Wiener Festwochen
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SPEZIAL<br />
GENIESSEN WEIN ESSEN REISEN<br />
S O N D E R A U S G A B E W I E N E R F E S T W O C H E N<br />
NEUES ENTDECKEN<br />
JUNGE WILDE<br />
KOCHKÜNSTLER<br />
VIELFALT LEBEN<br />
DIE GANZE WELT ZU<br />
GAST IN DER STADT<br />
FESTE FEIERN<br />
LOKALE RUND<br />
UM DIE BÜHNEN<br />
GUTES GENIESSEN<br />
LUSTMOMENTE<br />
VON PROMINENTEN<br />
ÖSTERREICHISCHE POST AG, GZ 02Z030053 M, FÜHRICHGASSE 8, 1010 WIEN<br />
<strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong><br />
DIE KULTUR IST KULINARISCH<br />
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HERAUSGEBERBRIEF<br />
EINE TR AUMSTADT<br />
UND IHR FESTIVAL<br />
LIEBE FEINSCHMECKERINNEN,<br />
LIEBE FEINSCHMECKER!<br />
Foto: Ingo Pertramer<br />
Wien rittert alljährlich um den obersten<br />
Stockerl-Platz der »lebenswertesten<br />
Stadt der Welt«. Harte Konkurrenten<br />
sind das herrliche Vancouver – die kanadische<br />
Metropole, umgeben von Skipisten, Wäldern mit<br />
Grizzlys und dem Meer, in dem sich die Orcas<br />
wohlfühlen. Oder Zürich, Geldstadt, aber auch<br />
sympathisches Zentrum für Design und kulinarisches<br />
Handwerk. Oder Sydney, weit weg, aber<br />
dafür wahnsinnig spannend, jung, offen und immer<br />
noch aufstrebend. Doch in den Rankings der<br />
letzten Jahre hatte Wien immer die Nase vorn. Wie<br />
großartig!<br />
Als Kärntner und Salzburgerin in Wien stellen<br />
wir immer wieder fest, wie gerne hier über alles<br />
Mögliche permanent geschimpft wird. Natürlich<br />
gibt es Migrationsprobleme, aber welche Großstadt<br />
in der Welt hat das nicht? Natürlich gibt es<br />
Verkehrsstaus – aber mal ehrlich, sind Sie schon<br />
mal in London, Paris oder Rom im Traffic-Jam<br />
gesteckt? Natürlich ärgert uns die Politik, manches<br />
Mal mehr, manches Mal weniger, aber ist das nicht<br />
völlig normal für ein Land, das versucht, möglichst<br />
demokratisch zu agieren?<br />
Sie merken schon: Wir lieben Wien und sehen die<br />
Dinge viel optimistischer als vielleicht viele andere.<br />
Denn Wien ist einfach schön, wird zunehmend<br />
jünger und bunter und – für uns von FALSTAFF<br />
nicht ganz unbedeutend – immer kulinarischer!<br />
In puncto Kulinarik ist uns im Wettbewerb um die<br />
lebenswerteste Stadt Sydney am nächsten. Zürich<br />
und Vancouver schaffen das nicht. In puncto<br />
Kultur, mit weit über 100 Theatern in allen<br />
Größenordnungen, zwei exzellenten Opern häusern<br />
und zwei sehr bedeutenden Konzertsälen, mit<br />
Musical- und Operettenbühnen, ist Wien einer der<br />
Weltmarkt-Führer. Und jetzt die WIENER FEST-<br />
WOCHEN: so multikulti, so kreativ und heuer –<br />
unter neuer Führung – so innovativ wie schon<br />
lange nicht. Natürlich sind Kunst und Kultur<br />
untrennbar auch mit dem kulinarischen Genuss<br />
verbunden. Denn das Kultur- und Genussleben ist<br />
ein Gesamtkunstwerk. So wie Wien auch!<br />
»Die WIENER FESTWOCHEN sind kulinarisch«<br />
ist das Motto dieser FALSTAFF-Sonderausgabe.<br />
Dankenswerterweise mit der Unterstützung<br />
der STADT WIEN und der WIRTSCHAFTSKAM-<br />
MER WIEN ist dieses – hoffentlich auch Ihnen –<br />
Lust machende Werk entstanden. Es ist ein Versuch,<br />
ein kleiner Wegweiser einerseits durch<br />
das Programm der WIENER FESTWOCHEN<br />
und andererseits durch das unglaublich vielfältige<br />
Angebot der Kulinarik zu sein. Wer auf ein Fest<br />
geht, will auch gut essen und trinken. Wer ins<br />
Theater geht, will sich vorher darauf einstimmen<br />
und nachher – bei einem guten Drink – das<br />
Erlebte nochmals Revue passieren lassen. Somit<br />
sind Kunst und Kultur und Kulinarik wie drei<br />
magische »Ks« untrennbar miteinander verbunden.<br />
Im positivsten Sinne!<br />
Wir wünschen Ihnen eine wunderschöne<br />
<strong>Festwochen</strong>-Zeit mit vielen kulturellen, aber<br />
auch kulinarischen Genüssen!<br />
Herzlichst,<br />
WOLFGANG M. ROSAM<br />
wolfgang.rosam@falstaff.at<br />
ANGELIKA ROSAM<br />
angelika.rosam@falstaff.at<br />
Wolfgang und Angelika Rosam<br />
Herausgeber Falstaff<br />
Die drei »Ks« –<br />
Kunst & Kultur<br />
& Kulinarik sind<br />
besonders in Wien<br />
untrennbar miteinander<br />
verbunden.<br />
Möge dieses Heft<br />
diese Verbindung<br />
noch sichtbarer<br />
machen!<br />
spezial<br />
7
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Foto: Igor Ripak
VORWORTE<br />
ZUM GELEIT<br />
WERTES PUBLIKUM!<br />
Wien ist eine Stadt der Kultur und des<br />
Genusses – zwei wesentliche Faktoren,<br />
die dazu beigetragen haben, Wien<br />
auch 2017 wieder zur lebenswertesten Stadt der<br />
Welt zu machen. Was liegt daher näher, als Kulturgenuss<br />
mit Essensgenuss zu verbinden. Ich freue<br />
mich, dass anlässlich der <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong><br />
2017 Falstaff diese Verbindung mit einem eigenen<br />
Magazin manifestiert, das sich dem abwechslungsreichen<br />
Programm der <strong>Festwochen</strong> kulinarisch<br />
nähert. So gibt es Themenschwerpunkte, die von<br />
heimischen Spitzenköchen initiierte Trends mit<br />
<strong>Festwochen</strong>projekten verschränken oder die Flüchtlingsproblematik,<br />
die beim Musical »Traiskirchen«<br />
thematisiert wird, sogar kulinarisch aufbereiten,<br />
indem ein in Wien lebender syrischer Koch über<br />
die Küche seiner Heimat spricht. Jedenfalls kann<br />
Kochen, im Anklang zur <strong>Festwochen</strong>-Produktion<br />
»Obsession«, zur Leidenschaft werden. Kulinarische<br />
Geheimtipps rund um die Spielstätten runden die<br />
Informationen zu den heuer besonders extravaganten<br />
<strong>Festwochen</strong>-Produktionen ab.<br />
Ich wünsche den Besucherinnen und Besuchern<br />
der <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong> 2017 und den Leserinnen<br />
und Lesern des Falstaff-<strong>Festwochen</strong>-Magazins<br />
viel Freude beim kulturellen und kulinarischen<br />
Genießen!<br />
DR. MICHAEL HÄUPL<br />
Bürgermeister der Bundeshauptstadt Wien<br />
Dr. Michael Häupl<br />
Bürgermeister der<br />
Bundeshauptstadt Wien<br />
TRADITION VERPFLICHTET<br />
Fotos: beigestellt<br />
DI Walter Ruck<br />
Präsident der Wirtschaftskammer<br />
Wien hat schon früh in der Geschichte<br />
seine Verantwortung in Sachen Kultur<br />
und Pflege der Traditionen wahrgenommen<br />
– und das ist gut so. Die <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong><br />
haben dies nach der kriegsbedingten Pause auf eine<br />
Art wiederbelebt, die einer Stadt, die derart historisch<br />
gewachsen ist, nur guttun kann. Die <strong>Festwochen</strong><br />
sind ein Fixpunkt im Kalender jedes kulturell<br />
interessierten Menschen, egal ob national oder<br />
international. Somit nimmt Wien auch heute wieder<br />
jene Rolle ein, die es schon einst innehatte, und zeigt<br />
als im Herzen Europas liegende Stadt jenen Wert,<br />
den Kunst und Kultur für eine Metropole, aber auch<br />
für einen Kontinent haben. Diese Dinge dürfen nie<br />
in Vergessenheit geraten – egal wie schnelllebig und<br />
dynamisch die Zeiten auch sein mögen. Wenn wir<br />
eines in der Geschichte gelernt haben, dann die Tatsache,<br />
dass das Schöne immer eine Chance darstellt<br />
und unserer Gesellschaft die Möglichkeit der Entschleunigung<br />
bietet – das müssen wir annehmen,<br />
egal ob in Politik oder Wirtschaft.<br />
Ihr Walter Ruck<br />
DI WALTER RUCK<br />
Präsident der Wirtschaftskammer Wien<br />
spezial<br />
9
Früher war alles besser.<br />
Heute auch.<br />
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EDITORIAL<br />
»... DENKEN NUR ANS<br />
VERGNÜGEN«<br />
LIEBE LESERINNEN, LIEBE LESER!<br />
Es klingt, als ob sie in der <strong>Wiener</strong> Seele ein Bad<br />
genommen hätte: »Niemand ist so versessen<br />
auf Gesellschaften wie die Bewohner Wiens.<br />
Morgens, mittags und abends denken sie nur ans<br />
Vergnügen und an Feiertage, an Musik und Tanz.<br />
Außerdem essen sie für ihr Leben gern gute Sachen«,<br />
schrieb die englische Autorin Favell Lee Mortimer in<br />
ihrem Reiseführer »The Countries of Europe Described«.<br />
Dabei kam die exzentrische, oft missmutige<br />
Lady, die sich im 19. Jahrhundert als Bestsellerautorin<br />
von Kinderbüchern einen Namen machte, nie<br />
über Großbritannien hinaus – bis auf zwei Mal, als<br />
sie nämlich Brüssel und Paris bereiste. Ihre angelesene<br />
Weltsicht war dennoch bemerkenswert. Mrs.<br />
Mortimers Beschreibung von Wien liest sich wie die<br />
Begegnung mit einer guten, alten Bekannten. Stellt<br />
man sie in Bezug zu den <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong>, denkt<br />
man sich: Ja genau, so ist es, soll es sein – Musik und<br />
Tanz und Vergnügen und gutes Essen obendrein!<br />
Als »Fest für die Stadt«, ein »groß angelegtes geistiges<br />
wie sinnliches Experiment«, hat Tomas Zierhofer-Kin,<br />
neuer Intendant der <strong>Wiener</strong> Fest wochen, das<br />
diesjährige Kulturprogramm angelegt (siehe Kommentar<br />
Seite 137). Und genau bei den Stichworten<br />
»Fest«, »sinnlich« und »Experiment« hakt sich dieses<br />
Special des Falstaff nun ein.<br />
Künstlerinnen und Künstler, die heuer aus mehr<br />
als 20 Ländern stammen, erzählen der Kulturjournalistin<br />
Karin Cerny über die Raffinessen der<br />
Küchen ihrer Heimat (Seite 84). Joachim Riedl,<br />
Österreich-Chef der Wochenzeitung »Die Zeit«, widmet<br />
sich der Frage – schön illustriert mit<br />
prominenten Beispielen –, ob Kunst vielleicht<br />
gar von Kochen kommt (Seite 32)? Und »Parsifal«-<br />
Regisseur Jonathan Meese hat extra für Falstaff ein<br />
kosmopolitisches Menü komponiert (ab Seite 44).<br />
Allein seine Erklärungen zu den von ihm<br />
ausgewählten Speisen und das Gespräch mit ihm im<br />
Anschluss lesen sich wie ein Kulturmanifest.<br />
Im starken Service-Teil ist uns nichts fremd, was<br />
den heurigen <strong>Festwochen</strong> vertraut ist: amerika ni sche,<br />
syrische, multikulturelle Einflüsse, <strong>Wiener</strong><br />
Klassik dekonstruiert und önologische Kunstwerke –<br />
dort auf der Bühne (für die das Weingut Mayer am<br />
Pfarrplatz sogar einen eigenen »Meeswein« cuvetiert<br />
hat), hier bei Tisch. Außerdem versorgt Falstaff Sie<br />
das ganze Heft hindurch mit Ausgehtipps zu den<br />
jeweiligen Spielorten.<br />
Feiern Sie! Tanzen Sie! Essen Sie! Kommen Sie heuer<br />
und immer wieder – zu den <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong> und<br />
auf Falstaff zurück. Viel Vergnügen bei Kultur und<br />
Kulinarik, wünschen Ihnen<br />
MICHAELA ERNST<br />
michaela.ernst@falstaff.at<br />
HERBERT HACKER<br />
herbert.hacker@falstaff.at<br />
Michaela Ernst,<br />
Chefredakteurin Falstaff<br />
Herbert Hacker,<br />
Chefredakteur Falstaff<br />
Fotos: Rene Prohaska, Peter M. Mayr<br />
IMPRESSUM Die in dieser Ausgabe veröffentlichten Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Übersetzung, Nachdruck, Vervielfältigung und Speicherung in Datenverarbeitungsanlagen nur mit<br />
ausdrücklicher Genehmigung des Verlags. Zitate aus Beiträgen dieser Ausgabe sind ausschließlich mit Angabe der Quelle gestattet. MEDIENINHABER Falstaff Verlags-GmbH, Führichgasse 8,<br />
1010 Wien, T: +43 1 9042141, www.falstaff.at, redaktion@falstaff.at. HERAUSGEBER Wolfgang M. Rosam, Angelika Rosam GESCHÄFTSFÜHRUNG Mag. Elisabeth Kamper, Wolfgang M. Rosam,<br />
Mag. Michaela Cholewa ANZEIGEN Mag. Michaela Cholewa (Anzeigenleitung), Christiane Ceccarelli, Mag. Stephanie Zsifkovits (Anzeigenkoordination), anzeigen@falstaff.at CHEFREDAKTION<br />
Michaela Ernst, MBA, Herbert Hacker, Wolfgang M. Rosam CHEFS VOM DIENST Mag. Manfred Gram, Mag. Julia Staller, Waltraud Windig (stv. CvD) ART DIRECTOR Klaus Rauch<br />
PHOTO DIRECTOR Mag. Florence Wibowo ART DIRECTOR MARKETING & SALES Bernhard Halbritter PRODUKTION/LITHO Konstantin Riemerschmid MITARBEITER DIESER AUSGABE<br />
Verena Bierling, Karin Cerny, Alex. Hesse, Judith E. Innerhofer, Manfred Klimek, Salomea Krobath, Tobias Müller, Joachim Riedl LEKTORAT Mag. Sandra Bak, Metka Wakounig VERTRIEB &<br />
ABOMARKETING & LESERSERVICE Birgit Niedl (Ltg. Aboservice), DW 419, abo@falstaff.at HERSTELLER Leykam Druck GmbH & Co KG, 7201 Neudörfl an der Leitha<br />
spezial<br />
falstaff<br />
11
SONDERAUSGABE<br />
44<br />
Künstler Jonathan<br />
Meese hat für<br />
Falstaff ein<br />
<strong>Festwochen</strong>-<br />
Menü kreiert.<br />
3 2<br />
Von Eat Art bis Molekularküche:<br />
Jeff Koons & Co.<br />
erklären Essen zur Kunst.<br />
16<br />
Junge Kochkünstler<br />
erfinden die <strong>Wiener</strong><br />
Küche neu.<br />
NEUES<br />
ENTDECKEN<br />
16 WIENER KÜCHE RELOADED<br />
Eine junge Generation gibt der<br />
<strong>Wiener</strong> Küche einen neuen Biss<br />
22 DIE FILTER-KÜNSTLER<br />
Wie die Third-Wave-Bewegung<br />
die Kaffeehaustradition auf den<br />
Kopf stellt<br />
28 »LEUTE, REDET MITEINANDER!«<br />
Zwei Gastro-Experten der Wirtschaftskammer<br />
über die Zukunft der Branche<br />
32 KOMMT KUNST VON KOCHEN?<br />
Wie Essen zum Kunstwerk wird<br />
44 MEESES MENÜ<br />
Das <strong>Festwochen</strong>-Dinner von Jonathan<br />
Meese und drei <strong>Wiener</strong> Köchen<br />
54 GRÄTZELTIPPS: MARIAHILF<br />
Die besten Adressen rund ums<br />
Theater an der Wien<br />
58 DIE REBSTOCK-REBELLEN<br />
Von schrägen Individualisten und<br />
Weinen der ganz anderen Art<br />
64<br />
GRÄTZELTIPPS: INNERE STADT<br />
Tipps für einen entspannten Abend vor<br />
und nach einem Filmmuseum-Besuch<br />
5 8<br />
Wilde Weine von Andreas<br />
Tscheppe und anderen<br />
»Rebstock-Rebellen«.<br />
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NEUES ENTDECKEN<br />
JUNGE WILDE<br />
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VIELFALT LEBEN<br />
DIE GANZE WELT ZU<br />
GAST IN DER STADT<br />
FESTE FEIERN<br />
LOKALE RUND<br />
UM DIE BÜHNEN<br />
GUTES GENIESSEN<br />
LUSTMOMENTE<br />
VON PROMINENTEN<br />
<strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong><br />
DIE KULTUR IST KULINARISCH<br />
€ 8,50<br />
COVER<br />
FOTO: STOCKSY<br />
GENIESSEN WEIN ESSEN REISEN<br />
WWW.FALSTAFF.AT<br />
Fotos: Jan Bauer.Net/ Courtesy Jonathan Meese.com, Michaela Ernst, Jan Lackner, Getty Images, Gina Mueller, Shutterstock, beigestellt<br />
12 falstaff spezial
festwochen<br />
70<br />
Wie der Burger zur<br />
Pop-Ikone wurde.<br />
DIE WELT SCHMECKEN<br />
70 BURGERMEISTER<br />
Wie der Burger die Welt eroberte –<br />
und die besten Lokale in Wien<br />
78 DIE KÜCHE SYRIENS<br />
Ein nach Wien geflüchteter Koch erinnert<br />
sich, wie es vor dem Krieg war<br />
84 WURZELWERK<br />
Die <strong>Festwochen</strong>-Künstler über<br />
die Küche ihrer Kindheit<br />
90 FREUNDERLWIRTSCHAFT<br />
Kulinarische Projekte mit Flüchtlingen<br />
96 WIEN ISST MULTIKULTI<br />
Ein Loblied auf die Fusionsküche<br />
102 GRÄTZELTIPPS: FAVORITEN<br />
Ein kulinarischer Streifzug rund um<br />
das Festivalzentrum »Performeum«<br />
FESTE FEIERN<br />
108 IM KULINARISCHEN INTERVIEW<br />
Michael Häupl und Wirtschaftskammer-Wien-Präsident<br />
Walter Ruck<br />
112 DIE ALCHEMIE DER LUST<br />
Liebe geht durch den Magen: über<br />
den Mythos des Aphrodisiakums<br />
118 GRÄTZELTIPPS: NEUBAU<br />
Best of Cafés, Restaurants und Bars<br />
rund ums Museumsquartier<br />
122 LUST UND LASTER<br />
Acht Prominente über die kulinarischen<br />
Höhepunkte ihres Lebens<br />
130 GRÄTZELTIPPS: WIEDEN<br />
Tipps rund ums Theater Akzent für<br />
»Davor«, »Dinner« und »Drinks«<br />
KULTUR GENIESSEN<br />
136 ÜBERS FESTEFEIERN<br />
Essays von Kulturstadtrat Andreas<br />
Mailath-Pokorny und <strong>Festwochen</strong>-<br />
Intendant Tomas Zierhofer-Kin<br />
138 DIE FESTWOCHEN-HIGHLIGHTS<br />
Die Höhepunkte aus dem Programm<br />
7 HERAUSGEBERBRIEF<br />
9 VORWORTE<br />
11 EDITORIAL<br />
11 IMPRESSUM<br />
146 TISCHGESPRÄCH<br />
7 8<br />
Jwan Joo Daod stellt<br />
die bunte Küche seiner<br />
Heimat Syrien vor.<br />
122<br />
Die Genuss-<br />
Vorlieben von<br />
Jude Law und<br />
anderen Promis.<br />
112<br />
Bei den <strong>Festwochen</strong><br />
geht es um große<br />
Gefühle – können<br />
diese auch Lebensmittel<br />
auslösen?<br />
spezial<br />
falstaff<br />
13
NEUES<br />
ENTDECKEN<br />
Das »Alinea« in Chicago ist<br />
für seine kreativen Gerichte,<br />
die kleinen Kunstwerken<br />
gleichen, berühmt.
Grenzen durchbrechen und sie neu setzen – die <strong>Wiener</strong><br />
<strong>Festwochen</strong> regen mit ihrem Programm genau dazu an.<br />
Auch die Köche und Gastronomen der <strong>Wiener</strong> Kulinarik-<br />
Szene scheuen sich nicht davor, sich immer wieder neu<br />
zu erfinden. Und beweisen, dass Kunst und Kulinarik ein<br />
unzertrennliches Paar sind.<br />
Foto: CHristian Seel<br />
spezial<br />
15
festwochen<br />
/ NEUES ENTDECKEN<br />
EIN FISCH<br />
NAMENS<br />
BEUSCHEL<br />
Die <strong>Wiener</strong> Küche ist ein geniales und grandioses<br />
Sammel surium verschiedenster Lokalküchen<br />
der Donaumonarchie. Eine junge<br />
Generation von Gastronomen erkennt sie als<br />
Basis und verleiht ihr neuen Biss.<br />
TEXT MANFRED KLIMEK<br />
Foto: Hilton Wien<br />
16 spezial
<strong>Festwochen</strong>thema:<br />
Tradition<br />
Rituale sind Teil unserer Kultur<br />
und geben Struktur – sei es im<br />
Alltag oder in der Kunst. Ihr<br />
Wert und ihre Kraft sind<br />
wiederkehrende Themen<br />
der <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong>.<br />
Mehr dazu ab S. 138.<br />
Stars wie Sammy Davis Junior<br />
waren in den 1970ern<br />
von Werner Matts Neuer<br />
<strong>Wiener</strong> Küche begeistert.<br />
spezial<br />
17
festwochen<br />
/ NEUES ENTDECKEN<br />
Ewald Plachutta erfand die<br />
<strong>Wiener</strong> Rindfleischküche neu.<br />
Fotos: Konrad Limbeck, Gerhard Walter, beigestellt<br />
18 spezial
Die <strong>Wiener</strong> Küche? Die lief in<br />
Wien immer so nebenher mit;<br />
selbst damals, als die französische<br />
Küche als das Nonplusultra<br />
galt. In der <strong>Wiener</strong><br />
Küche leben die Rezepte jener<br />
Länder weiter, die einst von Habsburg verwaltet<br />
wurden – fast so, als hätte es 1918 keine<br />
Zerschlagung des Vielvölkerstaats gegeben.<br />
Dieses bunte Erbe unverfälschter ungarischer,<br />
böhmischer, mährischer, slowakischer, schlesischer,<br />
galizischer, venezianischer, trentinischer,<br />
lombardischer und istrischer Küche (und<br />
damit sind längst nicht alle aufgezählt) hat den<br />
<strong>Wiener</strong>n immer einen an Vielfalt interessierten<br />
Gaumen bewahrt.<br />
Doch aus der selbstverständlichen Zusammenfassung<br />
verschiedenster Regionalküchen<br />
der Kronländer und Provinzen wurde in den<br />
letzten vier Jahrzehnten etwas Eigenes, das<br />
Erinnerung, Reflexion und Übertritt in die<br />
kulinarische Moderne verkörpert. Seither wird<br />
die europäischste aller Multikulti-Küchen<br />
immer wieder auf Neue zugespitzt, zerlegt und<br />
frisch zusammengestellt. Kaum ein Jungstar in<br />
dieser Stadt, der sich nicht an ihr abarbeiten<br />
würde und mit zeitgemäßen Interpretationen<br />
überrascht; kaum ein Altmaestro, der sie in<br />
seinen Kompositionen nicht immer wieder<br />
liebevoll durchklingen lassen würde, fast wie<br />
um zu beweisen, wie sehr sie an ihm und er an<br />
ihr gewachsen ist – diese <strong>Wiener</strong> Küche.<br />
WIENER KLASSIK DEKONSTRUIERT<br />
Für die Initialzündung in die Moderne sind drei<br />
Köche verantwortlich: Werner Matt, Reinhard<br />
Gerer und Ewald Plachutta. Der Tiroler Werner<br />
Matt kochte ab 1975 in der »Rotisserie Prinz<br />
Eugen« des damals neu erbauten <strong>Wiener</strong> »Hilton<br />
Hotels« auf und rief dort die »Neue <strong>Wiener</strong><br />
Küche« aus. Matts bester Schüler war Reinhard<br />
Gerer, der im Restaurant »Korso« der erste<br />
richtige <strong>Wiener</strong> Kochstar wurde. In der kleinen<br />
Bar des »Korso« im »Hotel Bristol« am Ring<br />
servierte er auserlesenen Gästen seine neuen<br />
Kreationen zum Ausprobieren, etwa Provokationen<br />
wie eine Interpretation des Rollmopses,<br />
den Gerer mitunter auf Basis von Wildlachs<br />
und auch in einer verschärften Version als<br />
Teufelsroller in die Bar tragen ließ. Danach gab<br />
es ein grandioses Beuschel, das klassischste und<br />
polarisierendste aller <strong>Wiener</strong> Innereiengerichte.<br />
Ewald Plachutta kochte zu dieser Zeit im<br />
altehrwürdigen Restaurant »Zu den drei<br />
Husaren« in der <strong>Wiener</strong> Innenstadt. Das war<br />
ihm auf die Dauer zu wenig und zu wenig<br />
<strong>Wiener</strong>isch, und so entwickelte er Mitte der<br />
1980er-Jahre aus der altehrwürdigen, aber<br />
vergessenen <strong>Wiener</strong> Rindfleischküche ein<br />
modernes Restaurantkonzept, das bis heute vor<br />
allem Touristen in diesen Teil der traditionellen<br />
<strong>Wiener</strong> Gastronomie einweiht.<br />
In den 1990ern wurde es etwas stiller um die<br />
<strong>Wiener</strong> Küche. Und das, obwohl lokale Küchen<br />
überall in Europa eine unerwartete Auferstehung<br />
feierten – etwa in Paris, wo neue, schlichte<br />
Bistros mit modern interpretierter, einfacher<br />
Küche die Drei-Sterne-Restaurants in Sachen<br />
Besucherzahlen und Medienaufmerksamkeit in<br />
den Schatten stellten.<br />
In Wien – sofern man diese Städte überhaupt<br />
vergleichen kann – heißt so ein Bistro dann<br />
»Gmoakeller«, was übersetzt Gemeindekeller<br />
heißt und andeutet, dass in diesem Gewölbe<br />
einst vornehmlich Beamte ihre Zeit totschlugen.<br />
Bis 1999 war das Lokal am Heumarkt eher ein<br />
Kuriosum, das zwei alte Schwestern leiteten, die<br />
nicht gerade für ihre Freundlichkeit bekannt<br />
waren. 2000 hat Sebastian Laskowsky den<br />
»Gmoakeller« übernommen und macht eigentlich<br />
nichts anderes als alle Vorbesitzer: Er serviert<br />
typische <strong>Wiener</strong> Küche – nur feiner. Auch<br />
gibt es Kleinigkeiten wie Gulasch und Würstel<br />
und eine ordentlich bestückte Weinkarte. Falls<br />
jemand einmal Lust auf einen Pomerol hat,<br />
kann er diesen im »Gmoakeller« zu gebackener<br />
Leber genießen. Und weil die Kirche immer<br />
noch in der Stadt steht und was zu sagen hat,<br />
gibt es hier freitagmittags Fisch als Hauptgang<br />
des täglichen Menüs. Vergelt’s Gott.<br />
Ein etwas anderes Kaliber ist das »Gasthaus<br />
Wolf« in der Großen Neugasse in Wieden.<br />
Hier steht Jürgen Wolf in der Küche, der schon<br />
in einigen <strong>Wiener</strong> Lokalen gekocht hat, sich<br />
über die Jahre einen Namen machte und seine<br />
Stammkunden in jedes Lokal nachholt. Das<br />
»Gasthaus Wolf« ist nun Endstation für ihn,<br />
da ist er Häuptling am eigenen Herd. In dem<br />
alten Wirtshaus wurde nach der Übernahme<br />
das Notwendigste renoviert. Wolf lässt seine<br />
Kellner Speisen an die Tische bringen, die<br />
I<br />
n Paris entstehen neue,<br />
schlichte Bistros mit<br />
moderner Küche. In Wien<br />
heißt das dann »Gmoakeller«. ><br />
Der »Gmoakeller« huldigt<br />
der städtischen Beisl-Kultur.<br />
Sebastian Laskowsky<br />
serviert im »Gmoakeller«<br />
eine moderne <strong>Wiener</strong> Küche.<br />
spezial<br />
19
festwochen<br />
/ NEUES ENTDECKEN<br />
><br />
sich an Rezepten aus der tradierten <strong>Wiener</strong><br />
Bürgerküche der späten Habsburgermonarchie<br />
orientieren, etwa das Kalbsherzragout mit<br />
Portwein-Senfsauce und Schupfnudeln. Oder<br />
ein gebackener Karfiol mit Petersilienerdäpfeln<br />
und Sauce Tartare. Leber und Nieren (gebacken<br />
und geröstet) gibt es freilich auch, die<br />
– wie überall in Wien – auch hier mit einem<br />
Erdäpfel-Vogerl-Salat verheiratet werden. Bei<br />
den Nachspeisen wagt Wolf öfter mal einen<br />
Blick über den Stadtrand und verliert sich im<br />
Internationalen. Doch die Topfenknödel (meist<br />
geordert) holen ihn zurück in die Stadt und<br />
deren Küche.<br />
Die »Drei Hacken« hat es immer schon<br />
gegeben – so kommt es einem jedenfalls vor.<br />
Gemeinsam mit dem »Gasthaus Pfudl« stehen<br />
sie außerhalb der Zeit – eigentlich darf sich<br />
hier nichts ändern. Doch Josefine Zawadil, Besitzerin<br />
der »Drei Hacken«, war das zu wenig.<br />
Sie zimmerte ihrem Nachwuchs eine moderne<br />
Interpretation des <strong>Wiener</strong> Beisls in Rufweite des<br />
Stammlokals. Das »3 Hacken Magazin« hat<br />
eine der wienerischsten Speisekarten, die man<br />
finden kann – inklusive einer Portion Kalbshirn.<br />
Der eigentliche Sinn des Magazins ist<br />
aber, Weinenthusiasten zur klassischen <strong>Wiener</strong><br />
Küche zu bringen – die Weinkarte ist ein Band<br />
und spricht Bände.<br />
In der Ungargasse im dritten Bezirk steht<br />
Franz Seidl von Montag bis Freitag in seinem<br />
»Gasthaus Seidl«. Ein Wirt, wie man ihn sich<br />
vorstellt: immer ein bisschen leidend, aber<br />
Jürgen Wolf entstaubt in<br />
seinem Gasthaus das<br />
Image der <strong>Wiener</strong> Küche.<br />
S<br />
tädtische Schnecken und<br />
weiße Nierndln vom Biorind:<br />
Das »Gasthaus Stern«<br />
ist kompromisslos regional.<br />
Innereienküche reloaded<br />
bietet das »Gasthaus<br />
Stern« in Simmering.<br />
stets freundlich. Seidl wurde, als er das Lokal<br />
übernahm, auch Weinwirt des Jahres; die Auszeichnung<br />
springt einem schon beim Eingang<br />
ins Auge – trocken bleibt hier nur der Veltliner.<br />
Der Patron hat vor wenigen Monaten Philipp<br />
Barosch in die Küche geholt, einen in der<br />
Spitzengastronomie erfahrenen Küchenchef, der<br />
hier endlich kochen darf, was er immer schon<br />
wollte: <strong>Wiener</strong> Küche ohne Wenn und Aber.<br />
Der Zwiebelrostbraten ist auf dem Punkt, das<br />
Paprikahendl eher auf der scharfen Seite, die<br />
Schinkenrolle so, wie man sie aus den<br />
Wirtschaftswunderzeiten des Schlagerstars<br />
Peter Alexander vermutet. Nur frischer.<br />
Dekonstruktion pur: das Dessert von Manner-<br />
Schnitten, die hier in einen »Bruch« verwandelt<br />
werden. Klassischer Abschluss: Marillenpalatschinken,<br />
Malakoffnockerln und ein »Willi«<br />
von Gölles.<br />
Weit draußen in Simmering, fast schon beim<br />
Zentralfriedhof, hat Christian Werner vor einigen<br />
Jahren sein »Gasthaus Stern« aufgesperrt.<br />
Und weil Simmering ein bisschen im Abseits<br />
liegt, treffen sich hier die Leute der Umgebung<br />
und das Management der ansässigen Industrie.<br />
Ohne Tischreservierung geht gar nichts. In der<br />
Speisekarte mit dem wohl größten Innereien-<br />
Angebot Wiens finden sich neben den Klassikern<br />
auch städtische Schnecken – freilich vom<br />
Züchter Gugumuck – und weiße Nierndln vom<br />
Biorind mit Zwiebel und Apfel. Dann noch<br />
Fotos: Harald Artner, Jürgen Hammerschmid, beigestellt<br />
20 spezial
Lernten sich im »Kussmaul«<br />
kennen und gründeten »Ludwig<br />
Van«: Walter Leidenfrost und<br />
Julia Pimingstorfer.<br />
Beinfleisch, das längst vergessene Budapester<br />
Schnitzel, gefüllt mit Speck und Zwiebel, und<br />
die beste Cremeschnitte Wiens.<br />
Die Küche dieser Lokale ist freilich keine<br />
Dekonstruktion im klassischen Sinne. Denn<br />
die tun die <strong>Wiener</strong> Gastronomen ihren Gästen<br />
nicht in jener Dramatik an, zu der etwa die<br />
Pariser fähig sind. Wirklich dekonstruktiv<br />
bleibt nur ein Lokal, das sich auch alten Rezepten<br />
der <strong>Wiener</strong> Küche annimmt: das »Ludwig<br />
Van« in der Laimgrubengasse im sechsten<br />
Bezirk. Hier kochen Walter Leidenfrost und Julia<br />
Pimingstorfer – beide ehemalige Köche des<br />
vom Spittelberg abgewanderten, spektakulären<br />
Restaurants »Kussmaul«. Die Speisen sind so<br />
notiert, wie es heute gerne zur Sache geht, also<br />
Hauptzutat und Beilagen ohne sprachliche<br />
Schnörkel. Heißt: Herz, Jungzwiebel, Erbse,<br />
Sesam. Oder: Forelle, Käferbohne, Schwarzer<br />
Rettich, Kürbiskernöl. Und bei Milchschokolade<br />
steht: Milch, Schokolade. Das mag manchen<br />
abgehoben erscheinen, doch das Essen<br />
hier hat den mutigsten und experimentellsten<br />
Zugang zur <strong>Wiener</strong> Küche. Daraus entsteht<br />
wieder Neues, das wieder mit Wien zu tun hat.<br />
Aber dem Tradierten entkommt. Vielleicht zum<br />
ersten Mal überhaupt.<br />
><br />
Die Küche der neuen <strong>Wiener</strong> Lokale ist freilich keine<br />
Dekonstruktion im klassischen Sinne. Denn die tun die<br />
<strong>Wiener</strong> Gastronomen ihren Gästen nicht in jener Dramatik<br />
an, zu der etwa die Pariser fähig sind.<br />
Frische Kreation mit<br />
Mangalitzaschwein im<br />
»Ludwig Van«.<br />
><br />
spezial<br />
21
festwochen<br />
/ NEUES ENTDECKEN<br />
DIE Kaffeehäferl.<br />
Die »Third Wave of Coffee« hat die traditionsreiche<br />
<strong>Wiener</strong> Kaffeehausszene auf den Kopf gestellt. Die<br />
Bewegung strebt nach der absoluten Perfektion im<br />
Kaffeehäferl. TEXT JULIA STALLER<br />
FILTER-<br />
KUNSTLER<br />
Fotos: Foto: Shutterstock<br />
Nicky Webb, Shutterstock, Faruk Pinjo<br />
22<br />
spezial
Die Barista der »Third<br />
Wave« zelebrieren lustvoll<br />
den Filterkaffee.<br />
spezial<br />
23
festwochen / NEUES ENTDECKEN<br />
Das »Balthasar« ist ein<br />
typischer Vertreter der<br />
Third-Wave-Bewegung.<br />
Genau 27 Jahre lang stand<br />
Otto Bayer hinterm Herd,<br />
bevor er den Kochlöffel an<br />
den Nagel hängte und anfing,<br />
an der perfekten Kaffeezubereitung<br />
zu tüfteln. Jetzt steht<br />
er hinter der Theke seines Lokals »Balthasar«<br />
in Wien-Leopoldstadt und schwärmt von der<br />
Komplexität dieses Produkts.<br />
»Wer das erste Mal in seinem Leben qualitativ<br />
hochwertigen Kaffee schmeckt«, ist<br />
Otto Bayer überzeugt, »erkennt sofort den<br />
Unterschied und will nichts anderes mehr<br />
trinken.« Immerhin zählt eine Kaffeebohne<br />
800 Aromen, während es zum Beispiel bei<br />
Wein »bloß« 600 sind. Sie kann je nach<br />
Zubereitung nussig oder holzig schmecken,<br />
nach Schokolade oder Zitrus, rauchig oder<br />
floral. Diese Vielfalt unter die Leute zu bringen<br />
ist das Ziel der Third-Wave-Bewegung.<br />
Dabei setzen ihre Vertreter vor allem auf<br />
helle Röstungen, die die fein-säuerliche<br />
Frucht des Kaffees zur Geltung bringen, und<br />
experimentieren wie in einem Labor mit den<br />
verschiedensten Filtermethoden, um das<br />
Optimum an Geschmack aus den Bohnen zu<br />
gewinnen.<br />
24 spezial<br />
Seit 2014 röstet Niko Hartmann<br />
in seiner Mikrorösterei in<br />
St. Pölten Kaffeespezialitäten.<br />
Fotos: Nicky Webb, Faruk Pinjo, beigestellt
Die »Süssmund Kaffeebar«<br />
bringt die Vielfalt<br />
des Kaffees näher.<br />
Früher lehrte Nikolaus<br />
Hartmann Architektur an<br />
der Uni, heute steht er in seiner<br />
Kaffeebar und schwärmt<br />
von der Vielfalt des Kaffees,<br />
die 800 Aromen umfasst.<br />
Nikolaus Hartmann<br />
ist mehrfacher Filterkaffee-Staatsmeister.<br />
Während der Coffee-to-go-Trend in den<br />
1990er-Jahren als die »Second Wave« bekannt<br />
war, schwört die dritte Welle auf bewussten<br />
Genuss, Bio-Bohnen und direkten Handel.<br />
Auch in Wien ist die »Third Wave« längst<br />
angekommen. Vor gut sechs Jahren galten die<br />
Besitzer der ersten Läden – wie Georg Branny<br />
von »CaffèCouture«, Tobias Radinger von der<br />
»Kaffeefabrik« oder Evelyn Priesch und Werner<br />
Savernik von den »CoffeePirates« – als<br />
charmante Nerds, die für Aufruhr in der traditionsbewussten<br />
<strong>Wiener</strong> Kaffeehauslandschaft<br />
sorgten. Heute zählen sie zu den Pionieren der<br />
Qualitätsoffensive im Kaffeehäferl. Alleine in<br />
Wien gibt es etwa zwanzig Betriebe, die der<br />
»Third Wave« zugerechnet werden können –<br />
und die Szene wächst immer weiter.<br />
»Wer das erste Mal einen<br />
hochwertigen Kaffee trinkt,<br />
erkennt sofort den Unterschied<br />
zu Industriekaffee.«<br />
OTTO BAYER »Balthasar«, Wien<br />
BOHNEN-FEST<br />
Nikolaus Hartmann ist einer dieser Neuzugänge.<br />
Er hat letztes Jahr seine »Süssmund<br />
Kaffeebar« in der Wipplingerstraße eröffnet.<br />
Früher lehrte er an der Uni Architektur, heute<br />
weiß er Gäste mit seiner Leidenschaft für<br />
Kaffee zu begeistern. Entscheidend für die<br />
Qualität, erzählt Hartmann, ist wie beim<br />
Wein bereits der Ort, an dem die Pflanze<br />
wächst, ab welcher Reife sie geerntet wird,<br />
wie die Bohnen geröstet und wie sie vom<br />
Barista schließlich verarbeitet werden.<br />
»Third Wave Coffee Bars« zeichnet aus, dass<br />
sie sich über jedes Glied in dieser Kette<br />
Gedanken machen.<br />
Schon vor drei Jahren gründete Nikolaus<br />
Hartmann, der auch mehrfacher Filterkaffee-<br />
Staatsmeister ist, seine Mikro-Rösterei und<br />
wurde zur Hausmarke von Cafés wie »Jonas<br />
Reindl« in der Währingerstraße. Dass die<br />
Gäste von »Jonas Reindl« den Handelsweg<br />
der Kaffeebohne genau nachvollziehen können<br />
– vom Bauer über den Röster bis ins<br />
Häferl –, zeichnet alle Third-Wave-Lokale<br />
aus. Damit fördern sie ein neues Produktbewusstsein<br />
beim Konsumenten.<br />
»COFFEE IS THE NEW SHIT«<br />
Haben also »Jonas Reindl«, Nikolaus Hartmann<br />
und die anderen Third-Wave-Vertreter<br />
eine neue Kaffeequalität in die österreichische<br />
Gastronomie gebracht?<br />
»Ja«, ist Otto Bayer vom »Balthasar«<br />
überzeugt, »auch wenn wir noch am Anfang<br />
stehen. Ich erkenne erste zarte Pflänzchen, es<br />
findet ein Umdenken statt, und viele Restaurants<br />
interessieren sich immer mehr für das<br />
Thema. Wie beim Wein, verkosten sie verschiedene<br />
Sorten und machen sich Gedanken<br />
zum Herstellungsprozess.«<br />
Schon 2012 verkündete der dänische Starkoch<br />
René Redzepi am »Nordic Barista<br />
><br />
spezial<br />
25
festwochen / NEUES ENTDECKEN<br />
Vorreiter: Die »Kaffeefabrik«<br />
war eines der ersten Third-<br />
Wave-Cafés in Wien.<br />
><br />
Cup«: »Coffee is the new shit!« Seinen<br />
Worten ließ er Taten folgen. In seinem<br />
»Noma« in Kopenhagen erhielten alle Mitarbeiter<br />
eine Kaffee-Fortbildung, das Kaffeeangebot<br />
wechselte laufend und wurde an die<br />
Menüs angepasst. Auch das Münchner »Tantris«<br />
bereitet den frisch gerösteten Kaffee direkt<br />
am Tisch seiner Gäste zu. Und das <strong>Wiener</strong><br />
Spitzenrestaurant »Mraz & Sohn« stellt Kaffee<br />
gerne in den Mittelpunkt seiner Desserts<br />
und wählt dafür nur beste Qualitäten.<br />
Die Third-Wave-Bewegung scheint langsam<br />
in der Masse anzukommen. Das Image von<br />
Kaffee-Freaks hing ihr auch deswegen an, weil<br />
sie die Zubereitung zur Wissenschaft erklärte.<br />
Im »Balthasar« wird der Kaffee etwa mit einer<br />
»In der Gastronomie findet ein<br />
Umdenken statt. Immer mehr<br />
Restaurants beschäftigen sich<br />
mit dem Thema Kaffee.«<br />
OTTO BAYER »Balthasar«, Wien<br />
Bei den »CoffeePirates« gibt<br />
es ausschließlich direkt<br />
gehandelten Kaffee.<br />
Fotos: Shutterstock, Nicky Webb, Heinz Holzmann, beigestellt<br />
26 spezial
Otto Bayer bereitet<br />
feinsten Filterkaffee<br />
im »Balthasar« zu.<br />
Hario V60, Kalita und Chemex oder als »kalter<br />
Kaffee« gefiltert (siehe Infokasten unten).<br />
Heute wird ein solcher Cold Brew von der<br />
Rösterei »J. Hornig« in Flaschen abgefüllt und<br />
in Supermärkten verkauft, »Starbucks« bietet<br />
einen für »to go« an, und das Café im »Park<br />
Hyatt« kredenzt nicht nur Klassiker, sondern<br />
auch Filterkaffee nach Chemex-Methode und<br />
stellt auf einer eigenen Karte die Aromenprofile<br />
der Bohnen vor. Etwas, das in Third-Wave-<br />
Lokalen längst selbstverständlich ist. <<br />
BALTHASAR<br />
Praterstraße 38, 1020 Wien<br />
T: +43 664 3816855, balthasar.at<br />
SÜSSMUND KAFFEEBAR<br />
Wipplingerstraße 11, 1010 Wien<br />
www.suessmund.at<br />
JONAS REINDL<br />
Währinger Straße 2–4, 1090 Wien<br />
www.jonasreindl.at<br />
COFFEEPIRATES<br />
Spitalgasse 17, 1090 Wien<br />
coffeepirates.at<br />
Alle »Third Wave Coffee Bars«:<br />
www.falstaff.at/thirdwave<br />
THE NEW WAY TO BREW<br />
CHEMEX<br />
HARIO V60<br />
AEROPRESS<br />
COLD BREW<br />
Die Chemex-Karaffe ist vor allem<br />
für ihre Sanduhrform berühmt.<br />
Einige Brühtipps: Filter zuerst<br />
befeuchten. Erst dann Kaffeepulver<br />
einfüllen und mit circa<br />
90 Grad warmem Wasser kreisförmig<br />
befeuchten. Kaffee<br />
30 Sekunden quellen lassen<br />
(»Blooming«), dann aufgießen.<br />
Hario ist eine japanische Glasmanufaktur.<br />
Ihr V60-Modell ist<br />
ein weltweit gefragter Handfilter.<br />
Anstelle der sonst üblichen zwei<br />
Ausflusslöcher hat die V60 eine<br />
große Öffnung und Rillen an der<br />
Innenwand. Diese dienen dazu,<br />
dass sich das Kaffeepulver ausdehnen<br />
kann.<br />
Die Aeropress besteht aus<br />
einem Presskolben und einem<br />
Brühzylinder, in den kleine, runde<br />
Filter eingesetzt werden. Das<br />
Kaffeepulver wird bis zur Markierung<br />
mit Wasser aufgegossen.<br />
Anschließend wird der Kaffee mit<br />
dem Presskolben direkt in die<br />
Tasse gedrückt.<br />
Der Kaffee wird mit lauwarmem<br />
Wasser gebrüht. Das erfordert<br />
Geduld, denn die Extraktion kann<br />
bis zu zwölf Stunden dauern.<br />
Das Kaffeepulver sollte einen<br />
mittleren Mahlgrad haben.<br />
Das Ergebnis schmeckt pur,<br />
aber auch mit Milch, Eis oder<br />
sogar als Zutat in einem Cocktail.<br />
www.chemexcoffeemaker.com<br />
www.hario.jp<br />
www.aeropress.com<br />
www.dripster.de<br />
spezial<br />
27
festwochen<br />
/ NEUES ENTDECKEN<br />
»LEUTE, REDET<br />
MITEINANDER!«<br />
Zwei Gastro-Experten am runden Tisch: Peter Dobcak<br />
und Wolfgang Binder, Fachgruppenobmänner von der<br />
Wirtschaftskammer Wien, über Foodtrucks, »Kaffee-<br />
Piraten« und Kultur als Plattform für Gastronomie.<br />
INTERVIEW MICHAELA ERNST<br />
FOTOS RUDI FROESE<br />
FALSTAFF Wenn Sie als Fachgruppenobmänner<br />
einen Wunsch an die eigene Branche<br />
richten sollten, wie würde dieser lauten?<br />
PETER DOBCAK Grundsätzlich wollen wir<br />
unseren Kolleginnen und Kollegen großen<br />
Dank aussprechen, dass sie täglich aufs Neue<br />
vor zeigen, wie wichtig es ist, Menschen eine<br />
schöne Zeit zu bereiten. Ich wünsche mir, dass<br />
diese Innovationskraft in einer sehr volatilen<br />
Zeit – und die erlebt die Gastronomie im<br />
Moment sehr stark – erhalten bleibt. Damit<br />
meine ich, dass man Ideen hat oder diese aus<br />
dem Ausland importiert. Wir alle leben auch<br />
davon, dass man sich was abschaut von<br />
anderswo und überlegt: Wie kann ich das<br />
erfolgreich nach Wien bringen?<br />
WOLFGANG BINDER Ich würde mir<br />
wünschen, dass man dieses weltberühmte<br />
Kaffeehaus-Feeling weiterhin stark nützt:<br />
Dieses traditionsreiche »Ins-Kaffeehaus-<br />
Gehen«, sich unterhalten, Leute treffen, miteinander<br />
kommunizieren – das kann immer<br />
wieder neu interpretiert werden. Gerade in<br />
unserer heutigen schnelllebigen Zeit ist das<br />
gemeinsame Plaudern und Diskutieren umso<br />
wertvoller.<br />
FALSTAFF Zurück zum Innovationsgedanken:<br />
Wie schaut Erneuerung aus in einer Stadt<br />
wie Wien, die einerseits viel Besuch von außen<br />
bekommt, der oft das Traditionelle sucht,<br />
andererseits aber Bewohner hat, die in einer<br />
modernen Stadt leben wollen?<br />
DOBCAK Es gilt, eine Brücke zu schlagen<br />
zwischen den altbekannten Bildern, die man<br />
mit Wien assoziiert, und der Moderne. Für<br />
mich gibt es zwei Schienen der Innovation:<br />
Wolfgang Binder: »Macht das Kaffeehaus<br />
wieder zum Wohnzimmer der Menschen.«<br />
einerseits die Optimierung der internen Ablauf -<br />
professionalität, was die Unternehmensführung<br />
betrifft, und andererseits die Unterstützung<br />
für neuartige Projekte wie zum Beispiel<br />
Foodtrucks.<br />
BINDER Interessante Konzepte liefern zum<br />
Beispiel die Bäckereien, die jetzt auch Kaffeehäuser<br />
sind. Die sprechen eine neue Ziel gruppe<br />
an. Oder die »CoffeePirates« im neunten<br />
Bezirk: Dort wird direkt im Lokal geröstet<br />
und danach gleich ausgeschenkt.<br />
FALSTAFF Sie selbst haben ja auch Lokale …<br />
DOBCAK Bis vor zwei Jahren hatte ich ein<br />
Studentenlokal im Achten, das »La Boule«,<br />
heute heißt es »Living Room«. Jetzt habe ich<br />
28 spezial
einen Foodtruck, einen 1969er Citroën HY<br />
aus dieser Blechkistenserie. Den baue ich gerade<br />
mit zwei jungen, sehr engagierten Kollegen<br />
zu einem Eisgeschäft um.<br />
BINDER Ich betreibe mit dem »Café Frauenhuber«<br />
das älteste Kaffeehaus Wiens. Es hat<br />
Mitte des 18. Jahrhunderts als Restaurant aufgemacht,<br />
hinterm Herd ist damals der Leibkoch<br />
von Maria Theresia gestanden. Später<br />
wurde es in ein Kaffeehaus umgewandelt. Seit<br />
1968 ist es im Besitz unserer Familie. Wir bieten<br />
auch ein vielfältiges Speisenangebot. Das<br />
braucht man heute, sonst funktioniert das<br />
Geschäft nicht.<br />
FALSTAFF Sie haben beide vor zwei<br />
be ziehungsweise einem Jahr Ihre Ämter angetreten,<br />
um neuen Schwung in Ihre Branche<br />
zu bringen. Was verstehen Sie darunter?<br />
DOBCAK Als Unternehmer muss man das<br />
Rad oft selbst neu erfinden und ist sich gar<br />
nicht bewusst, welche Leistungen die Wirtschaftskammer<br />
eigentlich anbietet, weil wir<br />
oft im Hintergrund agieren. Deshalb setze<br />
ich auf eine verstärkte Kontaktpflege zu den<br />
Mit gliedern, unter anderem via Social Media,<br />
denn ein Smartphone hat jeder. Meine<br />
Vision wäre, dass die Diskussion über die<br />
Sinnhaftigkeit einer Mitgliedschaft in einer<br />
Fachgruppe nach meinen ersten fünf Jahren<br />
Amtszeit beendet ist. Das Leistungs portfolio,<br />
das wir anbieten, muss besser rüberkommen.<br />
Peter Dobcak: »Ich wünsche mir<br />
ein Weg vom Ich-Denken.«<br />
BINDER Ich bin da bei Peter Dobcak: Wir<br />
müssen unsere Services intensiver anbieten,<br />
aber auch verstärkt Kontakt zu den Gästen<br />
unserer Mitglieder auf nehmen. Nach dem<br />
Motto: Macht das Kaffeehaus wieder zu<br />
eurem zweiten Wohnzimmer! Parallel dazu<br />
müssen wir ausrufen: Leute, setzt euch wieder<br />
öfter in eure Wohnzimmer! 75 Prozent<br />
unserer Gäste sind <strong>Wiener</strong> Publikum. Dieses<br />
ist uns – neben den Besuchern aus aller Welt<br />
– besonders lieb und wertvoll. Im Tourismus<br />
gibt es ja immer wieder Schwankungen. Als<br />
die Russen und die Chinesen auf einmal<br />
weg blieben, haben wir das sehr stark<br />
gemerkt. Das sind Besucher, die im Schnitt<br />
500 Euro am Tag in der Stadt ausge geben<br />
haben, wenn die wegfallen, spüren wir das.<br />
FALSTAFF Was hat Sie letztlich dazu<br />
be wogen, zusätzlich zu Ihrer Unternehmerauch<br />
eine Funktionärsrolle anzunehmen?<br />
DOBCAK Die Rolle des Funktionärs hat sich<br />
heute vollkommen verändert. Es geht nicht<br />
mehr, dass man als Interessenvertreter zu den<br />
Wirten schaut, ein Glaserl mit ihnen trinkt,<br />
sich anhört, was sie zu sagen haben und ><br />
spezial<br />
29
festwochen<br />
/ NEUES ENTDECKEN<br />
Solor apicias persperfe<br />
rum que voluptatis dol<br />
uptam harum rehendus<br />
><br />
dann weiterzieht. Unsere Mitglieder sollen<br />
wissen, dass wir sie mit allen notwendigen<br />
behördlichen Informationen versorgen,<br />
wenn zum Beispiel ein Umbau oder eine<br />
Renovierung ihres Lokals ansteht. Das ist<br />
gleichzeitig auch eine Holschuld.<br />
BINDER Wir wollen unseren Mitgliedern als<br />
Partner in allen betrieblichen Belangen mit<br />
Rat und Tat zur Seite stehen. Die Unternehmen<br />
sollen die Fachgruppe Kaffeehäuser vertrauensvoll<br />
als ersten Ansprechpartner kontaktieren.<br />
Ihre Interessen liegen uns am Herzen,<br />
und wir setzen uns für deren Erreichung ein.<br />
Das ist mir wichtig.<br />
FALSTAFF Noch einmal zum Foodtruck:<br />
Herr Dobcak, ist es Ihre amerikanische<br />
Vergangenheit – Sie haben ja lange in den<br />
USA gelebt –, die da durchschlägt?<br />
DOBCAK Überhaupt nicht. Das ist ein Trend,<br />
der schon länger bei uns angekommen ist.<br />
Nun gilt es, ihn auszubauen. Ein Foodtruck ist<br />
jung, dynamisch, hip und signalisiert Flexibilität.<br />
Es ist ganz gut, wenn der Obmann der<br />
Gastronomen auf dieser Welle mitschwimmt<br />
und ihr nicht hinterherrudert. Im Moment<br />
muss man bei uns allerdings noch jeden Standort<br />
einzeln beantragen, denn fahrende Händler<br />
sind in Wien verboten. Derzeit verhandeln wir<br />
mit der Stadt um sinnvolle Standorte, damit<br />
wir uns dann intern ausmachen, wer wann auf<br />
welchem Platz steht, sodass sich eine lebendige<br />
Foodtruck-Szene entwickelt.<br />
außergewöhnliche Lokale besucht und dort<br />
etwas über deren Geschichte und die Kunst<br />
der Kaffeezubereitung erfährt. Bei dieser Tour<br />
geht es auch darum, einen guten Mix aus<br />
besonders traditionsreichen und besonders<br />
innovativen Betrieben zu kreieren. Wir sind<br />
gerade dabei, zu schauen, wie wir das mit den<br />
Fremdenführern hinbekommen.<br />
FALSTAFF Sie entstammen beide aus Gastro -<br />
nomiefamilien. Gibt es etwas, was Sie in<br />
Erinnerung haben und was Ihnen heute als<br />
wichtig erscheint?<br />
DOBCAK Meine Eltern hatten das »Berghotel<br />
Rudolfshütte« am Weißsee gepachtet. Es liegt<br />
auf 2315 Meter Höhe, und das prägendste<br />
Erlebnis damals war die allgemeine positive<br />
Stimmung. Man ist ja dort nur mit der Gondel<br />
raufgekommen, so haben wir in einer großen<br />
Gemeinschaft gelebt. Meine Eltern waren<br />
sozusagen das Familienoberhaupt für alle<br />
Mitarbeiter. Und dieses Familiengefühl, dieses<br />
Weg vom Ich-Denken würde ich mir auch<br />
heute für unsere Branche wünschen.<br />
FALSTAFF Solche Konzepte passen eigent -<br />
lich auch gut zu den <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong>,<br />
die heuer an fast 30 verschiedenen Spielorten<br />
ausgetragen werden.<br />
BINDER Natürlich – auch wir wollen diese<br />
Kulturplattformen verstärkt nützen, um ins<br />
Gespräch zu kommen. Nirgendwo auf der<br />
Welt gibt es eine so ausgeprägte Kaffeehauskultur<br />
wie in Wien. Um diesen Spirit zu<br />
fördern, sollten wir viel Wert auf sie legen.<br />
Deshalb haben wir gemeinsam mit Radio<br />
Wien und dem Tourismusverband ein Konzept<br />
ausgearbeitet, bei dem man im Rahmen einer<br />
zweistündigen Kaffeehaus-Tour fünf bis sechs<br />
»Wir planen eine Kaffeehaus-Tour, bei der man fünf bis sechs<br />
außergewöhnliche Lokale besucht und dort etwas über deren<br />
Geschichte und die Kunst der Kaffeezubereitung erfährt.«<br />
WOLFGANG BINDER Fachgruppenobmann Kaffeehäuser Wien<br />
30 spezial
»Derzeit verhandeln<br />
wir mit der Stadt um<br />
Stand orte, damit sich<br />
eine lebendige Foodtruck-Szene<br />
entwickelt.«<br />
PETER DOBCAK Fachgruppenobmann<br />
Gastronomie Wien<br />
und dann haben wir jede weitere Entscheidung<br />
gemeinsam getroffen. Seit 2005 bin ich<br />
zu hundert Prozent im Betrieb.<br />
FALSTAFF Haben Sie je an Ihrer Entscheidung<br />
gezweifelt?<br />
BINDER Keinen einzigen Tag! Denn in der<br />
Baubranche wird heute alles nur mehr vertraglich<br />
und via Anwalt geregelt. In unserem<br />
Gewerbe aber setzt man sich zusammen,<br />
trinkt gemeinsam etwas und spricht sich<br />
aus. Da herrscht noch Handschlagqualität!<br />
Das schätze ich sehr!<br />
FALSTAFF Neigt man nicht dazu, Kindheitserinnerungen<br />
zu verklären?<br />
DOBCAK Natürlich tut man das. Zumal wir<br />
auch phasenweise Selbstversorger waren.<br />
Zum Beispiel hatten wir Kinder unser<br />
Zimmer neben dem Schweinestall. Wir haben<br />
erlebt, wie Tiere, die wir vielleicht am Vortag<br />
noch an den Ohren gekrault haben, geschlachtet<br />
wurden. Trotzdem hat uns der<br />
Schweinsbraten geschmeckt. Ich mag auch<br />
nicht wissen, wie viele Beziehungen fürs<br />
Leben im Hotel meiner Eltern entstanden<br />
sind, weil man oft wetterbedingt tagelang<br />
nicht ins Freie konnte. Es wurde damals<br />
ohne schlechtes Gewissen gegessen, getrunken,<br />
geraucht – und wie nebenbei hat diese Generation<br />
auch noch das Wirtschaftswunder<br />
geschafft.<br />
FALSTAFF Wie war das bei Ihnen,<br />
Herr Binder?<br />
BINDER Ich bin ein begeisterter Spätberufener.<br />
Denn ursprünglich wollte ich meinen<br />
Lebensmittelpunkt gar nicht in die Branche<br />
verlegen, schließlich habe ich früher etwas<br />
ganz anderes gemacht. Ich war in einem technischen<br />
Bereich, in der Baubranche tätig. Im<br />
Jahr 2000 hat mich mein Vater gefragt, ob<br />
ich ins Kaffeehausgeschäft einsteigen will,<br />
FALSTAFF Was hat Ihr Vater richtig<br />
gemacht, dass Ihnen das Kaffeehaus so<br />
ans Herz gewachsen ist?<br />
BINDER Er hat keinen Druck ausgeübt und<br />
war offen für meine Ideen, die ich einbringen<br />
wollte. Bei meiner Tochter halte ich es genauso.<br />
Sie ist heute 20 Jahre alt und hilft teilweise<br />
bei uns aus. Schauen wir einmal, wohin ihr<br />
Weg sie führen wird. Jedenfalls überlasse ich<br />
ihr die Entscheidung.<br />
FALSTAFF Herr Dobcak, stimmt es, dass<br />
Sie jeden Tag einen grünen Smoothie trinken<br />
und drei Zigaretten pro Woche rauchen?<br />
DOBCAK Ich trinke nicht jeden Tag, aber<br />
regelmäßig meine Smoothies. Ich habe nämlich<br />
eine wunderschöne Frau und würde es für<br />
anmaßend halten, zu sagen: Sie schaut auf<br />
sich und das reicht für uns beide. Man muss<br />
schon gut auf sich achten – gerade in meiner<br />
Funk tion. Aber es wird ohnedies immer besser<br />
akzeptiert, wenn ich sage: Heute trinke ich<br />
keinen Wein, kein Bier, sondern ein Cola<br />
Light oder ein Mineralwasser. Und zu den<br />
Zigaretten: Das stimmt nicht, denn ich rauche<br />
nur Zigarre, und auch die nicht jede Woche.<br />
Ich bin zwar für eine strikte Trennung<br />
zwischen Essens- und Raucherbereich, aber<br />
es muss auch Plätze geben, wo man unter<br />
Gleichgesinnten weiterhin diesen Freuden<br />
nachgehen kann. <<br />
spezial<br />
31
festwochen<br />
/ NEUES ENTDECKEN<br />
KOMMT KUNST<br />
VON KOCHEN?<br />
Foto: Getty Images<br />
32 spezial
Legendäres Mahl, spektakulärer<br />
Preis: »Das letzte Abendmahl«<br />
des chinesischen Künstlers<br />
Zeng Fanzhi erzielte 2013 bei<br />
einer Auktion in Hongkong etwa<br />
17 Millonen Euro.<br />
Ist Kochen ein kreativer Prozess<br />
oder schlicht ein Handwerk?<br />
Und wie wird Essen zu Kunst?<br />
Falstaff suchte nach Antworten<br />
und fand sie unter anderem bei<br />
Peter Kubelka, der einst Kunstprofessor<br />
für Kochen war.<br />
TEXT JOACHIM RIEDL<br />
spezial<br />
33
festwochen<br />
/ NEUES ENTDECKEN<br />
Kulinarik und Kunst gehen<br />
bei Daniel Spoerris Werken<br />
eine enge Verbindung ein.<br />
Am Anfang war die Speise.<br />
Genüsslich spitzt Peter<br />
Kubelka die Lippen. Der<br />
<strong>Wiener</strong> Vortragskünstler ist<br />
in seiner Kochvorlesung bei<br />
jenem Punkt angelangt, an<br />
dem er davon erzählt, wie einst ein kreatives<br />
Genie den ersten Braten in der Geschichte der<br />
Menschheit erschuf. Das sei gewissermaßen<br />
die Geburtsstunde der Zivilisation gewesen.<br />
Feuer, Wasser, Luft, Materie, Raum und Zeit<br />
habe dieser Ahnherr aller Küchenchefs zu<br />
einem elementaren Schöpfungsakt vereinigt.<br />
Daher, so Kubelka, sei der urzeitliche Koch<br />
der erste bildende Künstler gewesen. Seinem<br />
Vorbild hätten alle übrigen Künstler, die<br />
Bildhauer, Maler oder Architekten, in ihrem<br />
Schaffensdrang nachgeeifert. Kunst, sagt<br />
Kubelka, komme von Kochen. Dieses Verdikt<br />
sprengt natürlich den herkömmlichen Kunstbegriff,<br />
dem der angestammte Kulturbetrieb<br />
frönt, und fordert ein Publikum heraus, das<br />
selbst Spitzenköchen nur handwerkliche<br />
Meisterschaft zugestehen will.<br />
KEbit quuntum quosaperovid ut<br />
inus, eos asperae et vel et lam<br />
hiliquis qui dolorit haribusape<br />
US-Superstar<br />
Jeff Koons.<br />
Daniel Spoerri<br />
gilt als Erfinder<br />
der »Eat Art«.<br />
Fotos: Getty Images, beigestellt<br />
34 spezial
Seit vielen Jahrzehnten allerdings verfolgt<br />
das heute 83-jährige Multitalent Kubelka<br />
konsequent seine entgegengesetzte Theorie,<br />
ein einsamer Prophet im Labyrinth der<br />
Mei nungsvielfalt. Ausgehend vom Experimentalfilm,<br />
erschlossen sich dem Autodidakten<br />
auf der Suche nach einem Welterklärungsmodell<br />
die Disziplinen der Musik, Philosophie<br />
und Anthropologie. Im Zentrum<br />
aber stand immer die Kochkunst. Sie bildet<br />
das Fundament seiner Universaltheorie.<br />
Jede Speise sei eine Metapher, doziert Kubelka,<br />
in welcher ein Koch all die unterschiedlichen<br />
Wesenshaftigkeiten ausdrückt,<br />
die seinen Kulturkreis ausmachen. »Nirgendwo<br />
sonst werden kulturelle Erkundigungen<br />
und Aneignungen, seelische und soziale<br />
Befindlichkeiten, menta le Bereicherung<br />
und Ver änderung so elementar erlebt<br />
und kommuniziert«, heißt es in einer von<br />
Kubelka inspirierten Eintragung in der kulinarischen<br />
Enzyklopädie des renom mier ten<br />
Fachmagazins »Kunstforum«, »als wie bei<br />
jenen Dingen, die wir uns einverleiben.« ><br />
Saftiges Tortenstück des<br />
Kitsch-Künstlers Koons.<br />
spezial<br />
35
festwochen<br />
/ NEUES ENTDECKEN<br />
><br />
Der ehemalige Sängerknabe Kubelka, der<br />
seine Kinderjahre am Schürzenzipfel seiner<br />
Großmutter, einer Innviertler Gasthausköchin,<br />
verbracht hatte, gilt als Pionier dieser nicht<br />
unumstrittenen Sichtweise. Er hat den alten<br />
Diskurs um Kochen und Kunst zumindest<br />
im deutschen Sprachraum neu entfacht, als er<br />
vor knapp vierzig Jahren an der Frankfurter<br />
Kunstuniversität Städelschule den Studiengang<br />
»Kochen als Kunstgattung« etablierte.<br />
Dazu wurde ein Bildhaueratelier leer geräumt<br />
und mit einer chromblitzenden Profiküche<br />
ausgestattet, in der Kubelka seine Vorlesungen<br />
abhielt. Der Andrang war groß, doch viele<br />
Studenten warfen bald enttäuscht den Kochlöffel<br />
hin. Bevor sie sich an kreative Höhenflüge<br />
wagen durften, mussten sie erst die<br />
hohen Künste des Zwiebelschneidens und<br />
Gemüseputzens erlernen. Denn wie jede andere<br />
Kunst, das wollte der strenge Kochprofessor<br />
seinen ungestümen Schülern einpauken,<br />
verlange auch Kochkunst große Disziplin<br />
und strebe nach Perfektion. Ohne Handwerk<br />
zerrinnt die Kunst zum Schmonzes.<br />
Mit seinen Wurst-Skulpturen<br />
(2014) parodierte Wurm<br />
Klassiker der Bildhauerei, etwa<br />
den »Kuss« von Rodin.<br />
Erwin Wurms »Dialog« mit dem<br />
Biedermeiermaler Carl Spitzweg,<br />
»Köstlich! Köstlich?« ist bis<br />
19. Juni im Leopold Museum zu sehen.<br />
»Nirgendwo sonst werden kulturelle Erkundigungen<br />
und Aneignungen, seelische und soziale Befindlichkeiten,<br />
mentale Bereicherung und Veränderung so elementar<br />
erlebt als wie bei den Dingen, die wir uns einverleiben.«<br />
PETER KUBELKA, Künstler<br />
Fotos: Getty Images/ Chris Faga, Rita Newman, moitorne.com, Inge Prader<br />
36 spezial
Dieses Credo verkündete Kubelka unermüd<br />
lich in seinen Kochvorlesungen von<br />
New York bis Uppsala. Der Jury des Eckart-<br />
Witzigmann-Preises war diese Beharrlichkeit<br />
2012 eine der begehrten Auszeichnungen<br />
wert, die vor ihm Größen wie Ferran Adrià<br />
oder Harald Wohlfahrt verliehen worden war.<br />
Vor allem rund um die Person des Kata lanen<br />
Adrià, der mit den überraschenden Kreationen<br />
der Molekularküche in seinem früheren<br />
Restaurant »elBulli« an der Costa Brava<br />
herkömmliche Geschmackserwartungen auf<br />
den Kopf stellte, wurde der Kunstbegriff im<br />
Küchenmetier neu belebt. Vor sieben Jahren<br />
wurde der experimentierfreudige Küchen chef<br />
zur Teilnahme an der Kunstausstellung »documenta«<br />
nach Kassel eingeladen. »Ich glaube<br />
nicht, dass es verschiedene Arten von Künstlern<br />
gibt«, rechtfertigte Kurator Roger M. Buergel<br />
seine ungewöhnliche Entscheidung. Dass<br />
ein gefeiertes Kochgenie einem Malerfürsten<br />
um nichts nachsteht, stand für den Kulturtheoretiker<br />
außer Frage.<br />
Der Disput über dieses Problem reicht weit<br />
zurück und beschäftigte schon Plato. Für den<br />
griechischen Philosophen zählte das Kochen<br />
zu den Geschicklichkeiten und war mithin<br />
als »ganz vernunftlose Tätigkeit« eine für<br />
den erlauchten Geist verpönte Beschäftigung.<br />
Dieses abwertende Urteil prägte das Denken.<br />
Momentaufnahme: Bei seinen<br />
Fallenbildern fängt Daniel<br />
Spoerri wie mit einer Falle<br />
ein Stück Alltag ein.<br />
»Es existiert keine Ästhetik des kulinarischen<br />
Geschmacksurteils«, meint der Kulturphilosoph<br />
Harald Lemke, »es gibt keine Theorie<br />
der kreativen Küche, keine kulturwissenschaftliche<br />
Auseinandersetzung mit Speise kreationen.«<br />
Vor allem im deutschen Kulturraum<br />
darf offensichtlich nur Kunst sein, was im<br />
Kopf theoretisch aufgedröselt werden kann.<br />
Friedrich Nietzsche meinte daher, er verdanke<br />
es der idealistischen Philosophie, stets nur<br />
schlecht gegessen zu haben: »Die Herkunft<br />
des deutschen Geistes« leitete er folgerichtig<br />
aus »betrübten Eingeweiden« ab. Auch der<br />
Dichter Heinrich Heine nahm es den Kantianern<br />
übel, mit ihrer »abstrakten Trockenheit«<br />
Literatur und Künsten geschadet zu haben.<br />
»Zum Glück«, spottete der nach Paris entflohene<br />
Schlemmer, »mischten sie sich nicht<br />
in die Kochkunst ein.«<br />
><br />
Kunst oder Essen? Ferran Adrià<br />
ist für seine detailverliebten<br />
Gerichte wie das Kokosnuss-<br />
Dessert in Blumenform berühmt.<br />
spezial<br />
37
festwochen<br />
/ NEUES ENTDECKEN<br />
Brotteig in Schreibmaschine:<br />
Daniel Spoerri setzt in seiner<br />
Objektkunst Lebensmittel ein.<br />
><br />
Im romanischen Europa nahm man den<br />
Konflikt weniger ernst. Marie-Antoine<br />
Carême, der Schöpfer der klassischen französischen<br />
Hochküche und jahrzehntelanger<br />
Leibkoch von Talleyrand, nannte wie selbstverständlich<br />
sein Hauptwerk »L’art de la<br />
cuisine française au XIXe siècle«, denselben<br />
Begriff wählte auch der große Escoffier für<br />
sein Kochbuch, das die Belle Époque dominierte.<br />
In Italien widmeten sich Futuristen<br />
rund um Filippo Tommaso Marinetti »der<br />
futuristischen Küche zur völligen Erneuerung<br />
des italienischen Ernährungssystems«. Im<br />
November 1930 servierten sie bei der<br />
Auftaktver anstaltung in einem Mailänder<br />
Restaurant revolutionäre Speisekreationen,<br />
etwa eine »Brühe aus Rosen und Sonne« oder<br />
einen »Regen aus Zuckerwatte«, und reichten<br />
zum Cocktail »Lachgasschaum Cinzano«.<br />
Die Kreationen waren zweifellos die Kopfgeburten<br />
ästhetischer Umstürzler.<br />
Auch wenn sich die meisten Spitzenköche,<br />
selbst gefeierte Küchenchefs, nicht immer sicher<br />
sind, ob sie sich als Künstler oder hoch-<br />
38 spezial<br />
><br />
Kunst komme von Kochen, ist Peter<br />
Kubelka überzeugt. Das Pariser Centre<br />
Pompidou ehrte den Künstler kürzlich<br />
und zeigte alle seine Filme.<br />
Fotos: Rita Newman, beigestellt
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festwochen<br />
/ NEUES ENTDECKEN<br />
Im Gegensatz zu solch anhaltenden Höhenflügen<br />
sind kulinarische Werke den Furien des<br />
Verschwindens ausgesetzt: Sie exis tieren nur<br />
in jenem flüchtigen Augenblick, in dem sie<br />
sinnlich wahrgenommen werden, und sind<br />
anschließend für alle Zeit verschwunden. Die<br />
Kulinarik ist fraglos die fragilste aller Künste,<br />
unwiederbringlich wie ein Glücksmoment.<br />
Was auf einem Teller zu liegen kommt, ist<br />
lediglich die handwerkliche Komponente –<br />
die kann umfassend beschrieben werden. Sein<br />
eigentliches Wesen offen bart ein kulinarisches<br />
Kunstwerk jedoch nur im Moment des Verschwindens<br />
– und dazu fehlen die Begriffe,<br />
was erklären dürfte, warum die Kunsttheorie<br />
die Kochkunst stets stiefmütterlich behandelt<br />
hat: Sie kann mit ihr nichts anfangen.<br />
Theodor W. Adorno, zweifelsfrei einer der<br />
ganz großen Theoretiker der Neuzeit, befand<br />
kategorisch, dass »Kunst und Küche sich ausschließen,<br />
was bedeutet, dass Kunst nicht dort<br />
sein kann, wo Lebensnotwendigkeit besteht«.<br />
><br />
Gel und Gelees mit flüssigem<br />
Kern: Ferran Adrià ist für seine<br />
Molekular-Kochkunst berühmt.<br />
><br />
qualifizierte Handwerker sehen sollen,<br />
so strebt die oberste Liga immer danach, mit ihrem<br />
Medium – prosaisch gesagt: der Verarbeitung<br />
von Nahrungsmitteln – neue Interpretationen<br />
der Realität zu schaffen. Eine Zielvorstellung,<br />
die sie mit allen übrigen Künstlern teilen.<br />
Der Österreicher Erwin Wurm etwa reinterpretierte<br />
Klassiker der Bildhauerei – unter<br />
anderem Rodins »Kuss« oder Giacomettis<br />
schreitende Figuren – in Form grotesker<br />
Würstchen-Skulpturen. Dass der international<br />
renommierte Künstler ausgerechnet zur Wurst<br />
griff, erklärt er damit, dass er mit »Würstchen<br />
und Gurken« aufgewachsen und die Wurst<br />
nicht nur eine Ikone für Konsum, sondern<br />
auch eine »gültige Form der Abstraktion« sei.<br />
US-Superstar Jeff Koons, der zu den höchstbezahlten<br />
Künstlern weltweit zählt, stellte ein<br />
pink schillerndes Tortenstück ins Zentrum<br />
seiner berühmten »Celebrations«-Serie, um<br />
damit seinem Drang und Hang zu Optimismus<br />
Ausdruck zu verleihen – »damit sich die<br />
Menschen besser fühlen«, wie er auf seine<br />
stets freundliche Art betont. Der chinesische<br />
Künstler Zang Fanzhi verarbeitet das im<br />
asiatischen Raum hochsensible Thema des<br />
Gesichtbewahrens in seinen »Maskenbildern«.<br />
Das berühmteste unter ihnen, eine<br />
Adaption von Leonardo da Vincis »Das letzte<br />
Abendmahl«, erzielte vor wenigen Jahren bei<br />
einer Auktion gar rund 17 Millionen Euro.<br />
Molekularküche mit Perfektionsanspruch<br />
von Ferran Adrià (im Bild)<br />
im »Tickets«: Litschi-Gelee, in einer<br />
Rose serviert.<br />
Fotos: moitorne.com, beigestellt<br />
40 spezial
Steinbruch St. Margarethen ©Andreas Tischler
festwochen<br />
/ NEUES ENTDECKEN<br />
Was vom gemeinsamen<br />
Mahl übrig bleibt: Fallenbild<br />
von Spoerri aus der Serie<br />
»Il Bistrot di Santa Marta«<br />
(Mailand, 2014).<br />
Man möchte sich nicht vorstellen, wie sich<br />
der gelehrte Kopf sein Leben lang ernährt hat.<br />
Gerade die ephemere Eigengesetzlichkeit ist<br />
aber die Idee, welche die Molekularküche von<br />
Ferran Adrià beflügelt und ihren Kunstanspruch<br />
rechtfertigt. Die Dinners im »elBulli«<br />
waren eine sorgfältig inszenierte Abfolge von<br />
20 oder 25 Gängen, bei denen die Nahrungsmittel<br />
bis zur Unkenntlichkeit manipuliert<br />
waren und mit frappierenden Geschmackserleb<br />
nissen verwirrten. Es gab genaue Anweisungen,<br />
wie die einzelnen Elemente zu konsumieren<br />
waren, damit sich die »fünfdimensionale<br />
Sensation« einstellte, wie das ein<br />
Kritiker nannte. Adrià war Autor und Regisseur<br />
eines Gesamtkunstwerks der Illusionskunst,<br />
die verblüffte, wie ein Trompe-l’œil das<br />
Auge mit vorgegaukelten Räumen täuscht.<br />
Nicht das einzelne Kochkunstwerk stand<br />
im »elBulli« im Mittelpunkt, sondern wie bei<br />
einer Performance der Ablauf eines künstlerischen<br />
Geschehens – verflogen wie die<br />
Geschmacksnebel, die den zerbrechlichen<br />
Hüllen entstiegen.<br />
Man könnte bei Adrià auch von »Eat Art«<br />
sprechen, hätte den Begriff nicht ein anderer<br />
geprägt, der sich nicht als Kochkünstler,<br />
sondern als Künstlerkoch sieht. Dem gebürtigen<br />
Rumänen Daniel Spoerri geht es ebenfalls<br />
um die Inszenierung eines Gesamt kunstwer<br />
ks, doch steht nicht das kulinarische Erlebnis,<br />
sondern dessen Gegenteil, der kuli narische<br />
Katzenjammer, im Mittelpunkt. Auch<br />
das versinnbildlicht die Vergänglichkeit der<br />
Kochkunst. Spoerri vereint Freunde um einen<br />
Esstisch, und wenn alle satt sind, ver ewigt er<br />
das abgegessene Ensemble zu einem seiner<br />
Fallenbilder. Die meist verwüs te ten Überreste<br />
eines Gelages sind alles, was übrig bleibt,<br />
wenn sich das Kochkunstwerk längst verabschiedet<br />
hat – und erklären sich nun ironischerweise<br />
zum Kunstwerk.<br />
<<br />
><br />
»Es gibt keine Theorie der<br />
kreativen Küche, keine<br />
kulturwissenschaftliche<br />
Auseinandersetzung mit<br />
Speisekreationen.«<br />
DANIEL SPOERRI Künstler<br />
Daniel Spoerri<br />
gilt als Erfinder<br />
der »Eat Art«.<br />
Fotos: Rita Newman, beigestellt<br />
42 spezial
Miele. Für das, was wir besonders lieben.<br />
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festwochen / NEUES ENTDECKEN<br />
44 spezial<br />
»P.A.R.S.I.F.A.L. IST ZU HAUSE ANGEOPERT WORDEN!«<br />
Foto: Jan Bauer<br />
Courtesy Jonathan Meese und Galerie Sies+Höke, Düsseldorf
MEESES<br />
MENU<br />
Wild und radikal präsentiert sich Jonathan Meese in der<br />
Kunstszene. Für Falstaff hat der deutsche Performancekünstler<br />
ein kosmopolitisches <strong>Festwochen</strong>-Menü<br />
zusammengestellt, das sich nicht minder bunt gibt.<br />
Drei <strong>Wiener</strong> Spitzenköche verraten ihre Rezepte dazu.<br />
FOTOS STUDIO FALSTAFF FOODSTYLING BENNI WILLKE<br />
TABLEWARE PETRALINDENBAUER.AT, LAMBERT-HOME.DE<br />
spezial<br />
45
festwochen / NEUES ENTDECKEN<br />
»Currywurst ist Liebe<br />
zum Wesentlichen:<br />
Alle Menschen sind,<br />
zum Glück, kleine<br />
Würstchen.«<br />
JONATHAN MEESE<br />
46 spezial
CURRYWURST<br />
Rezept von Sebastian Ziehaus, Restaurant »Zur Flotten Charlotte«, Wien, Österreich<br />
(für 4 Personen)<br />
ZUTATEN FÜR DIE CURRYSAUCE<br />
6 EL Ketchup<br />
1 Dose Pelati (geschälte Tomaten)<br />
3 EL Senf<br />
1 TL Cayennepfeffer<br />
1 weiße Zwiebel, gehackt<br />
1 Knoblauchzehe, gehackt<br />
2 EL Currypulver<br />
1 EL Honig<br />
Petersilie (als Dekoration)<br />
Salz, Pfeffer<br />
4 Currywürste Berliner Art, wie etwa von der<br />
Fleischerei Windisch (100 % Schweinewurst<br />
mit Zwiebel- und Apfelaroma)<br />
ZUBEREITUNG<br />
– Zwiebel und Knoblauch in Öl anbraten, Pelati kurz<br />
mixen und dazugeben.<br />
– Ketchup und Senf dazugeben und mit Salz, Pfeffer<br />
und Honig würzen.<br />
– Die Sauce für acht Minuten köcheln lassen, danach<br />
abschmecken.<br />
– Die bereits vorgegarten Würste für zehn bis fünfzehn<br />
Minuten auf die Grillplatte (190 °C) geben.<br />
HINWEIS<br />
Die Original-Currywurst gibt es selbstverständlich<br />
nur in der »Flotten Charlotte« – die Geheimzutat<br />
wird in diesem Rezept nicht verraten.<br />
FALSTAFF-GETRÄNKE-TIPP<br />
Jaipur (Craft Beer), Thornbridge, England<br />
Ein vielschichtiges IPA: florale Nuancen, Mango und<br />
Weizen, Honig, Zitruszesten. Am Gaumen komplex,<br />
seidige Textur, frisch und gut anhaltend, angenehm<br />
bitterer Hopfentouch im Abgang, zart nach Orangen<br />
im Rückgeschmack. www.beerlovers.at, € 3,50 (0,33 l)<br />
SEBASTIAN ZIEHAUS<br />
»<strong>Wiener</strong> Schmäh trifft auf Berliner Schnauze.« Wo?<br />
In der »Flotten Charlotte«, dem dritten und neuesten<br />
Streich von Szene gastronom Andreas Flatscher.<br />
Der kleine, aber feine Indoor-Nobel-Imbiss befindet<br />
sich, wie seine beiden anderen Lokale auch, in der<br />
Kaiserstraße. In allen dreien ist Sebastian Ziehaus<br />
Küchenchef, der fleißig am perfekten Currywurst-<br />
Rezept tüftelte. Der Weg der beiden kreuzte<br />
sich bereits 2002, und Ziehaus stand<br />
bis 2009 in dem Vorgängerlokal von<br />
»Flatschers«, der »Wäscherei«,<br />
am Herd. Nach einer zweijährigen<br />
Pause war Ziehaus<br />
dann auch der logische Küchenchef<br />
für das Steaklokal<br />
»Flatschers«, wo er seither<br />
tätig ist. Der perfekte<br />
Arbeitsplatz für einen<br />
Fleischtiger wie Ziehaus,<br />
denn: »Wenn das mit den<br />
Veganern und Vegetariern so<br />
weitergeht, dann seh’ ich mich<br />
mit meinem Steak bald bei den<br />
Rauchern vor der Türe.«<br />
Zusatzfoto: beigestellt<br />
spezial<br />
47
festwochen / NEUES ENTDECKEN<br />
HAUSGEMACHTE TAGLIATELLE<br />
MIT SAUCE BOLOGNESE<br />
Rezept von Christoph Brunnhuber, Restaurant »Fabios«, Wien, Österreich<br />
(für 4 Personen)<br />
ZUTATEN FÜR DEN PASTATEIG<br />
150 g glattes Mehl<br />
150 g Durum (Hartweizengrieß)<br />
12 Eidotter<br />
Salz<br />
2 EL Olivenöl<br />
ZUBEREITUNG<br />
– Auf einer glatten Arbeitsfläche Mehl und Durum<br />
vermischen, in der Mitte eine Mulde bilden,<br />
Eidotter, etwas Salz und Olivenöl hineingeben.<br />
So lange kneten, bis ein glatter Teig entsteht.<br />
– Teig in vier Teile schneiden und jeweils mit der<br />
Nudelmaschine dünn ausrollen.<br />
– Arbeitsfläche bemehlen, Teigblätter einrollen und<br />
in einen Zentimeter breite Streifen schneiden.<br />
ZUTATEN FÜR DIE BOLOGNESE<br />
50 g Butter<br />
50 g Pancetta, fein geschnitten<br />
1 Karotte, fein gewürfelt<br />
2 Stück Stangensellerie, fein gewürfelt<br />
1 Stück Zwiebel, fein geschnitten<br />
120 g Faschiertes vom Rind<br />
100 g Faschiertes vom Schwein<br />
125 ml Rotwein<br />
Rindsuppe, nach Bedarf<br />
1 EL Tomatenmark<br />
Salz, Pfeffer<br />
ZUBEREITUNG<br />
– Für das Ragout Butter in einem Topf schmelzen<br />
und den feingeschnittenen Pancetta darin braten.<br />
Das klein geschnittene Gemüse dazugeben und<br />
für zehn Minuten leicht rösten.<br />
– Das faschierte Fleisch dazugeben und braten, bis<br />
das Fleisch Farbe angenommen hat. Tomatenmark<br />
hinzufügen, kurz mitrösten und mit dem Rotwein<br />
ablöschen.<br />
– Den Wein zur Gänze reduzieren und nach Bedarf<br />
mit der Rindsuppe auffüllen. Für etwa 1½ Stunden<br />
leicht köcheln und stetig etwas Rindsuppe zugießen,<br />
bis eine sämige Konsistenz erreicht ist.<br />
Mit Salz und Pfeffer abschmecken.<br />
ZUTATEN ZUM SERVIEREN<br />
Parmesan, gerieben<br />
FERTIGSTELLEN<br />
- Die Tagliatelle in reichlich Salzwasser kochen,<br />
abseihen und unter die Fleischsauce mengen.<br />
- Mit geriebenem Parmesan servieren.<br />
FALSTAFF-WEINEMPFEHLUNG<br />
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CHRISTOPH BRUNNHUBER<br />
Christoph Brunnhuber ist eine treue Seele.<br />
So kehrte er nach einigen Jahren Abstinenz<br />
und einem kurzen Ausflug ins<br />
»Artner« am Franziskanerplatz<br />
zu seinem Patron<br />
Giacobello ins »Fabios«<br />
zurück und<br />
kocht dort nun<br />
eine radikal<br />
vereinfachte,<br />
aber dennoch<br />
fantastisch<br />
gute und leichte<br />
italieni sche<br />
Küche. Besonders<br />
mit seinen<br />
unterschiedlichen<br />
Pasta- und<br />
Risotto-Varia tionen<br />
begeistert Brunnhuber<br />
seine Gäste wie kaum ein<br />
anderer.<br />
Zusatzfoto: beigestellt<br />
48 spezial
»Spaghetti Bolognese ist für MEESE<br />
der ›Totalst-Western von morgen‹,<br />
also die Erzspeisung der Zukunft<br />
im Namen der Nudel-Kunst ›Parsifalmeese‹.«<br />
JONATHAN MEESE<br />
spezial<br />
49
festwochen / NEUES ENTDECKEN<br />
»Germknödel sind mit Liebe (Mohn)<br />
gefüllte Grundelemente (Knödel).«<br />
JONATHAN MEESE<br />
50 spezial
GERMKNÖDEL – DEKONSTRUIERT<br />
Rezept von Walter Leidenfrost, Restaurant »Ludwig Van«, Wien, Österreich<br />
(für 4 Personen)<br />
ZUTATEN FÜR DEN GERMSPONGE<br />
2 Eier<br />
1 Eidotter<br />
¼ Würfel Germ<br />
½ EL Germpulver<br />
25 g braune Butter<br />
ZUBEREITUNG<br />
– Alles zusammenmixen und danach sieben.<br />
In eine ISI-Flasche füllen und drei Kapseln<br />
verwenden. Für drei Stunden einkühlen.<br />
ZUTATEN FÜR DAS GERMEIS<br />
125 ml Milch<br />
125 ml Obers<br />
55 g Zucker<br />
½ Würfel Germ<br />
4 Eidotter<br />
Prise Salz<br />
ZUBEREITUNG<br />
– Milch, Obers, Zucker und Germ aufkochen und<br />
mit dem Eidotter zur Rose abziehen.<br />
– In Pacojet-Becher füllen und frieren. Alternativ<br />
kann man auch eine herkömmliche Eismaschine<br />
verwenden.<br />
ZUTATEN FÜR DIE MOHNKUGEL<br />
75 g Mascarpone<br />
1 Eidotter<br />
15 g Zucker<br />
40 ml Schlagobers<br />
1 EL Mohn gemahlen<br />
ZUBEREITUNG<br />
– Eidotter und Zucker warm aufschlagen, Schlagobers<br />
und Mascarpone hinzufügen und so lange<br />
rühren, bis die Sauce eindickt. Mohn unterrühren.<br />
– Creme in Halbkugeln füllen, frieren und danach<br />
zu Kugeln formen.<br />
ZUTATEN FÜR DAS MOHNKUGEL-GELEE<br />
250 ml Milch<br />
½ Vanilleschote, ausgekratzt<br />
11 g Gelificant (pflanzliche Gelatine)<br />
ZUBEREITUNG<br />
– Alles drei Minuten durchkochen und die gefrorenen<br />
Mohnkugeln mithilfe eines Zahnstochers gelieren.<br />
– Im Kühlschrank abgedeckt langsam aufgehen<br />
lassen.<br />
ZUTATEN FÜR DIE MOHN-BRAUNE-BUTTER-<br />
MOUSSE<br />
1 Ei<br />
125 g Mascarpone<br />
25 g Zucker<br />
1 Blatt Gelatine<br />
175 ml Obers<br />
15 g braune Butter<br />
25 g Mohn, gemahlen<br />
ZUBEREITUNG<br />
– Eier und Zucker über Wasserdampf schaumig<br />
schlagen, Mascarpone, braune Butter und Mohn<br />
dazuschlagen. Die Gelatine in Wasser einweichen,<br />
gut ausdrücken und in der warmen Masse auflösen.<br />
Das halbsteife Obers unterheben.<br />
– Gleichmäßig auf Luftpolsterfolie streichen<br />
und frieren.<br />
– Mit runden Ausstechern Ringe ausstechen und<br />
bis zum Anrichten wieder frieren.<br />
ZUTATEN FÜR DAS ANRICHTEN<br />
Etwas Powidl<br />
ANRICHTEN<br />
– Germsponge in einem Plastikgeschirr für rund<br />
40 Sekunden in der Mikrowelle backen, danach<br />
in flüssige braune Butter tunken.<br />
– Germeis im Pacojet herunterlassen.<br />
– Gefrorene Mohnmousse auf dem Teller platzieren,<br />
selbst gemachten Powidl punktuell auf den Teller<br />
spritzen.<br />
– Mohnkugel auf die Mousse geben, lauwarmen<br />
Germsponge auf dem Teller platzieren und das Eis<br />
darauf setzen.<br />
WALTER LEIDENFROST<br />
Walter Leidenfrost ist mit seinen 29 Jahren schon<br />
viel herum gekommen. Der Jungkoch sammelte<br />
seine Erfahrungen an den feinsten Adressen<br />
Österreichs, unter anderem bei »Meinl am Graben«,<br />
dem »Pfarrwirt«, dem »Steira Wirt« in Trautmannsdorf<br />
oder im »Kussmaul« sowie im Edelbeisl<br />
»Weinhaus Arlt«. Für seine moderne <strong>Wiener</strong> Küche<br />
erhielt Leidenfrost zahlreiche Auszeichnungen, war<br />
2015 »Falstaff Rookie des Jahres« und gibt sein<br />
Talent heute im »Ludwig Van« zum Besten.<br />
FALSTAFF-WEINEMPFEHLUNG<br />
2015 Eiswein Cuvée<br />
Liliac & Weingut Kracher, Illmitz, Österreich<br />
Eine rumänisch-burgenländische Koproduktion mit<br />
facettenreichem Nasen- und Gaumenspiel: Litschi<br />
und Pfirsich mit Noten von Wiesenkräutern, am Gaumen<br />
tropenfruchtig und lebendig, zarter Honigtouch<br />
im Nachhall, reife Ananas im Finish.<br />
www.kracher.at, € 21,90 (0,375 l)<br />
Zusatzfoto: Jürgen Hammerschmidt<br />
spezial<br />
51
festwochen<br />
/ NEUES ENTDECKEN<br />
» MEESE LIEBT<br />
FAST<br />
ALLE<br />
FRESSALIEN «<br />
Für die <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong> inszeniert er Richard Wagners »Parsifal«,<br />
für Falstaff seine persönliche Genusswelt: Jonathan Meese über die<br />
»Gastronomie der Liebe«, seine japanische »Erzbabyprägung« und<br />
warum Kunst aus dem Bauch kommt.<br />
INTERVIEW MICHAELA ERNST<br />
FALSTAFF Man weiß zwar seit Richard Wagners<br />
»Parsifal«, dass ein Festmahl ohne Gral<br />
sinnlos ist, wie aber würde Ihr persönliches<br />
Festmahl aussehen?<br />
JONATHAN MEESE Meeses persönliches<br />
Festmahl besteht aus Liebe, also Respekt zu<br />
allem, was bei Tisch ist. Essen, Trinken, Gäste<br />
und Räumlichkeit muss liebevollst ineinandergreifen,<br />
ohne Angst, ohne Ideologie, ohne Religion<br />
und ohne Politik.<br />
Was müsste Ihr Gral können?<br />
Der Gral müsste entheiligt werden, also Evolution<br />
sein. Der Gral muss entmachtet sein, am<br />
besten er entmachtet sich selbst, denn er ist<br />
nur Projektion.<br />
Der »Parsifal« war zuweilen für Sie mit recht<br />
dramatischen Momenten verbunden – zuletzt<br />
endete Bayreuth mit einem Rausschmiss.<br />
Haben Sie schon Ähnliches in der Gastronomie<br />
erlebt?<br />
In der Gastronomie erlebt Meese nur Kunstbestes.<br />
Es gilt: Wie man in den Wald hineinruft,<br />
so schallt es heraus. Meese liebt »Gastronomie<br />
der Liebe« und genießt ohne Hintergedanken.<br />
Meese ist kunstliebevollster Gast jeder<br />
liebevollen Gastronomie.<br />
Sind Köche Künstler?<br />
Köche, die mit Liebe kochen, sind immer<br />
Künstler, also Zukunft, also kunstvollste<br />
Spielkinder. Essen, Trinken und Schlafen<br />
sind Grundvoraussetzungen des Lebens.<br />
Köche, die ohne Falsch, ohne Zynismus und<br />
ohne Ideologie kochen, servieren nur Wunderbarstes.<br />
Totale Hingabe zur Kochkunst ist<br />
nicht vortäuschbar.<br />
Sie sagen, Sie tun sich schwer, so etwas wie ein<br />
»Lieblingsessen« zu definieren. Hängt das mit<br />
Ihrer kosmopolitischen Prägung zusammen?<br />
Sie sind ja in Tokio geboren, in Deutschland<br />
aufgewachsen und als Künstler sowieso international<br />
tätig.<br />
Meese liebt fast alle Fressalien. Essen und Trinken<br />
darf nicht ideologisiert werden. Meese<br />
muss einmal die Woche, mindestens, erzjapanisch<br />
essen gehen, das ist die Erzbabyprägung<br />
Samurai.<br />
Versuchen wir es trotzdem: Tokio oder Paris?<br />
Berlin oder London?<br />
Tokio und Berlin, dann blitzartigst Paris und<br />
London. Alles vom Speise- und Trankfeinstem.<br />
Laut einer Story im Nachrichtenmagazin »Der<br />
Spiegel« behauptet Ihre Mutter, Sie würden zu<br />
viel Essen. Stimmt das?<br />
Mutter Meese weiß, dass Meese klarst zu viel<br />
futtert, aber was soll man machen! Meese liebt<br />
nun mal das Schnabbeln und das Weinchen<br />
und den Milchshake. Kunst kommt aus dem<br />
Bauch, nicht aus dem ideologischen Hirn.<br />
Kann man das überhaupt, nur in einer Sache<br />
maßlos sein?<br />
Meese ist in allem maßlos, was Kunst ist, das<br />
ist die Grundvoraussetzung und die Grundversorgung<br />
von Kunst. Meese lehnt jedes Maß der<br />
Fotos: Jonathan Meese<br />
52 spezial
»Köche,<br />
die mit Liebe kochen,<br />
sind immer Künstler,<br />
also Zukunft,<br />
also kunstvollste<br />
Spielkinder.«<br />
Realität ab. Meese bedient nur Antirealität.<br />
Ihre schönste Erinnerung der Maßlosigkeit?<br />
Meese erlebt kulinarische Maßlosigkeit tagtäglich,<br />
das gehört zur Evolution dazu. Meese ist<br />
gerne die Raupe Nimmersatt, ein Vielfraß und<br />
Faultier zugleich.<br />
Nun zu Wien: Kaffee- oder Wirtshaus? Ihre<br />
Lieblingslokale hier?<br />
Meese liebt das Wirtshaus, da »salzig«. Das Kaffeehaus<br />
ist »süß« und Meese nascht auch gerne<br />
mal. Seine Lieblingshotels und -lokale momentan<br />
sind: das »Glacis Beisl«, das »Le Méridien«, das<br />
»Sperl«, das »Carlton«, der Naschmarkt, das<br />
»K+K Hotel Maria Theresia«, das »Hawelka«,<br />
das »Josefshof«, das »Nihonbashi« und, und,<br />
und … Meese lässt sich immer gern auf Neues<br />
ein, null Problemo.<br />
Für den »Parsifal« wurde vom »Mayer am Pfarrplatz«<br />
ein eigener »Meeswein« lanciert. Wie<br />
stark waren Sie in dieses Projekt involviert?<br />
Meese liebt die Cuvée vom »Mayer«, am Pfarrplatz<br />
getrunken, und hat folgerichtig das Etikett<br />
des »Meesweins« erschaffen. Er freut sich radikalst<br />
auf den Erztrank Parsifal, der geht runter<br />
wie Öl.<br />
Welche Rolle spielt Wein bei einem Essen?<br />
Bevorzugen Sie das Prinzip »Entweder ist das<br />
Essen oder der Wein der Star« oder doch eher<br />
»Am besten ist beides vom Besten«?<br />
Bei Meese ist »Essen« und »Wein« gesamtkunstwerkig<br />
mit größter Hingabe zu vollziehen.<br />
Zuletzt noch einmal kurz zum »Parsifal«:<br />
Warum bringt er den Schwan um? Einfach<br />
so, oder um ihn zu grillen und zu essen?<br />
Parsifal schießt den Schwan aus dem angeborenen<br />
Spieltrieb heraus, ohne Falsch. Der Schwan<br />
ist ein Drachenbaby.<br />
spezial<br />
53
festwochen / SERVICE<br />
THEATER AN DER WIEN:<br />
GR ÄTZELTIPPS<br />
Der »Mondparsifal« wird am Theater an der Wien aufgeführt.<br />
Falstaff präsentiert die besten Adressen für einen Kaffee oder<br />
ein Dinner vor der Vorstellung – und für einen Absacker danach.<br />
DRECHSLER<br />
Das Theater an der Wien liegt direkt am Naschmarkt. Seit 1919<br />
ist das »Drechsler« eine Institution am Naschmarkt, wo Tradition<br />
auf Moderne und das <strong>Wiener</strong> Kipferl auf Eggs Benedict treffen. Der<br />
Kaffee, den die österreichische Traditionsrösterei Naber liefert, wird<br />
hier mit einer Milch-Obers-Mischung im Verhältnis 50:50 serviert.<br />
dinner<br />
Linke Wienzeile 22/Girardigasse 1<br />
1060 Wien<br />
T: +43 1 5812044<br />
www.cafedrechsler.at<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–Do, So: 8–24 Uhr<br />
Fr, Sa: 8–2 Uhr<br />
davor<br />
Falstaff<br />
90<br />
Fotos: Cafe Drechsler, Jürgen Hammerschmidt, Paul Ott, beigestellt<br />
54 spezial
Falstaff<br />
89<br />
LUDWIG VAN<br />
Gutbürgerlich, aber trotzdem modern. Gleich<br />
zwei Talente kochen in diesem neuen, schönen<br />
Lokal: Abends Walter Leidenfrost (vormals<br />
»Weinhaus Arlt«), zu Mittag gibt’s ein Menü<br />
von Nora Kreimeyer (einst »Mamsell«).<br />
Laimgrubengasse 22, 1060 Wien<br />
T: +43 1 5871320<br />
www.ludwigvan.wien<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–Fr: 11:30–14:30 Uhr<br />
Di–Fr: 18–24 Uhr<br />
drinks<br />
MOTTO<br />
Die Speakeasy-Atmosphäre aus sinnlichem Licht,<br />
eklektischen Drinks und verrückten DJs zieht seit<br />
Jahrzehnten Nachtschwärmer in ihren Bann. Das<br />
Facelifting hat dem Lokal ein herausragendes<br />
Design verliehen. Erstklassige Küche.<br />
Rüdigergasse 1, 1050 Wien<br />
T: +43 1 5870672<br />
www.motto.wien<br />
Öffnungszeiten:<br />
So–Do: 18–2 Uhr<br />
Fr, Sa: 18–4 Uhr<br />
THEATER AN DER WIEN<br />
Das Theater an der Wien trägt auch den Namen »Das neue<br />
Opernhaus« und ist damit die passende Location für<br />
Jonathan Meeses und Bernhard Langs moderne Wagner-<br />
Interpretation »Mondparsifal« (mehr dazu auf S. 142).<br />
MONDPARSIFAL ALPHA 1–8<br />
(ERZMUTTERZ DER ABWEHRZ)<br />
Theater an der Wien<br />
Linke Wienzeile 6, 1060 Wien<br />
Falstaff<br />
4. Juni, 18 Uhr/6. Juni, 18 Uhr/<br />
8. Juni, 18 Uhr<br />
85<br />
95–100 Punkte 90–94 Punkte 85–89 Punkte 80–84 Punkte<br />
95–100 Punkte 90–94 Punkte 85–89 Punkte 80–84 Punkte<br />
95–100 Punkte 90–94 Punkte 85–89 Punkte 80–84 Punkte<br />
spezial<br />
55
festwochen / SERVICE<br />
TOP-ADRESSEN<br />
UMS THEATER<br />
Vierzig verschiedene<br />
Bohnen werden<br />
im »Alt Wien<br />
Kaffee« gebrüht.<br />
EBERTS BAR<br />
Dass es hier fachmännisch zubereitete Klassiker<br />
und viele Neukreationen gibt, ist eigentlich nur<br />
logisch. Denn die Bar betreibt auch eine Schule,<br />
an der schon einige der heute führenden Bar -<br />
keeper im Lande ihr Handwerk gelernt haben.<br />
Gumpendorfer Straße 51, 1060 Wien<br />
www.eberts.at<br />
Öffnungszeiten:<br />
Di, Mi, Do: 18–2 Uhr<br />
Fr, Sa: 19–4 Uhr<br />
WEIN & CO BAR AM NASCHMARKT<br />
Die Mutter aller »Wein & Co«-Bars bietet auf<br />
600 m² viel Platz und ein großes Angebot für<br />
Wein-, aber auch Bier- und Champagnertrinker.<br />
Dazu genießt man frisch zubereitete Snacks.<br />
Linke Wienzeile 4, 1060 Wien<br />
T: +43 50706 3101, www.weinco.at<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–Mi: 10–4 Uhr<br />
Do, Fr: 10–1 Uhr, Sa: 9–1 Uhr<br />
So, Feiertage: 11–24 Uhr<br />
CAFÉS<br />
RESTAURANTS<br />
ON MARKET<br />
Wiens wohl schickstes Chinarestaurant, mit<br />
eindrucksvollem Luster, sehr schöner und sehr<br />
guter Bar sowie buntem, Kanton-inspiriertem<br />
Essensmix. Sonniger Gastgarten an der Wienzeile.<br />
Linke Wienzeile 36, 1060 Wien<br />
T: +43 1 5811250, www.on-market.at<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–So: 8–2 Uhr<br />
NAUTILUS<br />
Naschmarkt-Fischrestaurant mit klassischem<br />
Angebot von Austern bis Fisch im Ganzen. Mediterraner<br />
Schwerpunkt mit asiatischen Einschlä -<br />
gen. Großteils österreichische Weinkarte.<br />
Naschmarkt, Stand 673, 1060 Wien<br />
T: +43 660 7766633<br />
www.nautilus-fischrestaurant.at<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–Sa: 11–24 Uhr<br />
CHINA KITCHEN NO. 27<br />
Ein sehr authentisches Chinarestaurant mit<br />
Schwerpunkt auf der Sichuanküche, einige<br />
Spezialitäten wie Froschschenkel, viele<br />
Innereien. Minimalistisches Design.<br />
Linke Wienzeile 20, 1060 Wien<br />
T: +43 1 5812486<br />
www.chinakitchenno27.at<br />
Öffnungszeiten: Mo–Sa: 11–23 Uhr<br />
So, Feiertage: 11:30–22 Uhr<br />
UBL<br />
Wunderschönes, super erhaltenes altes<br />
Gasthaus mit sehr viel Holz und hohen<br />
Räumen. Die Speisekarte ist ähnlich<br />
historisch gefestigt wie die Inneneinrichtung.<br />
Pressgasse 26, 1040 Wien<br />
T: +43 1 5876437<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mi–So: 12–14 Uhr und 18–24 Uhr<br />
BARS<br />
IF DOGS RUN FREE<br />
Das Design gilt als wegweisend, die Getränke<br />
sind solide: klassische Longdrinks und Cock tails.<br />
Viele Getränke stammen aus der Prohi bitions zeit,<br />
wie etwa der »Old Fashioned« oder der<br />
»Chrysanthemum«. Zudem gibt es eine<br />
schöne Auswahl an Spirituosen.<br />
Gumpendorfer Straße 10, 1060 Wien<br />
www.ifdogsrunfree.com<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–Do: 18–2 Uhr<br />
Fr, Sa: 18–4 Uhr<br />
Frische Meeresküche<br />
gibt es im »Nautilus«.<br />
VOLLPENSION<br />
Generationencafé mit Kuchen und tollen Mehlspeisen<br />
– von Omas gebacken. Empfehlenswert<br />
ist auch der Brunch mit selbst gebackenem Brot,<br />
Marmelade, Kuchen, russischem Ei, Wurst, Käseigel,<br />
Obst, Joghurt, Müsli, frisch zubereitetem<br />
Rührei und vielem mehr. Genauso wie früher<br />
kann man auch nur mit Bargeld zahlen.<br />
Schleifmühlgasse 16, 1040 Wien<br />
T: +43 1 5850464<br />
www.vollpension.wien<br />
Öffnungszeiten: Di–Do: 9–22 Uhr<br />
Fr, Sa: 9–24 Uhr<br />
So: 9–20 Uhr<br />
ALT WIEN KAFFEE<br />
Frisch gebrühter Bohnenkaffee in höchster<br />
Qualität, geröstet nach alter handwerklicher<br />
Tradition. Über vierzig verschiedene Kaffeesorten –<br />
von reinsortigem Lagenkaffee bis hin zu Gourmetkaffee<br />
– kann man hier kaufen und genießen.<br />
Schleifmühlgasse 23, 1040 Wien<br />
T: +43 1 5050800, www.altwien.at<br />
Öffnungszeiten: Mo–Fr: 10–18 Uhr<br />
Sa: 10–16 Uhr<br />
ANZENGRUBER<br />
Das »Anzengruber« ist eigentlich kein Kaffee -<br />
haus, sondern ein Beisl. Ein Lokal, in dem sich<br />
der <strong>Wiener</strong> wohlfühlt: Nonchalant ranzig und der<br />
böhmisch-österreichischen Küche verschrieben,<br />
ist es auch das inoffizielle Literatencafé Wiens.<br />
Schleifmühlgasse 19, 1040 Wien<br />
T: +43 1 5878297<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–Sa: 16–1 Uhr<br />
CHINA BAR AN DER WIEN<br />
Simon Xie Hongs (ON, ON Market) Ode an die<br />
Sichuanküche mit vielen leicht moderni sierten<br />
Klassikern von scharfem Rindfleisch bis zu<br />
Froschschenkeln. Super Sichuanpfeffer!<br />
Hamburger Straße 2, 1050 Wien<br />
T: +43 1 9713288<br />
www.chinabaranderwien.at<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–Fr, So: 11:30–24 Uhr<br />
Sa: 8–24 Uhr<br />
CAFÉ SPERL<br />
Eines der ältesten Kaffeehäuser Wiens, in dem<br />
heute Studenten auf Künstler und Werber auf<br />
Touristen treffen. Das Frühstücksangebot ist<br />
typisch für ein Kaffeehaus: klein und übersichtlich.<br />
Das Ambiente ist immer wieder beeindruckend.<br />
Gumpendorfer Straße 11–13, 1060 Wien<br />
T: +43 1 5864158, www.cafesperl.at<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–Sa: 07–23 Uhr<br />
So: 11–20 Uhr<br />
Foto: Andreas Polster, beigestellt<br />
56 spezial
Sotheby’s Wein Auktionen<br />
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Chambolle Musigny, Les Amoureuses 1990 Domaine<br />
Georges Roumier, 3 Magnumflaschen, Schätzpreis<br />
£8,000-10,000, verkauft für £17,038 am 26. April 2017<br />
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festwochen<br />
/ NEUES ENTDECKEN<br />
DIE REBSTOCK-<br />
REBELLEN<br />
<strong>Festwochen</strong>thema:<br />
Europa<br />
Die Filmschau »Europa erzählen«<br />
geht davon aus, dass es<br />
eine gemeinsame Erzählung<br />
Europas nicht gibt – vielmehr<br />
zeichnet sie ihre Vielfalt aus.<br />
11.5.–18.6.2017, mehr<br />
dazu auf S. 65.<br />
Ihre Methoden sind oft eigenartig, und auch ihre Weine schmecken so gar nicht nach<br />
Mainstream. In einigen Ländern Europas machen schillernde Individualisten und schräge<br />
Typen Weine der ganz anderen Art. Vielleicht sind es sogar önologische Kunstwerke.<br />
TEXT HERBERT HACKER<br />
Fotos: beigestellt<br />
58 spezial
Auf den steilen Terrassen<br />
rund um den Ätna stellt<br />
Frank Cornelissen einen<br />
der außergewöhnlichsten<br />
Weine Europas her.<br />
spezial<br />
59
festwochen / NEUES ENTDECKEN<br />
Das große Krabbeln:<br />
Insekten und Käfer zieren<br />
die Etiketten von Andreas<br />
Tscheppes Weinen.<br />
Andreas Tscheppe mag Insekten.<br />
Besonders der Hirschkäfer<br />
hat es ihm angetan.<br />
»Ein wunderschönes Tier,<br />
das die meiste Zeit unter<br />
der Erde verbringt«,<br />
schwärmt er. »Hirschkäfer erblicken für nur<br />
wenige Wochen das Licht der Welt, gerade<br />
lange genug, um sich fortzupflanzen.«<br />
»Die Ruhe unter der Erde, die ein Hirschkäfer<br />
braucht, die muss doch auch einem<br />
Wein guttun«, sagt Tscheppe, dem bewusst<br />
ist, dass solch ein Satz bei den meisten<br />
Menschen nur ungläubiges Staunen hervorruft.<br />
Andreas Tscheppe ist nämlich kein<br />
entrückter Tierfreund, sondern Weinmacher,<br />
allerdings einer der etwas ungewöhnlichen<br />
Art. Allein schon die Etiketten seiner verschiedenen<br />
Weine sind bemerkenswert: Jede<br />
Flasche ziert ein Kleingetier, meist sind es<br />
Krabbelwesen. Der Wein mit dem Hirschkäfer<br />
ist am erstaunlichsten. Das Fass, in dem er<br />
reift, vergräbt Tscheppe nämlich tatsächlich in<br />
der Erde. Dort bleibt es einige Monate.<br />
Ein Winzer, der seine Fässer im Garten<br />
verbuddelt? Ist der Mann noch zu retten?<br />
Doch für Tscheppe ist das alles ganz normal.<br />
Er gehört zusammen mit Winzern wie Sepp<br />
Muster oder Roland Tauss zur österreichischen<br />
Das Fass, in dem der Wein<br />
mit dem Hirschkäfer reift,<br />
vergräbt Tscheppe in der Erde.<br />
Es bleibt dort einige Monate.<br />
Alternativweinszene. Ihre »Orange-« oder<br />
»Natural-Weine« sorgten noch vor Jahren für<br />
viel Aufsehen und waren in der traditionellen<br />
Welt der Weinmacher heftig umstritten. Inzwischen<br />
ist das anders. In vielen Ländern der Welt<br />
bedienen sich immer mehr Winzer ausgefallener<br />
Methoden: Sie verzichten mitunter auf<br />
Schwefel, erzeugen maischevergorene Weißweine<br />
mit Farben wie Fruchtsäfte oder lassen ihre<br />
oft etwas trüben Flüssigkeiten in Amphoren<br />
reifen. So wie vor Tausenden Jahren in Georgien,<br />
der Wiege des Weinbaus dieser Welt.<br />
In Europa liegt das Epizentrum der<br />
heutigen Naturweinszene im italienisch-slowenischen<br />
Grenzland zwischen Görz und Cormòns.<br />
In kaum einer anderen Region finden<br />
sich so viele Winzer, die ihre Weine ohne<br />
Zusätze und Eingriffe im Keller verarbeiten<br />
und Weißweine auf der Maische vergären.<br />
Naturwein-Pionier Sepp<br />
Muster hat sein Weingut<br />
in der Südsteiermark.<br />
Uralte Weinkultur: Josko<br />
Gravner stellt seinen Wein<br />
in Tongefäßen, tief in der<br />
Erde eingegraben, her.<br />
60 spezial
Der Boden um den Ätna ist<br />
reich an Mineralien – Frank<br />
Cornelissen nutzt das für<br />
seinen Weinanbau.<br />
Fotos: Alvise Barsanti, beigestellt<br />
Gravner brachte 2001 seinen ersten Amphorenwein auf den<br />
Markt. Die Fachwelt war entsetzt. »Verdorben und un trinkbar«,<br />
so das Urteil. Das stachelte den Winzer erst richtig an.<br />
Einer der Pioniere dieser eigenwilligen Weinerzeugung<br />
ist Josko Gravner im Friaul, im<br />
Collio-Gebiet. Lange Zeit betrieb Gravner<br />
einen ganz normalen Weinbau – seine Weine<br />
wurden schon vor rund dreißig Jahren hoch<br />
bewertet und waren notorisch ausverkauft.<br />
Bis er eines Tages nach Georgien reiste.<br />
Gravner kam aus dem Staunen nicht heraus.<br />
Genau wie ihre Ahnen vor 5000 Jahren,<br />
keltern kleine Winzer dort noch heute ihre<br />
Weine in Tonamphoren. Gravner war begeistert<br />
und ließ sich Amphoren schicken. Er<br />
experimentierte einige Jahre, bis 2001 sein<br />
erster Amphorenwein auf den Markt kam.<br />
Die Fachwelt war entsetzt. »Verdorben und<br />
untrinkbar«, so das Urteil. Das stachelte den<br />
streitbaren Winzer erst richtig an – der Rest<br />
ist Geschichte. Josko Gravner gilt heute als<br />
der Vater der modernen Weinantike und ist<br />
damit höchst erfolgreich.<br />
Ein Gebiet, in dem sich erst in jüngster<br />
Zeit eine dynamische Naturweinszene entwickelt<br />
hat, ist Sizilien. Genauer gesagt das<br />
Gebiet rund um den Ätna. Der Ätna ist mit<br />
einer Höhe von 3300 Meter der größte und<br />
zugleich aktivste Vulkan Europas. In regelmäßigen<br />
Abständen bricht er aus, zuletzt<br />
im März dieses Jahres. Nur selten richtet<br />
er größere Schäden an, weshalb er von den<br />
Einwohnern liebevoll »Monjibeddu«, der<br />
schöne Berg, genannt wird. Die Menschen<br />
hier haben ihm auch viel zu verdanken.<br />
Nirgendwo sonst in Sizilien ist das Land so<br />
fruchtbar wie rund um den Ätna. Der Boden<br />
ist ein komplexes Gemisch aus verwitterter<br />
Lava und Sedimenten aus der Kreidezeit,<br />
reich an Mineralien. Ziemlich ideal für<br />
Wein. Umso erstaunlicher ist es, dass am<br />
Ätna zwar seit drei Jahrtausenden Weinbau<br />
betrieben wird, aber erst in letzter Zeit in<br />
herausragender Qualität. Lange Zeit belieferte<br />
man Betriebe aus dem Norden, die damit<br />
ihre Weine aufbesserten. »Als ich hierherkam,<br />
hat niemand einen Wein in Flaschen<br />
gefüllt«, erinnert sich Frank Cornelissen,<br />
ein Belgier, der sich den Ätna gezielt ausgesucht<br />
hatte, um hier Wein zu machen.<br />
Vor mehr als zehn Jahren ist er hierhergekommen<br />
und hat begonnen, mit völlig<br />
anderen Qualitätsanforderungen Weine<br />
zu produzieren. Authentisch sollten sie sein,<br />
unverfälscht. Aus Rebsorten, die hier seit<br />
><br />
spezial<br />
61
festwochen<br />
/ NEUES ENTDECKEN<br />
Pianist Giuseppe<br />
Russo ist einer der<br />
vielen Quereinsteiger<br />
im Weinbau rund<br />
um den Ätna.<br />
Irgendwann langweilten Frank Cornelissen die Edeltropfen,<br />
immer gleichförmiger seien sie geworden, erzählt er. Cornelissen<br />
liebt das Ungewöhnliche, das Quer-gegen-den-Strich-Gebürstete.<br />
><br />
jeher angepflanzt werden, allen voran<br />
Nerello Mascalese, der derzeit als neuer Pinot<br />
Noir oder Barolo gehandelt wird.<br />
In seinem früheren Leben war Cornelissen<br />
Broker und handelte mit den teuersten Weinen<br />
der Welt: Mouton Rothschild, Pétrus,<br />
Romanée-Conti und so weiter. Irgendwann<br />
langweilten ihn die Edeltropfen, immer gleichförmiger<br />
und kommerzieller seien sie geworden,<br />
erzählt er.<br />
Cornelissen liebt das Ungewöhnliche,<br />
das Quer-gegen-den-Strich-Gebürstete. Die<br />
meisten seiner Reben sind in der traditionellen<br />
»Albarella«-Erziehung ausgepflanzt, die man<br />
nur noch selten in Südeuropa findet. Knorrige,<br />
alte Bäumchen ohne Drahtgestell stehen<br />
scheinbar wild durcheinander. Sie sind nicht<br />
höher als einen halben Meter. In Wahrheit<br />
steckt ein ausgeklügeltes System dahinter, das<br />
die händische Lese erleichtern soll. Dazwischen<br />
wachsen Oliven, Mandelbäume, Gemüse,<br />
duftende Bergminze und wilder Fenchel.<br />
62 spezial<br />
Alberto Graci ist von der<br />
Idee beseelt, authentischen<br />
Ätna-Wein herzustellen.<br />
Auch die Tatsache, dass am Ätna keine Monokultur<br />
betrieben wird, habe ihn damals veranlasst,<br />
sich hier mit seiner japanischen Frau eine<br />
neue Existenz aufzubauen. Steil und kurvig<br />
schlängelt sich die Straße zu dem abgelegenen<br />
Bergdorf Solicchiata.<br />
Überall in Sizilien herrscht im Sommer<br />
brütende Hitze, nur die Hänge des Ätnas sind<br />
vom gemäßigten Kontinentalklima geprägt.<br />
Die Kombination von vulkanischem Boden<br />
und speziellem Mikroklima machen das Terroir<br />
so einzigartig. Selbst der renommierte italienische<br />
Weinguide »Gambero Rosso« verleiht<br />
in seinen Ausgaben den Gewächsen vom<br />
Ätna längst Höchstbewertungen.<br />
Auch kleine Quereinsteiger reizt mittlerweile<br />
das Gebiet rund um den Vulkan: Giuseppe<br />
Russo ist eigentlich Pianist. Vor einigen Jahren<br />
hat er das Weingut seiner Eltern in Passopisciaro<br />
übernommen und es zu einem Bio-Betrieb<br />
umgewandelt. Er produziert inzwischen viel<br />
beachtete Weiß- und Rotweine aus autochthonen<br />
Rebsorten und wurde in Italien sogar<br />
schon zum Winzer des Jahres gewählt.<br />
Alberto Graci wiederum war Banker in<br />
Mailand, bis ihn die Geldgeschäfte nicht mehr<br />
erfüllten und er in seine Heimat Catania<br />
zurückkehrte. Nun ist er beseelt von der Idee,<br />
authentischen Ätna-Wein herzustellen. Die<br />
ältesten Rebstöcke wurden 1904 gepflanzt und<br />
liegen zum Teil auf einer Höhe von 1100<br />
Meter. Sein »Quota 1000«, ein reinsortiger<br />
Nerello Mascalese, zählt inzwischen zu den<br />
besten Rotweinen Italiens.<br />
Der Ätna ist längst zu einer Hochburg für<br />
Naturweine geworden, zumeist biologisch<br />
oder biodynamisch produziert, ohne Zusatzstoffe<br />
und möglichst ohne Eingriffe im Keller.<br />
Frank Cornelissen ist sicher der radikalste<br />
Vertreter dieser Gruppe. Die Rebstöcke werden<br />
überhaupt nicht mehr behandelt, »unnötige<br />
menschliche Eingriffe«, wettert Cornelissen.<br />
Die Lese erfolgt so spät wie möglich, oft<br />
erst Mitte November, danach werden die<br />
Trauben in Tonamphoren vergoren, die bis<br />
zum Rand in Lava eingegraben sind: vier bis<br />
sieben Monate, in Ausnahmejahren auch<br />
schon mal doppelt so lange. Geschwefelt werden<br />
die Weine so gut wie gar nicht. Cornelissens<br />
Weine sind allesamt offen, pur und ohne<br />
jegliche Maskierung. Nacktes Fleisch.<br />
Eine Direktheit, die manche überfordert,<br />
ja brüskiert. Kein Funken Gefälligkeit.<br />
Dem Vorwurf, die einzelnen Flaschen<br />
würden sich zuweilen stark unterscheiden,<br />
begegnet er gelassen: »Was glauben Sie,<br />
wie groß die Schwankungen bei Pétrus sind«,<br />
lächelt der Belgier verschmitzt. »Das habe<br />
ich damals als Broker ständig erlebt.«<br />
Tipp: Weinkünstler aus Europa kennenlernen<br />
Der neue »Just Taste«-Shop bietet die Chance,<br />
sich durch 600 Weine zu verkosten, online gibt<br />
es »Tasting Packs«.<br />
JUST TASTE<br />
Stubenring 16, 1010 Wien<br />
justtaste.com<br />
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Fotos: beigestellt
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festwochen<br />
/ SERVICE<br />
FILMMUSEUM:<br />
GR ÄTZELTIPPS<br />
Die besten Cafés, Restaurants und Bars rund um das Filmmuseum,<br />
in dem die Reihe »Europa erzählen« gezeigt wird.<br />
Falstaff<br />
90<br />
davor<br />
UNGER UND KLEIN<br />
Wenige Gehminuten vom Filmmuseum entfernt liegt<br />
dieses charaktervolle Mini-Café am Eingang zu Wiens<br />
ältestem Hoch haus. Es gibt keine Karte – aber wer Hunger<br />
hat, sollte einfach fragen, welche kleine Köstlichkeit es<br />
heute gibt. Auch die Wein karte ist gut bestückt.<br />
Herrengasse 6–8, 1010 Wien<br />
T: +43 1 9692117<br />
www.imhochhaus.at<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–Fr: 7:45–23 Uhr<br />
Sa: 10–23 Uhr<br />
So, Feiertag: geschlossen<br />
KLEINOD<br />
Diese Bar ist wirklich ein Kleinod:<br />
Das Design kommt von Ben Toth,<br />
die Drinks von Alexander Batik,<br />
David Schober, Oliver Horvath<br />
und Phillip Scheiber – alles spielt<br />
hier zusammen. Eine der wichtigsten<br />
Neueröffnungen des letzten Jahres.<br />
Singerstraße 7, 1010 Wien<br />
T: +43 1 5120325<br />
www.kleinod.wien<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–Sa: 15:30–4 Uhr<br />
So: 17–2 Uhr<br />
drinks<br />
Fotos: Isabella Abel, C-Hurnaus, beigestellt<br />
64 spezial
dinner<br />
TIAN<br />
Ein vegetarisches Fine-Dining-Restaurant,<br />
das technisch aufwendige Gerichte serviert<br />
und beweist, dass auch ohne Fleisch eine<br />
kreative Spitzenküche möglich ist.<br />
Himmelpfortgasse 23, 1010 Wien<br />
T: +43 1 890466529<br />
www.taste-tian.com<br />
Öffnungszeiten:<br />
Di–Sa: 12–14 Uhr, 17:45–21 Uhr<br />
So, Mo: geschlossen<br />
Falstaff<br />
92<br />
ÖSTERREICHISCHES FILMMUSEUM<br />
Die <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong> präsentieren im Filmmuseum die Reihe<br />
»Europa erzählen«. Insgesamt werden fünfzig Werke von ebenso<br />
vielen Künstlern gezeigt. Die Filme zur Geschichte Europas<br />
entstanden zwischen 1929 und 2012.<br />
Europa erzählen. Eine Filmschau<br />
Österreichisches Filmmuseum<br />
Augustinerstraße 1, 1010 Wien<br />
15. Mai, 20:30 Uhr/17. Mai, 19 Uhr<br />
18. Mai, 20:45 Uhr/7. Juni, 20:45 Uhr<br />
Falstaff<br />
95–100 Punkte 90–94 Punkte 85–89 Punkte 80–84 Punkte<br />
95–100 Punkte 90–94 Punkte 85–89 Punkte 80–84 Punkte<br />
95<br />
95–100 Punkte 90–94 Punkte 85–89 Punkte 80–84 Punkte<br />
spezial<br />
65
festwochen / SERVICE<br />
Der »Bräunerhof«<br />
ist einer <strong>Wiener</strong><br />
Institution.<br />
Kosmopolitische<br />
Küche, feine Cocktails:<br />
»Blue Mustard«.<br />
TOP-ADRESSEN<br />
UMS FILMMUSEUM<br />
RESTAURANTS<br />
PALMENHAUS<br />
Speisen im wunderschönen Ambiente des<br />
»Palmenhauses« hinter der Hofburg. Medi -<br />
terran-österreichische Kost, umfangreiches<br />
Cocktailangebot und freitags DJ-Line.<br />
Burggarten 1, 1010 Wien<br />
T: +43 1 5331033, www.palmenhaus.at<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–Fr: 10–24 Uhr, Sa: 9–24 Uhr<br />
So, Feiertage: 9–23 Uhr<br />
DO & CO ALBERTINA<br />
Österreichs bestes Museumsrestaurant:<br />
vom klassischen <strong>Wiener</strong> Frühstück bis zu<br />
miso-glaced Beef-Rips oder Chili-Tuna-Sushi.<br />
Albertinaplatz 1, 1010 Wien<br />
T: +43 1 5329669, www.doco.com<br />
Öffnungszeiten:<br />
Täglich: 9–24 Uhr<br />
BLUE MUSTARD<br />
Der frankophile Ausnahmekoch Alexander<br />
Mayer gibt sich im »Blue Mustard« kosmopo -<br />
litisch. Außer gewöhnliche Architektur, gute<br />
Bar und Cocktail-Begleitung zu den Gerichten.<br />
Dorotheergasse 6–8, 1010 Wien<br />
T: +43 1 9346705, www.bluemustard.at<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–Do: 17–2 Uhr; Fr, Sa: 17–4 Uhr<br />
Warme Küche bis 23 Uhr, last order: 22:30 Uhr<br />
So: geschlossen<br />
NIGHTFLY’S<br />
Das »Nightfly’s« zählt nach einem Vierteljahrhundert<br />
nun auch schon zum Urgestein der<br />
<strong>Wiener</strong> American-Bar-Szene. Und es hält eine<br />
Tradition hoch: Die berühmte »Reiss Bar« aus<br />
den 1930ern war ganz in der Nähe. Riesige<br />
Cocktailauswahl. Regelmäßig Livemusik.<br />
Dorotheergasse 14, 1010 Wien<br />
T: +43 699 17128767, www.nightflys.at<br />
Öffnungszeiten:<br />
Di–Sa: ab 20 Uhr; Mo, So: geschlossen<br />
LOOS AMERICAN BAR<br />
Die »Loos Bar« ist ein Kunstwerk für sich –<br />
und das schon seit 1908. Gestaltet wurde<br />
sie, wie der Name bereits verrät, von Architekt<br />
Adolf Loos persönlich. Klare Linien und edle<br />
Materialien prägen das Design. Die Drinks<br />
sind ebenso einen Besuch wert.<br />
Kärntner Durchgang 10, 1010 Wien<br />
T: +43 1 5123283, www.loosbar.at<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–So: 12–4 Uhr<br />
Direkt bei der<br />
Albertina: »Do & Co«.<br />
CAFÉS<br />
CAFFÉ COUTURE DISTRICT 1<br />
Im feudalen Ambiente der Palais-Ferstel-Passage<br />
findet sich die Dependance von Georg Brannys<br />
hervorragender Coffee-Bar. Auch hier gibt es<br />
den akribisch zubereiteten Kaffee, ob cold-dripped,<br />
aus dem Chemex-Filter oder aus der »Marzocco«.<br />
Kleiner Schanigarten.<br />
Freyung 2, 1010 Wien<br />
T: +43 676 3322076<br />
www.caffecouture.com<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–Fr: 8–17 Uhr; Sa: 10–17 Uhr<br />
BRÄUNERHOF<br />
In diesem traditionellen Kaffeehaus ist ein<br />
Stück <strong>Wiener</strong> Seele zu Hause. Man trinkt seine<br />
Melange und liest die Zeitung wie dazumal<br />
Thomas Bernhard. Vom Frühstück über die<br />
Mittagskarte bis zum Abendmahl: Hier wird<br />
wienerisch und mit viel Herz gekocht.<br />
Stallburggasse 2, 1010 Wien<br />
T: +43 1 5123893<br />
www.braeunerhof.at<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–Sa: 8–20:30 Uhr; So: 10–18:30 Uhr<br />
1010 BAR CAFÉ<br />
Direkt im Antiquitätenviertel des Ersten liegt<br />
diese stylische Großstadtbar. Vom ausgiebigen<br />
Frühstück und einem gemütlichen Kaffee über<br />
einen schnellen Mittagsimbiss bis hin zum<br />
Daiquiri lässt sich hier der urbane <strong>Wiener</strong> nieder.<br />
Plankengasse 2, 1010 Wien<br />
T: +43 1 5130849, www.1010.co.at<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–Sa: 9–1 Uhr<br />
BARS<br />
FILMBAR<br />
In der »Filmbar« im Filmmuseum Wien shaked<br />
man nicht nur Cocktails, sondern auch die Hüften.<br />
Immer wieder Musikevents mit verschiedenen DJs.<br />
Von Hip-Hop, Black Music und Jazz ist alles dabei.<br />
Augustinerstraße 1, 1010 Wien<br />
T: +43 1 533705420<br />
facebook.com/Filmbar-148586798511116/<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–So: 10–2 Uhr<br />
Fotos: Benedikt Steinle/ kitchenconsulting, b eigestellt<br />
66 spezial
SAISON 2017–18<br />
UNSERE OPERNWELT<br />
IM ABO ENTDECKEN<br />
- 30 % BIS 31. MAI *<br />
DAS NEUE OPERNHAUS<br />
beyond | Emmanuel Polanco | colagene.com<br />
Mozart<br />
DIE ZAUBERFLÖTE<br />
René Jacobs | Torsten Fischer | Akademie für Alte Musik Berlin<br />
Arnold Schoenberg Chor | Sophie Karthäuser, Sebastian Kohlhepp,<br />
Daniel Schmutzhard, Nina Minasyan, Dmitry Ivashchenko<br />
Premiere: 17. September 2017<br />
Berg<br />
WOZZECK<br />
Leo Hussain | Robert Carsen | <strong>Wiener</strong> Symphoniker<br />
Arnold Schoenberg Chor | Florian Boesch, Lise Lindstrom,<br />
John Daszak, Aleš Briscein, Stefan Cerny, Benjamin Hulett<br />
Premiere: 15. Oktober 2017<br />
Wagner<br />
DIE RING-TRILOGIE<br />
Constantin Trinks | Tatjana Gürbaca | RSO Wien<br />
Arnold Schoenberg Chor | Ingela Brimberg, Daniel Brenna,<br />
Samuel Youn, Aris Argiris, Daniel Johansson, Liene Kinča,<br />
Martin Winkler, Marcel Beekman, Stefan Kocan<br />
HAGEN<br />
Premiere: 1. Dezember 2017<br />
SIEGFRIED<br />
Premiere: 2. Dezember 2017<br />
BRÜNNHILDE<br />
Premiere: 3. Dezember 2017<br />
Donizetti<br />
MARIA STUARDA<br />
Paolo Arrivabeni | Christof Loy | RSO Wien | Arnold Schoenberg Chor<br />
Marlis Petersen, Alexandra Deshorties, Norman Reinhardt,<br />
Tobias Greenhalgh, Stefan Cerny, Natalia Kawalek<br />
Premiere: 19. Jänner 2018<br />
Händel<br />
SAUL<br />
Laurence Cummings | Claus Guth | Freiburger Barockorchester<br />
Arnold Schoenberg Chor | Florian Boesch, Anna Prohaska,<br />
Jake Arditti, Andrew Staples, Giulia Semenzato<br />
Premiere: 16. Februar 2018<br />
www.theater-wien.at<br />
von Einem<br />
DER BESUCH DER ALTEN DAME<br />
Michael Boder | Keith Warner | RSO Wien | Arnold Schoenberg Chor<br />
Katarina Karnéus, Russell Braun, Raymond Very, Adrian Eröd, Markus Butter<br />
Premiere: 16. März 2018<br />
Britten<br />
A MIDSUMMER NIGHT’S DREAM<br />
Antonello Manacorda | Damiano Michieletto | <strong>Wiener</strong> Symphoniker<br />
Anett Fritsch, Bejun Mehta, Tareq Nazmi, Mirella Hagen, Natalia Kawalek,<br />
Rupert Charlesworth, Ann-Beth Solvang<br />
Premiere: 15. April 2018<br />
Schostakowitsch | Tschaikowski | Skrjabin<br />
DIE MÖWE (BALLETT)<br />
John Neumeier | Markus Lehtinen<br />
Hamburg Ballett | <strong>Wiener</strong> KammerOrchester<br />
Premiere: 7. Mai 2018<br />
IN DER KAMMEROPER<br />
ARIADNE AUF NAXOS<br />
ARIANNA IN NASSO (Porpora)<br />
Markellos Chryssicos | Sergej Morozov | Premiere: 27. September 2017<br />
DON PASQUALE (Donizetti)<br />
Tscho Theissing | Marcos Darbyshire | Premiere: 17. November 2017<br />
PELLÉAS ET MÉLISANDE (Debussy)<br />
Thomas Guggeis | Thomas Jonigk | Premiere: 12. Februar 2018<br />
COSÌ FAN TUTTE (Mozart)<br />
Stefan Vladar | Valentin Schwarz | Premiere: 15. Mai 2018<br />
ZU GAST IN DER KAMMEROPER<br />
A QUIET PLACE (Bernstein)<br />
Walter Kobéra | Philipp M. Krenn | Premiere: 22. März 2018<br />
Abo-Hotline: 01/588 30-2903<br />
abonnement@theater-wien.at<br />
www.theater-wien.at<br />
Änderungen vorbehalten<br />
Hauptsponsor<br />
Theater an der Wien<br />
Tageskasse: Mo- Sa 10 -18 Uhr<br />
Linke Wienzeile 6 | 1060 Wien<br />
www.theater-wien.at<br />
*Premieren-Abos 20 % Ermäßigung<br />
Ab 1. Juni 20 % Ermäßigung auf alle Abos
DIE WELT<br />
SCHMECKEN
Die <strong>Festwochen</strong> holen Künstler aus mehr als zwanzig<br />
Ländern auf die Bühne und spannen den inhaltlichen<br />
Bogen von Syrien bis in die USA. Passend dazu lädt<br />
Falstaff zu einem kulinarischen Streifzug durch die<br />
bunte <strong>Wiener</strong> Gastronomieszene, die die Küchen aus<br />
aller Welt zu bieten hat – und diese miteinander verwebt.<br />
Foto: Shutterstock<br />
spezial<br />
69
festwochen / DIE WELT SCHMECKEN<br />
»Burger killed the radio<br />
star« im Lokal »Die<br />
Burgermacher«.<br />
Foto: Oliver topf<br />
70 spezial
Es gibt nur wenige Speisen, die weltweit die Massen<br />
begeistern – der Burger kann es. Kreiert wurde er<br />
in den USA des frühen 20. Jahrhunderts,<br />
heute ist er populärer denn je.<br />
TEXT JULIA STALLER<br />
BURGER-<br />
MEISTER<br />
<strong>Festwochen</strong>thema:<br />
Amerika<br />
Die Gründung der USA und ihre<br />
politische Entwicklung sind<br />
Themen von Romeo<br />
Castelluccis »Democracy in<br />
America«. Premiere:<br />
23. Mai 2017, mehr<br />
dazu: S. 140<br />
spezial<br />
71
festwochen / DIE WELT SCHMECKEN<br />
Kreation aus dem Buch<br />
»Burger unser«: mit<br />
Königskrabben, Curry-<br />
Butter-Sauce und Papaya.<br />
Fotos: Daniel Esswein<br />
72 spezial
BUCHTIPP<br />
Burger unser<br />
Hubertus Tzschirner, Nicolas Lecloux (u. a.)<br />
Callwey Verlag, 2016<br />
290 Seiten<br />
ISBN 978-3-7667-2201-0<br />
Preis: € 39,95<br />
Jeff Lassen verkauft bis<br />
heute den Ur-Burger in<br />
einem Diner in New Haven.<br />
Nur wer nach Ketchup<br />
verlangt, wird höflich, aber<br />
bestimmt zurechtgewiesen.<br />
Er ist eine Ikone amerikanischer<br />
Popkultur, gilt als das Nationalgericht<br />
der USA schlechthin und<br />
wird rund um den Globus mit<br />
größter Hingabe verspeist. Die<br />
Rede ist vom Burger, der in seiner<br />
hundertjährigen Geschichte noch nie so<br />
beliebt war wie heute. Vom reinen Fast Food<br />
ist er zum Gourmet-Stück mutiert. Doch wie<br />
hat es das Fleischlaberl zwischen zwei Weichbrotscheiben<br />
überhaupt zu diesem Weltruhm<br />
geschafft?<br />
Schon um seine Entstehung ranken sich viele<br />
Mythen. Wer Jeff Lassen nach der Erfindung<br />
des Burgers fragt, hört zum Beispiel folgende:<br />
Es war das Jahr 1900. Ein Mann<br />
stürmte in den Imbiss seines Urgroßvaters in<br />
New Haven, Connecticut. Er sei in Eile, sagte<br />
der Gast außer Atem, und brauche deshalb<br />
etwas, das er unterwegs essen könne. Louis<br />
Lassen eilte in die Küche, nahm schnell ein<br />
paar nicht verkaufte Steaks, steckte sie in den<br />
Fleischwolf, packte sie mit Tomaten, Zwiebeln<br />
und Käse zwischen zwei Toastscheiben – und<br />
der Burger war geboren. Jeff verkauft bis heute<br />
den Ur-Burger in seinem Diner. Seine Familiengeschichte<br />
erzählt er mit stolzgeschwellter<br />
Brust gern kostenlos dazu. Nur wer nach Ketchup<br />
verlangt, wird höflich, aber bestimmt<br />
zurechtgewiesen. Das habe es im Gründungsjahr<br />
des Burgers schließlich noch nicht gegeben.<br />
Große Empörung erntet man für diese<br />
Geschichte natürlich in Hamburg – der Name<br />
sei schließlich Hinweis genug, dass der Hamburger<br />
aus der deutschen Stadt käme. Jedenfalls<br />
wurde dort schon vor hundert Jahren der<br />
Snack »Rundstück warm« serviert, ein zusammengefaltetes<br />
Brötchen mit Schweinsbraten<br />
und Sauce gefüllt.<br />
Der Begriff »Hamburger« könnte aber auch<br />
schlicht von einer damaligen Bezeichnung für<br />
Rindfleisch herrühren. Das im Hamburger<br />
Hafen verladene Fleisch, das in die USA<br />
exportiert wurde, galt als Luxusgut und soll<br />
deshalb ehrfürchtig nach der Stadt benannt<br />
worden sein. Das »Oxford English Dictionary«<br />
beschreibt das »Hamburg-Steak« hingegen<br />
schon 1802 als gepökeltes Rindfleisch.<br />
Der Begriff könnte auch hier auf europäische<br />
Auswanderer zurückgehen, die sich am Schiff<br />
vom haltbar gemachten Trockenfleisch<br />
ernährten.<br />
Eine kulinarisch weitaus schönere Geschichte<br />
wird in Texas erzählt. Fletcher Davis, der<br />
eigentlich Töpfer war, soll hier in den 1880er-<br />
Jahren einen kleinen Imbiss geführt und den<br />
Burger erfunden haben: Gebratenes Faschiertes<br />
packte er zwischen zwei Scheiben Brot mit<br />
Senf, Zwiebeln und einer Gurkenscheibe. Die<br />
Einwohner der kleinen Stadt Athens waren so<br />
begeistert von Fletscher Davis’ Erfindung, dass<br />
sie Geld sammelten, um ihn 1904 auf die<br />
Weltausstellung in St. Louis zu schicken. Dort<br />
verkaufte Davis seinen Snack aus einem alten<br />
Die Zubereitung eines Burgers ist eine Kunst für<br />
sich: Jeder Teil muss auf den anderen perfekt abgestimmt<br />
sein, damit das große Ganze schmeckt.<br />
Wagen heraus, und begeisterte Journalisten<br />
berichteten über ihre Entdeckung.<br />
Dass so viele Menschen die Erfindung des<br />
Burgers für sich beanspruchen, spricht für die<br />
Popularität dieses nahrhaften Snacks. Der<br />
außen knusprig, innen weiche Bun, der saftige<br />
Patty, der knackige Salat und die salzige Sauce<br />
– bei einem Burger gehen alle Bestandteile<br />
eine harmonische Verbindung miteinander<br />
ein. Der Fantasie sind beim Kombinieren<br />
keine Grenzen gesetzt. Vielleicht ist es auch<br />
genau diese Vielfältigkeit, die den Burger zu<br />
einem solch globalen Superstar werden ließ.<br />
Allein mit den Rezepten aus dem Standardwerk<br />
»Burger unser« sind 7900 Bun-Kreationen<br />
möglich. Auf 290 Seiten beschreiben die<br />
Autoren den Weg zum perfekten Brötchen<br />
und schön rauchigen Fleisch – und über alles<br />
stellen sie zehn Gebote:<br />
DIE ZEHN<br />
BURGER-GEBOTE<br />
1. Backt eure Buns selbst.<br />
2. Achtet auf das Fleisch.<br />
3. Ein gutes Patty benötigt nur Salz und<br />
Pfeffer.<br />
4. Seid zärtlich zu euren Patties – verzichtet<br />
auf stundenlanges Formen.<br />
5. Kontrolliert die Kerntemperatur, um<br />
den perfekten rosa Kernmoment nicht<br />
zu verpassen.<br />
6. Röstet die Buns in Butter.<br />
7. Vorbereitung ist alles.<br />
8. Weniger ist mehr.<br />
9. Vergesst die kalten Getränke nicht.<br />
10. Es gibt kein Richtig oder Falsch, außer<br />
bei Gebot 3 – das gilt immer.<br />
spezial<br />
73
festwochen / DIE WELT SCHMECKEN<br />
DIE BESTEN<br />
BURGERLOK ALE<br />
IN WIEN<br />
Auf<br />
der Suche nach den besten Burgern der<br />
Stadt: Diese Lokale kreieren saftig-knackige<br />
Kunstwerke aus Buns und Patties.<br />
RINDERWAHN<br />
I<br />
n bester Innenstadtlage zelebriert das Restaurant<br />
den Burger-Trend mit reichlich schwarzem Humor.<br />
Sprüche wie »Ich will ein Rind von dir« oder<br />
»Was der Bauer kennt, isst er« zieren das Lokal, dessen<br />
schwarz-weiße Fliesen an ein altes Schlachthaus<br />
erinnern. Auch die Burger-Karte fällt kreativ aus: Die<br />
»Bella Luisa« wird mit Büffelmozzarella und Pesto<br />
verfeinert, der »Blaue Toni« mit Gorgonzola und<br />
Birne oder die »Scharfe Resi« mit Fried Onions und<br />
Chili. Diese Kombinationen überraschen nicht nur<br />
am Gaumen, sondern schmecken auch – genauso<br />
wie die Süßkartoffel-Wedges dazu.<br />
Weihburggasse 3, 1010 Wien<br />
T: +43 1 5120996, www.rinderwahn.at<br />
WEINSCHENKE<br />
D<br />
er Name ist etwas irreführend, aber im kleinen Karmelitermarkt-Stand<br />
versteckt sich tatsächlich eines der besten Burger-<br />
Lokale Wiens. Das ist mittlerweile kein Geheimnis mehr, deshalb<br />
ist eine Reservierung ratsam. Alle Zutaten werden von heimischen<br />
Produzenten bezogen. Das Rindfleisch kommt von der letzten<br />
<strong>Wiener</strong> Metzgerei, die noch selbst schlachtet – von Leopold Hödl.<br />
Zur Auswahl stehen sieben Burger-Varianten, zwölf unwiderstehliche<br />
Saucen (von Mole über Trüffel-Mayonnaise bis Limetten-Aioli) und<br />
knusprige Chips aus dem Waldviertel. Ach ja, und zur Frage des Namens:<br />
Der geht auf die Geschichte der zweiten Dependance im fünften<br />
Bezirk zurück – dort befand sich nämlich früher ein Stadtheuriger.<br />
Karmelitermarkt, Stand 10–12, 1020 Wien<br />
Franzensgasse 11, 1050 Wien<br />
T: +43 676 744 01 08, www.weinschenke-wien.com<br />
Fotos: Jan LAckner, Oliver Topf, Christina Karagliannis, beigestellt<br />
74 spezial
CHARLIE P’S<br />
Brian Patton ist Wiens Burger-Mastermind. Alles hat hier, in seinem<br />
Pub »Charlie P’s«, begonnen. Mittlerweile zählen auch das<br />
»Brickmakers« – hier gibt es Pulled Pork- und Beef-Sandwiches<br />
zum Craft-Bier – und »It’s All About The Meat, Baby« (siehe nächste<br />
Seite) zu seinem Genuss-Imperium. Im »Charlie P’s« ist jedenfalls der<br />
»Irish Burger« legendär: irisches Hereford-Rindfleisch mit feinstem<br />
Brioche-Brot, Tomatenrelish, mit Apfelholz geräuchertem Cheddar<br />
und gleich dreifach (!) frittierten Chips.<br />
DIE BURGERMACHER<br />
Währinger Straße 3, 1090 Wien<br />
T: +43 1 4097923, www.charlieps.at<br />
Mit viel Liebe zum Detail gehen die »Burgermacher« an die<br />
Sache heran. Jede Zutat des Burgers wird gewissenhaft ausgewählt:<br />
Das Rindfleisch kommt von heimischen Bio-Kleinbetrieben,<br />
das Brot von der Mühlviertler Bio-Bäckerei Schrott, und<br />
alle Saucen sind natürlich hausgemacht. Die Burger-Kreationen<br />
wechseln je nach Saison, dazu gibt es bunte Pommes frites von<br />
blauen Kartoffeln und Craft-Bier aus Österreich.<br />
Burggasse 12, 1070 Wien<br />
T: +43 699 11589599, www.dieburgermacher.at<br />
OMNOM BURGER<br />
N<br />
ahe dem Matzleinsdorfer Platz liegt dieses winzige Burger-<br />
Lokal: Der Platz ist eng, eine Reservierung lohnt sich aber in<br />
jedem Fall, denn hier kann sich jeder seinen Traumburger<br />
selbst zusammenstellen: Man wählt entweder die Fleisch- oder Veggie-<br />
Variante und bestellt dann Extras wie Bacon, Halloumi oder Cheddar<br />
dazu. Gefüllt wird das alles in echt wienerische Buns – die kommen<br />
nämlich von der Bäckerei Felzl.<br />
SMOKEY’S<br />
D<br />
as »Smokey’s« hat schon an der perfekten Zusammenstellung<br />
eines Burgers getüftelt, bevor alle anderen auf den großen<br />
Burgerhype-Zug aufsprangen. Die Erfahrung schmeckt man:<br />
Die Patties sind saftig und die hausgemachten Saucen wie<br />
»Mushroom«, Minz-Joghurt oder »Sweet Whiskey« fein abgeschmeckt.<br />
Dazu gibt es Craft-Bier und Cider.<br />
Wiedner Hauptstraße 125, 1050 Wien<br />
T: +43 660 7071015, www.omnomburger.at<br />
Obere Donaustraße 97–99, 1020 Wien<br />
T: +43 1 3705582, www.smokeys.at<br />
spezial<br />
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festwochen / DIE WELT SCHMECKEN<br />
SWING KITCHEN<br />
Es gibt nicht viele vegane Lokale, die auch Fleischesser überzeugen<br />
– die »Swing Kitchen« von Charly Schillinger schafft dieses<br />
Kunststück. Warum? Weil die Burger mit keinem Bissen das<br />
Fleischpatty vermissen lassen. Die Kreationen sind saftig, die Saucen<br />
raffiniert abgeschmeckt, die Bio-Zutaten sind frisch und knackig. Und<br />
das kommt so gut an, dass die »Swing Kitchen« mittlerweile drei<br />
Standorte in Wien hat.<br />
... SAID THE BUTCHER<br />
TO THE COW<br />
E<br />
s gibt viele Gründe, das »… said the butcher to the cow« zu besuchen:<br />
Erstens natürlich wegen der grandiosen Burger-Kreationen.<br />
Da gibt es neben den Klassikern etwa einen Pulpo ’n’ Pork<br />
Burger, einen Chicken Teriyaki Burger oder einen Chili Burger. Zweitens<br />
locken alleine die Cheese Cakes hierher – klassisch, mit Karamell-<br />
Fleur-de-Sel oder mit Oreos. Und drittens ist es die gut sortierte Gin-<br />
Tonic-Karte, die »… said the butcher to the cow« zu einem der angesagtesten<br />
Burger-Lokale Wiens macht. Eine Reservierung ist ratsam.<br />
Schottenfeldgasse 3, 1070 Wien<br />
Operngasse 24, 1040 Wien<br />
Josefstädter Straße 73, 1080 Wien<br />
www.swingkitchen.com<br />
Opernring 11, 1010 Wien<br />
T: +43 1 5356969, butcher-cow.at<br />
IT’S ALL ABOUT THE MEAT, BABY<br />
BURGER DE VILLE<br />
Vor vier Jahren eröffnete Brian Patton (siehe auch »Charlie P’s«)<br />
einen Pop-up-Laden am Donaukanal – und schaffte damit<br />
ein Mekka für alle Burger-Liebhaber: Sein Cheeseburger gilt<br />
unter Fans als der saftigste der Stadt. »It’s All About The Meat, Baby«<br />
pausierte für zwei Jahre, um 2016 unter großem Beifall zurückzukehren.<br />
Auch dieses Jahr werden die Gourmet-Burger unter freiem<br />
Himmel und mit DJ-Sound serviert. Zu den ausgefallensten Kreationen<br />
zählen der »Bob-Marley-Burger« mit Pilz-Laberl und Feta-Käse und<br />
der »Hali Galli Fish Burger« mit Heilbutt-Patty.<br />
Donaukanallände (beim Badeschiff), 1010 Wien<br />
www.meatbaby.at<br />
In den USA haben Foodtrucks eine lange Tradition, in Wien sieht<br />
man sie nur vereinzelt. »Burger de Ville« ist einer der wenigen<br />
Foodtrucks, die es mitten in die Stadt geschafft haben. Vor dem<br />
»25hours Hotel« schlägt der schicke US-Airstream-Truck in den Frühlings-<br />
und Sommertagen sein Lager auf und serviert Burger mit Fleisch<br />
vom Simmentaler Rind in Kombination mit anderen feinen Zutaten<br />
und Saucen. Besonders schön ist aber natürlich die Location: Achtzig<br />
Sitzplätze bietet der grüne Schanigarten vor dem Foodtruck.<br />
Lerchenfelder Straße 1–3, 1070 Wien<br />
T: +43 1 52151-0, http://www.25hours-hotels.com/de/<br />
museumsquartier/restaurant/burgerdeville.html<br />
Fotos: kidizin.com, APA Picturedesk, beigestellt<br />
76 spezial
Geh niemals<br />
BROTLOS HEIM!<br />
d er verwöhnt – seit 1860
festwochen<br />
/ DIE WELT SCHMECKEN<br />
»DAS TEILT JEDER<br />
AUF DER WELT«<br />
Warum es nicht obszön ist, sich jetzt mit der syrischen Küche zu beschäftigen.<br />
Der nach Wien geflüchtete Koch Jwan Joo Daod erinnert sich, wie es vor dem<br />
Krieg war. Eine Geschichte über raffinierte Gewürze, einladende Mezze, opulente<br />
Eintöpfe und die stets verbindende Kraft eines guten Mahls.<br />
TEXT JOACHIM RIEDL<br />
Foto:s Shutterstock<br />
78 spezial
<strong>Festwochen</strong>thema:<br />
Syrien<br />
Zwischen Liebe und Gewalt,<br />
Hoffnung und Verzweiflung:<br />
Das Drama »Während ich<br />
wartete« porträtiert das<br />
heutige Syrien. Premiere:<br />
24. Mai 2017. Mehr<br />
dazu: S. 140.<br />
Mezze sind<br />
der Inbegriff<br />
arabischer<br />
Esskultur.<br />
Es vergeht kein Tag, an dem<br />
die Welt nicht von neuen<br />
Schreckensbildern aus Syrien<br />
und dem Nahen Osten schockiert<br />
wird: Selbstmordattentate,<br />
Bombenangriffe, Giftgas.<br />
Große Teile der Städte sind nach sechs<br />
Jahren Bürgerkrieg zertrümmert, in den<br />
Ruinenvierteln von Damaskus, Aleppo<br />
oder Homs überleben die verbliebenen<br />
Menschen nur mit knapper Not. Trinkwasser<br />
ist ein rares Gut, selbst Brot immer<br />
öfter eine Mangelware. Zwar versucht das<br />
Regime von Diktator Baschar al-Assad<br />
den Ein druck zu verbreiten, in weiten<br />
Teilen verlaufe das Leben in gewohnten<br />
Bahnen und es herrsche fast überall Überfluss.<br />
Das ist natürlich pure Lügenpropaganda.<br />
Übereinstimmend berichten Flüchtlinge,<br />
die den Westen erreichen, dass die meisten<br />
Menschen in ihrer alten Heimat ein Dasein<br />
am Rande des Existenzminimums führen.<br />
Ist es dann nicht nachgerade obszön, sich<br />
mit der Küche und der kulinarischen Tradition<br />
einer Region beschäftigen zu wollen, die<br />
immer tiefer in Gewalt und Terror versinkt?<br />
Der 30-jährige Koch Jwan Joo Daod aus<br />
Damaskus scheint nicht dieser Meinung zu<br />
sein. »Essen und Trinken, das teilt jeder<br />
Mensch auf der Welt«, sagt er: »Wenn<br />
jemand deine Küche kennenlernt, versteht er<br />
sowohl dich besser als auch die Kultur, aus<br />
Straßenverkäufer in der<br />
Innenstadt Aleppos.<br />
der du kommst.« Seit Juni des vergangenen<br />
Jahres lebt Daod in Österreich. In seiner<br />
Heimat hatte er die Hotelfachschule besucht,<br />
leitete zehn Jahre lang den Küchenbereich<br />
eines Luxushotels in Dubai und gelangte,<br />
nachdem er das Emirat verlassen musste,<br />
weil sein Visum abgelaufen war, auf abenteuerlichen<br />
Fluchtwegen nach Wien. Mittlerweile<br />
wurde seinem Asylantrag stattgegeben,<br />
und der umtriebige Syrer machte sich sofort<br />
ans Werk, den gastronomischen Kosmos<br />
aus dem Nahen Osten an der Donau weiterzuvermitteln.<br />
Er verfasste eine Rezeptsammlung,<br />
serviert in befreundeten Restaurants<br />
orientalische Gerichte und veranstaltet regelmäßig<br />
Kochkurse, bei denen die österreichischen<br />
Teilnehmer lernen, syrische Mezze<br />
zuzubereiten: vom Kichererbsenbrei Hummus<br />
über den Bulgur- und Petersiliensalat<br />
Taboulé bis zum Joghurt-Frischkäse Labneh.<br />
Zwar sind diese wie viele andere orientalische<br />
Gerichte im Rahmen der Ethno-Welle<br />
längst im Westen angekommen, aber von<br />
Daod lässt sich immer noch ein raffinierter<br />
Twist abschauen, der den Speisen einen<br />
authentischen Flair verleiht. Mal landet mehr<br />
Sesampaste als gewohnt im Hummus, mal<br />
ein raffinierter Gewürzmix im Melanzanibrei.<br />
»Der Weg zu einem Menschen geht<br />
durch den Magen«, meint der Koch aus dem<br />
Morgenland, »Essen ist wie ein Fenster zwischen<br />
zwei verschiedenen Menschen.«<br />
><br />
spezial<br />
79
festwochen / DIE WELT SCHMECKEN<br />
Koch Jwan Joo Daod<br />
(Mitte) ist aus Syrien<br />
geflüchtet. Heute lebt<br />
und arbeitet er in Wien.<br />
><br />
Streng genommen gibt es natürlich keine<br />
eigenständige syrische Küche, sondern nur<br />
gewisse regionale Eigenheiten innerhalb<br />
eines großen, geschlossenen kulinarischen<br />
Kulturraumes, der von Persien über das<br />
Zweistromland und die Arabische Halbinsel<br />
bis zur Levante und schließlich sogar bis Spanien<br />
reichte. In ihm herrschte reger Austausch,<br />
die Leitkultur wurde in den Palästen der Kalifen,<br />
zuerst in Damaskus und danach in Bagdad<br />
diktiert – auch die Bräuche in der Küche.<br />
Am Höhepunkt der gastronomischen<br />
Entwicklung im Mittelalter pflegte man im<br />
Nahen Osten eine verschwenderische Küchentradition<br />
von raffinierter Vollendung, die tief<br />
nach Europa hinein ausstrahlte und bis heute<br />
auch im Westen gewisse Speisen prägt. Zu<br />
einer Zeit, da sich in Zentraleuropa die<br />
meisten Menschen fast ausschließlich von<br />
Getreidebrei ernährten und die Ritter auf<br />
ihren Burgen gebratene Fleischbrocken<br />
verschlangen, entwickelten arabische Köche<br />
ausgeklügelte und aufwendige Rezepturen<br />
für luxuriöse Speisen. Während in Europa<br />
»Essen ist wie ein Fenster<br />
zwischen zwei verschiedenen<br />
Menschen.«<br />
JWAN JOO DAOD Koch aus Syrien<br />
das kulinarische Erbe des römischen Imperiums<br />
von der Völkerwanderung barbarischer<br />
Nomadenstämme ausgelöscht worden war,<br />
adoptierten die arabischen Invasoren, die<br />
635, drei Jahre nach dem Tod des Propheten<br />
Mohammed, die byzantinische Provinzhauptstadt<br />
Damaskus erobert hatten, die gastronomischen<br />
Sitten, die sie vorfanden.<br />
Die islamischen Wüstenstämme waren in<br />
einen der ältesten Kulturräume der Welt eingedrungen.<br />
Dort, im fruchtbaren Halbmond,<br />
befindet sich die Wiege der Zivilisation, die<br />
bereits Tausende Jahre zuvor eine landwirtschaftliche<br />
Revolution ausgelöst und eine<br />
hochentwickelte Kultur hervorgebracht hatte.<br />
Es haben sich Keilschrifttafeln aus dem<br />
dritten vorchristlichen Jahrhundert erhalten,<br />
die ausgiebige Gastmähler beschreiben, die<br />
vor allem einer sozialen Funktion dienten:<br />
Sie sollten den Zusammenhalt zwischen<br />
Herren und Gesinde festigen oder einen<br />
Handel zwischen Kaufleuten bekräftigen.<br />
Bei solchen zeremoniellen Anlässen wurde<br />
viel Fleisch aufgetragen, und es wurde<br />
Gerstenbier oder Dattelwein getrunken.<br />
Von überall her kamen kulinarische<br />
Einflüsse in die Ebenen von Euphrat und<br />
Tigris, jahrhundertelang prägte das vergeudungssüchtige<br />
Byzanz das Leben in seinen<br />
östlichen Provinzen. Als die arabischen<br />
Wüstenstämme ihren Herrschaftsbereich in<br />
diese Zone des üppigen Lebens ausdehnten,<br />
brachten sie zwei wichtige kulinarische<br />
Innovationen mit: die Erinnerung an das<br />
karge Leben im endlosen Sandmeer und<br />
die islamischen Speisegesetze. Schon in der<br />
zweiten Sure des Koran wird den Gläubigen<br />
aufgetragen, bestimmte Lebensmittel zu meiden,<br />
unter anderem das Fleisch von Schwei-<br />
Fotos: Shutterstock, beigestellt<br />
80 spezial
Die syrische Küche<br />
zeichnet sich durch eine<br />
Gewürzvielfalt aus.<br />
BUCHTIPP<br />
Zu Gast bei Freunden<br />
12 Geschichten und Rezepte aus Syrien<br />
Jwan Joo Daod<br />
Edition Esspapier (2015), 68 Seiten<br />
Das Buch ist nur noch über den Verlag<br />
erhältlich: editionesspapier.com<br />
nen und Aasfressern, das als »haram«, also<br />
mit einem Tabu beladen, gilt. In den Hadithen,<br />
den überlieferten Aussagen des Propheten,<br />
ist viel von Ernährung und den Lieblingsspeisen<br />
des Propheten die Rede, etwa einem<br />
simplen Eintopfgericht namens Tharid, dessen<br />
Sauce mit Brotkrümeln eingedickt wird. Die<br />
wahren Gaumenfreuden warten diesen Überlieferungen<br />
zufolge aber erst im Paradies auf<br />
den frommen Muslim.<br />
Nachdem die Kalifen der Umayyaden-<br />
Dynastie das islamische Machtzentrum von<br />
Mekka nach Damaskus verlagert hatten, gingen<br />
die Wüstensöhne in einer Welt des Überflusses<br />
auf, die sie bisher nicht gekannt hatten.<br />
Die an ein frugales Leben gewohnten Eroberer<br />
müssen überwältigt gewesen sein von den<br />
fremden Gerüchen und Geschmäckern, die sie<br />
auf den Märkten in der kosmopolitischen<br />
Stadt vorfanden. Es war ein irdisches Paradies,<br />
ein Schlaraffenland, das ihnen ihre heilige<br />
Schrift erst für das Jenseits weissagte.<br />
Innerhalb kurzer Zeit entwickelten sie eine<br />
verschwenderische Hochküche, in der teure<br />
Gewürze und exotische Ingredienzen, die oft<br />
von weit her geliefert wurden, Verwendung<br />
fanden und mit einer aufwendigen Küchentechnik<br />
zu schier endlosen Speisenfolgen veredelt<br />
wurden. Nun wurde der Tharid, die Lieblingsspeise<br />
des Propheten, von den Köchen der<br />
Kalifen zu kostbaren Gerichten verfeinert,<br />
deren Genuss als fromme Übung verklärt wurde.<br />
Der Opulenz schienen keine Grenzen<br />
gesetzt zu sein. Schließlich übertrieb die Oberschicht<br />
ihre Verschwendungssucht dermaßen,<br />
dass ihre Prunkentfaltung einen Aufstand auslöste,<br />
der die Umayyaden hinwegfegte. Passenderweise<br />
wurden die letzten Angehörigen der<br />
Dynastie bei einem Festmahl umgebracht, mit<br />
dem sie sich über eine krachende Niederlage<br />
auf dem Schlachtfeld hinwegtrösten wollten.<br />
Die neuen Abbasiden-Herrscher verlegten<br />
ihr Machtzentrum an das Ufer des Tigris in<br />
ihre neu gegründete Hauptstadt Bagdad und<br />
etablierten ein höfisches Leben, das jenes ihrer<br />
Vorgänger noch übertraf. Hier erreichte die<br />
muslimische Küchenkunst im neunten, zehnten<br />
und elften Jahrhundert den Höhepunkt an<br />
Raffinesse und Aufwendigkeit. Während der<br />
Regierungszeit des legendären Kalifen Harun<br />
ar-Raschid war die Oberschicht geradezu<br />
besessen von allen Aspekten der Kulinarik.<br />
Die zeitgenössischen Berichte klingen wie<br />
ein fernes Echo der gegenwärtigen modernen<br />
Leidenschaft für lukullische Genüsse. In dieser<br />
Atmosphäre epikureischer Gaumenfreuden<br />
war die Zubereitung der Speisen nicht ausschließlich<br />
eine Aufgabe der Dienstboten,<br />
sondern eine Tätigkeit, die einem Edelmann<br />
gut zu Gesicht stand. In einer der Geschichten,<br />
die die Königstochter Scheherazade in »Tausendundeine<br />
Nacht« erzählt, bereitet der Kalif<br />
höchstpersönlich einem Liebespaar ein Mahl<br />
aus Fischen, die er zuvor im Tigris gefangen<br />
hatte. Sein Halbbruder Ibrahim al-Mahdi<br />
fungierte sogar als Namensgeber eines von<br />
ihm erfundenen Eintopfgerichtes, das mit<br />
Verjus und Essig zubereitet wurde.<br />
In dieser Phase überbordender Genusssucht<br />
erschien, wie ein überlieferter Index berichtet,<br />
eine Unzahl von Rezeptsammlungen und kulinarischen<br />
Traktaten. Eine ausgeklügelte Esskultur<br />
war zweifellos ein zentraler Bereich der<br />
urbanen islamischen Gesellschaft. Bei besonderen<br />
Gelegenheiten bewirtete der Kalif Tausende<br />
seiner Untertanen, und bei Gelagen im<br />
Herrscherpalast soll es nicht ungewöhnlich<br />
gewesen sein, dass 300 verschiedene Gerichte<br />
hintereinander aufgetragen wurden. Für<br />
einen kultivierten Bewohner von Bagdad<br />
oder Damaskus war es nicht nur wichtig, in<br />
allen Küchendingen genau Bescheid zu wissen.<br />
Noch bedeutsamer war es, alle wichtigen<br />
Tafelgedichte zu kennen, die während des<br />
Mahles rezitiert wurden. Ein überlieferter<br />
Bericht erzählt von einem legendären Gelage,<br />
bei dem jeder Gast mit einem Gedicht eine<br />
spezielle Speise pries, die gemäß des lyrischen<br />
Vortrages zubereitet wurde. Als gerade kein<br />
frischer Spargel zur Hand war, nach dem die<br />
Verse verlangten, musste das Mahl unterbrochen<br />
werden, bis die Damaszener Spezialität<br />
über eine Entfernung von 800 Kilometer<br />
Typischer syrischer<br />
Eintopf mit Brotkrümeln. ><br />
spezial<br />
81
festwochen<br />
/ DIE WELT SCHMECKEN<br />
Fladenbrot ist ein wichtiger<br />
Bestandteil fast aller<br />
arabischer Speisen.<br />
vereinfacht und verlor viele ihrer Saucen und<br />
Aromen«, schreibt der amerikanische Historiker<br />
H. D. Miller, der eine Studie über die<br />
islamische Küchentradition aus dem Mittelalter<br />
verfasst hat. In den langen Jahrhunderten,<br />
in denen die Gebiete des heutigen Syrien<br />
und Irak als osmanische Provinzen dahinschlummerten,<br />
verkümmerte die Kochkunst<br />
aus der Zeit der Kalifen. »Für die Bewohner<br />
von Damaskus und Bagdad gehörten die<br />
Jahre der kulinarischen Herrlichkeit unwiederbringlich<br />
der Vergangenheit an.«<br />
»MAN MUSS EINFACH ESSEN«<br />
><br />
herbeigeschafft war. In kulinarischen Angelegenheiten<br />
verstand die islamische Zivilisation<br />
des Mittelalters keinen Spaß. Eines der wenigen<br />
Kochbücher, das nicht verloren ging, listet<br />
164 Speisen in unterschiedlichen Kategorien<br />
auf und beschreibt penibel die langwierige<br />
Zubereitung. Das meiste davon sind Eintopfgerichte,<br />
da die Speisen, dem Gebot des Propheten<br />
folgend, am Boden sitzend mit drei<br />
Fingern der rechten Hand zum Mund geführt<br />
wurden. Diese Stews, die meist viele Stunden<br />
lang schmurgeln mussten, wurden in unterschiedlichen<br />
Kombinationen mit Safran, Zimt,<br />
Pfeffer, Ingwer, Kardamom, Ingwer, Granatapfelsamen,<br />
geriebenen Mandeln und Pistazien<br />
oder Rosenwasser gewürzt. Auch die heute<br />
noch in der orientalischen Küche üblichen<br />
Fleischbällchen aus gewürztem und faschiertem<br />
Fleisch waren damals bereits als sogenannte<br />
»kubab« Bestandteil der Hochküche.<br />
Dieses Kompendium gelangte in griechischer<br />
Übersetzung auch in den Westen und<br />
löste im Verein mit den Erzählungen der<br />
Kreuzfahrer eine neue Mode aus. An den<br />
Fürstenhöfen versuchte man, die orientalische<br />
Opulenz zu imitieren. Die Chroniken berichten<br />
etwa von einem Festmahl des englischen<br />
Königs Richard II., das in dieser Form auch<br />
im Haus eines islamischen Edelmannes hätte<br />
stattgefunden haben können. Im spätmittelalterlichen<br />
Europa scheute man in vornehmen<br />
Häusern keine Kosten, die exotischen Ingredienzen<br />
herbeizuschaffen, und die venezianischen<br />
Handelsherren verdankten viel von<br />
ihrem Reichtum dem europäischen Heißhunger<br />
nach den orientalischen Gewürzen, nach<br />
denen die gotischen Kochbücher verlangten.<br />
»Natürlich ist die Hochküche von Damaskus<br />
und Bagdad im muslimischen Herzland<br />
nie ganz ausgestorben, aber sie wurde stark<br />
In zwei wichtigen Aspekten unterscheidet sich<br />
die moderne arabische Küche von ihrem glorreichen<br />
Vorläufer: Die Würzsaucen, die einst<br />
aus fermentierten Zutaten gebraut wurden,<br />
sind verschwunden. Und das heute überall<br />
im Orient gebräuchliche Olivenöl war im<br />
Mittelalter viel zu kostbar, als dass<br />
es in der Küche Verwendung gefunden hätte.<br />
Mit duftendem Öl wurden allenfalls die<br />
Gäste eines Mahles gesalbt. Zum Kochen<br />
wurde hingegen ausgelassenes Hammelfett<br />
verwendet, das mit aufwendigen Methoden<br />
in ein wohlschmeckendes und -riechendes<br />
Nahrungsmittel verwandelt wurde.<br />
Ein kulinarisches Grundprinzip dürften<br />
sich die Syrer allerdings bewahrt haben,<br />
meint Jwan Joo Daod, der Koch aus Damaskus,<br />
der in Wien Zuflucht gefunden hat: eine<br />
Leidenschaft für Gewürze und unterschiedliche<br />
Texturen ebenso wie für die Tätigkeit des<br />
Kochens selbst. Im Vorwort seiner Rezeptsammlung<br />
erzählt er vom kulinarischen<br />
Alltag aus der Zeit, bevor die Schrecken des<br />
Bürgerkrieges das Land in ihre Gewalt nahmen.<br />
In syrischen Haushalten werde jeden<br />
Tag mit frischen Zutaten gekocht, in Restaurants<br />
würde nur zu besonderen Anlässen eingekehrt.<br />
Zu Mittag versammle sich regelmäßig<br />
die gesamte Familie. Es werde aufgetragen,<br />
was Küche und Keller hergeben. »Ist<br />
jemand schlank, sagt die Gastgeberin: ›Du<br />
brauchst eine gute Mahlzeit, iss noch mehr!‹<br />
Ist das Gegenteil der Fall, hört man: ›Du hast<br />
einen großen Bauch, also musst du auch viel<br />
essen!‹ Einfach gesagt: Man hat bei einer<br />
syrischen Ehefrau oder Mutter nicht sehr viele<br />
Alternativen: Man muss einfach essen!«<br />
<<br />
Foto: Shutterstock<br />
82 spezial
festwochen<br />
/ DIE WELT SCHMECKEN<br />
KULINARISCHE HEIMAT<br />
WURZEL<br />
WERK<br />
Die <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong> bringen Künstlerinnen und<br />
Künstler aus mehr als zwanzig Ländern auf die<br />
Bühne. Für Falstaff erinnern sie sich an<br />
die Küche ihrer Kindheit.<br />
TEXT KARIN CERNY<br />
Als die <strong>Festwochen</strong> 1951<br />
erstmals über die Bühne<br />
gingen, war Wien noch eine<br />
von den Alliierten besetzte<br />
und in vier Zonen geteilte<br />
Stadt. Das neu gegründete<br />
Festival sollte ein Signal in die Welt senden –<br />
ein Land wollte zeigen, dass es wieder nach<br />
vorne blickt und seine Rolle als »Welthauptstadt<br />
der Musik« erneut einnehmen möchte.<br />
Es ging nach dem Krieg um ein »Wiedererwachen<br />
auf kulturellem Gebiet«, wie es der<br />
damalige Stadtrat Hans Mandl formulierte.<br />
Bereits 1952 vermerkte man stolz: »Schon<br />
sieben ausländische Gastdirigenten, darunter<br />
Bruno Walter.« Gerade in der Anfangszeit<br />
waren die <strong>Festwochen</strong>, die durchaus wörtlich<br />
ein Fest für alle <strong>Wiener</strong>innen und <strong>Wiener</strong><br />
sein wollten, sehr offen. In den kommenden<br />
Jahren hat sich das erfolgreiche Festival, das<br />
nicht mehr aus dem Kulturkalender der<br />
Hauptstadt wegzudenken ist, öfter neu<br />
erfunden.<br />
Was konstant geblieben ist: Die <strong>Festwochen</strong><br />
bringen die Welt nach Wien,<br />
sie laden herausragende internationale<br />
Künstlerpersönlichkeiten ein und stellen<br />
einen Dialog mit der heimischen Szene<br />
her. Inzwischen ist Wien aber auch jenseits<br />
der <strong>Festwochen</strong> kosmopolitischer geworden,<br />
zahlreiche junge Kunstschaffende aus aller<br />
Welt haben sich hierzulande niedergelassen –<br />
und damit auch einen Teil ihrer kulinarischen<br />
Identität mitgebracht. Falstaff hat fünf<br />
<strong>Festwochen</strong>-Akteure ausgewählt und zu den<br />
Küchen ihrer Heimat befragt.<br />
Fotos: Shutterstock, Sergio Coimbra, beigestellt<br />
84 spezial
Daniel Lie<br />
ICH ARBEITE GERN<br />
MIT FRÜCHTEN<br />
In vielen meiner Arbeiten spielen Früchte<br />
eine große Rolle, manchmal serviere ich<br />
sie den Zuschauern vor der Show als<br />
eine Art Bankett, dann wieder sind sie Teil<br />
einer Installation und verrotten mit der Zeit<br />
auf der Bühne. Mir ist dabei aber wichtig,<br />
kein Essen zu verschwenden. Ich verwende nur<br />
Früchte, die bereits von Supermärkten weggeworfen<br />
wurden. Mich interessiert, wie sich<br />
Essen im Laufe der Zeit verändert, aber auch,<br />
wie sich die Leute verhalten, wenn es Obst<br />
gratis gibt, besonders jene Früchte, die in<br />
meiner Heimat Brasilien sehr beliebt sind. Die<br />
meisten sind zuerst ziemlich überrascht, wie<br />
intensiv der Duft ist, oft wie ein sehr starkes<br />
Parfüm. Ich glaube nicht, dass die Leute abgestoßen<br />
sind, es sind eher verwirrende Gefühle,<br />
die über sie hereinbrechen. Unsere westliche<br />
Gesellschaft tendiert ja dazu, alles, was mit<br />
Tod und Müll verbunden ist, gänzlich auszublenden.<br />
Dabei erzählt Kulinarik so viel über<br />
eine Kultur. In den letzten fünf Monaten war<br />
ich viel in Brasilien unterwegs, das Essen ist<br />
so unterschiedlich, je nachdem, wo man sich<br />
befindet, es spiegelt die Kultur der Leute wider<br />
– von den indigenen Brasilianern, den Afro-<br />
Brasilianern, den ehemaligen Kolonialherren<br />
aus Europa, den asiatischen Einwanderern.<br />
Ich bin in São Paulo aufgewachsen und weiß<br />
noch gut, wie mein indonesischer Vater für uns<br />
Jackfruits geöffnet und portioniert hat. Das<br />
ist für mich eine starke Kindheitserinnerung.<br />
DANIEL LIE<br />
ist ein brasilianischer Künstler. Im<br />
Rahmen der <strong>Festwochen</strong> zeigt er im<br />
Performeum »Death Center for the<br />
Living«, eine sinnliche Arbeit, die Grenzen<br />
zwischen Performance, Installation,<br />
Ritual und Körper erfahrung<br />
überschreitet.<br />
Süßkartoffeln mit Mate-<br />
Béarnaise: eine Kreation<br />
vom brasilianischen<br />
Starkoch Alex Atala aus<br />
seinem Buch »D.O.M.«.
festwochen<br />
/ DIE WELT SCHMECKEN<br />
Tonica Hunter<br />
BEIM ESSEN KOMMT MAN<br />
LEICHT INS GESPR ÄCH<br />
Ich wurde in Nord-London geboren, meine<br />
Großeltern kamen ursprünglich aus<br />
Jamaika. Zu Hause gab es immer jamaikanische<br />
Küche, meine Großmutter hat uns<br />
gezeigt, wie man sie zubereitet. Ich bin gerne<br />
mit ihr auf die lokalen Märkte gegangen, den<br />
Ridley oder den Dalston Market, wo man<br />
Lebensmittel aus der ganzen Welt findet. Sie<br />
hat uns Kindern Früchte gezeigt, die wir nicht<br />
kannten, und erklärt, worauf man beim Einkaufen<br />
achten muss. Zu Hause haben wir<br />
Kinder dann geholfen. Mein erster Eindruck<br />
von Jamaika war also die lokale Küche, noch<br />
lange bevor ich überhaupt dort war. Seit damals<br />
ist mir klar, dass Essen ein wichtiger<br />
Aspekt ist, sich einer Kultur zugehörig zu<br />
fühlen. Über die Kulinarik hatte ich in London<br />
eine Verbindung zur Heimat meiner Großeltern.<br />
Mit sieben Jahren war ich dann zum<br />
ersten Mal tatsächlich in Jamaika und habe<br />
viele neue Speisen ausprobiert. Ich denke, das<br />
hat mich neugierig und offen gemacht, was Essen<br />
betrifft. Ich koche auch gerne mit anderen<br />
gemeinsam, tausche mich aus, wie sie Essen<br />
zubereiten, und finde toll, wenn sie noch authentische<br />
Rezepte von ihren Großeltern<br />
haben. Ich habe in Wien mit Leuten aus<br />
Nigeria, Simbabwe und Ghana bei mir zu<br />
Hause gekocht. Beim Essen kommt man leicht<br />
ins Gespräch.<br />
TONICA HUNTER<br />
wurde in London geboren, ihre familiären<br />
Wurzeln liegen in Jamaika. Sie<br />
arbeitet im Bereich Migration und ist<br />
Mitbetreiberin des <strong>Wiener</strong> Clubs »On<br />
Fleek«. Im Rahmen des <strong>Festwochen</strong>-<br />
Musikschwerpunkts »Hyperreality«<br />
tritt sie am 27. Mai, ab 22 Uhr, als<br />
DJane im Schloss Neugebäude auf.<br />
Tonica Hunter verbindet<br />
mit Jamaika Gerichte<br />
wie das würzig-scharfe<br />
»Jerk Chicken«.<br />
Fotos: Stefanie Moshammer, Shutterstock<br />
86 spezial
Magdalena Chowaniec<br />
ES GIBT IMMER<br />
EINE SUPPE<br />
Die polnische Küche<br />
ist sehr deftig. Ich<br />
komme aus einem<br />
Ort im Süden in der Nähe der Berge. Das<br />
Gebiet grenzt an Schlesien, deshalb werden<br />
gern Knödel, Fleisch mit Saft und Schweinsbraten<br />
serviert. Fleisch und Wurst sind in Polen<br />
überhaupt sehr populär, als Kind habe ich<br />
wahrscheinlich vier- bis fünfmal in der Woche<br />
Fleisch gegessen. Das kann ich mir heute nicht<br />
mehr vorstellen. Aber ich glaube, die jüngere<br />
Generation in Polen ernährt sich mittlerweile<br />
auch leichter und gesundheitsbewusster. Wenn<br />
ich zu Ostern oder Weihnachten nach Hause<br />
fahre, habe ich immer eine Fleischüberdosis,<br />
denn zu den Feiertagen gibt es vier Sorten<br />
Schinken. Und es gibt immer eine Suppe als<br />
Vorspeise, meine Mutter liebt Suppen, obwohl<br />
sie nie die klassische Hausfrau war, die gerne<br />
kocht. Bei ihr muss alles schnell gehen. Als ich<br />
nach Wien kam, war ich begeistert, dass es Saisonen<br />
gibt, die Spargel-, Bärlauch- oder Kürbiszeit.<br />
In Polen gab es diese lokale, saisonale Küche<br />
früher auch, aber über die Jahre haben die<br />
Leute vergessen, viele Produkte zu nutzen.<br />
Kürbis und Bärlauch werden in Polen kaum<br />
ver wendet, obwohl sie überall wachsen, dabei<br />
schmeckt Kürbissuppe doch toll! Ich habe<br />
meiner Mutter diesbezüglich einiges beibringen<br />
können: Wenn wir gemeinsam wandern gehen,<br />
dann pflücken wir immer Bärlauch.<br />
Magdalena Chowaniec<br />
verbindet mit ihrer Kindheit<br />
in Polen deftige Küche.<br />
MAGDALENA<br />
CHOWANIEC<br />
ist eine polnische Tänzerin und<br />
Performerin, die in Wien lebt.<br />
Bei den <strong>Festwochen</strong> leitet sie an<br />
verschiedenen öffentlichen Orten<br />
wie einem Einkaufszen trum die<br />
»Anti-Fascist Ballet School«.<br />
Mitmachen kann dabei jeder.<br />
spezial<br />
87
festwochen<br />
/ DIE WELT SCHMECKEN<br />
Elisabeth Bakambamba Tambwe<br />
INSEKTEN SIND<br />
IM KONGO BELIEBT<br />
Die kongolesische Küche ist relativ<br />
unbekannt, sehr geschmackvoll<br />
und reichhaltig, wenn man sich<br />
die Zeit nimmt, sie zu entdecken. Ich würde<br />
sagen, es gibt so viele Arten Huhn Moambe<br />
zu kochen, wie es kongolesische Mütter gibt –<br />
jede hat ihr eigenes Rezept. Von meiner Kindheit<br />
bis heute hat mich meine Liebe zum<br />
Kochen begleitet, obwohl ich oft gar nicht<br />
mehr weiß, woher meine Rezepte genau stammen.<br />
Ich lasse mich von meinen kongolesischen<br />
Wurzeln ebenso inspirieren wie von der französischen<br />
Küche oder der österreichischen. Für<br />
mich ist das Kochen eine Art Forschungslabor,<br />
ein Ort der Begegnungen, egal, wie überraschend<br />
diese auch sein mögen. Lasst uns<br />
Wände niederreißen! Essen kann auch ein<br />
Mittel sein, etwas subversiv in Frage zu stellen.<br />
Im Kongo sind zum Beispiel Insekten wichtige<br />
Lebensmittel, die ich auch gern esse. Europa ist<br />
diesbezüglich ängstlich, seine Essensgewohnheiten<br />
zu hinterfragen, obwohl gerade Insekten<br />
reich an Proteinen sind und wenig Umweltverschmutzung<br />
verursachen. Ich finde überhaupt<br />
schade, dass es in Europa Streetfood meist nur<br />
auf Festivals gibt, weil es so strenge Regeln<br />
gibt, wenn es um Kulinarik geht. Ich verstehe<br />
das nicht, diese Art von Essen füllt die Straßen<br />
mit Gerüchen, macht das Leben in der Stadt<br />
lebendiger, schafft Jobs und fördert den Tourismus,<br />
weil es eine gute Gelegenheit ist, wirklich<br />
authentisches Essen auszuprobieren.<br />
Nur Mut:<br />
Elisabeth B.<br />
Tambwe<br />
empiehlt die<br />
Insektenküche<br />
ihrer Heimat.<br />
ELISABETH B.<br />
TAMBWE<br />
ist eine kongolesisch-österreichische<br />
Performerin. Sie wurde in Kinshasa<br />
geboren, wuchs in Frankreich auf<br />
und lebt seit zehn Jahren in Wien. In<br />
»Congo Na Chanel«, das im Rahmen<br />
der Fest wochen uraufgeführt wird,<br />
wirft sie einen Blick auf die Kolonialgeschichte<br />
ihrer afrika nischen Heimat.<br />
Fotos: Scott Evans, Stefan Roehrle, Shutterstock<br />
88<br />
spezial
Anna Jermolaewa<br />
DIE EINFACHEN GERICHTE<br />
SCHMECKEN AM BESTEN<br />
Ich komme aus St. Petersburg, die Stadt<br />
wurde im Zweiten Weltkrieg von den<br />
Deutschen belagert, über eine Million<br />
Menschen starben an Hunger. Ich habe das in<br />
einer meiner Arbeiten thematisiert, man hat<br />
damals unter anderem alle Katzen der Stadt<br />
aufgegessen. Meine Großmutter überlebte diese<br />
900-tägige Blockade, zwei ihrer Kinder kamen<br />
ums Leben. Ich habe von meiner Oma zum<br />
Geburtstag immer Essen geschenkt bekommen,<br />
das war einfach das Wertvollste für sie. Es gab<br />
ein Stück Fleisch und kein Spielzeug. Meine<br />
Eltern arbeiteten beide als Ingenieure, das<br />
waren die am schlechtesten bezahlten Jobs<br />
in der Sowjetunion. Man hatte kaum Geld<br />
zum Überleben. Im Sommer waren wir deshalb<br />
immer auf dem Land in einer kleinen Datscha,<br />
da haben wir Gemüse und Obst angebaut und<br />
für den Winter eingelagert. Das waren vier<br />
Monate harte Arbeit – aber für mich eine der<br />
schönsten Kindheitserfahrungen. Es gab Hühner<br />
und Kaninchen, wir haben Beeren, Kräuter<br />
und Pilze im Wald gesammelt. Zuerst kam die<br />
Gartenarbeit, erst danach durfte ich spielen.<br />
Mir schmecken die einfachen Gerichte nach<br />
wie vor am besten: gekochte Kartoffeln in der<br />
Schale und ein Gurkensalat mit Sauerrahm.<br />
Das ist für mich eine Delikatesse geblieben. Ich<br />
koche gern für Freunde, dann gibt es Borschtsch,<br />
und der Wodka dazu ist natürlich Pflicht.<br />
ANNA JERMOLAEWA<br />
ist eine russische Künstlerin, die seit<br />
1989 in Wien lebt. In ihren meist dokumentarischen<br />
Videoarbeiten und Installationen<br />
nimmt sie alltägliche Dinge<br />
unter die Lupe, analysiert dabei<br />
aber auch politische Machtstrukturen<br />
und Rollenbilder. Bei den <strong>Festwochen</strong><br />
ist sie Teil des Projekts »NSK State<br />
Venice Pavilion in Vienna – Thinking<br />
Europe«, das Themen wie Migration,<br />
Geschichte und Identität behandelt.<br />
Mit der Rote-Rüben-<br />
Suppe Borschtsch<br />
bekocht Anna<br />
Jermolaewa ihre<br />
Freunde.<br />
89
festwochen<br />
/ DIE WELT SCHMECKEN<br />
FREUNDERL-<br />
WIRTSCHAFT<br />
Im »Magdas Hotel« und »Habibi & Hawara« gibt es nicht nur<br />
Großartiges zu essen. Die Betriebe zeigen auch vor, wie man<br />
nachhaltig Gutes tut. <strong>Wiener</strong> Gastro-Profis und Flüchtlinge<br />
arbeiten hier Hand in Hand. TEXT JULIA STALLER<br />
Die Küchencrew im<br />
»Magdas Hotel« ist<br />
ein eingespieltes Team.<br />
Foto: Peter Barci<br />
90 spezial
<strong>Festwochen</strong>thema:<br />
Flucht<br />
»Traiskirchen. Das Musical.«<br />
bringt Geschichten rund um<br />
das im Sommer 2015 überfüllte<br />
Flüchtlingslager auf<br />
die Bühne. Premiere:<br />
9. Juni 2017. Mehr<br />
auf S. 141.<br />
Es ist zwölf Uhr, und das<br />
neue Mittagsbuffet im<br />
»Habibi & Hawara«<br />
findet sichtlich<br />
Zuspruch. Die Teller<br />
der Gäste leeren sich<br />
quasi im Minutentakt, und vor dem<br />
dampfenden Couscous, der einen<br />
unwiderstehlichen Korianderduft verströmt,<br />
bildet sich schon eine kleine<br />
Warteschlange. Geschäftsmänner<br />
besprechen ihren nächsten Deal, Studentinnen<br />
am Nebentisch unterhalten<br />
sich über ihren Lehrplan. Indes läuft<br />
der Küchenbetrieb auf Hochtouren.<br />
Jetzt muss jeder Handgriff stimmen,<br />
Teamwork ist gefragt.<br />
Eigentlich ist das »Habibi &<br />
Hawara« ein Restaurant wie jedes ><br />
spezial<br />
91
Qual der Wahl: Das<br />
Mittagsbuffet im »Habibi<br />
& Hawara« bietet eine<br />
große Auswahl.<br />
/ festwochen<br />
/ DIE WELT SCHMECKEN<br />
><br />
andere. Aber in einem wichtigen Punkt<br />
unterscheidet es sich von ihnen: Die Mitarbeiter<br />
kommen aus den verschiedensten Ländern<br />
und Kulturen – sie alle mussten aus ihrer<br />
Heimat fliehen und haben in Österreich Asyl<br />
erhalten. Das Restaurant »Habibi & Hawara«<br />
ermöglicht ihnen, in der Arbeitswelt Fuß<br />
zu fassen. Es ist aber auch ein Ort der Begegnung,<br />
an dem die Gäste mit den Flüchtlingen<br />
in Kontakt kommen und wo schon so manches<br />
Vorurteil abgebaut werden konnte.<br />
»Social Business« steht als großes Schlagwort<br />
über dem »Habibi & Hawara«. Das<br />
Unternehmenskonzept vom Friedensnobelpreisträger<br />
Muhammad Yunus schließt<br />
neben dem ökonomischen Erfolg auch<br />
stets die soziale Verantwortung mit ein.<br />
Auf Spenden verzichten diese Betriebe.<br />
Sie streben nach Gewinn, nutzen diesen<br />
aber zur Lösung gesellschaftlicher Probleme.<br />
»Wir wollten nicht nur etwas Gutes tun«,<br />
erinnert sich »Habibi & Hawara«-Initiatorin<br />
Katha Schinkinger an den Anfang, »wir wollten<br />
auch beweisen, dass unternehmerisch viel<br />
brachliegt und Talente ungenützt bleiben.«<br />
Die Ideen gehen dem Team rund um Unternehmer<br />
Martin Rohla nicht aus: Im Sommer<br />
92 spezial<br />
»Wir wollten nicht nur etwas Gutes tun. Wir wollten auch<br />
beweisen, dass unternehmerisch viel brachliegt und Talente<br />
ungenützt bleiben.«<br />
KATHA SCHINKINGER Initiatorin »Habibi & Hawara«<br />
Auch Süßes aus den<br />
Heimatländern der<br />
Flüchtlinge gibt es im<br />
»Habibi & Hawara«.<br />
Fotos: Benedikt Muxel, Doris Heinrich
Das bunte Interieur<br />
spiegelt die Grundwerte<br />
des Lokals wider.<br />
Beim »Familiy Dinner«<br />
servieren die Mitarbeiter<br />
vom »Habibi & Hawara«<br />
orientalische Köstlichkeiten.<br />
»Das war im Sommer 2015«, erinnert sich<br />
Teilhaberin Katha Schinkinger, »wir haben<br />
die Initiative ›Hosten statt Posten‹ ins Leben<br />
gerufen, bei der wir Flüchtlingen auf dem<br />
›Stadtflucht Bergmühle‹-Grundstück ein paar<br />
schöne Stunden mit Kulinarik und Wellness<br />
schenkten. Aus diesem Moment heraus wollten<br />
wir etwas wirklich Nachhaltiges schaffen.«<br />
Seit der Eröffnung am 4. Mai 2016 konnte<br />
sich das Restaurant einen guten Ruf bei<br />
Gourmets erarbeiten. »Das soziale Konzept<br />
zieht natürlich Interessierte an – aber wirklich<br />
überzeugen musst du mit dem Essen. Nur deswegen<br />
kommen die Gäste wieder«,<br />
sagt Schinkinger.<br />
Besonders begehrt ist im »Habibi &<br />
Hawara« das »Family Dinner«, bei dem<br />
unterschiedliche orientalische Speisen auf<br />
Platten und in Töpfen am Tisch aufgetragen<br />
werden – und das reichlich. Von Hummus<br />
über Taboulé, Schawarma und Makrele<br />
nach syrischer Art – die Rezepte stammen<br />
><br />
soll es einen Foodtruck als Take-away-<br />
Ableger geben, der von einem Mitarbeiter mit<br />
Fluchtgeschichte selbstständig geführt werden<br />
soll. Weitere Niederlassungen und Kooperationen,<br />
etwa zum Catering des Lifeballs 2017,<br />
sind in Planung. Die Initialzündung für das<br />
Restaurant mit sozialem Mehrwert gab es im<br />
Rahmen einer Hilfsaktion der »Stadtflucht<br />
Bergmühle«, einem Verein im Weinviertel.<br />
Chefkoch Edgardo<br />
Mendoza (Bildmitte)<br />
mit seinem »Habibi &<br />
Hawara«-Team.<br />
Beim »Familiy Dinner« werden<br />
abends orientalische<br />
Speisen auf Platten aufgetragen<br />
– und das reichlich.<br />
spezial<br />
93
festwochen<br />
/ DIE WELT SCHMECKEN<br />
><br />
vornehmlich aus den Heimatländern der<br />
Flüchtlinge. Aber auch österreichische Küche<br />
findet immer wieder Einzug, etwa beim<br />
scharf-orientalisch gewürzten Gulasch.<br />
WELTUMSPANNEND<br />
Das »Habibi & Hawara« ist nicht das<br />
einzige gastronomische »Social Business«<br />
in Wien, das von Flüchtlingen betrieben<br />
wird. Auch die Caritas hat das Konzept mit<br />
ihrem »Magdas Hotel« erfolgreich umgesetzt.<br />
Geradezu idyllisch im Prater gelegen, wird<br />
der Hotelbetrieb von dreißig Flüchtlingen<br />
am Laufen gehalten. Unterstützt und ausgebildet<br />
werden sie dabei von einheimischen<br />
Branchen-Profis.<br />
»Wir sind ein Hotel wie jedes andere. Aber<br />
wir schaffen Chancen für Menschen, die sonst<br />
wenige haben«, erklärt Marketing-Managerin<br />
Sarah Bárci, während sie durch das Hotel<br />
führt, das früher ein Seniorenheim war. Jedes<br />
der 88 Zimmer ist mit modernen Upcycling-<br />
Designstücken individuell eingerichtet. Am<br />
Aufbau und der Gestaltung beteiligten sich<br />
auch viele ehrenamtliche Helfer, erzählt Bárci.<br />
Einige der Flüchtlinge haben bereits in<br />
ihrem Heimatland in der Gastronomie oder<br />
Hotellerie gearbeitet, etwa die Rezeptionistin,<br />
die in Damaskus im »Four Seasons« tätig war,<br />
bevor sie aus dem vom Bürgerkrieg erschütterten<br />
Syrien flüchten musste. Ihre Team-Mitglieder<br />
sind im Iran, in Bangladesch, Pakistan,<br />
Afghanistan und verschiedenen afrikanischen<br />
Ländern geboren. Insgesamt 23 Sprachen<br />
beherrscht das »Magdas«-Team – für ein<br />
Hotel ist das natürlich ein großes Service-Plus.<br />
Nicht nur Gäste aus aller Welt gehen in<br />
»Magdas Hotel« ein und aus. Die Küche zieht<br />
auch <strong>Wiener</strong> an, vor allem zum »Flying Dinner«,<br />
das jeden Donnerstagabend angeboten<br />
wird. Zehn Gänge werden vom internationalen<br />
Küchenteam rund um Reinhard Kroiss<br />
serviert, jeden richten sie mit einer unglaublichen<br />
Detailverliebtheit an. Auf eine Karte<br />
wird verzichtet. Stattdessen liegen auf dem<br />
Kreation aus dem<br />
»Magdas«: Avocado,<br />
gebeizte Sardine,<br />
Knochenmark.<br />
Wie im »Habibi & Hawara« überzeugt im<br />
»Magdas Hotel« nicht nur das soziale Konzept,<br />
sondern auch die Gerichte, die auf den Teller kommen.<br />
»Wir sind ein Hotel wie jedes<br />
andere. Aber wir schaffen<br />
Chancen für Menschen, die<br />
sonst wenige haben.«<br />
SARAH BÁRCI Marketing-Managerin »Magdas Hotel«<br />
Das moderne »Magdas<br />
Hotel« liegt direkt<br />
im grünen Prater.<br />
Fotos: beigestellt<br />
94 spezial
Beim »Flying Dinner«<br />
im »Magdas Hotel«<br />
werden zehn raffinierte<br />
Gerichte serviert.<br />
Tisch zahlreiche kleine Zettel, auf denen die<br />
Zutaten vermerkt sind, die bei den Speisen<br />
kombiniert werden. Schon die puristischen<br />
Aufzählungen machen Appetit, etwa »Fischtatar,<br />
Melone, Algen«, »Kalb, Afila, Kartoffel«,<br />
»Tee, Pilze, Ei« oder »Saibling, Goldrübe,<br />
Rote Rübe«. Wie im »Habibi & Hawara«<br />
überzeugt hier nicht nur das soziale Konzept,<br />
sondern auch die Gerichte, die auf den Teller<br />
kommen. Die Kreationen sind auf den Punkt<br />
abgeschmeckt, von überraschender Kreativität<br />
und großer Produktqualität.<br />
NACHAHMER ERWÜNSCHT<br />
»Liebe geht durch den Magen, die Gäste fühlen sich hier<br />
ebenso wie die Mitarbeiter wohl. Und das merkt man.«<br />
KATHA SCHINKINGER Initiatorin »Habibi & Hawara«<br />
Ein »Flying Dinner«-Gang<br />
im »Magdas«: Miesmuscheln<br />
á la Buzara.<br />
»Magdas Hotel« wurde im Februar 2015<br />
eröffnet – ein paar Monate vor der großen<br />
Solidaritätsbewegung, die sich im Sommer<br />
desselben Jahres formierte. Mehrere tausend<br />
Flüchtlinge suchten in Europa Zuflucht,<br />
Politiker wirkten mit der Situation zuweilen<br />
überfordert. Kompensiert wurde die politische<br />
Ratlosigkeit durch unzählige Privatinitiativen,<br />
die den Flüchtlingen in diesen Monaten<br />
mit Unterkünften und Gratis-Integrationsangeboten<br />
halfen.<br />
Auch die Idee zu »Habibi & Hawara«<br />
entstand in diesen Sommertagen des Jahres<br />
2015. Heute, kritisieren viele, sei die Welle<br />
an Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge verebbt.<br />
Initiator Martin Rohla schüttelt energisch<br />
seinen Kopf. »Sie ist nach wie vor groß«,<br />
ist er überzeugt. Die positive Stimmung<br />
erlebe er jeden Tag im »Habibi & Hawara«.<br />
»Projekte wie ›Habibi & Hawara‹ haben eine<br />
enorme Sogkraft. Sie regen auch andere dazu<br />
an, aktiv zu werden«, sagt seine Kollegin<br />
Katha Schinkinger und ergänzt: »Liebe geht<br />
durch den Magen. Die Gäste fühlen<br />
sich hier ebenso wie die Mitarbeiter wohl.<br />
Und das merkt man.«<br />
<<br />
spezial<br />
95
festwochen<br />
/ DIE WELT SCHMECKEN<br />
<strong>Festwochen</strong>thema:<br />
Regeln<br />
brechen<br />
Die »Akademie des Verlernens«<br />
lädt zum Aufbrechen von<br />
vermeintlichen kulturellen<br />
Grenzen ein.<br />
Mehr dazu: S. 141.<br />
WIEN ISST<br />
MULTIKULTI<br />
Ramen ist eigentlich eine Kreation aus China und die<br />
<strong>Wiener</strong> Küche ein osteuropäisches Konglomerat.<br />
Kochtraditionen vereinen in sich mehr Kulturen, als<br />
man vermuten möchte. Ein Loblied auf die Fusionsküche.<br />
TEXT TOBIAS MÜLLER<br />
Fusion Cuisine hat in Österreich<br />
einen ganz besonders schlechten<br />
Ruf. Der Begriff klingt nach<br />
1990er-Mief, nach Schulterpölstern<br />
und neonfarbenen Anzügen,<br />
nach Running Sushi beim Chinesen<br />
und auf Zitronengras gespießten Tiefkühlgarnelen<br />
mit Balsamicoreduktion. So schlecht<br />
ist es um den Begriff bestellt, dass Gastronomen<br />
sich allergrößte Mühe geben, nicht damit<br />
in Verbindung gebracht zu werden – selbst<br />
wenn es genau das ist, was sie machen.<br />
»Als wir eröffnet haben, war das ein Thema«,<br />
sagt auch Tobias Müller, Restaurantleiter<br />
im »Mochi« (und nicht mit dem Autor verwandt),<br />
seit Jahren eines von Wiens gefragtesten<br />
Lokalen, das mit Angeboten wie Sushi-<br />
Pizza oder Matcha-Crème-brûlée berühmt<br />
wurde. »Wir haben dann auf die Webpage<br />
geschrieben: ›Mochi verbindet traditionelle<br />
japanische Küche mit den verschiedensten<br />
internationalen Küchen.‹« Simon Xie Hong<br />
wiederum, Wiens geschmackssicherster und<br />
erfolgreichster Chinarestaurateur, richtet<br />
auf seiner Website aus: »No Kitsch, no<br />
Dragon Deco, no forceful Fusion«, um<br />
dann Thunfisch-Tatar mit Kürbiskernöl<br />
oder Beuschel aus dem Wok anzupreisen.<br />
Es ist daher höchste Zeit für eine Ehrenrettung:<br />
Fusionsküche ist ganz und gar nicht<br />
schlecht, sondern fast immer das bessere<br />
Essen. Und sie ist keinesfalls die Ausnahme, ><br />
Fotos: beigestellt<br />
96 spezial
Kreation aus dem »Mochi«:<br />
Wolfsbarsch in einem<br />
japanischen Muschelsud.<br />
spezial<br />
97
festwochen<br />
/ DIE WELT SCHMECKEN<br />
Das »Mochi« ist für seine<br />
japanische Küche mit<br />
internationalen Einflüssen<br />
berühmt geworden.<br />
><br />
sondern die Regel, in Wien genauso wie<br />
im Rest der Welt. Die meisten Speisen, die<br />
als klassisch und traditionell gelten, sind wilde<br />
Bastarde, zusammengewürfelt aus Zutaten<br />
und Kochtechniken verschiedenster Kulturen.<br />
Und sehr oft sind sie bei Weitem nicht so alt,<br />
wie ihre Esser das gerne hätten.<br />
Chicken Tikka Masala, laut dem britischen<br />
Ex-Außenminister Robin Cook Großbritanniens<br />
Nationalgericht, war in Indien unbekannt,<br />
bis heimkehrende Inder es von der Insel mitbrachten;<br />
Lachs-Sushi, Österreichs beliebteste<br />
Art, rohen Fisch zu essen, ist eine Erfindung<br />
aus Norwegen; Ramen, der weltweit erfolgreichste<br />
Nudeltrend aus Japan, basiert auf<br />
chinesischer Nudelsuppe, die erst nach dem<br />
Zweiten Weltkrieg in Japan erfolgreich wurde;<br />
die italienische Pizza war die allermeiste Zeit<br />
ein neapolitanisches Regionalgericht, bevor<br />
sie von italienischen Auswanderern in die USA<br />
gebracht und erst dort so richtig groß gemacht<br />
wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde<br />
sie schließlich aus den USA zurückimportiert<br />
und eroberte den Norden des Landes.<br />
Wer noch ein bisschen weiter zurückgeht,<br />
der merkt schnell, dass so gut wie alles einmal<br />
neu war und unser Speisezettel ohne<br />
»Küchen haben sich schon<br />
immer geändert, vor allem<br />
in den Städten – oft dank<br />
der Immigranten.«<br />
SIMON XIE HONG Koch und Gastronom in Wien<br />
vergangene Fusionsexperimente furchtbar<br />
traurig aussähe. Vor Kolumbus’ Fahrten<br />
gab es keine Erdäpfel in Irland und in Italien<br />
keine Paradeiser. Auf der anderen Seite der<br />
Welt, in Südamerika, das heute als Rindfleischparadies<br />
gilt, waren große Säugetiere<br />
praktisch unbekannt, die wichtigste tierische<br />
Proteinquelle für die Inkas waren wahrscheinlich<br />
Hunde. Die Briten definieren<br />
sich heute kulinarisch über den Tee, eine<br />
Pflanze, die bei ihnen nicht wächst, aus<br />
China stammt und heute für den Export<br />
vor allem in Indien angebaut wird. Chili,<br />
die wichtigste Würze Thailands, Vietnams<br />
oder Sichuans, erreichte diese Länder irgendwann<br />
im 17. Jahrhundert – wer heute dort<br />
hinfährt, fragt sich, was Menschen dort<br />
ohne die scharfen Schoten gemacht haben.<br />
Dieser Prozess des Adaptierens und Aufnehmens,<br />
des Anpassens und Assimilierens<br />
dauert nach wie vor an: »Als ich nach Österreich<br />
gekommen bin, gab es hier keinen<br />
frischen Ingwer und kaum grünes Gemüse«,<br />
In seinen vier Lokalen serviert<br />
Simon Xie Hong eine moderne<br />
chinesische Küche.<br />
Fotos: Peter Podpera, Lukas Ilgner, beigestellt<br />
98 falstaff spezial
Dass chinesische Küche<br />
mehr als »süßsauer« ist,<br />
beweist Xie Hong in der<br />
»Chinabar an der Wien«.<br />
sagt »Chinabar«-Besitzer Xie Hong. »Ich<br />
habe also statt Pak Choi Kochsalat genommen<br />
und gebraten, das hat super funktioniert.<br />
Die Leute, die über Fusionsküche<br />
schimpfen, haben vergessen, dass sich<br />
Küchen immer schon geändert haben,<br />
vor allem in den Städten – oft dank der<br />
Immigranten. Wichtig ist nur, dass du mit<br />
deiner Erinnerung arbeitest. Und dass die<br />
Basis einer Küche stimmt. Dann kannst<br />
du fast alles darauf aufbauen.«<br />
EIN KULTUREN-MISCHMASCH<br />
Mit der <strong>Wiener</strong> Küche ist das nicht anders:<br />
Die Stadt war einst das Zentrum eines Reiches,<br />
das sich von den Tälern und Gipfeln<br />
der Alpen im Westen bis zu jenen der Karpaten<br />
im Osten erstreckte, von den Ebenen<br />
der heutigen Ukraine im Norden über die<br />
Steppen Ungarns bis an die bergige Mittelmeerküste<br />
Montenegros im Süden. Vor<br />
allem um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert<br />
strömten aus allen Teilen dieses<br />
Reiches Menschen nach Wien und brachten<br />
ihre Küche, Zutaten und Esskultur mit.<br />
Aus all diesen Einflüssen formte sich eine<br />
Auch heute ist die <strong>Wiener</strong><br />
Küche nicht tot. Intelligente<br />
Köche wie Harald<br />
Brunner entwickeln sie weiter,<br />
peppen ihre Kreationen mit<br />
asiatischen Einflüssen auf.<br />
Harald Brunner spielt im<br />
»Das Spittelberg« gern<br />
auch mit asiatischen Noten.<br />
bunte, stark osteuropäisch geprägte<br />
Mischung, die bis heute teilweise in den<br />
Beisln der Stadt serviert wird: von den<br />
serbischen Krautrouladen über das ungarische<br />
Pörkölt bis zu den Strudeln Böhmens.<br />
Erst nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg<br />
wurde aus all diesen Einflüssen und Regionalküchen<br />
eine vereinte »<strong>Wiener</strong> Küche«<br />
herbeigeschrieben – wenn Österreich<br />
schon kein großes Reich mehr war, wollte<br />
es zumindest noch eine große Küche haben<br />
(siehe S. 16).<br />
Auch heute ist die <strong>Wiener</strong> Küche glücklicherweise<br />
nicht tot, selbst wenn sie in zahlreichen<br />
Kaffeehäusern und Touristenlokalen<br />
gern musealisiert wird. Intelligente Köche<br />
entwickeln sie nach wie vor weiter: Harald<br />
Brunner, der seit Kurzem im »Das Spittelberg«<br />
amtiert, peppt seine Kreationen seit<br />
Jahrzehnten mit asiatischen Einflüssen auf.<br />
Den Leuten im famosen »Gasthaus Wolf«<br />
rutscht schon mal eine Mango in die Zanderröllchen.<br />
Heinz Reitbauer wiederum,<br />
><br />
spezial<br />
falstaff<br />
99
festwochen<br />
/ DIE WELT SCHMECKEN<br />
Die Küche im »Steirereck«<br />
verbindet Kochkulturen<br />
auf höchstem Niveau.<br />
><br />
Patron des »Steirereck« und Österreichs<br />
wichtigstes internationales kulinarisches<br />
Aushängeschild, schlachtet seine Fische gern<br />
nach der alten japanischen Technik Ike Jime<br />
oder serviert, ganz neuwienerisch, türkisch<br />
inspirierte Amuse-Gueules.<br />
Das, was die meisten Menschen heute<br />
meinen, wenn sie Fusion Cuisine sagen – die<br />
moderne, absichtliche Mischung sehr verschiedener<br />
Kochkulturen im Fine Dining –,<br />
entstand wohl in den 1960er-Jahren in<br />
Frankreich, als französische Köche begannen,<br />
vermehrt Einflüsse aus ehemaligen französischen<br />
Kolonien in Südostasien in ihr Kochen<br />
zu integrieren. So richtig international<br />
berühmt wurde dieser Stil dann in den<br />
»Viele, die Fusion Cuisine<br />
machen, beherrschen einfach<br />
das Handwerk nicht oder<br />
wissen nicht genau, was sie<br />
eigentlich machen wollen.«<br />
TOBIAS MÜLLER, Restaurantleiter im »Mochi«<br />
100 falstaff spezial<br />
Heinz Reitbauer<br />
vom »Steirereck«<br />
gilt als Erneuerer<br />
der <strong>Wiener</strong> Küche.<br />
1980ern mit dem Österreicher Wolfgang<br />
Puck, der in seinen Lokalen in L. A. etwa<br />
Pizza mit Räucherlachs oder Tortillasuppe<br />
servierte. Etwas später machte der Japaner<br />
Nobuyuki Matsuhisa mit seiner japanischperuanischen<br />
Mischküche Furore. Heute ist<br />
wohl Danny Bowien der Star dieser Szene,<br />
der in seinem »Mission Chinese Food« und<br />
»Mission Cantina« in San Francisco und<br />
New York sehr freie Interpretationen chinesischer<br />
und mexikanischer Küche serviert. Die<br />
Ergebnisse sind mitunter wild, aber köstlich.<br />
Woher kommt dann der schlechte Ruf der<br />
Fusionsküche? »Viele, die Fusion Cuisine<br />
machen, beherrschen einfach das Handwerk<br />
nicht oder wissen nicht genau, was sie eigentlich<br />
machen wollen«, meint »Mochi«-Restaurantleiter<br />
Müller. Und Simon Xie Hong<br />
sagt: »Ich mag es nicht, wenn es so erzwungen<br />
ist.« Und manche Dinge werden eben<br />
auch nicht besser, wenn man sie kombiniert.<br />
Billige Tiefkühlgarnelen, Zitronengras-Spieße<br />
und Balsamicoreduktion zum Beispiel.<br />
<<br />
Fotos: Erich Reismann, beigestellt
Vom Grillgut zum Kulturgut:<br />
unsere original Käsekrainer.<br />
Franz Radatz<br />
Erfinder der Käsekrainer<br />
www.radatz.at/kaesekrainer
festwochen<br />
/ SERVICE<br />
PERFORMEUM:<br />
GR ÄTZELTIPPS<br />
Im Herzstück der <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong>, dem Festivalzentrum<br />
»Performeum« in Favoriten, ist auch die »Akademie des<br />
Verlernens« beheimatet. Dass der Bezirk zu Unrecht als<br />
kulinarisches Brachland gilt, beweisen die Falstaff-Tipps.<br />
Falstaff<br />
87<br />
davor<br />
MEIXNERS GASTWIRTSCHAFT<br />
Favoritens vielleicht berühmtestes Gasthaus,<br />
das Freunde der <strong>Wiener</strong> Küche aus der ganzen<br />
Stadt anzieht. Tolle Fassbiere, liebevoll<br />
zusammengestellte Weinkarte.<br />
Buchengasse 64, 1100 Wien<br />
T: +43 1 6042710<br />
www.meixners-gastwirtschaft.at<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–Fr: 11–23 Uhr; Sa, So: geschlossen<br />
IM HOF<br />
Ein stylish-luftiges Café im Hof der ehemaligen<br />
Alpenmilchzentrale. Erfreulich undogmatischmodernes<br />
Essen mit Ideen aus der ganzen Welt<br />
von einem ehemaligen »Josephs Bistro«-Koch.<br />
Weyringergasse 36, 1040 Wien<br />
T: +43 1 9294438, www.im-hof.at<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–Fr: 11–22 Uhr<br />
Sa, So, Feiertage: geschlossen<br />
95–100 Punkte 90–94 Punkte<br />
85–89 Punkte 80–84 Punkte<br />
95–100 Punkte 90–94 Punkte<br />
85–89 Punkte 80–84 Punkte<br />
95–100 Punkte 90–94 Punkte<br />
85–89 Punkte 80–84 Punkte<br />
Fotos: Hertha Hurnaus, Campus Bräu, beigestellt<br />
102 spezial
dinner<br />
PERFORMEUM<br />
Auf einem ehemaligen Fabriksgelände in Favoriten, unweit des<br />
Hauptbahnhofs, befindet sich das Festivalzentrum der <strong>Wiener</strong><br />
<strong>Festwochen</strong>: das »Performeum«. Die temporäre Raumarchitektur<br />
wurde vom Stuttgarter Architektenbüro »umschichten«<br />
realisiert. Im »Performeum« finden Performances, Tanzstücke,<br />
Ausstellungen sowie Diskussionen statt, etwa im Rahmen der<br />
»Akademie des Verlernens«, die künstlerische und kulturelle<br />
Grenzen auslotet und neu definiert (siehe S. 141).<br />
»Akademie des Verlernens«<br />
Performeum<br />
Laxenburger Straße 2a, 1100 Wien<br />
verschiedene Veranstaltungen, etwa:<br />
»Hamamness«<br />
Eine aufblasbare Raumarchitektur,<br />
die Ruhe- und Diskussionsräume bietet.<br />
Während der <strong>Festwochen</strong>:<br />
Do–So ab 18 Uhr zugänglich<br />
»Picknicks des Verlernens«<br />
Diskussionen zu gesellschaftspolitischen Themen<br />
an verschiedenen Orten. Im Performeum-Garten:<br />
21. Mai, 11 Uhr<br />
zum Thema »Stadt als Beute«<br />
drinks<br />
CAMPUS BRÄU<br />
Industrial Design meets<br />
rus tikale Biergarten-Spei sekarte.<br />
Es gibt Craft-Bier,<br />
Fassbier und Flaschenbier,<br />
aber auch Grünen Veltliner,<br />
Zweigelt, <strong>Wiener</strong> Gemischten<br />
Satz und andere Weine findet<br />
man auf der Karte.<br />
Wiedner Gürtel 1, 1100 Wien<br />
T: +43 1 796158912<br />
www.campusbraeu.at<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–Fr: 10–2 Uhr<br />
Sa, So: geschlossen<br />
spezial<br />
103
festwochen / SERVICE<br />
Japanisches<br />
Bistro: »IKI«.<br />
Gute Craft-Bier-Auswahl<br />
im »Columbusbräu«.<br />
TOP-ADRESSEN<br />
UMS PERFORMEUM<br />
RESTAURANTS<br />
IKI<br />
Japanische Bistro-Kantinen-Mischung, sehr<br />
chic designt. Das Konzept wurde gemeinsam<br />
mit dem Team vom »Mochi«, Wiens beliebtem<br />
Cross-over-Japaner, entwickelt.<br />
Am Belvedere 1, 1100 Wien<br />
T: +43 5 010013600<br />
www.iki-restaurant.at<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–Fr: 11–22:30 Uhr<br />
Küchenschluss: 21:30 Uhr<br />
Sa, So, Feiertage: geschlossen<br />
DER RINGSMUTH<br />
Eine klassische österreichische Speisekarte mit<br />
modernem Touch, etwa Wildhase mit Brezelflan<br />
oder Amurkarpfen in Sesampanier.<br />
Johannitergasse 1, 1100 Wien<br />
T: +43 1 6031835<br />
www.der-ringsmuth.at<br />
Öffnungszeiten:<br />
Di–Sa: 10:30–23 Uhr<br />
So, Feiertage: 10:30–16 Uhr<br />
Mo: geschlossen<br />
COLUMBUSBRÄU<br />
Seit 1492 gibt es dieses Bierlokal bereits am<br />
Columbusplatz. Mit großem Schanigarten und<br />
deftiger Küche begeistert das Lokal seine Gäste<br />
bis heute. Besonders die knusprig gebackenen<br />
Hausbrote sind ein Genuss.<br />
Am Columbusplatz, 1100 Wien<br />
T: +43 1 6042303<br />
www.columbusbraeu.at<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–Sa: 11–1 Uhr<br />
So, Feiertage: 11–24 Uhr<br />
BAR<br />
MABEL’S NO90<br />
Ein Pub-Restaurant plus Bar mit vielen Fans, das<br />
inzwischen schon zu einer Institution in Favoriten<br />
geworden ist. Großes (Craft-)Bier-Angebot, Cider<br />
vom Fass, Cocktail des Monats.<br />
Laxenburger Straße 90, 1100 Wien<br />
T: +43 1 6045397, www.mabels.at<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–Sa: 8–2 Uhr<br />
So: 14–24 Uhr<br />
In »George Deli & Café«<br />
gibt es Snacks und<br />
Fair-Trade-Kaffee.<br />
CAFÉS<br />
Klassische Küche<br />
im »Der Ringsmuth«.<br />
GEORGE DELI & CAFÉ IM ERSTE CAMPUS<br />
Egal, ob es ein schneller Fair-Trade-Kaffee an<br />
der Bar, ein kleines Sandwich mit Smoothie an<br />
der Take-away-Theke oder lieber ein gemütlicher<br />
Lunch in einer der Sitznischen sein soll: Aufgrund<br />
des durchdachten Designs fühlt man sich hier<br />
garantiert immer gut aufgehoben. Die köstlichen<br />
Süßspeisen und Sandwiches gibt’s übrigens auch<br />
to go. Um die Mittagszeit oft sehr voll.<br />
Am Belvedere 1, 1100 Wien<br />
T: +43 5 010017020, www.cafegeorge.at<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–Do: 7:30–18 Uhr<br />
Fr: 7:30–16 Uhr<br />
GOLDEGG<br />
Sitzmöbel mit Plüsch, alte Lampen und Luster,<br />
Billardtische: Das Café hat alles, was ein <strong>Wiener</strong><br />
Kaffeehaus ausmacht, aber mit Gerichten abseits<br />
vom Würstel: Panini, Burger und Club Sandwich.<br />
Und das Frühstück wird ganztags angeboten.<br />
Argentinierstraße 49, 1040 Wien<br />
T: +43 1 5059162, www.cafegoldegg.at<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–Fr: 8–20 Uhr, Sa: 9–20 Uhr<br />
So: 9–19 Uhr<br />
15 SÜSSE MINUTEN<br />
Das Café bietet vorwiegend Bio-Brot und -Gebäck,<br />
aber auch verschiedenste Mehlspeisen wie Minikuchen<br />
oder hausgemachte Waffeln. Kleine Frühstücksvariationen<br />
gibt es den ganzen Tag über.<br />
Dazu trinkt man Kaffee von Helmut Sacher.<br />
Favoritenstraße 45, 1040 Wien<br />
T: +43 664 4729060, www.15suesseminuten.at<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–Fr: 7–22 Uhr<br />
Sa, So: 8–22 Uhr<br />
Fotos: Toni Rappersberger, beigestellt<br />
104 spezial
UNBOTTLED WATER<br />
STILL, MEDIUM ODER SPRUDELND<br />
REFRESH WITH GROHE BLUE HOME<br />
Ein elegantes, intelligentes System, das Trinkwasser in den reinsten, durstlöschenden Genuss<br />
ver wandelt. Wie mögen Sie Ihr Wasser? Still, medium oder sprudelnd – alles eine Frage des<br />
Geschmacks. GROHE Blue Home besitzt einen einfachen, intuitiven Mechanismus, der Ihnen<br />
Ihr Trinkwasser auf Knopfdruck mit Kohlensäure veredelt. Für köstliches, frisch gefiltertes und<br />
gekühltes Wasser! www.bluehome.grohe.at
FESTE<br />
FEIERN<br />
106 spezial
Ein rauschendes Fest für Wien: Fünf Wochen lang<br />
ver setzen die <strong>Festwochen</strong> die Stadt in einen Ausnahmezustand.<br />
Die Veranstaltungen handeln von großen<br />
Gefühlen, feiern das Leben und laden ein, miteinander<br />
ins Gespräch zu kommen – eine Parallele zur Kulinarik, der<br />
eine ebenso verbindende wie lustvolle Rolle zukommt.<br />
Foto: Shutterstock<br />
spezial<br />
107
festwochen<br />
/ FESTE FEIERN<br />
DIE »WIENER FESTWOCHEN«<br />
SIND KULINARISCH<br />
Warum Kultur und Kulinarik zusammengehören »wie der Gemischte Satz und<br />
Wien«, erklären Bürgermeister Michael Häupl und <strong>Wiener</strong>-Wirtschaftskammer-<br />
Präsident Walter Ruck im gemeinsamen Falstaff-Interview.<br />
INTERVIEW WOLFGANG M. ROSAM<br />
Walter Ruck und Michael<br />
Häupl beim Saisonstart<br />
der Alten Donau.<br />
108 spezial
Wien ist eine der wenigen<br />
Städte der Welt mit<br />
eigenen Weingärten.<br />
Trotz manchmal gegensätz licher<br />
politischer Auffassungen sind sich<br />
die beiden »Chefs«, Dr. Michael<br />
Häupl, Bürger meister der Stadt<br />
Wien, und DI Walter Ruck,<br />
Prä sident der Wirtschaftskammer Wien, in<br />
einem Punkt völlig einig: Die WIENER<br />
FESTWOCHEN sind eine groß artige Kultur-<br />
Initiative, und sie sind vor allem eines: kulinarisch!<br />
FALSTAFF führte mit den beiden<br />
Spitzen-Politikern ein ami kales Gespräch<br />
über die schönsten Dinge der Stadt.<br />
Fotos: Florian Wieser/ OTS, Lois LAmmerhuber/ wien.bild, PID, ddp Images<br />
FALSTAFF Herr Bürgermeister, Herr<br />
Präsident: Wieso bekommen die WIENER<br />
FESTWOCHEN heuer so einen kulinarischen<br />
Schwerpunkt?<br />
MICHAEL HÄUPL Naja, den hatten sie<br />
eigentlich immer schon, denn Kultur und<br />
Kulinarik, Feste feiern und ausgehen gehören<br />
zusammen wie der Gemischte Satz und Wien.<br />
Eine Stadt, die sich die lebenswerteste der<br />
Welt nennen darf, muss sich sehr glücklich<br />
schätzen, neben dem ungeheuer großen kulturellen<br />
Angebot auch so viele großartige<br />
kulinarische Erlebnisse bieten zu können.<br />
WALTER RUCK Die <strong>Wiener</strong> Wirtschaft ist<br />
sehr glücklich über die WIENER FESTWO-<br />
CHEN, denn Kunst und Kultur machen Lust<br />
auf Ausgehen, Lust auf Konsumation und<br />
damit Lust auf die <strong>Wiener</strong> Gastronomie. Und<br />
diese ist in unserer Stadt einer der wichtigsten<br />
Wirtschaftsfaktoren. Die WIENER FEST-<br />
WOCHEN sind somit ein wertvoller Impulsgeber,<br />
Initiator und Vermittler im positivsten<br />
Sinne! Alle profitieren von diesem Ereignis:<br />
unsere Beisln, unsere Restaurants, unsere<br />
Kaffeehäuser, die Heurigen und – nicht zu<br />
vergessen – unsere Würstelstände.<br />
FALSTAFF Gibt es etwas, das sich Politik und<br />
Wirtschaft von der Kultur abschauen könnten?<br />
RUCK Die Kunst ist ein großer Wirtschaftsfaktor,<br />
und es ist schon extrem faszinierend,<br />
was es ausmacht, ob ein Künstler wirtschaftlich<br />
erfolgreich ist oder nicht. Regeln gibt es<br />
dafür wohl keine, und viele Künstler müssen<br />
oft ein Leben lang damit verbringen, um<br />
wirtschaftlich zu reüssieren. Da das aber bei<br />
der Kunst nicht im Vordergrund stehen soll,<br />
braucht es Unterstützung für die Kunst von<br />
öffentlichen Stellen und auch aus der Wirtschaft.<br />
Die Kunst muss frei sein und kann<br />
Als <strong>Wiener</strong> Bürgermeister freut sich<br />
Michael Häupl über »das ungeheuer<br />
große kulturelle Angebot«.<br />
mit ihrer Kreativität auch für uns in der<br />
Wirtschaft Anregungen schaffen. Die positive<br />
Wechselwirkung funktioniert seit vielen Jahrhunderten,<br />
muss aber immer wieder neu<br />
erfunden werden.<br />
HÄUPL Oft beneide ich die Künstler, weil ich<br />
glaube, dass sie freier von Zwängen, Normen<br />
und Regeln sind und ihrer Kreativität viel<br />
mehr Freiraum lassen können als ein Politiker.<br />
Wir sollten vielleicht auch viel mehr auf<br />
Künstler hören, um unsere Visionen zu erneuern<br />
und uns mutiger freizuspielen. So gesehen<br />
sind Kunst und Kultur wahnsinnig wichtig für<br />
eine politische Ethik und Weiterentwicklung.<br />
Deshalb fördern wir Kunst und Kultur in<br />
Wien, wo wir nur können.<br />
FALSTAFF Das <strong>Festwochen</strong>-Programm hat<br />
einen besonders starken multikulturellen<br />
Auftritt. Wie stehen Sie zur Vielfalt in unserer<br />
Stadt?<br />
HÄUPL Wien ist in der Tat eine unglaublich<br />
vielfältige Stadt, worauf wir alle stolz sein<br />
sollten. Natürlich sehen wir auch die damit<br />
verbundenen gesellschaftlichen, kulturellen<br />
und politischen Herausforderungen. Aber<br />
Wien hat in seiner Geschichte ähnliche<br />
Situationen schon mehrfach bewältigt und<br />
wird es auch diesmal schaffen. Das geht<br />
jedoch nur mit gemeinsam Spielregeln, die<br />
nicht nur auf Toleranz, sondern auch auf<br />
gegenseitigem Respekt aufgebaut sind.<br />
RUCK Wir haben gerade in der <strong>Wiener</strong> Wirtschaft<br />
sehr viele unterschiedliche Ethnien,<br />
»Oft beneide ich die<br />
Künstler, weil ich glaube,<br />
dass sie freier von Zwängen,<br />
Normen und Regeln sind und<br />
ihrer Kreativität viel mehr<br />
Freiraum lassen können als<br />
ein Politiker. Wir sollten auf<br />
sie mehr hören.«<br />
MICHAEL HÄUPL Bürgermeister Wien<br />
><br />
spezial<br />
109
festwochen<br />
/ FESTE FEIERN<br />
Die Vielfalt der Metropole<br />
Wien präsentiert sich auf den<br />
Tellern der Gastronomie.<br />
Walter Ruck ist vom wirtschaftlichen<br />
Erfolg des <strong>Wiener</strong> Weins beeindruckt.<br />
»Wir haben gerade in der <strong>Wiener</strong> Wirtschaft sehr viele<br />
unterschiedliche Ethnien, die aber auch viele positive<br />
Impulse in das Wirtschaftsleben der Stadt einbringen.«<br />
WALTER RUCK <strong>Wiener</strong>-Wirtschaftskammer-Präsident<br />
><br />
die viele positive Impulse in das Wirtschaftsleben<br />
der Stadt einbringen, vor allem in<br />
der Kulinarik! Ich möchte die vielen Ethnolokale<br />
in Wien nicht missen. Und selbst die sogenannte<br />
»<strong>Wiener</strong> Küche« ist ja eigentlich eine<br />
Multikulti-Küche, die ihre Wurzeln in den<br />
einstigen Kron ländern wie Böhmen, Mähren,<br />
Ungarn oder der Slowakei hat. Ein multikulturelles<br />
Food-Angebot seitens der Restaurants<br />
oder auf den Märkten beweist auch die<br />
Internationa lität unserer Stadt. Dennoch müssen<br />
wir die Tradition der »<strong>Wiener</strong> Küche«<br />
stets hochhalten.<br />
FALSTAFF Wien ist ja auch die einzige Hauptstadt<br />
der Welt, in der es einen bedeutenden<br />
Weinbau gibt. Wie ist Ihr persönliches Verhältnis<br />
zu den »<strong>Wiener</strong> Kreszenzen«?<br />
110 spezial<br />
RUCK Ich bin besonders beeindruckt vom<br />
wirtschaftlichen Erfolg des <strong>Wiener</strong> Weins<br />
im Ausland. Dass der Grüne Veltliner in<br />
den USA längst einen Siegeszug angetreten<br />
hat, wissen wir. Aber wenn man in New<br />
York in der schicksten Weinbar einen<br />
Gemischten Satz aus Wien offeriert<br />
bekommt – so wie es mir passierte –, ist<br />
man schon unglaublich stolz auf diese<br />
Entwicklung. Wien und sein Wein sind<br />
untrennbar mit einander verbunden, und<br />
die Qualität des <strong>Wiener</strong> Weins hat sich<br />
auch in den letzten 15 Jahren unglaublich<br />
weiterentwickelt.<br />
HÄUPL Es dürfte hinlänglich bekannt sein,<br />
dass ich mir gerne ein gutes Glas von<br />
einem Gemischten Satz aus den <strong>Wiener</strong><br />
Weingärten genehmige. Wein ist ja auch<br />
ein Kulturgut, und in unserer Stadt hat der<br />
Weinbau schon seit Jahrtausenden Tradition.<br />
Abgesehen von der Heurigenkultur prägt der<br />
<strong>Wiener</strong> Wein in wunderschöner Weise das<br />
Landschaftsbild am Rande unserer Metropole.<br />
Gibt es denn etwas Schöneres, als nach<br />
einem langen Tag irgendwo in den <strong>Wiener</strong><br />
Weinbergen bei einem Heurigen zu sitzen<br />
und auf die Stadt hinunterzublicken? Darum<br />
beneidet uns die ganze Welt, und ich würde<br />
solche Momente des perfekten Genusses<br />
niemals missen wollen.<br />
FALSTAFF Jonathan Meese, der den Parsifal<br />
inszeniert, hat uns sein persönliches Lieblingsmenü<br />
komponiert, das aus Currywurst, Spaghetti<br />
Bolognese und Germknödel besteht –<br />
dazu der »Meeswein« vom Mayer am Pfarrplatz.<br />
Bitte verraten Sie uns doch auch Ihres!<br />
HÄUPL Ich würde mit Jonathan Meese gerne<br />
auf eine Käsekrainer oder ein Burenhäutl<br />
gehen und ihn von den Vorteilen der typischen<br />
<strong>Wiener</strong> Würstelstand-Produkte gegenüber<br />
der Currywurst überzeugen. Mein Lieblingsgericht<br />
ist übrigens Fleischlaberl mit<br />
Erdäpfelpüree.<br />
RUCK Ich bin ein Fan der saisonalen Spezialitäten<br />
und genieße derzeit den heimischen<br />
Spargel, aber bei Jonathan Meese freut es<br />
mich, dass er den »Meeswein« von Wiens<br />
größtem Winzer, Hans Schmid, liebt und<br />
offensichtlich auch schon auf den Germknödel<br />
gekommen ist. Wenn der Bürgermeister<br />
den »Missionar« für die Käsekrainer macht,<br />
bin ich sicher, dass dieser großartige Künstler<br />
sie schon bald ex aequo mit der Currywurst<br />
reihen wird.<br />
<<br />
Fotos: Shutterstock, Imago/ Viennareport
112 spezial<br />
/ festwochen / WISSENSCHAFT
<strong>Festwochen</strong>thema:<br />
Liebe<br />
Im Stück »Obsession« spielt<br />
Jude Law einen von der Liebe<br />
besessenen Landstreicher.<br />
Premiere: 31. Mai 2017,<br />
mehr dazu auf S. 139.<br />
DIE ALCHEMIE<br />
DER LUST<br />
Der kulinarische und der erotische Genuss gehen oft Hand<br />
in Hand. Doch kann etwa der Verzehr von Austern die Libido<br />
tatsächlich befeuern? Über die Suche nach einem echten<br />
Aphrodisiakum, die so alt ist wie die Menschheit selbst.<br />
TEXT JUDITH E. INNERHOFER<br />
ILLUSTRATION GINA MUELLER<br />
spezial<br />
113
festwochen<br />
/ WISSENSCHAFT<br />
Der Duft von Vanille<br />
ähnelt dem von<br />
Sexuallockstoffen.<br />
Das Rezept für den »Ansporn<br />
für den Geist und die Liebe«<br />
klingt zwar nicht ganz billig,<br />
aber einfach: Fünfzig rohe<br />
Austern sollen es sein, und<br />
zwar schon zum Frühstück<br />
genüsslich geschlürft. So empfiehlt es ein<br />
Mann, der es wissen muss: Giacomo Casanova,<br />
der legendäre Liebhaber, der in seinen<br />
Memoiren von rund 120 Romanzen und<br />
Affären erzählte, pflegte auch in lukullischen<br />
Dingen eine nahezu obsessive Hingabe. »Die<br />
sinnlichen Genüsse zu kultivieren, bildete die<br />
Hauptbeschäftigung meines ganzen Lebens;<br />
niemals hat es für mich etwas Wichtigeres<br />
gegeben«, stellte er einst fest.<br />
Es ist ein uralter Wunsch der Menschheit,<br />
Amor mit Nahrungsmitteln und Gewürzen<br />
auf die Sprünge zu helfen. Die Liste der<br />
Ingredienzen, denen in verschiedenen Kulturen<br />
eine aphrodisierende Wirkung zugeschrieben<br />
wurde, ist nahezu endlos. Selbst in der<br />
oft so nüchtern-rationalen Gegenwart entfalten<br />
sich die Erwartungen an appetitliche<br />
Lustmacher. Auf dem Buchmarkt reihen sich<br />
Kochbücher mit betörenden Rezepten,<br />
Zeitschriften verkünden die heißesten Tipps<br />
fürs Verführungsmahl, Romane wie Martin<br />
Suters »Der Koch« – die Geschichte eines<br />
indischen Wunderkochs, der das Liebesfeuer<br />
seiner Gäste mit ayurvedischen Geheimrezepten<br />
entfacht – landen ganz oben auf den<br />
Bestsellerlisten. Natürlich fehlt auch auf der<br />
Kinoleinwand die intime Beziehung zwischen<br />
Essen und Erotik nicht, etwa das mit Erdbee-<br />
ren und Honig versüßte Vorspiel von Kim<br />
Basinger und Mickey Rourke in »9½<br />
Wochen« oder das stimulierende Dessert in<br />
Fatih Akins »Soul Kitchen«, das orgiastisch<br />
endet. Schon der italienische Filmemacher<br />
Luchino Visconti ließ sein Erstlingswerk<br />
»Ossessione« in der Küche einer Trattoria<br />
beginnen, wo sich der Gast den Künsten der<br />
umworbenen Köchin hingibt – obwohl der<br />
Film 1943, in der Ära des genussfeindlichen<br />
Faschismus, erschien. Das <strong>Festwochen</strong>-Stück<br />
»Obsession« liegt dem Film zugrunde.<br />
Aber hat Essen tatsächlich die Macht, Lust<br />
und Liebe zu entfachen, so wie es die zahllosen<br />
Bankett-Legenden erzählen? Was steckt<br />
hinter dem Mythos Aphrodisiakum?<br />
LUST MIT WÜRZE<br />
Schon als Aphrodite, die griechische Göttin<br />
der Liebe und der sinnlichen Begierde,<br />
erschaffen wird, passiert das nicht aus dem<br />
zufälligen Nichts. Die Namensgeberin aller<br />
erotisierenden Genussversprechen entsteigt<br />
einer Venusmuschel, die in vielen Kulturen<br />
ein Symbol der Liebe ist.<br />
Und es scheint, als hätten die alten<br />
Griechen ebenso wie Casanova nicht ganz<br />
danebengelegen: Delikatessen wie Austern,<br />
Meeresfrüchte oder Kaviar wirken auch aus<br />
wissen schaftlicher Sicht auf den ersten Blick<br />
wie eine vielversprechende Wahl, denn das in<br />
hoher Menge enthaltene Zink fördert die<br />
Produktion des männlichen Sexualhormons<br />
Testosteron. Dazu kommt das konzentrierte<br />
»Damit dich deine Frau für allemal lieb hat, nimm Eppichsaft<br />
mit Honig gestoßen, und schmier den Zagel und die<br />
Hoden damit ein, so machst du es ihr wohl, dass sie keinen<br />
anderen lieber haben wird als dich.«<br />
AUS EINEM ARZNEIBUCH, 15. Jahrhundert<br />
Fünfzig rohe Austern<br />
zum Frühstück empfahl<br />
der legendäre Liebhaber<br />
Casanova.<br />
114 spezial
Eiweiß, das für körperliche Leistungsfähigkeit<br />
bekanntlich generell gebraucht wird. Also<br />
Austerndiät statt Viagra? Nein, ganz so potent<br />
sind die Delikatessen dann doch wieder nicht.<br />
Zink und Eiweiß mögen zwar einen positiven<br />
Einfluss auf die Spermienproduktion und<br />
Fitness haben, doch um den Mann in einen<br />
casanovagleichen Liebesgott zu verwandeln,<br />
reicht diese Wirkung nicht aus.<br />
Das mit der männlichen Potenz ist nur eine<br />
der Erwartungen, die an die tatsächlichen<br />
oder vermeintlichen Aphrodisiaka aus der<br />
Küche gestellt werden. Öfter als um den<br />
erfolgreichen Vollzug, geht es um die Lust<br />
selbst, die geweckt oder gesteigert werden<br />
soll. Vor allem Gewürzen werden von China<br />
über Indien und die arabische Welt bis in die<br />
westlichen Kulturen hinein libidosteigernde<br />
Kräfte nachgesagt. Muskatnuss und Kardamom,<br />
Zimt und Safran gehören zu den<br />
Klassikern, genauso frisch gemahlener Pfeffer<br />
und Chili, Ingwer und Kren. Denn die Alkaloide<br />
der Scharfmacher regen die Durchblutung<br />
an, auch jene im Unterleib. Zudem<br />
reagiert der menschliche Körper auf den<br />
leichten Schärfeschmerz im Mund, indem er<br />
das Glückshormon Endorphin ausschüttet.<br />
Luststeigernd im engen Sinne ist das zwar<br />
nicht, aber immerhin keine schlechte Voraussetzung<br />
für erotische Zweisamkeit.<br />
Eine Hauptrolle auf den aphrodisischen<br />
Speiseplänen der Welt spielen Gewürze, die<br />
über ihre Gerüche verführen sollen. Der<br />
ausgeprägte Duft der Vanille soll zum Beispiel<br />
dem von Pheromonen ähnlich sein, ><br />
spezial<br />
115
festwochen<br />
/ WISSENSCHAFT<br />
><br />
den menschlichen Sexuallockstoffen. Eine<br />
ähnliche Wirkung wird auch einer Zutat<br />
nachgesagt, die man nicht gleich mit genüsslicherotischer<br />
Erquickung in Verbindung bringen<br />
würde: dem Sellerie, der mancherorts sogar<br />
Geilwurz oder Stehwurzel genannt wird. Die<br />
aromatische Knolle, deren hormon ähnliche<br />
Substanzen ausgerechnet den Lockstoffen im<br />
männlichen Achselschweiß gleichen sollen, galt<br />
in der mittelalterlichen Volksmedizin als<br />
Aphrodisiakum schlechthin. Ein Arzneibuch<br />
aus dem 15. Jahrhundert empfiehlt: »Damit<br />
dich deine Frau für allemal lieb hat, nimm<br />
Eppichsaft mit Honig gestoßen, und schmier<br />
den Zagel und die Hoden damit ein, so machst<br />
du es ihr wohl, dass sie keinen anderen lieber<br />
haben wird als dich.«<br />
VIAGRA DER NATUR<br />
Ob Grünkohl, Sauerampfer oder Petersilie: In<br />
der Alchemie der Lust aus der Küche taucht<br />
vieles auf, das in unserer Esskultur einen eher<br />
gewöhnlichen, denn anregenden Ruf trägt. Ein<br />
Grund dafür mag sein: Als aphrodisierend galt<br />
und gilt gern, was rar und teuer ist. Die Trüffel<br />
unserer Tage war im England des beginnenden<br />
17. Jahrhunderts zum Beispiel die Kartoffel.<br />
Auch Shakespeares Falstaff, der ebenso trinkfeste<br />
und genusssüchtige wie liebestolle<br />
Namensgeber dieses Magazins, betete um<br />
Hilfe von der Knolle: »Nun mag der Himmel<br />
Kartoffeln regnen (…), es erhebe sich ein<br />
Sturm von Versuchungen.«<br />
Allerdings wird vermutet, dass der englische<br />
Dichter statt des Erdapfels, der zu seinen<br />
Lebzeiten noch ungemein selten war, eher<br />
Süßkartoffeln oder Topi nambur gemeint<br />
haben könnte.<br />
Auch die Superfood-Welle unserer Tage<br />
wirbt mit der ekstatischen Liebe, die durch<br />
den Magen geht. Als »Viagra der Natur«<br />
wird in Europa und in den USA seit einigen<br />
Jahren die Maca-Wurzel vermarktet. Studien<br />
sollen die libidosteigernde Wirkung des<br />
Kreuzblütengewächses aus Peru belegen,<br />
doch hat die Sache einen kleinen Haken:<br />
Der Effekt äußert sich höchstens in homöopathisch<br />
spürbarer Weise. Andernfalls könnte<br />
man sich auch nur schwer vorstellen, wie in<br />
den Anden, wo Maca ein Grundnahrungsmittel<br />
ist wie hierzulande das Brot, die<br />
Libido soweit in Zaum gehalten werden<br />
kann, um alltäglichen Dingen fernab des<br />
amourösen Rausches nachgehen zu können.<br />
So ähnlich schaut es mit den meisten<br />
Zutaten der aphrodisischen Liebesspeisen<br />
aus, sobald es um einen wissenschaftlichen<br />
Nachweis ihrer Kräfte geht: Wahre Wunder<br />
bewirken sie höchstens durch die Macht der<br />
Suggestion. Der Placeboeffekt spricht natürlich<br />
nicht gegen ein prickelndes Glas Champagner<br />
in Austernbegleitung als sinnliche<br />
Stimmungsmacher – man muss es<br />
ja nicht gleich übertreiben und sich an<br />
Casanova halten, der das edle Getränk schon<br />
zum Frühstück gleich flaschenweise überschäumen<br />
ließ. Und selbst wer den Traum<br />
vom Aphrodisiakum auf dem Teller ins Reich<br />
der Legenden verweist, wird wissen: Schlechte<br />
Kost, die im Magen liegt, taugt am wenigsten<br />
zur erotischen Beflügelung.<br />
<<br />
Unscheinbares Libido-<br />
Gewächs? Der Verzehr<br />
von Maca-Wurzeln soll<br />
luststeigernd wirken.<br />
116 spezial
MARK & MARK<br />
Wir entwickeln<br />
Werte<br />
Als Unternehmer sind wir auf profitable Chancen fokussiert.<br />
Wir investieren in unsere Immobilien, um Werte zu entwickeln,<br />
die die S IMMO auch in Zukunft tragen.<br />
www.simmoag.at/projekte
festwochen<br />
/ SERVICE<br />
MUSEUMSQUARTIER:<br />
GR ÄTZELTIPPS<br />
Auf der Suche nach einem Snack vor dem Theaterbesuch oder<br />
Lust auf einen Drink danach? Falstaff präsentiert die besten Cafés,<br />
Restaurants und Bars rund um das Museumsquartier, in dem<br />
ab Ende Mai »Obsession« aufgeführt wird.<br />
Falstaff<br />
88<br />
davor<br />
ESPRESSO CAFÉ BAR<br />
Die ideale Café-Bar für einen schnellen<br />
Espresso vor dem Theaterbesuch:<br />
charmanter 1950er-Jahre-Stil mit Resopaltischchen<br />
und roten Kunstlederbänken.<br />
Der Kaffee kommt aus der legendären<br />
Faema E 61, und vor der Tür wartet ein<br />
Vintage-Gärtchen. Ein Gesamtkunstwerk.<br />
Falstaff<br />
85<br />
Burggasse 57, 1070 Wien<br />
T: +43 676 5961645<br />
www.espresso-wien.at<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–Fr: 7:30–1 Uhr<br />
Sa u. So: 10–1 Uhr<br />
drinks<br />
Fotos: Natascha Unkert, Hertha Hurnaus, beigestellt<br />
118<br />
spezial
SCHREINERS GASTWIRTSCHAFT<br />
Eine liebevoll zusammengestellte kleine Karte<br />
aus hochwertigen Produkten. Wem der Wein von<br />
der umfangreichen Karte zu gut schmeckt, der<br />
kann im angeschlossenen Hotel nächtigen.<br />
Westbahnstraße 42, 1070 Wien<br />
T: +43 676 4754060<br />
www.schreiners.cc<br />
Öffnungszeiten:<br />
Di–Fr: 17:30–24 Uhr<br />
Sa, So, Mo: geschlossen<br />
dinner<br />
DACHBODEN<br />
Das Wohnzimmer über den Dächern der Stadt wurde<br />
letztes Jahr neu gestaltet: roher Betonfußboden,<br />
Verschläge aus Dachlatten, Möbel aus alten Zeiten,<br />
Fundstücke vom Dachboden. Auf der Karte stehen<br />
individuelle Cocktails zu fairen Preisen.<br />
Lerchenfelder Straße 1–3, 1070 Wien<br />
T: +43 1 521510<br />
www.25hours-hotels.com/de/museumsquartier<br />
Falstaff<br />
87<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–So (auch feiertags): 15–1 Uhr<br />
MQ WIEN<br />
Das Museumsquartier ist dieses Jahr ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt<br />
der <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong>. Neben dem Stück »Obsession«<br />
mit Jude Law wird hier auch das syrische Drama »Während ich<br />
wartete« aufgeführt sowie »Battlefield«, ein Stück nach einem<br />
indischen Volksepos (mehr dazu ab S. 138).<br />
Obsession<br />
Halle E, MQ Wien<br />
Museumsplatz 1/5, 1070 Wien<br />
31. Mai, 19:30 Uhr/1. & 2. Juni, 19:30 Uhr/<br />
3. Juni, 15:00 & 19:30 Uhr<br />
95–100 Punkte 90–94 Punkte 85–89 Punkte 80–84 Punkte<br />
95–100 Punkte 90–94 Punkte 85–89 Punkte 80–84 Punkte<br />
95–100 Punkte 90–94 Punkte 85–89 Punkte 80–84 Punkte<br />
spezial<br />
119
festwochen / SERVICE<br />
ALTE BÄCKEREI<br />
Hier wird kein Brot mehr gebacken, dafür aber<br />
flüssiges Brot ausgeschenkt. Diese Bar am<br />
Spittelberg rühmt sich, das preiswerteste<br />
Budweiser ganz Wiens im Angebot zu haben.<br />
Daneben gibt es auch dreißg verschiedene Gins<br />
und eine gute Whisk(e)yselektion – and more!<br />
Sigmundsgasse 15, 1070 Wien<br />
T: +43 660 3823404, www.altebaeckerei.at<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo-Mi: 18–2 Uhr; Do-Sa: 18–4 Uhr<br />
CAFÉS<br />
Gemütlicher Gastgarten<br />
in der »Chinabar«.<br />
TOP-ADRESSEN<br />
UMS MQ WIEN<br />
PURE LIVING BAKERY<br />
Die »Pure Living Bakery« setzt auf Shabby-Chic<br />
und L.-A.-Lifestyle. Cookies, Bagels und Pancakes<br />
stehen auf der Speisekarte. Die Kaffeebohnen<br />
sind aber aus Hamburg, und zwar von der kleinen<br />
Privatrösterei Elbgold.<br />
Burggasse 68, 1070 Wien<br />
www.purelivingbakery.com<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–Do: 9–17:30 Uhr<br />
Fr–So (auch feiertags): 9–18 Uhr<br />
RESTAURANTS<br />
CHINABAR<br />
Simon Xie Hongs chinesisches<br />
Bistro mit charmantem Nachbar schaftscharme<br />
und sehr hübschem urbanem Gastgarten.<br />
Wärmste Empfehlung: die Schmorgerichte.<br />
Burggasse 76, 1070 Wien<br />
T: +43 1 5220831, www.chinabar.at<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–So (auch feiertags): 12–24 Uhr<br />
ST. ELLAS<br />
Viel vom Lavasteingrill – Burger, (Flank-)Steak,<br />
Garnelen – und ein paar ungewöhnliche Kreationen<br />
wie Tuna-Sashimi-Pizza mit Avocado. Kreative<br />
Cocktails, DJ-Line.<br />
Zieglergasse 52–54, 1070 Wien<br />
T: +43 1 5222084, www.stellas.at<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–Sa: 17–1 Uhr, Küche bis 23:30 Uhr<br />
So/Feiertage: geschlossen<br />
FLATSCHERS<br />
Steakhaus mit Rindfleisch aus den USA und<br />
Argentinien von Wiesbauer Gourmet. Die obligaten<br />
Burger und Surf and Turf gibt’s auch. Oder darf’s<br />
ein Kilo Beef Tatar sein?<br />
Kaiserstraße 113–115, 1070 Wien<br />
T: +43 1 5234268, www.flatschers.at<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–So: 17–1 Uhr<br />
BARS<br />
Siebensterngasse 21, 1070 Wien<br />
T: +43 664 5173730<br />
de-de.facebook.com/barrikade.wien/<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mi–Sa: 17–24 Uhr<br />
Mo, Di u. So: geschlossen<br />
DER FUCHS UND DIE TRAUBEN<br />
Modern-schlichtes Design. Zu den großartigen<br />
Gin-Tonic-Cocktails werden internationale Tapas<br />
und Burger serviert.<br />
Kandlgasse 16, 1070 Wien<br />
T: +43 1 2313917<br />
www.derfuchsunddietrauben.com<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–Mi: 17–24 Uhr<br />
Do–Fr: 17–1 Uhr<br />
Sa: 11–1 Uhr<br />
So: 11–24 Uhr<br />
FIGAR<br />
Den Raum des kleinen Lokals dominieren Streetart-<br />
Grafiken an den Wänden. Aber auch die Frühstückskarte<br />
ist sensationell: etwa die Eierkarte von Eggs<br />
Benedict über Eggs Florentine bis zu orientalischen<br />
Eierspeisen. Mittags und abends gibt es Burger und<br />
frisches Bio-Gemüse. Dazu werden ausgezeichneter<br />
Kaffee und hausgemachte Säfte serviert.<br />
Kirchengasse 18, 1070 Wien<br />
T: +43 1 8909947<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–Mi: 8–24 Uhr; Do–Sa: 8–2 Uhr; So: 8–24 Uhr<br />
ROTE RÜBE<br />
Frühstücken wie im Urlaub mit original griechischen<br />
Produkten kann man hier in der Zieglergasse –<br />
und das den ganzen Tag über. Das Lokal und der<br />
zuge hörige Shop sind winzig und nicht zuletzt<br />
auch ein Paradies für Vegetarier.<br />
Zieglergasse 37, 1070 Wien<br />
T: +43 650 7913860, www.rote-rübe.com<br />
Öffnungszeiten:<br />
Di–So: 9–16 Uhr<br />
Steakhouse mit toller<br />
Fleischqualität:<br />
»Flatschers«.<br />
BARRIKADE<br />
Nur eine kleine Theke im weitläufigen Areal einer<br />
Food-Location, aber eine große Bereicherung für<br />
das <strong>Wiener</strong> Barleben. Hier werkt Hubert Peter,<br />
ehemals Falstaff-»Rookie des Jahres«, mit seinen<br />
selbst gemachten Säften und Infusionen, dass es<br />
eine Freude ist.<br />
Fotos: beigestellt<br />
120 spezial
Bezahlte Anzeige<br />
Anton Schwendinger<br />
Geschäftsführer Doppelmayr Seilbahnen GmbH<br />
Angela Sartorius-Stüber<br />
Sachbearbeiterin<br />
Doppelmayr Seilbahnen GmbH<br />
Danke allen Unternehmen,<br />
die in Weiterbildung<br />
investieren.<br />
Die Doppelmayr Seilbahnen GmbH ermöglichte mit Unterstützung des<br />
AMS ihrer Mitarbeiterin eine Weiterbildung, die einen Mehrwert für<br />
das international tätige Unternehmen darstellt.<br />
Gemeinsam mit Unternehmen konnte das AMS im letzten Jahr 11.400<br />
Menschen mithilfe der Qualifizierungsförderung für Beschäftigte voranbringen.<br />
AMS ON TOUR 2017 – Wir kommen zu Ihnen und beraten Sie:<br />
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UNIQUE/Grayling<br />
AMS. Vielseitig wie das Leben.
festwochen / FESTE FEIERN<br />
LUST UND<br />
LASTER<br />
Acht prominente Persönlichkeiten erinnern sich an ihre<br />
kulinarischen Höhepunkte und erzählen von den großen<br />
Genussmomenten in ihrem Leben.<br />
TEXTE VERENA BIERLING, ALEX. HESSE, SALOMEA KROBATH<br />
Foto: Getty IMages<br />
122 spezial
Beim Essen kommen sich<br />
Marilyn Monroe und Laurence<br />
Olivier in »Der Prinz und<br />
die Tänzerin« näher.<br />
<strong>Festwochen</strong>thema:<br />
Genuss<br />
In »All the Sex I’ve Ever Had«<br />
sprechen Senioren von den<br />
erotischen Highlights ihres<br />
Lebens. Premiere:<br />
30. Mai 2017, mehr dazu<br />
auf S. 139.<br />
Essen sei der Sex des Alters,<br />
behaupten böse Zungen. Zwar<br />
zeigen Enttabuisierungsoffensiven<br />
wie die <strong>Festwochen</strong>produktion<br />
»All the Sex I’ve Ever<br />
Had«, dass sich Lustbefriedigung<br />
im hohen Alter keineswegs auf<br />
Schweinsbraten und Sachertorte beschränkt<br />
– doch sind auch kulinarische Genüsse in<br />
keinem Lebensabschnitt zu verachten. Im<br />
Gegenteil, bestätigt sich doch auf beiden<br />
Gebieten: Mit der Erfahrung wächst der<br />
Genuss. Doch wie beeinflusst zunehmendes<br />
Alter den Geschmackssinn, und verlangt es<br />
dem Vergnügen Entbehrungen ab? Aus ihrem<br />
reichen kulinarischen Erfahrungsschatz<br />
erzählen acht Prominente von ihren ersten<br />
Gourmetgenüssen, nahrhaften Höhenflügen<br />
und süßen Sünden. Außerdem verraten sie,<br />
wo sie am liebsten auswärts essen.<br />
spezial<br />
123
festwochen<br />
/ FESTE FEIERN<br />
URSULA<br />
STRAUSS<br />
»Ich liebe gutes Essen, und<br />
ich liebe es, selber zu kochen,<br />
wenn ich Ruhe habe.«<br />
URSULA STRAUSS Schauspielerin<br />
Ursula Strauss kostet sich<br />
gerne durch die Küchen<br />
der Welt. Ihr Traum: einmal<br />
im »Noma« essen.<br />
Die österreichische Schauspielerin schlüpft<br />
nicht nur beruflich in die verschiedensten<br />
Rollen, sie liebt auch beim Essen die<br />
Abwechslung. Egal, ob deftige österreichische<br />
Hausmannskost oder französische<br />
Küche, an der sie die Raffinesse und das<br />
»Selbstbewusstsein« schätzt – Ursula Strauss<br />
liebt einfach »gutes Essen«. Vor allem die<br />
libanesische Küche hat es ihr angetan: »Ich<br />
finde sie großartig, abwechslungsreich und<br />
bunt. Ich bin ein Zitronenfan, ich liebe diesen<br />
leichten erfrischenden Geschmack. Den<br />
findet man in der libanesischen Küche überall.«<br />
Obwohl ihr ältester Bruder in Däne-<br />
mark lebt, ist ihr diese Küche bisher<br />
unbekannt geblieben – »da<br />
sich alle ausgewanderten Familienmitglieder<br />
bei Zusammenkünften<br />
eher auf österreichische<br />
Kost freuen«. Auf jeden Fall<br />
möchte sie aber das wiedereröffnete<br />
»Noma« besuchen. Denn<br />
bevor sie dazu kam, im berühmten<br />
Kopenhagener Lokal einen<br />
Tisch zu reservieren, schloss René<br />
Redzepi sein Lokal, um es neu zu<br />
konzipieren. Wenn Ursula Strauss Zeit<br />
und Muße findet, kocht sie sowieso am<br />
liebsten selbst. Sogar ein Kochbuch hat<br />
die Schauspielerin 2012 herausgebracht, eine<br />
Hommage an ihre Familienküche mit dem<br />
Titel »Mir schmeckt’s«. Damals meinte sie<br />
zur Veröffentlichung: »Dieses Kochbuch ist<br />
das Intimste, das man je von mir gekriegt<br />
hat und kriegen wird.«<br />
Eine ihrer Leibspeisen sind Knödel in allen<br />
Variationen: »Das beste Mittel, um fit zu<br />
bleiben, ist Bewegung – dann geht sich auch<br />
ein Knödel mehr aus.« Dafür versucht<br />
Strauss wenigstens am Set ihrer Krimiserie<br />
»Schnell ermittelt« die Kohlenhydrate niedrig<br />
zu halten, um die »nötige Leichtigkeit<br />
zum Spielen« auch nach der Mittagspause<br />
beizubehalten.<br />
Fotos: Getty Images, Ingo Pertramer, beigestellt<br />
124 spezial
Jude Law ist Brite durch<br />
und durch . »Ich esse<br />
britisch, trinke britisch.«<br />
JUDE LAW<br />
Mit seinen Rollen in preisgekrönten Filmen<br />
wie »Unterwegs nach Cold Mountain« oder<br />
»Der talentierte Mr. Ripley« sowie Darstellungen<br />
als »Hamlet« und »Henry V« auf<br />
Theaterbühnen katapultierte sich der britische<br />
Beau längst in die Weltklasse-Liga der<br />
Schauspielerei. Die heurigen <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong><br />
bereichert er als attraktiver Herumtreiber<br />
Dino in »Obsession« – Vorlage zu dem<br />
Stück bildet »Ossessione«, das Erstlingswerk<br />
des 1976 verstorbenen italienischen<br />
Starregisseurs Luchino Visconti. Trotz seiner<br />
internationalen Erfolge bleibt Law seiner britischen<br />
Heimat verbunden: »Ich esse britisch,<br />
trinke britisch, spreche britisch.« Statt sich<br />
wie früher mit Kumpels die Nächte in Londoner<br />
Bars um die Ohren zu schlagen, geht<br />
es der 44-Jährige mittlerweile ruhiger an.<br />
Zum Wachwerden gibt es grünen Tee statt<br />
Kaffee, denn den verträgt sein Magen nicht.<br />
Schwach wird er nur bei Scotch und Shortbread.<br />
Ein gutes Glas Whisky bedeutet für<br />
ihn stets Genuss und eine kleine Auszeit vom<br />
turbulenten Alltag. Kein Wunder also, dass<br />
Law 2015 »Brand Ambassador« für die<br />
schottische Whisky-Marke »Johnnie Walker«<br />
wurde. Als Connaisseur trinkt er seinen<br />
Whisky am liebsten pur, ohne Eis, um auch<br />
das volle Aroma genießen zu können. Cocktails<br />
sind nichts für ihn – er bevorzugt die<br />
Dinge »straight up«.<br />
Schwach wird der sportliche<br />
Brite nur bei Scotch<br />
und Shortbread. Seinen<br />
Whisky trinkt er am liebsten<br />
pur, ohne Eis.<br />
spezial<br />
125
festwochen<br />
/ FESTE FEIERN<br />
Heidelbeerschmarren<br />
mit viel Zucker: eine der<br />
schönsten kulinarischen<br />
Erinnerungen für Maria<br />
Großbauer.<br />
MARIA<br />
GROSSBAUER<br />
Der Opernball-Lady und Tochter des Philharmonikers<br />
Karl Jeitler wurde guter Musikgeschmack<br />
quasi in die Wiege gelegt, aber<br />
auch die Kulinarik spielte immer eine große<br />
Rolle in ihrer Familie. »Ich bin zugleich mit<br />
bodenständig-einfacher, aber auch mit Gourmetküche<br />
aufgewachsen«, erzählt Großbauer,<br />
die bereits als Kind mit ihren Eltern Haubenlokale<br />
wie das »Obauer« in Werfen<br />
besuchte und statt Extrawurst oft und gerne<br />
Trüffel aß – am liebsten »dick aufs Butterbrot<br />
gerieben«. Doch unvergesslich sind für<br />
Großbauer vor allem die gemütlichen Abende<br />
im Kreis ihrer Familie in einer kleinen<br />
Hütte am Wolfgangsee. Dort kochte eine<br />
befreundete Sängerin auf einem urigen Holzofen<br />
gerne Salzburger Schmankerln wie<br />
Zeckbeer Muas, eine Art Heidelbeerschmarren<br />
mit frischen Waldheidelbeeren und viel<br />
Zucker, der dann gemeinschaftlich direkt aus<br />
der Pfanne verspeist wurde. Abgesehen von<br />
österreichischen Spezialitäten liebt die gelernte<br />
Werbefachfrau vor allem die italienische<br />
Küche. Besonders die Philosophie, aus wenigen,<br />
aber guten Grundzutaten ein hervorragendes,<br />
aber unkompliziertes Gericht zu zaubern,<br />
begeistert Großbauer, die auch eine<br />
Verfechterin der Slow-Food-Philosophie ist.<br />
Oft und gerne ist sie daher bei »Ströck Feierabend«<br />
zu Gast. Für eine »kleine Jause« geht<br />
sie aber auch gerne mal in die »Meierei im<br />
Stadtpark«. Und wenn ihr nach etwas Dolce-<br />
Vita-Feeling in Wien ist, geht sie einfach auf<br />
ein Glas ins »Schwarze Kameel«, denn da<br />
»steht oder sitzt man abends mit einer Decke<br />
im Freien – fast italophil!«.<br />
»Ich bin zugleich mit bodenständig-einfacher, aber auch mit<br />
Gourmetküche aufgewachsen. Als Kind habe ich gerne<br />
Trüffel dick aufs Butterbrot gerieben.«<br />
MARIA GROSSBAUER Opernballorganisatorin<br />
Fotos: Shutterstock, Wr. Staatsoper/Ashley TAylor, Xenia Hausner, Steiermark Tourismus/Ikarus.cc<br />
126 spezial
Der gebürtige Steirer<br />
liebt es bis heute bodenständig.<br />
Seine Lieblings -<br />
speise ist Backhendl.<br />
PETER<br />
SIMONISCHEK<br />
Schauspieler reisen für gewöhnlich viel herum<br />
und können dadurch auch kulinarisch die Welt<br />
entdecken. Doch der gebürtige Steirer Peter<br />
Simonischek liebt es bis heute bodenständig<br />
und traditionell. Seine Lieblingsspeise ist Backhendl<br />
mit Salat, mariniert mit Kürbiskernöl,<br />
»am liebsten im Freien unterm Apfelbaum<br />
genossen«. Doch auch die italienische Küche<br />
lässt sein Herz höherschlagen. Mit Begeisterung<br />
erzählt er von dem grandiosen Bistecca<br />
alla fiorentina, das er einmal in einem kleinen<br />
Vorort von Florenz gegessen hat und das so<br />
»herrlich mit italienischem Rosmarin<br />
gewürzt« war. Auch die mediterranen Klassiker<br />
wie Spaghetti aglio e olio oder Risotto mit<br />
Steinpilzen liebt Simonischek. Er braucht kein<br />
großes kulinarisches Brimborium, die einfachen<br />
Dinge genügen dem »Nachkriegskind«,<br />
wie er sagt, voll und ganz. Noch heute erinnert<br />
er sich gerne an die Kochkünste seiner Oma<br />
zurück, die ihrem Enkel oft einfache Gerichte<br />
wie Polenta mit Zucker oder Kärntner Nudeln<br />
mit Topfen-Erdäpfel-Füllung kochte. Auch<br />
Innereien standen damals auf dem Speiseplan<br />
und begeistern Simonischek bis heute. Doch<br />
sein absolutes kulinarisches Highlight hat ihm<br />
sein Sohn Kaspar beschert, als er ihm als Praktikant<br />
im Gasthaus »Haberl« ein <strong>Wiener</strong><br />
Schnitzel mit der Botschaft »Für meinen Papa«<br />
serviert hat. Wenn Simonischek nicht von seinem<br />
Sohn oder seiner Frau bekocht wird, geht<br />
er auch gerne auswärts essen, am liebsten in<br />
den Lokalen von Robert Huth, aber auch die<br />
Küchen des »Mochi«, der »Pizza Mari« oder<br />
des »Tian« haben es ihm angetan. Sein einziges<br />
Problem: Nach den späten Abendvorstellungen<br />
im Burgtheater gibt es in der Nähe<br />
kaum noch Lokale, die geöffnet haben, und<br />
im »Vestibül« ist es ihm »zu laut und die<br />
Akustik generell zu schlecht«. Doch um seinen<br />
Hunger zu vertreiben, hat Simonischek<br />
ein probates Mittel: Er erinnert sich einfach<br />
an die Pizza zurück, die ihm in einem Düsseldorfer<br />
Restaurant serviert wurde – inklusive<br />
gebrauchtem Pflaster.<br />
spezial<br />
127
festwochen<br />
/ FESTE FEIERN<br />
CHRIS LOHNER<br />
Ihr erstes Gourmeterlebnis hatte Chris Lohner<br />
als 18-Jährige in New York. »Ruby Foo« hieß<br />
der überwältigende Fünf-Sterne-Chinese, der<br />
Lohners Karriere als regelmäßige Restaurantbesucherin<br />
schnellstartete. »Es war ja 1961.<br />
Zu Hause gab es kaum etwas«, erinnert sich<br />
die heute 73-Jährige. Wie im Wien der Nachkriegszeit<br />
typisch, wuchs die Schauspielerin<br />
und Moderatorin mit eher einfachen Speisen<br />
auf: »Es gab Eierspeis, Schmalzbrot, Kartoffelsuppe.<br />
Man hat gesehen, was im Essen drinnen<br />
war.« Fertigprodukte würde sie daher nie kaufen.<br />
»Im Alter entwickelt man ein größeres<br />
Bewusstsein – nicht nur fürs Essen«, sagt sie.<br />
Fleisch kaufe sie selten und wenn, dann informiere<br />
sie sich, woher es komme.<br />
Als »Licht für die Welt«-Botschafterin tingelt<br />
Lohner regelmäßig um den Globus, nie<br />
müde, afrikanische, arabische und asiatische<br />
Köstlichkeiten kennenzulernen. Zur selben<br />
Offenheit rät sie Gourmetjungspunden:<br />
»Probiert alles aus, esst bewusst und gesteht<br />
euch Sündigungen zu. Verzicht ist das<br />
Schlimmste, das man sich antun kann.«<br />
»Verzicht ist das<br />
Schlimmste, das man<br />
sich antun kann.«<br />
CHRIS LOHNER Moderatorin und Autorin<br />
Chris Lohner hatte im<br />
»Ruby Foo« ihr kulinarisches<br />
Initiationserlebnis.<br />
»Spinnert darf das Essen<br />
nicht sein. Wenn man mit<br />
flüssigem Stickstoff arbeitet,<br />
interessiert mich das nicht.«<br />
HEINZ MARECEK Schauspieler<br />
HEINZ MARECEK<br />
Weil er so gern kulinarische Zwischenstopps<br />
einlegt, reist Kabarettist und Schauspieler<br />
Heinz Marecek stets mit dem Auto in seine<br />
Zweitheimat Ibiza. Neugier hält ja bekanntlich<br />
jung – und auf der Suche nach neuen<br />
Gerichten zeigt Heinz Marecek jede Menge<br />
davon. Die Hoffnung auf kulinarische Neuentdeckungen<br />
und die Freude auf ein Wiedersehen<br />
mit bereits etablierten Lieblingen treiben<br />
den 71-Jährigen regelmäßig dazu, die<br />
rund 30 Stunden durch die Lande zu rollen.<br />
Von einer Genussreise durch Andalusien<br />
kehrte er soeben mit zwei neuen Gerichten<br />
im Sortiment zurück: Ajoblanco, eine Kaltschale<br />
auf Mandelbasis, und Bacalao adobado,<br />
in Zitrone und Petersil marinierte Fischhäppchen.<br />
Sein unkompliziertes Wesen schätze<br />
alles, »wo authentische Küche in lupenreiner<br />
Qualität entsteht« – nur »spinnert« dürfe<br />
das Essen nicht sein: »Wenn man mit flüssigem<br />
Stickstoff arbeitet oder den Hummer in<br />
die Maschine für gesponnenen Zucker gibt,<br />
interessiert mich das nicht.« Und so besucht<br />
Marecek noch immer am liebsten richtige<br />
Beisln. »Ob Fleischlaberl oder Gulasch – egal<br />
was, aber es muss immer in optimaler Qualität<br />
zubereitet sein«, sagt er. In »Rudis Beisl«<br />
auf der Wiedner Hauptstraße »haben wir uns<br />
teilweise ernährt«.<br />
Übers Zunehmen habe er sich dabei nie<br />
Sorgen gemacht – immerhin mache die Dosis<br />
das Gift, und da sich Marecek einer beneidenswerten<br />
Selbstkontrolle erfreut, erreicht<br />
sie nie extreme Ausmaße: »Ich esse mit der<br />
gleichen Freude Palatschinken und Powidltatschkerln<br />
wie in meiner Kindheit. Auch<br />
Grammeln – aber nur einmal im Jahr. Öfter<br />
habe ich einfach keinen Gusto.« Ein wahrer<br />
Feinspitz eben.<br />
Marecek liebt authentische Gasthausküche, zum<br />
Beispiel die von »Rudis Beisl«.<br />
Fotos: Inge Prader, Lukas Beck, Ian Ehm, Jason van der Merwe, Shutterstock, Felicitas Matern.feel image Fotografie, beigestellt<br />
128 spezial
»Unvergesslich«,<br />
sagt Hillinger, sei ein<br />
Abend in »The Test<br />
Kitchen« in Cape Town.<br />
LEO HILLINGER<br />
Der von »Ernst & Young« zum »Entrepreneur<br />
Of The Year 2012« gekürte Ausnahmewinzer<br />
steht heute an der Spitze der österreichischen<br />
Weinproduzenten im Topqualitätssegment. Es<br />
ist vor allem Leo Hillingers Blick für Feinheiten,<br />
der den Burgenländer auszeichnet und ihn<br />
zu solch wirtschaftlichem Erfolg führte. Kulinarisch<br />
unternimmt Hillinger gern Reisen im<br />
eigenen Land: Während er als Kind noch »heißen<br />
Bohnensterz mit einer kalten Milch« von<br />
seiner Oma serviert bekam, diniert er heute<br />
bevorzugt in Spitzenlokalen rund um den<br />
Neusiedler See. Man trifft ihn in der »Dankbarkeit«<br />
in Podersdorf, in der »Blauen Gans«<br />
in Weiden oder beim Heurigen »Strommer« in<br />
Purbach. Aber auch die Küche der »Speisenmeisterei«<br />
in Zell am See begeistert Hillinger.<br />
Außerdem liebt er die südafrikanische Küche<br />
mit ihren vielen internationalen Einflüssen und<br />
schwärmt von einem Abend im »The Test Kit-<br />
Leo Hillinger ist<br />
einer der bekanntesten<br />
Winzer Österreichs.<br />
Leo Hillinger liebt die<br />
südafrikanische Küche<br />
mit ihren vielen internationalen<br />
Einflüssen.<br />
chen« in Kapstadt. Dort zu essen sei ein<br />
»unvergessliches Erlebnis« für ihn gewesen. Er<br />
liebt es scharf: Gewürze wie Chili und Ingwer,<br />
aber auch Koriander und Kurkuma wecken<br />
bei ihm sofort »positive Erinnerungen«. Sein<br />
Lieblingsgericht ist aber immer noch ein Bratlfettbrot<br />
und eine Blunzn, natürlich »mit einem<br />
guten Glas Wein dazu«.<br />
WERNER GRUBER<br />
In die Rolle des experimentellen Gourmets<br />
schlüpfte Werner Gruber im zarten Alter von<br />
sechs Jahren. Die Frage, ob Omas Gulasch<br />
auch knorpelfrei gekocht werden konnte, ließ<br />
den Enkel nicht los: »Ich wusste, dass dieses<br />
Problem zu den drängendsten meines Lebens<br />
zählte, und ich schwor, es zu lösen«, so der<br />
ehemalige »Science Buster« und heutige Leiter<br />
des <strong>Wiener</strong> Planetariums. Während des Studiums<br />
fand er tatsächlich die Lösung: »Knorpel<br />
im Fleisch sind so wichtig, weil sie in Gelatine<br />
umgewandelt werden und das Gulasch sämig<br />
machen«, ergab die Untersuchung des Physikers.<br />
Hochwertiges Fleisch gemischt mit<br />
Ochsenschwanz führe hingegen zu einer<br />
»fleischigeren« Lösung. Es war nur eines der<br />
vielen Geschmacksexperimente Grubers.<br />
Mit 47 Jahren zählt der Genießer mit dem<br />
Hang zur Analyse zwar nicht zum älteren<br />
Semester, er durchlebte jedoch bereits radikale<br />
Einschnitte und Veränderungen: Zu seinem<br />
Leidwesen ist und war er immer schon ebenso<br />
Gourmand wie Gourmet, daher unterzog er<br />
sich vor zwei Jahren einer Magenbypass-Operation.<br />
Sein Geschmack habe sich seither verändert:<br />
»Früher hatte ich einen irrsinnigen<br />
Gusto auf Speck – jetzt greife ich öfter zu<br />
Fisch.« Außer natürlich in seiner Lieblingspizzeria<br />
»Il Faro« in Venedig, wo der Wirt stets<br />
die Arme ausbreitet und ihn – in Anspielung<br />
auf seine übliche Speisenwahl – mit dem Ausruf<br />
»Ah, Signore Gorgo-Speck!« begrüßt.<br />
»Die Frage, ob Omas Gulasch<br />
auch knorpelfrei gekocht<br />
werden kann, zählte zu den<br />
drängendsten meines Lebens.«<br />
WERNER GRUBER Physiker und Kabarettist<br />
Werner Gruber ist Genussmensch durch und durch.<br />
Speck isst er aber nur mehr auf seiner Pizza.
festwochen / SERVICE<br />
THEATER AKZENT:<br />
GR ÄTZELTIPPS<br />
Vor der Vorstellung noch auf einen schnellen Espresso<br />
in die »Kaffeefabrik« oder zu einem gemütlichen<br />
Abendessen ins »Gußhaus«? Falstaff präsentiert die<br />
besten Adressen rund um das Theater Akzent, in dem<br />
»All the Sex I’ve Ever Had« gezeigt wird.<br />
KAFFEEFABRIK<br />
Klein, fein und ums Eck<br />
vom Theater Akzent. Die<br />
Kaffeebar und Rösterei<br />
verkaufen ausschließlich<br />
nachhaltige Kaffees, die<br />
sie selbst importieren. Neben<br />
dem Klassiker Arabica-Bohne<br />
setzen die Kaffee-Aficionados<br />
auch auf die wiederentdeckte<br />
Robusta-Bohne.<br />
Favoritenstraße 4–6<br />
1040 Wien<br />
T: +43 660 1789092<br />
www.kaffeefabrik.at<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–Fr: 8–18 Uhr<br />
Sa: 11–17 Uhr<br />
davor<br />
130 spezial
dinner<br />
Falstaff<br />
88<br />
PETZ IM GUSSHAUS<br />
Christian Petz zeigt in seinem Wirtshaus, wie<br />
gut österreichische Küche sein kann, wenn<br />
sie mit Liebe, Talent und Weltoffenheit<br />
gemacht wird. Grandios.<br />
Gußhausstraße 23<br />
1040 Wien<br />
T: +43 1 5044750<br />
www.gusshaus.at<br />
Öffnungszeiten: Di–Sa: 17:30–24 Uhr<br />
Küche: 18–22 Uhr<br />
Falstaff<br />
94<br />
THEATER AKZENT<br />
Fotos: Heinz Holzmann, Herbert Lehmann, Bruno Klomfar, beigestellt<br />
»All the Sex I’ve Ever Had« war in ausverkauften Theatern,<br />
etwa in Bern, Singapur oder Portland, zu sehen – jetzt kommt<br />
das Stück nach Wien ins Theater Akzent. Eine Gruppe sexuell<br />
erfahrener Seniorinnen und Senioren gewährt darin intime<br />
Einblicke in ihr erotisches Liebesleben (siehe S. 139).<br />
All the Sex I’ve Ever Had<br />
Theater Akzent<br />
Theresianumgasse 18, 1040 Wien<br />
Di, 30. Mai, 20 Uhr/Mi, 31. Mai, 20 Uhr<br />
Do, 1. Juni, 20 Uhr<br />
95–100 Punkte 90–94 Punkte 85–89 Punkte 80–84 Punkte<br />
95–100 Punkte 90–94 Punkte 85–89 Punkte 80–84 Punkte<br />
95–100 Punkte 90–94 Punkte 85–89 Punkte 80–84 Punkte<br />
drinks<br />
HEUER AM KARLSPLATZ<br />
In der rundum verglasten modernen Bar mit<br />
Terrasse serviert Barchef Bert Jachmann aus<br />
Brandenburg großartige Cocktail-Kreationen.<br />
Zudem ist Jachmann mit seiner freundlichen,<br />
persönlichen Art ein hervor ragender Gastgeber.<br />
Treitlstraße 2, 1040 Wien<br />
T: +43 1 8900590<br />
www.heuer-amkarlsplatz.com<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–Fr: 11:30–2 Uhr<br />
Sa, So, Feiertage: 10–2 Uhr
festwochen<br />
/ SERVICE<br />
TOP-ADRESSEN<br />
UMS THEATER<br />
Gemütliches Lokal mit<br />
großartigen Steaks: »Artner<br />
auf der Wieden«.<br />
BARS<br />
Charmantes<br />
Paradewirtshaus:<br />
»Gasthaus Wolf«.<br />
RESTAURANTS<br />
LIMA56<br />
Peruanische Küche von Ceviche bis zu Rinderherzspießen.<br />
Sehr schöner Gastgarten im grünen<br />
Innenhof.<br />
Favoritenstraße 56, 1040 Wien<br />
T: +43 1 5035888, www.lima56.at<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–Fr: 12–15:30 Uhr, 17–23 Uhr<br />
Sa, So: 12–23 Uhr<br />
ARTNER AUF DER WIEDEN<br />
Wiedner Dependance der Familie Artner mit sehr<br />
ähnlichem Angebot und Qualität wie in der Innenstadt-Location.<br />
Mit wechselnden Mittagsmenüs,<br />
feiner Terroir-Küche und Steaks vom Josper-Grill.<br />
Floragasse 6, 1040 Wien<br />
T: +43 1 5035033, www.artner.co.at<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–Fr: 12–24 Uhr<br />
Sa, So, Feiertage: 18–24 Uhr<br />
GRACE<br />
Ein modernes Lokal mit Anklängen von New<br />
Nordic Cuisine, bekocht von Oliver Lucas, einst<br />
Heinz Reitbauers rechte Hand im »Steirereck«.<br />
Eine der aufregendsten Neueröffnungen 2016.<br />
Danhausergasse 3, 1040 Wien<br />
T: +43 1 5031022, www.grace-restaurant.at<br />
Öffnungszeiten:<br />
Di–Fr: ab 18:30 Uhr, Sa: 12–15 und ab 18:30 Uhr<br />
CAFÉS<br />
GUERILLA BAKERY<br />
Vom Pop-up-Lokal zum Kaffeehaus: Drei<br />
Vorarl berger Schwestern setzen auf hoch -<br />
wertige Produkte, Mehlspeisen mit Liebe und<br />
eine Greißlerei mit kulinarischen Überraschungen.<br />
House Blend kommt von Charly Fürth. Toll:<br />
selbst gemachte Limonaden und die Terrasse.<br />
Favoritenstraße 7, 1040 Wien<br />
www.guerillabakery.at<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–Fr: 8–17 Uhr<br />
WORTNER<br />
Seit 130 Jahren Teil der <strong>Wiener</strong> Kaffeehaus -<br />
kultur, inklusive smokingtragendem Klavier spieler.<br />
Das wahre Highlight ist aber der tolle<br />
Gastgarten, der von malerischem Grün<br />
umgeben ist.<br />
Wiedner Hauptstraße 55, 1040 Wien<br />
T: +43 1 9458683<br />
www.wortner.at<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–So: 8–23 Uhr<br />
SANTOS<br />
Eigentlich ein mexikanisches Restaurant mit einer<br />
ellenlangen Barkarte, die nicht nur Mittelamerikanisches<br />
bietet, sondern auch Klassisches und<br />
Kreatives aus allen Teilen der Erde. Und die Barkeeper<br />
geben sich große Mühe, immer wieder<br />
Neues zu erfinden.<br />
Favoritenstraße 4-6, 1040 Wien<br />
T: +43 1 9429902, www.santos-bar.com<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo–Do, So: 11–24 Uhr<br />
Fr, Sa: 11–1 Uhr<br />
SILVER BAR<br />
Kleine, diskrete Hotelbar, die schon eine Menge<br />
Celebritys gesehen hat und noch sehen wird.<br />
Ein Insider-Geheimtipp, in dem Barchef Keita<br />
auf einer klug zusammengestellten Karte seine<br />
mixologische Kunst präsentiert, etwa mit seinem<br />
legendären Ingwer-Cocktail.<br />
Wiedner Hauptstraße 12, 1040 Wien<br />
T: +43 1 58918133, www.dastriest.at<br />
Öffnungszeiten:<br />
Mo: 18–2 Uhr, Di–Sa: 19–3 Uhr<br />
So, Feiertage: 16–24 Uhr<br />
GASTHAUS WOLF<br />
Das urige Paradewirtshaus bietet herrlich<br />
ungenierte <strong>Wiener</strong> Innereienküche von<br />
knusprigen Schweinsohren über Kalbshirnpofesen<br />
bis hin zu gegrilltem Herzzapfen.<br />
Rienößlgasse 17/Große Neugasse 20, 1040 Wien<br />
T: +43 1 5811544, www.gasthauswolf.at<br />
Öffnungszeiten: Di–Fr: 11:30–14 Uhr, 17–1 Uhr<br />
Sa: 17–1 Uhr, Küche: 18–22 Uhr<br />
Das »Grace«<br />
bietet nordisch<br />
inspirierte Küche.<br />
Fotos: Oliver Spies, beigestellt<br />
132 spezial
SPIELZEIT 2017/18<br />
Premieren Auswahl<br />
Dantons Tod von Georg Büchner<br />
Inszenierung Alia Luque | Premiere Fr 15.09.17<br />
Romeo und Julia von William Shakespeare<br />
Inszenierung Sebastian Schug | Premiere Sa 30.09.17<br />
Die Marquise von O. Auf der Suche nach dem „Ach“<br />
nach Texten von Heinrich von Kleist u.a.<br />
Szenische Einrichtung Olivér Illés | Uraufführung Fr 24.11.17<br />
Ein Theaterprojekt von Árpád Schilling<br />
Inszenierung Árpád Schilling | Uraufführung Fr 01.12.17<br />
Die Flucht ohne Ende von Joseph Roth<br />
Inszenierung Felix Hafner | Uraufführung Sa 20.01.18<br />
Mother Song von Mokhallad Rasem<br />
Inszenierung Mokhallad Rasem | Uraufführung Sa 03.03.18<br />
Der Zerrissene von Johann Nepomuk Nestroy<br />
Inszenierung Sabine Derflinger | Premiere Sa 17.03.18<br />
Ein neues Stück Gewinnerstück des Peter-Turrini-DramatikerInnenstipendiums<br />
Inszenierung N.N. | Uraufführung Fr 27.04.18<br />
Der Revisor von Nikolaj Gogol<br />
Inszenierung Sandy Lopičić | Premiere Sa 04.05.18<br />
Jetzt<br />
Abo<br />
kaufen!<br />
Die Stunde da wir nichts voneinander wussten von Peter Handke, Bürgertheater<br />
Inszenierung Nehle Dick | Premiere Sa 12.05.18<br />
Gastspiele Auswahl<br />
Der Gott des Gemetzels von Yasmina Reza | Inszenierung Karin Beier<br />
Deutsches Schauspielhaus Hamburg | Mi 18.10.17, Do 19.10.17<br />
Onkel Wanja von Anton Tschechow | Inszenierung Karin Henkel<br />
Schauspielhaus Zürich | Fr 23.02.18, Sa 24.02.18<br />
Wer einmal aus dem Blechnapf frisst von Hans Fallada | Inszenierung Luk Perceval<br />
Thalia Theater, Hamburg | Mi 21.03.18, Do 22.03.18<br />
Macht und Widerstand von Ilija Trojanow | Inszenierung Dušan David Pařízek<br />
Schauspiel Hannover | Fr 15.06.18, Sa 16.06.18<br />
Lesungen und Blätterwirbel 2017<br />
Blätterwirbel mit Feridun Zaimoglu, Katja Gasser, Josef Haslinger, Günter Kaindlstorfer<br />
Lesungen mit Tamara Metelka und Nicholas Ofczarek, Birgit Minichmayr<br />
Theaterfest für alle, Theater für Kinder und<br />
Jugendliche, Klassenzimmertheater, Bürgertheater,<br />
Workshops und vieles mehr …<br />
www.landestheater.net
KULTUR<br />
GENIESSEN
Die <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong> finden dieses Jahr vom 12. Mai<br />
bis 18. Juni statt – ihr Programm ist so vielfältig wie noch<br />
nie. Der neue Intendant Tomas Zierhofer-Kin überrascht<br />
mit ungewöhnlichen Produktionen und internationalem<br />
Anspruch. Verschiedene Kunstformen, die Künstler selbst<br />
und das Publikum treten miteinander in Dialog.<br />
Foto: Andreas Balon<br />
spezial<br />
135
festwochen / KULTUR GENIESSEN<br />
EIN FEST<br />
FÜR<br />
DIE KULTUR<br />
ANDREAS MAILATH-POKORNY<br />
Was gibt es zu feiern? Eine rein rhetorische<br />
Frage, denn Wien und seine Einwohner<br />
Innen finden immer einen Grund, etwas<br />
hochleben zu lassen. Das Loslassen alltäglicher<br />
Strukturen und ihre Auflösung in festlichem Rahmen<br />
gehören zur Stadt. Bereits die Habsburger ließen bei ihren öffentlichen<br />
Banketten nebst Speis und Trank auch Musik zum Gaudium<br />
der Beteiligten auffahren, und selbst eine rein oberflächliche Ausführung<br />
über die Bedeutung von Bällen für Wien und die <strong>Wiener</strong><br />
Seele würde hier den Rahmen sprengen.<br />
WIR HALTEN FEST<br />
Wien feiert also gerne. Und Wien feiert vor allem gerne Kunst und<br />
KünstlerInnen. Theater, Schauspiel, Tanz, Musik sind der Stadt ein<br />
über die Jahrhunderte gewachsenes Heiligtum. Dementsprechend<br />
wird die Kunst in der pulsierenden Donaumetropole als Fest wahrgenommen<br />
und würdig zelebriert. MusikerInnen und SchauspielerInnen<br />
sind gefeierte Stars. Das ganze Jahr über gibt es in Wien<br />
eine Vielzahl an Möglichkeiten und ein breites Angebot, um die<br />
schönen Künste würdig zu begehen.<br />
Den <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong> kommt in dieser Hinsicht besondere<br />
Bedeutung zu. Sie sind der mehrwöchige Höhepunkt im kulturellen<br />
Jahresablauf und als <strong>Wiener</strong> Kunstfest schon seit über sechzig<br />
Jahren ein Spiegel für die Kulturbegeisterung dieser Stadt. Eine Kulturbegeisterung,<br />
die sich nicht eingrenzen lässt, denn die <strong>Festwochen</strong><br />
sind ein Großstadtfest, das die Auseinandersetzung mit dem<br />
künstlerischen Schaffen in anderen Städten Europas und der Welt<br />
sucht und diese herausragenden künstlerischen Leistungen vorstellt.<br />
ZUR PERSON:<br />
Andreas Mailath-Pokorny ist seit 2001 amtsführender<br />
Stadtrat für Kultur und Wissenschaft, seit 2015 auch<br />
für Sport. Außerdem amtiert er als Präsident des<br />
Bundes sozialdemokratischer AkademikerInnen,<br />
Intellektueller und KünstlerInnen.<br />
KULTUR FINDET ÜBERALL RAUM<br />
Das Feiern der Kunst geht nach Vorstellungsende natürlich weiter,<br />
denn ein fundamentaler Part eines Festes ist es, gemeinsam zu essen<br />
und zu trinken. Ein Lokalbesuch ist dabei die Weiterführung des<br />
Kunsterlebnisses. Kunstgenuss bekommt ein kulinarisches Unterfutter,<br />
auf dem sich vortrefflich über zuvor in Theatern, Konzertsälen<br />
und Ausstellungsräumen Erlebtes diskutieren lässt. Spricht man in<br />
Wien von Gastro-, Beisl- oder Kaffeehauskultur, schwingt immer<br />
auch ein wenig die Kunst mit, denn die <strong>Wiener</strong> Gastroszene ist<br />
immer auch ein Ort, an dem das gemeinsame Erleben von Kunst<br />
verhandelt wird, ein Ort, an dem intensiv über Wahrnehmungen,<br />
Erlebnisse, Beobachtungen und Empfindungen gesprochen wird.<br />
Die Suche nach Neuem und die Auseinandersetzung mit Einflüssen<br />
aus der ganzen Welt gewähren Einblicke in aktuelle Diskurse und<br />
nehmen nicht selten auch künftige Entwicklungen vorweg. Die<br />
<strong>Festwochen</strong> als Fenster zur internationalen Theaterwelt bringen<br />
Frischluft in die Stadt. Das beweist Jahr für Jahr die traditionelle<br />
Eröffnung am Rathausplatz, wenn Tausende Kunstbegeisterte nicht<br />
selten widrigen Wetterkapriolen trotzen, um gemeinsam ein großes<br />
Kultur- und Musikfest zu feiern.<br />
Und ja, is(s)t man dabei noch in einem Lokal, in dem einer der wahren<br />
HerdkünstlerInnen in der Küche dirigiert, wird man schnell die engen<br />
Bande zwischen Kulinarik und Kunst und Kultur bemerken. Was aus<br />
den Kochtöpfen der Stadt kommt, sind nicht selten Meisterwerke, und<br />
die Zusammenführung von Kultur und Kulinarik ist mehr als nur ein<br />
Dienst am Publikum: Es ist die Erweiterung des Kunsterlebnisses.<br />
Daher: ein Toast auf die Kunst in all ihren Facetten!<br />
Fotos: Peter Rigaud, Markus Morianz<br />
136 falstaff spezial
ZUR PERSON:<br />
Tomas Zierhofer-Kin gibt dieses Jahr sein<br />
Debüt als Intendant der <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong>.<br />
Mit seinem Vorgänger Markus Hinterhäuser<br />
gründete der Kulturmanager<br />
Anfang der 1990er-Jahre das »Zeitfluss<br />
Festival« als Teil der Salzburger<br />
Festspiele. Zuletzt war<br />
er bis 2016 Intendant des<br />
»donau festivals« in Krems.<br />
EIN FEST<br />
FÜR<br />
DIE STADT<br />
TOMAS ZIERHOFER-KIN<br />
Feste sind besondere Ereignisse. Das FEST als<br />
gemeinschaft liches Ritual stellt den Alltag und<br />
die Ordnung der Dinge auf den Kopf und eröffnet<br />
Gelegenheiten für den geistigen, emotionalen und gesellschaftlichen<br />
Ausnahmezustand. In diesem Sinne begreifen wir<br />
auch die <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong> als FEST für die Stadt und wollen<br />
gemeinsam mit den eingeladenen KünstlerInnen, DenkerInnen und<br />
unserem Publikum ein rauschendes FEST feiern. Neben dem Geist<br />
sollen in gleichberechtigter Weise auch all unsere Sinne<br />
stimuliert und temporäre wie lang währende Gemeinschaften<br />
geschaffen werden. Denn ein FEST ist auch in gewisser Weise ein<br />
groß angelegtes geistiges wie sinnliches Experiment, das utopische<br />
Gegenentwürfe produziert. Es stellt sowohl gängige Denk- und<br />
Handlungsmuster infrage, schafft aber auch Raum für ekstatische<br />
Erfahrung und setzt Potenziale und Utopien frei.<br />
Franz Schuh hat im Vorwort der Publikation »<strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong><br />
1951–2001. Ein Festival zwischen Repräsentation und Irritation«<br />
kulturkritisch festgestellt, dass »heutzutage … keiner mehr Feste<br />
ernst nimmt und sie deshalb gespielt werden müssen«. Der zivilisatorische<br />
Prozess der artifiziellen Trennung von Geist und Körper<br />
in der abendländischen Tradition lässt sich auch ganz gut anhand<br />
des Symposiums, der wissenschaftlichen Konferenz, und seinem<br />
altgriechischen Ursprungsritual, dem Symposion als gemeinsames,<br />
geselliges Trinken, erkennen.<br />
Die <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong> verstehen sich – ganz in ihrer Tradition als<br />
spartenübergreifendes Kunstfestival, das Hoch-, Avantgarde- und<br />
Subkulturen in sich vereint – auch als kulturkritisches Festival,<br />
das tradierte Konzepte in der Kunst, aber auch im Denken und<br />
Handeln infrage stellt. Wir wollen zu einem lustvollen Perspektivenwechsel<br />
anregen, Dinge infrage stellen, ohne einfache Antworten<br />
auf komplexe Themen zu geben, wir wollen zu GastgeberInnen<br />
eines fünfwöchigen FESTES im geistigen wie sinnlichen Ausnahmezustand<br />
werden.<br />
In diesem Sinne freue ich mich ganz besonders über die Sondernummer<br />
des Falstaff zum Anlass der <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong>. Wenn<br />
eine Stadt und ihre Menschen, vernetzt und im Austausch mit der<br />
ganzen Welt, ein FEST feiern, dann gehören so sinnliche Erfahrungen<br />
wie Essen und Trinken nicht nur untrennbar dazu, sie sind –<br />
ebenso wie die Kunst – ein Statement für Kommunikation jenseits<br />
kultureller, sozialer, sprachlicher oder ideologischer Barrieren!<br />
spezial<br />
falstaff<br />
137
festwochen<br />
/ KULTUR GENIESSEN<br />
KUNST & BÜHNE:<br />
DIE HIGHLIGHTS<br />
Mit ihrem diesjährigen Programm brechen die <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong> Tabus,<br />
füllen Leerstellen, lassen Neues entdecken und Altes schätzen.<br />
Die Veranstaltungen finden an 29 Orten in ganz Wien statt. Die Höhepunkte.<br />
Tickets<br />
Tickets und alle Informationen<br />
unter www.festwochen.at oder<br />
+43 1 589 22 22. Tageskassen<br />
befinden sich in der Lehárgasse 3a,<br />
1060 Wien (Sa–Mi: 10–18 Uhr,<br />
Do–Fr: 10–19 Uhr), im MQ<br />
sowie ab 18. Mai im<br />
Performeum.<br />
Fotos: Guido Mencari, Jan Versweyveld, Lucia Eggenhoffer<br />
138 spezial
OBSESSION<br />
Mit »Obsession« bringt der belgische Regisseur Ivo van<br />
Hove die Geschichte von Luchino Viscontis Filmklassiker<br />
»Ossessione« auf die Bühne. Der attraktive Herumtreiber<br />
Gino (Jude Law) trifft auf die junge, unglückliche Giovanna<br />
(Halina Reijn), Ehefrau eines Tankstellenbetreibers, die<br />
ihrem von Armut ge prägten Leben zu entkommen versucht.<br />
Zusammen schmieden sie den Plan, Giovannas<br />
Ehemann zu töten. Aber die verbrecherische Tat kann<br />
das Liebespaar nicht auf Dauer vereinen. In kurzen,<br />
rohen, poetischen und brutalen Szenen geht es um<br />
die großen Themen des Lebens: Liebe, Leidenschaft,<br />
die Macht der Natur und den Druck der Gesellschaft.<br />
Termine:<br />
Mi, 31. Mai, 19:30 Uhr<br />
Do, 01. Juni, 19:30 Uhr<br />
Fr, 02. Juni, 19:30 Uhr<br />
Sa, 03. Juni, 15:00 & 19:30 Uhr<br />
Ort: Halle E im MuseumsQuartier<br />
Jude Law ist diesjähriger<br />
Stargast der <strong>Wiener</strong><br />
<strong>Festwochen</strong>.<br />
Let’s talk about sex:<br />
Senioren erzählen von<br />
ihrem Liebesleben.<br />
ALL THE SEX<br />
I’VE EVER HAD<br />
Das Tabuthema Sex im Alter wird in »All the Sex I’ve Ever<br />
Had« charmant auf die Bühne gebracht. Sechs Seniorinnen<br />
und Senioren erzählen offenherzig von ihren Liebes- und<br />
Sexerlebnissen. Man darf gespannt sein auf Enthüllungsgeschichten<br />
über erste Verliebtheiten, Abstürze, wilde<br />
Affären, unerwartete Schwangerschaften und sexuelle<br />
Neuorientierungen, aber auch über vergangene Lieben,<br />
Herausforderungen und Vergnügungen.<br />
Termine:<br />
Di, 30. Mai, 20:00 Uhr<br />
Mi, 31. Mai, 20:00 Uhr<br />
Do, 01. Juni, 20:00 Uhr<br />
Ort: Theater Akzent<br />
spezial<br />
139
festwochen<br />
/ KULTUR GENIESSEN<br />
WÄHREND ICH<br />
WARTETE<br />
»Während ich wartete«<br />
spielt im vom Bürgerkrieg<br />
zerrissenen Syrien.<br />
Das Drama von Omar Abusaada und Mohammad Al<br />
Attar bewegt sich in der Grauzone zwischen Leben<br />
und Tod des heutigen Syriens. Der junge Taim wird<br />
in Damaskus zusammengeschlagen. Im Krankenhaus<br />
wird er von seiner Familie besucht. Dabei entwickeln<br />
sich Gesprächsthemen wie die anfängliche Revolution<br />
und die kriegerischen Verwüstungen der Gegenwart.<br />
Die Protagonisten bewegen sich zwischen Hoffnung<br />
und Verzweiflung, Liebe und Gewalt. Ein Bericht aus<br />
dem Inneren des Landes.<br />
Termine:<br />
Mi, 24. Mai, 20.30 Uhr<br />
Do, 25. Mai, 20.30 Uhr<br />
Fr, 26. Mai, 20.30 Uhr<br />
Ort: Halle G im MuseumsQuartier<br />
DEMOCRACY<br />
IN AMERICA<br />
Romeo Castellucci ist Schöpfer von bildgewaltigen,<br />
gesellschaftspolitisch aufgeladenen Performances. Er<br />
nutzt das Theater in seiner ursprünglichen Funk tion:<br />
als Spiegelbild des Schauplatzes von politischen<br />
Aus einandersetzungen. »Democracy in America« ist<br />
seine Reflexion über die Gründung der USA und eines<br />
damit einhergehenden neuen Demokratie-Modells.<br />
Termine:<br />
Di, 23. Mai, 20:00 Uhr<br />
Mi, 24. Mai, 20:00 Uhr<br />
Do, 25. Mai, 20:00 Uhr<br />
Fr, 26. Mai, 20:00 Uhr<br />
Ort: Volkstheater<br />
Fotos: Guido Mencari, Didier Nadeau, Christian Stangl, Artur van Balen<br />
140 spezial
TRAISKIRCHEN.<br />
DAS MUSICAL<br />
Das Kollektiv »Die<br />
Schweigende Mehrheit«<br />
bringt das Traiskirchen-<br />
Musical auf die Bühne.<br />
Ein Musical, das weit mehr ist als eine dumpfe<br />
Abendunterhaltung. Hier geht es um Geflüchtete,<br />
Helfer und Helferinnen, Hetzer und Gehetzte,<br />
Hoffnungen und Realitäten, die im Sommer 2015 im<br />
überfüllten Flüchtlingslager Traiskirchen aufeinandertreffen.<br />
Man erlebt weltumspannende Liebesgeschichten,<br />
herzzerreißende Skrupellosigkeiten und groteske<br />
Missverständnisse sowie politische Intrigen. Ein<br />
Musical, das einige der dringendsten Fragen stellt,<br />
die uns auch in nächster Zeit beschäftigen werden.<br />
Termine:<br />
Fr, 09. Juni, 19:30 Uhr<br />
Do, 15. Juni, 19:30 Uhr<br />
Sa, 17. Juni, 19:30 Uhr<br />
Ort: Volkstheater<br />
Die »Akademie des Verlernens«<br />
ist in der ganzen Stadt präsent.<br />
AKADEMIE DES<br />
VERLERNENS<br />
Die »Akademie des Verlernens« lädt zum Umdenken und<br />
Neudenken ein. In verschiedenen Veranstaltungen – von<br />
Performances bis zu Vorträgen – werden Regeln hinterfragt<br />
und gebrochen, Neues ausprobiert und alternative Sicht -<br />
weisen gemeinsam entworfen. Ein Highlight ist etwa die<br />
»Anti-Fascist Ballet School«, die die Vielfalt feiert und<br />
zum gemeinsamen Tanzen einlädt. Die offenen Trainings<br />
finden in verschiedenen Shoppingzentren in Wien statt.<br />
Außerdem finden wöchentlich »Picknicks des Verlernens«<br />
mit lokalen und internationalen Gästen statt. Und die 140<br />
Quadratmeter große Installation »Hamamness« bietet<br />
im Performeum mehrere Ruheräume im Hamam-Stil, in<br />
denen Gäste in entspanntem Rahmen diskutieren können.<br />
Termine »Anti-Fascist Ballet School«<br />
während der <strong>Festwochen</strong>: Mi–Fr ab 16:00 Uhr<br />
Orte:<br />
Lugner City, 17.–19. Mai/Wien Mitte – The Mall, 24.–26. Mai/<br />
Gasometer Einkaufszentrum, 31. Mai–2. Juni/<br />
Millennium City, 7.–9. Juni/Performeum, 16. Juni, 19:00 Uhr<br />
Termine »Picknicks des Verlernens«:<br />
Stadt als Beute: 21. Mai, 11:00 Uhr, Performeum-Garten<br />
Stadt als Klasse: 28. Mai, 11:00 Uhr, Bacherpark<br />
Stadt als Queer: 04. Juni, 11:00 Uhr, Türkis Rosa Lila Villa (Hof)<br />
Simmeringer Frühschoppen: 11. Juni, 11:00 Uhr, Enkplatz<br />
Stadt als Solidarität: 15. Juni, 11:00 Uhr, Hawi Wohnprojekt<br />
Termine »Hamamness« während der <strong>Festwochen</strong>:<br />
Do–So ab 18:00 Uhr, Performeum, Halle 2<br />
spezial<br />
141
festwochen<br />
NATHI.AHA.SASA.<br />
US.HERE.NOW.<br />
/ KULTUR GENIESSEN<br />
Die Künstlerin Zohra Opoku kuratierte für diese performative<br />
Gruppenausstellung aufstrebende und, bis auf<br />
eine Ausnahme, weibliche künstlerische Positionen<br />
aus verschiedenen Ländern Afrikas. Ein interdiszipli -<br />
näres und vor allem inspirierendes Setting zwischen<br />
Fotografie, Video, Skulptur, Live-Kunst, Performance,<br />
Tanz und Musik in einem temporären afrofuturis -<br />
tischen und feminisierten Raum. Eine Hommage<br />
an die reichhaltige moderne Kunstszene Afrikas.<br />
Termine:<br />
8. Juni–11. Juni, ab 18:00 Uhr<br />
Ort: Performeum, Halle 4<br />
Die <strong>Festwochen</strong> bringen<br />
die vielfältige Kunstszene<br />
Afrikas nach Wien.<br />
Jonathan Meese<br />
präsentiert seinen<br />
unkonventionellen<br />
»Mondparsifal«.<br />
MONDPARSIFAL<br />
ALPHA 1–8<br />
(ERZMUTTERZ<br />
DER ABWEHRZ)<br />
Der international polarisierende Künstler Jonathan<br />
Meese befördert die Auseinandersetzung mit »Parsifal«<br />
in eine andere Dimension. Die Gäste erwartet eine zeitgenössische<br />
Neuinterpretation und Würdigung der letzten<br />
Wagner-Oper. Komponist Bernhard Lang hält sich dabei<br />
stark an das Libretto und die Struktur der Oper Wagners.<br />
Daraus erzeugt er einen völlig neuen Klangkosmos.<br />
Termine:<br />
So, 04. Juni, 18:00 Uhr<br />
Di, 06. Juni, 18:00 Uhr<br />
Do, 08. Juni, 18:00 Uhr<br />
Ort: Theater an der Wien<br />
Fotos: fondjoyimage, Jan Bauer.Net/ Courtesy Jonathan Meese.com, Lorenzo Fiaschi, Oliver Ottenschläger, Knut Klaßen, Pascal Victor<br />
142 spezial
THE CONUNDRUM<br />
OF IMAGINATION<br />
Die <strong>Festwochen</strong>-Ausstellung umfasst sechzehn<br />
künstlerische Positionen. Alle Künstler tragen zudem<br />
auch verschiedene Performances und Lectures bei und<br />
werfen einen ungewohnten, postkolonialen Blick auf<br />
das »Europäische Zeitalter der Entdeckungen«.<br />
Termine:<br />
18. Mai–18. Juni<br />
Ort: Performeum, Leopold Museum<br />
PROMISED ENDS:<br />
THE SLOW ARROW OF SORROW AND MADNESS<br />
Derrick Ryan Claude Mitchell erzeugt bildgewaltige<br />
Räume, in denen emotionale Performances mit Tänzern<br />
und Musikern stattfinden. Die überbordende Schönheit<br />
kann jederzeit in Schmerz und Hysterie umschlagen.<br />
Termine:<br />
Di, 16. Mai, 20:00 Uhr/Mi, 17. Mai, 20:00 Uhr<br />
Fr, 19. Mai, 20:00 Uhr/Sa, 20. Mai, 20:00 Uhr<br />
Ort: Halle G im MuseumsQuartier<br />
LES ROBOTS<br />
NE CONNAI SSENT PAS LE BLUES ODER<br />
DIE ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL<br />
Das deutsch-ivorische Ensemble von Gintersdorfer/<br />
Klaßen analysiert und dekonstruiert in dieser musikalischen<br />
Entdeckungsreise gemeinsam mit Benedikt von<br />
Peter die Mozart-Oper »Die Entführung aus dem Serail«.<br />
Termine:<br />
Fr, 26. Mai, 19:30 Uhr<br />
Sa, 27. Mai, 19:30 Uhr<br />
So, 28. Mai, 15:00 & 19:30 Uhr<br />
Ort: Halle E im MuseumsQuartier<br />
BATTLEFIELD<br />
Inspiriert durch das berühmte indische Volksepos<br />
»Mahabharata« zeigt der vielfach prämierte Regisseur<br />
Peter Brook die apokalyptischen Nachwirkungen des<br />
Krieges zwischen rivalisierenden Königsfamilien.<br />
Eine Parabel für die Gegenwart.<br />
Termine:<br />
Fr, 16. Juni, 20:00 Uhr<br />
Sa, 17. Juni, 20:00 Uhr<br />
So, 18. Juni, 20:00 Uhr<br />
Mo, 19. Juni, 20:00 Uhr<br />
Ort: Halle E im MuseumsQuartier<br />
spezial<br />
143
festwochen<br />
/ KULTUR GENIESSEN<br />
DEATH CENTER<br />
FOR THE LIVING<br />
Interaktive Installation aus Mineralien, Pflanzen<br />
und verrottendem Obst von Daniel Lie. Ausgangs -<br />
punkt für dieses atmosphärische Szenario ist der<br />
Tod in seiner Unausweichlichkeit und Banalität.<br />
CONGO NA CHANEL<br />
Performance und Videoinstallation von Elisabeth<br />
Bakambamba Tambwe. In einer Collage aus<br />
doku mentarischem und fiktionalem Material<br />
wird ein vielfältiger und verunsichernder Blick<br />
auf die Demo kratische Republik Kongo geworfen.<br />
Termine:<br />
18. Mai–11. Juni, Do–So,<br />
18:00 bis 22:00 Uhr<br />
Ort: Performeum, Halle 3<br />
Termine:<br />
Do, 15. Juni, 19:30 Uhr<br />
Fr, 16. Juni, 19:30 Uhr<br />
Sa, 17. Juni, 19:30 Uhr<br />
Ort: Performeum, Halle 7<br />
NSK STATE VENICE PAVILION IN VIENNA<br />
THINKING EUROPE<br />
Der Pavillon des »NSK State in Time« thematisiert<br />
Fragen wie Migration, Geschichte und Identität.<br />
Das gemeinsame kulturelle oder politische Erbe,<br />
Staats angehörigkeiten sowie die Bedeutung des<br />
Staates sollen neu betrachtet werden.<br />
Termine:<br />
Eröffnung: Di, 16. Mai, 19:00 Uhr<br />
17. Mai–11. Juni, Di–So, 14:00 bis 21:00 Uhr<br />
Ort: ARCC.art Open Space<br />
HYPERREALITY<br />
Nur 9,4 Prozent aller Acts in <strong>Wiener</strong> Clubs sind<br />
weiblich. Dass das nicht an einem Mangel, sondern<br />
an einer strukturellen Untervorteilung liegt, zeigt das<br />
großartige Line-Up von »Hyperreality 27«: Von Tomasa<br />
del Real, Tonica Hunter über Tami T bis Princess Nokia<br />
ist alles dabei, was Rang und Namen in der Szene hat.<br />
Termine:<br />
Mi, 24. Mai, 21:00 Uhr<br />
Do, 25. Mai, 21:00 Uhr<br />
Fr, 26. Mai, 22:00 Uhr<br />
Sa, 27. Mai, 22:00 Uhr<br />
Ort: Schloss Neugebäude<br />
Fotos: Pequintana, Irwin/ Chiara Figore, beigestellt<br />
144 spezial
FEINE ADRESSEN / promotion<br />
Feine Adressen für Wien!<br />
Wer das Besondere sucht, ist an diesen Adressen mehr als gut aufgehoben.<br />
MODERNE WIENER KÜCHE IN EDLER ATMOSPHÄRE<br />
DAS SPITTELBERG<br />
Das Spittelberg<br />
Spittelberggasse 12<br />
1070 Wien<br />
T: +43 1 5877628<br />
www.das-spittelberg.at<br />
»Das Spittelberg« liegt im historisch und kulturell interessanten »Dorf der<br />
Stadt«, wenige Minuten vom Zentrum entfernt. Harald Brunner verwöhnt<br />
seine Gäste auf höchstem Niveau – von der Ziegenlabne-Terrine, der mariniert<br />
und gebackenen Chili-Blunzn bis zu seinem berühmten Dim Sum mit Kalbs -<br />
bries und Flusskrebsen spannt sich die Genusspalette. Das Herzstück des<br />
Restaurants ist der edle Rotisserie-Grill von Molteni: Hier werden große<br />
Fleischstücke im Ganzen gebraten.<br />
GAUMENFREUDEN UND HERZGENUSS IN WIENS ZENTRUM<br />
Fotos: beigestellt<br />
FÜHRICH<br />
Führichgasse 6<br />
1010 Wien<br />
T: +43 1 5130880<br />
www.fuehrich.at<br />
Wer schmackhaftes und gesundes Essen schätzt, findet nebst der <strong>Wiener</strong><br />
Staatsoper, der Albertina und dem Stephansplatz eine Restaurant-Oase: das<br />
»Führich« in der Führichgasse 6, wo traditionelle <strong>Wiener</strong> Küche auch auf vegetarische<br />
Innovationen trifft. Neben Wiens berühmter Einkaufsmeile, der Kärntner<br />
Straße, lädt die zierliche Vollblut-Gastronomin Petra Führich zu wahren Gaumenfreuden<br />
der <strong>Wiener</strong> Küche. Ein stimmiges Ambiente, freundlicher Service<br />
und Gemütlichkeit werden hier großgeschrieben.<br />
Colorado River Delta #2, Near San Felipe, Baja, Mexico 2011 © Edward Burtynsky, courtesy Admira, Milano / Galerie Springer Berlin / Metivier Gallery, Toronto<br />
23. 03.<br />
27. 08.<br />
2017<br />
Untere Weißgerberstraße 13, 1030 Wien, Täglich 10 – 18 Uhr | www.kunsthauswien.com
TISCHGESPRÄCH MIT CONCHITA ÜBER ...<br />
… DEN PUREN<br />
LUXUS DES<br />
GENIESSENS<br />
INTERVIEW ALEX. HESSE<br />
FALSTAFF »Respekt« ist ein<br />
Leitthema der diesjährigen <strong>Wiener</strong><br />
<strong>Festwochen</strong>. Auch Sie appellieren<br />
immer wieder dafür. Wie achtsam gehen<br />
Sie mit sich und Ihrer Ernährung um?<br />
CONCHITA (lacht): Jaja, der Respekt vor sich<br />
selbst ... Der kommt oft auch bei mir zu kurz.<br />
Ich versuche, mich gesund zu ernähren. Das ist<br />
nicht immer leicht, denn ein Sandwich ist<br />
schneller geordert und gegessen als ein gesundes<br />
ausgewogenes Menü. Sie merken, wo’s hakt?<br />
CONCHITA<br />
In einem kleinen steirischen Dorf aufgewachsen,<br />
erlangte Tom Neuwirth mit seiner Kunstfigur<br />
Conchita Weltruhm. Der internationale Durchbruch<br />
gelang Conchita mit ihrem Sieg beim Eurovision Song<br />
Contest im Mai 2014. Seitdem tourt sie nicht nur<br />
als Musikerin um die Welt, sie setzt sich auch aktiv für<br />
Toleranz und die Einhaltung von Menschenrechten ein.<br />
Welchen Stellenwert hat denn kulinarischer<br />
Genuss in Ihrem Leben?<br />
Ich liebe es, gut zu essen! Wenn ich auf meinen<br />
Reisen etwas für mich kulinarisch Neues kennenlerne,<br />
schwärme ich wochenlang davon. Eigentlich<br />
sollte man jeden Moment genießen, ich schaffe das<br />
aber nicht immer. Deswegen ist Genuss für mich<br />
ein Luxusgut. Und Luxus ist nur dann aufregend,<br />
wenn man ihn nicht immer haben kann.<br />
Dabei hatten Sie ihn in Ihrer Kindheit stets verfügbar<br />
– Sie sind in einem Wirtshaus aufgewachsen.<br />
Ich war natürlich sehr verwöhnt, denn ich konnte<br />
jeden Tag aus der Speisekarte auswählen. Es hat<br />
meine Neugier gefördert, unbekannte Gerichte zu<br />
probieren. Aber ich koche kaum selbst – musste ich<br />
ja nie. Das sehe ich als Defizit. Ich kann zwar<br />
kochen, mache es aber nicht gern.<br />
Kochen und Kunst liegen aber nah beieinander.<br />
Der österreichische Künstler<br />
Peter Kubelka sagte: »Das Kochen ist<br />
nicht nur ein bildender Prozess wie andere<br />
Künste, sondern beides: unmittelbares Eingreifen<br />
in die Natur und künstlerisch bildender Prozess.«<br />
Kochen ist definitiv etwas sehr Kreatives. Deswegen<br />
denke ich, dass es mir gefallen könnte, würde ich mich<br />
darauf einlassen.<br />
Die Werbewelt<br />
verkauft uns das<br />
Bild, dass sich Frauen<br />
am liebsten von Salat<br />
ernähren und Männer von<br />
einem saftigen Stück Fleisch. Gibt es<br />
typisches Frauen- oder Männeressen?<br />
Ich tue mir etwas schwer mit geschlechterspezifischen<br />
Verhaltensmustern in der Kulinarik ...<br />
Ich habe ein so vielfältiges Umfeld, dass ich sowohl<br />
Männer als auch Frauen kenne, die sich gesund bzw.<br />
ungesund ernähren, »leichtes« oder »schweres«<br />
Essen bevor zugen. Da ich kein Fan von Schubladendenken<br />
bin, kann ich dieses Klischee nicht verstehen.<br />
Geht ein Paar in ein Restaurant essen,<br />
wird beinahe immer – ohne zu fragen<br />
– dem Mann der Wein zum Kosten<br />
eingeschenkt.<br />
Ich weiß nicht, ob es bei meinen<br />
Restaurant besuchen ausschließlich<br />
Männer waren, die zum Probieren aufgefordert<br />
wurden. Allerdings bin ich<br />
froh, wenn das jemand anderes macht.<br />
Denn ich kenne mich null aus.<br />
Fotos: Thomas Schauer, markus Morianz, Shutterstock<br />
146 spezial
von 10. Mai bis 16. Juli<br />
Weitere Informationen auf www.illy.com und in illypoint – Webgasse, 43 – 1060 Wien erhältlich.
BAR REFAELI<br />
by Chen Man<br />
T H E A R T O F F U S I O N<br />
Big Bang Turquoise Linen.<br />
Gehäuse, Zifferblatt und Armband aus<br />
100% natürlichen Leinenfasern gefertigt.<br />
Lünette besetzt mit 36 Topasen. Auf 200<br />
Exemplare limitierte Serie.