JB-2016

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Jahresbericht 2016

30 Jahre AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

30 Jahre strukturelle HIV-Prävention von A – Z


1. Geschäftsbericht für das Jahr 2016 6

2. Beratung 18

2.2.1 Persönliche Beratung 18

2.2.2 Telefonische Beratung 19

2.2.3 Die Bundesweite Telefonberatung 19

2.2.4 Die Telefonberatervernetzung im Ruhrgebiet 20

2.2.5 E-Mail Beratung 20

2.2.6. Danksagung 21

3. Begleitung 22

3.1 Einzelbegleitung 23

3.2 Positivenfond 23

3.3 Zusammenarbeit mit Kooperationspartner*innen 24

3.4 Angebote für Menschen mit HIV und Aids 24

3.5 Trauerarbeit 25

4. Öffentlichkeitsarbeit 26

4.1. AG Öffentlichkeitsarbeit 28

4.2. Veranstaltungen 29

4.3. Benefiz-Veranstaltungen 35

4.4. Veranstaltungen zum Welt-AIDS-Tag 2016 37

4.5. Berichterstattung in den Medien 45

4.6. Sonstige Aufgaben und Tätigkeiten 46

5. Zielgruppenspezifische Prävention 48

5.1 HIV/AIDS-Prävention bei Schwulen, Männern die Sex mit Männern

haben sowie bisexuellen Männern 48

5.2 Drogen und Substitution 52

5.2.1 Primär- und Sekundärprävention 52

5.2.1.1 Spritzenaustauschprogramm 52

5.2.1.2 Suchtprävention bei Partydrogen 53

5.2.2 Substitution 53

5.2.2.1 Entwicklung der Wochenendvergabe 53

5.2.2.2 Psychosoziale Begleitung Substituierter (PSB) 53

5.2.3 Niedrigschwellige Arbeit mit illegalisierten Drogengebraucher*innen 54

5.2.4 „Nationaler Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*Innen“ am 21. Juli 55

5.2.5 Teilnahme an Arbeitskreisen 57

5.3 HIV und Strafvollzug 58

Seite

4


5.3.1 Einführung 58

5.3.2 Überregionale Aktivitäten 58

5.3.3 Lokale Arbeit des Projektes ,HIV und Strafvollzug’ 59

5.3.4 Gesundheitliche Belastungen von Inhaftierten 59

5.3.4.1 Primär- und Sekundärprävention 60

5.3.4.2 Begleitung 60

5.3.4.3 HIV- und Hepatitissprechstunde 60

5.3.4.4 Frauengruppe 60

5.3.4.5 Männergruppe 60

5.3.5 Resümee 60

5.4. Frauen und HIV /Aids – Prävention bei Frauen in besonderen Lebenslagen 62

5.5. Frauen und HIV / Aids / Migration 63

5.6 Youthwork / Prävention in der Allgemeinbevölkerung 66

5.6.1 Veranstaltungsinhalte 71

5.6.2 Schulische Prävention / Youthwork 72

5.6.3 (Präventions-) Veranstaltungen für Jugendliche und Multiplikatoren 74

5.6.4 Multiplikatoren- und Erwachsenenbildung 75

5.6.5 Berufsspezifische Erwachsenenbildung 76

5.6.6 Sonstige Aufgaben und Tätigkeiten 77

5.7. SCHLAU Duisburg 78

6. Ehrenamtliche Mitarbeit 80

7. Controlling / Anhang / Pressespiegel 82

Seite

5


1. Geschäftsbericht für das Jahr 2016

30 Jahre AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

30 Jahre strukturelle HIV-Prävention von A – Z

Gemeinsam mit Ihnen, verehrte Leser*innen schauen wir

zurück auf das Jahr 2016 – auf ein Jahr, welches für die

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel aus verschiedenen

Gründen wieder einmal ein ganz besonderes Jahr war,

über das der vorliegende Jahresbericht ausführlich Auskunft

gibt. Wir wünschen interessante Lektüre!

Ein für uns bedeutungsvolles Ereignis war sicherlich unser

30-jähriges Jubiläum.

30 Jahre – für eine Jubiläumsfeier ist diese Zahl zwar

eher unbedeutend, nicht silbrig, nicht golden, aber wir

wollten dieses „kleine Jubiläum“ dennoch offiziell begehen

und auch feiern, denn letztlich wollen wir weiter

daran mitwirken, dass wir kein 50-jähriges Jubiläum der

AIDS-Hilfe mehr begehen „müssen“. Zumindest gilt dies

für die Kernaufgaben von AIDS-Hilfe, die sekundär- und

vor allem die tertiärpräventive Arbeit.

Und so haben wir zur Jubiläumsfeier auch besonders

eingeladen, nämlich zur „möglicherweise letzten Jubiläumsfeier

der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.“

Diese Einladung hat zumindest bei einigen Adressaten

für Irritationen gesorgt und Erklärungsbedarf hervorgerufen

und das war durchaus beabsichtigt.

Zum einen wächst seit einigen Jahren die Hoffnung, dass

eine „klassische“ AIDS-Hilfe mit sekundär- und tertiärpräventivem

Angebot kein weiteres „großes Jubiläum“ (und

das wäre nach üblichem Verständnis wohl das 50-jährige,

das Goldene) mehr feiern muss, weil der medizinische

Fortschritt bis dato und bezüglich der näheren Zukunft

die Hoffnung speist, dass eine HIV-Infektion keine

lebensbedrohliche Erkrankung (AIDS) mehr sein muss

und wir alle bis dahin (also bis 2036 oder früher) auch

tatsächlich sogar Heilungsoptionen erleben dürfen. Etwa

so wie dies bei der Hepatitis C schon erreicht werden

konnte.

Wann dieses hehre Ziel erreichbar sein mag ist jedoch

noch völlig unklar. Klar ist allerdings, dass schon heute

die Instrumente zur Verfügung stehen, dass in Deutschland

vermutlich kein Mensch mehr unmittelbar an den

Folgen einer AIDS-Erkrankung sterben muss, wenn

HIV-Infizierte ihren Status kennen, Zugang zu den verfügbaren

Therapien haben und diese sehr adhärent einnehmen.

Klar ist auch, dass wir noch erhebliche Anstrengungen

unternehmen müssen, um das Mögliche zeitnah erreichen

zu können. Klar ist weiterhin, dass wir dazu eine

adäquate Infrastruktur, insbesondere zu Beratungs- und

Testmöglichkeiten, aber auch bzgl. der medizinischen

Versorgungslage benötigen. Und davon sind wir u.E. in

unserer Region noch weit entfernt – und entfernen uns

durch Abbau / Schrumpfung der spezifischen Ressourcen

eher weiter davon als dass wir uns dessen nähern.

Ganz zu schweigen von Unterstützungsleistungen im sozialrechtlichen

Bereich für Menschen mit HIV und AIDS,

welche in der Regel mit einer längeren Lebenserwartung

keineswegs verschwinden.

Klar ist für uns auch, dass nicht zuletzt auch mit erweitertem

Blick über HIV hinaus – also bezogen auf die Entwicklungen

mit und bei anderen sexuell übertragbaren

Infektionen (STI`s) – ein Nachlassen im Bereich der Primärprävention

fatal und wenig verantwortungsbewusst

wäre.

Und damit kommen wir zum zweiten Aspekt, der uns

dazu veranlasst hat, vom „möglicherweise letzten Jubiläum“

zu sprechen. Denn es bestehen berechtigte Sorgen

darüber, ob die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel ein

weiteres „kleines Jubiläum“ (etwa das 35.) in der bestehenden

Form überhaupt erleben kann.

Die Ziele sind klar, die dazu erforderlichen strategischen

Maßnahmen erkannt und vielfach gut formuliert. Im April

des Berichtsjahres 2016 hat sogar noch das Bundeskabinett

in fachlich hoher Qualität den „Fahrplan“ vorgelegt,

mit dem Papier zur „Strategie zur Eindämmung von HIV,

Hepatitis B und C und anderen sexuelle übertragbaren Infektionen.

BIS 2030 – Bedarfsorientiert * Integriert * Sektorenübergreifend“

(Bundesministerium für Gesundheit

und Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Beschluss des Bundeskabinetts vom 06.04.2016).

So heißt es dort: „Um diese Ziele zu erreichen und die

errungenen Erfolge nicht zu gefährden, bedarf es in den

nächsten Jahren verstärkter Anstrengungen aller Beteiligten.

Ein ganzheitlicher Ansatz ist dafür erforderlich.

(…) Für die Umsetzung müssen alle relevanten Akteure

ebenenübergreifend zusammenarbeiten. Bund, Länder,

kommunale Selbstverwaltung, Öffentlicher Gesundheitsdienst,

freie Träger, die Selbsthilfe, Ärzteschaft, Pflegekräfte

sowie die Bereiche Justiz, Bildung und Arbeit sind

gefordert.“ (a.a.O., S. 4).

Ähnlich gute Konzepte und Vereinbarungen gibt es vom

6


Land NRW und einigen weiteren staatlichen Organen (vgl.

die letzten Jahresberichte). Die Musik ist also bestellt –

und die Leistungsverzeichnisse sehr gut erstellt. Sie wird

nur leider nicht annähernd adäquat bezahlt!

auch, weil die Erfordernisse für Netzwerkarbeit stetig anwachsen,

diese allerdings nur dann auch effektiv wirken

können, wenn hier personelle Kontinuität gewährleistet

werden kann.

Und hier ist für das Berichtsjahr in unserer Region leider

Gegenteiliges zu konstatieren.

Im Berichtsjahr blieb es dabei, dass wir nur noch einen

einzigen HIV-Schwerpunktbehandler im Duisburger Süden

haben. Eine weggefallene Stelle im Gesundheitsamt

Duisburg konnte auch 2016 noch nicht nachbesetzt

werden und im Kreis Wesel brachte das Jahr 2016 eine

Reduzierung des fachspezifischen Personals, des Testangebotes

sowie den Ausstieg aus der schulischen Prävention,

die das Gesundheitsamt in Duisburg schon lange

nicht mehr vorhält. Zum Jahresende waren in beiden

kommunalen Strukturen zudem die pflichtigen Stellen der

„AIDS-Koordination“ vakant.

Wir können all diese schönen Papiere unterschreiben

und richten unsere Anstrengungen auch danach aus,

können sie aber nur ansatzweise umsetzen, weil die öffentliche

Förderung auf allen föderalen Ebenen gedeckelt

ist oder de facto weiter gekürzt wird. Und so war das Berichtsjahr

einmal mehr auch von intensiver Lobbyarbeit

geprägt, insbesondere in den kommunalen Strukturen

vom Kreis Wesel und der Stadt Duisburg – im Ergebnis

ohne nennenswerten Erfolg bzw. eher mit ernüchternden

Rückschritten verbunden.

Gemeinsam gegen AIDS

Müssen wir uns in unserer Region eher von den Zielen

und der gemeinsamen, ganzheitlichen Strategie verabschieden?

Wir möchten an dieser Stelle deutlich zum Ausdruck

bringen, dass wir die synergetische Strategie wegen

schrumpfender Ressourcen gefährdet sehen!

Angesichts der ambitionierten aber erreichbaren Ziele

erachten wir es für entscheidend, dass die partnerschaftliche

und partizipative Kooperation erhalten und günstigenfalls

gestärkt wird.

Dies alles erfordert natürlich personelle und materielle

Ressourcen, verbunden mit zeitlichen Perspektiven. Nur

so können einerseits nachhaltige Effekte erzielt werden

und andererseits flexible Anpassungsprozesse an epidemiologische

und soziodemographische Entwicklungen

insbesondere in der Vor-Ort-Arbeit erfolgen. Vor allem

Im Zuge der Verabredungen mit dem Kreis Wesel im Rahmen

der Haushaltskonsolidierungsmaßnahmen konnten

zwar angedachte Mittelkürzungen für die AIDS-Hilfe noch

verhindert werden, allerdings mussten wir hier auch zum

Jahresende unsere Zweigstelle in Wesel schließen – und

damit das einzige spezifische Vor-Ort-Angebot. Es verbleibt

dort nur noch die aufsuchende Arbeit.

Das Schlimmste zu verhindern erfordert wiederum mehr

zeitliche Investitionen in die Gremien- und Netzwerkarbeit,

um drohenden Know-how-Verlusten vorzubeugen

und das Mögliche zu tun, um etablierte Standards zu erhalten.

Ob dies im erforderlichen Maße gelingen mag, ist mehr

als fraglich. Wir werden uns voraussichtlich eher mit der

Verhinderung von weiteren Erosionen befassen müssen

– und zwar im personellen wie auch im finanziellen Bereich,

denn die Deckelungen der öffentlichen Förderung

werden sich weiter sehr ungünstig auf den Erhalt der vorhandenen

Kapazitäten auswirken!

Unsere Haushaltslage und die Folgen

Die seit vielen Jahren gedeckelten Landes- und kommunalen

Fördermittel führen auch bei unserer AIDS-Hilfe

dazu, dass die Schere zwischen öffentlicher Förderung

und Haushaltsbedarfen immer weiter auseinander driftet

und darüber allein schon die Aufrechterhaltung unseres

Angebotsspektrums immer schwieriger wird. Zu betonen

ist, dass ein ganz überwiegender Teil dieser Angebote

kommunale Pflichtaufgaben abdeckt.

Selbst bei stabiler öffentlicher Förderung wächst der Eigenmittelanteil

alleine durch tarifrechtliche Steigerungen

im Personalkostenetat sowie stetig steigender Sachkostenausgaben

(Mehrwertsteuer, technische Ausstattung

7


durch z.B. online-taugliche Medien, Fahrtkosten, vom

Land geforderte, aber nicht refinanzierte Qualitätssicherungsmaßnahmen,

Nebenkosten für den Gebäudeunterhalt,

Personalbeschaffungs- und Fortbildungskosten,

Mitgliedsbeiträge bei Dachverbänden und vieles mehr).

Um einen einigermaßen ausgeglichenen Haushalt hinzubekommen,

benötigen wir mittlerweile über 50.000 Euro

per anno aus nicht-öffentlichen Drittmitteln. Das macht

zwischen 15 und 20 % unseres Haushaltsvolumens aus.

Und dabei ist der „Gegenwert“ von ca. 3200 Stunden

ehrenamtlicher (entgeltfreier, aber nicht kostenfreier!) Arbeit

per anno (entspricht ca. 3 Vollzeitäquivalenten!) noch

nicht eingerechnet!

Allerdings mussten wir im Berichtsjahr weitere Einbrüche

bei den Drittmitteln (Spenden, Sponsoring und sonstige

Einnahmen) verzeichnen, wodurch wir veranlasst waren,

noch mehr Betriebsmittelrücklagen einzusetzen und darüber

geraten wir in sehr absehbarer Zeit in sehr ernsthafte

Liquiditätsprobleme. Die stabile Vorhaltung unseres

Leistungsspektrums ist akut gefährdet. Wenn es nicht

gelingen sollte, diesen Trend zu stoppen, wird das Überleben

schwer.

Trotz einer erneut sehr umsichtigen Haushaltsführung,

die bei Werner Garbe in besten Händen liegt (was wir

im August auch durch die Prüfung durch den Rentenversicherungsträger

bestätigt bekamen) , mussten auch

wir uns in den letzten Jahren sehr konkret mit eigenen

Haushaltskonsolidierungsmaßnahmen beschäftigen und

sehr schmerzliche Einschnitte vollziehen. Um nur ein

paar Beispiel zu nennen, haben wir eine Viertel-Stelle

im Bereich der psychosozialen Begleitung abgebaut,

seit 2015 auf supervisorische Begleitung vollständig verzichtet,

was fachlich und unter professionellen und qualitätssichernden

Gesichtspunkten eigentlich nicht tragbar

ist. Seit 2016 haben wir unseren sog. Positivenfonds für

dringend benötigte Soforthilfen abgeschmolzen und die

Kriterien verändert. Darüber hinaus haben wir in nahezu

allen Sachkostenbereichen Reduktionen vornehmen

müssen, aber es zeigt sich deutlich, dass wir damit schon

an die Grenzen des Machbaren gegangen sind und wir

darüber kaum Entlastung erfahren konnten.

Die auseinanderdriftende Schere zwischen öffentlicher

Förderung und den Personal- und Overheadkosten lässt

alljährlich das Defizit wachsen. Und obwohl es sich bei

den hauptamtlichen Leistungen –wie erwähnt- zum ganz

überwiegenden Teil um kommunale Pflichtaufgaben handelt

und wir von Land, Stadt und Kreis gehalten sind,

qualifizierte Fachkräfte einzusetzen (welche im untersten

Level der tariflichen Eingruppierungstabelle eingestuft

sind), lassen uns diese im „Regen stehen“.

Die durch die Deckelung der kommunalen Förderungen

seit nunmehr zehn Jahren auflaufenden Defizite haben

wir lange weitgehend durch Drittmittelakquise und den

Einsatz von Eigenmitteln (Notwendige Betriebsmittelrücklagen)

auffangen können und darüber die kommunalen

Haushalte geschont. Durch die Einbrüche (s.o.) in

diesen Bereichen aber ist „das Ende der Fahnenstange“

erreicht.

Über diese Entwicklungen informieren wir natürlich

unsere Zuwendungsgeber alljährlich, allerdings bisher

ohne positive Effekte. Nun haben wir im Berichtsjahr eine

abermalige Initiative ergriffen.

Passend zum Jubiläumsjahr und infolge unserer erstmaligen

Aufstockungsanträge im Vorjahr haben wir quasi

zum „Geschenk“ bekommen, dass erstmals seit 29 Jahren

(!)

die Dezernenten, Amts- und Fachbereichsleiter von Stadt

und Kreis in der AIDS-Hilfe an einem Tisch gesessen haben,

um die Situation mit uns zu erörtern. Wir haben signalisieren

können, dass sich die Vertreter der unteren

Gesundheitsbehörden eigentlich immer noch glücklich

schätzen können, dass das bundesweit einmalige Konstrukt

mit der Zuständigkeit für eine Großstadt und einem

Flächenkreis in Verbindung mit der Landessockelförderung

dazu geführt hat, dass beide Strukturen mit dem

Einsatz sehr geringer Mittel ein richtig großes Leistungspaket

bekommen. Die `berühmt-berüchtigten´ Synergieeffekte

sind in unserer Region darüber schon lange bestens

erreicht. Diese zu erhalten erfordert aber nunmehr

eine u.E. überschaubare Nachbesserung – wohlgemerkt

für Kommunale Pflichtaufgaben.

Ohne Nachbesserungen können die Standards bei weitem

nicht gehalten werden und wird die Anforderung zu

einer „Weiterentwicklung der HIV-/AIDS- und STI-Prävention“

letztlich zur Farce geraten. Daher haben wir

auch für das kommende Jahr erneute Aufstockungsanträge

zur kommunalen Ergänzungsfinanzierung gestellt.

Bei allem Verständnis für die seit vielen Jahren schwierigen

Haushaltslagen unserer Kommunen ist es doch

letztlich auch eine Frage der Prioritätensetzung (wie die

Beispiele vergleichbarer kommunaler Strukturen, die sich

auch in Haushaltssicherung befinden, zeigen), wie viel

den Verantwortlichen die Pflichtaufgabe zur Sicherung

der sexuellen Gesundheit wert ist und wie nachhaltig gedacht

und geplant wird, wenn man auch die Folgekosten

im Blick haben will.

Gerade vor dem Hintergrund der schrumpfenden Ressourcen

haben wir parallel zu unseren Aufstockungsanträgen

auch eine inhaltliche Positionierung von der Stadt

Duisburg und dem Kreis Wesel eingefordert, denn bei

diesen liegt die Pflicht zu definieren, was, durch wen, in

welchem Umfang bei der strukturellen HIV und STI-Prävention

geleistet werden und wie dies finanziert werden

8


soll.

Wir meinen, dass es nach nunmehr 30 Jahren unseres

Bestehens an der Zeit war, dass sich die Kommunen entsprechend

ihrer Verpflichtung dazu positionieren.

Diese Positionierung haben wir als weiteres „Jubiläumsgeschenk“

auch von beiden Kommunen im Berichtsjahr

erhalten. Und –wen wundert es?- beide Kommunen wollen

das Leistungspaket gemäß der Rahmenvereinbarung

zur Weiterentwicklung der HIV-/AIDS- und STI-Prävention

mit dem Land NRW erhalten wissen und wünschen

sich von uns, dies im Rahmen unserer Möglichkeiten

weiter zu gewährleisten.

Wie das ohne Nachbesserungen gelingen soll, haben sie

uns noch nicht hinreichend erläutert.

Vor dem Hintergrund der verbesserten Behandlungsoptionen

und der gestiegenen Lebenserwartung bleibt die

Zahl unserer Begleitungsverhältnisse auf stabil hohem

Niveau. Während uns eindeutig immer mehr Menschen

mit HIV immer weniger „nötig“ haben, wächst leider auch

die Zahl derjenigen Klient*innen, die aufgrund vielfältiger

lebenspraktischer Problemlagen eine besonders hohe

Begleitungs- und Betreuungsintensität benötigen. Hinzu

kommt, dass in der Bevölkerung insgesamt, aber in unserer

Klientel in besonderem Maße die Zahl und Vielfalt

der psychischen (Begleit-) Erkrankungen wächst. Hier

stoßen wir zunehmend an Kapazitäts- und Qualifikationsgrenzen

und haben uns im Berichtsjahr weiter intensiv

mit Möglichkeiten einer Erweiterung unserer Angebote

durch den Einstieg in Projekte des Ambulant Betreuten

Wohnens beschäftigt. Da uns dazu aber (noch) die personellen

Ressourcen fehlen, haben wir uns nach speziellen

Förderprogrammen erkundigt und haben entsprechende

Beratung durch den PARITÄTISCHEN NRW

eingeholt. Allerdings benötigen wir auch dafür befürwortende

Stellungnahmen der Sozialhilfeträger der unteren

Gesundheitsbehörden. Wir sind gespannt.

„In 30 Jahren hat sich das Leben mit HIV verändert. Für

die einen ist HIV eine behandelbare chronische Infektion,

bei anderen geht es immer noch mit Armut, Einsamkeit

und dem Krankheitsbild AIDS einher. Prävention ist komplexer

geworden. Aus- und Fortbildung, Beratung und

Ehrenamtsmanagement müssen unseren fachlichen und

professionellen Ansprüchen entsprechen. Das alles kostet

viel Geld.“ (nrw.aidshilfe.de, Wir wollen mehr, 2015)

Auch wenn wir die staatlichen Strukturen nicht aus ihrer

Verantwortung für die pflichtige Arbeit entlassen wollen,

sind wir zudem gehalten, auch nach entlastenden Kooperationen

oder Ergänzungen unseres Aufgabenspektrums

und/oder nach alternativen Einnahmequellen Ausschau

zu halten.

Ohne Spenden- und Sponsoring durch verschiedene zivilgesellschaftliche

Gruppierungen und Einzelpersonen

wäre die Aufrechterhaltung unseres Angebots- und Leistungsspektrums

schon lange nicht denkbar.

Der vorliegende Jahresbericht wird über eine Vielfalt von

derartigem Engagement Auskunft geben. Da halten wir

es gerne mit Erich Kästner und wollen über gutes Tun

reden (s. 4.).

Trotz aller Nöte und Sorgen – gefeiert haben wir unser

Jubiläum auch.

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Mit HIV leben in Deutschland immer mehr Menschen

(2015 ca. 85.000) mehr oder weniger gut. Etwa 2/3 davon

sogar so gut, dass sie der Unterstützung durch die

AIDS-Hilfen kaum noch bedürfen. Es bleibt allerdings

gut ein Drittel, die aufgrund von diversen, oft prekären

Lebenssituationen auch aufgrund der HIV-Infektion dringend

auf Unterstützung, Rat und Hilfe durch AIDS-Hilfen

angewiesen sind. Und das zumindest phasenweise sehr

intensiv.

Ein schöner Tag mit vielen illustren Gästen (s. 4.2.)

Epidemiologische Eckdaten

Dies gilt insbesondere für die Gruppe der sogenannten

„late presenter“, der Menschen also, die erst sehr spät

ihre Erstdiagnose bekommen und sich dann bereits in

sehr ernst zu nehmenden gesundheitlichen Problemlagen

befinden – nicht selten bereits im Stadium AIDS sind.

Sie tauchen erst so spät auf, weil sie bis dahin vielleicht

nur wenig gesundheitliche Probleme hatten, weil sie entweder

bis dahin kein Risikobewusstsein entwickelt haben,

weil sie sich aus diffusen Ängsten heraus bewusst

gegen einen Test entschieden haben oder weil sie Stigmatisierung

oder/und diskriminierende Folgen befürchten

oder weil ihnen schlichtweg die Informationen fehlen.

Oder weil sie bis dahin auf schlecht informierte oder nicht

sensibilisierte Mediziner gestoßen sind und sie somit keine

Testempfehlung bekommen haben.

Für das Berichtsjahr 2015 geht das Robert-Koch-Institut

(RKI, für 2016 kommen belastbare Daten erst Mitte 2017)

zudem davon aus, dass von den etwa 85.000 HIV-Infizierten

in Deutschland ungefähr 13.000 Menschen noch

nicht getestet sind und somit keine Ahnung von ihrem

Status haben können. Und dabei sind die zugewanderten

Menschen mit Migrationshintergründen (wie etwa

Geflüchtete) nicht (mehr) berücksichtigt, weil das RKI

sich zurzeit dazu außer Stande sieht, seriöse Angaben

zu machen.

Und diese Gruppe der Ungetesteten spielt wiederum eine

wesentliche Rolle hinsichtlich der Zahl von HIV-Neuinfek-

10


tionen (für das Berichtsjahr 2015 etwa 3200 = stabiles

Niveau), denn diese sind vermutlich für einen großen Teil

der Übertragungen verantwortlich.

Für das Jahr 2015 verzeichnet das RKI allerdings einen

5%igen Anstieg bei den sog. Neudiagnosen (gesicherte

Diagnosen, die nicht zwingend alle aus 2015 stammen

müssen, hier werden z.T. auch ältere Infektionszeiten inkludiert,

die aber in 2015 gemeldet wurden). Diese verteilen

sich wie folgt auf die „Transmissionsgruppen“: 50,4 %

MSM = Männer, die Sex mit Männern haben; HETerosexuelle:

26 % = plus 24% im Vergleich zum Vorjahr; intravenös

verabreichter Drogenkonsum –IVDU- 3,6 % = plus

22 % im Vergleich zum Vorjahr; Mutter-Kind-Übertragungen

in 2015 = 26 gesamt; Rest: 19 % ohne Angaben zum

Infektionsweg.

Auffällig bei der weitergehenden Analyse der regionalen

Verteilung war laut RKI, dass die absoluten Zahlen der

HIV-Neudiagnosen bei MSM besonders im ländlichen

Bereich gestiegen sind, die Anstiege bei den HETerosexuellen

besonders in Bayern und NRW, bei den IVDU in

Niedersachsen und NRW zu verzeichnen sind.

Hinzuzurechnen wären auch noch die nicht erfassten

HIV-Neudiagnosen bei Geflüchteten (z.B. über Zwangstestungen

aus Bayern), wovon gemäß Königsberger

Schlüssel eben auch die meisten NRW zugewiesen

wurden. Da es sich aber epidemiologisch betrachtet um

keine auffälligen Herkunftsregionen handelt, sprechen

wir hier sicher nicht über „Massen“. Allerdings sind wir

durchaus im Berichtsjahr mit einigen „Fällen“ und dann

auch sehr intensiv beschäftigt gewesen.

Das RKI zieht im Bulletin vom September 2016 ein

Fazit, in dem es unter anderem heißt: „Das HIV-Infektionsgeschehen

in Deutschland wird nach wie vor stark

durch die Entwicklung unter MSM geprägt. Der größte

Teil der Infektionen bei MSM wird in Deutschland erworben,

und der größte Teil der Infizierten ist deutscher

Herkunft. Es scheint jedoch, dass die Kombination von

fortgesetzter Präventionsarbeit, besserer und früherer

Behandlung und häufigerer HIV-Testung langsam Früchte

trägt. Zumindest dort, wo die Voraussetzungen für

ein Zusammenwirken aller drei Faktoren günstig sind,

können Rückgänge der Neudiagnosezahlen beobachtet

werden. In ländlichen Regionen, wo die Voraussetzungen

ungünstiger sind, hinkt die Entwicklung hinterher.“

(Epidemiologisches Bulletin Nr. 38, Robert-Koch-Institut,

26.09.2016, S. 417).

Alles in allem also kein Grund zur Entwarnung oder

zur Reduktion von Maßnahmen der strukturellen HIV-/

STI-Prävention.

Wie sieht es nun epidemiologisch betrachtet in unserer

Region aus?

In Duisburg liegt die Inzidenzrate für 2015 bei 4,1 / pro

100.000 Einwohnern = 20 Neudiagnosen (Stand vom

26.09.2016; Vgl. 2014 : 3,3), also ein nennenswerter

Anstieg. (Quelle: Robert-Koch-Institut, Epidemiologisches

Bulletin Nr. 38 http://www.3.rki.de/SurvStat,

Stand:26.09.2016)

Zu berücksichtigen ist hier insgesamt ein suboptimales

(Zeiten und Ort) und recht hochschwelliges Testangebot.

Hier besteht u.E. nach wie vor ein deutlicher Verbesserungsbedarf.

Insbesondere wäre ein zentrales, niedrigschwelliges

Abendangebot für berufstätige Testwillige

sehr wünschenswert.

Für Duisburg ist von einer Prävalenz von etwa 650 – 700

HIV-Infizierten auszugehen. Rechnet man etwa 500 Infizierte

für den Kreis Wesel hinzu liegen wir bei deutlich über

1.000 HIV-Positiven in unserem Zuständigkeitsgebiet.

Nach RKI-Erhebungen sind davon etwa 71,5 % unter

Therapie (s. RKI, Epidemiologisches Bulletin, Nr. 45,

14.11.2016, S. 502; Anm.: für unsere Region ist diese

Quote angesichts der defizitären Infrastruktur sicherlich

niedriger) – viel zu wenig! Und so ist es nicht verwunderlich,

dass wir immer wieder mit „Late Presentern“ zu

tun haben. Nimmt man die spezifische Versorgungslage

hinzu (nur ein Schwerpunktbehandler weit und breit – mit

inzwischen weit über 300 HIV-Patienten), so stellen wir

erheblichen Nachbesserungsbedarf fest. Viele sind darauf

angewiesen für die medizinische Versorgung sehr

weite Wegstrecken in Kauf zu nehmen (etwa zur Uniklinik

in Essen) und für viele stellen alleine die Fahrtkosten

eine große Barriere dar. Ganz zu schweigen davon, dass

primärpräventive Effekte durch den „Schutz durch Therapie“

erheblich zu steigern wären.

Für den Kreis Wesel liegen keine wirklich belastbaren Daten

vor. Das liegt an der anonymisierten Erfassung und

der Zuordnungssystematik, dass nur die ersten drei Ziffern

der Postleitzahlen erhoben werden. Gehen wir von

den Daten des sogenannten „restlichen Regierungsbezirk

Düsseldorf“ für 2015 aus, so ist auch hier erneut ein

leichter Anstieg zu verzeichnen. Wir können aber nur auf

die Schätzwerte des Vorjahres verweisen: Die Inzidenz

lag 2015 realistisch geschätzt bei 3,1 (Stand 26.09.2016;

entspricht etwa 15 Fällen im Berichtsjahr; Vgl. 2014: 2,9).

Zu berücksichtigen ist eine nicht zu beziffernde Quote

von Menschen, die sich –z.T. aus Gründen der Wahrung

von Anonymität- bei Teststellen außerhalb des Wohnbereiches

testen lassen oder/und keine Angaben zum

Wohnort machen wollen oder eben zu den angebotenen

Testzeiten keine Chance haben, diese wahrnehmen zu

können. Hier wissen wir etwa aus der Stadt Essen von

nennenswerten Quoten von Testungen für Menschen

aus dem Kreis Wesel oder der Stadt Duisburg.

Ganz besonders bedauern wir, dass nach dem Ausschei-

11


den des langjährigen AIDS-Koordinators für den Kreis

Wesel im Frühjahr 2016 das Testangebot weiter reduziert

worden ist. Vor allem die Aufgabe des recht gut angenommenen

wöchentlichen Abendangebotes in Moers ist

aus unserer Sicht sehr bedenklich. Das Beratungs- und

Testangebot für den rechtsrheinischen Raum des Kreises

Wesel ist mit insgesamt 3 Stunden am frühen Nachmittag

im Monat (!) äußerst grenzwertig.

Nach dem Ausscheiden des Nachfolgers in der Funktion

des AIDS-Koordinators ist diese Stelle zudem seit Mitte

November vakant und wir können nur hoffen, dass hier

zeitnah nachbesetzt wird.

Immerhin handelt es sich um kommunale Pflichtaufgaben

(nach IfSG und ÖGDG) – nur leider hat der Gesetzgeber

den Umfang nicht geregelt und so sind auch „Schmalspurregelungen“

grundsätzlich nicht anfechtbar.

Wir gestehen den kommunalen Seiten zu, dass es mittlerweile

nicht mehr leicht ist, geeignete Fachkräfte für

diese Aufgaben zu finden – erst recht nicht, wenn für die

Wahrnehmung der HIV-/AIDS-spezifischen Aufgaben im

öffentlichen Gesundheitsdienst nur noch Planstellenanteile

zur Disposition stehen.

Umso mehr Pflichtaufgaben müssen im Rahmen der Kapazitätsmöglichkeiten

von uns abgedeckt werden, was

allerdings wegen der de facto schrumpfenden Refinanzierung

auch immer schwieriger wird.

Um den Ziel der Minimierung von HIV-Neuinfektionen näher

zu kommen, der Umsetzung des Menschenrechtes

auf Gesundheit, Information und Aufklärung gerecht zu

werden und um die adäquate Versorgung von Menschen

mit HIV und AIDS sicher zu stellen, werden entsprechende

Ressourcen benötigt.

Angesichts der epidemiologischen Situation in Deutschland

müssen Präventionsmittel und –maßnahmen insbesondere

dort zur Verfügung stehen, wo sie besonders

benötigt werden – z.B. in Bereichen von (Beschaffungs-)

Prostitution (s. 5.4.), bei Menschen mit bestimmten

Migrationshintergründen (s. 5.5.) oder bei der Versorgung

von Suchterkrankten (s. 5.2.) und eindeutig im Bereich

von homo- und bisexuellen Männern und Männern,

die Sex mit Männern haben (MSM) (s. 5.1.). Eine weitere

sehr wichtige Zielgruppe stellen Menschen in Haft dar,

wo wir leider immer noch höhere Infektionsgefährdungspotentiale

(besonders bzgl. der Hepatitiden B und C,

aber durchaus auch bezogen auf HIV) konstatieren, die

im Wesentlichen in den hygienisch höchst bedenklichen

(Drogen-) Konsumbedingungen begründet sind (s. 5.3.).

„Unverzichtbar ist dabei nach wie vor die Primärprävention

für Kinder und Jugendliche (s. 5.6.). Wichtig ist, HIV/

AIDS-Prävention als Teil von Gesundheitsförderung und

Sexualaufklärung zu verstehen und Jugendliche frühzeitig

zu Beginn ihrer sexuellen Aktivität zu erreichen“ (Landeskonzept

„Weiterentwicklung der HIV/AIDS-Prävention

in Nordrhein-Westfalen“, 2013, S. 10; s. auch 5.6. im

vorliegenden Jahresbericht).

Seit 2015 zeigen sich laut RKI auch HIV-Meldungen

von Geflüchteten signifikant in den Surveys. Hier weist

das RKI darauf hin, dass die Neudiagnosen aus dieser

Gruppe insbesondere im ländlichen Bereich stärker gestiegen

seien (Epidemiologisches Bulletin Nr. 27 vom

06.07.2015, S. 247).

Auch wir können die erhebliche Steigerung an Anfragen

für das Berichtsjahr nur bestätigen – sowohl für den Bereich

der Begleitung als auch für den Bereich der Nachfragen

für Präventionsveranstaltungen.

Das RKI zieht das Fazit: „Es bleibt festzuhalten, dass bislang

kein nennenswerter Rückgang der Neuinfektionen

festgestellt werden kann – und dies obwohl ein hoher Anteil

der mit HIV Diagnostizierten antiretroviral behandelt

wird und damit kaum noch infektiös ist.“ (2015, a.a.O.,

S. 248)

Als ein bedeutsamer Erklärungsansatz gilt auch für das

Berichtsjahr der weitere Anstieg der Syphilis-Inzidenzen,

was wiederum die zwingende Verbindung von HIV- mit

STI-Prävention untermauert und eine Intensivierung der

Arbeit vor allem in der Zielgruppe (junger) schwuler Männer

und Männern, die Sex mit Männern haben (MSM)

nach sich ziehen sollte. Das RKI weist hier darauf hin,

dass die Syphilis die HIV-Übertragungswahrscheinlichkeit

auch dann erhöht, wenn sich am (insgesamt sehr

guten) Risikoverhalten (s. Daten der EMIS-Studie) nichts

ändert.

Dazu sollten sich der Zugang und die Abrechnungsmöglichkeiten

für STI-Screenings deutlich verbessern. Regelmäßige

Checks auf STI`s sollten auch für sexuell aktive

Menschen ohne Symptome zur Kassenleistung werden,

denn dies ist eine wichtige Maßnahme im Rahmen der

HIV-Prävention und auch zur Vermeidung von sehr hohen

Folgekosten.

Auf Seiten der Ärzte wie auch der Patienten erfordert

dies allerdings einen tabufreieren, offenen Umgang mit

12


dem Thema Sexualität, denn nur wenn offen darüber

kommuniziert werden kann, können diagnostische und

therapeutische Maßnahmen zur Anwendung kommen.

Let`s talk about Sex!

Der Ansatz der strukturellen Präventionsarbeit im Kontext

von Gesundheitsförderung hat sich dazu ganz eindeutig

bewährt. Angesichts der epidemiologischen Daten

in Deutschland erweist sich die zielgruppenspezifische

Präventionsarbeit als immer bedeutungsvoller, damit die

richtigen Menschen mit den passenden Botschaften und

Maßnahmen lebenswelt- und akzeptanzorientiert erreicht

werden können und die Ansätze nicht ins Leere greifen,

denn: Nur wer sich schätzt, schützt sich und andere!

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. – Fachstelle

für sexuelle Gesundheitsförderung - arbeitet von

Beginn an nach diesem Grundsatz und bietet – mit einem

für die Größe des Zuständigkeitsgebietes und der

Einwohnerzahl vergleichsweise kleinen Team von ehrenund

hauptamtlichen Mitarbeiter*innen - ein umfassendes

Projektspektrum dazu.

So gibt der vorliegende Bericht vor allem Auskunft über

die konkrete Arbeit der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel

e.V.- Fachstelle für sexuelle Gesundheitsförderung- im

Jahre 2016. Wir wünschen anregende Lektüre!

Die Zusammenarbeit im Rahmen des „Runden Tisches

zur HIV-Versorgung“, in dem neben Dr. Kwirant auch die

Gesundheitsämter der Stadt Duisburg und des Kreises

Wesel sowie die AIDS-Hilfen Duisburg / Kreis Wesel und

Oberhausen vertreten sind bzw. sein sollten, gestaltet

sich –leider ohne Beteiligung des Kreises Wesel - recht

stabil und aktiv. Hier übernehmen wir –wie in manch

anderen Feldern- die Koordination und Organisation,

was eigentlich eine der Kernaufgaben der kommunalen

AIDS-Koordination wäre (s. § 23 ÖGDG).

Leider verzeichnen wir nicht nur hier eine stetig nachlassende

Aktivität von Seiten der kommunalen Gesundheitsämter,

die sich -bewusst oder nicht- immer mehr

darauf verlassen (können), dass wir hier einspringen

(auch die Öffentlichkeitsarbeit betreffend, etwa im Rahmen

des Welt-AIDS-Tages u.a.m.; s. dazu: „Standards

und Perspektiven in der HIV-/AIDS- und STI-Arbeit und

–Koordination, 2. Revision vom August 2015; hrsgg. vom

Verband der AIDS-KoordinatorInnen NRW e.V.). Das machen

wir seit vielen Jahren, auch wenn wir dafür keine

Refinanzierung erfahren, weil es aber unerlässlich ist, um

die fachlichen Standards so gut es geht zu halten und

Weiterentwicklung vor dem Hintergrund der sich stetig

verändernden Anforderungen grundsätzlich möglich zu

machen.

13


Vor dem Hintergrund der heutigen medizinischen Optionen

muss unser gemeinsames Ziel sein, möglichst auch

denjenigen HIV-Positiven Zugang zu medizinischer Versorgung

zu ermöglichen, die diesen bisher noch nicht

hatten. Darüber hinaus gilt es, die noch nicht Getesteten

zu möglichst früher Diagnosestellung zu bewegen und

somit u.a. die Problematik der „late presenter“ zu verringern.

Unsere Aufgabe diesbezüglich besteht dabei darin, zum

einen ein Risikobewusstsein in der Bevölkerung zu schärfen

und die Testbereitschaft zu erhöhen. Dieser Komplex

benötigt dann aber eben auch eine entsprechende Infrastruktur

der strukturellen Prävention und damit eben

auch der HIV-spezifischen medizinischen Versorgung.

gab es im Berichtsjahr auch eine erfreuliche personelle

Stabilität.

Anfang Juni mussten wir von unserem langjährigen Vorstandmitglied,

Karl-Heinz Lemke Abschied nehmen, dem

wir an dieser Stelle unseren tiefen Dank und Respekt für

sein enormes Engagement für Menschen mit HIV & AIDS

und für unsere AIDS-Hilfe in verschiedenen Funktionen

„mit auf den Weg“ geben wollen.

Damit hat leider auch die Selbsthilfegruppe von Menschen

mit HIV und AIDS einen Aktivisten und Organisator

verloren, wodurch u.a. auch die in diesem Jahr geplante

Positiven-Freizeit ausfallen musste. Ruhe in Frieden, lieber

Karl-Heinz!

Die Erhaltung unseres Angebotsspektrums sowie die stete

Weiterentwicklung dessen als erstes Ziel sind in erster

Linie nur deshalb noch möglich, weil wir trotz immer

wiederkehrender Konfrontation mit Kürzungsszenarien

und manch anderer Ernüchterungen (Wegfall wichtiger

Personen in den Netzwerken, Erhöhung des bürokratischen

Aufwandes u.a.) ein immer noch hochmotiviertes

ehren- und hauptamtliches Team haben.

Eine der wichtigsten Pfunde und Ressourcen für die Aufrechterhaltung

unserer Angebotspalette sind und bleiben

unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen, denen einmal

mehr ein riesiges „Danke schön!“ gilt.

Angefangen beim Vorstand über nahezu alle anderen Arbeitsfelder

können wir hier auf eine sehr stabile „Mannschaft“

bauen. Allerdings gibt es leider auch nur überschaubaren

Andrang von neuen Interessent*innen.

Wir möchten Sie, verehrte Leserinnen und Leser, an dieser

Stelle bitten, potentiell interessierte Menschen auf

uns aufmerksam zu machen, denn: AIDS-Hilfe-Arbeit ist

spannend, kann intensiv und unter Umständen belastend

sein, aber auch dankbar und für die eigene Persönlichkeitsentwicklung

gewinnbringend. Das gilt nach wie vor

auch für die ehrenamtliche Mitarbeit auf allen Ebenen (s.

www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de / Ehrenamt).

Wenn wir immer wieder vom „ehren- und hauptamtlichen

Team“ der AIDS-Hilfe reden, so ist dies keine Floskel.

Wir sind ein Verein und wir arbeiten partnerschaftlich und

partizipativ gemeinsam – jede/r im Rahmen seiner/ihrer

Möglichkeiten und alle im Sinne unseres Vereinszweckes

und der verfolgten Ziele. Das gilt natürlich insbesondere

für die Zusammenarbeit von Vorstand und hauptamtlichen

Team.

Bestätigung und Rückhalt für unsere Arbeit und Entwicklung

erfuhren wir auf der diesjährigen Jahreshauptversammlung

am 23. Mai 2016.

Der amtierende Vorstand wurde einmal mehr einstimmig

entlastet und für seine umfassende Arbeit gewürdigt. Hier

Der Vorstand: Silke Stützel, Thomas Hilgers, Daniela

Niemczyk und Peter Külpmann

Personelle Struktur

Stete Fort- und Weiterentwicklung einer Organisation

kann nur da gut gedeihen, wo auch spezifische Kompetenzen

und Erfahrungen vorhanden sind, wo Bewährtes

den erforderlichen Wandel konstruktiv, kritisch begleitet.

Kontinuität bei der Personalstruktur ist einer der wichtigsten

Faktoren für die Aufrechterhaltung des Leistungsspektrums

und das Funktionieren auch der Kooperations-

und Netzwerkarbeit, auf die wir in vielfältiger Weise

angewiesen sind. Ganz zu schweigen von der enormen

Bedeutung möglichst fester Ansprechpartner*innen in

der Begleitungsarbeit mit Klient*innen.

Im Berichtsjahr 2016 hat uns „nur“ unser „Herzenslust“-Projekt

personelle Wechsel beschert. Im Rahmen

der Probezeit haben wir uns zur Jahresmitte von unserem

Herzenslust-Koordinator (seit 01.01.2016 angestellt)

trennen müssen. Just zur Hochphase der zielgruppenspezifischen

Präventionsarbeit, der „CSD-Saison“.

Hier hat es sich einmal mehr ausgezahlt, dass durch eines

weit über das vertraglich Geregelte hinaus gehenden

enormen Einsatz unseres geringfügig beschäftigten Her-

14


zenslust-Gruppenleiters, Uwe Altenschmidt, im Verbund

mit „seinen“ ehrenamtlichen Mitstreitern die geplanten

Aktionen und Veranstaltungen ohne größere Abstriche

dennoch umgesetzt werden konnten. Dem ganzen Team

gilt ein ganz besonderer Dank!

Glücklicherweise konnte die Vakanzzeit auf der HL-Koordinatorenstelle

kurz gehalten werden. Seit dem

01.09.2016 füllt unser „letzter Zivi“, Raphael Diaz Fernandez

diese Stelle mit großem Engagement aus und

konnte den Herbst „heiß“ machen, mit ungewöhnlich vielen

„Herzenslust“-Veranstaltungen. Erfreulich ist darüber

hinaus auch durchaus die Verjüngung des Teams und

der erhebliche Zugewinn an IT- und Medienkompetenz

und –affinität (s. 5.1.).

Ansonsten ist unser Team stabil geblieben – ein Segen,

den es zu pflegen gilt.

Ein herzlicher Dank der Geschäftsführung und des Vorstandes

gilt einmal mehr den ehren- und hauptamtlichen

Kolleginnen und Kollegen, die Ihre Arbeit weit über das

erwartbare „buisiness as usual“ hinaus wahrnahmen.

Und das in einem Jahr mit erneut hohen Intensitäten

durch das Auftauchen von HIV-positiven Geflüchteten,

dem Aufwand für unser Jubiläum sowie den belastenden

Auseinandersetzungen mit dem Kreis Wesel. DANKE!

Dass wir trotz dieser mehr als widrigen Umstände und einigen

Wochen Vakanzen unsere angestammten Arbeitsbereiche

und –angebote in gewohnter Form und Qualität

fast durchgehend vorhalten konnten, darüber legt der

vorliegende Jahresbericht (und die Controlling-Daten im

Anhang) Zeugnis ab.

So ist etwa von einem wichtigen Primärpräventionsbereich,

der Duisburger Substitutionsregelung, welche nicht

unbedingt zum Kernbereich zählt, zu berichten, dass

dieses Angebot recht stabil weiter läuft. Diese Regelung

ist nicht nur für die Klient*innen von hohem gesundheitlichen

und psychosozialen Nutzen ist, sondern auch für

die AIDS-Hilfe ein finanzieller Segen. Hier gilt den Ärzten

Dr. Hander, Herrn Harzem, Dr. Sondag, Dr. Stark und Dr.

Gudat sowie unseren begleitenden Ehrenamtler*innen

ein ganz großes Dankeschön! (s. 5.2.2.).

Im November entsetzte uns die Nachricht vom plötzlichen

Tod von Dr. Sondag, der mit Abstand die meisten

Patienten versorgte und entsprechend die meisten Wochenenddienste

übernommen hatte. Sein großes Engagement

und sein besonderer Humor wird uns und vielen

Substituierten sehr fehlen.

Damit einher geht leider auch ein weiterer Einnahmeverlust

für die AIDS-Hilfe.

Die Absicht, im Bereich der Drogenarbeit in Duisburg die

JES- (Junkies, Ehemalige und Substituierte) Selbsthilfegruppe

zu stärken und weiter zu etablieren, war von

Erfolg gekrönt. Dies ist insbesondere eine Folge der intensiven

Streetworkarbeit durch unsere Kollegin Nadine

Bolte, die sich inzwischen als feste und gern gesehene

Ansprechpartnerin der zu erreichenden Gruppe drogengebrauchender

Duisburger*innen etabliert und inzwischen

zu einer sehr erfreulichen Netzwerkbildung geführt

hat. Besonders erwähnenswert sind sicher zum einen die

Ausweitung der aufsuchenden Arbeit auf den Duisburger

Norden (einmal wöchentlich in Hamborn) durch den JESler

Marko Stegmann. Für dieses wichtige Angebot konnte

über den Landesverband sogar eine Förderung erzielt

werden. Und zum anderen läuft die „Kooperation“ mit den

„ArtGenossen“ vom Lehmbruck-Museum hier höchst erfreulich

Unser erklärtes und auch satzungsgemäßes Ziel bleibt

es, im Sinne eines partizipativen Ansatzes, Selbsthilfestrukturen

anzuschieben und so gut es geht zu fördern

(s. 5.2.).

Im Bereich der Präventions-, Beratungs- und Begleitungsarbeit

in den Justizvollzugsanstalten konnte die

erfreuliche Kooperation im Berichtsjahr wieder in vollem

Umfang durchgeführt werden. Hier ist die Anstaltsleitung

mit der Arbeit von Rüdiger Wächter offensichtlich so zufrieden,

dass wir bereits zum Jahresende den Vertrag

für das Jahr 2017 unterzeichnen konnten, worüber auch

Fördermittel des Justizministeriums NRW abgerufen werden

können, die zumindest Teile der Personalkosten decken

können. Indiz für die hohe Wertschätzung unserer

Arbeit in diesem Bereich sind die regelmäßigen Anfragen

an Rüdiger Wächter, als Referent bei Fachkongressen

sowie die Aufnahme der Projektberichte im Band 30 der

„Schriftenreihe: Gesundheitsförderung im Justizvollzug,

hrsg. Von prof. Heino Stöver, Oldenburg 2016) (s. 5.3).

15


Es freut uns ganz besonders, dass im Bereich der Frauenarbeit

mit Janina Boers die wichtige Arbeit (XXelle-Kampagne,

PSB bei Frauen mit HIV u.a.m.) mit einer

festen Ansprechpartnerin stabil fortgeführt werden

konnte. Ist es doch die einzige fachspezifische Stelle in

unserem großen Zuständigkeitsgebiet. Die Frauenquote

in unserer AIDS-Hilfe ist gewachsen – und das ist gut

so. Eine ganze Reihe von neuen Beratungs- und Begleitungskontakten

ergab sich insbesondere durch die

gute Vernetzung mit der HIV-Schwerpunktpraxis von Dr.

Kwirant. Besonders intensiv waren im Berichtsjahr die

Begleitungsfälle von Frauen mit Migrationshintergründen,

nicht zuletzt einzelnen Fällen aus der Gruppe der

Geflüchteten.

Darüber hinaus funktioniert die landesweite und überregionale

Vernetzungsarbeit im landesgeförderten XXelle-Projekt

hervorragend (s. 5.4.).

Zudem waren und sind wir auf dem Sektor der (Beschaffungs-)

Sexarbeit angesichts erheblicher Zuwanderung

–v.a. von Frauen aus südosteuropäischen Regionen- im

Praktischen und Konzeptionellen zunehmend gefordert.

Auch für die dabei unerlässliche Netzwerkarbeit und im

Besonderen die Zusammenarbeit mit den ÖGD-Strukturen

ist eine stabile personelle Struktur besonders wichtig.

Im Arbeitsbereich der Prävention bei Männern, die Sex

mit Männern haben (MSM), gab es nicht nur bei den Präventionsoffensiven

im Umfeld des im Berichtsjahr weiter

ausgebauten CSD in Duisburg ebenfalls wieder viel

„Action“ für die Abteilung Herzenslust (s.o.) – und auch

hier viel Anerkennung für das Geleistete. Erfreulich ist

insgesamt eine weiter zu verzeichnende (Wieder-) Belebung

der schwul-lesbischen Szene in Duisburg. Es

tut sich was und wir sind zuversichtlich, dass das auch

positive Auswirkungen bei der Gewinnung von neuen

„Herzenslüstlern“ haben mag. Die Einstellung des Beratung-und-Test-Angebotes

in unseren Räumen in Kooperation

mit dem Gesundheitsamt Duisburg im Frühjahr bedauern

wir allerdings außerordentlich (s. 5.1.).

Im Sektor Youthwork / Prävention in der

Allgemeinbevölkerung (s. 5.6.) können wir über

weitgehend stabile Nachfragen mit nach wie vor

hervorragenden Rückmeldungen berichten. Seit dem

„Comeback“ von Anika Walther können wir zumindest gelegentlich

auch hier wieder etwas mehr anbieten – vor allem

in Zeiten von Mehrfachanfragen. Erwähnenswert ist

dabei sicher das tolle Projekt der „Sexualpädagogischen

Stadtrallye“ für Schüler/innen der neunten Jahrgänge aller

Schulformen, das in Kooperation mit SCHLAU-Duisburg

und der pro familia Duisburg dank der Förderung

durch den Jugendhilfeausschuss der Stadt Duisburg weiter

erfolgreich durchgeführt wurde und sich reger Nachfrage

erfreut.

Darüber hinaus haben wir unsere Jubiläumsfeier am

01.07.2016 auch mit dem regionalen Start der relaunchierten

landesweiten Youthwork-Kampagne „dein leben.

deine lust.“ verbunden. Das Ausstellungsmodul und viele

neue Medien konnten hier wirkungsvoll präsentiert werden.

Erwähnenswert auch in diesem Arbeitsfeld ist die Nachfrage

an Veranstaltungen für junge (vorwiegend männliche)

Geflüchtete, die zwar eine neue konzeptionelle und

sprachliche Herausforderung darstellen, die aber höchst

erfreulich verliefen und sich vor allem bei der DAA, dem

Bildungsträger mit zahlreichen Integrationskursen in unserer

Region sehr schnell herumgesprochen haben.

Im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit (s. 4.) sind wir in zunehmendem

Maße „Alleinunterhalter“ für die Region geworden,

denn da kommt von Seiten der unteren Gesundheitsbehörden

einfach nicht mehr viel. Da heißt es leider

eher „Einsam gegen AIDS“ als „Gemeinsam“!

Dies gilt jedoch nicht für andere Netzwerke, wie das Duisburger

Aktionsbündnis gegen AIDS, den Runden-Tischzur

HIV-Versorgung oder den Arbeitskreis Prävention Duisburg.

Leider waren wir im Berichtsjahr erneut intensiv auch mit

Diskriminierungsfällen beschäftigt. In der Regel irrationale

Ängste, aber auch klare Ausgrenzungen scheinen eher

wieder zu- als abzunehmen. Ende April gab es hier bei

einem besonderen Fall –einen HIV-positiven Jungen und

sein soziales System betreffend- ein hohes überregionales

mediales Interesse, was hoffentlich zu einer weiteren

Sensibilisierung und vor allem Entspannung im Umgang

mit HIV beigetragen hat (s. Pressespiegel).

Hinzu kamen im ersten Quartal intensive Korrespondenzen

und Gespräche anlässlich der Folgen der Haushaltskonsolidierungspläne

im Kreis Wesel (s.o.), wie auch mit

dem Gesundheitsamt der Stadt Duisburg.

Nicht unerwähnt lassen möchten wir an dieser Stelle

aber auch, dass die Weiterleitung der Landesmittel wie

der städtischen Zuwendungen über die Stadt Duisburg

im Berichtsjahr sehr reibungslos geklappt hat, was nicht

immer so war. Gleiches gilt für die pünktlichen Überweisungen

durch den Kreis Wesel, wo es galt, einen Sperrvermerk

zu „überwinden“. Dies konnte allerdings mit dem

Verweis auf „pflichtige Aufgaben“ erreicht werden. Beides

hat dazu beigetragen, dass wir (noch) nicht in ernsthafte

Liquiditätsprobleme geraten sind. Danke dafür!

Es deutet einiges darauf hin, dass unser Haushaltsabschluss

für 2016 ein erheblich kleineres Defizit ausweisen

wird, als es die Planung befürchten ließ. Dennoch

bleibt es dabei, dass die erforderliche Betriebsmittelrücklage

weiter in bedrohliche Bereiche abschmilzt. Also kein

16


Grund zur Entwarnung!

Und natürlich waren wir auch in diesem Jubiläumsjahr

wieder „auf der Straße“ mit Infoständen und Aktionen im

Sommer und boten ein umfangreiches Programm zum

Welt-AIDS-Tag 2016 (s. 4.4.).

„Klappern gehört zum Handwerk“.

Unsere Arbeit und unsere Aktionen werden wahrgenommen

– wir können nicht behaupten, dass wir keine Lobby

hätten. Allerdings möchten wir an dieser Stelle eingestehen,

dass der stete Kampf für den Erhalt der Strukturen

immer wieder auch demotiviert und Kraft raubt.

Besonders erfreulich war diesbezüglich allerdings im

Berichtsjahr das Medieninteresse und die Unterstützung

durch Presse, Funk und Fernsehen.

Abschließend möchten wir uns natürlich an dieser Stelle

bei all jenen treuen Freund/innen und Förderern, Zuwendungsgebern

und Sympathisant*innen sowie bei den

Vertreter*innen aus Politik, Verwaltungen und Gesundheitsämtern,

medizinischen und Beratungseinrichtungen,

einigen Kirchengemeinden für die Unterstützung unserer

Weihnachtsfeier, den vielen Netzwerkpartnern, Schulen

und sonstigen Kooperationspartnern und unseren Dachverbänden,

den „PARITÄTISCHEN“ Kreisgruppen, der

Deutschen AIDS-Hilfe und der AIDS-Hilfe NRW für ihre

Wertschätzungen, unterstützenden Aktionen und guten

Wünsche im Berichtsjahr aufs Herzlichste bedanken.

Zivilgesellschaftliches Engagement ist immer noch und

nicht nur vor dem Hintergrund rückläufiger öffentlicher

Förderung immer mehr gefragt. Diesbezüglich können

wir einmal mehr auf ein Jahr mit zum Teil wirklich großartiger

Unterstützung zurückblicken (s. 4.). Insbesondere im

Zusammenhang mit dem diesjährigen Welt-AIDS-Tags-

Geschehen erlebten wir viel Engagement von verschiedensten

Gruppen und Einzelpersonen. Stellvertretend

möchten wir hier schon mal auf die WAT-Aktionen an einigen

Schulen unserer Region sowie die hervorragende

mediale Unterstützung durch das Duisburger Lokalfernsehen

„Studio47“ wie auch der WDR-Lokalzeitredaktion

verweisen.

Besonders bemerkenswert ist auch das erneute Engagement

der Alpener Gastronomen, Wolfgang Gödeke

und Frank Sieger und Ihrem Team der „Burgschänke“,

die uns das Essen für die Weihnachtsfeier am Heiligen

Abend spendeten. Dieses ist von den über 20 Teilnehmer*innen

sehr gelobt worden. Ganz herzlichen Dank für

diese wunderbare Geste, die Menschen zugute kam, die

über Weihnachten keine Familienanbindung haben.

DANKE!

Wir bedanken uns bei den Sparkassen aus unserer Region

für ebenso treue Unterstützung und besonders beim

GudsO-Team der Targobank Duisburg, die schon zum

elften Male eine unglaublich kreative Soli-Bären-Verkaufsaktion

durchgeführt und erneut ein super Ergebnis

beim „Bärenvertrieb“ erzielt haben. Und das, obwohl

der diesjährige Soli-Bär nicht ganz so gut angenommen

wurde, wie in den Vorjahren. Aber das Duisburger „Bären-Alleinstellungsmerkmal“,

die wunderbaren Strick-Accessoires,

die eine inzwischen recht große Strick-Gruppe

der Targobank Dienstleistungs GmbH produziert, fing

hier erneut einiges auf. Ein ganz großer Dank gilt dieser

Kreativ-Gruppe!

17


2. Beratung

2.1 Einleitung

Die Beratung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel

e.V. wurde wie in den vorangegangenen Jahren als ein

Hauptschwerpunkt unserer Arbeit durchgeführt.

2.2 Die Angebote der AIDS-Hilfe im Sektor Beratung

Unsere Beratungsangebote konnten von den Ratsuchenden

wie folgt genutzt werden:

1. persönliche Beratung in unseren Büroräumen

während der Öffnungszeiten und nach Vereinbarung

in der AIDS-Hilfe oder aufsuchend;

2. telefonische Beratung durch Hauptamtler*innen

während der Bürozeiten in Duisburg und Wesel

sowie für die Bundesweite Telefonberatung Donnerstags

in der Zeit von 09.00 – 12.00 Uhr am

Donnerstag;

3. telefonische und E-Mail Beratung durch die

ehrenamtlichen Telefonberater in der Zeit von

19.00-21.00 Uhr am Montag in Duisburg.

2.2.1 Persönliche Beratung

Während der Öffnungszeiten sowie nach telefonischer

Absprache auch außerhalb der Öffnungszeiten, konnten

Ratsuchende sich persönlich durch hauptamtliche Mitarbeiter*innen

in unseren Büros in Duisburg und Wesel

beraten lassen. Bei diesen Beratungsgesprächen wurde

auf eine ruhige und entspannte Atmosphäre geachtet.

Bei Bedarf konnten Ratsuchende, die anonym bleiben

wollten, sich auch Termine außerhalb der Öffnungszeiten

und dem damit verbundenen Publikumsverkehr geben

lassen. Bei Beratungen von Personen, die kürzlich

ihr HIV-positives Testergebnis erhalten haben, wurde im

Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe immer das Angebot unterbreitet,

mit einem HIV-Positiven zu sprechen, der schon

länger mit der Infektion lebt. Dieses Angebot wurde auch

im Berichtsjahr gelegentlich in Anspruch genommen.

Die persönliche Beratung wurde im Berichtszeitraum

erneut etwas mehr von Ratsuchenden in Anspruch genommen

als in den vorangegangenen Jahren. Vermutlich

auch ein Zeichen dafür, dass unser „neuer“ Standort

in Duisburg nunmehr bekannt ist. Die Besuchs- und

Beratungsfrequenzen in Wesel waren dagegen nur sehr

dezent gewachsen. Wir haben die Hoffnung, dass die

Bürgerinnen und Bürger des Kreises Wesel sich –nach

Schließung der Beratungsstelle in Wesel zum Jahresende-

zur persönlichen Beratung entweder nach Duisburg

kommen können oder einen Vor-Ort-Termin über Telefon

oder per e-mail mit uns vereinbaren.

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2.2.3 Die Bundesweite Telefonberatung

An 62 Stunden pro Woche können sich Ratsuchende unter

der Rufnummer 0180 33 19411 (9 ct./min. aus dem

deutschen Festnetz maximal 42 ct./min. aus deutschen

Mobilfunknetzen) mit ihren Fragen rund um HIV/AIDS

telefonisch an die Berater der AIDS-Hilfen wenden. Die

Hotline ist erreichbar in den Zeiten: Montags bis Freitags

von 9.00-21.00 Uhr und am Samstag und Sonntag von

12.00-14.00 Uhr.

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e. V. beteiligt sich

als eine von bundesweit 26 Einrichtungen an diesem

nunmehr fest etablierten Angebot. Die haupt- und ehrenamtlichen

Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis

Wesel e.V. bedienen Ratsuchende aus dem ganzen Bundesgebiet

am Montagabend von 19.00-21.00 Uhr und bis

Ende November 2015 am Donnerstag von 11.00-14.00

Uhr. Seit dem 3. Dezember 2015 haben wir dieses Zeitfenster

verändern können und sind seither Donnerstags

von 09.00 – 12.00 Uhr bundesweit aktiv. Die regionalen

Angebote bleiben im vollen Umfang bestehen. So

können sich Menschen telefonisch, persönlich und per

E-Mail zu den gewohnten Zeiten an die Mitarbeiter*innen

der AIDS-Hilfe wenden. Die aktive Beteiligung an diesem

bundesweiten Angebot wird ausgesprochen gut genutzt.

Häufig melden sich sehr verunsicherte Menschen, die

sich über das Internet oder andere Quellen informiert

haben, aber durch die Vielfalt an unterschiedlichen Aussagen

im Ergebnis eher verunsichert wurden und umso

dankbarer für klare und kompetente Beratungsleistungen

sind. Die Telefonberatung trägt dem Wunsch nach

Anonymität in besonderem Maße Rechnung. Dadurch

können wir allerdings in aller Regel keine regionale Zuordnung

der Ratsuchenden leisten. Für unsere Mitarbeiter*innen

bietet die Telefonberatung gewissermaßen eine

wöchentliche Fortbildungsmöglichkeit zur HIV-/AIDSund

STI-Beratung.

2.2.2 Telefonische Beratung

Auch in diesem Jahr blieb die Zahl der Telefonberatungen

während der Öffnungszeiten sehr hoch. Die Ratsuchenden

wurden nach eingehender Erörterung der Risikosituationen

aufgeklärt. Falls erwünscht, wurden die

Ratsuchenden zwecks HIV-Antikörper-Test an das jeweilige

örtliche Gesundheitsamt verwiesen. Vor dem Hintergrund

der sehr schmalen Zeitfenster der Testberatungsangebote

der Gesundheitsämter mussten wir allerdings

auch zunehmend auf Angebote in umliegenden Städten

verweisen. Insbesondere gilt dies für Berufstätige. Eine

sehr unbefriedigende Situation, zumal das Testangebot

zu HIV und STI`s eine kommunale Pflichtaufgabe ist, deren

Umfang allerdings leider nicht festgelegt ist.

Im Berichtsjahr 2016 wurden 439 Beratungen im Rahmen

dieses Angebotes durchgeführt, davon 327 mit Männern,

112 mit Frauen und überwiegend für Heterosexuelle (geschätzt

über 65 %).

Die Telefonberatung spielt bei der Aufklärung zu HIV

nach wie vor eine große Rolle. Sie ist das Medium zur

Beantwortung persönlicher Fragen und zur Abklärung eines

individuellen HIV-Übertragungsrisikos. Mit der neuen

Rufnummer werden bestehende Angebote unter einer

bundesweiten Nummer zusammengeführt und damit die

Erreichbarkeit für Ratsuchende weiter verbessert. Durch

die Intensivierung der Weiterbildung und die Einrichtung

eines Online-Portals für Berater*innen wird die Qualität

der Beratung langfristig gesichert.

Im Rahmen der Bundesweiten Telefonberatung werden

mit den ehrenamtlichen Telefonberatern regelmäßig Treffen

mit dem hauptamtlichen Koordinator durchgeführt.

Ziel ist einerseits der Austausch und die Terminvergabe

19


(wer ist an welchen Tagen für die Beratung zuständig)

und andererseits werden Beratungsgespräche als Fallbeispiele

bearbeitet sowie bei belastenden Gesprächen

supervidiert. Im Berichtsjahr übernahm Werner Garbe

die hauptamtliche Koordination.

Unseren ehrenamtlichen Telefonberatern Johann Mangelsdorf

und Klaus Gürke gilt an dieser Stelle ein großer

Dank für ihren fantastischen Einsatz.

2.2.4 Die Telefonberatervernetzung im Ruhrgebiet:

Die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. ist mit anderen

Kooperationspartnern aus dem Ruhrgebiet in einer Telefonberatervernetzung

zusammengeschlossen. Ziel dieser

Vernetzung ist der fachliche Austausch und der Erhalt

der hohen Qualitätsstandards.

2.2.5 E-Mail Beratung

Die E-Mail Beratung in der AIDS-Hilfe wurde weiterhin

angeboten. Die E-Mailberatung ist unter der folgenden

Adresse zu erreichen: www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de/beratung.

Um die gängigsten Fragen im Voraus zu klären, wurden

auf unserer Homepage die acht häufigsten gestellten

Fragen (FAQ) eingestellt. Der Ratsuchende konnte beim

Anklicken einer Frage gleich die Antwort lesen. Durch

dieses Beratungsangebot konnten viele Ratsuchende

ohne dass sie an uns eine E-Mail schreiben mussten,

bedient werden. Detailliertere Fragen konnten dann per

E-Mail an uns gesendet werden.

Folgende vorgefertigten Fragen wurden im Internet angeboten:

Einen kostenlosen und anonymen HIV Test kann man

beim Gesundheitsamt machen.

Wenn Du mehr wissen möchtest: E-Mail an beratung@

aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de

WANN MUSS ICH MEDIKAMENTE NEHMEN?

Die Frage nach einem Therapiebeginn und Medikamenten

können wir nicht so allgemein beantworten. Das

sollte ein Arzt entscheiden, da dafür aufwendige Blutuntersuchungen

nötig sind.

Wenn Du mehr wissen möchtest: E-Mail an beratung@

aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de

WIE WIRD MEIN PARTNER REAGIEREN?

Um diese Frage zu klären, ist es ratsam ein Beratungsgespräch

zu führen oder komm doch mit Deinem

Partner in die AIDS-Hilfe und sprecht vor Ort über Eure

Probleme und Fragen.

Wenn Du mehr wissen möchtest: E-Mail an beratung@

aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de

GIBT ES EXTRAGROSSE KONDOME?

Ja, es gibt extragroße Kondome. Kondome, in allen

möglichen Ausführungen, gibt es in Apotheken und

Drogeriemärkten zu kaufen. Achtet dabei auf das aufgedruckte

Haltbarkeitsdatum und auf eine vorhandene

Kontrollnummer!

IST AIDS EIN GRUND ZUR KÜNDIGUNG?

Es besteht kein Gesetz in der BRD, dass Du dem Arbeitgeber

einen positiven HIV Test mitteilen musst.

Wenn Du mehr wissen möchtest: E-Mail an beratung@

aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de

Übrigens: Kondome sollten kühl, trocken, vor Hitze und

direkter Sonneneinstrahlung geschützt gelagert werden.

Sie sollten auch nicht mit Ölen oder Fetten in Berührung

kommen, dies greift sie an und lässt sie schneller

zerreißen. Benutze für den Gebrauch von Kondomen

nur vom Hersteller zugelassene Gleitmittel.

Wenn Du mehr wissen möchtest: E-Mail an beratung@

aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de

WIE GEFÄHRLICH IST ORALER SEX?

Bei oralem Sex, ohne Verletzungen / Wunden und ohne

Abspritzen besteht ein sehr geringes HIV Risiko, jedoch

hinsichtlich anderer Geschlechtskrankheiten besteht ein

hohes Risiko!

Wenn Du mehr wissen möchtest: E-Mail an beratung@

aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de

WO MACHE ICH EINEN HIV-TEST?

WO TREFFE ICH ANDERE POSITIVE?

20


Wo Du andere Positive treffen kannst erfährst Du am

besten in Deiner regionalen AIDS-Hilfe. In Duisburg gibt

es eine Positivengruppe.

Wenn Du mehr wissen möchtest: E-Mail an beratung@

aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de

INFO ZUR E-MAIL BERATUNG

Insgesamt wurde die E-Mailberatung im Jahr 2016

allerdings recht wenig genutzt. Als Grund ist hierfür sicherlich

die ebenfalls bundesweite E-Mailberatung der

AIDS-Hilfen zu nennen.

2.2.6. Danksagung:

Wir danken unseren ehrenamtlichen Mitarbeitern, die

diese anspruchsvolle und zuweilen äußerst belastende

Tätigkeit ausüben und sich konsequent weiterbilden, um

den hohen Qualitätsstandards in der Beratung zu entsprechen.

21


3. Begleitung

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel bietet HIVpositiven

und an Aids erkrankten Menschen Begleitung

an. Eine HIV-Infektion geht oftmals einher mit Ängsten

und Problemen bei der Bewältigung der Diagnose. Diese

können Prozesse sozialer Isolation fördern und auch in

ökonomische Krisen führen, die nicht selten vielfältige

sozialrechtliche Probleme mit sich bringen.

Auch beeinflussen die Anforderungen und

Nebenwirkungen der lebenslang erforderlichen

Medikamenteneinnahme den Alltag von HIV-positiven

Menschen. Ängste vor dem Verlust sozialer Attraktivität

oder einer möglichen Verkürzung des Lebens, können

den Alltag beeinträchtigen. Die psychische Stabilisierung

und Akzeptanz einer veränderten Lebenssituation sind

wichtige Ziele im Rahmen der Begleitung.

Die Menschen, die zu uns in die Beratung kommen,

haben vielfaltige Probleme. Gerade in der PSB

(Psychosoziale Begleitung) begegnen uns Menschen

mit existenzbedrohlichen Problemlagen. Verlust

der Wohnung und anstehende Obdachlosigkeit, bei

Migrant*innen häufig eine fehlende Krankenversicherung,

die den Zugang zu der lebenswichtigen ART

(AntiRetroviraleTherapie) erschweren oder verzögern,

bei HIV positiven Drogenkonsument*innen psychische,

physische und mentale Instabilität aufgrund von

Drogenkonsum oder fehlende Compliance bzgl. der HIV-

Medikation.

Im Mittelpunkt der PSB steht die individuelle

Gesundheitsförderung, das gemeinsame Suchen und

Finden von situativ angepassten Strategien bei der

Bewältigung von Krisen und emotionalen Konflikten.

Das soziale Umfeld, also die Bedeutung sozialer

Verhältnisse auf die individuelle Gesundheit, in denen

Menschen leben, müssen ebenfalls mit einbezogen

werden, wenn es um die Stärkung individueller

Ressourcen und Kompetenzen geht.

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel bietet:

· Individuelle Hilfen für Menschen mit HIV/Aids

· Beratung für An- und Zugehörige zur

Stabilisierung des sozialen Umfeldes

· Psychosoziale Begleitung bei Substituierten

durch Fachkräfte

· Angeleitete Gruppen für Menschen mit HIV/Aids

· Angebote zur Freizeitgestaltung

· Förderung von Selbsthilfegruppen

HIV ist heute eine chronische Erkrankung, allerdings

mit einigen Besonderheiten. Ein großer Teil der

HIV-positiven Menschen verträgt die Medikamente

gut und hat auch eine gute Compliance. Während

aufgrund der Vielzahl der Medikamente die akuten

Nebenwirkungen weniger werden, treten häufiger

Langzeitnebenwirkungen und Multimorbiditäten

insbesondere psychische Erkrankungen, Osteoporose

und Herz-Kreislauferkrankungen auf. Hier gilt es, andere

gesundheitsschädigende Risiken zu minimieren. Des

Weiteren werden unsere Begleiteten auch älter und in der

Beratungs- und Begleitungsarbeit ist es uns wichtig, für

bestimmte Vorsorgeuntersuchungen zu sensibilisieren

und altersbedingte Erkrankungen, wie im Berichtsjahr

das Thema „Krebs und HIV“ mit in den Fokus zu nehmen.

Ein weiteres Themenfeld unserer Beratung von

Begleiteten liegt in der Koinfektion mit Hepatitis C. Einige

von Ihnen haben neben ihrer HIV-Infektion zusätzlich

noch eine Hepatitis-C-Infektion. Insbesondere im Bereich

der Psychosozialen Begleitung von Substituierten mit

HIV, ist aufgrund der hohen Kosten der neuen HCV

Therapien, eine Beantragung und Genehmigung dieser

neuen Optionen durch die Krankenversicherungsträger

oft problematisch.

Viele von unserer langjährig Begleiteten waren bereits

an Aids erkrankt, beziehen eine kleine Rente und

leben auf dem Niveau des Arbeitslosengeldes II, der

Grundsicherung oder leicht darüber. Hierbei handelt

es sich um Leistungen, die ihrem Ursprung nach zur

Überbrückung einer kurzen Zeit angedacht waren.

Letztendlich verharren diese Begleiteten nicht selten

in einer Lebenssituation, die Ihnen finanziell keinen

Spielraum lässt und wenig Perspektiven für die Zukunft

bietet. Neben fehlenden Mitteln für existentielle Dinge

wie Stromnachzahlung oder Ersatzanschaffungen

von Haushaltsgeräten, fehlt es aufgrund der nicht

vorhandenen materiellen Ressourcen an Lebensqualität,

da die Teilhabe am gesellschaftlichten Leben wie

Ausgehen, Kino und andere Freizeitaktivitäten einen

Faktor für Lebensqualität darstellen kann. Dadurch

kommt es oft zu Vereinsamung und Depressionen, so

dass auch von Einzelnen suizidale Gedanken geäußert

werden, die Thema in der Beratungsarbeit sind. Um

der Vereinzelung vorzubeugen, haben wir einige

Angebote, die weiter unten beschrieben sind, auch im

Berichtsjahr vorgehalten bzw. freuen uns, dass Angebote

in Selbsthilfe ausgestaltet werden. Des Weiteren bieten

wir Unterstützung bei sozialrechtlichen und finanziellen

Schwierigkeiten.

Einige unserer Begleiteten bringen sich aktiv ein oder

engagieren sich auf landes- und bundesweiter Ebene in

Landesarbeitsgemeinschaften und Netzwerken.

Andere gehen einer geregelten Arbeit nach und nehmen

die AIDS-Hilfe nur punktuell zu bestimmten Fragen in

Anspruch, besuchen unser Mittwochs-Café oder von uns

durchgeführte Fortbildungsveranstaltungen.

22


Im Berichtsjahr mussten wir uns – wie in den letzten

Jahren auch - mit dem Thema „Late-Presenter“

beschäftigen. Das bedeutet, dass bei diesen Personen

die Infektion erst festgestellt wurde, als sie sich

schon im Stadium AIDS befanden. Hier ist besonders

psychosoziale Unterstützung gefordert, da in diesen

Fällen bereits eine lebensbedrohende Situation vorlag.

Für die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen bedeutete dies,

häufige und zeitintensive Besuche im Krankenhaus.

Bei komplexen Begleitungen, die im Zeitumfang unsere

Ressourcen übersteigen, und die entsprechenden

Voraussetzungen gegeben sind, vermitteln wir in Formen

ambulant betreuten Wohnens.

Neben dem Beratungsangebot in der AIDS-Hilfe bieten

wir in Einzelfällen auch aufsuchende Arbeit und somit

Treffpunkte außerhalb der AIDS-Hilfe an. Dies kann

bei dem Begleiteten zuhause oder einem neutralen Ort

außerhalb von AIDS-Hilfe und Wohnung sein.

3.1 Einzelbegleitung

Die Einzelbegleitung wird in der Regel von drei

hauptamtlichen Mitarbeiter*innen mit unterschiedlichem

Zeitanteil ihrer Voll- bzw. Teilzeitstellen neben ihren

anderen Aufgabenbereichen durchgeführt.

Im Berichtsjahr 2016 konnten wir weiterhin

ein Begleitungsteam von drei hauptamtlichen

Mitarbeiter*innen – zwei Halbe- und einer Viertel-

Teilzeitstellen – vorhalten – bei Phasen von

Kriseninterventionen zu wenig!

In der Begleitungsarbeit bieten wir Beratungen zu

Wirkungen und Nebenwirkungen der Medikamente, zu

Partnerschaftskonflikten, sozialrechtlichen und finanziellen

Problemen an. Wir unterstützen bei Rentenanträgen

wegen Erwerbsminderung oder schreiben Widersprüche

bei fehlerhaften ALG II Bescheiden. Bei weitergehenden

und komplexeren Problematiken stellen wir Kontakt zu

entsprechenden Beratungsstellen, wie zum Beispiel der

Schuldnerberatung, her.

Bei finanziellen Problemen halfen wir mit unserem

Positivenfond, bei größeren Beträgen stellten wir

Anträge an die Deutsche AIDS-Stiftung, soweit die

Antragshintergründe die Kriterien der Stiftung erfüllen.

An dieser Stelle bedanken wir uns ganz herzlich für

die perfekte Unterstützung durch die Deutsche AIDS-

Stiftung.

Zeitintensive Krankenhausaufenthalte waren im

Berichtsjahr bei drei Frauen und drei Männern zu

verzeichnen. Hier ist es den Mitarbeiter*innen des

Begleitungsteams weiterhin wichtig, dass - wenn

irgendwie möglich – wir einmal pro Woche im

Krankenhaus einen Besuch abstatten. Da die Aufenthalte

in den Krankenhäusern in den unterschiedlichsten Orten

stattfinden, und unsere Begleiteten aus einem großen

Einzugsgebiet kommen (Duisburg / Kreis Wesel) und

teilweise die stationäre Versorgung in den Unikliniken

Essen und Düsseldorf erfolgt, ist der Besuch mit hohem

Zeitaufwand verbunden.

Im Berichtjahr 2016 konnten die hauptamtlichen

Mitarbeiter*innen insgesamt 1.808 Begleitungskontakte

verzeichnen.

Ehrenamtliche Mitarbeiter*innen sind in diesem Feld, vor

allem weil die Qualifikationsanforderungen nicht mehr

adäquat erfüllt werden können, zurzeit nicht aktiv.

Eine Sterbebegleitung, die wir in Kooperation mit

dem Hospiz Mühlheim durchführten, war für uns eine

schmerzliche Erfahrung. Wir mussten uns von einem

langjährig Begleiteten und ehemaligen Vorstandsmitglied

verabschieden.

3.2 Positivenfond

In dem Berichtsjahr 2016 galt es für die AIDS-Hilfe

Duisburg / Kreis Wesel e.V. die bisherigen Strukturen

und Auszahlungsmodalitäten des Positivenfonds zu

verändern. Hintergrund für diese Entscheidung war die

sich abzeichnende Tendenz, dass die Spendengelder in

den letzten Jahren stark zurückgingen. Besonders die

„Soforthilfe“, die in den vorherigen Jahren den größten

Ausgabenanteil ausmachte, stand aus diesem Grund auf

dem Prüfstand.

In der Begleitungsarbeit wurde weiterhin der Bedarf

gesehen, dass in dringenden Notfällen eine finanzielle

Hilfe ohne großen administrativen Aufwand ermöglicht

werden sollte. Dementsprechend entwickelten die

Mitarbeiterinnen im Begleitungsbereich neue Vorgaben

für den Umgang mit dem Positivenfond.

Diese neuen Regelungen für die Auszahlungen an

die Klient*innen gelten seit dem 1.1.2016. Nach den

überarbeiteten Richtlinien ist es für Positive möglich, bis

zu 50€ zu bekommen, wenn ein konkreter Notfall vorliegt.

Dieser muss jedoch von dem/der Klient*in in Form

von Kontoauszügen oder Rechnungen nachgewiesen

werden. Da im Jahr nur zwei Mal eine solche finanzielle

Hilfe in Anspruch genommen werden kann, sollte bei

jeder Anfrage ein ausführliches Gespräch stattfinden.

Diese Regeln wurden den Klient*innen bereits im Vorfeld

mündlich und schriftlich mitgeteilt, um die Erwartungen

bezüglich finanzieller Hilfen nicht zu enttäuschen.

Im Rückblick zeigen die Erfahrungen mit den neuen

Auszahlungsmodalitäten, dass der Positivenfond

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weniger genutzt wurde. Während sich die Ausgaben des

Positivenfonds 2015 auf 1.976,- € beliefen, waren es

2016 nur 529,80 €.

Bisher erweisen sich die neuen Regelungen für die

Mitarbeiterinnen in der Begleitung als sinnvoll. In den

Fällen, in denen um finanzielle Hilfe gebeten wurde,

waren die Auszahlungen möglich. Somit musste keine

der Anfragen abgelehnt werden.

Eine notwendige Ergänzung für den Positiven Fond der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. stellt weiterhin

die Deutsche AIDS-Stiftung dar. Erneut ließen sich durch

Anträge an die Stiftung größere finanzielle Notlagen

erfolgreich bearbeiten, die den Rahmen des Fonds

sprengen würden.

3.3 Zusammenarbeit mit Kooperationspartner*innen

Die langjährige Zusammenarbeit mit

Kooperationspartner*innen wurde im Berichtsjahr

fortgesetzt. Im Einzelnen handelt es sich um folgende

Partner*innen:

HIV-Schwerpunktpraxen

In Duisburg und dem Kreis Wesel gibt es nur noch

eine HIV-Schwerpunktpraxis. Mit Dr. Friedhelm Kwirant

und seinem Praxisteam haben wir eine sehr gute

Zusammenarbeit. Ein Teil unserer Begleiteten wird in

den Ambulanzen der Uni-Kliniken Essen und Düsseldorf

behandelt.

Krankenhäuser

Bei Krankenhausaufenthalten werden unsere Begleiteten

in die umliegenden Uni-Kliniken Essen, Bochum und

Düsseldorf eingewiesen. Insbesondere zur Uniklinik

Essen bestehen gute Kontakte.

Im Berichtsjahr gab es eine gute Zusammenarbeit mit

dem Marienhospital Wesel. Bei der Geburt eines Kindes

- einer HIV positiven Frau – konnten wir sehr gut mit dem

medizinischen Personal kooperieren.

In Duisburg hat sich bezüglich der stationären Versorgung

keine Veränderung ergeben.

Flüchtlingsberatung

In diesem Bereich haben wir fallspezifisch eine enge

Zusammenarbeit zum Beispiel mit ehrenamtlichen

Mitarbeiter*innen von Unterkünften. Glücklicherweise

konnten wir bei Verständigungsschwierigkeiten auf die

Hilfe der Mitarbeiter*innen von Dr. Kwirant zählen, die

uns als Dolmetscher hilfreich zur Seite standen. Einen

herzlichen Dank an dieser Stelle dafür.

Pflegedienste

Die Kooperation mit den Pflegediensten, zum Beispiel

Aussicht e.V., mit denen wir bisher zusammen gearbeitet

haben, wurde erfolgreich fortgeführt.

Hospize

Im Berichtsjahr wurden wir bei der Sterbebegleitungeines

von uns langjährig Begleiteten - durch das Hospiz

Mühlheim unterstützt.

Anwaltspraxen

Die Zusammenarbeit mit Rechtsanwälten war im

Berichtsjahr im Arbeitsbereich Migration erforderlich.

Die RAe Gödde & Kosthorst haben mit Hilfe eines DNA

Gutachtens die Aufnahme in eine Familienversicherung

durchgesetzt.

Ambulant Betreutes Wohnen

Hier arbeiten wir mit örtlichen Anbietern, im Berichtsjahr

2016 insbesondere mit Aussicht GbR und der AIDS-Hilfe

Essen zusammen.

ÖGD Duisburg

Die gute Kooperation wurde auch im Jahr 2016 fortgeführt.

ÖGD Kreis Wesel

Nach dem Ausscheiden des langjährigen AIDS-

Koordinators im Frühjahr 2016 und der durch Mutterschutz

eingetretenen Vakanz im Bereich der STI-Beratung,

können wir leider nicht mehr von Kooperation sprechen,

weil zurzeit mit Ausnahme der ärztlichen Sprechstunde

keine fachspezifischen Ressourcen vorhanden sind.

Zudem wurde das Beratungs- und Testangebot

weiter reduziert und die Abendsprechstunde in Moers

gestrichen. Wir sind stetig im Gespräch mit dem Kreis,

fordern hier Nachbesetzungen für „pflichtige Aufgaben“,

aber im Berichtsjahr leider ohne Erfolg.

3.4 Angebote für Menschen mit HIV und Aids

Im Berichtsjahr wurde im Rahmen des Solidar-Erleben-

Ansatzes die Kochgruppe fortgeführt. Die Kochgruppe

ist ein monatliches Angebot, bei dem überwiegend

HIV-Positive zusammen kommen und den Abend in

Selbsthilfe organisieren. Dieses dient zum einen dazu,

Abwechslung in den Alltag zu bringen und bietet darüber

hinaus einen Raum für Gespräche über alters- oder

krankheitsbedingte Probleme, neue Erkenntnisse im

Bereich der medizinischen Forschung zu „Schutz durch

Therapie“ und Vieles mehr.

Es handelt sich um ein kostenloses Angebot, die mit

einem Budget aus der Selbsthilfeförderung ausgestattet

wurde. An der Kochgruppe nahmen im Durchschnitt 4 – 6

Personen teil.

Seit Anfang des Jahres 2007 traf sich regelmäßig einmal

monatlich eine Positiven-gruppe. Es war eine sehr bunt

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gemischte Gruppe, welche in Selbsthilfe eigenständig

durchgeführt wurde. Da der federführende Initiator und

Koordinator der Selbsthilfegruppen leider im Berichtsjahr

verstorben ist, konnte dieses Gruppenangebot seit der

Jahresmitte nicht fortgeführt werden. Bisher konnte

innerhalb der Selbsthilfe kein neuer verantwortlicher

Koordinator gefunden werden.

Unser traditionelles offenes Mittwochs-Café ist weiterhin

das bestbesuchte Angebot. Dieses ist ein beliebter

Treffpunkt zwischen HIV-Positiven und an Aids-

Erkrankten, ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen und der

AIDS-Hilfe Sympathie entgegenbringender Menschen.

Darüber hinaus ist dieses Café eine erste Anlaufstelle für

an ehrenamtlicher Arbeit Interessierte.

Das Café haben wir hauptsächlich mit Kuchen und

Spenden des Vereins „Bürger für Bürger e.V.“ bestückt.

Im Café ist ein Austausch zwischen HIV-positiven

Menschen, hauptamtlichen und ehrenamtlichen

Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen möglich. Hier kann man

sich auch über Neuigkeiten in der AIDS-Hilfe informieren

und die Angebote an der Infotafel zur Kenntnis nehmen.

Zum einen ist es eine willkommene Abwechselung für die

Betroffenen, zum anderen ist es das Treffen in der „Wahl-

Familie“.

Wolfgang Gödeke und Frank Stieger – Inhaber der

Burgschänke in Alpen - durchgeführt werden, wofür wir

uns an dieser Stelle ganz herzlich bedanken.

Im Berichtsjahr 2016 musste die bereits geplante und

gebuchte Positiven-Freizeit leider storniert werden, da

der Initiator und Koordinator leider verstorben ist.

3.5 Trauerarbeit

Im Berichtsjahr 2016 sind zwei unserer langjährig

Begleiteten verstorben.

Wir gedenken der Verstorbenen in der

Mitgliederversammlung und mit unserer Trauerecke,

die sich im Café befindet. Hier befinden sich unser

Trauerbuch und weitere Informationen zu Verstorbenen.

Im Berichtsjahr haben wir erstmalig zu einem

Gedenkabend für Angehörige und Freunde unserer

Verstorben im Rahmen des Veranstaltungsprogrammes

zum Welt-AIDS-Tag eingeladen.

Ehrenamtliche Mitarbeiter*innen fahren jeweils vor

dem Café bei „Bürger für Bürger“ vorbei und holen dort

Lebensmittel, die dann im Mittwochs-Café verteilt werden

ab. Hier sagen wir - den ehrenamtlichen Mitarbeitern und

dem Verein „Bürger für Bürger e.V.“ recht herzlichen

Dank!

Das Café startet um 15 Uhr, wobei einige Besucher

schon vor 15 Uhr eintreffen und endet um 18 Uhr.

Unser Café erfreut sich großer Beliebtheit und wird von

durchschnittlich ca. 14 - 20 Personen besucht. Während

der Café-Zeit ist immer eine hauptamtliche Mitarbeiterin

oder Mitarbeiter präsent, da diese Treffen von vielen

Cafébesucher*innen dazu genutzt werden, Anliegen

an die Berater*innen heranzutragen. Über die Cafézeit

hinaus hat die AIDS-Hilfe mittwochs bis 19 Uhr für

persönliche und telefonische Beratung geöffnet.

Die Weihnachtsfeier fand wieder in den Räumlichkeiten

unserer Fachstelle statt. Die knapp 20 Teilnehmer*innen

verbrachten einen schönen Nachmittag mit

anschließendem Festessen und erhielten jeder eine

Weihnachtstüte mit Süßigkeiten, Obst, Kaffee und teilweise

Zigaretten. Die Vorbereitung und die Durchführung

der Weihnachtsfeier liegen schwerpunktmäßig in

ehrenamtlicher Hand.

Die Weihnachtsfeier konnte wieder mit Spenden aus

den Kirchengemeinden und insbesondere durch eine

Cateringspende des Alpener Gastronomen-Paares

25


4. Öffentlichkeitsarbeit

„Mit HIV kann man leben. Mit Diskriminierung nicht.

In Deutschland leben etwa 85.000 Menschen mit HIV.

Dank moderner Medikamente haben die meisten von ihnen

eine fast normale Lebenserwartung. Sie können in

jedem Beruf arbeiten, ihre Freizeit gestalten wie andere

auch. Wird HIV rechtzeitig festgestellt und behandelt, ist

eine AIDS-Erkrankung vermeidbar. (…)

Mit HIV kann man klarkommen. Mit Ablehnung nicht.

Am Anfang der AIDS-Epidemie in den 1980er Jahren gab

es große Ängste vor einer unkontrollierbaren Verbreitung

der tödlichen Erkrankung. Schwuler Sex, Drogenkonsum

oder Prostitution galten vielen als moralisch verwerflich.

Betroffene waren nach Ansicht vieler Menschen „selbst

schuld“. Bis heute erleben HIV-Infizierte aus den gleichen

Gründen Ausgrenzung und Diskriminierung.

Dabei geht von Menschen mit HIV im Alltag keine Gefahr

aus.

Und zu AIDS kommt es heute nicht mehr, wenn eine

HIV-Infektion rechtzeitig diagnostiziert und behandelt

wird – sie ist dann eine chronische Krankheit. Bei fast

allen Infizierten, die regelmäßig ihre Medikamente nehmen,

sind so wenige Viren im Blut und in anderen Körperflüssigkeiten,

dass eine Übertragung von HIV selbst

beim Sex ohne Kondom sehr unwahrscheinlich ist.

Viele Menschen wissen leider noch nichts von dieser

Schutzwirkung der HIV-Therapie. HIV löst weiterhin Verunsicherung,

Angst und Vorurteile aus. Auch deshalb ist

es wichtig, immer wieder über das heutige Leben mit HIV

aufzuklären – und zu zeigen, dass positiv zusammen leben

möglich ist. (…)

Da hilft nur eines: drüber reden!“

(Aus der Kampagnenbroschüre zum Welt-AIDS-Tag

2016, Hrsg.: BZgA, DAH und DAS)

Die 2014 neu ausgerichtete bundesweite Kampagne zum

Welt-AIDS-Tag ist in ihrer Ausrichtung und den Botschaften

auch im Jahre 2016 nur marginal modifiziert worden.

Das erscheint uns konsequent, denn zum einen finden

wir diese Form der direkten Ansprache von Menschen gut

und zum anderen ist die Zielrichtung unverändert wichtig.

„Gemeinsam gegen Angst und Ausgrenzung!“ Neu

ist, dass wieder drei HIV-positive Botschafter*innen nicht

nur ihr Gesicht, sondern damit auch Mut zeigen. Dies ist

nach wie vor bei weitem noch nicht selbstverständlich,

wie die entsprechenden Aussagen, für die die Botschafter*innen

stehen, zeigen.

Die zwingende Kombination von Information & Aufklärung

über HIV und andere STI`s mit Maßnahmen Botschaften,

die zur Entdiskriminierung und Entstigmatisierung

von Menschen mit HIV und AIDS beitragen sollen,

ist nach wie vor geboten. Denn nur so können wir Ängste

26


abbauen und zu einem entspannteren Umgang miteinander

kommen.

Aber nicht nur nach unserem Eindruck sind diese Botschaften

immer noch schwer zu „verkaufen“, stoßen wir

immer noch häufig auf Unglauben, Gleichgültigkeit oder

Ablehnung, wenn es um die Annahme der Wahrheiten

geht. Und unsere langjährigen Erfahrungen aus der präventiven

Arbeit lehren eben auch, dass Erfolge in der

Medizin immer auch die Prävention latent gefährden,

weil sie Entwarnungsphantasien und Sorglosigkeit hervorrufen

können. Dennoch werden wir nicht nachlassen,

betrachten diese Arbeit als „positive“ Herausforderung

– wissend, dass es sich lohnt und dass in Deutschland

durchaus schon viel erreicht wurde, wir aber noch lange

nicht am Ziel unserer Wünsche sind.

Der im Jahre 2016 verstärkt zu verzeichnende Rechtsruck

in der Gesellschaft, das scheinbar gesellschaftsfähig

werdende Verbreiten von „alternativen Faktenlagen“, gefühlten

und nicht hinterfragten Wahrheiten im „post-faktischen

Zeitalter“ oder „fake news“ meist in populistischen

Formen vorgetragen, macht die Arbeit nicht leichter und

gefährden generell die „Akzeptanz von Lebensweisen“,

das respektvolle Miteinander und den gesellschaftlichen

Frieden – und befördern die „Suche nach Minderheiten,

die sich als Sündenböcke“ eignen.

HIV- / AIDS-und STI- Prävention bleibt Herausforderung

„Aufklärung, Information und Prävention statt Repression

ist seit nunmehr 30 Jahren der Leitgedanke der HIV/

AIDS-Prävention in Nordrhein-Westfalen. Seitdem sehen

sich das Land Nordrhein-Westfalen, die Kommunen und

die freien Träger in der Verantwortung, die weitere Verbreitung

von HIV-Infektionen (…) zu minimieren, HIV-Infizierte

und an AIDS erkrankte Menschen zu unterstützen

und sie vor Ausgrenzung und Diskriminierung zu bewahren.

Diese grundsätzliche Ausrichtung war und ist die Basis

des großen Erfolges der HIV/AIDS-Prävention in Nordrhein-Westfalen

und hat deshalb auch heute noch Bestand.

Dabei haben sich als besondere Qualitätsmerkmale

das Zusammenspiel staatlicher, kommunaler und

nichtstaatlicher Akteurinnen und Akteure, die Orientierung

der Angebote an der Lebenswirklichkeit der Betroffenen

und die Einbeziehung der Menschen, die von HIV und

AIDS bedroht oder betroffen sind, bewährt. Diese Qualitätsmerkmale

sind auch für die zukünftige Entwicklung

und Umsetzung der Präventionskonzepte unverzichtbar.

Einem Wandel unterworfen sind jedoch die Rahmenbedingungen

der Prävention in sehr unterschiedlichen

Feldern: Die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die

Übertragbarkeit des HI-Virus werden immer detaillierter.

Die Bedürfnisse und Erwartungen der Zielgruppen der

HIV-Prävention verändern sich. Das Internet bietet neue

Möglichkeiten der Information und Beratung. Die Lebenserwartung

von Menschen mit HIV nimmt zu.

Die Präventionsbotschaften und die Methoden der Vermittlung

an die Zielgruppen müssen sich diesem Wandel

anpassen. Deshalb bleibt die HIV/AIDS-Prävention auch

in Zukunft eine Herausforderung.“

(Barbara Steffens, Ministerin für Gesundheit, Emanzipation,

Pflege und Alter des Landes NRW, Vorwort zum

Landeskonzept „Weiterentwicklung der HIV/AIDS-Prävention

in Nordrhein-Westfalen“, Düsseldorf 2013, S. 5 f)

Einem Wandel unterworfen sind in der Tat die Rahmenbedingungen

der Prävention. Diese Erkenntnis trifft trotz

–auch im Berichtsjahr - massiver wissenschaftlicher Untermauerung

durch verschiedene Fachgesellschaften

und Organe (wie z.B. das Strategiepapier der Bundesregierung,

s. 1.) leider auch auf andere Felder immer mehr

zu. Der Kampf um die finanziellen und personellen Ressourcen

zur Erfüllung der Anforderungen an die Träger

der Aufgabe der strukturellen HIV-Prävention wird immer

schwieriger, s. 1. Und dieser Kampf bindet wiederum

wichtige Ressourcen.

Wir haben schon viel erreicht und der Leitgedanke der

Präventionsarbeit hat sich in Deutschland eindeutig bewährt,

denn bezogen auf HIV gilt in den allermeisten

denkbaren Lebenssituationen nach wie vor, dass jeder

vernunftbegabte Mensch sich selbst und andere davor

schützen kann, wenn er über die notwendigen Informationen,

Fähigkeiten und Mittel verfügt und seine Verhältnisse,

in denen er lebt, keine Hindernisse bieten.

Der darauf aufbauende Ansatz der „strukturellen HIV-/

AIDS-Prävention“ war und ist in Deutschland die Basis

für einen großen Erfolg, den die beteiligten Akteure fortschreiben

wollen und müssen. Das Ziel bleibt, die Zahl

der Neuinfektionen auf niedrigem Niveau zu halten und

nachhaltig zu minimieren und das Stigma von Menschen

mit HIV zu nehmen, damit es uns gelingen kann, die Testbereitschaft

von Menschen zu erhöhen, die Zahl der sog.

„late presenter“ deutlich zu verringern und die Errungenschaften

der medizinischen Behandelbarkeiten auch anwenden

zu können.

Information und Aufklärung zielgruppenadäquat und seriös

zu transportieren, ist die zentrale Aufgabe der Öffentlichkeitsarbeit

der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel.

Diese Aufgabe umzusetzen, wird nicht leichter angesichts

der langen Zeit, in der es darum geht, das Thema

im Bewusstsein der Bevölkerung wach und bewusst zu

halten, die Menschen zu erreichen, denn schon der gute

Freiherr von Knigge wusste:

„Die Menschen wollen lieber unterhalten als belehrt werden.“

27


Und getreu dieser Erkenntnis ist auch unsere Öffentlichkeitsarbeit

nicht von Zeigefingerpädagogik geprägt, sondern

sehr darum bemüht, Information & Aufklärung so zu

gestalten, dass sie die Menschen erreichen kann.

Prävention darf und muss Spaß machen – auch den

Präventionist*innen!

„Positiv zusammen leben. Aber sicher!“ – das ist die

neue, alte Botschaft – nicht nur zum Welt-AIDS-Tag, die

unsere Öffentlichkeitsarbeit von Beginn an prägt.

Wir alle können dazu beitragen, dass Isolation und Stigmatisierung

von Menschen mit HIV abgebaut werden. Indem

wir Betroffenen unvoreingenommen begegnen und

ihnen so erleichtern, offen und verantwortungsvoll mit

ihrer Infektion oder Krankheit umzugehen, indem wir den

Mut aufbringen, aufeinander zuzugehen, über Ängste zu

sprechen, einander verstehen lernen.

Die offene Kommunikation benötigt allerdings ein adäquates

soziales Klima und sie braucht gewissermaßen

den Geist der Aufklärung. Wer informiert ist, ist (nicht nur)

beim Thema HIV und anderen sexuell übertragbaren

Krankheiten klar im Vorteil – hinsichtlich des Umganges

mit Menschen mit HIV, aber eben auch hinsichtlich des

Schutzes vor einer Infektion und ihren Folgen. Wir werden

weiter über Verhütungsmöglichkeiten aufklären

und nicht die Aufklärung verhüten!

Der `präventive Spagat´ zwischen Enttabuisierungs- und

Entdiskriminierungsarbeit im Umgang mit HIV-positiven

und an AIDS erkrankten Menschen und der Mahnung vor

einer keineswegs „normalen chronischen Erkrankung“,

die im Einzelfall immer noch zu erheblichen Einschränkungen

der Lebensqualität führen kann und eben ein

nicht unerhebliches Stigmatisierungs- und Diskriminierungspotential

birgt, bleibt eine große Herausforderung

für die Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit.

Von wachsender Bedeutung bleibt dabei die konsequente

Einbeziehung und Thematisierung anderer

sexuell übertragbarer Infektionen (STI`s, wie Syphilis,

Chlamydien u.a.), da diese eine zunehmende Relevanz

für die HIV-Inzidenzen besitzen, denn STI`s erhöhen das

HIV-Übertragungsrisiko um das Zwei- bis Achtfache.

Während wir nach 30 Jahren AIDS-Prävention in der

Region sicherlich behaupten können, dass das Aufklärungsniveau

bezüglich HIV/AIDS in der Bevölkerung vergleichsweise

gut ist, gilt dies hinsichtlich der STI`s noch

keineswegs in gleicher Weise. Hier muss in der künftigen

Präventionsarbeit nachgearbeitet werden.

Erfreulicherweise sind Anfragen nach den Angeboten

unserer AIDS-Hilfe in allen Arbeitsbereichen stabil hoch.

Das spezifische Know-how, die Vermittlungskompetenzen

unserer ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter/innen

und die Flexibilität eines kleinen, freien Trägers in der

Wohlfahrtspflege werden offensichtlich sehr geschätzt.

Dies zeigen uns die vielen positiven Rückmeldungen, die

aus sehr unterschiedlichen Gruppierungen kommen.

Es ist von großer Bedeutung, dass die Arbeit und die

Haltungen der AIDS-Hilfe(n) als sinnvoll wahrgenommen

und der Diskurs zu Ansätzen, Konzepten und deren Förderung

angenommen werden. Dies ist nicht zuletzt auch

für die Arbeit und die Motivation unserer ehrenamtlichen

Mitarbeiter*innen sehr wichtig.

Grundlagen für den Erhalt und die Anpassung unserer

Arbeitsqualitäten sind das Leitbild sowie das Konzept zur

Fachstelle für sexuelle Gesundheitsförderung (s. www.

aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de ).

4.1. AG Öffentlichkeitsarbeit

Die mit dem skizzierten Themenspektrum und der entsprechenden

Informations- und Aufklärungsarbeit befasste

Arbeitsgruppe trifft sich jeden dritten Donnerstag

im Monat um 18.30 Uhr in der AIDS-Hilfe, um Veranstaltungen,

Informationsstände u.a. Aktionen zu konzipieren

und zu organisieren. Die Gruppe ist mit stabil sechs bis

acht Mitgliedern besetzt. Um diesen Kern von Mitarbeiter*innen

herum finden sich immer wieder neue Interessent*innen

über mehr oder minder lange Zeiträume.

Der Zugang zur Gruppe setzt nicht das Durchlaufen der

Grundausbildung für Ehrenamtler*innen voraus, wie dies

für die Bereiche der Beratung und Begleitung zwingend

ist. Es kann also jede/r Interessierte unverbindlich hereinschnuppern.

Ohne das intensive Engagement der ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen

wäre die Menge an Veranstaltungen und

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Aktionen, die wir auch im Berichtsjahr wieder durchführen

konnten, nicht denkbar. Allen beteiligten Ehrenamtler*innen

gilt dafür unser herzlichster Dank!

Weiterhin aber suchen wir gerade für das Feld der Präventions-

und Öffentlichkeitsarbeit neue ehrenamtliche

Mitarbeiter*innen. Wer hier aktiv werden möchte oder

Interessenten kennt … bitte melden! Ansprechpartner

sind Dietmar Heyde für die Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit

oder alle anderen hauptamtlichen Mitarbeiter*innen.

Zum Bereich der medialen Außendarstellung gehört die

Internet-Homepage der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel

e.V. ( www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de ). Ein

Medium, das immer mehr an Bedeutung gewinnt und

auf die Schnelle nicht nur Informationen zum Verein und

seinen Angeboten bietet, sondern auch zu Beratungszwecken

gerne genutzt wird. Für die Pflege und Aktualisierung

ist immer noch unser treuer Ex-Zivi und nun seit

September des Berichtsjahres, hauptamtlicher Kollege

als „Herzenslust-Koordinator“, Raphael Diaz-Fernandez,

verantwortlich. Er lebt allerdings vom „Futter“ durch das

AIDS-Hilfe-Team. Und allmählich bessert sich das Mitdenken

an die Veröffentlichung von Informationen und

Terminen hier. Das gilt auch für den Auftritt beim „facebook“,

welcher ebenfalls in neuer Qualität gepflegt wird.

Das gilt natürlich insbesondere auch für den vorliegenden

Jahresbericht, für dessen Lay-out ebenfalls Raphael

Diaz-Fernandez (weiterhin mit freiwilligem Engagement!)

verantwortlich ist. DANKE, lieber Raphael! Die Welt der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel wäre ohne dieses tolle

Engagement erheblich trister.

4.2. Veranstaltungen

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. ist immer bemüht,

ihr Angebot einer breiten Öffentlichkeit transparent

zu machen und nutzt dazu verschiedene Orte und Anlässe.

Wie könnte man auf Enttabuisierung, Entdiskriminierung

und Emanzipation ausgelegte Präventionsarbeit

leisten, ohne die sog. Allgemeinbevölkerung über den

Sinn und Zweck zielgruppenspezifischer Arbeit zu informieren

und zu überzeugen?

Neben der Herausforderung, das sehr breite Spektrum

an inhaltlichen Ausrichtungen (HIV und AIDS, Hepatitiden

und andere sexuell übertragbare Infektionen, Homo-,

Bi- und Trans*Sexualität, Drogengebrauch, Frauen/Mädchen

und HIV/AIDS, Migration und HIV/AIDS u.a.m.) über

öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen abzubilden, ist

es alljährlich auf`s Neue schwierig, halbwegs flächendeckend

in unserer großen Region Präsenz zu zeigen.

Der Jahresauftakt ist traditionell geprägt durch eine Fülle

an Präventionsveranstaltungen im Bereich „Youthwork“

(s. 5.6.) sowie durch intensive Berichts- und Dokumentationsarbeit

zum Vorjahr.

Das Jubiläumsjahr begann relativ unerfreulich. Mit Jahresbeginn

waren wir im Hinblick auf die Haushaltsberatungen

im Kreis Wesel im Gespräch mit der Verwaltung

und einigen politischen Kräften – leider haben die Vertreter*innen

der „Jamaika-Koalition“, die die Kürzungsszenarien

auch im Bereich der freiwilligen Leistungen

initiierten, das direkte Gespräch mit uns nicht gesucht.

Bis zur entscheidenden Kreistagssitzung am 17.03.2016

gab es immerhin viele Solidaritätsbekundungen, Protestaktionen

und reges Medieninteresse – mit begrenztem

Erfolg (s. 1.).

Medialen Wirbel über die Grenzen unserer Region hinaus

hat im April der „Fall“ des HIV-positiven Jungen aus

Moers ausgelöst, der aufgrund seines Status von einem

Ferienlager zurückgeschickt wurde (s. Pressespiegel

und Jahresbericht 2015). Da sich die Verantwortlichen

der Kirchengemeinde trotz diverser Einladungen und Angebote

über viele Monate letztlich nicht sachdienlich und

kooperativ verhielten, gingen wir mit der Mutter des Kindes

zunächst an die lokale Presse, bei der es allerdings

nicht blieb.

Den Anfragen etwa von RTL West und SAT 1 und einigen

anderen Medien haben wir allerdings gemeinsam

widerstanden, weil sie uns nicht hinreichend seriös erschienen.

Es bleibt die Hoffnung, dass die umfängliche

Berichterstattung (WDR, NRZ und RP auch überregional

und viele Kommentierungen im online-Bereich) mit dazu

beigetragen haben mag, dass sich eine solche völlig

überzogene Handlungsweise nicht wiederholt und eine

größere Öffentlichkeit sich differenziert mit der Thematik

und Problematik auseinandergesetzt hat – sensibilisiert

wurde und zu einem entspannteren Umgang mit HIV gelangen

mag. Es wäre an der Zeit!

29


Wie schon erwähnt (s. 1.) haben die Gespräche mit den

unteren Gesundheitsbehörden des Kreises Wesel und

der Stadt Duisburg immerhin zu einer inhaltlichen Positionierung

der ÖGD-Strukturen geführt und uns deutlich

vermittelt, dass gewünscht wird, dass wir unsere

Arbeit in allen Bereichen weiterführen mögen. Ob und

wie lange dies unter der defizitären Refinanzierung gelingen

mag, ist allerdings weiter sehr fraglich. Wir haben

die Hoffnung, dass die Fachbereiche der Stadt und des

Kreises wieder miteinander ins Gespräch kommen und

bleiben und ihre Verantwortung für die pflichtige Aufgabe

der AIDS-Koordination in unserer Region auch wieder

kooperativ wahrnehmen. Ein erster Aufschlag konnte mit

einem „historischen“ Treffen der Dezernenten, Amts- und

Fachbereichsleiter beider Verwaltungen am 22.06.2016

in der AIDS-Hilfe gemacht werden – nach 29 Jahren! Es

war an der Zeit!

Fortgeführt werden konnten diese interkommunalen

Gespräche im Rahmen unserer Jubiläumsfeier am

01.07.2016, bei der wir in Form von Talkrunden natürlich

auch offizielle Vertreter des Gesundheitswesens von

Stadt und Kreis einbezogen hatten.

Zuvor mussten wir allerdings im Mai und Juni des Berichtsjahres

noch traurige Pflichten erfüllen, die glücklicherweise

in den letzten Jahren nur noch sehr selten

wahrzunehmen waren, nämlich an zwei Beerdigungen

von Begleiteten teilnehmen. Auch das gehört leider noch

dazu – auch wenn man in beiden Fällen sicherlich von

erlösenden „Abrufen“ sprechen kann, so schmerzt doch

jeder Abschied – erst recht bei Menschen, die lange Jahre

einfach zur AIDS-Hilfe gehörten. Ruhet in Frieden!

Parallel zu den Planungen und Vorbereitungen zur Jubiläumsfeier

lief natürlich auch das „normale Geschäft“

der Öffentlichkeitsarbeit, wie etwa Infostände in der

Sommerzeit. So waren wir traditionell beim Duisburger

Umweltmarkt am 18.06. vertreten – zumindest bis zum

Einbruch vom Starkregen, am 30.06. genossen wir wieder

die schöne Atmosphäre beim Neudorfer Oststraßenfest

am 30.06. mit einer ungewöhnlich hohen Quote an

interessierten und aufgeschlossenen Besucher*innen.

Am 16.07. präsentierten wir uns beim Aktionstag des PA-

RITÄTISCHEN in Moers der Bevölkerung, die allerdings

nicht in Scharen gekommen waren.

Erfreulich war die Resonanz auf unsere Aktion und am

Infostand zum Nationalen Gedenktag der verstorbenen

Drogengebraucher*innen am 21.07. in der Duisburger

City von Passanten wie auch den Medien (s. 5.2.). Und

sehr erfreut sind wir über die jährliche Vergrößerung der

Veranstaltung(en) und der Resonanz zum Duisburger

CSD am und um den 23.07. herum, an dem unser Herzenslust-Team

maßgeblich beteiligt war (s. 5.1.).

Gerne wären wir auch insbesondere in den größeren Gemeinden

des Kreises Wesel häufiger präsent, aber die

geeigneten Events liegen in der Regel für uns ungünstig

(Sommerferienzeit = Urlaubszeiten) und darüber hinaus

sind unsere personellen Kapazitäten insgesamt letztlich

sehr begrenzt.

Es war schon nicht ganz leicht, für unsere Jubiläumsfeier

einen Termin zu finden, der in diesem Jahr nicht mit

anderen wichtigen Ereignissen kollidierte und Chancen

für die Teilnahme von uns wichtigen Personen und Vertreter*innen

von Dachverbänden, Kooperationspartnern

oder Zuwendungsgebern bot. Mit dem 01.07.2016 haben

wir dann aber einen guten Termin gesetzt, denn es war

auch der erste Tag, der weitegehend trocken geblieben

ist. Schließlich waren wir mutig und haben eine „outdoor-Feier“

geplant, um unsere verschiedenen Arbeitsbereiche

auch adäquat präsentieren zu können.

Und so begann ein bunter Tag bei der „AIDS-Hilfe Stadt,

Land, Fluss …“

v.l.n.r.: Dietmar Heyde, Beate Jagla (Geschäftsführerin

AG Aidsprävention NRW), Dr. Dieter Weber (Amtsleiter,

Gesundheitsamt Duisburg), Peter Kiehlmann

(SPD-Kreistagsfraktion Wesel und Vorsitzender des

Ausschusses Gesundheit, Soziales & Verbraucherschutz

des Kreistages Wesel), Thomas Hilgers (Vorstand

AIDS-Hilfe)

30 Jahre AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

30 Jahre strukturelle HIV-Prävention von A – Z

30


Lieber Besuch der Nachbar*innen der AIDS-Hilfen aus

Krefeld, Oberhausen und Kleve und vielen anderen …

IMPRESSIONEN

31


Wir wollten keine Aneinanderreihung von diversen Grußworten

und haben uns daher für zwei unterhaltsame

Talk-Runden entschieden und dazu das große Glück,

mit Asli Sevindim (WDR Aktuelle Stunde und Kuratoriumsmitglied

der Aidshilfe NRW) eine wunderbare Moderatorin

für unsere illustren Gäste gewonnen zu haben.

Herzlichen Dank, liebe Asli – das war SPITZE!

TALK-RUNDE 1

Die erste Runde sollte alle föderalen Ebenen der staatlichen

und der verbandlichen Strukturen einbeziehen.

Dies ist auch nahezu vollständig gelungen – mit unserem

langjährigen Mitglied, Bärbel Bas als Abgeordnete

des Deutschen Bundestages schon sehr lange vor allem

gesundheitspolitisch unterwegs, mit unserem ebenso

langjährig verbundenen Landtagsabgeordneten, Rainer

Bischoff und mit Dr. Dieter Weber als Leiter des Gesundheitsamtes

für die Stadt Duisburg sowie mit Dr. Rüdiger

Rau als Vertreter für den Fachdienst Gesundheitswesen

des Kreises Wesel in der Funktion des AIDS-Koordinators

für die staatlichen Strukturen. Und für unsere verbandlichen

Ebenen konnten der Landesvorsitzende der

AIDS-Hilfe NRW, Arne Kayser und unser Vorstandsvorsitzender,

Peter Külpmann, ihre Expertise einbringen.

Allein der Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe konnte leider

wegen einer parallel anberaumten Vorstandssitzung

nicht teilnehmen – ließen uns aber die allerbesten Grüße

und eine tolles Erinnerungsstück zukommen. Asli Sevindim

entlockte den Gästen wichtige Botschaften, etwa zur

Bedeutung des Ehrenamtes, wozu Bärbel Bas trefflich

betonte, dass dieses durch hauptamtliche Strukturen begleitet

und gepflegt werden müsse.

v.l.n.r.: Dr. Dieter Weber (GA Duisburg), Peter Külpmann

(Vorstandsvorsitzender AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel),

Arne Kayser (Vorstandsvorsitzender Aidshilfe NRW

und Geschäftsführer AIDS-Hilfe Bochum), Asli Sevindim,

Bärbel Bas (SPD-MdB), Rainer Bischoff (SPD-MdL) und

Dr. Rüdiger Rau (AIDS-Koordinator Fachdienst Gesundheitswesen

des Kreises Wesel)

Arne Kayser und Peter Külpmann appellierten eindringlich

an die Vertreter der staatlichen Ebenen, dass die

wichtige und ganz überwiegend pflichtige Aufgabe der

strukturellen HIV- und STI-Prävention auch adäquat gefördert

werden müsse und dass hier erheblicher Nachbesserungsbedarf

bestünde! Dem hat niemand aus der

Runde widersprochen und alle betonten, dass sie die Arbeit

der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel über nunmehr

30 Jahre sehr wertschätzten.

Talk-Runde 2:

In der zweiten Talk-Runde wollten wir eigentlich Menschen

mit langjährigen Bezug zur AIDS-Hilfe als Mitarbeiter*in,

Kooperationspartner*in oder Sympathisant*in

zusammenbringen, die auch die ein oder andere Anekdote

oder bemerkenswerte Geschichte erzählen können.

Durch die unerwartet hohe Resonanz an „Offiziellen“

oder „Honoratioren“ sind wir von dem Konzept ein wenig

abgewichen und so wurden zumindest Teile des Gespräches

erneut sehr politisch, aber auch wichtig.

Mit Dirk Meyer als Patientenbeauftragter der Landes-

32


egierung aber eben auch als ehemaliger Gründer und

Geschäftsführer der AIDS-Hilfe im Kreis Unna, als langjähriger

Geschäftsführer der AIDS-Hilfe NRW und als

Referatsleiter für HIV/AIDS bei der Bundeszentrale für

gesundheitliche Aufklärung (BZgA) kam insbesondere

die Perspektive der Menschen mit HIV und AIDS als Patienten,

Klienten, als Vertreter von speziellen Zielgruppen

und als Menschen mit Rechten und Ansprüchen auf

gesellschaftliche Teilhabe in die spannende Diskussion.

Besonders betont wurde eben auch die Wichtigkeit der

zielgruppenspezifischen Prävention und die besondere

Kompetenz und Erfahrung der AIDS-Hilfe(n), dem auch

Andreas Fateh als Vertreter unseres Wohlfahrtsverbandes,

des PARITÄTISCHEN, und Sprachrohr für die

Selbsthilfe wie auch unser langjähriger politischer „Begleiter“

Holger Ellerbrock als Mitglied des Landtages beipflichten

konnten.

Gerade Holger Ellerbrock konnte aber auch den Reigen

von Anekdoten und Geschichten eröffnen, zu dem auch

Anton Karch einiges beisteuern konnte. Ja – das Leben

in AIDS-Hilfe ist immer wieder auch lustig und einfach

lebensbejahend – und das ist gut so!

Und eine Premiere war sogar auch noch dabei: nämlich

die erste Präsentation der mobilen Ausstellung zum neuen

Youthwork-Gewand „dein leben. deine lust.“

Bei so viel Information durfte das leibliche Wohl natürlich

nicht aus dem Auge gelassen werden. Vor allem unser

Waffel-Bäcker, Friedhelm Gramer, hatte Vollbeschäftigung.

v.l.n.r.: Andreas Fateh (Geschäftsführer des PARITÄTI-

SCHEN, Kreisverband Wesel und Kleve), Dirk Meyer

(Patientenbeauftragter der Landesregierung NRW),

Asli Sevindim, Holger Ellerbrock (FDP-MdL), Anton

Karch (ehemaliger Mitarbeiter und Geschäftsführer der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel) und Dietmar Heyde

(Geschäftsführer der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel)

Allen Teilnehmer*innen der Talk-Runden und vor allem

unserer bezaubernden und fachkompetenten Moderatorin,

Asli Sevindim gilt ein großer Dank! Das waren wirklich

schöne Formate!

Neben den Talk-Runden konnten die Besucher*innen

sich über Infotische und diverse Materialien sowie natürlich

in Gesprächen mit den Mitarbeiter*innen Eindrücke

von den Arbeitsbereichen und Ansätzen verschaffen.

33


Damit unsere Informationen und Botschaften auch dem

aktuellen Wissensstand entsprechen wurde auch die

fachliche Fort- und Weiterbildung im Berichtsjahr nicht

vernachlässigt. So sind erneut sowohl im hauptamtlichen

Team wie auch bei den Ehrenamtlichen erneut jeweils

gut 300 Stunden zur Fort- und Weiterbildung investiert

worden. Neben den Tagungs- und Seminarangeboten

vor allem unserer Dachverbände sind wir immer auch darum

bemüht, inhouse-Angebote für unsere Mitarbeiter*innen,

für Netzwerk- und Kooperationspartner vorzuhalten

– wie etwa die „Medizinische Rundreise der DAH“, die

wir im Juni zum Themenfeld „HIV-Präventionsmethoden“

zu Gast hatten und hier insbesondere auf die „neuen“

Ansätze der Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP) und auf

die Effekte einer modernen HIV-Therapie („Schutz durch

Therapie“) eingegangen sind. Im Sinne einer partizipativen

Qualitätsentwicklung sind die meisten Angebote aber

auch für unsere Klient*innen offen und manche speziell

für sie konzipiert.

Sehr gut angekommen ist auch der musikalische Rahmen.

Der Gitarrist und Sänger Andy Sommer mit seinem

Repertoire den Geschmack der Feiergemeinde getroffen.

Allen ehren- und hauptamtlichen Helfer*innen, die mit

großem (zusätzlichem Engagement) zu einem wunderbaren

Tag beigetragen haben gilt ein riesengroßer Dank

von Vorstand und Geschäftsführung!!!

In bewährter Kooperation mit der AIDS-Hilfe Oberhausen

haben wir auch in diesem Jahr ein Fachgespräch

zur HIV-Therapie veranstaltet, das wieder einmal

recht gut besucht und genutzt wurde. Im Rahmen

des Welt-AIDS-Tags-Veranstaltungsprogrammes fand

dies am 24.11.16 in der AH Oberhausen unter dem Titel

„FRAGE trifft ANTWORT – im Karusselgespräch“

statt und setzte noch stärker als bisher auf Interaktion

zwischen Referenten und Teilnehmer*innen. Diesmal haben

wir im Vorfeld gezielt spezielle Fragestellungen von

unseren Klient*innen gesammelt. Unser verbliebener

Duisburger HIV-Schwerpunktbehandler, Dr. Friedhelm

Kwirant gab dazu den fachlichen Input und stand gerne

Rede und Antwort.

Auch mit der medialen Berichterstattung zum Jubiläum

waren wir sehr zufrieden. Die Printmedien kündigten an

und berichteten und neben schönen bewegten Bildern

wurden auch die passenden Informationen und Botschaften

in der WDR-Lokalzeit und dem Lokalsender für den

Niederrhein, dem Studio47 transportiert.

Dr. Friedhelm Kwirant … und das Moderator*innen-Paar

Natalie Rudi und Dietmar Heyde

Ganz in unserem Sinne waren die Botschaften dieses

34


Abends, nämlich insbesondere, dass immer klarer wird,

dass HIV-Therapie nach wie vor kein „Wunschkonzert“

ist und viele Bedingungen erfüllt sein müssen, damit die

erzielbaren guten Optionen auch wirklich greifen können.

Dazu aber ist es von ganz besonderer Bedeutung, dass

ein gutes Arzt-Patientenverhältnis entstehen und eine offene,

von gegenseitigem Vertrauen geprägte Kommunikation

stattfinden kann.

In die Planungen und Vorbereitungen für das Veranstaltungsprogramm

zum diesjährigen Welt-AIDS-Tages (s.

4.4.) starteten wir unmittelbar nach unserem Jubiläum.

tollen Vertrieb von über 700 Solibären geführt. Ganz viel

Kreativität wird hier freigesetzt. So hat auch die durch

eine Mitarbeiterin der Bank initiierte „Strickgruppe“ in vielen,

vielen Stunden Heimarbeit eine eigene Mützen- und

Schalkollektion erstellt. In diesem Jahr wurde erneut eine

unfassbare Menge an ganz individueller Bärenwinterkleidung

produziert, die erneut unglaublich gut ankam. Eine

Aktion, die aus dem Jahresprogramm des Duisburger Sitzes

der Bank nicht mehr wegzudenken ist und dazu führt,

dass immer mehr Anfragen schon deutlich vor dem Welt-

AIDS-Tag eingehen. Wir bedanken uns aufs Herzlichste

für so viel Engagement mit wirklicher „Herzenslust“!

4.3. Benefiz-Veranstaltungen

Nicht nur in finanzieller Hinsicht sind Benefiz-Aktionen

für uns sehr wichtig, bieten Aktionen mit Künstlern oder

anderen Prominenten doch meist die Möglichkeit, unser

Thema auch außerhalb der Welt-AIDS-Tags-Zeit öffentlichkeitswirksam

zu platzieren.

Im Berichtsjahr 2016 gab es erneut viele „zivilgesellschaftliche“

Gruppen und Einzelpersonen, die für uns

und unsere Arbeit sehr Gutes getan haben und wir wollen

darüber reden und schreiben.

Ganz treue Unterstützung erfahren wir seit nunmehr elf

(!) Jahren durch das „GudsO-Netzwerk“ (Gleichberechtigung

unabhängig von der sexuellen Orientierung)

der Duisburger „Targobank“, die weiß, „wie Bank geht“.

Aber nicht nur das – sie wissen auch, wie soziales Engagement

sinnvoll funktioniert und dass dies auch einen

nicht zu unterschätzenden Benefit für das Image der

Institution sowie das soziale Betriebsklima bringt. Unter

Federführung von Frau Corinna Voigt und Herrn Guido

Kuhl, hat diese Projektgruppe zum Welt-AIDS-Tag wieder

eine starke „Bärenaktion“ entwickelt, mit erfrischender

Promotion umgesetzt und so auch erneut zu einem

Schon 11 Jahre „Bärenstark“ und „GudsO“ – die Unterstützung

durch die Targobank

Unermüdliche Kämpfer*innen im Kampf gegen AIDS sind

schon lange Dr. Günther Bittel, seine Frau Ingrid und ihr

Mitstreiter-Team in Duisburg-Rheinhausen, die im Berichtsjahr

mit Ihrem Benefiz-Konzert „Treatment for all,

part XII“ im Haus der Jugend in Rheinhausen, das am

26.11. über die Bühne ging . Begleitend zu den Konzerten

gibt es zu Beginn eine Diskussionsrunde und einen

Infotisch von der AIDS-Hilfe. Die Hälfte des Reinerlöses

kommt noch dazu unserer Arbeit zugute. Ein besonderer

35


Dank gilt den gagenfrei auftretenden Bands sowie den

Mitarbeiter*innen des Jugendzentrums „Haus der Jugend“

an der Friedrich-Alfred-Str. 14 in Duisburg-Rheinhausen.

Ein besonderes Anliegen ist es uns, den zahlreichen

Schülerinnen und Schülern und engagierten Lehrkräften

zu danken, die uns mit hoher Motivation, Überzeugung

und zum Teil sehr kreativen Aktionsideen vor allem

zum Welt-AIDS-Tag nicht nur bei der Spendensammlung,

sondern auch bei der Thematisierung von HIV und AIDS

in zweifellos wichtigsten Zielgruppen fantastisch unterstützen.

Stellvertretend möchten wir hier die Projektgruppen

am Gymnasium Adolfinum in Moers und dem Sophie-Scholl-Berufskolleg

in Duisburg-Marxloh erwähnen.

DANKE für einen bärenstarken Einsatz für die AIDS-Hilfe

Duisburg / Kreis Wesel e.V.

Aus Solidarität, Überzeugung oder aus Einsicht in die

Notwendigkeit der Unterstützung unserer Arbeit erfahren

wir Jahr für Jahr viel Wertschätzung, aber eben auch

finanzielle Hilfen von zivilgesellschaftlichen Einzelpersonen,

Gruppen und Institutionen, ohne die vieles nicht

machbar wäre.

Der „Soli-Bär“ 2016

Es ist schön, an dieser Stelle Jahr für Jahr über sehr stabile

Unterstützungsaktivitäten berichten zu können. Da

sind zum einen die Spendensammlungen und thematischen

Veranstaltungen vieler Kirchengemeinden zu

nennen, die zudem in der Regel auf unsere Anfrage hin

für unsere alljährliche Weihnachtsfeier für Menschen mit

HIV und AIDS eingehen – vielen herzlichen Dank dafür!

Zum anderen möchten wir die Spendenausschüttungen

der Sparkasse am Niederrhein (mit den Zweigstellen

Moers und Rheinberg) erwähnen, die unsere Arbeit sehr

kontinuierlich fördern. Ganz besonders bedanken wir uns

hier bei der Sparkasse Duisburg für ihre Treue hinsichtlich

der Teilfinanzierung unserer aufsuchenden Arbeitsangebote.

36


4.4. Veranstaltungen zum Welt-AIDS-Tag 2016

„ICH KANN POSITIV ZUSAMMEN LEBEN. DU AUCH?“

Was denkt Deutschland über HIV/AIDS? – war die Ausgangsfrage

zur völlig neu gestalteten bundesweiten

Kampagne zum Welt-AIDS-Tag 2014, die auch im Jahr

2016 fortgeführt, durch weitere Claims und in diesem

Jahr wieder um authentische Botschafter*innen ergänzt

wurde und somit auf eine nachhaltige Wirkung zielt.

Einmal mehr konnten wir uns der Ausrichtung und Intention

der WAT-Kampagne voll und ganz anschließen und in

unsere lokale Öffentlichkeitsarbeit einbeziehen – so auch

in unserer Pressemitteilung zum Welt-AIDS-Tag 2016:

Welt-AIDS-Tag: Weniger Diskriminierung – Mehr Prävention!

Mit HIV kann man leben. Mit Ablehnung nicht.

„Mit erfolgreicher Präventionsarbeit und hochwertiger

Behandlung haben wir es erreicht, dass Deutschland zu

den Ländern mit den niedrigsten HIV-Neuinfektionsraten

in Europa gehört. Wir dürfen jedoch nicht nachlassen, die

Krankheit weiter zu bekämpfen und über Risiken aufzuklären.

Zugleich ist es wichtig, dass wir alle gemeinsam

entschlossen gegen Ausgrenzung und Ablehnung von

HIV-infizierten Menschen vorgehen. Denn es ist höchste

Zeit, dass Vorurteile im Umgang mit HIV-positiven Menschen

der Vergangenheit angehören“, erklärte Bundesgesundheitsminister

Hermann Gröhe zum Auftakt der

diesjährigen Welt-AIDS-Tags-Kampagne 2016.

Damit hat der Bundesgesundheitsminister die wichtigsten

Parameter benannt, die zum Ziel der Senkung der

Neuinfektionen von Bedeutung sind:

· Ein gesellschaftliches Klima der Akzeptanz und

Toleranz gegenüber Menschen mit HIV und

AIDS, ein Klima der Entspannung.

· Die weitere Etablierung und Stärkung der Präventionsinfrastruktur,

insbesondere für die von

HIV besonders betroffenen Gruppen, denn Prävention

wirkt, wie die Daten des Robert-Koch-Instituts

belegen.

· Eine flächendeckende HIV-fachärztliche und

37


medizinisch-pflegerische Versorgung,

· Gut erreichbare und niedrigschwellige Beratungs-

und Testangebote und Betreuungsstrukturen.

GEGEN AIDS!

„Aber all das sehen wir in unserem Zuständigkeitsgebiet

als akut gefährdet an“, mahnt Peter Külpmann, Vorstandsvorsitzender

der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel

e.V. und fordert, „den Sonntagsreden auch von Seiten

der politischen und administrativen Entscheidungsträger

Taten folgen zu lassen!“

„Der Umgang mit HIV in unserer Region ist immer noch

häufig von Unsicherheit und Angst geprägt. Die daraus

resultierende Diskriminierung von Menschen mit HIV

schadet den Betroffenen und hält Menschen vom HIV-

Test ab. Und das ist fatal, denn nur bei frühen Diagnosen

greifen die sehr guten heutigen Behandlungsoptionen

und die daraus resultierenden Effekte für die Senkung

der Neuinfektionen“, erläutert die Vorstandsfrau der

AIDS-Hilfe, Silke Stützel.

Um das zu transportieren werden zielgerichtete und qualifizierte

Präventionsmaßnahmen benötigt, welche durch

die AIDS-Hilfe in speziellen Zielgruppen und durch den

öffentlichen Gesundheitsdienst für die Allgemeinbevölkerung

angeboten werden müssen. „Diese Strukturen und

die damit verbundenen Angebote schrumpfen allerdings

immer mehr, vor allem wegen der Unterfinanzierung

durch die öffentliche Hand. Und die Folgen werden teurer“,

beklagt Vorständler, Thomas Hilgers, die Kurzsichtigkeit

der „Sparmaßnahmen“.

„Auch die medizinische Versorgungslage in unserer Region

macht uns Sorgen, steht für die gesamte Region der

Stadt Duisburg und des Kreises Wesel doch nur noch

ein niedergelassener HIV-Schwerpunktbehandler vor

Ort zur Verfügung“, ergänzt die vierte Vorstandskraft der

AIDS-Hilfe, Daniela Niemczyk. „Viele der gut 1000 Menschen

mit HIV müssen so in weiter entfernte Zentren ausweichen“.

Wer Neuinfektionen senken will, muss die wirksamen

Präventionsmittel verfügbar machen und kommunizieren!

Und die Instrumente sind da! So richtet die AIDS-Hilfe

Duisburg / Kreis Wesel ihr Augenmerk auf die immer

komplexer werdenden Präventionsstrategien. „Andere,

neben dem Kondom wirksame Möglichkeiten wie `Schutz

durch Therapie´ und die sog. `Präexpositionsprophylaxe´(PrEP)

bedürfen allerdings einer differenzierten Vermittlung

und individueller Beratung, die wiederum personelle

Fachkraftressourcen erfordert“, deutet Dietmar

Heyde, Geschäftsführer der AIDS-Hilfe, auf neue inhaltliche

Herausforderungen und Chancen hin.

Wir können mehr! Und wir wollen mehr! – GEMEINSAM

Positiv zusammen leben – ist nicht nur absolut möglich,

sondern sollte allmählich einfach zum Normalfall werden.

Es ist an der Zeit! Allein – es sind noch nicht alle bereit.

Daran müssen und wollen wir weiter arbeiten. Und dazu

ist der Welt-AIDS-Tag nach wie vor besonders wichtig,

weil wir rund um den 01. Dezember einfach mehr Öffentlichkeit,

mehr mediale Aufmerksamkeit erreichen können

als sonst im Jahr. Die Kampagnenfragen und –botschaften,

die zentrale Bereiche des gesellschaftlichen Lebens

und der damit verbundenen Werteorientierung berühren,

verdeutlichen sehr anschaulich, worum es heute gehen

(darf): um gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen

Leben unter der Bedingung, dass der Status

„HIV-positiv“ bekannt sein darf!

Mit sieben eigenen Veranstaltungen und weiteren mit

und von Kooperationspartnern durchgeführten Aktionen

konnte auch im Berichtsjahr wieder ein umfangreiches

Angebot vorgehalten (s. Flyer und Pressespiegel im Anhang)

und viele Menschen darüber erreicht werden.

Den Auftakt zum WAT-Veranstaltungsprogramm bildete

schon am 03. November die offizielle Eröffnung der hochinteressanten

Fotoausstellungen zum Thema „Transsexualitäten“.

In Kooperation mit dem Referat für Gleichberechtigung

und Chancengleichheit der Stadt Duisburg präsentierten

wir in unseren Räumen vom 03.11. bis Mitte Dezember

die Fotoausstellungen „Im Limbus der Geschlechter“

der Essener Transsexuellen Gruppe „Die 4te Etage“ und

„Trans*Welten“ des Jugendzentrum „together Mülheim“.

38


des Respekts“, bei dem uns auch die SPD-Landtagsabgeordnete,

Sarah Philipp als Vertreterin der Landesregierung

besuchte.

Eine gute Initiative gegen den Rechtruck in unserer Gesellschaft,

an der wir uns gerne beteiligt haben.

Fachliche Einstimmung gewährte uns das traditionelle

Fachgespräch zur HIV-Therapie am 24. November mit

dem Titel, der auch programm war „FRAGE trifft ANT-

WORT – im Karusselgespräch“. Näheres dazu s.o. (4.2.).

Am 25.11. bot unser treues Unterstützermedium, das

Studio47, Dietmar Heyde wieder Gelegenheit, in der

Live-Sendung Werbung für die weiteren Veranstaltungen

zum Welt-AIDS-Tag zu machen und auch die Kampagnenbotschaften

in die Zuschauerschaft zu transportieren.

Auf Initiative der NRW Landesregierung beteiligten wir

uns mit einem „Respekt-Café“ am 16.11. an der „Woche

Der Altmarkt in der schönen Moerser Altstadt hat sich

einmal mehr als guter Standort für einen Infostand mit

Roter-Schleifen-Aktion zum WAT am Samstag, den

26.11.16 erwiesen. Die unmittelbare Nähe zum 01. Dezember

ist einfach gut, um die Menschen auf die Kampagne

aufmerksam zu machen, zumal die Medien diesen

Tag zwar immer weniger, aber doch noch intensiver als

sonst im Jahr aufgreifen. In diesem Jahr konnte auch

nach einigen Jahren der Pause immerhin wieder einmal

eine gemeinsame Pressemitteilung mit dem Fachdienst

Gesundheitswesen auf den Weg gebracht werden, die

auch in den Printmedien erschien. Zudem kam uns auch

in diesem Jahr wieder entgegen, dass der Moerser Weihnachtsmarkt

schon geöffnet war und wir somit Publikumsverkehr

bis in die frühen Abendstunden verzeichnen

konnten. Das offene Wetter sorgte für offene Menschen.

So haben wir viele gute Gespräche führen und von vielen

Bürgerinnen und Bürgern finanziellen (Spenden) und

ideellen Zuspruch bekommen können – DANKE Moers!

39


Impressionen vom Infostand auf dem Moerser Altmarkt -

… selbst Spendensammeln macht Spaß!

Am Abend ging es in Rheinhausen weiter – beim 12. Benefizkonzert

„Treatment for all“ im Haus der jugend in Duisburg-Rheinhausen

(s. 4.2.).

Das für den 29.11. terminierte zentrale Mediengespräch

zum Welt-AIDS-Tag 2016 brachte aber eine sehr frustrierende

Erfahrung mit sich, denn sie fand ohne Medienresonanz

statt!

Wir bedanken uns dennoch auf`s Herzlichste beim Centermanagement

des FORUM Duisburg, wo uns der neue

Manager Jan Harm begrüßte und den versammelten

Ansprechpartnern das fortlaufende soziale Engagement

versichern konnte. Wir bedanken uns auch bei Dr. Dieter

Weber, dem Amtsleiter des Duisburger Gesundheitsamtes

und bei Frank Mischo, dem Referatsleiter für HIV

und AIDS bei der Kindernothilfe für Ihre Bereitschaft, der

Presse Rede und Antwort zu stehen.

Nach einigen Jahren der Überlegung, ob unser traditioneller

Candle-Light-Walk zum Welt-AIDS-Tag, also dem

Schweigemarsch über den Duisburger City-Weihnachtsmarkt,

in der Form noch zeitgemäß sei, haben wir uns in

diesem Jahr erstmalig entschieden, darauf zu verzichten,

was von einigen Vertreter*innen durchaus sehr bedauert

wurde, denn wahrgenommen wurde unser –Jahr für Jahr

kleiner werdendes- Walk-Team schon.

Klar war aber immer auch, dass wir auf das Gedenken an

die vielen Menschen, die wir durch AIDS und seine Folgen

verloren haben, nicht verzichten wollten. Das gehört

einfach auch und gerade in den Rahmen des WAT hinzu.

Entschieden haben wir uns für das Format eines „Gedenk-Café`s“,

dessen Premiere wir am Vorabend des

Welt-AIDS-Tages, am 30.11. in unseren Räumen durchführten.

Die Anwesenden Freund*innen und Gäste fanden

diese Form angemessen und plädierten für eine Beibehaltung

im nächsten Jahr.

40


Der Aktionstag zum Welt-AIDS-Tag konnte bereits zum

achten Male in Kooperation und Partnerschaft mit

dem FORUM Duisburg stattfinden. Diese –aus unserer

Sicht- wirklich glorreiche und konstruktive Partnerschaft

mit dem Centermanagement ermöglicht uns schon lange

einen besonders öffentlichkeitswirksamen Auftritt am

01.12. Nicht nur die Chance, viele Menschen erreichen

zu können ist für uns natürlich ganz wichtig, sondern auch

die menpower, das Engagement und die Ressourcen, die

das Centermanagement bereitstellen, macht dies zu einem

echten Gewinn und sicher zu einem best-practice-

Beispiel für „private public partnership“. Dafür gilt unser

großer Dank an die beteiligten Akteurinnen und Akteure

der Einkaufsmall.

Allerdings mussten wir uns auch 2016 abermals mit einem

„Schmalspur-Auftritt“ begnügen, vor allem wegen

der noch nicht gänzlich geklärten Auflagen durch das

neue Brandschutzkonzept, das zu einer deutlichen Verringerung

der Präsentationsmöglichkeiten führte. Dennoch

waren wir letztlich froh, überhaupt noch einen Fuß

„an der goldenen Leiter“ des Forums zu erhalten und

danken insbesondere dem neuen Manager, Herrn Jan

Harm und den Seelen des Centermanagements, Frau

Vanessa Rademacher und Frau Ingrid Döhring, für ihre

tolle Unterstützung und Kooperationsbereitschaft.

41


Spendensammler-Gruppenbild mit „Dame“

… und auch die echten Damen waren mit Freude bei der

Sache!

42


Parallel zu dieser Aktion bot die AIDS- und STI-Beratungsstelle

der Stadt Duisburg zwischen 11 und 16 Uhr in

der Beratungsstelle „Lily“ in der Münzstr. HIV-Test an, die

mit 18 Testungen erfreulich gut angenommen wurden.

Eine der schönsten und effektivsten Kooperationen in unserem

Netzwerksystem ist sicher das Duisburger „Aktionsbündnis

gegen AIDS“, bestehend aus folgenden Institutionen:

UNICEF Duisburg, Kindernothilfe, AIDS- und

STD-Beratungsstelle des Gesundheitsamtes der Stadt

Duisburg, Infostelle Dritte Welt des ev. Kirchenkreises

Duisburg, dem evangelischen Kirchenkreis Duisburg, die

evangelische Kirchengemeinde Alt-Duissern, der katholischen

Gemeinde City Pastoral in der Liebfrauenkirche

und der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel. Nach einer

Verabredung zur „konfessionellen Rotation“, dem jährlichen

Wechsel der Gotteshäuser waren wir mit unserem

„Abendgebet zum Welt-AIDS-Tag“ im Berichtsjahr am

Freitag, dem 02.12. zu Gast in der wunderbaren „Notkirche“

der evangelischen Kirchengemeinde Alt-Duissern

an der Martinstr.

Das diesjährige Abendgebet war ein echtes Highlight

unseres Veranstaltungsprogrammes und zum ersten

Mal richtig gut und angemessen besucht – mit über 100

Besucher*innen und erneut dem wunderbaren Uni-Chor

„Salto Chorale“ unter der Leitung von Jan Andrees.

Die Mixtur aus christlich, religiösen und politischen Elementen

macht den besonderen Charakter dieser Veranstaltung

aus. Im Zentrum steht die symbolische Schleifen-Aktion

als Solidaritätszeichen.

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Ganz besonders aktiv war in diesem Jahr unser „Herzenslust-Präventainment-Team“

um Raphael Diaz Fernandez

und Uwe Altenschmidt von Anfang November bis

Mitte Dezember bei verschiedensten Events (s. 5.1.)

Allen, die uns zum Welt-AIDS-Tag 2016 durch viel Engagement

und Kreativität unterstützt haben, gilt an dieser

Stelle noch einmal unser ganz herzlicher Dank !!! –

Seit einigen Jahren findet auch im Arbeitsbereich „Sexarbeit“

die gute Kooperation mit dem Gesundheitsamt

Duisburg eine Jahresabschlussaktion in dem großen

Duisburger Bordellbereich statt, bei der nicht nur die

Sexarbeiter*innen kleine, nützliche „Geschenke“ und Beratungen

bekommen, sondern natürlich auch Freier mit

Erkenntnisgewinnen bereichert werden können (s. 5.4.).

Und ab Mitte Dezember 2016 begannen die Auswertungen

des diesjährigen WAT-Geschehens und damit auch

die Vorbereitungen für das nächste Jahr.

Dank ans Ehrenamt und unsere Förderer – unser Dezember

„Sonder-Aktiven-Treffen“

44


Ein Engel hat Euch / Sie geschickt.

Und: … nach dem Welt-AIDS-Tag ist vor dem Welt-

AIDS-Tag! Interessierte, die 2017 dabei sein wollen,

können sich jederzeit gerne bei uns melden.

Zum Jahresende mussten wir noch eine traurige Pflicht

erfüllen, nämlich die Öffentlichkeit des Kreises Wesel

über die Aufgabe der einzigen Beratungsstelle außerhalb

des Öffentlichen Gesundheitsdienstes in Wesel informieren.

Die folgende Pressemitteilung wurde gut transportiert

und hat auch erneut das WDR- Fernsehen mit der

Lokalzeit Duisburg und den Radiosender WDR2 auf den

Plan gerufen:

„AIDS-Hilfe muss Beratungsstelle in Wesel aufgeben

Nach nunmehr 29 Jahren sieht sich die AIDS-Hilfe

Duisburg / Kreis Wesel e.V. aus wirtschaftlichen

Gründen gezwungen, die einzige Vor-Ort-Beratungsstelle

zu HIV/AIDS und anderen sexuell übertragbaren

Infektionen im Kreis Wesel auf der Pastor-Bölitz-

Str. in Wesel zum Jahresende 2016 aufzulösen.

„Das bedeutet allerdings nicht, dass die AIDS-Hilfe ihre

Arbeit im Kreis Wesel einstellt!“, betont der Vorstandsvorsitzende

Peter Külpmann: „Die Zuständigkeit für Belange

von Menschen mit HIV und AIDS im Kreisgebiet bleibt

genauso erhalten wie die Wahrnehmung der vielfältigen

Aufgaben im Rahmen der strukturellen HIV- und STI-Prävention

für die Bürgerinnen und Bürger des Niederrheinkreises,

die ganz überwiegend im öffentlichen Auftrag

erfolgen.“

„Vor dem Hintergrund der seit vielen Jahren gedeckelten

Förderung durch Land und Kreis schrumpfen allerdings

die personellen Ressourcen bei den verpflichtend vorzuhaltenden

Fachkräften bei gleichzeitig steigenden Personal-

und Sachkosten“, erläutert Geschäftsführer Dietmar

Heyde.

„Hier standen und stehen wir bei einem Flächenkreis mit

13 größeren Städten und Gemeinden mit unserer kleinen

Mannschaft schon immer vor größeren Herausforderungen,

was die aufsuchende Vor-Ort-Arbeit betrifft. Besserung

ist angesichts leerer Haushaltskassen eher nicht in

Sicht. Stattdessen rückt die AIDS-Hilfe bei Kürzungsszenarien

immer wieder in den Fokus der Betrachtung. Um

weitere Kürzungen im Kreishaushalt 2016 abzuwenden,

haben wir im Zuge der Verhandlungen mit dem Kreis Wesel

schweren Herzens unter anderem auch die Aufgabe

der Beratungsstelle vereinbart, um darüber etwas mehr

Spielraum für den Personaleinsatz zu bekommen“, erklärt

Peter Külpmann die Beweggründe.

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel bittet die Bürgerinnen

und Bürger des Kreises Wesel darum, sich bei

Bedarfen zur Information, Aufklärung und Beratung sowie

natürlich bei Hilfs- und Unterstützungswünschen

von und für Menschen mit HIV oder davon bedrohten

Personen an die Geschäftsstelle in Duisburg zu wenden

(Kontaktdaten, s. unten). Darüber können natürlich auch

Termine im Kreisgebiet ausgemacht werden.

Dies gilt auch weiterhin für Anfragen für die Präventionsprojekte

(Youthwork, SCHLAU, Herzenslust oder XXelle)

in Schulen oder von anderen Einrichtungen und Gruppen.

HIV ist treu – die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel

auch!“

4.5. Berichterstattung in den Medien

Für das Berichtsjahr 2016 haben wir, was das von Seiten

der Print-, Funk- und TV-Medien betrifft, wenig Grund zur

Klage. Wir konnten sogar wieder Redakteur*innen der

Printmedien begrüßen, was uns sehr freute und in den

letzten Jahren eher selten geworden war (s. Pressespiegel).

Wir brauchen sie, denn nur gemeinsam bewirken wir

mehr, um das Thema im Bewusstsein der Bevölkerung

zu halten und so dem Ziel der Minimierung von Neuinfektionen

sowie der Verbesserung der Akzeptanz und Toleranz

gegenüber HIV-Positiven näher zu kommen.

Mit dem Interesse von Seiten des Lokalfunks und dem

Lokalfernsehen sind wir einmal mehr sehr zufrieden.

Insbesondere das schon mehrmals zitierte Stadtfernsehen

„Studio 47“ ist ein ungemein treues Begleiter- und

Unterstützermedium, das uns im Berichtsjahr wieder einmal

mehrmals in den Nachrichtenfokus gerückt hat – dafür

herzlichen Dank! Dank gilt genauso den Lokalradios

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von Radio DU und Radio KW und für das Berichtsjahr

auch der Redaktion der WDR-Lokalzeit Duisburg.

Um das vergleichsweise niedrige Niveau der Neuinfektionen

im Berichtsjahr weiterhin halten zu können und die

neu ausgerichteten Kampagnenziele der weiteren Akzeptanz

und Toleranz gegenüber Menschen mit HIV und

AIDS umsetzen zu können, müssen aus unserer Sicht

aber auch weitere Kommunikationsoffensiven folgen, um

die Präventionserfolge der vergangenen Jahre nicht wieder

zu gefährden. Aufklärung, sachliche Information und

Erinnerung müssen wahrnehmbar bleiben.

4.6. Sonstige Aufgaben und Tätigkeiten

Hier sind für den Stelleninhaber zu nennen:

· Vertretung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. in verschiedenen Gremien und Arbeitskreisen in Duisburg,

dem Kreis Wesel und auf Landesebene

· Vorbereitung, Organisation, und Durchführung von Informationsständen, Aktionsformen sowie Seminar- und

Vortragsangeboten,

· Organisatorische Begleitung und Pressearbeit für Benefiz- und Kooperationsveranstaltungen,

· Akquise von finanziellen Mitteln und personellen Ressourcen (Ehrenamtleranwerbung),

· Kontaktpflege zu Förderern, Kooperations- und Netzwerkpartnern,

· Telefonische und persönliche Beratung,

· Geschäftsführung,

· U.a.m.

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Abbildung :

Präventionsveranstaltungen in der Allgemeinbevölkerung

im Jahre 2016 – Veranstaltungen insgesamt

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5. Zielgruppenspezifische Prävention

5.1 HIV/AIDS-Prävention bei Schwulen, Männern die

Sex mit Männern haben sowie bisexuellen Männern

Vorbemerkung:

Bedingt durch das Ausscheiden des Projektnehmers zur

„Strukturellen HIV-Prävention bei MSM“ bei der AIDS-Hilfe

Duisburg / Kreis Wesel e.V. zum 31.07.2016, muss

der Projektbericht im Wesentlichen durch den Nachfolger,

Raphael Diaz Fernandez (seit 01.09.2016 HL-Koordinator),

erstellt werden und insofern kann der Bericht

bezüglich der ersten Jahreshälfte nur begrenzt detailliert

erfolgen.

Eine nahezu bruchlose Fortführung des Projektes konnte

gewährleistet werden. Hier hat es sich einmal mehr sehr

bewährt, dass die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

im spezifischen Herzenslust-Arbeitsfeld seit Jahren einen

Herzenslust-Gruppenleiter im Rahmen einer geringfügigen

Beschäftigung vorhält, wodurch der Ausfall des

Projektnehmers im Juli und August weitestgehend aufgefangen

werden konnte. Als ausgesprochen günstig ausgewirkt

hat es sich zudem, dass der Herzenslust-Gruppenleiter

bereits eng mit dem Nachfolger gearbeitet hat,

welcher über einige Jahre bereits ehrenamtlich in die

Strukturen eingebunden war.

Das Projekt „strukturelle Prävention für homosexuelle

und bisexuelle Männer sowie MSM (Männer, die Sex mit

Männern haben) im Kontext HIV / STI“ unter dem Namen

„Herzenslust Duisburg / Knotenpunkt westliches Ruhrgebiet“

der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. ist im

Jahr 2016 durch zielgruppenspezifische Mittel des Landes

NRW gefördert worden.

Die Ausrichtung des Projektes ist hauptsächlich lokal/

regional und hat einen primärpräventiven Schwerpunkt,

wirkt aber auch im sekundärpräventiven Bereich, stets

methodisch und niedrigschwellig, wie für den Nutzer

kostenlos. Besonders intensiv wurde die Einbettung des

Projektes in die auf die zu erreichende Zielgruppe ausgelegte

lokale Infrastruktur betrieben.

Das Projekt ist regional und überregional eingebunden

und vernetzt. Die Kooperationen mit weiteren lokalen

Projekten, sowie den landesweiten Strukturen ermöglichten

Ressourcen schonende Synergien bei Kampagnen

und Großveranstaltungen und gewährleisten wesentliche

Aspekte im Bereich der Qualitätssicherung.

Vernetzung und Kooperationen

Herzenslust wird lokal angeboten. Die Aidshilfe NRW e.V.

dient als Koordinierungsstelle aller lokalen Herzenslustprojekte

und organisiert die Landesarbeitsgemeinschaft,

über die Austausch, Abstimmung und Qualitätssicherung

gewährleistet werden. Die Projektnehmer im Berichtsjahr

nahmen an allen Terminen der Landesarbeitsgemeinschaft

teil und brachten Anregungen ein, ebenso nahmen

sie solche auf.

Im Rahmen der Qualitätssicherung fanden erneut verschiedene

Veranstaltungen auf Landes- und auf Bundesebene

statt.

Die Abstimmung mit den umgebenden Herzenslustprojekten

wurde, fokussiert auf gemeinsame Aktionen, fortgesetzt.

Lokal schritt die angestrebte Vernetzung mit weiteren

Akteuren schwuler Lebenswelten voran. Der jeweilige

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Projetnehmer ist aktives Mitglied des Vereins DU-Gay

e.V., welcher den Duisburger CSD und den monatlich

stattfindenden Regenbogenstammtisch organisiert. Die

Projektnehmer (oder in Vertretung der HL-Gruppenleiter)

nahmen an allen durch die kommunale Politik veranstalteten

Treffen der schwul-lesbisch-bi-trans Akteure teil

und pflegt regelmäßigen Austausch mit dem zuständigen

Mitarbeiter des auf städtischer Ebene angesiedelten Referates

für Chancengleichheit und -gerechtigkeit.

Mit den Vertreter*innen des öffentlichen Gesundheitsdienstes

wurde ein intensiver Austausch gepflegt und

Kooperationsmöglichkeiten, insbesondere bzgl. eines

Beratungs- und Testangebotes ausgelotet. Leider konnten

im Berichtsjahr keine gemeinsamen Beratungs- und

Testangebote vorgehalten werden, was im Wesentlichen

an den deutlich schrumpfenden Ressourcen in den regionalen

ÖGD-Strukturen liegt. Diese unbefriedigende Situation

und das insgesamt schmale Testangebot des ÖGD

in unserer Region wurden im Laufe des Berichtsjahres

erneut offensiv mit den Leitungsstrukturen (Gesundheitsamtsleitungen

und Dezernenten) thematisiert, allerdings

zunächst ohne unmittelbare Erfolge. Die Problematik ist

allerdings erkannt, das suboptimale Angebot wird eingestanden

und grundsätzlich bedauert. Personelle Veränderungen

in den ÖGD-Strukturen im Berichtsjahr ließen

allerdings keine Umsetzungschancen zu.

Sommermonaten weiterhin regelmäßig die relevanten

Rastplätze und andere Orte für mann-männliche Sexualität

mit einem Beratungsangebot auf und bewarb die

Testmöglichkeiten beim ÖGD in Duisburg, Moers und

Wesel. Dieses aufsuchende, niedrigschwellige, kostenlose

und anonyme Angebot hat sich bewährt, erreicht es

doch Männer, die selten auf Eigeninitiative die Testangebote

aufsuchen und wahrnehmen würden. Im folgenden

Jahr soll nach Möglichkeiten einer Wiederaufnahme eines

niedrigschwelligen Testangebotes gesucht werden,

zumal in Duisburg kein Abendgebot beim ÖGD vorgehalten

wird und auch im Kreis Wesel das Abendangebot seit

Ende März eingestellt wurde, weil es keine Nachfolge für

den durchführenden Arzt gab.

Die konkreten Angebote von Herzenslust Duisburg /

Kreis Wesel (Umsetzung, Methodik, Ergebnisse)

Herzenslust Gruppe

Die Herzenslust Gruppe trifft sich regelmäßig und ist somit

selbst Teil der schwulen Szene und Ort schwuler Begegnungen.

Die ehrenamtlich Mitwirkenden und die bei

Bedarf durch den Projektnehmer angeleitete Teilzeitkraft

wirken durch das regelmäßige, öffentliche und kostenlose

Angebot strukturell präventiv. Durch Aktionen in der

schwulen Lebenswelt Duisburgs und des Kreises Wesel

(z.B. Szenerundgänge, Besuch von Partys und präventive

Infoabende) werden primärpräventive Botschaften

vermittelt. Kontakte entstehen, die sowohl primär- als

auch sekundärpräventive Wirkung haben. Die Gruppe

ist Kern der kreativen Arbeit und plant eigenständig mit

der Teilzeitkraft, ggf. unter Anleitung und Mitwirkung des

Projektnehmers Aktionen, bspw. zum CSD. Der Projektnehmer

gibt Informationen, besonders zu Fortbildungsmöglichkeiten

und Schulungen anderer Ebenen an die

Gruppe weiter. Im Berichtsjahr 2016 konnten die Gruppentermine

ausgebaut, die Teilnehmerzahl erhöht, mehr

Männer für das aktive Mitwirken der Gruppe gewonnen

und die Anzahl von Aktionen ausgebaut werden.

Herzenslust Beratung und Test

Das Beratung-und-Test-Angebot fand letztes Jahr mangels

Arzt und personeller Ressourcen nicht in der Aidshilfe

statt. Allerdings suchte das Herzenslust-Team in den

Konkrete Aktionen

Für die erste Jahreshälfte sind hier regelmäßige Szenerundgänge

(alle sechs Wochen) und drei Infostände mit

Aktionsformen zu besonderen Events in den Duisburger

Szenekneipen zu benennen. Darüber hinaus beteiligte

sich das Herzenslust-Team der AIDS-Hilfe Duisburg /

Kreis Wesel auch am Düsseldorfer CSD am 28.05.2016

aktiv. Ein wesentlicher Grund für die Trennung vom „ersten“

Projektnehmer war aber leider die Vernachlässigung

der weiteren Jahresplanung sowie eine suboptimale Vernetzungspflege.

CSD Aktion „006 – Spion in geiler Mission“

Die Herzenslustgruppe wirkte beim Auftritt der Herzenslust-Landesarbeitsgemeinschaft

beim ColognePride sowie

beim Duisburger CSD mit. Als „Spione“ traten in Köln

wieder einmal über einhundert ehrenamtlich Engagierte

gemeinsam auf und hatten die Mission, die Vielfalt ins

echte Leben zu bringen und erreichten eine sehr große

Zahl von Menschen. Die „Missions-Präventionsbotschaften“

wurden in zahlreichen Kontakten vermittelt

und konnten dank der zur Verfügung gestellten, entsprechend

dem Moto gestalteten Informationsbroschüre auch

nachhaltig vermittelt werden.

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Diese Aktion wurde natürlich auch auf dem CSD Duisburg

am 23.07.2016 umgesetzt, allerdings wegen des

Ausscheidens des HL-Koordinators kurz zuvor in etwas

„abgespeckter“ Form. Dennoch gelang es, durch den

erheblichen Mehreinsatz des HL-Gruppenleiters (geringfügige

Beschäftigung) und hohem Engagement der

Ehrenamtlichen eine starke Präsenz zu zeigen und viele

personalkommunikative Kontakte zu erreichen. Auch der

Herzenslust-Stand war durchweg belagert. Dieses Jahr

fand dazu das erste Mal eine Demonstration im Vorfeld

des Straßenfestes statt, bei dem natürlich auch das Herzenslust-Team

exponiert und gut sichtbar vertreten war.

Herzenslust im Rahmen von queer-life Duisburg

Eine gute Präsentationsplattform für die Herzenslust-Kampagne

und deren Botschaften ist alljährlich die

„queer-life Duisburg“-Reihe von hokudu e.V. (Homosexuelle

Kultur Duisburg), die in diesem Jahr zwischen dem

29. Oktober und dem 27. November 2016 in Duisburg

und Moers eine ganze Reihe von Veranstaltungen anbot.

In Berichtsjahr fand dazu erstmalig ein interaktiver Vortrag

statt, der unter dem Motto „Was tun, wenn’s brennt?!

– Infoabend zum Thema Safer Sex & Co“ bei SlaM &

Friends e.V. in Moers große Resonanz erzielte. Hier galt

der Fokus neben HIV insbesondere auch anderen relevanten

STI`s. Der nunmehr neue HL-Koordinator und

der HL-Gruppenleiter haben sich hier hervorragend präsentiert,

wie die zahlreichen Rückmeldungen bestätigen.

Diese Veranstaltung wurde gut frequentiert und zog ein

unerwartet hohes Maß an Aufmerksamkeit und öffentlicher

Wahrnehmung in Community-Kreisen in der Stadt

Moers und Teilen der umliegenden Gemeinden des Kreises

Wesel nach sich.

Im Berichtsjahr gab es darüber hinaus eine aktive Veranstaltungsbeteiligung

des Herzenslust Teams im Rahmenprogramm

zum CSD über eine Woche mit kleinen

Veranstaltungen. So wurde das zur Tradition werdende

„CSD-Angrillen“ bei der AIDS-Hilfe angeboten. Ein Warming

up, das insgesamt sehr gut frequentiert wurde und

Zugang zu neuen ehrenamtlichen Interessenten schaffen

konnte. Zum CSD wurde im Vorfeld der Akzeptanzpreis

an Kati Karrenbauer unter Beteiligung von mehreren Vereinen

und anderen Honoratioren umgesetzt, was noch

dazu ein sehr erfreuliches Medienecho und somit ein

hohes Maß an Aufmerksamkeit in der öffentlichen Wahrnehmung

erfuhr.

Zudem konnte zum zweiten Mal in der Geschichte des

Duisburger CSD`s erreicht werden, dass die Regenbogenflagge

am Duisburger Rathaus wehen durfte. Ein weiterer

Meilenstein und Hinweis auf die deutlich verbesserte

Lobbyarbeit für Belange schwuler Lebenswelten.

Mit der Fotoausstellung „Im Limbus der Geschlechter“

der Essener Transsexuellengruppe „Die 4te Etage“ und

„Trans*Welten“ des Trans*Jugendtreffs im „together Mülheim“

in den Räumen der AIDS-Hilfe konnten bei der Eröffnungsveranstaltung

über 40 Besucher*innen erreicht

werden. Diesen und weiteren Besucher*innen (über vier

Wochen) konnten konkrete und authentische Beispiele

für die sexuelle Vielfalt präsentiert und gezeigt werden,

dass Vielfalt bereichert und auch Akzeptanz erzielen

kann. Die Bewerbung konnte sowohl im Rahmen des

„queer-life Duisburg“ als auch im Rahmen des Veranstaltungsprogrammes

der AIDS-Hilfe zum Welt-AIDS-Tages

2016 recht breit gestreut werden und darüber auch Menschen

mit der Thematik erreichen, die nicht persönlich

erscheinen konnten oder wollten. Die Ausstellungen wurden

in Kooperation mit dem Referat für Chancengleichkeit

und -gerechtigkeit der Stadt Duisburg umgesetzt.

Herzenslust zum Welt-AIDS-Tag 2016

Im Rahmen der WAT-Großveranstaltungen war natürlich

auch das Herzenslust-Team aktiv beteiligt und konnte

sich und „seine“ Botschaften präsentieren.

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Und auch im Dezember konnte die Herzenslust-Aktion

„Spion in geiler Mission“ im Rahmen einer „Weihnachtsrevue“

eines Duisburger Szenelokales fortgeführt werden.

Eine Travestie-Show im Mittelpunkt der Revue zog

das entsprechende Zielpublikum an.

Darüber hinaus gab es weitere Veranstaltungen in Kooperationen

mit der Duisburger Szene wie Herzenslust

bei „Eis am Stiel“ und beim „Pink Wednesday“ auf dem

Duisburger Weihnachtsmarkt, der sich mittlerweile etabliert

hat und vom Angebot her wächst.

Im Anschluss an den „Pink Wednesday“ gab es noch in

einem Szene Café eine Travestieshow an der Herzenslust

aktiv teilnahm.

Herzenslust online

Ganz erheblich verbessert und weiterentwickelt werden

konnte die online-Präsenz und Präsentation über die

Homepage und den facebook-Auftritt. Hier zeigt sich anhand

der Zugriffszahlen, dass die Weckung von User-Interesse

mit der Pflege und steten Aktualisierung dessen

einhergeht und dies neben dem spezifischen Informationstransport

in die Zielgruppe wichtiges Instrument für

die Akquise von Ehrenamtlichen sein kann bzw. ist.

Projektkritik

Die Projektziele wurden trotz des erneuten Personalwechsels

und der kurzzeitigen Vakanz ganz überwiegend

erreicht. Ressourcen wurden schonend und unter

Nutzung bestmöglicher Synergieeffekt aus Arbeitsteilung

eingesetzt. Die Zusammenarbeit zwischen Projektnehmer

und dem HL-Gruppenleiter (Geringfügig Beschäftigt),

die sich in der ersten Jahreshälfte stetig verschlechterte,

konnte mit dem Personalwechsel ganz erheblich

optimiert werden. Die Fähigkeiten und Kenntnisse, die

der neue HL-Koordinator im HL-Projekt über Jahre schon

ehrenamtlich erworben und eingebracht hatte, erwiesen

sich als Glücksfall, auch schon zu Beginn des dritten

Quartals – vor allem im Juli und August –, da trotz hoher

Veranstaltungsintensität (ColognePride, sowie CSD

Duisburg) die gemeinsam vorgenommene Planung nahezu

vollständig umgesetzt werden und die Intensität

der HL-Arbeit im vierten Quartal noch deutlich gesteigert

werden konnte.

Die Nutzung sozialer Netzwerke und Mobiler Medien

konnte ausgebaut und noch aktueller gepflegt werden

und erwies sich insbesondere zur Veranstaltungsbewerbung

und Nachbetrachtung (Evaluation) als sehr

gewinnbringend. Die Kooperation auf regionaler und

landesweiter Ebene ist in der Umsetzung sehr effizient.

Die Kooperation auf lokaler Ebene ist in Bezug auf die

queere Infrastruktur erheblich verbessert und auch personell

gewachsen, aber auch mit Ressourceninvestition

verbunden.

Die Zusammenarbeit mit den ÖGD-Strukturen (bezüglich

Beratungs- und Testangebot) leidet leider immer noch

an weiter geschrumpften Ressourcen auf dieser Seite.

Einer Erhaltung der fachlich geforderten Standards geschweige

denn eine Weiterentwicklung der strukturellen

HIV-Prävention ist in unserer Region gefährdet, denn mit

dem präventiven Einsatz – hier speziell von Herzenslust

– muss auch eine gute Testinfrastruktur verbunden sein.

Anders wird es schwer, bei Menschen eine Testbereitschaft

zu fördern, frühe Diagnosestellungen zu erreichen

und sie zu einem möglichst frühen Therapiestart zu bewegen

oder die Zahl der „late presenter“ zu verringern.

Ganz zu schweigen von den primärpräventiven Effekten

von „Schutz durch Therapie“. Hier ist die Infrastruktur in

unserer Region äußerst bescheiden aufgestellt. Wir werden

dies weiter thematisieren und dafür kämpfen – zur

Not auch ohne den ÖGD.

Die Kommunalisierung und der Umstand, dass bei den

grundsätzlich pflichtigen Aufgaben der Gesetzgeber den

Umfang nicht geregelt hat, erweisen sich in unserer Region

immer mehr als kontraproduktiv, es würde viel zu

(re-) investieren sein, um eine halbwegs bedarfsgerechte

Steuerung und eine adäquate Ressourcenausstattung zu

erhalten bzw. zu erreichen. Umso mehr ist die erfreulich

stabile Förderung der „Strukturellen HIV/AIDS-Prävention

bei MSM“ über zielgruppenspezifische Landesmittel

für unser großes Zuständigkeitsgebiet (mit einer nach der

EMIS-Studie vergleichsweise hohen Populationsdichte

an MSM) unerlässlich und unverzichtbar.

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5.2 Drogen und Substitution

Im Arbeitsbereich Drogen fand eine enge Zusammenarbeit

mit der Selbsthilfegruppe JES (Junkies, Ehemalige,

Substituierte) Duisburg statt. Wir boten weiterhin für ihre

Gruppentreffen unsere Räumlichkeiten an und begleiteten

und unterstützten sie, soweit es unsere Ressourcen

zuließen. Wie in den Vorjahren haben wir mit JES

Duisburg gemeinsam den nationalen Gedenktag am

21.7.2016 für verstorbene Drogengebraucher*innen erfolgreich

geplant, vorbereitet und durchgeführt. Letztes

Jahr auch erstmalig in Kooperation mit dem Suchthilfeverbund.

JES Duisburg führte weiterhin anlaog zur Aidshilfe das

Streetwork durch. Care-Packs, die vom Land NRW finanziert

wurden sowie Spritzen und Kondome, die die

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel aus Eigenmitteln finanzierte,

sind verteilt worden.

Hierdurch und durch gemeinsame Treffen und Fachtage

wurde der partizipative Ansatz der Aidshilfe Duisburg/

Kreis Wesel im Bereich Drogen umgesetzt, da wir im direkten

Austausch mit der Zielgruppe waren.

Politisch sind im Drogenbereich weiterhin dicke Bretter

zu bohren. Es gibt zwar sowohl auf Bundes- als auch auf

Landesebene die Erkenntnis, dass die Substitutionsbehandlung

fortentwickelt werden muss. Hier ist zum Beispiel

in NRW eine AG zur Weiterentwicklung der Substitution

eingerichtet worden, die allerdings noch nicht zu

einem abschließenden Ergebnis gekommen ist.

Schwer kranke Patienten können künftig auf Kosten der

Krankenversicherung mit hochwertigen Cannabis-Arzneimitteln

versorgt werden. Bisher kam Cannabis nur

mit einer Ausnahmegenehmigung des Bundesinstituts

für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) als Heilmittel

zum Einsatz, etwa um Schmerzpatienten zu helfen.

Die nicht unerheblichen Kosten mussten die Patienten

in der Regel selbst tragen. Derzeit verfügen nach Angaben

des Instituts rund 1.000 Patienten über eine solche

Ausnahmeerlaubnis zum Erwerb von Cannabis. Am 19.1.

2017 hat der Bundestag diesen Gesetzentwurf der Bundesregierung

zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher

Vorschriften angenommen. Der Gesundheitsausschuss

hatte dazu eine Beschlussempfehlung vorgelegt.

Für die Versicherten wird zudem, auch in eng begrenzten

Ausnahmefällen, ein Anspruch auf Versorgung mit den

Wirkstoffen Dronabinol oder Nabilon geschaffen. Um die

Versorgung sicherzustellen, wird der Anbau von Cannabis

zu medizinischen Zwecken in Deutschland ermöglicht.

Geplant ist dazu der Aufbau einer staatlichen Cannabis-Agentur,

die den Anbau und Vertrieb koordiniert und

kontrolliert. Diese Aufgabe wird dem BfArM übertragen.

Um die genaue medizinische Wirkung der Cannabis-Arzneimittel

zu erforschen, ist eine wissenschaftliche Begleiterhebung

vorgesehen. Die generelle Freigabe von

Cannabis wird von der Bundesregierung weiter strikt abgelehnt.

Diamorphin wird trotz Anerkennung als Arzneimittel nur

in wenigen Städten eingesetzt und nur sehr wenige Menschen

profitieren hiervon. Letztendlich geht es um die

Abschaffung des BtmG, welches die größten Probleme

in dem Lebensbereich drogengebrauchender Menschen

verursacht.

Weiterhin wurde die Substitution an Wochenenden und

Feiertagen in der Aidshilfe durchgeführt. Bewährt hat sich

hier das Frühstück am letzten Sonntag im Monat, welches

rein ehrenamtlich angeboten wird.

Ebenso wird das monatliche JES Frühstück, das auch

von den hauptamtlichen Mitarbeitern mit organisiert und

durchgeführt wird, gut angenommen.

Die Zusammenarbeit mit verschiedenen Nutzern des

Kantparks (Szenetreffpunkt), konnte weiter intensiviert

werden. Dies bezieht sich vor allem auf das Lehmbruckmuseum,

das an dem „Aufeinanderzugehen“ der Akteur*innen

des Sozialraumes maßgeblich mitarbeitet.

5.2.1 Primär- und Sekundärprävention

5.2.1.1 Spritzenaustauschprogramm

Die Aidshilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. nimmt weiterhin

mit den von ihr betreuten Spritzenautomaten am Projekt

der AIDS-Hilfe NRW e.V. teil. Die Standorte befinden sich

in Wesel neben der Dogenberatung und in Duisburg befindet

sich der Spritzenautomat an der Aidshilfe direkt vor

dem Eingangsbereich. Der Spritzenautomat in Duisburg

wird gut angenommen und muss wöchentlich aufgefüllt

werden. Der Spritzenautomat in Wesel wird im zweiwöchigem

Rhythmus neu bestückt. Planungen für einen

weiteren Automaten in Moers laufen.

Weiter besteht die Möglichkeit während der Öffnungszeiten

auch persönlich gebrauchte Spritzen gegen neue

Materialien zu tauschen.

Insgesamt ist das Angebot des Spritzentausches und der

Automaten und nach wie vor eine sehr erfolgreiche Maßnahme

der strukturellen HIV-/ HCV-Prävention.

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Die Zusammenarbeit zwischen den Ärzten, unseren

Honorarkräften und den Apotheken verlief weiterhin reibungslos.

An dieser Stelle einen ganz herzlichen Dank

an die Mitarbeiter*innen für ihr Engagement und ihre

Mithilfe.

Weiterhin wird bei fast jeder Vergabe den Substituierten

Kaffee angeboten mit Ausnahme von den Tagen, an denen

unser Gruppenraum durch andere Veranstaltungen

belegt war. Am letzten Sonntag im Monat gibt es ein ehrenamtlich

organisiertes Frühstück. Bei der Vergabe und

dem Frühstück bietet sich die Gelegenheit, sich über

Sorgen und Nöte auszutauschen. Hierbei bietet sich regelmäßig

die Möglichkeit zur Präventionsberatung und

zu Safer-Use-Strategien.

5.2.2.2 Psychosoziale Begleitung Substituierter (PSB)

Die psychosoziale Begleitung von HIV-Positiven / an Aids

erkrankten Substituierten ist ein weiterer Bestandteil der

Drogenarbeit innerhalb der Aidshilfe.

Spritzenautomat Bismarckstr. 67

innen mit Entsorgungsbox

5.2.1.2 Suchtprävention bei Partydrogen

@drugthive

von

Aufgrund mangelnder Ressourcen und fehlender ehrenamtlicher

Mitarbeitenden konnten im Berichtsjahr in diesem

Arbeitsbereich keine Projekte umgesetzt werden.

5.2.2 Substitution

5.2.2.1 Entwicklung der Wochenendvergabe

Auch im Jahre 2016 haben wir über das komplette Jahr

an allen Wochenenden und Feiertagen also insgesamt

114 Tagen die Vergabe von Methadon in der Aidshilfe in

Duisburg durchgeführt. Die Anzahl der Substituierten lag

im Durchschnitt bei 90 Personen. Die Vergabezeit beträgt

1,5 Stunden. Seit 2014 wird die Vergabe von Honorarkräften

begleitet. Insgesamt sechs Ärzte entsenden

ihre Patient*innen, die Vergabe in der Aidshilfe führen

vier Ärzte durch. Ende des Jahres verstarb ein Substitutionsarzt,

der langjährig seinen Dienst geleistet hatte.

Im Vordergrund der PSB steht die Stabilisierung der Klient*innen,

die in ihrer Lebenssituation gestärkt und unterstützt

werden. Die Zielsetzung der PSB erfolgt dabei

im Wesentlichen nach den Bedürfnissen der Klient*innen.

Das bedeutet in erster Linie, dass das subjektive

Wohlbefinden der jeweiligen Person und die Lebensverhältnisse

verbessert werden sollen. Entsprechend dieser

Zielsetzung steht bei einigen Substituierten die Verbesserung

des Gesundheitsstatus im Mittelpunkt, während

bei anderen die Sicherung der materiellen Grundversorgung

oder der Aufbau sozialer Netze im Vordergrund stehen

kann.

Dies kann in medizinischer Hinsicht bedeuten, dass wir

in eine Substitution vermitteln. Da es sich hier nur um

wenige Einzelfälle handelt und wir gute Kontakte zu den

substituierenden Ärzten pflegen, gelingt dies in der Regel

problemlos. Des Weiteren stellen wir den Kontakt

zu dem HIV-Schwerpunkt-Arzt oder den Ambulanzen her

und unterstützen die Drogengebraucher*innen, die zum

Teil starke Berührungsängste mit Ärzten dieser Fachrichtung

haben, sich in eine adäquate Behandlung zu begeben.

Teilweise ist es jedoch schwierig, neue Klient*innen

in ein relativ schematisches Korsett zu bringen, welches

für eine HIV-Behandlung notwendig ist (regelmäßige

Überwachung der HIV-/AIDS-Parameter, regelmäßige

Tabletteneinnahme, Compliance).

Im Rahmen der PSB ist es für uns wichtig, die Ressourcen

der Begleiteten zu stärken. Durch die eigene Bewältigung

von Problemen und Aufgaben erfahren sie eine

Stärkung ihres Selbstwertgefühles.

Im Jahr 2016 ging es in der PSB vor allem um Hilfestel-

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lungen im alltäglichen Bereich, die Vermittlung in Beratungsstellen

zu Wohnungslosigkeit sowie in eine Schuldnerberatung

und Unterstützung bei Ämtergängen und

Postverkehr.

Insgesamt sehen wir hier steigende Bedarfe der Begleiteten

auch Angebote von Betreutem Wohnen in Anspruch

zu nehmen. Hier wurden wir vermittelnd tätig.

5.2.3 Niedrigschwellige Arbeit mit illegalisierten Drogengebraucher*innen

Im Jahr 2016 hat die Aidshilfe Duisburg/ Kreis Wesel in

Kooperation mit JES Duisburg 104 Streetworkeinsätze

in Duisburg-Mitte im Kantpark geleistet. In Duisburg

Hamborn am Rathaus waren wir 52 Mal unterwegs. Dies

wurde durch die Förderung des Landes NRW sowie der

Sparkasse Duisburg möglich, der dafür ein großer Dank

gilt.

Ziel dieser Einsätze waren die Aufklärung zu Safer-Use-Strategien,

klientenzentrierte Beratung zu Ansteckungswegen

bei HIV, Hepatitis und anderen sexuell

übertragbaren Infektionen und die Ausgabe von ca. 6240

Spritzen und anderen Safer-Use Materialien. Eine weitere

wichtige Funktion ist dabei die Alltagsberatung, z.B.

Hilfestellungen und Unterstützung zu Anträgen oder das

Verweisen/Vermitteln an andere Hilfsangebote oder Institutionen.

Genau wie auch im Bereich der PSB stiegen

hier die Anfragen zu Betreutem Wohnen.

Beim Streetwork werden Spritzen, Kondome und Care

Sets verteilt. In diesem Jahr konnten auch sogenannte

Smoke-It-Sets beim Streetwork ausgegeben werden.

Diese enthalten 2 Folien, 1 Alkoholtupfer, 1 Feuerzeug, 1

Strohhalm, 1 Bonbon und einen Infoflyer. Die Smoke-It-

Sets ermöglichen das Folie-Rauchen und stellen eine alternative

Konsumform zum Spritzen dar. Die 1000 Sets,

die uns zur Verfügung standen, waren in kurzer Zeit aufgebraucht.

Im Sinne des Safer-Use-Gedanken stellt diese

Konsumform eine gute Alternative zum intravenösen

Gebrauch dar und wird von der Szene gut angenommen.

Ein Teil des Streetworks beinhaltet sekundärpräventive

Arbeit, da auf der Platte auch einige HIV-Positive Drogengebraucher*Innen

bzw. Subsituierte erreicht werden,

die ansonsten die AIDS-Hilfe selten aufsuchen.

Durch die Szenenähe im Kantpark hat auch im Jahr 2016

eine gute Zusammenarbeit mit dem Lehmbruck-Museum

stattgefunden. Die „Artgenossen“ des Museums luden

die Szene und uns insgesamt sechs Mal zu kostenlosen

Besichtigungen des Museums ein, bei denen es jedes

Mal eine geführte Tour mit anschließendem Snack gab.

Außerdem gab es drei gemeinsame Parkbegehungen,

einen gemeinsamen Workshop und ein Adventstreffen

mit Lesung und Musik. Diese Angebote wurden gerne

durch die Szene angenommen. Durch die enge Kooperation

mit dem Museum war es sogar möglich, dass die

Artgenossen selber „auf der Platte“ Werbung für ihre Veranstaltungen

machen konnten. Dies zeigt, wie Vorurteile

und Hemmschwellen beiderseits abgebaut werden können.

Wir sehen an diesem Beispiel, dass unser partizipativer

Ansatz Erfolge erzielt und arbeiten auch weiterhin

an der strukturellen Prävention.

Von April bis Juni fand das Projekt „Parkgesichter-double

reflection Duisburg“ in Kooperation mit Anwohnern,

den Artgenossen, dem Museum und der Künstlerin Caroline

von Grone statt. Dabei wurden verschiedenste

Menschen, deren Sozialraum der Kantpark ist, zweimal

porträtiert. Es handelte sich dabei jeweils um ein Porträt

direkt nach Modell und eines als Ölskizze nach Foto. Es

ging dabei u. a. um die Differenz der Wahrnehmung und

die daraus resultierende Wirkung für Bedeutung und Präsentation.

Für dieses Projekt saßen auch Menschen aus

der Szene und JES-Mitglieder im Außencontainer des

Museums Modell und die daraus entstandene Ausstel-

54


lung wurde im Lehmbruck-Museum ausgestellt.

Weiter gab es eine Kronkorken- Aktion von den

Kants-Gärtnern. Hierzu wurden von der Szene Kronkorken

gesammelt und diese wurden gemeinsam mit den

Kants-Gärtnern in ein Bild einbetoniert. Daraus entstand

so ein gemeinsames Kunstwerk.

Insgesamt hat die sozialräumliche Arbeit positive Auswirkungen

auf die drogengebrauchenden Menschen, z.B.

stärken Einbeziehung und Teilhabe am gesellschaftlichen

Leben das Selbstwertgefühl. Regelmäßige Gespräche

mit Anwohnern und anderen Akteuren fördern aber

ebenso die Akzeptanz gegenüber Drogengebraucher*innen

und wirken Diskriminierung und Kriminalisierung entgegen.

JES Duisburg hatte 2016 insgesamt 18 Gruppentreffen

und im November konnte ein neues Mitglied gewonnen

werden.

Zum Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen

wurde eine erfolgreiche gemeinsame Aktion mit der

Aidshilfe und dem Suchthilfeverbund durchgeführt (siehe

unten). JES Duisburg stand in Verbindung mit der Selbsthilfe-Kontaktstelle

und erhielt die Selbsthilfe-Förderung

nach §20 SGB V von 500Euro.

5.2.4 „Nationaler Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*Innen“

am 21. Juli

Das Frühstück für Drogengebraucher*innen, Ehemalige,

Substituierte und Freund*innen fand in der Aidshilfe

im Berichtsjahr 2016 regelmäßig einmal pro Monat am

dritten Freitag im Monat statt. Das Frühstück wird überwiegend

von zwei ehrenamtlichen Mitarbeitern vorbereitet

und mit Lebensmittelspenden vom Verein „Bürger für

Bürger“ unterstützt. Hierfür sagen wir recht herzlichen

Dank. Das Frühstücksangebot wurde gut angenommen.

Anlässlich des Nationalen Gedenktages ziehen die Aidshilfe

Duisburg/Kreis Wesel e. V. und JES Duisburg Bilanz

zu den Angeboten im Drogenbereich in Duisburg und zur

Drogenpolitik im Allgemeinen.

In Duisburg sind im vergangenen Jahr acht Menschen,

die illegale Drogen konsumieren, verstorben. Dies ist

wieder eine Steigerung zum Vorjahr. Die Dunkelziffer

ist jedoch leider viel höher. Das ist vor allem den gesellschaftlichen

und gesetzlichen Umstände geschuldet.

Es gibt in Duisburg keinen Drogenkonsumraum. In einem

solchem Raum wäre geschützt unter sicheren Bedingungen

der Konsum möglich. Medizinisch ausgebildetes

Personal kann bei lebensgefährlichen Überdosierungen

Akuthilfe leisten, sterile Spritzen werden zur Verfügung

gestellt und im Verhältnis 1 zu 1 getauscht, es besteht

die Möglichkeit in Therapien oder Entgiftungen zu vermitteln.

Auch die nicht Drogen konsumierende Bevölkerung

wird durch Drogenkonsumräume deutlich entlastet, da

durch diese der Konsum illegaler, harter Drogen in der

Öffentlichkeit, etwa in Parkanlagen wie dem Kantpark,

auf offener Straße sowie in Verkehrsstationen erheblich

reduziert werden konnte, das belegen auch Beispiele

aus anderen Städten. Dies führt wiederum auch dazu,

dass dort deutlich weniger benutztes Spritzbesteck, auf-

55


geschnittene Blechdosen und weitere Mittel vorzufinden

sind, welche zum Konsum der Drogen außerhalb von

Drogenkonsumräumen trotz damit verbundener gesundheitlicher

Risiken oft verwendet werden. Somit wird auch

die damit verbundene Verletzungsgefahr deutlich verringert.

Drogenkonsumräume gibt es in zehn Städten in

NRW u. a. Dortmund, Bochum, Essen, Wuppertal und

sogar in Troisdorf.

Die Substitution mit Methadon oder anderen Substitutionsmitteln

kann helfen, die Drogengebraucher*innen

gesundheitlich und sozial zu stabilisieren, den Drogenkonsum

zu reduzieren oder sogar ganz aufzugeben. In

Duisburg wird die Substitution durch engagierte niedergelassene

Ärzte gewährleistet und hier ist auch mit der

Wochenendvergabe die Aidshilfe ein Partner im System.

Für die Zukunft gilt es jedoch, neue substituierende

Ärzt*innen zu finden, da die bisherigen in absehbarer Zeit

aus Altersgründen ihre Tätigkeit aufgeben werden. Eine

zentrale Forderung von JES und der Aidshilfe Duisburg/

Kreis Wesel e. V. ist die Substitution mit Diamorphin, welches

als Arzneimittel und zur Substitution zugelassen ist,

aber nur in einigen wenigen Städten verfügbar ist.

und paramilitärischen Organisationen Milliardengewinne

sichere und unsere Demokratien gefährde. Diese

Erkenntnis muss endlich auch bei uns zu verbindlichen

politischen Handlungen führen.

Schon 2014 meldeten 120 Juraprofessoren grundsätzliche

Kritik am Betäubungsmittelgesetz (BtmG) an. Wir

schließen uns der Forderung an, eine Enquete-Kommission

beim Bundestag zur Überprüfung des BtmG einzurichten.

Die einzigen niedrigschwelligen Angebote in Duisburg

werden von JES Duisburg und der AIDS-Hilfe aufrecht

erhalten, hierbei handelt es sich um das Streetwork und

zweimal monatlich ein Frühstück, am dritten Freitag und

letzten Sonntag im Monat. Die klassische Drogenhilfe in

Duisburg hat kein Kontakt-Cafe und erreicht daher keine

Drogengebraucher*innen im niedrigschwelligen Bereich.

Durch die Substitution werden drogengebrauchende

Menschen älter und benötigen spezifische Angebote, da

sie in bestehende Altersheime kaum zu integrieren sind.

Auch hier sind in Duisburg im Gegensatz zu anderen

Städten, keine Angebote in Planung.

Generell liegt in der Illegalität das Hauptproblem der

Drogenkonsumenten. Die überteuerten Preise auf dem

Schwarzmarkt erzeugen Beschaffungskriminalität und

Beschaffungsprostitution. Dies führt zu Kriminalisierung,

Stigmatisierung, sozialer Ausgrenzung und massiven

Schäden an Körper und Seele und birgt erhebliche Infektionsgefahren

mit HCV und auch HIV. Der Schwarzmarkt

ist auch die Ursache für die Streckung des Stoffes

mit gesundheitsgefährdenden Beimengungen wie Arsen,

Puddingpulver oder zerstoßenes Glas.

Der bessere Weg wäre es, Energie und finanzielle Mittel

nicht für die Prohibition sondern für Präventions- und

Hilfsangebote für Menschen zur Verfügung zu stellen, die

mit ihrem Drogenkonsum Probleme haben.

„War on drugs“ sei gescheitert, stellte schon 2009 die

Latin American Commission on Drugs and Democracy

unter Vorsitz der ehemaligen Präsidenten Brasiliens,

Mexikos und Kolumbien fest, er sei ein Krieg gegen die

Kosument*innen, der nur dem organisierten Verbrechen

Am 21.07. führten wir dann die gemeinsame Aktion mit

JES Duisburg und dem Suchthilfeverbund Duisburg zum

Gedenktag der verstorbenen Drogengebraucher*innen

durch.

Es gab einen Infostand direkt vor dem Haupteingang

des größten Duisburger Einkaufszentrums FORUM. Wir

stellten sechs Kreuze und Kerzen für die im Jahr 2015

verstorbenen Drogengebraucher*innen auf. Es wurden

weiße Rosen an die Passantinnen und Passanten verteilt

und gleichzeitig ein Folder überreicht. In diesem Folder

befanden sich die Presseerklärung der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis

Wesel e. V. und eine Forderung zu Drogenkonsumräumen

vom Bundesverband der akzeptierenden

Eltern und Angehörigen e.V., vom JES Bundesverband,

der DAH und Akzept e.V.

Durch die gemeinsame Aktion wurde 200 Passanten er-

56


eicht und mit ihnen teilweise intensiv über die aktuelle

Situation der drogengebrauchenden Menschen in Duisburg

diskutiert.

Medial gab es am 21.07. einen Bericht bei Studio 47 und

der WDR-Lokalzeit und einen Artikel in den Printmedien.

5.2.5 Teilnahme an Arbeitskreisen

Mitarbeiterin für den Drogenbereich an der Mitgliederversammlung,

an den JES NRW-Treffen, JES Westschienentreffen

und am Fachtag teil. Inhaltlich ging es um die

Erstellung eines Qualitätssiegels für selbsthilfefreundliche

Drogenberatungsstellen. An dem zweitägigen Treffen

waren auch Dirk Meyer (Patientenbeauftragter der

Landesregierung NRW) und Beate Jagla (Geschäftsführerin

der AG Aidsprävention NRW) beteiligt.

Die Aidshilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. ist durch die

hauptamtliche Mitarbeiterin für den vorgenannten Bereich

in dem Arbeitskreis Suchtmedizin (Qualitätszirkel der

substituierenden Ärzte), am Landesarbeitskreis „Drogen

und Haft“ und in der PSAG Basisarbeitsgruppe „Suchtkrankenhilfe“

vertreten.

Weiterhin kann die gute Zusammenarbeit mit dem Lehmbruckmuseum

betont werden, insbesondere mit der

Gruppe „Artgenossen“. Regelmäßig lud das Museum zu

Führungen speziell für die Szene im Kantpark mit anschließendem

Kaffetrinken ein. Dabei waren Mitarbeiter*innen

der Polizei, sowie der Aidshilfe Duisburg/ Kreis

Wesel auch willkommen. So konnten sich Nutzer*innen

des Parks unbefangen näher kommen und ins Gespräch

kommen. Dadurch werden Ängste abgebaut und gegenseitige

Rücksichtnahme gestärkt. Im Berichtsjahr 2015

gab es sogar einen gemeinsam organisieren Ausflug in

ein Kunstatelier. Weiter gab es im Herbst eine Kunstaktion

auf der „Platte“ von Künstler*innen aus den „Müllers

Gärten“. Dabei wurden Kronkorken aus dem Park von

der Szene und den Künstler*innen gesammelt und gemeinsam

in Zement arrangiert. Da diese Aktion von allen

gut angenommen wurde, sollen in Zukunft regelmäßiger

solche Begegnungen stattfinden. Dabei wird auch über

eine gemeinsame Ausstellung der entstandenen Werke

nachgedacht.

An dieser Stelle möchten wir allen Beteiligten danken

und hoffen weiterhin auf gute Zusammenarbeit.

5.2.6 Teilnahme an JES-Mitgliederversammlung

Die Aidshilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. ist Mitglied im

Landesverband JES NRW e. V. Aufgrund eines Projektantrages

von JES NRW letztes Jahr über die Krankenkassenförderung

konnten der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis

Wesel e. V. Care-Packs, Spritzen, Feuerzeuge, Abbinder

und Smoke-it-Sets für das Streetwork zu Verfügung

gestellt werden. Ebenso wie eine Drop-Flag von JES Duisburg,

z.B. zur Nutzung am Gedenktag für verstorbene

Drogengebraucher*innen. Von diesen Materialien konnte

auch 2016 profitiert werden.

Zusammen mit JES Duisburg nahm die hauptamtliche

57


5.3 HIV und Strafvollzug

Gegebenheiten des Vollzugsalltages angepasst, umgesetzt.

Hierbei ist eine beständige und regelmäßige Arbeit

unabdingbar, da der Vollzug eher durch einen strukturierten

Alltag und durch ein hohes Maß an Regelmäßigkeit

geprägt ist.

Die Präventionsarbeit der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel

e.V. im Sektor Strafvollzug wurde erfreulicherweise

weiterhin über das Justizministerium NRW zum Teil refinanziert.

Wir sehen dies als ein Zeichen, dass unser

Ansatz über die Region Duisburg hinaus anerkannt und

gewürdigt wird.

Das Angebot der „Strukturellen HIV- und STI- Präventionsarbeit

im Strafvollzug“ wurde auch 2016 durch die

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. auf der lokalen

und landesweiten Ebene umgesetzt. Auf der landesweiten

Ebene erfolgte die Arbeit ausschließlich in Vernetzung

und Kooperation mit Institutionen, die im Bereich

„HIV und Strafvollzug“ tätig sind (wie z.B. bei dem Landesarbeitskreis

Drogen und Haft der AIDS-Hilfe NRW

e.V.).

Auf der lokalen Ebene wurde mit den vorhandenen Untersuchungshaftanstalten,

dem offenen Vollzug sowie

den Gerichten und Staatsanwaltschaften der Region kooperiert,

um die Präventionsarbeit für Bedienstete und

Inhaftierte im Bereich Strafvollzug zu platzieren. Ziel

war die Wissensvermittlung von Übertragungswegen

und Schutzmöglichkeiten im Themenfeld der sexuellen

Gesundheit mit dem Fokus auf sexuell übertragbare Infektionen

(STI´s), vor allem im Hinblick auf HIV und die

Hepatitiden. Weitere Arbeitsschwerpunkte waren die Begleitung

HIV-positiver Inhaftierter sowie die Durchführung

regelmäßiger Gruppenangeboten für inhaftierte Frauen

sowie Männer zum Thema „Gesundheit in Haft“.

5.3.1 Einführung

Die Arbeit in den Untersuchungshaftanstalten wurde, den

5.3.2 Überregionale Aktivitäten

Teilnahme an Arbeitskreisen

Der hauptamtliche Mitarbeiter hat regelmäßig an dem

Landesarbeitskreis „Drogen und Haft“ der AIDS-Hilfe

NRW e.V. teilgenommen. Durch den regelmäßig stattfindenden

fachlichen Austausch wurde die Arbeit kontinuierlich

modifiziert, einheitliche Standards erarbeitet und

somit die lokale Arbeit weiter professionalisiert.

Der hauptamtliche Mitarbeiter nahm im Rahmen der landesweiten

Vernetzung an verschiedenen Arbeitskreisen

und Tagungen teil.

Neben dem Landesarbeitskreis hat der Mitarbeiter an

dem Arbeitskreis „Corporate Design“ teilgenommen. Ziel

des Arbeitskreises ist neben der Erstellung eines Leitbildes

für die Präventionsarbeit im Haftbereich auf Landesebene

eine einheitliche Darstellung der Arbeitsansätze

der AIDS-Hilfen in NRW mit entsprechenden Modulen zu

entwickeln.

Informationsveranstaltungen

Der Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel

e.V. hat bei einem „Gesundheitstag in der Justizvollzugsschule

NRW / Wuppertal“ in 2016 eine Informati-

58


onsveranstaltung für Bedienstete durchgeführt. Weitere

Anfragen konnten in diesem Jahr aus Krankheits- und

Kapazitätsgründen leider nicht bedient werden (s. Controlling-Zahlen

im Anhang).

5.3.3 Lokale Arbeit des Projektes ,HIV und Strafvollzug’

Der Arbeitsbereich „Gesundheitsförderung für Menschen

in Haft“ bedient die Untersuchungshaftanstalt Duisburg-Hamborn

sowie deren Zweiganstalt in Dinslaken.

Inhaltliche Schwerpunkte der Arbeit sind:

- Primär- und Sekundärprävention zum Themenfeld

HIV/AIDS, Hepatitiden sowie anderen sexuell

übertragbaren Krankheiten

- Begleitung und Interessensvertretung HIV-positiver

Inhaftierter

- Einzelberatung von Inhaftierten

- Mitarbeiterschulungen

- Verschiedene Veranstaltungen

5.3.4 Gesundheitliche Belastungen von Inhaftierten

Die Hauptinfektionswege von HIV und Hepatitiden sind

das gemeinsame Benutzen gebrauchter Spritzutensilien

beim intravenösen Drogenkonsum (IVDU), sexuelle Kontakte

und Tätowieren / Piercen. Daher hat die Präventionsarbeit

der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. eine

starke Fokussierung auf diese Übertragungswege.

Hier ein Umriss der Risikosituationen anhand statistischer

Forschungsergebnisse:

Drogenkonsum

Intravenöser Drogenkonsum ist bei inhaftierten Drogenabhängigen

zwar weniger verbreitet als außerhalb, aber

die Inhaftierten, die ihren Konsum in Haft fortsetzen, tun

dies unter hoch riskanten Bedingungen und in der Regel

in Form eines gemeinsamen Gebrauches von Spritzen,

Nadeln und Spritzutensilien. Wedershoven (s. Wedershoven

C. Katamnese der HIV-Infektion bei drogenabhängigen

und nicht-drogenabhängigen Inhaftierten im Vergleich

im Justizvollzug des Landes Nordrhein-Westfalen.

1998) bestätigt, dass unsterile Spritzutensilien die Hauptinfektionsquelle

der von ihr untersuchten Gefangenen

darstellt. Knapp fand, dass bei den von ihm befragten

Inhaftierten positiven Strafgefangenen bis zu neun Personen

eine Spritze zusammen benutzten (s. Knapp R.,

AIDS im Strafvollzug. Zur Situation HIV-Infizierter und

AIDS-Kranker Strafgefangener unter besonderer Berücksichtigung

der Problematik intramuralen Drogenkonsums:

Ergebnisse einer empirischen Erhebung und

rechtliche Konsequenzen. Bonn (Unveröff. Diss. 1996).

Sexuelle Beziehungen

Sexualität ist in den Haftanstalten genauso präsent wie

der illegale Drogenkonsum. Die Thematisierung von

gleichgeschlechtlicher Sexualität ist jedoch so gut wie

unmöglich. Wenige Haftanstalten gestatten Langzeitinhaftierten

heterosexuelle Kontakte im Rahmen der Besuchszeit

von (Ehe-) Partner*innen (z.B. JVA Werl, JVA

für Frauen Vechta) oder bei Haftlockerungen der Inhaftierten

sexuelle Kontakte im Rahmen des Urlaubes.

Es scheint jedoch, dass das „Verbot“ der Ausübung von

Sexualität als Teil der Strafe angesehen wird. Dies wird

nicht zuletzt von den Inhaftierten selbst so gesehen. Der

Drang nach sexuellen Handlungen führt zu einer Abspaltung

der Sexualität von der allgemeinen sozialen Haltung

der Inhaftierten. Es werden gleichgeschlechtliche

Handlungen praktiziert, die konträr zur Haltung und allgemeinen

Aussage der Inhaftierten stehen. Durch diese

abgetrennte, nicht akzeptierte Sexualität wird teilweise

bzw. vollständig auf Kondomgebrauch verzichtet. Die

Prävention steht hier vor einem Dilemma. Der Thematisierung

von gleichgeschlechtlicher Sexualität in Präventionsveranstaltungen

wird mit Ablehnung begegnet. Um

Inhaftierten die Möglichkeit eines Beratungsgespräches

zu ermöglichen, wo Fragen zu Übertragungswegen vertrauensvoll

beantwortet werden, bietet die AIDS-Hilfe daher

seit 2007 eine Hepatitis- / HIV-Sprechstunde in den

Haftanstalten Hamborn und Dinslaken an.

Tätowieren / Piercen

Tätowieren und Piercen ist wie das Benutzen unsteriler

Injektionsnadeln eine Übertragungsmöglichkeit von Hepatitis

C und, in geringerem Ausmaß, von HIV. Leider

wurden bis dato keine Studien in Haftanstalten durchgeführt,

um hier eine Aussage in Richtung Risiko, Gebrauch

und Infektionszahlen von Inhaftierten über Tätowieren

und Piercen zu treffen.

Die AIDS-Hilfe thematisiert diese gesundheitsgefährdenden

Verhaltensweisen bei ihrer Präventionsarbeit

und bietet den Rahmenbedingungen entsprechende Lösungsansätze

an.

59


Der Arbeitsbereich „Strukturelle HIV- und STI- Präventionsarbeit

im Strafvollzug“ bietet den inhaftierten Frauen

und Männern die Möglichkeit, regelmäßig (in der Regel

alle zwei Wochen) mit einem Mitarbeiter der AIDS-Hilfe

Duisburg/Kreis Wesel e.V. zu sprechen. Hier werden folgende

Aspekte erörtert: Bedarf des Inhaftierten, Stadium

der HIV-Infektion, medizinische Behandlung sowie die

Angebote der AIDS-Hilfe (z.B. Knastpakete, Therapievermittlung,

Resozialisierung nach der Haftentlassung etc.).

5.3.4.3 HIV- und Hepatitissprechstunde

Nach Absprache mit dem Anstaltsarzt der JVA-Hamborn

bietet die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. seit 2006

in der Zweiganstalt Dinslaken eine HIV- und Hepatitissprechstunde

an und seit 2007 in der Haftanstalt Hamborn.

Ziel der Sprechstunde ist es, in einem geschützten Rahmen

Fragen an den Mitarbeiter der AIDS-Hilfe stellen zu

können, die bei einer Informationsveranstaltung im größeren

Rahmen durch Scham, gesellschaftliche Tabuisierung

bzw. Sanktionsgefahr von Seiten der Anstalten nicht

thematisiert werden (Needlesharing [das gemeinsame

Benutzen von Spritzen], Drogenkonsum, Mann-Männliche

Sexualität sowie die Thematik „Frauen die Sex mit

Frauen haben“). Die Sprechstunde wird durch Plakate

und den erstellten Flyer beworben und Interessierte können

sich durch einen Antrag an den Sozialdienst für die

Sprechstunde anmelden.

5.3.4.1 Primär- und Sekundärprävention

Der hauptamtliche Mitarbeiter hat regelmäßig Informationsveranstaltungen

in den Justizvollzugsanstalten durchgeführt.

Neben den Übertragungswegen von HIV und

Hepatitiden wurden die Behandlungsmöglichkeiten und

mögliche Schutzmaßnahmen angesprochen (Desinfektion

von gebrauchten Spritzen, Förderung des „Blutbewusstseins“,

Vorgehen bei Nadelstichverletzungen und

Safer Sex - Praktiken bei Männern, die Sex mit Männern

haben sowie Frauen, die Sex mit Frauen haben).

Darüber hinaus präsentiert sich die AIDS-Hilfe im Rahmen

von Sommerfesten und Weihnachtsfeiern mit ihrem

Angebot auf besonders niedrigschwelliger Art, welches

sehr gut angenommen wird.

5.3.4.2 Begleitung

5.3.4.4 Frauengruppe

In der Haftanstalt Dinslaken wurde alle zwei Wochen ein

Gruppenangebot für die inhaftierten Frauen durchgeführt.

Neben den Themen HIV und Hepatitiden (Behandlung,

Übertragungswegen sowie Behandlungsmöglichkeiten)

wurden unter anderem „Hilfe zur Selbsthilfe“ sowie psychosoziale

Aspekte angesprochen. Das Gruppenangebot

wurde sehr gut angenommen. Die Kapazität von maximal

10 Teilnehmerinnen war meist erreicht worden.

5.3.4.5 Männergruppe

Analog zur Frauengruppe wurde eine Männergruppe installiert,

die sich einmal im Monat trifft. Neben den gängigen

Themen (siehe Frauengruppe) wurden hier vor allem

Hilfen zum Umgang von Aggressionen besprochen sowie

Entspannungsverfahren angeboten.

5.3.5 Resümee

Der Arbeitsbereich „Strukturelle HIV- und STI- Präventionsarbeit

im Strafvollzug“ kann auf ein erfolgreiches Jahr

zurückschauen. Die Kooperation mit den Anstalten ist

konstant, kontinuierlich und produktiv. Die Angebote der

AIDS-Hilfe wurden sehr gut angenommen.

Gerade durch die vertragliche Grundlage mit den Haftanstalten

konnte eine regelmäßige und kontinuierliche

Arbeit sichergestellt werden.

60


Außenansicht des neu erstellten Flyers

Innenansicht des neu erstellten Flyers

61


5.4. Frauen und HIV /Aids – Prävention bei Frauen in

besonderen Lebenslagen

Im Berichtsjahr 2016 konnte die Arbeit im Bereich Frauen

und HIV/Aids sowie für Frauen in STI relevanten Lebenslagen

mit Hilfe der Bereitstellung der Fördermittel für die

zielgruppenspezifische Prävention des Landes NRW umgesetzt

werden. Sie ist seit vielen Jahren fester Bestandteil

unserer Angebote.

Dies gilt insbesondere für den Bereich der psychosozialen

Begleitung von Frauen mit HIV und Aids aus unserer

Region Duisburg / Kreis Wesel mit ca.1 Mio. Einwohnern.

Im Jahre 2016 konnten die angestrebten Projektziele aufgrund

einer kontinuierlichen Besetzung dieses Arbeitsbereiches

durch eine hauptamtliche Mitarbeiterin erreicht

und in dem Maße umgesetzt werden, wie diese geplant

wurden.

Die Projektinhalte umfassen insbesondere Beratung

/ Begleitung von Frauen mit HIV / Aids, die Gestaltung

bedarfsgerechter Versorgungsstrukturen, den Abbau von

gesellschaftlichen Diskriminierungen und die Primärprävention

bei spezifischen Zielgruppen innerhalb des Frauenbereiches.

Im Berichtsjahr 2016 konnten insgesamt 402 zeitintensive

Beratungs- und Begleitungskontakte verzeichnet werden.

Diese Zahl verdeutlicht, dass die Besetzung der für

unsere Region einzigen auf HIV spezialisierten strukturellen

Präventionsstelle mit einer qualifizierten hauptamtlichen

Projektnehmerin unerlässlich ist.

Besonders im Jahr 2016 wurde deutlich, dass für eine

erfolgreiche Arbeit auf den unterschiedlichen Ebenen die

Vernetzung ein wesentlicher Bestandteil ist. Vernetzungen

fanden auf der überregionalen Ebene mit den benachbarten

AIDS-Hilfen Dortmund, Essen, Oberhausen,

Bochum, Düsseldorf und Unna sowie auf landesweiter

Ebene innerhalb der Landesarbeitsgemeinschaft „Frauen

und HIV/Aids in NRW“ und auf lokaler Ebene insbesondere

mit dem Gesundheitsamt Duisburg sowie im

Bedarfsfall mit dem FD Gesundheitswesen des Kreises

Wesel statt.

So konnten vorhandene personelle Ressourcen gebündelt

werden, was eine effiziente Planung und Durchführung

der Projekte gewährleistete.

Darüber hinaus ist die Auseinandersetzung auf der kollegialen

- ebenso wie die auf der Selbsthilfeebene - unverzichtbar,

um das Projekt adäquat weiterzuentwickeln.

Das Projekt XXelle in Duisburg und dem Kreis Wesel

wurde auf drei verschiedenen Ebenen umgesetzt, der

landesweiten, ruhrgebietsweiten und der kommunalen

Ebene.

Projektziele

Auf der landesweiten Ebene bestanden die Ziele 2016

darin, durch die regelmäßige Teilnahme an der Landesarbeitsgemeinschaft

„Frauen und HIV / Aids in NRW“ den

fachlichen Austausch fortzuführen und die Marke XXelle

weiter politisch zu positionieren. Durch die inhaltliche

Auseinandersetzung mit den Fachfrauen auf der Landesebene

entwickeln sich neue Projektideen, die sich

auf der lokalen und regionalen Ebene umsetzen lassen.

So konnten gemeinsame Veranstaltungen geplant und

durchgeführt werden. Die kontinuierliche Beteiligung der

Projektnehmerin an der Arbeitsgemeinschaft Öffentlichkeitsarbeit

der LAG „Frauen und HIV / Aids in NRW“

konnte auch im Jahr 2016 sichergestellt werden.

Auf der Hebammen - Fachtagung in Düsseldorf war

auch in diesem Jahr wieder die die LAG Frauen und

HIV / Aids in NRW vertreten. Hier wurden Informationen

zum aktuellen Wissensstand mit Akteurinnen des

Gesundheitswesens an einem Infostand ausgetauscht.

Diese Fachtagung dient insbesondere der Auseinandersetzung

mit dem Themen: HIV und Kinderwunsch

/ Schwangerschaft / „natürliche“ Geburt und ist für die

Gewinnung von Multiplikator*innen von Bedeutung. Aus

dem gesamten Bundesland waren ca. 400 Hebammen

vertreten.

Auf der ruhrgebietsweiten Ebene wurde die sehr gute

Zusammenarbeit der Ruhrgebiets-Aidshilfen Dortmund,

Bochum, Essen, Düsseldorf, Oberhausen und Duisburg /

Kreis Wesel weiter fortgeführt.

Durch die vorhandenen Vernetzungsstrukturen konnten

im Jahr 2016 gemeinsame Aktionen geplant und durchgeführt

werden. Hierbei handelte es sich sowohl um Angebote

für Klientinnen als auch um öffentlichkeitswirksame

Aktionen. Es fanden regelmäßige Arbeitstreffen statt.

Darüber hinaus erfolgten weitere Vernetzungstreffen des

Runden Tisches Ruhrgebiet, an dem alle Ruhrgebiets–

Aidshilfen und andere Träger mit XXelle-Standorten teilnehmen.

Ebenso fanden in regelmäßigem Turnus „XXelle - Runder

– Tisch“ – Arbeitstreffen der beteiligten Fachfrauen

im Ruhrgebiet statt, in denen unter anderem die Planung

und Durchführung öffentlichkeitswirksamer Aktionen erfolgte,

z.B. die Beteiligung am Afro - Ruhr Festival. Am

XXelle Infostand wurden 80 Teilnehmer*innen beraten.

Diese Aktion wurde von der hauptamtlichen Mitarbeiterin

aus Dortmund mit vorbereitet und von den Kolleginnen

der XXelle Ruhrgebietsvernetzung unterstützend flankiert.

Insbesondere diese Veranstaltung hat gezeigt, wie effektiv

die Vernetzung von XXelle Ruhrgebiet ist. Durch die

Bündelung von personellen und finanziellen Ressourcen

konnten die geplanten Ziele umgesetzt werden.

62


5.5. Frauen und HIV / Aids / Migration

Eine besonders wichtige Zielgruppe innerhalb der frauenspezifischen

Arbeit sind Migrantinnen. Hierbei handelt

es sich um eine sehr heterogene Personengruppe. Unterschiedliche

Formen der bereits erfolgten oder noch zu

erfolgender Integration in Bezug auf sprachliche, kulturelle

oder soziale Integration spiegeln sich hier wieder.

Die Zielgruppe Migrantinnen - Frauen mit Kindern

und HIV/Aids - wurden ebenfalls durch

verschiedene ruhrgebietsweite Veranstaltungen

erreicht.

Insgesamt nahmen 38 Teilnehmer*innen, 12

Mütter mit 26 Kindern und Jugendlichen an einem

Familienausflug zum Ketteler- Hof teil. Die

Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass

gerade alleinerziehende Frauen und ihre Kinder

mit HIV/Aids dieses Angebot sehr gerne nutzen.

Oftmals verfügen diese Familien über keinerlei

finanzielle Ressourcen zur Realisierung von

Freizeitaktivitäten. Des Weiteren ist dieses Angebot

ein kreativer Beitrag, der sozialen Isolation

entgegen zu wirken und positive Begegnungen

zu fördern und ist somit eine willkommene Abwechslung

zum regulären Alltag. Hier wurden

Kontakte und Freundschaften zu anderen HIV

positiven Frauen, Kindern und ihren Familien

hergestellt.

Auch im Jahr 2016 konnte innerhalb der XXelle Ruhrgebietsvernetzung

in den Sommerferien wieder eine Familienfreizeit

am Schloss Dankern angeboten werden.

Insgesamt nahmen 12 Mütter und 12 Kinder an dieser

Familienfreizeit teil.

In Zusammenarbeit mit den AIDS-Hilfen Essen, Bochum,

Düsseldorf, Dortmund, und Duisburg / Kreis Wesel wurde

dieses Angebot koordiniert und umgesetzt. Neben der

Erfahrung, aus der durch die Infektion oft hervorgerufenen

sozialen Isolation ausbrechen zu können, konnten

die teilnehmenden Frauen vor allem Strategien der individuellen

Gesundheitsförderung und Freizeitgestaltung

erlangen.

Auf der lokalen Ebene konnte die bestehende HIV-positive

Frauengruppe leider nicht kontinuierlich fortgeführt

werden. Im Berichtsjahr ist eine Frau, die seit Gründung

der Frauengruppe immer sehr gerne dieses Angebot

genutzt hat, leider plötzlich verstorben. Eine weitere

Gründungsfrau konnte aus schwerwiegenden gesundheitlichen

Gründen ebenfalls nicht mehr zur Frauengruppe

erscheinen. Ein weiteres langjähriges Mitglied der

Frauengruppe ist im Frühjahr umgezogen.

Diese Ereignisse haben bei den beiden verbleibenden

Frauen zu Betroffenheit und Rückzug geführt. Bemühungen,

neue und interessierte Frauen - über die HIV

Schwerpunktpraxis- zu akquirieren, blieben leider erfolglos.

Der Arbeitsbereich Frauen und Migration war im Berichtsjahr

gekennzeichnet durch sehr häufige, zeitintensive

Beratungs- und Begleitungsarbeit von sogenannten

„Late Presentern“. Hier ist besondere psychosoziale Unterstützung

gefordert, da in diesen Fällen bereits eine lebensbedrohende

Situation vorlag.

HIV positive Flüchtlinge aus dem Kreis Wesel, Münster,

Bielefeld und Soest wurden an unsere Fachstelle vermittelt.

Auch hier hat die sehr gute Vernetzung und Kooperation

der Aidshilfen sich als äußerst effizient und hilfreich

erwiesen. Die Begleitungsarbeit, z.B. der Transfer von

einer Zentralen Flüchtlingsunterkunft zum HIV Schwerpunktarzt

und wieder zurück, gestaltete sich sehr zeitintensiv.

Neben verschiedenen gesundheitsspezifischen und sozialrechtlichen

Fragen stand vor allem die Reflektion der

beengten Wohnsituation in der ZUE (Zentrale

Unterbringungseinheit) und die Mobilisierung von Ressourcen

des konstruktiven Umgangs mit dieser im Vordergrund.

Auch hier war oftmals eine zeitintensive Begleitungsarbeit

aufgrund fehlender oder geringer Deutsch- bzw.

Englischkenntnisse erforderlich, wenn es um die Bearbeitung

des Schriftverkehrs mit den unterschiedlichsten

Behörden ging.

Die oftmals fehlenden Dokumente - z.B. fehlende Geburtsurkunden

der Kinder- erschweren den Zugang zum

Gesundheitssystem, da für eine Aufnahme in eine Krankenversicherung

diese erforderlich sind. Mit Hilfe einer

finanziellen Unterstützung durch die Deutsche AIDS-Stiftung

konnten DNA-Gutachten schließlich die Mutterschaft

klären und die Aufnahme in eine Krankenversicherung

endlich erfolgen.

Im Jahr 2016 konnte durch die Projektnehmerin in Duisburg

und dem Kreis Wesel die Beratung / Begleitung

von Frauen mit Migration und HIV / Aids sichergestellt

werden. Insbesondere für Frauen mit Migrationshintergrund

und HIV / Aids ist diese Form der geschlechtsspezifischen

Arbeit unabdingbar.

Die Zusammenarbeit mit dem Duisburger Frauennetzwerk

Agenda 21 erwies sich auch im Jahr 2016 als sehr

erfreulich und konstruktiv.

Am internationalen Frauentag waren wieder zahlreiche

Organisationen mit diversen Infoständen vertreten. Die

Projektnehmerin war beteiligt an gemeinsamen Aktionen

zum internationalen Frauentag und konnte insgesamt

184 Frauen mit XXelle Informationsmaterialien und persönlichen

Gesprächen erreichen.

63


Die Präventionsarbeit auf dem Duisburger Straßenstrich

in Kooperation mit einer Kollegin des Gesundheitsamtes

der Stadt Duisburg konnte im Berichtsjahr 2016 regelmäßig

im 14-tägigen Rhythmus erfolgen.

Dieses Angebot ist mittlerweile so etabliert, dass die

Frauen nicht nur aufgesucht werden müssen, sondern

von sich aus auf die Kooperationspartnerinnen zukommen.

Zeitlich wird darauf geachtet, die Frauen möglichst

noch vor Aufnahme ihrer Tätigkeit zu erreichen, um die

Möglichkeit für individuelle Fragestellungen zu geben.

Thematisch geht es vor allem darum, sich über sexuell

übertragbare Krankheiten zu

informieren, sich zu schützen und ausstiegsorientierte

Problemstellungen zu bewältigen. Gerade bei drogenabhängigen

Frauen, die der Beschaffungsprostitution

nachgehen, sind aufgrund der HIV-Relevanz in dieser

Population, Beratungs- und Testangebote von großer

Bedeutung.

In abendlichen Gesprächen während der aufsuchenden

Arbeit wird auf die verschiedenen Möglichkeiten der

Substitution und entsprechende Beratungsangebote der

AIDS- Hilfe Duisburg/Kreis Wesel hingewiesen. Ein mehrsprachiger

Flyer, den wir insbesondere neuen Frauen auf

dem Straßenstrich anbieten, weist auf HIV-Testmöglichkeiten,

STI - Untersuchungsangebote im Gesundheitsamt

und die der Beratungsstelle „Lily“ hin. Gelegentlich

werden auch konkrete Termine vereinbart, die jedoch

nicht immer eingehalten werden.

Im Jahr 2016 konnten insgesamt 329 Sexarbeiterinnen

erreicht werden. Auf dem Straßenstrich in Duisburg sind

ca. 90% der Frauen Migrantinnen, vor allem aus Osteuropa.

Viele besitzen keine Krankenversicherung und verfügen

– wenn überhaupt - nur über geringe Deutschkenntnisse.

Im Berichtsjahr konnte die Projektnehmerin aufgrund

der guten Kooperation mit dem ÖGD der Stadt Duisburg

und der im Sommer neu gegründeten Beratungsstelle für

Sexarbeiterinnen „Lily“, durch den Einsatz von rumänischen

und bulgarischen

Sprachmittlerinnen, insbesondere für die Beratungsarbeit

in der aufsuchenden Arbeit, profitieren. Hier ist Sensibilität

und Empathie in Bezug auf unterschiedliche Kulturen

und der allgemeinen Lebenssituation der Frauen gefragt.

Sexarbeiterinnen sind eine multinationale, heterogene

und gesundheitlich gefährdete Gruppe, die oft nur einen

eingeschränkten Zugang zum Gesundheitssystem

haben. Die STI-Prävention stößt somit an Grenzen, die

durch z.B. Lebensbedingungen, soziale und wirtschaftliche

Zwänge, Armut, Unwissenheit über STI`s und Verhütungsmethoden

gesetzt werden. Der zunehmende Konkurrenzdruck

erschwert es, den Wünschen von Kunden

nach kondomfreiem Sex zu widerstehen. Darüber hinaus

gibt es wie bei vielen Menschen eine Tendenz, medizinische

Hilfe nur bei akuten Beschwerden in Anspruch

zu nehmen. Ein kontinuierliches Beratungs- und Untersuchungsangebot

sollte auch aus diesem Grund eine

Grundvoraussetzung für die STI-Prävention bei Sexarbeiterinnen

sein.

Im Rahmen der Angebote der aufsuchenden Arbeit im

Bereich Sexarbeit des ÖGD´s konnten einige Frauen mit

Selbstabstrichen auf diverse STI´s untersucht werden.

Bei einem positiven Befund werden die Frauen angerufen

und es besteht die Möglichkeit weitere erforderliche

Untersuchungen und entsprechende Medikamente -

auch ohne Krankenversicherung - zu erhalten.

Zudem besteht die Möglichkeit, dass sich die Sexarbeiterinnen

kostengünstig mit Kondomen versorgen können,

die über das Gesundheitsamt erworben werden.

Die regelmäßige aufsuchende Arbeit ermöglicht einen

langfristigen Beziehungsaufbau zu den einzelnen Sexarbeiterinnen.

Darüber hinaus gewährleistet die Kontinuität,

dass die Projektarbeit den sich ändernden Verhältnissen

der Arbeit vor Ort angepasst wird. Hierbei steht vor

allem die Verbesserung der Arbeitssituation der Frauen

im Fokus. Beratungs- und medizinische Angebote werden

durch niedrigschwellige, arbeitsplatznahe und aufsuchende

Arbeit angeboten.

In der Adventszeit wurde wie jedes Jahr wieder eine Nikolausaktion

in den Bordellen/ Laufhäusern und auf dem

Straßenstrich in Duisburg durchgeführt.

Mit tatkräftiger Unterstützung der Mitarbeiterinnen von

„Lily“ und der Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes Duisburg

konnte die Projektnehmerin in einer nächtlichen

Aktion insgesamt 273 Sexarbeiterinnen mit Kondomen,

Kalendern und Angeboten zur Untersuchung von STI´s

erreichen.

Zu erwähnen ist für diesen Bereich, dass sich auch hier

der Zielpersonenkreis erweitert bzw. verändert. Der Zuzug

von Sexanbieterinnen aus dem südosteuropäischen

Raum (v.a. Rumänien und Bulgarien) ist in Duisburg, wie

auch im Kreis Wesel (dort allerdings

mehr im Clubbereich) enorm und stellt für die Projektnehmerinnen

eine wachsende Herausforderung, in sprachlicher,

kultureller und sozialrechtlicher Hinsicht dar.

Darüber hinaus hat sich die „Wettbewerbssituation“ verschärft,

ein Preisverfall sowie in der Konsequenz eine

Erosion von Safer Sex ist zu beobachten.

Mit zehn Bordellen und 440 Zimmern ist rund um die Duisburger

Vulkanstraße das größte Sex-Arial in NRW entstanden

und ein weiterer Ausbau ist geplant. Die strukturelle

HIV- und STI- Prävention für Sexarbeiterinnen ist

somit weiterhin unbedingt erforderlich.

64


Projektkritik

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die frauenspezifische

Arbeit von XXelle Duisburg/ Kreis Wesel

wieder kontinuierlich und erfolgreich umgesetzt werden

konnte.

Besonders hervorzuheben ist die Erhaltung der bestehenden

Vernetzungsstrukturen von XXelle Ruhrgebiet

und die Präsentation in der (Fach-) Öffentlichkeit.

Mit Hilfe der personellen Ressourcen konnten die Beratung

und Begleitung von Frauen mit HIV/ Aids sichergestellt

und umgesetzt werden.

Aufgrund der komplexen Problemlagen und sehr heterogenen

Ausgangslagen der betroffenen Frauen beansprucht

die Begleitungsarbeit die größten Zeitkapazitäten.

Dem entsprechend sehen und setzen wir hier auch

die Priorität.

Vor allem im Bereich der Sexarbeit werden gerade in Duisburg

die Bedarfe noch wachsen und höchstwahrscheinlich

weitere Ressourcen erfordern.

Der Standort XXelle Duisburg/ Kreis Wesel ist ein wichtiger

Teil der Ruhrgebietsvernetzung und mittlerweile fester

Bestandteil der Angebote für Frauen mit HIV/Aids der

AIDS-Hilfe Duisburg/ Kreis Wesel e.V.

Auf der lokalen, regionalen und landesweiten Ebene hat

sich das etablierte Netzwerk hier äußerst bewährt und

hervorragende kollegiale Unterstützung geleistet.

In einer Reihe von Veranstaltungen zum Welt-AIDS-Tag

2016 konnte auch das mit dem XXelle-Standort Duisburg

/ Kreis Wesel verbundene frauenspezifische Angebot

und die feste Ansprechpartnerin wieder öffentlichkeitswirksam

präsentiert werden.

Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit konnten die Angebote

auf den Internetportalen: www.xxelle.nrw.de, www.

xxelle.ruhrgebiet und aufgrund einer kontinuierlichen Aktualisierung

der Termine auf unserer Homepage, www.

aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de , Frauen zugänglich

gemacht werden.

65


5.6 Youthwork / Prävention in der Allgemeinbevölkerung

Seit 1989 ist „Youthwork“ (AIDS-Prävention in sexualpädagogischem

Kontext) ein fester und wichtiger Bestandteil

der Angebotspalette der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis

Wesel e.V. Auch wenn das alte richtliniengestützte Förderprogramm

(1988 vom damaligen MAGS NRW eingeführt,

s. www.youthwork-nrw.de ) im Zuge des Kommunalisierungsprozesses

seit 2009 grundsätzlich nicht mehr

landesgesteuert ist, so ist aufgrund der unzweifelhaften

Sinnhaftigkeit nicht nur die Landesförderung erhalten

geblieben, sondern auch die kommunalen Ergänzungsfinanzierungen

(wenn auch gedeckelt, s.o.).

Mit Hilfe einer zusätzlichen Förderung durch das MGEPA

konnte seit 2014 eine Relaunch der Marke „Youthwork“

entwickelt werden. Diese wurde innovativ, kreativ und

partizipativ im Wesentlichen von Student*innen des

Fachbereiches Design der Fachhochschule Münster gestaltet,

also von jungen Menschen aus der (erweiterten)

Zielgruppe. Das Motto „dein leben. deine lust“ macht

deutlich, um wen und was es bei Youthwork geht - um

junge und jugendliche Menschen. Die neuen Medien

bieten im Corporate Design neue Informations- und Aktionsmöglichkeiten

unter dem bewährten Ansatz (s. www.

youthworl-nrw.de ).

Im Berichtsjahr 2016 sollte dann auch der große Roll-out

möglichst über eine zentrale Veranstaltung unter Beteiligung

der Ministerin erfolgen. Aus verschiedenen Gründen

konnte dies allerdings nicht umgesetzt werden, so

dass kleine, regionale Startveranstaltungen stattfinden

mussten. So auch bei uns in Duisburg im Rahmen unserer

30-jährigen Jubiläumsfeier am 01.07.2016, bei der

wir auch den Kampagnenparcour präsentieren konnten.

Inhaltlich fußt die modernisierte Youthwork-Kampagne

ganz wesentlich auf dem Landeskonzept „Weiterentwicklung

der HIV/AIDS-Prävention in Nordrhein-Westfalen.

Schwerpunkt Neuinfektionen minimieren“ (Juli 2013),

welches den spezifischen Arbeitsansatz auch sehr eindeutig

untermauert:

„Jugendliche gehören bislang nicht zu den besonders gefährdeten

Bevölkerungsgruppen. Da sie am Anfang ihrer

sexuellen Aktivität stehen, sind sie jedoch eine wichtige

Zielgruppe für die Primärprävention. Jugendliche stehen

vor der Herausforderung, zu Beginn ihrer partnerschaftlich

ausgerichteten Sexualität sich sowohl mit Fragen der

Verhütung und des Schutzes vor sexuell übertragbaren

Infektionen als auch mit physischen und psychischen

Veränderungen auseinanderzusetzen. Die bisherigen Erfahrungen

haben gezeigt, dass personalkommunikative

Ansätze in der Sexualaufklärung und Prävention diese

Lernprozesse besonders fördern und unterstützen. Sie

müssen jedoch frühzeitig einsetzen, kontinuierlich weitergeführt

werden und sich an dem jeweiligen Entwicklungsstand,

der sexuellen Orientierung und den sozialen, kulturellen

und ethischen Hintergründen der Jugendlichen

ausrichten. (…)

Da andere sexuell übertragbare Infektionen, insbesondere

HPV, Syphilis, Tripper und Chlamydien auch Jugendliche

betreffen und sich damit das Risiko einer HIV-Infektion

erhöht, müssen die Inhalte der HIV/AIDS-Prävention

und Sexualaufklärung mit den Informationen zur Verhinderung

der o.g. Infektionen verknüpft werden. (…)

Die Angebote der Schule und der außerschulischen Jugendarbeit

werden durch HIV- und STI-Präventionsmaßnahmen

der AIDS-, Sexual- und Jugendberatungsstellen

66


unterstützt und ergänzt. Notwendig sind kontinuierliche

und strukturierte Kooperationen und gemeinsame Projekte

zwischen AIDS-/STI- und Sexualberatungsstellen,

Jugendhilfe, Suchthilfe, Schulen und anderen Bildungseinrichtungen

in öffentlicher und freier Trägerschaft.“

(Landeskonzept „Weiterentwicklung der HIV/AIDS-Prävention

in NRW“ vom Juli 2013; S. 21 f; Die Druckfassung

kann bestellt oder heruntergeladen werden: www.

mgepa.nrw.de/ministerium/service, unter Angabe der

Veröffentlichungsnummer 112)

Leider hat sich die Angebotslandschaft in unserem Zuständigkeitsgebiet

allerdings im Berichtsjahr weiter reduziert,

denn der Fachdienst Gesundheitswesen des Kreises

Wesel hat sich von dieser Aufgabe verabschiedet und

verweist seit April 2016 auf unser Angebot. In Duisburg

hoffen wir auf eine Wiederbelebung des Präventionsangebotes

durch das Gesundheitsamt im kommenden Jahr

durch eine Neubesetzung der sog. AIDS-Koordinatorenstelle.

Seit einigen Jahren sind wir auch hier die einzigen

spezialisierten Anbieter. Daher sind wir froh, wenn wir die

Nachfragen zumindest überwiegend bedienen können.

Wir agieren häufig in Kooperation mit Partnern von sexualpädagogischen

Angeboten, wie pro familia in Duisburg

und der AWO im Kreis Wesel, um Synergien erzielen zu

können.

Jugendliche sind also per se eine besondere Zielgruppe

für den Auftrag der HIV- / STI-Prävention, jedoch differenziert

das besagte Landeskonzept hier noch speziell: „Besonders

zu berücksichtigen sind männliche Jugendliche

im „coming out“, Jugendliche, die Drogen konsumieren,

und Jugendliche in schwierigen sozialen Verhältnissen,

da das Infektionsrisiko in diesen Gruppen erhöht ist. Sie

benötigen einen niedrigschwelligen Zugang zu den vorhandenen

Angeboten der Information, Beratung und Untersuchung“

(ebd., S. 22).

Der Landes-Arbeitsgemeinschaft AIDS-Prävention unter

Federführung des Referates 214 „AIDS, Sucht und

Drogen“ des Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation,

Pflege und Alter (MGEPA) (s. www.aids-nrw.de) gebührt

ein großes Kompliment für die Analyse und die daraus

resultierenden Handlungsempfehlungen. Diese sind auf

der Höhe der Zeit. Und - aufmerksame Leser/innen unserer

Jahresberichte haben es längst bemerkt – sie bestätigen

unsere regionale Youthwork-Arbeit und ihre Ansätze

in eindrucksvoller Weise. Zielgruppenspezifische

Prävention ist unser Geschäft!

Die Zielgruppenanalyse erklärt eben auch die besondere

Eignung des Youthwork-Angebotes einer AIDS-Hilfe,

die seit nunmehr 30 Jahren Erfahrung in der strukturellen

und vor allem zielgruppenspezifischen Präventionsarbeit

besitzt. Darüber bringen wir spezifische Kenntnisse und

Feldkompetenzen in den Themenfeldern Homosexualität,

Drogengebrauch und diversen Formen sozialer Benachteiligung

bis hin zu Stigmatisierungsproblematiken mit

und können jeweils flexibel auf Bedarfe in Gruppen oder

auf Einzelpersonen reagieren. Wie bei allen Adressaten,

so gilt auch - und vielleicht besonders - für Jugendliche

der didaktische Grundsatz, dass (Präventions-) Angebote

an der jeweiligen Lebenswelt (akzeptierend) orientiert

werden sollten. „Die Berücksichtigung von sozialen,

67


ethnischen, kulturellen und geschlechtsspezifischen Besonderheiten

ist Voraussetzung, um Jugendliche emotional

und kognitiv zu erreichen“ (Landeskonzept, a.a.O.,

S. 37). Darüber hinaus können Themen durchaus auch

in Präventionsveranstaltungen in heterogenen Gruppen

(wie Schulklassen) integriert oder exponiert platziert werden.

Die Bedarfe werden jeweils in Planungsgesprächen

erhoben.

Youthwork will „Appetit“ und / oder „Heiß-Hunger“ machen

auf präventive Kommunikation über Liebe, Sexualität

& Partnerschaft – inklusive deren potentielle Risiken

und Nebenwirkungen. Youthwork zielt auf sexuelle

Gesundheit und auf die Befähigung, ein Schutzbedürfnis

kommunizieren und durchsetzen zu können.

Prävention im Kontext von Gesundheitsförderung wirkt

und ist zielführend im Hinblick auf eine Verankerung von

Präventionswissen und die Stärkung der Handlungskompetenzen

für die individuelle Gesunderhaltung sowie

die Förderung eines nachhaltigen Schutzverhaltens

und dessen Implementierung im persönlichen Lebensstil.

Auch darüber erklärt sich gewiss zu einem nicht unwesentlichen

Teil, dass Jugendliche in Deutschland und

auch in unserer Region tatsächlich nicht zu den von HIV

besonders riskierten Personengruppen zählen.

Die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit von AIDS-Prävention

in sexualpädagogischem Kontext mit dem vorrangigen

Ziel der Vermeidung von Primärinfektionen hat also

nichts an Bedeutung verloren – und dass sie wirkt, beweisen

nicht zuletzt die Infektions-Diagnose-Zahlen und

Inzidenzannahmen des RKI (s. www.rki.de ) für das Jahr

2015, wonach die Neuinfektionen (ca. 3.200) auf weitgehend

stabil niedrigem Niveau geblieben sind. Dabei spielen

Jugendliche generell keine exponierte Rolle. Zu beachten

ist allerdings die Gruppe der 20-39-jährigen MSM,

insbesondere in Großstädten. G erade hier ist auch ein

signifikanter Zusammenhang mit den Syphilis-Inzidenzen

bemerkenswert. Darüber bestätigt sich, dass HIV-Prävention

zwingend STI-Prävention beinhalten sollte.

Als Hauptgrund für den Anstieg bei jüngeren Schwulen

gibt das Robert-Koch-Institut den Umstand aus, dass

unter jüngeren Männern mit HIV ein höherer Anteil noch

nicht unter antiretroviraler Therapie steht, so dass in dieser

Gruppe eine höhere Übertragungswahrscheinlichkeit

besteht. Dies wiederum korrespondiert mit der Annahme,

dass ca. 50 % der Neuinfektionen von frisch Infizierten

stammen, die zum Teil ihren Status noch gar nicht kennen

(können – weil noch im diagnostischen Fenster befindlich).

Die Berücksichtigung von anderen sexuell übertragbaren

Krankheiten ist allerdings auch für Jugendliche anderer

sexueller Orientierungen zunehmend bedeutungsvoll, da

sich nach RKI-Angaben die Diagnosen insgesamt mehren.

Auf die Erwähnung wirklich belastbarer Daten für das

Berichtsjahr 2016 müssen wir zwar noch etwas warten,

aber die bisherigen Hinweise scheinen sich einmal mehr

zu verifizieren.

Sexualität und sexuell übertragbare Krankheiten müssen

eindeutig weiter enttabuisiert werden. Darüber reden zu

können ist eine entscheidende Voraussetzung für Schutz

und Diagnostik. Hier kommt der schulischen Arbeit eine

besondere Bedeutung zu, denn über den Rahmen der

Schulpflicht kann es besser als in weiteren Lebensphasen

gelingen, möglichst viele Jugendliche die Erfahrung

machen zu lassen, dass dies gelingen kann – dazu bedarf

es guter Unterrichtsprozesse, geschulter Lehrkräfte

(oder noch besser: sexualpädagogischer Fachkräfte)

und am besten gezielter Projektformen in adäquaten Settings.

Bei Jugendlichen tragen die Schulen (gemäß ihrem Auftrag,

s. Richtlinien zur Sexualerziehung in NRW vom

30.09.1999, BASS 15 – 04 Nr. 1) zudem entscheidend

zur spezifischen (Sach-) Informationsvermittlung bei. Sie

sollen damit allerdings nicht allein gelassen werden. So

wird ihnen über den –im Juli 2012- aktualisierten Runderlass

zur „HIV/AIDS-Aufklärung in den Schulen“ explizit

die „Zusammenarbeit mit außerschulischen Einrichtun-

68


gen und Fachkräften“ anempfohlen: „Die Behandlung des

Themas HIV und AIDS legt eine enge Zusammenarbeit

der Schule mit den unteren Gesundheitsbehörden sowie

anderen außerschulischen Einrichtungen und Fachkräften

nahe. Hierzu zählen neben der Ärzteschaft vor allem

die bei den Kommunen, AIDS-Hilfen und anderen freien

Trägern angesiedelten sog. Youth-Workerinnen und

Youth-Worker, die insbesondere sexualpädagogisch orientierte

HIV/AIDS-Aufklärung für Jugendliche durchführen.

Ihre Fachkompetenz sollte sowohl in den Unterricht

als auch in Beratungs- und Entscheidungsprozesse einbezogen

werden.“ (aus: BASS, 18 – 12 Nr. 4; RdErl. D.

Kultusministeriums vom 01.07.1987, GABI. NW. S. 416;

geänderte Fassung vom 01.07.2012)

Wer HIV- und STI-Prävention ernst nimmt, muss sich

auch gegen Diskriminierung und Stigmatisierung von

Menschen mit HIV und den von HIV besonders betroffenen

Gruppen –wie eben homosexuellen Jungs und

Männern (s.o.)- stark machen. Dies berücksichtigen wir

in unserer Youthwork-Arbeit –soweit es die zeitlichen

und personellen Möglichkeiten zulassen – schon immer.

Im Berichtsjahr haben wir diesbezüglich für unser Projekt

SCHLAU-Duisburg (s. 5.7.) viele Nachfragen erhalten,

konnten aus personellen Gründen aber leider keine

direkt bedienen. Für das Sexualpädagogische Orientierungs-Rallye-Projekt

konnten wir allerdings durch die

Kooperation mit Jan Küpperbusch vom Duisburger Verein

„DU bist DU e.V.“ (ehemals Schwul-Hilfe e.V.) weiter

workshop-Angebote vorhalten (s.u.).

Seit der Jahresmitte haben wir mit der ehrenamtlich wirkenden

Studentin, Lisa Hoff, wieder eine hochmotivierte

Koordinatorin und darüber berechtigte Hoffnung, in

2017 wieder SCHLAU Duisburg-Angebote unterbreiten

zu können. Interessent*innen sind nach wie vor herzlich

willkommen (s. http://duisburg.schlau.nrw.de oder über

facebook: SCHLAU Duisburg).

Sehr hilfreich wirkte sich die Teamerweiterung im

„Youthwork“ durch die Dipl. Pädagogin, Anika Walther,

aus. Damit können wir prinzipiell auch wieder geschlechtsspezifische

Angebote unterbreiten und neue

Projektformen `aus der Wiedervorlage´ holen und umsetzen,

aber auch hier sind die Kapazitäten für das Arbeitsfeld

Youthwork begrenzt, da Frau Walther vorwiegend im

Bereich der psychosozialen Begleitung tätig ist. Besonders

wertvoll erscheint uns ein gemeinsames Wirken von

Frau und Mann im Bereich der Zielgruppe von Geflüchteten

jungen Menschen. Hier haben wir im Berichtsjahr

äußerst positive Erfahrungen in einer ganzen Reihe von

sog. Integrationsmaßnahmen mit vorwiegend männlichen

Jugendlichen und jungen Männern machen dürfen.

Mit der Sexualpädagogischen Stadt-Rallye bieten wir

kurzweilige Aufklärung über:

- die Ansteckungswege bei HIV und anderen

sexuell übertragbaren Krankheiten; einen vorurteilsfreien

Umgang mit HIV-infizierten und an

AIDS erkrankten Menschen (AIDS-Hilfe Duisburg

/ Kreis Wesel e.V .- Youthwork).

- die sexuelle Vielfalt und den Respekt vor

verschiedenen Lebens- und Liebesformen

(SCHLAU Duisburg bzw. Du bist DU e.V.).

- die Angebote für Jugendliche bezüglich

Schwangerschaftskonflikt- und Sexualberatung

und die sexuellen und reproduktiven Rechte

Jugendlicher (pro familia Duisburg).

Das Youthwork-Regelangebot der AIDS-Hilfe Duisburg /

Kreis Wesel e.V. wird seit nun mehr zwei Jahren durch

die Sexualpädagogische Stadt-Rallye sinnvoll ergänzt

und bereichert. Schüler*innen der 9ten Jahrgangsstufen

sind dazu eingeladen drei Einrichtungen kennenzulernen,

die sich mit unterschiedlichen Aspekten der Sexualität

beschäftigen.

Die Umsetzung der Rallye erfolgt in Kooperation mit

der pro familia Duisburg und DU bist DU e.V., ehemals

Schwul-Hilfe e.V.

Neben der Präsentation der inhaltlichen Arbeit steht das

Kennenlernen der spezifischen Beratungs- und Hilfe-Infrastruktur

Duisburgs im Vordergrund. Ein Ziel ist es, die

Schüler*innen zu befähigen, diese im Bedarfsfall selbständig

und eigenverantwortlich aufsuchen zu können.

Die Erweiterung der Kommunikations- und Alltagskompetenzen

der Jugendlichen stellt einen weiteren Schwerpunkt

der Rallye dar. So gilt es auf dem Weg zu den Institutionen

Auskünfte, die thematisch passen, bei den aktiv

beteiligten Handelseinrichtungen in Duisburg zu erfragen.

Beispielsweise stellen die Schüler*innen im Drogeriemarkt

Fragen zu Kondomen oder sie informieren sich

in einer Apotheke über die „Pille danach“.

Das Projekt „Sexualpädagogische Stadt-Rallye“ ließ sich

trotz einiger Veränderungen, die im Jahr 2016 anstanden,

erfolgreich fortführen.

Ende des Jahres 2015 kündigte der involvierte Mitarbeiter

von SCHLAU Duisburg. seine Arbeit, so dass er nicht

mehr als Kooperationspartner im Rahmen der Rallye zur

69


Verfügung stand.

Daher galt es, kurzfristige eine neue Regelung zu finden,

um das Thema der geschlechtlichen und sexuellen Vielfalt

weiter als Workshop anbieten zu können.

Der Verein „Du bist DU e.V.“, ehemals „Schwul-Hilfe

e.V.“, konnte als Kooperationspartner gewonnen werden,

so dass das Thema in der Rallye weiterhin seinen Platz

hatte. Mit dem Mitarbeiter von „Du bist DU e.V.“ ist es

sowohl gelungen, die inhaltliche Vielfalt der Rallye zu bewahren

als auch die Rallye zu modifizieren.

In der Mitte des Jahres 2016 stand eine weitere Umstrukturierung

der Rallye an. Der bewährte Ablauf ließ

sich durch die räumlichen Veränderungen der pro familia

Duisburg nicht fortführen. Der Umzug der pro familia Beratungsstelle

in die Duisburger Innenstadt stellte die Kooperationspartner*innen

vor neue Herausforderungen.

Die „Streckenfragen“ der Rallye, die Duisburger Handelseinrichtungen

miteinbeziehen, mussten neu erarbeitet

und abgesprochen werden.

Das Spektrum der Fragen ließ sich im Rahmen der veränderten

Wegstrecke zwischen der pro familia Duisburg

und der AIDS-Hilfe sinnvoll verändern und erweitern. So

war es beispielsweise möglich, das Blutspendezentrum

Duisburg in die Rallye zu integrieren. Die Schüler*innen

erfragen an dieser Stelle, ob das gespendete Blut auf sexuell

übertragbare Krankheiten untersucht wird und wie,

gegebenenfalls, mit einem positiven Testergebnis umgegangen

wird.

Mit Hilfe der Rückmeldebögen, welche die Lehrer*innen

im Anschluss an die Veranstaltung mit den Schüler*innen

ausfüllen, lässt sich der Erfolg der Rallye dokumentieren.

2016 bestätigten die Teilnehmer*innen, dass ihnen eine

Kontaktaufnahme zu den Beratungsstellen nach der Veranstaltung

in Zukunft leichter fallen würde.

2016 war es den Initiatoren möglich, neun Termine für die

Sexualpädagogische Stadt Rallye anzubieten, von denen

alle von Duisburger Schulen wahrgenommen wurden.

Im Jahr 2016 nutzen in erster Linie Gesamtschulen die

Angebotsform der Rallye. Durchschnittlich nahmen an einer

„Sexualpädagogischen Stadt-Rallye“ 28 Schüler*innen

im Alter von 14-17 Jahren teil. Insgesamt ließen sich

mit diesem Projekt 258 Schüler*innen erreichen.

Das Projekt wurde auch 2016 mit den Mitteln des „Aktionsprogrammes

Kinder- und Jugendschutz 2016“ der

Stadt Duisburg gefördert.

Terminmöglichkeiten und nähere Informationen zur Sexualpädagogischen

Stadtrallye finden sich auf unserer

Homepage (www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de ).

Um auch weitere Chancen auf Umsetzung kreativer Projektformen

zu erhalten, die wir mit den vorhandenen Ressourcen

für das Regelangebot „Youthwork“ nicht vorhalten

könnten, ist die „Abteilung Youthwork“ der AIDS-Hilfe

Duisburg / Kreis Wesel seit 2015 beim Jugendamt der

Stadt Duisburg als freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe

nach § 75 SGB VIII anerkannt.

Der niedrigschwellige, emanzipatorische und akzeptanzorientierte

Ansatz ist richtig. Repressive Ansätze sind

eindeutig kontraproduktiv. Die besondere Akzeptanz

dieses Ansatzes wird uns auch vor Ort durch Rückmeldungen,

Resonanzen und Evaluationserfahrungen zu

unseren Veranstaltungen in diesem Sektor (s. Abb. Veranstaltungsverteilung

nach Arbeitsfeldern) bestätigt.

Dem Rechnung tragend gestalten wir unsere HIV-Prävention

in sexualpädagogischem Kontext und zielen auf

einen Dialog in offener und angstfreier Atmosphäre und

ohne pädagogischen Zeigefinger.

Youthwork NRW steht für wertorientierte, altersgemäße

und fachlich fundierte Präventionsarbeit basierend auf

dem Landeskonzept des Gesundheitsministeriums NRW

zur Minimierung von HIV/STI-Infektionen und den Standards

für die Sexualaufklärung in Europa. Dabei ist uns

die Vernetzung und Kooperation im Kontext von Sexualität

und Gesundheit mit professionell Tätigen und entsprechenden

Facheinrichtungen ein Anliegen.

Im Zusammenhang der immer noch schwelenden Debatte

zur Sexualpädagogik, die vor allem durch sog.

„besorgte Eltern“ befördert wird, schließen wir uns dem

Statement der Gesellschaft für Sexualpädagogik ausdrücklich

an. Außerdem verweisen wir auf die Erklärung

des Bundesverbandes von pro famila zum Recht auf Sexualaufklärung.

Nähere Informationen zum Youthwork-Angebot finden

sich auch auf der Internetseite www.youthwork-nrw.de .

Die ca. 60 Youthworker/innen in NRW sind gut vernetzt

und pflegen den fachlichen Austausch sowie die stete

Fort- und Weiterentwicklung über eine jährliche dreitägige

Fachfortbildung und durch quartalsweise Treffen

der Gruppen der fünf Regierungsbezirke. Diese stellen

jeweils zwei Sprecher/innen für den sog. Sprecherkreis

Youthwork ab, der den Kontakt mit dem Ministerium

(MGEPA NRW) pflegt und die Fachtagungen organisiert.

Seit 2013 ist der Youthworker der AIDS-Hilfe Duisburg /

Kreis Wesel, Dietmar Heyde, Mitglied dieses Sprecherkreises.

70


· Medizinisch, biologische Grundlagen

zu HIV und AIDS und anderen

STI`s (Virologie, Immunologie,

...)

· Aktueller Forschungsstand und

Therapieansätze

· Übertragungswege und –risiken

· Infektionsschutzmöglichkeiten

· Testverfahren und ihre Problematiken

· Epidemiologische Entwicklung

und daraus resultierende Präventionserfordernisse

und –strategien

Das landesweite Logo von Youthwork-NRW.

5.6.1 Veranstaltungsinhalte

In aller Regel werden personalkommunikative Formen

massenmedialen vorgezogen. Das erfordert allerdings

auch eine jeweilige Reduktion auf zielgruppenadäquate

und bedürfnisorientierte Themenbereiche. Um diese Reduktion

pädagogisch verantwortungsvoll vornehmen zu

können, finden entsprechende Vor- und Nachgespräche

mit den Veranstaltungspartnern statt.

Je nach Zielgruppe, Zugangsvoraussetzungen und Rahmenbedingungen

können u.a. folgende Themenfelder

behandelt werden:

· Lebenssituation von Betroffenen

und An- oder Zugehörigen

· Umgang mit HIV-positiven oder/

und an AIDS erkrankten Menschen

· Vorurteile gegenüber sog.

Hauptbetroffenengruppen

· Drogen- und Substitutionsproblematik

· HIV und AIDS als gesellschaftliches

Phänomen

· Diskriminierungs- u. Stigmatisierungspotentiale

· Juristische und ethische Fragestellungen

· HIV in der Arbeitswelt

· Sekundärpräventive Aspekte für

Menschen mit HIV

· Liebe, Sexualität und Partnerschaft

· Sexuelle Bildung, sexuelle Gesundheit,

sexuelle Rechte

· LSBTI* Lebens- und Liebesformen

(v.a. über SCHLAU Duisburg)

· Geschlechterrollen und ihre

Problematiken

· Normen, Werte und deren Wandel

im Umfeld der Sexualität

· u.a.m.

71


5.6.2 Schulische Prävention / Youthwork

Wir bieten für Sie an:

· HIV-Präventionsveranstaltungen

im Rahmen von Sexualpädagogik

und ganzheitlicher

Gesundheitsförderung

· Fort- und Weiterbildung für

MultiplikatorInnen und LehrerInnen

· Beratung (telefonisch, persönlich,

schriftlich und via Internet)

für Jugendliche, Eltern,

LehrerInnen, ErzieherInnen

etc.

Beratung

Angebote

Präventionsveranstaltungen

Fort- und

Weiterbildung

Kooperation,

Koordination,

Vernetzung

· Kooperation, Koordination

und Vernetzung

· Geschlechtsspezifische Angebote

für Mädchen und Jungen

Einzel-, Paar,

Gruppenberatung;

-telefonisch

-persönlich

-schriftlich

-via Internet

Gruppenarbeit, Moderation, Workshop,

Seminar, Expertengespräch,

Diskussion, Projekt, Fachtagung,

Event, Vortrag, Referat, Infostand

etc.

Arbeitskreise,

Gremien, Ausschüsse,

Lobbyarbeit,

etc.

(siehe auch: www.youthwork-nrw.de/unsereangebote )

unser Youthworker Dietmar Heyde

HIV/AIDS- und STI-präventive Veranstaltungen in sexualpädagogischem

Kontext wurden von der AIDS-Hilfe

Duisburg / Kreis Wesel e.V. für Schülerinnen und Schüler

aller Regelschulformen sowie Kollegschulen durchgeführt.

In der Regel werden unsere Angebote in den

Jahrgängen ab der Klasse 9, in einzelnen begründeten

Ausnahmen auch in jüngeren Jahrgängen platziert.

Form und Inhalte werden jeweils bedürfnis- und lebensweltorientiert

konzipiert. Das Angebotsspektrum reicht

hier von Formen eines „Expertengespräches“ im Rahmen

von Unterrichtsreihen vor unterschiedlichem Fachhintergrund

bis hin zu Projekttagen und – wochen, die

günstigenfalls außerhalb des Schulrahmens durchgeführt

werden.

Unsere Youthworkerin Anika Walther … und

Mit dem Berichtsjahr 2016 blicken wir im Bereich

Youthwork / Prävention in der Allgemeinbevölkerung

auf ein aktives Jahr mit saisonalen Verschiebungen und

leicht steigenden Nachfragen zurück. Neu hinzugekommen

sind insbesondere Anfrage von Bildungsträgern mit

Integrationskursen für junge (vor allem männliche) Geflüchtete.

Eine neue Herausforderung (nicht nur sprach-

72


lich, sondern auch kulturell), die uns aber große Freude

macht und sehr gut angenommen wird.

Angesichts der Größe des Zuständigkeitsgebietes, der

wachsenden Bedarfe, der zunehmenden Notwendigkeit,

auch andere sexuell übertragbare Krankheiten einzubeziehen

und der Einzigartigkeit des Youthwork-Angebotes

in der Region sind unsere Fachkraftressourcen

trotz der stabilen Einbeziehung von Frau Walther nach

wie vor begrenzt. Zudem stehen wir vor zunehmenden

Finanzierungsschwierigkeiten, weil die öffentliche Förderung

schon die Personalkosten des hauptamtlich Beschäftigten

längst nicht mehr abdecken und wir schon

lange immer mehr Eigenmittel zur Refinanzierung der

Sachkosten und derer für die ehrenamtlich Tätigen einsetzen

müssen. Die Gewinnung von Projektfördermitteln

(wie etwa die der Aktion Mensch) sowie die steigende

Notwendigkeit, von den Nachfragenden (Schulen et al.)

Aufwandsentschädigungen abzuverlangen, sind unerlässlich

geworden. Diese Maßnahmen erfordern aber

auch Zeit und Kapazitäten und senken zudem die Niedrigschwelligkeit

des Zugangs und die Finanzierbarkeit

des Angebotes für die „Kunden“. Wenn die Zuwendungsgeber

(Land und Kommunen) weiterhin dieses wichtige

Angebot vorhalten wollen, wird hier eine Nachbesserung

unumgänglich werden.

Unser Dank gilt an dieser Stelle insbesondere den aktiven

HIV-positiven Ehrenamtlern, die sich immer wieder

bereit erklären, in authentischer Weise zur Frage

„HIV-positiv sein – was heißt das?“ Rede und Antwort

zu stehen. Die Einbeziehung von Selbsthilfeaktivisten ist

fester Bestandteil vieler Präventionsveranstaltungen. Der

besondere Wert dieser Authentizität wird uns auch immer

wieder rückgemeldet. Hier gilt vor allem unserem Ehrenamtler,

Thomas Hilgers, ein herzliches Dankeschön.

Der von uns (mit-) initiierten Präventions-Vernetzung in

Duisburg kommt ebenfalls besondere Bedeutung zu. Dabei

geht es uns vor allem darum, über Multiplikator*innen

eine kontinuierliche Präsenz der Präventionsthemen in

den Institutionen zu schaffen und von `nur´ punktuellen

Veranstaltungen wegzukommen. Durch die Vernetzung

und die damit verbesserte Kooperation und Koordinierung

werden Synergieeffekte erzielt. Durch begleitende

Öffentlichkeitsarbeit wird für die potentiellen Kunden

mehr Transparenz zu den Präventionsangeboten geschaffen

und den Schülerinnen und Schülern die Beratungseinrichtungen

und ihre Mitarbeiter* innen bekannt

gemacht.

„Lernvoraussetzungsanalyse – und didaktische Konsequenzen“

Wir konstatieren bei der Zielgruppe der Jugendlichen

weiterhin insbesondere Defizite im Bereich von sprachlichen

und kommunikativen Kompetenzen im Feld von

Liebe, Sexualität und Partnerschaft. Ein Erklärungsansatz

mag in der intensiven Nutzung von virtuellen Medien

und den damit verbundenen spezifischen Kommunikationsmustern

zu finden sein (die „Explosion“ im Bereich

der sog. Sozialen Netzwerke, …). Ein anderer Ansatz ist

uralt, nämlich dass auch heute der Eintritt in das Abenteuer

„Liebe, Sex und Partnerschaft“ immer noch mit

ganz viel Aufregung, Nervosität und auch Ängsten und

Sorgen verbunden ist, trotz oder gerade wegen der vermeintlichen

Banalisierung der Thematik durch vielfältige

einschlägige Medien, die den Jugendlichen vermeintliche

Realitäten und / oder Normalitäten vorspiegeln. Hier ist

einfühlsame Sexualpädagogik gefordert.

Nach unserer Auffassung sind hierzu die Informations-

und Vermittlungsmethoden und der Zeitpunkt der

thematischen Auseinandersetzung von entscheidender

Bedeutung. Die Erkenntnis ist nicht neu, dass HIV/

AIDS-Prävention mit Jugendlichen im Kontext von Sexualpädagogik

anzusiedeln ist, dass personalkommunikative

Methoden, d.h. „Veranstaltungen von Mensch zu

Mensch“, die an der Lebenswelt der Schüler/innen orientiert

und hinsichtlich der ersten Erfahrungen zeitnah zu

platzieren sind, massenmedialen oder eindimensionalen

Vermittlungsformen vorzuziehen sind, bzw. diese unbedingt

ergänzen sollten (vgl. Landespräventionskonzept

o.).

In den Jahrgangsstufen bis zur 10. Klasse erscheint uns

zudem eine – zumindest phasenweise und themenabhängige

– geschlechtergetrennte Bearbeitung sinnvoll.

Hier müssen einfach die nicht selten durchaus großen

Unterschiede im Reife- und Erfahrungsgrad zwischen

Mädchen und Jungen einer Jahrgangsstufe Berücksichtigung

finden. In Anwesenheit des anderen Geschlechtes

fällt es manchmal schwerer, in offene und ehrliche Kommunikationsprozesse

hineinzufinden.

Erst recht, wenn die eigene Identitätsfindung (Wer bin

ich? Was mag ich? Was mag ich nicht? …) noch in

vollem Gange ist. Dennoch sind angesichts der mehrheitlich

heterosexuellen Orientierungen Erfahrungen

gelingender Kommunikation zwischen den Geschlechtern

unentbehrlich und nicht zuletzt besonders wichtig

für die Verabredung von Verhütungsmethoden, für die

Durchsetzung individueller Schutzbedürfnisse. Aufgrund

unserer schmalen personellen Besetzung (in der Regel

sind wir „Einzelkämpfer“, weil es für die gesamte Region

nur eine Youthworker-Stelle gibt, können wir diese Trennungsphasen

allerdings in aller Regel leider auch nicht

bedienen und sind an dieser Stelle auf die Mitwirkung der

Lehrenden in den Projekten angewiesen. Dies ist aber

eine suboptimale Situation, da die Lehrenden nicht selten

in einen Rollenkonflikt geraten können, da sie in ihrer

„Hauptrolle“ am nächsten Tag wieder zensieren müssen

und so eine professionelle Distanz wahren müssen.

73


Es bleibt dabei, Emanzipation, Selbstbewusstsein und

–bestimmung mit sozialer Verantwortung und solidarischem

Handeln in Einklang zu bringen, ist eine zentrale

Aufgabe von Erziehung, (Aus-) Bildung und Präventionsarbeit.

Prävention in Zahlen:

Durch Veranstaltungen im Sektor Youthwork und Präventionsveranstaltungen

in der Allgemeinbevölkerung konnten

wir im Berichtsjahr 2016 4.061 Personen mit personalkommunikativen

Formen erreichen, davon 139 sog.

Multiplikator/innen (Lehrkräfte und sonstige Pädagog/

innen sowie ehrenamtliche Mitarbeiter/innen). Allein im

schulischen Bereich (-> Youthwork-Angebote) erreichten

wir in 12 Schulen des Kreises Wesel und fünf Schulen der

Stadt Duisburg 1343 Jugendliche aus allen Schulformen,

497 in außerschulischen Zusammenhängen wie offener

Jugendarbeit u.a. und 1.960 Jugendliche im Rahmen von

personalkommunikativen Formen bei Großveranstaltungen

(wie z.B. bei Veranstaltungen zum Welt-AIDS-Tag).

31,1 % der jungen Menschen kamen aus dem Alterssegment

zwischen 14 und 17 Jahren, 25,1 % der Jugendlichen

hatten einen Migrationshintergrund (s. auch Controlling-Daten

für 2016 im Anhang).

Verstärkt wird der Trend zu problematischer bzw. nicht

erfolgreicher Face-to-face-Kommunikation durch die rasante

Nutzung der neuen Medien zur Kontaktanbahnung

oder für Verabredungen. Die anfängliche Anonymität wird

einerseits sehr geschätzt, aber andererseits auch zunehmend

missbraucht. Der Ansatz, kommunikative Kompetenzen

zu fördern, wird aus unserer Sicht immer wichtiger

(vgl. o.).

Mit diesem spezifischen Ansatz, platzieren wir unsere

Veranstaltungen in der Regel frühestens ab der Jahrgangsstufe

9. In den letzten Jahren kommen wir allerdings

immer häufiger aus Veranstaltungen aus dieser

Altersgruppe mit dem Eindruck, es sei möglicherweise

für einige SuS eigentlich zu früh, sie schon in die Auseinandersetzung

mit den „Risiken und Nebenwirkungen“

der Sexualität zu „schubsen“. Dies gilt insbesondere für

einen größeren Teil der Jungen. Grundsätzlich wäre angesichts

der entwicklungspsychologischen Unterschiede

ein jahrgangsstufenübergreifendes Agieren wünschenswert.

Es lohnt sich, darüber mit den schulpolitischen Entscheidungsträger*innen

in den Austausch zu treten. An

einigen Modellschulen laufen dazu auch schon vielversprechende

Ansätze.

5.6.3 (Präventions-) Veranstaltungen für Jugendliche und

Multiplikatoren

Leicht rückläufig war in diesem Berichtszeitraum die

Nachfrage nach Präventionsberatungen von Schüler*innen,

die für Fach- oder Projektarbeiten unseren Rat

suchten. Dafür stieg die Zahl der studentischen Nachfragen

für Referate.

Aus dem Bereich berufsbildender Einrichtungen (z.B.

Berufskollegs, insbesondere der Sektor der sog. Berufsgrundschuljahre)

gab es im Berichtsjahr leicht rückläufige

Anfragen zu vermerken. Hier finden wir in der Regel

wichtige Zielgruppen; Jugendliche im Alter zwischen 16

und 25 Jahren, die oftmals problembehaftete Sozialisationen

und einen geringen Grad an Aufklärungsniveau

(z.T. auch migrationsbedingt) aufweisen. Erheblich gestiegen

ist dafür die Nachfrage von Bildungsträgern, die

Integrationsmaßnahmen für junge Geflüchtete anbieten

(s.o).

Bis auf einzelne Ausnahmen – vorwiegend im Zusammenhang

mit schulischen Projekttagen und im Umfeld

des Welt-AIDS-Tages – sind direkte Kooperationen mit

74


Einrichtungen der offenen Jugendarbeit eher selten.

Dass wir hier allerdings auch keine Offensiven starten

konnten, hat unsererseits einfach mit Kapazitätsgrenzen

zu tun.

Erfreulich waren im Berichtsjahr die Anfragen von Bildungsträgern

im Feld der (vor-) beruflichen Qualifizierung.

Neben zwei „klassischen“ Zielgruppen haben wir

fünf Präventionsveranstaltungen in „Integrationskursen“

(v.a. 18-25 jährige Männer) durchführen können und diese

als hoch erfreulich erlebt. Insbesondere ein ausgeprägter

„Bildungshunger“ und ein insgesamt tolles Sozialverhalten

waren hier zu verzeichnen. Günstiger Weise

konnten wir in diesen Gruppen mit Deutsch und Englisch

sehr gut in den Dialog kommen.

Hinblick auf und im Vorfeld von Projektformen stagnieren

auf sehr niedrigem Niveau. Dies hat unter anderem mit

den vielfältigen Veränderungen im Schulbereich mit erheblichen

Zusatzbelastungen für die Lehrkräfte zu tun.

Fortbildungen, die mit Unterrichtsausfall verbunden sind,

sind nicht leicht zu installieren. Dies hat auch damit zu

tun, dass wir überwiegend bei z.T. schon sehr lange etablierten

Projekten agieren und hier nicht mehr viel Überzeugungsarbeit

leisten müssen. Darüber hinaus wirkt

hier in sehr positivem Sinne die alljährliche Fachtagung

des AK Prävention Duisburg in genau diese Richtung

(s.u.). Natürlich wäre eine Ausweitung des Angebotes

(s.o.) wünschenswert, aber wir sind nach wie vor froh,

wenn wir mit unseren begrenzten Ressourcen die Nachfragen

weitestgehend bedienen können.

5.6.4 Multiplikatoren- und Erwachsenenbildung

Die Bereitschaft der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel

e.V., viel in die Aus- und Weiterbildung ihrer ehrenamtlichen

Mitarbeiter*innen zu investieren ist nach wie vor

sehr hoch, allerdings ist die Zahl Bewerber*innen gesunken.

Und das leider nicht nur bei uns, sondern auch

bei unseren Nachbar-AIDS-Hilfen. Daher konnten wir in

diesem Jahr auch keine vernetzte Grundlagenausbildung

anbieten.

Ein modifiziertes Konzept, das mit einem geringeren

Aufwand für eigene Kapazitäten einhergeht und externe

Angebote des Dachverbandes der DAH einbezieht, ist in

Bearbeitung. Allerdings fehlt zur Weiterbearbeitung jemand,

der Kapazitäten für die Koordination haben könnte.

Das Themenspektrum reicht hier von der Präsentation

des aktuellen Wissensstandes zu HIV und AIDS über die

epidemiologische Entwicklung und daraus resultierende

Präventionskonsequenzen und –strategien bis hin zu Aspekten

spezieller Fortbildung im Feld der Kommunikation,

wie Gesprächsführung und Moderation.

Ein zentrales Anliegen ist es, die Präventionsthemen und

die damit verbundenen Ziele an Schulen und in außerschulischen

(Jugend-) Einrichtungen möglichst ganzjährig

zu platzieren. Geschulte Pädagog*innen, Erzieher*innen

oder Sozialarbeiter*innen und –pädagog*innen

sollten diese repräsentieren, zumindest mit Verweisungskompetenzen

ausgestattet sein und als Ansprechpartner*innen

für die Jugendlichen bekannt sein / werden.

Es spricht weiterhin vieles dafür, ehrenamtliche Ressourcen

gerade auch im Bereich der (Primär-) Präventionsarbeit

weiter zu mobilisieren und zu qualifizieren, z.B. für

den peer-to-peer-Ansatz. Die aktiven Ehrenamtler*innen

sind eine wichtige Ressource und die wichtigsten Multiplikator*innen.

Sie zu akquirieren, zu qualifizieren und

ihre Einsätze zu koordinieren erfordert aber hauptamtliche

Ressourcen, die zu wenig vorhanden sind. Auch

muss dies von zuwendenden staatlichen Strukturen so

erkannt, gewollt und dann auch gefördert werden – und

darf sich nicht auf „Sonntagsreden“ über die Bedeutung

des freiwilligen Engagements beschränken.

Eine weitere ganz wichtige Gruppe von potentiellen Multiplikator*innen

sind in diesem Präventionsfeld natürlich

die Lehrenden in schulischen und außerschulischen Einrichtungen.

Die Anfragen nach Lehrerfortbildungen im

Recht gut angenommen wurde hier wieder die im Berichtsjahr

angebotene 16. Fachtagung des Präventions-Vernetzungskreises

Duisburg am 02. Juni. In diesem Jahr

hat sich der AK dem Wunsch einiger Teilnehmer*innen

aus dem Vorjahr gestellt und ein schwieriges Thema

aufgegriffen. „Ausweg – Los? – Wege durch Krisen und

Trauer“ für Jugendliche. 40 Teilnehmer*innen befassten

sich in Workshops mit den Themen „Trauer und Tod im

schulischen Kontext“, der „Krisen- und Trauerbewältigung

mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen“, den

„Signalen von seelischen Krisen bei Jugendlichen“ und

dem „polizeilichen Opferschutz“. Abgerundet wurde der

Fachtag durch einen Vortrag des Theologielehrers und

Notfallseelsorgers und Vorsitzenden des Fachausschusses

Seelsorge des Kirchenkreises Duisburg, Herrn Klaus

Andrees, der die Teilnehmer*innen sehr bewegt und auch

begeistert hat.

75


Neben inhaltlichen Anregungen und methodischen Zugangsformen

dient die Fachtagung immer auch dem Ziel,

die Präventionsinfrastruktur in Duisburg kennen lernen

zu können.

Mit Hilfe des BZgA-geförderten DAH-Angebotes der

„Medizinischen Rundreise“ konnten wir uns im Rahmen

einer ganztägigen Inhouse-Schulung am 04.06.2016

zum Schwerpunktthema „HIV-Präventionsmethoden“ updaten.

Der Medizinreferent Bernd Vielhaber (Edemisse)

unterstützt durch den Moderator Harald Hägle (Berlin)

brachten uns souverän und unter Berücksichtigung unserer

konkreten Fragen auf aktuellen Stand der Wissenschaft.

der Verbindung von Selbsthilfe-, Interessen- und Fachverband

sowie der Ansatz der Strukturellen Prävention

immer wieder aufs Neue.

Vereinzelt tauchen auch –wieder- Anfragen aus dem Bereich

der Altenpflegeseminare auf, was uns sehr erfreut,

weil es doch zeigt, dass immer mehr Menschen mit HIV

auch hier in Erscheinung treten, da sie immer größere

Chancen auf ein Älterwerden haben.

Die „neue“ Zielgruppe vor allem junger Geflüchteter tritt

immer mehr in Erscheinung (s. 5.6.3). Hier gab es neben

einzelnen – meist sehr intensiven- Begleitungsfällen

auch erste Fortbildungsanfragen von Teams aus zentralen

Unterbringungseinheiten (ZUE) oder Notunterkünften,

Wünsche nach Infomaterialien und Kondomen, die

wir gerne bedienen.

Sehr bereichernd war auch die Fachtagung „Youthwork

in AIDS-Hilfe – Sexuelle Bildung und Prävention für und

mit Jugendlichen und jungen Menschen“ unseres Bundesverbandes,

der Deutschen AIDS-Hilfe am 28./29.10

2017 in Berlin. Neben der inhaltlichen Positionierung mit

dem Fokus auf „Lebensweisenakzeptanz und selbstbestimmten

Sexualitäten“ wurden die Ergebnisse und der

Arbeitsbereich „Youthwork in AIDS-Hilfen“ als solcher auf

der anschließenden Mitgliederversammlung auch innerverbandlich

eindeutig gestärkt.

Die entwickelten Standards für Präventionsworkshops

sollen einen Beitrag dazu leisten, dass die Qualität der

Aufklärungsarbeit langfristig und nachhaltig gesichert ist

und bleibt und die Prävention mit zeitgemäßen Bildern

arbeitet. Damit soll insbesondere ein weiterer Beitrag

zur Enttabuisierung und „Normalisierung“ gesellschaftlich

und politisch marginalisierter Gruppen, sowohl von

homo-, bisexuellen und trans*Menschen als auch von

Menschen mit HIV und Aids geleistet werden.

5.6.5 Berufsspezifische Erwachsenenbildung

Hier sind im Wesentlichen Fortbildungsveranstaltungen

in Krankenpflegeschulen, bei sonstigen Pflegeanbietern

und im medizinischen Versorgungssystem verortet. Insbesondere

bei den Krankenpflegeschulen unserer Region

verzeichnen wir sehr stabile Nachfragen und hocherfreuliche

Rückmeldungen. Insbesondere wird geschätzt,

dass wir von der medizinischen Seite bis zu den Tiefen

im psychosozialen Bereich die ganze Bandbreite des

komplexen Themenfeldes rund um das Phänomen „HIV

/ AIDS und andere sexuell übertragbare Infektionen“ abdecken

können. Nicht zuletzt auch in diesem Tätigkeitsfeld

bewährt sich das „3-Säulen-Modell AIDS-Hilfe“ mit

76


5.6.6 Sonstige Aufgaben und Tätigkeiten

Anzuführen sind hier für den Stelleninhaber :

· Beteiligung an der Grundlagenausbildung für Ehrenamtler*innen inhouse

und in der Ruhrgebietsvernetzung der AIDS-Hilfen

· Präventionsvernetzungsarbeit im Kreis Wesel und Duisburg

· Vertretung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. bei den

NRW-Youthworker-Arbeitskreisen und dem Youthwork-Qualitätszirkel sowie

im Sprecherkreis der NRW Youthworker*innen

· Evaluation und Qualitätssicherung – Fortführung des Verfahrens

beim Youthwork-Förderprogramm-Controlling MGEPA, NRW – seit 2013

der landesweiten Datenerhebung über die AG Aidsprävention

· Beratung / Informationen für Zeitungs- TV- und Radio-Redaktionen

sowie für politische Entscheidungsträger

· Koordinierung von haupt- und ehrenamtlichen Einsätzen bei Informations-

und Präventionsprojekten

· Einarbeitung in und Bereitstellung von Materialien für Lehrende und

Multiplikator*innen

· Beratung von pädagogischen Fachkräften bzgl. der Unterrichts- oder

Projektgestaltung zum Thema HIV / AIDS und anderer STI`s

· Telefonische und persönliche Informations- und Beratungsgespräche

· E-mail Beratung

· Unterstützung von Jugendvertretungs- und Schülerzeitungsredakteur*innen

· Geschäftsführung

· u.a.m. (Vgl. 4. Öffentlichkeitsarbeit)

Abb.:

Veranstaltungsverteilung nach Arbeitsfeldern

77


5.7. SCHLAU Duisburg

Seit 2014 ist die AIDS-Hilfe Duisburg Kreis Wesel e.V.

Träger des ehrenamtlichen Projektes SchLAu. SchLAu

steht für Schwul Lesbisch Bi Inter Trans* Aufklärung

durch welche wir nachhaltige Antidiskriminierung in Duisburg

(und im Kreis Wesel) erreichen wollen.

Beschreibung

SCHLAU steht für Schwul Lesbisch Bi Inter Trans* Aufklärung

durch lokale Aufklärungsgruppen aus ganz Nordrhein-Westfalen.

Die SchLAu Duisburg Gruppe besucht

ehrenamtlich Schulen, Jugendzentren und andere Bildungseinrichtungen

in Duisburg und Umgebung.

Im Zentrum von SCHLAU steht die Begegnung zwischen

Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Lesben,

Schwulen, Bi-, Intersexuellen und Trans*. Die dahinterstehende

Idee ist, dass Vorurteile und Klischees durch

die direkte Begegnung wirkungsvoll hinterfragt und abgebaut

werden können. Wir möchten die Jugendlichen

mit Lesben, Schwulen, Bi-, Intersexuellen und Trans* ins

Gespräch bringen:

„Damit nicht mehr über uns geredet wird, sondern

mit uns!“

Denn noch immer zeigen Studien in trauriger Regelmäßigkeit,

dass Homo- und Transphobie feste Bestandteile

in Klassenräumen, Freizeiteinrichtungen und auf Schulhöfen

sind. Manchmal entsteht so ein Klima gegenseitiger

Feindseligkeit, unter dem nicht nur homo- und bisexuelle

sowie inter- und transgeschlechtliche Jugendliche

leiden, sondern das alle betrifft. SCHLAU-Workshops

thematisieren diese Diskriminierungsmechanismen, geben

authentische Einblicke in gleichgeschlechtliche Lebensweisen

und vermitteln Akzeptanz gegenüber der

Vielfalt menschlicher Lebensentwürfe.

SCHLAU Duisburg leistet damit einen grundlegenden

Beitrag zu nachhaltiger Antidiskriminierung, effektiver

Gewaltprävention und demokratischer Menschenrechtsbildung.

Denn unsere Vision ist eine Gesellschaft ohne

Ausgrenzung, Homophobie und Transphobie.

Kooperation mit dem Träger

SCHLAU Duisburg agiert weitgehend eigenständig, bedarf

aber eines Trägers. Die AIDS-Hilfe Duisburg Kreis

Wesel e.V. stellt sich dazu gern zur Verfügung. SCHLAU

erhält administrative Unterstützung sowie Sach-Unterstützung

z.B. einen Arbeitsplatz, Zugriff auf Materialien

und im Rahmen der Möglichkeiten personelle Unterstützung

durch die AIDS-Hilfe Mitarbeiter*innen. Die Zusammenarbeit

und das Verhältnis der beiden Institutionen

wird durch eine Kooperationsvereinbarung geregelt.

Einsätze

Im Berichtsjahr 2016 konnten die wachsenden Anfragen

von verschiedenen Schulen aus unserem Zuständigkeitsgebiet

leider nur noch in sehr begrenztem Maße bedient

werden, da es nicht gelingen konnte, ein Team von

ehrenamtlichen Trainer*innen zu gewinnen, die zu den

angefragten Zeiten, also vormittags, Zeit für die Einsät-

78


ze gehabt hätten. Bis auf wenige Ausnahmen konnte der

SCHLAU-Ansatz nur noch im Rahmen der Sexualpädagogischen

Stadt-Rallye (s. 5.6.) workshops durchführen.

Kooperation: Sexualpädagogische Stadtrallye

Zusammen mit den Partnern erreichte SCHLAU Duisburg

und ein Kollege vom Duisburger Verein „Du bist DU e.V.“

im spielerischen Wettbewerb Schülerinnen und Schüler

verschiedenster Schulformen aus dem gesamten Stadtgebiet.

Die Rallye bietet als Rahmen einen sehr niedrigschwelligen

und zeitlich engbegrenzten Zugang, der in

weiterführenden Workshops bei Bedarf vertieft werden

kann. Dieses innovative Projekt wurde in 2016 auch ohne

weitere Bewerbung sehr gut nachgefragt.

Über 200 junge Menschen wurden durch Workshops erreicht.

Vernetzung

SCHLAU Duisburg ist Teil des landesweiten Netzwerkes

SCHLAU NRW, getragen vom Schwulen Netzwerk NRW

e.V. Die Landesstruktur steht im Kontakt zur Landespolitik

und den fördernden Ministerien. Schulungen und Dokumentation

zählen zu den dortigen Aufgaben, wie auch

die bundesweite Vernetzung.

Trotz dieser guten Einbindung in landesweite Strukturen

hat sich im Berichtsjahr deutlich gezeigt, dass der Aufbau

und die Koordinierung einer örtlichen Struktur ohne

hauptamtliche Ressourcen kaum zu leisten ist. Der im

Berichtsjahr sehr engagierten Ehrenamtlerin, Lisa Hoff

und unserem Praktikanten, Kai-Uwe Diel, gilt unser Respekt

und Dank. Trotz begrenzter Unterstützungskapazitäten

konnten immerhin neue Werbemedien erstellt,

der facebook-Auftritt mit Leben gefüllt und ein paar workshops

durchgeführt werden.

79


6. Ehrenamtliche Mitarbeit

6.1. Begleitung der ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen

Im Berichtsjahr waren als Kern 25 Personen ehrenamtlich

für die AIDS-Hilfe tätig. Punktuell, wie zum Beispiel im

Rahmen der CSD-Saison oder beim WAT beteiligen

sich weitere interessierte Menschen an unserer Arbeit

und unterstützen uns tatkräftig. Insgesamt waren mehr

ehrenamtlich Mitarbeitende als im Vorjahr für uns tätig,

was u.a. daran liegt, dass sich die Herzenslust-Gruppe

erneut neu formiert hat.

dankte die AIDS-Hilfe den ehrenamtlich Mitarbeitenden.

Zu einem leckeren Buffet richtete das hauptamtliche

Team den Gruppenraum gemütlich her. In stilvoller

Atmosphäre und geselliger Runde fand in unserem Café

der Abend statt. Wie in den Vorjahren konnten wir uns

bei ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern

für ihre Tätigkeit im abgelaufenen Jahr und auch bei

den Veranstaltungen zum WAT bedanken. Unter den

Anwesenden fand ein reger Austausch statt.

Das ehrenamtliche Engagement ist für das Angebot

der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. weiterhin

überaus wichtig. Ohne die freiwilligen Mitarbeiter*innen

könnten wir unser umfangreiches Angebot nicht

aufrechterhalten. Daher an dieser Stelle unser großer

Dank für den unermüdlichen Einsatz und die vielen

unentgeltlich geleisteten Stunden der ehrenamtlichen

Mitarbeiter*innen.

Im Berichtsjahr konnte die im Vorjahr in Angriff genommene

Modifizierung unseres Ehrenamtlerkonzeptes vorläufig

abgeschlossen werden. Da dies allerdings stets den

laufenden Entwicklungen angepasst werden soll, wird es

keinen abschließenden Stand geben. Angepasst und neu

formuliert ist aber die Rubrik auf der Homepage (s. www.

aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de/ Button: Ehrenamt).

Die AIDS-Hilfe bietet vielfältige Aufgabengebiete, in denen

sich die ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen engagieren

können. Diese umfassen die Begleitung, Knastarbeit,

Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit, Herzenslust,

Telefon- und E-Mail-Beratung, Chat-Beratung,

Vorstandsarbeit, Mittwochs-Café, Freitagsfrühstück,

Substitutionsfrühstück und Weihnachtsfeier. Einige

ehrenamtliche Mitarbeiter*innen arbeiten in mehreren

Bereichen, andere haben sich spezielle Aufgabengebiete

gesucht, so zum Beispiel das Freitagsfrühstück.

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen sind in den

unterschiedlichsten Berufen aktiv, sind HIV-negativ oder

HIV-positiv, setzen sich aus Frauen und Männern aus

allen sozialen Lebensbereichen zusammen und stammen

aus den unterschiedlichsten politischen Richtungen. Dies

bedeutet für die Arbeit der AIDS-Hilfe einen enormen

Erfahrungsschatz, der in unsere Arbeit mit einfließt.

Eine Möglichkeit des Austausches bietet weiterhin unser

Mittwochs-Café (siehe auch Punkt 3.5). Hier ist der

zentrale Anlaufpunkt, um sich mit Betroffenen zu treffen

oder sich untereinander oder mit den hauptamtlich

Tätigen auszutauschen.

Mit unserem traditionellen Dezember-Aktiventreffen

Gute Gespräche bei vorweihnachtlicher Atmosphäre –

unser Danke schön! – Sonder-Aktiven-Treffen

6.2. Schulung und Fortbildungen für ehrenamtliche

Mitarbeiter*innen

Im Berichtsjahr fand erneut leider keine Schulung für

ehrenamtliche Mitarbeiter*innen in Vernetzung mit den

AIDS-Hilfen Bochum, Essen und Oberhausen statt.

Vor dem Hintergrund des hohen Ressourceneinsatzes

von hauptamtlichen Trainer*innen sollte ein modifiziertes

Konzept mit einer Basisschulung über den Dachverband

der DAH und aufbauenden Modulen in den Aidshilfen

entstehen. Das Gerüst dazu konnte entwickelt

werden, allerdings stockte der Prozess als unser

Ehrenamtskoordinator, Ralf Runniger, seine Tätigkeit bei

uns beendete und leider fand sich im Berichtsjahr kein(e)

Nachfolger(in).

80


So müssen wir zurzeit für die Einsteigerschulungen auf

die Verbandsangebote verweisen, können aber natürlich

unsere spezifischen AIDS-Hilfe Bedarfe in verschiedenen

Formen in der Regel auch intern abdecken. Die großen

Synergien sind aber zunächst mal weg.

6. 3 Externe Fortbildungen

Weiterhin besteht in unserer Einrichtung ein

Fortbildungsetat für ehrenamtliche und hauptamtliche

Mitarbeiter*innen. Nicht nur im eigentlichen HIV/AIDS-

Bereich, sondern auch bei anderen sexuell übertragbaren

Krankheiten und in der Sozialgesetzgebung ergeben

sich immer schneller Veränderungen. Fortwährende

Weiterbildungen garantieren somit eine kompetente und

aktuelle Beratung und daraus resultierend entsprechende

Qualitätssicherung.

Wir bedanken uns abschließend an dieser Stelle für das

enorme freiwillige Engagement und die vielen Stunden

ehrenamtlicher Arbeit bei unserem „EA-Team“!

81


Controlling-Daten für das Kalenderjahr 2016 -

Verteilung nach Arbeitsfeldern

1. Unmittelbare Kontakte im Berichtsjahr 2016 durch Maßnahmen primärpräventiver Zielsetzung (personalkommunikativ)

:

Gesamt 13.633

Davon im Arbeitsbereich :

1.1. Youthwork u. Prävention in der Allgemeinbevölkerung

Gesamt: 4061 ( 29,8 %)

Davon männlich 1874

Davon weiblich 2187

Mit erkennbarem Migrationshintergrund 1021

Ohne erkennbaren Migr.hintergrund 3040

Bis 21 Jahre 2187

Über 21 Jahre 1874

1.2. Beratung (persönlich, telefonisch, inkl. bundesweite Telefonberatung u.per e-mail)

Gesamt : 1483 (10,9 %)

Davon männlich 953

Davon weiblich 530

Mit Migrationshintergrund 482

Ohne Migrationshintergrund 1001

Bis 21 Jahre 231

Ab 22 Jahre 1252

1.3 Frauen (inkl. überregionale Aktionen i. R. der Landesarbeitsgemeinschaft; AG XXelle-Ruhrgebiet , …)

Gesamt : (100% weiblich) 996 ( 7,3 %)

Mit Migrationshintergrund 752

Ohne Migrationshintergrund 244

Bis 21 Jahre 100

Ab 22 Jahre 896

1.4 Migration (in 2016 subsumiert in Beratung 1.2, Frauen 1.3 u. YW 1.1)

Gesamt :

Davon männlich

Davon weiblich

Bis 21 Jahre

Ab 22 Jahre

1.5 Herzenslust regional (inkl. Beratung & Test, CSD Duisburg-Veranstaltungen, queer-life, Parties, …)

Gesamt : 1907 (14,0 %)

Davon männlich: 1130

Davon weiblich 778

Mit Migrationshintergrund 225

Ohne Migrationshintergrund 1682

Bis 21 Jahre 284

Ab 22 Jahre 1624

82


1.6 Herzenslust (Knotenpunktarbeit im Ruhrgebiet, fast vollständig über ZSP-Landesmittel gefördert) (CSDs

Köln, Düsseldorf und Essen)

Gesamt : 170 (1,2 %)

Davon männlich 150

Davon weiblich 20

Mit Migrationshintergrund 20

Ohne Migrationshintergrund 150

Bis 21 Jahre 30

Ab 22 Jahre 140

1.7. SchLAu Duisburg (seit 06/2013 in Trägerschaft der AIDS-Hilfe)

Gesamt: 215 (1,6 %)

Davon männlich: 90

Davon weiblich: 125

Mit Migrationshintergrund: 60

Ohne Migrationshintergrund: 155

Bis 21 Jahre: 205

Ab 22 Jahre: 10

1.8. Justizvollzug („Knastarbeit“) (JVA Du-Hamborn mit Zweigstelle Dinslaken)

Gesamt : (alle über 21 Jahre!) 220 (1,6 %)

Davon männlich 66

Davon weiblich 154

Mit Migrationshintergrund 86

Ohne Migrationshintergrund 134

1.9. Drogen (allgemeine und zielgruppenspezifische Präventionsarbeit d. AH)

Gesamt : 2024 (14,8 %)

Davon männlich 1412

Davon weiblich 612

Mit Migrationshintergrund 410

Ohne Migrationshintergrund 1614

Bis 21 Jahre 0

Ab 22 Jahre 2024

1.10. Spritzentausch (über persönlichen Kontakt, ohne Automaten in Du. u. Wesel)

Gesamt : 1357 (10,0 %)

Davon männlich 1123

Davon weiblich 243

Mit Migrationshintergrund 145

Ohne Migrationshintergrund 1212

Bis 21 Jahre 0

Ab 22 Jahre 1357

1.11. Substitution (an Wochenenden und Feiertagen in Duisburg, flankierende personalkommunikative Maßnahmen)

Gesamt : 1200 (8,8 %)

Davon männlich 800

Davon weiblich 400

Mit Migrationshintergrund 240

Ohne Migrationshintergrund 960

Bis 21 Jahre 50

Ab 22 Jahre 1150

83


1. Unmittelbare Kontakte im Berichtsjahr 2016 durch Maßnahmen sekundär- und tertiärer Zielsetzung (personalkommunikativ)

Gesamt : 1.808

1.1 (Psychosoziale-) Begleitung

Gesamt : 1108 (61,2 %)

Davon männlich 333

Davon weiblich 775

Mit Migrationshintergrund 664

Ohne Migrationshintergrund 444

Bis 21 Jahre 8

Ab 22 Jahre 1100

1.2 Beratung (für 2016 in 2.1. PSB integriert)

Gesamt :

Davon männlich

Davon weiblich

Mit Migrationshintergrund

Ohne Migrationshintergrund

Bis 21 Jahre

Ab 22 Jahre

1.3 Justizvollzug

Gesamt : 4 (0,2 %)

Davon männlich 4

Davon weiblich 0

Mit Migrationshintergrund 4

Ohne Migrationshintergrund 0

Ab 22 Jahre (alle!) 4

1.4 Frauen

Gesamt : 645 (35,7 %)

Mit Migrationshintergrund 387

Ohne Migrationshintergrund 258

Bis 21 Jahre 5

Ab 22 Jahre 640

1.5 Migration (s. 2.1. Begleitung und 2.4. Frauen)

2.6 Drogen

Gesamt: 44 (2,5 %)

Davon männlich 40

Davon weiblich 4

Mit Migrationshintergrund 7

Ohne Migrationshintergrund 37

Bis 21 Jahre 0

Ab 22 Jahre (alle!) 44

84


1.6 Youthwork (hier nur Personen! mit i.d.R. mehreren Kontakten!)

Gesamt : 7 (0,4 %)

Davon männlich 6

Davon weiblich 1

Mit Migrationshintergrund 1

Ohne Migrationshintergrund 6

Bis 21 Jahre 2

Ab 22 Jahre 5

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