Stahlreport 2017.03

markushuneke

Das Magazin des Bundesverbands Deutscher Stahlhandel für die Stahldistribution

72. Jahrgang | März 2017

STAHLREPORT

Das BDS-Magazin für die Stahldistribution

3|17

Hoch hinaus – eine Branche im Überblick


Herausgeber:

Bundesverband Deutscher Stahlhandel

Herausgeber:

Bundesverband Deutscher Stahlhandel

Herausgeber:

Bundesverband Deutscher Stahlhandel

Herausgeber:

Bundesverband Deutscher Stahlhandel

Dipl.-Ing. Jochen Adams

Dr. rer. nat. Peter Drodten

Dipl.-Ing. Jochen Adams

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Herausgeber:

Bundesverband Deutscher Stahlhandel

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Bundesverband Deutscher Stahlhandel

Herausgeber:

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Dipl.-Ing. Jochen Adams, Dr. rer. nat. Peter

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BDS AG – Bundesverband Deutscher Stahlhandel – www.stahlhandel.com


„Hoch hinaus –

eine Branche im Überblick“

EDITORIAL

INHALT

Liebe Leserinnen und Leser,

das Jahr hat positiv begonnen. Über alle Produkte hinweg

lagen die Preise für Lang- und Flacherzeugnisse

zu Beginn 2017 auf einem höheren Niveau als ein Jahr

zuvor (siehe auch den Bericht von Jörg Feger, BDS-

Bereichsleiter Research, S. 26f). Wenn auch die weiteren

Aussichten nicht beständigen Sonnenschein

versprechen, sind die Prognosen für die konjunkturelle

Entwicklung in 2017 doch alles in allem auskömmlich, wie es so

schön heißt.

Vor allem für die Baubranche führt der Weg derzeit eher bergan. „Es

brummt auf Deutschlands Baustellen“, sagte etwa Dr. Barbara Hendricks,

Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit,

auf der Messe BAU 2017 im Januar. Entsprechend gut war die Stimmung

dort – mit über 250.000 Fachbesuchern und einem neuen Ausstellerrekord.

(siehe Schwerpunkt BAU, S. 18 ff).

Ob die Konjunktur nun brummt oder nicht – nach wie vor und weiterhin

gilt es, die Augen offen zu halten und die wichtigen Themen auf

dem Radar zu haben. Dazu gehört das Sägen als eine der bedeutenden

Dienstleistungen des Stahlhandels für seine Kunden. In unserem „Schwerpunkt

Sägen“ berichten wir u.a. über Ansätze, auch dieses Bearbeitungsverfahren

zu digitalisieren und zu vernetzen (S. 10ff).

Eines der Hauptprodukte des Stahlhandels steht in dem „Schwerpunkt

Betonstahl“ im Fokus. Von der IT über Zertifizierungsfragen bis hin zum

Biegen geht es um Lösungen entlang der gesamten Prozesskette (S. 14ff).

Digitalisierung ist und bleibt ein Megathema – auch für die BDS-Berufsbildung.

Nach erfolgreicher Umstellung startet der neue Jahrgang des

BDS-Fernstudiums „Betriebswirt Stahlhandel“ am 1.7.2017 erstmals digitalisiert.

Studierenden stehen für ein effektiveres Lernen die Studienunterlagen

dabei nun komplett online auf einer speziellen eLearning-Plattform

zur Verfügung. Doch auch inhaltlich hat sich das Fernstudium

weiterentwickelt (S. 38 f).

Zu guter Letzt sei noch auf ein weiteres wichtiges Thema hingewiesen

– Compliance. Der BDS bietet im Mai 2017 seinen Mitgliedern einige

kostenlose Schulungen zur Compliance an. RA Dr. Almut Riemann von

der Kanzlei Henseler & Partner klärt dazu auf, was dabei in der Praxis

zu beachten ist – insbesondere bei verbandlichen Treffen. Im Interview

auf S. 36 f skizziert sie vorab, was auf dem Programm steht.

„Hoch hinaus – eine Branche im Überblick“ Das möge nicht nur

für das Titelfoto gelten, sondern auch für dieses neue Heft, bei dessen

Lektüre ich Ihnen viel Gewinn wünsche.

PERSÖNLICHES

4 Kurznachrichten

STAHLHANDEL

6 Nordwest, Klöckner, Drösser, Damstahl, EDE,

Montanstahl

ANARBEITUNG UND LOGISTIK

10 Schwerpunkt: Sägen

WERKSTOFFE UND PRODUKTE

14 Schwerpunkt: Betonstahl

17 Initiative Zinkstahl

MESSEN UND MÄRKTE

18 Schwerpunkt: BAU

23 CeBIT, Jahrestagung Stahlmarkt 2017

BDS

26 Research: Feierstimmung zum Jahresende

28 Kommunikation: Flachtag 2017,

Schwerpunkt: Q+E-Tag 2017

36 Recht: Compliance

38 Berufsbildung: Fernstudium, Deutscher

Qualifikationsrahmen, Digitalisierung, KWB-Tagung

VERBÄNDE UND POLITIK

44 Verein der Stahl- und Metallhändler, Bundesverband

Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen

WISSENSWERTES

46 Learntec

Markus Huneke

Redakteur Stahlreport

LIFESTEEL

48 Saarpolygon aus Stahl,

Nachgehakt bei Stefan Gramlich

Stahlreport 3|17

3


XXXXXXXXXX

Persönliches

XXXXX Kurznachrichten Bezeichnung A XXXXX | XXXXX

Foto: Nordwest

Jörg Simon und

Bernhard Dressler

haben sie nach bestandenen Prüfungen in

ihre Mitte genommen, die erfolgreichen

Lehrlinge der Nordwest Handel AG, die

inzwischen alle in ihre Wunschabteilungen

übernommen worden sind, und deren Ausbildungsleiterin,

v.l.: Vivien Werthmann (E-

Business), Gina Schröder (Haustechnik),

Lara Brüggendieck (Vertrieb), Nele Quabeck

(Arbeitsschutz), Jan Gundermann

(Marketing), Jannis Fernschild (Teamfaktor),

Daniela Weber. Die flankierenden Persönlichkeiten

geben in der Dortmunder

Verbundgruppe für den Einkauf im Produktionsverbindungshandel

auch sonst den

Ton an und begleitenden die wichtigen

Aktivitäten: Jörg Simon (l.) ist Finanzvorstand

und Bernhard Dressler Vorstandsvorsitzender.

Gerhard Rübling

scheidet Mitte dieses Jahres altersbedingt

aus der Geschäftsführung des Werkzeugmaschinenherstellers

Trumpf GmbH + Co. KG

aus. Der 63-Jährige, seit 1988 bei Trumpf in

unterschiedlichen Funktionen beschäftigt,

hatte 2007 in dem Unternehmen die Aufgabe

eines Arbeitsdirektors übernommen.

Bereits zum 1.4.17 wird Oliver Maassen als

Leiter Personal- und Sozialwesen der

Trumpf-Gruppe in das Unternehmen eintreten

und zum 1.7.17 von Dr. Gerhard Rübling

den Verantwortungsbereich Personal übernehmen,

ohne allerdings gleichzeitig Mitglied

der Gruppengeschäftsführung des

Unternehmens zu werden.

André Hoffelder

ist seit Ende des vergangenen Jahres als

Managing Director bei der CMC Deutschland

GmbH mit Sitz im rheinischen Kürten

über seine dort bisher gültige Zuständigkeit

als Kaufmännischer Geschäftsführer hinaus

verantwortlich. In seiner erweiterten Funk-

Foto: Rittal

tion berichtet er direkt an Jolanta Czeczko

im Vorstand der CMC Polen, die auch weiterhin

die deutschen Aktivitäten des Unternehmens

überwacht. André Hoffelder ist

seit 2006 bei der CMCD tätig und hatte in

der Zwischenzeit erfolgreich im Rahmen

eines dreijährigen verbandlichen Fernstudiums

eine Weiterbildung zum „Betriebswirt

Stahlhandel BDS“ absolviert.

Karsten Golinske

und Thomas Berger

führen seit Jahresbeginn gemeinsam mit

Bernd Rimann (Finanzen, Einkauf, Personal

und IT) als Geschäftsführer-Trio die Gröditzer

Schmiedewerke. Karsten Golinske war

bereits seit mehr als 25 Jahren als Diplom-

Ingenieur in leitenden Funktionen bei der

Stahlwerk Georgsmarienhütte GmbH (GMH)

beschäftigt. Die Gröditzer Schmiedewerke

gehören seit 1997 zu der Unternehmensgruppe.

In Gröditz hat er Verantwortung als

Geschäftsführer Technik und Produktion

übernommen. Thomas Berger dagegen ist

neu in der GMH-Gruppe. Er hat aus der BGH

Edelstahl GmbH gewechselt, bei der er elf

Jahre als Geschäftsführer für den Bereich

Vertrieb und Marketing verantwortlich

zeichnete. Bei den Schmiedewerken in Gröditz

ist er nun ebenfalls für den Vertrieb

zuständig. Die beiden langjährigen

Geschäftsführer Robert Kühn und Andreas

Scharf sind aus der Unternehmensgruppe

ausgeschieden.

Carsten Röttchen

ist mit dem 1.2.17 zum Geschäftsführer

Produktion des Schaltschrank- und Systemanbieters

Rittal GmbH & Co. KG mit

Hauptsitz im hessischen

Herborn

berufen worden.

Dort hat er diese

Aufgabe von

Michael Weiher

übernommen, der

sich nach 15 Jahren

bei Rittal in den

Ruhestand verabschiedet

hat. Röttchen hat Elektrotechnik

an der FH Bochum studiert und berufsbegleitend

Wirtschaftsingenieurwesen an

der FH Dortmund. Der 48-Jährige war seit

April 2015 Geschäftsbereichsleiter Produktion

bei Rittal.

Foto: BME

Silvius Grobosch

ist neuerdings in der Geschäftsführung des

Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf

und Logistik e.V. (BME) verantwortlich.

Diese Funktion war

bis Januar von Dr.

Christoph Feldmann

als Hauptgeschäftsführer

wahrgenommen

worden. „Bis

auf weiteres wird

Herr Dr. Silvius Grobosch

diese wichtige

Führungsaufgabe

wahrnehmen.“ Das

teilte der in Frankfurt/M. ansässige Verband

Anfang Februar mit, ohne Gründe zu

nennen. Grobosch (Bild) ist bereits seit

mehreren Jahren in entscheidenden ehrenamtlichen

Führungspositionen des BME

tätig. Seit 2004 ist er Mitglied des BME-

Bundesvorstandes und seit 2012 dessen

stellvertretender Vorsitzender. Dieses Amt

werde er vorerst ruhen lassen. In der Vergangenheit

hatte der neue Hauptgeschäftsführer

leitende Funktionen auch in der thyssenkrupp

AG.

Peter Bernscher

war bisher in der voestalpine AG, für die seit

30 Jahren tätig ist, Mitglied des Vorstands

und hatte die Leitung der Business Unit

„Automotive Components (Division Metal

Forming)“ inne. Ab dem 2. Mai 2017 wird

der 48-Jährige neuer CEO von British Steel.

Heribert Jöris

ist seit Jahresbeginn neuer Geschäftsführer

für Sozial- und Tarifpolitik beim Zentralverband

Deutsches Baugewerbe (ZDB). Der 53-

Jährige hat in Gießen und Köln Rechtswissenschaften

studiert und ist seit 1992 als

Rechtsanwalt zugelassen. Seit dem Zeitpunkt

war er zehn Jahre lang für den Zentralverband

Gewerblicher Verbundgruppen tätig, zuletzt

als Geschäftsführer

für Arbeitsmarkt-,

Sozial und Tarifpolitik.

Parallel dazu fungierte

er zeitweise als

Geschäftsführer für

Arbeitsmarkt- und

Tarifpolitik beim Bundesverband

des

Deutschen Groß- und

Foto: ZDB

4 Stahlreport 3|17


Foto: Hoffmann Group

Außenhandels. 2002 wechselte er als

Geschäftsführer Arbeit und Soziales, Bildungsund

Tarifpolitik zum Handelsverband Deutschland.

Beim ZDE hat der Handelsmann die

Nachfolge von Rechtsanwalt Harald Schröer

angetreten, der in den Ruhestand gewechselt

ist. Heribert Jöris ist verheiratet und hat zwei

Kinder.

Bruce Barlag

heißt der neue Vorsitzende des Aufsichtsrats

der Hoffmann Group, die sich selber als

Europas führender Systempartner für Qualitätswerkzeuge

bezeichnet. Die Berufung des

63-Jährigen zum Jahresbeginn 2017 sei mit

Blick auf den weiteren Ausbau des internationalen

Geschäfts und die digitale Transformation

erfolgt. Er sei „… seit Jahren ein prägender

Berater global anerkannter Unternehmen

im Digitalbereich und

wird uns mit seiner

Erfahrung, seiner

Kompetenz und seinem

Netzwerk weiter

voranbringen.“ So

kommentierte Dr.

Robert Blackburn,

Vorstandsvorsitzender

und CEO der Hoffmann

Group. Bruce

Barlag ist Vorsitzender und Gründer der Global

Executive Group (GXG), einer Managementberatung

mit Sitz im US-Bundesstaat

Atlanta. Darüber hinaus war der Neue u.a.

CEO und Gründer von New Science Associates

– einem Think Tank für Strategie und Digitalisierung.

Rami Mamlouk

ist vor Krieg und Zerstörung aus dem syrischen

Aleppo geflohen und absolviert nun bei

thyssenkrupp in Duisburg ein Praktikum. Der

26-jährige Maschinenbauingenieur (Bild) kam

über Istanbul nach Deutschland und lebt in

Recklinghausen. Im Stahlbereich hilft er nun

dabei, den Energieeinsatz

seines neuen

Arbeitgebers zu optimieren.

„2014 war

ich mit dem Studium

fertig, mitten im

Krieg“, berichtet

Mamlouk. „Es gab

keine Perspektive für

mich und die Gefahr,

Foto:thyssenkrupp

Foto: thyssenkrupp

Opfer des Krieges zu werden stieg ständig.“

Verwandte und Studienkollegen von ihm sind

bei Bombenangriffen ums Leben gekommen.

„Ich konnte, nachdem ich in Deutschland

angekommen bin, erst einmal zu meinem Bruder,

der mir bei den ersten Schritten geholfen

hat.“ Der junge Syrer hat einen Asylantrag

gestellt und zunächst eine dreijährige Aufenthaltsgenehmigung

erhalten.

Wilhelm Robert König

und Ernst Schweisfurth

sind posthum jetzt in besonderer Weise geehrt

worden – mit einer Gedenktafel in Kreuztal.

Die zwei Mitarbeiter der ehemaligen Hüttenwerke

Siegerland AG hatten im Nationalsozialismus

Zwangsarbeiter mit Nahrungsmitteln

und Kleidung versorgt. An ihre selbstlose Tat

sowie an ihre Denunziation und Deportation

wird nun mit einer gravierten Platte gedacht,

die am Eingangsbereich der Bildungsstätte von

Auszubildenden der thyssenkrupp Steel

Europe AG angebracht worden ist: Luca

Schuhmacher (Bild) und Marvin Loos erhielten

diese Ehre. „Dieser Ort ist nicht zufällig

gewählt, denn auf dieser Fläche hatte sich das

Arbeitslager befunden“, so Jochen Schreiber,

Mitinitiator des Gedenk-Projekts aus Kreuztal.

„Lebensgeschichten, wie die von Wilhelm

Robert König und Ernst Schweinfurth, machen

demütig und erinnern an die Verantwortung

eines jeden Einzelnen, sich für Menschen in

Not und unsere Demokratie einzusetzen.“

Pawel Zielinski

ist seit dem 1. Januar 2017 General Manager

Eastern Europe bei Remmert. Der ostwestfälische

Anbieter für Langgut- und Blechlagersysteme

hat die Position neu geschaffen, um

seine Präsenz in Osteuropa zu verstärken.

Zusätzlich zu seiner neuen Funktion erhielt der

langjährige Mitarbeiter (40) auch Prokura. „Wir

möchten unsere Vertriebsaktivitäten vor allem

in Polen und Tschechien noch weiter ausbauen

und unseren dort ansässigen Kunden eine

Foto:

optimale Betreuung

garantieren“, erklärte

Matthias Remmert,

Geschäftsführer der

Remmert GmbH.

„Pawel Zielinski

bringt die notwendige

Erfahrung und Ausbildung

mit, um sich

dieser Herausforderung

zu stellen.“ Bereits seit fünf Jahren ist

Pawel Zielinski bei Remmert tätig, zuletzt als

Sales Manager Eastern Europe. Mit der erteilten

Vollmacht und der Position als General

Manager Eastern Europe vergrößert sich sein

Verantwortungsbereich jetzt deutlich.

Foto: Remmert

Michael Allexi und

Hartmut Böttche

haben gemeinsam Grund zur Freude. Erstgenannter

ist zum 1.1.17 in die Geschäftsführung

der rff Rohr Flansch Fitting Handels gmbH

berufen worden, und Firmengründer Hartmut

Böttche (71) sieht in dem 44-Jährigen einen

guten Partner für gemeinsame Entscheidungen

der nun zwei Geschäftsführer. Die Karriere

bei rff hatte für Michael Allexi (l.) am

1.9.2014 begonnen. Zunächst war er in der

Geschäftsleitung in erster Linie für den internationalen

Vertrieb verantwortlich. Ein Jahr

später übernahm er die Gesamtverantwortung

für die Bereiche Verkauf national, Einkauf und

Materialwirtschaft, bevor er jetzt einen weiteren

Karriereschritt gemacht hat.

Brigitte Zypries

wird es nach dem Wechsel von Sigmar Gabriel

in das Amt des Bundesaußenministers als

seine Nachfolgerin an der Spitze des Bundesministeriums

für Wirtschaft und Energie übernehmen,

beim Jahreskongress des Zentralverbands

Elektronikindustrie zu referieren. Eine

Keynote aus den Reihen der Politik wird auf

dem Treffen am 17./18.5.17 auch die Bundesministerin

für Bildung und Forschung beisteuern,

Prof. Dr. Johanna Wanka.

Stahlreport 3|17

5


Stahlhandel

Nachrichten

NW connect zeigt digitalen Standard

Nordwest-Gütesiegel für Systemhäuser

Nordwest-Fachhandelspartner, die die

Supply Chain nutzen und erfolgreich im elektronischen

Handel einsetzen möchten, benötigen

Systeme und Prozesse, die durchgängig

sind und fest definierte Voraussetzungen

erfüllen. Mit NW connect hat Nordwest jetzt

ein Gütesiegel für Systemhäuser entwickelt,

deren Warenwirtschaftssysteme diese

Voraussetzungen erfüllen.

„So muss sich nicht mehr der Handelspartner

kümmern, ob seine Warenwirtschaftssysteme

auf dem aktuellsten Stand sind

und verschiedene Prozesse, wie elektronische

Bestellungen, abgebildet werden können.

Er kann sich ganz auf das von uns vergebene

Gütesiegel verlassen, das bereits

heute etablierte Systemhäuser von uns

erhalten haben und noch erhalten werden“,

erklärte Nordwest-Hauptbereichsleiter IT &

E-Business Martin Reinke.

Verkauf soll Nettoverschuldung senken

Klöckner & Co stößt Spanien-Aktivitäten ab

NW connect – das neue Gütesiegel von Nordwest

für Systemhäuser

ten für elektronische Bestellungen, Bestellbestätigungen,

Lieferscheine und Rechnungen,

Online-Lagerbestandsabfragen und ferner

Schnittstellen zum Datenportal.

„Nur wenn diese Kriterien komplett erfüllt

sind, können unsere Handelspartner an der

Digitalisierung ganzheitlich teilhaben“, so

Reinke. Partnerunternehmen erhielten

damit die Sicherheit, dass das verwendete

Warenwirtschaftssystem, die digitalen Prozesse

zwischen ihnen und Nordwest abbilden

kann.

Als erste Systemhäuser haben bereits Nissen

& Velten aus Stockach und GWS aus Münster

das Gütesiegel NW connect erhalten.

Grafik: Nordwest

Neue Niederlassung in Andernach

Drösser Stahlhandel

erweitert Geschäftsgebiet

Zum Jahresbeginn 2017 hat das

Kölner Traditionsunternehmen Peter

Drösser GmbH eine neue Stahlhandelsniederlassung

in Andernach eröffnet. Von

dem neuen Standort aus werde das

Geschäftsgebiet Westerwald/Neuwied/

Koblenz/Eifel aktiv und tagesaktuell

bearbeitet, so das Unternehmen.

Wie Drösser-Geschäftsführer René Hülser

mitteilte, stellten sich die Vorzeichen in

der Region als durchaus positiv dar, um

auch in diesem Markt „Fuß zu fassen“

und zu einem erfolgreichen Marktteilnehmer

zu wachsen.

Dem potentiellen Kundenkreis in dem

Gebiet bietet Drösser „als Partner für

Handwerk und Industrie, neben Stahl

(Stabstahl, Formstahl, Bleche und Rohre)

das komplette Anschlagrohrprogramm

und ein umfassendes Edelstahl-Sortiment“,

so Hülser weiter. Auch in der

Anarbeitung bediene Drösser den Kundenkreis

der Region: mit mehreren

Sägen, einer eigenen Strahlanlage und

der Blechbearbeitung im eigenen Multi-

SchneidCenter in den vier Schneidverfahren

Autogen, Laser, Plasma und Wasserstrahl.

Die Klöckner & Co SE hat ihr Spaniengeschäft

an die Hierros Añon S.A. mit

Sitz in A Coruña, Spanien, verkauft. Das

meldete das konzernunabhängige Stahldistributionsunternehmen

Anfang Januar. Ein

entsprechender Vertrag über den Erwerb

der spanischen Gesellschaften von Klöckner

& Co inklusive der operativen

Geschäftseinheit Kloeckner Metals Ibérica

S.A. wurde den Angaben zufolge von beiden

Unternehmen bereits unterzeichnet und

Ende Januar vollzogen.

Mit ihren rund 350 Mitarbeitern erwirtschaftete

die Kloeckner-Metals-Ibérica-

Gruppe im abgelaufenen Geschäftsjahr

einen Umsatz von 120 Mio. € und hatte

damit einen Anteil von rund 2 % am Konzernumsatz

des Klöckner-&-Co-Konzerns.

Das Vorsteuerergebnis (EBT) der Gruppe

war aufgrund des weiterhin schwierigen

wirtschaftlichen Umfelds in Spanien

zuletzt negativ. Durch den zu erwartenden

Zahlungsmittelzufluss aus dem Verkauf

Kriterien, die Systemhäuser erfüllen müssen,

um das Siegel zu erhalten, sind u.a. die

Anbindung an den eShop sowie Möglichkeikönne

die Nettoverschuldung von Klöckner

& Co signifikant reduziert werden,

hieß es.

„Zur Verbesserung unserer Profitabilität

fokussieren wir uns im Rahmen unseres Programms

One Europe mehr und mehr auf

unsere Kernmärkte. Mit der Veräußerung des

Spaniengeschäfts setzen wir diese Strategie

konsequent um“, sagte Gisbert Rühl, Vorstandsvorsitzender

der Klöckner & Co SE.

Kloeckner Metals Ibérica ist ein Spezialist

für Eisen-, Stahl- und Aluminiumprodukte in

Spanien. Die Gruppe übernimmt neben der

Beschaffung, Lagerhaltung und Logistik

auch umfangreiche Anarbeitungsdienstleistungen

für ihre Kunden. Mit den 24 Distributions-

und Servicecentern in Spanien und

einem Verkaufsvolumen von rund

180.000 t/a erwirtschaftete die Gruppe in

2016 einen Umsatz von 120 Mio. €. Derzeit

arbeiten rund 350 Mitarbeiter für Kloeckner

Metals Ibérica.

Wie Hülser weiter ausführte, wolle Drösser

auch am neuen Standort seine Stärken

aus der Kombination eines breiten

Produktsortiments, umfassender Anarbeitung

und zielgenauer Logistik unter

Beweis stellen – getreu dem Firmenmotto:

„Verbindlichkeit erleben“.

Damstahl übernimmt

Kube-Lagerware

Der Nahtlos-Spezialist Damstahl hat die

Lagerware von der insolventen Kube-Stahl

GmbH & Co KG gekauft. Kunden der Damstahl

GmbH können die zugekauften nahtlosen

Rohre seit Anfang Januar erwerben.

Damstahl verfüge damit nun „allein im

nahtlosen Rohrbereich“ über knapp 2.000

verschiedene Artikel sowohl in Standardals

auch Zwischenabmessungen, mit

unterschiedlichen Toleranzen und in zahlreichen

Werkstoffen und Oberflächen. Der

5.000m² große Kube-Lagerstandort in

Leverkusen werde fortgeführt.

6 Stahlreport 3|17


Foto: E/D/E

Handelsvolumen gesteigert, Jahresüberschuss deutlich im Plus – das ist die positive Jahresbilanz des

EDE, das unter anderem mit seinem Verwaltungsgebäude in Wuppertal beheimatet ist.

E/D/E mit positiven Jahresabschluss 2016

Einkaufsverbund peilt weiteres Wachstum an

Die Wuppertaler Verbundgruppe EDE

hat für 2016 ein „Wachstum auf hohem

Niveau“ gemeldet. Besonders im Auslandsgeschäft

seien „Akzente gesetzt“ worden.

Das Handelsvolumen der Gruppe ist auf 5,56

Mrd. € gestiegen – im Vergleich zum Vorjahr

ein Plus von rund 1,1 % oder 58 Mio. €. Das

im Ausland erzielte Handelsvolumen wuchs

um 5,3 % auf 1,24 Mrd. €. Der konsolidierte

Jahresüberschuss der Gruppe lag 2016 bei

15,6 Mio. € (2015: 16,1 Mio. €).

Stahlhandel leicht im Minus

Für den Geschäftsbereich Stahl des Einkaufsbüros

Deutscher Eisenhändler GmbH

(EDE) endete das Jahr 2016 nach einem

ernüchternden Start versöhnlich, sagte Dr.

Andreas Trautwein, Vorsitzender der EDE-

Geschäftsführung. Realisiert wurde ein Handelsvolumen

von 792 Mio. €, was nach 816

Mio. € im Vorjahr einen Rückgang um 3 %

bedeutet.

Für die Mitgliedsunternehmen sei 2016 ein

überwiegend gutes Jahr mit einer erneut

guten Mengennachfrage gewesen. Insbesondere

die Baukonjunktur habe für einen

hohen Bedarf an Profilstahl gesorgt. Das

EDE hatte zum 1. Oktober 2016 den frühe-

ren Geschäftsbereich UNION STAHL-HAN-

DEL ausgegründet und den Vertrieb von

Stahlprodukten in der Tochtergesellschaft

ESH EURO STAHL-Handel GmbH & Co. KG

gebündelt. Zudem forciert das EDE die Ausweitung

der Produktkompetenz im Bereich

Stahl. Neben Betonstahl und Baustahlmatten

werde der Fokus künftig stärker auch

auf Formstahl und Trägern, Rohren, Flachprodukten

sowie Stabstahl liegen. In Österreich

und der Schweiz würden bereits mit

Mitgliedern gemeinsame Lieferantenoptionen

genutzt. Partner in Benelux und Skandinavien

sollen bald folgen.

Haustechnik mit Abgängen

Massive Konsolidierungstendenzen haben

dem EDE zufolge im Bereich Haustechnik zu

einer erheblichen Verringerung des Handelsvolumens

durch Mitgliederabgänge aufgrund

von Unternehmensverkäufen geführt.

Dennoch konnte das Vorjahresniveau durch

organisches Wachstum und Neugeschäft

mit 1,22 Mrd. € (minus 1 %) nahezu erreicht

werden. Um Struktureffekte bereinigt, lag

das Wachstum bei 4,9 %, so Trautwein.

Für 2017 plant das EDE insgesamt mit

einem Handelsvolumenplus von 6,1 % oder

336 Mio. € auf 5,89 Mrd. €.

Metallbau

Stahlbau

Fahrzeug-/ Landmaschinen-/

Schiffsbau

Maschinenschutzeinrichtung/

Maschinenbau und Anlagenbau

Regalbau und Lagersysteme

Containerbau

Möbel-/ Laden-/ Innenausbau

Klima- und Solartechnik

Stahlreport 3|17

7


Stahlhandel

Bericht

Lösung speziell für den Stahlhandel

Digital mit Augenmaß

Sicher scheint: Das Fax steht auf der Liste aussterbender Technologien. Auch die E-Mail und selbst das

gute alte Telefonat sind des Überlebens nicht sicher – zumindest in einigen B2B-Bereichen. Wie andere

Branchen steht auch der Stahlhandel vor der Aufgabe, gewohnte Prozesse zu digitalisieren. Derzeitig

gängige Marktlösungen fordern jedoch oft, bewährte Abläufe komplett umzubauen – sozusagen eine

Operation am offenen Herzen. Montanstahl hat mit steel.shop jetzt eine Webshop-Lösung speziell für

den Stahlhandel im Angebot, die bei der Digitalisierung der Kundenkommunikation auf Augenmaß

setzt – und gleichzeitig einen großen Funktionsumfang bieten möchte.

Die Digitalisierung

der technisch korrekten

Kundenkommunikation

ist eine

große Herausforderung.

Foto: Montanstahl

Will sich der Stahlhandel

zukunftssicher aufstellen und seine

Kunden weiterhin an sich binden,

müssen die Grundlagen dafür jetzt

geschaffen werden. Dazu gehört, sich

dem Kunden digital sichtbar zu

machen und einen digitalen Kommunikationskanal

anzubieten. Doch

welche Lösung ist die richtige?

Ein erster Schritt, das zeigt ein

Blick auf andere Branchen, ist die

Digitalisierung der Anfrage- und

Auftragsprozesse. Gespräche mit

Stahlhändlern hätten Montanstahl

zufolge aufgezeigt, dass Kunden

dabei als wichtigste Funktion eine

Digitalisierung des Prozesses „Preisermittlung,

Anfrage, Bestellung“

erwarten. Auf der anderen Seite sollen

aber auch bewährte interne Prozessabläufe

und Systeme beibehalten

werden.

Herausforderung Webshop

Die momentan gängige Variante für

die digitale Kommunikation zwischen

Händlern und Verbrauchern

ist der Webshop. Kunden loggen sich

auf der Webseite darin ein, wählen

ihre Produkte am Bildschirm und

bestellen sie online. Was im Konsumentenbereich

gang und gäbe ist,

lässt sich jedoch nicht ohne weiteres

auf den B2B-Bereich übertragen.

Insbesondere für den Stahlhandel

gestaltet sich die Umsetzung eines

Webshops oft schwierig – aus mehreren

Gründen.

So ist die Komplexität von Stahlprodukten

mit den auf dem Markt

verfügbaren Standard-Softwarelösungen

kaum abzubilden. Kleinen

und mittelständischen Unternehmen

fehlt es jedoch oft an Kapazitäten

und dem IT-Fachwissen, um eine

eigene Lösung umzusetzen. Und die

oft nur aus der Not der Praxis entstandenen

Insellösungen bergen,

gleich ob intern oder extern entwickelt,

einen oft schwer zu kalkulierenden

Kosten- und Zeitaufwand.

Zwar gibt es bereits heute schon

vereinzelt Varianten, bei denen individuelle

Kunden über Schnittstellen

8 Stahlreport 3|17


direkt mit dem Warenwirtschaftssystem

des Händlers verbunden

sind. Dies lasse sich jedoch in der

Regel nur für Großkunden realisieren

und löse das Problem der Kleinlosigkeit

nicht.

Spezielle Funktionen

In diese Lücke stößt die Montanstahl

GmbH mit ihrem speziell auf die

Stahlbranche zugeschnittenen

steel.shop. Das Entwicklerteam des

Unternehmens hat sich zusammen

mit den Stahlspezialisten des eigenen

Hauses schon sehr früh mit der

Digitalisierung der Prozesse im

Stahlmarkt beschäftigt. Aus der Kombination

des aufgebauten Know-how

aus beiden Bereichen ist schließlich

die Webshop-Lösung steel.shop entstanden.

„Wir sehen uns als Partner des

Stahlhandels und möchten helfen,

die Unternehmen mit steel.shop zeitnah

zukunftssicher aufzustellen –

ohne dabei die bewährten internen

Abläufe komplette Umzustrukturieren

oder gar aufgeben zu müssen“,

sagt Tobias Habig, Geschäftsführer

der Montanstahl.

Der steel.shop funktioniert laut

Montanstahl ohne langwierige Einrichtung

der Software und kann –

muss aber nicht – durch eigenes Personal

des Stahlhändlers erfolgen.

Die Basisversion des Shops bietet

Funktionen, die speziell für den

Stahlhandel entwickelt wurden.

Händler greifen z.B. auf eine Datenbank

mit über 400.000 Stahlprodukten

zu – normaktuell, inklusive Geometriedaten,

Maßbezeichnungen

und Artikelbildern.

steel.shop verfügt darüber hinaus

über ein Echtzeit-Pricing-Tool. Der

Händler hat so die Möglichkeit, die

Preise seines gesamten Produktspektrums

regelmäßig unkompliziert

anzupassen. Kundenaktivitäten werden

durchgehend dokumentiert,

regelmäßige Updates halten die

Datenbank auf dem aktuellen Stand.

Das Hosting des Webshops kann

durch den Kunden selbst, einen

von ihm beauftragten externen

Dienstleister oder auch durch die

steel.cloud erfolgen – eine von Montanstahl

betriebene Hostingvariante,

welche unkomplizierte Updates, kür-

zeste Reaktionszeiten sowie genügend

Rechenleistung und Sicherheit

garantiere.

Auch individuelle Anforderungen

an den Webshop – etwa eine

Schnittstelle an das Warenwirtschaftssystem,

Designwünsche oder

eine Erweiterung des Produktsortiments

– könnten realisiert werden.

Optionale Anbindung

Wer stehen bleibt, hat verloren: Diese

Aussage scheint wie gemacht für IT-

Produkte. Auch steel.shop entwickelt

die zugrundeliegende Software deshalb

kontinuierlich weiter und arbeitet

an neuen Funktionen – aktuell

an dem Zusatztool connect. Dieses

baut auf die steel.shop-Software auf

und ermöglicht Händlern die Anbindung

des steel.shop an die Systeme

ihrer Lieferanten (sofern dort auch

eine connect-Anbindung besteht).

So könne das Händlerlager virtuell

um das Lager des Zulieferers

erweitert werden. Produkte, die nicht

im eigenen Lager vorhanden sind,

würden mit entsprechenden Preisen

und Lieferzeiten direkt und für

den Verbraucher unmerkbar aus

dem System des Zulieferers im

steel.shop des Händlers angeboten

– in Echtzeit, argumentiert man bei

Montanstahl.

Transparente Kosten

Neben der Möglichkeit eines schnellen

und unkomplizierten Einstiegs

in den Onlinehandel sei es der Montanstahl

wichtig gewesen, die Kosten

für den Einsatz des Webshops

transparent und überschaubar zu

halten. Für einen monatlichen Mietbetrag

von 299 € pro Standortlizenz

sind alle grundsätzlichen steel.shop-

Funktionalitäten für den Onlinehandel

erhältlich. Durch die monatliche

Kündbarkeit sei die finanzielle Hürde

für den Stahlhändler sehr niedrig.

Mit steel.shop, so ist sich Tobias

Habig sicher, können Händler jeder

Größe auf Augenhöhe mit den Marktführern

mithalten. 2

[ Kontakt ]

Montanstahl GmbH

59302 Oelde

Tel: +49 2522 9370-0

www.steel.shop

Stahlreport 3|17

9

BESUCHEN SIE UNS

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Anarbeitung

und Logistik

Schwerpunkt Sägen

Kompetenzzentrum Sägen: Industrie 4.0 für den Stahlhandel

Digitalisierung an der Sägeanlage

Cyber-physische Systeme, Big Data und disruptive Geschäftsmodelle: Industrie 4.0 stößt bei

kleinen und mittleren Unternehmen oftmals auf Skepsis. Am Stuttgarter Kompetenzzentrum

Sägen wird anhand realer Situationen aus Fertigungsprozessen die Sägetechnologie der

Zukunft jedoch konkret. Anhand von Demonstratoren wird gezeigt, wie Industrie 4.0 auch in

Anarbeitungsprozessen für Maschinenbediener und -betreiber Vorteile schaffen kann.

Ein Text von

Florian Schumpp,

Denis Laux, Thomas

Stehle und

Christoph Birenbaum

vom Stuttgarter

Kompetenzzentrum

Sägen,

einer Kooperation

des Fraunhofer-

Instituts IPA und

dem Institut für

Werkzeugmaschinen

der Universität

Hannover.

Das alte und wissenschaftlich

oft stiefmütterlich behandelte Bearbeitungsverfahren

„Sägen“ hat auf

den ersten Blick nichts mit Industrie

4.0 gemein. Da die Kundenanforderungen

an Maschinen und Werkzeuge

jedoch auch im Bereich des Sägens

immer komplexer werden, wird dieses

Anarbeitungsverfahren zunehmend

wertschöpfend, wodurch auch

dazu der Entwicklungsbedarf steigt.

Mehr Wert generieren

Schwerpunkte dabei sind intelligente

Systeme, die den oftmals nur angelernten

Maschinenbedienern Hilfestellungen

bei der Wahl korrekter

Maschinen-, Werkzeug- und Prozessparameter

geben – Ansätze, mit

denen sich Maschinen selbstständig

an geänderte Prozessbedingungen

und neue Werkstoffe anpassen

sowie intelligente Konzepte zur Optimierung

der Wertschöpfungskette

von Sägeoperationen.

Alle Aspekte adressieren Kernelemente

von Industrie 4.0: Assistenzsysteme

sowie Datenerfassung

und -analyse bzw. die Einleitung von

Handlungen können auch in der

Sägebranche und im Stahlhandel

Mehrwerte generieren. Am Kompetenzzentrum

existieren Technologieträger,

welche die grundsätzliche

technische Machbarkeit und die

Potenziale für die Branche aufzeigen.

An realen Aufbauten werden

Industrie-4.0-Konzepte für Sägeapplikationen

zur Überwachung, Steuerung

und Datenanalyse umgesetzt

und erprobt.

Überwachung und Steuerung

Am Beispiel eines Kreissägeautomaten

(Bild 1) wird gezeigt, wie eine

Maschine schnell und problemlos

Fotos: Kompetenzzentrum Sägen

Kreissägeautomat mit Echtzeit-Prozessüberwachungssystem

mit Intelligenz versehen und zu

einem Echtzeit-Prozessüberwachungssystem

ausgebaut werden

kann. In die Maschine sind mehrere

externe und interne Sensoren zur

vollständigen Überwachung der

Maschine und des Bearbeitungsprozesses

integriert. Um den genauen

Ablauf überwachen und aktiv beeinflussen

zu können, existiert eine

Schnittstelle zur Maschinensteuerung,

mit Hilfe derer Bearbeitungsparameter

(Schnitt- und Vorschubgeschwindigkeit)

über ein mobiles

Endgerät in Echtzeit eingestellt werden

können. Verschiedene Zielkriterien

der Sägeoperation, wie etwa

Leistung oder Standzeitkriterium,

können so in Echtzeit beeinflusst

werden.

Alle erforderlichen Daten werden

in einer entsprechenden Controllereinheit

gebündelt und können

auf beliebigen Endgeräten visualisiert

werden. Das System ermöglicht

so einen ganzheitlichen Überblick

über die aktuelle Situation an der

Maschine im Fertigungsprozess.

Damit wird eine völlige Transparenz

des Anarbeitungsprozesses gewährleistet.

Die gewonnenen Daten sind auch

dezentral speicherbar, sodass der

Maschinenbetreiber mit Hilfe einer

Analyseplattform Kurz- oder Langzeitstudien

bezüglich des Zustandes

von Maschine, Werkzeug und

Betriebsmitteln durchführen kann.

An dem Aufbau wird der Beleg

erbracht, dass auch Bestandsmaschinen

ohne großen technischen und

finanziellen Aufwand zu einem sogenannten

cyberphysischen System

ausgebaut werden können, da die

nötige Sensorik und Algorithmik entweder

bereits vorhanden ist oder ohne

großen Aufwand in bestehende Infrastrukturen

integriert werden kann.

¿

10 Stahlreport 3|17


Eine wesentliche Eigenschaft von

Industrie 4.0 ist die Vernetzung aller

Produktionsmittel untereinander.

Bei Zerspanungsoperationen spielt

das Werkzeug eine zentrale Rolle.

Der Demonstrator zeigt, wie mit Hilfe

der RFID-Technologie Kreissägewerkzeuge

zu Informationsträgern

ausgebaut werden. Die RFID-Tags

auf dem Werkzeug tragen Kennwerte

und Sensordaten bzw. ihre Historie

stets mit sich und können so an jeder

Stelle im Wertschöpfungsprozess

abgefragt werden. Für den Werker

ohne tiefgreifendes Prozesswissen

ergeben sich durch diese intelligente

Datenanalyse und -verknüpfung

Mehrwerte, indem Zusammenhänge

leicht identifizierbar sowie Fehlerund

Ursachenanalysen vereinfacht

werden. Die Maschinenbetreiber profitieren

von verbesserten Analyseund

Prognosemöglichkeiten zur flexiblen

Prozesssteuerung und letztendlich

einer Erhöhung der Prozessund

Produktqualität.

Bei Nutzung eines derartigen

Systems ergeben sich mannigfaltige

Vorteile. Auf Basis der Daten können

Werkzeuge bis zum realen

Standzeitende genutzt und damit

Werkzeug- sowie Werkzeugwechselkosten

eingespart werden. Die ständigen

Echtzeit-Informationen und

vor allem die nachgelagerte Datenanalyse

erlauben die Extraktion von

Kennzahlen (z.B. Kosten pro

Schnitt/Bauteil-Berechnung) oder

Trendanalysen zum Zustand von

Werkzeug und Maschine. Die Effizienz

und Maschinenverfügbarkeit

wird aufgrund der höheren Informationsgrade

über den Bearbeitungsprozess

erhöht, da kritische

Betriebszustände (Maschine/Werkzeug/Prozess)

schneller identifiziert

werden können. Durch eine

zustandsbasierte Planung auf Basis

der Daten können Wartungsintervalle

und Reparaturarbeiten an aktuelle

Produktionsbedingungen angepasst

werden.

Werker-Assistent

Ein zweiter Demonstrator adressiert

einen weiteren wesentlichen

Baustein von Industrie 4.0: Die

Unterstützung von Tätigkeiten

durch intelligente Assistenzsysteme.

Anhand des Anarbeitungsprozesses

Bandsägen kann gezeigt

werden, wie im direkten Fertigungsumfeld

eine digitale Unterstützung

von Werkern durch eine konsequente

Vernetzung des Menschen

und der Produktionsmittel (Werkzeug/Prozess/

Maschine) erzielt

werden kann (Bild 2). Der Ablauf

des Demonstrators, der im Rahmen

des Future Work Labs (www.futureworklab.de)

realisiert wird, orientiert

sich am konkreten Tätigkeitsablauf

eines Maschinenbedieners

von Sägemaschinen:


Der Werker erhält einen Fertigungsauftrag

(1) und erfasst im Materiallager

mit Hilfe eines mobilen Scanners

einen QR-Code auf dem Werkstückwerkstoff

und dem Sägeband

(2). Dabei werden unmittelbar Informationen

über die Bauteildaten

(Werkstoff, Geometrie, etc.) und dem

Werkzeug aus Herstellerdatenbanken

abgerufen und Vorschläge für

geeignete Werkzeuge sowie korrekte

Anwendungs- und Technologieparameter

gegeben (3/4). Die Daten werden

an die Maschine transferiert,

die sich selbstständig einstellt (5).

Der Werker bestätigt die Parameter,

und der Anarbeitungsprozess

beginnt (6). Während der Bearbeitung

erhält der Maschinenbediener

alle für ihn relevanten Werkzeugund

Technologiedaten (Schnittweg,

Einsatzparameter) sowie weitere

Prozessausgangsgrößen (Kraft,

Schwingung, Temperatur, Geräusch,

etc.) auf einer kontextsensitiven

Nutzeroberfläche eines mobilen

Endgeräts (7). Dies versetzt den Werker

in die Lage, ein Live-Monitoring

sowie eine Analyse der erfassten

Prozessdaten durchzuführen (8).

Die Daten zu dem Fertigungsauftrag

können nach Beendigung an

eine (Cloud-)Datenbank übergeben

werden, über welche die Werkzeughistorie

dokumentiert und beliebige

Analysen vorgenommen werden

können (9).

Durch das Assistenzsystem

„WaSaw“ werden die oftmals gering

qualifizierten Maschinenbediener

bei der Auswahl korrekter Technologieparameter

sowie der Prozessüberwachung

unterstützt. Dies

schafft eine erhöhte Akzeptanz der

Arbeit und hilft bei der Identifikation

der Bediener mit Maschinen

und Prozessen.

Bandsägen mit digitaler Unterstützung des Maschinenbedieners

Fazit

Die beiden Beispiele aus der Praxis

zeigen konkrete Ansätze, wie bei

Sägeapplikationen durch den Einsatz

innovativer Industrie 4.0-Technologien

und eine Vernetzung von

Maschinen, Werkzeugen, Komponenten

und Menschen deutliche

Mehrwerte für Betreiber und Maschinenbediener

generiert werden können.

2

[ Kontakt ]

Kompetenzzentrum

Sägen

70174 Stuttgart

www.saegenstuttgart.de

Stahlreport 3|17

11


Anarbeitung

und Logistik

Schwerpunkt Sägen

Stuttgarter Tagung

Sägetechnik erforschen

Foto: BDS/mh

Sägen ist nicht mehr nur das Ablängen

von Halbzeugen am Anfang der Wertschöpfungskette.

Der Sägeprozess rückt heute

immer stärker in den Mittelpunkt der Wertschöpfung.

Auf der Stuttgarter Sägetagung

2016 wurden die Potenziale der Sägetechnologie

sowie neue technische Lösungen und Forschungsansätze

für Anwender, Werkzeug- und

Maschinenhersteller vorgestellt bzw. diskutiert.

Sägeverfahren bieten dem Fraunhofer Institut

für Produktionstechnik und Automatisierung

IPA zufolge mittlerweile einige wesentliche

Vorteile gegenüber Fräsoperationen, u.a. die

hohen erreichbaren Vorschubgeschwindigkeiten

sowie sehr gute Oberflächenqualitäten der

Werkstücke. Gemeinsam mit dem Institut für

Werkzeugmaschinen IfW der Universität Stuttgart

hatte das IPA im Dezember zur Stuttgarter

Sägetagung eingeladen, um Trends und

zukünftige Herausforderungen bei Sägeverfahren,

moderne Maschinen- und Werkzeugkonzepte,

aktuelle Forschungsprojekte und

Anwenderberichte aus der Praxis vorzustellen.

Themen waren u.a. das flexible Spannen in der

Sägetechnik, Industrie 4.0 im Sägewerk, aktuelle

Entwicklungen im Umfeld, Hartmetall-Kaltkreissägeanlagen

für das Trennen von Materialien

mit großen Abmessungen und neue

Ansätze sowie Potenziale in der Schneidenpräparation

bei Bandsägen. In einem weiteren

Referat wurde der AutoBarSizer vorgestellt,

eine Software des Fraunhofer IPA, die optimierte

Schnittpläne für Stahlprofile erstellt

(siehe nebenstehenden Bericht).

Auch für dieses Jahr ist eine weitere Auflage

der Stuttgarter Sägetagung geplant – voraussichtlich

im November.

[ Info ]

www.saegen-stuttgart.de

Auf der Stuttgarter Sägetagung des Fraunhofer

IPA und des IfW der Universität Hannover

wurden aktuelle Forschungsprojekte in der

Sägetechnologie vorgestellt.

Software AutoBarSizer minimiert Restlängen

Optimierte Schnittpläne

für Stahlprofile

Beim Ablängen von Profilstählen fallen häufig nicht mehr

verwertbare Reststücke an. Diesem Problem hat sich das

Fraunhofer-Institut für Algorithmen und Wissenschaftliches

Rechnen SCAI gewidmet und eine Software entwickelt, die den

anfallenden Schrott minimieren soll: den AutoBarSizer.

98 %, häufig über 99 % – das

ist die Ausbringungsquote, die der

AutoBarSizer dem Fraunhofer-Institut

SCAI zufolge mit der Optimierung

der Schnittpläne erreicht. Die Software

bewirkte damit bessere Ergebnisse

als jedes getestete Wettbewerbsprodukt,

sagte Dr. Ralf Heckmann vom

Fraunhofer SCAI auf der Stuttgarter

Sägetagung des Kompetenzzentrums

Sägen, einer Kooperation des Fraunhofer-Instituts

IPA und dem Institut für

Werkzeugmaschinen IfW der Universität

Stuttgart. Ergebnisse bei einem

Kunden hätten die computergenerierten

Schnittpläne um über 7 % verbessert

und den Restlagerbestand um

25 % reduziert.

Bereits kleine Effizienzsteigerungen

seien bei dem Ablängen von Profilstahl

deutlich spürbar. An einer Beispielsrechnung

machte der

Wissenschaftler das finanzielle Einsparpotenzial

der Software deutlich.

So könnten bei einem Stahlpreis von

z.B. 350 €/t und einem Verarbeitungsvolumen

von 100 t pro Tag bei einer

Minimierung des anfallenden Schrotts

von nur 1 % pro Monat die Kosten um

rd. 7.000 € reduziert werden.

Der AutoBarSizer berechnet

Schnittpläne von Profilstählen in Laufzeiten

unter 1 s auf Knopfdruck. Für

größere Mengen Profilstahl (z.B. über

1.500 Teile) benötigt die Software bis

zu wenigen Minuten. Auch Gehrungsschnitte

mit beliebigen Winkeln und

beliebigen Symmetrien des Profils

kann das Programm berücksichtigen.

Abstände bei inkompatiblen Gehrungswinkeln

werden ebenfalls

berechnet. Da es bei Gehrungsschnitten

manchmal sinnvoll ist, die Teile zu

drehen, kann abhängig von Symmetrien

des Materials und produktionstechnischen

Anforderungen vom Planer

vorgegeben werden, welche

Drehungen dabei erlaubt sind.

Restlängen können zudem unter

verschiedenen Gesichtspunkten

bewertet und entsprechend erzeugt

werden – je nachdem, ob vorhandene

Reststücke verwendet oder das Material

optimal ausgenutzt werden soll,

oder ob Restlängen mit bestimmten

Dimensionen benötigt werden.

Der AutoBarSizer kann darüber

hinaus verschiedene Maschineneigenschaften

berücksichtigen, u.a. ist

die Stärke des Sägeblatts einstellbar.

Anpassungen an kundenspezifische

Anforderungen seien ebenfalls möglich,

so Heckmann. 2

[ Kontakt ]

Fraunhofer-Institut für Algorithmen und

Wissenschaftliches Rechnen SCAI

53754 Sankt Augustin

Telefon +49 2241 14-2902

www.scai.fraunhofer.de/autobarsizer

12 Stahlreport 3|17


Grafik: CSP

Sperrige Metallspäne effizient zur Entsorgung

zu transportieren, ist die Aufgabe des neuen

Spänekübelfördersystems von CSP. Besonderer

Vorteil der Anlage ist die Pufferzone für

volle Wagen, die automatisiert

abgewickelt werden, so dass

kein Arbeiter am Brecher

warten muss.

Automatische Beschickung von Spänebrechern

Effiziente Spänelogistik

Späne sind in der Metallbearbeitung oft ein Logistikproblem, da

sie übermäßig viel Platz belegen. Brecher oder Shredder zur

Zerkleinerung können hier Abhilfe schaffen, jedoch macht das oft

unvorhersehbare Aufkommen an Spänen eine effiziente Nutzung

schwierig. Daher hat der Intralogistikexperte CSP Cut System

Pfronstetten eine Spänekübel-Förderanlage zur automatisierten

Beschickung von Brecheranlagen entwickelt.

Entgraten von

Profil- und Vollmaterial

Der Bürstenentgrater ORBITAl 250 N II

des tschechischen Herstellers BOMAR,

spol. s r.o. dient zur weichen und funkenfreien

Entfernung von Werkstückgraten.

Mit dem Gerät können sowohl

Profil- als auch Vollmaterialien bis 120

mm Durchmesser zügig bearbeitet

werden, so das Unternehmen. Die

Drehbewegung des Bürstenkopfes

erfolgt um die Längsachse des Materials,

wobei die Außen- und Innenkanten

des Werkstücks komplett entgratet

werden. Der Bediener muss das Werkstück

dazu lediglich gegen das Bürstenzentrum

drücken. Für unterschiedliche

Werkstoffe stehen die jeweils

passenden Bürsten sowie Bürstenmaterialien

zur Verfügung. Bei der Auswahl

des Antriebs könne der Kunde

sich zwischen einem mit zwei fest einstellbaren

Drehzahlen und einem stufenlos

geregelten Antrieb entscheiden.

Eine frei positionierbare Staubabsaugung

steht optional zur Verfügung.

In vielen Betrieben werden

die Spänekübel inzwischen per Routenzug

zum Brecher gebracht. Das

reduziert die nötigen Fahrten, allerdings

wird der Fahrer dabei oft längere

Zeit aufgehalten: Er muss jeden

Wagen einzeln zur Anlage bringen

und mit dem nächsten warten, bis

der vorige abgearbeitet ist – was je

nach Maschine rund fünf bis zehn

Minuten dauern kann.

CSP, Entwickler und Hersteller

von Routenzügen, hat daher bei seinem

Kübel-Fördersystem einen Pufferspeicher

integriert. Die vollen

Wagen werden dabei direkt hintereinander

eingeschoben, von einem

elektrischen Längsförderer übernommen,

nacheinander an den Zerkleinerer

übergeben und die leeren

Behälter wieder zur Abholung bereitgestellt.

Der Fahrer des Routenzugs kann

so seine gesamte Ladung auf einmal

abgeben und leere Wagen von einem

zweiten, gegenläufigen Förderer wieder

aufladen, um seine Tour sofort

fortzusetzen. Die weitere Verarbeitung

erledigt die Anlage selbsttätig.

Der gesamte Prozess – von der

Zuführung über das Umsetzen und

Entleeren bis zum Abtransport –

erfolgt CSP zufolge ganz ohne manuelle

Eingriffe, was nicht nur Arbeitszeit

spare, sondern auch die Belastung

für die Mitarbeiter deutlich

reduziere. Auch Unfällen im Umgang

mit den oft scharfen oder spitzen

Spänen werde so vorgebeugt.

Die konkrete Leistung des Spänekübelförderers

und die Größe der

Pufferzone werden von CSP je nach

Bedarf des Anwenders bei der Konstruktion

angepasst, ebenso wird

das System auf den Brechertyp abgestimmt.

Zum Schutz der Bediener

und der Technik ist ein mehrstufiges

Sicherheitssystem in die Anlage

integriert, beginnend bei der Sensorik

an den verschiedenen Übergabestellen.

2

[ Kontakt ]

CSP Cut Systems Pfronstetten GmbH

72539 Pfronstetten

Tel. +49 7388 99709-0

www.csp-laser.de

Säge-Hightech

auf engstem Raum

Als ein Highlight aus seinem Programm

präsentiert Sägeanlagenherstellers

MEtall-BAndsägemaschinen

GmbH die MEBApro 260 GP, eine

patentierte Portalbandsäge für den

universellen Einsatz. MEBApro 260 GP

deckt mit Schnittbereichen von bis zu

ø 260 mm rund oder 260 x 300 mm

vierkant/flach ein breites Spektrum an

zu sägenden Teilen ab. Das Sägekonzept

ist dem Hersteller zufolge standardmäßig

mit modernster Technik

ausgestattet und mit nur ca. 3 m² Aufstellfläche

auch bei beengten Platzverhältnissen

geeignet. Das patentierte

Gehrungssystem der MEBA 260 GP

sorgt dafür, dass sämtliche Komponenten

für Gehrungslagerung, -anzeige

und -klemmung oberhalb des Arbeitsbereiches

und somit frei von jeglicher

Verschmutzung liegen. Die durchgängige

Materialauflagefläche sowie der

integrierte, geschlossene Rollengang

bis nahe an das Sägeband sorgen für

sehr kurze Reststücklängen. Die

MEBApro 260 GP sei umweltfreundlich

konzipiert und mit einer Minimalmengenschmierung

ausgestattet.

Stahlreport 3|17

13


Werkstoffe

und Produkte

Schwerpunkt Betonstahl

Schließt eine Lücke im automatisierten Produktionsprozess: der vollautomatische

Entnahmeroboter für Bügelbiegeautomaten von Progress Maschinen & Automation.

Foto: Progress

Progress-Roboter erhöht Arbeitssicherheit

Vollautomatisch Bügel entnehmen

Die Automatisierung schreitet auch in der Produktion von Stahlbewehrung immer weiter voran.

Mit einem neuen vollautomatischen Entnahmeroboter für Bügelbiegeautomaten setzt

Progress Maschinen & Automation diesen Trend fort. Dank eines flexiblen Konzepts können

Bügel computergesteuert entnommen und auf verschiedensten Ablageplätzen positioniert

werden. Die Arbeitssicherheit erhöht sich laut Hersteller damit massiv.

[ Kontakt ]

Progress Maschinen &

Automation AG

I-39042 Brixen

Tel. +39 0472 979-100

www.progress-m.com

Wie in anderen Branchen des

verarbeitenden Gewerbes, werden

seit etlichen Jahren auch in der

Bewehrungsindustrie immer mehr

Arbeitsschritte automatisiert. Angefangen

vom Mattenschweißen und

-biegen über die vollautomatische

Produktion von Stäben, Bügeln und

Gitterträgern bis hin zu automatisierten

Zuführ-, Auslauf- und Logistiksystemen

– mit der passenden

Technologie ausgestattet, können

heute selbst Hochleistungsanlagen

von nur einer Person bedient und

gesteuert werden.

Automatisierung im Fokus

Die Progress Maschinen & Automation

AG, ein Tochterunternehmen

der PROGRESS GROUP, gehört eigenen

Angaben zufolge zu den Wegbereitern

automatisierter Lösungen für

die Bewehrungsindustrie. Bereits

seit den Anfängen der Unternehmensgeschichte

steht die Automatisierung

bislang manuell durchgeführter

Arbeitsschritte im Fokus der

Entwicklungsabteilung. So konnten

im Laufe der Jahre nicht nur die Effizienz

der Anlagen, sondern auch die

Qualität der Endprodukte bedeutend

gesteigert werden. Nicht zuletzt

erhöhte sich Progress zufolge durch

den Wegfall körperlicher Arbeit auch

die Arbeitssicherheit massiv.

Ein neuer Roboter für die vollautomatische

Entnahme von Bügeln

setzt diese Entwicklung nun fort.

Präzise und programmgesteuert entnimmt

er die fertig produzierten

Bügel vom Bügelbiegeautomaten und

platziert sie je, nach Anforderung,

auf einem Fließband, Paletten oder

anderen Ablageplätzen. Die Bügel

können dafür gedreht, nebeneinander

oder auch übereinander gelegt

werden.

Flexibilität spielt dabei eine wichtige

Rolle: Der Roboter ist in der Lage,

Bügel in verschiedenen Formen und

Größen ohne spezielle Greifzangen

oder Programmwechsel zu entnehmen.

Für den Bediener des Bügelbiegeautomaten

entfallen damit sowohl

die körperliche Arbeit als auch die

Gefahren, die das Hantieren mit den

Endprodukten mit sich bringt. Damit

werde eine weitere Lücke im automatisierten

Produktionsprozess

geschlossen. Die Praxis zeige, dass

dieses Konzept in der Industrie angenommen

wird: Der erste vollautomatische

Entnahmeroboter von Progress

Maschinen & Automation

werde in Kürze an den ersten Kunden

ausgeliefert. 2

14 Stahlreport 3|17


Speziell für den

Transport von

Betonstahl: der lastberuhigte

Magnetkran

von Scheffer

Krantechnik für

BESTA Betonstahl im

Hafen Mülheim an

der Ruhr.

Foto: Scheffer Krantechnik

Scheffer-Kran transportiert zeitgleich mehrere Bunde

Spezialkran für Betonstahl geliefert

Speziell für den Transport von Betonstahl hat die Scheffer Krantechnik GmbH aus

Sassenberg der BESTA Betonstahl GmbH in Mülheim an der Ruhr einen lastberuhigten

Magnetkran geliefert, der alle Kundenanforderungen erfüllt.

Bei dieser Sonderanfertigung

handelt es sich um einen Einträgerwinkelkatzkran

mit Magnethebetechnik

für den zeitgleichen

Transport von mehreren Betonstahlbunden.

Der Kran ist mit der von

Scheffer entwickelten und patentierten

V-Seilverspannung ausgeführt.

Diese Seilverspannung

ermöglicht rein mechanisch ein pendelfreies

Arbeiten und steigert so die

Prozessgeschwindigkeit sowie die

Prozesssicherheit des Kranes.

Scheffer konstruiert und fertigt

neben der Krantechnik auch Magnethebetechnik

im eigenen Haus.

Die Magnetanlage bei diesem Projekt

ist als längenverstellbare Sondertraverse

konstruiert worden und

besitzt eine magnetische Tragfähigkeit

von 6 t. Außerdem verfügt

der Kran über eine geeichte Kranwaage.

Bedient wird der Kran über eine

an der Kranbrücke verfahrbare Kanzel.

Damit behält der Kranführer

stets den Überblick über sein

Arbeitsfeld, und ein schnelles sowie

sicheres Entladen der Schiffe am

Mülheimer Industriehafen ist

gewährleistet.

Da diese Krananlage eben auch

für die Entladung von Schiffen eingesetzt

wird, sind die Anforderungen

an die Ausfallsicherheit extrem

hoch. Damit die Last bei einem Defekt

nicht direkt herabfallen kann und

den Schiffsrumpf beschädigt, wurde

gemäß der EN13155 die Magnetanlage

komplett redundant, mit einer

unabhängigen Stromversorgung bei

Stromausfall, ausgeführt. Darüber

hinaus hat die Firma Scheffer noch

ihre bewährte Scheffer Emergency

Control (SEC) verbaut. Die SEC ermöglicht

zusätzlich zur Stützbatterien

der Anlage ein sicheres Herablassen

der Last bei Stromausfällen – bevor

die vorgeschriebene Haltedauer der

Batterie erschöpft ist.

Über eine spezielle Begleitung

haben sich bei diesem Auftrag übrigens

die beiden Scheffer-Projektleiter

gefreut. Bei ihrer Arbeit hat

ihnen der Westdeutsche Rundfunk

über die Schulter geschaut. Spätestens

nach der Inbetriebnahme der

Krananlage und dem WDR-Bericht

darüber war Fachleuten wie auch

der Öffentlichkeit klar, dass der

Kran die hohen Anforderungen an

die gewünschte Sicherheit voll

erfüllt. 2

[ Kontakt ]

Scheffer Krantechnik

GmbH

48336 Sassenberg

Tel. +49 2583 9322-0

www.scheffer.de

Stahlreport 3|17

15


Werkstoffe

und Produkte

Schwerpunkt Betonstahl

Feuerverzinkter Betonstahl für den ruhenden Verkehr

Parkhäuser dauerhafter bauen

Parkhäuser, die in Stahlbetonbauweise

gefertigt werden, sind in der Regel hochkorrosiven

Zusatzbelastungen ausgesetzt. Dies gilt

sowohl für Parkhäuser in Stahlbauweise, deren

Decken zumeist in Beton ausgeführt werden, als

auch für reine Stahlbetonkonstruktionen. Das

bemerkt der Industrieverband Feuerverzinken.

Regen und Schnee, die mit den Fahrzeugen in

das Parkhaus gelangen, sorgen für eine regelmäßige,

starke Befeuchtung. Sie vermischen

sich mit an den Fahrzeugen anhaftenden Verschmutzungen

wie Ölresten und enthalten im

Winter zudem nicht selten aggressiv wirkende

Tausalze, die für Chloridbelastungen sorgen.

Besonders korrosionsgefährdet sind die Betondecken

sowie die Verbindungs- und Übergangsbereiche

der Betondecken, da auch dort der

Kontakt mit dem hochkorrosiven Feuchtigkeitsmix

unvermeidbar ist.

Wie aggressiv diese Mischung wirkt, zeigen typische

Schadensbilder aus Parkhäusern, an

denen korrosionsbelasteter Stahlbeton unverzinkt

zum Einsatz kam. Bereits nach wenigen

Jahren zeigten sich oft kostspielige und schwer

sanierbare Korrosionsschäden, so der Industrieverband.

Korrosion ist nicht nur aus statisch-konstruktiven

Gründen für den Betreiber eines Parkhauses

ein großes Problem. Denn mit Sanierungen

seien neben unnötigen Kosten auch Einnahmebzw.

Betriebsausfälle verbunden. Auch wirkten

marode Betonoberflächen unästhetisch und

Industrieverband Feuerverzinken

Rundum dauerhaft: Decken mit feuerverzinkter

Bewehrung eines Parkhauses in feuerverzinkter

Stahlbauweise.

imageschädigend. An parkenden Fahrzeugen

könne abtropfendes Rostwasser außerdem

kostspielige Lackschäden verursachen. Dies

gelte in besonderem Maße für Parkhäuser, in

denen Fahrzeuge über längere Zeiträume stehen,

beispielsweise in Flughafen- oder Firmenparkhäusern.

Feuerverzinkte Betonstähle verbesserte die

Dauerhaftigkeit von chloridbelasteten Konstruktionen

und Bauteilen. Die Verwendung von feuerverzinktem

Bewehrungsstahl gewährleiste im

Parkhausbau deutlich längere Standzeiten.

[ Kontakt ]

Industrieverband Feuerverzinken e.V.

40470 Düsseldorf

Tel. +49 211 690765-0

www.feuerverzinken.com

Buchtipp: Schutz und Instandsetzung von Stahlbeton

Gemäß der Richtlinie “Schutz und Instandsetzung von Betonbauteilen“ des Deutschen Ausschusses

für Stahlbeton muss mit der Beurteilung und Planung von Arbeiten zum Schutz

sowie zur Instandsetzung von Stahlbeton ein sachkundiger Planer beauftragt werden. Mit

dem gleichnamigen Themenband von Manfred Schröder sollen Architekten und Bauingenieure

für sich die Voraussetzungen zur Wahrnehmung dieser Aufgaben schaffen können.

Ziel ist es, mit den vermittelten Kenntnissen es dem Leser zu ermöglichen, die richtigen

Entscheidungen für Bauwerksdiagnose, Schutz- und Instandsetzungskonzepte, Wahl der

Systeme und Ausführungsmethoden sowie deren Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung

zu treffen – und somit Planungs- bzw. Ausführungsfehler zu vermeiden.

Dabei liegen den Ausführungen nicht nur die einschlägigen aktuellen

Regelwerke, sondern zudem langjährige Erfahrungen der Autoren aus

Forschung und Entwicklung, Produktherstellung, Vertrieb, Anwendungstechnik,

Prüftechnik, Objektplanung und -durchführung sowie Bearbeitung

von Reklamationen und Streitfällen zugrunde.

Schröder, Manfred e.a.; Schutz und Instandsetzung von Stahlbeton. Anleitung

zur sachkundigen Planung und Ausführung; 7. überarbeitete Auflage;

Renningen 2015; 490 Seiten; 86 €; ISBN 978-3-8169-3313-7

Arbeitsgemeinschaft der Zertifizierungsstellen

für Bewehrungen

Prüfen und überwachen

Bei Betonstahlprodukten wird in

Deutschland ein Produktqualitätssystem

umgesetzt, das europaweit, ja sogar weltweit

hoch anzusiedeln ist. Deshalb werden

Bauprodukte, die mit dem deutschen

Übereinstimmungszeichen („Ü“) gekennzeichnet

sind, auch in anderen Ländern

als qualitativ hochwertig anerkannt – und

teilweise ohne weiteren Prüfaufwand zertifiziert.

Der sogenannte „Übereinstimmungsnachweis“

ist in Deutschland bauaufsichtlich

geregelt und für alle Hersteller

und Weiterverarbeiter verpflichtend.

Bauprodukte, die nicht auf diese Weise

überwacht und zertifiziert sind, dürfen per

Gesetz nicht verwendet werden. Wer dem

zuwider handelt, verhält sich grob fahrlässig

und riskiert hohe

Regressforderungen.

Als kompetenter Partner

bei bauaufsichtlichen

Anforderungen

sowie bei der Produktforschung

und Ursachenanalyse

sehen

sich für Hersteller und

Weiterverarbeiter die Prüfungs-, Überwachungs-

und Zertifizierungs(PÜZ-)Stellen

der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Zertifizierungsstellen

für Bewehrungen (ADZB).

Die ADZB bietet einen fachlichen Erfahrungsaustausch

zur Prüfung, Überwachung

und Zertifizierung (PÜZ) von Betonstahlprodukten

nach deutschen

Regelwerken sowie bei der Umsetzung der

europäischen Bauprodukterichtlinie bzw.

der Bauprodukteverordnung (BauPVO, seit

2013).

Die ADZB wurde im Jahr 1997 auf Vereinsbasis

(zunächst als Arbeitsgemeinschaft

Deutscher Prüfstellen – ADPB) gegründet.

Mitglieder der ADBZ sind u.a. die Prüfstelle

für Betonstahl Prof. Dr.-Ing. G. Rehm

GmbH, das Materialprüfungsamt für das

Bauwesen der TU München sowie die TÜV

Rheinland LGA Products GmbH.

[ Kontakt ]

Prüfstelle für Betonstahl

Prof. Dr.-Ing. G. Rehm GmbH

81245 München

www.adzb.de

16 Stahlreport 3|17


Werkstoffe

und Produkte

Bericht

Initiative ZINKSTAHL führt „Live-Dünnschichtverzinkung“ vor

Ressourceneffizient Stückverzinken

Dass das Dünnschicht-Stückverzinken zu einem gleichmäßigen Korrosionsschutz mit nur etwa 10 μm

Dicke führt, gehört zu den bekannten Eckdaten dieses noch jungen Verfahrens. Es in der Praxis zu

begutachten, ist jedoch selten Gelegenheit. Die Initiative ZINKSTAHL hatte daher kürzlich seinen

„Mitmachern“ die Möglichkeit dazu gegeben – und zu einer „Live-Verzinkung“ eingeladen. Ein großer

Vorteil des Verfahrens sei neben der geringen Schichtdicke seine große Ressourceneffizienz.

Aluminium – so lautet der

Schlüsselbegriff bei der Dünnschichtverzinkung.

Bei dem microZINQ ® -

Verfahren der Voigt & Schweitzer

Hagen GmbH & Co. KG könnten dank

eines relativ hohen Aluminiumgehalts

sehr dünne, gleichzeitig aber

sehr leistungsfähige Zinkoberflächen

hergestellt werden. Die Oberfläche

bleibe dabei biegefest, laserschweißbar

und lötgeeignet und

weise somit ideale Werkstoffeigenschaften

für die hohen Anforderungen

im Automobilsektor auf. Auch

hoch- und höchstfesten Stahlsorten

könnten mit dem Dünnschichtverfahren

verzinkt werden.

Wie eine Dünnschichtverzinkung

in der Praxis aussieht, wurde

bei einem Treffen des Lenkungsausschusses

der Initiative Zinkstahl

deutlich. Am Hagener Standort der

Voigt & Schweitzer Hagen GmbH &

Co. KG hatte die Initiative zu einer

„Live-Verzinkung“ in der microZINQ-

Anlage des Unternehmens eingeladen.

Europäisch gefördert

Die von der Europäischen Union

geförderte Anlage wurde 2015 eingeweiht.

Bisherige Erfahrungen im

Automotive- und im Agrarbereich,

bei Verkehrsrückhaltesystemen

(Leitplanken) sowie im Maschinenund

Anlagenbau seien positiv, sagte

Peter Wegener, Werkleiter Hagen

Voigt & Schweitzer. Neben dem Einsatz

in der Automobilindustrie liegt

für das microZINQ-Verfahren seit

2015 auch die allgemeine bauaufsichtliche

Zulassung vor.

Bei der Live-Verzinkung wurden

zwei Musterkonstruktionen mit Profilen

und Rohren aus jeweils dem

Werkstoff S235 und S355 verzinkt.

Dabei wurden die zu verzinkenden

Bauteile nach dem Vorheizen bei

420 °C im Zinkkessel verzinkt.

Ergebnis: Die Feuerverzinkung mit

microZINQ ergibt bei beiden Konstruktionen

eine gleichmäßige

Schichtdicke von ca. 10–15 μm.

Durch die dünne Schichtdicke

werden beim microZINQ-Verfahren

Zinkaufdickungen an den Schweißnähten

vermieden, zudem ist die

Korrosionsschutzschicht umformgeeignet

und lässt sich selbst wiederum

gut farbbeschichten. Mit dem

Dünnschichtverfahren können auch

Gussteile mit Schichtdicken von nur

25–40 μm verzinkt werden.

Effizienterer Einsatz

Als großer Vorteil des microZINQ-

Verfahrens gilt sein Beitrag zum

Umweltschutz: So spart das Dünnschichtverfahren

80 % Zink ein.

Allein bei Verkehrsrückhaltesystemen

seien so Einsparungen von rund

50.000 t möglich, wie die Expo Fortschrittsmotor

Klimaschutz GmbH

(KlimaExpo. NRW), eine Initiative

der nordrhein-westfälischen Landesregierung,

ausgerechnet hat.

Das von der ZINQ Technologie

GmbH entwickelte microZINQ-Verfahren

ist von der Landesinitiative

als „Vorreiterprojekt Ressourcenschutz“

ausgewählt worden.

Die Initiative Zinkstahl ist ein

Zusammenschluss von Experten und

Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette

Feuerverzinken.

Die Initiative Zinkstahl versteht sich

eigenen Angaben zufolge dabei nicht

als Verband, sondern lädt dazu ein,

sich als „Mitmacher“ zu engagieren.

Ziel der Initiative ist es u.a., den

ökonomischen und ökologischen

Nutzen der Stückverzinkung zu verdeutlichen,

neue Forschungs- und

Entwicklungsaktivitäten anzustoßen

sowie normative Grundlagen

für ressourcenschonende Neuent-

Foto: BDS/mh

wicklungen zu fördern und marketingtechnische

Maßnahmen zu initiieren.

Zinkstahl ist regelmäßig mit

eigenen Beiträgen auf Fachveranstaltungen

vertreten (Veranstaltungstermine

auf Webseite, siehe

Kontakthinweis). 2

[ Kontakt ]

Initiative ZINKSTAHL GmbH

67547 Worms

Tel. +49 6241 2096-47

www.zinkstahl.com

Live-Verzinkung einer Muster-Stahlkonstruktion

mit microZINQ-Verfahren

Stahlreport 3|17

17


Messen

und Märkte

Schwerpunkt BAU

Foto 1,2: Messe München/P.G. Loske

Über 250.000 Besucher sind im Januar zur BAU 2017 gekommen, der „Weltleitmesse für Architektur, Materialien und Systeme“.

Rekord-Ausstellerzahl bei der BAU 2017

Messe und Branche brummen

„Es brummt auf Deutschlands Baustellen“, sagte Dr. Barbara Hendricks, Bundesministerin für Umwelt,

Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), zur Eröffnung der BAU 2017. Nicht nur auf den

Baustellen brummt es, ist im Nachhinein festzustellen: Neben mehr als einer Viertelmillion Besucher

kamen im Januar auch 2.120 Aussteller aus 45 Ländern zur BAU 2017 – ein neuer Rekordwert.

Einer, der sich über die positiven

Zahlen am meisten gefreut

haben dürfte, ist Messe-Geschäftsführer

Reinhard Pfeiffer. Mit dem

guten Ergebnis habe die Messe „ihre

Stellung als Innovationsmotor und

Impulsgeber der Baubranche“ bewiesen.

Und auch die Bundesministerin

für Umwelt, Naturschutz, Bau und

Reaktorsicherheit (BMUB) freute

sich. In ihrer Rede bezeichnete sie

die Baubranche als „Schlüsselbran-

che“ für zentrale gesellschaftliche

Aufgaben. Mit der Wohnungsbauoffensive

sei man auf dem richtigen

Weg: „Nach Jahren der Stagnation

haben wir eine Trendwende

geschafft.“

Messe BAU 2017 ist internationaler geworden

Ranking ausländische Besucher

Drei Nicht-EU-Länder unter

den Top 10 der Herkunftsländer

ausländischer Besucher

Drei außereuropäische Länder unter

den Besucher-Herkunftsländern mit

den größten Steigerungsraten

11.520

Österreich

5.243

Schweiz

5.013

Italien

3.716

Russland

3.055

Türkei

2.868

China

1.301

+42 %

Südkorea

803

+59 %

Indien

792

+40 %

USA

18 Stahlreport 3|17


Der Werkstoff Stahl stand neben Beton

und Holz als eines der wichtigsten Bauund

Konstruktionsmaterialien im Zentrum

vieler Ausstellerpräsentationen auf der

BAU 2017.

Viele Fachbesucher

Während die Bundesministerin sich

auf einer exklusiven Führung die

Messe-Highlights zeigen ließ, galt für

den gewöhnlichen Besucher vom ersten

Tag an das bei erfolgreichen Messen

übliche Prozedere: sich durch volle

Hallen kämpfen.

Das Bild prägten dabei viele aufwändig,

häufig doppelstöckig inszenierte

Standpräsentationen. Die 2.120

Aussteller aus 45 Ländern waren auf

den Besucherstrom „gut vorbereitet“,

so die Messe München. Viele hatten

speziell geschultes Personal mitgebracht,

um die vielen internationalen

Gäste noch besser betreuen zu können.

Dem Marktforschungsinstitut

Gelszus zufolge waren fast alle Besucher

der Messe, nämlich genau 95 %,

Fachbesucher, und 62 % haben eigenen

Angaben zufolge eine leitende

Position inne. Angesichts vieler neuer

Kontakte und qualitativ hochwertiger

Besucher sei die Laune an den Messeständen

blendend gewesen, resümierte

der Veranstalter.

Einer der Gründe dafür dürfte das

überaus positive Umfeld derzeit in

der Bauwirtschaft gewesen sein. Die

Branche ist mit großer Zuversicht in

das Jahr 2017 gegangen. Der Hauptverband

der Deutschen Bauindustrie

e.V. und der Zentralverband Deutsches

Baugewerbe prognostizierten zur Zeit

der Baumesse in München in einer

gemeinsamen Erklärung ein Umsatzwachstum

von 5 % für die Bauwirtschaft.

Vielfalt bei den Themen

Die BAU bot Vielfalt aber nicht nur

bei den Besuchern, sondern auch bei

den Themen. Vor allem zwei Aspekte

standen im Mittelpunkt des Messegeschehens:

Wie stark die Digitalisierung

die Zukunft des Bauens

beeinflussen wird und welche Entwicklung

smarte, also „mitdenkende“,

Bauelemente und -systeme nehmen

werden. Beide Entwicklungsfelder

standen auch im Mittelpunkt des vielfältigen

Rahmenprogramms der

Messe. In mehreren „Sonderschauen“

inmitten der Messehallen wurden

zudem die Leitthemen der BAU 2017

(Intelligente Fassade/Digital Planen,

Bauen und Betreiben/Vernetzte

Gebäude/Bauen und Wohnen 2020)

veranschaulicht.

Ein Glanzlicht im Rahmen der

BAU war die Lange Nacht der Architektur.

Über 35.000 Besucher wollten

am Abend des 20. Januar 70 architektonische

Highlights der Stadt München

im nächtlichen Lichterglanz erleben.

Den Erfolg des Messeformats BAU

plant der Veranstalter übrigens auch

nach China zu exportieren. Im Rahmen

der aktuellen Auflage hat die

Messe München den Mehrheitserwerb

der „FENESTRATION CHINA“, Chinas

bedeutendster Messe für Fenster,

Türen und Fassaden, bekanntgegeben.

Die Messe findet erstmals vom

in diesem November in Schanghai

statt.

Die nächste BAU findet vom 14. bis

19. Januar 2019 mit zwei neuen Hallen

auf dem Gelände der Messe München

statt. Das Ausstellungsgelände

vergrößert sich auf 200.000 m 2 . 2

Foto: Bauforumstahl

Zum vierten Mal haben sich Produzenten und Verarbeiter

des Baustoffs Stahl auf dem Gemeinschaftsstand

des Bauforumstahl auf der BAU 2017 präsentiert.

Ingenieurpreis des Deutschen

Stahlbaues 2017 verliehen

Bauforumstahl präsentierte

sich in München

Zum vierten Mal haben sich auf der BAU

2017 Hersteller und Verarbeiter des Baustoffes

Stahl gemeinsam unter dem Dach von bauforumstahl

präsentiert. Der Gemeinschaftsstand

bot Interessenten und Kunden eine Plattform

für die Beratung und den fachlichen Austausch.

Auf dem Gemeinschaftsstand in München

zeigten u.a. ArcelorMittal, die Peiner Träger

GmbH, die Salzgitter Mannesmann Stahlhandel

GmbH, das Stahlwerk Thüringen und das

Maschinenbauunternehmen Kaltenbach neben

vielen weiteren Unternehmen ihr Leistungsangebot.

Neben den Standpräsentationen hatte das

Bauforum Stahl auch ein kostenloses tägliches

Vortragsprogramm auf dem Messestand organisiert.

Architekten und Tragwerksplaner,

Fachexperten sowie Bauausführende haben

dort über aktuelle Themen aus den Bereichen

Nachhaltigkeit, Industrie-, Gewerbebau, Energiegewinnung,

Büro- und Verwaltungsbau bis

hin zur Immobilienwirtschaft berichtet.

Highlight dabei war die Verleihung des Ingenieurpreises

des Deutschen Stahlbaues 2017.

Der vom Bauforum Stahl zum dritten Mal in

Zusammenarbeit mit der Bundesingenieurkammer

als ideellem Partner und DETAIL

structure als Medienpartner ausgelobte „Ingenieurpreis

des Deutschen Stahlbaues“ ging in

der Kategorie Hochbau an Dr.-Ing. Martin

Speth von DREWES + SPETH und Dipl.-Ing.

Christian Rathmann von Bünemann&Collegen

für die Sartorius Produktionshalle für Laborinstrumente.

In der Kategorie Brückenbau nahm

Dipl.-Ing. Andreas Keil von schlaich bergermann

partner für die innovative Konstruktion

der Allerbrücke den Preis entgegen.

Stahlreport 3|17

19


Messen

und Märkte

Schwerpunkt BAU

Foto: Tata Steel

Tata Steel auf der BAU 2017

Sandwiches, Farben und Fassaden

Tata Steel hat auf der BAU 2017 in München erstmals alle seine Marken und Systeme für die

Baubranche auf einem Stand vorgestellt. Ziel des einheitlichen Auftritts war, Kunden

gebündelt die Kompetenz und das hochwertige Produktportfolio an Stahlbau-Hohlprofilen,

Stahlverbunddecken und Bausystemen für Gebäudehüllen zu präsentieren.

Zu den Produkthighlights von

Tata Steel auf der Messe gehörte die

von Kalzip und Fischer Profil

gemeinsam entwickelte Hybrid-FC-

Fassade. Bei dieser werden über eine

neu entwickelte Befestigung variable,

vorgehängte und hinterlüftete

FC-Aluminiumfassaden von Kalzip

direkt auf kostengünstige Fischer-

THERM Sandwichelemente aus Stahl

montiert. Damit wird eine zusätzliche

Unterkonstruktion überflüssig

und Planer können neue ästhetische

Industriebauten entwerfen.

Energiegewinnung

Außerdem hat das Unternehmen

mit AluPlusSolar, SolarClad und

SolarClad ProfilPlus Systeme zur

Erzeugung regenerativer Energie

in Fassaden gezeigt. Mit einer zulässigen

Neigung von bis zu 90°

ermöglichten die ultraleichten und

dem Unternehmen zufolge weltweit

ersten voll IEC-zertifizierten Photovoltaikmodule

ohne Glas eine

ansprechende, ökologische und ökonomische

Gestaltung von modernen

Fassaden.

Für den Bereich Bauelemente

aus Stahl erweitert Tata Steel bei

den FischerTHERM plus Sandwichelementen

sein Produktportfolio. Die

neue Elementdicke von 140 mm mit

der verdeckten Befestigung und der

innovativen DUO-Dichtung erfüllt

Tata Steel zufolge die aktuellen und

zukünftigen Anforderungen der

Energieeinsparverordnung (EnEV).

Durch die freie Kombination von

Metallarten, Farben, Oberflächen

sowie Profilformen hat der Stahlhersteller

mit MONTAFORM-DESIGN-

Profilen aus Aluminium und Stahl

eine Lösung für individuelle Fassadengestaltung

ganz nach den Wünschen

des Bauherren oder Planers

gezeigt. Es sei praktisch möglich,

jedes erdenkliche Profil in eckigen

oder runden Formen herzustellen.

Kombinationsmöglichkeiten

Die auf der BAU vorgestellten Verbundprofile

von HOLORIB/SUPER-

HOLORIB aus hochwertigem, korrosionsgeschütztem

Stahlblech seien

universell in den verschiedensten

Anwendungen des Hoch- und Brü-

ckenbaus sowie im Sanierungswesen

einsetzbar und stellten ein weiteres

Highlight dar. Durch die Kombination

von Beton und Stahl können

gegenüber massiven Betondecken

wesentlich schlankere und damit

wirtschaftlichere Aufbauten realisiert

werden.

Mit Colorcoat Compass präsentierte

Tata Steel ein einzigartiges

Farbnavigationssystem für Stahlbauprodukte.

Die Neuheit basiert auf

einem ganzheitlichen digitalen System.

Dieses ermöglicht es dem

Anwender, per Farbscan an beliebigen

Gegenständen schnell und einfach

den richtigen und bevorzugten

Wunschfarbton aus dem Colorcoat-

Produktportfolio für die Gebäudehülle

des nächsten Bauvorhabens

auszuwählen.

Mit seinen Marken Colorcoat und

Celsius sowie mit seinen Bausystemherstellern

Kalzip, Fischer Profil,

Montana Bausysteme und SABprofil

ist Tata Steel in Europa eigenen

Angaben zufolge der größte Hersteller

von Produkten für die komplette

Gebäudehülle aus Metall. 2

20 Stahlreport 3|17


ArcelorMittal auf der BAU 2017

Weniger Gewicht, mehr

Schutz, starke Farben

ArcelorMittal hat auf der BAU 2017 sein komplettes Programm

neuer und verbesserter Produkte für den gesamten Baubereich

vorgestellt. Die Erzeugnisse, die der Konzern mit seinen Produktbereichen

Flat, Long und Construction auf dem Gemeinschaftsstand

von Bauformstahl e.V. präsentiert hat, sollen Anwendern

Gewichts-, Haltbarkeits- und Kostenvorteile bringen.

Der Stahl Indaten ® ist ein korrosions-

und witterungsbeständiger

Stahl. Mit Dicken von 0,5 bis 80 mm,

einem geringen Wartungsaufwand

sowie einer Lebenserwartung von

mehr als 80 Jahren und einer Recycling-Rate

von 100 % sei Indaten nicht

nur für viele Anwendungsfelder interessant,

sondern auch kostengünstig,

ästhetisch und nachhaltig.

Granite ® Silky Shine und Granite ®

Silky Mat sind zwei neue organisch

beschichtete Stähle mit innovativen

Oberflächenstrukturen. Granite Silky

Shine wird vor allem für Fassadensysteme

mit einer hochglänzenden

luxuriösen Verkleidung verwendet,

die Gebäuden eine besondere ästhetische

Erscheinung verleihe. Granite

Silky Mat ist ein eleganter Stahl, der

matt strukturierte oder glatte Oberflächen

bietet, die für alle Fassadenanforderungen

geeignet seien.

Wirtschaftliche Walzprofile

Die höherfeste Güte S355 und die

hochfeste Güte S460 für Walzträger

ermöglichen ArcelorMittal zufolge ein

wirtschaftlicheres und nachhaltigeres

Bauen. Mit dem Einsatz dieser

Güten könne Material gespart und

somit deutlich kostengünstiger gebaut

werden. Walzprofile in der Stahlgüte

S355 und höher seien heute ausgesprochen

wirtschaftlich herstellbar.

Zusätzliche Kostenersparnisse in der

Fertigung, z.B. durch geringere

Schweißnahtdicken, ergänzten die

Möglichkeiten.

Etwas bisher Unvereinbares hat

ArcelorMittal eigener Einschätzung

zufolge mit den HISTAR ® -Stählen

gezeigt. Dabei handelt es sich um hochfeste

Baustähle mit hoher Streckgrenze

und „ausgezeichneter“ Zähig-

keit bei niedrigen Temperaturen, die

sich sehr gut schweißen ließen.

Korrosionsunempfindlichen Stählen

komme im Stahlbau aus Gründen

der Ästhetik, Nachhaltigkeit und Kosteneffizienz

eine bedeutendere Rolle

als bisher zu. Mit der Marke ARCO-

ROX ® hat ArcelorMittal einen witterungsbeständigen

Baustahl für Walzprofile

und Stabstahl gezeigt.

Mit integrierten Verbunddecken

(Composite Slimfloor Beam – CoSFB)

sowie Lochstegträgern (ACB ® und

Angelina) hat der Konzern „innovative

Systeme“ gezeigt, welche die Position

von Stahl im Geschossbau stärken

sollen. Einen weiteren innovativen

Schwerpunkt, um mit Stahllösungen

im Infrastrukturbereich vorteilhaft

zu bauen, habe der Bereich Long Products

mit neuen Brückenlösungen

(VFT-Walzstahl in Beton) gesetzt.

Bausysteme für die Gebäudehülle

Der Bereich Construction von Arcelor-

Mittal präsentierte auf der Messe Bausysteme

für die Gebäudehülle mit einer

großen Vielfalt an Farben und Beschichtungen.

Das Beschichtungssystem

IRISA ® etwa zeige im Wechselspiel des

Lichts faszinierende Effekte.

Die Sandwichpaneele der Marken

Ondatherm, Frigotherm und Pflaum

bieten für den Industrie-, Gewerbeund

Kühlhausbau ArcelorMittal

zufolge „maßgeschneiderten Wärmeschutz

durch hochwertige Dämmstoffe“

und „beste Fugendichtheit

bei hoher statischer Tragfähigkeit“.

Geprüfte Feuerwiderstandsklassen,

geringste Rauchentwicklungsraten

sowie die Zertifizierung gemäß FM

Approval Standard 4881 setzten

Maßstäbe für eine sichere und wirtschaftliche

Bauweise.

Fotos: ArcelorMittal

Mit seinem Angebot an Stahltrapezund

Kassettenprofilen will ArcelorMittal

Construction allen Anforderungen

des Stahlleichtbaus Rechnung tragen.

Das neue asymmetrische Profil

Eclectic ® hat der Produzent für vielfältige

architektonisch attraktive Einsatzmöglichkeiten

im Fassadenbau ausgelegt.

Eine wirtschaftliche Alternative

zu herkömmlichen Deckensystemen

für mehrgeschossige Bauten stellten

die Profilsysteme Cofrastra und Cofraplus

dar. Geringere Deckenhöhen,

extrem kurze Bauzeiten und ein wertvoller

Zusatznutzen für das Bauen im

Bestand zeichneten diese bewährten

und bauaufsichtlich zugelassenen

Deckensysteme aus. 2

Anwendungsbeispiel Lochstegträgern Angelina im Geschossbau

Anwendungsbeispiel Profil Eclectic ® für Fassaden

Stahlreport 3|17

21


Messen

und Märkte

Schwerpunkt BAU

BuVEG vertritt die Gebäudehülle

Neuer Verband

nimmt Arbeit auf

Foto: WV Stahl

Ressourcen- und umweltschonend hergestellte Bausysteme für Dächer und Fassaden: die WV Stahl auf

der BAU 2017

Leichtbau mit Stahl auf der BAU 2017

Energieeffiziente Stahlfassaden gezeigt

Wie mit Leichtbausystemen aus Stahl

material- und energieeffiziente Gebäudehüllen

im hochwertigen Geschossbau hergestellt

werden können, hat die Wirtschaftsvereinigung

Stahl (WV Stahl) auf Europas größter

Baufachmesse BAU gezeigt. Auf dem Messestand

konnten sich Architekten, Ingenieure,

Handwerker und Bauherren umfassend zu

ressourcen- und umweltschonend hergestellten

Bausystemen für Dächer und Fassaden

mit unterschiedlichen Formen und Oberflächen

informieren.

Vorgestellt wurden u.a. neuartige Fassadensysteme,

die mit Luftkollektoren Frisch- und

Prozessluft für die energetische Nutzung von

Gebäuden solar erwärmen. So saugt das aufgesetzte

SolarWall ® -System, das auch optional

für die Nachrüstung geeignet ist, über seine

mikroperforierte Oberfläche Außenluft an,

erwärmt diese im Kollektor und erzeugt bis zu

600 W Wärmeenergie je m 2 Wandfläche. Die

Heizkosten sinken so um bis zu 50 %. Neue

Untersuchungen der Forschungsvereinigung

Stahlanwendung (FOSTA) gehen sogar noch

einen Schritt weiter und verwandeln die komplette

Gebäudehülle im Verbund von handelsüblichen

Bauteilen wie Stahlsandwichelementen,

Trapez- und Wellprofilen sowie

transparenten Polycarbonatplatten in hocheffiziente

Solarkollektoren. Planung und Dimensionierung

der innovativen Bausysteme erfolgt

bedarfsgerecht und digital mit einem speziell

entwickelten Berechnungstool.

Zu sehen gab es auf dem Messestand außerdem

farbig beschichtete Paneel- und Kassettensysteme

für architektonisch anspruchsvolle

Fassaden, Lösungen aus wetterfestem

Baustahl sowie Farbkollektionen für die

Bandbeschichtung feuerverzinkter Stahlbleche

– als Basis hocheffizienter Bausysteme

für den Gewerbe- und architektonisch

anspruchsvollen Geschossbau.

Standpartner der WV Stahl auf der Messe

waren der Internationale Verband für den

Metallleichtbau (IFBS), die European Association

for Panels and Profiles (PPA-Europe)

sowie die thyssenkrupp Steel Europe AG.

Der neu gegründete Bundesverband

energieeffiziente Gebäudehülle

(BuVEG) hat sich auf der Messe BAU im

Rahmen einer Pressekonferenz der

Öffentlichkeit vorgestellt. Die Gebäudehülle

biete enorme Möglichkeiten für die

Stadtkultur, für gute Wohn- und Arbeitsräume

sowie für einen sparsamen

Umgang mit Energie. Um diese Potenziale

zu heben, haben sich nun erstmals

Unternehmen und Verbände mit Fokus

auf die Gebäudehülle zusammengeschlossen,

hieß es zur Begründung.

„Eine solche Stimme für die Gebäudehülle

hat zu lange gefehlt. Auch deshalb

hat die Hülle heute weder in der politischen

noch in der gesellschaftlichen

Debatte die Bedeutung, die ihr eigentlich

zusteht. Wie sind angetreten, das zu

ändern“, sagte Michael Wörtler, Vorstandsvorsitzender

des BuVEG und Vorstandsvorsitzender

Saint Gobain Isover

G+H AG.

Mitglieder des Verbands sind BASF, der

Fachverband Mineralwolleindustrie

(FMI), Saint Gobain Isover, der Industrieverband

Hartschaum (IVH), der Industrieverband

Polyurethan-Hartschaum

(IVPU), Knauf Insulation, Deutsche

Rockwool, Schüco, Sto, URSA und Velux

Deutschland. Geschäftsführer der

BuVEG ist mit Jan Peter Hinrichs ein vormals

u.a. beim Fraunhofer-Institut für

Bauphysik tätiger Brancheninsider.

Die in Berlin angesiedelte BuVEG tritt

u.a. dafür ein, zur Kompetenzbündelung

in Fragen der Energieeffizienz ein eigenes

Energieministerium zu schaffen,

durch steuerliche Förderung die Sanierungsquote

bestehender Gebäude zu

steigern und ebenso private Investitionen

in die Gebäudehülle als Baustein

der Altersvorsorge steuerlich zu begünstigen.

[ Info ]

www.buveg.de

22 Stahlreport 3|17


Messen

und Märkte

Bericht

Foto: Deutsche Messe AG

Die CeBIT wirft ihre Schatten voraus

Heimat der Digitalisierung

„Die Digitalisierung hat ihre Heimat gefunden – auf der CeBIT.“

Das sagte Oliver Frese, für dieses Event zuständiger Vorstand der

Deutschen Messe Ende Januar bei der Vorschau auf die diesjährigen

Präsentationen vom 20.-24.3. in Hannover. Diese Aufwertung der

einstigen Büroautomationsschau fand vor dem Hintergrund einer

bemerkenswerten Wirtschaftslage der inzwischen für viel mehr

Sphären zuständigen Branche statt.

Die ökonomische Situation

stellte anhand neuester Umfrageergebnisse

Dr. Bernhard Rohleder vor,

Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands

BITKOM. Demnach gehen

die Experten für 2017 von einem

Wachstum des Marktvolumens auf

162 Mrd. € aus. Das wären zwar nur

1,2 % mehr als 2016; die aber hätten

es in sich, erläuterte der Verbandschef

mit Hinweis auf das aktuelle Beispiel

von Navigationssystemen.

Erhebliche Umsätze würden dort wegfallen,

weil universelle Endgeräte die

entsprechenden Funktionen mit übernehmen.

Im Übrigen untermauerte

Rohleder seine positive Sicht der

Dinge mit den 83 % der Befragten,

die wachsende Märkte erwarten. Dies

komme nicht von ungefähr, wie die

Teilfragen nach neue Geschäftsmodellen

zeigten. 65 % gingen von solchen

Innovationen aus (für 2016 waren es

nur 55 %), aber nur 44 % (gegenüber

39 %) der Unternehmen hätten bisher

eine entsprechende Strategie,

und nur 19 % würden gegenwärtig in

diesen Bereich investieren.

Auch vor dem Hintergrund dieses

Potenzials wird die CeBIT zum

Frühjahrsbeginn mit einer Vielzahl

Oliver Frese, Vorstand der Deutschen

Messe AG, bei der Präsentation zur diesjährigen

CeBIT, für die er in diesem Gremium

zuständig ist.

von Anwendungsbeispielen, disruptiven

Technologien und Geschäftsmodellen

sowie dem gesamten

Lösungsspektrum für die digitale

Transformation von Unternehmen

und Verwaltung an den Start gehen.

Gut 3.000 beteiligte Unternehmen

aus 70 Ländern werden etwa

200.000 erwarteten Besuchern konkrete

digitale Anwendungsbeispiele

zeigen, Startups präsentieren bei

den CeBIT Global Conferences ihre

Innovationen, und diese Visionäre

diskutieren über die digitale Zukunft

von Wirtschaft sowie Gesellschaft.

Dafür gibt es auf der Messe mit

SCALE11 einen eigenen Treffpunkt.

Dort (in Halle 11) sollen konservativ

und progressiv organisierte

Unternehmen zusammenfinden.

Die CeBIT, deren diesjähriges Partnerland

Japan ist, steht 2017 unter

dem Motto „d!conomy – no limits“,

um damit die Chancen der digitalen

Transformation in den Mittelpunkt

zu rücken. So sollen – über veränderte

Geschäftsmodelle hinaus – viele

neuartige Einsatzfelder von künstlicher

Intelligenz und Cognitive Computing

präsentiert werden.

So werden auf der CeBIT auch

Drohnen in unterschiedlichen Einsatzfeldern

gezeigt. In der Kombination

mit umfassender Datenanalyse

und weiteren digitalen

Technologien gebe es ein erhebliches

Potenzial für den Einsatz von

Drohnen und unbemannten Systemen

vor allem im geschäftlichen

Umfeld. Ein weiterer Innovationsschwerpunkt

werde das autonome

Fahren sein.

Aber auch eher klassische CeBIT-

Themen werden auf der Messe vertreten

sein – ob im papierlosen oder

-treuen Büro (vgl. Kästen). 2

Themenspektrum

Das Spektrum der auf der diesjährigen CeBIT aufgegriffenen

Themen lässt sich nach Angaben der Deutschen

Messe AG beispielsweise unter den folgenden

Überschriften zusammenfassen:

z Digital Business Solutions,

z Big Data & Business Solutions,

z Marketing & Sales Solutions,

z Business Security,

z Research & Innovation,

z Internet der Dinge,

z Unmanned Systems & Solutions,

z Job & Career.

Dokumentenorganisation

Da kann die digitale Datenablage und Registratur noch

so ausgefuchst sein - immer wenn es darauf ankommt,

ein benötigtes Dokument schnell und zuverlässig zu

finden, beginnt die hektische Sucherei. Welches Format

hat es? Wer hat es zuletzt bearbeitet? Wo wurde

es gespeichert

Geht es nach dem ECM-Spezialisten M-Files aus dem

finnischen Tampere, gehören fingertrommelnde Abteilungsleiter

und auf Armbanduhren zeigende Vorgesetzte

ab sofort der Vergangenheit an. Auf der CeBIT

2017 in Hannover zeigen die Finnen, wie sie Unternehmen

zukünftig beim Finden, Teilen und Schützen von

Dokumenten und Informationen unterstützen wollen.

Hinter M-Files Intelligent Metadata Layer steckt laut

der Entwickler ein visionärer Ansatz für das Management

von Informationen. Ab sofort soll es keine Rolle

mehr spielen, welches System eine Information

erzeugt hat und wo sie gespeichert wurde. Mit M-Files

werden Dokumente nach ihrem Wert und ihrer Wichtigkeit

organisiert und verwaltet, statt nach ihren

äußeren Merkmalen. (M-Files Oy, FIN-33720 Tampere,

Halle 3, Stand D19)

Papierrecycling

Den ersten bürotauglichen Papierrecycler präsentiert

auf der CeBIT die in Meerbusch bei Düsseldorf ansässige

Epson Deutschland GmbH.

Damit werde der Datensicherheit gedient, denn das

Altpapier mit möglicherweise sensiblen Daten muss

das Unternehmen erst gar nicht verlassen.

Das PaperLab nutzt eine eigene Trockenfasertechnologie,

um aus gebrauchtem neues Papier herzustellen.

Durch den Verzicht auf Wasser sei dieser Prozess

besonders nachhaltig.

Diesem Prinzip sieht sich das Unternehmen auch verpflichtet,

wenn es Drucker mit lange haltenden Tintenpaketen

ausrüstet. Dies soll den Aufwand zur

Verwaltung des Inventars verringern, den Stromverbrauch

senken und weniger Abfall produzieren.

Stahlreport 3|17

23


Messen

und Märkte

Bericht

Stahlindustrie zwischen Erholung und Überkapazitäten

Handelsblatt Jahrestagung Stahlmarkt 2017

Zum 21. Mal fand im Februar in Düsseldorf die Handelsblatt Jahrestagung Stahlmarkt statt. Nachdem im

Vorjahr allenthalben von einem Schicksalsjahr für die deutsche Stahlindustrie gesprochen wurde, konnte

nun festgestellt werden, dass bei Weitem nicht alle Probleme gelöst sind. Aus Sicht der Hersteller haben

sich jedoch zumindest einige Rahmenbedingungen verbessert. Jörg Feger berichtet und wertet.

Fotos: Euroforum Deutschland/Foto Vogt GmbH

Die Stahlkonjunktur hat sich

stabilisiert. So stellte Hans Jürgen

Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung

Stahl, in seinem Eingangsreferat

fest, dass der Auftragseingang

bei den deutschen Stahlwerken

im vergangenen Jahr moderat

gestiegen sei und man auch bei

der Rohstahlproduktion in diesem

„Wirksame Handelsschutzmechanismen

zur Sicherung eines

fairen Wettbewerbs

sind von Nöten.“

Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident

Wirtschaftsvereinigung Stahl

„Konsolidierung

würde die europäische

Stahlindustrie

stärken.“

Hans Fischer, CEO TATA Steel Europe

Jahr ein leichtes Wachstum erwarte.

Flankiert würde diese Entwicklung

von einer guten Beschäftigungslage

bei den Stahlverarbeitern.

Bedrohung

Als immer noch bedrohlich sei aber

laut Kerkhoff die Importsituation in

der EU zu bezeichnen. Trotz Anti-

dumpingzöllen seien im letzten Jahr

6 Mio. t Walzstahlfertigerzeugnisse

aus China in die EU geliefert worden.

Das sei doppelt so viel wie noch im

Jahr 2013. Zudem stiegen, gestützt

mit staatlicher Hilfe, die Einfuhren

aus Ländern wie Indien und dem

Iran.

Die aktuellen Pläne zu Kapazitätsstillegungen

in China reichten

bei Weitem nicht aus. Aktuellen

Schätzungen zufolge werde auch im

Jahr 2020 die Überkapazität in China

zwischen 320 und 370 Mio. t liegen.

Vor diesem Hintergrund setze sich

die deutsche Stahlindustrie weiterhin

dafür ein, gegen unfaire Handelspraktiken

vorzugehen. Wirksame

Handelsschutzmechanismen

zur Sicherung eines fairen Wettbewerbs

seien nötig und müssten auf

europäischer Ebene den veränderten

Rahmenbedingungen angepasst werden.

Dies dürfe nicht mit Protektionismus

verwechselt werden.

Handelsbeschränkende Maßnahmen

gegen stahlintensive Güter, wie

sie unter Umständen aus den USA

drohen könnten, seien abzulehnen.

Handlungsbedarf auf europäischer

24 Stahlreport 3|17


Ebene sah Kerkhoff nach wie vor bei

der zukünftigen Ausgestaltung des

Emissionsrechtehandels. Erfreulicherweise

habe dazu das Europäische

Parlament Mitte Februar einige

zentrale Anliegen der Stahlindustrie

aufgenommen.

Konsolidierung

Zu einer möglichen Konsolidierung

in der europäischen Stahlindustrie

äußerte sich Hans Fischer, CEO von

TATA Steel Europe. Man habe in

Großbritannien das Langproduktengeschäft

veräußert und über den

Verkauf der Spezialstahlsparte eine

Absichtserklärung mit einem potenziellen

Käufer unterzeichnet. Ein

weiteres Ziel sei die Ausgliederung

der Pensionsfonds. Dem hätten die

britischen Gewerkschaften kürzlich

zugestimmt. Gespräche mit thyssenkrupp

würden geführt. Ob und wann

Ergebnisse verkündet werden könnten,

sei aber zurzeit nicht abzuschätzen.

Generell sehe Fischer für den

Markt die Notwendigkeit, Synergien

zu schaffen.

Kritisch zu entsprechenden Tendenzen

äußerte sich Heiko Reese

von der IG Metall. Beim Zusammengehen

zweier Unternehmen träfen

immer zwei unterschiedliche Unternehmenskulturen

zusammen. Häufig

entstünden hierbei Probleme. Vor

dem Hintergrund massiver Überkapazitäten

in China hielt Reese eine

Konsolidierung der europäischen

Stahlindustrie mit einhergehendem

Kapazitätsabbau für nicht zwingend

erforderlich. Die so erzielte Angebotsverringerung

würde schnell

durch steigende Importe kompensiert.

Volkswirtschaftliche

Aussichten

Recht vielversprechende Aussichten

auf ein weltweites Wirtschaftswachstum

und Chancen für einen

weiterhin steigenden Stahlverbrauch

präsentierte Dr. Josef Auer, Senior

Economist bei Deutsche Bank

Research. In praktisch allen wichtigen

Volkswirtschaften könne in diesem

und im nächsten Jahr mit steigendem

Wachstum gerechnet werden.

China dürfte dieses Jahr um

6 % zulegen, in den USA würde man

2017 mit einem Plus von 2,4 und

2018 von 3,6 % rechnen. Die vom

neuen US-Präsidenten angekündigten

Senkungen der Unternehmenssteuern

würden Wirkung zeigen.

Auch die EU könne zulegen. Selbst

die gebeutelten Volkswirtschaften

in Japan und den lateinamerikanischen

Ländern würden sich erholen.

Dies habe entsprechende positive

Effekte auf den weltweiten Stahlverbrauch.

Wirtschaftsstandort NRW

Eine Lanze für den Industriestandort

Deutschland brach NRW-Wirtschaftsminister

Garrelt Duin, SPD.

Eine starke industrielle Basis sei in

Deutschland der Garant für Wirtschaftswachstum

und Wohlstand.

Um den Industriestandort NRW zu

erhalten und weiter auszubauen,

habe sich die Landesregierung

besonders folgenden drei Punkten

verschrieben:

z Forschung und Entwicklung: Investitionen

in Bildung seien von außerordentlicher

Bedeutung. So seien

30 % der deutschen Studenten und

Studentinnen in Hochschulen in

NRW eingeschrieben. Die Trends

in der Digitalisierung müssten

aktiv begleitet werden, auch das

Thema Elektromobilität müsse verfolgt

werden.

z Energieversorgung: Dazu dürfe der

Fokus nicht allein auf dem Klimaschutz

liegen. Auch seien Versorgungssicherheit

und Bezahlbarkeit

für die Ansiedlung und den Verbleib

von Unternehmen von großer

Wichtigkeit. Die eingeleitete

Energiewende dürfe nicht zu einer

schleichenden Deindustrialisierung

führen.

z Freier und fairer Handel: Nicht nur

weltweit, auch innerhalb der EU,

müssten Spielregeln überprüft werden.

Es dürfe nicht durch staatliche

Eingriffe zu Wettbewerbsverzerrungen

kommen.

Fazit

Weitere Themen der zweitägigen

Veranstaltung waren die Elektromobilität,

die effiziente Nutzung und

Verwertung von Energie im Stahlherstellungsprozess,

die Entwicklung

innovativer Stahlsorten sowie die

„Kapazitätsreduzierungen

in Europa

werden durch

Importe aus China

kompensiert.“

Heiko Reese, IG Metall

Forschung zu Stahlanwendungen.

Kritisch angemerkt werden muss,

dass bei einer Konferenz zum „Stahlmarkt“

lediglich Themen aus der

Stahlproduktion behandelt wurden.

Schließlich gehört zu einem Markt

nicht nur die Anbieterseite. Gerade

in der gegenwärtigen Marktsituation

wären auch die Perspektiven

von stahlverarbeitenden Wirtschaftszweigen

und der Stahldistribution

interessant gewesen. 2

„Die Aussichten

für weltweites

Wirtschaftswachstum

sind gut.“

Josef Auer, Senior Economist Deutsche

Bank Research

„Eine starke industrielle

Basis ist der

Garant für Wirtschaftswachstum

und Wohlstand.“

Garrelt Duin, Landeswirtschaftsminister NRW






Stahlreport 3|17

25


BDS

Research

Neueste Zahlen aus dem Bereich Research

Endlich wieder Feierstimmung zum Jahresende

Das Jahr 2016 wird nach einer lang anhaltenden Durststrecke endlich einmal wieder als ein

gutes Stahljahr in die Annalen eingehen. Der Lagerabsatz des deutschen Stahlhandels verlief

bei den meisten Produkten befriedigend, bei einigen sogar gut bis sehr gut. Gerade zum

Jahresendspurt konnten noch einmal erfreuliche Tonnagen gebucht werden. In der Summe

aller Walzstahlfertigerzeugnisse wurde 1 % mehr Menge als im Vorjahr abgesetzt.

Foto: privat

Jörg Feger, Bereichsleiter

Research im

Bundesverband

Deutscher Stahlhandel

(BDS), berichtet

zusammenfassend

angesichts der ihm

für 2016 vorliegenden

Zahlen. Wie

üblich, hat er seinen

monatlichen und

kommentierenden

Bericht anhand der

Kriterien Lagerabsatz,

-bestand,

-reichweite und -verkaufspreise

gegliedert.

Einleitend geht

er näher auf die

Preisentwicklung

ein:

Wesentlich spektakulärer als

die Mengenentwicklungen verlief die

Entwicklung bei den Preisen. Nach

einer etwa vierjährigen, fast stetigen

Talfahrt bis Anfang des vergangenen

Jahres setzte im Frühjahr 2016 ein in

dieser Vehemenz nicht erwarteter

Preisaufbau ein. Treiber war vor allem

die Entwicklung bei Stahlschrott. Im

Herbst 2016 kam es dann allem voran

bei Kokskohle, aber auch bei Eisenerz,

Legierungen und Stahlschrott zu

sprunghaften Verteuerungen. Als

Folge stiegen die Preise für nahezu alle

Stahlprodukte spürbar. Diese Entwicklung

hielt auch noch bis über

den Jahreswechsel 2016/2017 an.

Lagerabsatz

Nach einem enttäuschenden Oktober

und einem guten November 2016

bescherte der Weihnachtsmonat dem

deutschen Stahlhandel im vergangenen

Jahr die beste Dezember-Tonnage

seit neun Jahren.

Mit rund 675.000 t wurde im

Dezember knapp 12 % mehr Menge

abgesetzt als im Vorjahresmonat. Dies

entspricht einem durchschnittlichen

Lagerabsatz von knapp 900.000 t pro

Monat im Jahr 2016. Insgesamt lag

der Lagerabsatz bei Walzstahlfertigerzeugnissen

im Jahr 2016 um 1 %

höher als 2015.

Zuwächse gab es bei Betonstahl

sowie bei Kaltgewalzten und vor allem

bei Oberflächenveredelten Blechen

und Bandblechen. Der Absatz von

Trägern, Stabstahl und vor allem Quartoblechen

war im vergangenen Jahr

rückläufig.

Lagerbestand

Zu Anfang des Jahres 2016 war der

Lagerbestand im deutschen Stahlhandel

sehr niedrig. Anschließend wurden

die Läger Monat für Monat aufgebaut.

Ende Juli wurde mit 2,43 Mio. t

der bisherige Höchststand gemeldet.

Im August setzte der übliche Bestandsabbau

in der zweiten Jahreshälfte ein.

Dieser verstärkte sich im September

spürbar. Im Oktober 2016 wurde, auch

aufgrund der Aussicht steigender

Preise, wieder aufgestockt. Im November

blieb der Bestand konstant, im

Dezember wurden, wie zum Jahresende

üblich, die Läger abgebaut.

Ende Dezember des vergangenen

Jahres wurden von der deutschen

Stahldistribution 2,22 Mio. t Walzstahlfertigerzeugnisse

bevorratet. Das

sind 7,9 % mehr als Ende Dezember

2015 gemeldet wurden.

Lagerreichweite

In Dezembermonaten steigt die Lagerreichweite

aufgrund der wenigen

Arbeitstage regelmäßig spürbar an.

Dieser Anstieg verlief im Dezember

2016 aufgrund der vergleichsweisen

guten Lagerabsätze relativ moderat.

Die Lagerreichweite lag bei 3,3 Monaten

bzw. 99 Tagen. Sie lag damit 3,5 %

unter dem Vorjahreswert (vgl. Abb. 1).

Lagerverkaufspreise

Den Angaben des BDS-Marktinformationsverfahrens

für durchschnittliche

Verkaufspreise im kleinlosigen

Bereich zufolge wurden im März 2016

erstmals seit vielen Monaten bei fast

allen Produkten steigende Preise verzeichnet.

Im April und Mai hat die

Dynamik dann spürbar zugelegt. Bei

allen Produkten wurden teilweise

kräftige Preiserhöhungen gemeldet.

Im Juni 2016 war eine Beruhigung

zu spüren. Im Juli, August und

September waren die meisten Verkaufspreise

rückläufig.

Zum Ende des vergangenen Jahres

zogen die Preise wieder an. Bei

Langprodukten verlief der Preisaufbau

noch halbwegs moderat, bei Flachprodukten

und daraus gefertigten

Rohren legten die Verkaufspreise sehr

stark zu. Alle Produkte lagen Ende

2016 preislich auf einem wesentlich

höheren Niveau als noch zum Jahresanfang

(vgl. Abb. 2 und 3). 2

[ Info ]

Fragen zu den genannten statistischen

Größen beantwortet im Bundesverband

Deutscher Stahlhandel (BDS) Jörg Feger,

Bereichsleiter Research:

Feger-BDS@stahlhandel.com

26 Stahlreport 3|17


Quelle Bild 2 u. 3: BDS Quelle: Statistisches Bundesamt/BDS

lagerAbsatz und Lagerreichweite der Stahldistribution Abb. 1

140

120

100

80

60

40

20

0

Preisentwicklung bei Langprodukten Abb. 2

160

150

140

130

120

110

100

90

Index (Januar 2010 = 100)

Formstahl Breitflanschträger Stabstahl Betonstahl in Stäben Betonstahlmatten

Preisentwicklung bei Flachprodukten und Rohren Abb. 3

Index (Januar 2010 = 100)

150

140

130

120

110

100

90

80

n Absatzindex (2007 = 100)

n Lagerreichweite in Tagen

94 91 92 89 92

95 96 99 99

86 91

89

85 90 93 90

200

180

160

140

120

84 81 84 78 78

61

102 78 75 72 72 81 72 84 78 72 78 69

68

99

100

80

60

40

20

0

Ø

2012

Ø

2013

Ø

2014

Ø

2015

Ø

2016

Dez.

2015

Jan.

2016

Feb.

2016

März

2016

Apr.

2016

Mai

2016

Juni

2016

Juli

2016

Aug.

2016

Sep.

2016

Okt.

2016

Nov.

2016

Dez.

2016

1. Q. 2010

2. Q. 2010

3. Q. 2010

4. Q. 2010

1. Q. 2011

2. Q. 2011

3. Q. 2011

4. Q. 2011

1. Q. 2012

2. Q. 2012

3. Q. 2012

4. Q. 2012

1. Q. 2013

2. Q. 2013

3. Q. 2013

4. Q. 2013

1. Q. 2014

2. Q. 2014

3. Q. 2014

4. Q. 2014

1. Q. 2015

2. Q. 2015

3. Q. 2015

4. Q. 2015

1. Q. 2016

2. Q. 2016

3. Q. 2016

4. Q. 2016

1. Q. 2010

2. Q. 2010

3. Q. 2010

4. Q. 2010

1. Q. 2011

2. Q. 2011

3. Q. 2011

4. Q. 2011

1. Q. 2012

2. Q. 2012

3. Q. 2012

4. Q. 2012

1. Q. 2013

2. Q. 2013

3. Q. 2013

4. Q. 2013

1. Q. 2014

2. Q. 2014

3. Q. 2014

4. Q. 2014

1. Q. 2015

2. Q. 2015

3. Q. 2015

4. Q. 2015

1. Q. 2016

2. Q. 2016

3. Q. 2016

4. Q. 2016

Quartoblech Bandblech Kaltgewalztes Blech OV Blech Quad. & RE-Rohr Nahtloses Rohr

Lagerabsatz und

Lagerreichweite der

Stahldistribution

Preisentwicklung

bei Langprodukten

Preisentwicklung bei

Flachprodukten und

Rohren

Stahlreport 3|17

27


BDS

Kommunikation

Flachtag 2017

360°-Blick auf Flacherzeugnisse

Flacherzeugnisse aus Stahl: Auf dem BDS-Flachtag am 30. März 2017 kommen in Düsseldorf die Vertreter

der Wertschöpfungskette Flachstahl zusammen: Verbraucher, Werke, Händler, Stahl-Service Center.

Agenda und Anmeldung

Die Nachfrage nach Flachstahl

ist nach längerer Durststrecke aktuell

wieder im Aufwärtstrend. Am deutschen

Markt sind die Preise für diese

Erzeugnisse zuletzt spürbar gestiegen.

Die Erzeuger meldeten für Ende

2016 einen im Jahresvergleich höheren

Auftragseingang. Welche Konsequenzen

ergeben sich daraus für

2017? Wie sieht die Lage aus Sicht

von Stahl-Service-Centern aus? Und

8:30 Uhr Empfang

9:00 Uhr Eröffnung des Flachtages

2017

Oliver Ellermann, BDS AG –

Bundesverband Deutscher

Stahlhandel

9:15 Uhr Die aktuelle Lage 2017 –

Herausforderungen und Perspektiven

Andreas Schneider,

StahlmarktConsult

10:00 Uhr Kaffeepause

10:30 Uhr Quo Vadis – Grobblechmarkt

Dr. Günter Luxenburger,

Dillinger Hütte

11:05 Uhr Aussichten der Automobil -

industrie für 2017

Dr. Manuel Kallweit, VDA

12:00 Uhr Marktentwicklung und

Tendenzen 2017 aus Sicht

der SSCs

Dr. Thilo Theilen,

Becker Stahl-Service

12:30 Uhr Mittagspause

13:30 Uhr Aktuelle Rechtsprechung

RA Tim Lieber, LL.M. (UK),

Henseler & Partner Rechtsanwälte

14:15 Uhr Kaffeepause

14:45 Uhr Fakten und Hintergründe zur

europäischen Normung

Jochen Adams,

Ingenieurbüro Adams

15:30 Uhr Kaffeepause

16:00 Uhr Von der Masse zur Nische –

der andere Weg bei Feinblechen

Rudolf Ketterer, Bucher Stahl

16:45 Uhr Ende des BDS-Flachtages

2017

Die Anmeldung zum Flachtag 2017 ist

online, per Mail oder telefonisch möglich

(siehe Kontaktdaten unten). Die Teilnahmegebühr

in Höhe von 195,- € (BDS-Mitglieder)

bzw. 295,- € (Nicht-Mitglieder) je zzgl.

MwSt. pro Person wird vorab in Rechnung

gestellt und umfasst die Teilnahme an der

Tagung, Konferenzgetränke, das Mittag -

essen und Pausenverpflegungen.

Kontakt

welche Rolle spielen derzeit Verbraucher

wie die Automobilindustrie?

Prominente Referenten zu

aktuellen Themen

Diese und weitere Fragen stehen beim

Flachtag 2017 des Bundesverbands

Deutscher Stahlhandel (BDS) am 30.

März 2017 auf dem Programm. Verkehrstechnisch

gut zu erreichen im

Van-der-Valk-Airporthotel Düsseldorf

BDS AG

40237 Düsseldorf

Tel.: +49 211 86497-0

E-Mail: info-bds@stahlhandel.com

www.stahlhandel.com

lädt der BDS alle am Flachproduktemarkt

interessierten Akteure zu diesem

eintägigen Fachkongress. Prominente

Referenten berichten über aktuelle

Markttendenzen, geben Einschätzungen

und Prognosen zur weiteren

Entwicklung – u.a. Dr. Günter Luxenburger

(Dillinger Hütte), Dr. Thilo Theilen

(Becker Stahl-Service), Rudolf Ketterer

(Bucher Stahl) und Andreas

Schneider (StahlmarktConsult).

Zum Themen-Rundumblick ge -

hört auch ein Update zu aktuellen

Rechtsthemen in Sachen Flacherzeugnisse.

RA Tim Lieber, Kanzlei Henseler

& Partner, informiert praxisnah

über wichtige Gesetzesregelungen

und juristische Fallstricke.

Get-together und Fachausstellung

Auch für das Networking bietet der

BDS-Flachtag 2017 genügend Raum

– angefangen am Vorabend der Veranstaltung

mit dem Get-together. Eingeladen

ist dazu am 29. März 2017 ab

19 Uhr jeder am Netzwerken in der

Branche Interessierte. (Teilnehmer

am Get-together sind Selbstzahler;

der Preis für das Buffet und eine

Getränkepauschale beträgt pro Person

69,– € zzgl. MwSt. Für eine optimale

Planung bittet der BDS um vorherige

Anmeldung, siehe Kontakt unten).

In der begleitenden Fachausstellung

präsentieren sich die Ausrüster

und Partner der Branche. Die Ausstellung

befindet sich unmittelbar vor dem

Veranstaltungsraum, der auch für Kaffeepausen,

den Mittagsimbiss und

Gespräche genutzt wird (Sie möchten

ausstellen? Kontakt siehe unten). 2

28 Stahlreport 3|17


BDS

Schwerpunkt Q+E-Tag

Fotos 6 : BDS/mh

Qualitäts- und Edelbaustähle im Fokus

Q+E-Tag 2017

Rund 70 Teilnehmer aus dem Stahlhandel haben sich Anfang Februar auf dem Q+E-Tag 2017 in Düsseldorf

zur Situation auf dem Markt für Qualitäts- und Edelbaustähle informiert. Auf dem Programm standen

Beiträge u.a. zu Konjunkturentwicklung und Techniktrends. Gastgeber der eintägigen Fachveranstaltung

waren der Bundesverband Deutscher Stahlhandel (BDS) und die Edelstahlhandelsvereinigung (EHV).

Von der Marktentwicklung 2017 über Techniktrends in der Stahlproduktion bis hin

zur aktuellen Rechtsprechung sowie der Entwicklung der Sägetechnologie – der Q+E-Tag

2017 bot ein breites Themenspektrum mit hochkarätigen Referenten.

EU-Importmarktdynamik 2012-2016 in Mio. t

Der europäische Importmarkt für Qualitäts- und Edelbaustähle ist vor allem durch Importe aus anderen Regionen gewachsen

Lieferungen innerhalb der EU Importe aus CIS-Ländern Importe aus anderen europäischen Ländern Importe aus Asien

Quelle: RCG analysis, Volker Schneider auf dem Q&E-Tag 2017, 9.2.2017, Düsseldorf

4,8 0,7 0,3 0,2 4,8 0,7 0,4 0,3 5,0 0,7 0,4 0,5 5,0 0,7 0,4 0,5 5,1 0,7 0,4 0,6

2012 2013 2014 2015 2016 e.

Stahlreport 3|17

29


BDS

Schwerpunkt Q+E-Tag

Marktentwicklung Q+E-Stähle

Kurz und knapp

z Die Produktion von Qualitäts- und Edelbaustählen ist 2016 weltweit leicht gestiegen,

EU und Asien konnten Rückgänge in anderen Regionen kompensieren.

z Der europäische Markt ist hauptsächlich von innereuropäischen Handelsströmen

geprägt.

z Die Automobilindustrie ist wichtigster Treiber für Qualitäts- und Edelbaustähle.

Die Prognose für die Branche ist zwar positiv, Wachstum findet künftig aber vor

allem in Asien und den Schwellenländern statt.

z Überkapazitäten stellen Produzenten vor Margen- und Kostenprobleme, in Europa

müssen sie in Technologie und Qualität investieren.

Die künftige Marktdynamik des Produktsegments

Qualitäts- und Edelbaustähle

hängt stark von der Automobilindustrie ab

– global betrachtet. Etwa 65 % der weltweit

hergestellten Mengen (etwa 48 Mio. t in

2016) werden in der Automobilproduktion

eingesetzt, stellte Volker Schneider, Analyst

der Managementberatung RCG AG, heraus.

Mengenrückgänge in anderen Regionen

wurden dabei im vergangenen Jahr

durch die EU und Asien kompensiert. Dabei

ist die Nachfrage in der EU-28 nach Qualitäts-

und Edelbaustählen seit 2012 Jahr

für Jahr in kleinen Schritten gestiegen –

im vergangenen Jahr um 0,3 Mio. t auf bisher

geschätzte insgesamt 9,5 Mio. t.

Trotz bestehender Überkapazitäten werden

Schneider zufolge weltweit in den

nächsten Jahren weitere etwa 7 Mio. t Produktionskapazitäten

für Qualitäts- und

Edelbaustahl aufgebaut, vor allem im Nahen

Osten und im asiatischen Raum. Das habe

für Hersteller sinkende finanzielle Ergebnisse

zur Folge. Langfristig werde das Margenproblem

zu einem Kostenproblem führen,

war sich Schneider sicher.

Europäische Hersteller müssten vermehrt

in Anlagen zur Erweiterung ihrer

technischen Fertigkeiten und zur Steigerung

des Qualitätsniveaus investieren,

sagte Schneider weiter.

Der EU-Importmarkt ist dem Experten

zufolge im vergangen Jahr vor allem durch

Technologietrends in der Stahlproduktion

Kurz und knapp

z In der Stahlproduktion geht der Trend hin zu Leichtbau, Verkürzung der

Produktionsprozesse und Verbundwerkstoffen.

z In Produktion und Konstruktion gilt vermehrt das Anforderungsprinzip: einfache

Produkte wo möglich, hochentwickelte Werkstoffe, wo nötig.

z Pulvermetallurgie und 3D-Druck sind mittlerweile ernstzunehmende

Produktionsverfahren.

Welche Trends prägen derzeit die

technologische Entwicklung bei der Herstellung

und dem Einsatz von Qualitäts- und

Edelbaustählen? Diese Frage beantwortete

Werkstoffexperte Frank Willke, ehemals

Deutsche Edelstahlwerke.

Zwei Trends seien vor allem auszumachen:

Zum einen eine Entwicklung hin zu leichteren

Stahlgüten. Zum anderen bemühten

sich die Produzenten, die Produktionsprozesse

bei der Herstellung von Stahl zu verkürzen

– bei gleichzeitiger Verbesserung

des Werkstoffgefüges. Treiber dieser Entwicklungen

sei vor allem der Automobilbau,

der von politischer Seite aus Gründen

des Umweltschutzes gezwungen sei,

leichtere Fahrzeuge zu konstruieren. Es

komme aber auch der Wettbewerbsdruck

der Produzenten zum Tragen, die – wie

die Deutschen Edelstahlwerke – auf Technologieentwicklung

und Qualitätssteige-

Schrottmarkt-Ausblick

Kurz und knapp

z Die deutsche Schrottbranche kämpft mit regulatorischen Vorgaben und eigenen

Überkapazitäten.

z Türkische Verbraucher bestimmen das Marktgeschehen, der Schrottmarkt ist

aufgrund geografischer und politischer Einflüsse sehr volatil.

z Der Brexit spielt für den deutschen Schrottmarkt keine unmittelbare Rolle.

z Mittelfristig sind die Aussichten für die Schrottbranche positiv.

Die Schrottbranche ringt derzeit mit

schwierigen Bedingungen. Zu schwankenden

konjunkturellen Einflüssen und zu

hohen Kapazitäten in der Stahlproduktion

gesellen sich brancheninterne Probleme,

z.B. eigene Überkapazitäten bei den Aufbereitungsanlagen.

Diese Faktoren wirken

sich negativ auf die Lage der Unternehmen

in der Branche aus, die mit einem Verdrängungswettbewerb,

schwindenden Margen

und folglich Konzentrationsbestrebungen

umgehen müssen, stellte Birgit Guschall-

Jaik vom Bundesverband Sekundärrohstoffe

und Entsorgung e.V. (bvse) heraus.

Insbesondere müssen sich die Unternehmen

mit einer Reihe gesetzgeberischer

Regulierungen auseinandersetzen – u.a.

kämpft die Branche im Rahmen der „Verordnung

über die Entsorgung von gewerblichen

Siedlungsabfällen und von bestimmten

Bau- und Abbruchabfällen“ (GewAbfallV)

gegen gewerbliche Sammlungen der

Kommunen zu Lasten privater Unternehmen.

Der Schrottverbrauch hängt in Deutschland

im Wesentlichen von der Stahlproduktion

ab. Der für die Schrottdistribution

bedeutsame Anteil von Elektrostahl an der

gesamten Stahlproduktion beträgt in

Deutschland in etwa ein Drittel. Allerdings

sinkt der Anteil seit Jahren, wie Guschall-

Jaik erläuterte.

30 Stahlreport 3|17


Einfuhren aus Nicht-EU-Regionen gewachsen.

Im vergangenen Jahr wurden voraussichtlich

rund 7,2 Mio. t in und nach Europa

gehandelt. Rund 5,5 Mio. t entfielen dabei

auf Lieferungen innerhalb der EU. „Nur“

1,3 Mio. t kamen vor allem aus der Gemeinschaft

Unabhängiger Staaten und der

Region Asien.

Ein wichtiger Marktteilnehmer im Segment

Qualitäts- und Edelbaustähle ist

China, das derzeit in etwa so viel dieser Produkte

verbraucht, wie die EU-28 insgesamt

(rund 15 Mio. t). Die chinesische Produktion

ist dabei von einer enormen Unterauslastung

geprägt, die Kapazitäten liegen

mit rund 25 Mio. t/a deutlich über dem

jährlichen Verbrauch.

China exportierte rund 2,9 Mio. t Qualitäts-

und Edelbaustähle im vergangenen

Jahr. Etwa 60 bis 70 % davon verblieben im

asiatischen Raum, rund ein Drittel ist in

Volker Schneider, RCG AG

den US- und europäischen Markt gegangen.

Aufgrund der politischen Tendenzen zur

Abschottung des US-Markts unter der

Trump-Administration sei jedoch mit einer

Zunahme chinesischer Mengen auf dem

EU-Markt zu rechnen, sagte Volker Schneider.

Während der Anteil von Qualitäts- und

Edelbaustählen in der Pkw- und Nutzfahrzeugproduktion

in den vergangenen Jahren

gestiegen ist, stellt die Entwicklung

hin zum Elektroantrieb einen Unsicherheitsfaktor

für die Verwendung von Qualitäts-

und Edelbaustählen dar: So werden

in Elektro- und Hybridfahrzeuge deutlich

weniger dieser Stähle verwendet, als in

Fahrzeugen mit konventionellem Antrieb

(65 % weniger). Zudem finde künftiges

Wachstum der Branche vor allem in Asien

und den Schwellenländern statt.

Die nicht von der Automobilindustrie

getriebene Nachfrage nach Qualitäts- und

Edelbaustählen, wie Baumaschinen, die

Werftenindustrie oder die Öl- und Gasindustrie,

werden von Industrien mit stagnierender

oder negativer Wachstumsdynamik

beeinflusst, so Schneider. 2

rung setzten, um weiterhin die Nase vorn

zu haben.

Konkret geht es Willke zufolge bei der

Stahlherstellung z.B. weg von warmumformenden

Prozessen und hin zur Kaltumformung.

Die Oberflächenbehandlung wird

laut Willke zufolge dabei immer komplexer,

zugleich aber auch präziser.

Bei der Werkstoffentwicklung wie dem

Werkstoffeinsatz werde vermehrt vom

Anforderungsprinzip ausgegangen, also

den Werkstoff oder das Bauteil seinem Anforderungsprofil

gemäß zu konstruieren.

Beispiel Verbundwerkstoffe: Während

bei einem für einen entsprechenden Zweck

ausgelegten Zahnrad die hochbelasteten

äußeren Zähne des Bauteils aus einem hochqualitativen

Nitrier- oder Einsatzstahl bestehen

müssen, genügt als inneres Trägermaterial

für den Zahnkranz etwa ein

konventioneller Vergütungsstahl.

Ein weiterer Trend habe mittlerweile

Produktionsreife erlangt, berichtete Willke

abschließend: Pulvermetallurgie. 3Dgedruckte

Bauteil-Prototypen setze etwa

Siemens ein. Zwar sei die Herstellung des

jeweiligen Stahlpulvers bei diesem Verfahren

mit vergleichsweise hohen Kosten verbunden.

Doch verkürze sich der Herstellungsprozess

andererseits enorm. 2

Frank Wilke, ehem. Deutsche Edelstahlwerke

GmbH

Birgit Guschall-Jaik, bvse

Ein bedeutender Player auf dem weltweiten

Schrottmarkt ist die Türkei. Türkische

Stahlhersteller haben im vergangenen

Jahr 18 Mio. t Schrott eingeführt,

der Elektrostahlanteil ist in dem Land

von ehemals rund 75 % auf mittlerweile

etwa 60 % gesunken. Das Verhalten der

türkischen Stahlhersteller hat daher

hohen Einfluss auf den Schrottpreis. Bei

den Beschaffungsstrategien türkischer

Verbraucher sei in den letzten Jahren zu

beobachten, dass sie die jeweilige Marktsituation

mehr für sich zu nutzen wüssten.

Verglichen mit den Primärrohstoffen

Kokskohle und Eisenerz ist der Sekundärrohstoff

Stahlschrott in der Preisentwicklung

erheblich volatiler. So hatten türkische

Produzenten im vergangenen Jahr

z.B. zunächst auf chinesische Stahlknüppel

als Vorprodukt gesetzt, um nach Qualitätsproblemen

damit aber wieder auf den

europäischen Schrottmarkt zurückzukehren

– was sich in der Preisentwicklung

deutlich abgezeichnet hat, die von entsprechend

starken Schwankungen gekennzeichnet

war.

Der Brexit ist für die Schrottwirtschaft

in Deutschland zunächst nur mittelbar von

Bedeutung, sagte Guschall-Jaik.

Alles in allem sei die Entwicklung des

Schrottmarkts schwierig zu prognostizieren.

So sei unter anderem das politische

Umfeld derzeit von starken Unsicherheiten

geprägt. In Deutschland rechneten die Stahlproduzenten

mit einer knappen Steigerung

von rund 1 %. „Wir hoffen, dass auch der

Schrottanteil steigt“, so Guschall-Jaik. International

hat der Schrott gute Chancen,

bescheinigte die Expertin. 2

Stahlreport 3|17

31


BDS

Schwerpunkt Q+E-Tag

Abnahmeprüfzeugnis gibt keine Garantie

Kurz und knapp

z Die Mitlieferung eines Abnahmeprüfzeugnisses gewährt keine implizite Garantie.

z Über Haftungsfragen entscheidet in der Praxis oft, ob ein offener bzw. verdeckter

Mangel vorliegt.

z Für die Haftung für Aus- und Einbaukosten muss (derzeit noch) ein Verschulden

vorliegen. Händlern wird bei mangelhaft von Subunternehmern gelieferten Teilen

kein eigenes Verschulden angerechnet.

z Auch Subunternehmern wird in der derzeitigen Rechtsprechung kein Verschulden

zugerechnet.

Greift bei der Mitlieferung eines

Abnahmeprüfzeugnisses (APZ) 3.1 die Garantiehaftung?

Hinter dieser einfach klingenden

juristischen Frage kann sich im betrieblichen

Alltag ein erhebliches Risiko für Stahlhandelsunternehmen

verbergen. Welche Fallstricke

mitgelieferte APZ für Stahlhandelsunternehmen

verbergen können, hat Rechtsanwalt

Tim Lieber, Kanzlei Henseler & Partner,

anhand eines konkreten Rechtsfalls berichtet.

Worum geht es? Aufgrund von einem Lohnfertiger

eines Stahlhändlers fehlerhaft gelieferter

Produkte versucht ein Automobilzulieferer

den Händler für den entstandenen

Schaden haftbar zu machen. Der Zulieferer

argumentiert, dass der Händler aufgrund

der Mitlieferung des APZ, ausgestellt durch

den Lohnfertiger – in diesem Fall eine Härterei

–, zugleich eine Garantie über die Eigenschaften

der gelieferten Produkte gegeben hat.

Dass mit Lieferung eines APZ zugleich

eine Garantie gegeben werde, sei als Argument

zwar oft zu hören, so Tim Lieber. Allein

durch die Verpflichtung zur Lieferung eines

APZ werde tatsächlich aber keine Garantie

gegeben.

Auch die Härterei könne nicht in Garantiehaftung

genommen werden, da sie die

Eigenschaften der fraglichen Produkte nicht

garantieren könne, z.B., dass die mechanischen

Eigenschaften tatsächlich den Angaben

entsprechen.

Ein weiterer Ansatz, den Regressanspruch

gegenüber dem Händler durchzusetzen, ist

die Anzeige der Mangelhaftigkeit des gelieferten

Produkts – entweder eines offenen

oder eines versteckten Mangels. Die Anzeige

Sägetechnik in der Stahlbranche

Kurz und knapp

z Sensorgesteuerte Prozessüberwachung ermöglicht datenbasierte Echtzeit-

Korrekturen bei Sägeprozessen.

z Automatisierte Gefahrenanalyse kann Unfälle an Sägeanlagen vermeiden helfen.

z Innengekühlte Kreissägewerkzeuge könnten Kühlschmierstoffverbrauch erheblich

senken.

Am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik

und Automatisierung (IPA)

kümmert sich in Stuttgart gleich ein ganzes

Forscherteam um das Thema Sägen. Ein

Fokus des Kompetenzzentrums Sägen –

einer Kooperation zwischen Fraunhofer

IPA und dem Institut für Werkzeugtechnik

(IfW) der Universität Stuttgart – liegt

dabei auf der die Sägetechnik der Stahlbranche.

Aktuelle Forschungsprojekte

beschäftigen sich u.a. mit dem Hochleistungs-

und Hochgeschwindigkeitssägen,

Unfallprävention in der Sägetechnik, neuen

Kühl-Schmierkonzepten für Sägeprozesse,

der Bearbeitung moderner Multi-Material-

Mixe sowie Industrie-4.0-Ansätzen für die

Sägebranche.

Um den Kühl-Schmierstoff-Verbrauch

beim Kreissägen zu reduzieren, haben die

Fraunhofer-Forscher ein Kreissägeblatt mit

einer internen Schmierstoff-Zuführung

ausgestattet. Dieses Konzept des innengekühlten

Kreissägewerkzeugs ermöglicht

es, die Kühlschmierstoffmenge genau auf

die jeweilige Sägeaufgabe abzustimmen.

Der Einsatz des Systems verspreche deut-

Ausblick Automobilindustrie

Kurz und knapp

z Die deutsche Automobilindustrie hat 2016 im In- und Ausland so viele Fahrzeuge

produziert, wie noch nie.

z Ein Unsicherheitsfaktor für die Automobilindustrie ist der Brexit, das Vereinigte

Königreich ist ein Schüsselmarkt.

z Elektromobilität kommt, derzeit ist ein höherer Anteil an Elektrofahrzeugen aber

nur mit staatlicher Förderung möglich.

Für deutsche Automobilhersteller

sieht die Welt derzeit durchaus positiv aus.

Das berichtete Benjamin Krause vom Verband

der Automobilindustrie e.V. Im vergangenen

Jahr fertigten die deutschen Hersteller

im In- und Ausland über 15 Mio.

Einheiten, in der Auslandsfertigung wurde

erstmals die 10-Mio.-Einheiten-Marke überschritten.

Für 2017 rechnet der Verband mit

einem leichten Minus von 2 % in der

Inlands-Pkw-Produktion, was in Summe

allerdings wohl vom positiven Trend bei der

Auslandsproduktion wettgemacht werden

wird.

Ein belastender Faktor, dessen tatsächliche

Auswirkungen momentan aber noch

nicht wirklich beurteilt werden könnten,

ist Benjamin Krause zufolge für die deutschen

Automobilhersteller der Brexit. Das

Vereinigte Königreich ist, wie die USA, für

die Branche ein Schlüsselmarkt. Seit Juni

vergangenen Jahres sinkt der Kurs des britischen

Pfunds sowohl gegenüber dem Euro

wie dem US-Dollar – ein Risiko für den

32 Stahlreport 3|17


RA Tim Lieber, LL.M. (UK),

Henseler & Partner Rechtsanwälte

eines versteckten Mangels ist die Grundlage

eines Regressanspruchs, bei dem der Schaden

erst nach der Lieferung und dem Verbauen

des Teils entdeckt wird.

Welche Mangelart vorliegt, hängt in der

Praxis dabei oft von der Frage ab, welche Prüfungen

in welcher Zeit nach Erhalt der Ware

von dem Käufer erwartet werden können.

Dazu scheiden sich Tim Lieber zufolge die

juristischen Geister. So urteilte etwa das Oberlandesgericht

Hamm in einem Fall, dass eine

abweichende chemische Analyse einen offenen

Mangel darstelle, da eine chemische Analyse

kurzfristig zu geringen Kosten durchgeführt

werden könne.

Gängige Auffassung in der Fachliteratur

sei demgegenüber auch, dass eine Prüfbescheinigung

in aller Regel den Käufer von

seiner handelsrechtlichen Untersuchungspflicht

befreie, so Lieber.

Ein dritter Ansatz, den Händler in Regress

zu nehmen, ist, ihn für die Aus- und Einbaukosten

haftbar zu machen. Die aktuelle Gesetzeslage

sieht den Verkäufer bisher nur dann

in der Pflicht, Schadensersatz zu leisten, wenn

er die Mangelhaftigkeit verschuldet hat. Hat

der Händler es demgemäß zu verantworten,

wenn z.B. Schweißmuttern nicht die bestellte

Härte hatten?

Nein, so Tim Lieber. Zwischenhändler könnten

nicht auf breiter Front alle Erzeugnisse

prüfen, mit denen sie handeln.

Aktuelle Rechtsprechung ist, dass sich

der Stahlhändler das Verschulden der Härterei

nicht zurechnen lassen muss. Da zwischen

Stahlhändler und Automobilzulieferer

ein Kaufvertrag vorliegt – und kein Werklieferungsvertrag

–, ist die Härterei demgemäß

kein Erfüllungsgehilfe bei Verkäuferpflichten.

Der Bundesgerichtshof sei sogar noch

einen Schritt weitergegangen und habe auch

im Falle eines Werklieferungsvertrags die

Zurechnung eines Verschuldens ausgeschlossen.

Die Logik hinter dieser Argumentation sei

zwar juristisch nachvollziehbar, führe aber

dazu, dass für Fehler bei Dienstleistungen von

Dritten – etwa beim Strahlen, Vergüten, Härten,

etc. – generell keine Haftung mehr greifen

würde. Dazu bleibe die weitere Rechtsprechung

abzuwarten, unterstrich Lieber. 2

liche Einsparpotenziale, hob Dr. Christoph

Birenbaum vom Fraunhofer IPA hervor.

Zur Verringerung von Arbeitsunfällen an

Sägeanlagen haben die Wissenschaftler

das Konzept der „Mensch-Detektion“ entwickelt,

das Gefahrensituationen automatisiert

erkennen soll. Über Bewegungssensoren,

Radar- und Funksensoren werden

die Bewegungen des Maschinenbedieners

erfasst, die „Intelligenz“ des Konzepts interpretiert

die Daten und meldet Gefahrensituationen.

Bei der Anwendung von Industrie-4.0-

Ansätzen auf die Sägebranche geht es um

die Vernetzung von Werkzeug, Maschine

und Bediener, so Birenbaum. An einem

Dr. Christof Birenbaum,

Fraunhofer Institut IPA

Säge-Demonstrator – den das Institut schon

im vergangenen Jahr auf der Messe AMB

gezeigt hatte, haben die Forscher einige

Digitalisierungsansätze für Sägeprozesse

realisiert. So wird der Kreissägeprozess

auf Basis interner und externer Sensorik

in Echtzeit überwacht, über ein RFID-Tag

auf dem Sägeblatt werden Prozessdaten

gesammelt. Die Daten werden verarbeitet

und dem Maschinenbediener zur Verfügung

gestellt – Basis für automatisierte

Echtzeit-Korrekturen der Maschinensteuerung.

„Wir bemühen uns um möglichst praxisnahe

Forschung und suchen daher

immer den Informationsaustausch mit den

Anwendern“, betonte Birenbaum. 2

Absatz deutscher Pkw auf dem britischen

Markt. Möglicherweise werde das Vereinigte

Königreich als Produktionsstandort

für Automobilhersteller zudem unattraktiver,

so Krause. Typische englische Pkw-

Marken wie Bentley oder Aston Martin

dürften von Abwanderungsrisiken dabei

weniger betroffen sein.

Auch beim zweitgrößten Exportmarkt

für deutsche Automobilhersteller, dem US-

Markt, bestehen derzeit große Unsicherheiten

über die weitere Entwicklung. Risiken

birgt momentan vor allem das derzeitige

politische Klima in den USA. So droht Präsident

Trump immer wieder mit hohen Zöllen

für importierte Güter.

Eine weitere Entwicklung mit derzeit ungewissem

Ausgang ist für die Automobilindustrie

die Elektromobilität. Zwar seien

weltweit schon über 1,8 Mio. Elektro-Pkw

zugelassen, doch sind die Marktanteile

Krause zufolge noch ausbaufähig. Die deutschen

OEM sind indes in Europa mit steigendem

Erfolg bei der Elektro-Pkw-Vermarktung

dabei. Die von der deutschen

Politik angestrebte rasche und flächendeckende

Umstellung auf Elektro-Pkw sei

aber ein längerer Prozess. Am Gesamt-

Pkw-Markt liege der Elektro-Anteil derzeit

bei um die 1 %. Höhere Anteile seien nur

mit staatlicher Förderung zu erreichen,

z.B. in Norwegen. 2

Benjamin Krause, VDA

Stahlreport 3|17

33


BDS

Schwerpunkt Q+E-Tag

Standardisierte Nutzung

auf allen Endgeräten: die

Branchensoftware unitop

ERP auf Basis von Microsoft

Dynamics NAV

Foto: GOB Software

Mit unitop ERP fit für Industrie 4.0

Einfach migrieren

Als Kommunikationsplattform über alle Abteilungen hinweg soll die Branchensoftware unitop ERP

auf Basis von Microsoft Dynamics NAV zum Grundstein für eine moderne, digitale Unternehmensausrichtung

werden. Stahl-Service Center und Metallverarbeiter stärken laut Hersteller GOB

Software damit ihre Marktposition, wie der Auftritt auf dem Q+E-Tag deutlich machen sollte.

[ Kontakt ]

GOB Software & Systeme

GmbH & Co. KG

47807 Krefeld

+49 2151 349-3000

www.gob.de

Hoher Wettbewerbsdruck und

kleine Losgrößen bei bester Lieferfähigkeit

– das sind nur einige der

Herausforderungen, denen sich der

deutsche Stahlmarkt derzeit zu stellen

hat. Ein Weg, um diese Aufgaben

erfolgreich zu meistern, ist die

Umstellung von Abläufen auf Industrie-4.0-Prozesse.

Diese Digitalisierung stellt für

mittelständische Unternehmen eine

große Chance dar, ihre Marktposition

zu stärken und wettbewerbsfähiger

zu werden, ist sich das Softwarehaus

GOB Software & Systeme

GmbH & Co. KG sicher. Grundprinzip

der Digitalisierung ist: Einfachere

Prozesse und stärker automatisierte

Abläufe erfordern weniger

manuelle Eingriffe und ziehen dementsprechend

weniger Aufwand nach

sich.

Keine Schnittstellen verfügbar

Doch oft scheint die Theorie von der

Praxis noch recht weit entfernt zu

sein. Der Großteil der heute eingesetzten

Maschinen und Anlagen bei

mittelständischen Metallverarbeitern

etwa verfüge nicht oder nur teil-

weise über die notwendigen Schnittstellen,

um Daten an andere Softwaresysteme

übergeben zu können.

Um Industrie 4.0 praktisch

anwenden zu können, müssen Daten

jedoch digital durchgängig verfügbar

sein. Oft würden die Prozesse heute

aber immer noch über Papierbelege

angestoßen. In die Jahre gekommene

ERP-Systeme verfügten zudem oftmals

nicht über die notwendige Kompatibilität,

um beispielsweise neue

Maschinen, Webshops oder auch

mobile Endgeräte wie Scanner, Tablets

oder Smartphones anzubinden.

Und die Integration von Geschäftspartnern

oder Endkunden über webbasierte

Schnittstellen ist in vielen

Unternehmen GOB zufolge eher ein

Wunschzustand als gelebter Alltag.

EDI-Konverter integriert

Abhilfe für Stahl-Service Center und

Metallverarbeiter soll die Branchensoftware

unitop ERP auf Basis von

Microsoft Dynamics NAV schaffen.

Neben der standardisierten Nutzung

auf allen Endgeräten (wie PC,

Smartphones, Tablets, Handscanner

etc.) bietet unitop auch standardisierte

Schnittstellen zu Webshops

und einen integrierten Konverter für

den elektronischen Datenaustausch

(Electronic Data Interchange – EDI).

Mit den Business-Intelligence

(BI)-Tools der Software ließen sich

wichtige Kennzahlen in Produktion

oder Lager, wie Stillstandszeiten,

Ausschüsse, Lagerbestände etc., visuell

zur Verfügung stellen. So könnten

Überschreitungen von Grenzwerten

automatisch erkannt werden

– Basis für frühzeitiges Eingreifen

in die Prozesskette.

Trotz der vielen Vorteile von

modernen ERP-Systemen scheuten

viele Unternehmen allerdings die

Ablösung der bisher eingesetzten

Lösung durch zeitgemäße Software.

Waren früher die Datenübernahme

und Ersteinrichtung des ERP-Systems

mit viel Aufwand verbunden,

so sei heute dank der unitop-Werkzeuge

allerdings ein komfortabler

Import von Altdaten über Excel-

Tabellen ermöglicht. Die Stammdaten

könnten zudem mit Branchentemplates

vorbelegt werden, sodass

sich der manuelle Pflegeaufwand

auf ein Minimum reduziere. 2

34 Stahlreport 3|17


Mapudo: Vier Faktoren für den Vertrieb

Stahl erfolgreich online verkaufen

Die Digitalisierung schreitet auch in der stahlverarbeitenden Industrie voran. Viele

Unternehmen nutzen E-Procurement-Lösungen in der Beschaffung. Auch im Stahlhandel

beschäftigen sich deshalb mittlerweile zahlreiche Anbieter damit, ihren Kunden die Online-

Beschaffung zu ermöglichen. Um dabei erfolgreich zu sein, hat Mapudo als Hilfestellung

vier Erfolgsfaktoren für den Onlinevertrieb von Stahl identifiziert und zum Q+E-Tag vorgestellt.

Für Stahlverarbeiter stehen bei

dem Einsatz von e-Procurement-Lösungen

die Konzentration des Einkaufsvolumens

auf zuverlässige (Online-)Lieferanten,

die Vereinfachung von

Beschaffungsvorgängen für Bedarfsträger

sowie die nachhaltige Senkung

von Prozesskosten im Vordergrund.

Stahlhändler stellt der Trend zum

Online-Vertrieb oft jedoch vor technische

wie inhaltliche Herausforderungen.

Um Stahlhändler dabei zu unterstützen,

diese Transformationsphase

erfolgreich zu meistern, stellt die

Mapudo GmbH, die mit Sitz in Düsseldorf

einen Online-Marktplatz für Stahl

betreibt, vier Erfolgsfaktoren heraus:

Datenqualität

Die Qualität der Produktdaten und

deren Aufbereitung sind entscheidend

für ihre korrekte Einbindung in einen

Online-Shop, stellt Mapudo fest. Denn

Stahl ist ein mehrdimensionales Produkt:

Längen, Breiten, Werkstoffnummern,

EN-Güten usw. – all diese Produktdaten

müssen in einem Online-

Shop leicht auffindbar sein, um Stahleinkäufern

möglichst viele relevante

Informationen zu liefern und ihnen

ihre Kaufentscheidung zu vereinfachen.

Einer Umfrage der Universität

Regensburg zum „Online-Kaufverhalten

im B2B-E-Commerce“ zufolge, verkaufen

23 % der Befragten aufgrund

fehlender bzw. ungeeigneter Daten ihre

Produkte nicht online. Dazu empfiehlt

Mapudo, die relevanten Produktdaten

über Normenverzeichnisse oder Inhalte

bestehender Plattformen zu ergänzen.

Schnittstellen

Schnittstellen dienen einer problemlosen

Weitergabe relevanter Informationen

an Käufer, bspw. bei der Zahlungsabwicklung.

Dafür gebe es mittlerweile

Komplettlösungen auf dem Markt (als

Beispiel nennt der Online-Marktplatz

den Anbieter Klarna für Zahlungsabwicklungen).

Die schwierige und komplexe technische

Implementierung, z.B. von

Schnittstellen, geben 54 % der Befragten

der Studie als Grund dafür an, online

(noch) nicht zu verkaufen.

Traffic

Wer online gefunden werden will, muss

Traffic erzeugen. Das bedeute für Stahlhändler,

dass man potenzielle Käufer

dazu bringen müsse, die eigene Internetseite

aufzurufen.

Hierfür eignet sich Mapudo zufolge

die sogenannte „Multichannel-Strategie“,

also die Erzeugung von Aufmerksamkeit

über viele verschiedene Kanäle.

Dazu gehören bspw. Suchmaschinen,

E-Mail-Marketing, PR-Berichte oder

Anzeigenschaltung (online und offline).

Je mehr potenzielle Stahleinkäufer eine

Internetseite besuchen, desto höher sei

auch die Wahrscheinlichkeit eines Kaufabschlusses.

Kundenbindung

Die Bindung des Kunden an ein

Online-Angebot hängt Mapudo zufolge

von vielen unterschiedlichen Faktoren

ab. Die Kundenzufriedenheit ist

für Mapudo dabei von besonderer

Bedeutung. Sie entstehe u.a. dann,

wenn Käufern ein Mehrwert geboten

werde, der größer als bei anderen

Anbietern ist. Das könne ein schnelles,

unkompliziertes Einkaufserlebnis

sein, eine Internetseite mit ansprechendem

Design, ein günstiger Preis

oder Zusatzfunktionen wie Bestellhistorien

und Merkzettel. Je zufriedener

ein Kunde ist, umso wahrscheinlicher

sei es auch, dass aus

einer Online-Transaktion eine langfristige

Kundenbeziehung entsteht.

Fazit: Unabhängige Plattform

Um eine Online-Lösung erfolgreich

umzusetzen und die genannten

Erfolgsfaktoren bestmöglich zu erfüllen,

bedarf es in der Regel einer nicht

unerheblichen Investition von Zeit

und Geld. Viele mittelständische

Stahlhändler scheuten dies oder hätten

aufgrund ihrer Größe keine ausreichenden

Kapazitäten für die

Umsetzung, so Mapudo. Sinnvoll und

günstiger könne in diesem Fall die

Anbindung an händlerunabhängige

Plattformen sein, da diese die Erfüllung

der Erfolgsfaktoren für Online-

Shops (Datenaufbereitung, Schnittstellen,

Traffic, Kundenbindung) für

eine Vielzahl von Händlern bereits

umgesetzt haben und somit ein besseres

Kosten-Nutzen-Verhältnis bieten

können als ein individueller

Online-Shop. 2

[ Kontakt ]

Mapudo GmbH

40233 Düsseldorf

Tel.: +49 211 1760 7160

www.mapudo.com

Stahlreport 3|17

35


BDS

Q+E-Tag/Recht

GWS-Branchenlösungen erhalten erneut Microsoft-Goldstatus

IT-Kompetenz ausgezeichnet

Die Münsteraner Unternehmensgruppe GWS, einer der führenden

Anbieter von ERP-Lösungen für den Handel in Deutschland,

hat erneut ihre IT-Kompetenz unter Beweis gestellt. Nach eingehender

und intensiver Prüfung verlieh die Microsoft Corporation dem

Unternehmen für seine Leistungen in den Segmenten „Enterprise

Resource Planing“ für „gevis ERP|NAV“ und „gevis ERP|AX“, „Windows

and Devices“ sowie „Data Analytics für bi1“ jeweils den Goldstatus.

Die Auszeichnung bekam die GWS-Unternehmensgruppe darüber

hinaus für ihre Expertisen im Bereich „Small and Midmarket Cloud

Solutions". Der Goldstatus stellt die höchste Bewertung dar, die ein

Unternehmen innerhalb des Partnerprogramms von Microsoft erreichen

kann.

Die Kompetenzen, die jährlich neu von Microsoft geprüft, bewertet

und ausgezeichnet werden, basieren auf dem Nachweis von Kundenreferenzen

sowie der Entwicklung und Nutzung getesteter und zertifizierter

Microsoft-basierter Software. Eine große Rolle spielen

zudem die Zahl der Mitarbeiter, die erfolgreich die Prüfung zum

Microsoft Certified Professional bestanden haben.

Unternehmen, die von Microsoft ausgezeichnet werden, belegen mit

den Zertifizierungen somit nicht nur ihr fundiertes Technologie- und

IT-Wissen, sondern zeigen auch, dass sie besonderes Know-how in

der Beratung und Betreuung von Unternehmen aller Branchen und

Größen vorweisen können.

Georg Mersmann, einer der beiden Geschäftsführer der GWS Gesellschaft

für Warenwirtschafts-Systeme mbH, verantwortlich für die

Bereiche Produkte und Entwicklung, freute sich über die neuerliche

positive Bewertung: „Dass sich die GWS jährlich den Anforderungen

und damit verbundenen Zertifizierungen unterzieht, unterstreicht

unseren Anspruch, stets den größten Nutzen und nachhaltige Innnovationen

für unsere Kunden zu liefern. Neben hochentwickelten Produkten

tragen unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit ihrer großen

Fachkompetenz und ihrem hohen Engagement entscheidend

zum Unternehmenserfolg vor Ort bei.“

[ Kontakt ]

GWS Gesellschaft für Warenwirtschafts-Systeme mbH

48155 Münster

Tel. +49 251 7000-02

www.gws.ms

Interview mit Rechtsanwältin Dr. Almut Riemann

Compliance ist existenziell

Die Sensibilisierung zu Compliancefragen hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen.

Rechtlich einwandfreies Verhalten im Geschäftsleben ist eine Grundvoraussetzung für den

nachhaltigen Erfolg einer Unternehmung, und auch für Verbände ist Compliance von großer

Bedeutung. Warum Compliance wichtig ist und welche Themen weiterhin besprochen werden

dürfen, erläutert RA Dr. Almut Riemann von der Kanzlei Henseler & Partner.

In der Praxis kommt es darauf

an, sich der Grenze, ab der das gute

Miteinander zu einer kartellrecht-

lich kritischen Situation wird,

bewusst zu sein. Ab welchem

Umfang sind z.B. Einladungen oder

Zuwendungen kritisch anzusehen?

Auch in der Verbandsarbeit sind

Compliancefragen von großer Bedeu-

36 Stahlreport 3|17


tung. Welche Themen können z.B. bei

verbandlichen Treffen bedenkenlos

behandelt werden und welche sind

von vornherein auszuklammern?

Um für diese Themen zu sensibilisieren,

lädt der BDS seine Mitglieder

in Kooperation mit der Kanzlei

& Henseler & Partner im Mai 2017

zu kostenlosen Schulungen ein. Referentin

der Compliance-Veranstaltungen

ist Rechtsanwältin Dr. Almut

Riemann.

Stahlreport: Frau Dr. Riemann,

warum ist Compliance für Unternehmen

und Verbände überhaupt wichtig?

Dr. Almut Riemann: Der Begriff

Compliance steht im Kern für die

Verpflichtung von Unternehmen

oder anderen Organisationen, geltende

Gesetze und Regeln zu befolgen.

Bei Zuwiderhandlung haften

sowohl Unternehmen als auch Verbände

und auch die handelnden Personen.

Neben einem möglichen

Imageschaden bei Verband und

Unternehmen können empfindliche

Strafen drohen. Insofern ist Compliance

schon aus Eigeninteresse existenziell.

Unternehmen und Verbände

schützen mit gelebter Compliance

auch ihre Mitarbeiter vor strafrechtlicher

und zivilrechtliche Verfolgung.

Warum ist Compliance für Verbände

ein wichtiges Thema?

Ein wichtiger Zweck von Verbänden

ist der Austausch ihrer Mitgliedsunternehmen

untereinander. Verbände

ermöglichen ihren Mitgliedern die

Diskussion gemeinsamer Themen.

Dieser Austausch ist zunächst mal

generell begrüßenswert, und er zeichnet

erfolgreiche Verbandsarbeit in

der Praxis aus. Dieser Austausch

kann aus kartellrechtlicher Perspektive

aber auch zu sensiblen Situationen

führen. Daher ist es für Verbände

wichtig, die Form und die Regeln dieses

Austauschs offen und transparent

zu artikulieren, etwa bei verbandlichen

Treffen. Der BDS legt z.B.

höchsten Wert darauf, dass das Kartellrecht

bei jeder Verbandsaktivität

ausnahmslos beachtet wird. Dass die

Regeln ohne Wenn und Aber gelten,

ist die Basis für eine erfolgreiche und

akzeptierte Verbandsarbeit. Daher

führen wir in diesem Jahr im Mai

auch mehrere kostenlose Compliance-

Schulungen für BDS-Mitglieder

durch. Dort wird nochmal sensibilisiert,

wo z.B. Grenzen des Informationsaustauschs

liegen, was gemeinsam

besprochen werden darf und

was nicht.

Welche Grenzen sind das?

Das Kartellrecht verbietet alle Vereinbarungen,

Beschlüsse und abgestimmte

Verhaltensweisen, die den

Wettbewerb irgendwie einschränken,

verfälschen oder verhindern –

also auch Absprachen oder Vereinbarungen

zwischen Unternehmen.

Das umfasst auch mündliche Absprachen

und den Austausch marktsensibler

Informationen. Das bedeutet,

dass z.B. Gespräche über Kosten und

Kapazitäten, den Auftragseingang,

Preise, Zahlungskonditionen, Quoten

oder Mengen usw. verboten sind.

Generell gilt: Alle sensiblen

Unternehmensdaten, die Wettbewerbern

Rückschlüsse auf das eigene

Marktverhalten ermöglichen, dürfen

nicht besprochen werden – es

sei denn, sie sind ohnehin öffentlich

bekannt.

Dr. Almut Riemann

Was kann gemeinsam besprochen

werden?

Im Grunde alles, was Wettbewerbern

keine Rückschlüsse auf das

eigene Marktverhalten gibt: politische

Fragen, allgemeine Rechts- oder

Steuerfragen, die im Stahlhandel

relevant sind, allgemeine wirtschaftliche

Themen wie die Konjunkturentwicklung,

oder auch Einschätzungen

zu Produkt- und Technologieentwicklungen.

Kartellrechtliche Einschränkungen

betreffen auch die Beschaffung und

Bereitstellung von Informationen

durch Verbände. Was ist da erlaubt

– und was nicht?

Es dürfen keine Marktinformationsverfahren

oder Marktstatistiken

geführt und bereitgestellt werden,

die es erlauben, z.B. konkrete Preise,

einzelne Geschäftsabschlüsse oder

Mengen einzelner Unternehmen zu

ermitteln. Sensible Preisinformationen,

die der Verband möglicherweise

erfährt, dürfen nicht weitergegeben

werden, weder an andere Mitgliedsunternehmen

noch an die Öffentlichkeit.

Auch Kalkulationsschemata,

mit denen es möglich wäre, Wettbewerbskonditionen

zu vereinheitlichen,

dürfen nicht erstellt werden.

Der BDS sollte auch seine Mitgliedsunternehmen

nicht dazu aufrufen,

z.B. einheitliche Geschäftsbedingungen

anzuwenden oder bestimmte

Unternehmen zu boykottieren.

Frau Dr. Riemann, vielen Dank für

das Gespräch.

BDS-Compliance-Schulungen

03.05. 2017 14:00 Uhr – ca. 16:00 Uhr Hannover

23.05.2017 14:00 Uhr – ca. 16:00 Uhr Duisburg

31.05 2017 14:00 Uhr – ca. 16:00 Uhr Merklingen

Die Schulungen werden exklusiv BDS-Mitgliedsunternehmen

angeboten; die Teilnahme ist kostenlos.

Foto: Henseler&Partner

Stahlreport 3|17

37


BDS

Berufsbildung

Neuer Jahrgang im BDS-Fernstudium

Veränderter Ansatz

Der BDS und seine verbandlichen Partner haben Informations- bzw. Anmeldeunterlagen

für den neuen Jahrgang des Fernstudiums zum „Betriebswirt Stahlhandel/Metallhandel“

veröffentlicht. Diese dreijährige berufsbegleitende Weiterbildung startet am 1.7.17 und

wird erstmals mit einem veränderten, einem digitalisierten Ansatz angeboten.

Der neue Flyer (vgl. Beilage)

informiert insbesondere über die

Inhalte sowie den Ablauf des Fernstudiums

und geht auch auf die

zunehmende Digitalisierung in diesem

Kooperationsprojekt ein. Es hat

das Ziel, branchennahe die Teilnehmer

aus dem Werkstoffhandel

Betriebswirtinnen und Betriebswirte

zu qualifizieren.

Inhalte

Das Fernstudium greift technische,

wirtschaftliche und methodische

Themen auf, die in den beteiligten

Branchen wichtig sind: insbesondere

Material- und Produktkunde,

kaufmännisches Wissen und Knowhow

für Führungsaufgaben sowie

Fertigkeiten der Selbst- und Sozialkompetenz.

Ziel ist es dabei, entsprechende

Kompetenzen zu erwerben, damit

die so Ausgebildeten sich die erforderlichen

Qualifikationen mittel- und

langfristig auch selber aneignen können.

Dahinter steckt die Erkenntnis

der beteiligten Verbände des Werkstoffhandels,

dass die konkrete

Zukunft dieser Branchen langfristig

gar nicht genau absehbar ist.

Ablauf

Die Vermittlung der entsprechenden

Informationen erfolgt über rund

60 Studienmodule. Deren Bearbeitung

wird in vier mehrtägigen Seminaren

vorbereitet und endet mit einzureichenden

Aufgabenlösungen.

Sie sind ebenso Teil der studienbegleitenden

Tests, wie auch zwei

Zwischenprüfungen bzw. eine

Abschlussprüfung sowie die Verpflichtung,

eine Studienarbeit zu

einem Thema möglichst aus dem

eigenen Unternehmen zu verfassen.

Zur Vorbereitung auf die Prüfungen

wird erstmals auch wieder ein entsprechendes

Training angeboten.

Die nachzuweisenden Kenntnisse

um die genannten Inhalte und

auch die entsprechenden Fertigkeiten

sind handlungsorientiert aufgestellt.

Ziel ist es, sie für das Tagesgeschäft

in den Unternehmen und

darüber hinaus zu qualifizieren. Deshalb

orientiert sich das Fernstudium

am Deutschen Qualifikationsrahmens

(DQR), der alle schulischen,

akademischen und beruflichen

Abschlüsse in einem achtteiligen

System zusammenfassen und damit

vergleichbar (nicht aber gleich)

machen soll. (vgl. nachfolgende Analyse,

S. 40)

Digitalisierung

Von der zunehmenden Digitalisierung

in Wirtschaft und Gesellschaft

ist die Berufsbildung gleich doppelt

betroffen. Zum einen ändern sich

die zu vermittelnden Inhalte – etwa

bezüglich neuer Geschäftsmodelle

im Werkstoffhandel. Zum anderen

bietet die Digitalisierung aber auch

neue und effektivere Lernformen

an – etwa die der beruflichen Handlungskompetenz.

Das beginnt mit

dem Einstellen der Informationsmodule

in die Lernplattform OPAL, setzt

sich mit deren Aufbereitung zur

38 Stahlreport 3|17


Fernstudium Betriebswirt Stahlhandel (BDS)

Betriebswirt Metallhandel (WGM)

Betriebswirt Metallhandel (VDM)

Eine Betriebswirtin/ein Betriebswirt BDS/VDM/WGM verfügt über

- in Prüfungen nachzuweisende Kompetenzen

- zur Lösung von neuen und komplexen Aufgaben,

- zur eigenverantwortlichen Steuerung von Prozessen sowie

- zum Umgang mit häufigen und unvorhersehbaren Veränderungen

- in einem strategieorientierten beruflichen Tätigkeitsfeld.

Dieses Profil

beschreibt die

Herausforderungen

an die branchennah

weitergebildeten

künftigen Betriebswirtinnen

und

Betriebswirte.

Bearbeitung am Bildschirm fort und

endet noch längst nicht mit der Einrichtung

von virtuellen Klassenzimmern,

die klassische Seminare sinnvoll

ergänzen können. (vgl. den übernächsten

Bericht, S. 41)

In diesen Prozess sind die am

Fernstudium beteiligten Verbände

inzwischen eingestiegen und haben

Anfang des Jahres bei der für die

Zulassung zuständigen Staatlichen

Zentralstelle für Fernunterricht

(ZFU) einen entsprechenden Änderungsantrag

gestellt. Dessen Kern

ist eine abgeschlossene Lehrgangsplanung,

die Inhalte und Didaktik

des Fernstudiums miteinander in

Einklang bringen muss. Diese

Herausforderung versteht der nach

DIN EN ISO 9001:2008 zertifizierte

BDS als einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess

und hat entsprechend

qualitätssichernde Gremien

installiert.

Kooperation

Diese Gremien sind kooperativ

besetzt – aus den drei am BDS-Fernstudium

beteiligten Verbänden:

z Der Düsseldorfer Bundesverband

Deutscher Stahlhandel (BDS) bietet

das Fernstudium seit inzwischen

mehr als zwei Jahrzehnten

an, ab 2010 mit dem

Abschluss „Betriebswirt Stahlhandel

(BDS)“.

z Der Wirtschaftsverband Großhandel

Metallhalbzeug ist derzeit im

vierten Jahrgang an dem Projekt

beteiligt. Sein Abschlusstitel lautet

„Betriebswirt Metallhandel

(WGM)“.

z Jüngstes Mitglied in dem Kooperationstrio

ist der ebenfalls in Berlin

ansässige Verband Deutscher

Metallhändler, der ab dem Sommer

zum zweiten Mal den Titel

„Betriebswirt Metallhandel (VDM)“

anbietet.

Bei ihrer Zusammenarbeit sind die

drei Verbände davon ausgegangen,

dass sie gleichlautende wirtschaftliche

und methodische Themenherausforderungen

haben und sich

wesentlich nur zu technischen (Material-)Fragen

unterscheiden. So sind

innerhalb eines Fernstudiums drei

Abschlussvarianten entstanden und

in der Vergangenheit von der ZFU

genehmigt worden.

Auf der Basis dieser Genehmigung

dürfen BDS, VDM und WGM

auch jetzt schon für das reformierte

Fernstudium ab Juni 2017 werben

und Interessenten registrieren,

obwohl erst in der Osterzeit mit einer

Entscheidung über den neuen

Antrag zu rechnen ist. Hintergrund

für dieses Entgegenkommen der ZFU

ist, dass sich auch nach der Reform

an den Inhalten sowie am Ziel des

Fernstudiums in den Grundzügen

nichts ändert und die Veranstalter

auch in der Vergangenheit alle Zulassungsauflagen

erfüllt haben.

Ziel

Im Sinne der angesprochenen Festlegungen

aus dem DQR (Stufe 7) verfügt

eine Betriebswirtin/ein Betriebswirt

BDS/ VDM/WGM über

z in outputorientierten Prüfungen

nachzuweisende Kompetenzen zur

z Lösung von neuen und komplexen

Aufgaben, zur

z eigenverantwortlichen Steuerung

von Prozessen sowie zum

z Umgang mit häufigen und unvorhersehbaren

Veränderungen

z in einem strategieorientierten

beruflichen Tätigkeitsfeld.

So lassen sich in der Tat die Herausforderungen

im Stahl- und Metallhandel

derzeit allgemeingültig

beschreiben, meinen die an der

Kooperation beteiligten Verbände.2

Sie bringen Motivation mit?

Wir liefern das Know-how!

Machen Sie berufliche Karriere

durch ein berufsbegleitendes Fernstudium

fern-studium

Mit diesem neuen

Flyer werben BDS,

VDM und WGM

gemeinsam für das

zunehmend digitalisierte

Fernstudium.

Stahlreport 3|17

39


BDS

Berufsbildung

Was der DQR tatsächlich leisten kann

Vergleichbar ist nicht gleich

Sofern der DQR überhaupt schon in der deutschen Berufsbildungslandschaft angekommen ist,

gilt er dort als willkommenes Werkzeug für zu Höherem Berufene. Deshalb ist es wichtig, in

diesem Zusammenhang die dem Qualifikationsrahmen eigene Botschaft von Vergleichbarem

und Gleichem genau zu analysieren. Dabei stößt man schnell auf entscheidende Inhalte, meint

nachfolgend Dr. Ludger Wolfgart, Bereichsleiter Berufsbildung beim BDS.

Seit seiner Einführung in

das deutsche Bildungssystem wird

über den Deutschen Qualifikationsrahmen

(DQR) und sein europäisches

Pendent (EQR) ausgesagt,

dass er mit seinen unterschiedlichen

Stufen die eingeordneten

Abschlüsse vergleichbar macht,

aber nicht gleich. Das gilt auch im

Bereich des Bundesverbandes

Deutscher Stahlhandel (BDS), der

sich in seiner Bildungsarbeit inzwischen

seit fast zehn Jahren entsprechend

ausrichtet.

Vergleichbar ist nicht gleich:

Das wird zum DQR unmittelbar

einsichtig, wenn man sich den

Inhalten einerseits und den

Niveaus andererseits zuwendet:

z Eine Berufsausbildung für Kaufleute

im Groß- und Außenhandel

etwa vermittelt in weiten Teilen

ganz andere Inhalte als z.B. eine

Lehre für Industriekaufleute. Und

ein zukünftiger Meister im Elek-

trohandwerk hat sich mit anderen

Dingen zu beschäftigen als

ein angehender Bachelor in der

Umwelttechnik.

z Trotzdem ist den Abschlüssen

dieser beiden Beispiele gemeinsam,

dass sie jeweils auf der Basis

von allgemeinen Lernzielen sowie

der Überprüfung ihres Erreichens

ein- und demselben DQR-Niveau

zugeordnet sind. Die Stufe 4 ist

es im ersten Fall, im zweiten

Zusammenhang geht es um die

Stufe 6.

Diese Erkenntnisse gelten, obwohl

sich im ersten Fall beide Beispiele

auf die berufsbildende Säule des

DQR beziehen, während es im zweiten

Fall in Sachen Bachelor-Student

um den akademischen Teil

dieses Systems geht. Die Niveaus,

auf denen gelernt wird, sind vergleichbar.

Die Lerninhalte, mit

denen man sich auseinander zu

setzen hat, sind dagegen in den

meisten Fällen nicht gleich.

Die Kombination von Lerninhalten

und -niveaus im Deutschen

Qualifikationsrahmen sind aber

trotzdem für alle wichtig, die etwa

von beruflichen in akademische

Qualifikationen wechseln möchten

– auch das aus zwei Gründen:

z Erstens gibt es durchaus Bereiche

mit vielen inhaltlichen Berührungen.

Das merkt beispielsweise in

Sachen Materialkunde ein ausgebildeter

Maurer, der sich zu

einem Studium des Bauingenieurwesens

entschließt.

z Und er merkt zweitens, dass ihm

die in der Berufsausbildung

erworbenen Lernkompetenzen im

Studium sehr viel nutzen können.

Deshalb ist es gut, dass sich

der DQR eben nicht nur auf Fachkompetenz

aus Wissen und Fertigkeiten

bezieht, sondern auch

auf die personale Kompetenz. 2

40 Stahlreport 3|17


Fernlernakteure analysieren die platzende Technikblase in der Bildung

Digitalisierung braucht neue

pädagogisch-didaktische Konzepte

Die aktuelle Digitalisierungsblase in der (Berufs-)Bildung platzt – gibt nun aber endlich den Blick

frei auf die wirklich weiterführenden Kerne dieses Prozesses. Das hat unter Beteiligung des BDS die

jüngste Sitzung des Arbeitskreises Pädagogik im FDL im Dezember in Köln deutlich gemacht. Drei

maßgebliche Schlussfolgerungen diskutierten die Fernlernakteure in diesem Kreis: das Kind nicht

mit dem berühmten Bade ausschütten, mit den entsprechenden Konzepten schrittweise vorgehen

und sich nicht von der Technik treiben lassen.

Digitalisierung ist kein Diktat, Elektronisierung nicht

das Evangelium und Mobilität kein Muss. So lässt sich die

Bildungsernüchterung beschreiben, der Lehrende und Lernende

gegenwärtig ausgesetzt sind. Sie hatten kurzfristig

auf den vollständigen Ersatz klassischen Lernens anhand

gedruckter Unterlagen und in Präsenzphasen durch digitale

Medien mit elektronischen Lernhäppchen vor allem auch

in mobilen Umgebungen gesetzt – und festgestellt, dass Bildung

anhand von Bits und Bytes beispielsweise in der Bahn

mittels Smartphone auf dem Weg zur Arbeit den gewünschten

Kompetenzerwerb auch nicht garantieren kann.

Vor allem zwei Gründe sind es, die es ratsam erscheinen

lassen, jetzt nicht einfach wieder eine Kehrtwende zu

vollzielen. Andreas Strack aus dem Vorstand von Forum DistancE-Learning

(FDL) führte diese Argumente als sehr differenziert

zu betrachtende Forschungsergebnisse in seinem

Impulsreferat zur genannten Arbeitskreissitzung aus:

Mehr Motivation und bessere Ergebnisse …

Eine höhere Motivation der Lernenden in digitalen Bildungswelten

sowie entsprechend bessere Lernergebnisse.

… nicht auf Dauer und keineswegs immer

Erstere ist leider nicht auf Dauer angelegt, Letztere sind

zudem bedauerlicherweise nicht durchgängig nachgewiesen.

Mit anderen Worten: Ohne ein pädagogisch-didaktisches

Konzept zur Begleitung der Digitalisierung und zur kontinuierlichen

Sicherung der Vorteile geht es nicht.

Dazu wurden insbesondere zwei Ansätze besprochen,

die auch der Bundesverband Deutscher Stahlhandel (BDS)

bei der jüngsten Reform seines Fernstudiums berücksichtigt:

z Die technischen Möglichkeiten der Digitalisierung beginnen

mit dem „Klassiker“, nämlich der Umwandlung von

Printmedien in sogenannte Lese-PDF. Solche Dateien

gelten als Anreicherung traditioneller Kurse – mit der

Möglichkeit einer späteren Integration und einem finalen

Online-Lernen. In der ersten Phase bringen sie aber

nicht nur den angesprochenen Motivationseffekt. Sie

bieten den Teilnehmern beispielsweise auch die Möglichkeit

einer flexibleren Lernorganisation, die Nutzung

begleitender Videos oder animierter Power-Point-Präsentationen,

diverse inhaltliche Suchfunktionen sowie

wirtschaftliche Vorteile.

z Die Prozessorientierung solcher Ansätze unterstrich

Andreas Strack mit einem Zitat von der Plattform e-teaching.org:

„Der Entschluss, die eigene Lehre mit neuen

Medien anzureichern oder gar vollständig zu virtualisieren,

gleicht dem Öffnen der Büchse der Pandora.“

Auch diese Erkenntnis führte in den Diskussionen des

Arbeitskreises zu der Schlussfolgerung, ggf. besser

schrittweise vorzugehen und als Konzept für diese Arbeit

deren Ergebnisse prozessbegleitend einem Kontinuierlichen

Verbesserungsprozess im Sinne eines modernen

Qualitätsmanagements zu unterwerfen.

Weitere Themen der jüngsten Sitzung im Pädagogischen

Arbeitskreis, in dem der BDS regelmäßig mitarbeitet,

waren u.a. Handreichungen für Tutoren, die Fernlernende

begleiten, sowie die FDL-Handreichung zum Deutschen

Qualifikationsrahmen. Das nächste Treffen dieses Gremiums

findet am 28.3.17 in Würzburg statt. 2

Stahlreport 3|17

41


BDS

Berufsbildung

Ort der diesjährigen KWB-Tagung der

kaufmännischen Ausbildungsleiter:

die Firmenzentrale der KASTO

Maschinenbau GmbH.

Foto: Kasto

Tagung der Kaufmännischen Ausbildungsleiter

Vernetzung bietet spannendes Thema

Spannend zu werden – das verspricht das Programm der diesjährigen KWB-Tagung der

Kaufmännischen Ausbildungsleiter, die unter maßgeblicher Beteiligung des BDS am 26./27.4.17

im mittelbadischen Achern stattfindet. „Berufliche Karrieren in Zeiten der Digitalisierung –

Lernen in vernetzten Arbeitswelten“, so lautet das Motto der Konferenz, bei der sich ein

etablierter Bildungsbereich mit zum Teil ganz neuen Lernmöglichkeiten auseinandersetzt.

Dabei ist die Berufsbildung

vom Megatrend der Digitalisierung

gleich doppelt betroffen. Durch die

zunehmende Vernetzung verändern

sich zum einen immer mehr Lerninhalte,

durch die Technik aber auch

die Lernformen.

Deshalb ist es mehr als passend,

dass die zweitägige Veranstaltung

im Hause der KASTO Maschinenbau

GmbH & Co. KG stattfindet und damit

in einem Unternehmen, für das

„Industrie 4.0“ als Ausgangspunkt

der Digitalisierung seit langem zum

unternehmerischen und auch zum

ausbildenden Alltag gehört. Zudem

hat Baden-Württemberg, in dem

Achern liegt, an den beruflichen

Schulen den Aufbau von „Lernfabriken

4.0“ initiiert, deren Ziel es ist,

dass das abstrakte Konzept der vierten

industriellen Revolution für Nachwuchskräfte

und Beschäftigte besser

fassbar wird. Folgerichtig gehören

zur Tagung eine Betriebsbesichtigung

zur Produktion von Lager- und

Sägetechnik ebenso wie ein Workshop

zu den Lernfabriken.

Den Rahmen für diese Programmpunkte

haben das Kuratorium

der Deutschen Wirtschaft für

Berufsbildung (KWB) und der Bundesverband

Deutscher Stahlhandel

(BDS) gemeinsam gesetzt, indem sie

für den Eröffnungs- und Abschlussvortrag

einen Wissenschaftler bzw.

einen Praktiker gebeten haben.

z Zu Beginn referiert Dr. Georg Wittmann

(Research Director der ibi

research an der Universität Regensburg

GmbH) großhandelsbezogen

über das „Online-Kaufverhalten im

B2B-E-Commerce“, und den

z Schlusspunkt setzt Tim Milde

(Geschäftsführer kloeckner.i

GmbH) mit seinen Ausführungen

über „Die disruptive Entwicklung

von Geschäftsmodellen für den

Stahlhandel und ihre Auswirkungen

auf die Berufsbildung – der

Weg des Handelshauses Klöckner“.

Zwischen diesen Eckpunkten des

Treffens stehen insgesamt fünf Workshops

auf dem Programm und ein

„Markt der Möglichkeiten“, auf dem

unterschiedliche Anbieter ihre Produkte

und Dienstleistungen für die

Berufsbildung insbesondere des

Großhandels präsentieren bzw. in

Kurzvorträgen vorstellen. Zu den

Workshops gehört beispielsweise

auch das Angebot, praktische Perspektiven

für bereits Ausgebildete

kennenzulernen, wenn Vertreter der

SAP SE und der BDS AG aufzeigen,

welche betrieblichen bzw. verbandlichen

Weiterbildungsmöglichkeiten

es in diesen digitalen Zeiten gibt.

Die drei weiteren Workshopthemen

betreffen die Gewinnung von Auszubildenden,

die Neuordnung von Ausbildungsberufen

und das Potenzial

junger Mitarbeiter mit Migrationshintergrund.

Weitere Partner der diesjährigen

KWB-Tagung sind – außer dem

BDS – die IHK Südlicher Oberrhein

sowie die Schwarzwald-Eisenhandel

GmbH & Co. KG. Passend zum Veranstaltungsort

gibt es für die rund

100 erwarteten Teilnehmerinnen

und Teilnehmer zwischen den beiden

Veranstaltungstagen einen

„Badischen Abend“. 2

[ Info ]

Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeiten

zu der Tagung der kaufmännischen

Ausbildungsleiterinnen und -leiter

gibt es im Internet unter www.kwbberufsbildung.de/aktuelles/veranstaltungen

oder beim BDS: wynands-

BDS@stahlhandel.com

42 Stahlreport 3|17


Qualitätsoffensive

Bundesweiter Fernstudientag

Einmal im Jahr initiiert das Forum DistancE-Learning

den Bundesweiten Fernstudientag.

Auch der BDS nimmt diesen 10.

März 2017 zum Anlass, offensiv in diese Bildungsform

zu investieren: Die Verantwortlichen

intensivieren ihre Qualitätsabsprachen

für das reformierte Angebot ab 1.7.17.

Drei aktuelle Seminare für den Stahlhandel

Werkstoff- und Produktkunde

Bis zur Osterpause Mitte April bietet der BDS dem Stahlhandel

noch drei Seminare an. In der ersten Veranstaltung in Dortmund

geht es schwerpunktmäßig um die Werkstoffkunde, danach

dominieren in Kehl und Paderborn – mit Betonstahl und Rohren –

Aspekte der Produktkunde.

Dabei soll in allen drei Seminaren

deutlich werden, wie eng

Werkstoff- und Produktkunde in

Sachen Stahl zusammengehören:

z In Dortmund legt Prof. Dr.-Ing. Joachim

Lueg im Rahmen der „Stahlkunde“

(22.-4.3.17) als Referent

den Schwerpunkt auf Werkstoffwissen,

wenn er die Seminarteilnehmer

zu den Themen der Stahlproduktion

begleitet – im Rahmen

einer Betriebsbesichtigung bei den

Deutschen Edelstahlwerken, bei

zahlreichen Vorträgen und in den

Labors der Dortmunder Fachhochschule.

z Solche materialkundlichen Ansätze

werden aufgegriffen, wenn es eine

Woche später in Kehl (27.-28.3.17)

bei den Badischen Stahlwerken in

dem gleichnamigen Seminar um

das Produkt „Betonstahl“ geht. Im

Mittelpunkt stehen auch dort

Betriebsbesichtigungen sowie Vorträge

mit und von entsprechenden

Experten. Zum Produktwissen

hinzu kommen müssen dann aber

auch Marktthemen.

z Das komplette Wissen über Rohre

zu vermitteln, verspricht das gleichnamige

Seminar in Paderborn (3.-

5.4.17). Referent ist Dr. Axel Willauschus.

Auch eine Betriebsbesichtigung

in der Rohrproduktion

der Benteler AG steht auf dem Programm.

Die Veranstaltung fasst die

beiden früheren Seminare „Rohre

I“ und „Rohre II“ zusammen. Lediglich

„Rohre aus Edelstählen“ werden

in einer gesonderten Veranstaltung

aufgegriffen.

Vor diesen Hintergründen ist es für

an der Teilnahme Interessierten vor

allem wichtig, dass sie in der Material-

und in der Produktkunde sensibel

für den jeweils anderen Themenbereich

sind. Alle drei Seminare

sind im Übrigen so gestaltet, dass

Vorwissen aus anderen Veranstaltungen

nicht vorausgesetzt wird. 2

[ Info ]

Über Einzelheiten der angesprochenen

Angebote informiert der Bundesverband

Deutscher Stahlhandel (BDS) auf Anfrage

(Wynands-BDS@stahlhandel.com).

Alle, die sich für eine flexible Weiterbildung

interessieren, bekommen im Übrigen am 10.

März 2017 deutschlandweit ein vielfältiges

Programm geboten, um sich über die Möglichkeiten

eines Fernstudiums zu informieren.

Die Zahl der auf www.fernstudientag.de eingetragenen

Veranstaltungen wächst täglich.

„Mehr als 90 Aktionen sind es schon heute.

Ganze 150 sollen es am Ende werden“, verkündete

Verbandspräsident Mirco Fretter vor

dem Meldeschluss im Januar und rief damit

den größten Fernstudientag seiner zwölfjährigen

Geschichte aus.

Der Bundesverband Deutscher Stahlhandel

(BDS) hatte sich bereits vor zwei Jahrzehnten

für diese besondere Bildungsform entschieden

und hat sein Fernstudium seitdem immer

wieder reformiert. Jetzt steht – gemeinsam

mit zwei verbandlichen Partnern – der Einstig

in die Digitalisierung an, die besonderer Qualitätsabsprachen

bedarf. (Vgl. vorstehenden

Bericht)

Rechtsberatung

Fachbuch zum Stahlrecht

Rechtsberatung in Buchform bietet die

zum Jahreswechsel erschienene Neuauflage

des Fachbuchs „Stahlrecht“ von Rechtsanwalt

Peter Henseler. Der seit Jahrzehnten in der

Branche tätige Jurist hat seine Erfahrungen

zum Vertragsrecht und zur Produkthaftung im

Stahlhandel darin zusammengetragen.

Das Buch befasst sich in seinem ersten Teil

(Kapitel 2 bis 4) mit dem Vertragsrecht im

Stahlvertrieb. In seinem zweiten Teil (Kapitel

5 bis 12) gibt die dritte Auflage dieses Fachbuchs

einen Einblick in die Produkthaftung.

Das Fachbuch (vgl. auch beiliegenden Flyer)

umfasst 341 Seiten, kostet 73,83 € netto und

kann beim Bundesverband Deutscher Stahlhandel

bestellt werden: info-bds@stahlhandel.com.

Stahlreport 3|17

43


Verbände

und Politiik

Berichte

Gruppenbild mit

Dame: der Vorstand

des VdSM mit Jörg

Throm, Florian

Sietzy, Gisela Schreiber,

Hans-Peter

Waser und Jörg Mergenthaler

(v. l. ).

Foto: Racky

Eine dem Qualitätsmanagement verpflichtete Gemeinschaft

Verein statt Gesellschaft

Um der dem Qualitätsmanagement verpflichteten Gemeinschaft aus dem Stahlhandel für die Zukunft

eine noch festere Struktur zu geben, hat sich der VdSM 2016 entschlossen, die Gesellschaftsform

einer GbR in die eines Vereins zu überführen. Das gab Winfried Racky aus Anlass der Jahrestagung

im vergangenen November in Bad Orb bekannt.

„Die Zertifizierung muss dem

Unternehmen dienen und nicht

umgekehrt.“ Das ist der Leitspruch

der Gemeinschaft von inzwischen

57 Branchenunternehmen, die sich

gemeinschaftlich, jetzt nach der

neuen Norm DIN EN ISO 9001 aus

2015, vom TÜV-Hessen haben zertifizieren

lassen.

Bei einer Einzelzertifizierung hätten

die Unternehmen nach Angaben

von Winfried Racky ohne die Erfahrungen

auskommen müssen, die ein

Unternehmen wie die RACKY Planung

& Beratung GmbH hat. Es fördert

neben dem Verbund der Stahlund

Metallhändler noch weitere

sechs ähnliche Gemeinschaften.

Auditierungsthemen

Die Gründe für die Attraktivität des

Ansatzs lägen vor allem in der inhaltlichen

statt der formalen Auslegung

der Norm. Themen der Auditierung

sind demnach:

z strategische Ausrichtung des

Unternehmens, Vision, Ziele, Planung

von Maßnahmen und die

Erfolgskontrolle, Ermittlung von

Chancen

z Kundenorientierung, Erfüllung der

Kundenanforderungen, Kundenzufriedenheit

und Kundenbindung

z Kompetenz, Kenntnisse und Fähigkeiten

der Mitarbeiter, Schulung,

Wirksamkeit der Schulungsmaßnahmen

und Motivation

z Effizienz der Prozesse, ihre Bewertung

und Planung von Verbesserungen

z Betrachtung der Risiken, Konzeption

von Vorbeugemaßnahmen

z Sicherheitsaspekte im Umgang mit

Daten und Einrichtungen, Lenkung

von Dokumenten und Daten

z Darstellung des Unternehmens

nach innen und nach außen, Corporate

Design

Neben den so angesprochenen Verfahrensvorteilen

bietet das System durch

ein international geregeltes Stichprobenverfahren

vor allem finanzielle Vorteile.

So wurden von den 57 Mitgliedsunternehmen

durch die Zertifizierungsgesellschaft

im Zuge der Re-Zertifizierung

zuletzt nur sieben Firmen geprüft.

Bei den übrigen 50 Unternehmen

genügte der Zertifizierungsgesellschaft

die Kontrolle der von Auditoren durchgeführten

und in den Berichten dokumentierten

Prüfungen.

Entwicklungsgeschichte

Wie erst jetzt bekannt wurde, fand

die Gründungsversammlung des

neuen e.V. im März 2016 in Frankfurt/M.

statt. Gewählt worden waren

bei dieser Gelegenheit fünf Vorstandsmitglieder:

z Jörg Mergenthaler, Eisen-Bärle

GmbH & Co. KG, Bruchsal

z Gisela Schreiber, Albin Stapf GmbH

& Co. KG, Frankfurt

z Florian Sietzy, Sietzy Holding

GmbH, Heusenstamm

z Jörg Throm, Throm GmbH, Büdingen

z Hans-Peter Waser, Gebr. Lotter KG,

Ludwigsburg

Der Vorstand hatte damals zur Vorsitzenden

Gisela Schreiber und zu

ihrem Stellvertreter Florian Sietzy

bestimmt. Inzwischen hat Gisela

Schreiber den Vorsitz im VdSM-Vorstand

niedergelegt und Jörg Throm

ist ihr Nachfolger geworden.

Begonnen hatte das Vorhaben 2007

bei einem Treffen in Frankfurt und mit

der Gründung einer Gesellschaft bürgerlichen

Rechts (GbR) durch damals

fünf Firmen. Noch im selben Jahr kamen

seinerzeit 13 Unternehmen hinzu. Der

Stahlreport hatte schon damals berichtet

– unter dem Titel „Freude im Verbund“

(Vgl. 12/07. S. 34).

Mit Gisela Schreiber setzt der

Verein offensichtlich auf Kontinuität.

Die Stahlhändlerin war bereits

Gründungsmitglied der GbR und

hatte deren Geschäftsführung von

Beginn an inne.

Wichtig für die gemeinschaftliche

Zertifizierung ist der jährliche

Erfahrungsaustausch mit Vorträgen

und Workshops. Der fand im November

2016 zweitägig in Bad Orb statt

und machte einmal mehr die Entwicklung

des Vereins der Stahl- und Metallhändler

e.V. (VdSM) öffentlich. 2

44 Stahlreport 3|17


Fotos: BGA, gettyimages

Zwischen ihrer Politik liegen Welten: BGA-Präsident Anton F.

Börner setzt auf freien Handel, während …

… US-Präsident Donald Trump einem neuen Protektionismus das

Wort redet.

US-Politik beim BGA auf dem Prüfstand

Präsidentenschelte

Wohl auch vor dem Hintergrund beeindruckender Erfolge des deutschen Außenhandels in 2016

(vgl. Kasten) hat BGA-Präsident Anton F. Börner Anfang Februar auf einer Pressekonferenz in

Berlin die bisherige Politik des neuen US-Präsidenten Donald Trump in für die deutsche Öffentlichkeit

überraschend scharfer Form kritisiert: Die ersten Regierungshandlungen seien alarmierend. Börner

benannte aber auch weitere Risiken für das Exportgeschäft.

„Wir müssen uns auf neue Zeiten

einstellen. Mit dem Gewinn der

Wahl betrachtet Donald Trump die

USA nun als SEIN Unternehmen. Dies

hat Implikationen weit über die Handelspolitik

hinaus, so etwa auch für

die Außen- und Sicherheitspolitik.

Dabei ist es für einen Unternehmer

nicht untypisch, wie er sich aufstellt.

Politik und Wirtschaft in Deutschland

müssen Präsident Trump ernst nehmen.

Er versteht nur eine harte Sprache.

Es muss also klar herausgearbeitet

werden, dass Trump noch viel mehr

verlieren wird, wenn wir verlieren.“

So formulierte Anton F. Börner, Präsident

des Bundesverbandes Großhandel,

Außenhandel, Dienstleistungen

(BGA) gegenüber der Presse.

Für das laufende Jahr 2017 rechnet

der BGA derzeit noch mit einem

Wachstum der Ausfuhren um bis zu

2,5 % auf einen neuen Rekordwert

von rund 1.235 Mrd. €. Hinter dieser

Prognose müsse jedoch ein großes

Fragezeichen stehen, da die Unsicherheiten

für deutsche Unternehmen

nicht weniger geworden seien. Im

Gegenteil werde die Liste der Risiken

für das Auslandsgeschäft wird immer

länger. Dazu gehörten insbesondere

die Herausforderungen durch die

Flüchtlingskrise, die Kriege in Nahund

Mittelost sowie in Nordafrika, die

Bedrohung durch den Terror des „Islamischen

Staats“, die Bewältigung des

BREXIT, der Umgang mit einer immer

autokratischer regierten Türkei, Territorialkonflikte

im südchinesischen

Meer und die nächsten Kapitel in der

scheinbar nicht enden wollenden

Euro-Schulden-Saga.

Mit der Amtseinführung von

Donald Trump als US-Präsident sei

zu den bestehenden Risiken nun ein

ganz spezielles Problem für die Weltgemeinschaft

hinzugekommen. „Tatsache

ist, dass der vom neuen Präsidenten

in Aussicht gestellte

Protektionismus ein konkretes Risiko

Rekordergebnis

für die US-Wirtschaft und auch für

deutsche Unternehmen darstellt.

Diese neue Gangart in der amerikanischen

Handelspolitik zeichnet sich

immer klarer ab. Ganz sicher führt

eine solche Politik der Isolierung und

Abschottung in einen wirtschaftlichen

Niedergang. Daran kann hierzulande

niemand ein ernsthaftes

Interesse haben“, warnte der Großund

Außenhandelspräsident. Gleichzeitig

machte er klar, dass sein Appell

insbesondere an die deutsche und

europäische Politik gerichtet ist, wirksame

Gegenmaßnahmen zu ermöglichen.

2

Aktuelle Außenhandelszahlen

Zum siebten Mal in Folge haben 2016 die deutschen Exporte das Vorjahresergebnis übertroffen.

Darauf hat zwei Tage nach seiner Pressekonferenz zur neuen US-Politik BGA-Präsident

Anton F. Börner in Berlin hingewiesen.

Zuvor hatte das Statistische Bundesamt die Außenhandelszahlen für das vergangene Jahr

bekanntgegeben. Demnach wurden 2016 Waren im Wert von 1.207,5 Mrd. € exportiert – ein

Plus von 1,2 % im Vorjahresvergleich. Mit einem Warenwert von 954,6 Mrd. € sind auch die

deutschen Importe gestiegen; im Vorjahresvergleich um 0,6 %. Die Außenhandelsbilanz schloss

deshalb mit dem bisher höchsten Überschuss von 252,9 Mrd. € ab.

„Die deutschen Unternehmen sind im internationalen Wettbewerb derzeit gut aufgestellt.

Natürlich wird der Rekordhandelsüberschuss wieder Kritiker auf den Plan rufen. Aber denen

soll gesagt sein: Die 2016er Zahlen sind vor allem das Ergebnis einer hervorragenden Leistung“,

formulierte Börner sichtlich stolz auf seine Branche, die er mit dem Bundesverband

Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) vertritt.

Stahlreport 3|17

45


Wissenswertes

Bericht/Nachrichten

Auf der Learntec in

Karlsruhe

Quelle: mmb Institut GmbH

Die Learntec in Karlsruhe präsentierte digitale Werkzeuge

Von der Individualisierung des Lernens

Der deutsche Südwesten steht im ersten Drittel dieses Jahres ganz im Zeichen der (Berufs-)Bildung:

Im Januar gab es in Karlsruhe die Learntec, zu der nachfolgend von der Individualisierung des

Lernens berichtet wird, einen Monat später in Stuttgart die Didacta, und im April findet im

mittelbadischen Achern die KWB-Jahrestagung der kaufmännischen Ausbildungsleiter statt.

Entsprechend standen bzw. stehen digitale Werkzeuge, didaktische Konzepte und Beispiele aus

der Branchenpraxis im Mittelpunkt des Interesses.

Das Fortschreiten der Digitalisierung

der Bildungslandschaft ist

unumkehrbar, wie die inzwischen

25. LEARNTEC Ende Januar in Karlsruhe

mit Blick auf die relevanten

Märkte einmal mehr bestätigt hat.

Entsprechend werden immer mehr

dazu passende Werkzeuge für

Methoden entwickelt, deren Anwendung

vor allem eines gewährleisten

müssen: die Individualisierung des

Lernens. Dessen Inhalte werden

zunehmend von Maschinen gesteuert.

Was das für Beteiligte an diesem

Prozess – die Menschen –

bedeutet, hat u.a. eine neue Studie

verdeutlicht, deren Ergebnisse aus

Anlass der Bildungsmesse in Karlsruhe

veröffentlicht worden sind.

Märkte

Der E-Learning Markt wird weiterhin

stark anwachsen. Wenn der Mittelwert

aller Expertenschätzungen

als Grundlage genommen wird, prognostizieren

die Befragten der Studie

„Digitale Bildung auf dem Weg ins

Jahr 2025“ für die kommenden fünf

Jahre eine Umsatzentwicklung der

E-Learning-Kernbranche um 116 %.

Als Ausgangswert wurde der vom

mmb-Institut im vergangenen Jahr

ermittelte Wert von 600 Mio. € angenommen.

Dieser Branchenumsatz

wird sich demnach bis zum Jahr

2020 auf 1,3 Mrd. € mehr als verdoppeln.

Das entspricht einem jährlichen

Wachstum um 17 %.

Angesichts solcher Dimensionen

ist es nicht verwunderlich, dass auch

der Digitalverband BITKOM in Karlsruhe

Flagge zeigte – offiziell als ideeller

Träger der Learntec. Der in Berlin

ansässige Verband sieht sich als

idealer Partner aller großen Branchenmessen

– bis hin zur CeBIT.

Methoden

Im Mittelpunkt eines derart boomenden

Marktes stehen – neben der klassischen

Methode des Präsenztrainings

– insbesondere Methoden des

E-Learnings und des Blended Learnings,

also von Mischformen. In dieser

Aufteilung präsentierte sich in

Karlsruhe auch die Messelandschaft

mit mehr als 250 Ausstellern aus 14

Nationen. Querschnittsthema dabei

war Mobile Learning – eine Entwicklung,

die am besten den Trend zur

Individualisierung des Lernens verdeutlicht.

In diesen Zusammenhängen

zeigte die Learntec aber auch Grenzen

auf: „Im Bereich des mobilen

Lernen geht es nicht allein um Apps

und Technik. Lernkonzepte, die lediglich

bestehende Inhalte auf neue

Geräte übertragen, scheitern häufig.“

So warnte einer der auf der

Messe vertretenen Anbieter, die

ka:media interactive GmbH aus Düsseldorf.

Maschinen

Doch nicht nur dieser methodische

Aspekt ist für diese Entwicklung entscheidend.

Individualisierung ist

46 Stahlreport 3|17


auch eine Frage der Inhalte. So

berichtete Bildungsexperte Elliot

Masie in einer Keynote zum Messekongress

von intelligenten Maschinen,

die in Zukunft den Wissensbedarf

jeder Person exakt ermitteln

und aus Tausenden von Dokumenten

genau den richtigen Content

bereitstellen können.

Entsprechende Werkzeuge waren

auch das Thema eines SAP-Roundtables

am zweiten Messetag, als es

um die Antwort auf die Frage ging,

„Mit welcher Technologie lernen wir

in der Zukunft?“

Menschen

Da Maschinen ohne den Zusammenhang

zu Menschen wenig

bewirken können, hatte die Learntec

in der o.g. Studie auch ermitteln

lassen, welche Zielgruppen für

die so beschriebene Zukunft entscheidend

sind: Als größte Herausforderung

in allen Bildungsbereichen

sehen die Experten die digitale

Kompetenz der Lehrenden. Derzeit

seien Lehrende noch nicht fit

für die Digitalisierung. Erst wenn

die so zu beschreibende Herausforderung

gemeistert sei, werde die

technische Ausstattung in den Vordergrund

rücken.

Hervorzuheben ist aus dieser

Umfrage, dass die genannte Rangfolge

– von der digitalen Kompetenz

der Lehrenden bis zur technischen

Ausstattung der Lernenden – für

alle untersuchten Bildungsbereiche

gilt. 2

[ Info ]

Die nächste Learntec findet vom 30.1.

bis zum 1.2. 2018 statt, wieder im

Karlsruhe.

Stähle im Fahrzeugbau

Konferenz in Amsterdam

Das Stahlinstitut VDEh und die Forschungsvereinigung

Stahlanwendung veranstalten

zum fünften Mal die internationale

Konferenz „Steels in Cars and Trucks“ (SCT

2017). Die Tagung mit begleitender Ausstellung

öffnet vom 18. bis 22. Juni 2017 in Amsterdam-Schiphol

ihre Pforten und will alle relevanten

Akteure zusammenbringen.

Die Themen kreisen um die Erforschung,

die Anwendung und das Verhalten von Stahl

im Fahrzeugbau. Stahl ist einer der wichtigsten

Werkstoffe im Automobilbau; rund

60 % der Fahrzeugmasse eines Pkw steuert

der Werkstoff bei. Dabei kommen u.a. hoch-,

höher- und höchstfeste Stähle zum Einsatz,

deren Verwendung neue Designs, höchste

Crashsicherheit und niedrigeres Fahrzeuggewicht

ermöglichen.

Hinter dem zweiten Motto der SCT 2017

„Future trends in steel development, pro-

cessing technologies and applications“ verbergen

sich Aspekte wie Crashverhalten

modernster Stähle, neueste Füge-Technologien

oder Ergebnisse aktueller Werkstoffforschung.

Weitere Themen sind u.a.: neue

innovative Stähle mit spezifischen Eigenschaften

für z. B. Karrosserie-Leichtbau

oder Antriebsstrang, neue Umformmethoden

und Simulationsverfahren, wie sie bei

der Auslegung und Herstellung moderner

Fahrzeuge zum Einsatz kommen.

Die SCT 2017 wird unterstützt von Tata

Steel als Platinsponsor, Georgsmarienhütte

und SSAB EMEA als Goldsponsoren, Saarstahl

als Silbersponsor sowie von nationalen

und internationalen Verbänden.

[ Info ]

Weitere Informationen stehen auf der Konferenzwebseite

www.sct2017.com zur Verfügung.

Tagung zur Bauteilereinigung

Die Zahl der Bauteile, bei deren Reinigung partikuläre und/oder filmische Sauberkeitsspezifikationen

zu erfüllen sind, wächst rasant. Gleichzeitig geht es darum, immer effizienter zu fertigen.

Um diesen gegensätzlichen Ansprüchen nachzukommen, ist eine systematische und qualitätsorientierte

Gestaltung der Reinigungsprozesse unverzichtbar. Entsprechende Vorgehensweisen

und praktikable Lösungen will die 26. Fachtagung „Industrielle Bauteilreinigung“ des Fachverbands

industrielle Teilereinigung (FiT) am 23. und 24 3.17 in Ulm aufzeigen. Im Mittelpunkt der

Veranstaltung mit begleitender Ausstellung stehen innovative Technologien und Praxisberichte

zur Prozessoptimierung sowie der Erfahrungsaustausch mit Experten und Anwendern.

[ Info ]

Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeiten gibt es unter www.industrielle-reinigung.de.

Mädchen und Jungen

Auch in diesem Jahr gibt es bundesweit

einen „Girls’Day“ und einen „Boys’Day“ –

am 27.4. Überall in Deutschland sollen an

diesem Tag Unternehmen und Organisationen

Schülerinnen bzw. Schüler ab

Klasse 5 einladen, für Mädchen bzw. Jungen

eher untypische Berufe kennenzulernen.

Bei den Mädchen soll es darum

gehen, Technik, IT, Handwerk und Naturwissenschaften

zu erkunden, bei den Jungen

stehen die Bereiche Erziehung, Soziales,

Gesundheit, Pflege und

Dienstleistung auf dem Programm. Entsprechende

Aktivitäten sollen auf einem

„Girls’Day-Radar“ bzw. auf einem

„Boys’Day-Radar“ eingetragen werden.

Tagung über dünne

Schichten

Die in Dresden ansässige Europäische

Forschungsgesellschaft Dünne Schichten

veranstaltet am 26./27.4.17 in Renningen

bei Stuttgart einen Workshop zur Thematik

„Dünnschichtsysteme für MEMS und

Sensoren“. Die Dünnschichtsensorik

umfasst neuartige nanoskalige Funktionsschichten

sowie deren physikalische und

chemische Eigenschaften im Hinblick auf

Sensoren zur reproduzierbaren Messung

von Kräften, Verformungen, Temperaturen,

Licht, chemischen Substanzen usw.

MEMS (Micro-Electro-Mechanical Systems)

sind winzige Bauteile, die Logikelemente

und mikromechanische Strukturen

in einem Chip vereinen.

Stahlreport 3|17

47


Lifesteel

Bericht/Nachrichten

Fotos, 2: Volker Hagelstein/BergbauErbeSaar

Das Saarpolygon auf der Abraumhalde in Ensdorf bei Saarlouis.

Vieleck auf der Grube Duhamel erinnert an 250 Jahre Industriegeschichte

Saarpolygon aus Stahl

Die begehbare Stahlskulptur in Ensdorf bei Saarlouis hat sich zu einer Touristenattraktion

gemausert. Peter Becker war dort und hat dazu allerlei Regionales sowie – nach dem Motto

„Wandel und Perspektivwechsel“ – viel Industriegeschichtliches ausgekundschaftet.

„Auf der Grube“, im Dialekt

etwa: „Ooff da Grouf“, sagten die

Saarländer früher, wenn sie ausdrücken

wollten, dass ihr Arbeitsplatz

im Bergbau wäre. Dabei waren die

meisten von ihnen nicht auf der

Erde, sondern etliche Meter unter

ihrer Oberfläche tätig. Neuerdings

aber gibt es tatsächlich die Möglichkeit,

das Bergwerk zu besteigen: die

Abraumhalde Duhamel in der

Gemeinde Ensdorf unweit von Saarlouis

ist seit September 2016 durch

Fotoausstellung

Albert Renger-Patzsch (1897 –

1966) war ein bedeutender Industriefotograf.

Seinem Werk widmet

sich die Ausstellung „Ruhrgebietslandschaften“

noch bis zum 23.

April 2017 in der Münchner Pinakothek

der Moderne. Gezeigt werden

Aufnahmen von Halden, Vorstadtsiedlungen,

Schrebergärten oder

Zechenanlagen.

das Saarpolygon gekrönt. Es handelt

sich um eine Aussichtplattform,

von der aus man einen großartigen

Rundblick hat und die sich als Symbol

für die Zukunft der ehemaligen

Industrieregion versteht.

Etwa von 1840 an wurde dort in

industriellem Maßstab Kohle aus

dem Untergrund geholt, mit Vorläufern

bis weit in das Jahrhundert vorher.

Welche Mengen Gestein im

Laufe der rund 250 Jahre bewegt

wurden, kann man anhand der

Halde Duhamel ahnen: fast 50 Hektar

beträgt ihre Grundfläche, wie

eine riesige Masse liegt sie unmittelbar

neben der Ortschaft, die im

Vergleich geradezu winzig erscheint.

Das Polygon haben die Berliner

Architekten Pfeiffer Sachse konzipiert

und damit einen internationalen

Wettbewerb gewonnen. Die

Stahlbauarbeiten kamen von der

Klaus Queck GmbH aus Düren. Ähnliche

Landmarken auf Halden kennt

man von der Ruhr.

Realisiert wurde es in einer Konstruktionsweise,

wie sie auch im

Bergbau üblich ist: Es handelt sich

um ein Rohrtragwerk aus T-Standardprofilen

mit Schraubverbindung,

dessen Knoten durch

Anschlussfahnen und Kopfbleche

betont sind. Für die Aussteifung sorgen

Teile aus gefaltetem Blech.

150 t Stahl sind es insgesamt,

deren Last auf solch einer Halde

wiederum besondere Bodengutachten

und statische Planungen verlangt.

Inzwischen ruht die Konstruktion

auf einer bis zu 1,50 m dicken

Stahlbetonplatte als Fundament.

Die beiden Türme des Polygons

sind schräg gestellt und oben durch

eine Brücke verbunden. Zusätzlich

zu den 150 m, mit denen die Haldenspitze

sich über das Dorf erhebt,

kann man über Treppen noch einmal

30 m höher gelangen, um den

Ausblick zu genießen.

Übrigens: Von der Plateaufläche

selber würde man nicht viel von der

48 Stahlreport 3|17


Ferroptose

Wenn Zellen

den Eisentod sterben

Obwohl der Begriff vom Zelltod

zunächst einmal nicht gerade gesundheitsförderlich

klingt, hat sich speziell in

der Krebsforschung gezeigt, dass die kontrollierte

Vernichtung von irrläufigen Zellen

lebenswichtig für den menschlichen

Körper sein kann. Forscher haben jetzt in

einer Studie herausgefunden, dass Eisen

bei diesem Vorgang eine wichtige Rolle

spielt.

Zwei Schrägtürme führen auf die Brücke mit einem großartigen Rundumblick.

Die Ferroptose bezeichnet eine erst vor

kurzem entdeckte Form des Zelltods, die

in weiten Teilen aber noch nicht verstanden

wird. Wissenschaftler am Helmholtz

Zentrum in München haben nun allerdings

in zwei Publikationen ein zentrales

Enzym vorgestellt, das entsprechend tödliche

Signale erst möglich macht.

Umgebung sehen, so weit ist ihre

Ausdehnung.

Wandel und Perspektivwechsel

Wie die Architekten sagen, wollten

sie mit dem Vieleck das Thema Wandel

und Perspektivwechsel ansprechen.

Denn nachdem der Steinkohlenbergbau

an der Saar am 30. Juni

2012 geschlossen wurde – ebenso

wie Teile der Hüttenwerke –, erlebte

das Land einen radikalen Strukturwandel.

So wie das Polygon aus

jedem Blickwinkel sich anders präsentiert,

soll es auf „Zukunft, Erneuerung,

Aufbruch und Transformation

verweisen“, so die Architekten in

einem Interview.

Zwei Millionen Euro kostete die

Landmarke. Finanziert wurde sie

von der Landesregierung, der RAG-

Stiftung und der RAG Aktiengesellschaft

sowie privaten Sponsoren.

Zahlreiche Wanderwege führten

schon seit längerem über den Berg.

Gleitschirmflieger haben dort eine

Startrampe. Reichhaltige Informationen

findet man auf der Website

des Vereins BergbauErbeSaar.

Wenn Ortsansässige selber den

Berg besteigen, kann man beiläufig

allerhand regionale Kuriositäten erleben.

Nicht nur, dass die Saarländer

„kalt haben“, während es dem Deut-

schen im Allgemeinen „kalt ist“ –

unverkennbar der Nähe zu Frankreich

geschuldet. Genauso wird

gerne erzählt, dass früher zu Grubenbesuchen

eine Bewirtung mit einem

sogenannten Bergmannsfrühstück

dazu gehörte: das war eine Flasche

Bier, eine Semmel (saarländisch:

„Weck“) und ein Stück „Lyoner“.

Richtig zuzubereiten, so erzählen

Insider gerne, ist diese Fleischwurst

eigentlich nur auf einem

Schwenker, und der wurde üblicherweise

zuvor heimlich in einem Eisenwerk

(„Ooff da Hütt“) zusammengeschweißt.

Folglich: Bereits vor einer

Weile gab es schon eine Initiative,

die den Lyoner inklusive Schwenker

zum Kulturerbe der Menschheit

anmelden wollte.

Das ehemalige Völklinger Hüttenwerk

ist inzwischen Weltkulturerbe

und bietet Ausstellungen oder

Führungen über das Gelände. 2

[ Info ]

Verein BergbauErbeSaar

www.bergbauerbesaar.de

Weltkulturerbe Völklinger Hütte

www.voelklinger-huette.org

Bei der seit 2012 bekannten Ferroptose

handelt es sich um den organisierten Zerfall

von Zellen (griechisch ptosis: der

Fall), bei dem zelluläres Eisen eingreift

(lateinisch ferrum). Eigentlich geht es

dabei um einen Suizid der Zellen.

„Die einzelnen Mechanismen dieses Zelltods

kristallisieren sich erst langsam

heraus und unsere Ergebnisse sind ein

wichtiger Beitrag zum Verständnis der

Ferroptose“, so Dr. Marcus Conrad, Leiter

der Studie und Kopf einer Arbeitsgruppe

des Instituts für Entwicklungsgenetik am

Münchner Helmholtz Zentrum.

Renovierung des

Eiffelturms

Für die Renovierung des Eiffelturms stellt

die Stadt Paris in den kommenden 15

Jahren insgesamt 300 Mio. € zur Verfügung.

Sie sollen in überdachte Wartezonen,

mehr Sicherheit und neue Anstriche

im 2. Stock des Eisenfachwerks mit rund

7.300 t Stahl investiert werden. Derzeit

gibt die Stadt pro Jahr 13,7 Mio. € für das

zur Weltausstellung 1889 erbaute Wahrzeichen

aus. Die neue Summe erhöht diesen

Betrag um 45 %. Die Investitionen

stehen in Zusammenhang mit der Bewerbung

um die Olympischen Spiele 2024,

wie es in einer Pressemitteilung heißt.

Stahlreport 3|17

49


Lifesteel

Nachgehakt

Foto: BDS/mh

Stefan Gramlich –

hier beim Q+E-Tag

von BDS/EHV im

Februar – ist Prokurist

bei der Erich

Hagelauer GmbH.

2011 hat er das

BDS-Fernstudium als

Stahlhandelskaufmann

als Jahrgangsbester

abgeschlossen.

Was eigentlich macht Stefan Gramlich?

Nachgehakt – bei einem

Fernstudium-Absolventen

Vor neun Jahren hat Stefan Gramlich 2008 im 14. Jahrgang das

BDS-Fernstudium begonnen – und drei Jahre später als Jahrgangsbester

abgeschlossen. Heute ist der studierte Jurist und

vierfache Vater bei der Erich Hagelauer GmbH als Prokurist

tätig. Das BDS-Fernstudium schätzt er im betrieblichen Alltag

als solide Basis seines „ technischen Stahlwissens“.

Stahlreport: Herr Gramlich,

was war im Rückblick für Sie das

Beste am BDS-Fernstudium?

Stefan Gramlich: Als ich meine

Stelle bei der Erich Hagelauer GmbH

im Jahr 2008 als Assistent der

Geschäftsführung begonnen habe,

schlug mir mein Vorgesetzter, Jürgen

Hagelauer, das BDS-Fernstudium als

gewinnbringend vor. So habe ich

parallel zum Berufsstart gleich auch

mit dem Fernstudium angefangen.

Das hat mich die ersten drei Berufsjahre

begleitet und war durchaus

eine herausfordernde Zeit.

Als Quereinsteiger saß ich in

den Präsenzveranstaltungen und

hatte anfangs noch keine Ahnung

von Stahl. Ich habe alles Wissen aufgesogen

wie ein Schwamm.

Besonders spannend war für mich

der technische Bereich. Die Materialkunde

war das Gebiet, das für mich

den größten Mehrwert hatte – neben

dem Netzwerk, welches sich im Studium

mit den Kommilitonen und

Dozenten entwickelte, und auf das

ich heute noch zurückgreifen kann.

Bringt Ihnen das Fernstudium heute

noch was in der Praxis?

Das erworbene Wissen ist das Fundament,

das damals mit gelegt wurde.

Die Inhalte sind eine tolle Basis, auf

der ich heute im Alltag immer wieder

aufbauen kann, beispielsweise

bei tatsächlichen oder vermeintlichen

Kundenreklamationen.

Die Sachkenntnis über unsere

Produkte ist Voraussetzung für eine

gute Kundenbeziehung auf Augenhöhe

und für einen guten Service,

den ich unseren Kunden bieten will

und muss.

Genauso ist das Know-how über Weiterbildung

und Schulungen generell

ein wichtiger Bestandteil unserer

Unternehmensführung.

Was empfehlen Sie heutigen Studienanfängern?

Ich würde sagen: Nehmt es auf jeden

Fall ernst! Das Fernstudium ist eine

große Chance, weil die Inhalte so

präzise auf die Stahlhandelsbranche

zugeschnitten sind. Als junger

Stahlhändler das benötigte Wissen

so gut präsentiert zu bekommen, ist

etwas Besonderes. Natürlich bleibt

es einem dabei nicht erspart, die

nötige Motivation und Selbstdisziplin

mit zu bringen, sich zu engagieren

und fleißig zu lernen. Aber es

lohnt sich!

Sie sind jetzt schon einige Zeit als

Führungskraft in Branche tätig. Was

hat sich im Laufe der Jahre aus Ihrer

Sicht getan?

Entgegen aller Wechsel und Facetten

des täglichen Geschäfts, empfinde

ich die Themen im Kern über

die Jahre doch als recht konstant.

Es gilt den Markt mit Kunden, Lieferanten

und Wettbewerbern im

Blick zu haben, den kontinuierlichen

Verbesserungsprozess aufrecht

zu erhalten und die Mitarbeiter

immer wieder neu zu motivieren.

Zunehmend steht das lebenslange

Lernen auf allen Ebenen im Fokus,

vom Lager bis in die Geschäftsleitung.

Dabei ist das Geschäft total

abwechslungsreich und macht mir

viel Freude.

Herr Gramlich, wir danken für das

Gespräch.

Impressum

STAHLREPORT

Das BDS-Magazin für die Stahldistribution

Stahlhandel | Stahlproduktion |

Stahlverarbeitung

Offizielles Organ des BDS-Fernstudiums

Herausgeber:

Bundesverband Deutscher Stahlhandel

Max-Planck-Straße 1

40237 Düsseldorf

Redaktion:

Dr. Ludger Wolfgart (Chefredakteur)

Telefon (02 11) 8 64 97-11

E-Mail: Wolfgart-BDS@stahlhandel.com

Markus Huneke

Telefon (02 11) 8 64 97-24

E-Mail: Huneke-BDS@stahlhandel.com

Anzeigen:

Ksenija Sandek

Telefon (02 11) 8 64 97-21

E-Mail: Sandek-BDS@stahlhandel.com

Verlag:

BDS AG

Max-Planck-Straße 1

40237 Düsseldorf

Telefon (02 11) 8 64 97-0

Telefax (02 11) 8 64 97-22

Layout:

auhage|schwarz, Leichlingen

Druck:

Hellendoorn, Bad Bentheim

Erscheinungsweise: monatlich (10 Hefte/Jahr)

Bezugspreis:

Jährlich 65 € im Inland und 70 € im Ausland

zuzüglich Versandspesen und Mehrwertsteuer.

Abbestellungen sind lediglich unter Einhaltung

einer dreimonatigen Kündigungsfrist zum Jahres -

ende möglich. Für die Mitglieder des BDS und

die Teilnehmer im BDS-Fernstudium ist der Bezug

eines Exemplars der Fachzeitschrift „Stahlreport

im Mitgliedsbeitrag bzw. in der Studien gebühr

enthalten. Ein Nachdruck ist nur mit ausdrücklicher

Genehmigung der Redaktion gestattet.

Anzeigenpreis: Zur Zeit gilt die Preisliste Nr. 35.

Für unverlangt eingesandte Manuskripte oder

Fotos übernehmen Herausgeber, Redaktion und

Verlag keine Gewähr. Namentlich oder mit Initialen

gekennzeichnete Beiträge vertreten eine vom

Herausgeber unabhängige Meinung der Autoren.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird mitunter

auf die gleichzeitige Verwendung mänlicher

und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche

Personenbezeichnungen gelten gleichwohl

für beiderlei Geschlechter.

Außerdem bittet die Redaktion um Verständnis,

dass insbesondere Firmennamen je Artikel in der

Regel nur einmal in ihrer werbeorientierten Form

verwendet und entsprechende Begriffe häufig

eingedeutscht werden.

International Standard Serial Number:

ISSN 0942-9336

Diese Zeitschrift wurde aus umwelt schonendem

Papier hergestellt.

Beilagenhinweis: Diesem Heft liegen Anlagen

der BDS AG – Bundesverband Deutscher Stahlhandel,

Düsseldorf und der Staro GmbH sowie

der WIT GmbH bei.

50 Stahlreport 3|17


BDS-Berufsbildung

Seminare und sonstige (BDS-)Veranstaltungen

2017

Seminarthema Termin Tagungsort

Stahlkunde (Seminar) 22.-24.03. Dortmund

Flachtag 30.03. Düsseldorf

Rohre (Seminar) 03.-05.04. Paderborn

Tagung der Kaufmännischen

Ausbildungsleiter (Kooperation) 26.-27.04. Achern/Offenburg

Schulung Compliance (nur für BDS-Mitglieder) 03.05. Hannover

Blankstahl (Seminar) 09.-10.05. Bietigheim-Bissingen

Stahleinkauf (Seminar, Kooperation) 16.-17.05. Duisburg

Werkstoff- und Produktkunde (Lernteam) 22.-24.05. Goslar

Schulung Compliance (nur für BDS-Mitglieder) 23.05. Duisburg

Schulung Compliance (nur für BDS-Mitglieder) 31.05. Merklingen/Ulm

Qualitäts- und Edelstahl (Seminar) 01.-02.06. Lüneburg

Flacherzeugnisse (Seminar) 08.-09.06. Duisburg

Stahlkunde (Seminar) 22.-24.08. Gröditz

Neue A-Kunden gewinnen und Anfragen

professionell managen (Verkauf I) (Seminar) 18.-19.09. Norderstedt

Verkauf (Lernteam) 20.09. Norderstedt

Stahleinkauf (Seminar, Kooperation) 19.-20.09. Duisburg

Stahlhandelstag 28.09. Darmstadt

Rohre aus Edelstählen (Rohre III) (Seminar) 09.-10.10. Monschau

Nichtrostende Stähle (Seminar) 16.-17.10. Aachen

Mehr Aufträge durch professionelle Angebotsverfolgung

und effektive Preisverhandlung

(Verkauf II) (Seminar) 25.-26.10. Nürnberg

Stahlkunde (Seminar) 06.-08.12. Gengenbach

Diese Übersicht gibt den Stand der Planungen für Lernteam- und Seminarveranstaltungen

und zum Fernstudium sowie zu entsprechenden Kooperationen wieder.

Änderungen jeder Art sind vorbehalten, vor allem Ergänzungen. Über weitere Details sowie zu

den Anmeldemöglichkeiten informieren Sie sich bitte im Internet (www.stahlhandel.com) oder

wenden sich telefonisch bzw. elektronisch an den

BUNDESVERBAND DEUTSCHER STAHLHANDEL (BDS)

Max-Planck-Straße 1 · 40237 Düsseldorf

Telefon: 0211/86497-19 · Telefax: 0211/86497-22

E-MAIL: WYNANDS-BDS@STAHLHANDEL.COM

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