten und 22 3/16 Acker 30 7/8

Ruthen wüste Triescher.

70


02­7 | Amtliche Bücher über Schwarzenberg

2. Müssen sie alle bey Erbau und Reparirung

des Schlosses und Renthhofs zu Milsungen

erfordernde Handdienste verrichten.

3. Müssen sie oberwehnte Erbs und bohnenstecken

……….

4. Alle Wochen 6 persohnen durchs gantze

Jahr ins Schloss kommen, selbiges zu reinigen,

früchte zu …… , sonst auch durchs

gantze Jahr noch viele Hand und gehe

Dienste verrichten müßen.

5. Haben wöchentlich 12 Persohnen von Ostern

bis Martini in dem herrschaftlichen

Garten alle erfordernden Handdienste als

jäten, graben, zu verrichten.

6. Müßen sie auch die auß hiesigem Ambte an

gnädigste Herrschaft fallende fette

Schweine und Hammel nach Caßell bringen.

Desgleichen auch fals Ochsen, so von

gnädigster Herrschaft darum aufgekauft

werden, auch manchmal Briefe und dergleichen

Sachen nach Caßell tragen.

7. Müssen sie das Heu von den herrschaftlichen

Wiesen vor Milsungen und Schwartzenberg,

wann solches wieder von Milsungen

wegzufahren ist, vom Bantzen

herunter holen und aufladen.

PS. Auf jeden Wagendienst werden 6 hlr

und den handdienst 3 hlr von gnädigster

Herrschaft bezahlet.

7. Sonsten verrichten sie auch alle Landfolgen

gleich anderen unterthanen, als da

sind Kriegsfuhren, Landstraßen, Wege und

Brückenbaudienste.

7. PS. Außer vorgemeldten Dienstpflichtigen

in dieser Gemeinde finden sich noch 2

Hüfner alß Hans Curth Hofmann und Johannes

Hofmann, so die § 30 u. 20 gemdt.

2 Nordeckischen Lehnhufen und Häußer

besitzen, welche in den obgemdt. herrschaftlichen

Fahr und Handtdiensten nicht

concurieren, dahingegen verrichten sie

denen von Nordeck wann einmahl an denen

…… Nordeckischen Häußern zu Milsungen

etwas repariert wird, die nöthigen

Handdienste.

7. Diese alß auch die anderen im Dorfe müssen

auch soweit so ihre Hufenhude gehet,

das herrschaftlich gefällete Wildpret nach

Milsungen fahren.

§ 35

Heer, Wagen

Allhier finden sich 2 Hufen so dem zeitigen

Diacono zu Milsungen zinsbar und gnädigster

Herrschaft halbdienstbar sind, davon müssen

die Besitzer tempore belli zur Beschützung der

hessischen Lande 1 Artillerieknecht, 1 Pferd

und 1 Wagenrad an gnädigste Herrschaft entrichten.

tempore belli = im Kriegsfall

§ 36

Civil und Criminal Jurisdiction, ith. hohe

und niedere Jagden

Stehen allergnädigster Herrschaft zu und wird

erstens von denen Beambten zu Milsungen

administriert, die Jagden ebenfals von dem

Förster daselbst über……

Civil und Criminal Jurisdiction = Gerichtsbarkeit

§ 37

Leibeigenschaft

Cehat (keine)

§ 38

Steur Capital ein Haus ins andere

Thut 34 14/33 fl

§ 39

Steur Capital ein Acker Land in den andern

Thut 7 1/3 fl

Steur Capital 1 Acker Wiesen in den andern

Thut 7 1/2 fl

Sodann ein Acker Land und Wiese inden andern

nach Abzug der onerum

Thut 4 1/3 fl

onerum = Belastung

§ 40

Sorten Land und Wiesen, wie auch Clahsification

Allhier hat man das Land in 4 und die Wiesen

und Garten in 4 Sorten gebracht und kommt

das Land in …Text fehlt…. und die Wiesen und

Gerten in …Text fehlt….

Clahsification = Einstufung

72


02­8 | Hessische Maße, Gewichte und Münzen

Getreide

Casseler Maß

1 Viertel = 16 Metzen = 160 Liter oder allgemein

250 Pfund

1 Metze = 4 Becher = 10 Liter

1 Viertel Roggen = 125 kg

1 Viertel Gerste = 107,5 kg

1 Viertel Hafer = 75 kg

Homberger Maß

1 Viertel = 16 Metzen = ca. 200 Liter

1 Viertel = 20 Casseler Metzen = 200 Liter

1 Metze = ca. 12,5 Liter

1 Viertel Roggen = 150 kg

Münzen

Zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert gab es

eine Vielzahl von Münzen. Bei den Zahlungsmitteln

waren bis 1914 in Deutschland Kurantmünzen

ein allgemein akzeptiertes Zahlungsmittel.

Kurantmünzen, waren

„vollwertige, umlaufende, gangbare, kursierende“

Münzen, deren Wert durch den Metallwert

gedeckt war. Nach dem Salbuch von

1575 zahlten die Schwarzenberger Bauern ihre

Abgaben in „Albus“ und „Heller“. Im Steuerstock

von 1737 und im Lager­, Stück­ und

Steuerbuch von 1744 wird auch der Reichstaler

(Abkürzung: Rthlr, Rthl, rthl) als Zahlungsmittel

erwähnt.

1 Reichstaler = 32 Albus (alb) oder 24 gute

Groschen

1 Albus = 12 Heller

1 Gulden (fl) (von Florentiner Goldgulden) =

zwischen 26 und 28 Albus

1 Taler = 30 Silbergroschen (19. Jhdt)

1 Silbergroschen = 1 Albus = 12 Heller. Ab

1834 ersetzte der Gute Groschen den Albus.

Albus Münze von

1564

Heller von 1744

Albus Münze von 1749

1/8 Reichsthaler von 1749

1 Thaler von 1842 2 Silbergroschen von 1842

74


3

Infrastruktur

75


03-1 | Die Entwicklung Schwarzenbergs bis 1 950

Die Entwicklung Schwarzenbergs bis 1950

von Adolf Seitz

Das Dorfbild

Form und Lage der Dörfer richteten sich

früher nach der Flureinteilung und der Bodenbeschaffenheit.

Durch diese Vorgaben entstanden

entweder Reihendörfer oder Haufendörfer.

Planmäßig angelegte Dorfsiedlungen

entstanden erst zur und nach der Zeit Karls

des Großen (800 n. Chr.).

Was die Ureinwohner von Schwarzenberg bewogen

hat, das Dorf auf einer kleinen Anhöhe

(180 m hoch) im Fuldatal, rechts der Fulda, zu

gründen, wissen wir nicht. Vielleicht war es

das vorhandene Wasser, nicht nur der Fulda,

die vor dem Bau der Eisenbahn noch näher an

Schwarzenberg vorbei floss, sondern auch das

Wasser, das im Höhbach, Rosengrund­, Heidel­

und Eulsgraben in das Tal floss. Vielleicht

war es auch die geographische Lage, denn

Schwarzenberg wird durch Haarberg, Metzewinkel

und Karlshagen gegen die kalten Nordund

Ostwinde geschützt.

Wie unser Dorf in 1262, als Ritter Helfrich

Burgherr der Schwarzenberger Burg war, ausgesehen

hat, ist nicht bekannt. Die Burg stand

rechts vom Burggraben, dort wo heute die

Häuser Kördel, Nickel (früher altes Schulhaus),

Ickler und K. Wenzel (Riedforststraße

43, 45, 49, 51) stehen. In einer handschriftlichen

Aufzeichnung gibt Lehrer Peter Schmidt

die Zahl der Häuser des Dorfes in 1262 mit

20, in 1456 aber nur noch mit 5 Häusern an.

Wenn man diese Zahlen, die nicht historisch

belegt sind, vergleicht, muss man vermuten,

dass bei der Zerstörung der Burg in 1293

auch andere Häuser zerstört wurden, die später

wieder auf­ oder neu gebaut wurden.

Einen indirekten Hinweis auf die Anzahl der

Häuser in 1575 gibt das Salbuch von Schwarzenberg.

In ihm sind die landwirtschaftlichen

steuerpflichtigen Betriebe mit ihren Eigentümern

aufgeführt. Da es 16 Betriebe sind, kann

man davon ausgehen, dass es in Schwarzenberg

damals mindestens 16 Häuser gab. Eine

genaue Zahl von Häusern wird im statistischen

Handbuch „Oekonomischer Staat“ des

Landgrafen Wilhelm IV. von Hessen im Jahr

1615 für Schwarzenberg nicht angegeben. Der

Eintrag „Schwartzenbergk hat 20 Haushaltungen,

die Gemeinde eingepfarrt in Melsungen“,

lässt vermuten, dass Schwarzenberg damals

aus 20 Häusern bestand.

Ob, und wie viele Häuser im 30­jährigen Krieg

(1618 – 1648) in Schwarzenberg durch die

Besetzung durch Schweden und Kroaten zerstört

und verwüstetet wurden, ist nicht bekannt.

Das gleiche gilt auch für den 7­jährigen

Krieg (1756–1763).

Die erste historisch belegte Angabe über die

Anzahl der Häuser, nämlich 33, erfahren wir

aus dem Salbuch aus dem Jahr 1719. Dort

heißt es: „Die Dorfschaft Schwartzenberg hat

27 Haus und Hofreyden, 6 Einzelhäuser.“

Auch das „Lager­ Stück­ und Steuerbuch“ von

1744 gibt durch eine Bestandsaufnahme Auskunft

über die Entwicklung des Dorfes. Dort

steht über Schwarzenberg (sinngemäß übertragen):

„Eine Durchgangsstraße gibt es nicht. Eine

Kirche ohne Pfarrhaus, ein Gemeindehirtenund

schulhaus sind vorhanden. Das Dorf besteht

aus weiteren 32 Häusern und hat 164

Einwohner.“

Der Standort des erwähnten Gemeindehirtenhauses

ist unklar. Nach Aufzeichnungen von

Lehrer Schmidt stand es entweder rechts vom

Torbogen, der den Eingang zum Kirchhof bildet

oder an der Stelle, an der beim Neubau

der Schule in 1899 die Treppe zum Schulhof

entstand. Es wurde jedenfalls abgerissen und

oberhalb der Abzweigung der „Blumenstraße“

von der Straße „Zur Kroneneiche“ wurde ein

Gemeindehaus mit Spritzenhaus, zu dem auch

der Ziegenbockstall gehörte, gebaut.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde es von den Familien

Schmid und Karl bewohnt. Später

76


Die Entwicklung Schwarzenbergs bis 1 950 | 03-1

diente dieses Häuschen dem TSV Schwarzenberg

als Umkleidehaus mit Duschmöglichkeit.

Nach dem Neubau des neuen Vereinsheims in

1987 wurde es abgerissen.

Dr. Georg Hassel erwähnt in seinem in 1813

erschienenen „Statistischen Repertorium über

das Königreich Westphalen“, dass es in

Schwarzenberg 33 Häuser und 239 Einwohner

gab.

In 1822 gibt es bereits 37 Häuser mit 260

Einwohnern in unserem Dorf. (Statistik und

Topographie des Kurfürstenthums Hessen von

D.J.D.U Höck 1822)

Aus der in 1842 erschienen „Beschreibung

des Kurfürstenthums Hessens“ von G.

Landau geht hervor, dass die Häuserzahl von

Schwarzenberg auf 39 Häuser angewachsen

war, in denen 347 Einwohner lebten. Diese

Zahlen werden im „Neuesten und gründlichsten

alphabetischen Lexikon der sämtlichen

Ortschaften der Deutschen Bundesstaaten“

von Johann Friedrich Kratzsch 1843 bestätigt.

In 1883 wurde für die erste Feuerspritze ein

Spritzenhaus gebaut. Es stand in der Nähe der

heutigen Treppe zum Schulhof und wurde wie

das Gemeindehirtenhaus, beim Neubau der

Schule in 1899 abgerissen und in das neu

gebaute Gemeindehaus in der „Trift“ (heute

Straße „Zur Kroneneiche“) integriert.

Nach einer von Lehrer Schmidt erstellten Einwohnerstatistik

blieb die Zahl der Häuser bis

zum Jahr 1888 konstant. Über 43 Häuser in

1897, 45 Häuser (davon 22 Bauernhöfe) in

1910, steigt die Häuserzahl auf 56 in 1935 an

und bleibt bis 1954 unverändert.

Schwarzenberg war ursprünglich ein Reihendorf.

Die meisten Häuser standen auf beiden

Seiten der heutigen „Riedforststraße“ und der

„Jahnstraße“. Einige weitere Häuser hatten ihre

Standorte in der Straße „Zur Kroneneiche“

und in der Straße „Über den Gärten“.

Die Nummerierung der alten Häuser begann

am Ortseingang von Melsungen mit der Nummer

1 (heute Seckenbach 2, Mander) und

wurde auf der linken Seite der „Riedforststraße“

mit den Nummern 2 – 20 bis zum Ortsende

in Richtung Röhrenfurth weitergeführt. Von

dort ging es, unter Einbeziehung der übrigen

Straßen, mit den Nummern 22 – 41 auf der

anderen Seite wieder zurück. Die beiden letzten

Häuser am Ortsende nach Röhrenfurth

waren, bis 1901, die heutigen Häuser Jahnstraße

1, Becker (früher Johannes Alter) und

Riedforststraße 61, T. Groß (früher Adam Hofmann).

Später errichtete Häuser wurden bis zur Eingemeindung

nach Melsungen in 1974 immer

fortlaufend nummeriert. Die Hausnummern

mit den Zusätzen 1/2, 1/4 oder 1/8 entstanden

durch Umbau von Häusern, Anbau an bestehende

oder Neubauten für abgerissene

Häuser. Ergänzungs­ oder Anbauten, wie z. B.

Stallungen, Scheunen und Schuppen waren

charakteristisch für das frühere Dorfbild. Die

einzelnen Hofflächen mit ihren Häusern waren

voneinander durch Zäune oder Mauern getrennt,

zur Straßenseite aber meistens offen.

Am 27.04.1912 wird von der Gemeindevertretung

nach längeren Verhandlungen und

mehrmaliger Ablehnung ein „Statut gegen die

bauliche Verunstaltung in der Gemeinde“ angenommen.

Inwieweit diese Verordnung

Früchte getragen hat ist offen, denn in 1937

wird ein neues Ortstatut gegen die Verunstaltung

des Dorfbildes erlassen. In ihm geht es

um die Verschönerung des Ortsbildes, indem

man Bausünden (keine Massivbauten neben

Fachwerkhäuser, unschöne Anbauten, wildes

Bauen von Schuppen) vermeiden will.

Zäune, Hecken und Gräben sollen sorgfältig

geplant und gepflegt werden. Die Gemeinde

hat Sorge dafür zu tragen, dass Strassen,

Plätze, Ecken und Winkel ordentlich aussehen.

Bachläufe und Gräben sind sauber zu halten,

Bänke und Ruhesitze sind, auch mit Hilfe der

Jugend, zu erhalten und vor sinnloser Zerstörung

zu schützen. Die Lücken zwischen den

Häusern an den Dorfstrassen sollen mit Bäumen

bepflanzt werden. Bei aller Verschönerung

sollen aber keine städtischen Verhältnisse

geschaffen, sondern der dörfliche

Charakter betont und erhalten werden. Um

die Vorgaben durchführen zu können, wird

laut Gemeindebeschluss vom 13.02.1938 ein

Ortsausschuss für die Pflege und Schönheit

des Ortsbildes gebildet. Mitglieder sind Wilhelm

Sinning, Konrad Riedemann und Christian

Jacob.

Über den früheren Zustand des Dorfes macht

Lehrer Peter Schmidt folgende Anmerkungen:

„Die Schule passt nicht in das Dorfbild und es

77


Die Entwicklung Schwarzenbergs bis 1 950 | 03-1

Im allgemeinen Sprachgebrauch gab es für

bestimmte Orte und Plätze des Dorfes besondere

Namen.

Unter der „Ziegelhütte“ mit „Ziegelbarthels

Haus“ verstand man, das Gebiet um das Haus

Nr. 1 am Ortseingang aus Richtung Melsungen,

(heute Seckenbach 2, Mander). Dort

wohnten und arbeiteten früher die Ziegelbrenner.

Oben:

Brücke über den

Burggraben 1910

­ Links das alte

Schulhaus

Links:

Die verbreiterte

Brücke mit Eisengeländer

In 1911 errichtet S. Kördel im Burggraben an

seinem Grundstück (heute Riedforststraße 43,

L. Kördel) eine hohe Mauer, die heute noch zu

sehen ist. Die im Burggraben gewachsenen

Eschen werden 1912 gefällt und in 1913 wird

der Rand des Baches, der in dem Burggraben

der Fulda zufließt, mit Faschinen befestigt. Im

Graben führte ein zwei Meter breiter Fußweg

in Richtung Fulda. Über ihn erreichte man die

„Spicke“, einen Holzsteg, über den Fußgänger

die auf der anderen Seite der Fulda gelegenen

Felder erreichen konnten. In 1959 wird der

Bach reguliert und kanalisiert.

Dort in der Nähe gab es auch die „Alte Gosse“,

eine Wasserstelle für das Vorderdorf.

Als „Heuchel­ oder Hüchelstein" wurde ein

Platz hinter dem früheren Haus Waldschmidt

(heute Riedforststraße 12/14, Arsand) bezeichnet.

Auf ihm stand früher vermutlich der

Pranger mit Halseisen, an den Bestrafte angekettet

und öffentlich vorgeführt wurden.

Die „Schanze“ lag hinter den Häusern

(Schwarz, Riedforststraße 28 und Mey, Riedforststraße

26). Dort befand sich eine Stellung,

von der im 30­jährigen Krieg auf die das

Dorf beschießenden Schweden, zurückgeschossen

wurde.

Der Platz vor dem Kirchtor wurde als „Der

Markt“ bezeichnet. Die Fläche links der Riedforststraße

mit den Häusern Nickel, Kördel,

Ickler und Wenzel nannte man früher die

„Burg“, weil ja hier die Ritterburg gestanden

hatte.

Blick auf die „Burg“ vom Westen

Hier verlief der ehemalige Burggraben. Rechts im

Bild ist noch die die in 1911 errichtete Mauer zu sehen.

Am Platz um die Linde, deren Alter im Naturdenkmalbuch

des Kreises Melsungen von 1947

bereits auf 300 ­ 400 Jahre geschätzt wurde

und die 1950 unter Naturschutz gestellt wurde,

spielte sich früher das gemeindliche und

politische Leben ab. Dort beriet sich die Be­

79


03-1 | Die Entwicklung Schwarzenbergs bis 1 950

völkerung, der Grebe informierte über wichtige

Entscheidungen, Jugendliche trafen sich

zum Tanz. Die Linde wurde in 1901 ummauert,

1938 wurde der Platz gepflastert. Die in

1981 gegründete Gruppe der „Natur­ und

Wanderfreunde Alte Linde Schwarzenberg

gestaltete den Platz neu, und veranstaltet

dort ihr alljährliches Lindenfest.

1909 wird der Beschluss zur Ausführung gefasst,

aber als die Gemeinde den Anteil des

Bezirksverbandes vorschießen soll, wird das

Projekt erst in 1913/1914 verwirklicht. Übrigens

lautete der Name des Hauses Nr. 20 im

Hausblatt „Höhlenroden“, woraus die Bevölkerung

im Sprachgebrauch kurzerhand „Hellroden“

machte.

Oben: Der Lindenplatz

Unten: Lindenfest

Die „Gosse“ war die alte Wasserstelle an der

Linde, die ab 1931 auch als Feuerlöschteich

genutzt wird. Das ehemalige Haus Nr. 29

(heute Jahnstraße 4, Bücking) trug, weil es

unmittelbar an der „Gosse“ stand, den Namen

„Gossen“.

Als „Höhle“ bezeichnete man früher den Ortsausgang

ab Haus Nr. 20 (heute Riedforststraße

61, Groß) in Richtung Röhrenfurth, weil er

so schmal und eng war. In 1908 stellt die Gemeinde

einen Antrag auf Verbreiterung dieses

Abschnitts beim Landeshauptmann. Die Kosten

sollen 3.600 Mark betragen, wovon

Schwarzenberg 1.200, der Bezirksverband

1.800 und der Kreis 600 Mark tragen sollen.

Die „Höhle“

Die Vergrößerung des Dorfes

Schon nach dem 1. Weltkrieg bestand bei vielen

Einwohnern Schwarzenbergs der Wunsch

nach einem eigenen Haus. Das Siedlungsgesetz

von 1919 schuf die Voraussetzungen zum

Erwerb von kleinen Bauplätzen, die von größeren

Grundstücken abgegrenzt wurden.

So erbauten Johannes Seitz das Haus Nr. 45

(heute Riedforststraße 42, G. Köhler), die Gebrüder

Justus und Jakob Riedemann das Doppelhaus

Nr. 46/47 (heute Riedforststraße

11/13, Vaupel) und Fräulein Martha Peter das

Einfamilienhaus Nr. 53 (heute Riedforststraße

2, Tschurikow).

Auch nach dem 2. Weltkrieg mit Beginn des

Wirtschaftswunders in 1948 wollten einige

Einwohner, nicht zuletzt wegen der knappen

und nicht sehr komfortablen Mietwohnungen,

selbst Hausbesitzer werden. Eine Bauleitplanung

gab es nicht. Es wurde da gebaut, wo

man ein Grundstück besaß oder ein solches

preiswert erwerben konnte.

Wege und Straßen

Wenn wir in der heutigen Zeit von Straßen

sprechen, denken wir an gut ausgebaute Au­

80


Die Entwicklung Schwarzenbergs bis 1 950 | 03-1

In 1927/28 wurde die „Trift“ von der Dorfstraße

bis zum heutigen Haus Schanze gepflastert.

Dazu musste die Gemeinde ein Darlehn

von 1.500 Mark bei der Sparkasse Melsungen,

mit einer vierteljährlichen Tilgung von

100,00 Mark, aufnehmen.

1954 wird neben der „Gartenstraße“ auch die

„Trift“, vom Haus Schanze bis zum Standort

des alten Gemeindehauses (oberhalb der Einmündung

der Blumenstraße), instand gesetzt.

1957 erhält sie bis zum oberen Eingang des

Friedhofs eine Teerdecke. Die nachstehenden

Bilder zeigen die „Trift“ aus der Blickrichtung

vom Friedhof.

Straße im Vorderdorf alt

So sieht die gleiche Stelle in 2012 aus

Durch das „Vorderdorf“ gelangte man zur

Ortsmitte, dem „Marktplatz“. Dort zweigte in

Richtung Osten ein Weg, die heutige Straße

„Zur Kroneneiche“, ab. Im Volksmund hieß er

„Die Trift“ oder auch „Schwinnetrift“. Diese

Bezeichnung erhielt er dadurch, dass auf ihm

Kühe und Schweine von den Schwarzenberger

Hirten zur Mast in den Wald getrieben wurden.

Er stellte, als Feldweg, die Verbindung zu

den Flurstücken Metzewinkel und Karlshagen

her. Am Beginn des Rosengrabens teilte er

sich und führte auf beiden Seiten steil zum

Wald hinauf. Auf einem dieser Wege gelangte

man durch den Wald hindurch („Kirchhöfer

Tannen“) nach Kirchhof. Zwischen Rosengraben

und Heidelgraben gab es einen mit Hecken

bestandenen Fußweg. Die „Trift“ war ab

1846 auch der Zugang zum heutigen Friedhof.

Vermutlich als Folge der Verkoppelung wurde

der Feldweg „Gartenstraße“, heute „Über den

Gärten“, gebaut, der von der Trift abzweigt.

Die „Trift“ um 1910. Im Vordergrund links sieht man

das alte Gemeindehaus

Die „Trift“ in 2011

Unmittelbar hinter der Einmündung der Trift

führte die Dorfstraße über den Burggraben,

den ehemaligen Festungsgraben der Schwarzenberger

Burg, in das „Hinterdorf“.

Die nachstehenden Bilder zeigen die Veränderungen

des Dorfbildes an dieser Stelle.

83


03-1 | Die Entwicklung Schwarzenbergs bis 1 950

Kinder am Burggraben vor 1912 Dorfmitte 1970

Dorfmitte 1986 Dorfmitte 2011

An der Linde führte ein Weg, den man früher

scherzhaft „Königsstraße“ nannte, in das „hintere

Dorf“ und weiter in Richtung Höhbach,

Hardt und Haarberg. Dieser Weg, heute

„Jahnstraße“, führte zwischen den Häusern

Hain und Löwe durch das damals offene Bachbett

des Höhbachs. Der Weg wurde später,

wahrscheinlich mit dem Bau des Forsthauses

(1898), ab der Durchfahrt, zu einem „fiskalischen“

Weg. Das heißt, er befand sich im Besitz

des Staates, der auch für die Unterhaltung

zuständig war. Er wurde bereits 1919

chaussiert, indem er mit Kies und Steinen befestigt

wurde. Wahrscheinlich hing das auch

mit seiner Bedeutung für die Holzabfuhr zusammen,

denn bereits im Januar 1903 stellte

die Gemeinde Röhrenfurth den Antrag, diesen

Weg zur Holzabfuhr benutzen zu dürfen. Darüber

kam es zum Streit mit Schwarzenberg,

der aber in einer Verhandlung beigelegt wurde.

In 1937 begann man den Weg von der

Linde her bis zum Haus Siemon zu pflastern

und setzte die Pflasterung in 1941 bis zum

Weg „Über den Gärten“ fort. Die Kosten der

Erweiterung der Pflasterung betrugen 1.800

RM.

Beginn der „Königsstraße“

Der „fiskalische“ Weg in 2011

84


03-1 | Die Entwicklung Schwarzenbergs bis 1 950

neiche/Blumenstraße“) bis auf den Friedhof

verlängert, sodass man das Wasser für die

Grabpflege nicht mehr mühsam zum Friedhof

tragen musste. Heute sind auf dem Friedhof

drei Zapfstellen eingerichtet.

1970 wurde die Friedhofshalle erbaut und in

1996 erweitert. Die Vergrößerung war nur

möglich, weil neben der finanziellen Unterstützung

der Stadt Melsungen, 21 freiwillige

Helfer und Helferinnen unentgeltlich einen Arbeitseinsatz

von 710 Stunden leisteten. Außerdem

spendeten die Schwarzenberger noch

4.300 DM und die Brunnenbauer 1.619 DM.

Die erweiterte Halle wurde anlässlich eines

Gottesdienstes am 24.11.1996 (Ewigkeitssonntag)

im Beisein von Bürgermeister K.H.

Dietzel ihrer weiteren Verwendung zugeführt.

Damit nachträglich noch eine Toilette eingebaut

werden konnte, übergaben die Brunnenbauer

der Stadt in 1997 eine Geldspende in

Höhe von 1.525 DM, die sie gesammelt hatten.

1983 wurde der steile Weg auf dem Friedhof

in Eigenleistung mit Verbundpflaster ausgebaut,

nachdem die Stadt Melsungen das Material

zur Verfügung gestellt hatte.

Der Friedhof wird heute durch die städtischen

Arbeiter in Ordnung gehalten und macht durch

die gepflegten Gräber einen harmonischen

Eindruck.

Die Aushebung der Gräber erfolgt heute maschinell

mit Hilfe eines Baggers. Den Beruf des

Totengräbers gibt es nicht mehr. Der letzte

Schwarzenberger, der bis 1974 noch Gräber

für die Verstorbenen von Hand ausgehoben

hat, war Franz Langefeld. Auch die Sitte, dass

der Sarg des Toten von Einwohnern, den

„Trägern“ zum Grab getragen wird, kommt

nur noch in Ausnahmefällen vor.

Pause beim Pflastern. Links von vorn: O. Siemon, K.

Wenzel; rechts von vorn: H. Seitz, G. Schmidt, H.

Schneider und verdeckt G. Goldhardt und G. Steube

Friedhofshalle im Rohbau (1970)

Furt und Spickenbrücke (Spicke)

Ein Teil der Schwarzenberger Flur mit den

Flurstücken „Unterm Berge, Die Breitenländer,

Fischberg, Rotlauf, Kannberg“ liegt links der

Fulda im Westen der Gemarkung.

Friedhofshalle in 2011

Die Flurstücke ziehen sich von der Fulda über

die Bundesstraße 83 und den Wendesberg

hinauf in Richtung Steinwalds­ und Kesselskopf

unterhalb des Quillers. Um diese Fluren

zu erreichen, gab es früher in Richtung Röhrenfurth

eine Furt, die sogenannte „Därchfohrt“,

durch die Fulda. Diese ersparte den

Bauern die weiten Umwege über die Melsunger

oder Röhrenfurther Fuldabrücken.

86


Die Entwicklung Schwarzenbergs bis 1 950 | 03-1

Erwägungen in 1905, eine neue Furt etwas

näher zum Dorf anzulegen, wurden verworfen.

Auf diesem Ausschnitt aus einem Bild von 1912

(Sammlung von K.F. Waldmann, Fuldabrück)

erkennt man den Weg von Schwarzenberg zur

eingezeichneten Furt

Herr Kurt Maurer schreibt in der Fortschreibung

der Röhrenfurther Dorfchronik zum 825­

jährigen Jubiläum, dass die Furt überregionale

Bedeutung gehabt haben könnte. Er begründet

dies mit den vielen Wegspuren am oberen

Ende des Wangergrabens. Sie könnten durch

Wagen von Fuhrleuten und Händlern verursacht

worden sein, die die Furt benutzten, um

in Melsungen keinen Brückenzoll bezahlen zu

müssen.

Auf der linken Seite der Fulda ist der Zugang

zur Furt noch gut zu sehen. Er beginnt am

Parkplatz in der Kurve der Bundesstraße 83

und bildet zur Fulda hin einen kleinen Hohlweg,

der zum Teil schon zugewachsen ist.

Im April 1902 stellten die Besitzer der Felder

jenseits der Fulda bei der Gemeinde einen

Antrag auf den Bau einer Spickenbrücke (hölzerner,

schmaler Steg für Fußgänger), um die

Felder auch ohne Fahrzeuge und bei jedem

Wetter erreichen zu können. Bis dahin mussten

Fußgänger bei der Furt durch die Fulda

waten. Der Antrag wurde abgelehnt, stattdessen

wurde von der Firma Stahl aus Melsungen

ein Fährschiff für 150 Mark gekauft.

Im Mai 1902 lehnt der Landrat die Bezahlung

eines Fährmanns für das Schiff ab, und die

Gemeinde beschließt, im März 1904, doch den

Bau einer Spicke. Diese lag in der Verlängerung

des Burggrabens und überquerte die

Fulda in Höhe der „Hexeneiche“ an der B 83.

Um sie zu erreichen, musste man die Bahngleise

über einen mit einem „Drehkreuz“ gesicherten

Überweg queren.

Spicke mit Fährschiff (um 1910)

Durch diesen

Hohlweg ging es

von den Feldern

links der Fulda in

die Furt

Hier war die Einfahrt

zur Furt auf

der Schwarzenberger

Seite der

Fulda

Die Kosten für den jährliche Aufbau, die Abnahme

durch den Strommeister und den Abbau

der Spicke lagen zwischen 120,00 und

150,00 Mark, die anfangs von der Gemeinde

getragen wurden. Nach der Verkoppelung ging

1/3 der Kosten, anteilmäßig nach der Größe

des Besitzes, zu Lasten der Eigentümer der

jenseits der Fulda gelegenen Grundstücke.

Die restlichen 2/3 trug die Gemeinde. Um zumindest

einen Teil der Kosten zurück zu bekommen,

beschloss die Gemeindevertretung

am 28.03.1904, ein „Spickengeld“ von 2

Pfennigen pro Person für die Benutzung des

Steges, zu erheben. Um diese Kosten zu umgehen,

wateten manche Leute bei niedrigem

Wasserstand weiterhin durch die Fulda. Das

Spickengeld wurde bis zum Jahr 1930, dem

87


03-1 | Die Entwicklung Schwarzenbergs bis 1 950

Jahr, in dem der Steg zum letzten Mal aufgeschlagen

wurde, erhoben.

Auf diesem Ausschnitt

der topografischen

Karte TK

25 2796 (4823)

1909 (Herausgegeben

von der

Preußischen Landesaufnahme

1909) ist die Lage

der Furt und der

Spickenbrücke

eingezeichnet.

In 1905 möchte der Fischer Helwig Dieling aus

Wagenfurth das nicht mehr benötigte Gemeindeschiff

kaufen. Der Verkauf scheitert

aber an den von der Gemeindevertretung gestellten

Bedingungen, das Schiff mindestens

für 10 Jahre zu erhalten und es der Gemeinde

für Überfahrten und zum Auf­ und Abbau der

Spicke, zur Verfügung zu stellen. Stattdessen

wird das Schiff in 1906 an den Kanzleigehilfen

Conrad Bäcker aus Melsungen für 8 Mark

jährlich verpachtet. Er muss das Schiff alle 2

Jahre teeren und zum Auf­ und Abbau der

Spicke bereithalten. Das Schiff wird am sogenannten

Schiffstein an der Spicke angeschlossen.

Einen Schlüssel für das Schloss besitzt

die Gemeinde, einen weiteren der Pächter.

In 1911 pachtet der Fischer Helwig Dieling das

Schiff zu den gleichen Bedingungen wie sein

Vorgänger.

Verkehr auf der Fulda

Schon 1497 sollen Landsknechte die Fulda mit

Flößen befahren haben. Nach alten Plänen von

Landgraf Moritz wurde die Fulda in 1601/1602

von Kassel bis Hersfeld schiffbar gemacht. Die

anliegenden Gemeinden mussten die Kosten

für das Freihalten des Fahrwegs und die Befestigung

der Ufer tragen.

Im September 1601 passierten die ersten drei

Fuldaschiffe, auf ihrem Weg von Kassel nach

Bad Hersfeld, Schwarzenberg. Mit an Bord

waren Landgraf Moritz und sein Gefolge. Im

gleichen Monat verkehrten die ersten Frachtschiffe.

Flussaufwärts wurden die Schiffe „getreidelt“,

d.h. sie wurden von Pferden, die auf

befestigten Pfaden an den Flussufern liefen,

gezogen. Die Schiffe waren ca. 20 – 24 Meter

lang und zwischen 1,20 und 1,50 Meter breit.

Je nach Größe betrug ihre Tragfähigkeit zwischen

250 und 350 Zentnern.

Die meisten Lastschiffe waren mit Mast und

Segel ausgerüstet. Ihre Besatzung bestand

aus zwei oder drei Schiffern. Um den zunehmenden

Verkehr zu regulieren wurde in 1617

eine Flußschiffahrtsverordnung herausgegeben.

Ihren Höhepunkt hatte die Schifffahrt im

18. Jahrhundert mit der Beförderung von

Holz, Heu und Stroh. Im Amt Melsungen, besonders

in Schwarzenberg, Röhrenfurth und

Büchenwerra gab es in 1722 zwölf Kahnbesitzer

und Holzflößer.

1775 verkehrten zwischen Kassel und Hersfeld

zweimal wöchentlich „Marktschiffe“, die Personen

und Güter beförderten. Die Fahrt dauerte

flussaufwärts drei, flussabwärts zwei bis

zweieinhalb Tage.

Die Besitzer der Schiffe und die Schiffsknechte

bezeichnete man als Schiffsmänner. 1786 besaßen

die Schwarzenberger noch ein einziges

Schiff. Mit der Eröffnung der Kurfürst­Friedrich­Wilhelm­Nordbahn

in 1849 lief die Schifffahrt

aus, denn sie konnte weder mit der

Schnelligkeit, noch mit den Frachtpreisen der

Bahn konkurrieren.

Eisenbahn

Als am 18.09.1848 der erste Zug der Friedrich

Wilhelm Nordbahn auf der anfangs eingleisigen

Strecke an Schwarzenberg vorbeifuhr,

gab es in Deutschland schon Bahnstrecken mit

einer Gesamtlänge von 548 Kilometern. Die

beiden für Schwarzenberg nächstgelegenen

Bahnhöfe waren damals Melsungen und Guxhagen.

Ab 15. Juli 1892 gab es dann den Bahnhof in

Körle. Schwarzenberg sollte ursprünglich mit

Röhrenfurth einen gemeinsamen Bahnhof bekommen,

der zwischen beiden Orten liegen

sollte. Die Schwarzenberger lehnten aber aus

finanziellen Gründen ab, und so fahren bis

heute die Züge an Schwarzenberg vorbei. Die

Röhrenfurther weihten übrigens ihre Halte­

88


Die Entwicklung Schwarzenbergs bis 1 950 | 03-1

stelle am 1. August 1905 ein und es ist schon

eine Ironie, dass ausgerechnet ein Eisenbahner

aus Schwarzenberg, Georg Weber, erster

Bahnhofsvorstand in Röhrenfurth wurde.

Seit der Inbetriebnahme der RegioTram­Linie

5 von Melsungen nach Kassel im Sommer

2006, ist immer wieder eine Haltestelle in

Schwarzenberg im Gespräch. Die Politiker der

Stadt Melsungen sind auch in 2012 in dieser

Hinsicht tätig. Vielleicht bekommt ja Schwarzenberg

doch noch seinen Bahnhof.

Mit dem Betrieb der Bahn änderten sich auch

die Verkehrsverhältnisse in Schwarzenberg,

denn man musste die Bahnstrecke überqueren,

um zu den Feldern und Wiesen zu kommen,

die auf der Westseite der Bahn lagen.

Die Bahn richtete insgesamt vier Bahnübergänge

ein. Je einen an den Ortsausgängen in

Richtung Melsungen und Röhrenfurth, einen

weiteren „In der Senke“ und einen, nur für

Fußgänger benutzbaren Überweg, am Ende

des Burggrabens. Die Übergänge waren anfangs

unbeschrankt, denn die Bahnwärterhäuser

an den Ortseingängen aus Richtung Röhrenfurth

und Melsungen, von denen später die

Schranken der drei befahrbaren Bahnübergänge

bedient wurden, wurden erst in 1854

und 1867 errichtet. Scheinbar standen die

Schranken immer offen und wurden bei jeder

Zugfahrt geschlossen, denn im Juli 1902 stellte

die Bahn den Antrag, einen Teil der Schranken

nachts und im Winter zu schließen, und

nur bei Bedarf zu öffnen. Die Gemeinde lehnte

dies jedoch ab.

Über den Bahnübergang bei dem Bahnwärterhaus

am Ortseingang aus Richtung Röhrenfurth erreichte

man die Furt in der Fulda

In 1956 forderte die Gemeinde die Bundesbahn

auf, eine von der Bahn finanzierte

Brücke über die Bahnstrecke zu bauen, damit

die beschrankten Bahnübergänge wegfallen

könnten. Das Projekt scheiterte an der Ablehnung

der Bahn. Als diese dann in 1972 das

gleiche Vorhaben verwirklichen wollte, lehnte

die Gemeinde ab, weil sie die Folge­ und Unterhaltungskosten

nicht allein tragen wollte.

Im Zuge der Baumaßnahmen zur Elektrifizierung

der Strecke in 1965, wurden alle Bahnübergänge,

bis auf den „In der Senke“, entfernt.

Dieser heute noch vorhandene

Übergang wurde bis Oktober 2011 als Anrufschranke

vom Bahnhof Melsungen fernbedient.

Mit Einführung einer neuen Signaltechnik

zwischen Guntershausen und Melsungen

wurde er mit modernster Technik (Halbschranken,

Ampelanlage, Sicherung durch Signale

und zugbedingtes Schließen und Öffnen

der Schranken) ausgerüstet.

Straßenverkehr

Während um Schwarzenberg herum auf dem

Sälzerweg und der Nürnberger Landstraße

und auch durch die Schwarzenberger Furt,

schon sehr früh der damalige Verkehr floss,

fand im Dorf selbst nur Anliegerverkehr statt.

Die Verkehrsmittel waren Pferde­, Ochsenund

Kuhgespanne. Manchmal wurden auch

Pferde und Ochsen gemeinsam vor die Ackerwagen

gespannt. Neben den Gespannen waren

auch Menschen mit Schubkarren und

Handwagen auf den Wegen unterwegs.

Schwierigkeiten mit den schlechten Straßenverhältnissen

dürften in 1900 auch die ersten

Fahrradbesitzer in Schwarzenberg gehabt haben.

Ihre Zahl stieg bis 1941 auf 50 an.

Ab dem 1.7.1930 hielt auch der motorisierte

Verkehr in Schwarzenberg seinen Einzug. Ein

gelbes Postauto fuhr zweimal täglich Schwarzenberg

an. Neben der Post konnte es jeweils

noch drei Personen befördern. Ab 1932 fuhr

es täglich noch einmal, bis es in 1934 von

dem sogenannten „roten Postomnibus“ abgelöst

wurde. Ihm folgte noch vor dem 2. Weltkrieg

wieder ein gelber Postwagen. Bis 1960

bestand stets die Möglichkeit für einzelne Personen,

mit dem Postauto nach Melsungen zu

fahren.

89


03-1 | Die Entwicklung Schwarzenbergs bis 1 950

Um Güter in die nicht an die Bahn angeschlossenen

Orte zu bringen, richtete die Bahn ab

November 1937, von Melsungen ausgehend,

einen Lastgüter­Kraftwagenverkehr ein.

Schwarzenberg wurde bis zur Einstellung des

Dienstes, bei Kriegsbeginn, dienstags, donnerstags

und samstags bedient. Im gleichen

Jahr kam das erste Auto in das Dorf. Georg

Seitz wurde Besitzer eines Opel Olympia. Ab

1938 knatterten die Motorräder von Karl Reinbold

und Hans Hofmann durch das Dorf. Im

Jahr 1941 begann mit dem Kauf des ersten

Treckers durch Karl Riedemann eine neue

Epoche in der Landwirtschaft. Ende des Jahres

1953 gab es in Schwarzenberg 10 Ackerschlepper

und 23 Motorräder. Von 1960 bis

1963 stieg die Zahl der Autos von 23 auf 36

Stück.

G. Seitz mit seinem Opel

Olympia an der Linde

Mit Beginn der Einschulung der Schwarzenberger

Kinder in Melsungen konnten die

Schwarzenberger Bürger ab 1969 die Schulbusse

nach und von Melsungen mitbenutzen.

Heute ist das Dorf durch eine Ringbuslinie mit

Melsungen und Röhrenfurth verbunden.

Post in Schwarzenberg

Hans Hofmann

Der König oder die Landesherrn besaßen früher

das Hoheitsrecht zur alleinigen Postbeförderung.

Um die Post befördern zu können,

richteten sie Postlinien ein und bestellten

Postmeister. Die Posthoheit war eng mit dem

Postzwang verbunden, d.h. bestimmte Sendungen

durften nur mit den Staatsposten versandt

werden. Nachdem das Haus Taxis das

Postmonopol als kaiserliches Lehen erhalten

hatte, entstand allmählich ein Netz von Postlinien,

die untereinander verbunden waren.

1704 führte die Postlinie von Kassel nach

Nürnberg über Röhrenfurth und den Wendesberg

nach Melsungen. Ein späterer Nachfolger

des Melsunger Posthalters Breithaupt war in

1852 der Postmeister Mensing. Mit der Einrichtung

einer planmäßigen Briefzustellung in

Melsungen, Kirchhof, Kehrenbach, Obermelsungen,

Adelshausen und Schwarzenberg

sorgte er dafür, dass unser Dorf am Postverkehr

teilnahm. Anfangs kam der Briefträger

täglich einmal, später zweimal, zu Fuß von

Melsungen nach Schwarzenberg. Nach dem 1.

Weltkrieg wurde das Dorf bis 1930 wieder nur

einmal bedient. Ab dem 1.7.1930 brachte das

gelbe Postauto die Post für Schwarzenberg

und lieferte sie bei der neu geschaffenen

Poststelle Schwarzenberg ab. Diese befand

sich im damaligen Haus Nr. 52, (heute Riedforststraße

30, Meyer). Die Poststelle wurde

von Heinrich Schmoll betrieben, der auch die

Post in die einzelnen Häuser brachte. Besonders

weit musste er laufen, wenn Post für die

Bewohner der Tongrube, in der Nähe des Sälzerwegs,

zugestellt werden musste, denn diese

gehörten bis zur Auflösung der Poststelle,

postalisch zu Schwarzenberg. Ab 1941 kam

das Postauto wegen Benzinmangels nur jeden

2. Tag nach Schwarzenberg. Als die Post am

1. Juli 1941 den Autoverkehr komplett einstellte,

mussten Briefe und Pakete täglich in

Melsungen abgeholt werden. Das geschah

auch durch Schulkinder.

Ankommend:

Abgehend:

Briefe, Karten 20.000 St. 8.000 St.

Pakete 200 St. 200 St.

Päckchen 600 St. 600 St.

Telegramme 40 St. 35 St.

Geld 25.000 RM 10.000 RM

Im Jahr 1941 wurden nach Aufzeichnungen

von Lehrer Schmidt in Schwarzenberg folgende

Dienstleistungen durch die Poststelle erbracht:

Rentenauszahlung

10.000 RM

Telefongespr. 600 St. 1.000 St.

In 1960 übernahm Frau Elisabeth Göbel,

wohnhaft im Haus Nr. 3, (später Riedforst­

90


Die Entwicklung Schwarzenbergs bis 1 950 | 03-1

straße 27, in 2011 abgerissen) die Poststelle.

Sie behielt sie auch, als sie mit ihrem Ehemann

1969 in ihr neues Haus im Seckenbach

13 umzog. Im Zuge von Rationalisierungsmaßnahmen

der Deutschen Bundespost wurde

die Poststelle Schwarzenberg Ende 1985

geschlossen. Von diesem Zeitpunkt an, wird

Schwarzenberg von Melsungen aus durch motorisierte

Zusteller bedient.

Telefon in Schwarzenberg

Nachdem die Gemeindevertretung in 1914 beschlossen

hatte, eine Telegrafenhilfsstelle, so

nannte man damals eine öffentliche Fernsprechstelle,

in Schwarzenberg einrichten zu

lassen, sammelte man 140 Mark im Dorf. Für

diesen Betrag richtete die Post die Fernsprechstelle

im Haus Bangert (heute Riedforststraße

57, B. Köhler) ein. Mit Einrichtung

der Poststelle im Haus von Heinrich Schmoll,

befand sich dort, genau wie später im Haus

Göbel, auch die öffentliche Fernsprechstelle.

In den 1960er Jahren wurde in der Ortsmitte

eine Telefonzelle aufgestellt, die aber im Zeitalter

der Handys nicht mehr vorhanden ist.

Rundfunk­ und Fernsehgeräte in

Schwarzenberg

In 1933 gab es 3 Rundfunkgeräte im Dorf. Ihre

Zahl erhöhte sich bis 1943 auf 32 Geräte.

Das Fernsehzeitalter begann in der Bundesrepublik

Deutschland 1952 mit 300 Geräten. Es

gab nur ein Programm. Dies wurde in 1960

mit 11 Geräten in Schwarzenberg empfangen.

Bei der Einführung des Zweiten Deutschen

Fernsehens 1963 gab es im Ort schon 31

Fernseher. Heute gibt es in jedem Haushalt

mindestens einen Fernseher und ein Radio,

mit denen man über Kabel oder Satelliten

Programme aus der ganzen Welt empfangen

kann. Auch die Handys ermöglichen heute

schon den Empfang von Radio­ und Fernsehprogrammen.

91


03­2 | Entwicklung der Infrastruktur in Schwarzenberg

Entwicklung der Infrastruktur in

Schwarzenberg

Neuzeit

In Schwarzenberg gab es früher keine Durchgangsstraße.

Im Lager­ Stück­ und Steuerbuch

der Dorfschaft Schwarzenberg Ambts

Milsungen verfertigt Anno 1744 steht unter

dem Punkt:

„Passage durch das Dorf: Keine Passage

geht hindurch“.

Die Erklärung dazu findet sich im „Lager­,

Stück­ und Steuerbuch“ (offizielles Dokument):

Landgraf Friedrich I. von Hessen­Kassel ließ

eine genaue Vermessung und Bestandsaufnahme

des gesamten Grund und Bodens der

Landgrafschaft durchführen. Er ließ für jeden

Ort in seinem Hoheitsgebiet Grund und Boden

nach dem Ernteertrag bzw. dem Grundstückspreis

bewerten.

Die Ergebnisse wurden in den „Lager­, Stückund

Steuerbüchern“ festgehalten. Auch für

Schwarzenberg wurde in 1744 ein solches

Buch in der damals üblichen Verwaltungssprache

erstellt.

Baumaterialen wurden früher innerhalb der

Gemarkung Schwarzenberg gewonnen und

auf wenigen Feldwegen transportiert. Es gab

3 oder 4 Steinbrüche, Lehm­, Sand­ und Tongruben.

Straßen an denen sich die Raubritter bedienen

konnten, waren der Sälzerweg, die alte Casseler

Straße (B 83), die damals noch über den

Wengesberg führte, beides alte Handelsstraßen.

1912 beginnen die Einwohner von Schwarzenberg

über den Straßenbau mit modernen

Materialien nachzudenken. 1902 sind ja einige

Straßen im Ort wegen der Verlegung der Wasserleitung

tief aufgerissen worden. Die Steinbrücke

im Dorf bekommt ein Geländer.

Der Weg nach Röhrenfurth ist 1910 auf Bild 1

zu erkennen.

1927 Arbeiter pflastern die Schweinetrift.

1938 Es gibt einen handgezeichneten Dorfplan

von Schwarzenberg mit ein paar Wegen

und einigen Häusern. Der damals angegebene

Maßstab von 1:1500 zeigt nur eine grobe Orientierung.

Der Lindenplatz wird gepflastert.

In folgenden Jahrzehnten leisten die Schwarzenberger

Bürger in Eigenleistung Arbeiten für

Kanalisation des Regenwassers und für teilweise

Pflasterung von Dorfstraßen.

Meist sind die Straßen mit Schotter befestigt

oder als Feldwege gelassen.

1950 Die Dorfstraße wird gepflastert, die

Ortsbeleuchtung hat 7 Lampen.

Es gibt 44 Betriebe, die konstant in der Landwirtschaft

arbeiten für ihre Schlepper und

Landmaschinen Straßen benötigen.

1952 Die Straße Melsungen – Schwarzenberg

wird ausgebaut. Dazu muss die Kanalisation

in Schwarzenberg fertig sein. Die Gemeindevertreter

lassen diesbezüglich einen

Kostenplan ausarbeiten: 160.000 Mark geht

92


Entwicklung der Infrastruktur in Schwarzenberg | 03-2

weit über die Finanzkraft der Gemeinde. Also

alles wird so gelassen.

1960 Die Anzahl der Motorräder steigt auf

über 23.

Die Bautätigkeit für neue Häuser beginnt in

mehreren Dorfteilen (noch ohne Bauleitplanung),

bis in die neunziger Jahre entstehen

dann über 100 neue Wohnhäuser – es mangelt

an Straßen, Kanalisation für Abwasser

und Oberflächenwasser, es mangelt an Wasser­

und Stromversorgung sowie später an

Kabelfernsehen und auch Gasversorgung.

1964 Ab Ostern gehen Schüler des 7. und

8. Schuljahres nach Melsungen zur Schule,

1969 wird die Schule in Schwarzenberg geschlossen

und aufgelöst, alle Schüler besuchen

die Schule in Melsungen, gute Straßenverbindung

in die Nachbargemeinde ist nötig.

1957 Das Neubaugebiet „Junkersfeld“

(später Blumenstraße) entsteht. Anfang bis

Mitte der 70­er setzt rege Bautätigkeit ein.

1963 folgt die Erschließung von zunächst

drei Bauplätzen an der Steinbinge, weitere 5

folgten in 1969. Jahre später ist die Steinbinge

zu einem neuen Baugebiet erweitert.

Dann werden Baulücken geschlossen oder an

den Dorfrändern wie z. B. Riedforststraße,

Jahnstraße, Vor der Harth, Zur Kroneneiche,

Über den Gärten, neue Häuser errichtet.

Junkersfeld

1970 Die Friedhofshalle wird errichtet und

wird 1996 mit einem Windschutz versehen.

Die wachsende Mobilität der Schwarzenberger

(Arbeitsplätze in der Region, Weiterbildung,

Sport, Gesundheitsversorgung,…) erfordert

nun ernsthafte Konzepte zur Infrastruktur.

Den Schwarzenbergern wird klar, dass der

ungeliebte Anschluss an die Kernstadt Melsungen

(Eingemeindung 1974) Vorteile bringt.

1974 Schwarzenberg ist im ersten Jahr

Stadtteil von Melsungen.

Gleich im ersten Jahr als Stadtteil von Melsungen

wird die Straßenbeleuchtung erweitert

und eine Bushaltestelle im Ortskern angelegt.

1975 Die Trinkwasserversorgung lässt sich

durch den neuen Hochbehälter „In den Erlen“

sichern, er ist seit 1971 im Bau.

1976 An der Blumenstraße ist ein Kinderspielplatz

eingerichtet und 2007 mit neuen

Spielgeräten ausgestattet.

1977 Ein weiterer Bogen des Bahnviaduktes

in der Melsunger Vorstadt wird geöffnet

und damit der Verkehr in Richtung Huberg

und Schwarzenberg erleichtert.

Zukünftige Blumenstraße, Baugebiet Junkersfeld

1987 Die neue Kanalisation ist in Betrieb

genommen. Das Abwasser der meisten Haushalte

fließt jetzt in die zentrale Kläranlage von

Melsungen und nicht mehr in private Sicker­

93


03­2 | Entwicklung der Infrastruktur in Schwarzenberg

1997 Der Ärger über die ausgesetzten

Straßenbauarbeiten artikuliert sich in einer

Bürgerdiskussion über die Zukunftsperspektiven

des Dorfes samt der Gestaltung der Plätze

beim DGH und der Linde.

Das Kasseler Amt für Straßenbau plant wieder,

der Straßenbau soll ca. 1,2 und die Gehwege

sollen nochmal 1 Million Mark kosten.

Und dann wird überraschend weitergebaut.

Die Vorgaben zur Finanzierung haben sich geändert.

1997/8 Im Zuge des Straßenbaus verlegt

die Energieversorgungsgesellschaft (EAM) ab

März Gasleitungen: konventionell in Gräben

bei schon aufgerissenen Straßen oder bei fertigen

Straßen (Blumenstr.) im Spülrohrverfahren

unter der Straßendecke. Gasleitungen

versorgen ca. 35 Häuser mit 70 Haushalten.

Das Versorgungsnetz ist etwa drei Kilometer

lang und kostet ca. 400.000 Mark. Die zentrale

Anschlussleitung zur Gasversorgung verläuft

vom Klärwerk neben der Bahn.

Dann leitet man noch – unter Protest ­ den

Durchgangsverkehr von der im Umbau befindlichen

B83 auf der anderen Fuldaseite

durch Schwarzenberg.

Im Sommer beginnt die Asphaltierung und

dauert noch gut ein Jahr. Das Straßenbauunternehmen

braucht auch seine Zeit.

1999 Am 28. August nachmittags ist Einweihung

der Ortsdurchfahrt – die jahrzehntelangen

Diskussionen und Bauverzögerungen

sind (fast) vergessen.

4,6 Millionen Mark wurden verbaut. Oder waren

es 5,2 Millionen? Der Kreis hat wohl davon

1,8 Millonen Mark übernommen.

Und in 2000 müssen von der Stadt noch

180.000 Mark nachgezahlt werden, weil sich

das Kasseler Amt für Straßenplanung verrechnet

hatte.

Zum Einweihungsfest gibt es Würstchen, Kuchen,

Getränke kostenfrei, ebenso umsonst

Festreden, Grußworte, musikalische Darbietungen,

vom Chor das Hessenlied, ferner ein

Heimatlied,… zur Glättung der früheren Planungsprobleme.

Zweifellos der Höhepunkt des Festes ist der

Auftritt von „Justus Riemenschneider“ alias

Bernd Köhler als Kabarettist, der die Veränderungen

in Schwarzenberg humorvoll, ironisch,

hintergründig treffend analysiert.

Zitat: „…‘s war abwechslungsreich. Jeden

Morgen haben wir Rentner uns an einem anderen

Baggerloch getroffen. Dann war’n lauter

Fachleute unter sich. Deshalb haben auch die

Bauleiter öfter gewechselt…“

1998Im Mai liegen die Leitungen für Kanal

und Wasser. Jedes durch die Straße schleichenden

Fahrzeug wirbelt eine unerträgliche

Staubwolke auf.

Der Straßenausbau soll nun 1,5 Millionen

Mark kosten (vom Kreis), Melsungen steuert

800.000 Mark bei für die Gehwege. Eine Kostenbeteiligung

des Landes ist zunächst unklar,

beträgt dann 904.000 Mark. Dazu erhält Melsungen

zur Finanzierung der Gehwege eine

Landesbeihilfe in Höhe von 181.000 Mark.

Plötzlich ist also reichlich Geld verfügbar.

2000 Einige gewerbliche Betriebe haben

sich im Lauf der vorigen Jahre gebildet:

Schreinerei, Kosmetiksalons, Friseursalon,

Krankengymnastikpraxis, vorübergehend

auch ein Elektrogeschäft. Die Gastwirtschaft in

der Burgschänke wechselt oft die Pächter,

steht auch längere Zeit leer.

2001 Schon 1985 richtet man in der Ortsdurchfahrt

Geschwindigkeitsbegrenzung 30

km/h ein (eine maximale Geschwindigkeit

wurde mit ca. 100 km/h gemessen), führt

Verkehrszählungen durch.

96


Entwicklung der Infrastruktur in Schwarzenberg | 03-2

Dann, im Juli 2001, muss man die Tempobegrenzung

30 km/h wieder entfernen, Tempo

50 gilt wieder auf der Durchfahrt. Zitat: „Die

Geschwindigkeitsbegrenzung widerspricht einem

Erlass des hess. Verkehrsministers, der

Tempo 30 auf Kreisstraßen und überörtlichen

Verbindungsstraßen verbietet.“ Ein Autofahrer,

der bei über Tempo 30 geblitzt worden

war, hatte sich beschwert. Jetzt kann er wieder

schnell durch den Ort fahren, die Kinder

sind ja dann sowieso in der Schule…

Die vorhandenen Feldwege will man auch erhalten.

Die Bundesbahn hat eine Straße als

Zufahrt zur Tunnel­Baustelle Mülmischberg

/Hainbuch eingerichtet und nicht zurückgebaut

(1987 Tunneldurchbruch zum Kaiserautunnel,

ab 1991 Zugverkehr) – ein Geschenk

an die Gemeinde.

2004 Neues Bauland entsteht „Über den

Gärten“.

2005 Das Baugebiet Molkewiesen (Seckenbach,

oberhalb der Riedforststraße) ist voll

belegt.

In den zukünftigen Haushaltsplänen (ab 2006)

soll Geld zum Ausbau von Straßen im „Seckenbach“

und „In den Erlen“ bereitgestellt

werden.

2009 Seit ca. 1992 diskutiert man eine

bessere Busanbildung an die Region, besonders

mit Schulbussen – etwa 2009 ist das einigermaßen

realisiert.

Man erweitert den Straßenbau mit neuen Laternen

auf weitere Wege und Straßen in

Schwarzenberg: Der östliche Teil der Blumenstraße

wird erneuert, Steinbinge, Schützenstraße,

Jahnstraße, Am Roth, Zur Kroneneiche,

Über den Gärten, Zum Metzewinkel,…

In den Jahren ca. 2005 bis 2009 werden alle

Straßenbaumaßnahmen recht zügig erledigt.

Textquellen: HNA, Geschichte Schwarzenberg

97


03-3 | Haltepunkt für die Eisenbahn in Schwarzenberg

Haltepunkt für die Eisenbahn in

Schwarzenberg

von Benno Sichler

1786 Schwarzenberg besitzt ein Fuldaschiff

mit ca. 300 Zentner Zuladung – also den ersten

Haltepunkt für Fernverkehr…

Fuldaschifffahrt gibt es allerdings schon seit

mindestens 1722.

1845 Die „Friedrich Wilhelm Nordbahn“

wird gebaut.

Die Nordbahn führt von Kassel über Bebra bis

kurz vor Gerstungen mit Anschluss an die

Thüringische Eisenbahn. Nach Norden ist die

Verbindung zwischen der Hauptstadt Kassel

und dem Weserhafen in Karlshafen, Carlsbahn

genannt, von besonderer Bedeutung, so dass

diese Strecke mit Vorrang fertig gestellt wird.

Von Kassel führt die Eisenbahnstrecke über

Hofgeismar und Hümme bis nach Karlshafen.

In Hümme biegt aber auch eine weitere Streckenverbindung

ab, die bis zum Anschluss an

die königlich­westfälische Eisenbahn bei Warburg

führt.

Nahe gelegene Bahnhöfe zu Schwarzenberg

sind Melsungen und Körle.

Die Strecke verläuft eingleisig. Dazu wird auch

die Fulda in ein neues westliches Bett umgeleitet.

Der alte Fuldaarm am Ortseingang

Röhrenfurth bleibt als Feuchtbiotop und

Laichgebiet für Kröten erhalten.

1852 Aus fahrenden Zügen werfen die Eisenbahner

Postsäcke für die anliegenden Dörfer

ab, die der „Postpraktikant“ aufzufangen

hat. Julius Wilhelm Mensing ist Postmeister

geworden und baut mit Privatbriefträgern eine

geordnete Postzustellung auf (für Schwarzenberg,

Röhrenfurth, Kirchhof, Kehrenbach,

Obermelsungen, Adelshausen). Leider unterschläg

ein Briefträger die hohe Summe von

762 Talern aus Geldsendungen und setzt sich

nach London ab. Mensing muß den Betrag aus

eigener Tasche bezahlen, was seine finanziellen

Möglichkeiten übertrifft. Ein kleiner Teil

dieser Schuld wird ihm erlassen.

1881 Vier Züge aus Kassel und fünf Züge

nach Kassel halten täglich im Bahnhof Melsungen

und stampften an Schwarzenberg

vorbei.

2009 sind es über 100 Züge pro Tag, alle 14

Minuten einer.

Erste Dampflock von Henschel, „Drache“ 29. Juli

1848 Auslieferung an die Friedrich­Wilhelm­Nordbahn

1848 Die erste "einheimische" Lokomotive

der Firma Henschel aus Kassel ("Drache")

nimmt im Jahre 1848 auf der "Nordbahn" ihren

Dienst auf.

Am 18. Sept. 1848 gegen 7 Uhr morgens

rumpelt dann der erste Zug mit ca. 30km/h

von Bebra kommend an Schwarzenberg… vorbei.

1892 Ein geplanter Haltepunkt zwischen

Röhrenfurth und Schwarzenberg scheitert am

Einspruch der Schwarzenberger. Ihnen sind

die Anschlusskosten an die Infrastruktur zu

kostspielig.

1905 Der neue Bahnhof entsteht mitten im

Dorf Röhrenfurth und wird am 1. August 1905

eröffnet. Nachteile durch die Bahn wie Lärm,

Rauch, geschlossene Schranken (bedient

durch den Schrankenwärter in seinem Häus­

98


Haltepunkt für die Eisenbahn in Schwarzenberg | 03-3

chen an den Schienen) nimmt man hin,

Nutzen ist höher.

der

1912 Über 100.000 Fahrkarten gibt der

Bahnhofsvorsteher von Melsungen aus. Fast

20.000 t Wagenladungen und ca. 2.000 t

Stückgut schlägt der Güterbahnhof um.

Die Eisenbahn hat sich zum entscheidenden

Faktor des regionalen Arbeitsmarktes und

Warentransportes entwickelt.

Noch ist das Auto keine Konkurrenz.

So fahren die Züge über die Jahrzehnte an

Schwarzenberg vorbei, die Bahnhöfe Melsungen,

Röhrenfurth, Körle werden von den

Schwarzenbergern mühsam nach Fußmarsch

oder Fahrradtour genutzt.

1948 Schwarzenberg hat 499 Einwohner

mit starkem Zuwachs durch Flüchtlinge, besonders

aus Kassel. Die wären natürlich gern

öfter mit der Bahn von Schwarzenberg nach

Kassel zum Wiederaufbau gefahren.

In der Hektik des Wiederaufbaus nach dem

Krieg und der zunehmenden Motorisierung

gerät ein Bahnhofsprojekt in Schwarzenberg

in Vergessenheit. Investitionen und Zuschüsse

werden verbraucht für Dorfgemeinschaftshäuser

und deren Ausstattung,

Verschönerung von Plätzen, Mauern, Zäunen,

Bolzplätzen,… dörfliche Prestigeobjekte, z. T.

mit nur geringem oder keinem funktionellen

Nutzen wie ein Bahnhof bzw. Haltepunkt für

die Bahn erschließen würde.

1984 Die Bundesbahn plant und baut

eine neue Schnellbahnstrecke zwischen

Hannover und Würzburg, die nördlich von

Schwarzenberg meist in Tunneln unter dem

Stadtwald durch die Kaiserau und den Hainbuch

nach Körle zu einem Überholbahnhof

führt.

Es gibt Proteste durch Bürger, z.B. befürchten

sie Lärmbelästigung. Es könnten bei Einfahrt

der Bahn in einen Tunnel und bei Ausfahrt Ohren

beteubende Knalle entstehen. Glücklicherweise

ist dem nicht so, die Bahn ist in Schwarzenberg

fast nicht zu hören.

Zu den Baustellen der Bahn entstehen z.T

neue, z.T. verbesserte Zufahrtswege. Ob sie

zurückgebaut werden sollen oder nicht, verursacht

1988 bis 1989 lange Diskussionen im

Ortsbeirat.

1992 Im neuen Plan für den Personennahverkehr

der Melsunger Stadtteile mit dem Bus

ist Schwarzenberg nicht enthalten. Die Busverbindung

benutzen morgens und mittags

meist Schüler.

Man fordert im Nachhinein, die Busverbindung

zu verbessern und die Haltestelle zu sichern.

1996 Ein neues Verkehrskonzept weist in

Melsungen einen zusätzlichen Bahnhof bzw.

Bahn­Haltepunkt in der Vorstadt aus, gegenüber

der Bartenwetzerbrücke.

Vielleicht sollen zukünftig auch Obermelsungen

(Nürnberger Straße) und Schwarzenberg

mit Haltepunkten versehen werden.

Um die Jahrtausendwende 2000 entsteht das

Konzept einer zusätzlichen schnellen Bahnverbindung

zwischen Melsungen und dem

Zentrum Kassel (Regiotram, NVV). Die

Schwarzenberger horchen auf, es wäre möglich,

dass der alte Traum einer Haltestelle in

Schwarzenberg im Bereich der Schranke nun

erfüllt werden könnte. Aber, aber, aber…

Zuerst müsste eine Unter­ oder Überführung

gebaut werden, 500.000 DM Zuschuss von

Melsungen. Also nicht.

Dann heisst es: In Guntershausen wird von

der Bundesbahn ein neues elektronisches

Stellwerk für die Steuerung des Schienenverkehrs

in Nordhessen gebaut. Wenn das fertig

ist, kann man die Schranke in Schwarzenberg

geöffnet lassen und nur wenn ein Zug kommt,

schließen. Wie in Röhrenfurth. Dann wäre keine

teure Untertunnelung bzw. Überführung

nötig, die Bahnreisenden könnten leicht über

die Schienen gehen, wenn die Schranke geöffnet

ist. Irgendwann.

2001 Die SPD­Fraktion des Melsunger Magistrates

unterstützt die Forderung des Ortsbeirates

nach einer Haltestelle für die Regiotram

in Schwarzenberg. Was die

99


03-3 | Haltepunkt für die Eisenbahn in Schwarzenberg

Bundesbahn nie geschafft habe, sollte für den

NVV eine Verpflichtung sein: Anbindung der

Bürger an das öffentliche Verkehrsnetz (Fritz

Voit).

Der NVV sieht kein Problem.

Der Ortsbeirat hat den Wunsch(traum), dass

2004 der Regiotram in Schwarzenberg halten

möge. Allerdings… Bahnübergang oder nicht,

Bahnsteig oder nicht… Zuschuss oder nicht…

Der zweite Schritt wird vor dem ersten angedacht.

Konsequente Projektierung fehlt.

Der Kostenrahmen für Haltepunkte der NVV

Bartenwetzerbrücke und Schwarzenberg beträgt:

Melsungen trägt die Hälfte der Planungskosten

und für Ausstattung der Bahnsteige

15 Prozent. Das Land schießt 85

Prozent zu.

Die Kosten für Melsungen sind: Haltepunkt

Bartenwetzerbrücke 300.000 DM, Schwarzenberg

500.000 DM (wegen Bahnübergang, dabei

kennt man schon das Projekt des zentralen

Stellwerkes für Bahnschranken in

Guntershausen).

2002 Der NVV stellt ab 2005 die Möglichkeit

eines Taktverkehrs von Melsungen nach

Kassel 30 minütig vor.

Später, in der Praxis, wird es dann z.T. ein anforderungsgerechter

Stundentakt.

Statistisch ermittelt gibt es in Schwarzenberg

40 Fahrgäste mit der Bahn pro Tag.

Dazu braucht man zwei Außenbahnsteige, die

problemlos gebaut werden könnten.

Der Melsunger Magistrat diskutiert die Kosten

für den Haltepunkt in Schwarzenberg. An Planungskosten

fallen schon 100.000 Euro an.

Nach abgeschlossener Planung kann die NVV

Zuschüsse beim Land Hessen beantragen.

Die würden 80 bis 85 Prozent der Baukosten

betragen (wie schon 2001 ermittelt).

Melsungen beteiligt sich mit 100.000 Euro an

Planungskosten für vier Haltepunkte der NVV:

Röhrenfurth, Schwarzenberg, Bartenwetzerbrücke,

Wendeschleife bei Raiffeisen.

Die Verlängerung der Regiotram in das Industriegebiet

Pfieffewiesen wird zunächst abgelehnt

aber in ferner Zukunft doch als möglich

aufgezeigt.

2003 Bisher gibt es am Bahnübergang

Schwarzenberg neben den Schranken Drehkreuze

für Fußgänger, Radfahrer. Die Drehkreuze

werden abgeschafft. Man soll nur noch

die Schienen überqueren, wenn die Schranke

auf Anruf geöffnet wird. Leider gibt es z.T.

Wartezeiten bis zu einer halben Stunde bis die

Schranke vom Melsunger Bahnhof aus geöffnet

wird. Nachts bleibt die Schranke sowieso

geschlossen.

So überqueren viele Passanten die Schienen

neben den Schranken durch die Gräben. Die

Bundesbahn baut dagegen immer neue Hindernisse

und Sperren, die Passanten finden

immer wieder neue Übergangspfade.

2003 In Melsungen baut die Bahn den

Bahnhof und den Busbahnhof großzügig um,

Bauzeit bis ca. 2011.

Zum Haltepunkt in Schwarzenberg gibt es

weitere Diskussionen, unterschiedliche Kostendarstellungen,

Umfragen (Ergebnis natürlich

für einen Haltepunkt, keiner würde sich

gegen bessere Verkehrsanbindungen aussprechen),

erneute Forderungen nach einem

Haltepunkt aufgrund der Nachfrage, neue

Haushaltspläne, die Chancen stehen gut

– oder schlecht? – eine Entscheidung fehlt.

2006 Die Regiotram des NVV startet im Juli

2006 mit dem Streckenverlauf Süd­Nord:

Melsungen – Kassel – Immenhausen – Hümme

– Warburg und

West­Ost: Wolfhagen – Kassel – Hess. Lichtenau.

Ein Regiotram Haltepunkt in Schwarzenberg

wird für 2008 angekündigt. Vielleicht.

Nach der Modernisierung des Stellwerkes in

Guntershausen.

Die NVV gibt keine Zusage.

2010 In Melsungen bauen die NVV und die

Stadt Melsungen gegenüber der Bartenwetzerbrücke

einen kleinen Bahnhof (Haltepunkt)

für den Regiotram – bevor die Zuschüsse vom

Land verfallen. Damit sollen Besucher aus

dem Umland und Kassel schneller und beque­

100


Haltepunkt für die Eisenbahn in Schwarzenberg | 03-3

mer zum Einkaufen in die City von Melsungen

gelangen.

Der Haltepunkt wird zum Heimatfest Melsungen

2011 fertig, am Freitag, 20. Mai 2011 mit

viel Prominenz eingeweiht.

2011 Im Februar gibt es das Gerücht, dass

nach Fertigstellung dieses Haltepunktes in

Melsungen und des Stellwerkes in Guntershausen

auch in Schwarzenberg ein Haltepunkt

entstehen soll.

Jedenfalls errichtet die Bundesbahn an den

Bahnübergängen Röhrenfurth und Melsungen

neue Schrankenanlagen mit Ampeln.

Textquellen:

Jürgen Schmidt, Melsungen

HNA

WIKIREGIO

NVV

101


03­4 | Die Wasserleitung

weihung ­ durch den damaligen Bürgermeister

K.H. Dietzel ­ am 16. Juli 1994 ein Brunnenfest

veranstaltet. Dieses Fest kam so gut

an, dass in den Jahren 1995 und 1998 zwei

weitere folgten. Nach Deckung der Unkosten

und Einnahme von Spenden übergaben die

Brunnenbauer der Stadt Melsungen in 1997

einen Betrag von 3.144 DM. Er wurde für den

Innenausbau der Friedhofshalle und den Einbau

einer Toilette in dieselbe verwendet. Nach

dem dritten Fest in 1998 erhielt die Kirchengemeinde

für die Renovierung des Kircheninnenraums

und der Orgel 1.490 DM.

Einweihung 1994 mit Ortsvorsteher H. Riedemann

Brunnen 1994

Meistens kostet eine Wasserleitung ja Geld,

aber die ausgediente Wasserleitung hat, Dank

der guten Idee von H. Riedemann,

der Allgemeinheit einen

Nutzen gebracht. In 2008 wurde

die Anlage erneuert und

umgestaltet.

In 1997 wurde die Riedforststraße

komplett ausgebaut und

dabei auch die Wasserleitung

erneuert. In den Jahren 2009

und 2010 wurden auch die Leitungen

der anderen Straßen

erneuert.

In die Häuser wurden Abwasserleitungen eingebaut

und die Abwässer durch eine hauseigene

Klärgrube geleitet. Die flüssigen Bestandteile

liefen von dieser, durch ein

mittlerweile installiertes Kanalnetz, in Bäche

und Gräben; sie landeten aber auch noch in

der Fulda. Dies änderte sich erst mit dem Anschluss

Schwarzenbergs an die in 1970 von

der Stadt Melsungen, am Schwarzenberger

Weg, erbaute zentrale Kläranlage, der in 1987

erfolgte. Der Höhenunterschied wird mit Hilfe

einer kleinen Pumpstation jenseits des Bahnübergangs

überwunden. Die hauseigenen

Klärgruben wurden stillgelegt und die noch

vorhandenen Wasserläufe in unserer Gemarkung

sind frei von Abwässern.

Bei all diesen Arbeiten wurde

auch das Kanalnetz für die Abwässer

saniert. Flossen zur Zeit

der „Plumpsklos“, die anderen

Abwässer in die Kandel und

über die verschiedenen Bäche

in die Fulda, änderte sich das

mit Einführung der Toiletten

mit Wasserspülung.

104

Die Anlage in 2011


Elektrizität im Dorf | 03-5

Elektrizität im Dorf

von Adolf Seitz

Während in den großen Städten bereits ab

1880 der elektrische Strom Einzug hielt (in

Kassel 1891), standen der Ausbreitung in den

ländlichen Gebieten zum einen technische

Probleme, zum andern aber auch das Misstrauen

der Menschen gegen die neue Energieform

„Elektrizität“, entgegen.

So findet sich im „Beschlußregister von

Schwarzenberg“ im Sitzungsprotokoll vom

27.03.1912 der lapidare Vermerk: „Elektrischer

Strom abgelehnt“. Wo aber bekamen

die Schwarzenberger ihr Licht her? Eines der

ältesten Beleuchtungsmittel der Menschheit

ist das Öllicht.

Über die Öllampe führte der Weg zur Karbidund

Petroleumlampe. Diese Lampen hatten

den Vorteil, dass sie zum einen sicherer waren

als offene Lichtquellen und zum anderen das

Licht transportier machten. In 1830 kamen

die ersten Petroleumlampen nach Schwarzenberg.

Petroleumlampe

Während des Baus der Edertalsperre (1908 –

1914) machte die Weserstrom­Bauverwaltung

den Vorschlag, die nach der Fertigstellung

verfügbar werdenden Wasserkräfte zur

Stromversorgung der Allgemeinheit zu nutzen.

Man gründete 1914 den „Zweckverband Überlandwerk

Edertalsperre“, dem auch der Landkreis

Melsungen angehörte. Als dieser im April

1913 bei der Gemeinde wegen eines Beitritts

nachfragt, lehnt die Gemeindevertretung diesen

ab. Ein erneuter Versuch des Landrats,

der im März 1914 seiner Anfrage sogar den

Vertrag und die Bedingungen für die Stromlieferung

beifügt, wird ebenfalls abschlägig

beschieden.

Als im 1. Weltkrieg das Petroleum knapp und

teuer wurde und dadurch die Versorgung fast

unmöglich war, bemühte sich die Gemeindevertretung

mit Bürgermeister Sondermann,

nach einem einstimmigen Beschluss vom

24.2.1917, um den Anschluss der Gemeinde

an das Melsunger Elektrizitätswerk. Nach erfolgreichen

Verhandlungen wurden Masten

gesetzt und die Leitung aus Eisendraht installiert.

Die Kosten wurden gleichmäßig auf alle

Lichtabnehmer verteilt. Schwarzenberg war

nun Teilhaber des Melsunger Werks und erhielt

noch in 1917 den ersten elektrischen

Strom, was die Menschen zu der Aussage bewog:

„Das Licht kommt aus dem Draht“, was

auch für die Straßenbeleuchtung (5 Lampen),

die 1918 installiert wurde, zutraf.

1927 wurde die Eisenleitung für 10.000 Mark

durch eine Leitung aus Kupferdraht ersetzt,

durch die dann 2 x 220 Volt Gleichstrom flossen.

Der Strompreis betrug 45 Pfennige pro Kilowattstunde,

die Zählermiete 50 Pfennige im

Monat.

Ab 1937 gibt es den „Wirtschaftsstrom“. Er

wird für 6 kWh zu je 40 Pfg., also 2,40 Mark

monatlich, pauschal berechnet. Mehrverbrauch

wird mit 10 Pfg./kWh abgerechnet.

In 1942 wurden die Kupferdrähte für Kriegszwecke

abgebaut und der Strom floss wieder

durch Eisendrähte.

Durch Überlastung des Melsunger E­Werks

konnte die Gemeinde Schwarzenberg, besonders

in den Kriegs­ und Nachkriegsjahren des

2. Weltkriegs, nicht vertragsgemäß mit Strom

beliefert werden. Als die Elektrizitäts­Aktien­

105


03­5 | Elektrizität im Dorf

gesellschaft Mitteldeutschland (EAM) zu jener

Zeit eine Ringleitung von Melsungen nach

Empfershausen baute, die an Schwarzenberg

vorbeiführte, löste sich die Gemeinde von

Melsungen und schloss sich der EAM an.

Nach Abschluss der Verhandlungen zwischen

der EAM, Melsungen und Schwarzenberg wurde

innerhalb kurzer Zeit die Transformatorenstation

am Ende der „Trift“ (Zur Kroneneiche)

gebaut.

Innerhalb des Ortes mussten neue Leitungen

verlegt werden, da auch hier die Kupferleitungen

während des 2. Weltkriegs abgebaut worden

waren. Die entstandenen Gesamtkosten

von 10.000 Mark brachte die Gemeinde zum

großen Teil durch Hand­ und Spanndienste

auf.

Nachdem am 26. Januar 1950 der Landrat folgende

Mitteilung veröffentlichte: „Die neu erbaute

15000 Volt Hochspannungs­Fernleitung

von der Salzmannschen Fabrik in Melsungen

bis zur neu errichteten Transformatorenstation

in Schwarzenberg befindet sich in Betrieb“,

brannten am 1. Februar 1950 die Lampen in

den Häusern mit voller Stärke.

Da auch eine Ortsbeleuchtung mit sieben

Lampen installiert wurde, waren die dunklen

Zeiten für Schwarzenberg endgültig vorbei,

zumal seit dieser Zeit bei jedem Bau einer

Trafostation

neuen Straße auch die entsprechende Beleuchtung

mitgebaut und alte Anlagen modernisiert

wurden.

106


Haus- und Familienblätter | 03-6

Haus­ und Familienblätter

mit historischen Angaben von 1720 bis in das Jahr 1950

von Helmut Sinning

Die Grundlagen der Niederschriften in den

Hausblättern stammen aus den Auflistungen

des Lehrers Peter Schmidt, der in den 30er bis

in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts die

Dorfgeschichte recherchierte.

Für die Recherche stand Herrn Schmidt das

Hess.­ Staatsarchiv in Marburg zur Verfügung,

wo sämtliche Familien, Eigentums bzw. Besitzstände

bis in das Jahr 1744 zurück aufgezeichnet

sind.

Eine Nachbearbeitung und Aktualisierung dieser

Haus­ u. Familiendaten bis in das Jahr

2011 wurde von Adolf Seitz und Helmut Sinning

vorgenommen. Das Bildmaterial stammt

aus privaten Beständen, bzw. von Ludwig

Kördel.

Wichtig für den Leser des Dorfbuches

Dem Leser dieses Dorfbuches muß gesagt

werden, dass die Angaben über Häuser, Berufe

und Familiendaten sich nur Schwerpunktmässig

auf die Zeit bis 1950 konzentriert. Wegen

der Zuordnung der alten Haus.­ und

Straßennamen, zu den Heute bekannten Namen,

wurden die Angaben aktuallisiert und

mit einigen Familiendaten ergänzt. Zu den

Berufs und Beschäfftigungsformen nach 1950

wurden Angaben nur in einzelnen Fällen gemacht.

Die Familiennamen in der Dorfgeschichte

Die Familiennamen in den Häusern über die

Zeit von 1744 bis 1950 sind einmalige Aufzeichnungen

des damaligen Lehrers Peter

Schmidt, die ergänzt wurden mit den Familienangaben

bis 2011. Der Leser der Hausblätter

wird erkennen, wie über Generationen

hinweg, der Verlauf von Familiennamen in den

Schwarzenberger Häuser/Anwesen war. Eine

große Anzahl von Häusern ist über die Jahrhunderte

hinweg in Familienbesitz geblieben

oder die Familien haben sich an anderer Stelle

im Ort angesiedelt. Im Detail wird noch darüber

an anderer Stelle im Dorfbuch berichtet.

Der Schwerpunkt der Beschäftigung lag in

der bäuerlichen und forstwirtschaftlichen Tätigkeit

und deren handwerklichen Umfeld, wie

z. B. Stellmacher, Wagner, Schmiede und

Metzger sowie bei anderen Handwerksberufen

Maurer, Weißbinder, Schreiner etc.

Neben dem Handwerk gab es Wirte und einen

Kaufmann, Förster, Arbeiter die ab dem 19.

Jahrhundert in der Industrie arbeiteten, später

kamen Arbeiter und Beamte der Bahn sowie

staatlicher Verwaltungsbedienstete dazu. In

der Blütezeit der Melsunger Tuchfabrikation

waren viele Familienväter als Weber und

Tuchmacher beschäftigt.

Lageplan der Häuser und Grundstücke

in Schwarzenberg

Die rot eingefärbten Häuser mit den Hausnummern

1 – 53 sind im Detail in den Hausblättern

beschrieben und machen die Entwicklung

der Ansiedlungen in Schwarzenberg bis

1950 deutlich. Die angegebenen alten Hausnummern

sind nicht nach Straßennamen geordnet,

sondern wurden ab dem 19. Jahrhundert

von der Gemeinde in fortlaufender

Reihenfolge vergeben.

107


03-6 | Haus- und Familienblätter

Das damalige Dorfgeschehen war überwiegend

geprägt durch bäuerliche Betriebe, die

im Voll­ oder Nebenerwerb betrieben wurden.

Die weiteren Haushaltungen hatten neben

ihren beruflichen

Tätigkeiten noch

einen Stall für

Kleintiere im Haus

und einen kleinen

Landbesitz um damit

zusätzlich den

Lebensunterhalt

abzusichern.

Auf dem Foto aus

dem Jahr 1908 ist

zu erkennen, dass

in der Schwarzenberger

Gemarkung

neben den nutzbaren

Flächen wie

z. B. Ackerland,

Wiesen und Weiden,

auch Wegränder,

Raine und

Bahndämme bewirtschaftet

wurden.

Im 19. Jahrhundert wurden noch Rodungen

an den Waldrändern vorgenommen um die

landwirtschaftlichen Flächen zu erweitern.

Ansicht in 2011 als Luftaufnahme aus Richtung Melsungen

Diese Struktur hat sich im 20/21 Jahrhundert

durch soziale und gesellschaftliche Veränderungen

im Berufsbild und in der Freizeitgestaltung

wesentlich verändert.

Ansicht von Schwarzenberg aus Richtung Röhrenfurth in den Jahr 1908.

Foto aus der Sammlung Karl­ Friedrich Waldmann Fuldabrück.

Die heutigen Anwesen und Häuser dienen

zum überwiegenden Teil nur noch Wohnzwecken.

Wie die folgende

Luftaufnahme von

2011 zeigt, hat

sich die Anzahl der

Häuser seit 1960

von 53 auf ca. 195

Häuser erhöht.

Begünstigt wurde

diese Entwicklung

durch die Nähe zur

Stadt Melsungen

mit seiner guten

Infrastruktur und

der Vielzahl von

Arbeitsplätzen in

der Industrie,

Handwerk und den

Handelsunternehmen.

108


Haus- und Familienblätter | 03-6

Die zentralen Plätze „Kirchplatz u. Lindenplatz“ sind der Ortskern des alten Dorfes und

liegen in dem Areal der früheren Burg. Von diesen Plätzen aus gibt es weitere Straßenzüge, die

dem alten Dorfkern zuzuordnen sind:

Von der Linde in Richtung Höhbach, Heute die „Jahnstraße“.

„Die Höhle“ in Richtung Röhrenfurth, Heute die „Riedforststraße“

„Die Trift“ in Richtung Friedhof u. Sportplatz, Heute „Zur Kroneneiche“

„Vorderdorf“ in Richtung Melsungen, Heute die „Riedforststraße“

Ein Blick auf die Kirche mit Torbogen in den 40er Jahren des 20. Jh. und nach der Dorfsanierung

im Jahr 2012mit erweiterter Parkanlage.

Der Blick vom Kirchplatz in Richtung Lindenplatz zeigt die Veränderung der Lebensbedingungen

und Infrastruktur. Die Ortsstraße in den 30er Jahren ist geschottert und ein offener

Bachlauf führt in den Burggraben. Jetzt im Jahr2012 führt eine moderne Asphaltstraße mit Bürgersteig

durch den Ort sowie mit einer Bushaltestelle ist Schwarzenberg an das öffentliche Verkehrsnetz

angeschlossen.

Ansicht vor 1940 Ansicht 2011

Der Lindenplatz und seine Umgebung mit dem Blick in die Jahnstraße und die Riedforststraße

in Richtung Röhrenfurth

Die Linde in 2010 mit Blick in die Jahnstraße

Blick vom Lindenplatz in Richtung Röhrenfurth

109


03-6 | Haus- und Familienblätter

Bei der Reise von dem ehemaligen Burggelände über den Lindenplatz in Richtung

Röhrenfurth beginnen wir mit folgenden Häusern/Familien:

Hausname: Kördel

Früher: Haus Nr. 12

Heute: Riedforststr. 43

Das Haus und die Wirtschaftsgebäude liegen auf dem Gelände

der ehemaligen Burg und sind zugänglich über eine Stichstraße

von der Riedforststraße aus. Die Gebäude wurden mehrmals

umgebaut und teilweise abgerissen, 1836 wurde auf dem Hof

ein Stall mit Scheune neu gebaut. Das jetzige Wohnhaus wurde

1929 neu gebaut und an der Stelle des alten Stall u. Scheunengebäudes wurde in den 90 er

Jahren eine Garage errichtet. Neben der Landwirtschaft wurde auch der Beruf eines Stellmachers

ausgeführt, wo Kasten u. Leiterwagen für die Landwirtschaft hergestellt wurden.

In der Zeit von 1955 bis 1959 war Heinrich Kördel Bürgermeister und somit auch das Bürgermeisteramt

in dem Haus.

Eigentümer/Familien:

1781 Wagner Johannes.

1817 Wagner Gottfried

1849 Wagner Johannes Georg

1903 Kördel Sebastian u. Ehefrau geb. Wagner

1924 Kördel Jakob u.Marie geb. Kühlborn

1955 Kördel Heinrich u. Ehefrau Elisabeth geb. Werner

1972 Kördel Elisabeth u. Sohn Ludwig Kördel

110

Hausname: Altes Schulhaus

Früher: Haus Nr. 9

Heute: Riedforststr. 45

Nach Erzählungen gab es bereits 1717 ein Schulhaus, das

gleichzeitig auch Hirtenhaus war. Als letzter Hirte in Schwarzenberg

wurde Heinrich Dietrich in 1872 namentlich erwähnt.

Nach dem Bau der neuen Schule in den Jahren 1899/1900 wurde

das alte Schulhaus von der Gemeinde für 3.675 Mark an die

Familie Ruppel verkauft. Diese baute das ehemalige Schulgebäude zu einem Wohnhaus mit

Stall um. Heute dient es nur noch Wohnzwecken.

Eigentümer/Familien:

1717 Gemeinde Schul u. Hirtenhaus

1901 Ruppel Konrad u. 1. Ehefrau. Anna Martha

geb. Mainz (verstorben)

2. Ehefrau Anna Gertrud geb. Hofmann

1934 Steube Wilhelm u. Minna geb. Ruppel

1963 Steube Jacob u. Ingeborg geb. Thiele

1994 Nickel Gisela geb. Steube u. Günter Nickel


Haus- und Familienblätter | 03-6

Hausname: Gossen Hansen/Seitz

Früher: Haus Nr. 10 u.11

Heute: Riedforststr. 47 u.49

Wohnhaus mit Stall u. Scheunentrakt

Das Anwesen steht auf dem ehemaligen Gelände der Burg, noch

vorhandene alte Grundmauern zeugen aus dieser Zeit. Die Häuser

Nr. 10 u. 11 wurden im Jahr 1912 von Konrad Seitz durch

den Kauf des Hauses Nr. 10 zu einem Anwesen zusammengeführt. Durch ständige Renovierungen,

Um­ u. Anbauten wurde aus den zwei Häusern, mit unterschiedlichen Hausansichten, ein

einheitliches Erscheinungsbild geschaffen.

Als Berufe wurde neben den bäuerlichen Arbeiten mit Schafhaltung und der Holzrückarbeiten im

Wald, auch die Tätigkeit als Leinenweber auf den hofeigenen Webstühlen ausgeübt.

Eigentümer/Familien der Haus Nr. 10:

17.. Horn Heinrich, ein Leineweber

17.. Wolf Martin

1785 Geyer Paulus / Wagner Johannes Jost

1810 Wagner Heinrich

1844 Ehrhardt Johannes u. Katharina Elisabeth

geb. Wagner

186. Ehrhardt Heinrich u. Katharina Elisabeth

geb. Barthel

18 … Gude Georg, Böddiger Justus u. Katharina

geb. Gude

1874 Hofmann Conrad

1912 Seitz Konrad u. Maria geb. Lotzgeselle

1946 Seitz Georg u. Elisabeth geb. Marx

1997 Ickler Hiltrud geb. Seitz

Eigentümer/Familien der Haus Nr. 11:

1750 Hofmann Nikolas Ackermann

1796 Hofmann Johannes, Böddiger Nikol.

1808 Hofmann Curth Hans

Seitz Johannes Georg u. Martha Elisabeth

geb. Hofmann

1835 Seitz Johannes u. 1. Martha Elis. geb. Sippel

2. Elisabeth geb. Schmoll

188. Seitz Christian u. Marie geb. Nolte , Bauer u. Schafhalter

1912 Seitz Konrad u. Maria geb. Lotzgeselle

1946 Seitz Georg und Frau Elisabeth geb. Marx

1997 Ickler Hiltrud geb. Seitz

Wilhelm Seitz, Bruder von Christian Seitz, wanderte 1882

nach Amerika aus. In Amerika heiratete er eine Anna

Catharina Rode.

Georg Seitz hatte bereits 1937 ein Opel Olympia Cabrio aus

dem Modeljahr 1936 und war somit der erste Schwarzenberger

mit einem Auto.

111


03-6 | Haus- und Familienblätter

Hausname: Gossen

Früher: Haus Nr. 29

Heute: Jahnstr. 4

Der Hof bestehend aus Wohnhaus und Scheune mit Stall, diente

über Jahrhunderte der Bauernfamilie Hofmann als Haupterwerb.

Die ehemalige Besitzerfamilie Hofmann verlagerte 1962

den landwirtschaftlichen Betrieb in das Anwesen Haus Nr. 36,

jetzt Riedforststr.18. und führte die Landwirtschaft weiter. Im

Jahr 1968 wurde von dem damaligen Besitzer Konrad Hofmann das Anwesen verkauft, die Familie

Bücking übernahm das Wohnhaus und die Familie Löwe und später die Firma Steffen das

Scheunengebäude für eine Malerwerkstatt.

Eigentümer/Familien:

Hofmann Hans Martin 1 Ackermann

1810 Hofmann Johannes

1836 Hofmann Conrad, Johannes Just u. Elisabeth

1866 Hofmann Heinrich u. Kath. Elise geb. Schmidt

19. Hofmann Johannes u. Anna Martha geb. Reinbold

1940 Hofmann Konrad und Elisabeth geb. Köbberling

1968 Bücking Hans­Dieter u. Elfriede geb. Stehr

1986 Bücking Gerold u. Carmen geb. Pfeifer

Scheune:

1968 Löwe Hans u. Anneliese geb. Jacob, 198. Firma Steffen

112

Hausnamen: Husaren

Früher: Haus Nr. 15

Heute: Jahnstr. 3

Der Hausname „Husaren“ stammt aus der Zeit der Familie Hofmann,

wobei im 19. Jahrhundert ein Hofmann als großer und

stattlicher Soldat bei den Husaren diente. Das Anwesen war ein

Bauernhof mit Schafhaltung und wurde im 19. Jahrhundert

durch den Teilerwerb des Anwesens (Haus. Nr. 14) vergrößert. Das Gehöft verfügte neben einem

Wohnhaus mit Wirtschaftsgebäuden auch noch über ein Ellerhaus, dass damals als Wohnung

für die Altfamilie diente. Die Familie Hofmann/ Blumenstein siedelte 1962 mit dem landwirtschaftlichen

Betrieb an den Dorfrand „Zur Kroneneiche“ aus. In den 60er Jahren kaufte die

Familie Alter das Haus und nutzt es nach der Sanierung für Wohnzwecke.

Eigentümer/Familien:

1724 Ludeloff Han. Jost (Grebe) Ackermann und Schafhalter

1771 Marschall Konrad, Werner Jost Henrich

1795 Hofmann Johannes Martin u. Anna Elisabeth geb. Werner

1807 Hofmann Konrad

1835 Hofmann Konrad u.1. Frau geb. Schlade

2. Anna Katharina Möller

1867 Hofmann Justus, u. Maria geb. Ackermann

1901 Hofmann Adam u. Elise geb. Wenzel

1937 Hofmann Justus u. Lisa geb. Herwig

1962 Alter Heinrich und Maria geb. Walenta kauften das Anwesen

1978 Alter Willi u. Renate geb. Aschenbrenner

1994 Alter Renate u. Kinder


Haus- und Familienblätter | 03-6

Hausname: Lindenalters

Früher: Haus Nr. 14

Heute: Jahnstraße 1

Das Anwesen war mit seinen Gebäuden und zugehörigen Ländereien

im 18. Jahrhundert etwas größer als derzeit, einige

Teile sind in den Besitz des Hauses Nr. 15 (Husaren) übergegangen.

Eigentümer/Familien

1744 Mentz Hans Curt / Georg Hartung, 1 Ackermann

1786 Hildebrandt Jakob

1796 Genz Karl, Möller Conrad u. A. Catharina Mentzin

1810 Aschenbrenner

1816 Zilch Johannes u. Anna Elisabeth geb. Werner

1836 Gunkel Adam u. Martha geb. Zilch

1852 Hartung George

18.. Kieber Conrad Jakob u. Margarete geb. Wittich

18.. Kieber Philipp u. Maria Sophie geb. Portugal

18.. Rode Martin

1903 Hartung Heinrich, 1911 Ewald Konrad

1915 Alter Johannes u. Anna Katharina geb. Ruppel

196. Becker Dina geb. Alter u. Gustav Becker

2008 Becker Dina u. Becker Wolfgang

Hausname: Wenzel

Früher: Haus Nr. 13

Heute: Riedforststr. 53

Das Haus und die Wirtschaftsgebäude als kleinbäuerliches Anwesen

liegen auf dem Gelände der ehemaligen Burg. Im Nebenerwerb

wurde die Leineweberei, Branntweinherstellung sowie

Land.­ u. Forstwirtschaft betrieben. Nach Angaben der Familie

hatten die Vorfahren das Brennrecht zur Herstellung von

Branntwein, denn ausreichend Obst (Quetschen) stand im großen Obstgarten zur Verfügung.

Das jetzige Wohnhaus wurde mehrmals umgebaut und an der Stelle des Stall u. Scheunengebäudes

wurde 2008 ein neues Wohnhaus gebaut.

Eigentümer/Familien:

1744 Rode Konrad, ein Leineweber, Rode Hans Jost.

1772 Rode Hartmann u. Anna Martha verw. Rode

1790 Worst Georg u. Katharina Elisabeth geb. Rode

1848 Worst Johannes. George (Quetschenworst)

1885 Wenzel Johannes u. 1.Ehefrau Anna Katharina geb. Worst

und 2.Ehefrau Gertrud Elisabeth geb. Schanze

191. Wenzel Heinrich (im 1. Weltkrieg gefallen)

1923 Wenzel Martin u. Anna Katharina geb. Jacob (Martin Wenzel

war der Bruder von Heinrich Wenzel u. hat das Anwesen

übernommen)

1954 Wenzel Justus u. Martha geb. Vockeroth

1979 Wenzel Karl u. Elfriede geb. Dittmar

113


03-6 | Haus- und Familienblätter

Hausname: Barthel

Früher: Haus Nr. 16

Heute: Riedforststr. 34

Das bäuerliche Anwesen gehörte zu den Ältesten in Schwarzenberg,

wobei die alten Gebäude aus dem Jahr 1616 in der Jahnstraße

lagen und nicht mehr vorhanden sind.

Weltkrieg neu errichtet.

Das Wohnhaus und Stallungen wurden in den Jahren vor dem 2.

Eigentümer/Familien:

1744 Riedemann Heinrich, ein Ackermann,

Seitz Johannes u. Martha Elisabeth geb. Riedemann

1784 Barthel Paulus u. Anna Elisabeth geb. Seitz

1836 Barthel Valentin u. Maria geb. Hofmann

1862 Barthel Justus u. Anna Elisabeth geb. Gundlach

1903 Barthel Johannes u. Anna geb. Reinbold

1937 Barthel Wilhelm u. Maria geb. Otto

195. Barthel Heinrich u. Elisabeth geb. Schneider

1995 Barthel Lothar u. Vera geb. Stomsky

In der Familie hatte Ludwig Barthel, ein Bruder von Wilhelm Barthel,

neben Georg Seitz eines der ersten Autos in Schwarzenberg.

Hausname: Schmieds

Früher: Haus Nr. 17

Heute: Riedforststr. 36

114

Das bäuerliche Anwesen wurde 1906 von der damaligen Familie

Hofmann neu errichtet, wobei zuvor das alte Haus an der Jahnstraße

gelegen, abgerissen wurde.

Die Stall und Scheunengebäude wurden später neu errichtet.

Neben der Landwirtschaft und Schafhaltung wurde auch im 19. Jahrhundert eine Schmiede betrieben.

Eigentümer/Familien

1744 Schomberg Georg,( Ackermann)

1760 Assmann Hans Jost

1784 Hofmann Arnold

1817 Wolf Johannes / Horn, (Schmied)

1835 Wolf Anna Katharina

1839/41 Hofmann Heinrich. / Sänger Christian u. Anna Martha

1844 Hofmann Heinrich (Schafhalter)

186. Hofmann Johannes

1910 Hofmann Heinrich u. Katharina Elisabeth geb Köbberling

1936 Sinning Heinrich u. Elisabeth geb. Köbberling

1971 Sinning Willi u. Elke geb. Martin


Haus- und Familienblätter | 03-6

Hausname: Bangert

Früher: Haus Nr. 18

Heute: Riedforststr. 57

Das Wohnhaus aus dem 17/18. Jahrhundert ist in dem damaligen

Baustil erhalten geblieben. Dank behutsamer Sanierung

durch das Ehepaar Köhler­ Söhlke, ist das Anwesen eines der

wenigen Häuser in Schwarzenberg, das die Bauweise und Baumaterialien

aus der Zeit vor ca. 300 Jahren noch in der heutigen Zeit erkennen lässt.

Das Anwesen hat viele Nutzungsarten in seiner Geschichte erlebt von der Försterei, Landwirtschaft,

Branntweinbrennerei, Gastwirtschaft, Schreinerei, Praxis für Krankengymnastik. Die

Gaststätte war auch noch bis 1962 der Treffpunkt und Übungsstätte sämtlicher Vereine in

Schwarzenberg.

Eigentümer/Familien

1700 Gerhold Johannes Konrad u. A. Christine,

geb.Wesselin (Förster)

1744 Riemann, Joh. Heinrich u. Katharina Dorothea,

Branntweinbrenner

1771 Dittmar Johannes / Kessler Heinrich

1791 Dittmar Martin/ Bettenhausen Christian,

Branntweinbrenner

1818 Dittmar Martin u. Anna Martha geb. Sinning

(Martin Dittmar war der letzte Grebe in Schwarzenberg und danach ab 1834 der erste

Bürgermeister)

Die Söhne Justus und August Dittmar wanderten als erste Schwarzenberger 1854 nach

Amerika aus

1858 Dittmar Konrad. u. Grete geb. Sandrock

1887 Dittmar Georg u. Anna Elisabeth geb. Maifarth

1898 Sinning Heinrich u. Anna Elisabeth verw. Dittmar geb. Maifarth haben das Anwesen

1907 an die Familie Bangert verkauft und ausgesiedelt an den Dorfrand Haus. Nr. 42

(Riedforststr. 3)

1907 Bangert Wilhelm u. Martha Bangert geb. Rabe kamen aus dem Raum Waldeck nach

Schwarzenberg u. führten die Gaststätte weiter.

1930 Geschwister Karl u. Lina Bangert

1970 Bernd Köhler u. Christiane Söhlke­ Köhler kauften das Anwesen, es wurde saniert und

eine Praxis für Krankengymnastik sowie Physiotherapie eingerichtet. Es beherbergt in

seinen Räumen auch das „Schwarzenberg – Theater“ unter Leitung von Bernd Köhler

115


03-6 | Haus- und Familienblätter

Hausname: Sondermann

Früher: Haus Nr. 19

Heute: Riedforststr. 59

Die Gebäude des landwirtschaftlichen Anwesens mit einer

Schmiede wurden teilweise abgerissen und durch einen Neubau

1901 ersetzt.

Neben einer Schmiede, Landwirtschaft und Hausmetzgerei war

auch über einige Jahrzehnte das Bürgermeisteramt untergebracht.

Eigentümer/Familien:

1744 Zilch Heinrich, (Schneider)

1783 Strube Johann u. Anna Martha geb. Zilch

1807 Sinning Johann Justus u. Anna Elisabeth geb. Strube

1835 Sinnning Justus u. Regina geb. Schanze

1856 Sinning Justus Heinrich

1869 Sondermann Konrad Johannes u Maria Elisabeth

geb. Sinning

1895 Sondermann Justus u. Christiane. geb. Horn

Schmiedemeister u. Bürgermeister

1944 Sondermann Heinrich u. Gertrud geb. Noll

1960 Sinning Regina geb. Sondermann u. Kurt Sinning

Hausname: Höhlroden

Früher: Haus Nr. 20

Heute: Riedforststr. 61

Das Anwesen aus der Zeit um ca. 1740 wurde in der Zeit der

Geschichte mehrmals erneuert, umgebaut und ständig an die

jeweiligen Lebensbedingungen angepasst.

Neben dem bäuerlichen Betrieb war auch Adam Hofmann in den

Jahren von 1952 bis 1955 Bürgermeister und somit auch das

Bürgermeisteramt in dem Haus.

Eigentümer/Familien:

1740 Schanze Hans Curth u. Martha Elisabeth

1783 Kropf Georg Christian

1801 Jäger Adam u. Katharina geb. Kropf

1839 Hofmann Justus u. Maria Elisabeth geb. Bachmann/

Schanze J.

187. Hofmann Johannes. u. A. Katharina. geb. Jacob

1902 Hofmann Christian u. Martha geb. Reinbold

1934 Hofmann Adam u. Katharina Elisabeth geb. Kördel

1958 Groß Erika geb. Hofmann u. Bruno Groß

1999 Groß Thomas u. Sigrid geb. Hartung

116


03-6 | Haus- und Familienblätter

Die „Jahnstraße“ beginnt am Lindenplatz und führt in Richtung des Höhbachs bis zur

Försterei.

Zum älteren Dorfkern gehört auch die heutige „Jahnstraße“ mit seinen Anwesen, wobei die

Häuser beidseitig an diese Straße angrenzten. Von Vorteil war die Lage der Häuser zum Wald

und den Feldern sowie an dem stets wasserführenden Höhbach.

Wir beginnen mit den Anwesen:

118

Hausname: Reinbold

Früher: Haus Nr. 28

Heute: Jahnstr. 6

Das bäuerliche Anwesen besteht aus einem U­förmigen Gebäudekomplex,

wobei das Wohnhaus mit Stall und der Scheune im

Fachwerkstil zu den ältesten Gebäuden aus dem 18. Jahrhundert

gehört. Der Erweiterungsbau mit moderneren Stallungen

für Ackerbau u. Viehwirtschaft erfolgte etwas später im 20. Jahrhundert.

Eigentümer/Familien:

1744 Guthardt Joh. 1 Ackermann

17.. Geyer Ciriakus

1796 Schanze Joh. Jost

17.. Schanze Heinrich

1820 Reinbold Johann Adam u. Anna Elisabeth geb. Schanze

185. Reinbold Johannes Jost u. Anna Martha

verw. Landgrebe geb. Hartung

188. Reinbold Anton u. Anna Elisabeth geb. Böddiger

1910 Reinbold Justus Heinrich u. Maria geb. Riedemann

1953 Schäfer Elisabeth geb. Reinbold u. Heinrich Schäfer

1963 Schäfer Heinrich u.Gisela geb. Rotenbusch

1977 Schäfer Horst u. Jutta geb. Petersen


Haus- und Familienblätter | 03-6

Hausname: Ruppel

Früher: Haus Nr. 27

Heute: Jahnstr. 8

Haus mit Wirtschaftsgebäude. Zuerst war das Haus Nr. 26 u. 27

ein Doppelhaus, im Laufe der Zeit wurden die alten Häuser abgerissen

und mehrmals durch Neubauten ersetzt. August Ruppel

und seine Frau übernahmen das Anwesen 1895 und erstellten

oberhalb des alten Hauses ein neues Haus.

Das kleinbäuerliche Anwesen war im Laufe der Jahrhunderte geprägt durch Familien mit unterschiedlichen

Berufen, wie z. B. Kleinbauern, Leineweber, Holzhauer u. Handwerker

Eigentümer/Familien:

1740 Rode Konrad

1771 Horn H. Georg

1799 Horn Nikolas u. Anna Elisabeth geb. Seitz

18.. Horn Georg

1835 Seitz Conrad u. Anna Elisabeth geb. Köhler

1862 Meyfarth Adam u. Martha Elisabeth geb. Seitz

1895 Ruppel August u. 1. Ehefr. geb. Kilian, 2. Ehefr.

Martha geb. Horn

193. Ruppel Ernst u. Anna geb. Blumenstein

1962 Marotzke Anna geb. Ruppel u. Winfried Marotzke

Hausname: Siemon

Früher: Haus Nr. 26

Heute: Jahnstr. 10

Das Anwesen war ein Doppelhaus mit dem Anwesen Haus Nr.

27. Im landwirtschaftlichen Nebenerwerb als Kleinbauern, Maurer,

Holzhauer und Hausschlachtungen wurde der Lebensunterhalt

verdient.

Eigentümer/Familien:

1740 Rode Konrad

1744 Worst Konrad u. Anna Elisabeth

1785 Worst Martin

1800 Worst Georg u. Martha Elisabeth geb. Marschall

1810 Worst Conrad u. Katharina Elisabeth geb. Hofmann

1839 Gerstung Heinrich u. Catharina Sophie geb. Worst

1840 Worst Conrad

186. Worst Johannes u. Katharina geb Kollmann

188. Worst Johann u. Anna Elisabeth geb Meyfarth

1926 Siemon Philippine geb. Worst u. Heinrich Siemon

1962 Siemon Heinz u. Marieluise geb. Riedemann

2002 Siemon Silke u. Frederic Siemon

119


03-6 | Haus- und Familienblätter

Hausname: Alter/Hofmann

Früher: Haus Nr. 25

Heute: Jahnstr. 12

Das bäuerliche Anwesen gehörte in dem 18. Jahrhundert zu den

etwas größeren Betrieben.

Spätere Generationen gingen anderen Berufen nach und bewirtschaften

den Betrieb im Nebenerwerb.

Den ursprünglichen Wohnhaustyp findet man auch in den Häusern Nr.20 u.28.

Eigentümer/Familien:

1744 Bachmann Gerhard u. Martha Elisabeth

1784 Schweinsberg Heinrich u. Anna Elisabeth

geb. Bachmann

1801 Bachmann Georg / Schweinsberg H.

1833 Hofmann Justus u. Catharina geb. Sinning

1843 Hofmann Johannes Justus

1868 Hofmann Johannes Georg u. Katharina geb. Schmoll

1890 Hofmann Heinrich u. Katharina geb. Geier

1914 Alter Heinrich u. Elisabeth geb. Hofmann u. Kühlborn

195. Semmler Anna geb. Alter u. Heinrich Semmler

198. Schmidt Helga geb. Semmler u. Gerhard Schmidt

Hausname: Böddiger

Früher: Haus Nr. 24

Heute: Jahnstr. 14

Eigentümer/Familien:

120

Ein rein bäuerlicher Betrieb, mit Landwirtschaft u. Schafhaltung,

wurde im Laufe der Zeit ständig verändert sowie die Gebäude

erneuert bzw. neu aufgebaut. Eine Leineweberei wurde betrieben.

1744 Hofmann Nikolas. 1 Ackermann, Leineweber

und Schafhalter

1772 Böddiger Martin u. Martha Elisabeth geb Hofmann

1786 Böddiger Heinrich u. Anna Maria geb. Wagner

1827 Böddiger Joh. Justus u. Katharina Elisabeth geb. Schanze

1856 Böddiger Heinrich u. Anna Martha geb. Nadler

1883 Emmeluth Heinrich und Anna Katharina geb. Böddiger

1923 Jacob Christian u. Maria geb. Emmeluth

1962 Löwe Anneliese geb. Jacob u. Hans Löwe

1985 Löwe Hardwig u. Ellen geb. Griesel


Haus- und Familienblätter | 03-6

Hausname: Landgrebe

Früher: Haus Nr. 23

Heute: Jahnstr. 9

Das Anwesen war ein bäuerlicher Kleinbetrieb und bestand aus

einem Gebäude mit Haus, Stall­ u. Scheune unter einem Dach

und etwas später wurde ein separates Scheunen/Stallgebäude

gebaut.

Eigentümer/Familien:

1748 Wagner Jakob

1776 Wagner Joh, Jost

1808 Wagner Joh.

1839 Bartholmay Wiegand u. Elise geb. Wagner

188. Landgrebe Lukas u. Anna Elisabeth

geb. Bartholmay

1907 Landgrebe Konrad u. Anna Elisabeth

geb. Wilhelm

195. Hain Karl u. Elisabeth geb. Landgrebe

1971 Hain Konrad u. Inge geb. Brandenstein

2001 Hain Uwe u. Christiane geb. Rose

Hausname: Riedemann

Früher: Haus: Nr. 22 1/2

Heute: Jahnstr. 11

Das rein bäuerliche Anwesen war

wegen der Lage am Dorfrand etwas

großräumiger bebaut.

Die Gebäude wurden in Laufe der Zeit erneuert u. erweitert. In

der Zeit um 1886 wurde ein neues Wohnhaus erstellt, der gezimmerte

Rohbau stammt aus dem früheren Erhardt Besitz an dem

Standort der Schule/DGH und wurde von der Familie Lorenz Riedemann

erworben.

Eigentümer/Familien:

1740 Seitz Johannes Jost

1799 Riedemann Lorenz u. Anna Katharina geb. Seitz

1834 Riedemann Johannes u. Catharina Elisabeth

geb. Hofmann

1851 Riedemann Lorenz u. Maria Elisabeth geb. Nadler

1889 Riedemann Konrad u. Anna Elisabeth geb. Döring

1933 Riedemann Karl Adam u. Katharina geb. Emmeluth

1957 Helper Elisabeth geb. Riedemann u. Heinrich Helper

1977 Helper Karl­Heinz u. Edeltraut geb. Pöhler

Der erste Schlepper in Schwarzenberg war auf dem Anwesen von Karl Riedemann ein Güldner

mit 21 PS und wurde eingesetzt in der Landwirtschaft sowie auch für die Holzabfuhr im Forst.

121


03-6 | Haus- und Familienblätter

Hausname:

Försterei

Heute: Jahnstraße. 16

Die Försterei wurde 1898

durch den Forstfiskus gebaut

und diente den Förstern als

Dienstwohnung und in den

Wirtschaftsgebäuden konnte im Nebenerwerb Landwirtschaft

betrieben werden.

In Schwarzenberg waren folgende Förster angestellt und

wohnten in der Försterei: Karl­ Franz­August Wisch, Adolf

Hartmann, Kurt Nödel.

In den 60er Jahren wurde die Försterei aufgelöst und verkauft.

Eigentümer/Familien:

1898 Forstfiskus

1969 Das Anwesen wurde verkauft an die Gutenberg

Riemann Druckerei

1991 Herr Stahnke u. Frau Lüthmers

1996 Kappus Gerhard u. Karin

Der Höhbach als ständiger Frischwasser­ Lieferant für die Schwarzenberger

Die Ansiedlungen der Schwarzenberger Bürger im Bereich der Burg, dem Linden u. Kirchplatz

wurde durch den Höhbach beeinflusst, der ständig Frischwasser für Haushalt und die Viehwirtschaft

garantierte.

Bereits im 19 Jahrhundert wurde ein Wasserkanal vom Höhbachtal in die Ortsmitte verlegt, bekannt

als sogenannte“ Gosse“ am Lindenplatz. Später wurde ein Wasserbassin für Feuerlöschzwecke

gebaut und dies war wichtig bei der Brandbekämpfung, denn in den Fachwerkgebäuden

(alles unter einem Dach) lagerten die Heu­ und Strohvorräte.

Wasserbassin am Lindenplatz 2011

Kartenansicht aus dem Jahr 1905 mit den 2 alten Forsthäusern

122


Haus- und Familienblätter | 03-6

Der Kirchplatz mit der Kirche und den umliegenden Häusern bis zum Burggraben

Im Umfeld des ehemaligen Burggeländes liegt in südlicher Richtung der Platz um die Kirche mit

seinen Anwesen/Häusern. Von diesem Platz aus gibt es die Straßen in Richtung:

„Die Trift“ Heute „Zur Kroneneiche“ in Richtung Friedhof u. Sportplatz

„Vorderdorf“ Heute die Riedforststraße in Richtung Melsungen

„Platz an der Linde“ Heute die Riedforststraße in Richtung Röhrenfurth

Kirche mit Portal DGH;Burgschänke,Schule 2010

Ladengeschäft Kördel

Blick zur Linde mit dem Haus Frieler

Der Kirchplatz wird umrahmt von dem Gebäudekomplex der früheren Gastwitschaft Schill u.

des späteren Ladengeschäftes Leimbach/Kördel mit den anhängenden Nebengebäuden, dem

Anwesen der Familie Frieler/Möller/Schmidt,der ehemaligen Schule u. dem heutigen Dorfgemeinschaftshauses

sowie dem früheren Wohnhaus Liedlich/Braun.

123


03-6 | Haus- und Familienblätter

Im Mittelpunkt steht unsere

Kirche Haus Nr. 4 1/2

Zuerst stand ein kleiner Saalbau, in

dem sich aber ein romanischer

Taufstein von 1200 n. Chr. befand.

Um die Zeit 1790 wurde unser

heutiges Gotteshaus erbaut, Reste

der alten Wehrmauer mit dem Torbogen

umgrenzen das Gotteshaus

mit dem alten Friedhof, der bis in

das 19. Jahrhundert noch die Begräbnisstätte

für die Schwarzenberger

Bürger war.

Im Jubiläumsjahr 2012 hat man

einen freien Blick auf die Kirche mit

dem Torbogen am Eingang zum

Kirchplatz.

124


Haus- und Familienblätter | 03-6

Hausname: Wännersch u. Braun

Früher: Haus Nr.3 u.4

Heute: Riedforststr. 27 u. 29

Der Hausname „Wännersch“ kommt von einer alten Berufsbezeichnung

des Stellmachers, als Wagenbauer bekannt. Es wurde

daneben auch noch das Weberhandwerk betrieben und zu Zeiten

der Familie Göbel war auch die amtliche Poststelle im Haus.

Die Familie Liedlich als Besitzer des Nachbargebäudes Nr. 4

kauften das Haus. Im Rahmen der Dorfsanierung und Umgestaltung des Kirchenplatzes wurde

das Wohnhaus 2011 abgerissen und an der Stelle entstand ein erweiterter Kirchgarten.

Eigentümer/Familien in dem „Wännersch“ Haus Nr.3:

1744 Bauer

1748 Granau Johannes u. Anna Katharina geb Iffert

1802 Spor Nikolaus u. Elisabeth geb. Granau

Bauer Adam u. Martha B., Joh. Georg Bauer

1836 Bauer Konrad u. Elise geb. Führ

1856 Bauer Konrad u. Emmeluth Justus

1906 Emmeluth Werner u. Christine geb. Ruppel

193. Ratz Martin u. Elise geb. Emmeluth

195. Anna Steuber geb. Ratz u. Karl Steuber

1957 Göbel Karl u. Elisabeth geb. Steuber führten die Poststelle

1969 Pape Ernst Dieter u. Ehepaar Kunitz

197. Liedlich Heinrich u. Luise geb. Aschenbrenner

In dem Haus Nr. 4 an der Kirchenmauer wohnte auch

der frühere Ortsdiener Konrad Braun.

Eigentümer/Familien:

1744 Möller Kurt Adam

1764 Granau Heinrich

1772 Iffert Martin

1797 Iffert Werner

(Haus neu gebaut auf der Kirchenmauer)

1837 George Heinrich u. Anna Katharina geb. Ludeloph

18.. Rose Ludwig u. Anna Katharina geb. Griessel

1856 Schmidtkunz Justus u. Anna Katharina

geb. Seitz

1876 Jäger Johannes u. Barbara Elisabeth

geb. Gundlach

1883 Braun Heinrich u. Anna Martha

geb. Gerstung

1916 Braun Konrad u. Anna Katharina

geb. Moosbach (Ortsdiener)

1940 Liedlich Konrad u. Elisabeth geb. Braun

1966 Liedlich Heinrich u. Luise

geb. Aschenbrenner

125


03-6 | Haus- und Familienblätter

Hausname: Leimbach

Früher: Haus Nr.7

Heute: Riedforststr. 37 u. 39

Das Anwesen wurde ständig verändert mit Um u. Neubauten,

die einstigen Haus, Stall u. Scheunengebäude wechselten den

Besitzer und wurden später wieder zu einem Wohn und Ladengeschäft

umgewandelt. In der Zeit ab 1800, bis zur Familie

Schill, war in dem Gebäude eine Gastwirtschaft. Die Familie Sauer kam aus Solingen und kaufte

das Anwesen und später richtete die Familie Leimbach ein Ladengeschäft ein.

Eigentümer/Familien des Anwesens:

1741 Iffert Konrad u. Anna Katharina

177. Dittmar Arnold u. Anna Maria (Leineweber)

1810 Bettenhausen, Landwirt

1840 Sinning Justus u. Henriette geb. Braul, Landwirt u. Gastwirt

1859 Ruppel Michael u. Christine. geb. Sinning, Landwirt u. Gastwirt

1879 Schill Konrad Wilhelm und Maria Elisabeth geb. Koch

1919 Fassbender Heinrich

1923 Sauer, Leimbach Adam u. Käthe verwitw. Sauer

1937 Leimbach Wilhelm u. Änne geb. Pfetzing, Kaufmann

1983 Kördel Anneliese geb. Leimbach u. Ludwig Kördel, Kaufmann

2007 Kördel Ludwig

Zu dem Gebäudekomplex gehörte in der Zeit der Familie Schill auch das Anwesen Behnken/Diez/Anacker

sowie die ehemalige Scheune von Jäger/Peter

Ansicht 2010 Ansicht aus der Zeit 1950 bis 1960 Ansicht Ende der 60er Jahre

Dorfstraße um 1940 Gaststätte Schill in den Jahren 1900 bis 1930

Die Bilder zeigen noch zw. den Wohnhäusern die Scheune von Jäger/Peter, die später durch ein

Wohnhaus der Familie Kördel ersetzt wurde.

126


Haus- und Familienblätter | 03-6

Hausname: Dietz/Annacker

Früher: Haus Nr. 48/49

Heute: Riedforststr. 33

Die Familien Dietz u. Anacker haben das ehemalige landw.

Gebäude im Fachwerkstil in der Zeit ab 1927 zu einem

Wohnhaus umgebaut.

Ab diesem Zeitraum lebten folgende Familien

in dem Anwesen:

1927 Dietz Johann Eduard u. Sabine geb. Schüler

Anacker Konrad u. Elisabeth geb. Reiß

Anacker Konrad u. Herta

1992 Behnken Robert u. Marion geb. Elstner

Hausname: Rothämel

Früher: Haus Nr. 8

Heute: Riedforststr. 41

Das Haus wurde von einem Konrad Iffert Haus Nr.7 gekauft und

war in der Vergangenheit in das gesamte Anwesen der Haus Nr.

5,6,7und, 8 eingebunden.

Als Eigentümer/Familien sind bekannt:

1741 Iffert Konrad u. Anna Katharina

1755 Kieber Johannes Heinrich kaufte

das Anwesen

1810 Bettenhausen Gottfried u.

Anna Katharina geb.Peter

1840 Hilgenberg Justus u. Elisabeth.

geb. Bettenhausen

1889 Rothämel Christian u. Christine

geb. Jäger (Ortsdiener)

1934 Rothämel Christian u. Anna geb. Bauer

1968 Familie Altmann

Familie Vollmer

127


03-6 | Haus- und Familienblätter

Hausname: Möller

Früher: Haus Nr. 30

Heute: Zur Kroneneiche 1

In einem Stein der Grundmauer ist die Jahreszahl 1768

eingemeißelt. Das Anwesen kann auch etwas älter als die

eingemeißelte Jahreszahl sein, den laut einer Überlieferung

ist das Haus schon einmal abgebrannt und neu aufgebaut

worden.

Das Anwesen war bäuerlich geprägt und hatte ein Wohnhaus,

Scheune und Stall unter einem Dach. Der Hof gehörte mit dem Landbesitz, Pferden und

weiteren Viehbestand zu den größeren Höfen bis in das 19. Jahrhundert. Das Wohnhaus ist

durch eine stilvolle Sanierung noch als Fachwerkbau erhalten geblieben.

Eigentümer/Familien:

1744 Seitz Johannes Jost

17.. Seitz Gottfried (Grebe)

1827 Döring Balthasar u. Anna Martha geb. Seitz

1853 Rose Adam u. Anna Elisabeth geb. Werner

1865 Rose Justus

1866 Ruppel, Michael u. Christine geb. Sinning

187. Schmidt Valentin u. Martha Elisabeth geb. Werner

kauften das Anwesen

1902 Schmidt Heinrich u. Katharina geb. Wölling

1924 Möller Otto u. Katharina geb. Schmidt

195. Möller Heinrich u. Anneliese geb. Gerlach

1979 Flege Westphal

1983 Frieler Jobs u. Elke geb. Heinze

Ein Johannes Schmidt (Sohn von Valentin u. Martha Schmidt) ist 1890 nach Amerika ausgewandert,

deren Nachkommen waren vor ca. 40 Jahren zu Besuch in Schwarzenberg.

Hausname: Schmoll

Früher: Haus Nr. 52

Heute: Riedforststr.

Im Jahre 1928 erbaute die Familie Schmoll das Einfamilienhaus

im Garten der Eltern von Martha Schmoll geb. Schmidt.

Heinrich Schmoll betrieb eine Schusterwerkstatt und zusätzlich

die Poststelle, mit dem ersten öffentlichen Telefon in Schwarzenberg, bis in die Nachkriegszeit.

Eigentümer/Familien:

1926 Schmoll Heinrich und Martha geb. Schmidt

198. Schmoll Maria

2007 Möller Else geb. Schmoll u. Heinz Möller

2009 Meyer Alexander

128


03-6 | Haus- und Familienblätter

Hausname: Neue Schule

Früher: Haus Nr. 5

Heute: Zur Kroneneiche 2

Die Schule wurde von der Gemeinde Schwarzenberg im Jahr 1899/1900 auf dem Grundstück

der Familie Ehrhardt für 19.776 RM erbaut und im Oktober 1900 eingeweiht. Neben dem Schulgebäude

mit Wohnung gab es noch eine Scheune und Stallung zur Nutzung durch den Lehrer.

Verantwortlich war der damalige Bürgermeister Christian Rode.

Aufzeichnungen aus der damaligen Zeit sagen aus, dass das Anwesen der Familie Ehrhardt

durch einen Brand vernichtet wurde. Das bereits gezimmerte neue Fachwerkhaus konnte aus

finanziellen Gründen nicht weiter gebaut werden und wurde von dem Landwirt Lorenz Riedemann

aufgekauft und auf seinem Grundstück in der Jahnstraße neu errichtet.

Den Bürgern von Schwarzenberg waren die Lehrer Konrad Schmidt und Peter Schmidt sehr bekannt,

die in der Vorkriegszeit sehr viel für das Gemeinwohl taten und in einzelnen Fällen auch

finanzielle Hilfe anboten.

Bauzeichnung von 1900 Bild von 1936

Nachdem der Regierungspräsident des Landes Hessen am 3. August 1969 der Entwidmung des

Schulgrundstücks mit Schulgebäude und Lehrerdienstwohnung zugestimmt hatte, wurde aus

der Schule in den 70er Jahren zunächst eine Gaststätte. Das Ehepaar Tugend waren die ersten

Pächter der Gaststätte „Zur Burgschänke“ und ermöglichten damit wieder einen Treffpunkt für

die Schwarzenberger Bürger und Vereine.

Mit dem Anbau eines Saales mit Theke und Küche (Einweihung Dezember 1981) wurde diese

zum Dorfgemeinschaftshaus erweitert. In dem städtischen Gebäudekomplex ist auch das Feuerwehrgerätehaus

mit Schulungsräumen untergebracht.

DGH mit Straßenansicht von der Riedforststr. aus und das Feuerwehrgerätehaus im Jahr 2011

130


Haus- und Familienblätter | 03-6

Vom Kirchplatz aus in Richtung Rosengraben liegt die sogenannte „Trift“ ­ Heute als

Straße „Zur Kroneneiche“ bekannt

Einige ältere Fachwerkhäuser liegen an der Trift, aber noch Zentral zum Dorfkern. Die Trift führt

in Richtung Wald und wurde genutzt für den Viehaustrieb zu den nahegelegenen Hute u. Weideplätzen

für Schafe u. Kühe.

Einige neue Häuser wurden Ende des 19. Jahrhundert und Anfang des 20. Jahrhunderts in der

angrenzenden Straße „Über den Gärten“ errichtet.

Ansichten aus den Jahren 2010, 1990 und 1920

Hausname: Jägers

Früher: Haus Nr. 32

Heute: Zur Kroneneiche 7

Das Wohnhaus mit Scheune u. Stall unter einem Dach

wurde mehrmals erneuert u. für Wohnzwecke saniert.

Die Besitzer haben bei der Sanierung den ursprünglichen

Baustil erhalten und dem dörflichen Straßenbild

angepasst.

Eigentümer/Familien:

1744 Noll Joh. Jost

(Wassermeister u. Kastenmeister)

1799 Noll Joh. Franz u. Maria Elisabeth

geb. Bettenhausen

18.. Noll Justus Gottfried

1831 Noll Friedrich Wilhelm verkauft an

186. Jäger Adam u. Elisabeth geb. Riedemann

189. Jäger Konrad u. Katharina geb. Proll

1933 Findling Martha geb. Jäger u. Hans Findling

1969 Findling Günter u. Annemarie geb. Kördel

1988 Findling Bernd u. Andrea geb. Jungermann

131


03-6 | Haus- und Familienblätter

Hausname:

Früher: Haus Nr. 44

Riedemann

Heute: Über den Gärten 1

Das Wohnhaus wurde von der Familie Hofmann 1915 gebaut. In

der Nachkriegszeit wohnte in dem Haus Elisabeth Cornelius geb.

Riedemann mit ihrer Familie.

Eigentümer/Familien:

1915 Hofmann Georg u. Anna Katharina, geb. Bubenheim

1936 Riedemann Konrad u. Anna Kath. verw. Hofmann

geb. Bubenheim

1967 Cornelius Dieter und Theresia verw. Jäger, geb. Kaas

Hausnamen: Kieber

Früher: Haus. Nr. 21 u.41

Heute: Über den Gärten 6/8

Die Familien von Valentin u. Johannes August Kieber bauten über den Gärten am Ende des 19.

Jh. und zu Beginn des 20. Jh. die Fachwerkhäuser.

132

Haus Valentin Kieber Nr. 21

Der Erbauer des Hauses wohnte davor in der Höhle und baute 1895

das neue Haus in der Straße „Über den Gärten“. Die Familie Kieber

war als Waldarbeiter und Korbmacher tätig, für den Ort Schwarzenberg

war Valentin Kieber auch Ortsdiener. Die Familie Konrad

Jäger verkauften das Anwesen und zog zu der Tochter und Schwiegersohn

Inge u. Kurt Tews in ein neues Haus an der Blumenstraße.

Eigentümer/Familien:

1895 Kieber Valentin u. Maria geb. Diemar ( 1. Frau) (Ortsdiener)

1927 Kieber Martha geb. Jäger Witwe des Valentin Kieber (2. Frau)

1942 Jäger Konrad u. Lina geb. Schneider

1969 Müller Max u. Ehefrau Elisabeth

197. Plagens Heinz

Haus Johannes Kieber Nr. 41

Das Haus wurde von der Familie Kieber am Anfang des 20. Jh. neu gebaut, die als Weber u.

Tuchmacher beschäftigt waren.

Eigentümer/Familien:

19. Kieber Johannes August u. Anna Gertrud geb. Friedrich

1950 Kieber Konrad u. Elisabeth geb. Wiegand

Jacob Ilse geb. Kieber u. Ewald Jacob

199. Lehmann Gerhard u. Hermelinda geb. Lopez de

2005 Lanzenberger Bernhard u. Catrin geb. Daschner


03-6 | Haus- und Familienblätter

Hausname: Malkus

Früher: Haus Nr. 34

Heute: Zur Kroneneiche 4

Das alte bäuerliche Anwesen der Familie Ehrhardt mit Wohnhaus

u. Stall mit Scheune unter einen Dach war im 19. Jahrhundert

abgebrannt. Auf dem Grundstück wurde von der damaligen Gemeinde

eine neue Schule errichtet und die Familie Barthel hat auf dem angrenzenden Gelände

ein Haus in dem Fachwerkstil neu gebaut. Im Nebenerwerb wurde auch eine kleine Landwirtschaft

betrieben.

Eigentümer/Familien:

1869 Ehrhardt Heinrich und Frau geb. Riedemann

das Haus brennt Ende des 19. Jahrhunderts ab.

1900 Justus Barthel u. Anna Katharina Elisabeth geb.

Wenzel bauen das Wohnhaus neu.

1926 Malkus Johannes u. Katharina geb. Barthel

196. Malkus Heinrich u. Anna geb. Rode

2007 Schmidt Karsten u. Nicole geb. Junge

Eine Ansicht aus dem Jahr 1912 von dem Weg zum Friedhof auf die Trift bis zum

Kirchplatz und einen Blick nach Röhrenfurth

Foto aus der Sammlung Karl­Friedrich Waldmann, Fuldabrück

134


Haus- und Familienblätter | 03-6

Von der Umgebung der Häuser um die Kirche geht es in das „Vorderdorf“ in Richtung

Melsungen, der heutigen „Riedforststraße“.

Dieser Straßenabschnitt von der Schule/DGH bis zum Anwesen Emmeluth/Kluge zeigt noch eine

komplette Häuserfront im Fachwerkstil der 20er Jahre.

Die folgenden Hausblätter zeigen keine Fachwerkfassade mehr, sondern die Häuser sind in

einen massiven Baustil modernisiert und umgebaut worden.

Hausname: Roden

Früher: Haus Nr. 2

Heute: Riedfortststr. 25

Das Anwesen mit Haus und Scheune, ab 1934 als Erbhof geführt,

wurde als Landwirtschaft bis in die 70. Jahren genutzt. Die

Bewohner waren in einigen Fällen neben der bäuerlichen Tätigkeit

auch Grebe, Bürgermeister und Gemeinderechner. Das

Wohnhaus sowie Scheune mit Stallungen wurden ständig verändert und zum Teil neu gebaut.

Eigentümer/Familien des Anwesens:

1744 Dittmar Johannes Ackermann u. (Centgrebe)

1781 Geyer Andreas u. Anna Martha geb. Hucke

1794 Hucke Heinrich

1833 Jacob Georg u. Katharina geb. Zilch

1858 Jacob Arnold u. Christian geb. Wollenhaupt

1870 Rode Christian u. A. Katharina geb. Jacob,

Bürgerm. u. Schafhalter

1912 Rode Johannes u. Elise geb. Salzmann, Gemeinderechner

1934 Salzmann Karl u. Maria geb. Hofmann

199. Weinhold Frieda geb. Salzmann

135


Haus- und Familienblätter | 03-6

Hausname: Jacob

Früher: Haus Nr. 34 1/8

Heute: Riedforststr. 26

Die Familien Riedemann u. Jacob haben zu Beginn des 20. Jh.

das kleinere Fachwerkhaus durch einen Anbau in massiver Bauweise

erweitert. Das Anwesen verfügt noch über einen großen

Garten mit einem kleineren Wirtschaftgebäude,

das von Lorenz Riedemann (Weißbinder) gebaut wurde. Die Familie

Klemens verkauften das Haus 2004 an das Ehepaar Mey.

Eigentümer/Familien:

189. Riedemann Lorenz u. Katharina Elisabeth geb. Barthel

1911 Jacob Christian u. Anna Katharina geb. Riedemann

Jacob Konrad u. Martha (Geschwister)

196. Klemens Martha geb. Jacob u. Kurt Klemens

2004 Mey Thomas u. Tanja geb. Junge

Hausname: Schüler

Früher: Haus Nr. 34 1/16

Heute: Riedforststr. 24

Die Familie Schüler hat am Ende des 19. Jh. das Anwesen übernommen

und in den folgenden Jahren wurde das Haus mit einem

Anbau erweitert und modernisiert.

Als Tuchmacher, Wollsortierer und Schreiner wurde der Lebensunterhalt

sichergestellt.

Nachfolgende Besitzer gingen anderen Berufen nach.

Eigentümer/Familien:

1856 Jacob Georg Wohnhaus mit Anbau gekauft.

Bauer Wilhelm

190. Schüler Lorenz u. Elisabeth geb. Schröder

1933 Schüler Karl u. Anna geb.Neumann

1964 Blumenstein Maria geb. Schüler

1985 Maric Mato u. Lubijana

1988 Cugurovic Sladomir u. Stana

Cugurovic Miroslav u. Branka geb. Vukosavijevic

2011 Behnken Christian u. Tanja geb. Schoeben

137


03-6 | Haus- und Familienblätter

Hausname: Emmeluth

Früher: Haus Nr. 35

Heute: Riedforststr. 22

Das bäuerliche Anwesen besteht aus einer großen Hofreite mit

Wohnhaus, Stallungen und Scheunen. In der Zeit von Valentin

Emmeluth war der Bauernhof im Fachwerkstil mit Wohnhaus,

Scheune u. Stall in einem Gebäude untergebracht. Im Laufe der

Jahre wurden die Gebäude durch ständige Um­ und Erweiterungsbauten sowie Erneuerung des

Wohnhauses in massiver Bauweise neu errichtet.

Eigentümer/Familien:

17.. Hofmann Hans Kurth u. Martha Elisabeth

…. Zilch Johannes

1810 Seitz Gottfried u. Anna Martha geb. Zilch

1827 Peter Georg

1843 Seitz Johannes

1854 Emmeluth Valentin u. Martha Katharina geb. Lengemann

1898 Emmeluth Heinrich u. Elisabeth geb. Schomberg

1924 Emmeluth Christian u. 1. Martha geb. Volland

2. Elise geb. Möller

195. Kluge Maria geb. Emmeluth u. Heinz Kluge

Hausname: Reinbold

Früher: Haus Nr. 36

Heute: Riedforststr. 18

Zu dem bäuerliche Anwesen gehört auch ein größerer Gebäudekomplex

mit Wohnhaus, Scheune u. Stallungen. Der Bauernhof

wurde von der Familie Reinbold an Gerhard Hofmann vererbt

und konnte somit weiter bewirtschaftet werden. Nach dem Umzug

der Familie Hofmann vom Lindenplatz (Haus Nr. 29) in dies Anwesen wurde das Wohnhaus

1962 neu gebaut u. die landwirtschaftlichen Gebäude modernisiert. Die Familie Hofmann gehört

noch zu den wenigen Landwirten, die in Schwarzenberg einen größeren Betrieb bewirtschaften.

Eigentümer/Familien:

1748 Hofmann Johannes

…. Hofmann Konrad u. Anna Elisabeth geb. Seitz

1784 Peter Johannes u. Gertrud geb. Hofmann

1835 Peter Ciriakus

1837 Knoche, Heinrich (1841 Haus abgebrannt )

1856 Reinbold Justus Johannes u. Anna Martha geb. Hartung

188. Reinbold Adam u. Elisabeth geb. Wenzel

1912 Reinbold Ludwig u. Christine geb. Schmoll

1962 Hofmann Gerhard u. Anni geb. Mosebach

2002 Hofmann Reiner u. Petra geb. Dietrich

138


03-6 | Haus- und Familienblätter

Hausname: Peter

Früher: Haus Nr. 40

Heute: Riedforststr. 8

Die Familie Peter baute 1842 das kleine bäuerliche Anwesen im

Fachwerkstil, im Laufe der Zeit von 1864 bis 1914 wurde das

Wohnhaus erneuert und angebaut in massiver Ziegelsteinbauweise.

Die Familie Peter war auch bis in die Nachkriegszeit Besitzer der Scheune in dem Gebäudekomplex

Kördel/Leimbach

Im Nebenerwerb wurde eine Landwirtschaft betrieben.

Eigentümer/Familien:

1842 Peter Georg

18.. Peter Johannes Justus

1886 Peter Adam

1889 Peter Heinrich und Ehefrau geb. Böddiger

1920 Jäger Heinrich u. Emilie geb. Peter

1964 Jäger Karl u. Erna geb. Nothnagel

2006 Jäger Erna

Hausname: Blumenstein

Früher: Haus Nr. 38

Heute: Riedforststr. 6

Die Blumensteins kamen aus Quentel und siedelten sich in

Schwarzenberg an. Das Anwesen als ein Wohnhaus mit Stall

und Scheune unter einem Dach, wurde 1894 neu gebaut.

In den 50. Jahren wurde zusätzlich der Stall u. die Scheune

neu gebaut und das Wohnhaus modernisiert.

Als Berufe waren sie als Zimmermänner und Holzhauer beschäftigt und im Nebenerwerb wurde

eine Landwirtschaft betrieben.

Eigentümer/Familien:

1894 Blumenstein Heinrich und Anna Martha

geb. Meyfarth

1930 Blumenstein Heinrich und Anna Katharina

geb. Sinning

1972 Blumenstein Ludwig u. Maria

geb. Schüler

2006 Blumenstein Martina

140


03-6 | Haus- und Familienblätter

Hausname: Schneider

Früher: Haus Nr. 1 1/4

Heute: In der Senke 2

Das Haus im Fachwerkstil wurde 1904 von Heinrich Riedemann

erbaut und diente als Wohnhaus mit Kleintierhaltung.

In dem Haus war auch für eine gewisse Zeit das Bürgermeisteramt unter

der Leitung von Hans Schneider, der aber durch den Verkauf und

den Bau eines neuen Hauses an den Dorfrand aussiedelte.

Der zwischenzeitliche Besitzer Johannes Seitz verkaufte das Haus wieder

an Hildegard Leberl und baute mit seinem Sohn ein neues Haus am

Harberg.

Eigentümer/Familien des Anwesens:

1904 Heinrich Riedemann u. Katharina geb. Möller

1935 Hermann Schneider u. Elisabeth geb. Riedemann

1963 Seitz Johannes u. Elise geb. Hofmann

1965 Leberl Hildegard

Hausname: Riedemann

Früher: Haus Nr. 46 u. 47

Heute: Riedforststr. 13 u. 11

Die Brüder Jakob und Justus Riedemann bauten 1924 das Doppelhaus.

Neben der Beschäftigung als Wollsortierer,Weber,

Schlosser und Maurer/Polier wurde in den Anwesen auch noch

eine Schneiderei betrieben.

Die Familie Heinrich u. Martha Riedemann bauten „Über den Gärten“ ein neues Haus und verkauften

die Doppelhaushälfte an Johannes u. Christine Wagner.

Eigentümer/Familie der Haus Nr. 46:

1924 Justus Riedemann u. Martha geb. Schmidt

195. Riedemann Heinrich u. Martha geb. Aschenbrenner

1969 Wagner Johannes u. Christine Anna Maria geb. Riedemann

1986 Vaupel Renate geb. Riedemann u. Vaupel Dieter

Eigentümer/Familie der Haus Nr. 47:

1924 Jakob Riedemann u. Katharina Elisabeth

geb. Schmidt

1936 Riedemann Heinrich u. Anna geb. Hilgenberg

1980 Vaupel Renate geb. Riedemann u. Dieter Vaupel

142


Haus- und Familienblätter | 03-6

Hausname: Peter

Früher: Haus Nr. 53

Heute: Riedfoststr.2

Frau Martha Peter war beschäftigt bei der Fa. Braun und baute

1932 das Einfamilienhaus außerhalb der Ortslage.

Eigentümer/Familien:

1931 Peter Martha

196. Jäger Elisabeth erbte von ihrer Tante das Haus

2010 Familie Tschurikow

Hausname: Sinning

Früher: Haus Nr. 42

Heute: Riedforststr. 3

Das Ehepaar Heinrich und Anna Elisabeth Sinning hat 1907 ausgesiedelt

und vor dem Dorf in Richtung Melsungen einen Bauernhof

mit Wohnhaus und Wirtschaftsgebäude gebaut.

Die Aussiedlung aus dem Dorfkern wurde ermöglicht durch den Verkauf des Anwesens Hs.

Nr. 18 „Gasthaus zur Krone“, wo eine Gastwirtschaft u. Landwirtschaft mit Schreinerei im Nebenerwerb

geführt wurde.

Eigentümer/Familien:

1907 Sinning Heinrich u. Anna. Elisabeth geb. Meyfarth verw. Dittmar

1940 Sinning Wilhelm u. Elisabeth Sinning geb. Witzel

1942 Sinning Elisabeth geb. Witzel

1948 Kurzrock Elisabeth geb. Witzel verw. Sinning u. Justus Kurzrock

1965 Helmut Sinning u. Ingrid Sinning geb. Metz

Folgende Berufe und Gewerbe wurden

in dem Anwesen betrieben:

Ackermann (Bauer­Landwirt) und im

Nebenerwerb Schreinerarbeiten mit

Möbelhandel im Katalogverkauf

bis 1923

Landwirtschaft bis 1981

143


03-6 | Haus- und Familienblätter

In dem damals benannten „Vorderdorf“ wurden ab dem Ende des 19. und zu Beginn des 20.

Jahrhunderts erstmals neue Häuser in der massiven Bauart mit Sand.­ und Ziegelstein erstellt

und lösten den über jahrhundertalten Baustil im Fachwerkbau ab. Neben den bereits im Jahr

1898 erbauten Forsthaus in der Jahnstraße und der neuen Schule in der Ortsmitte gehörten der

Hof Sinning aus dem Baujahr 1907, am Ortseingang und ein weiterer Hof Hofmann/Sinning in

der Riedforststraße Nr.36, zu den ersten Häuser mit einem Ziegelstein Mauerwerk im massiven

Baustil.

Wir beenden unsere Reise von der Ortsmitte zum Ortsausgang in Richtung Melsungen

und blicken noch einmal auf Schwarzenberg zurück.

Die Ortsansicht aus dem Jahr 1950 zeigt ein Dorf mit ca. 54 Anwesen/Häuser und die Ansicht

aus dem Jahr 2011 zeigt die Entstehung zu einem Ort mit ca. 197 Häusern. Dieser Stand ist gegründet

auf der Basis der guten wirtschaftlichen Entwicklung sowie der günstigen Lage zu Melsungen

und den Arbeitsplätze in der Industrie, dem Handel u. Handwerk.

144


Urkunden | 03-7

Urkunden zur Dorfentwicklung

von Adolf Seitz

Immer, wenn mit dem Kirchturm auch die

Wetterfahne unserer Kirche restauriert wurde,

legte man in ihren Knopf, Urkunden über die

Verhältnisse zur Zeit der Reparatur im Dorf.

So auch in den Jahren 1907, 1950 und 1995.

Sie sind auch Zeugen für die Entwicklung unseres

Dorfes. Zwei dieser Urkunden sind als

Kopien vorhanden, der Wortlaut der dritten

steht in „700 Jahre Schwarzenberg“ von Lehrer

Gert Rosenstock aus dem Jahr 1964.

Eine Kopie einer weiteren Urkunde mit Dienstsiegel

der Gemeinde Schwarzenberg, geschrieben

von Kurt Tews stammt vermutlich

aus dem Jahr 1966. Der Anlass für die Erstellung

dieser Urkunde ist nicht bekannt.

Wortlaut der Urkunden

Die erste Urkunde stammt aus dem Jahr

1907. Sie ist in der damals üblichen Kurrentschrift

(Deutschen Schrift) ge­ und vom damaligen

Bürgermeister Justus Sondermann

unterschrieben. Ich habe sie wörtlich übertragen.

Seite 1 der Urkunde von 1907

145


03-7 | Urkunden

Urkunde

über die Gemeinde Schwarzenberg, dieselbe

wurde bei einer Reparatur des Kirchturms von

dem Dachdeckermeister Dietrich von Wichdorf

(bei Gudensberg), in den Knopf gelegt und

zwar wurde die obere Kuppel des Turmes neu

mit Schiefer eingedeckt und die Wände ausgebessert,

die Kosten belaufen sich rund auf

200 Mark; buchstäblich Zweihundert Mark.

Noch sonstige hiesige Gemeindeangelegenheiten

1. Die Einwohnerzahl beträgt in diesem Jahr

313 Seelen

Und zwar männliche über 14 Jahre 89

Und zwar weiblich über 14 Jahre 113

Unter 14 Jahre männlich und weiblich 111

Zusammen

313 Seelen

Wohnen z.Z. in 59 Haushaltungen dahier.

2. Nach der Viehzählung vom 1. Dezember

1906 sind in der hiesigen Gemeinde 20

Pferde, 130 Stück Rindvieh, 4 Schafe, 259

Schweine vorhanden gewesen.

3. An Steuern werden erhoben

Umlagesteuer 150 %

Verkoppelungszinsen je nach der Größe

der Grundsteuer

Wassersteuer pro Haushaltung jährlich 7

Mark. Vieh über 1 Jahr alt jährlich 1 Mark.

Ziegen und Schweine ausgeschlossen.

Das Wachtgeld wird haushaltungsweise

aufgebracht.

4. Nach der Landgemeinde­Ordnung für die

Provinz Hessen Nassau vom 4. August

1807 besteht in der hiesigen Gemeinde eine

Gemeindevertretung; diese besteht aus

dem Bürgermeister Justus Sondermann,

dem I. Schöffen Valentin Waldschmidt,

dem II. Schöffen Jostheinrich Reinbold und

dem Schöffenstellvertreter Justus Hofmann

a.d. und 9 Gemeindevertretern und

zwar der

I. Klasse

1. Konrad Riedemann ­ Landwirt

2. Wilhelm Schill ­ Gastwirt

3. Heinrich Emmeluth II ­ Landwirt

II. Klasse

1. Christian Seitz ­ Landwirt (Krieger von

1870/71)

2. Heinrich Emmeluth ­ Landwirt

3. Sebastian Kördel ­ Landwirt

III. Klasse

1. Konrad Meyfarth ­ Weißbinder

2. Lorenz Riedemann ­ Weißbinder

3. Heinrich Peter ­ Invalid

Sonstige Gemeindebeamten

1. Heinrich Mainz ­ Gemeinderechner

2. Valentin Kieber ­ Ortsdiener

3. Heinrich Michael Ruppel ­ Nachtwächter

5. Die Schule

1. Lehrer Konrad Schmidt, ledig, geb.

vorm in Obergude Kr. Ro

2. Schulkinder 72

6. Die Kirchenbehörde

1. Pfarrer Eberth wohnhaft in Melsungen

2. Kirchenälteste Justus Hofmann und

Heinrich Böddiger

3. Kastenmeister Heinrich Emmeluth II

Aufgestellt

Schwarzenberg den 31. Juli 1907

Der Bürgermeister

Sondermann

146


Urkunden | 03-7

Urkunde 1950

Urkunde vermutlich 1966

Anlässlich einer Turmreparatur in 1950 wurde

eine Urkunde in einer versiegelten Flasche in

der Turmspitze des Kirchturms deponiert.

Lehrer Rosenstock hat den Wortlaut in seiner

o.g. Schrift wie folgt aufgeschrieben:

„Nach dem verlorenen 2. Weltkrieg 1939 ­

1945 in nicht leichten Zeiten ist es notwendig

geworden den Kirchturm neu einzudecken. Es

muss gespart werden, deshalb werden nur die

notwendigsten Arbeiten ausgeführt.

Es wurden neu eingedeckt, die Ost­ West­ und

Südseite des Turmhelms, sowie die West­ und

Südseiten der Turmwandflächen, die anderen

Seiten wurden repariert.

Der Kostenaufwand für diese Arbeiten beträgt

1500.­ DM.

Es amtieren zur Zeit der Bürgermeister Adam

Hofmann, die Schöffen Justus Hofmann und

Justus Sohl.

Die Gemeindevertreter: Karl Riedemann, Konrad

Riedemann, Christian Jacob, Ernst Ruppel

Heinrich Blumenstein, Hermann Schneider

und Heinrich Sondermann.

Gemeinderechner: Johannes Rode.

Gemeindediener: Konrad Braun.

Poststelle: Heinrich Schmoll.

Gastwirtschaft: Bangert.

Lehrer: Peter Schmidt und Eduard Ungar.

Die Pfarrer:

Biel, Fischer und Eibich aus Melsungen.

Deutschland ist durch den verlorenen Krieg in

Besatzungszonen aufgeteilt, in die amerikanische­,

britische­, französische­ und die sowjetische

Zone.

Durch die Evakuierung vieler Menschen aus

den 0stgebieten, dem Sudetenland und den

zerstörten Städten ist die Einwohnerzahl von

300 vor dem Kriege auf 500 zur Zeit gestiegen.

Die Arbeiten wurden im Oktober 1950 von

dem Dachdeckermeister Heinrich Pfaar in Melsungen,

den Gesellen Justus Heinze, Christoph

Münscher, Peter Günther, Lehrling Alois

Turnwald, Hilfsarbeiter Georg Becker ausgeführt.“

Urkunde der Gemeinde Schwarzenberg

Einwohner 357

davon männliche 181

weibliche 176

Kinder unter 14 Jahre 84

Haushaltungen 110

Bürgermeister: Hans Schneider

1. Beigeordneter: Heinrich Riedemann I

2. Beigeordneter: Kurt Klemens

Gemeindevertretung

Heinrich Riedemann II

Konrad Hofmann

Heinrich Möller

Konrad Anacker

Jakob Steube

Erich Riedemann

Hans Seitz

Gemeinderechner: Konrad Seitz

Haushaltsplan DM 60.000

Grundsteuer A 230 %

B 230 %

Wassergeld DM 20

(Pausschal­Betrag pro Familie)

Lehrer: H. Sinning, Melsungen

Die Schule wurde 1965 renoviert und durch

einen Anbau erweitert. Die Kinder des 7. – 9.

Schuljahres besuchen seit dem Jahre 1964 die

Volksschule in Melsungen.

Ortsbrandmeister: Jakob Steube

Turn­ u. Sportverein

1. Vorsitzender: Heinrich Worst

Gesangverein

1. Vorsitzender: Heinrich Helper

Pfarrer seit 1957: Hermann Drüner

Kastenmeister: Ludwig Kördel

Kirchenvorstand: Georg Seitz

Stellvertretende Vorsitzende: Lisa Jäger, Kurt

Klemens, Hans Löwe, Heinrich Malkus, Heinrich

Möller

147


03-7 | Urkunden

Die Kirchengemeinde Schwarzenberg gehört

seit 1956 zum neugegründeten Pfarramt und

Kirchspiel Röhrenfurth.

Der Kirchenvorstand hat beschlossen 1967 die

Kirche innen zu renovieren und bei dieser Gelegenheit

auch umzugestalten.

Geplant ist:

Wegnahme der Seitenempore, Verlegung des

Eingangs an die Turmseite,

Windfang zwischen Eingangstür und Innenraum,

neuer Fußboden,

neue Bänke, die etwas vorgezogen werden,

Umgestaltung des Altarraums,

neuer Anstrich, sowie neue Beleuchtung.

Gemeinde Schwarzenberg

Urkunde 1995

Diese Urkunde wurde von der Kirchengemeinde

Schwarzenberg anlässlich der Sanierung

des Kirchturms im Jahr 1995 erstellt und im

Turmknopf der Wetterfahne deponiert.

Urkunde der Gemeinde Schwarzenberg

Schwarzenberg ist seit dem 01.01.1974 keine

eigenständige Gemeinde mehr, sondern

Stadtteil von Melsungen.

Weitere Stadtteile von Melsungen sind in Röhrenfurth,

Kirchhof, Kehrenbach, Günsterode,

Adelshausen und Obermelsungen.

Einwohner von Melsungen und den

Stadteilen : 14.743

Bürgermeister: K.H. Dietzel

Schwarzenberger Stadtverordneter im

Melsunger Stadtparlament:

Bernd Engelhardt

Melsungen als Mittelzentrum im Schwalm­

Eder­Kreis verfügt über eine gute Infrastruktur

und ist industrieller Schwerpunkt im Fuldatal.

Der Altkreis Melsungen hat mit 7,8 %

die geringste Arbeitslosenquote in ganz Nordhessen.

Die Grundsteuer beträgt 250 %

Die Gewerbesteuer beträgt 320 %

Wassergeld cbm DM 2,30

Abwasser cbm DM 3,50

Schulen:

Die Grundschüler besuchen die Christian­Bitter­Schule

in Melsungen

Weiterführende Schulen sind die:

1. Gesamtschule Melsungen

2. Gymnasiale Oberstufe ­ Geschwister

Scholl­Schule

3. Berufs­ und Berufsfachschule ­ Radko Stöckel

Schule

Schwarzenberg

Einwohner Stadtteil Schwarzenberg 457

männliche 224

weibliche 233

Ausländer: 5 männlich / 3 weiblich

Religionszugehörigkeit:

367 evangelisch

22 katholisch

68 sonstige

Bürgermeister nach 1945:

Justus Sohl

Adam Hofmann

Heinrich Kördel

Hans Schneider

Ortsvorsteher seit dem 01.01.1974:

Hans Schneider bis 31.01.1987

Otto Siemon 01.03.1987 ­ 30.04.1989

Horst Riedemann seit dem 01.05.1989

Ortsbeirat 1995:

Karl Wenzel

Manfred Tews

Karl­Heinz Helper

Kurt Hofmann

Horst Riedemann

Im Zuge der guten wirtschaftlichen Entwicklung

ist in Schwarzenberg ein Neubaugebiet

entstanden. Nach dem Krieg 1945 wurden 63

Häuser gebaut.

In 1970 wurde die Friedhofshalle gebaut. Seit

1974 wird der Friedhof von der Stadt Melsungen

verwaltet.

In 1968 wurde die Schule in Schwarzenberg

geschlossen.

148


Urkunden | 03-7

Das einzige Lebensmittelgeschäft im Ort ­

Ludwig Kördel Inh. Waltraud Gießler ­ wurde

am 31.12.1994 geschlossen.

Landwirtschaft

In der Landwirtschaft hat sich ein wesentlicher

Strukturwandel vollzogen. So wurden

z.B. für Flächenstilllegungen Prämien gezahlt.

Vollerwerbslandwirt:

Es existiert nur noch mit Gerhard Hofmann 1

Vollerwerbslandwirt. Der Schwerpunkt in seinem

Betrieb ist die Viehzucht. Diese besteht

aus: 95 Bullen, 110 Schweinen, 150 Ferkeln.

Nebenerwerbslandwirte:

In den Nebenerwerbsbetrieben gibt es: 2

Milchkühe, 10 Reitpferde, 38 Schafe, 30 Rinder

und Ammenkühe, 65 Schweine.

Ackerbau:

Es wird im wesentlichen Roggen, Weizen,

Gerste, Hafer, Raps und Mais angebaut. Nur

noch 2 Nebenerwerbslandwirte bauen Kartoffeln

für den Eigenbedarf an.

Preise je 100 kg: Roggen und Weizen 18 DM,

Raps 25 DM + Zuschüsse aus der EG.

Vereine

1. Turn & Sportverein Schwarzenberg

1. Vorsitzender: Horst Sonnenschein

Mitglieder: 270

Abteilungen: Fußball und Damengymnatik.

Abteilung Fußball: 1. Mannschaft,

2. Mannschaft, Altherren.

Jugendfußball: Spielgemeinschaft mit Melsungen.

Besondere Ereignisse

1. In 1959 wurde der Waldsportplatz auf

dem Gelände des ehemaligen Steinbruchs

errichtet.

2. In 1987/88 wurde die Sportanlage erneuert

und das Umkleidehaus gebaut.

3. In 1995 stieg die 1. Mannschaft in die

Bezirksliga auf

2. Gemischter Chor Schwarzenberg

1. Vorsitzender: Meinolf Stamm

Mitglieder: 128

Chorleiter: Helmut Jakob

Besondere Ereignisse

1. Jährliches Adventskonzert in der Kirche

­ seit 1986

2. Singen in der Kirche beim Erntedankfest

3.Teilnahme an regionalen Konzerten

3. Freiwillige Feuerwehr Schwarzenberg

1. Vorsitzender: Karl­Heinz Helper

Mitglieder: 130

Jugendfeuerwehrmitglieder: 19

1 Löschfahrzeug

Besondere Ereignisse

1. Anbau des Feuerwehrgerätehauses in

1994 an das Dorfgemeinschaftshaus.

4. Natur­ und Wanderfreunde Schwarzenberg

1. Vorsitzender im Wechsel: z.Zt. Kurt

Siebert

Besondere Ereignisse

1. Jährliche Veranstaltung des Lindenfestes

mit Gottesdienst unter der Linde.

2. Dorfverschönerung durch Aufstellen von

Ruhebänken und einer Hinweistafel als

Dorfchronik.

5. Kabarett Spottlicht­Bühne Schwarzenberg

Vorsitzender: Bernd Köhler

Besondere Ereignisse

5. Aufführungen in jedem Winterhalbjahr und

Gastspiele verschiedener kultureller Gruppen

innerhalb des Kultursommers Nordhessen.

Evangelische Kirchengemeinde

Ehemalige Pfarrer: Wilhelm Schuchhardt,

Hartmut Sippel, Harry Knuth.

Pfarrer seit 1993:

Carsten Köstner­Norbisrath

149


03-7 | Urkunden

Kirchenvorstand:

Vertretung in der Kreissynode: Elke Frieler;

Renate Alter, Marlene Schanze, Marie­Luise

Siemon, Heike Siemon, Adolf Seitz, Manfred

Tews.

Kirchenälteste: Ludwig Kördel, Kurt Tews.

Küsterin: Lieselotte Worst.

Jugendarbeit: Hans­Günter Späth (zuständig

für die Kinder­ und Jugendarbeit Melsungen

Land), Sabine Kördel.

Kindergottesdienst: Sonja Tews, Heike Siemon,

Sabine Löser, Adele Jarka.

Besondere Ereignisse

In 1987 wurden die Grundmauern der Kirche

trocken gelegt und die Außenmauern befestigt.

In 1992 wurde das evangelische Gemeindehaus

errichtet.

Im Jahre 1995 musste der Kirchturm grundlegend

saniert werden, da durch die Schäden in

der Verschieferung und durch eindringendes

Wasser Verschalung und Balken Schaden genommen

hatten.Die schadhaften Balken wurden

ersetzt, die Verschalung erneuert und der

Turm neu verschiefert. Im Zuge dieser Baumaßnahme

wurde auch die Wetterfahne überholt.

Folgende Firmen haben diese Arbeiten ausgeführt:

Fa. Hablik aus Melsungen – Dachdeckerarbeiten

Fa. Hahn aus Rotenburg – Zimmererarbeiten

Fa. Singer und Schmidt aus Beuern ­ Überholung

der Wetterfahne

Fa. Ebert aus Röhrenfurth ­ Malerarbeiten

Die Baumaßnahme wurde betreut vom Architekten

Fuchs des Architekturbüros Lengemann

in Grebenau. Die Kosten betrugen DM 96.000.

Diese Summe beinhaltet DM 79.000 Zuschuß

der Landeskirche und DM 17.000 Baulastpflicht

der Stadt Melsungen.

Die dringend notwendige Innenrenovierung ist

für das kommende Jahr beantragt und kann,

wenn entsprechende Mittel der Landeskirche

zur Verfugung stehen, durchgeführt werden.

Schwarzenberg , den 24.08.1995

Pfarrer

Die Kirchenältesten

Der Kirchenvorstand

150


Gemarkung Schwarzenberg | 04-1

4

Flur

151


04-1 | Gemarkung Schwarzenberg

Gemarkung Schwarzenberg

von Adolf Seitz

Teil der Gemarkung rechts der Fulda mit Höhbach (1), Rosengrundgraben (2), Heidelgraben (3), Eulersgraben

(4)

Das Gesicht unserer Landschaft wurde in vielen

Millionen Jahren durch die Einwirkung von

Naturgewalten geprägt. Im Laufe der Erdgeschichte

haben neben Verschiebungen der

Erdkruste, der Hebung von ganzen Gebirgsketten,

der Überflutung durch Meere, Vulkanausbrüche

und auch der Einfluss des Wetters

unsere Heimat so gestaltet, wie wir sie heute

kennen.

Größe und geologischer Aufbau

Die Gemarkung Schwarzenberg hat eine Größe

von ca. 1035 Hektar (ha). Sie liegt beiderseits

der Fulda und grenzt im Norden an die

Gemarkungen von Röhrenfurth und Empfershausen,

im Osten an die von Kirchhof und

Kehrenbach, im Süden an die von Melsungen,

und im Westen an die von Melsungen und

Röhrenfurth. Der größte Teil der Gemarkung

liegt rechts der Fulda, die in nördlicher Richtung

dem Meer zustrebt und dabei ca. 1,2 Kilometer

durch die Schwarzenberger Flur fließt.

Östlich des Dorfes steigt das Gelände an, es

wird durch Raine und Böschungen geprägt.

Über sanftes, (Erlen, Heide, Zimmertriesch),

teils steiles Gelände (Metzewinkel), erreicht

man den die Felder begrenzenden Wald.

Vier kleine Täler oder Gräben durchschneiden

diese Landschaft in der Nähe der Ortslage in

Ost – West Richtung. Beginnend im Norden

sind dies der Höhbach, („Vor der Harth“), der

Rosengrundgraben (Verlängerung „Zur Kroneneiche“,

links am Friedhof vorbei, Richtung

Sportplatz), der Heidelgraben (Verlängerung

„Schützenstraße“) und der Eulsgraben oder

Eulersgraben (Direkter Zugang zur „Tongrube“).

152


Gemarkung Schwarzenberg | 04-1

Die Bächlein, die früher in diesen Tälern flossen,

spielten bis zum Bau der Wasserleitung

in 1902 eine wichtige Rolle in der Wasserversorgung

für Mensch und Vieh. Heute führen

nur noch Höhbach und Heidelgraben Wasser,

das aber in der Ortslage teilweise unterirdisch

der Fulda zufließt. Das Nass des Heidelgrabens

stammt überwiegend aus dem Überlauf

der alten Schwarzenberger Trinkwasserquelle,

die nach dem in 1975 erfolgten Bau des Hochbehälters

in den Erlen, nicht mehr benötigt

wurde.

zur Landstraße nach Hessisch Lichtenau, dann

neben der Kreisstraße nach Kehrenbach bis

zum Sandgraben. An ihm und der Kehrenbacher

Feldflur entlang führt die Grenze wieder

hoch zum Sälzerweg und bis zum „Zwickel“

oberhalb von Kehrenbach. Von dort geht sie in

Richtung Empfershäuser Gemarkung und

zieht sich dann in einem Bogen durch das

Breitenbachtal in Richtung „Hospitalsgrund“

(Waldgaststätte Rose). Von dort verläuft die

Grenze am Waldrand Richtung Schwarzenberg

zum Kriegenberg, an dessen Ende sie, den alten

Fuldaarm, Bahn und Fulda in Richtung

Westen überquert. Sie umschließt auf der linken

Fuldaseite die Flurstücke „Unterm Berge,

Die Breitenländer, Fischberg, Rotlauf und

Kannberg“, die sich von der Fulda über die

Bundesstraße 83 und den Wendesberg hinauf

in Richtung Steinwaldskopf ziehen. In der Mitte

des Wendesbergs überquert sie in östlicher

Richtung Bundesstraße 83 und Fulda, verläuft

auf ihrer Ostseite ein Stück parallel zum Fluss

in Richtung Melsungen, um dann zwischen der

Firma B. Braun und der Kläranlage über die

Bahnstrecke wieder zum Wohngebiet Huberg

zu führen.

Der höchste Punkt der Gemarkung ist der

Heiligenberg mit 439 m Höhe (nicht zu verwechseln

mit dem Heiligenberg bei Gensungen)

nahe der Kroneneiche, die am Sälzerweg

steht.

Höhbach neben der Jahnstraße

Der Wald, in den die Täler münden und durch

den die alte Salzstraße, der „Sälzerweg“, nach

Nordosten führt, hat eine Fläche von ca. 784

ha. Er gehört zum Riedforst. Ein weiteres

Waldstück mit ca. 2 ha befindet sich am Wendesberg

auf der Westseite der Fulda. Somit

besteht die Gemarkung Schwarzenberg aus

ca. 786 ha Wald und ca. 249 ha Feldflur.

Die Gemarkungsgrenze, die eine Länge von

ca. 21 Kilometern hat, verläuft vom Huberg

über die Tongrube hinunter in das Kehrenbachtal,

umfasst die Kaiserau, zieht sich am

Waldrand oberhalb der Kirchhöfer Feldflur an

der Kroneneiche vorbei, verläuft erst parallel

Unserer Feldflur

Wahrscheinlich war um 1200 der größte Teil

der Gemarkung noch mit lichten Wäldern bedeckt

und es fehlte an Ackerland. Deshalb

verfügte 1214 der Landgraf Hermann I. Rodungen

von Waldungen, die auch in großem

Maße erfolgten. Mit dem Ende des 13. Jahrhunderts

hörten die Rodungen vorläufig auf;

danach hat sich an dem Verhältnis Feld –

Wald nicht mehr viel geändert. Ab dieser Zeit

wurde die Pflege der Äcker und Wiesen intensiviert.

Man ging sozusagen vom Abweiden

der Wiesen durch das Vieh, zum Abernten

derselben über.

Das Aussehen der Feldflur änderte sich im

Laufe der Jahrhunderte immer wieder durch

Eingriffe der Menschen. Vor allem in Kriegsund

Notzeiten zwischen 1676 und 1920 wurden

immer wieder kleinere Parzellen Wald ge­

153


04-1 | Gemarkung Schwarzenberg

genüber Grebenau begonnen wurde, brachte

Veränderungen in der Gemarkung Schwarzenberg

mit sich. Der Lauf der Fulda wurde verändert

und Schwarzenberg musste der Bahn

ca. 38 Acker (ca. 9 ha) Gelände abgeben. Es

handelte sich neben der Fläche für die eigentliche

Bahntrasse noch um Parzellen am Burggraben,

beim Hilgengarten, und Eulsgraben.

Auf dem Grundstück beim Hilgengarten (Ortseingang

von Röhrenfurth) errichtet die Bahn

in 1854 ein Bahnwärterhaus, das später von

den Familien Weber und Steuber bewohnt

wird. Es wurde in 1965 bei der Elektrifizierung

der Strecke abgerissen.

Am Ortsausgang Richtung Melsungen baut die

Bahn in 1867 ein Bahnwärterhaus mit Stallung

und Hofreyde (Hofraum). Es wurde früher

von den Familien

Möller, Schade, Umbach,

Lengemann,

Wagner bewohnt. Heute

lebt die Familie Müller

in dem Haus.

Der Gemeindesteinbruch, seit 1901 außer Betrieb,

lag an der Waldstraße (unterhalb des

Schießstands). Vor dieser Zeit war er wohl am

Karlshagen; aus ihm sollen Steine zum Bau

des Eisenbahnviadukts in Melsungen gebrochen

worden sein. In 1902 wurden Steine im

Eulsgraben gebrochen.

Die Tongrube wird bereits in 1458 als Tonkaute

erwähnt. Sie lag auf dem Karlshagen in

der Nähe des Sälzerwegs. 1906 wurde ein

Stück Land (ca. 1 Hektar) am Eulsgraben an

den Tongrubenbesitzer der Melsunger Tonwerke

G. Gagel für 1.000 Mark samt Überfuhrrecht

verkauft.

Nach Bereinigung und

Rückgabe verschiedener

Parzellen behielt

die Bahn endgültig ca.

25 Acker (ca. 6 ha)

Fläche, für die sie einen

Grundsteuerbetrag von

64 RM zahlen musste

Durch die Verkoppelung

(s. bes. Beitrag)

die von 1882 – 1903

statt fand, veränderte sich, im Gegensatz zu

einer bereits im Jahr 1706 erfolgten ersten Flurteilung,

das Aussehen der Feldflur grundlegend.

Insgesamt wurden Acker­ und Wiesenflächen

von ca. 240 Hektar neu aufgeteilt und

durch ein Netz von Feldwegen zugänglich gemacht.

Im Zuge dieser Flurbereinigung wurde

auch die Bodenwertigkeit (Bonität) der einzelnen

Grundstücke ermittelt und in den Rezessakten

der Verkoppelung festgehalten. In ihnen

wurden auch die gemeinschaftlichen

Anlagen, wie Lehmgrube und Steinbruch erwähnt.

Die Lehmgrube befand sich zuerst im

Leimenland im Metzewinkel, später auf der

Heide, dann vor der Vor der Hardt (Voßfohle).

Im September 1903 war sie an Andreas Landgrebe

verpachtet.

156

Kläranlage und Bauamt der Stadt Melsungen liegen in der Schwarzenberger

Feldflur

Ein weiterer Grund für Flurveränderungen in

der Gemarkung Schwarzenberg war der Bedarf

an Flächen für die Veränderung der Infrastruktur

und die Errichtung von Gebäuden.

Durch den Bau eines Sportplatzes mit den erforderlichen

Anlagen und Gebäuden begann in

1959 am Waldrand oberhalb des Rosengrundgrabens

eine Veränderung der Landschaft, die

bis 2009 andauerte.

Die von der Stadt Melsungen in 1970 (Landankauf

1966) in Betrieb genommene Kläranlage

am Schwarzenberger Weg befindet sich,

genau wie das neu errichtete Bauamt, in der

Schwarzenberger Feldflur. In 1974 kaufte die

Stadt Melsungen von Schwarzenberger Bürgern

am Huberg landwirtschaftlich genutzte

Flächen (ca. 15 ha) auf, um dort ein Neubaugebiet

anlegen zu können. Zirka 5 ha dieser

Fläche sind mittlerweile bebaut.


Gemarkung Schwarzenberg | 04-1

In unmittelbarer Nähe des Dorfes veränderte

die Gemarkung ihr Aussehen durch den Bau

von Häusern in der Blumenstraße, auf der

Steinbinge, vor der Harth, dem Seckenbach

und in den Erlen.

1975 änderte sich das Landschaftsbild durch

den Bau eines Hochbehälters in den Erlen für

die Trinkwasserversorgung der Gemeinde.

Der Bau der ICE­Strecke zwischen Kassel und

Fulda (Inbetriebnahme in 1991) veränderte

die Flur insofern, dass das Höhbachtal durch

ein 80 Meter langes Gleisstück zwischen dem

Ausgang des Hainbuchtunnels (1.520 m) und

dem Eingang des Kaiserautunnels (1.861 m)

durchschnitten wurde.

Auch Veränderungen in der Lebensweise der

Menschen wirkten sich auf das Aussehen der

Landschaft aus. Es gab bis in die 1960­er Jahre

kleine Nebenerwerbslandwirte, Ziegenhalter

und Stallhasenbesitzer. Diese hatten teilweise

nicht genügend eigene Wiesen um das

benötigte Futter für ihre Tiere zu erwirtschaften.

Sie mähten deshalb Feldwege, Böschungen

und Raine. Auch die Uferstreifen an der

Fulda waren heiß begehrt. Um immer ausreichend

Futter ernten zu können, wurde darauf

geachtet, den Wildwuchs auf diesen Grundstücken

zu verhindern. Mit der Aufgabe der

Landwirtschaft und der Haltung von Ziegen

und Hasen blieben die vorher bewirtschafteten

Flächen sich selbst überlassen und die Natur

holte sich ihr Terrain zurück. Es entstanden

große Hecken, und Bäume, die nicht von

Menschen gepflanzt wurden, wuchsen in die

Höhe. Man kann sagen, dass der Mensch der

Natur das zurückgab, was er ihr im Laufe der

Jahrhunderte in harter Arbeit abgerungen

hatte. Nutznießer dieser Verwandlung sind in

jedem Fall die Tier­ und Pflanzenwelt.

Bodenbeschaffenheit

Fruchtbares Schwemmland gibt es trotz des

hier verhältnismäßig breiten Fuldatals nur wenig.

Auch an den steilen Hängen findet man

es nur selten. Daher schwankt die Fruchtbarkeit

der in der Gemarkung gelegenen Kulturflächen.

Was die geologische Formation betrifft, so besteht

sie zu fast 70 % aus Bundsandstein, und

zwar dem mittleren Buntsandstein. Die rote

Farbe des durch rot gefärbte tonige Bindemittel

zusammengehaltenen Sandes ist überall zu

sehen.

Der mittlere Buntsandstein tritt im Haarberg,

wo sich früher auch ein Steinbruch befand,

auf. Der obere Buntsandstein (Mergel und

Röt) ist vor der Hardt zu finden. Muschelkalk

fehlt vollständig. Die fruchtbaren Tertiärablagerungen

sind im Laufe der Zeiten abgewaschen

worden. Vereinzelte Reste von Tertiärtonen

finden sich in der Tongrube, sandige

Tone in sogenannten Tonnestern auch auf den

Fuldawiesen.

Quarzitblöcke, die während des 2. Weltkrieges

verwertet wurden, fand man vor den Erlen

und zum Teil in der ehemaligen Sandgrube auf

dem „Gelben Sande“. Diese Sandgrube wurde,

obwohl sie in der Melsunger Gemarkung

lag, schon immer von den Schwarzenbergern

genutzt. Sie blieb auch nach der Verkoppelung

Eigentum der Gemeinde Schwarzenberg und

wurde immer wieder an sogenannte „Sandgräber“

verpachtet, die einen gewissen Anteil

der Einnahmen aus dem Sandverkauf behalten

durften. So erhielt z.B. Georg Barthel in

1927 von dem Verkaufspreis von 1,50 Mark

für einen Kubikmeter Sand, 1,00 Mark. Der

Rest kam der Gemeindekasse zugute. Wenn

sich keine Pächter fanden, mussten Gemeindebedienstete

wie Dorfdiener und Nachtwächter

die Sandgrube betreiben.

Die Angaben über die Qualität des Bodens

(Bonität) anlässlich der Verkoppelung zeigen,

dass bei einer Einteilung der Bodenklassen

damals von römisch 1 ­ 10, (I war der ertragreichste

und X der ertragärmste Boden), der

überwiegende Teil der Böden, sowohl beim

Ackerland, als auch bei den Wiesen im Bereich

der Klassen IV bis VII liegt. Reine Böden sind

eher die Ausnahme. Meistens sind unter dem

Mutterboden Mischböden wie z. B. Sand­Lehm

oder Sand vorhanden.

Flurnamen

Die Flurnamen sind so alt wie Siedlungen

selbst. Die ersten Siedler gaben Häusern,

Wiesen und Äckern Namen, die von den

Nachkommen übernommen wurden. Sie

dienten dazu, sich in der Landschaft zu orientieren.

Sie haben sich mit der Entwicklung und

157


04-1 | Gemarkung Schwarzenberg

Veränderung der Sprache im Laufe der Zeiten

geändert. Deshalb sollte man mit Deutungen

vorsichtig sein.

Bezeichnungen wie Sälzerweg, Waldstraße,

Salzacker, Poststraße, Nürnberger Landstraße,

Thüringerstraße deuten aber auf alte Verkehrswege

hin.

Die alten Namen geben auch oft ein Bild der

ehemaligen Flurverteilung wider, wie z.B. die

langen Wiesen, die langen Länder.

Der Name Metzewinkel könnte, auf eine alte

germanische Opferstätte, (Mette – Messe –

Opfer), hinweisen.

Flurnamen berichten auch über den Kulturzustand

unserer Gemarkung aus frühester Zeit:

Über Äcker und Wiesen (Krautländer, Werrwiese),

Huden (In der Hude), Rottland und

Triesche (Kronentriesch), Bäche (Hebach) und

Wasser (Teichwiesen). Bei Waldbeständen geben

sie Auskunft über die Baumarten (In den

Erlen) und den Bodenbewuchs (Auf der Heide).

Sie sagen auch etwas aus über die Bodengestaltung:

Berge (Haarberg, Heiligenberg,

Fischberg) und Gräben (Eulsgraben, Heidelgraben).

Sie bezeichnen auch die genauere

Lage (An den Erlen, über den Zäunen).

An tatsächliche oder sagenhafte historische

Ereignisse erinnern z.B. die Flurnamen Karlshagen

und Kaiserau. Auf ehemalige Besitzverhältnisse

weisen das Junkersfeld und das

Pfarrland hin. Galgenrain ist ein Hinweis auf

die Rechtsprechung im Mittelalter.

Nach alten Aufzeichnungen gibt es in der Gemarkung

Schwarzenberg unter anderem folgende

Flurnamen:

Rechts der Fulda: In der Hude, vor der

Hardt, Galgenrain, Hebach, Über den Zäunen,

Wehrsländer, Metzewinkel, Rosengrundsgraben,

Steinbiege, Auf der Heide, Heidelgraben,

Karlshagen, Seckenbach, Molkewiese, Junkersfeld,

am Junkersfeld, An den Erlen, die

Erlen, Brechmannswiesen, Eulsgraben, Thonkäuten,

die langen Länder, im Eulsgraben, auf

der Waldstraße, Wangergraben, die Wehrsländer,

an den Wehrsländern, zwischen den Wegen,

Weidenpflanzung, an der Werrwiese,

Werrwiese, Teichwiesen, die weiße Wiese, die

langen Wiesen, Gehege, Kronentriesch, Auf

der Hufe, Krautländer, Kaiserau, Pfarrland,

Pfarrwiese.

Links der Fulda: Unterm Berge, die Breitenländer,

Fischberg, Rotlauf, Kannberg.

Dies sind die amtlichen Flurnamen. Im allgemeinen

Sprachgebrauch der Menschen haben

sich im Laufe der Jahre für diese Flurnamen

und einzelne Flurstücke mundartliche Varianten

entwickelt. Hier einige Beispiele für Teile

der Flurbezeichnung:

Vor der Hude:

Loßgraben, Knatz, Zimmertriesch

Vor der Hardt:

Haarberg, Horberg, Voßfohle

Steinbiege:

Stenbichel, Vorm Rore, Steinbinge

Die Wehrsländer: Salzacker, Kütte.

Kronentriesch: Koppelhude, Pferdehude.

Alte Flurnamen leben nur noch im Volksmund,

auf alten Flurkarten und Steuerkatastern. Sie

werden auch dann wieder in Erinnerung gerufen,

wenn Baugebiete erschlossen werden und

dazu Grundstücke ver­ und gekauft werden.

Es ist sinnvoll, wenn man in die Vergabe der

neuen Straßennamen die alten Flurbezeichnungen

mit einfließen lässt, um sie der Nachwelt

zu erhalten. Dies ist in Schwarzenberg

zum Beispiel bei den Straßenbezeichnungen

Zur Hute, Vor der Harth, Zum Metzewinkel,

Steinbinge, Seckenbach und In den Erlen, geschehen.

Blick auf „Die Erlen“

158


04-1 | Gemarkung Schwarzenberg

verliefen. Dort beginnt auch der Hohlweg,

durch den die „Nürnberger Landstraße“ vom

Wendesberg wieder hinunter in das Fuldatal

führte.

Auch am Kriegenberg an der Gemarkungsgrenze

zu Röhrenfurth gibt es noch einige alte

Grenzsteine. Einer von ihnen steht an der

Waldspitze des Kriegenbergs. Auf seiner

Schwarzenberg zugewandten Seite findet man

die Bezeichnung SB 1752 (Schwarzenberg

1752), auf der nach Röhrenfurth zeigenden

Seite das Kennzeichen N Z RF 1752 (Nr. 2

Röhrenfurth 1752).

Bei der Festlegung der Grenzen ging es nicht

immer friedlich zu. Ein Vermerk in einer Flurkarte

von Melsungen aus dem Jahr 1615

zeigt, dass Melsungen die Gemarkungsgrenze

im Bereich Fulda/Huberg gern etwas in Richtung

Schwarzenberg verschoben hätte, wogegen

die Schwarzenberger sich aber wehrten.

Auch in den Jahren von 1711 bis 1716 gab es

Grenzstreitigkeiten zwischen Melsungen und

Schwarzenberg. Das gleiche passierte auch

zwischen Röhrenfurth und Schwarzenberg von

1753 bis 1756 bei der Festlegung der Gemarkungsgrenze.

Außerdem gab es hier auch

noch einen Disput über die Kosten der Grenzziehung.

Diese Streitigkeiten spielen heute keine Rolle

mehr, denn seit der Gebietsreform, die in

1974 abgeschlossen wurde, gehören sowohl

Schwarzenberg als auch Röhrenfurth zur Stadt

Melsungen. Diese hat für die einzelnen Ortsteile,

also auch für Schwarzenberg, jeweils

einen Flächennutzungsplan aufgestellt.

Er enthält eine Beschreibung des Ortes (Lage,

bebaute Flächen, Infrastruktur, usw.), entwickelt

aber auch Aussichten über die künftige

Entwicklung des Dorfes.

So werden z. B. der Bedarf und die Lage künftiger

Baugebiete unter Berücksichtigung von

Umweltaspekten festgelegt, auch um einer

Zersiedlung der Landschaft vorzubeugen.

Solange Menschen das Bedürfnis haben, ihren

Lebensraum nach Schwarzenberg zu verlegen

oder im Ort zu verändern, wird sich auch das

Aussehen der Gemarkung Schwarzenberg

verändern. In welchem Maße das geschieht,

wird die Zukunft zeigen.

Der „Dreimärker“ Lageplan „Dreimärker“ Grenzstein am Kriegenberg

Die Verkoppelung oder Separation

1882 – 1903

In früheren Zeiten sahen die Feldfluren anders

aus als heute. Der Besitz der einzelnen Bauern

hatte nicht die heutige Geschlossenheit.

Das machte die Bewirtschaftung schwierig.

Die Felder wurden nach dem System der seit

800 n. Chr. bekannten Dreifelderwirtschaft

bearbeitet. Sie brachte gegenüber der früheren

Anbauform, dem Landwechsel, bei dem

man immer neues Land erschließen musste,

deutlich bessere Ernten und geregelte Besitzverhältnisse.

Bei der Dreifelderwirtschaft wurde das Ackerland

in drei fast gleichgroße Flächen aufgeteilt.

Es gab die Fläche für das vor dem Winter

gesäte Wintergetreide, (Roggen und Emmer

(Weizen)) und eine zweite, für das nach dem

160


Die Verkoppelung oder Separation 1882­1903 | 04­2

Winter gesäte Sommergetreide, (Hafer, Hirse,

Gerste). Die dritte Fläche blieb als Brache

(unbewirtschaftetes Land) liegen, so dass sich

der Boden erholen konnte. Sie diente jedoch

als Viehweide. Im folgenden Jahr wechselte

die Bewirtschaftung der einzelnen Flächen.

Innerhalb der einzelnen Flächen hatte jeder

Bauer mehrere Äcker, die oft auch durch die

Erbfolge, sehr klein waren und auch nicht nebeneinander

lagen. Wälder und teilweise auch

Wiesen gehörten ursprünglich zur „Allmende“,

dem allgemeinen Eigentum und wurden gemeinschaftlich

genutzt.

Beispiel eines Dorfes mit Feldmark (Dreifelderwirtschaft)

Da es damals noch kein Feldwegenetz gab,

über das die einzelnen Bauern ihre Grundstücke

separat erreichen konnten, musste

man, um sein eigenes Feld bearbeiten zu können,

über die Felder anderer Besitzer fahren.

Dadurch entstand der sogenannte Flurzwang,

bei dem nicht nur die gleichzeitige Bestellung

und Ernte, sondern auch ein übereinstimmender

Fruchtanbau erforderlich war. So musste,

bei hintereinander liegenden Feldstücken ohne

eigenen Wegzugang, zuerst das hintere

Grundstück, dann die davor liegenden Parzellen

und zuletzt das vordere Grundstück bestellt

werden. Bei der Ernte war es dann genau

umgekehrt, wobei die Besitzer der

hinteren Felder oft durch nicht konstantes

Wetter benachteiligt waren.

Eine gute und zweckmäßige Bewirtschaftung

der Felder war somit nicht möglich. Um effektiv

arbeiten zu können, mussten mehrere beieinander

liegende Grundstücke zu einer Einheit

zusammengefasst werden, die dann nur

noch einem Eigentümer gehörten.

Deshalb erhob man bereits um 1800 die Forderung

nach einer Zusammenlegung von

Grundstücken, doch diese Pläne wurden in

1823 von der damaligen Regierung mit folgendem

Wortlaut gestoppt: „Die Verkoppelung

(Zusammenlegung) unterbleibt, weil dadurch

der kleine Mann zu Schaden kommt.“

Im Laufe der Zeit merkte man jedoch, dass

mit der althergebrachten Methode der Landwirtschaft

die Bevölkerung nicht ausreichend

versorgt werden konnte. Als es dann um die

Mitte des 19. Jahrhunderts auch noch zu einer

Hungersnot kam, wurde die Verkoppelung

vorangetrieben.

Von der Zweckmäßigkeit der Flurzusammenlegung

hatte man auch in Schwarzenberg

schon jahrelang gesprochen, aber man

scheute die Kosten. Aber dann war es doch so

weit. In 1882 wurde mit der Verkoppelung,

die bis 1903 dauerte, begonnen. Mit der Separation,

wie die Zusammenlegung damals

auch genannt wurde, waren umfangreiche Arbeiten

verbunden. So mussten ca. 187 Hektar

Ackerland, ca. 50 Hektar Wiesen und Weiden

und ca. 2 Hektar Triesche oder Unland bewertet

und neu aufgeteilt werden, was auch die

21­jährige Dauer der Verkoppelung erklärt.

Als Triesche bezeichnete man damals wertloses

Land, das auf Grund seiner Beschaffenheit

nicht zur Bearbeitung geeignet schien.

Auch die Beschaffung der Gelder, die man in

die „Verkoppelungs­Nebenkasse“ einzahlen

musste, brauchte Zeit. Der Wert der zu tauschenden

Grundstücke wurde anhand der Bodenklassen

durch die „Herren Bonitierer“ festgestellt.

Bestehende Rechtsgrundlagen, die

Grundstücke betreffend, mussten beachtet

werden. Über die Veränderungen wurde ein

sogenannter Rezess (Vergleich) erstellt. In

ihm, der in 1903 endgültig abgeschlossen

wurde, stellte man die Verhältnisse von Grund

und Boden und deren Zweck vor der Zusammenlegung

dar und erläuterte die sich ergebenden

neuen Verhältnisse.

Hier sind einige Beispiele (nach Aufzeichnungen

von Lehrer Schmidt) aus dem Rezess:

1. Größe der alten Gemarkung

239,2923 ha Flur5 ­ 5281 ha Dorf

2. Größe der neuen Verteilungsmasse

240,6958 ha Flur ­ 5,5281 ha Dorf

3. Mit dieser Neuordnung erfolgt naturgemäß

innerhalb der Gemarkung:

Aufhebung der alten Grenzen: zugunsten der

neuen Grenzen

161


04­2 | Die Verkoppelung oder Separation 1882­1903

Aufhebung der alten Wege: neue Wegerechte

Instandhaltung der Wege:

Besichtigung am 1. Nov. jeden Jahres; Wege

und Gräben müssen 30 cm von den Feldern

entfernt sein (Schwengelrecht).

Aufhebung alter Bodenwerte: neue Bewertung

(Bonitierung)

Aufhebung der alten Flureinteilung: neue Gewanne,

alte Flurnamen verschwinden

Aufhebung alter kleiner Pläne: größere neue

Pläne

Aufhebung der alten Huterechte: Stoppelhute,

Wegehute; die Ablösung gegen Geldentschädigung

in dem fiskalischen (dem Staat gehörenden)

Wald hatte bereits 1873/1883 stattgefunden;

Folge: Rückgang der Schafzucht

4. Neuregelung der Gemarkungsgrenzen: mit

Röhrenfurth und dem Gutsbezirk Oberförsterei

Melsungen

Neuregelung des Eigentumsrechts: der Flächen

der Hessischen­Nordbahn, der Nürnberger

Landstraße, der Fulda und Uferstreifen.

Neuregelung über: die Unterhaltung der Ufer,

die Wasserrechte, das Aufschlagen der Spicke

(Steg über die Fulda mit folgender Kostenteilung:

1/3 Eigentümer, 2/3 Gemeinde), die

Tätigkeit der Wegewärter.

Neuregelung des Mitbenutzungsrechts: der

Gemeindewege durch die Forstverwaltung für

Holzabfuhr aus dem Staatswald

Neuregelung des Eigentumsrechts: der 4 fiskalischen

Wege am Metzewinkel und des

Hainbuchenwegs ab Haus Nr. 22 (Riedemann)

5. Grenze, Grenzsteine: Rot­schwarze Dreieckssteine.

Die Gemeinde ist verpflichtet

die Steine zu unterhalten

6. Gemeinschaftliche Anlagen: Bleichplatz,

Lehmgrube, Friedhof, Steinbruch

7. Einschränkung der Eigentümer: Wege sind

keine Hüteplätze, Huterechte aufgehoben,

Entschädigung wird gezahlt.

8. Neuster Düngungszustand: Ausgleichszahlung

9. Kultivierung der Ödländer und Triesche in

der neuen Planverteilung

10. Kosten werden gemeinsam getragen

Als die Verkoppelung beendet worden war,

gab es nicht nur zufriedene Menschen.

Viele meinten gutes Land abgegeben und dafür

schlechtes bekommen zu haben. Schuld

daran war das schlechte „Bonitieren“, die

Wertermittlung der Grundstücke.

Aber wo war das gute Land denn geblieben?

Das hatten die „Heimlichen“ bekommen. Diese

Menschen waren oft mit Ranzen oder Körben,

in denen sich Butter, Eier und Würste befanden,

in die Stadt zum Landmesser gegangen

und brachten auf dem Rückweg die Zusage für

die besten Ländereien mit nach Hause. Die

Landmesser wurden daher von vielen Menschen

angefeindet. In der Bevölkerung hieß es

bei vielen: „Wenn das unsere Alten wüssten,

wie man uns behandelt. Wir sind nur zum Unterschreiben

und Zahlen gut.“ Bei den stattfindenden

Versammlungen ging es teilweise

hoch her und die Mehrzahl der Betroffenen

wollte die zugewiesenen Flurstücke nicht annehmen.

Schließlich wurden nach einigen

Verhandlungen die Vereinbarungen doch unterschrieben.

Diese Luftaufnahme aus dem Jahr 1998 zeigt die

durch die Verkoppelung entstanden größeren Flurstücke

Durch die Flurbereinigung, die die Verkoppelung

ja war, erhielt die Gemarkung zwar die

heutige Geschlossenheit, sie veränderte aber

auch die Flur, weg von ihrer Vielgestaltigkeit,

hin zur Kulturlandschaft. Auch die Tier­ und

Pflanzenwelt litt unter den Eingriffen in die

Natur. Aber nicht nur das Aussehen der Landschaft,

sondern auch die Bewirtschaftung der

Felder änderte sich entscheidend. Die Dreifelderwirtschaft

wurde beendet und die im Laufe

der Zeit immer weiter verbesserte Fruchtfol­

162


Die Verkoppelung oder Separation 1882­1903 | 04­2

gewirtschaft, mit ihren höheren Erträgen,

setzte sich durch. Die Bauern merkten, dass

sie, durch die Zusammenlegung der Flächen,

an einem Tag mehr schaffen konnten als früher.

So konnte man zum Beispiel auf einem

einzigen großen Feld Getreide ernten und

nicht auf mehreren, voneinander entfernten,

kleinen Parzellen. Nach und nach fand man

sich mit der ungeliebten Verkoppelung ab und

erkannte ihre guten Seiten, wenngleich auch

manche Menschen an ihrer Meinung festhielten,

dass es bei der Neuaufteilung der Felder

nicht ganz gerecht zugegangen sei. Was ja

teilweise auch stimmte.

Der Riedforst – Blick in Richtung Haarberg

Unser Wald

Die Schwarzenberger Feldgemarkung wird im

Osten und Norden vom Riedforst begrenzt.

Dieser ist ein von vielen Quertälern zerschnittenes,

mit Laub­ und Nadelwald bestandenes

Plateau, mit Höhen zwischen 400 und 564 Metern.

Es beginnt nördlich von Rotenburg und

zieht sich, östlich der Fulda, bis zum südöstlich

von Kassel beginnenden Söhrewald. Nach

Osten dehnt es sich, in Richtung Spangenberg,

bis kurz vor Lichtenau aus.

Die höchste Erhebung des Waldes bei Schwarzenberg

ist der Heiligenberg mit 439 m Höhe.

Er liegt in der Nähe der Kroneneiche, die am

Sälzerweg steht. Die Waldfläche in der

Schwarzenberger Gemarkung beträgt ca. 786

Hektar (ha). Davon entfallen ca.784 ha auf

den Riedforst und ca. 2 ha auf den Wendesberg.

Das Forstrevier Schwarzenberg gehört

zum Forstamt Melsungen und stößt an die Reviere

Melsungen, Kirchhof, Eiterhagen und Altenbrunslar.

Die Anteile von Laub­ und Nadelwald

halten sich ungefähr die Waage. Der

Laubwald besteht zu 44 % aus Buchen und zu

8 % aus Eichen, der Nadelwald zu 40 % aus

Fichten und zu 8 % aus Kiefern und Lärchen.

Die Baumschäden haben in den letzten Jahren,

auch aufgrund durchgeführter Pflegemaßnahmen

(Kalkung des saueren Bodens),

nicht zugenommen. 60 % der Bäume sind gesund,

von dem Rest weisen 30 – 35 % leichtere

Schäden auf. Von den Schäden am meisten

betroffen sind Fichten. Die Auswirkungen

des nicht mehr gesunden Bodens machen sich

auch am Rückgang der früher reichlich vorhanden

Heidelbeersträucher und der Anzahl

der noch vorhandenen Pilzarten bemerkbar.

163


04-3 | Unser Wald

Der Schwarzenberger Wald hat einen guten

Wildbestand. Es gibt Hirsche, Rehe, Wildschweine,

Füchse, Dachse, Waschbären, Hasen,

Marder, Eichhörnchen und andere Nagetiere.

Neben den scheuen Wildkatzen sind

auch die neuerdings wieder in deutschen Wäldern

auftauchenden Luchse gesichtet worden.

Auch Eulen und verschiedene andere Vogelarten

sind in unserem Wald heimisch. Neben

dem Gesang der Singvögel hört man z.B. das

Kreischen der Eichelhäher, das Gurren der

Wildtauben und das Hämmern der Spechte.

Unser Wald in der Geschichte

Wahrscheinlich reichte der Wald in früheren

Zeiten dicht an das Dorf heran. Er wurde nach

und nach gerodet, um die Nachfrage nach

Ackerland zu stillen. Dieses Land benötigte

man, um die Bevölkerung zu ernähren.

Für unsere Vorfahren war der Wald etwas Unheimliches,

ja sogar Mystisches. So ist es begreiflich,

dass der Wald zur Ahnenzeit heiliges

Land war, der dem Stammesvolk gehörte. Er

war Eigentum der Markgenossenschaft, gemeinsamer

Besitz, mit allgemeinem Nutzungsrecht.

Unter dem Einfluss des römischen

Rechts und des Feudalismus wurde er eine

verkäufliche Sache. Fürsten, Ritter und Klöster

nahmen große Waldstücke in Besitz und

verteidigten in vielen Rechtsstreitigkeiten ihr

Eigentumsrecht. Der Wald wurde für sie zu einer

Einnahmequelle.

Zu Zeiten der Ritter von Schwarzenberg waren

diese Eigentümer des Waldes. Nach 1393

fiel er dem Landgrafen zu. Die Fläche des

Waldes grenzte an die Feldfluren von Melsungen,

Kirchhof, Kehrenbach, Empfershausen

und Röhrenfurth.

Für Kurhessen wurden die Besitzverhältnisse

erstmalig durch die Waldordnung innerhalb

des Handbuchs „Ökonomischer Staat“ von

Wilhelm IV von 1585 neu geregelt.

In dieser Ordnung hieß es:

1. Städte und Dörfer, die den Besitz des Waldes

300 Jahre erkennbar nachweisen können,

zahlen keine Forstgebühr;

2. Städte und Dörfer, die den Besitz des Waldes

200 – 300 Jahre erkennbar nachweisen,

zahlen halbe Forstgebühren.

3. Alle anderen zahlen volle Forstgebühren.

Das bedeutete, dass die Gemeinde, die damals

nachweisbar 300 Jahre im Besitz des

Waldes war, ihn als Eigentum bekam. Eine

Gemeinde, die nur einen Besitz zwischen 200

und 300 Jahren nachweisen konnte, erhielt die

Hälfte des Waldes zum Eigentum.

Wenn eine Stadt oder ein Dorf nur einen Besitzanspruch

unter 200 Jahren nachweisen

konnte, gehörte der Wald dem damaligen Besitzer

und blieb Privat­ oder Staatsbesitz. So

ist es zu erklären, dass damals ein Teil der

Wälder in Privat­ bzw. Gemeindebesitz gelangte.

Nach dem 30­jährigen Krieg nimmt der

Baumbestand zu, die Wälder werden dichter.

In 1897 besitzt die Gemeinde Schwarzenberg,

nach Aufzeichnungen von Lehrer Peter

Schmidt, erstmals Wald in einer Größe von

6,6 ha. Vermutlich hing das mit der Verkoppelung

zusammen, die in Schwarzenberg zwischen

1882 und 1903 stattfand.

Im 19. Jahrhundert wurde ein Teil der Wälder

im Zuge einer Agrarreform in sogenannte

Gutsbezirke umgewandelt. Der Gutsbezirk war

ein räumlich abgetrennter Teil des Landes,

dessen Gebiet der obrigkeitlichen Gewalt eines

Gutsherrn unterworfen war. Die Gutsbezirke

entstanden durch die Trennung und

Auswahl des gutsherrlichen Landes von dem

der Landgemeinden. Im Bereich von Schwarzenberg

entstand der Forstgutsbezirk Oberförsterei

Melsungen, mit einer Waldgröße von

ca. 782 Hektar.

Durch ein preußisches Gesetzes vom 27. Dezember

1927 wurde die Auflösung der Gutsbezirke

ab dem 30. September 1928 vorgeschrieben.

Auf Grund von Vorschlägen der

Landräte wurden sie benachbarten Landgemeinden

eingegliedert. Nach mehreren Verhandlungen

wurde beschlossen:

Der Forstgutsbezirk Oberförsterei Melsungen

wird vorerst der Gemeinde Schwarzenberg

zugeteilt. Die Schwarzenberger sträubten sich

anfangs gegen diese Zuteilung, weil man

fürchtete, die Gemeinde würde wirtschaftlich

geschädigt. Dabei ging es unter anderem auch

um jährlich 257,11 RM Unterhaltungskosten

für die Schule, die der Forstgutsbezirk an

Schwarzenberg zahlen musste.

164


Unser Wald | 04-3

Nach mehreren Beratungen stimmte die Gemeindevertretung

am 1. Februar 1930 dem

Beschluss zu. Damit war die Gemarkung

Schwarzenberg um ca. 782 ha größer geworden.

Die Befürchtung einer wirtschaftlichen Schwächung

trat nicht ein. Im Gegenteil, die Gemeinde

wurde wirtschaftlich und finanziell

stärker, denn die angrenzenden Gemeinden

Kirchhof und Kehrenbach mussten Grundsteuer

an Schwarzenberg zahlen. In 1933 betrugen

die Einnahmen nach Abzug von 240 RM,

die Schwarzenberg an den Schulverband

Kirchhof zahlen musste, immerhin noch 2.160

RM.

1939 ging der Wald wieder in den Besitz des

Staates über. Die Gemeinde Schwarzenberg

erhielt nach dem 2. Weltkrieg bis zu ihrer Eingemeindung

nach Melsungen jährlich noch

einen Betrag von ca. 40.000 DM als Entschädigung

für den Verlust des Waldes.

Neunundneunzig Prozent unseres Waldes gehören

heute dem Land Hessen und werden

von dem Landesbetrieb „Hessen Forst“ bewirtschaftet.

Dieser ging am 1. Januar 2001

aus der Landesforstverwaltung hervor und erhält,

pflegt und gestaltet mit seinen 41 Forstämtern,

die 441 Forstreviere verwalten,

Wälder in allen Landesteilen. Eines dieser Reviere

ist das Forstrevier Schwarzenberg. Es

gehört zum Forstamt Melsungen und stößt an

die Reviere Melsungen, Kirchhof, Eiterhagen

und Altenbrunslar an.

Forstreviere des Forstamts Melsungen

Neben dem Staatswald gibt es noch den Interessentenwald.

Der Begriff ist die regionale

Bezeichnung für Markgenossenschaften und

bezeichnet den Wald, der „Interessenten“ zu

unterschiedlich großen ideellen Anteilen gehört.

Diese Besitzform geht auf Rechte der

Ortsbürger aus früheren Zeiten zurück. Dieser

Wald wurde bei den Verkoppelungen auch

teilweise aufgeteilt und somit zu Privateigentum.

Interessenten­ und Privatwald betragen

1 % unserer gesamten Waldfläche, also ca.

7,8 ha.

Nutzung des Waldes

Der Wald diente dem Menschen schon immer

als Lebensgrundlage oder Lebenshilfe. Die

Menschen, die früher noch als Jäger und

Sammler lebten, fanden Nahrung in Form von

Beeren, Pilzen und Fleisch. Mit Hilfe des Holzes

konnten sie Hütten bauen, Werkzeuge

herstellen und sich an Feuern wärmen.

Als die Menschen später sesshaft wurden, erhöhte

sich die Wichtigkeit des Waldes noch für

sie. Holz wurde in größeren Mengen für den

Bau von Häusern, Geräten, Möbeln, Maschinen

und Booten benötigt. Pilze und Beeren

wurden auch dann noch gegessen. Jagd­ und

Fischereirechte gehörten bis 800 n. Chr. der

Markgenossenschaft, danach dann gingen sie

an die jeweilige Herrschaft über.

Der Wald spielte auch eine Rolle bei der Ernährung

und Versorgung des bäuerlichen

Viehs.

So holten sich die Bauern Laub als Einstreu für

den Stall aus dem Wald und trieben ihr Vieh,

um es mit Futter zu versorgen, in gewisse

Waldstücke.

Die Nutzung des Waldes war aber nicht freizügig,

sondern immer an die Genehmigung

der jeweiligen Besitzer gebunden. So wurde

bereits um 1500 eine staatliche Forstordnung

erlassen.

Nachdem Klöster, Adel und Landesherrschaft

die Wälder im Mittelalter in Besitz genommen

hatten, wurden bestimmte Rechte für die

Bauern als ewiges Recht in sogenannten „Gerechtsamen“,

verbrieft.

Das Huterechte wurde in der "Hute­ und

Streugerechtsame" in allen Einzelheiten, wie

165


04-3 | Unser Wald

Stückzahl des Viehs und Festlegung bestimmter

Waldstücke, die dem Huterecht unterlagen,

geregelt.

Im Lager­, Stück­ und Steuerbuch für

Schwarzenberg von 1744 steht unter dem

Punkt „Hute­ und Weidegerechtigkeit“:

Diese Gemeinde treibt ihr Vieh auf den

herrschaftlichen Milsunger Wald woselbst

ihnen ein gewißer District abgebunden wird,

und bestehet ihre Viehherden in 21 Pferden,

44 Ochsen, 33 Kühen und 80 Schafen ohne

die Rinder und Schweine.

Im Mittelalter war auch die Waldweide durch

Schweine von ganz besonderer ökonomischer

Bedeutung. Die Schweine stellten die weitaus

wichtigste tierische Nahrungsquelle für die

Bevölkerung dar. Der Wert eines Waldes wurde

vor allem daran gemessen, wie viele

Schweine man zur Mast in ihn treiben konnte.

Die Anpflanzung von Bäumen mit für Schweine

fressbaren Früchten (Eicheln und Bucheckern)

veränderte den Wald. Eichen und Buchen

wurden mehr, andere Laub­ und

Nadelbäume weniger angepflanzt.

Auch in Schwarzenberg wurden die Schweine

über die „Schweinetrift“ (heute Straße „Zur

Kroneneiche“) in den Wald getrieben. Im Lager­,

Stück­ und Steuerbuch heißt es unter

dem Punkt „Masten“:

„Treiben ihre Schweine gegen gewöhnliche

Mastgebühr auf herrschaftliche Waldungen“.

Im Zuge der schrittweisen Ablösung der Waldweide

durch die Stallhaltung, wurden in der

Neuzeit die meisten Hutewälder in Wirtschaftsforste

umgewandelt. Die Waldweide

wurde wegen ihrer schädlichen Auswirkung

auf den Wald gesetzlich verboten. Die Huteund

Streuberechtigungen mussten bis 1885

gegen entsprechende Entschädigungen, die

sich nach der Größe der abzulösenden Waldflächen

richteten, aufgehoben werden. Die

wenigen in Mitteleuropa noch erhaltenen Hutewälder

stehen heute meist unter Naturschutz.

Am 10. Juli 1873 wurden die Huterechte am

Carlshagen abgelöst. Die Gemeinde Schwarzenberg

erhielt 18 Thaler, 5 Silbergroschen,

10 Pfennige, die 16 betroffenen Schafhalter

mussten sich 18 Thaler, 11 Silbergroschen, 63

Pfennige teilen.

Am 6. Oktober 1882 wurden die Hute­ und

Streurechte der Gemeinden Schwarzenberg

und Empfershausen in den Oberförstereien

Melsungen und Eiterhagen abgelöst.

Die14 Berechtigten erhielten insgesamt 520

Thaler, 20 Silbergroschen und 6 Heller.

Die Entnahme von Bau­ und Brennholz wird

ebenfalls im Lager­, Stück­ und Steuerbuch

beschrieben. Ein Bauer bekam 3 Klafter Buchenscheide

(ca. 10 Kubikmeter) als Brennholz

aus dem Kehrenbacher Forst und ein

„Köther“ (Kleinbauer oder Leibeigner, Bewohner

einer Kote oder Kate), 2 Klafter (ca. 7

Kubikmeter) aus dem Melsunger Forst, wobei

der Köther die ganze Forstgebühr zahlen

musste. Bauholz wurde gegen die gewöhnliche

ganze Forstgebühr abgegeben.

Auf weiteren alten Rechten, nämlich der „Leseholzgerechtsame“

basierte auch das langjährige

unentgeltliche Sammeln von sogenanntem

Raff­, Zund­ und Leseholz aus den

Wäldern.

Auch für Schwarzenberg muss es eine solche

Zusage gegeben haben, die aber, aus welchen

Gründen auch immer, nicht mehr zur Anwendung

kam. Aus diesem Grund intervenierte

Bürgermeister Rode am 12. Januar 1882 bei

der Königlichen Regierung in Kassel. Diese

antwortete am 29. Juni 1882 mit folgendem

Schreiben:

„Im weiteren Verfolg des an seine Excellenz

den Herrn Ober Präsidenten von Ihnen unterm

12. Januar eingereichten Gesuch, betreffend

das Sammeln von Raff und Leseholz in den

Staatsforstorten des vormaligen Forstreviers

Melsungen, haben wir weitere Ermittlungen

hinsichtlich des von der dortigen Gemeinde

behaupteten Rechts auf den unentgeltlichen

Bezug dieser Nutzung eintreten lassen. Diese

Ermittlungen haben ergeben, dass den sämtlichen

Einwohnern der dortigen Gemeinde das

auf langjähriger Ausübung beruhende Recht

zusteht, in den nachstehend genannten

Staatsforstorten des früheren Forstreviers

Melsungen – jetzt teils zum Oberförstereibezirk

Melsungen und teils zum Oberförstereibezirk

Eiterhagen gehörigen an zwei von der

Forstbehörde zu bestimmenden Tagen einer

jeden Woche, und zwar jeden Dienstag und

Freitag „Leseholz“, d.h. das abgefallene, auf

dem Boden liegende dürre Astholz sowie die

166


Unser Wald | 04-3

auf geräumten Schlägen liegen gebliebenen

kleinen Reiser und Spähne traglastenweise

oder auf Schubkarren (jedoch nicht fuderoder

wagenweise) zum eigenen Gebrauch einsammeln

und unentgeltlich nutzen zu dürfen.

Es dürfen jedoch zwecks Ausübung dieses Leseholz­Rechts

keine Instrumente, wie z. B.

Äxte, Beile, Sägen oder Hacken etc. mit in

den Wald genommen werden.

Die Staatsforstorte, in denen diese Leseholzgerechtsame

ausgeübt werden darf sind:

Strackerbaum ­ Filzbach ­ Kniedelle ­ Hospitalsrück

­ Herrmannsgraben ­ Ascheweg ­

Hermannswand ­ Kohlberg ­ Herrschaftl. Wiese

­ Goldkaute ­ Steinmal ­ Riedewig ­ Hüneburg

­ Eulersgraben ­ Blauerstein ­ Spitzenicker

­ Scheidgehege ­ Hude auf der Höhe ­

Erbelberg ­ Hainbuch ­ Schafstall ­ Höhbach ­

Mühlengraben ­ Haarberg ­ Metzewinkel ­

Karlshagen ­ Rosengrundgraben ­ Kaiserau.

Sie wollen den Einwohnern der dortigen Gemeinde

hiervon Kenntniß geben und gleichzeitig

durch die Schelle bekannt machen lassen,

dass alle Diejenigen, welche den Ersatz der

seit dem Jahre 1867 für Leseholzscheine entrichteten

Gebühren beanspruchen, sich innerhalb

3 Monaten bei dem Königlichen Oberförster

Dörnickel zu Melsungen zu melden haben.“

Abteilung für direkte Steuer, Domänen und

Forsten

gez. Unterschrift

In späteren Jahren erlaubten die Forstbehörden

nach bestimmten Richtlinien das Sammeln

von „Leseholz“ auf sogenannte Leseholzscheine.

Beim Leseholz handelte es sich

um liegendes Holz, welches bei der Durchforstung

der Waldbestände anfiel. Man kaufte

beim Förster einen Leseschein und durfte

dann in bestimmten Distrikten Holz sammeln.

In der heutigen Zeit bieten die Forstämter die

Möglichkeit, für einen festgelegten Preis,

Brennholz im Wald selbst zu machen. Dabei

handelt es sich um Baumkronen, dicke Äste

oder dünne Stämme bereits gefällter Bäume.

Im alltäglichen Sprachgebrauch ist hierbei

auch von „Abraum“ die Rede.

Losholz

Am 28. Juni 1865 wurde in Kurhessen das

sogenannte „Losholzgesetz“ verabschiedet.

Mit seiner preußischen Nachfolgeregelung

vom 6. Juni 1873 wurde für die kurhessischen

Landesteile die Versorgung der Bürger mit

Brennholz zu moderaten Preisen sichergestellt.

Das Gesetz aus dem Jahr 1865 schrieb

vor, dass der Abgabepreis den Holzhauerlohn

und alle Gebühren enthielt. Das Gesetz vom

6. Juni 1873 enthielt den Zusatz, dass bei der

Vergabe vorzugsweise ärmere Gemeindeangehörige

zu berücksichtigen waren. Am 8.

April 1952 wurde ein, auf den alten Gesetzen

aufbauendes, neues Losholzgesetz erlassen,

Alte Wirthschaftskarte (Ausschnitt)

von der Königlichen Oberförsterei Melsungen

von 1884

Flurbezeichnungen der nebenstehenden

Karte:

1, 2, 3, 5, 6, 10, 14 Kaiserau

4, 8, 9, 12, 13, 26, Carlshagen

7, 11, Metzwinkel

27, 28 Höhbach

29 ­ 33 Haarberg

35, 36 Kniedelle

43 – 45 Hainbuch

167


04-3 | Unser Wald

das den Anspruch der Bürgerinnen und Bürger

auf den Bezug von Brennholz aus dem Staatswald

festschrieb.

Der Name Losholz rührt daher, dass man sich

die einzelnen Holzzuteilungen nicht aussuchen

konnte, sondern man zog nach der Bezahlung

der Gebühren ein Los und wusste dann, welchen

Holzstoß man aus dem Wald nach Hause

bringen konnte. Die Menge des Losholzes

wurde nach einem Durchschnittssatz der Jahre

1867 – 1871 allgemein für jede Gemeinde

festgelegt. Schwarzenberg erhielt damals zum

Beispiel für 62 Familien 247 Raummeter

Hartholz und 247 Raummeter Reisholz (Reisighaufen),

was bei einer Gesamtmenge von

494 Raummetern pro Familie 7,9 Raummeter

ausmachte.

Wie wichtig das Losholz für die Bevölkerung

war, zeigt eine Begebenheit, die im Protokollbuch

der Gemeinde Schwarzenberg in 1923

festgehalten wurde. Eine Familie Ackermann

zog von Schwarzenberg nach Rengershausen

um. Dort war das Losholz für die Einwohner

schon verteilt und der Antrag der Familie auf

Zuteilung wurde abgelehnt. In ihrer Not

wandte sich die Familie an ihre alte Heimatgemeinde,

die sie dann noch mit Holz versorgte.

In Hessen sind mittlerweile Bestrebungen im

Gange, das Gesetz zu streichen, da es nicht

mehr zeitgemäß sei. So ergab eine Anfrage

mehrerer Abgeordneter bei der Landesregierung

im Jahr 2007, dass im Jahr 2005 im Bereich

des Forstamts Melsungen Losholzrechte

von 25.340 Raummetern bestanden, aber nur

390 Raummeter beansprucht wurden.

Bedeutung des Waldes

Unser Wald beheimatet eine Vielzahl von Tieren

und Pflanzen, an deren Anblick wir uns

erfreuen können, und die alle eine Aufgabe im

sogenannten Ökosystem Wald erfüllen. Nicht

zuletzt sorgt er auch für frische Luft und klares

Wasser für uns Menschen. Für die Ernährung

der Menschen hat der Wald heute so

gut wie keine Bedeutung mehr. Einzig das

Fleisch von erlegten Tieren und hobbymäßig

gesammelte Pilze bereichern den menschlichen

Speiseplan. Vorbei sind die Zeiten, als

im und nach dem 2. Weltkrieg, die Menschen

durch das Sammeln und die Verwertung von

Heidel­, Brom­ und Himbeeren das vorhandene

geringe Nahrungsangebot aufbesserten.

Damals hatte auch niemand etwas von einem

Fuchsbandwurm gehört.

Der Wald ist ein Wirtschaftsfaktor, der nach

modernsten wissenschaftlichen Methoden gepflegt

und bearbeitet wird. Er ist Nah­ und

Fernerholungsgebiet mit vielen schönen Wanderwegen.

Einer von ihnen, der historische

Sälzerweg, führt in unserem Wald direkt an

einem Naturdenkmal vorbei. Es ist die Kroneneiche,

vermutlich eine alte Huteeiche, an der

sich in früheren Zeiten die Hirten der einzelnen

Dörfer getroffen haben. Sie liegt in 384

Meter Höhe und Lehrer Peter Schmidt hat im

Naturdenkmalbuch des Kreises Melsungen in

1936 folgendes ausgeführt:

„Kroneneiche: Höhe 25 m, Umfang 4,44 m,

Durchmesser 1,31 m, Alter mindestens 550

Jahre.“

Kroneneiche am Sälzerweg

Heute treffen sich an diesem markanten

Punkt, am 1. Mai eines jeden Jahres, viele

Wanderer und Ausflügler zu einem geselligen

Beisammensein mit Essen und Trinken. Dieser

alte Brauch aus früheren Zeiten wurde vor

einigen Jahren vom TSV Schwarzenberg

wieder eingeführt.

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Unser Wald | 04-3

Geselligkeit an der Kroneneiche (2006)

Egal was uns der Wald bedeutet, wir sollten

mit ihm, als einem wertvollen Teil von Gottes

Schöpfung, sorgsam umgehen, ihn nicht ausbeuten

und uns an seiner Schönheit erfreuen.

Denn schön ist unser Wald zu jeder Jahreszeit,

egal ob im Frühling die Knospen springen,

er im Sommer in vollem Grün steht , er

sich im Herbst in bunten Farben präsentiert,

oder sich im Winter die kahlen Äste zum Firmament

recken.

Wald­ und Forstbedienstete

Der römische Historiker Tacitus beschrieb das

freie Germanien (Germania magna) im

1. Jahrhundert als ein Land, bedeckt von

schrecklichen Wäldern oder abscheulichen

Sümpfen. Ein Land, dessen Fläche zu vermutlich

70 Prozent mit Wald bedeckt und klimatisch

abweisend war, beeindruckte römische

Beobachter offensichtlich.

Eingriffe in die Waldlandschaft fanden zuerst

durch den Siedlungsbau statt. Als nächstes

erfolgte dann die Rodung für Ackerbau und

Weideland. Die Menschen benötigten das Holz

als Werkstoff und für die Feuerung. Große

Mengen von Holz wurden auch zur Glasherstellung

und Bearbeitung von Metallen benötigt.

Der Wald wurde von den Menschen regelrecht

ausgebeutet. Erst als zu Beginn des 18. Jahrhunderts

eine Holznot eintrat, fand ein Umdenken

statt und man begann mit der Waldpflege.

Durch diese Maßnahmen fanden

Menschen im Wald neue Betätigungen und es

entstanden neue Berufe.

Der Beruf des Försters ist erst im 18. Jahrhundert

aufgekommen und hat sich einerseits

aus der Jagd und andererseits aus der Bewirtschaftung

der Wälder entwickelt. Ab 1740 kamen

auch die Bezeichnung „Gehender“ und

„Reitender Förster“ auf. Die „Forstläufer“

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04-3 | Unser Wald

standen den Förstern als Gehilfen zu Seite. In

dem Gesamt­Wörterbuch der Deutschen

Sprache von Professor Heinrich Kaltschmidt

werden sie auch als Forsthüter, Forstreiter

oder Forstknechte bezeichnet.

Wisch wurde am 4.01.1859 in Baruth, südlich

von Berlin, in der Mark Brandenburg geboren.

Nach seiner Militärzeit von 1877 bis 1887

wurde er 1888 in Hosenfeld, 19 km südwestlich

von Fulda, zum preußischen Förster ernannt.

1898 war er Förster in Röhrenfurth,

1899 bekommt er die Försterstelle in Schwarzenberg.

Als das neue Forsthaus in Schwarzenberg

(Baubeginn 1898) fertig gestellt ist,

zieht er in dieses ein. 1909 wird er vom preußischen

König Wilhelm II zum Preußischen

Staatshegemeister ernannt. Nach seiner Pensionierung

in 1921 lebte er bis zu seinem Tode

am 20.04.1939 in Melsungen.

Lehrer Peter Schmidt hat auch in den Kirchenbüchern

von Schwarzenberg Namen von Menschen

gefunden, die beruflich mit dem Wald

zu tun hatten. Sie wurden allgemein als Waldbedienstete

bezeichnet und trugen die verschiedensten

Berufsbezeichnungen.

Erwähnt werden:

Der Hochlöbliche Förster (Oberförster) Joh.

Conrad Gerhold, der am 30.07.1722 im Alter

von 53 Jahren verstarb. Er hat, vermutlich in

1719, das Haus Nummer 18, heute Riedforststraße

57 erbaut. In diesem Haus war später

die Gastwirtschaft Bangert. Heute gehört es

der Familie Köhler, die es als Wohnhaus und

Krankengymnastikpraxis nutzt. Mittlerweile ist

dieses Haus aber auch weit über Nordhessen

hinaus, als „Schwarzenberg Theater“ bekannt,

weil der Hausherr unter anderem als „Justus

Riemenschneider“ Kabarett vom Feinsten bietet.

Preußischer Staatshegemeister Wisch vor dem

Forsthaus in Schwarzenberg

Weitere genannte Personen:

1742 Forstläufer Thias, 1752 Forstläufer Henrich

Küfert, 1794 Forstläufer Valentin Kiefert,

1802 Forstbedienter Joh. Kiefer, 1803 herrschaftliche

Forstläufer Henrich Kiefert, 1814

Kurhessischer Reitender Förster Heinrich

Christian Mehlburger, 1824 Kurhessischer

Feldjäger Philipp Kieber, 1836 Revierjäger

Karl Kieper, 1843 Revierförster Valentin Kieber,

1848 Forstläufer Heinrich Leimbach,

1868 Forstschutzjäger Joh. Werner Leimbach,

1872 Staatsförster Wacker, 1899 Förster August

Wisch.

Ernennungsurkunde zum Staatshegemeister für

Wisch (1909)

Sein Nachfolger wurde in 1921 Revierförster

Adolf Hartmann, geboren am 21.07.1878 in

Albshausen. Er trat mit seinem 70. Geburtstag

in 1948 in den Ruhestand, wohnte aber noch

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Unser Wald | 04-3

bis 1951 im Obergeschoss des Forsthauses. Er

verließ Schwarzenberg und zog nach Linsingen,

heute ein Ortsteil von Frielendorf. 1949

kam Revierförster Kurt Nödel nach Schwarzenberg.

Er wurde am 03.02.1906 in Schrecksbach geboren

und kam von Wolferode, heute ein

Stadtteil von Stadt Allendorf, nach Schwarzenberg.

In 1971 zog er nach seiner Pensionierung

nach Melsungen, wo er in 1991

verstarb.

Neben den Förstern gab es folgende Holzhauer

in Schwarzenberg:

1756 Werner Hoffmann, 1856 Fr. Justus Seitz

und Conrad Seitz, 1875 Oberholzhauer Johannes

Riedemann, 1883 Valentin Mainz , Johannes

Koch, 1938 Ernst Ruppel, 1939 – 1982

Haumeister Justus Wenzel.

Holzhändler war in 1809 Conrad Stahl, der

auch in 1913 als Schankwirt Erwähnung findet.

Von Staatsförster Wacker, der bis zu seinem

Ruhestand an der Fuldabrücke in Röhrenfurth

lebte, und danach nach Eiterhagen zog, ist

folgendes bekannt:

Er trug einen Vollbart, war klein, korpulent,

sehr streng und pünktlich. Morgens war er der

erste und abends der letzte im Wald. Er

rauchte gern Pfeife und sprach öfters mal dem

Alkohol zu. So soll es vorgekommen sein,

dass man ihn in der Schubkarre nach Hause

fahren musste. Wenn er betrunken war, warf

er manchmal den Holzhauern die aufgestellten

Holzstöße um. Wurde er im Wald vom Regen

überrascht, zog er seine Kleider aus,

setzte sich darauf, um sie nach dem Regen

wieder trocken anzuziehen. Als einmal sein

Haus brannte und die Feuerwehr kam, schoss

er auf die Feuerwehrleute und verletzte Valentin

Emmeluth mit einem Streifschuss am

Arm. Angeblich konnte er wegen seiner schiefen

Beine so schlecht laufen, dass ihm Holzdiebe

einfach wegliefen. Seine Begegnungen

mit Wilddieben verliefen für beide Seiten

glimpflich. Einmal schoss er daneben und bei

der nächsten Begegnung in der Hude, konnte

er sich gerade noch hinter eine Buche ducken

und rettete dadurch sein Leben. Zur Erinnerung

an diese Tat wurde am Ort des Geschehens

ein Stein gesetzt.

Über den Revierförster Kieber steht im Kirchenbuch

folgendes:

“Kieber, Philipp, Revierförster, geb. am

03.04.1793, gest. den 28.12.1854, lebte getrennt

mit seiner Frau Auguste, geb. Schmitt,

in Schwarzenberg; Todesursache: hat sich

selbst entleibt, wurde in den Flammen des

Hauses Nr. 14 (heute Jahnstraße 1, Becker),

das er in Brand gesteckt hatte, tot aufgefunden.“

Kieber wurde am 30. Dezember 1854

um 17.00 Uhr am damaligen oberen Ausgang

des Friedhofs unter den 4 Hainbuchen beerdigt.“

Nach dem 2. Weltkrieg gab es in Schwarzenberg

einige Frauen und Männer die neben

Justus Wenzel zeitweise ihren Lebensunterhalt

im Wald verdienten. Es waren Elisabeth Cornelius,

Ilse Findling, Barbara Karl, Martha Klemens,

Anneliese Langefeld, Elsbeth Rothämel,

Anna Schüler, Elisabeth Siemon, Regina Sinning,

Heinrich Blumenstein, Karl Hain und Karl

Schmid. Die Frauen legten damals hauptsächlich

neue Kulturen an und so haben wir manches

neuere Waldstück ihrer nicht leichten Arbeit

zu verdanken.

Förster Nödel war der letzte Forstbedienstete,

der im Forsthaus lebte. Nach seiner Pensionierung

in 1971 wurde die Revierförsterei

Schwarzenberg dem Forstamt Melsungen angegliedert.

Das Forstrevier Schwarzenberg besteht zwar

heute noch, aber der zuständige Revierförster

Friederich Werner wohnt nicht mehr im

Forsthaus, sondern hat seinen Wohnsitz in

Spangenberg.

Das Forsthaus wurde 1969 von der Forstverwaltung

an die Familie Riemann (Buchdruckerei

Gutenberg) verkauft. Sie veräußerte es

in 1991 an Herrn Stahnke und Frau Lüthmers.

Seit 1996 ist es im Besitz der Familie Kappus.

Die Jagd in Schwarzenberg

Die Geschichte der Jagd ist so alt wie die Geschichte

der Menschheit. Der Mensch jagte,

um zu überleben. Er benötigte das Fleisch der

Tiere als Nahrung, ihre Felle und Knochen zur

Herstellung von Kleidung, Werkzeugen und

Waffen. Mit der Zähmung von Wildtieren und

der Züchtung von Haustieren trat die Jagd in

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04-3 | Unser Wald

Zwischen 1414 und 1463 gab es zwischen

Melsungen und Schwarzenberg einen landgräflichen

Tiergarten. Neben Rehen sollen

auch andere Tiere darin gewesen sein. Wilddiebe

wurden mit dem Galgen und Ausstechen

der Augen bestraft. Drei Wagenfurther Bauern,

die einen Hirsch erschlagen hatten,

mussten fliehen.

Das ehemalige Forsthaus in 2011

den Hintergrund. Viehzucht und Ackerbau traten

an ihre Stelle.

Bis in das 7. Jahrhundert n. Chr. durften die

Menschen sozusagen freizügig jagen. Danach

beanspruchten die Könige eine Sonderstellung

bei der Ausübung des Jagdrechts. So kam es,

dass die Ausübung der Jagd ab dem 9. Jahrhundert

bei der jeweiligen Obrigkeit lag. Das

Recht des freien Tierfangs wurde abgeschafft.

Ab 1500 beanspruchten die Landesfürsten das

Jagdausübungsrecht. Nach der Revolution

von 1848 wird die Jagd an den Besitz von

Grund und Boden gebunden. In den 1850er

Jahren werden Gesetze erlassen, die das dem

Grundeigentümer zustehende Jagdrecht und

das Jagdausübungsrecht trennten und entweder

den Gemeinden oder der Gemeinschaft

der Grundeigentümer zuerkannten. Mindestgrößen

der Jagdflächen wurden vorgeschrieben

und Verpachtungen ermöglicht, soweit

das Jagdausübungsrecht nicht selber genutzt

wurde.

Über die Jagd im Schwarzenberger Wald in

früheren Zeiten ist wenig bekannt. Nach alten

Aufzeichnungen ist der Riedforst früher reich

an Wild gewesen. Es gab Hirsche, Rehe,

Schwarzwild, Füchse, Hasen, Rebhühner und

Auerhähne. Sogar von Bären und Wölfen ist

die Rede. 1469 soll es eine regelrechte Wolfsplage

gegeben haben. Sie sollen sogar Ochsen

gerissen haben.

Jagd in der heutigen Zeit

Heute dient die Jagd dem Schutz und der Erhaltung

eines artenreichen und gesunden

freilebenden Wildtierbestandes, Versorgung

der Bevölkerung mit Fleisch von Wildtieren

und der Regulierung überhöhter Wildbestände.

Diese ist nötig, um Wildschäden im Wald

und auf den Feldern zu vermeiden. Die Jagd

im Staatswald um Schwarzenberg ist nicht

fest verpachtet, sondern es besteht für alle

Jäger die Möglichkeit, gegen bestimmte Jagdbeiträge

das Waidwerk auf freigegebene Wildarten

auszuüben. Jagdbares Wild im Forstrevier

Schwarzenberg, in dem ein guter

Wildbestand vorhanden ist, ist Rot­, Schwarzund

Rehwild. Außerdem werden Füchse bejagt.

Im Jahr 2010 wurde folgendes Wild zur

Strecke gebracht:

40 Wildschweine, 25 Rehe, 15 Füchse und 10