s'Positive Magazin 04.2017

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wöhnt. Würden die Zuschauer auch dann

kommen, wenn die Mannschaft in der NLA

meistens verliert?

Natürlich gibt es nach den guten Jahren in der

NLB eine gewisse Erwartungshaltung. Zudem

sieht jedes Publikum seine Mannschaft am

liebsten gewinnen. Aber das Interesse an Spielen

gegen Langnau, Bern, Davos oder Biel

wäre wohl grösser, als die Frustration wegen

der zu Beginn möglichen Niederlagen. Wir

mussten 2002 nach unserem Aufstieg in die

NLB mehrmals unten durch. Dabei waren wir

uns als 1.-Liga-Spitzenteam zuvor an Siege

gewöhnt. Die Zuschauer sind uns trotzdem

treu geblieben. Dies war mit ein Grund, dass

es uns gelungen ist, uns auch eine Liga höher

zu einem Spitzenteam zu entwickeln. Selbstverständlich

wären auch in der NLA Fortschritte

gefordert. Wir trauen uns diese Weiterentwicklung

aber zu. Nach unserem Aufstieg

in die NLB hatten wir lediglich ein Budget

von 1,5 Millionen und standen vor einer

riesigen Herausforderung. Der SC Langenthal

wurde damals als Verein geführt, es gab keine

Geschäftsstelle und nur ehrenamtliche Mitarbeiter.

Der Klub hatte viel aufzuholen und die

Anpassung nach oben forderte uns viel ab.

Heute setzt der SC Langenthal mit 3000 Stellenprozenten

rund fünf Millionen um.

Wir haben in Bern mit Langnau, mit dem

SCB und Biel bereits drei NLA-Teams – wäre

da noch Platz für Langenthal?

Ja. Weil alle Klubs in verschiedenen Regionen

beheimatet sind. Im Seeland, im Emmental

und in der Stadt Bern. Der Oberaargau

ist grösser und wirtschaftlich stärker als

das Emmental.

Warum hatte der Oberaargau, anders als

das Emmental, weder im Fussball noch im

Eishockey je eine Mannschaft in der NLA?

Dafür gibt es verschiedene Gründe. Langenthal

und der Oberaargau waren nie arm. Die

Oberaargauer wissen, dass sie stark sind und

die Menschen hier sind eher bescheiden und

haben nicht das Bedürfnis, ständig alle wissen

zu lassen, wie gut sie sind. Wir sind pragmatisch

und eher zurückhaltend. Der Sport hat

im Oberaargau in der Wirtschaft und der

Politik leider noch nicht den gleichen Stellenwert

wie an anderen Orten. Wir erkennen das

etwa daran, dass sich die Lokalhistoriker im

Oberaargau, die hervorragende Arbeit leisten,

noch nie mit dem Sport befasst haben.

Hat sich das verändert?

Ja. Wir haben mit dem SC Langenthal jetzt

einen sportlichen Leuchtturm. Wir sind kein

Protzklub, wir sind nicht die Reichsten in der

NLB. Doch wir haben keinen Grund zu jammern.

Zudem erlebten wir gerade, dass mit

harter Arbeit, Cleverness, Leidenschaft und

ein bisschen Wettkampfglück alles möglich

ist. Jetzt hat es alle gepackt. Nun ist zu spüren,

dass selbst die NLA möglich ist.

«Die NLA wäre eine riesige Herausforderung.

Aber sie ist für den SCL möglich. Die Skepsis,

die uns Oberaargauern eigen ist, weicht

zunehmend einer Eishockeyeuphorie.»

Nach dem Motto «Yes, we can!»

Ja, die NLA wäre zwar eine riesige Herausforderung.

Aber sie ist für den SCL möglich.

Die Skepsis, die uns Oberaargauern eigen

ist, weicht zunehmend einer Eishockeyeuphorie.

Wenn wir 2002 den Schritt in die

NLB nicht gewagt hätten, wären wir heute

immer noch in der 1. Liga und damit zufrieden.

Damals musste das Umfeld um Präsident

Stephan Anliker nach dem Aufstieg in

die NLB eine Defizitgarantie von 200 000

Franken leisten. In der NLA würde der Fehlbetrag,

den uns die Kernaktionäre absichern

müssten, rund zwei Millionen betragen. Aber

wir würden viel mehr Umsatz generieren.

Aber Langenthal braucht so oder so eine

neue Infrastruktur. Wie realistisch ist ein

neues Stadion?

Noch vor ein paar Jahren gab es keine Aussicht

auf ein neues Stadion. Das hat sich geändert.

Aber eine Region baut wohl nur einmal

in fünfzig Jahren eine Eishalle. Wir

können nicht auf eigene Erfahrungen zurückgreifen,

denn der Schoren ist eigentlich

s’Positive 4 / 2017 7

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