AltaVista Mai 2017

cruisermagazin

AltaVista beleuchtet Themen aus den Bereichen Pflege, Betreuung, Medizin und der beruflichen
Praxis. Ausserdem berichtet AltaVista über aktuelle Entwicklungen in Politik, Wirtschaft und
Sozialwesen.
In dieser Ausgabe gehen wir der Frage nach, was es eigentlich bedeuten würde, wenn der Mensch plötzlich sehr viel älter oder gar unsterblich werden würde.

Ausgabe 01 | Mai 2017 | CHF 6.80

Für immer jung?

Wie die Medizin

das Altern

aufhalten will

Sonne

Freund und Feind

Arztbesuche

Wer warum zum Doktor geht

Migräne

Neue Therapiemöglichkeiten

XXX XXX mai 2017 ALTA VISTA 1


Aus der Praxis für die Praxis: Monatlich aktuell zum Vorzugspreis

in ihrem Briefkasten!

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2 ALTA VISTA mai 2017 XXX XXX

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Alta Vista

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8134 Adliswil

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Impressum

Editorial

Inhalt

altavista ist eine Publikation der

Danya Care GmbH.

4

|

Thema

Forever Young?

Chefredaktion

Peter Empl

Herausgeber

Naeim Said

Autoren

Dr. Christoph Held, Dr. Bettina

Ugolini, Yvonne Beck, Mathilde

Käppeli, Haymo Empl sen.,

Peter Stöckli, Dr Ingo Haase,

Michael Rüegg

Art Direction

Nicole Senn | nicolesenn.ch

Korrektorat

Birgit Kawohl

Bildredaktion

Peter Empl & Nicole Senn

Web

www.altavistamagazin.ch

redaktion@altavista.ch

Administration & Anzeigen

Telefon 044 709 09 06

Nächste Ausgabe

2. Juni 2017

Druckauflage

32 000 Ex.

altavista ist in der Schweiz

eine eingetragene Marke

der Danya Care GmbH

www.altavistamagazin.ch

Naeim Said

Herausgeber

Peter Empl

Chefredaktor

Es gibt kaum einen stärker

wachsenden Bereich als die

Gesundheitsbranche. Immer

mehr Menschen werden immer

älter und benötigen entsprechend

mehr professionelle Hilfe. Die

demografische Entwicklung ist hinreichend

dokumentiert, entsprechend

werden laufend Pflegeinstitutionen

auf staatlicher und privater

Basis geschaffen. Und genau hier

kommt Altavista ins Spiel: Das neue

Magazin beleuchtet die grossen

Themen aus dem Bereich Pflege,

untersucht die berufliche Praxis und

dokumentiert Behandlungsmöglichkeiten,

welche für die entsprechenden

Berufsgruppen von Interesse

sind.

Altavista liegt in über 2000 Institutionen

auf, ist aber auch im Abo

erhältlich. Zudem wird das Printangebot

durch tagesaktuelle Meldungen

und Hintergrundberichte

auf www.altavistamagazin.ch ergänzt.

Altavista erscheint Montalich – wir

richten uns an Menschen, die beruflich

im medizinischen Umfeld tätig

sind und jeden Tag Höchstleistungen

erbringen. Menschen, die alles

geben und interessiert an der Welt

sind. Kurzum: Altavista richtet sich

an Menschen wie Sie!

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Thema

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Fokus

Heim – Angehörige –

Bewohner

Thema

migräne

News

gesehen & gehört

Studie

Der tägliche Wahnsinn

Pflegeberufe im Wandel

Die Krankenschwester

gesundheit und

migrationsbürger

Kolumne

Dr. Christoph Held

Aktuell

Haut & Sonne

Aktuell

KESB

Psychiatrie

Forschung

Info

national und

international

Service

Stellenanzeigen

Herzlich

Naeim Said und Peter Empl

34

|

Alter

Segen oder Fluch?

Inhalt MAI 2017 ALTA VISTA 3


4 ALTA VISTA mai 2017 Thema Forever Young


Forever Young – Dem Tod

ein Schnippchen schlagen

Wer jung ist, wird alt, wer alt ist, wird sterben – so die Gesetze des Lebens.

Doch die Medizin ist viel weiter. Sie will den grössten Killer der Menschheit –

das Altern – zur Strecke bringen.

Yvonne Beck

D

ie Vorstellung vom ewigen

Leben fasziniert die Menschheit

bereits seit Ewigkeiten.

Überlieferungen, die bis 1800

v. Chr. zurückgehen, erzählen

von Menschen, die sich Unsterblichkeit

wünschten. Gut 4000 Jahre später glaubten

viele Forscher, dass es tatsächlich schon

bald so sein werde. Jugend bis in die Dreissiger,

Kinder mit 60, Rente mit 100, Sterben

mit 150. Klingt wie Science-Fiction,

könnte aber bald Realität sein, denn Genetiker,

Biologen und Ärzte arbeiten an neuen

Therapien, die unsere Lebensdauer verdoppeln

könnten.

Bereits in den letzten 200 Jahren ist

die durchschnittliche Lebenserwartung

stark angestiegen. Anfang des 20. Jahrhunderts

konnte man sich glücklich schätzen,

wenn man älter als 50 wurde. Ein Kind, das

heute geboren wird, hat bereits eine durchschnittliche

Lebenserwartung von 81 Jahren.

Schon in den nächsten Jahrzehnten soll

die Anzahl der Menschen, die 85 Jahre alt

werden, nochmal um 350% höher sein.

Dieser Anstieg ist hauptsächlich durch den

«Es kommt nicht darauf

an, dem Leben mehr Jahre

zu geben, sondern den

Jahren mehr Leben.»

(Alexis Carell)

gewachsenen materiellen Wohlstand, wissenschaftlich-medizinischen

Fortschritt,

bessere Hygiene sowie gesündere Ernährung

bedingt. Dank Impfungen konnten

sogar einige tödliche Krankheiten gänzlich

eliminiert werden.

Der Traum der unendlichen

Zellerneuerung

Durch Manipulation von Enzymen, Nanotechnologie

oder Kryonik kann die

Lebensdauer vielleicht schon bald nochmals

deutlich erhöht werden. Im Jahr

2009 erhielten Elizabeth Blackburn, Carol

Greider und Jack Szostak den Nobelpreis

für die Entdeckung des Enzyms Telomerase.

Dieses Enzym könnte der

Schlüssel zum ewigen Leben sein. Chromosomen

werden in unserem Körper von

chemischen Endstücken geschützt, sogenannte

Telomere. Immer wenn sich eine

Zelle teilt und erneuert, wird das Telomer

kürzer. Bei Menschen kann sich dieser

Prozess 50- bis 60-mal wiederholen, bis

die jeweilige Zelle abstirbt. Der Zerfall

der Telomere verursacht letztendlich die

Alterung. Organismen mit höheren Telomerasewerten

hingegen können ihre ➔

Thema Forever Young mai 2017 ALTA VISTA 5


Bereits im Einsatz – aber noch nicht

zugelassen: Miniroboter im Körper auf

der Suche nach Krebszellen.

Telomerlänge länger aufrechterhalten und

demnach ihre Zellen auch häufiger regenerieren.

Bereits jetzt wir daher erforscht, wie

man Telomere künstlich beeinflussen

kann. Gentechnisch veränderte Mäuse

produzierten zehnmal so viel Telomerase

wie üblich und lebten zweimal so lang

wie normale Mäuse. Sollte es möglich

sein, diesen Vorgang auch bei Menschen

anzuwenden, könnte man den Alterungsvorgang

verlangsamen oder gar komplett

einstellen. Die Telomeraseforschung

könnte zudem helfen, tödliche Krankheiten

wie Krebs unter Kontrolle zu bekommen.

Denn Krebszellen enthalten zehnmal

so viel Telomerase wie normale

Zellen, daher können sie sich so schnell

teilen und zu grossen Tumoren entwickeln.

Könnten bei Krebszellen die Telomerasewerte

reduziert werden, so wäre

eine massive Verringerung der Anzahl

der Krebszellen möglich.

Nanotechnologie und Stammzellenforschung

Andere Forscher beschäftigen sich mit der

Nanotechnologie. Der US-amerikanische

Erfinder und Futurist Ray Kurzweil vermutet,

dass man in bereits 25 Jahren Nanoroboter

in den Blutkreislauf von Menschen einsetzen

kann. Diese mikroskopisch kleinen

Computer wären dafür da, Zellen, ja sogar

Organe kontinuierlich zu reparieren. Rein

hypothetisch könnte ein Mensch mit dieser

Technologie so lange leben, wie die Software

der kleinen Nanobots funktioniert.

Schon jetzt wird mit Nanotechnologie zur

Behandlung von Krankheiten geforscht.

In sehr naher Zukunft wird das Altern wie eine Krankheit bekämpft werden können.

Ob das nun Fluch oder Segen ist, sei dahingestellt.

Eine andere Möglichkeit, dem Alter

zu entfliehen, ist die Stammzellenforschung.

Sie ist eines der sich am schnellsten

entwickelnden Gebiete der Biologie. Nachdem

2006 entdeckt wurde, dass gewöhnliche

Hautzellen das Potenzial haben, sich

durch bestimmte Enzyme zu beliebig anderen

Zellen zu entwickeln, erfährt die regenerative

Medizin einen immensen Erwartungsvorschuss.

Man könnte zum Beispiel

mit aus dem Körper entnommenen Zellen

neue Organe züchten, die exakt der DNA

des Patienten entsprechen und somit perfekte

Ersatzteile darstellen. Zudem liessen

sich veraltete und erkrankte Zellen gezielt

durch neue ersetzen. Solche Stammzellen

lassen sich schon heute gegen sehr hohe

Kosten einlagern, um zukünftig aus genetisch

noch jungem Material zu schöpfen.

Das Altern wird somit in Zukunft wie eine

Krankheit bekämpft werden können. Nach

den ersten 70 Lebensjahren wäre eine

Stammzellentherapie durchführbar, um geschädigte

Zellen und Organe zu ersetzen.

6 ALTA VISTA mai 2017 Thema Forever Young


Der Körper ist willig, aber der

Geist ist schwach …

Bis zur Unsterblichkeit wird man noch viel

an Zeit, Geld und Forschung investieren

müssen. Jedoch sieht vieles danach aus, als

würde schon sehr bald Bahnbrechendes entwickelt

werden. Ein bedeutend längeres,

wenn nicht sogar unendliches Leben ist also

durchaus denkbar. Die Zunahme der Lebenserwartung

ist jedoch eine der grössten

Revolutionen, die es jemals in der Geschichte

der Menschheit gab. Sie wird das Leben

komplett verändern. Das Rentenalter wird

immer weiter hochgesetzt, da die Menschen

im Alter viel fitter sein werden. Unsere Enkelkinder

werden mit 85 wahrscheinlich so

fit sein wie Menschen heute mit 65. Rente

mit 100, das klingt abschreckend – könnte

aber durchaus zur Realität werden. Sicher

ist, dass die heutigen Senioren im Durchschnitt

bereits deutlich gesünder und aktiver

leben als frühere Generationen.

Doch Altern kann auch Kraftverlust,

Verlangsamung, Verfall und eine erhöhte

Anfälligkeit für chronische Krankheiten

bedeuten. Und auch wenn der menschliche

Körper scheinbar immer leistungsfähiger

wird, die Gehirne haben Mühe Schritt zu

halten. Über ein Drittel der 90-Jährigen leidet

an Demenz. Im Alter fordert der Körper

viel mehr Aufmerksamkeit vom Gehirn,

deshalb wollen Wissenschaftler herausfinden,

wieviel unsere Gehirne im Alter noch

leisten können. Die Sehkraft wird schwächer

und die Hörstärke nimmt ab, daher

benötigen ältere Menschen bei alltäglichen

Abläufen wie zum Beispiel dem Überqueren

einer Strasse bedeutend mehr Aufmerksamkeit

als jüngere. Aufmerksamkeit,

die für reine Denkaufgaben fehlt. So ist es

daher nicht verwunderlich, dass die Zahl

der pflegebedürftigen und zu betreuenden

Personen stark angestiegen ist. Der Staat

muss seine gesamte Infrastruktur neu an

die Bedürfnisse einer alternden Gesellschaft

anpassen.

Hilfe, wir werden immer älter …

Viele Menschen werden zum Pflegefall –

aber kaum jemand ist darauf vorbereitet.

Weder familiär noch finanziell. Zudem

wird das Personal knapp. Wer soll die

wachsende Menge alter, hilfsbedürftiger,

manchmal verwirrter und oft kinderloser

Menschen pflegen? Der Bedarf an Heimund

Pflegeplätzen wächst. Die Nachfrage

nach professionellen Pflegekräften wird

jedes Jahr grösser. Doch niedrige Löhne,

hohe Arbeitsbelastungen durch fehlendes

Die Telomere sind die aus repetitiver DNA und assoziierten Proteinen bestehenden

Enden linearer Chromosomen. Sie liegen an den Enden der Chromosomen und werden

mit jeder Zellteilung verkürzt. Sind sie zu kurz, hört die Zelle auf, sich zu teilen

oder stirbt ab.

Personal und zum Teil auch mangelnde

Ausbildungsplätze schrecken viele Menschen

ab, einen Pflegeberuf zu ergreifen.

Die Arbeitsbedingungen für Pflegende sind

also nicht die besten. Die fachgerechte Betreuung

von alten Menschen kann nur bedingt

von Angehörigen und Hilfskräften

durchgeführt werden. Die Versorgung

«Was einmal gedacht

wurde, kann nicht

mehr zurückgenommen

werden.»

(Friedrich Dürrenmatt)

ernster Krankheiten bedarf der Hilfe durch

Fachpersonal. Der Staat muss sich dieses

Problem klar vor Augen führen: Pflege kostet

viel Geld. Wie sind wir für die Zukunft

der alternden Gesellschaft gerüstet? Und

wie lange bleibt die Pflege bezahlbar?

Ja, seit jeher fasziniert den Menschen

die Vorstellung der Unsterblichkeit. In den

Mythen der Antike waren jedoch nur die

Götter unsterblich, abgesehen von einigen

unglücklichen Menschen wie Sisyphos, der

mit ewiger Qual bestraft wurde. Aber auch

in der Literatur oder in Filmen ist der unsterbliche

Held nie froh über sein ewiges

Sein. Vielleicht sollte uns das zu denken geben!

Die Pharmaindustrie hat den Traum

vom ewigen Leben als milliardenschweren

Bestseller entdeckt. Aber ist die Aussicht

auf ewige Jugend wirklich ein Traum oder

eher ein Albtraum? Denn angenommen der

Alterungsprozess liesse sich für alle Menschen

stoppen und wir könnten ewig leben

ohne zu altern, könnten Jahrhunderte lang

in Form bleiben … Wenn dieses Szenario

einträfe, würde sich das gesamte Leben auf

der Erde grundlegend ändern. Kinder würden

aufgrund der drohenden Überbevölkerung

fast unmöglich und wir wären mehr

denn je abhängig von der Medizin. Vielleicht

würde uns das Leben auch langweilig,

denn liegt der Reiz des Lebens nicht gerade

darin, dass es begrenzt ist? Hätten wir ewig

Zeit, wäre die Zeit als solche komplett entwertet.

Schon jetzt wissen viele alte Menschen

nicht mit der geschenkten Zeit umzugehen.

Die gewonnen Jahre sind also nicht

immer auch erfüllte Jahre. Viele ältere Menschen

fühlen sich nutzlos, wertlos und vereinsamen.

Der Begriff lebensmüde erhält so

eine ganz neue, wörtliche Bedeutung.

Thema Forever Young mai 2017 ALTA VISTA 7


Konflikte im Spannungsfeld

Heim – Angehörige –

BewohnerIn

Angehörigenarbeit ist in der geriatrischen Langzeitpflege bereits

seit längerer Zeit ein wichtiges und viel diskutiertes Thema.

Dr. phil. Bettina Ugolini

8 ALTA VISTA mai 2017 Fokus Heim – Angehörige – Bewohner


Nicht immer haben alle Personengruppen die gleichen Interessen, auch wenn dies wünschenswert wäre.

D

ie Annahme, dass Familien

oder Angehörige ihre alten

und pflegebedürftigen Familienmitglieder

in Heime

geben und sich dann anschliessend

nicht mehr um sie kümmern,

ist längst überholt und widerlegt. Im Gegenteil

ist die Einweisung in eine Institution

in den meisten Fällen erst dann möglich,

wenn sich wirklich alle familialen

und ambulanten öffentlichen Ressourcen

erschöpft haben (Chenowetz & Spencer,

1986; Morycz, 1985). Das Bewusstsein

dafür, dass Angehörige ein Teil des alten

Menschen sind und dessen Wohlbefinden

auch davon abhängt, wie sicher und wohl

sich der Angehörige in der Institution

fühlt, ist im Laufe der Zeit gestiegen.

Quellen von Schwierigkeiten im

Umgang mit Angehörigen

Eine eher grundsätzliche Problematik der

auftretenden Schwierigkeiten zwischen

Angehörigen und Mitarbeitenden liegt

wohl darin, dass das familiale und professionelle

Versorgungssystem andere Interessen

verfolgen und ihnen eine andere

Jede Person hat

jeweils eine

andere Perspektive.

Logik zugrunde liegt. Die beiden Personengruppen

haben eine unterschiedliche

Perspektive auf den betroffenen Menschen

(Kickbusch, 1981). Für die Mitarbeitenden

ist diese bestimmte Person nur ein Teil ihrer

gesamten Aufgaben. Je höher der Zeitdruck

und geringer die Ressourcen, desto

mehr müssen die einzelne Person und ihre

ganz individuellen Bedürfnisse in den

Hintergrund treten. Es gilt dann, Prioritäten

so zu setzen, dass alle Beteiligten in

gewisser Form zu ihrem Recht kommen.

Für die Angehörigen aber sieht die Situation

anders aus. Hier steht ein ganz bestimmter

Mensch und die Wahrnehmung

seiner individuellen Wünsche im Mittelpunkt

von Denken und Handeln.

Dieses Faktum kann zu Missverständnissen

auf beiden Seiten führen. Die Pfle-

genden erleben die Ansprüche der Angehörigen

als überhöht und können ihnen nicht

gerecht werden, während die Angehörigen

die Pflege als unzureichend erleben, da individuelle

Bedürfnisse nicht ausreichend berücksichtigt

werden. Dass beide Personengruppen

das Wohlbefinden des Bewohners

als oberstes Anliegen verfolgen, wird dabei

schnell aus den Augen verloren.

Auch Faktoren wie Alter, Geschlecht,

Bildung und kulturelle Hintergründe können

im Alltag zu Schwierigkeiten und Unverständnis

führen. Barker (1994) geht davon

aus, dass zwei Personen sich besser

verstehen, je ähnlicher sie einander in Bezug

auf Werte und Sprache sind. Oft liegen

aber mehrere Generationen zwischen

Mitarbeitenden und Angehörigen und die

damit verbundenen unterschiedlichen

Lebensvorstellungen können zu Kommunikationsproblemen,

Missverständnissen

und konfliktreichen Beziehungen führen

(Fineman, 1992) und machen das Einanderverstehen

nicht einfach.

Unklare Aufgabenteilung und nicht

definierte Zuständigkeiten zwischen den

Professionellen und den Angehörigen ➔

Fokus Heim – Angehörige – Bewohner mai 2017 ALTA VISTA 9


Bedürfnissen reagieren zu können, bedarf.

Es geht um das Entwickeln einer

Kultur und eines Konzepts mit einem differentiellen

Angebot an Unterstützungsmassnahmen

auf der Zeitachse von der

Entscheidung zum Eintritt bis zum Todesfall,

aus dem der Angehörige für sich

selbst das Geeignete wählt. Dies kann in

der komplexen Situation für den Angehörigen

hilfreich sein und in der Institution

zur Konfliktvermeidung und besseren Integration

der Angehörigen als Ressource

beitragen. Dabei sollten sowohl psychoedukative

Massnahmen wie auch psychosoziale

Unterstützung und die Möglichkeit

zur aktiven Beteiligung ins Auge gefasst

werden. Wenn bei der Umsetzung

dann besonderer Wert auf die Schulung

und Begleitung der MitarbeiterInnen aller

Dienstbereiche gelegt wird, erst dann

kann aus einer Begegnung mit Angehörigen

eine Arbeit für, mit und an Angehörigen

werden.

Oft sieht das Personal das Leben im Heim als Alternative zum Leben zu Hause.

(Schwartz & Vogel, 1990, Vinton & Mazza,

1994) lassen ebenfalls Konflikte entstehen.

Oft sehen die Pflegenden das Leben im

Heim als echte Alternative zum Leben zu

Hause und wollen damit alle Verantwortlichkeiten

unausgesprochen übernehmen –

auch die, die Angehörige weiterhin bei sich

selbst sehen (vgl. Pillemer et al. 1998). Es

fehlt das Bewusstsein dafür, dass die emotionale

Beziehung zwischen Heimbewohner

und Angehörigen von keiner Institution

ersetzt werden kann. Konkurrenzprobleme

können dann die Folge sein. Wer kennt den

zu Betreuenden besser und weiss genauer,

was ihm jetzt gut täte? Diskussionen, die

schliesslich in mangelndem Vertrauen oder

gar Misstrauen auf beiden Seiten enden.

Unzufriedenheit mit der Qualität und

Angemessenheit der Pflege auf Seiten der

Angehörigen lassen auch häufig Kontroversen

entstehen. Immer dann wenn Angehörige

ihre Erwartungen in Bezug auf die

Betreuung nicht erfüllt sehen, können

Spannungen folgen (Vinton & Mazza,

1994). Konflikthafte Beziehungen haben

oftmals auch ihren Ursprung in mangelhafter

Information übereinander. Sich gegenseitig

zu informieren, trägt zur Entwicklung

von Verständnis für die anderen bei.

Ganz sicher gibt es verschiedenste

Gründe und Ursachen für Schwierigkeiten

und Konflikte im Umgang mit Angehörigen

die eine gute Kooperation erschweren.

Wichtig scheint an dieser Stelle das Bewusstsein

dafür, dass es wohl in den seltensten

Fällen nur eine Ursache gibt. Es braucht

also das Wissen um die vielen Möglichkeiten

und eine gute Diagnostik, um die Quelle

für die aktuellen Spannungen benennen und

gegebenenfalls zum Wohle aller Beteiligten

auch bearbeiten zu können.

Angehörigenarbeit mit und für

Angehörige

Die vorangegangenen Ausführungen machen

deutlich, dass etwas zur Integration

von Angehörigen getan werden muss, wenn

die Qualität der Betreuung und das Wohl

der anvertrauten Menschen ein wichtiges

Ziel ist.

In der Praxis zeigt sich, dass nicht

einzelne Massnahmen wichtig sind, sondern

dass es grundsätzlich der Kompetenz,

auf die Vielfalt von Anliegen und

über die

autorin

Bettina Ugolini, geb. 1962, ist diplomierte

Pflegefachfrau und Diplompsychologin

und leitet seit zehn Jahren am

Zentrum für Gerontologie der Universität

Zürich die psychologische Beratungsstelle

LiA, Leben im Alter. Ausserdem

ist sie in verschiedenen Fort- und

Weiterbildungen innerhalb und ausserhalb

der Universität tätig. Sie ist Autorin

der Bücher «Ich kann doch nicht immer

für Dich da sein» und «Wegweiser Alter».

Sie verfasste zusammen mit Christoph

Held das Kapitel «Mit Angehörigen

von Demenzkranken über dissoziatives

Geschehen sprechen».

10 ALTA VISTA mai 2017 Fokus Heim – Angehörige – Bewohner


Was Gene mit Migräne

zu tun haben

Was verursacht Migräne? Die Gene. Zumindest teilweise. Forscher haben das

Erbgut als Risikofaktor für die Entstehung der Kopfschmerzen entdeckt.

Experten hoffen nun auf neue Behandlungsansätze.

Von Peter Empl

E

in internationales Forscherteam

hat neue genetische Risikofaktoren

für Migräne entdeckt

– und erhofft sich davon

gezieltere Behandlungsansätze.

Die Wissenschaftler identifizierten

fünf neue Genregionen, die für die Entstehung

der Krankheit mitverantwortlich

sein sollen. Die Studie, die im Fachmagazin

«Nature Genetics» präsentiert wird,

stützt sich auf die Untersuchung von über

100 000 Probanden. Etwa 14 Prozent der

Erwachsenen leiden den Angaben zufolge

unter Migräne. Migräneattacken können

etwa mit starker Übelkeit und Erbrechen

einhergehen.

«Die Gene seien für die Steuerung

von Nervenbotenstoffen und der Nervenregulation

im Gehirn funktionell bedeutsam»,

sagte Mitautor Hartmut Göbel vom

Migräne- und Kopfschmerzzentrum der

Schmerzklinik Kiel. «Auf dieser Grundlage

kann nun gezielt die Entwicklung neuer

Behandlungsmethoden erfolgen, die präzise

in die Entstehungsmechanismen der Migräne

eingreifen.»

Die rund 100 beteiligten Forscher

analysierten Daten von 29 Genom-Studien

mit 23 285 Migränepatienten und 95 425

Kontrollpersonen. Es handelt sich nach Angaben

der Wissenschaftler um die bisher

weltweit umfangreichste Studie zu genetischen

Faktoren von Migräne.

Erbgut bis zu 30 Prozent für

Migräne verantwortlich

«Die zuvor entdeckten genetischen Ursachen

könnten etwa 20 bis 30 Prozent des

Erkrankungsrisikos erklären», sagte der

Präsident der Deutschen Migräne- und

Kopfschmerzgesellschaft, Andreas Straube,

der Nachrichtenagentur DPA. Anders als

das Gehirn eines gesunden Menschen reagiere

das eines Migränepatienten viel intensiver

auf äussere Reize. Es stehe ständig

unter Hochspannung und könne Schmerzreize

nicht mehr ausreichend filtern.

Zusammen mit den fünf nun entdeckten

Ursachen beschreiben die Forscher in

ihrer Studie insgesamt zwölf Regionen im

Erbgut von Migränepatienten, die für das

Erkrankungsrisiko mitverantwortlich sind.

Acht der Regionen wurden den Angaben

zufolge in der Nähe von Genen entdeckt,

die bei der Kontrolle von Hirnschaltkreisen

eine Rolle spielen. Zwei Regionen seien für

die Aufrechterhaltung der normalen Hirnund

Nervenzellfunktion verantwortlich.

Die Steuerung dieser Schaltkreise sei bedeutsam

für das genetische Risiko, an Migräne

zu erkranken, berichtet die Schmerzklinik

Kiel.

«Eine besondere Herausforderung

wird nun darin bestehen, im Detail aufzuklären,

welche molekularen Mechanismen

dieser genetischen Veranlagung tatsächlich

zugrunde liegen», erklärte Mitautor Christian

Kubisch vom Ulmer Institut für Humangenetik.

Dann könnten neue und gezieltere

Behandlungsansätze entwickelt werden.

Thema Migräne mai 2017 ALTA VISTA 11


Gesehen & gehört

Babys schreien von Land zu Land unterschiedlich viel

Der Analyse zufolge lärmen im Mittel

Babys in Grossbritannien, Italien, Kanada

und den Niederlanden mehr als

die in Dänemark, Deutschland und Japan.

Zu diesem Schluss kommt der

Psychologe Dieter Wolke von der Universität

Warwick nah der Analyse von

Daten zum Schreiverhalten von fast

8700 Kindern neun Ländern. In

Deutschland sind es den berücksichtigten

Daten zufolge bei einem ein bis

zwei Wochen alten Baby im Mittel 69

Minuten täglich und bei einem drei bis

vier Wochen alten Kind 81 Minuten.

Für kanadische Babys wurde für

das Alter von drei bis vier Wochen ein

Mittelwert von 150 Minuten erfasst,

ebenso für die Niederlande. Zur

Schweiz lagen den Forschenden keine

Daten vor.

Das Ergebnis zu den Länderunterschieden

sei mit Vorsicht zu betrachten,

erklärte Sibylle Koletzko

vom Dr. Haunerschen Kinderspital

der Ludwig-Maximilians-Universität

(LMU) München. Die Methoden und Tagebücher,

um Schreien aufzuzeichnen,

seien sehr unterschiedlich, erklärte

die Expertin, die nicht an der Studie

beteiligt war.

Zudem sei die Wahrnehmung von

Müttern sehr subjektiv: Es sei vom

kulturellen Kontext geprägt, was

noch als normal angesehen werde.

«Das macht es schwierig, wenn Studien

mit verschiedenen Erhebungsinstrumenten verglichen

werden.»

Für die eigene Psyche sei es für Eltern wichtig zu wissen,

wie viel ein normales Baby schreit, erklärte Wolke.

Selbst in Geburtsvorbereitungskursen werde darauf leider

kaum eingegangen. «Eltern sind oft nicht darauf vorbereitet,

wie viel Säuglinge in den ersten drei Monaten schreien

oder wimmern», sagte Wolke.

Die individuellen Unterschiede seien dabei enorm – in

den Untersuchungen seien sowohl Babys mit nur einer

halben Stunde Schreien und Quengeln am Tag erfasst –

aber auch solche mit insgesamt fünf Stunden. Manchmal

sind Eltern schreiender Babys so überfordert, dass sie

schwere Fehler machen. Eine ganz wichtige Information

sei, dass in über 85 Prozent der Fälle eines Schüttelsyndroms

exzessives Schreien der Auslöser für das Schütteln

war, erklärte Wolke.

Bei etwa 30 von 100 000 Babys komme es Studien zufolge

wegen heftigen Schüttelns zur Spitaleinlieferung,

meist gebe es schwerwiegende Folgen wie den Tod oder

eine Behinderung des Kindes. «Daher sollten Sorgen von

Eltern hinsichtlich des Schreiens ernstgenommen werden.»

(Red/SDA) (Red./SDA/DPA)

12 ALTA VISTA mai 2017 News gesehen & Gehört


Nierenleiden: Forscher besorgt über hohe Zahlen

Forscher schlagen aufgrund der hohen globalen Raten bei

Nierenerkrankungen Alarm. Weltweit würden Regierungen

zu wenig gegen die stille «Epidemie» unternehmen, hiess es

in einem in Mexiko-Stadt veröffentlichten Bericht der Internationalen

Gesellschaft für Nierenheilkunde (ISN). Dabei

sind den Angaben zufolge zehn Prozent der Weltbevölkerung

an einer chronischen Niereninsuffizienz erkrankt.

Neun von zehn Betroffenen wüssten aber gar nichts davon.

In der Schweiz leiden dem Bericht zufolge mehr als 15 Pro-

zent der Erwachsenen an einer chronischen Niereninsuffizienz.

Diese Angabe geht allerdings auf eine Studie aus dem

Jahr 2009 zurück. In Deutschland sind es 17 Prozent und

in den USA sind es etwas weniger: 14 Prozent. Risikofaktoren

sind Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht und Rauchen.

Bei der chronischen Niereninsuffizienz verlieren die

Nieren ihre Fähigkeit, Giftstoffe aus dem Körper zu filtern

sowie den Flüssigkeitshaushalt und den Säuregehalt des

Blutes zu regulieren.

Kann Muttermilch Gehirntumore

absterben lassen?

Ein Eiweissmolekül in der Muttermilch ermöglicht bei Säuglingen

die natürliche Immunabwehr. Forscher haben dieses

Abwehr-Peptid so verstärkt und umgebaut, dass seine Varianten

in Studie mit Mäusen auch Krebszellen aufspüren und

den programmierten Zelltod auslösen können. Muttermilch

versorgt Neugeborene nicht nur mit Nährstoffen, sondern

auch mit einer starken antimikrobiellen Abwehr. Teil dieses

angeborenen Immunsystems ist das Peptid Lactoferricin.

Es kann der Abwehr von Bakterien und Pilzen dienen, indem

sich das positiv geladene Molekül gegen die Membranhülle

körperfremder Zellen richtet und diese zerstört.

In einem früheren Forschungsprojekt hat das Forscherteam

um Dagmar Zweytick von der Universität Graz

erkannt, dass das natürliche Immunabwehrpeptid aufgrund

seiner positiven Ladung auch von einem negativ geladenen

Phospholipid (Phosphatidylserin, PS) an der Oberfläche von

Krebszellen und deren Metastasen angezogen wird.

Wird die Krankheit nicht behandelt, kann es zu einem

tödlichen Nierenversagen kommen. Pro Jahr sterben weltweit

etwa eine Million Menschen an Nierenversagen. «Im

Anfangsstadium können Patienten mit blutdrucksenkenden

Medikamenten und einer Diät behandelt werden», sagte

ISN-Präsidentin Adeera Levin. «Deshalb ist es wichtig, dass

alle Länder mehr für Früherkennung und Behandlung tun.»

Kommt es zum Nierenversagen, sind teure Dialysebehandlungen

oder Transplantationen nötig. Obwohl in reichen

Staaten die Kosten für Dialyse und Transplantation besonders

hoch sind, haben lediglich 29 Prozent dieser Länder

den Kampf gegen Nierenerkrankungen zu einer Priorität

erklärt, schreiben die Autoren des Berichts. Dagegen sehen

59 Prozent der ärmeren Länder in den Erkrankungen ein

ernstzunehmendes Problem. Experten empfehlen vor allem

eine frühe Diagnose. «Mangelndes Bewusstsein für

Nierenerkrankungen unter Patienten und Ärzten sowie fast

keine Symptome im Frühstadium führen dazu, dass die Nierenfunktion

bereits stark eingeschränkt ist, wenn erste Beschwerden

auftreten», sagte Medizinprofessor David Johnson

von der Universität Queensland in Australien. «Deshalb

empfehlen wir Menschen aus den Risikogruppen, ihren

Hausarzt um eine Nierenuntersuchung zu bitten. Man

braucht nur einfache Blut- und Urintests und eine Blutdruckmessung.»

(Red. / SDA)

News gesehen & Gehört mai 2017 ALTA VISTA 13


Psychisch krank –

warum professionelle

Hilfe oft zu spät kommt

Psychische Störungen gehören zum Arbeitsalltag, sie betreffen rund 20 Prozent

der Mitarbeitenden. Häufig werden Probleme jedoch zu spät erkannt. Ein grundlegendes

Umdenken ist nötig, so das Ergebnis der Studie «Der tägliche Wahnsinn».

Peter Stöckli mit Material der SDA

P

sychische Krankheiten verursachen

nicht nur hohe Kosten

durch eingeschränkte Leistungsfähigkeit,

Krankschreibungen

oder Arbeitsunfähigkeit,

sie sind auch belastend für alle

Beteiligten. Trotzdem sind sie in vielen

Unternehmen kaum ein Thema, wie eine

repräsentativen Studie der Psychiatrie Baselland

und der Hochschule Luzern zeigt.

Ziel der Untersuchung war es, die besonderen

Probleme in der Führung von psychisch

auffälligen Mitarbeitenden besser zu verstehen

und mögliche Lösungen zu identifizieren.

Um anschauliche Daten für das unsichtbare

Problem zu sammeln, wurden

Führungskräfte gebeten, sich an einen konkreten

Fall zu erinnern und sich die erlebten

Probleme als Film vorzustellen.

Drama mit Fortsetzung

Über 80 Prozent der Befragten bewerteten

die Geschichte als «Drama» und meistens

sogar als «Serie». Bei einem Drittel handelte

es sich um einen «Stummfilm». «Das ist

ein grundlegendes Problem: Es wird nicht

darüber geredet», sagte Niklas Baer, Studienautor

und Leiter der Fachstelle Psychiatrische

Rehabilitation der Psychiatrie Baselland

bei der Vorstellung der Studie. Ist die

Situation erst eskaliert, wird sie als extrem

belastend erlebt, sowohl für den Chef als

auch für das Team. Hauptleidtragende sind

jedoch die betroffenen Mitarbeitenden

selbst. Bei rund 80 Prozent wird das Arbeitsverhältnis

aufgelöst; das wäre laut Studie

weniger der Fall, wenn die Schwierigkeiten

früher und offener angesprochen

würden. Doch die wenigsten Chefs sind

jemals im Umgang mit psychischen Problemsituationen

geschult worden, sie sind

darauf nicht vorbereitet. Persönlichkeitsstörungen,

die sich beispielsweise in unangepasstem

Verhalten äussern, in Zwanghaftigkeit,

Narzissmus oder Ängstlichkeit

werden oft gar nicht als Krankheit erkannt.

Was daher als Problembeginn beschrieben

wird mit eklatanten Konflikten,

Drohungen, Leistungsabfällen, Trunkenheit,

Weinkrämpfen oder Krankschreibungen

ist in Wirklichkeit eine Eskalation,

die bereits eine lange Vorgeschichte

hat. «Dass psychische Auffälligkeiten erst

im akuten Stadium zu Reaktionen führen,

reduziert die Chancen für einen guten

Verlauf erfahrungsgemäss entscheidend»,

heisst es in der Studie.

Reden oder schweigen

90 Prozent der Vorgesetzten gaben an, es

würde ihnen helfen, wenn ein Mitarbeitender

seine psychischen Probleme offenlegte. Doch

gleichzeitig sagen 60 Prozent, sie würden einen

Mitarbeiter, der im Bewerbungsgespräch

psychische Probleme erwähnt, gar nicht anstellen.

Es entsteht also ein Dilemma: Wer

sich outet, wird vielleicht entlassen. Werden

Probleme verschwiegen, können sie nicht gelöst

werden.

Die Haltung, Personen mit einer psychischen

Störung nicht anstellen zu wollen, sei

irrational, heisst es in der Studie. Das zeige

die Praxis: Es arbeiten so viele Menschen mit

psychischen Problemen, dass die Wirtschaft

ohne sie gar nicht funktionieren würde.

14 ALTA VISTA mai 2017 Studie Der tägliche Wahnsinn


Aus dem Leben einer

Krankenschwester in

früherer Zeit

Kaum ein Beruf hat sich in den letzten Jahrzehnten so gewandelt wie

derjenige der dipl. Pflegefachfrau HF. Früher – vor 40 Jahren – gab es

schlicht «die Krankenschwester».

Schwester Mathilde

Pflegeberufe im Wandel Die Krankenschwester mai 2017 ALTA VISTA 15


Schwester Mathilde 1959 in der Ausbilung.

W

ie beeindruckend war

doch das Spital, als ich

vier Jahre alt war. Mein

Vater musste damals

eingewiesen werden wegen

eines schweren Unfalls. Beim ersten

Besuch kam ich aus dem Staunen nicht

mehr heraus. Die weissgekleideten Frauen

und Männer – die waren für mich alle Engel

– deren Arbeit ich nicht verstand. Die

Besuche vermittelten mir einen unvergesslichen

Eindruck. Das wollte ich später auch

einmal sein – so ein schöner, weisser Engel.

Mein Vater starb später trotz dieser weisser

Engel. Trotzdem konnte mich nichts zurückhalten

– Krankenschwester wollte ich

werden. Fragte mich später jemand nach

meinem Berufswunsch, kam laut und deutlich

und mit strahlenden Augen nur die

Antwort: Krankenschwester.

Bis ich altersmässig soweit war, das

18. Altersjahr musste erfüllt sein, waren

weitere Vorgaben zu erfüllen: Abgeschlossene

Sekundarschule, Haushaltslehrjahr,

eine zweite Landessprache erlernt

und – natürlich – ein guter Leumund.

Es stand somit eine lange Wartezeit bevor,

die ich aber durch Tätigkeiten im Haushalt

und in sozialen Institutionen sinnvoll

überbrücken konnte.

Es kam der Tag des Eintritts. Beim

Bewerbungsgespräch wollte die Schulleiterin

wissen, warum Krankenschwester mein

Traumberuf sei. Meine Antwort auf diese

Frage weiss ich nicht mehr. Sicher gab ich

mein Geheimnis nicht preis, als Vierjährige

die Krankenschwestern als Engel erlebt

zu haben. Die Krankenpflegeschule wurde

damals von Ordensschwestern geleitet. Sie

gehörten einem Frauenorden an, mit dem

Hauptsitz in Besançon. Ihr Ordenskleid

war beeindruckend. Die Hauben waren

gross und sicher etwas unpraktisch.

Mein Einzug in die Krankenschwesternschule

prägte mich zeitlebens. Es war

ein Ankommen in einer anderen, aber

schönen Welt. Der Ausbildungsort, ein

Neubau, erschien mir als luxuriös. Es gab

aber auch den Eindruck eines Internats mit

strengen Regeln: Keinen Männerbesuch,

Rauchverbot, Radio- und Fernsehverbot im

Zimmer, eingeschränkter und nicht gerne

gesehener Ausgang – viel lernen war das

Ziel unserer Ausbildung. Um fernsehen zu

können, stand ein Apparat im Aufenthaltsraum

zur Verfügung. Meine Freude wurde

auch durch die rigiden Kleidervorschriften

getrübt. Selbstverständlich waren die vom

Spital zur Verfügung gestellten weissen

Berufskleider zu tragen, mit dem Häubchen.

Nur vorne durfte ein Streifen Haar zu

sehen ein. Der Streifen wurde bei mir allmählich

breiter, aber nur für kurze Zeit,

denn wir wurden ständig überwacht.

Warum hatten die Röcke bis zur Wade zu

reichen – zu gleicher Zeit waren modische

Miniröcke gefragt. Die Schuhe hatten

schwarz zu sein, mit drei bis vier cm hohem

Absatz. Sicher gut gemeint für langes Stehen

und Gehen. Heute lache ich über diese

Äusserlichkeiten, aber ich habe auch ein

gewisses Verständnis für die damaligen

Vorschriften.

In der Ausbildung hatten

wir nur freie Kost

und Logis, keinen Lohn.

Der Start im Spital begann mit der

Übergabe des Namensschildchens: Sr.

Mathilde. Die Abteilung leitete eine Ordensschwester.

Zum Team gehörten auch

Mitschwestern, die bereits im zweiten und

dritten Lehrjahr waren. Es herrschte eine

gute, aber strenge Atmosphäre. Wir hatten

es auch lustig. Die grossen Hauben der Ordensschwestern

führten hin und wieder zu

einem Missgeschick, das wir mit Schmunzeln

beobachten konnten. So verlor eine

Ordensschwester bei einem schmalen

Durchgang ihre Kopfbedeckung, was Verlegenheit

und Nervosität zur Folge hatte.

Wir hofften insgeheim auf die Wiederholung

solcher Vorfälle.

Zum Glück wurde ich an meinem ersten

Arbeitstag nicht von einem Todesfall

betroffen. Pro Woche hatten wir zwei Tage

lang die Schule zu besuchen. Die übrige

Arbeitszeit verbrachten wir auf der Abteilung.

Nach 1½ Jahren war eine mündlich

Zwischenprüfung zu bestehen. Eine spezielle

Vorbereitung war nicht möglich, der

Bereich der möglichen Fragen betraf den

gesamten menschlichen Körper. Für mich

hatte das fünfköpfige Befragungsteam

Fragen zum Magen-Darm-Trakt vorgesehen.

Das Ergebnis: Zwischenprüfung gut

bestanden.

Nach der Zwischenprüfung war ein

halbjähriges Praktikum in einem anderen,

grossen Spital zu absolvieren. Ich

wählte das hôpital de la Providence in

Neuenburg aus. Ich erlebte den Wechsel

als Bereicherung in fachlicher und

menschlicher Hinsicht.

Im dritten und letzten Lehrjahr hatten

wir weitere Abteilungen kennen zu

lernen: Gebärstation mit Gebärsaal, Augenklinik,

Infektionsabteilung, Operationssaal.

Wir bekamen ein gutes Rüstzeug,

um später eine Abteilung führen zu können.

Die bestandene Abschlussprüfung

war die Krönung meiner vielseitigen und

interessanten Ausbildung.

Die Wahl des Schwesternberufes war

nicht verbunden mit der Hoffnung, viel

Geld zu verdienen. Im ersten und zweiten

Lehrjahr hatten wir nur freie Kost und Logis,

keinen Lohn. Im dritten Lehrjahr erhielten

wir CHF 60.– pro Monat. Wir bekamen

hin und wieder ein Trinkgeld, vor

allem in der Wöchnerinnen-Abteilung. So

war die Tätigkeit in dieser Abteilung besonders

begehrt.

Nach der Lehrabschlussprüfung war

ein sogenanntes Pflichtjahr zu absolvieren.

Zur Auswahl standen fünf verschiedene

Spitäler. Ich entschied mich für die Kinderinfektions-Station

am Lernort.

Und dann, nach vier Jahren Ausbildung,

begann das Leben ohne, manchmal

enge, Vorschriften. Ich war immer neugierig

auf «das Leben». Mein Ziel war die Arbeit

in Spitälern in der französischen und

italienischen Schweiz. Später besuchte ich

die Fürsorgerinnenschule, nach dem Abschluss

arbeitete ich aber nie auf diesem

Gebiet. Ich blieb eine überzeugte Krankenschwester

aus Berufung.

16 ALTA VISTA mai 2017 Pflegeberufe im Wandel Die Krankenschwester


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Sprach- und

andere Barrieren

Migranten gehen seltener zum Arzt als Einheimische. Und das, obwohl sie

sich im Durchschnitt weniger gesund fühlen. Markant mehr Migranten als

Schweizer leiden zudem an Depressionen.

Michael Rüegg

18 ALTA VISTA mai 2017 Thema Gesundheit und Migrationsbürger


Migratinnen und Migranten suchen bei Depressionen selten professionelle Hilfe auf.

S

ie bilden keine homogene

Gruppe, die Migrantinnen

und Migranten in der Schweiz.

Sieht man allerdings von der

in den letzten Jahren stetig

gewachsenen Gruppe der gut ausgebildeten

EU-Bürger ab, zeigen sich Gemeinsamkeiten.

So hat der überwiegende Teil

der Ausländerinnen und Ausländer ein

geringeres Bildungs- und Einkommensniveau

als der Bevölkerungsdurchschnitt.

«Sie sind damit öfter von Armut und

Arbeitslosigkeit betroffen», sagt Karin

Gasser von der Sektion Gesundheitliche

Chancengleichheit im Bundesamt für Gesundheit

(BAG). Das Bundesamt gab eine

Studie zur Inanspruchnahme Gesundheitsleistungen

durch Migrantinnen und

Migranten in Auftrag, die 2013 erschien.

Die daraus gewonnenen Erkenntnisse

sind unterschiedlich: So gehen Migrantinnen

etwas häufiger zum Frauenarzt als

Schweizerinnen. Der Grund scheint allerdings

in der höheren Geburtenrate zu liegen.

Ältere Frauen aus dem Kosovo hingegen

haben weniger Konsultationen beim

Gynäkologen. Tatsächlich variieren die

Unterschiede je nach Herkunft der Menschen.

Einige der Nationalitäten weisen

zudem eine höhere Anzahl von Depressionsfällen

auf, etwa Portugal, die Türkei,

Somalia und Sri Lanka. Generell scheinen

Migranten eher anfällig für Depressionen

Generell scheinen

Migranten eher anfällig

für Depressionen zu sein.

zu sein – auch Umfragen in anderen Ländern

stützen diese Empfindung. Entwurzelung,

Heimweh und die physische Distanz

zu Familienmitglieder im Ursprungsland

schlagen vor allem im Alter auf die Psyche.

Kommt hinzu, dass Migranten – wie erwähnt

– häufiger tieferen Einkommensschichten

angehören. «Wer unter prekären

materiellen Bedingungen leben muss, ist in

der Regel auch gesundheitlich benachteiligt»,

weiss BAG-Mitarbeiterin Karin

Gasser: «Gesundheitliche Ungleichheiten

widerspiegeln in hohem Mass soziale

Ungleichheiten.» Davon betroffen seien

laut Gasser überdurchschnittlich Frauen,

vor allem Migrantinnen.

Ein Unterschied zwischen Schweizern

und Migranten zeigt sich in der Häufigkeit

von Arztbesuchen. Gemäss der

BAG-Studie konsultierten im untersuchten

Zeitraum von zwölf Monaten 78,6 Prozent

der Schweizer einen Arzt– aber bloss 67,2

Prozent der Migranten. Eine gewichtige

Rolle dürften dabei die Finanzen spielen:

Franchisen sind für Haushalte mit geringem

Einkommen ein Grund, auf den Arztbesuch

zu verzichten. Wer von weniger als

3000 Franken lebt, lässt sich gemäss Statistik

seltener behandeln. Karin Gasser spricht

von «Zugangsbarrieren zu den Leistungen

des Gesundheitssystems».

Unbehandelte Krankheiten erhöhen

das Risiko, später hospitalisiert zu werden.

Doch was ist mit den Krankenhäusern,

die gelegentlich über ausländischstämmige

Patienten klagen, die wegen

Lappalien den Notfall aufsuchen? Tatsächlich

überspringen Menschen mit Migrationshintergrund

eher mal den Hausarzt

und lassen sich direkt auf der Notfallstation

des Spitals behandeln. Beatrice Huth

betreibt seit vielen Jahren eine Hausarztpraxis

in Basel Stadt, sie kennt das Phänomen:

«Ich denke, es sind vor allem diejenigen

Leute, die noch nicht so lange in der

Schweiz sind, sicher aber keine Mitteleuropäer.»

Auch Karin Gasser vom BAG

glaubt, dass mangelnde Kenntnisse unseres

Gesundheitssystems einer der Hauptgründe

für den direkten Gang ins Spital

ist. Doch sie sieht noch weitere: «Die

leichte Zugänglichkeit und die langen Öffnungszeiten

der Notfallstationen. Sie

ermöglichen es, auch ausserhalb der

Arbeitszeit und ohne telefonische Voranmeldung

medizinisch versorgt zu werden.»

Zudem seien Dolmetscher im Spital eher

verfügbar als beim Hausarzt. ➔

Thema Gesundheit und Migrationsbürger mai 2017 ALTA VISTA 19


Für viele Migrantinnen und Migranten ist der Zugang zu den Leistungen im Schweizer Gesundheitssystem schwierig.

Sprachbarrieren kennt auch Beatrice

Huth. Dem schlechten Informationsstand

über die hiesige medizinische Versorgung

steht ihrer Meinung nach allerdings das

Wissen um dessen hohe Qualität gegenüber.

So berichtet Huth von einzelnen Fällen,

in denen Migranten beim Arztbesuch

hohe Ansprüche stellen: «Ich hatte schon

Patienten, die kaum Deutsch sprachen.

Aber sie kamen mit einem Zettel in der

Hand, auf dem stand, dass sie ein MRI wollen.»

In solchen Fällen helfe meist nur das

Gespräch: «Die Ursachen für Kopfschmerzen

lassen sich ja in der Regel mit anderen

Mitteln feststellen.» Spitäler ziehen in solchen

Fällen zum Teil interkulturelle Dolmetscher

hinzu. Der Bund unterstützt gemäss

Karin Gasser den Wissenstransfer

zwischen Spitälern mittels des Netzwerks

«Swiss Hospitals for Equality». Das BAG

hat auch einen Telefondolmetscherdienst

aufgebaut und finanziert die Internetplattform

migesplus.ch des Schweizerischen

Roten Kreuzes mit. Diese bietet Informationen

zum Gesundheitssystem in zahlreichen

Sprachen an.

Einige der Migrantengruppen fühlen

sich laut der BAG-Studie weniger gesund

als Schweizer. Spüren dies auch die Ärzte?

Beatrice Huth hat in ihrer langjährigen

Tätigkeit keine signifikanten Unterschiede

zwischen den hier und woanders Geborenen

festgestellt: «Meine ausländischen

Patienten sind nicht kränker als die

Schweizer – mit Ausnahme von traumatisierten

Flüchtlinge.» Sie bilden eine besondere

Migrantengruppe, leiden häufig

unter den Folgen ihrer Erlebnisse – was

auf die psychische Gesundheit schlägt.

«Und psychische Probleme äussern sich

irgendwann körperlich, wenn ein Trauma

unbehandelt bleibt», so Huth. Ihrer Meinung

nach landen zu wenige der Fälle bei

einem Traumatologen. Das Ambulatorium

Armut ist schlecht für

die Gesundheit.

für Folter und Kriegsopfer des Universitätsspitals

Zürich verwies in einem Vortrag

auf eine Studie an über 80 000 Flüchtlingen

aus 40 Ländern. Bei je rund 30

Prozent der Untersuchten wurden posttraumatische

Belastungsstörungen und

Depressionen diagnostiziert. Von den in

Zürich behandelten traumatisierten

Flüchtlingen gaben über 70 Prozent der

Befragten an, dass sie unter Isolation litten,

in Gefangenschaft waren, Kampfsituationen

oder Gewalt ausgesetzt oder dem

Tod nah waren. Die Folge sind oft langwierige

Behandlungen – und körperliche

Beschwerden.

Fassen wir zusammen: Wer einer tieferen

Gesellschaftsschicht angehört, hat

auch in der Schweiz trotz Prämienverbilligung

bei der obligatorischen Krankenversicherung

einen weniger guten Zugang zu

Leistungen im Gesundheitswesen. Oder

etwas simpel ausgedrückt: Armut ist

schlecht für die Gesundheit. Zudem hängt

wesentlich von den Lebensumständen eines

Menschen ab, wie gesundheitsschädigend

das Verhalten ist, das er an den Tag

legt. Bewusste Ernährung, regelmässige

Bewegung und ein ausgeglichener Lebensstil

sind für Menschen mit geringem Einkommen

schnell mal ein Luxus. Und

Suchtproblematiken sind bei armutsbetroffenen

Menschen alles andere als eine Seltenheit.

Kommt hinzu, dass schwere körperliche

Arbeit – die oft schlechter bezahlt

ist – eher zu späteren Gesundheitsproblemen

führt. Auch langjährige Arbeitslosigkeit

schlägt auf die Gesundheit.

Keine Frage: Eine solidarische Finanzierung

der Gesundheitskosten ist der

Grundpfeiler von Chancengleichheit. Will

man aber den Zugang zu medizinischen

Leistungen für Migranten und andere einkommensschwache

Gruppen verbessern,

ist sind nicht nur gesundheitspolitische,

sondern vor allem sozialpolitische Überlegungen

nötig. Ganz im Sinne der Erkenntnis,

dass nicht das Symptom, sondern seine

Ursache bekämpft werden muss.

20 ALTA VISTA mai 2017 Thema Gesundheit und Migrationsbürger


«Mit putzen alleine

ist es nicht getan»

Wo gehobelt wird, fallen Späne. Und diese werden – mindestens im Arbeitsumfeld – von

Profis beseitigt. Was aber, wenn es eben nicht einfach nur «Späne» sind und Sauberkeit

sogar über Leben und Tod entscheiden kann?

Publireportage

G

anze Sondersendungen wurden im nationalen Fernsehsender

SRF schon zum Thema «Hygiene in Spitälern»

gesendet. Sauberkeit und Hygiene in der Gesundheitsbranche

ist nicht nur Dauerthema in den Medien (Stichwort

«krankenhausresistente Keime») sondern auch für

das subjektive Empfinden des «sich Wohlfühlens». Unbestritten ist,

dass Sauberkeit kein leichtes Unterfangen ist – egal ob es sich um ein

grosses Spital handelt oder ein kleines Pflegezentrum, denn die Probleme

und Herausforderungen sind mehr oder minder dieselben.

Sinnvolle Desinfektionsmassnahmen gewährleisten einen entsprechenden

Hygienestandard, sämtliche Reinigungsarbeiten müssen

rücksichtsvoll vorgenommen werden, denn wenn man sich in pflegerischer

Obhut befindet, fühlt man sich meistens nicht besonders gut.

Bei grossen Institutionen gibt es Projektverantwortliche, meistens

wird die Reinigung von spezialisierten Firmen übernommen, in vielen

Fällen ist aber auch das Personal für einfachere Putzarbeiten verantwortlich.

Gesetzlich ist vieles im Bereich Reinigung in der

Schweiz nicht geregelt. «Ganz im Gegensatz zum europäischen Ausland»,

erklärt Metin Can. Er ist Inhaber der Reinigungsfirma Mc

Check GmbH. «Im Grunde genommen kann in der Schweiz einfach

jeder putzen, wenn er Lust dazu hat.» Die diffuse Rechtslage öffnet

denn auch Tür und Tor für dubiose Firmen. «Mit putzen alleine

ist es nicht getan. Bei jedem grösseren Betrieb braucht es erst

einmal ein klares Reinigungskonzept», erklärt Metin Can. Er

weiss, wovon er spricht. «Wir hatten beispielsweise schon Bäder,

in welchen ‹plötzlich› Legionellen aufgetreten sind. Durch entsprechendes

Eingreifen konnte dies verhindert werden, ohne dass

der ganze Betrieb längerfristig ausgefallen ist.

Metin Can ist zertifizierter Reinigungstechniker, seine Firma

Mc Check GmbH, ist spezialisiert auf die etwas anspruchsvolleren

Reinigungsarbeiten, wie sie beispielsweise in Altersund

Pflegeheimen, in Wohngruppen und kleineren Kliniken

anfallen. «Es geht ja gerade in diesen Betrieben nicht nur ums

Putzen alleine. Die Interaktion und der direkte Kontakt mit dem

Auftraggeber ist uns ebenfalls wichtig. Denn nur durch direktes

Feedback können wir uns stetig verbessern und auch wirklich

auf die speziellen Wünsche der Auftraggeber eingehen. Gerade

in den Wohngruppen ist zudem der freundliche, aber professionelle

Kontakt mit den Bewohnern wichtig», so Metin Can. Ebenfalls

gibt die Firma von Can eine Art «Starhilfe» im Sinne einer

Weiterbildung fürs bestehende Personal. «Wir bieten quasi Se-

minare an – also wir zeigen, wie richtige gereinigt wird. Je nach

Komplexität in mehreren Unterrichtsblöcken.»

Metin Can hat ein herzliches Auftreten und man spürt ihm

im Gespräch an, dass er seine Arbeit mit Leidenschaft tut. «Ich

möchte zeigen, dass das für viele Leute eher unangenehme Thema

‹Reinigung› durchaus auch Spass machen kann und gar nicht

so schrecklich ist, wie viele denken. Vor allem, wenn man es

richtig macht», so Can weiter. «Ich gebe diese positive Einstellung

aber auch an meine Mitarbeiter weiter, damit diese jeden

Tag zur Höchstform auflaufen.» Dazu gehört auch, dass diese

fortwährend geschult werden. «Ich habe einen Meisterbetrieb –

alleine dadurch verfüge ich über eine gesunde Portion Berufsstolz

und das wirkt sich letztendlich positiv auf die von uns erledigte

Arbeit aus.»

MC CHECK GmbH

Gebäudereinigung

Walzenhauserstrasse 9

9430 St. Margrethen

Mobil

+41 (0)77 482 76 65

Telefon

+41 (0)71 888 88 72

www.mccheck.ch

Reportage Altavista bei Mc Check mai 2017 ALTA VISTA 21


Zumutungen

L

eider kann die Medizin immer noch keine heilende oder auch nur krankheitsverzögernde

Therapie bei Demenz anbieten. Heute sind es die Pflege- und Sozialwissenschaften,

die wesentlich mehr zur Lebensqualität der demenzbetroffenen

Menschen beitragen als die Medizin. Früher, als es noch keine Geriatrie

und Gerontologie gab, war es in den Spitälern die Aufgabe der Assistenten,

jede Woche noch kurz auf den Langzeitabteilungen «hineinzuschauen». Der chirurgische

Kollege hatte mich gebeten, mich dort dann nicht allzu lange aufzuhalten, da wir zusammen,

– es war ein heisser Augustabend – in der nahegelegenen Badeanstalt zu schwimmen

beabsichtigten. «Fahre Du schon mal voraus», sagte ich zu ihm, «ich komme dann nach.»

Aber es sollte ganz anders kommen.

Das Stationszimmer auf der Langzeitabteilung war nicht besetzt und alle Zimmertüren

zum Gang standen offen. Ich hörte Rufe und Schreie aus fast allen Zimmern,

bis ich endlich die grüne Lampe über der Türe jenes Zimmers sah, in dem eine ältere

Schwester – obschon sie meine Mutter hätte sein können, begrüsste ich sie damals mit

dieser Anrede – einen halbnackten Mann vom Rollstuhl hob. Die Pflegefachfrau, die

übrigens aus einem Land stammte, das es heute auch nicht mehr gibt, nämlich aus der

Volksrepublik Jugoslawien, ging überhaupt nicht auf meine ärztlichen Routinefragen ein.

Sie befahl mir bloss: «Helfen Sie mir!» Gemeinsam hievten wir den abgemagerten

Patienten in sein Bett und lagerten ihn zur Nacht und wohl auch zum Sterben. Aus dem

Zimmer nebenan tönten «Hallo, hallo»-Rufe. «Meiner Kollegin wurde es schlecht und

ich bin allein», sagte die Schwester, «gehen Sie zu der Patientin nebenan.»

An den Stuhllehnen der Patienten hingen breite Gurte aus derbem Leinen mit Metallschnallen

und es gab Spritzen aus Glas zur intramuskulären Injektion, gefüllt zum Beispiel

mit Largactil, das die Unruhe der Patienten zum Verschwinden bringen sollte.

Im Zimmer nebenan hatte eine Patientin, deren Bauch sich unnatürlich vorwölbte, ihre

Beine über das Bettgitter gestreckt, das die Pflegende, um einen Sturz aus dem Bett zu verhindern,

hochgezogen hatte.

Die Pflegefachfrau war medizinisch gut ausgebildet. «Wir müssen diese Frau ausräumen»,

meinte sie kurz angebunden und blickte auf ihre Uhr, «auch wenn ich dazu

keine Zeit habe. Ziehen Sie sich diese Schürze an.» Sie reichte mir eine braune Gummischürze

und zwei gelbliche Gummihandschuhe und band sich selber diese Kleidung um,

bevor sie das Nachthemd der Patientin hochschob, sie mit meiner Hilfe zur Seite lagerte

und eine Plastikunterlage unter ihr Gesäss schob, dessen Haut rötlich schimmerte. «Es

sind harte Kotballen», unterrichtete sie mich, «die wir, wenn alle Abführmittel versagt

haben, mit dem gekrümmtem Zeigefinger hervorgrübeln müssen.» Der Stuhl war zu richtigen

Steinen geworden, die nun einer nach dem andern auf die Plastikunterlage rollten;

ein paar von ihnen kugelten vom Bett hinunter und plumpsten auf den gesprenkelten

Laminatboden.

Lange passierte nichts mehr und durch das geöffnete Fenster konnte ich Rufe und

Geschrei aus der Badeanstalt hören, in der der gut gebaute angehende Chirurg seinen Körper

sonnte. Schon wollte ich meine Hand wegziehen, als sich plötzlich ein ungeheurer

Strom einer tiefschwarzen und gleichförmigen Masse im Schwall auf die Plastikunterlage

ergoss. Es roch scharf. Mit stuhlverklebten Gummihandschuhen drückte ich auf die Klingel,

aber die jugoslawische Schwester erschien nicht mehr und mit dem Stuhlgang der Patientin

war es noch lange nicht vorbei. Immer, wenn ich wieder drückte, öffnete sich geräuschlos

ihr Anus und stiess weitere, unfassbar grosse Mengen heraus.

An den Namen des chirurgischen Kollegen erinnere ich mich nicht mehr, aber an ein

heftiges Gefühl der Zumutung, das ich an jenem Augustabend empfand, einer Zumutung

für diese Patientin, für die Pflegenden und

natürlich auch für die Angehörigen bei der

Krankheit Demenz, die in ihren fortgeschrittenen

Stadien alle Dimensionen des

Lebens so existentiell betrifft. Der Begriff

der Zumutung beschreibt eigentlich etwas

Unannehmbares, das aber dennoch ausgehalten

werden muss, oft durch eine mutige,

manchmal fast wagemutige Haltung der

Pflegenden und Angehörigen, auch heute

noch. Er beschreibt oft nichts anderes als

die Wahrheit. In der Grabinschrift der

Dichterin Ingeborg Bachmann steht: «Die

Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.»

Natürlich sind dort andere Zumutungen gemeint

als Demenz. Zumutungen schon für

den ungeborenen Menschen, für das Kind,

für den Adoleszenten in der Pubertät, für

den erwachsenen Menschen in der Zone

der Arbeit, der Vernunft, der Liebe, im

Kummer, in Krankheit, in der Tragik des

Alterns, übrigens auch ohne Demenz.

Kolumne

Dr. Christoph Held

Dr. Christoph Held, arbeitet als Heimarzt

und Gerontopsychiater beim

Geriatrischen Dienst der Stadt Zürich

sowie im Alterszentrum Doldertal.

22 ALTA VISTA mai 2017 Kolumne Dr. Christoph Held


Die Haut am Übergang

zur sonnigen Jahreszeit

Endlich ist der Frühling ist da, die Tage werden länger und die Sonne gewinnt wieder

an Kraft. Der Übergang von der sonnenarmen auf die sonnenreiche Jahreszeit kann

aber Probleme verursachen und birgt Gefahren für die Haut in sich.

Dr. Ingo Haase

Aktuell Haut & Sonne mai 2017 ALTA VISTA 23


Schon lange bekannt und dennoch halten sich viele nicht daran: Die Haut muss vor Sonneneinstrahlung geschützt werden!

A

lles neu macht der Mai- das

gilt teilweise auch für das

grösste Organ an der Grenzfläche

zwischen Körper und

Umwelt, die Haut. Ungefähr

zwei Quadratmeter misst die Oberfläche eines

Erwachsenen. Diese Oberfläche ist mit

dem Wechsel der Jahreszeiten den sich verändernden

Umweltbedingungen ausgesetzt

und muss sich auf diese einstellen. Die wohl

wichtigste Veränderung für die Haut beim

Übergang vom Winter zum Sommer ist die

Zunahme der Sonnenscheindauer und Sonnenintensität.

Wie schütze ich mich am besten

vor dem Stress, der dieser Übergang für

die Haut bedeutet?

Wenn die Tage länger werden und die

Temperaturen steigen, dann wirkt sich das

positiv auf unsere Stimmung aus. Wir

möchten wieder nach draussen und auf

überflüssige Kleidungsstücke verzichten.

Dabei setzen wir die Haut mehr ungeschützt

der Sonne aus. Doch gerade jetzt ist

die Haut meist stark sonnenentwöhnt und

nur wenig gebräunt; dies macht sie für die

nun an Stärke zunehmende Sonne besonders

empfindlich. Nicht immer sind wir uns

dieser erhöhten Sonnenempfindlichkeit bewusst

und deshalb kann es leicht passieren,

dass wir unserer Haut etwas zu viel an Sonnenschein

zumuten. Häufige Folge ist der

erste Sonnenbrand. Sonnenbrände entstehen

durch die Einwirkung des kurzwelligen

Anteils des ultravioletten Lichtes

(UVB) auf die ungeschützte Haut. UVB-

Licht wirkt vor allem auf die Zellen der

obersten Hautschicht und verursacht hier

Schäden in der Erbsubstanz (DNS) der

oberflächlich gelegenen Hautzellen. Bei

leichteren Schäden kommt es nach 3–5

Stunden zur Rötung der Haut. Bei starken

Schäden durch UVB- Licht kommt es zum

Absterben der obersten Hautzellen, was

Verbrennungen mit

Blasenbildung können

lebensgefährlich sein.

sich dann als Blasenbildung an der Haut

äussert. Verbrennungen von grossen Hautbezirken

mit Blasenbildung können lebensgefährlich

sein, weil sie die Barriere-Funktion

der Haut empfindlich schwächen und

dadurch Temperatur- und Wasserhaushalt

des Körpers stören sowie die Infektionsabwehr

der Haut ausser Kraft setzen.

Deshalb erfordern solche starken Sonnenbrände

die Behandlung in einem Verbrennungszentrum.

Doch nicht nur die spürbaren Sonnenbrände

mit starken Symptomen führen zu

einer Schädigung der Haut. Auch niedrige

UVB-Dosen, die zunächst keine starken Beschwerden

hervorrufen, zu Veränderungen

in der DNS der Hautzellen führen. Diese

UVB-Licht-induzierten Mutationen werden

nicht vollständig von den körpereigenen Reparaturmechanismen

rückgängig gemacht.

Sie akkumulieren daher von Mal zu Mal

und resultieren so über die Jahre in einem

deutlichen UVB-Schaden der Haut, der

dann zu Vorstufen von Hautkrebs oder direkt

zu Hautkrebs führen kann.

Die Bräunung oder Pigmentierung der

Haut, also die Ablagerung von Melanin in

den Zellen der obersten Hautschicht, schützt

normalerweise und wirkt dem Sonnenbrand

entgegen. Die Produktion von Melanin

durch die Pigmentzellen der Haut (Melanozyten)

wird vor allem durch den langwelligen

Anteil des ultravioletten Lichtes (UVA)

angeregt. Nach dem Winter gibt es nur wenig

Melanin in der Haut und darum auch

kaum Schutz vor UVB. Alle handelsüblichen

Sonnenschutzmittel enthalten Schutzfilter,

die das UVB-Licht vor dem Auftreffen

auf die Haut herausfiltern. Die Stärke des

Filters wird dabei durch den Sonnenschutzfaktor

angegeben.

Der langwellige Anteil des ultravioletten

Lichtes, UVA, stimuliert zwar die Bräunung

der Haut, dringt aber tiefer in die Haut

ein, als das UVB-Licht und ruft Verände-

24 ALTA VISTA mai 2017 Aktuell Haut & Sonne


Einfache Logik: Ein Schutz lässt die Sonnenstraheln abprallen, die UV-Strahlung kann so im Gewebe kaum Schaden anrichten.

rungen am Bindegewebe der Haut und am

elastischen Fasergerüst vor. Diese äussern

sich dann in vermehrter Faltenbildung und

beschleunigen damit den Alterungsprozess

der Haut. Moderne Sonnenschutzmittel enthalten

auch Schutzfilter für das UVA-Licht,

die die durch Sonnenlicht verursachte Hautalterung

bremsen, aber auch zu einer verminderten

Bräunung führen.

Sonnenschutzmittel sind Mittel, die

entweder chemische oder physikalische

Lichtschutzstoffe oder eine Kombination

aus beiden enthalten. Chemische Lichtschutzstoffe

sind organische Verbindungen,

die die auf die Hautoberfläche auftreffende

UV-Strahlung in Wärmestrahlung umwandeln.

Je nach Substanz werden entweder

mehr UVB- oder UVA-Strahlen gefiltert;

deshalb enthalten die meisten Sonnenschutzmittel

eine Kombination aus chemischen

Filtern. Chemische Sonnenschutzfilter

dringen in die oberste Hautschicht ein

und können dadurch Hautreizungen oder

Allergien auslösen. Allergien können auch

erst durch Sonnenlicht- bedingte Veränderungen

der Inhaltsstoffe von Lichtschutzmitteln

auf der Haut entstehen, ein Phänomen,

das unter dem Namen Mallorca-Akne

bekannt geworden ist.

Neben den chemischen Lichtschutzfiltern

gibt es die physikalischen Lichtschutzfilter,

die eine sonnenlichtreflektierende

Schicht auf der Hautoberfläche bilden. Sie

schützen sehr wirksam vor UVB- und UVA-

Licht und sind sehr gut verträglich. Ein

Nachteil dieser Sonnenschutzmittel ist, dass

sie einen sichtbaren weissen Schimmer auf

der Haut verursachen. Generell sollen Sonnenschutzmittel

nicht zu dünn und mindestens

30 Minuten vor Sonnenexposition auf

die Haut aufgetragen werden. Gerade am

Übergang zur sonnigen Jahreszeit führt die

Einwirkung von UVA-Licht auf die Haut bei

empfindlichen Menschen zu einer weiteren

bekannten Hautveränderung, der sogenannten

polymorphen Lichtdermatose. Die polymorphe

Lichtdermatose äussert sich, anders

als der Sonnenbrand, in stark juckenden

Schwellungen, Knötchen oder Bläschen auf

der Haut an lichtexponierten Stellen. Meist

treten diese Symptome Stunden bis Tage

nach einer relativ geringen Sonnendosis auf,

die nicht ausreichend ist, um Sonnenbrand

oder Bräunung hervorzurufen. Weil für die

Auslösung der Hautveränderungen nur geringe

UVA-Licht-Dosen ausreichend sind,

helfen Sonnenschutzmittel häufig nicht. Am

besten wirkt oft die vorbeugende langsame

Gewöhnung der Haut an das UV-Licht zu

Beginn des Frühjahrs durch langsam steigende

UVA-Exposition mit genauer Dosierung,

beispielsweise in einer medizinischen

UVA- Lichtkabine. Diese vorbeugende

Behandlung wird als «hardening» (= Abhärtung)

bezeichnet. Sind die sehr lästigen

Symptome einer polymorphen Lichtdermatose

einmal aufgetreten, bewirken entzündungshemmende

Cremes mit mittelstarken

oder starken Kortisonverbindungen als Inhaltsstoffe

eine Linderung bis zur vollständigen

Abheilung.

Dr. Ingo Haase ist als Hautarzt in der

Gemeinschaftspraxis «Hautspezialisten

am Glattpark» in Opfikon tätig. Er

ist ausserordentlicher Professor für

Dermatologie und Venerologie an der

Universität Köln. 2014 kam er als

Praxisnachfolger in die Schweiz. Spezialgebiete

sind die Behandlung entzündlicher

und Sonnenlicht-induzierter

Hautveränderungen.

www.hautspezialisten.ch

über DEN

autor

Aktuell Haut & Sonne mai 2017 ALTA VISTA 25


Innovatives Start-Up aus St. Urban

begeistert mit Innovationen

Das Gesundheitswesen lebt von Innovationen. Veränderte Bedürfnisse fordern

neue Lösungen, das hat sich vor ein paar Jahren auch Oliver Widmer gedacht – und

gründete sein eigenes Unternehmen mit einem einzigen Produkt.

Publireportage

D

ie Kulisse könnte aus einem Film stammen: Das Kloster

St. Urban ist eine ehemalige Zisterzienserabtei auf dem

Gebiet der Gemeinde Pfaffnau im Kanton Luzern, es

blüht und spriesst vor den eindrücklichen Klostermauern

und mitten im ehemaligen Kloster arbeitet Oliver

Widmer mit seinem Team. «Wir sind hier frisch eingezogen, daher ist

es noch etwas chaotisch», entschuldigt sich der 40-jährige Unternehmer.

Die Räumlichkeiten im alten Kloster sind modern, lichtdurchflutet

und enorm gross. «Platz haben wir genug, das stimmt», erklärt

Oliver Widmer. Das war früher nicht so: Vor etwas mehr als sechs

Jahren hatte er eine einfache, aber geniale Idee. «Meine Mutter arbeitete

in der Pflege, und das Thema ‹Zeit› spielte in jeder Beziehung

eine Rolle. Also kam ich auf die Idee, für sie eine praktische Uhr mit

einem Clip zu suchen. Kaum hat sie damals diese Uhr getragen, wollten

ihre Arbeitskolleginnen auch eine. Voilà: Die ‹Schwesternuhr›

war geboren.» Bald entstand der Wunsch nach mehr Farbe, auch hier

liess sich der Jungunternehmer etwas einfallen und bot verschiedene

Farbkombinationen an. Verschickt wurde alles von zu Hause aus – ein

«Garagenunternehmer» also, wie wer im Buche steht. Nur eben nicht

im IT-Bereich und nicht im Silicon Valley, sondern in der Innerschweiz.

«Die Schwesternuhr wurde ein Dauerbrenner und mit der

Zeit kamen immer neue Modelle und Varianten dazu, mittlerweile ist

die Uhr je nach Modell dann auch mit Gravur erhältlich und so ein

beliebtes Geschenk zur Lehrabschlussprüfung.»

Zauber-Kasacks!

Während des Gesprächs gehen immer wieder Bestellungen ein, auch

telefonisch. «Wir sind wohl eigentlich ein reiner Onlineanbieter, aber

dennoch haben viele Kunden das Bedürfnis, die Bestellung telefonisch

abzugeben. Oft werden wir aber auch nach Produktedetails

gefragt, beispielsweise bei unseren Kasacks.» Die Kleidung, welche

vor allem im Bereich der Pflege und Medizin zum Einsatz kommt,

hat Oliver Widmer noch nicht ganz so lange im Sortiment wie die

Schwesternuhr. Aber auch hier stand am Anfang die Evolution – die

Revolution erfolgt gerade in diesen Monaten. «Unsere Kasacks unterscheiden

sich massiv von der bisher gewohnten Berufskleidung.

Wir arbeiten mit einem extrem angenehmen Stoff, der sich auf der

Haut einfach super anfühlt.» Entscheidendes Detail: Die Kleidung ist

wasserabweisend und dennoch atmungsaktiv. Widmer demonstriert

das direkt vor Ort, indem er auf einen grünen Kasack ein Glas Wasser

giesst. Die Feuchtigkeit dringt nicht einmal ansatzweise durch

Flüssigkeit perlt auf den neuen Kasack einfach ab.

das Gewebe. Und was wie ein Zaubertrick aussieht, hat auch im täglichen

Berufsleben Vorteile. «Ich denke da an Flüssigkeiten, welche

Flecken hinterlassen können, welche auch bei hohen Waschtemperaturen

nur schwer aus dem Gewebe wieder herauszuwaschen sind.»

Spritzer wie sie bei Eiseninfusionen entstehen können, beispielsweise.

Warum hat man denn nicht längst in der Pflegebranche auf die

neuen Kasacks umgestellt? «In vielen Institutionen sind die Richtlinien

seit Jahren gegeben und können nur schwer geändert werden –

denn unsere Kasacks können nicht bei 95 Grad gewaschen werden.

Dies ist aber an vielen Orten nach wie vor Usanz», so Widmer. «Aber

wir haben mittlerweile schon ganze Abteilungen, die auf eigene

Rechnung bei uns bestellen – einfach, weil der Tragekomfort nicht

vergleichbar ist mit den Textilien, die bei 95 Grad gewaschen werden

müssen. Ausserdem ist der Preis ebenfalls sehr günstig.»

Von der Uhr über Textilien bis zu … was? «Mittlerweile bieten

wir auch ultraleichte Schuhe an. Und diverses anderes Zubehör. Als

Nischenmarktanbieter in der Schweiz müssen und wollen wir innovativ

bleiben. Das zeichnet uns aus, das hebt uns von der Masse ab.»

26 ALTA VISTA mai 2017 Reportage Altavista bei Medidress


KESB sollen nahestehende

Personen

besser einbeziehen

Der Bundesrat hat sich der Kritik am neuen Recht angenommen und erste

Erfahrungen mit den Kinder- und Erwachsenenschutzbehörden (KESB)

ausgewertet. Was bedeutet das im Detail?

Peter Empl

F

ür den Vollzug seien die Kantone

zuständig, und diese verbesserten

die Prozesse laufend,

schreibt der Bundesrat in seinem

Bericht. In zwei Punkten

will der Bundesrat aber Abklärungen treffen.

Die KESB bezögen das nahe Umfeld

teilweise nicht oder nur ungenügend in

den Entscheidungsprozess über Massnahmen

ein, hält er fest. Das wurde auch im

«Fall Flaach» kritisiert: Die KESB beschloss,

die Kinder in einem Heim unterzubringen,

obwohl die Grosseltern sich

zur Betreuung bereit erklärt hatten.

Das Justiz- und Polizeidepartement

(EJPD) will nun abklären, wie der Einbezug

nahestehender Personen verbessert

werden könnte. Solche Personen sollen

nicht nur bei der Abklärung des Sachverhalts

berücksichtigt, sondern auch konsequent

als mögliche Beistandpersonen und

bei der Platzierung von Kindern in Betracht

gezogen werden.

Praxis genauer anschauen

Das Recht sieht das bereits heute vor.

Und ein Gutachten der Hochschule Luzern

zeigt, dass die Behörden in der Regel

auch so handeln. Der Bundesrat hält

es dennoch für angebracht, die Praxis der

Behörden in diesem Punkt «noch einmal

anzuschauen». Weiter will das EJPD prüfen,

ob das Vorgehen der KESB bei Gefährdungsmeldungen

konkreter geregelt

werden kann.

Im Raum steht der Vorwurf, manche

Behörden reagierten zu rasch und zu heftig

auf Gefährdungsmeldungen. Sollte

sich zeigen, dass Gesetzesänderungen erforderlich

sind, sollen diese bis 2018 vorliegen.

Einverstanden ist der Bundesrat

ausserdem mit dem Vorschlag der nationalrätlichen

Rechtskommission, dass die

Übernahme einer Beistandschaft nur

noch auf freiwilliger Basis erfolgen soll.

Kein Beschwerderecht für

Gemeinden

Anderen Forderungen stellt sich der Bundesrat

entgegen. So will er die Beschwerdefrist

nicht anpassen. Und er hält es

nicht für sinnvoll, für Gemeinden ein Beschwerderecht

gegen Verfügungen der

KESB einzuführen. Gemeinden müssen

heute unter Umständen für die Kosten einer

Massnahme aufkommen, obwohl sie

am Entscheid nicht oder nur beschränkt

beteiligt waren.

Der Bundesrat anerkennt die Problematik.

Es sei aber gerade das Ziel der Revision

gewesen, dass eine unabhängige, professionelle

Behörde die Interessen der

Schutzbedürftigen wahre, gibt er zu bedenken.

Gehe es etwa um die Platzierung eines

Kindes, dürften nicht die Kosten im Vordergrund

stehen.

Interessen der Betroffenen

schützen

Weiter lehnt der Bundesrat es ab, nahe Angehörige

von Pflichten gegenüber der Kindes-

und Erwachsenenschutzbehörden zu

entbinden. Hier geht es um die Kritik von

Eltern, die volljährige behinderte Kinder

zu Hause betreuen und gegenüber der

KESB Berichterstattungs- und Rechnungslegungspflichten

haben.

In der allergrössten Mehrheit der Familien

seien die persönliche Fürsorge und

das Interesse an einem möglichst selbstbestimmten

Leben der hilfsbedürftigen Person

selbstverständlich, betont der Bundesrat.

Es sei aber die Aufgabe des Staates,

wenn nötig die Interessen und Rechte der

betroffenen Personen zu schützen.

Mit dem Bericht erfüllt der Bundesrat

vier Postulate aus dem Parlament.

Weitere 14 Vorstösse zur KESB sind

noch hängig. Zudem haben KESB-Kritiker

eine Volksinitiative lanciert, die derzeit

vorgeprüft wird. Über eine kantonale

Initiative wird im Kanton Schwyz am

21. Mai abgestimmt.

Aktuell KESB-Abstimmung mai 2017 ALTA VISTA 27


Mit Antibiotikum

gegen traumatische

Erinnerungen

Ein Antibiotikum könnte Patienten mit posttraumatischer Belastungsstörung

helfen. Nach dessen Einnahme erinnerten sich Betroffene weniger an

traumatische Erlebnisse, wie Zürcher Forschende berichten.

Naeim Said

A

lbträume oder plötzlich wiederkehrende

quälende Erinnerungen,

die wie ein Film

vor dem geistigen Auge ablaufen

– darunter leiden viele, die

Traumatisches erlebt haben. Nicht in allen

Fällen ist eine Psychotherapie zur Behandlung

einer solchen posttraumatischen Belastungsstörung

erfolgreich. Daher suchen

Forschende nach Medikamenten, um die

Erinnerung an das Trauma zu beeinflussen

und die Therapie so zu unterstützen.

Ein Forscherteam um Dominik Bach

von der Psychiatrischen Universitätsklinik

und der Universität Zürich hat nun mit Experimenten

gezeigt, dass das Antibiotikum

Doxycyclin bei Menschen die Erinnerung an

ein negatives Erlebnis deutlich abschwächt.

«Nebenwirkung» auf Enzyme

Doxycyclin bekämpft als Antibiotikum

Bakterien, beeinflusst aber unabhängig davon

auch Prozesse im menschlichen Organismus.

In früheren Studien wurde entdeckt,

dass es bestimmte menschliche

Enzyme hemmt, sogenannte Metalloproteinasen.

Diese kommen im gesamten Körper

vor und spielen bei der Entstehung von

Herzerkrankungen und einigen Krebsarten

eine Rolle.

Weil Metalloproteinasen auch für die

Gedächtnisbildung wichtig sind, testeten

Bach und seine Kolleginnen nun die Wirkung

des Antibiotikums auf das Abspeichern

von Erinnerungen. Sie liessen 80

Probanden zunächst lernen, einen leicht

schmerzhaften Elektroschock mit einer bestimmten

Farbe zu verknüpfen. Die eine

Hälfte erhielt vorher eine einzelne Dosis

des Antibiotikums, die andere ein Placebo.

Die Placebogruppe erschrak auch

noch sieben Tage nach dem Experiment,

wenn sie die Farbe erneut sah. Bei der

Doxycyclingruppe war diese spätere

Schreckreaktion im Vergleich rund zwei

Drittel schwächer, schreibt die Uni Zürich.

«Damit zeigen wir erstmals, dass Doxycyclin

das emotionale Gedächtnis abschwächt,

wenn es vor einem negativen Ereignis eingenommen

wird», so Bach.

Zwar wurde das Medikament im Versuch

vor dem «Trauma» verabreicht, was

im Alltag in der Regel nicht möglich sein

dürfte. «Ähnliche Prozesse wie bei der Gedächtnisbildung

laufen aber auch bei der

Stabilisierung später abgerufener Erinnerungen

ab», erklärte Bach im Gespräch mit

der Nachrichtenagentur sda.

Daher will er mit seinem Team als

nächstes nachweisen, dass Doxycyclin

auch auf die Festigung von abgerufenen

Gedächtnisinhalten wirkt. Sehr wahrscheinlich

liessen sich Erinnerungen damit

auch nach dem traumatischen Erlebnis

abschwächen.

28 ALTA VISTA mai 2017 Psychiatrie Forschung


Prävention und Behandlung von

Migräne mit Nervenstimulation

Rund eine Million Menschen in der Schweiz leiden unter Migräne. Ein neues Therapieverfahren,

bei dem der Gesichtsnerv Trigeminus stimuliert wird, hilft, Migräne ohne

den Einsatz von Medikamenten zu reduzieren oder zu lindern.

Publireportage

P

ulsierende, einseitige Kopfschmerzen, begleitet von

Übelkeit, Licht- und Lärmsensibilität sowie sensorische

oder motorische Störungen gehören zu den Symptomen

einer akuten Migräne. Weltweit leiden 18 % der Frauen

und 6 % der Männer an Migräne. Für die Betroffenen

eine grosse Beeinträchtigung des persönlichen, familiären

und sozialen Lebens.

Herkömmliche Behandlungsmethoden

reichen kaum aus

Primäres Ziel der Migränebehandlung ist es, die Anzahl

und Intensität von Anfällen zu reduzieren und zu verhindern,

dass sich ein chronischer Schmerz entwickelt. Verschiedene

Medikamente und Alternativtherapien stehen

zur Verfügung, um Migräne vorzubeugen und zu behandeln.

Trotzdem reicht das breite Angebot oft nicht aus.

«Eine Schwierigkeit in der Migränebehandlung kann

sein, dass medikamentöse Therapien wenig wirken oder

Unverträglichkeiten und Nebenwirkungen mit sich bringen»,

meint PD Dr. med. Andreas Gantenbein, Präsident

der Schweizerischen Kopfwehgesellschaft.

Sichere und wirksame Migränetherapie

ohne Einsatz von Medikamenten

Eine neue Möglichkeit der Migränebehandlung bietet

das Therapiesystem Cefaly. Das leichte, ca. 5 cm grosse

Gerät wird mit einer Klebeelektrode an der Stirn angebracht

und stimuliert mit feinen Impulsen den Trigeminus-Nerv,

einen Gesichtsnerv, der bei den meisten durch Migräne

verursachten Kopfschmerzen betroffen ist (Abb. 1). Eine klinische

Studie zeigt, dass die regelmässige Anwendung von täglich 20 Minuten

die Häufigkeit von Migräneanfällen signifikant reduziert

(Abb.2) und den Migräne-Arzneimittelkonsum um 75 % senkt. Die

Wirk-samkeit von Cefaly zeigte sich bei 75 % aller Nutzer, die das

Therapiesystem reglmässig und korrekt anwendeten. Während ei-

ner Migräne- oder Kopfschmerzattacke kann die Anwendung von

Cefaly die Schmerzen lindern und die Migränedauer verkürzen.

«Cefaly bietet Betroffenen eine interessante und evidenzbasierte

Ergänzung zur medikamentösen Therapie», erklärt PD Dr. med.

Andreas Gantenbein.

Weitere Informationen zu Cefaly finden Sie unter

www.cefaly.ch

Migräne Neuer Behandlungsansatz mai 2017 ALTA VISTA 29


Info

Internationaler Tag der Pflege

Jedes Jahr am 12. Mai findet der Internationale Tag der Pflege

(International Nurses Day IND) statt. Er geht zurück auf

den Geburtstag von Florence Nightingale (12. Mai 1820),

welche als Begründerin der modernen Krankenpflege gilt.

Der SBK nutzt den Tag der Pflege, um breit auf den grossen

Beitrag aufmerksam zu machen, den die Pflegefachpersonen

für die Gesundheitsversorgung in der Schweiz und

weltweit täglich während 24 Stunden leisten. Zu diesem

Zweck produziert der SBK jeweils Postkarten und Flyer, die

über die Sektionen verteilt werden – in Spitälern, Heimen, in

der ambulanten Pflege zu Hause, in anderen Institutionen und

anlässlich von verschiedenen Anlässen und Standaktionen.

Alle Infos direkt auf der SBK Webseite: www.sbk.ch

Novartis erhält von FDA für

Krebsmedikament CTL019

Status «Therapiedurchbruch»

Novartis erhält von der US-Gesundheitsbehörde FDA den

Status Therapiedurchbruch (Breakthrough Therapy) für

seinen Produktkandidaten CTL019 zur Behandlung von Patienten

mit wiederkehrendem/therapieresistentem diffusem

grosszelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL) erhalten, bei

denen zwei oder mehr Therapien bislang nicht angeschlagen

haben. Hierbei handle es sich um eine seltene und aggressive

Krebsart, bei der es bislang nur wenig Behandlungsmöglichkeiten

gibt, heisst es in einer Medienmitteilung

von Novartis.

CTL019 habe damit den Status «Therapiedurchbruch»

in einer zweiten Indikation erhalten, heisst es in der Mitteilung

weiter. Die FDA hatte diesen Status auch bei der Behandlung

von Kindern und jungen Erwachsenen mit akuter

lymphoblastischer Leukämie (ALL) zugesprochen. Ende

März hatte die Behörde dieser CAR-T-Zelltherapie (Chimeric

Antigen Receptor-Therapie) dann ein beschleunigtes Zulassungsverfahren

(Priority Review) erteilt.

Bei der CAR-T-Zelltherapie entnehmen Ärzte T-Zellen,

modifizieren sie und injizieren sie den Patienten zurück in

der Hoffnung, dass sie Krebs wirkungsvoller bekämpfen.

Fortschritte in der Entwicklung von CTL019 seien nicht

zuletzt der Zusammenarbeit mit der University of Pennsylvania

zu verdanken, schreibt Novartis weiter.

Santésuisse beantragt

tiefere Preise für

medizinische Hilfsmittel

Krankenkassen wollen für Inkontinenzprodukte, Produkte

für die Blutzuckermessung und Beatmungsgeräte weniger

vergüten müssen. Santésuisse ortet - mit tieferen Preisen –

ein Sparpotenzial von rund 34 Mio. CHF im Jahr, wie der Verband

mitteilte. Patienten und Patientinnen müssten keine

Qualitätseinbussen hinnehmen. Senke das BAG die zu vergütenden

Höchstpreise, würden sie aber nicht mehr mit überhöhten

Preisen unnötig belastet.

Der Verband stützt seine Forderung auf einen Ausland-Preisvergleich

mit Deutschland, Frankreich, den Niederlanden,

Italien und Österreich. Verglichen wurden laut

santésuisse Produkte in identischer Ausführung.

Die Kassen sind laut santésuisse dazu gezwungen, nur

in der Schweiz gekaufte Mittel und Gegenstände zu vergüten.

Für die Produkte sind Höchstvergütungspreise festgelegt.

Insgesamt vergüten die Kassen pro Jahr rund 550 Mio.

CHF für von Ärzten und Ärztinnen verschriebene medizinische

Mittel und Gegenstände. Das Bundesamt für Gesundheit

(BAG) hatte vor einem Jahr angekündigt, die Liste der

Hilfsmittel und Gegenstände, die Kassen vergüten müssen,

zu überarbeiten. Ein Sprecher sagte damals in der Sendung

«Kassensturz» des Schweizer Fernsehens SRF, dass zwar

einzelne Preise angepasst worden seien. Die ganze Liste sei

jedoch nie im Detail angeschaut worden. (SDA)

30 ALTA VISTA mai 2017 Info National und International


Gut die Hälfte der Bevölkerung fühlt sich bei einem Notfall

schlecht vorbereitet – Samariterverbund handelt

Der Schweizerische Samariterbund SSB hat per 2017 sein

Kursangebot komplett überarbeitet. Kürzere Kursdauer,

einfache und unkomplizierte Handlungsanweisungen und

die Erfahrungen der Teilnehmenden im Zentrum. Das neue

Kursangebot des SSB macht Erste Hilfe für alle einfach zugänglich

und spielerisch erlernbar. Lernen durch Ausprobieren

sowie einfache Handlungsanweisungen statt technischer

Anleitungen. Damit setzt der SSB auf praxisnahe

und nachhaltige Wissensvermittlung. Auch die Dauer von

einzelnen Kursen wurde gekürzt – so wird auf die jeweiligen

Kernthemen fokussiert und zugleich der Besuch eines

Kurses für potenzielle Teilnehmerinnen und Teilnehmer

attraktiver gemacht.

Zertifiziert durch den Interverband für Rettungswesen

Parallel zu diesen Änderungen richtet sich der SSB

auch nach den Reglementen und Vorgaben des Interverbandes

für Rettungswesen IVR. Für die Ersthelferstufen

1 bis 3 wurden diese durch den IVR verbindlich festgelegt

und definiert. Die Vorgaben betreffen die fachtechnischen

Inhalte wie auch die Aus- und Weiterbildungen der Kursleiterinnen

und Kursleiter. Als Mitglied des IVR setzt der SSB

diese Vorgaben um und ist entsprechend durch den IVR mit

dem Qualitätslabel «First AID» ausgezeichnet und zertifizierter

Anbieter. Für eine Freiwilligenorganisation wie den

SSB bedeuten diese Änderungen eine grosse Herausforderungen

in der Umsetzung. Der SSB hat deshalb in

Partnerschaft mit der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft

SLRG und dem Schweizerischen Militär-Sanitätsdienst-Verband

SMSV zeitgleich eine Innovation geschaffen,

die die Freiwilligen in der Kursvorbereitung

entlastet. Das Lehrmittel ist neu online und nimmt den

Kursleitenden viele Arbeitsschritte ab, indem zum Beispiel

Teilschritte automatisiert ablaufen oder synchronisiert

werden. Fachtechnische Änderungen müssen nicht manuell

nachgetragen werden, sondern werden automatisch in

allen Kursunterlagen aktualisiert. Mit diesen Neuerungen

hoffe der Schweizerische Samariterbund die Bevölkerung

für Erste Hilfe zu sensibilisieren und so auch zu Sicherheit

bei Notfall-Situationen beizutragen, schreibt dieser in einer

Pressemitteilung.

Info National und International mai 2017 ALTA VISTA 31


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32 ALTA VISTA mai 2017 Service Stellenanzeigen


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Service Stellenanzeigen mai 2017 ALTA VISTA 33


Alt werden – Segen

oder Fluch?

Die meisten Menschen wünschen sich, ein hohes Alter zu erreichen. Wer alt ist,

kann das Leben lange geniessen und das Leben der Kinder und Enkel

mitverfolgen. Die Chancen, alt zu werden, stehen gut. Aber: Es stellen sich

auch einige Fragen.

Haymo Empl sen.

J

e älter die Menschen werden, desto

mehr stellt sich ihnen die Frage:

Wer bin ich eigentlich? Sie erkennen

immer besser, dass ihr Wert

nicht von Leistung, Können, Besitz

oder Ansehen abhängt. Sie stellen zwar

vermehrt körperliche Defizite fest, können sich

aber damit trösten, dass ihre Altersweisheit

zunimmt. Sie haben schon viel erlebt, ganz unterschiedliche

Menschen kennengelernt, viel

erfahren. Die unterschiedlichsten Sichtweisen,

Kulturen und Religionen sind ihnen nicht

fremd. Zunehmende Weisheit müsste die Folge

dieses Prozesses sein. Ist das Älterwerden

auch verbunden mit der Altersstarrheit? Diese

ist nicht nur negativ zu betrachten, denn sie

hilft mit, das beschwerlichere Leben besser zu

meistern. Alles hat seinen klar strukturierten

Ablauf, alles hat seinen Platz und seine Ordnung.

Ist die alte Person aber auch noch weise

merkt sie, wann von starren Regeln abzuweichen

ist und kann Wichtiges von Unwichtigem

unterscheiden.

Wer sich für wen interessiert …

oder eben nicht

In den letzten 50 Jahren stieg die durchschnittliche

Lebenserwartung in der Schweiz

von 71 auf über 82 Jahre an. Es gibt immer

mehr Menschen, welche den hundertsten Geburtstag

feiern können. Segen oder Fluch?

Aus Sicht älterer Menschen wird diese Entwicklung

zuerst mal als positiv angesehen.

Das Leben kann länger genossen, die Entwicklung

der Enkel verfolgt werden. So liesse

sich auch die Lebenserfahrung und die Kompetenzen

älterer Menschen nutzen. Doch gibt

es noch den Kontakt zur jungen Generation,

wollen diese überhaupt die Ansichten älterer

Menschen kennen lernen? Die Gegenfrage:

Interessierten Sie sich in jungen Jahren für

die Meinung Ihrer Väter und Grossväter? Die

Antwort ist klar: Nein! Mit jeder Generation

bricht eine neue, bessere Welt an, so die Hoffnung.

Die Gesellschaft ändert sich, das ist

unbestritten. Werte erhalten eine andere Gewichtung,

doch die Grundeigenschaften von

Liebe, Hass, Neid, Anerkennung, das Streben

nach Macht und Einfluss bleiben unverändert.

Wem bringt die höhere Lebenserwartung

etwas?

Die höhere Lebenserwartung ist auch ein

Segen für die Finanzwirtschaft, für Reiseunternehmen,

für Hoteliers. Ältere Menschen

haben oft ein gewisses Vermögen,

sind reiselustig und manchmal auch kauffreudig.

Sie haben aber mit zunehmendem

Alter auch mit körperlichen Einschränkungen

zu leben, können den Alltag nicht mehr

alleine bewältigen, leiden unter Einsamkeit.

Etwa ein Viertel der 85- bis 89-Jährigen

leidet an Demenz. In der Gruppe der über

90-Jährigen sind sogar 44 Prozent demenzkrank

– eine grosse Herausforderung

für die jüngere Generation.

Die Sterbehilfsorganisationen haben

grossen Zulauf. Gemäss dem Bundesamt für

Statistik wurden 2014 in der Schweiz 742 Fälle

von assistiertem Suizid verzeichnet, 26 %

mehr als im Vorjahr. EXIT hält fest, dass der

Anstieg betagter Menschen sowie die steigende

Lebenserwartung die Wahrscheinlichkeit

für schwere Krankheiten erhöhen und als logische

Konsequenz auch mehr Zuwachs bei

den EXIT-Mitgliedern führen. Zudem kommt

nun eine stetig selbstbestimmtere Generation

ins Alter. Sie sind sich gewohnt, eigene Entscheidungen

zu treffen. Es gilt vermehrt die

Devise: Alt werden – ja –, aber nicht in Hilfsund

Pflegebedürftigkeit geraten. Die Frage:

Alt werden – Fluch oder Segen, bleibt letztlich

unbeantwortet.

34 ALTA VISTA mai 2017 Alter Segen oder Fluch?


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XXX XXX mai 2017 ALTA VISTA 35


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Lila 36 – 44

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