08.05.2017 Aufrufe

Wiener Festwochen

Verwandeln Sie Ihre PDFs in ePaper und steigern Sie Ihre Umsätze!

Nutzen Sie SEO-optimierte ePaper, starke Backlinks und multimediale Inhalte, um Ihre Produkte professionell zu präsentieren und Ihre Reichweite signifikant zu maximieren.

SPEZIAL<br />

GENIESSEN WEIN ESSEN REISEN<br />

S O N D E R A U S G A B E W I E N E R F E S T W O C H E N<br />

NEUES ENTDECKEN<br />

JUNGE WILDE<br />

KOCHKÜNSTLER<br />

VIELFALT LEBEN<br />

DIE GANZE WELT ZU<br />

GAST IN DER STADT<br />

FESTE FEIERN<br />

LOKALE RUND<br />

UM DIE BÜHNEN<br />

GUTES GENIESSEN<br />

LUSTMOMENTE<br />

VON PROMINENTEN<br />

ÖSTERREICHISCHE POST AG, GZ 02Z030053 M, FÜHRICHGASSE 8, 1010 WIEN<br />

<strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong><br />

DIE KULTUR IST KULINARISCH<br />

SONDERAUSGABE<br />

€ 8,50<br />

WWW.FALSTAFF.AT


AUCH ALS TOURING<br />

DER NEUE BMW 5er. DIE NEUE FÜHRUNGSKRAFT.<br />

Jetzt shazamen und die innovativen<br />

Features des neuen BMW 5er erleben.<br />

Weitere Informationen unter bmw.at/5er<br />

BMW 5er Touring: von 135 kW (184 PS) bis 340 kW (462 PS), Kraftstoffverbrauch gesamt<br />

von 4,3 bis 7,3 l / 100 km, CO 2<br />

-Emissionen von 114 bis 167 g CO 2<br />

/ km.


SOUVERÄN.<br />

Symbolfoto<br />

Freude am Fahren


ZUHÖREN - VERSTEHEN - UMSETZEN<br />

Euram Bank AG, Palais Esterházy, Wallnerstraße 4, 1010 Wien<br />

T: +43 1 512 38 80 0 / F: +43 1 512 38 80 888 / office@eurambank.com / www.eurambank.com


,<br />

HERAUSGEBERBRIEF<br />

EINE TR AUMSTADT<br />

UND IHR FESTIVAL<br />

LIEBE FEINSCHMECKERINNEN,<br />

LIEBE FEINSCHMECKER!<br />

Foto: Ingo Pertramer<br />

Wien rittert alljährlich um den obersten<br />

Stockerl-Platz der »lebenswertesten<br />

Stadt der Welt«. Harte Konkurrenten<br />

sind das herrliche Vancouver – die kanadische<br />

Metropole, umgeben von Skipisten, Wäldern mit<br />

Grizzlys und dem Meer, in dem sich die Orcas<br />

wohlfühlen. Oder Zürich, Geldstadt, aber auch<br />

sympathisches Zentrum für Design und kulinarisches<br />

Handwerk. Oder Sydney, weit weg, aber<br />

dafür wahnsinnig spannend, jung, offen und immer<br />

noch aufstrebend. Doch in den Rankings der<br />

letzten Jahre hatte Wien immer die Nase vorn. Wie<br />

großartig!<br />

Als Kärntner und Salzburgerin in Wien stellen<br />

wir immer wieder fest, wie gerne hier über alles<br />

Mögliche permanent geschimpft wird. Natürlich<br />

gibt es Migrationsprobleme, aber welche Großstadt<br />

in der Welt hat das nicht? Natürlich gibt es<br />

Verkehrsstaus – aber mal ehrlich, sind Sie schon<br />

mal in London, Paris oder Rom im Traffic-Jam<br />

gesteckt? Natürlich ärgert uns die Politik, manches<br />

Mal mehr, manches Mal weniger, aber ist das nicht<br />

völlig normal für ein Land, das versucht, möglichst<br />

demokratisch zu agieren?<br />

Sie merken schon: Wir lieben Wien und sehen die<br />

Dinge viel optimistischer als vielleicht viele andere.<br />

Denn Wien ist einfach schön, wird zunehmend<br />

jünger und bunter und – für uns von FALSTAFF<br />

nicht ganz unbedeutend – immer kulinarischer!<br />

In puncto Kulinarik ist uns im Wettbewerb um die<br />

lebenswerteste Stadt Sydney am nächsten. Zürich<br />

und Vancouver schaffen das nicht. In puncto<br />

Kultur, mit weit über 100 Theatern in allen<br />

Größenordnungen, zwei exzellenten Opern häusern<br />

und zwei sehr bedeutenden Konzertsälen, mit<br />

Musical- und Operettenbühnen, ist Wien einer der<br />

Weltmarkt-Führer. Und jetzt die WIENER FEST-<br />

WOCHEN: so multikulti, so kreativ und heuer –<br />

unter neuer Führung – so innovativ wie schon<br />

lange nicht. Natürlich sind Kunst und Kultur<br />

untrennbar auch mit dem kulinarischen Genuss<br />

verbunden. Denn das Kultur- und Genussleben ist<br />

ein Gesamtkunstwerk. So wie Wien auch!<br />

»Die WIENER FESTWOCHEN sind kulinarisch«<br />

ist das Motto dieser FALSTAFF-Sonderausgabe.<br />

Dankenswerterweise mit der Unterstützung<br />

der STADT WIEN und der WIRTSCHAFTSKAM-<br />

MER WIEN ist dieses – hoffentlich auch Ihnen –<br />

Lust machende Werk entstanden. Es ist ein Versuch,<br />

ein kleiner Wegweiser einerseits durch<br />

das Programm der WIENER FESTWOCHEN<br />

und andererseits durch das unglaublich vielfältige<br />

Angebot der Kulinarik zu sein. Wer auf ein Fest<br />

geht, will auch gut essen und trinken. Wer ins<br />

Theater geht, will sich vorher darauf einstimmen<br />

und nachher – bei einem guten Drink – das<br />

Erlebte nochmals Revue passieren lassen. Somit<br />

sind Kunst und Kultur und Kulinarik wie drei<br />

magische »Ks« untrennbar miteinander verbunden.<br />

Im positivsten Sinne!<br />

Wir wünschen Ihnen eine wunderschöne<br />

<strong>Festwochen</strong>-Zeit mit vielen kulturellen, aber<br />

auch kulinarischen Genüssen!<br />

Herzlichst,<br />

WOLFGANG M. ROSAM<br />

wolfgang.rosam@falstaff.at<br />

ANGELIKA ROSAM<br />

angelika.rosam@falstaff.at<br />

Wolfgang und Angelika Rosam<br />

Herausgeber Falstaff<br />

Die drei »Ks« –<br />

Kunst & Kultur<br />

& Kulinarik sind<br />

besonders in Wien<br />

untrennbar miteinander<br />

verbunden.<br />

Möge dieses Heft<br />

diese Verbindung<br />

noch sichtbarer<br />

machen!<br />

spezial<br />

7


Fridays7<br />

Saison 2017/18<br />

Wiens innovativstes Konzertformat<br />

5 Konzerte im Großen Saal mit anschließendem Get Together im<br />

entspannten Rahmen. Meisterwerke von Beethoven, Mendelssohn Bartholdy<br />

und Brahms treffen auf Jazz, Brass und <strong>Wiener</strong>lied.<br />

Abos bestellen unter: www.konzerthaus.at/ws<br />

Foto: Igor Ripak


VORWORTE<br />

ZUM GELEIT<br />

WERTES PUBLIKUM!<br />

Wien ist eine Stadt der Kultur und des<br />

Genusses – zwei wesentliche Faktoren,<br />

die dazu beigetragen haben, Wien<br />

auch 2017 wieder zur lebenswertesten Stadt der<br />

Welt zu machen. Was liegt daher näher, als Kulturgenuss<br />

mit Essensgenuss zu verbinden. Ich freue<br />

mich, dass anlässlich der <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong><br />

2017 Falstaff diese Verbindung mit einem eigenen<br />

Magazin manifestiert, das sich dem abwechslungsreichen<br />

Programm der <strong>Festwochen</strong> kulinarisch<br />

nähert. So gibt es Themenschwerpunkte, die von<br />

heimischen Spitzenköchen initiierte Trends mit<br />

<strong>Festwochen</strong>projekten verschränken oder die Flüchtlingsproblematik,<br />

die beim Musical »Traiskirchen«<br />

thematisiert wird, sogar kulinarisch aufbereiten,<br />

indem ein in Wien lebender syrischer Koch über<br />

die Küche seiner Heimat spricht. Jedenfalls kann<br />

Kochen, im Anklang zur <strong>Festwochen</strong>-Produktion<br />

»Obsession«, zur Leidenschaft werden. Kulinarische<br />

Geheimtipps rund um die Spielstätten runden die<br />

Informationen zu den heuer besonders extravaganten<br />

<strong>Festwochen</strong>-Produktionen ab.<br />

Ich wünsche den Besucherinnen und Besuchern<br />

der <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong> 2017 und den Leserinnen<br />

und Lesern des Falstaff-<strong>Festwochen</strong>-Magazins<br />

viel Freude beim kulturellen und kulinarischen<br />

Genießen!<br />

DR. MICHAEL HÄUPL<br />

Bürgermeister der Bundeshauptstadt Wien<br />

Dr. Michael Häupl<br />

Bürgermeister der<br />

Bundeshauptstadt Wien<br />

TRADITION VERPFLICHTET<br />

Fotos: beigestellt<br />

DI Walter Ruck<br />

Präsident der Wirtschaftskammer<br />

Wien hat schon früh in der Geschichte<br />

seine Verantwortung in Sachen Kultur<br />

und Pflege der Traditionen wahrgenommen<br />

– und das ist gut so. Die <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong><br />

haben dies nach der kriegsbedingten Pause auf eine<br />

Art wiederbelebt, die einer Stadt, die derart historisch<br />

gewachsen ist, nur guttun kann. Die <strong>Festwochen</strong><br />

sind ein Fixpunkt im Kalender jedes kulturell<br />

interessierten Menschen, egal ob national oder<br />

international. Somit nimmt Wien auch heute wieder<br />

jene Rolle ein, die es schon einst innehatte, und zeigt<br />

als im Herzen Europas liegende Stadt jenen Wert,<br />

den Kunst und Kultur für eine Metropole, aber auch<br />

für einen Kontinent haben. Diese Dinge dürfen nie<br />

in Vergessenheit geraten – egal wie schnelllebig und<br />

dynamisch die Zeiten auch sein mögen. Wenn wir<br />

eines in der Geschichte gelernt haben, dann die Tatsache,<br />

dass das Schöne immer eine Chance darstellt<br />

und unserer Gesellschaft die Möglichkeit der Entschleunigung<br />

bietet – das müssen wir annehmen,<br />

egal ob in Politik oder Wirtschaft.<br />

Ihr Walter Ruck<br />

DI WALTER RUCK<br />

Präsident der Wirtschaftskammer Wien<br />

spezial<br />

9


Früher war alles besser.<br />

Heute auch.<br />

Im Stil von heute. 124 Spider. LEASING AB ¢ 124,-/MONAT *<br />

Nach 50 Jahren ist der kultige 124 Spider wieder auf den Straßen unterwegs. Italienisches Design und unverwechselbare<br />

Eleganz treffen auf Tradition und Innovation: eine wahre moderne Schönheit, die an glorreiche Zeiten erinnert und das<br />

Lebensgefühl der 60er wieder aufleben lässt.<br />

Gesamtverbrauch 6,4 l (6,6 l°) /100 km, CO2-Emissionen 148 g (153 g°) /km<br />

Symbolfotos. °Automatik-Version. * Fiat 124 Spider 1.4 Turbo-MultiAir 140: Listenpreis € 28.900,-; Barzahlungspreis (BZPreis) € 26.300,-; Rate mtl. € 124,-; Anzahlung € 7.890,-;<br />

Restwert € 14.711,-; Gesamtkreditbetrag € 26.300,-; Gebühren inkl. staatl. Vertragsgebühr € 720,-; Sollzinssatz fi x 2,72 %; eff. Jahreszins 4,03 %; Gesamtbetrag € 28.853,-;<br />

Laufzeit 48 Monate, Fahrleistung pro Jahr 10.000 km. Angebot der FCA Leasing GmbH. Voraussetzung: Bankübliche Bonitätskriterien, Wohnsitz/Beschäftigung in Österreich.<br />

BZPreis, Anzahlung, Rate und Restwert in EUR inkl. MWSt. u. Nova. ** Jeder neue Fiat PKW ist serienmäßig mit 4 Jahren Fiat Garantie (2 Jahre<br />

Neuwagengarantie ohne Kilometerbeschränkung und 2 Jahre Funktionsgarantie „Maximum Care“ bis 60.000 km Gesamtlaufl eistung) ausgestattet.<br />

Details auf www.fi at.at. Stand 04/2017.<br />

fiat.at


EDITORIAL<br />

»... DENKEN NUR ANS<br />

VERGNÜGEN«<br />

LIEBE LESERINNEN, LIEBE LESER!<br />

Es klingt, als ob sie in der <strong>Wiener</strong> Seele ein Bad<br />

genommen hätte: »Niemand ist so versessen<br />

auf Gesellschaften wie die Bewohner Wiens.<br />

Morgens, mittags und abends denken sie nur ans<br />

Vergnügen und an Feiertage, an Musik und Tanz.<br />

Außerdem essen sie für ihr Leben gern gute Sachen«,<br />

schrieb die englische Autorin Favell Lee Mortimer in<br />

ihrem Reiseführer »The Countries of Europe Described«.<br />

Dabei kam die exzentrische, oft missmutige<br />

Lady, die sich im 19. Jahrhundert als Bestsellerautorin<br />

von Kinderbüchern einen Namen machte, nie<br />

über Großbritannien hinaus – bis auf zwei Mal, als<br />

sie nämlich Brüssel und Paris bereiste. Ihre angelesene<br />

Weltsicht war dennoch bemerkenswert. Mrs.<br />

Mortimers Beschreibung von Wien liest sich wie die<br />

Begegnung mit einer guten, alten Bekannten. Stellt<br />

man sie in Bezug zu den <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong>, denkt<br />

man sich: Ja genau, so ist es, soll es sein – Musik und<br />

Tanz und Vergnügen und gutes Essen obendrein!<br />

Als »Fest für die Stadt«, ein »groß angelegtes geistiges<br />

wie sinnliches Experiment«, hat Tomas Zierhofer-Kin,<br />

neuer Intendant der <strong>Wiener</strong> Fest wochen, das<br />

diesjährige Kulturprogramm angelegt (siehe Kommentar<br />

Seite 137). Und genau bei den Stichworten<br />

»Fest«, »sinnlich« und »Experiment« hakt sich dieses<br />

Special des Falstaff nun ein.<br />

Künstlerinnen und Künstler, die heuer aus mehr<br />

als 20 Ländern stammen, erzählen der Kulturjournalistin<br />

Karin Cerny über die Raffinessen der<br />

Küchen ihrer Heimat (Seite 84). Joachim Riedl,<br />

Österreich-Chef der Wochenzeitung »Die Zeit«, widmet<br />

sich der Frage – schön illustriert mit<br />

prominenten Beispielen –, ob Kunst vielleicht<br />

gar von Kochen kommt (Seite 32)? Und »Parsifal«-<br />

Regisseur Jonathan Meese hat extra für Falstaff ein<br />

kosmopolitisches Menü komponiert (ab Seite 44).<br />

Allein seine Erklärungen zu den von ihm<br />

ausgewählten Speisen und das Gespräch mit ihm im<br />

Anschluss lesen sich wie ein Kulturmanifest.<br />

Im starken Service-Teil ist uns nichts fremd, was<br />

den heurigen <strong>Festwochen</strong> vertraut ist: amerika ni sche,<br />

syrische, multikulturelle Einflüsse, <strong>Wiener</strong><br />

Klassik dekonstruiert und önologische Kunstwerke –<br />

dort auf der Bühne (für die das Weingut Mayer am<br />

Pfarrplatz sogar einen eigenen »Meeswein« cuvetiert<br />

hat), hier bei Tisch. Außerdem versorgt Falstaff Sie<br />

das ganze Heft hindurch mit Ausgehtipps zu den<br />

jeweiligen Spielorten.<br />

Feiern Sie! Tanzen Sie! Essen Sie! Kommen Sie heuer<br />

und immer wieder – zu den <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong> und<br />

auf Falstaff zurück. Viel Vergnügen bei Kultur und<br />

Kulinarik, wünschen Ihnen<br />

MICHAELA ERNST<br />

michaela.ernst@falstaff.at<br />

HERBERT HACKER<br />

herbert.hacker@falstaff.at<br />

Michaela Ernst,<br />

Chefredakteurin Falstaff<br />

Herbert Hacker,<br />

Chefredakteur Falstaff<br />

Fotos: Rene Prohaska, Peter M. Mayr<br />

IMPRESSUM Die in dieser Ausgabe veröffentlichten Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Übersetzung, Nachdruck, Vervielfältigung und Speicherung in Datenverarbeitungsanlagen nur mit<br />

ausdrücklicher Genehmigung des Verlags. Zitate aus Beiträgen dieser Ausgabe sind ausschließlich mit Angabe der Quelle gestattet. MEDIENINHABER Falstaff Verlags-GmbH, Führichgasse 8,<br />

1010 Wien, T: +43 1 9042141, www.falstaff.at, redaktion@falstaff.at. HERAUSGEBER Wolfgang M. Rosam, Angelika Rosam GESCHÄFTSFÜHRUNG Mag. Elisabeth Kamper, Wolfgang M. Rosam,<br />

Mag. Michaela Cholewa ANZEIGEN Mag. Michaela Cholewa (Anzeigenleitung), Christiane Ceccarelli, Mag. Stephanie Zsifkovits (Anzeigenkoordination), anzeigen@falstaff.at CHEFREDAKTION<br />

Michaela Ernst, MBA, Herbert Hacker, Wolfgang M. Rosam CHEFS VOM DIENST Mag. Manfred Gram, Mag. Julia Staller, Waltraud Windig (stv. CvD) ART DIRECTOR Klaus Rauch<br />

PHOTO DIRECTOR Mag. Florence Wibowo ART DIRECTOR MARKETING & SALES Bernhard Halbritter PRODUKTION/LITHO Konstantin Riemerschmid MITARBEITER DIESER AUSGABE<br />

Verena Bierling, Karin Cerny, Alex. Hesse, Judith E. Innerhofer, Manfred Klimek, Salomea Krobath, Tobias Müller, Joachim Riedl LEKTORAT Mag. Sandra Bak, Metka Wakounig VERTRIEB &<br />

ABOMARKETING & LESERSERVICE Birgit Niedl (Ltg. Aboservice), DW 419, abo@falstaff.at HERSTELLER Leykam Druck GmbH & Co KG, 7201 Neudörfl an der Leitha<br />

spezial<br />

falstaff<br />

11


SONDERAUSGABE<br />

44<br />

Künstler Jonathan<br />

Meese hat für<br />

Falstaff ein<br />

<strong>Festwochen</strong>-<br />

Menü kreiert.<br />

3 2<br />

Von Eat Art bis Molekularküche:<br />

Jeff Koons & Co.<br />

erklären Essen zur Kunst.<br />

16<br />

Junge Kochkünstler<br />

erfinden die <strong>Wiener</strong><br />

Küche neu.<br />

NEUES<br />

ENTDECKEN<br />

16 WIENER KÜCHE RELOADED<br />

Eine junge Generation gibt der<br />

<strong>Wiener</strong> Küche einen neuen Biss<br />

22 DIE FILTER-KÜNSTLER<br />

Wie die Third-Wave-Bewegung<br />

die Kaffeehaustradition auf den<br />

Kopf stellt<br />

28 »LEUTE, REDET MITEINANDER!«<br />

Zwei Gastro-Experten der Wirtschaftskammer<br />

über die Zukunft der Branche<br />

32 KOMMT KUNST VON KOCHEN?<br />

Wie Essen zum Kunstwerk wird<br />

44 MEESES MENÜ<br />

Das <strong>Festwochen</strong>-Dinner von Jonathan<br />

Meese und drei <strong>Wiener</strong> Köchen<br />

54 GRÄTZELTIPPS: MARIAHILF<br />

Die besten Adressen rund ums<br />

Theater an der Wien<br />

58 DIE REBSTOCK-REBELLEN<br />

Von schrägen Individualisten und<br />

Weinen der ganz anderen Art<br />

64<br />

GRÄTZELTIPPS: INNERE STADT<br />

Tipps für einen entspannten Abend vor<br />

und nach einem Filmmuseum-Besuch<br />

5 8<br />

Wilde Weine von Andreas<br />

Tscheppe und anderen<br />

»Rebstock-Rebellen«.<br />

ÖSTERREICHISCHE POST AG, GZ 02Z030053 M, FÜHRICHGASSE 8, 1010 WIEN<br />

SPEZIAL<br />

S O N D E R A U S G A B E W I E N E R F E S T W O C H E N<br />

NEUES ENTDECKEN<br />

JUNGE WILDE<br />

KOCHKÜNSTLER<br />

VIELFALT LEBEN<br />

DIE GANZE WELT ZU<br />

GAST IN DER STADT<br />

FESTE FEIERN<br />

LOKALE RUND<br />

UM DIE BÜHNEN<br />

GUTES GENIESSEN<br />

LUSTMOMENTE<br />

VON PROMINENTEN<br />

<strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong><br />

DIE KULTUR IST KULINARISCH<br />

€ 8,50<br />

COVER<br />

FOTO: STOCKSY<br />

GENIESSEN WEIN ESSEN REISEN<br />

WWW.FALSTAFF.AT<br />

Fotos: Jan Bauer.Net/ Courtesy Jonathan Meese.com, Michaela Ernst, Jan Lackner, Getty Images, Gina Mueller, Shutterstock, beigestellt<br />

12 falstaff spezial


festwochen<br />

70<br />

Wie der Burger zur<br />

Pop-Ikone wurde.<br />

DIE WELT SCHMECKEN<br />

70 BURGERMEISTER<br />

Wie der Burger die Welt eroberte –<br />

und die besten Lokale in Wien<br />

78 DIE KÜCHE SYRIENS<br />

Ein nach Wien geflüchteter Koch erinnert<br />

sich, wie es vor dem Krieg war<br />

84 WURZELWERK<br />

Die <strong>Festwochen</strong>-Künstler über<br />

die Küche ihrer Kindheit<br />

90 FREUNDERLWIRTSCHAFT<br />

Kulinarische Projekte mit Flüchtlingen<br />

96 WIEN ISST MULTIKULTI<br />

Ein Loblied auf die Fusionsküche<br />

102 GRÄTZELTIPPS: FAVORITEN<br />

Ein kulinarischer Streifzug rund um<br />

das Festivalzentrum »Performeum«<br />

FESTE FEIERN<br />

108 IM KULINARISCHEN INTERVIEW<br />

Michael Häupl und Wirtschaftskammer-Wien-Präsident<br />

Walter Ruck<br />

112 DIE ALCHEMIE DER LUST<br />

Liebe geht durch den Magen: über<br />

den Mythos des Aphrodisiakums<br />

118 GRÄTZELTIPPS: NEUBAU<br />

Best of Cafés, Restaurants und Bars<br />

rund ums Museumsquartier<br />

122 LUST UND LASTER<br />

Acht Prominente über die kulinarischen<br />

Höhepunkte ihres Lebens<br />

130 GRÄTZELTIPPS: WIEDEN<br />

Tipps rund ums Theater Akzent für<br />

»Davor«, »Dinner« und »Drinks«<br />

KULTUR GENIESSEN<br />

136 ÜBERS FESTEFEIERN<br />

Essays von Kulturstadtrat Andreas<br />

Mailath-Pokorny und <strong>Festwochen</strong>-<br />

Intendant Tomas Zierhofer-Kin<br />

138 DIE FESTWOCHEN-HIGHLIGHTS<br />

Die Höhepunkte aus dem Programm<br />

7 HERAUSGEBERBRIEF<br />

9 VORWORTE<br />

11 EDITORIAL<br />

11 IMPRESSUM<br />

146 TISCHGESPRÄCH<br />

7 8<br />

Jwan Joo Daod stellt<br />

die bunte Küche seiner<br />

Heimat Syrien vor.<br />

122<br />

Die Genuss-<br />

Vorlieben von<br />

Jude Law und<br />

anderen Promis.<br />

112<br />

Bei den <strong>Festwochen</strong><br />

geht es um große<br />

Gefühle – können<br />

diese auch Lebensmittel<br />

auslösen?<br />

spezial<br />

falstaff<br />

13


NEUES<br />

ENTDECKEN<br />

Das »Alinea« in Chicago ist<br />

für seine kreativen Gerichte,<br />

die kleinen Kunstwerken<br />

gleichen, berühmt.


Grenzen durchbrechen und sie neu setzen – die <strong>Wiener</strong><br />

<strong>Festwochen</strong> regen mit ihrem Programm genau dazu an.<br />

Auch die Köche und Gastronomen der <strong>Wiener</strong> Kulinarik-<br />

Szene scheuen sich nicht davor, sich immer wieder neu<br />

zu erfinden. Und beweisen, dass Kunst und Kulinarik ein<br />

unzertrennliches Paar sind.<br />

Foto: CHristian Seel<br />

spezial<br />

15


festwochen<br />

/ NEUES ENTDECKEN<br />

EIN FISCH<br />

NAMENS<br />

BEUSCHEL<br />

Die <strong>Wiener</strong> Küche ist ein geniales und grandioses<br />

Sammel surium verschiedenster Lokalküchen<br />

der Donaumonarchie. Eine junge<br />

Generation von Gastronomen erkennt sie als<br />

Basis und verleiht ihr neuen Biss.<br />

TEXT MANFRED KLIMEK<br />

Foto: Hilton Wien<br />

16 spezial


<strong>Festwochen</strong>thema:<br />

Tradition<br />

Rituale sind Teil unserer Kultur<br />

und geben Struktur – sei es im<br />

Alltag oder in der Kunst. Ihr<br />

Wert und ihre Kraft sind<br />

wiederkehrende Themen<br />

der <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong>.<br />

Mehr dazu ab S. 138.<br />

Stars wie Sammy Davis Junior<br />

waren in den 1970ern<br />

von Werner Matts Neuer<br />

<strong>Wiener</strong> Küche begeistert.<br />

spezial<br />

17


festwochen<br />

/ NEUES ENTDECKEN<br />

Ewald Plachutta erfand die<br />

<strong>Wiener</strong> Rindfleischküche neu.<br />

Fotos: Konrad Limbeck, Gerhard Walter, beigestellt<br />

18 spezial


Die <strong>Wiener</strong> Küche? Die lief in<br />

Wien immer so nebenher mit;<br />

selbst damals, als die französische<br />

Küche als das Nonplusultra<br />

galt. In der <strong>Wiener</strong><br />

Küche leben die Rezepte jener<br />

Länder weiter, die einst von Habsburg verwaltet<br />

wurden – fast so, als hätte es 1918 keine<br />

Zerschlagung des Vielvölkerstaats gegeben.<br />

Dieses bunte Erbe unverfälschter ungarischer,<br />

böhmischer, mährischer, slowakischer, schlesischer,<br />

galizischer, venezianischer, trentinischer,<br />

lombardischer und istrischer Küche (und<br />

damit sind längst nicht alle aufgezählt) hat den<br />

<strong>Wiener</strong>n immer einen an Vielfalt interessierten<br />

Gaumen bewahrt.<br />

Doch aus der selbstverständlichen Zusammenfassung<br />

verschiedenster Regionalküchen<br />

der Kronländer und Provinzen wurde in den<br />

letzten vier Jahrzehnten etwas Eigenes, das<br />

Erinnerung, Reflexion und Übertritt in die<br />

kulinarische Moderne verkörpert. Seither wird<br />

die europäischste aller Multikulti-Küchen<br />

immer wieder auf Neue zugespitzt, zerlegt und<br />

frisch zusammengestellt. Kaum ein Jungstar in<br />

dieser Stadt, der sich nicht an ihr abarbeiten<br />

würde und mit zeitgemäßen Interpretationen<br />

überrascht; kaum ein Altmaestro, der sie in<br />

seinen Kompositionen nicht immer wieder<br />

liebevoll durchklingen lassen würde, fast wie<br />

um zu beweisen, wie sehr sie an ihm und er an<br />

ihr gewachsen ist – diese <strong>Wiener</strong> Küche.<br />

WIENER KLASSIK DEKONSTRUIERT<br />

Für die Initialzündung in die Moderne sind drei<br />

Köche verantwortlich: Werner Matt, Reinhard<br />

Gerer und Ewald Plachutta. Der Tiroler Werner<br />

Matt kochte ab 1975 in der »Rotisserie Prinz<br />

Eugen« des damals neu erbauten <strong>Wiener</strong> »Hilton<br />

Hotels« auf und rief dort die »Neue <strong>Wiener</strong><br />

Küche« aus. Matts bester Schüler war Reinhard<br />

Gerer, der im Restaurant »Korso« der erste<br />

richtige <strong>Wiener</strong> Kochstar wurde. In der kleinen<br />

Bar des »Korso« im »Hotel Bristol« am Ring<br />

servierte er auserlesenen Gästen seine neuen<br />

Kreationen zum Ausprobieren, etwa Provokationen<br />

wie eine Interpretation des Rollmopses,<br />

den Gerer mitunter auf Basis von Wildlachs<br />

und auch in einer verschärften Version als<br />

Teufelsroller in die Bar tragen ließ. Danach gab<br />

es ein grandioses Beuschel, das klassischste und<br />

polarisierendste aller <strong>Wiener</strong> Innereiengerichte.<br />

Ewald Plachutta kochte zu dieser Zeit im<br />

altehrwürdigen Restaurant »Zu den drei<br />

Husaren« in der <strong>Wiener</strong> Innenstadt. Das war<br />

ihm auf die Dauer zu wenig und zu wenig<br />

<strong>Wiener</strong>isch, und so entwickelte er Mitte der<br />

1980er-Jahre aus der altehrwürdigen, aber<br />

vergessenen <strong>Wiener</strong> Rindfleischküche ein<br />

modernes Restaurantkonzept, das bis heute vor<br />

allem Touristen in diesen Teil der traditionellen<br />

<strong>Wiener</strong> Gastronomie einweiht.<br />

In den 1990ern wurde es etwas stiller um die<br />

<strong>Wiener</strong> Küche. Und das, obwohl lokale Küchen<br />

überall in Europa eine unerwartete Auferstehung<br />

feierten – etwa in Paris, wo neue, schlichte<br />

Bistros mit modern interpretierter, einfacher<br />

Küche die Drei-Sterne-Restaurants in Sachen<br />

Besucherzahlen und Medienaufmerksamkeit in<br />

den Schatten stellten.<br />

In Wien – sofern man diese Städte überhaupt<br />

vergleichen kann – heißt so ein Bistro dann<br />

»Gmoakeller«, was übersetzt Gemeindekeller<br />

heißt und andeutet, dass in diesem Gewölbe<br />

einst vornehmlich Beamte ihre Zeit totschlugen.<br />

Bis 1999 war das Lokal am Heumarkt eher ein<br />

Kuriosum, das zwei alte Schwestern leiteten, die<br />

nicht gerade für ihre Freundlichkeit bekannt<br />

waren. 2000 hat Sebastian Laskowsky den<br />

»Gmoakeller« übernommen und macht eigentlich<br />

nichts anderes als alle Vorbesitzer: Er serviert<br />

typische <strong>Wiener</strong> Küche – nur feiner. Auch<br />

gibt es Kleinigkeiten wie Gulasch und Würstel<br />

und eine ordentlich bestückte Weinkarte. Falls<br />

jemand einmal Lust auf einen Pomerol hat,<br />

kann er diesen im »Gmoakeller« zu gebackener<br />

Leber genießen. Und weil die Kirche immer<br />

noch in der Stadt steht und was zu sagen hat,<br />

gibt es hier freitagmittags Fisch als Hauptgang<br />

des täglichen Menüs. Vergelt’s Gott.<br />

Ein etwas anderes Kaliber ist das »Gasthaus<br />

Wolf« in der Großen Neugasse in Wieden.<br />

Hier steht Jürgen Wolf in der Küche, der schon<br />

in einigen <strong>Wiener</strong> Lokalen gekocht hat, sich<br />

über die Jahre einen Namen machte und seine<br />

Stammkunden in jedes Lokal nachholt. Das<br />

»Gasthaus Wolf« ist nun Endstation für ihn,<br />

da ist er Häuptling am eigenen Herd. In dem<br />

alten Wirtshaus wurde nach der Übernahme<br />

das Notwendigste renoviert. Wolf lässt seine<br />

Kellner Speisen an die Tische bringen, die<br />

I<br />

n Paris entstehen neue,<br />

schlichte Bistros mit<br />

moderner Küche. In Wien<br />

heißt das dann »Gmoakeller«. ><br />

Der »Gmoakeller« huldigt<br />

der städtischen Beisl-Kultur.<br />

Sebastian Laskowsky<br />

serviert im »Gmoakeller«<br />

eine moderne <strong>Wiener</strong> Küche.<br />

spezial<br />

19


festwochen<br />

/ NEUES ENTDECKEN<br />

><br />

sich an Rezepten aus der tradierten <strong>Wiener</strong><br />

Bürgerküche der späten Habsburgermonarchie<br />

orientieren, etwa das Kalbsherzragout mit<br />

Portwein-Senfsauce und Schupfnudeln. Oder<br />

ein gebackener Karfiol mit Petersilienerdäpfeln<br />

und Sauce Tartare. Leber und Nieren (gebacken<br />

und geröstet) gibt es freilich auch, die<br />

– wie überall in Wien – auch hier mit einem<br />

Erdäpfel-Vogerl-Salat verheiratet werden. Bei<br />

den Nachspeisen wagt Wolf öfter mal einen<br />

Blick über den Stadtrand und verliert sich im<br />

Internationalen. Doch die Topfenknödel (meist<br />

geordert) holen ihn zurück in die Stadt und<br />

deren Küche.<br />

Die »Drei Hacken« hat es immer schon<br />

gegeben – so kommt es einem jedenfalls vor.<br />

Gemeinsam mit dem »Gasthaus Pfudl« stehen<br />

sie außerhalb der Zeit – eigentlich darf sich<br />

hier nichts ändern. Doch Josefine Zawadil, Besitzerin<br />

der »Drei Hacken«, war das zu wenig.<br />

Sie zimmerte ihrem Nachwuchs eine moderne<br />

Interpretation des <strong>Wiener</strong> Beisls in Rufweite des<br />

Stammlokals. Das »3 Hacken Magazin« hat<br />

eine der wienerischsten Speisekarten, die man<br />

finden kann – inklusive einer Portion Kalbshirn.<br />

Der eigentliche Sinn des Magazins ist<br />

aber, Weinenthusiasten zur klassischen <strong>Wiener</strong><br />

Küche zu bringen – die Weinkarte ist ein Band<br />

und spricht Bände.<br />

In der Ungargasse im dritten Bezirk steht<br />

Franz Seidl von Montag bis Freitag in seinem<br />

»Gasthaus Seidl«. Ein Wirt, wie man ihn sich<br />

vorstellt: immer ein bisschen leidend, aber<br />

Jürgen Wolf entstaubt in<br />

seinem Gasthaus das<br />

Image der <strong>Wiener</strong> Küche.<br />

S<br />

tädtische Schnecken und<br />

weiße Nierndln vom Biorind:<br />

Das »Gasthaus Stern«<br />

ist kompromisslos regional.<br />

Innereienküche reloaded<br />

bietet das »Gasthaus<br />

Stern« in Simmering.<br />

stets freundlich. Seidl wurde, als er das Lokal<br />

übernahm, auch Weinwirt des Jahres; die Auszeichnung<br />

springt einem schon beim Eingang<br />

ins Auge – trocken bleibt hier nur der Veltliner.<br />

Der Patron hat vor wenigen Monaten Philipp<br />

Barosch in die Küche geholt, einen in der<br />

Spitzengastronomie erfahrenen Küchenchef, der<br />

hier endlich kochen darf, was er immer schon<br />

wollte: <strong>Wiener</strong> Küche ohne Wenn und Aber.<br />

Der Zwiebelrostbraten ist auf dem Punkt, das<br />

Paprikahendl eher auf der scharfen Seite, die<br />

Schinkenrolle so, wie man sie aus den<br />

Wirtschaftswunderzeiten des Schlagerstars<br />

Peter Alexander vermutet. Nur frischer.<br />

Dekonstruktion pur: das Dessert von Manner-<br />

Schnitten, die hier in einen »Bruch« verwandelt<br />

werden. Klassischer Abschluss: Marillenpalatschinken,<br />

Malakoffnockerln und ein »Willi«<br />

von Gölles.<br />

Weit draußen in Simmering, fast schon beim<br />

Zentralfriedhof, hat Christian Werner vor einigen<br />

Jahren sein »Gasthaus Stern« aufgesperrt.<br />

Und weil Simmering ein bisschen im Abseits<br />

liegt, treffen sich hier die Leute der Umgebung<br />

und das Management der ansässigen Industrie.<br />

Ohne Tischreservierung geht gar nichts. In der<br />

Speisekarte mit dem wohl größten Innereien-<br />

Angebot Wiens finden sich neben den Klassikern<br />

auch städtische Schnecken – freilich vom<br />

Züchter Gugumuck – und weiße Nierndln vom<br />

Biorind mit Zwiebel und Apfel. Dann noch<br />

Fotos: Harald Artner, Jürgen Hammerschmid, beigestellt<br />

20 spezial


Lernten sich im »Kussmaul«<br />

kennen und gründeten »Ludwig<br />

Van«: Walter Leidenfrost und<br />

Julia Pimingstorfer.<br />

Beinfleisch, das längst vergessene Budapester<br />

Schnitzel, gefüllt mit Speck und Zwiebel, und<br />

die beste Cremeschnitte Wiens.<br />

Die Küche dieser Lokale ist freilich keine<br />

Dekonstruktion im klassischen Sinne. Denn<br />

die tun die <strong>Wiener</strong> Gastronomen ihren Gästen<br />

nicht in jener Dramatik an, zu der etwa die<br />

Pariser fähig sind. Wirklich dekonstruktiv<br />

bleibt nur ein Lokal, das sich auch alten Rezepten<br />

der <strong>Wiener</strong> Küche annimmt: das »Ludwig<br />

Van« in der Laimgrubengasse im sechsten<br />

Bezirk. Hier kochen Walter Leidenfrost und Julia<br />

Pimingstorfer – beide ehemalige Köche des<br />

vom Spittelberg abgewanderten, spektakulären<br />

Restaurants »Kussmaul«. Die Speisen sind so<br />

notiert, wie es heute gerne zur Sache geht, also<br />

Hauptzutat und Beilagen ohne sprachliche<br />

Schnörkel. Heißt: Herz, Jungzwiebel, Erbse,<br />

Sesam. Oder: Forelle, Käferbohne, Schwarzer<br />

Rettich, Kürbiskernöl. Und bei Milchschokolade<br />

steht: Milch, Schokolade. Das mag manchen<br />

abgehoben erscheinen, doch das Essen<br />

hier hat den mutigsten und experimentellsten<br />

Zugang zur <strong>Wiener</strong> Küche. Daraus entsteht<br />

wieder Neues, das wieder mit Wien zu tun hat.<br />

Aber dem Tradierten entkommt. Vielleicht zum<br />

ersten Mal überhaupt.<br />

><br />

Die Küche der neuen <strong>Wiener</strong> Lokale ist freilich keine<br />

Dekonstruktion im klassischen Sinne. Denn die tun die<br />

<strong>Wiener</strong> Gastronomen ihren Gästen nicht in jener Dramatik<br />

an, zu der etwa die Pariser fähig sind.<br />

Frische Kreation mit<br />

Mangalitzaschwein im<br />

»Ludwig Van«.<br />

><br />

spezial<br />

21


festwochen<br />

/ NEUES ENTDECKEN<br />

DIE Kaffeehäferl.<br />

Die »Third Wave of Coffee« hat die traditionsreiche<br />

<strong>Wiener</strong> Kaffeehausszene auf den Kopf gestellt. Die<br />

Bewegung strebt nach der absoluten Perfektion im<br />

Kaffeehäferl. TEXT JULIA STALLER<br />

FILTER-<br />

KUNSTLER<br />

Fotos: Foto: Shutterstock<br />

Nicky Webb, Shutterstock, Faruk Pinjo<br />

22<br />

spezial


Die Barista der »Third<br />

Wave« zelebrieren lustvoll<br />

den Filterkaffee.<br />

spezial<br />

23


festwochen / NEUES ENTDECKEN<br />

Das »Balthasar« ist ein<br />

typischer Vertreter der<br />

Third-Wave-Bewegung.<br />

Genau 27 Jahre lang stand<br />

Otto Bayer hinterm Herd,<br />

bevor er den Kochlöffel an<br />

den Nagel hängte und anfing,<br />

an der perfekten Kaffeezubereitung<br />

zu tüfteln. Jetzt steht<br />

er hinter der Theke seines Lokals »Balthasar«<br />

in Wien-Leopoldstadt und schwärmt von der<br />

Komplexität dieses Produkts.<br />

»Wer das erste Mal in seinem Leben qualitativ<br />

hochwertigen Kaffee schmeckt«, ist<br />

Otto Bayer überzeugt, »erkennt sofort den<br />

Unterschied und will nichts anderes mehr<br />

trinken.« Immerhin zählt eine Kaffeebohne<br />

800 Aromen, während es zum Beispiel bei<br />

Wein »bloß« 600 sind. Sie kann je nach<br />

Zubereitung nussig oder holzig schmecken,<br />

nach Schokolade oder Zitrus, rauchig oder<br />

floral. Diese Vielfalt unter die Leute zu bringen<br />

ist das Ziel der Third-Wave-Bewegung.<br />

Dabei setzen ihre Vertreter vor allem auf<br />

helle Röstungen, die die fein-säuerliche<br />

Frucht des Kaffees zur Geltung bringen, und<br />

experimentieren wie in einem Labor mit den<br />

verschiedensten Filtermethoden, um das<br />

Optimum an Geschmack aus den Bohnen zu<br />

gewinnen.<br />

24 spezial<br />

Seit 2014 röstet Niko Hartmann<br />

in seiner Mikrorösterei in<br />

St. Pölten Kaffeespezialitäten.<br />

Fotos: Nicky Webb, Faruk Pinjo, beigestellt


Die »Süssmund Kaffeebar«<br />

bringt die Vielfalt<br />

des Kaffees näher.<br />

Früher lehrte Nikolaus<br />

Hartmann Architektur an<br />

der Uni, heute steht er in seiner<br />

Kaffeebar und schwärmt<br />

von der Vielfalt des Kaffees,<br />

die 800 Aromen umfasst.<br />

Nikolaus Hartmann<br />

ist mehrfacher Filterkaffee-Staatsmeister.<br />

Während der Coffee-to-go-Trend in den<br />

1990er-Jahren als die »Second Wave« bekannt<br />

war, schwört die dritte Welle auf bewussten<br />

Genuss, Bio-Bohnen und direkten Handel.<br />

Auch in Wien ist die »Third Wave« längst<br />

angekommen. Vor gut sechs Jahren galten die<br />

Besitzer der ersten Läden – wie Georg Branny<br />

von »CaffèCouture«, Tobias Radinger von der<br />

»Kaffeefabrik« oder Evelyn Priesch und Werner<br />

Savernik von den »CoffeePirates« – als<br />

charmante Nerds, die für Aufruhr in der traditionsbewussten<br />

<strong>Wiener</strong> Kaffeehauslandschaft<br />

sorgten. Heute zählen sie zu den Pionieren der<br />

Qualitätsoffensive im Kaffeehäferl. Alleine in<br />

Wien gibt es etwa zwanzig Betriebe, die der<br />

»Third Wave« zugerechnet werden können –<br />

und die Szene wächst immer weiter.<br />

»Wer das erste Mal einen<br />

hochwertigen Kaffee trinkt,<br />

erkennt sofort den Unterschied<br />

zu Industriekaffee.«<br />

OTTO BAYER »Balthasar«, Wien<br />

BOHNEN-FEST<br />

Nikolaus Hartmann ist einer dieser Neuzugänge.<br />

Er hat letztes Jahr seine »Süssmund<br />

Kaffeebar« in der Wipplingerstraße eröffnet.<br />

Früher lehrte er an der Uni Architektur, heute<br />

weiß er Gäste mit seiner Leidenschaft für<br />

Kaffee zu begeistern. Entscheidend für die<br />

Qualität, erzählt Hartmann, ist wie beim<br />

Wein bereits der Ort, an dem die Pflanze<br />

wächst, ab welcher Reife sie geerntet wird,<br />

wie die Bohnen geröstet und wie sie vom<br />

Barista schließlich verarbeitet werden.<br />

»Third Wave Coffee Bars« zeichnet aus, dass<br />

sie sich über jedes Glied in dieser Kette<br />

Gedanken machen.<br />

Schon vor drei Jahren gründete Nikolaus<br />

Hartmann, der auch mehrfacher Filterkaffee-<br />

Staatsmeister ist, seine Mikro-Rösterei und<br />

wurde zur Hausmarke von Cafés wie »Jonas<br />

Reindl« in der Währingerstraße. Dass die<br />

Gäste von »Jonas Reindl« den Handelsweg<br />

der Kaffeebohne genau nachvollziehen können<br />

– vom Bauer über den Röster bis ins<br />

Häferl –, zeichnet alle Third-Wave-Lokale<br />

aus. Damit fördern sie ein neues Produktbewusstsein<br />

beim Konsumenten.<br />

»COFFEE IS THE NEW SHIT«<br />

Haben also »Jonas Reindl«, Nikolaus Hartmann<br />

und die anderen Third-Wave-Vertreter<br />

eine neue Kaffeequalität in die österreichische<br />

Gastronomie gebracht?<br />

»Ja«, ist Otto Bayer vom »Balthasar«<br />

überzeugt, »auch wenn wir noch am Anfang<br />

stehen. Ich erkenne erste zarte Pflänzchen, es<br />

findet ein Umdenken statt, und viele Restaurants<br />

interessieren sich immer mehr für das<br />

Thema. Wie beim Wein, verkosten sie verschiedene<br />

Sorten und machen sich Gedanken<br />

zum Herstellungsprozess.«<br />

Schon 2012 verkündete der dänische Starkoch<br />

René Redzepi am »Nordic Barista<br />

><br />

spezial<br />

25


festwochen / NEUES ENTDECKEN<br />

Vorreiter: Die »Kaffeefabrik«<br />

war eines der ersten Third-<br />

Wave-Cafés in Wien.<br />

><br />

Cup«: »Coffee is the new shit!« Seinen<br />

Worten ließ er Taten folgen. In seinem<br />

»Noma« in Kopenhagen erhielten alle Mitarbeiter<br />

eine Kaffee-Fortbildung, das Kaffeeangebot<br />

wechselte laufend und wurde an die<br />

Menüs angepasst. Auch das Münchner »Tantris«<br />

bereitet den frisch gerösteten Kaffee direkt<br />

am Tisch seiner Gäste zu. Und das <strong>Wiener</strong><br />

Spitzenrestaurant »Mraz & Sohn« stellt Kaffee<br />

gerne in den Mittelpunkt seiner Desserts<br />

und wählt dafür nur beste Qualitäten.<br />

Die Third-Wave-Bewegung scheint langsam<br />

in der Masse anzukommen. Das Image von<br />

Kaffee-Freaks hing ihr auch deswegen an, weil<br />

sie die Zubereitung zur Wissenschaft erklärte.<br />

Im »Balthasar« wird der Kaffee etwa mit einer<br />

»In der Gastronomie findet ein<br />

Umdenken statt. Immer mehr<br />

Restaurants beschäftigen sich<br />

mit dem Thema Kaffee.«<br />

OTTO BAYER »Balthasar«, Wien<br />

Bei den »CoffeePirates« gibt<br />

es ausschließlich direkt<br />

gehandelten Kaffee.<br />

Fotos: Shutterstock, Nicky Webb, Heinz Holzmann, beigestellt<br />

26 spezial


Otto Bayer bereitet<br />

feinsten Filterkaffee<br />

im »Balthasar« zu.<br />

Hario V60, Kalita und Chemex oder als »kalter<br />

Kaffee« gefiltert (siehe Infokasten unten).<br />

Heute wird ein solcher Cold Brew von der<br />

Rösterei »J. Hornig« in Flaschen abgefüllt und<br />

in Supermärkten verkauft, »Starbucks« bietet<br />

einen für »to go« an, und das Café im »Park<br />

Hyatt« kredenzt nicht nur Klassiker, sondern<br />

auch Filterkaffee nach Chemex-Methode und<br />

stellt auf einer eigenen Karte die Aromenprofile<br />

der Bohnen vor. Etwas, das in Third-Wave-<br />

Lokalen längst selbstverständlich ist. <<br />

BALTHASAR<br />

Praterstraße 38, 1020 Wien<br />

T: +43 664 3816855, balthasar.at<br />

SÜSSMUND KAFFEEBAR<br />

Wipplingerstraße 11, 1010 Wien<br />

www.suessmund.at<br />

JONAS REINDL<br />

Währinger Straße 2–4, 1090 Wien<br />

www.jonasreindl.at<br />

COFFEEPIRATES<br />

Spitalgasse 17, 1090 Wien<br />

coffeepirates.at<br />

Alle »Third Wave Coffee Bars«:<br />

www.falstaff.at/thirdwave<br />

THE NEW WAY TO BREW<br />

CHEMEX<br />

HARIO V60<br />

AEROPRESS<br />

COLD BREW<br />

Die Chemex-Karaffe ist vor allem<br />

für ihre Sanduhrform berühmt.<br />

Einige Brühtipps: Filter zuerst<br />

befeuchten. Erst dann Kaffeepulver<br />

einfüllen und mit circa<br />

90 Grad warmem Wasser kreisförmig<br />

befeuchten. Kaffee<br />

30 Sekunden quellen lassen<br />

(»Blooming«), dann aufgießen.<br />

Hario ist eine japanische Glasmanufaktur.<br />

Ihr V60-Modell ist<br />

ein weltweit gefragter Handfilter.<br />

Anstelle der sonst üblichen zwei<br />

Ausflusslöcher hat die V60 eine<br />

große Öffnung und Rillen an der<br />

Innenwand. Diese dienen dazu,<br />

dass sich das Kaffeepulver ausdehnen<br />

kann.<br />

Die Aeropress besteht aus<br />

einem Presskolben und einem<br />

Brühzylinder, in den kleine, runde<br />

Filter eingesetzt werden. Das<br />

Kaffeepulver wird bis zur Markierung<br />

mit Wasser aufgegossen.<br />

Anschließend wird der Kaffee mit<br />

dem Presskolben direkt in die<br />

Tasse gedrückt.<br />

Der Kaffee wird mit lauwarmem<br />

Wasser gebrüht. Das erfordert<br />

Geduld, denn die Extraktion kann<br />

bis zu zwölf Stunden dauern.<br />

Das Kaffeepulver sollte einen<br />

mittleren Mahlgrad haben.<br />

Das Ergebnis schmeckt pur,<br />

aber auch mit Milch, Eis oder<br />

sogar als Zutat in einem Cocktail.<br />

www.chemexcoffeemaker.com<br />

www.hario.jp<br />

www.aeropress.com<br />

www.dripster.de<br />

spezial<br />

27


festwochen<br />

/ NEUES ENTDECKEN<br />

»LEUTE, REDET<br />

MITEINANDER!«<br />

Zwei Gastro-Experten am runden Tisch: Peter Dobcak<br />

und Wolfgang Binder, Fachgruppenobmänner von der<br />

Wirtschaftskammer Wien, über Foodtrucks, »Kaffee-<br />

Piraten« und Kultur als Plattform für Gastronomie.<br />

INTERVIEW MICHAELA ERNST<br />

FOTOS RUDI FROESE<br />

FALSTAFF Wenn Sie als Fachgruppenobmänner<br />

einen Wunsch an die eigene Branche<br />

richten sollten, wie würde dieser lauten?<br />

PETER DOBCAK Grundsätzlich wollen wir<br />

unseren Kolleginnen und Kollegen großen<br />

Dank aussprechen, dass sie täglich aufs Neue<br />

vor zeigen, wie wichtig es ist, Menschen eine<br />

schöne Zeit zu bereiten. Ich wünsche mir, dass<br />

diese Innovationskraft in einer sehr volatilen<br />

Zeit – und die erlebt die Gastronomie im<br />

Moment sehr stark – erhalten bleibt. Damit<br />

meine ich, dass man Ideen hat oder diese aus<br />

dem Ausland importiert. Wir alle leben auch<br />

davon, dass man sich was abschaut von<br />

anderswo und überlegt: Wie kann ich das<br />

erfolgreich nach Wien bringen?<br />

WOLFGANG BINDER Ich würde mir<br />

wünschen, dass man dieses weltberühmte<br />

Kaffeehaus-Feeling weiterhin stark nützt:<br />

Dieses traditionsreiche »Ins-Kaffeehaus-<br />

Gehen«, sich unterhalten, Leute treffen, miteinander<br />

kommunizieren – das kann immer<br />

wieder neu interpretiert werden. Gerade in<br />

unserer heutigen schnelllebigen Zeit ist das<br />

gemeinsame Plaudern und Diskutieren umso<br />

wertvoller.<br />

FALSTAFF Zurück zum Innovationsgedanken:<br />

Wie schaut Erneuerung aus in einer Stadt<br />

wie Wien, die einerseits viel Besuch von außen<br />

bekommt, der oft das Traditionelle sucht,<br />

andererseits aber Bewohner hat, die in einer<br />

modernen Stadt leben wollen?<br />

DOBCAK Es gilt, eine Brücke zu schlagen<br />

zwischen den altbekannten Bildern, die man<br />

mit Wien assoziiert, und der Moderne. Für<br />

mich gibt es zwei Schienen der Innovation:<br />

Wolfgang Binder: »Macht das Kaffeehaus<br />

wieder zum Wohnzimmer der Menschen.«<br />

einerseits die Optimierung der internen Ablauf -<br />

professionalität, was die Unternehmensführung<br />

betrifft, und andererseits die Unterstützung<br />

für neuartige Projekte wie zum Beispiel<br />

Foodtrucks.<br />

BINDER Interessante Konzepte liefern zum<br />

Beispiel die Bäckereien, die jetzt auch Kaffeehäuser<br />

sind. Die sprechen eine neue Ziel gruppe<br />

an. Oder die »CoffeePirates« im neunten<br />

Bezirk: Dort wird direkt im Lokal geröstet<br />

und danach gleich ausgeschenkt.<br />

FALSTAFF Sie selbst haben ja auch Lokale …<br />

DOBCAK Bis vor zwei Jahren hatte ich ein<br />

Studentenlokal im Achten, das »La Boule«,<br />

heute heißt es »Living Room«. Jetzt habe ich<br />

28 spezial


einen Foodtruck, einen 1969er Citroën HY<br />

aus dieser Blechkistenserie. Den baue ich gerade<br />

mit zwei jungen, sehr engagierten Kollegen<br />

zu einem Eisgeschäft um.<br />

BINDER Ich betreibe mit dem »Café Frauenhuber«<br />

das älteste Kaffeehaus Wiens. Es hat<br />

Mitte des 18. Jahrhunderts als Restaurant aufgemacht,<br />

hinterm Herd ist damals der Leibkoch<br />

von Maria Theresia gestanden. Später<br />

wurde es in ein Kaffeehaus umgewandelt. Seit<br />

1968 ist es im Besitz unserer Familie. Wir bieten<br />

auch ein vielfältiges Speisenangebot. Das<br />

braucht man heute, sonst funktioniert das<br />

Geschäft nicht.<br />

FALSTAFF Sie haben beide vor zwei<br />

be ziehungsweise einem Jahr Ihre Ämter angetreten,<br />

um neuen Schwung in Ihre Branche<br />

zu bringen. Was verstehen Sie darunter?<br />

DOBCAK Als Unternehmer muss man das<br />

Rad oft selbst neu erfinden und ist sich gar<br />

nicht bewusst, welche Leistungen die Wirtschaftskammer<br />

eigentlich anbietet, weil wir<br />

oft im Hintergrund agieren. Deshalb setze<br />

ich auf eine verstärkte Kontaktpflege zu den<br />

Mit gliedern, unter anderem via Social Media,<br />

denn ein Smartphone hat jeder. Meine<br />

Vision wäre, dass die Diskussion über die<br />

Sinnhaftigkeit einer Mitgliedschaft in einer<br />

Fachgruppe nach meinen ersten fünf Jahren<br />

Amtszeit beendet ist. Das Leistungs portfolio,<br />

das wir anbieten, muss besser rüberkommen.<br />

Peter Dobcak: »Ich wünsche mir<br />

ein Weg vom Ich-Denken.«<br />

BINDER Ich bin da bei Peter Dobcak: Wir<br />

müssen unsere Services intensiver anbieten,<br />

aber auch verstärkt Kontakt zu den Gästen<br />

unserer Mitglieder auf nehmen. Nach dem<br />

Motto: Macht das Kaffeehaus wieder zu<br />

eurem zweiten Wohnzimmer! Parallel dazu<br />

müssen wir ausrufen: Leute, setzt euch wieder<br />

öfter in eure Wohnzimmer! 75 Prozent<br />

unserer Gäste sind <strong>Wiener</strong> Publikum. Dieses<br />

ist uns – neben den Besuchern aus aller Welt<br />

– besonders lieb und wertvoll. Im Tourismus<br />

gibt es ja immer wieder Schwankungen. Als<br />

die Russen und die Chinesen auf einmal<br />

weg blieben, haben wir das sehr stark<br />

gemerkt. Das sind Besucher, die im Schnitt<br />

500 Euro am Tag in der Stadt ausge geben<br />

haben, wenn die wegfallen, spüren wir das.<br />

FALSTAFF Was hat Sie letztlich dazu<br />

be wogen, zusätzlich zu Ihrer Unternehmerauch<br />

eine Funktionärsrolle anzunehmen?<br />

DOBCAK Die Rolle des Funktionärs hat sich<br />

heute vollkommen verändert. Es geht nicht<br />

mehr, dass man als Interessenvertreter zu den<br />

Wirten schaut, ein Glaserl mit ihnen trinkt,<br />

sich anhört, was sie zu sagen haben und ><br />

spezial<br />

29


festwochen<br />

/ NEUES ENTDECKEN<br />

Solor apicias persperfe<br />

rum que voluptatis dol<br />

uptam harum rehendus<br />

><br />

dann weiterzieht. Unsere Mitglieder sollen<br />

wissen, dass wir sie mit allen notwendigen<br />

behördlichen Informationen versorgen,<br />

wenn zum Beispiel ein Umbau oder eine<br />

Renovierung ihres Lokals ansteht. Das ist<br />

gleichzeitig auch eine Holschuld.<br />

BINDER Wir wollen unseren Mitgliedern als<br />

Partner in allen betrieblichen Belangen mit<br />

Rat und Tat zur Seite stehen. Die Unternehmen<br />

sollen die Fachgruppe Kaffeehäuser vertrauensvoll<br />

als ersten Ansprechpartner kontaktieren.<br />

Ihre Interessen liegen uns am Herzen,<br />

und wir setzen uns für deren Erreichung ein.<br />

Das ist mir wichtig.<br />

FALSTAFF Noch einmal zum Foodtruck:<br />

Herr Dobcak, ist es Ihre amerikanische<br />

Vergangenheit – Sie haben ja lange in den<br />

USA gelebt –, die da durchschlägt?<br />

DOBCAK Überhaupt nicht. Das ist ein Trend,<br />

der schon länger bei uns angekommen ist.<br />

Nun gilt es, ihn auszubauen. Ein Foodtruck ist<br />

jung, dynamisch, hip und signalisiert Flexibilität.<br />

Es ist ganz gut, wenn der Obmann der<br />

Gastronomen auf dieser Welle mitschwimmt<br />

und ihr nicht hinterherrudert. Im Moment<br />

muss man bei uns allerdings noch jeden Standort<br />

einzeln beantragen, denn fahrende Händler<br />

sind in Wien verboten. Derzeit verhandeln wir<br />

mit der Stadt um sinnvolle Standorte, damit<br />

wir uns dann intern ausmachen, wer wann auf<br />

welchem Platz steht, sodass sich eine lebendige<br />

Foodtruck-Szene entwickelt.<br />

außergewöhnliche Lokale besucht und dort<br />

etwas über deren Geschichte und die Kunst<br />

der Kaffeezubereitung erfährt. Bei dieser Tour<br />

geht es auch darum, einen guten Mix aus<br />

besonders traditionsreichen und besonders<br />

innovativen Betrieben zu kreieren. Wir sind<br />

gerade dabei, zu schauen, wie wir das mit den<br />

Fremdenführern hinbekommen.<br />

FALSTAFF Sie entstammen beide aus Gastro -<br />

nomiefamilien. Gibt es etwas, was Sie in<br />

Erinnerung haben und was Ihnen heute als<br />

wichtig erscheint?<br />

DOBCAK Meine Eltern hatten das »Berghotel<br />

Rudolfshütte« am Weißsee gepachtet. Es liegt<br />

auf 2315 Meter Höhe, und das prägendste<br />

Erlebnis damals war die allgemeine positive<br />

Stimmung. Man ist ja dort nur mit der Gondel<br />

raufgekommen, so haben wir in einer großen<br />

Gemeinschaft gelebt. Meine Eltern waren<br />

sozusagen das Familienoberhaupt für alle<br />

Mitarbeiter. Und dieses Familiengefühl, dieses<br />

Weg vom Ich-Denken würde ich mir auch<br />

heute für unsere Branche wünschen.<br />

FALSTAFF Solche Konzepte passen eigent -<br />

lich auch gut zu den <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong>,<br />

die heuer an fast 30 verschiedenen Spielorten<br />

ausgetragen werden.<br />

BINDER Natürlich – auch wir wollen diese<br />

Kulturplattformen verstärkt nützen, um ins<br />

Gespräch zu kommen. Nirgendwo auf der<br />

Welt gibt es eine so ausgeprägte Kaffeehauskultur<br />

wie in Wien. Um diesen Spirit zu<br />

fördern, sollten wir viel Wert auf sie legen.<br />

Deshalb haben wir gemeinsam mit Radio<br />

Wien und dem Tourismusverband ein Konzept<br />

ausgearbeitet, bei dem man im Rahmen einer<br />

zweistündigen Kaffeehaus-Tour fünf bis sechs<br />

»Wir planen eine Kaffeehaus-Tour, bei der man fünf bis sechs<br />

außergewöhnliche Lokale besucht und dort etwas über deren<br />

Geschichte und die Kunst der Kaffeezubereitung erfährt.«<br />

WOLFGANG BINDER Fachgruppenobmann Kaffeehäuser Wien<br />

30 spezial


»Derzeit verhandeln<br />

wir mit der Stadt um<br />

Stand orte, damit sich<br />

eine lebendige Foodtruck-Szene<br />

entwickelt.«<br />

PETER DOBCAK Fachgruppenobmann<br />

Gastronomie Wien<br />

und dann haben wir jede weitere Entscheidung<br />

gemeinsam getroffen. Seit 2005 bin ich<br />

zu hundert Prozent im Betrieb.<br />

FALSTAFF Haben Sie je an Ihrer Entscheidung<br />

gezweifelt?<br />

BINDER Keinen einzigen Tag! Denn in der<br />

Baubranche wird heute alles nur mehr vertraglich<br />

und via Anwalt geregelt. In unserem<br />

Gewerbe aber setzt man sich zusammen,<br />

trinkt gemeinsam etwas und spricht sich<br />

aus. Da herrscht noch Handschlagqualität!<br />

Das schätze ich sehr!<br />

FALSTAFF Neigt man nicht dazu, Kindheitserinnerungen<br />

zu verklären?<br />

DOBCAK Natürlich tut man das. Zumal wir<br />

auch phasenweise Selbstversorger waren.<br />

Zum Beispiel hatten wir Kinder unser<br />

Zimmer neben dem Schweinestall. Wir haben<br />

erlebt, wie Tiere, die wir vielleicht am Vortag<br />

noch an den Ohren gekrault haben, geschlachtet<br />

wurden. Trotzdem hat uns der<br />

Schweinsbraten geschmeckt. Ich mag auch<br />

nicht wissen, wie viele Beziehungen fürs<br />

Leben im Hotel meiner Eltern entstanden<br />

sind, weil man oft wetterbedingt tagelang<br />

nicht ins Freie konnte. Es wurde damals<br />

ohne schlechtes Gewissen gegessen, getrunken,<br />

geraucht – und wie nebenbei hat diese Generation<br />

auch noch das Wirtschaftswunder<br />

geschafft.<br />

FALSTAFF Wie war das bei Ihnen,<br />

Herr Binder?<br />

BINDER Ich bin ein begeisterter Spätberufener.<br />

Denn ursprünglich wollte ich meinen<br />

Lebensmittelpunkt gar nicht in die Branche<br />

verlegen, schließlich habe ich früher etwas<br />

ganz anderes gemacht. Ich war in einem technischen<br />

Bereich, in der Baubranche tätig. Im<br />

Jahr 2000 hat mich mein Vater gefragt, ob<br />

ich ins Kaffeehausgeschäft einsteigen will,<br />

FALSTAFF Was hat Ihr Vater richtig<br />

gemacht, dass Ihnen das Kaffeehaus so<br />

ans Herz gewachsen ist?<br />

BINDER Er hat keinen Druck ausgeübt und<br />

war offen für meine Ideen, die ich einbringen<br />

wollte. Bei meiner Tochter halte ich es genauso.<br />

Sie ist heute 20 Jahre alt und hilft teilweise<br />

bei uns aus. Schauen wir einmal, wohin ihr<br />

Weg sie führen wird. Jedenfalls überlasse ich<br />

ihr die Entscheidung.<br />

FALSTAFF Herr Dobcak, stimmt es, dass<br />

Sie jeden Tag einen grünen Smoothie trinken<br />

und drei Zigaretten pro Woche rauchen?<br />

DOBCAK Ich trinke nicht jeden Tag, aber<br />

regelmäßig meine Smoothies. Ich habe nämlich<br />

eine wunderschöne Frau und würde es für<br />

anmaßend halten, zu sagen: Sie schaut auf<br />

sich und das reicht für uns beide. Man muss<br />

schon gut auf sich achten – gerade in meiner<br />

Funk tion. Aber es wird ohnedies immer besser<br />

akzeptiert, wenn ich sage: Heute trinke ich<br />

keinen Wein, kein Bier, sondern ein Cola<br />

Light oder ein Mineralwasser. Und zu den<br />

Zigaretten: Das stimmt nicht, denn ich rauche<br />

nur Zigarre, und auch die nicht jede Woche.<br />

Ich bin zwar für eine strikte Trennung<br />

zwischen Essens- und Raucherbereich, aber<br />

es muss auch Plätze geben, wo man unter<br />

Gleichgesinnten weiterhin diesen Freuden<br />

nachgehen kann. <<br />

spezial<br />

31


festwochen<br />

/ NEUES ENTDECKEN<br />

KOMMT KUNST<br />

VON KOCHEN?<br />

Foto: Getty Images<br />

32 spezial


Legendäres Mahl, spektakulärer<br />

Preis: »Das letzte Abendmahl«<br />

des chinesischen Künstlers<br />

Zeng Fanzhi erzielte 2013 bei<br />

einer Auktion in Hongkong etwa<br />

17 Millonen Euro.<br />

Ist Kochen ein kreativer Prozess<br />

oder schlicht ein Handwerk?<br />

Und wie wird Essen zu Kunst?<br />

Falstaff suchte nach Antworten<br />

und fand sie unter anderem bei<br />

Peter Kubelka, der einst Kunstprofessor<br />

für Kochen war.<br />

TEXT JOACHIM RIEDL<br />

spezial<br />

33


festwochen<br />

/ NEUES ENTDECKEN<br />

Kulinarik und Kunst gehen<br />

bei Daniel Spoerris Werken<br />

eine enge Verbindung ein.<br />

Am Anfang war die Speise.<br />

Genüsslich spitzt Peter<br />

Kubelka die Lippen. Der<br />

<strong>Wiener</strong> Vortragskünstler ist<br />

in seiner Kochvorlesung bei<br />

jenem Punkt angelangt, an<br />

dem er davon erzählt, wie einst ein kreatives<br />

Genie den ersten Braten in der Geschichte der<br />

Menschheit erschuf. Das sei gewissermaßen<br />

die Geburtsstunde der Zivilisation gewesen.<br />

Feuer, Wasser, Luft, Materie, Raum und Zeit<br />

habe dieser Ahnherr aller Küchenchefs zu<br />

einem elementaren Schöpfungsakt vereinigt.<br />

Daher, so Kubelka, sei der urzeitliche Koch<br />

der erste bildende Künstler gewesen. Seinem<br />

Vorbild hätten alle übrigen Künstler, die<br />

Bildhauer, Maler oder Architekten, in ihrem<br />

Schaffensdrang nachgeeifert. Kunst, sagt<br />

Kubelka, komme von Kochen. Dieses Verdikt<br />

sprengt natürlich den herkömmlichen Kunstbegriff,<br />

dem der angestammte Kulturbetrieb<br />

frönt, und fordert ein Publikum heraus, das<br />

selbst Spitzenköchen nur handwerkliche<br />

Meisterschaft zugestehen will.<br />

KEbit quuntum quosaperovid ut<br />

inus, eos asperae et vel et lam<br />

hiliquis qui dolorit haribusape<br />

US-Superstar<br />

Jeff Koons.<br />

Daniel Spoerri<br />

gilt als Erfinder<br />

der »Eat Art«.<br />

Fotos: Getty Images, beigestellt<br />

34 spezial


Seit vielen Jahrzehnten allerdings verfolgt<br />

das heute 83-jährige Multitalent Kubelka<br />

konsequent seine entgegengesetzte Theorie,<br />

ein einsamer Prophet im Labyrinth der<br />

Mei nungsvielfalt. Ausgehend vom Experimentalfilm,<br />

erschlossen sich dem Autodidakten<br />

auf der Suche nach einem Welterklärungsmodell<br />

die Disziplinen der Musik, Philosophie<br />

und Anthropologie. Im Zentrum<br />

aber stand immer die Kochkunst. Sie bildet<br />

das Fundament seiner Universaltheorie.<br />

Jede Speise sei eine Metapher, doziert Kubelka,<br />

in welcher ein Koch all die unterschiedlichen<br />

Wesenshaftigkeiten ausdrückt,<br />

die seinen Kulturkreis ausmachen. »Nirgendwo<br />

sonst werden kulturelle Erkundigungen<br />

und Aneignungen, seelische und soziale<br />

Befindlichkeiten, menta le Bereicherung<br />

und Ver änderung so elementar erlebt<br />

und kommuniziert«, heißt es in einer von<br />

Kubelka inspirierten Eintragung in der kulinarischen<br />

Enzyklopädie des renom mier ten<br />

Fachmagazins »Kunstforum«, »als wie bei<br />

jenen Dingen, die wir uns einverleiben.« ><br />

Saftiges Tortenstück des<br />

Kitsch-Künstlers Koons.<br />

spezial<br />

35


festwochen<br />

/ NEUES ENTDECKEN<br />

><br />

Der ehemalige Sängerknabe Kubelka, der<br />

seine Kinderjahre am Schürzenzipfel seiner<br />

Großmutter, einer Innviertler Gasthausköchin,<br />

verbracht hatte, gilt als Pionier dieser nicht<br />

unumstrittenen Sichtweise. Er hat den alten<br />

Diskurs um Kochen und Kunst zumindest<br />

im deutschen Sprachraum neu entfacht, als er<br />

vor knapp vierzig Jahren an der Frankfurter<br />

Kunstuniversität Städelschule den Studiengang<br />

»Kochen als Kunstgattung« etablierte.<br />

Dazu wurde ein Bildhaueratelier leer geräumt<br />

und mit einer chromblitzenden Profiküche<br />

ausgestattet, in der Kubelka seine Vorlesungen<br />

abhielt. Der Andrang war groß, doch viele<br />

Studenten warfen bald enttäuscht den Kochlöffel<br />

hin. Bevor sie sich an kreative Höhenflüge<br />

wagen durften, mussten sie erst die<br />

hohen Künste des Zwiebelschneidens und<br />

Gemüseputzens erlernen. Denn wie jede andere<br />

Kunst, das wollte der strenge Kochprofessor<br />

seinen ungestümen Schülern einpauken,<br />

verlange auch Kochkunst große Disziplin<br />

und strebe nach Perfektion. Ohne Handwerk<br />

zerrinnt die Kunst zum Schmonzes.<br />

Mit seinen Wurst-Skulpturen<br />

(2014) parodierte Wurm<br />

Klassiker der Bildhauerei, etwa<br />

den »Kuss« von Rodin.<br />

Erwin Wurms »Dialog« mit dem<br />

Biedermeiermaler Carl Spitzweg,<br />

»Köstlich! Köstlich?« ist bis<br />

19. Juni im Leopold Museum zu sehen.<br />

»Nirgendwo sonst werden kulturelle Erkundigungen<br />

und Aneignungen, seelische und soziale Befindlichkeiten,<br />

mentale Bereicherung und Veränderung so elementar<br />

erlebt als wie bei den Dingen, die wir uns einverleiben.«<br />

PETER KUBELKA, Künstler<br />

Fotos: Getty Images/ Chris Faga, Rita Newman, moitorne.com, Inge Prader<br />

36 spezial


Dieses Credo verkündete Kubelka unermüd<br />

lich in seinen Kochvorlesungen von<br />

New York bis Uppsala. Der Jury des Eckart-<br />

Witzigmann-Preises war diese Beharrlichkeit<br />

2012 eine der begehrten Auszeichnungen<br />

wert, die vor ihm Größen wie Ferran Adrià<br />

oder Harald Wohlfahrt verliehen worden war.<br />

Vor allem rund um die Person des Kata lanen<br />

Adrià, der mit den überraschenden Kreationen<br />

der Molekularküche in seinem früheren<br />

Restaurant »elBulli« an der Costa Brava<br />

herkömmliche Geschmackserwartungen auf<br />

den Kopf stellte, wurde der Kunstbegriff im<br />

Küchenmetier neu belebt. Vor sieben Jahren<br />

wurde der experimentierfreudige Küchen chef<br />

zur Teilnahme an der Kunstausstellung »documenta«<br />

nach Kassel eingeladen. »Ich glaube<br />

nicht, dass es verschiedene Arten von Künstlern<br />

gibt«, rechtfertigte Kurator Roger M. Buergel<br />

seine ungewöhnliche Entscheidung. Dass<br />

ein gefeiertes Kochgenie einem Malerfürsten<br />

um nichts nachsteht, stand für den Kulturtheoretiker<br />

außer Frage.<br />

Der Disput über dieses Problem reicht weit<br />

zurück und beschäftigte schon Plato. Für den<br />

griechischen Philosophen zählte das Kochen<br />

zu den Geschicklichkeiten und war mithin<br />

als »ganz vernunftlose Tätigkeit« eine für<br />

den erlauchten Geist verpönte Beschäftigung.<br />

Dieses abwertende Urteil prägte das Denken.<br />

Momentaufnahme: Bei seinen<br />

Fallenbildern fängt Daniel<br />

Spoerri wie mit einer Falle<br />

ein Stück Alltag ein.<br />

»Es existiert keine Ästhetik des kulinarischen<br />

Geschmacksurteils«, meint der Kulturphilosoph<br />

Harald Lemke, »es gibt keine Theorie<br />

der kreativen Küche, keine kulturwissenschaftliche<br />

Auseinandersetzung mit Speise kreationen.«<br />

Vor allem im deutschen Kulturraum<br />

darf offensichtlich nur Kunst sein, was im<br />

Kopf theoretisch aufgedröselt werden kann.<br />

Friedrich Nietzsche meinte daher, er verdanke<br />

es der idealistischen Philosophie, stets nur<br />

schlecht gegessen zu haben: »Die Herkunft<br />

des deutschen Geistes« leitete er folgerichtig<br />

aus »betrübten Eingeweiden« ab. Auch der<br />

Dichter Heinrich Heine nahm es den Kantianern<br />

übel, mit ihrer »abstrakten Trockenheit«<br />

Literatur und Künsten geschadet zu haben.<br />

»Zum Glück«, spottete der nach Paris entflohene<br />

Schlemmer, »mischten sie sich nicht<br />

in die Kochkunst ein.«<br />

><br />

Kunst oder Essen? Ferran Adrià<br />

ist für seine detailverliebten<br />

Gerichte wie das Kokosnuss-<br />

Dessert in Blumenform berühmt.<br />

spezial<br />

37


festwochen<br />

/ NEUES ENTDECKEN<br />

Brotteig in Schreibmaschine:<br />

Daniel Spoerri setzt in seiner<br />

Objektkunst Lebensmittel ein.<br />

><br />

Im romanischen Europa nahm man den<br />

Konflikt weniger ernst. Marie-Antoine<br />

Carême, der Schöpfer der klassischen französischen<br />

Hochküche und jahrzehntelanger<br />

Leibkoch von Talleyrand, nannte wie selbstverständlich<br />

sein Hauptwerk »L’art de la<br />

cuisine française au XIXe siècle«, denselben<br />

Begriff wählte auch der große Escoffier für<br />

sein Kochbuch, das die Belle Époque dominierte.<br />

In Italien widmeten sich Futuristen<br />

rund um Filippo Tommaso Marinetti »der<br />

futuristischen Küche zur völligen Erneuerung<br />

des italienischen Ernährungssystems«. Im<br />

November 1930 servierten sie bei der<br />

Auftaktver anstaltung in einem Mailänder<br />

Restaurant revolutionäre Speisekreationen,<br />

etwa eine »Brühe aus Rosen und Sonne« oder<br />

einen »Regen aus Zuckerwatte«, und reichten<br />

zum Cocktail »Lachgasschaum Cinzano«.<br />

Die Kreationen waren zweifellos die Kopfgeburten<br />

ästhetischer Umstürzler.<br />

Auch wenn sich die meisten Spitzenköche,<br />

selbst gefeierte Küchenchefs, nicht immer sicher<br />

sind, ob sie sich als Künstler oder hoch-<br />

38 spezial<br />

><br />

Kunst komme von Kochen, ist Peter<br />

Kubelka überzeugt. Das Pariser Centre<br />

Pompidou ehrte den Künstler kürzlich<br />

und zeigte alle seine Filme.<br />

Fotos: Rita Newman, beigestellt


WELCOME<br />

TO LEXUS<br />

SONDERMODELLE PRIVILEGE INKLUSIVE:<br />

• Lexus Hybridantrieb<br />

• 16” Leichtmetallräder<br />

• 2-Zonen-Klimaautomatik<br />

• Navigationssystem<br />

• 7” Lexus Media Display<br />

• Rückfahrkamera<br />

• Sitzheizung<br />

• Tempomat<br />

• LED-Scheinwerfer<br />

LEXUS Wien Nord<br />

Keusch – Das Autohaus<br />

Lorenz-Müller-Gasse 7-11, 1200 Wien<br />

Tel: +43 1330 34 47-990, office@lexus-wien-nord.at<br />

www.keusch.com/lexus-privilege<br />

* CT 200h Privilege: ab € 189,– pro Monat, Eigenleistung € 6.900,–, Fahrleistung 15.000 km /Jahr, Laufzeit 60 Monate, garantierter Restwert für Privatkunden € 9.480,–, Bearbeitungsgebühr € 150,–, Vertragsgebühr einmalig € 160,71.<br />

Normverbrauch kombiniert 3,8 l/100km, CO2-Emission 88 g/km. IS 300h Privilege: ab € 249,– pro Monat. Eigenleistung € 9.500,–, Fahrleistung 15.000 km /Jahr, Laufzeit 60 Monate, garantierter Restwert für Privatkunden € 11.500,–,<br />

Bearbeitungsgebühr € 150,–, Vertragsgebühr € 215,92. Normverbrauch kombiniert 4,3 l/100km, CO2-Emission 99 g/km. Preisangaben inkl. USt. und NoVA. Finanzierungsangebot von Leasfinanz GmbH. Angebot freibleibend und solange<br />

der Vorrat reicht. Änderungen, Satz- und Druckfehler vorbehalten. Gültig bei allen teilnehmenden Lexus Partnern bei Zulassung bis 30.06.2017. Symbolfotos.


festwochen<br />

/ NEUES ENTDECKEN<br />

Im Gegensatz zu solch anhaltenden Höhenflügen<br />

sind kulinarische Werke den Furien des<br />

Verschwindens ausgesetzt: Sie exis tieren nur<br />

in jenem flüchtigen Augenblick, in dem sie<br />

sinnlich wahrgenommen werden, und sind<br />

anschließend für alle Zeit verschwunden. Die<br />

Kulinarik ist fraglos die fragilste aller Künste,<br />

unwiederbringlich wie ein Glücksmoment.<br />

Was auf einem Teller zu liegen kommt, ist<br />

lediglich die handwerkliche Komponente –<br />

die kann umfassend beschrieben werden. Sein<br />

eigentliches Wesen offen bart ein kulinarisches<br />

Kunstwerk jedoch nur im Moment des Verschwindens<br />

– und dazu fehlen die Begriffe,<br />

was erklären dürfte, warum die Kunsttheorie<br />

die Kochkunst stets stiefmütterlich behandelt<br />

hat: Sie kann mit ihr nichts anfangen.<br />

Theodor W. Adorno, zweifelsfrei einer der<br />

ganz großen Theoretiker der Neuzeit, befand<br />

kategorisch, dass »Kunst und Küche sich ausschließen,<br />

was bedeutet, dass Kunst nicht dort<br />

sein kann, wo Lebensnotwendigkeit besteht«.<br />

><br />

Gel und Gelees mit flüssigem<br />

Kern: Ferran Adrià ist für seine<br />

Molekular-Kochkunst berühmt.<br />

><br />

qualifizierte Handwerker sehen sollen,<br />

so strebt die oberste Liga immer danach, mit ihrem<br />

Medium – prosaisch gesagt: der Verarbeitung<br />

von Nahrungsmitteln – neue Interpretationen<br />

der Realität zu schaffen. Eine Zielvorstellung,<br />

die sie mit allen übrigen Künstlern teilen.<br />

Der Österreicher Erwin Wurm etwa reinterpretierte<br />

Klassiker der Bildhauerei – unter<br />

anderem Rodins »Kuss« oder Giacomettis<br />

schreitende Figuren – in Form grotesker<br />

Würstchen-Skulpturen. Dass der international<br />

renommierte Künstler ausgerechnet zur Wurst<br />

griff, erklärt er damit, dass er mit »Würstchen<br />

und Gurken« aufgewachsen und die Wurst<br />

nicht nur eine Ikone für Konsum, sondern<br />

auch eine »gültige Form der Abstraktion« sei.<br />

US-Superstar Jeff Koons, der zu den höchstbezahlten<br />

Künstlern weltweit zählt, stellte ein<br />

pink schillerndes Tortenstück ins Zentrum<br />

seiner berühmten »Celebrations«-Serie, um<br />

damit seinem Drang und Hang zu Optimismus<br />

Ausdruck zu verleihen – »damit sich die<br />

Menschen besser fühlen«, wie er auf seine<br />

stets freundliche Art betont. Der chinesische<br />

Künstler Zang Fanzhi verarbeitet das im<br />

asiatischen Raum hochsensible Thema des<br />

Gesichtbewahrens in seinen »Maskenbildern«.<br />

Das berühmteste unter ihnen, eine<br />

Adaption von Leonardo da Vincis »Das letzte<br />

Abendmahl«, erzielte vor wenigen Jahren bei<br />

einer Auktion gar rund 17 Millionen Euro.<br />

Molekularküche mit Perfektionsanspruch<br />

von Ferran Adrià (im Bild)<br />

im »Tickets«: Litschi-Gelee, in einer<br />

Rose serviert.<br />

Fotos: moitorne.com, beigestellt<br />

40 spezial


Steinbruch St. Margarethen ©Andreas Tischler


festwochen<br />

/ NEUES ENTDECKEN<br />

Was vom gemeinsamen<br />

Mahl übrig bleibt: Fallenbild<br />

von Spoerri aus der Serie<br />

»Il Bistrot di Santa Marta«<br />

(Mailand, 2014).<br />

Man möchte sich nicht vorstellen, wie sich<br />

der gelehrte Kopf sein Leben lang ernährt hat.<br />

Gerade die ephemere Eigengesetzlichkeit ist<br />

aber die Idee, welche die Molekularküche von<br />

Ferran Adrià beflügelt und ihren Kunstanspruch<br />

rechtfertigt. Die Dinners im »elBulli«<br />

waren eine sorgfältig inszenierte Abfolge von<br />

20 oder 25 Gängen, bei denen die Nahrungsmittel<br />

bis zur Unkenntlichkeit manipuliert<br />

waren und mit frappierenden Geschmackserleb<br />

nissen verwirrten. Es gab genaue Anweisungen,<br />

wie die einzelnen Elemente zu konsumieren<br />

waren, damit sich die »fünfdimensionale<br />

Sensation« einstellte, wie das ein<br />

Kritiker nannte. Adrià war Autor und Regisseur<br />

eines Gesamtkunstwerks der Illusionskunst,<br />

die verblüffte, wie ein Trompe-l’œil das<br />

Auge mit vorgegaukelten Räumen täuscht.<br />

Nicht das einzelne Kochkunstwerk stand<br />

im »elBulli« im Mittelpunkt, sondern wie bei<br />

einer Performance der Ablauf eines künstlerischen<br />

Geschehens – verflogen wie die<br />

Geschmacksnebel, die den zerbrechlichen<br />

Hüllen entstiegen.<br />

Man könnte bei Adrià auch von »Eat Art«<br />

sprechen, hätte den Begriff nicht ein anderer<br />

geprägt, der sich nicht als Kochkünstler,<br />

sondern als Künstlerkoch sieht. Dem gebürtigen<br />

Rumänen Daniel Spoerri geht es ebenfalls<br />

um die Inszenierung eines Gesamt kunstwer<br />

ks, doch steht nicht das kulinarische Erlebnis,<br />

sondern dessen Gegenteil, der kuli narische<br />

Katzenjammer, im Mittelpunkt. Auch<br />

das versinnbildlicht die Vergänglichkeit der<br />

Kochkunst. Spoerri vereint Freunde um einen<br />

Esstisch, und wenn alle satt sind, ver ewigt er<br />

das abgegessene Ensemble zu einem seiner<br />

Fallenbilder. Die meist verwüs te ten Überreste<br />

eines Gelages sind alles, was übrig bleibt,<br />

wenn sich das Kochkunstwerk längst verabschiedet<br />

hat – und erklären sich nun ironischerweise<br />

zum Kunstwerk.<br />

<<br />

><br />

»Es gibt keine Theorie der<br />

kreativen Küche, keine<br />

kulturwissenschaftliche<br />

Auseinandersetzung mit<br />

Speisekreationen.«<br />

DANIEL SPOERRI Künstler<br />

Daniel Spoerri<br />

gilt als Erfinder<br />

der »Eat Art«.<br />

Fotos: Rita Newman, beigestellt<br />

42 spezial


Miele. Für das, was wir besonders lieben.<br />

Die grifflose Designline für Ihre Premiumküche.<br />

Geben Sie Ihre Vorstellung von Perfektion in die besten Hände. Vertrauen Sie auf Miele ArtLine<br />

Einbaugeräte. Und Ihre Premiumküche wird zu einem Designstück ganz ohne Griffe dank Touch2Open<br />

und SoftOpen Technologie – für höchste ästhetische Ansprüche.<br />

Nähere Informationen erhalten Sie bei Ihrem Miele Händler und auf www.miele.at.


festwochen / NEUES ENTDECKEN<br />

44 spezial<br />

»P.A.R.S.I.F.A.L. IST ZU HAUSE ANGEOPERT WORDEN!«<br />

Foto: Jan Bauer<br />

Courtesy Jonathan Meese und Galerie Sies+Höke, Düsseldorf


MEESES<br />

MENU<br />

Wild und radikal präsentiert sich Jonathan Meese in der<br />

Kunstszene. Für Falstaff hat der deutsche Performancekünstler<br />

ein kosmopolitisches <strong>Festwochen</strong>-Menü<br />

zusammengestellt, das sich nicht minder bunt gibt.<br />

Drei <strong>Wiener</strong> Spitzenköche verraten ihre Rezepte dazu.<br />

FOTOS STUDIO FALSTAFF FOODSTYLING BENNI WILLKE<br />

TABLEWARE PETRALINDENBAUER.AT, LAMBERT-HOME.DE<br />

spezial<br />

45


festwochen / NEUES ENTDECKEN<br />

»Currywurst ist Liebe<br />

zum Wesentlichen:<br />

Alle Menschen sind,<br />

zum Glück, kleine<br />

Würstchen.«<br />

JONATHAN MEESE<br />

46 spezial


CURRYWURST<br />

Rezept von Sebastian Ziehaus, Restaurant »Zur Flotten Charlotte«, Wien, Österreich<br />

(für 4 Personen)<br />

ZUTATEN FÜR DIE CURRYSAUCE<br />

6 EL Ketchup<br />

1 Dose Pelati (geschälte Tomaten)<br />

3 EL Senf<br />

1 TL Cayennepfeffer<br />

1 weiße Zwiebel, gehackt<br />

1 Knoblauchzehe, gehackt<br />

2 EL Currypulver<br />

1 EL Honig<br />

Petersilie (als Dekoration)<br />

Salz, Pfeffer<br />

4 Currywürste Berliner Art, wie etwa von der<br />

Fleischerei Windisch (100 % Schweinewurst<br />

mit Zwiebel- und Apfelaroma)<br />

ZUBEREITUNG<br />

– Zwiebel und Knoblauch in Öl anbraten, Pelati kurz<br />

mixen und dazugeben.<br />

– Ketchup und Senf dazugeben und mit Salz, Pfeffer<br />

und Honig würzen.<br />

– Die Sauce für acht Minuten köcheln lassen, danach<br />

abschmecken.<br />

– Die bereits vorgegarten Würste für zehn bis fünfzehn<br />

Minuten auf die Grillplatte (190 °C) geben.<br />

HINWEIS<br />

Die Original-Currywurst gibt es selbstverständlich<br />

nur in der »Flotten Charlotte« – die Geheimzutat<br />

wird in diesem Rezept nicht verraten.<br />

FALSTAFF-GETRÄNKE-TIPP<br />

Jaipur (Craft Beer), Thornbridge, England<br />

Ein vielschichtiges IPA: florale Nuancen, Mango und<br />

Weizen, Honig, Zitruszesten. Am Gaumen komplex,<br />

seidige Textur, frisch und gut anhaltend, angenehm<br />

bitterer Hopfentouch im Abgang, zart nach Orangen<br />

im Rückgeschmack. www.beerlovers.at, € 3,50 (0,33 l)<br />

SEBASTIAN ZIEHAUS<br />

»<strong>Wiener</strong> Schmäh trifft auf Berliner Schnauze.« Wo?<br />

In der »Flotten Charlotte«, dem dritten und neuesten<br />

Streich von Szene gastronom Andreas Flatscher.<br />

Der kleine, aber feine Indoor-Nobel-Imbiss befindet<br />

sich, wie seine beiden anderen Lokale auch, in der<br />

Kaiserstraße. In allen dreien ist Sebastian Ziehaus<br />

Küchenchef, der fleißig am perfekten Currywurst-<br />

Rezept tüftelte. Der Weg der beiden kreuzte<br />

sich bereits 2002, und Ziehaus stand<br />

bis 2009 in dem Vorgängerlokal von<br />

»Flatschers«, der »Wäscherei«,<br />

am Herd. Nach einer zweijährigen<br />

Pause war Ziehaus<br />

dann auch der logische Küchenchef<br />

für das Steaklokal<br />

»Flatschers«, wo er seither<br />

tätig ist. Der perfekte<br />

Arbeitsplatz für einen<br />

Fleischtiger wie Ziehaus,<br />

denn: »Wenn das mit den<br />

Veganern und Vegetariern so<br />

weitergeht, dann seh’ ich mich<br />

mit meinem Steak bald bei den<br />

Rauchern vor der Türe.«<br />

Zusatzfoto: beigestellt<br />

spezial<br />

47


festwochen / NEUES ENTDECKEN<br />

HAUSGEMACHTE TAGLIATELLE<br />

MIT SAUCE BOLOGNESE<br />

Rezept von Christoph Brunnhuber, Restaurant »Fabios«, Wien, Österreich<br />

(für 4 Personen)<br />

ZUTATEN FÜR DEN PASTATEIG<br />

150 g glattes Mehl<br />

150 g Durum (Hartweizengrieß)<br />

12 Eidotter<br />

Salz<br />

2 EL Olivenöl<br />

ZUBEREITUNG<br />

– Auf einer glatten Arbeitsfläche Mehl und Durum<br />

vermischen, in der Mitte eine Mulde bilden,<br />

Eidotter, etwas Salz und Olivenöl hineingeben.<br />

So lange kneten, bis ein glatter Teig entsteht.<br />

– Teig in vier Teile schneiden und jeweils mit der<br />

Nudelmaschine dünn ausrollen.<br />

– Arbeitsfläche bemehlen, Teigblätter einrollen und<br />

in einen Zentimeter breite Streifen schneiden.<br />

ZUTATEN FÜR DIE BOLOGNESE<br />

50 g Butter<br />

50 g Pancetta, fein geschnitten<br />

1 Karotte, fein gewürfelt<br />

2 Stück Stangensellerie, fein gewürfelt<br />

1 Stück Zwiebel, fein geschnitten<br />

120 g Faschiertes vom Rind<br />

100 g Faschiertes vom Schwein<br />

125 ml Rotwein<br />

Rindsuppe, nach Bedarf<br />

1 EL Tomatenmark<br />

Salz, Pfeffer<br />

ZUBEREITUNG<br />

– Für das Ragout Butter in einem Topf schmelzen<br />

und den feingeschnittenen Pancetta darin braten.<br />

Das klein geschnittene Gemüse dazugeben und<br />

für zehn Minuten leicht rösten.<br />

– Das faschierte Fleisch dazugeben und braten, bis<br />

das Fleisch Farbe angenommen hat. Tomatenmark<br />

hinzufügen, kurz mitrösten und mit dem Rotwein<br />

ablöschen.<br />

– Den Wein zur Gänze reduzieren und nach Bedarf<br />

mit der Rindsuppe auffüllen. Für etwa 1½ Stunden<br />

leicht köcheln und stetig etwas Rindsuppe zugießen,<br />

bis eine sämige Konsistenz erreicht ist.<br />

Mit Salz und Pfeffer abschmecken.<br />

ZUTATEN ZUM SERVIEREN<br />

Parmesan, gerieben<br />

FERTIGSTELLEN<br />

- Die Tagliatelle in reichlich Salzwasser kochen,<br />

abseihen und unter die Fleischsauce mengen.<br />

- Mit geriebenem Parmesan servieren.<br />

FALSTAFF-WEINEMPFEHLUNG<br />

2016 Fräulein Rosé, Mayer am Pfarrplatz, Wien<br />

Ein Hauch von sommerlicher Provence aus <strong>Wiener</strong><br />

Weingärten. Leuchtendes Lachsrosa, fein würzig unterlegtes<br />

rotes Waldbeerkonfit, elegant, mineralisch,<br />

ideal zur Pasta, frisch, Kirschentouch und zitronige<br />

Nuancen im Nachhall. shop.pfarrplatz.com, € 10,–<br />

CHRISTOPH BRUNNHUBER<br />

Christoph Brunnhuber ist eine treue Seele.<br />

So kehrte er nach einigen Jahren Abstinenz<br />

und einem kurzen Ausflug ins<br />

»Artner« am Franziskanerplatz<br />

zu seinem Patron<br />

Giacobello ins »Fabios«<br />

zurück und<br />

kocht dort nun<br />

eine radikal<br />

vereinfachte,<br />

aber dennoch<br />

fantastisch<br />

gute und leichte<br />

italieni sche<br />

Küche. Besonders<br />

mit seinen<br />

unterschiedlichen<br />

Pasta- und<br />

Risotto-Varia tionen<br />

begeistert Brunnhuber<br />

seine Gäste wie kaum ein<br />

anderer.<br />

Zusatzfoto: beigestellt<br />

48 spezial


»Spaghetti Bolognese ist für MEESE<br />

der ›Totalst-Western von morgen‹,<br />

also die Erzspeisung der Zukunft<br />

im Namen der Nudel-Kunst ›Parsifalmeese‹.«<br />

JONATHAN MEESE<br />

spezial<br />

49


festwochen / NEUES ENTDECKEN<br />

»Germknödel sind mit Liebe (Mohn)<br />

gefüllte Grundelemente (Knödel).«<br />

JONATHAN MEESE<br />

50 spezial


GERMKNÖDEL – DEKONSTRUIERT<br />

Rezept von Walter Leidenfrost, Restaurant »Ludwig Van«, Wien, Österreich<br />

(für 4 Personen)<br />

ZUTATEN FÜR DEN GERMSPONGE<br />

2 Eier<br />

1 Eidotter<br />

¼ Würfel Germ<br />

½ EL Germpulver<br />

25 g braune Butter<br />

ZUBEREITUNG<br />

– Alles zusammenmixen und danach sieben.<br />

In eine ISI-Flasche füllen und drei Kapseln<br />

verwenden. Für drei Stunden einkühlen.<br />

ZUTATEN FÜR DAS GERMEIS<br />

125 ml Milch<br />

125 ml Obers<br />

55 g Zucker<br />

½ Würfel Germ<br />

4 Eidotter<br />

Prise Salz<br />

ZUBEREITUNG<br />

– Milch, Obers, Zucker und Germ aufkochen und<br />

mit dem Eidotter zur Rose abziehen.<br />

– In Pacojet-Becher füllen und frieren. Alternativ<br />

kann man auch eine herkömmliche Eismaschine<br />

verwenden.<br />

ZUTATEN FÜR DIE MOHNKUGEL<br />

75 g Mascarpone<br />

1 Eidotter<br />

15 g Zucker<br />

40 ml Schlagobers<br />

1 EL Mohn gemahlen<br />

ZUBEREITUNG<br />

– Eidotter und Zucker warm aufschlagen, Schlagobers<br />

und Mascarpone hinzufügen und so lange<br />

rühren, bis die Sauce eindickt. Mohn unterrühren.<br />

– Creme in Halbkugeln füllen, frieren und danach<br />

zu Kugeln formen.<br />

ZUTATEN FÜR DAS MOHNKUGEL-GELEE<br />

250 ml Milch<br />

½ Vanilleschote, ausgekratzt<br />

11 g Gelificant (pflanzliche Gelatine)<br />

ZUBEREITUNG<br />

– Alles drei Minuten durchkochen und die gefrorenen<br />

Mohnkugeln mithilfe eines Zahnstochers gelieren.<br />

– Im Kühlschrank abgedeckt langsam aufgehen<br />

lassen.<br />

ZUTATEN FÜR DIE MOHN-BRAUNE-BUTTER-<br />

MOUSSE<br />

1 Ei<br />

125 g Mascarpone<br />

25 g Zucker<br />

1 Blatt Gelatine<br />

175 ml Obers<br />

15 g braune Butter<br />

25 g Mohn, gemahlen<br />

ZUBEREITUNG<br />

– Eier und Zucker über Wasserdampf schaumig<br />

schlagen, Mascarpone, braune Butter und Mohn<br />

dazuschlagen. Die Gelatine in Wasser einweichen,<br />

gut ausdrücken und in der warmen Masse auflösen.<br />

Das halbsteife Obers unterheben.<br />

– Gleichmäßig auf Luftpolsterfolie streichen<br />

und frieren.<br />

– Mit runden Ausstechern Ringe ausstechen und<br />

bis zum Anrichten wieder frieren.<br />

ZUTATEN FÜR DAS ANRICHTEN<br />

Etwas Powidl<br />

ANRICHTEN<br />

– Germsponge in einem Plastikgeschirr für rund<br />

40 Sekunden in der Mikrowelle backen, danach<br />

in flüssige braune Butter tunken.<br />

– Germeis im Pacojet herunterlassen.<br />

– Gefrorene Mohnmousse auf dem Teller platzieren,<br />

selbst gemachten Powidl punktuell auf den Teller<br />

spritzen.<br />

– Mohnkugel auf die Mousse geben, lauwarmen<br />

Germsponge auf dem Teller platzieren und das Eis<br />

darauf setzen.<br />

WALTER LEIDENFROST<br />

Walter Leidenfrost ist mit seinen 29 Jahren schon<br />

viel herum gekommen. Der Jungkoch sammelte<br />

seine Erfahrungen an den feinsten Adressen<br />

Österreichs, unter anderem bei »Meinl am Graben«,<br />

dem »Pfarrwirt«, dem »Steira Wirt« in Trautmannsdorf<br />

oder im »Kussmaul« sowie im Edelbeisl<br />

»Weinhaus Arlt«. Für seine moderne <strong>Wiener</strong> Küche<br />

erhielt Leidenfrost zahlreiche Auszeichnungen, war<br />

2015 »Falstaff Rookie des Jahres« und gibt sein<br />

Talent heute im »Ludwig Van« zum Besten.<br />

FALSTAFF-WEINEMPFEHLUNG<br />

2015 Eiswein Cuvée<br />

Liliac & Weingut Kracher, Illmitz, Österreich<br />

Eine rumänisch-burgenländische Koproduktion mit<br />

facettenreichem Nasen- und Gaumenspiel: Litschi<br />

und Pfirsich mit Noten von Wiesenkräutern, am Gaumen<br />

tropenfruchtig und lebendig, zarter Honigtouch<br />

im Nachhall, reife Ananas im Finish.<br />

www.kracher.at, € 21,90 (0,375 l)<br />

Zusatzfoto: Jürgen Hammerschmidt<br />

spezial<br />

51


festwochen<br />

/ NEUES ENTDECKEN<br />

» MEESE LIEBT<br />

FAST<br />

ALLE<br />

FRESSALIEN «<br />

Für die <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong> inszeniert er Richard Wagners »Parsifal«,<br />

für Falstaff seine persönliche Genusswelt: Jonathan Meese über die<br />

»Gastronomie der Liebe«, seine japanische »Erzbabyprägung« und<br />

warum Kunst aus dem Bauch kommt.<br />

INTERVIEW MICHAELA ERNST<br />

FALSTAFF Man weiß zwar seit Richard Wagners<br />

»Parsifal«, dass ein Festmahl ohne Gral<br />

sinnlos ist, wie aber würde Ihr persönliches<br />

Festmahl aussehen?<br />

JONATHAN MEESE Meeses persönliches<br />

Festmahl besteht aus Liebe, also Respekt zu<br />

allem, was bei Tisch ist. Essen, Trinken, Gäste<br />

und Räumlichkeit muss liebevollst ineinandergreifen,<br />

ohne Angst, ohne Ideologie, ohne Religion<br />

und ohne Politik.<br />

Was müsste Ihr Gral können?<br />

Der Gral müsste entheiligt werden, also Evolution<br />

sein. Der Gral muss entmachtet sein, am<br />

besten er entmachtet sich selbst, denn er ist<br />

nur Projektion.<br />

Der »Parsifal« war zuweilen für Sie mit recht<br />

dramatischen Momenten verbunden – zuletzt<br />

endete Bayreuth mit einem Rausschmiss.<br />

Haben Sie schon Ähnliches in der Gastronomie<br />

erlebt?<br />

In der Gastronomie erlebt Meese nur Kunstbestes.<br />

Es gilt: Wie man in den Wald hineinruft,<br />

so schallt es heraus. Meese liebt »Gastronomie<br />

der Liebe« und genießt ohne Hintergedanken.<br />

Meese ist kunstliebevollster Gast jeder<br />

liebevollen Gastronomie.<br />

Sind Köche Künstler?<br />

Köche, die mit Liebe kochen, sind immer<br />

Künstler, also Zukunft, also kunstvollste<br />

Spielkinder. Essen, Trinken und Schlafen<br />

sind Grundvoraussetzungen des Lebens.<br />

Köche, die ohne Falsch, ohne Zynismus und<br />

ohne Ideologie kochen, servieren nur Wunderbarstes.<br />

Totale Hingabe zur Kochkunst ist<br />

nicht vortäuschbar.<br />

Sie sagen, Sie tun sich schwer, so etwas wie ein<br />

»Lieblingsessen« zu definieren. Hängt das mit<br />

Ihrer kosmopolitischen Prägung zusammen?<br />

Sie sind ja in Tokio geboren, in Deutschland<br />

aufgewachsen und als Künstler sowieso international<br />

tätig.<br />

Meese liebt fast alle Fressalien. Essen und Trinken<br />

darf nicht ideologisiert werden. Meese<br />

muss einmal die Woche, mindestens, erzjapanisch<br />

essen gehen, das ist die Erzbabyprägung<br />

Samurai.<br />

Versuchen wir es trotzdem: Tokio oder Paris?<br />

Berlin oder London?<br />

Tokio und Berlin, dann blitzartigst Paris und<br />

London. Alles vom Speise- und Trankfeinstem.<br />

Laut einer Story im Nachrichtenmagazin »Der<br />

Spiegel« behauptet Ihre Mutter, Sie würden zu<br />

viel Essen. Stimmt das?<br />

Mutter Meese weiß, dass Meese klarst zu viel<br />

futtert, aber was soll man machen! Meese liebt<br />

nun mal das Schnabbeln und das Weinchen<br />

und den Milchshake. Kunst kommt aus dem<br />

Bauch, nicht aus dem ideologischen Hirn.<br />

Kann man das überhaupt, nur in einer Sache<br />

maßlos sein?<br />

Meese ist in allem maßlos, was Kunst ist, das<br />

ist die Grundvoraussetzung und die Grundversorgung<br />

von Kunst. Meese lehnt jedes Maß der<br />

Fotos: Jonathan Meese<br />

52 spezial


»Köche,<br />

die mit Liebe kochen,<br />

sind immer Künstler,<br />

also Zukunft,<br />

also kunstvollste<br />

Spielkinder.«<br />

Realität ab. Meese bedient nur Antirealität.<br />

Ihre schönste Erinnerung der Maßlosigkeit?<br />

Meese erlebt kulinarische Maßlosigkeit tagtäglich,<br />

das gehört zur Evolution dazu. Meese ist<br />

gerne die Raupe Nimmersatt, ein Vielfraß und<br />

Faultier zugleich.<br />

Nun zu Wien: Kaffee- oder Wirtshaus? Ihre<br />

Lieblingslokale hier?<br />

Meese liebt das Wirtshaus, da »salzig«. Das Kaffeehaus<br />

ist »süß« und Meese nascht auch gerne<br />

mal. Seine Lieblingshotels und -lokale momentan<br />

sind: das »Glacis Beisl«, das »Le Méridien«, das<br />

»Sperl«, das »Carlton«, der Naschmarkt, das<br />

»K+K Hotel Maria Theresia«, das »Hawelka«,<br />

das »Josefshof«, das »Nihonbashi« und, und,<br />

und … Meese lässt sich immer gern auf Neues<br />

ein, null Problemo.<br />

Für den »Parsifal« wurde vom »Mayer am Pfarrplatz«<br />

ein eigener »Meeswein« lanciert. Wie<br />

stark waren Sie in dieses Projekt involviert?<br />

Meese liebt die Cuvée vom »Mayer«, am Pfarrplatz<br />

getrunken, und hat folgerichtig das Etikett<br />

des »Meesweins« erschaffen. Er freut sich radikalst<br />

auf den Erztrank Parsifal, der geht runter<br />

wie Öl.<br />

Welche Rolle spielt Wein bei einem Essen?<br />

Bevorzugen Sie das Prinzip »Entweder ist das<br />

Essen oder der Wein der Star« oder doch eher<br />

»Am besten ist beides vom Besten«?<br />

Bei Meese ist »Essen« und »Wein« gesamtkunstwerkig<br />

mit größter Hingabe zu vollziehen.<br />

Zuletzt noch einmal kurz zum »Parsifal«:<br />

Warum bringt er den Schwan um? Einfach<br />

so, oder um ihn zu grillen und zu essen?<br />

Parsifal schießt den Schwan aus dem angeborenen<br />

Spieltrieb heraus, ohne Falsch. Der Schwan<br />

ist ein Drachenbaby.<br />

spezial<br />

53


festwochen / SERVICE<br />

THEATER AN DER WIEN:<br />

GR ÄTZELTIPPS<br />

Der »Mondparsifal« wird am Theater an der Wien aufgeführt.<br />

Falstaff präsentiert die besten Adressen für einen Kaffee oder<br />

ein Dinner vor der Vorstellung – und für einen Absacker danach.<br />

DRECHSLER<br />

Das Theater an der Wien liegt direkt am Naschmarkt. Seit 1919<br />

ist das »Drechsler« eine Institution am Naschmarkt, wo Tradition<br />

auf Moderne und das <strong>Wiener</strong> Kipferl auf Eggs Benedict treffen. Der<br />

Kaffee, den die österreichische Traditionsrösterei Naber liefert, wird<br />

hier mit einer Milch-Obers-Mischung im Verhältnis 50:50 serviert.<br />

dinner<br />

Linke Wienzeile 22/Girardigasse 1<br />

1060 Wien<br />

T: +43 1 5812044<br />

www.cafedrechsler.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–Do, So: 8–24 Uhr<br />

Fr, Sa: 8–2 Uhr<br />

davor<br />

Falstaff<br />

90<br />

Fotos: Cafe Drechsler, Jürgen Hammerschmidt, Paul Ott, beigestellt<br />

54 spezial


Falstaff<br />

89<br />

LUDWIG VAN<br />

Gutbürgerlich, aber trotzdem modern. Gleich<br />

zwei Talente kochen in diesem neuen, schönen<br />

Lokal: Abends Walter Leidenfrost (vormals<br />

»Weinhaus Arlt«), zu Mittag gibt’s ein Menü<br />

von Nora Kreimeyer (einst »Mamsell«).<br />

Laimgrubengasse 22, 1060 Wien<br />

T: +43 1 5871320<br />

www.ludwigvan.wien<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–Fr: 11:30–14:30 Uhr<br />

Di–Fr: 18–24 Uhr<br />

drinks<br />

MOTTO<br />

Die Speakeasy-Atmosphäre aus sinnlichem Licht,<br />

eklektischen Drinks und verrückten DJs zieht seit<br />

Jahrzehnten Nachtschwärmer in ihren Bann. Das<br />

Facelifting hat dem Lokal ein herausragendes<br />

Design verliehen. Erstklassige Küche.<br />

Rüdigergasse 1, 1050 Wien<br />

T: +43 1 5870672<br />

www.motto.wien<br />

Öffnungszeiten:<br />

So–Do: 18–2 Uhr<br />

Fr, Sa: 18–4 Uhr<br />

THEATER AN DER WIEN<br />

Das Theater an der Wien trägt auch den Namen »Das neue<br />

Opernhaus« und ist damit die passende Location für<br />

Jonathan Meeses und Bernhard Langs moderne Wagner-<br />

Interpretation »Mondparsifal« (mehr dazu auf S. 142).<br />

MONDPARSIFAL ALPHA 1–8<br />

(ERZMUTTERZ DER ABWEHRZ)<br />

Theater an der Wien<br />

Linke Wienzeile 6, 1060 Wien<br />

Falstaff<br />

4. Juni, 18 Uhr/6. Juni, 18 Uhr/<br />

8. Juni, 18 Uhr<br />

85<br />

95–100 Punkte 90–94 Punkte 85–89 Punkte 80–84 Punkte<br />

95–100 Punkte 90–94 Punkte 85–89 Punkte 80–84 Punkte<br />

95–100 Punkte 90–94 Punkte 85–89 Punkte 80–84 Punkte<br />

spezial<br />

55


festwochen / SERVICE<br />

TOP-ADRESSEN<br />

UMS THEATER<br />

Vierzig verschiedene<br />

Bohnen werden<br />

im »Alt Wien<br />

Kaffee« gebrüht.<br />

EBERTS BAR<br />

Dass es hier fachmännisch zubereitete Klassiker<br />

und viele Neukreationen gibt, ist eigentlich nur<br />

logisch. Denn die Bar betreibt auch eine Schule,<br />

an der schon einige der heute führenden Bar -<br />

keeper im Lande ihr Handwerk gelernt haben.<br />

Gumpendorfer Straße 51, 1060 Wien<br />

www.eberts.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

Di, Mi, Do: 18–2 Uhr<br />

Fr, Sa: 19–4 Uhr<br />

WEIN & CO BAR AM NASCHMARKT<br />

Die Mutter aller »Wein & Co«-Bars bietet auf<br />

600 m² viel Platz und ein großes Angebot für<br />

Wein-, aber auch Bier- und Champagnertrinker.<br />

Dazu genießt man frisch zubereitete Snacks.<br />

Linke Wienzeile 4, 1060 Wien<br />

T: +43 50706 3101, www.weinco.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–Mi: 10–4 Uhr<br />

Do, Fr: 10–1 Uhr, Sa: 9–1 Uhr<br />

So, Feiertage: 11–24 Uhr<br />

CAFÉS<br />

RESTAURANTS<br />

ON MARKET<br />

Wiens wohl schickstes Chinarestaurant, mit<br />

eindrucksvollem Luster, sehr schöner und sehr<br />

guter Bar sowie buntem, Kanton-inspiriertem<br />

Essensmix. Sonniger Gastgarten an der Wienzeile.<br />

Linke Wienzeile 36, 1060 Wien<br />

T: +43 1 5811250, www.on-market.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–So: 8–2 Uhr<br />

NAUTILUS<br />

Naschmarkt-Fischrestaurant mit klassischem<br />

Angebot von Austern bis Fisch im Ganzen. Mediterraner<br />

Schwerpunkt mit asiatischen Einschlä -<br />

gen. Großteils österreichische Weinkarte.<br />

Naschmarkt, Stand 673, 1060 Wien<br />

T: +43 660 7766633<br />

www.nautilus-fischrestaurant.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–Sa: 11–24 Uhr<br />

CHINA KITCHEN NO. 27<br />

Ein sehr authentisches Chinarestaurant mit<br />

Schwerpunkt auf der Sichuanküche, einige<br />

Spezialitäten wie Froschschenkel, viele<br />

Innereien. Minimalistisches Design.<br />

Linke Wienzeile 20, 1060 Wien<br />

T: +43 1 5812486<br />

www.chinakitchenno27.at<br />

Öffnungszeiten: Mo–Sa: 11–23 Uhr<br />

So, Feiertage: 11:30–22 Uhr<br />

UBL<br />

Wunderschönes, super erhaltenes altes<br />

Gasthaus mit sehr viel Holz und hohen<br />

Räumen. Die Speisekarte ist ähnlich<br />

historisch gefestigt wie die Inneneinrichtung.<br />

Pressgasse 26, 1040 Wien<br />

T: +43 1 5876437<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mi–So: 12–14 Uhr und 18–24 Uhr<br />

BARS<br />

IF DOGS RUN FREE<br />

Das Design gilt als wegweisend, die Getränke<br />

sind solide: klassische Longdrinks und Cock tails.<br />

Viele Getränke stammen aus der Prohi bitions zeit,<br />

wie etwa der »Old Fashioned« oder der<br />

»Chrysanthemum«. Zudem gibt es eine<br />

schöne Auswahl an Spirituosen.<br />

Gumpendorfer Straße 10, 1060 Wien<br />

www.ifdogsrunfree.com<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–Do: 18–2 Uhr<br />

Fr, Sa: 18–4 Uhr<br />

Frische Meeresküche<br />

gibt es im »Nautilus«.<br />

VOLLPENSION<br />

Generationencafé mit Kuchen und tollen Mehlspeisen<br />

– von Omas gebacken. Empfehlenswert<br />

ist auch der Brunch mit selbst gebackenem Brot,<br />

Marmelade, Kuchen, russischem Ei, Wurst, Käseigel,<br />

Obst, Joghurt, Müsli, frisch zubereitetem<br />

Rührei und vielem mehr. Genauso wie früher<br />

kann man auch nur mit Bargeld zahlen.<br />

Schleifmühlgasse 16, 1040 Wien<br />

T: +43 1 5850464<br />

www.vollpension.wien<br />

Öffnungszeiten: Di–Do: 9–22 Uhr<br />

Fr, Sa: 9–24 Uhr<br />

So: 9–20 Uhr<br />

ALT WIEN KAFFEE<br />

Frisch gebrühter Bohnenkaffee in höchster<br />

Qualität, geröstet nach alter handwerklicher<br />

Tradition. Über vierzig verschiedene Kaffeesorten –<br />

von reinsortigem Lagenkaffee bis hin zu Gourmetkaffee<br />

– kann man hier kaufen und genießen.<br />

Schleifmühlgasse 23, 1040 Wien<br />

T: +43 1 5050800, www.altwien.at<br />

Öffnungszeiten: Mo–Fr: 10–18 Uhr<br />

Sa: 10–16 Uhr<br />

ANZENGRUBER<br />

Das »Anzengruber« ist eigentlich kein Kaffee -<br />

haus, sondern ein Beisl. Ein Lokal, in dem sich<br />

der <strong>Wiener</strong> wohlfühlt: Nonchalant ranzig und der<br />

böhmisch-österreichischen Küche verschrieben,<br />

ist es auch das inoffizielle Literatencafé Wiens.<br />

Schleifmühlgasse 19, 1040 Wien<br />

T: +43 1 5878297<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–Sa: 16–1 Uhr<br />

CHINA BAR AN DER WIEN<br />

Simon Xie Hongs (ON, ON Market) Ode an die<br />

Sichuanküche mit vielen leicht moderni sierten<br />

Klassikern von scharfem Rindfleisch bis zu<br />

Froschschenkeln. Super Sichuanpfeffer!<br />

Hamburger Straße 2, 1050 Wien<br />

T: +43 1 9713288<br />

www.chinabaranderwien.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–Fr, So: 11:30–24 Uhr<br />

Sa: 8–24 Uhr<br />

CAFÉ SPERL<br />

Eines der ältesten Kaffeehäuser Wiens, in dem<br />

heute Studenten auf Künstler und Werber auf<br />

Touristen treffen. Das Frühstücksangebot ist<br />

typisch für ein Kaffeehaus: klein und übersichtlich.<br />

Das Ambiente ist immer wieder beeindruckend.<br />

Gumpendorfer Straße 11–13, 1060 Wien<br />

T: +43 1 5864158, www.cafesperl.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–Sa: 07–23 Uhr<br />

So: 11–20 Uhr<br />

Foto: Andreas Polster, beigestellt<br />

56 spezial


Sotheby’s Wein Auktionen<br />

Einbringungen für unsere<br />

monatlichen Weinauktionen in<br />

London sind jederzeit möglich.<br />

Chambolle Musigny, Les Amoureuses 1990 Domaine<br />

Georges Roumier, 3 Magnumflaschen, Schätzpreis<br />

£8,000-10,000, verkauft für £17,038 am 26. April 2017<br />

Kontaktieren Sie uns für eine unentgeltliche,<br />

unverbindliche und vertrauliche Schätzung<br />

Ihrer Sammlung.<br />

LONDON<br />

CLAIRE.COLLINI@SOTHEBYS.COM<br />

+44 20 7293 5041<br />

WIEN<br />

JORDIS.FUCHS@SOTHEBYS.COM<br />

+43 1 512 4772<br />

SOTHEBYS.COM/WINE<br />

DOWNLOAD SOTHEBY’S APP<br />

FOLLOW US @SOTHEBYS


festwochen<br />

/ NEUES ENTDECKEN<br />

DIE REBSTOCK-<br />

REBELLEN<br />

<strong>Festwochen</strong>thema:<br />

Europa<br />

Die Filmschau »Europa erzählen«<br />

geht davon aus, dass es<br />

eine gemeinsame Erzählung<br />

Europas nicht gibt – vielmehr<br />

zeichnet sie ihre Vielfalt aus.<br />

11.5.–18.6.2017, mehr<br />

dazu auf S. 65.<br />

Ihre Methoden sind oft eigenartig, und auch ihre Weine schmecken so gar nicht nach<br />

Mainstream. In einigen Ländern Europas machen schillernde Individualisten und schräge<br />

Typen Weine der ganz anderen Art. Vielleicht sind es sogar önologische Kunstwerke.<br />

TEXT HERBERT HACKER<br />

Fotos: beigestellt<br />

58 spezial


Auf den steilen Terrassen<br />

rund um den Ätna stellt<br />

Frank Cornelissen einen<br />

der außergewöhnlichsten<br />

Weine Europas her.<br />

spezial<br />

59


festwochen / NEUES ENTDECKEN<br />

Das große Krabbeln:<br />

Insekten und Käfer zieren<br />

die Etiketten von Andreas<br />

Tscheppes Weinen.<br />

Andreas Tscheppe mag Insekten.<br />

Besonders der Hirschkäfer<br />

hat es ihm angetan.<br />

»Ein wunderschönes Tier,<br />

das die meiste Zeit unter<br />

der Erde verbringt«,<br />

schwärmt er. »Hirschkäfer erblicken für nur<br />

wenige Wochen das Licht der Welt, gerade<br />

lange genug, um sich fortzupflanzen.«<br />

»Die Ruhe unter der Erde, die ein Hirschkäfer<br />

braucht, die muss doch auch einem<br />

Wein guttun«, sagt Tscheppe, dem bewusst<br />

ist, dass solch ein Satz bei den meisten<br />

Menschen nur ungläubiges Staunen hervorruft.<br />

Andreas Tscheppe ist nämlich kein<br />

entrückter Tierfreund, sondern Weinmacher,<br />

allerdings einer der etwas ungewöhnlichen<br />

Art. Allein schon die Etiketten seiner verschiedenen<br />

Weine sind bemerkenswert: Jede<br />

Flasche ziert ein Kleingetier, meist sind es<br />

Krabbelwesen. Der Wein mit dem Hirschkäfer<br />

ist am erstaunlichsten. Das Fass, in dem er<br />

reift, vergräbt Tscheppe nämlich tatsächlich in<br />

der Erde. Dort bleibt es einige Monate.<br />

Ein Winzer, der seine Fässer im Garten<br />

verbuddelt? Ist der Mann noch zu retten?<br />

Doch für Tscheppe ist das alles ganz normal.<br />

Er gehört zusammen mit Winzern wie Sepp<br />

Muster oder Roland Tauss zur österreichischen<br />

Das Fass, in dem der Wein<br />

mit dem Hirschkäfer reift,<br />

vergräbt Tscheppe in der Erde.<br />

Es bleibt dort einige Monate.<br />

Alternativweinszene. Ihre »Orange-« oder<br />

»Natural-Weine« sorgten noch vor Jahren für<br />

viel Aufsehen und waren in der traditionellen<br />

Welt der Weinmacher heftig umstritten. Inzwischen<br />

ist das anders. In vielen Ländern der Welt<br />

bedienen sich immer mehr Winzer ausgefallener<br />

Methoden: Sie verzichten mitunter auf<br />

Schwefel, erzeugen maischevergorene Weißweine<br />

mit Farben wie Fruchtsäfte oder lassen ihre<br />

oft etwas trüben Flüssigkeiten in Amphoren<br />

reifen. So wie vor Tausenden Jahren in Georgien,<br />

der Wiege des Weinbaus dieser Welt.<br />

In Europa liegt das Epizentrum der<br />

heutigen Naturweinszene im italienisch-slowenischen<br />

Grenzland zwischen Görz und Cormòns.<br />

In kaum einer anderen Region finden<br />

sich so viele Winzer, die ihre Weine ohne<br />

Zusätze und Eingriffe im Keller verarbeiten<br />

und Weißweine auf der Maische vergären.<br />

Naturwein-Pionier Sepp<br />

Muster hat sein Weingut<br />

in der Südsteiermark.<br />

Uralte Weinkultur: Josko<br />

Gravner stellt seinen Wein<br />

in Tongefäßen, tief in der<br />

Erde eingegraben, her.<br />

60 spezial


Der Boden um den Ätna ist<br />

reich an Mineralien – Frank<br />

Cornelissen nutzt das für<br />

seinen Weinanbau.<br />

Fotos: Alvise Barsanti, beigestellt<br />

Gravner brachte 2001 seinen ersten Amphorenwein auf den<br />

Markt. Die Fachwelt war entsetzt. »Verdorben und un trinkbar«,<br />

so das Urteil. Das stachelte den Winzer erst richtig an.<br />

Einer der Pioniere dieser eigenwilligen Weinerzeugung<br />

ist Josko Gravner im Friaul, im<br />

Collio-Gebiet. Lange Zeit betrieb Gravner<br />

einen ganz normalen Weinbau – seine Weine<br />

wurden schon vor rund dreißig Jahren hoch<br />

bewertet und waren notorisch ausverkauft.<br />

Bis er eines Tages nach Georgien reiste.<br />

Gravner kam aus dem Staunen nicht heraus.<br />

Genau wie ihre Ahnen vor 5000 Jahren,<br />

keltern kleine Winzer dort noch heute ihre<br />

Weine in Tonamphoren. Gravner war begeistert<br />

und ließ sich Amphoren schicken. Er<br />

experimentierte einige Jahre, bis 2001 sein<br />

erster Amphorenwein auf den Markt kam.<br />

Die Fachwelt war entsetzt. »Verdorben und<br />

untrinkbar«, so das Urteil. Das stachelte den<br />

streitbaren Winzer erst richtig an – der Rest<br />

ist Geschichte. Josko Gravner gilt heute als<br />

der Vater der modernen Weinantike und ist<br />

damit höchst erfolgreich.<br />

Ein Gebiet, in dem sich erst in jüngster<br />

Zeit eine dynamische Naturweinszene entwickelt<br />

hat, ist Sizilien. Genauer gesagt das<br />

Gebiet rund um den Ätna. Der Ätna ist mit<br />

einer Höhe von 3300 Meter der größte und<br />

zugleich aktivste Vulkan Europas. In regelmäßigen<br />

Abständen bricht er aus, zuletzt<br />

im März dieses Jahres. Nur selten richtet<br />

er größere Schäden an, weshalb er von den<br />

Einwohnern liebevoll »Monjibeddu«, der<br />

schöne Berg, genannt wird. Die Menschen<br />

hier haben ihm auch viel zu verdanken.<br />

Nirgendwo sonst in Sizilien ist das Land so<br />

fruchtbar wie rund um den Ätna. Der Boden<br />

ist ein komplexes Gemisch aus verwitterter<br />

Lava und Sedimenten aus der Kreidezeit,<br />

reich an Mineralien. Ziemlich ideal für<br />

Wein. Umso erstaunlicher ist es, dass am<br />

Ätna zwar seit drei Jahrtausenden Weinbau<br />

betrieben wird, aber erst in letzter Zeit in<br />

herausragender Qualität. Lange Zeit belieferte<br />

man Betriebe aus dem Norden, die damit<br />

ihre Weine aufbesserten. »Als ich hierherkam,<br />

hat niemand einen Wein in Flaschen<br />

gefüllt«, erinnert sich Frank Cornelissen,<br />

ein Belgier, der sich den Ätna gezielt ausgesucht<br />

hatte, um hier Wein zu machen.<br />

Vor mehr als zehn Jahren ist er hierhergekommen<br />

und hat begonnen, mit völlig<br />

anderen Qualitätsanforderungen Weine<br />

zu produzieren. Authentisch sollten sie sein,<br />

unverfälscht. Aus Rebsorten, die hier seit<br />

><br />

spezial<br />

61


festwochen<br />

/ NEUES ENTDECKEN<br />

Pianist Giuseppe<br />

Russo ist einer der<br />

vielen Quereinsteiger<br />

im Weinbau rund<br />

um den Ätna.<br />

Irgendwann langweilten Frank Cornelissen die Edeltropfen,<br />

immer gleichförmiger seien sie geworden, erzählt er. Cornelissen<br />

liebt das Ungewöhnliche, das Quer-gegen-den-Strich-Gebürstete.<br />

><br />

jeher angepflanzt werden, allen voran<br />

Nerello Mascalese, der derzeit als neuer Pinot<br />

Noir oder Barolo gehandelt wird.<br />

In seinem früheren Leben war Cornelissen<br />

Broker und handelte mit den teuersten Weinen<br />

der Welt: Mouton Rothschild, Pétrus,<br />

Romanée-Conti und so weiter. Irgendwann<br />

langweilten ihn die Edeltropfen, immer gleichförmiger<br />

und kommerzieller seien sie geworden,<br />

erzählt er.<br />

Cornelissen liebt das Ungewöhnliche,<br />

das Quer-gegen-den-Strich-Gebürstete. Die<br />

meisten seiner Reben sind in der traditionellen<br />

»Albarella«-Erziehung ausgepflanzt, die man<br />

nur noch selten in Südeuropa findet. Knorrige,<br />

alte Bäumchen ohne Drahtgestell stehen<br />

scheinbar wild durcheinander. Sie sind nicht<br />

höher als einen halben Meter. In Wahrheit<br />

steckt ein ausgeklügeltes System dahinter, das<br />

die händische Lese erleichtern soll. Dazwischen<br />

wachsen Oliven, Mandelbäume, Gemüse,<br />

duftende Bergminze und wilder Fenchel.<br />

62 spezial<br />

Alberto Graci ist von der<br />

Idee beseelt, authentischen<br />

Ätna-Wein herzustellen.<br />

Auch die Tatsache, dass am Ätna keine Monokultur<br />

betrieben wird, habe ihn damals veranlasst,<br />

sich hier mit seiner japanischen Frau eine<br />

neue Existenz aufzubauen. Steil und kurvig<br />

schlängelt sich die Straße zu dem abgelegenen<br />

Bergdorf Solicchiata.<br />

Überall in Sizilien herrscht im Sommer<br />

brütende Hitze, nur die Hänge des Ätnas sind<br />

vom gemäßigten Kontinentalklima geprägt.<br />

Die Kombination von vulkanischem Boden<br />

und speziellem Mikroklima machen das Terroir<br />

so einzigartig. Selbst der renommierte italienische<br />

Weinguide »Gambero Rosso« verleiht<br />

in seinen Ausgaben den Gewächsen vom<br />

Ätna längst Höchstbewertungen.<br />

Auch kleine Quereinsteiger reizt mittlerweile<br />

das Gebiet rund um den Vulkan: Giuseppe<br />

Russo ist eigentlich Pianist. Vor einigen Jahren<br />

hat er das Weingut seiner Eltern in Passopisciaro<br />

übernommen und es zu einem Bio-Betrieb<br />

umgewandelt. Er produziert inzwischen viel<br />

beachtete Weiß- und Rotweine aus autochthonen<br />

Rebsorten und wurde in Italien sogar<br />

schon zum Winzer des Jahres gewählt.<br />

Alberto Graci wiederum war Banker in<br />

Mailand, bis ihn die Geldgeschäfte nicht mehr<br />

erfüllten und er in seine Heimat Catania<br />

zurückkehrte. Nun ist er beseelt von der Idee,<br />

authentischen Ätna-Wein herzustellen. Die<br />

ältesten Rebstöcke wurden 1904 gepflanzt und<br />

liegen zum Teil auf einer Höhe von 1100<br />

Meter. Sein »Quota 1000«, ein reinsortiger<br />

Nerello Mascalese, zählt inzwischen zu den<br />

besten Rotweinen Italiens.<br />

Der Ätna ist längst zu einer Hochburg für<br />

Naturweine geworden, zumeist biologisch<br />

oder biodynamisch produziert, ohne Zusatzstoffe<br />

und möglichst ohne Eingriffe im Keller.<br />

Frank Cornelissen ist sicher der radikalste<br />

Vertreter dieser Gruppe. Die Rebstöcke werden<br />

überhaupt nicht mehr behandelt, »unnötige<br />

menschliche Eingriffe«, wettert Cornelissen.<br />

Die Lese erfolgt so spät wie möglich, oft<br />

erst Mitte November, danach werden die<br />

Trauben in Tonamphoren vergoren, die bis<br />

zum Rand in Lava eingegraben sind: vier bis<br />

sieben Monate, in Ausnahmejahren auch<br />

schon mal doppelt so lange. Geschwefelt werden<br />

die Weine so gut wie gar nicht. Cornelissens<br />

Weine sind allesamt offen, pur und ohne<br />

jegliche Maskierung. Nacktes Fleisch.<br />

Eine Direktheit, die manche überfordert,<br />

ja brüskiert. Kein Funken Gefälligkeit.<br />

Dem Vorwurf, die einzelnen Flaschen<br />

würden sich zuweilen stark unterscheiden,<br />

begegnet er gelassen: »Was glauben Sie,<br />

wie groß die Schwankungen bei Pétrus sind«,<br />

lächelt der Belgier verschmitzt. »Das habe<br />

ich damals als Broker ständig erlebt.«<br />

Tipp: Weinkünstler aus Europa kennenlernen<br />

Der neue »Just Taste«-Shop bietet die Chance,<br />

sich durch 600 Weine zu verkosten, online gibt<br />

es »Tasting Packs«.<br />

JUST TASTE<br />

Stubenring 16, 1010 Wien<br />

justtaste.com<br />

<<br />

Fotos: beigestellt


#LOVETHESPIRIT<br />

Love the<br />

Spirit<br />

5 % RABATT FÜR MITGLIEDER<br />

& € 25,– WELCOME HOME<br />

GUTSCHEIN SICHERN!<br />

Werden Sie jetzt Blue Spirit Club Mitglied und genießen Sie Ihren nächsten Urlaub<br />

mit exklusiven Vorteilen in allen Falkensteiner Hotels & Residences.<br />

• € 25,– Welcome Home Gutschein<br />

• 5 % Rabatt auf alle Buchungen<br />

• Besondere Mitglieder-Angebote<br />

• Events und vieles mehr<br />

Jetzt registrieren und Traumurlaub buchen:<br />

spiritclub.falkensteiner.com<br />

INFO & BUCHUNG:<br />

Tel. +43/(0)50/99 11 4000 · spiritclub@falkensteiner.com · spiritclub.falkensteiner.com<br />

FMTG Services GmbH, Columbusplatz 7–8, A-1100 Wien, FN 304169 h, FB-Gericht: Wien, Firmensitz: Wien


festwochen<br />

/ SERVICE<br />

FILMMUSEUM:<br />

GR ÄTZELTIPPS<br />

Die besten Cafés, Restaurants und Bars rund um das Filmmuseum,<br />

in dem die Reihe »Europa erzählen« gezeigt wird.<br />

Falstaff<br />

90<br />

davor<br />

UNGER UND KLEIN<br />

Wenige Gehminuten vom Filmmuseum entfernt liegt<br />

dieses charaktervolle Mini-Café am Eingang zu Wiens<br />

ältestem Hoch haus. Es gibt keine Karte – aber wer Hunger<br />

hat, sollte einfach fragen, welche kleine Köstlichkeit es<br />

heute gibt. Auch die Wein karte ist gut bestückt.<br />

Herrengasse 6–8, 1010 Wien<br />

T: +43 1 9692117<br />

www.imhochhaus.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–Fr: 7:45–23 Uhr<br />

Sa: 10–23 Uhr<br />

So, Feiertag: geschlossen<br />

KLEINOD<br />

Diese Bar ist wirklich ein Kleinod:<br />

Das Design kommt von Ben Toth,<br />

die Drinks von Alexander Batik,<br />

David Schober, Oliver Horvath<br />

und Phillip Scheiber – alles spielt<br />

hier zusammen. Eine der wichtigsten<br />

Neueröffnungen des letzten Jahres.<br />

Singerstraße 7, 1010 Wien<br />

T: +43 1 5120325<br />

www.kleinod.wien<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–Sa: 15:30–4 Uhr<br />

So: 17–2 Uhr<br />

drinks<br />

Fotos: Isabella Abel, C-Hurnaus, beigestellt<br />

64 spezial


dinner<br />

TIAN<br />

Ein vegetarisches Fine-Dining-Restaurant,<br />

das technisch aufwendige Gerichte serviert<br />

und beweist, dass auch ohne Fleisch eine<br />

kreative Spitzenküche möglich ist.<br />

Himmelpfortgasse 23, 1010 Wien<br />

T: +43 1 890466529<br />

www.taste-tian.com<br />

Öffnungszeiten:<br />

Di–Sa: 12–14 Uhr, 17:45–21 Uhr<br />

So, Mo: geschlossen<br />

Falstaff<br />

92<br />

ÖSTERREICHISCHES FILMMUSEUM<br />

Die <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong> präsentieren im Filmmuseum die Reihe<br />

»Europa erzählen«. Insgesamt werden fünfzig Werke von ebenso<br />

vielen Künstlern gezeigt. Die Filme zur Geschichte Europas<br />

entstanden zwischen 1929 und 2012.<br />

Europa erzählen. Eine Filmschau<br />

Österreichisches Filmmuseum<br />

Augustinerstraße 1, 1010 Wien<br />

15. Mai, 20:30 Uhr/17. Mai, 19 Uhr<br />

18. Mai, 20:45 Uhr/7. Juni, 20:45 Uhr<br />

Falstaff<br />

95–100 Punkte 90–94 Punkte 85–89 Punkte 80–84 Punkte<br />

95–100 Punkte 90–94 Punkte 85–89 Punkte 80–84 Punkte<br />

95<br />

95–100 Punkte 90–94 Punkte 85–89 Punkte 80–84 Punkte<br />

spezial<br />

65


festwochen / SERVICE<br />

Der »Bräunerhof«<br />

ist einer <strong>Wiener</strong><br />

Institution.<br />

Kosmopolitische<br />

Küche, feine Cocktails:<br />

»Blue Mustard«.<br />

TOP-ADRESSEN<br />

UMS FILMMUSEUM<br />

RESTAURANTS<br />

PALMENHAUS<br />

Speisen im wunderschönen Ambiente des<br />

»Palmenhauses« hinter der Hofburg. Medi -<br />

terran-österreichische Kost, umfangreiches<br />

Cocktailangebot und freitags DJ-Line.<br />

Burggarten 1, 1010 Wien<br />

T: +43 1 5331033, www.palmenhaus.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–Fr: 10–24 Uhr, Sa: 9–24 Uhr<br />

So, Feiertage: 9–23 Uhr<br />

DO & CO ALBERTINA<br />

Österreichs bestes Museumsrestaurant:<br />

vom klassischen <strong>Wiener</strong> Frühstück bis zu<br />

miso-glaced Beef-Rips oder Chili-Tuna-Sushi.<br />

Albertinaplatz 1, 1010 Wien<br />

T: +43 1 5329669, www.doco.com<br />

Öffnungszeiten:<br />

Täglich: 9–24 Uhr<br />

BLUE MUSTARD<br />

Der frankophile Ausnahmekoch Alexander<br />

Mayer gibt sich im »Blue Mustard« kosmopo -<br />

litisch. Außer gewöhnliche Architektur, gute<br />

Bar und Cocktail-Begleitung zu den Gerichten.<br />

Dorotheergasse 6–8, 1010 Wien<br />

T: +43 1 9346705, www.bluemustard.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–Do: 17–2 Uhr; Fr, Sa: 17–4 Uhr<br />

Warme Küche bis 23 Uhr, last order: 22:30 Uhr<br />

So: geschlossen<br />

NIGHTFLY’S<br />

Das »Nightfly’s« zählt nach einem Vierteljahrhundert<br />

nun auch schon zum Urgestein der<br />

<strong>Wiener</strong> American-Bar-Szene. Und es hält eine<br />

Tradition hoch: Die berühmte »Reiss Bar« aus<br />

den 1930ern war ganz in der Nähe. Riesige<br />

Cocktailauswahl. Regelmäßig Livemusik.<br />

Dorotheergasse 14, 1010 Wien<br />

T: +43 699 17128767, www.nightflys.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

Di–Sa: ab 20 Uhr; Mo, So: geschlossen<br />

LOOS AMERICAN BAR<br />

Die »Loos Bar« ist ein Kunstwerk für sich –<br />

und das schon seit 1908. Gestaltet wurde<br />

sie, wie der Name bereits verrät, von Architekt<br />

Adolf Loos persönlich. Klare Linien und edle<br />

Materialien prägen das Design. Die Drinks<br />

sind ebenso einen Besuch wert.<br />

Kärntner Durchgang 10, 1010 Wien<br />

T: +43 1 5123283, www.loosbar.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–So: 12–4 Uhr<br />

Direkt bei der<br />

Albertina: »Do & Co«.<br />

CAFÉS<br />

CAFFÉ COUTURE DISTRICT 1<br />

Im feudalen Ambiente der Palais-Ferstel-Passage<br />

findet sich die Dependance von Georg Brannys<br />

hervorragender Coffee-Bar. Auch hier gibt es<br />

den akribisch zubereiteten Kaffee, ob cold-dripped,<br />

aus dem Chemex-Filter oder aus der »Marzocco«.<br />

Kleiner Schanigarten.<br />

Freyung 2, 1010 Wien<br />

T: +43 676 3322076<br />

www.caffecouture.com<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–Fr: 8–17 Uhr; Sa: 10–17 Uhr<br />

BRÄUNERHOF<br />

In diesem traditionellen Kaffeehaus ist ein<br />

Stück <strong>Wiener</strong> Seele zu Hause. Man trinkt seine<br />

Melange und liest die Zeitung wie dazumal<br />

Thomas Bernhard. Vom Frühstück über die<br />

Mittagskarte bis zum Abendmahl: Hier wird<br />

wienerisch und mit viel Herz gekocht.<br />

Stallburggasse 2, 1010 Wien<br />

T: +43 1 5123893<br />

www.braeunerhof.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–Sa: 8–20:30 Uhr; So: 10–18:30 Uhr<br />

1010 BAR CAFÉ<br />

Direkt im Antiquitätenviertel des Ersten liegt<br />

diese stylische Großstadtbar. Vom ausgiebigen<br />

Frühstück und einem gemütlichen Kaffee über<br />

einen schnellen Mittagsimbiss bis hin zum<br />

Daiquiri lässt sich hier der urbane <strong>Wiener</strong> nieder.<br />

Plankengasse 2, 1010 Wien<br />

T: +43 1 5130849, www.1010.co.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–Sa: 9–1 Uhr<br />

BARS<br />

FILMBAR<br />

In der »Filmbar« im Filmmuseum Wien shaked<br />

man nicht nur Cocktails, sondern auch die Hüften.<br />

Immer wieder Musikevents mit verschiedenen DJs.<br />

Von Hip-Hop, Black Music und Jazz ist alles dabei.<br />

Augustinerstraße 1, 1010 Wien<br />

T: +43 1 533705420<br />

facebook.com/Filmbar-148586798511116/<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–So: 10–2 Uhr<br />

Fotos: Benedikt Steinle/ kitchenconsulting, b eigestellt<br />

66 spezial


SAISON 2017–18<br />

UNSERE OPERNWELT<br />

IM ABO ENTDECKEN<br />

- 30 % BIS 31. MAI *<br />

DAS NEUE OPERNHAUS<br />

beyond | Emmanuel Polanco | colagene.com<br />

Mozart<br />

DIE ZAUBERFLÖTE<br />

René Jacobs | Torsten Fischer | Akademie für Alte Musik Berlin<br />

Arnold Schoenberg Chor | Sophie Karthäuser, Sebastian Kohlhepp,<br />

Daniel Schmutzhard, Nina Minasyan, Dmitry Ivashchenko<br />

Premiere: 17. September 2017<br />

Berg<br />

WOZZECK<br />

Leo Hussain | Robert Carsen | <strong>Wiener</strong> Symphoniker<br />

Arnold Schoenberg Chor | Florian Boesch, Lise Lindstrom,<br />

John Daszak, Aleš Briscein, Stefan Cerny, Benjamin Hulett<br />

Premiere: 15. Oktober 2017<br />

Wagner<br />

DIE RING-TRILOGIE<br />

Constantin Trinks | Tatjana Gürbaca | RSO Wien<br />

Arnold Schoenberg Chor | Ingela Brimberg, Daniel Brenna,<br />

Samuel Youn, Aris Argiris, Daniel Johansson, Liene Kinča,<br />

Martin Winkler, Marcel Beekman, Stefan Kocan<br />

HAGEN<br />

Premiere: 1. Dezember 2017<br />

SIEGFRIED<br />

Premiere: 2. Dezember 2017<br />

BRÜNNHILDE<br />

Premiere: 3. Dezember 2017<br />

Donizetti<br />

MARIA STUARDA<br />

Paolo Arrivabeni | Christof Loy | RSO Wien | Arnold Schoenberg Chor<br />

Marlis Petersen, Alexandra Deshorties, Norman Reinhardt,<br />

Tobias Greenhalgh, Stefan Cerny, Natalia Kawalek<br />

Premiere: 19. Jänner 2018<br />

Händel<br />

SAUL<br />

Laurence Cummings | Claus Guth | Freiburger Barockorchester<br />

Arnold Schoenberg Chor | Florian Boesch, Anna Prohaska,<br />

Jake Arditti, Andrew Staples, Giulia Semenzato<br />

Premiere: 16. Februar 2018<br />

www.theater-wien.at<br />

von Einem<br />

DER BESUCH DER ALTEN DAME<br />

Michael Boder | Keith Warner | RSO Wien | Arnold Schoenberg Chor<br />

Katarina Karnéus, Russell Braun, Raymond Very, Adrian Eröd, Markus Butter<br />

Premiere: 16. März 2018<br />

Britten<br />

A MIDSUMMER NIGHT’S DREAM<br />

Antonello Manacorda | Damiano Michieletto | <strong>Wiener</strong> Symphoniker<br />

Anett Fritsch, Bejun Mehta, Tareq Nazmi, Mirella Hagen, Natalia Kawalek,<br />

Rupert Charlesworth, Ann-Beth Solvang<br />

Premiere: 15. April 2018<br />

Schostakowitsch | Tschaikowski | Skrjabin<br />

DIE MÖWE (BALLETT)<br />

John Neumeier | Markus Lehtinen<br />

Hamburg Ballett | <strong>Wiener</strong> KammerOrchester<br />

Premiere: 7. Mai 2018<br />

IN DER KAMMEROPER<br />

ARIADNE AUF NAXOS<br />

ARIANNA IN NASSO (Porpora)<br />

Markellos Chryssicos | Sergej Morozov | Premiere: 27. September 2017<br />

DON PASQUALE (Donizetti)<br />

Tscho Theissing | Marcos Darbyshire | Premiere: 17. November 2017<br />

PELLÉAS ET MÉLISANDE (Debussy)<br />

Thomas Guggeis | Thomas Jonigk | Premiere: 12. Februar 2018<br />

COSÌ FAN TUTTE (Mozart)<br />

Stefan Vladar | Valentin Schwarz | Premiere: 15. Mai 2018<br />

ZU GAST IN DER KAMMEROPER<br />

A QUIET PLACE (Bernstein)<br />

Walter Kobéra | Philipp M. Krenn | Premiere: 22. März 2018<br />

Abo-Hotline: 01/588 30-2903<br />

abonnement@theater-wien.at<br />

www.theater-wien.at<br />

Änderungen vorbehalten<br />

Hauptsponsor<br />

Theater an der Wien<br />

Tageskasse: Mo- Sa 10 -18 Uhr<br />

Linke Wienzeile 6 | 1060 Wien<br />

www.theater-wien.at<br />

*Premieren-Abos 20 % Ermäßigung<br />

Ab 1. Juni 20 % Ermäßigung auf alle Abos


DIE WELT<br />

SCHMECKEN


Die <strong>Festwochen</strong> holen Künstler aus mehr als zwanzig<br />

Ländern auf die Bühne und spannen den inhaltlichen<br />

Bogen von Syrien bis in die USA. Passend dazu lädt<br />

Falstaff zu einem kulinarischen Streifzug durch die<br />

bunte <strong>Wiener</strong> Gastronomieszene, die die Küchen aus<br />

aller Welt zu bieten hat – und diese miteinander verwebt.<br />

Foto: Shutterstock<br />

spezial<br />

69


festwochen / DIE WELT SCHMECKEN<br />

»Burger killed the radio<br />

star« im Lokal »Die<br />

Burgermacher«.<br />

Foto: Oliver topf<br />

70 spezial


Es gibt nur wenige Speisen, die weltweit die Massen<br />

begeistern – der Burger kann es. Kreiert wurde er<br />

in den USA des frühen 20. Jahrhunderts,<br />

heute ist er populärer denn je.<br />

TEXT JULIA STALLER<br />

BURGER-<br />

MEISTER<br />

<strong>Festwochen</strong>thema:<br />

Amerika<br />

Die Gründung der USA und ihre<br />

politische Entwicklung sind<br />

Themen von Romeo<br />

Castelluccis »Democracy in<br />

America«. Premiere:<br />

23. Mai 2017, mehr<br />

dazu: S. 140<br />

spezial<br />

71


festwochen / DIE WELT SCHMECKEN<br />

Kreation aus dem Buch<br />

»Burger unser«: mit<br />

Königskrabben, Curry-<br />

Butter-Sauce und Papaya.<br />

Fotos: Daniel Esswein<br />

72 spezial


BUCHTIPP<br />

Burger unser<br />

Hubertus Tzschirner, Nicolas Lecloux (u. a.)<br />

Callwey Verlag, 2016<br />

290 Seiten<br />

ISBN 978-3-7667-2201-0<br />

Preis: € 39,95<br />

Jeff Lassen verkauft bis<br />

heute den Ur-Burger in<br />

einem Diner in New Haven.<br />

Nur wer nach Ketchup<br />

verlangt, wird höflich, aber<br />

bestimmt zurechtgewiesen.<br />

Er ist eine Ikone amerikanischer<br />

Popkultur, gilt als das Nationalgericht<br />

der USA schlechthin und<br />

wird rund um den Globus mit<br />

größter Hingabe verspeist. Die<br />

Rede ist vom Burger, der in seiner<br />

hundertjährigen Geschichte noch nie so<br />

beliebt war wie heute. Vom reinen Fast Food<br />

ist er zum Gourmet-Stück mutiert. Doch wie<br />

hat es das Fleischlaberl zwischen zwei Weichbrotscheiben<br />

überhaupt zu diesem Weltruhm<br />

geschafft?<br />

Schon um seine Entstehung ranken sich viele<br />

Mythen. Wer Jeff Lassen nach der Erfindung<br />

des Burgers fragt, hört zum Beispiel folgende:<br />

Es war das Jahr 1900. Ein Mann<br />

stürmte in den Imbiss seines Urgroßvaters in<br />

New Haven, Connecticut. Er sei in Eile, sagte<br />

der Gast außer Atem, und brauche deshalb<br />

etwas, das er unterwegs essen könne. Louis<br />

Lassen eilte in die Küche, nahm schnell ein<br />

paar nicht verkaufte Steaks, steckte sie in den<br />

Fleischwolf, packte sie mit Tomaten, Zwiebeln<br />

und Käse zwischen zwei Toastscheiben – und<br />

der Burger war geboren. Jeff verkauft bis heute<br />

den Ur-Burger in seinem Diner. Seine Familiengeschichte<br />

erzählt er mit stolzgeschwellter<br />

Brust gern kostenlos dazu. Nur wer nach Ketchup<br />

verlangt, wird höflich, aber bestimmt<br />

zurechtgewiesen. Das habe es im Gründungsjahr<br />

des Burgers schließlich noch nicht gegeben.<br />

Große Empörung erntet man für diese<br />

Geschichte natürlich in Hamburg – der Name<br />

sei schließlich Hinweis genug, dass der Hamburger<br />

aus der deutschen Stadt käme. Jedenfalls<br />

wurde dort schon vor hundert Jahren der<br />

Snack »Rundstück warm« serviert, ein zusammengefaltetes<br />

Brötchen mit Schweinsbraten<br />

und Sauce gefüllt.<br />

Der Begriff »Hamburger« könnte aber auch<br />

schlicht von einer damaligen Bezeichnung für<br />

Rindfleisch herrühren. Das im Hamburger<br />

Hafen verladene Fleisch, das in die USA<br />

exportiert wurde, galt als Luxusgut und soll<br />

deshalb ehrfürchtig nach der Stadt benannt<br />

worden sein. Das »Oxford English Dictionary«<br />

beschreibt das »Hamburg-Steak« hingegen<br />

schon 1802 als gepökeltes Rindfleisch.<br />

Der Begriff könnte auch hier auf europäische<br />

Auswanderer zurückgehen, die sich am Schiff<br />

vom haltbar gemachten Trockenfleisch<br />

ernährten.<br />

Eine kulinarisch weitaus schönere Geschichte<br />

wird in Texas erzählt. Fletcher Davis, der<br />

eigentlich Töpfer war, soll hier in den 1880er-<br />

Jahren einen kleinen Imbiss geführt und den<br />

Burger erfunden haben: Gebratenes Faschiertes<br />

packte er zwischen zwei Scheiben Brot mit<br />

Senf, Zwiebeln und einer Gurkenscheibe. Die<br />

Einwohner der kleinen Stadt Athens waren so<br />

begeistert von Fletscher Davis’ Erfindung, dass<br />

sie Geld sammelten, um ihn 1904 auf die<br />

Weltausstellung in St. Louis zu schicken. Dort<br />

verkaufte Davis seinen Snack aus einem alten<br />

Die Zubereitung eines Burgers ist eine Kunst für<br />

sich: Jeder Teil muss auf den anderen perfekt abgestimmt<br />

sein, damit das große Ganze schmeckt.<br />

Wagen heraus, und begeisterte Journalisten<br />

berichteten über ihre Entdeckung.<br />

Dass so viele Menschen die Erfindung des<br />

Burgers für sich beanspruchen, spricht für die<br />

Popularität dieses nahrhaften Snacks. Der<br />

außen knusprig, innen weiche Bun, der saftige<br />

Patty, der knackige Salat und die salzige Sauce<br />

– bei einem Burger gehen alle Bestandteile<br />

eine harmonische Verbindung miteinander<br />

ein. Der Fantasie sind beim Kombinieren<br />

keine Grenzen gesetzt. Vielleicht ist es auch<br />

genau diese Vielfältigkeit, die den Burger zu<br />

einem solch globalen Superstar werden ließ.<br />

Allein mit den Rezepten aus dem Standardwerk<br />

»Burger unser« sind 7900 Bun-Kreationen<br />

möglich. Auf 290 Seiten beschreiben die<br />

Autoren den Weg zum perfekten Brötchen<br />

und schön rauchigen Fleisch – und über alles<br />

stellen sie zehn Gebote:<br />

DIE ZEHN<br />

BURGER-GEBOTE<br />

1. Backt eure Buns selbst.<br />

2. Achtet auf das Fleisch.<br />

3. Ein gutes Patty benötigt nur Salz und<br />

Pfeffer.<br />

4. Seid zärtlich zu euren Patties – verzichtet<br />

auf stundenlanges Formen.<br />

5. Kontrolliert die Kerntemperatur, um<br />

den perfekten rosa Kernmoment nicht<br />

zu verpassen.<br />

6. Röstet die Buns in Butter.<br />

7. Vorbereitung ist alles.<br />

8. Weniger ist mehr.<br />

9. Vergesst die kalten Getränke nicht.<br />

10. Es gibt kein Richtig oder Falsch, außer<br />

bei Gebot 3 – das gilt immer.<br />

spezial<br />

73


festwochen / DIE WELT SCHMECKEN<br />

DIE BESTEN<br />

BURGERLOK ALE<br />

IN WIEN<br />

Auf<br />

der Suche nach den besten Burgern der<br />

Stadt: Diese Lokale kreieren saftig-knackige<br />

Kunstwerke aus Buns und Patties.<br />

RINDERWAHN<br />

I<br />

n bester Innenstadtlage zelebriert das Restaurant<br />

den Burger-Trend mit reichlich schwarzem Humor.<br />

Sprüche wie »Ich will ein Rind von dir« oder<br />

»Was der Bauer kennt, isst er« zieren das Lokal, dessen<br />

schwarz-weiße Fliesen an ein altes Schlachthaus<br />

erinnern. Auch die Burger-Karte fällt kreativ aus: Die<br />

»Bella Luisa« wird mit Büffelmozzarella und Pesto<br />

verfeinert, der »Blaue Toni« mit Gorgonzola und<br />

Birne oder die »Scharfe Resi« mit Fried Onions und<br />

Chili. Diese Kombinationen überraschen nicht nur<br />

am Gaumen, sondern schmecken auch – genauso<br />

wie die Süßkartoffel-Wedges dazu.<br />

Weihburggasse 3, 1010 Wien<br />

T: +43 1 5120996, www.rinderwahn.at<br />

WEINSCHENKE<br />

D<br />

er Name ist etwas irreführend, aber im kleinen Karmelitermarkt-Stand<br />

versteckt sich tatsächlich eines der besten Burger-<br />

Lokale Wiens. Das ist mittlerweile kein Geheimnis mehr, deshalb<br />

ist eine Reservierung ratsam. Alle Zutaten werden von heimischen<br />

Produzenten bezogen. Das Rindfleisch kommt von der letzten<br />

<strong>Wiener</strong> Metzgerei, die noch selbst schlachtet – von Leopold Hödl.<br />

Zur Auswahl stehen sieben Burger-Varianten, zwölf unwiderstehliche<br />

Saucen (von Mole über Trüffel-Mayonnaise bis Limetten-Aioli) und<br />

knusprige Chips aus dem Waldviertel. Ach ja, und zur Frage des Namens:<br />

Der geht auf die Geschichte der zweiten Dependance im fünften<br />

Bezirk zurück – dort befand sich nämlich früher ein Stadtheuriger.<br />

Karmelitermarkt, Stand 10–12, 1020 Wien<br />

Franzensgasse 11, 1050 Wien<br />

T: +43 676 744 01 08, www.weinschenke-wien.com<br />

Fotos: Jan LAckner, Oliver Topf, Christina Karagliannis, beigestellt<br />

74 spezial


CHARLIE P’S<br />

Brian Patton ist Wiens Burger-Mastermind. Alles hat hier, in seinem<br />

Pub »Charlie P’s«, begonnen. Mittlerweile zählen auch das<br />

»Brickmakers« – hier gibt es Pulled Pork- und Beef-Sandwiches<br />

zum Craft-Bier – und »It’s All About The Meat, Baby« (siehe nächste<br />

Seite) zu seinem Genuss-Imperium. Im »Charlie P’s« ist jedenfalls der<br />

»Irish Burger« legendär: irisches Hereford-Rindfleisch mit feinstem<br />

Brioche-Brot, Tomatenrelish, mit Apfelholz geräuchertem Cheddar<br />

und gleich dreifach (!) frittierten Chips.<br />

DIE BURGERMACHER<br />

Währinger Straße 3, 1090 Wien<br />

T: +43 1 4097923, www.charlieps.at<br />

Mit viel Liebe zum Detail gehen die »Burgermacher« an die<br />

Sache heran. Jede Zutat des Burgers wird gewissenhaft ausgewählt:<br />

Das Rindfleisch kommt von heimischen Bio-Kleinbetrieben,<br />

das Brot von der Mühlviertler Bio-Bäckerei Schrott, und<br />

alle Saucen sind natürlich hausgemacht. Die Burger-Kreationen<br />

wechseln je nach Saison, dazu gibt es bunte Pommes frites von<br />

blauen Kartoffeln und Craft-Bier aus Österreich.<br />

Burggasse 12, 1070 Wien<br />

T: +43 699 11589599, www.dieburgermacher.at<br />

OMNOM BURGER<br />

N<br />

ahe dem Matzleinsdorfer Platz liegt dieses winzige Burger-<br />

Lokal: Der Platz ist eng, eine Reservierung lohnt sich aber in<br />

jedem Fall, denn hier kann sich jeder seinen Traumburger<br />

selbst zusammenstellen: Man wählt entweder die Fleisch- oder Veggie-<br />

Variante und bestellt dann Extras wie Bacon, Halloumi oder Cheddar<br />

dazu. Gefüllt wird das alles in echt wienerische Buns – die kommen<br />

nämlich von der Bäckerei Felzl.<br />

SMOKEY’S<br />

D<br />

as »Smokey’s« hat schon an der perfekten Zusammenstellung<br />

eines Burgers getüftelt, bevor alle anderen auf den großen<br />

Burgerhype-Zug aufsprangen. Die Erfahrung schmeckt man:<br />

Die Patties sind saftig und die hausgemachten Saucen wie<br />

»Mushroom«, Minz-Joghurt oder »Sweet Whiskey« fein abgeschmeckt.<br />

Dazu gibt es Craft-Bier und Cider.<br />

Wiedner Hauptstraße 125, 1050 Wien<br />

T: +43 660 7071015, www.omnomburger.at<br />

Obere Donaustraße 97–99, 1020 Wien<br />

T: +43 1 3705582, www.smokeys.at<br />

spezial<br />

75


festwochen / DIE WELT SCHMECKEN<br />

SWING KITCHEN<br />

Es gibt nicht viele vegane Lokale, die auch Fleischesser überzeugen<br />

– die »Swing Kitchen« von Charly Schillinger schafft dieses<br />

Kunststück. Warum? Weil die Burger mit keinem Bissen das<br />

Fleischpatty vermissen lassen. Die Kreationen sind saftig, die Saucen<br />

raffiniert abgeschmeckt, die Bio-Zutaten sind frisch und knackig. Und<br />

das kommt so gut an, dass die »Swing Kitchen« mittlerweile drei<br />

Standorte in Wien hat.<br />

... SAID THE BUTCHER<br />

TO THE COW<br />

E<br />

s gibt viele Gründe, das »… said the butcher to the cow« zu besuchen:<br />

Erstens natürlich wegen der grandiosen Burger-Kreationen.<br />

Da gibt es neben den Klassikern etwa einen Pulpo ’n’ Pork<br />

Burger, einen Chicken Teriyaki Burger oder einen Chili Burger. Zweitens<br />

locken alleine die Cheese Cakes hierher – klassisch, mit Karamell-<br />

Fleur-de-Sel oder mit Oreos. Und drittens ist es die gut sortierte Gin-<br />

Tonic-Karte, die »… said the butcher to the cow« zu einem der angesagtesten<br />

Burger-Lokale Wiens macht. Eine Reservierung ist ratsam.<br />

Schottenfeldgasse 3, 1070 Wien<br />

Operngasse 24, 1040 Wien<br />

Josefstädter Straße 73, 1080 Wien<br />

www.swingkitchen.com<br />

Opernring 11, 1010 Wien<br />

T: +43 1 5356969, butcher-cow.at<br />

IT’S ALL ABOUT THE MEAT, BABY<br />

BURGER DE VILLE<br />

Vor vier Jahren eröffnete Brian Patton (siehe auch »Charlie P’s«)<br />

einen Pop-up-Laden am Donaukanal – und schaffte damit<br />

ein Mekka für alle Burger-Liebhaber: Sein Cheeseburger gilt<br />

unter Fans als der saftigste der Stadt. »It’s All About The Meat, Baby«<br />

pausierte für zwei Jahre, um 2016 unter großem Beifall zurückzukehren.<br />

Auch dieses Jahr werden die Gourmet-Burger unter freiem<br />

Himmel und mit DJ-Sound serviert. Zu den ausgefallensten Kreationen<br />

zählen der »Bob-Marley-Burger« mit Pilz-Laberl und Feta-Käse und<br />

der »Hali Galli Fish Burger« mit Heilbutt-Patty.<br />

Donaukanallände (beim Badeschiff), 1010 Wien<br />

www.meatbaby.at<br />

In den USA haben Foodtrucks eine lange Tradition, in Wien sieht<br />

man sie nur vereinzelt. »Burger de Ville« ist einer der wenigen<br />

Foodtrucks, die es mitten in die Stadt geschafft haben. Vor dem<br />

»25hours Hotel« schlägt der schicke US-Airstream-Truck in den Frühlings-<br />

und Sommertagen sein Lager auf und serviert Burger mit Fleisch<br />

vom Simmentaler Rind in Kombination mit anderen feinen Zutaten<br />

und Saucen. Besonders schön ist aber natürlich die Location: Achtzig<br />

Sitzplätze bietet der grüne Schanigarten vor dem Foodtruck.<br />

Lerchenfelder Straße 1–3, 1070 Wien<br />

T: +43 1 52151-0, http://www.25hours-hotels.com/de/<br />

museumsquartier/restaurant/burgerdeville.html<br />

Fotos: kidizin.com, APA Picturedesk, beigestellt<br />

76 spezial


Geh niemals<br />

BROTLOS HEIM!<br />

d er verwöhnt – seit 1860


festwochen<br />

/ DIE WELT SCHMECKEN<br />

»DAS TEILT JEDER<br />

AUF DER WELT«<br />

Warum es nicht obszön ist, sich jetzt mit der syrischen Küche zu beschäftigen.<br />

Der nach Wien geflüchtete Koch Jwan Joo Daod erinnert sich, wie es vor dem<br />

Krieg war. Eine Geschichte über raffinierte Gewürze, einladende Mezze, opulente<br />

Eintöpfe und die stets verbindende Kraft eines guten Mahls.<br />

TEXT JOACHIM RIEDL<br />

Foto:s Shutterstock<br />

78 spezial


<strong>Festwochen</strong>thema:<br />

Syrien<br />

Zwischen Liebe und Gewalt,<br />

Hoffnung und Verzweiflung:<br />

Das Drama »Während ich<br />

wartete« porträtiert das<br />

heutige Syrien. Premiere:<br />

24. Mai 2017. Mehr<br />

dazu: S. 140.<br />

Mezze sind<br />

der Inbegriff<br />

arabischer<br />

Esskultur.<br />

Es vergeht kein Tag, an dem<br />

die Welt nicht von neuen<br />

Schreckensbildern aus Syrien<br />

und dem Nahen Osten schockiert<br />

wird: Selbstmordattentate,<br />

Bombenangriffe, Giftgas.<br />

Große Teile der Städte sind nach sechs<br />

Jahren Bürgerkrieg zertrümmert, in den<br />

Ruinenvierteln von Damaskus, Aleppo<br />

oder Homs überleben die verbliebenen<br />

Menschen nur mit knapper Not. Trinkwasser<br />

ist ein rares Gut, selbst Brot immer<br />

öfter eine Mangelware. Zwar versucht das<br />

Regime von Diktator Baschar al-Assad<br />

den Ein druck zu verbreiten, in weiten<br />

Teilen verlaufe das Leben in gewohnten<br />

Bahnen und es herrsche fast überall Überfluss.<br />

Das ist natürlich pure Lügenpropaganda.<br />

Übereinstimmend berichten Flüchtlinge,<br />

die den Westen erreichen, dass die meisten<br />

Menschen in ihrer alten Heimat ein Dasein<br />

am Rande des Existenzminimums führen.<br />

Ist es dann nicht nachgerade obszön, sich<br />

mit der Küche und der kulinarischen Tradition<br />

einer Region beschäftigen zu wollen, die<br />

immer tiefer in Gewalt und Terror versinkt?<br />

Der 30-jährige Koch Jwan Joo Daod aus<br />

Damaskus scheint nicht dieser Meinung zu<br />

sein. »Essen und Trinken, das teilt jeder<br />

Mensch auf der Welt«, sagt er: »Wenn<br />

jemand deine Küche kennenlernt, versteht er<br />

sowohl dich besser als auch die Kultur, aus<br />

Straßenverkäufer in der<br />

Innenstadt Aleppos.<br />

der du kommst.« Seit Juni des vergangenen<br />

Jahres lebt Daod in Österreich. In seiner<br />

Heimat hatte er die Hotelfachschule besucht,<br />

leitete zehn Jahre lang den Küchenbereich<br />

eines Luxushotels in Dubai und gelangte,<br />

nachdem er das Emirat verlassen musste,<br />

weil sein Visum abgelaufen war, auf abenteuerlichen<br />

Fluchtwegen nach Wien. Mittlerweile<br />

wurde seinem Asylantrag stattgegeben,<br />

und der umtriebige Syrer machte sich sofort<br />

ans Werk, den gastronomischen Kosmos<br />

aus dem Nahen Osten an der Donau weiterzuvermitteln.<br />

Er verfasste eine Rezeptsammlung,<br />

serviert in befreundeten Restaurants<br />

orientalische Gerichte und veranstaltet regelmäßig<br />

Kochkurse, bei denen die österreichischen<br />

Teilnehmer lernen, syrische Mezze<br />

zuzubereiten: vom Kichererbsenbrei Hummus<br />

über den Bulgur- und Petersiliensalat<br />

Taboulé bis zum Joghurt-Frischkäse Labneh.<br />

Zwar sind diese wie viele andere orientalische<br />

Gerichte im Rahmen der Ethno-Welle<br />

längst im Westen angekommen, aber von<br />

Daod lässt sich immer noch ein raffinierter<br />

Twist abschauen, der den Speisen einen<br />

authentischen Flair verleiht. Mal landet mehr<br />

Sesampaste als gewohnt im Hummus, mal<br />

ein raffinierter Gewürzmix im Melanzanibrei.<br />

»Der Weg zu einem Menschen geht<br />

durch den Magen«, meint der Koch aus dem<br />

Morgenland, »Essen ist wie ein Fenster zwischen<br />

zwei verschiedenen Menschen.«<br />

><br />

spezial<br />

79


festwochen / DIE WELT SCHMECKEN<br />

Koch Jwan Joo Daod<br />

(Mitte) ist aus Syrien<br />

geflüchtet. Heute lebt<br />

und arbeitet er in Wien.<br />

><br />

Streng genommen gibt es natürlich keine<br />

eigenständige syrische Küche, sondern nur<br />

gewisse regionale Eigenheiten innerhalb<br />

eines großen, geschlossenen kulinarischen<br />

Kulturraumes, der von Persien über das<br />

Zweistromland und die Arabische Halbinsel<br />

bis zur Levante und schließlich sogar bis Spanien<br />

reichte. In ihm herrschte reger Austausch,<br />

die Leitkultur wurde in den Palästen der Kalifen,<br />

zuerst in Damaskus und danach in Bagdad<br />

diktiert – auch die Bräuche in der Küche.<br />

Am Höhepunkt der gastronomischen<br />

Entwicklung im Mittelalter pflegte man im<br />

Nahen Osten eine verschwenderische Küchentradition<br />

von raffinierter Vollendung, die tief<br />

nach Europa hinein ausstrahlte und bis heute<br />

auch im Westen gewisse Speisen prägt. Zu<br />

einer Zeit, da sich in Zentraleuropa die<br />

meisten Menschen fast ausschließlich von<br />

Getreidebrei ernährten und die Ritter auf<br />

ihren Burgen gebratene Fleischbrocken<br />

verschlangen, entwickelten arabische Köche<br />

ausgeklügelte und aufwendige Rezepturen<br />

für luxuriöse Speisen. Während in Europa<br />

»Essen ist wie ein Fenster<br />

zwischen zwei verschiedenen<br />

Menschen.«<br />

JWAN JOO DAOD Koch aus Syrien<br />

das kulinarische Erbe des römischen Imperiums<br />

von der Völkerwanderung barbarischer<br />

Nomadenstämme ausgelöscht worden war,<br />

adoptierten die arabischen Invasoren, die<br />

635, drei Jahre nach dem Tod des Propheten<br />

Mohammed, die byzantinische Provinzhauptstadt<br />

Damaskus erobert hatten, die gastronomischen<br />

Sitten, die sie vorfanden.<br />

Die islamischen Wüstenstämme waren in<br />

einen der ältesten Kulturräume der Welt eingedrungen.<br />

Dort, im fruchtbaren Halbmond,<br />

befindet sich die Wiege der Zivilisation, die<br />

bereits Tausende Jahre zuvor eine landwirtschaftliche<br />

Revolution ausgelöst und eine<br />

hochentwickelte Kultur hervorgebracht hatte.<br />

Es haben sich Keilschrifttafeln aus dem<br />

dritten vorchristlichen Jahrhundert erhalten,<br />

die ausgiebige Gastmähler beschreiben, die<br />

vor allem einer sozialen Funktion dienten:<br />

Sie sollten den Zusammenhalt zwischen<br />

Herren und Gesinde festigen oder einen<br />

Handel zwischen Kaufleuten bekräftigen.<br />

Bei solchen zeremoniellen Anlässen wurde<br />

viel Fleisch aufgetragen, und es wurde<br />

Gerstenbier oder Dattelwein getrunken.<br />

Von überall her kamen kulinarische<br />

Einflüsse in die Ebenen von Euphrat und<br />

Tigris, jahrhundertelang prägte das vergeudungssüchtige<br />

Byzanz das Leben in seinen<br />

östlichen Provinzen. Als die arabischen<br />

Wüstenstämme ihren Herrschaftsbereich in<br />

diese Zone des üppigen Lebens ausdehnten,<br />

brachten sie zwei wichtige kulinarische<br />

Innovationen mit: die Erinnerung an das<br />

karge Leben im endlosen Sandmeer und<br />

die islamischen Speisegesetze. Schon in der<br />

zweiten Sure des Koran wird den Gläubigen<br />

aufgetragen, bestimmte Lebensmittel zu meiden,<br />

unter anderem das Fleisch von Schwei-<br />

Fotos: Shutterstock, beigestellt<br />

80 spezial


Die syrische Küche<br />

zeichnet sich durch eine<br />

Gewürzvielfalt aus.<br />

BUCHTIPP<br />

Zu Gast bei Freunden<br />

12 Geschichten und Rezepte aus Syrien<br />

Jwan Joo Daod<br />

Edition Esspapier (2015), 68 Seiten<br />

Das Buch ist nur noch über den Verlag<br />

erhältlich: editionesspapier.com<br />

nen und Aasfressern, das als »haram«, also<br />

mit einem Tabu beladen, gilt. In den Hadithen,<br />

den überlieferten Aussagen des Propheten,<br />

ist viel von Ernährung und den Lieblingsspeisen<br />

des Propheten die Rede, etwa einem<br />

simplen Eintopfgericht namens Tharid, dessen<br />

Sauce mit Brotkrümeln eingedickt wird. Die<br />

wahren Gaumenfreuden warten diesen Überlieferungen<br />

zufolge aber erst im Paradies auf<br />

den frommen Muslim.<br />

Nachdem die Kalifen der Umayyaden-<br />

Dynastie das islamische Machtzentrum von<br />

Mekka nach Damaskus verlagert hatten, gingen<br />

die Wüstensöhne in einer Welt des Überflusses<br />

auf, die sie bisher nicht gekannt hatten.<br />

Die an ein frugales Leben gewohnten Eroberer<br />

müssen überwältigt gewesen sein von den<br />

fremden Gerüchen und Geschmäckern, die sie<br />

auf den Märkten in der kosmopolitischen<br />

Stadt vorfanden. Es war ein irdisches Paradies,<br />

ein Schlaraffenland, das ihnen ihre heilige<br />

Schrift erst für das Jenseits weissagte.<br />

Innerhalb kurzer Zeit entwickelten sie eine<br />

verschwenderische Hochküche, in der teure<br />

Gewürze und exotische Ingredienzen, die oft<br />

von weit her geliefert wurden, Verwendung<br />

fanden und mit einer aufwendigen Küchentechnik<br />

zu schier endlosen Speisenfolgen veredelt<br />

wurden. Nun wurde der Tharid, die Lieblingsspeise<br />

des Propheten, von den Köchen der<br />

Kalifen zu kostbaren Gerichten verfeinert,<br />

deren Genuss als fromme Übung verklärt wurde.<br />

Der Opulenz schienen keine Grenzen<br />

gesetzt zu sein. Schließlich übertrieb die Oberschicht<br />

ihre Verschwendungssucht dermaßen,<br />

dass ihre Prunkentfaltung einen Aufstand auslöste,<br />

der die Umayyaden hinwegfegte. Passenderweise<br />

wurden die letzten Angehörigen der<br />

Dynastie bei einem Festmahl umgebracht, mit<br />

dem sie sich über eine krachende Niederlage<br />

auf dem Schlachtfeld hinwegtrösten wollten.<br />

Die neuen Abbasiden-Herrscher verlegten<br />

ihr Machtzentrum an das Ufer des Tigris in<br />

ihre neu gegründete Hauptstadt Bagdad und<br />

etablierten ein höfisches Leben, das jenes ihrer<br />

Vorgänger noch übertraf. Hier erreichte die<br />

muslimische Küchenkunst im neunten, zehnten<br />

und elften Jahrhundert den Höhepunkt an<br />

Raffinesse und Aufwendigkeit. Während der<br />

Regierungszeit des legendären Kalifen Harun<br />

ar-Raschid war die Oberschicht geradezu<br />

besessen von allen Aspekten der Kulinarik.<br />

Die zeitgenössischen Berichte klingen wie<br />

ein fernes Echo der gegenwärtigen modernen<br />

Leidenschaft für lukullische Genüsse. In dieser<br />

Atmosphäre epikureischer Gaumenfreuden<br />

war die Zubereitung der Speisen nicht ausschließlich<br />

eine Aufgabe der Dienstboten,<br />

sondern eine Tätigkeit, die einem Edelmann<br />

gut zu Gesicht stand. In einer der Geschichten,<br />

die die Königstochter Scheherazade in »Tausendundeine<br />

Nacht« erzählt, bereitet der Kalif<br />

höchstpersönlich einem Liebespaar ein Mahl<br />

aus Fischen, die er zuvor im Tigris gefangen<br />

hatte. Sein Halbbruder Ibrahim al-Mahdi<br />

fungierte sogar als Namensgeber eines von<br />

ihm erfundenen Eintopfgerichtes, das mit<br />

Verjus und Essig zubereitet wurde.<br />

In dieser Phase überbordender Genusssucht<br />

erschien, wie ein überlieferter Index berichtet,<br />

eine Unzahl von Rezeptsammlungen und kulinarischen<br />

Traktaten. Eine ausgeklügelte Esskultur<br />

war zweifellos ein zentraler Bereich der<br />

urbanen islamischen Gesellschaft. Bei besonderen<br />

Gelegenheiten bewirtete der Kalif Tausende<br />

seiner Untertanen, und bei Gelagen im<br />

Herrscherpalast soll es nicht ungewöhnlich<br />

gewesen sein, dass 300 verschiedene Gerichte<br />

hintereinander aufgetragen wurden. Für<br />

einen kultivierten Bewohner von Bagdad<br />

oder Damaskus war es nicht nur wichtig, in<br />

allen Küchendingen genau Bescheid zu wissen.<br />

Noch bedeutsamer war es, alle wichtigen<br />

Tafelgedichte zu kennen, die während des<br />

Mahles rezitiert wurden. Ein überlieferter<br />

Bericht erzählt von einem legendären Gelage,<br />

bei dem jeder Gast mit einem Gedicht eine<br />

spezielle Speise pries, die gemäß des lyrischen<br />

Vortrages zubereitet wurde. Als gerade kein<br />

frischer Spargel zur Hand war, nach dem die<br />

Verse verlangten, musste das Mahl unterbrochen<br />

werden, bis die Damaszener Spezialität<br />

über eine Entfernung von 800 Kilometer<br />

Typischer syrischer<br />

Eintopf mit Brotkrümeln. ><br />

spezial<br />

81


festwochen<br />

/ DIE WELT SCHMECKEN<br />

Fladenbrot ist ein wichtiger<br />

Bestandteil fast aller<br />

arabischer Speisen.<br />

vereinfacht und verlor viele ihrer Saucen und<br />

Aromen«, schreibt der amerikanische Historiker<br />

H. D. Miller, der eine Studie über die<br />

islamische Küchentradition aus dem Mittelalter<br />

verfasst hat. In den langen Jahrhunderten,<br />

in denen die Gebiete des heutigen Syrien<br />

und Irak als osmanische Provinzen dahinschlummerten,<br />

verkümmerte die Kochkunst<br />

aus der Zeit der Kalifen. »Für die Bewohner<br />

von Damaskus und Bagdad gehörten die<br />

Jahre der kulinarischen Herrlichkeit unwiederbringlich<br />

der Vergangenheit an.«<br />

»MAN MUSS EINFACH ESSEN«<br />

><br />

herbeigeschafft war. In kulinarischen Angelegenheiten<br />

verstand die islamische Zivilisation<br />

des Mittelalters keinen Spaß. Eines der wenigen<br />

Kochbücher, das nicht verloren ging, listet<br />

164 Speisen in unterschiedlichen Kategorien<br />

auf und beschreibt penibel die langwierige<br />

Zubereitung. Das meiste davon sind Eintopfgerichte,<br />

da die Speisen, dem Gebot des Propheten<br />

folgend, am Boden sitzend mit drei<br />

Fingern der rechten Hand zum Mund geführt<br />

wurden. Diese Stews, die meist viele Stunden<br />

lang schmurgeln mussten, wurden in unterschiedlichen<br />

Kombinationen mit Safran, Zimt,<br />

Pfeffer, Ingwer, Kardamom, Ingwer, Granatapfelsamen,<br />

geriebenen Mandeln und Pistazien<br />

oder Rosenwasser gewürzt. Auch die heute<br />

noch in der orientalischen Küche üblichen<br />

Fleischbällchen aus gewürztem und faschiertem<br />

Fleisch waren damals bereits als sogenannte<br />

»kubab« Bestandteil der Hochküche.<br />

Dieses Kompendium gelangte in griechischer<br />

Übersetzung auch in den Westen und<br />

löste im Verein mit den Erzählungen der<br />

Kreuzfahrer eine neue Mode aus. An den<br />

Fürstenhöfen versuchte man, die orientalische<br />

Opulenz zu imitieren. Die Chroniken berichten<br />

etwa von einem Festmahl des englischen<br />

Königs Richard II., das in dieser Form auch<br />

im Haus eines islamischen Edelmannes hätte<br />

stattgefunden haben können. Im spätmittelalterlichen<br />

Europa scheute man in vornehmen<br />

Häusern keine Kosten, die exotischen Ingredienzen<br />

herbeizuschaffen, und die venezianischen<br />

Handelsherren verdankten viel von<br />

ihrem Reichtum dem europäischen Heißhunger<br />

nach den orientalischen Gewürzen, nach<br />

denen die gotischen Kochbücher verlangten.<br />

»Natürlich ist die Hochküche von Damaskus<br />

und Bagdad im muslimischen Herzland<br />

nie ganz ausgestorben, aber sie wurde stark<br />

In zwei wichtigen Aspekten unterscheidet sich<br />

die moderne arabische Küche von ihrem glorreichen<br />

Vorläufer: Die Würzsaucen, die einst<br />

aus fermentierten Zutaten gebraut wurden,<br />

sind verschwunden. Und das heute überall<br />

im Orient gebräuchliche Olivenöl war im<br />

Mittelalter viel zu kostbar, als dass<br />

es in der Küche Verwendung gefunden hätte.<br />

Mit duftendem Öl wurden allenfalls die<br />

Gäste eines Mahles gesalbt. Zum Kochen<br />

wurde hingegen ausgelassenes Hammelfett<br />

verwendet, das mit aufwendigen Methoden<br />

in ein wohlschmeckendes und -riechendes<br />

Nahrungsmittel verwandelt wurde.<br />

Ein kulinarisches Grundprinzip dürften<br />

sich die Syrer allerdings bewahrt haben,<br />

meint Jwan Joo Daod, der Koch aus Damaskus,<br />

der in Wien Zuflucht gefunden hat: eine<br />

Leidenschaft für Gewürze und unterschiedliche<br />

Texturen ebenso wie für die Tätigkeit des<br />

Kochens selbst. Im Vorwort seiner Rezeptsammlung<br />

erzählt er vom kulinarischen<br />

Alltag aus der Zeit, bevor die Schrecken des<br />

Bürgerkrieges das Land in ihre Gewalt nahmen.<br />

In syrischen Haushalten werde jeden<br />

Tag mit frischen Zutaten gekocht, in Restaurants<br />

würde nur zu besonderen Anlässen eingekehrt.<br />

Zu Mittag versammle sich regelmäßig<br />

die gesamte Familie. Es werde aufgetragen,<br />

was Küche und Keller hergeben. »Ist<br />

jemand schlank, sagt die Gastgeberin: ›Du<br />

brauchst eine gute Mahlzeit, iss noch mehr!‹<br />

Ist das Gegenteil der Fall, hört man: ›Du hast<br />

einen großen Bauch, also musst du auch viel<br />

essen!‹ Einfach gesagt: Man hat bei einer<br />

syrischen Ehefrau oder Mutter nicht sehr viele<br />

Alternativen: Man muss einfach essen!«<br />

<<br />

Foto: Shutterstock<br />

82 spezial


festwochen<br />

/ DIE WELT SCHMECKEN<br />

KULINARISCHE HEIMAT<br />

WURZEL<br />

WERK<br />

Die <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong> bringen Künstlerinnen und<br />

Künstler aus mehr als zwanzig Ländern auf die<br />

Bühne. Für Falstaff erinnern sie sich an<br />

die Küche ihrer Kindheit.<br />

TEXT KARIN CERNY<br />

Als die <strong>Festwochen</strong> 1951<br />

erstmals über die Bühne<br />

gingen, war Wien noch eine<br />

von den Alliierten besetzte<br />

und in vier Zonen geteilte<br />

Stadt. Das neu gegründete<br />

Festival sollte ein Signal in die Welt senden –<br />

ein Land wollte zeigen, dass es wieder nach<br />

vorne blickt und seine Rolle als »Welthauptstadt<br />

der Musik« erneut einnehmen möchte.<br />

Es ging nach dem Krieg um ein »Wiedererwachen<br />

auf kulturellem Gebiet«, wie es der<br />

damalige Stadtrat Hans Mandl formulierte.<br />

Bereits 1952 vermerkte man stolz: »Schon<br />

sieben ausländische Gastdirigenten, darunter<br />

Bruno Walter.« Gerade in der Anfangszeit<br />

waren die <strong>Festwochen</strong>, die durchaus wörtlich<br />

ein Fest für alle <strong>Wiener</strong>innen und <strong>Wiener</strong><br />

sein wollten, sehr offen. In den kommenden<br />

Jahren hat sich das erfolgreiche Festival, das<br />

nicht mehr aus dem Kulturkalender der<br />

Hauptstadt wegzudenken ist, öfter neu<br />

erfunden.<br />

Was konstant geblieben ist: Die <strong>Festwochen</strong><br />

bringen die Welt nach Wien,<br />

sie laden herausragende internationale<br />

Künstlerpersönlichkeiten ein und stellen<br />

einen Dialog mit der heimischen Szene<br />

her. Inzwischen ist Wien aber auch jenseits<br />

der <strong>Festwochen</strong> kosmopolitischer geworden,<br />

zahlreiche junge Kunstschaffende aus aller<br />

Welt haben sich hierzulande niedergelassen –<br />

und damit auch einen Teil ihrer kulinarischen<br />

Identität mitgebracht. Falstaff hat fünf<br />

<strong>Festwochen</strong>-Akteure ausgewählt und zu den<br />

Küchen ihrer Heimat befragt.<br />

Fotos: Shutterstock, Sergio Coimbra, beigestellt<br />

84 spezial


Daniel Lie<br />

ICH ARBEITE GERN<br />

MIT FRÜCHTEN<br />

In vielen meiner Arbeiten spielen Früchte<br />

eine große Rolle, manchmal serviere ich<br />

sie den Zuschauern vor der Show als<br />

eine Art Bankett, dann wieder sind sie Teil<br />

einer Installation und verrotten mit der Zeit<br />

auf der Bühne. Mir ist dabei aber wichtig,<br />

kein Essen zu verschwenden. Ich verwende nur<br />

Früchte, die bereits von Supermärkten weggeworfen<br />

wurden. Mich interessiert, wie sich<br />

Essen im Laufe der Zeit verändert, aber auch,<br />

wie sich die Leute verhalten, wenn es Obst<br />

gratis gibt, besonders jene Früchte, die in<br />

meiner Heimat Brasilien sehr beliebt sind. Die<br />

meisten sind zuerst ziemlich überrascht, wie<br />

intensiv der Duft ist, oft wie ein sehr starkes<br />

Parfüm. Ich glaube nicht, dass die Leute abgestoßen<br />

sind, es sind eher verwirrende Gefühle,<br />

die über sie hereinbrechen. Unsere westliche<br />

Gesellschaft tendiert ja dazu, alles, was mit<br />

Tod und Müll verbunden ist, gänzlich auszublenden.<br />

Dabei erzählt Kulinarik so viel über<br />

eine Kultur. In den letzten fünf Monaten war<br />

ich viel in Brasilien unterwegs, das Essen ist<br />

so unterschiedlich, je nachdem, wo man sich<br />

befindet, es spiegelt die Kultur der Leute wider<br />

– von den indigenen Brasilianern, den Afro-<br />

Brasilianern, den ehemaligen Kolonialherren<br />

aus Europa, den asiatischen Einwanderern.<br />

Ich bin in São Paulo aufgewachsen und weiß<br />

noch gut, wie mein indonesischer Vater für uns<br />

Jackfruits geöffnet und portioniert hat. Das<br />

ist für mich eine starke Kindheitserinnerung.<br />

DANIEL LIE<br />

ist ein brasilianischer Künstler. Im<br />

Rahmen der <strong>Festwochen</strong> zeigt er im<br />

Performeum »Death Center for the<br />

Living«, eine sinnliche Arbeit, die Grenzen<br />

zwischen Performance, Installation,<br />

Ritual und Körper erfahrung<br />

überschreitet.<br />

Süßkartoffeln mit Mate-<br />

Béarnaise: eine Kreation<br />

vom brasilianischen<br />

Starkoch Alex Atala aus<br />

seinem Buch »D.O.M.«.


festwochen<br />

/ DIE WELT SCHMECKEN<br />

Tonica Hunter<br />

BEIM ESSEN KOMMT MAN<br />

LEICHT INS GESPR ÄCH<br />

Ich wurde in Nord-London geboren, meine<br />

Großeltern kamen ursprünglich aus<br />

Jamaika. Zu Hause gab es immer jamaikanische<br />

Küche, meine Großmutter hat uns<br />

gezeigt, wie man sie zubereitet. Ich bin gerne<br />

mit ihr auf die lokalen Märkte gegangen, den<br />

Ridley oder den Dalston Market, wo man<br />

Lebensmittel aus der ganzen Welt findet. Sie<br />

hat uns Kindern Früchte gezeigt, die wir nicht<br />

kannten, und erklärt, worauf man beim Einkaufen<br />

achten muss. Zu Hause haben wir<br />

Kinder dann geholfen. Mein erster Eindruck<br />

von Jamaika war also die lokale Küche, noch<br />

lange bevor ich überhaupt dort war. Seit damals<br />

ist mir klar, dass Essen ein wichtiger<br />

Aspekt ist, sich einer Kultur zugehörig zu<br />

fühlen. Über die Kulinarik hatte ich in London<br />

eine Verbindung zur Heimat meiner Großeltern.<br />

Mit sieben Jahren war ich dann zum<br />

ersten Mal tatsächlich in Jamaika und habe<br />

viele neue Speisen ausprobiert. Ich denke, das<br />

hat mich neugierig und offen gemacht, was Essen<br />

betrifft. Ich koche auch gerne mit anderen<br />

gemeinsam, tausche mich aus, wie sie Essen<br />

zubereiten, und finde toll, wenn sie noch authentische<br />

Rezepte von ihren Großeltern<br />

haben. Ich habe in Wien mit Leuten aus<br />

Nigeria, Simbabwe und Ghana bei mir zu<br />

Hause gekocht. Beim Essen kommt man leicht<br />

ins Gespräch.<br />

TONICA HUNTER<br />

wurde in London geboren, ihre familiären<br />

Wurzeln liegen in Jamaika. Sie<br />

arbeitet im Bereich Migration und ist<br />

Mitbetreiberin des <strong>Wiener</strong> Clubs »On<br />

Fleek«. Im Rahmen des <strong>Festwochen</strong>-<br />

Musikschwerpunkts »Hyperreality«<br />

tritt sie am 27. Mai, ab 22 Uhr, als<br />

DJane im Schloss Neugebäude auf.<br />

Tonica Hunter verbindet<br />

mit Jamaika Gerichte<br />

wie das würzig-scharfe<br />

»Jerk Chicken«.<br />

Fotos: Stefanie Moshammer, Shutterstock<br />

86 spezial


Magdalena Chowaniec<br />

ES GIBT IMMER<br />

EINE SUPPE<br />

Die polnische Küche<br />

ist sehr deftig. Ich<br />

komme aus einem<br />

Ort im Süden in der Nähe der Berge. Das<br />

Gebiet grenzt an Schlesien, deshalb werden<br />

gern Knödel, Fleisch mit Saft und Schweinsbraten<br />

serviert. Fleisch und Wurst sind in Polen<br />

überhaupt sehr populär, als Kind habe ich<br />

wahrscheinlich vier- bis fünfmal in der Woche<br />

Fleisch gegessen. Das kann ich mir heute nicht<br />

mehr vorstellen. Aber ich glaube, die jüngere<br />

Generation in Polen ernährt sich mittlerweile<br />

auch leichter und gesundheitsbewusster. Wenn<br />

ich zu Ostern oder Weihnachten nach Hause<br />

fahre, habe ich immer eine Fleischüberdosis,<br />

denn zu den Feiertagen gibt es vier Sorten<br />

Schinken. Und es gibt immer eine Suppe als<br />

Vorspeise, meine Mutter liebt Suppen, obwohl<br />

sie nie die klassische Hausfrau war, die gerne<br />

kocht. Bei ihr muss alles schnell gehen. Als ich<br />

nach Wien kam, war ich begeistert, dass es Saisonen<br />

gibt, die Spargel-, Bärlauch- oder Kürbiszeit.<br />

In Polen gab es diese lokale, saisonale Küche<br />

früher auch, aber über die Jahre haben die<br />

Leute vergessen, viele Produkte zu nutzen.<br />

Kürbis und Bärlauch werden in Polen kaum<br />

ver wendet, obwohl sie überall wachsen, dabei<br />

schmeckt Kürbissuppe doch toll! Ich habe<br />

meiner Mutter diesbezüglich einiges beibringen<br />

können: Wenn wir gemeinsam wandern gehen,<br />

dann pflücken wir immer Bärlauch.<br />

Magdalena Chowaniec<br />

verbindet mit ihrer Kindheit<br />

in Polen deftige Küche.<br />

MAGDALENA<br />

CHOWANIEC<br />

ist eine polnische Tänzerin und<br />

Performerin, die in Wien lebt.<br />

Bei den <strong>Festwochen</strong> leitet sie an<br />

verschiedenen öffentlichen Orten<br />

wie einem Einkaufszen trum die<br />

»Anti-Fascist Ballet School«.<br />

Mitmachen kann dabei jeder.<br />

spezial<br />

87


festwochen<br />

/ DIE WELT SCHMECKEN<br />

Elisabeth Bakambamba Tambwe<br />

INSEKTEN SIND<br />

IM KONGO BELIEBT<br />

Die kongolesische Küche ist relativ<br />

unbekannt, sehr geschmackvoll<br />

und reichhaltig, wenn man sich<br />

die Zeit nimmt, sie zu entdecken. Ich würde<br />

sagen, es gibt so viele Arten Huhn Moambe<br />

zu kochen, wie es kongolesische Mütter gibt –<br />

jede hat ihr eigenes Rezept. Von meiner Kindheit<br />

bis heute hat mich meine Liebe zum<br />

Kochen begleitet, obwohl ich oft gar nicht<br />

mehr weiß, woher meine Rezepte genau stammen.<br />

Ich lasse mich von meinen kongolesischen<br />

Wurzeln ebenso inspirieren wie von der französischen<br />

Küche oder der österreichischen. Für<br />

mich ist das Kochen eine Art Forschungslabor,<br />

ein Ort der Begegnungen, egal, wie überraschend<br />

diese auch sein mögen. Lasst uns<br />

Wände niederreißen! Essen kann auch ein<br />

Mittel sein, etwas subversiv in Frage zu stellen.<br />

Im Kongo sind zum Beispiel Insekten wichtige<br />

Lebensmittel, die ich auch gern esse. Europa ist<br />

diesbezüglich ängstlich, seine Essensgewohnheiten<br />

zu hinterfragen, obwohl gerade Insekten<br />

reich an Proteinen sind und wenig Umweltverschmutzung<br />

verursachen. Ich finde überhaupt<br />

schade, dass es in Europa Streetfood meist nur<br />

auf Festivals gibt, weil es so strenge Regeln<br />

gibt, wenn es um Kulinarik geht. Ich verstehe<br />

das nicht, diese Art von Essen füllt die Straßen<br />

mit Gerüchen, macht das Leben in der Stadt<br />

lebendiger, schafft Jobs und fördert den Tourismus,<br />

weil es eine gute Gelegenheit ist, wirklich<br />

authentisches Essen auszuprobieren.<br />

Nur Mut:<br />

Elisabeth B.<br />

Tambwe<br />

empiehlt die<br />

Insektenküche<br />

ihrer Heimat.<br />

ELISABETH B.<br />

TAMBWE<br />

ist eine kongolesisch-österreichische<br />

Performerin. Sie wurde in Kinshasa<br />

geboren, wuchs in Frankreich auf<br />

und lebt seit zehn Jahren in Wien. In<br />

»Congo Na Chanel«, das im Rahmen<br />

der Fest wochen uraufgeführt wird,<br />

wirft sie einen Blick auf die Kolonialgeschichte<br />

ihrer afrika nischen Heimat.<br />

Fotos: Scott Evans, Stefan Roehrle, Shutterstock<br />

88<br />

spezial


Anna Jermolaewa<br />

DIE EINFACHEN GERICHTE<br />

SCHMECKEN AM BESTEN<br />

Ich komme aus St. Petersburg, die Stadt<br />

wurde im Zweiten Weltkrieg von den<br />

Deutschen belagert, über eine Million<br />

Menschen starben an Hunger. Ich habe das in<br />

einer meiner Arbeiten thematisiert, man hat<br />

damals unter anderem alle Katzen der Stadt<br />

aufgegessen. Meine Großmutter überlebte diese<br />

900-tägige Blockade, zwei ihrer Kinder kamen<br />

ums Leben. Ich habe von meiner Oma zum<br />

Geburtstag immer Essen geschenkt bekommen,<br />

das war einfach das Wertvollste für sie. Es gab<br />

ein Stück Fleisch und kein Spielzeug. Meine<br />

Eltern arbeiteten beide als Ingenieure, das<br />

waren die am schlechtesten bezahlten Jobs<br />

in der Sowjetunion. Man hatte kaum Geld<br />

zum Überleben. Im Sommer waren wir deshalb<br />

immer auf dem Land in einer kleinen Datscha,<br />

da haben wir Gemüse und Obst angebaut und<br />

für den Winter eingelagert. Das waren vier<br />

Monate harte Arbeit – aber für mich eine der<br />

schönsten Kindheitserfahrungen. Es gab Hühner<br />

und Kaninchen, wir haben Beeren, Kräuter<br />

und Pilze im Wald gesammelt. Zuerst kam die<br />

Gartenarbeit, erst danach durfte ich spielen.<br />

Mir schmecken die einfachen Gerichte nach<br />

wie vor am besten: gekochte Kartoffeln in der<br />

Schale und ein Gurkensalat mit Sauerrahm.<br />

Das ist für mich eine Delikatesse geblieben. Ich<br />

koche gern für Freunde, dann gibt es Borschtsch,<br />

und der Wodka dazu ist natürlich Pflicht.<br />

ANNA JERMOLAEWA<br />

ist eine russische Künstlerin, die seit<br />

1989 in Wien lebt. In ihren meist dokumentarischen<br />

Videoarbeiten und Installationen<br />

nimmt sie alltägliche Dinge<br />

unter die Lupe, analysiert dabei<br />

aber auch politische Machtstrukturen<br />

und Rollenbilder. Bei den <strong>Festwochen</strong><br />

ist sie Teil des Projekts »NSK State<br />

Venice Pavilion in Vienna – Thinking<br />

Europe«, das Themen wie Migration,<br />

Geschichte und Identität behandelt.<br />

Mit der Rote-Rüben-<br />

Suppe Borschtsch<br />

bekocht Anna<br />

Jermolaewa ihre<br />

Freunde.<br />

89


festwochen<br />

/ DIE WELT SCHMECKEN<br />

FREUNDERL-<br />

WIRTSCHAFT<br />

Im »Magdas Hotel« und »Habibi & Hawara« gibt es nicht nur<br />

Großartiges zu essen. Die Betriebe zeigen auch vor, wie man<br />

nachhaltig Gutes tut. <strong>Wiener</strong> Gastro-Profis und Flüchtlinge<br />

arbeiten hier Hand in Hand. TEXT JULIA STALLER<br />

Die Küchencrew im<br />

»Magdas Hotel« ist<br />

ein eingespieltes Team.<br />

Foto: Peter Barci<br />

90 spezial


<strong>Festwochen</strong>thema:<br />

Flucht<br />

»Traiskirchen. Das Musical.«<br />

bringt Geschichten rund um<br />

das im Sommer 2015 überfüllte<br />

Flüchtlingslager auf<br />

die Bühne. Premiere:<br />

9. Juni 2017. Mehr<br />

auf S. 141.<br />

Es ist zwölf Uhr, und das<br />

neue Mittagsbuffet im<br />

»Habibi & Hawara«<br />

findet sichtlich<br />

Zuspruch. Die Teller<br />

der Gäste leeren sich<br />

quasi im Minutentakt, und vor dem<br />

dampfenden Couscous, der einen<br />

unwiderstehlichen Korianderduft verströmt,<br />

bildet sich schon eine kleine<br />

Warteschlange. Geschäftsmänner<br />

besprechen ihren nächsten Deal, Studentinnen<br />

am Nebentisch unterhalten<br />

sich über ihren Lehrplan. Indes läuft<br />

der Küchenbetrieb auf Hochtouren.<br />

Jetzt muss jeder Handgriff stimmen,<br />

Teamwork ist gefragt.<br />

Eigentlich ist das »Habibi &<br />

Hawara« ein Restaurant wie jedes ><br />

spezial<br />

91


Qual der Wahl: Das<br />

Mittagsbuffet im »Habibi<br />

& Hawara« bietet eine<br />

große Auswahl.<br />

/ festwochen<br />

/ DIE WELT SCHMECKEN<br />

><br />

andere. Aber in einem wichtigen Punkt<br />

unterscheidet es sich von ihnen: Die Mitarbeiter<br />

kommen aus den verschiedensten Ländern<br />

und Kulturen – sie alle mussten aus ihrer<br />

Heimat fliehen und haben in Österreich Asyl<br />

erhalten. Das Restaurant »Habibi & Hawara«<br />

ermöglicht ihnen, in der Arbeitswelt Fuß<br />

zu fassen. Es ist aber auch ein Ort der Begegnung,<br />

an dem die Gäste mit den Flüchtlingen<br />

in Kontakt kommen und wo schon so manches<br />

Vorurteil abgebaut werden konnte.<br />

»Social Business« steht als großes Schlagwort<br />

über dem »Habibi & Hawara«. Das<br />

Unternehmenskonzept vom Friedensnobelpreisträger<br />

Muhammad Yunus schließt<br />

neben dem ökonomischen Erfolg auch<br />

stets die soziale Verantwortung mit ein.<br />

Auf Spenden verzichten diese Betriebe.<br />

Sie streben nach Gewinn, nutzen diesen<br />

aber zur Lösung gesellschaftlicher Probleme.<br />

»Wir wollten nicht nur etwas Gutes tun«,<br />

erinnert sich »Habibi & Hawara«-Initiatorin<br />

Katha Schinkinger an den Anfang, »wir wollten<br />

auch beweisen, dass unternehmerisch viel<br />

brachliegt und Talente ungenützt bleiben.«<br />

Die Ideen gehen dem Team rund um Unternehmer<br />

Martin Rohla nicht aus: Im Sommer<br />

92 spezial<br />

»Wir wollten nicht nur etwas Gutes tun. Wir wollten auch<br />

beweisen, dass unternehmerisch viel brachliegt und Talente<br />

ungenützt bleiben.«<br />

KATHA SCHINKINGER Initiatorin »Habibi & Hawara«<br />

Auch Süßes aus den<br />

Heimatländern der<br />

Flüchtlinge gibt es im<br />

»Habibi & Hawara«.<br />

Fotos: Benedikt Muxel, Doris Heinrich


Das bunte Interieur<br />

spiegelt die Grundwerte<br />

des Lokals wider.<br />

Beim »Familiy Dinner«<br />

servieren die Mitarbeiter<br />

vom »Habibi & Hawara«<br />

orientalische Köstlichkeiten.<br />

»Das war im Sommer 2015«, erinnert sich<br />

Teilhaberin Katha Schinkinger, »wir haben<br />

die Initiative ›Hosten statt Posten‹ ins Leben<br />

gerufen, bei der wir Flüchtlingen auf dem<br />

›Stadtflucht Bergmühle‹-Grundstück ein paar<br />

schöne Stunden mit Kulinarik und Wellness<br />

schenkten. Aus diesem Moment heraus wollten<br />

wir etwas wirklich Nachhaltiges schaffen.«<br />

Seit der Eröffnung am 4. Mai 2016 konnte<br />

sich das Restaurant einen guten Ruf bei<br />

Gourmets erarbeiten. »Das soziale Konzept<br />

zieht natürlich Interessierte an – aber wirklich<br />

überzeugen musst du mit dem Essen. Nur deswegen<br />

kommen die Gäste wieder«,<br />

sagt Schinkinger.<br />

Besonders begehrt ist im »Habibi &<br />

Hawara« das »Family Dinner«, bei dem<br />

unterschiedliche orientalische Speisen auf<br />

Platten und in Töpfen am Tisch aufgetragen<br />

werden – und das reichlich. Von Hummus<br />

über Taboulé, Schawarma und Makrele<br />

nach syrischer Art – die Rezepte stammen<br />

><br />

soll es einen Foodtruck als Take-away-<br />

Ableger geben, der von einem Mitarbeiter mit<br />

Fluchtgeschichte selbstständig geführt werden<br />

soll. Weitere Niederlassungen und Kooperationen,<br />

etwa zum Catering des Lifeballs 2017,<br />

sind in Planung. Die Initialzündung für das<br />

Restaurant mit sozialem Mehrwert gab es im<br />

Rahmen einer Hilfsaktion der »Stadtflucht<br />

Bergmühle«, einem Verein im Weinviertel.<br />

Chefkoch Edgardo<br />

Mendoza (Bildmitte)<br />

mit seinem »Habibi &<br />

Hawara«-Team.<br />

Beim »Familiy Dinner« werden<br />

abends orientalische<br />

Speisen auf Platten aufgetragen<br />

– und das reichlich.<br />

spezial<br />

93


festwochen<br />

/ DIE WELT SCHMECKEN<br />

><br />

vornehmlich aus den Heimatländern der<br />

Flüchtlinge. Aber auch österreichische Küche<br />

findet immer wieder Einzug, etwa beim<br />

scharf-orientalisch gewürzten Gulasch.<br />

WELTUMSPANNEND<br />

Das »Habibi & Hawara« ist nicht das<br />

einzige gastronomische »Social Business«<br />

in Wien, das von Flüchtlingen betrieben<br />

wird. Auch die Caritas hat das Konzept mit<br />

ihrem »Magdas Hotel« erfolgreich umgesetzt.<br />

Geradezu idyllisch im Prater gelegen, wird<br />

der Hotelbetrieb von dreißig Flüchtlingen<br />

am Laufen gehalten. Unterstützt und ausgebildet<br />

werden sie dabei von einheimischen<br />

Branchen-Profis.<br />

»Wir sind ein Hotel wie jedes andere. Aber<br />

wir schaffen Chancen für Menschen, die sonst<br />

wenige haben«, erklärt Marketing-Managerin<br />

Sarah Bárci, während sie durch das Hotel<br />

führt, das früher ein Seniorenheim war. Jedes<br />

der 88 Zimmer ist mit modernen Upcycling-<br />

Designstücken individuell eingerichtet. Am<br />

Aufbau und der Gestaltung beteiligten sich<br />

auch viele ehrenamtliche Helfer, erzählt Bárci.<br />

Einige der Flüchtlinge haben bereits in<br />

ihrem Heimatland in der Gastronomie oder<br />

Hotellerie gearbeitet, etwa die Rezeptionistin,<br />

die in Damaskus im »Four Seasons« tätig war,<br />

bevor sie aus dem vom Bürgerkrieg erschütterten<br />

Syrien flüchten musste. Ihre Team-Mitglieder<br />

sind im Iran, in Bangladesch, Pakistan,<br />

Afghanistan und verschiedenen afrikanischen<br />

Ländern geboren. Insgesamt 23 Sprachen<br />

beherrscht das »Magdas«-Team – für ein<br />

Hotel ist das natürlich ein großes Service-Plus.<br />

Nicht nur Gäste aus aller Welt gehen in<br />

»Magdas Hotel« ein und aus. Die Küche zieht<br />

auch <strong>Wiener</strong> an, vor allem zum »Flying Dinner«,<br />

das jeden Donnerstagabend angeboten<br />

wird. Zehn Gänge werden vom internationalen<br />

Küchenteam rund um Reinhard Kroiss<br />

serviert, jeden richten sie mit einer unglaublichen<br />

Detailverliebtheit an. Auf eine Karte<br />

wird verzichtet. Stattdessen liegen auf dem<br />

Kreation aus dem<br />

»Magdas«: Avocado,<br />

gebeizte Sardine,<br />

Knochenmark.<br />

Wie im »Habibi & Hawara« überzeugt im<br />

»Magdas Hotel« nicht nur das soziale Konzept,<br />

sondern auch die Gerichte, die auf den Teller kommen.<br />

»Wir sind ein Hotel wie jedes<br />

andere. Aber wir schaffen<br />

Chancen für Menschen, die<br />

sonst wenige haben.«<br />

SARAH BÁRCI Marketing-Managerin »Magdas Hotel«<br />

Das moderne »Magdas<br />

Hotel« liegt direkt<br />

im grünen Prater.<br />

Fotos: beigestellt<br />

94 spezial


Beim »Flying Dinner«<br />

im »Magdas Hotel«<br />

werden zehn raffinierte<br />

Gerichte serviert.<br />

Tisch zahlreiche kleine Zettel, auf denen die<br />

Zutaten vermerkt sind, die bei den Speisen<br />

kombiniert werden. Schon die puristischen<br />

Aufzählungen machen Appetit, etwa »Fischtatar,<br />

Melone, Algen«, »Kalb, Afila, Kartoffel«,<br />

»Tee, Pilze, Ei« oder »Saibling, Goldrübe,<br />

Rote Rübe«. Wie im »Habibi & Hawara«<br />

überzeugt hier nicht nur das soziale Konzept,<br />

sondern auch die Gerichte, die auf den Teller<br />

kommen. Die Kreationen sind auf den Punkt<br />

abgeschmeckt, von überraschender Kreativität<br />

und großer Produktqualität.<br />

NACHAHMER ERWÜNSCHT<br />

»Liebe geht durch den Magen, die Gäste fühlen sich hier<br />

ebenso wie die Mitarbeiter wohl. Und das merkt man.«<br />

KATHA SCHINKINGER Initiatorin »Habibi & Hawara«<br />

Ein »Flying Dinner«-Gang<br />

im »Magdas«: Miesmuscheln<br />

á la Buzara.<br />

»Magdas Hotel« wurde im Februar 2015<br />

eröffnet – ein paar Monate vor der großen<br />

Solidaritätsbewegung, die sich im Sommer<br />

desselben Jahres formierte. Mehrere tausend<br />

Flüchtlinge suchten in Europa Zuflucht,<br />

Politiker wirkten mit der Situation zuweilen<br />

überfordert. Kompensiert wurde die politische<br />

Ratlosigkeit durch unzählige Privatinitiativen,<br />

die den Flüchtlingen in diesen Monaten<br />

mit Unterkünften und Gratis-Integrationsangeboten<br />

halfen.<br />

Auch die Idee zu »Habibi & Hawara«<br />

entstand in diesen Sommertagen des Jahres<br />

2015. Heute, kritisieren viele, sei die Welle<br />

an Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge verebbt.<br />

Initiator Martin Rohla schüttelt energisch<br />

seinen Kopf. »Sie ist nach wie vor groß«,<br />

ist er überzeugt. Die positive Stimmung<br />

erlebe er jeden Tag im »Habibi & Hawara«.<br />

»Projekte wie ›Habibi & Hawara‹ haben eine<br />

enorme Sogkraft. Sie regen auch andere dazu<br />

an, aktiv zu werden«, sagt seine Kollegin<br />

Katha Schinkinger und ergänzt: »Liebe geht<br />

durch den Magen. Die Gäste fühlen<br />

sich hier ebenso wie die Mitarbeiter wohl.<br />

Und das merkt man.«<br />

<<br />

spezial<br />

95


festwochen<br />

/ DIE WELT SCHMECKEN<br />

<strong>Festwochen</strong>thema:<br />

Regeln<br />

brechen<br />

Die »Akademie des Verlernens«<br />

lädt zum Aufbrechen von<br />

vermeintlichen kulturellen<br />

Grenzen ein.<br />

Mehr dazu: S. 141.<br />

WIEN ISST<br />

MULTIKULTI<br />

Ramen ist eigentlich eine Kreation aus China und die<br />

<strong>Wiener</strong> Küche ein osteuropäisches Konglomerat.<br />

Kochtraditionen vereinen in sich mehr Kulturen, als<br />

man vermuten möchte. Ein Loblied auf die Fusionsküche.<br />

TEXT TOBIAS MÜLLER<br />

Fusion Cuisine hat in Österreich<br />

einen ganz besonders schlechten<br />

Ruf. Der Begriff klingt nach<br />

1990er-Mief, nach Schulterpölstern<br />

und neonfarbenen Anzügen,<br />

nach Running Sushi beim Chinesen<br />

und auf Zitronengras gespießten Tiefkühlgarnelen<br />

mit Balsamicoreduktion. So schlecht<br />

ist es um den Begriff bestellt, dass Gastronomen<br />

sich allergrößte Mühe geben, nicht damit<br />

in Verbindung gebracht zu werden – selbst<br />

wenn es genau das ist, was sie machen.<br />

»Als wir eröffnet haben, war das ein Thema«,<br />

sagt auch Tobias Müller, Restaurantleiter<br />

im »Mochi« (und nicht mit dem Autor verwandt),<br />

seit Jahren eines von Wiens gefragtesten<br />

Lokalen, das mit Angeboten wie Sushi-<br />

Pizza oder Matcha-Crème-brûlée berühmt<br />

wurde. »Wir haben dann auf die Webpage<br />

geschrieben: ›Mochi verbindet traditionelle<br />

japanische Küche mit den verschiedensten<br />

internationalen Küchen.‹« Simon Xie Hong<br />

wiederum, Wiens geschmackssicherster und<br />

erfolgreichster Chinarestaurateur, richtet<br />

auf seiner Website aus: »No Kitsch, no<br />

Dragon Deco, no forceful Fusion«, um<br />

dann Thunfisch-Tatar mit Kürbiskernöl<br />

oder Beuschel aus dem Wok anzupreisen.<br />

Es ist daher höchste Zeit für eine Ehrenrettung:<br />

Fusionsküche ist ganz und gar nicht<br />

schlecht, sondern fast immer das bessere<br />

Essen. Und sie ist keinesfalls die Ausnahme, ><br />

Fotos: beigestellt<br />

96 spezial


Kreation aus dem »Mochi«:<br />

Wolfsbarsch in einem<br />

japanischen Muschelsud.<br />

spezial<br />

97


festwochen<br />

/ DIE WELT SCHMECKEN<br />

Das »Mochi« ist für seine<br />

japanische Küche mit<br />

internationalen Einflüssen<br />

berühmt geworden.<br />

><br />

sondern die Regel, in Wien genauso wie<br />

im Rest der Welt. Die meisten Speisen, die<br />

als klassisch und traditionell gelten, sind wilde<br />

Bastarde, zusammengewürfelt aus Zutaten<br />

und Kochtechniken verschiedenster Kulturen.<br />

Und sehr oft sind sie bei Weitem nicht so alt,<br />

wie ihre Esser das gerne hätten.<br />

Chicken Tikka Masala, laut dem britischen<br />

Ex-Außenminister Robin Cook Großbritanniens<br />

Nationalgericht, war in Indien unbekannt,<br />

bis heimkehrende Inder es von der Insel mitbrachten;<br />

Lachs-Sushi, Österreichs beliebteste<br />

Art, rohen Fisch zu essen, ist eine Erfindung<br />

aus Norwegen; Ramen, der weltweit erfolgreichste<br />

Nudeltrend aus Japan, basiert auf<br />

chinesischer Nudelsuppe, die erst nach dem<br />

Zweiten Weltkrieg in Japan erfolgreich wurde;<br />

die italienische Pizza war die allermeiste Zeit<br />

ein neapolitanisches Regionalgericht, bevor<br />

sie von italienischen Auswanderern in die USA<br />

gebracht und erst dort so richtig groß gemacht<br />

wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde<br />

sie schließlich aus den USA zurückimportiert<br />

und eroberte den Norden des Landes.<br />

Wer noch ein bisschen weiter zurückgeht,<br />

der merkt schnell, dass so gut wie alles einmal<br />

neu war und unser Speisezettel ohne<br />

»Küchen haben sich schon<br />

immer geändert, vor allem<br />

in den Städten – oft dank<br />

der Immigranten.«<br />

SIMON XIE HONG Koch und Gastronom in Wien<br />

vergangene Fusionsexperimente furchtbar<br />

traurig aussähe. Vor Kolumbus’ Fahrten<br />

gab es keine Erdäpfel in Irland und in Italien<br />

keine Paradeiser. Auf der anderen Seite der<br />

Welt, in Südamerika, das heute als Rindfleischparadies<br />

gilt, waren große Säugetiere<br />

praktisch unbekannt, die wichtigste tierische<br />

Proteinquelle für die Inkas waren wahrscheinlich<br />

Hunde. Die Briten definieren<br />

sich heute kulinarisch über den Tee, eine<br />

Pflanze, die bei ihnen nicht wächst, aus<br />

China stammt und heute für den Export<br />

vor allem in Indien angebaut wird. Chili,<br />

die wichtigste Würze Thailands, Vietnams<br />

oder Sichuans, erreichte diese Länder irgendwann<br />

im 17. Jahrhundert – wer heute dort<br />

hinfährt, fragt sich, was Menschen dort<br />

ohne die scharfen Schoten gemacht haben.<br />

Dieser Prozess des Adaptierens und Aufnehmens,<br />

des Anpassens und Assimilierens<br />

dauert nach wie vor an: »Als ich nach Österreich<br />

gekommen bin, gab es hier keinen<br />

frischen Ingwer und kaum grünes Gemüse«,<br />

In seinen vier Lokalen serviert<br />

Simon Xie Hong eine moderne<br />

chinesische Küche.<br />

Fotos: Peter Podpera, Lukas Ilgner, beigestellt<br />

98 falstaff spezial


Dass chinesische Küche<br />

mehr als »süßsauer« ist,<br />

beweist Xie Hong in der<br />

»Chinabar an der Wien«.<br />

sagt »Chinabar«-Besitzer Xie Hong. »Ich<br />

habe also statt Pak Choi Kochsalat genommen<br />

und gebraten, das hat super funktioniert.<br />

Die Leute, die über Fusionsküche<br />

schimpfen, haben vergessen, dass sich<br />

Küchen immer schon geändert haben,<br />

vor allem in den Städten – oft dank der<br />

Immigranten. Wichtig ist nur, dass du mit<br />

deiner Erinnerung arbeitest. Und dass die<br />

Basis einer Küche stimmt. Dann kannst<br />

du fast alles darauf aufbauen.«<br />

EIN KULTUREN-MISCHMASCH<br />

Mit der <strong>Wiener</strong> Küche ist das nicht anders:<br />

Die Stadt war einst das Zentrum eines Reiches,<br />

das sich von den Tälern und Gipfeln<br />

der Alpen im Westen bis zu jenen der Karpaten<br />

im Osten erstreckte, von den Ebenen<br />

der heutigen Ukraine im Norden über die<br />

Steppen Ungarns bis an die bergige Mittelmeerküste<br />

Montenegros im Süden. Vor<br />

allem um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert<br />

strömten aus allen Teilen dieses<br />

Reiches Menschen nach Wien und brachten<br />

ihre Küche, Zutaten und Esskultur mit.<br />

Aus all diesen Einflüssen formte sich eine<br />

Auch heute ist die <strong>Wiener</strong><br />

Küche nicht tot. Intelligente<br />

Köche wie Harald<br />

Brunner entwickeln sie weiter,<br />

peppen ihre Kreationen mit<br />

asiatischen Einflüssen auf.<br />

Harald Brunner spielt im<br />

»Das Spittelberg« gern<br />

auch mit asiatischen Noten.<br />

bunte, stark osteuropäisch geprägte<br />

Mischung, die bis heute teilweise in den<br />

Beisln der Stadt serviert wird: von den<br />

serbischen Krautrouladen über das ungarische<br />

Pörkölt bis zu den Strudeln Böhmens.<br />

Erst nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg<br />

wurde aus all diesen Einflüssen und Regionalküchen<br />

eine vereinte »<strong>Wiener</strong> Küche«<br />

herbeigeschrieben – wenn Österreich<br />

schon kein großes Reich mehr war, wollte<br />

es zumindest noch eine große Küche haben<br />

(siehe S. 16).<br />

Auch heute ist die <strong>Wiener</strong> Küche glücklicherweise<br />

nicht tot, selbst wenn sie in zahlreichen<br />

Kaffeehäusern und Touristenlokalen<br />

gern musealisiert wird. Intelligente Köche<br />

entwickeln sie nach wie vor weiter: Harald<br />

Brunner, der seit Kurzem im »Das Spittelberg«<br />

amtiert, peppt seine Kreationen seit<br />

Jahrzehnten mit asiatischen Einflüssen auf.<br />

Den Leuten im famosen »Gasthaus Wolf«<br />

rutscht schon mal eine Mango in die Zanderröllchen.<br />

Heinz Reitbauer wiederum,<br />

><br />

spezial<br />

falstaff<br />

99


festwochen<br />

/ DIE WELT SCHMECKEN<br />

Die Küche im »Steirereck«<br />

verbindet Kochkulturen<br />

auf höchstem Niveau.<br />

><br />

Patron des »Steirereck« und Österreichs<br />

wichtigstes internationales kulinarisches<br />

Aushängeschild, schlachtet seine Fische gern<br />

nach der alten japanischen Technik Ike Jime<br />

oder serviert, ganz neuwienerisch, türkisch<br />

inspirierte Amuse-Gueules.<br />

Das, was die meisten Menschen heute<br />

meinen, wenn sie Fusion Cuisine sagen – die<br />

moderne, absichtliche Mischung sehr verschiedener<br />

Kochkulturen im Fine Dining –,<br />

entstand wohl in den 1960er-Jahren in<br />

Frankreich, als französische Köche begannen,<br />

vermehrt Einflüsse aus ehemaligen französischen<br />

Kolonien in Südostasien in ihr Kochen<br />

zu integrieren. So richtig international<br />

berühmt wurde dieser Stil dann in den<br />

»Viele, die Fusion Cuisine<br />

machen, beherrschen einfach<br />

das Handwerk nicht oder<br />

wissen nicht genau, was sie<br />

eigentlich machen wollen.«<br />

TOBIAS MÜLLER, Restaurantleiter im »Mochi«<br />

100 falstaff spezial<br />

Heinz Reitbauer<br />

vom »Steirereck«<br />

gilt als Erneuerer<br />

der <strong>Wiener</strong> Küche.<br />

1980ern mit dem Österreicher Wolfgang<br />

Puck, der in seinen Lokalen in L. A. etwa<br />

Pizza mit Räucherlachs oder Tortillasuppe<br />

servierte. Etwas später machte der Japaner<br />

Nobuyuki Matsuhisa mit seiner japanischperuanischen<br />

Mischküche Furore. Heute ist<br />

wohl Danny Bowien der Star dieser Szene,<br />

der in seinem »Mission Chinese Food« und<br />

»Mission Cantina« in San Francisco und<br />

New York sehr freie Interpretationen chinesischer<br />

und mexikanischer Küche serviert. Die<br />

Ergebnisse sind mitunter wild, aber köstlich.<br />

Woher kommt dann der schlechte Ruf der<br />

Fusionsküche? »Viele, die Fusion Cuisine<br />

machen, beherrschen einfach das Handwerk<br />

nicht oder wissen nicht genau, was sie eigentlich<br />

machen wollen«, meint »Mochi«-Restaurantleiter<br />

Müller. Und Simon Xie Hong<br />

sagt: »Ich mag es nicht, wenn es so erzwungen<br />

ist.« Und manche Dinge werden eben<br />

auch nicht besser, wenn man sie kombiniert.<br />

Billige Tiefkühlgarnelen, Zitronengras-Spieße<br />

und Balsamicoreduktion zum Beispiel.<br />

<<br />

Fotos: Erich Reismann, beigestellt


Vom Grillgut zum Kulturgut:<br />

unsere original Käsekrainer.<br />

Franz Radatz<br />

Erfinder der Käsekrainer<br />

www.radatz.at/kaesekrainer


festwochen<br />

/ SERVICE<br />

PERFORMEUM:<br />

GR ÄTZELTIPPS<br />

Im Herzstück der <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong>, dem Festivalzentrum<br />

»Performeum« in Favoriten, ist auch die »Akademie des<br />

Verlernens« beheimatet. Dass der Bezirk zu Unrecht als<br />

kulinarisches Brachland gilt, beweisen die Falstaff-Tipps.<br />

Falstaff<br />

87<br />

davor<br />

MEIXNERS GASTWIRTSCHAFT<br />

Favoritens vielleicht berühmtestes Gasthaus,<br />

das Freunde der <strong>Wiener</strong> Küche aus der ganzen<br />

Stadt anzieht. Tolle Fassbiere, liebevoll<br />

zusammengestellte Weinkarte.<br />

Buchengasse 64, 1100 Wien<br />

T: +43 1 6042710<br />

www.meixners-gastwirtschaft.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–Fr: 11–23 Uhr; Sa, So: geschlossen<br />

IM HOF<br />

Ein stylish-luftiges Café im Hof der ehemaligen<br />

Alpenmilchzentrale. Erfreulich undogmatischmodernes<br />

Essen mit Ideen aus der ganzen Welt<br />

von einem ehemaligen »Josephs Bistro«-Koch.<br />

Weyringergasse 36, 1040 Wien<br />

T: +43 1 9294438, www.im-hof.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–Fr: 11–22 Uhr<br />

Sa, So, Feiertage: geschlossen<br />

95–100 Punkte 90–94 Punkte<br />

85–89 Punkte 80–84 Punkte<br />

95–100 Punkte 90–94 Punkte<br />

85–89 Punkte 80–84 Punkte<br />

95–100 Punkte 90–94 Punkte<br />

85–89 Punkte 80–84 Punkte<br />

Fotos: Hertha Hurnaus, Campus Bräu, beigestellt<br />

102 spezial


dinner<br />

PERFORMEUM<br />

Auf einem ehemaligen Fabriksgelände in Favoriten, unweit des<br />

Hauptbahnhofs, befindet sich das Festivalzentrum der <strong>Wiener</strong><br />

<strong>Festwochen</strong>: das »Performeum«. Die temporäre Raumarchitektur<br />

wurde vom Stuttgarter Architektenbüro »umschichten«<br />

realisiert. Im »Performeum« finden Performances, Tanzstücke,<br />

Ausstellungen sowie Diskussionen statt, etwa im Rahmen der<br />

»Akademie des Verlernens«, die künstlerische und kulturelle<br />

Grenzen auslotet und neu definiert (siehe S. 141).<br />

»Akademie des Verlernens«<br />

Performeum<br />

Laxenburger Straße 2a, 1100 Wien<br />

verschiedene Veranstaltungen, etwa:<br />

»Hamamness«<br />

Eine aufblasbare Raumarchitektur,<br />

die Ruhe- und Diskussionsräume bietet.<br />

Während der <strong>Festwochen</strong>:<br />

Do–So ab 18 Uhr zugänglich<br />

»Picknicks des Verlernens«<br />

Diskussionen zu gesellschaftspolitischen Themen<br />

an verschiedenen Orten. Im Performeum-Garten:<br />

21. Mai, 11 Uhr<br />

zum Thema »Stadt als Beute«<br />

drinks<br />

CAMPUS BRÄU<br />

Industrial Design meets<br />

rus tikale Biergarten-Spei sekarte.<br />

Es gibt Craft-Bier,<br />

Fassbier und Flaschenbier,<br />

aber auch Grünen Veltliner,<br />

Zweigelt, <strong>Wiener</strong> Gemischten<br />

Satz und andere Weine findet<br />

man auf der Karte.<br />

Wiedner Gürtel 1, 1100 Wien<br />

T: +43 1 796158912<br />

www.campusbraeu.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–Fr: 10–2 Uhr<br />

Sa, So: geschlossen<br />

spezial<br />

103


festwochen / SERVICE<br />

Japanisches<br />

Bistro: »IKI«.<br />

Gute Craft-Bier-Auswahl<br />

im »Columbusbräu«.<br />

TOP-ADRESSEN<br />

UMS PERFORMEUM<br />

RESTAURANTS<br />

IKI<br />

Japanische Bistro-Kantinen-Mischung, sehr<br />

chic designt. Das Konzept wurde gemeinsam<br />

mit dem Team vom »Mochi«, Wiens beliebtem<br />

Cross-over-Japaner, entwickelt.<br />

Am Belvedere 1, 1100 Wien<br />

T: +43 5 010013600<br />

www.iki-restaurant.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–Fr: 11–22:30 Uhr<br />

Küchenschluss: 21:30 Uhr<br />

Sa, So, Feiertage: geschlossen<br />

DER RINGSMUTH<br />

Eine klassische österreichische Speisekarte mit<br />

modernem Touch, etwa Wildhase mit Brezelflan<br />

oder Amurkarpfen in Sesampanier.<br />

Johannitergasse 1, 1100 Wien<br />

T: +43 1 6031835<br />

www.der-ringsmuth.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

Di–Sa: 10:30–23 Uhr<br />

So, Feiertage: 10:30–16 Uhr<br />

Mo: geschlossen<br />

COLUMBUSBRÄU<br />

Seit 1492 gibt es dieses Bierlokal bereits am<br />

Columbusplatz. Mit großem Schanigarten und<br />

deftiger Küche begeistert das Lokal seine Gäste<br />

bis heute. Besonders die knusprig gebackenen<br />

Hausbrote sind ein Genuss.<br />

Am Columbusplatz, 1100 Wien<br />

T: +43 1 6042303<br />

www.columbusbraeu.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–Sa: 11–1 Uhr<br />

So, Feiertage: 11–24 Uhr<br />

BAR<br />

MABEL’S NO90<br />

Ein Pub-Restaurant plus Bar mit vielen Fans, das<br />

inzwischen schon zu einer Institution in Favoriten<br />

geworden ist. Großes (Craft-)Bier-Angebot, Cider<br />

vom Fass, Cocktail des Monats.<br />

Laxenburger Straße 90, 1100 Wien<br />

T: +43 1 6045397, www.mabels.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–Sa: 8–2 Uhr<br />

So: 14–24 Uhr<br />

In »George Deli & Café«<br />

gibt es Snacks und<br />

Fair-Trade-Kaffee.<br />

CAFÉS<br />

Klassische Küche<br />

im »Der Ringsmuth«.<br />

GEORGE DELI & CAFÉ IM ERSTE CAMPUS<br />

Egal, ob es ein schneller Fair-Trade-Kaffee an<br />

der Bar, ein kleines Sandwich mit Smoothie an<br />

der Take-away-Theke oder lieber ein gemütlicher<br />

Lunch in einer der Sitznischen sein soll: Aufgrund<br />

des durchdachten Designs fühlt man sich hier<br />

garantiert immer gut aufgehoben. Die köstlichen<br />

Süßspeisen und Sandwiches gibt’s übrigens auch<br />

to go. Um die Mittagszeit oft sehr voll.<br />

Am Belvedere 1, 1100 Wien<br />

T: +43 5 010017020, www.cafegeorge.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–Do: 7:30–18 Uhr<br />

Fr: 7:30–16 Uhr<br />

GOLDEGG<br />

Sitzmöbel mit Plüsch, alte Lampen und Luster,<br />

Billardtische: Das Café hat alles, was ein <strong>Wiener</strong><br />

Kaffeehaus ausmacht, aber mit Gerichten abseits<br />

vom Würstel: Panini, Burger und Club Sandwich.<br />

Und das Frühstück wird ganztags angeboten.<br />

Argentinierstraße 49, 1040 Wien<br />

T: +43 1 5059162, www.cafegoldegg.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–Fr: 8–20 Uhr, Sa: 9–20 Uhr<br />

So: 9–19 Uhr<br />

15 SÜSSE MINUTEN<br />

Das Café bietet vorwiegend Bio-Brot und -Gebäck,<br />

aber auch verschiedenste Mehlspeisen wie Minikuchen<br />

oder hausgemachte Waffeln. Kleine Frühstücksvariationen<br />

gibt es den ganzen Tag über.<br />

Dazu trinkt man Kaffee von Helmut Sacher.<br />

Favoritenstraße 45, 1040 Wien<br />

T: +43 664 4729060, www.15suesseminuten.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–Fr: 7–22 Uhr<br />

Sa, So: 8–22 Uhr<br />

Fotos: Toni Rappersberger, beigestellt<br />

104 spezial


UNBOTTLED WATER<br />

STILL, MEDIUM ODER SPRUDELND<br />

REFRESH WITH GROHE BLUE HOME<br />

Ein elegantes, intelligentes System, das Trinkwasser in den reinsten, durstlöschenden Genuss<br />

ver wandelt. Wie mögen Sie Ihr Wasser? Still, medium oder sprudelnd – alles eine Frage des<br />

Geschmacks. GROHE Blue Home besitzt einen einfachen, intuitiven Mechanismus, der Ihnen<br />

Ihr Trinkwasser auf Knopfdruck mit Kohlensäure veredelt. Für köstliches, frisch gefiltertes und<br />

gekühltes Wasser! www.bluehome.grohe.at


FESTE<br />

FEIERN<br />

106 spezial


Ein rauschendes Fest für Wien: Fünf Wochen lang<br />

ver setzen die <strong>Festwochen</strong> die Stadt in einen Ausnahmezustand.<br />

Die Veranstaltungen handeln von großen<br />

Gefühlen, feiern das Leben und laden ein, miteinander<br />

ins Gespräch zu kommen – eine Parallele zur Kulinarik, der<br />

eine ebenso verbindende wie lustvolle Rolle zukommt.<br />

Foto: Shutterstock<br />

spezial<br />

107


festwochen<br />

/ FESTE FEIERN<br />

DIE »WIENER FESTWOCHEN«<br />

SIND KULINARISCH<br />

Warum Kultur und Kulinarik zusammengehören »wie der Gemischte Satz und<br />

Wien«, erklären Bürgermeister Michael Häupl und <strong>Wiener</strong>-Wirtschaftskammer-<br />

Präsident Walter Ruck im gemeinsamen Falstaff-Interview.<br />

INTERVIEW WOLFGANG M. ROSAM<br />

Walter Ruck und Michael<br />

Häupl beim Saisonstart<br />

der Alten Donau.<br />

108 spezial


Wien ist eine der wenigen<br />

Städte der Welt mit<br />

eigenen Weingärten.<br />

Trotz manchmal gegensätz licher<br />

politischer Auffassungen sind sich<br />

die beiden »Chefs«, Dr. Michael<br />

Häupl, Bürger meister der Stadt<br />

Wien, und DI Walter Ruck,<br />

Prä sident der Wirtschaftskammer Wien, in<br />

einem Punkt völlig einig: Die WIENER<br />

FESTWOCHEN sind eine groß artige Kultur-<br />

Initiative, und sie sind vor allem eines: kulinarisch!<br />

FALSTAFF führte mit den beiden<br />

Spitzen-Politikern ein ami kales Gespräch<br />

über die schönsten Dinge der Stadt.<br />

Fotos: Florian Wieser/ OTS, Lois LAmmerhuber/ wien.bild, PID, ddp Images<br />

FALSTAFF Herr Bürgermeister, Herr<br />

Präsident: Wieso bekommen die WIENER<br />

FESTWOCHEN heuer so einen kulinarischen<br />

Schwerpunkt?<br />

MICHAEL HÄUPL Naja, den hatten sie<br />

eigentlich immer schon, denn Kultur und<br />

Kulinarik, Feste feiern und ausgehen gehören<br />

zusammen wie der Gemischte Satz und Wien.<br />

Eine Stadt, die sich die lebenswerteste der<br />

Welt nennen darf, muss sich sehr glücklich<br />

schätzen, neben dem ungeheuer großen kulturellen<br />

Angebot auch so viele großartige<br />

kulinarische Erlebnisse bieten zu können.<br />

WALTER RUCK Die <strong>Wiener</strong> Wirtschaft ist<br />

sehr glücklich über die WIENER FESTWO-<br />

CHEN, denn Kunst und Kultur machen Lust<br />

auf Ausgehen, Lust auf Konsumation und<br />

damit Lust auf die <strong>Wiener</strong> Gastronomie. Und<br />

diese ist in unserer Stadt einer der wichtigsten<br />

Wirtschaftsfaktoren. Die WIENER FEST-<br />

WOCHEN sind somit ein wertvoller Impulsgeber,<br />

Initiator und Vermittler im positivsten<br />

Sinne! Alle profitieren von diesem Ereignis:<br />

unsere Beisln, unsere Restaurants, unsere<br />

Kaffeehäuser, die Heurigen und – nicht zu<br />

vergessen – unsere Würstelstände.<br />

FALSTAFF Gibt es etwas, das sich Politik und<br />

Wirtschaft von der Kultur abschauen könnten?<br />

RUCK Die Kunst ist ein großer Wirtschaftsfaktor,<br />

und es ist schon extrem faszinierend,<br />

was es ausmacht, ob ein Künstler wirtschaftlich<br />

erfolgreich ist oder nicht. Regeln gibt es<br />

dafür wohl keine, und viele Künstler müssen<br />

oft ein Leben lang damit verbringen, um<br />

wirtschaftlich zu reüssieren. Da das aber bei<br />

der Kunst nicht im Vordergrund stehen soll,<br />

braucht es Unterstützung für die Kunst von<br />

öffentlichen Stellen und auch aus der Wirtschaft.<br />

Die Kunst muss frei sein und kann<br />

Als <strong>Wiener</strong> Bürgermeister freut sich<br />

Michael Häupl über »das ungeheuer<br />

große kulturelle Angebot«.<br />

mit ihrer Kreativität auch für uns in der<br />

Wirtschaft Anregungen schaffen. Die positive<br />

Wechselwirkung funktioniert seit vielen Jahrhunderten,<br />

muss aber immer wieder neu<br />

erfunden werden.<br />

HÄUPL Oft beneide ich die Künstler, weil ich<br />

glaube, dass sie freier von Zwängen, Normen<br />

und Regeln sind und ihrer Kreativität viel<br />

mehr Freiraum lassen können als ein Politiker.<br />

Wir sollten vielleicht auch viel mehr auf<br />

Künstler hören, um unsere Visionen zu erneuern<br />

und uns mutiger freizuspielen. So gesehen<br />

sind Kunst und Kultur wahnsinnig wichtig für<br />

eine politische Ethik und Weiterentwicklung.<br />

Deshalb fördern wir Kunst und Kultur in<br />

Wien, wo wir nur können.<br />

FALSTAFF Das <strong>Festwochen</strong>-Programm hat<br />

einen besonders starken multikulturellen<br />

Auftritt. Wie stehen Sie zur Vielfalt in unserer<br />

Stadt?<br />

HÄUPL Wien ist in der Tat eine unglaublich<br />

vielfältige Stadt, worauf wir alle stolz sein<br />

sollten. Natürlich sehen wir auch die damit<br />

verbundenen gesellschaftlichen, kulturellen<br />

und politischen Herausforderungen. Aber<br />

Wien hat in seiner Geschichte ähnliche<br />

Situationen schon mehrfach bewältigt und<br />

wird es auch diesmal schaffen. Das geht<br />

jedoch nur mit gemeinsam Spielregeln, die<br />

nicht nur auf Toleranz, sondern auch auf<br />

gegenseitigem Respekt aufgebaut sind.<br />

RUCK Wir haben gerade in der <strong>Wiener</strong> Wirtschaft<br />

sehr viele unterschiedliche Ethnien,<br />

»Oft beneide ich die<br />

Künstler, weil ich glaube,<br />

dass sie freier von Zwängen,<br />

Normen und Regeln sind und<br />

ihrer Kreativität viel mehr<br />

Freiraum lassen können als<br />

ein Politiker. Wir sollten auf<br />

sie mehr hören.«<br />

MICHAEL HÄUPL Bürgermeister Wien<br />

><br />

spezial<br />

109


festwochen<br />

/ FESTE FEIERN<br />

Die Vielfalt der Metropole<br />

Wien präsentiert sich auf den<br />

Tellern der Gastronomie.<br />

Walter Ruck ist vom wirtschaftlichen<br />

Erfolg des <strong>Wiener</strong> Weins beeindruckt.<br />

»Wir haben gerade in der <strong>Wiener</strong> Wirtschaft sehr viele<br />

unterschiedliche Ethnien, die aber auch viele positive<br />

Impulse in das Wirtschaftsleben der Stadt einbringen.«<br />

WALTER RUCK <strong>Wiener</strong>-Wirtschaftskammer-Präsident<br />

><br />

die viele positive Impulse in das Wirtschaftsleben<br />

der Stadt einbringen, vor allem in<br />

der Kulinarik! Ich möchte die vielen Ethnolokale<br />

in Wien nicht missen. Und selbst die sogenannte<br />

»<strong>Wiener</strong> Küche« ist ja eigentlich eine<br />

Multikulti-Küche, die ihre Wurzeln in den<br />

einstigen Kron ländern wie Böhmen, Mähren,<br />

Ungarn oder der Slowakei hat. Ein multikulturelles<br />

Food-Angebot seitens der Restaurants<br />

oder auf den Märkten beweist auch die<br />

Internationa lität unserer Stadt. Dennoch müssen<br />

wir die Tradition der »<strong>Wiener</strong> Küche«<br />

stets hochhalten.<br />

FALSTAFF Wien ist ja auch die einzige Hauptstadt<br />

der Welt, in der es einen bedeutenden<br />

Weinbau gibt. Wie ist Ihr persönliches Verhältnis<br />

zu den »<strong>Wiener</strong> Kreszenzen«?<br />

110 spezial<br />

RUCK Ich bin besonders beeindruckt vom<br />

wirtschaftlichen Erfolg des <strong>Wiener</strong> Weins<br />

im Ausland. Dass der Grüne Veltliner in<br />

den USA längst einen Siegeszug angetreten<br />

hat, wissen wir. Aber wenn man in New<br />

York in der schicksten Weinbar einen<br />

Gemischten Satz aus Wien offeriert<br />

bekommt – so wie es mir passierte –, ist<br />

man schon unglaublich stolz auf diese<br />

Entwicklung. Wien und sein Wein sind<br />

untrennbar mit einander verbunden, und<br />

die Qualität des <strong>Wiener</strong> Weins hat sich<br />

auch in den letzten 15 Jahren unglaublich<br />

weiterentwickelt.<br />

HÄUPL Es dürfte hinlänglich bekannt sein,<br />

dass ich mir gerne ein gutes Glas von<br />

einem Gemischten Satz aus den <strong>Wiener</strong><br />

Weingärten genehmige. Wein ist ja auch<br />

ein Kulturgut, und in unserer Stadt hat der<br />

Weinbau schon seit Jahrtausenden Tradition.<br />

Abgesehen von der Heurigenkultur prägt der<br />

<strong>Wiener</strong> Wein in wunderschöner Weise das<br />

Landschaftsbild am Rande unserer Metropole.<br />

Gibt es denn etwas Schöneres, als nach<br />

einem langen Tag irgendwo in den <strong>Wiener</strong><br />

Weinbergen bei einem Heurigen zu sitzen<br />

und auf die Stadt hinunterzublicken? Darum<br />

beneidet uns die ganze Welt, und ich würde<br />

solche Momente des perfekten Genusses<br />

niemals missen wollen.<br />

FALSTAFF Jonathan Meese, der den Parsifal<br />

inszeniert, hat uns sein persönliches Lieblingsmenü<br />

komponiert, das aus Currywurst, Spaghetti<br />

Bolognese und Germknödel besteht –<br />

dazu der »Meeswein« vom Mayer am Pfarrplatz.<br />

Bitte verraten Sie uns doch auch Ihres!<br />

HÄUPL Ich würde mit Jonathan Meese gerne<br />

auf eine Käsekrainer oder ein Burenhäutl<br />

gehen und ihn von den Vorteilen der typischen<br />

<strong>Wiener</strong> Würstelstand-Produkte gegenüber<br />

der Currywurst überzeugen. Mein Lieblingsgericht<br />

ist übrigens Fleischlaberl mit<br />

Erdäpfelpüree.<br />

RUCK Ich bin ein Fan der saisonalen Spezialitäten<br />

und genieße derzeit den heimischen<br />

Spargel, aber bei Jonathan Meese freut es<br />

mich, dass er den »Meeswein« von Wiens<br />

größtem Winzer, Hans Schmid, liebt und<br />

offensichtlich auch schon auf den Germknödel<br />

gekommen ist. Wenn der Bürgermeister<br />

den »Missionar« für die Käsekrainer macht,<br />

bin ich sicher, dass dieser großartige Künstler<br />

sie schon bald ex aequo mit der Currywurst<br />

reihen wird.<br />

<<br />

Fotos: Shutterstock, Imago/ Viennareport


112 spezial<br />

/ festwochen / WISSENSCHAFT


<strong>Festwochen</strong>thema:<br />

Liebe<br />

Im Stück »Obsession« spielt<br />

Jude Law einen von der Liebe<br />

besessenen Landstreicher.<br />

Premiere: 31. Mai 2017,<br />

mehr dazu auf S. 139.<br />

DIE ALCHEMIE<br />

DER LUST<br />

Der kulinarische und der erotische Genuss gehen oft Hand<br />

in Hand. Doch kann etwa der Verzehr von Austern die Libido<br />

tatsächlich befeuern? Über die Suche nach einem echten<br />

Aphrodisiakum, die so alt ist wie die Menschheit selbst.<br />

TEXT JUDITH E. INNERHOFER<br />

ILLUSTRATION GINA MUELLER<br />

spezial<br />

113


festwochen<br />

/ WISSENSCHAFT<br />

Der Duft von Vanille<br />

ähnelt dem von<br />

Sexuallockstoffen.<br />

Das Rezept für den »Ansporn<br />

für den Geist und die Liebe«<br />

klingt zwar nicht ganz billig,<br />

aber einfach: Fünfzig rohe<br />

Austern sollen es sein, und<br />

zwar schon zum Frühstück<br />

genüsslich geschlürft. So empfiehlt es ein<br />

Mann, der es wissen muss: Giacomo Casanova,<br />

der legendäre Liebhaber, der in seinen<br />

Memoiren von rund 120 Romanzen und<br />

Affären erzählte, pflegte auch in lukullischen<br />

Dingen eine nahezu obsessive Hingabe. »Die<br />

sinnlichen Genüsse zu kultivieren, bildete die<br />

Hauptbeschäftigung meines ganzen Lebens;<br />

niemals hat es für mich etwas Wichtigeres<br />

gegeben«, stellte er einst fest.<br />

Es ist ein uralter Wunsch der Menschheit,<br />

Amor mit Nahrungsmitteln und Gewürzen<br />

auf die Sprünge zu helfen. Die Liste der<br />

Ingredienzen, denen in verschiedenen Kulturen<br />

eine aphrodisierende Wirkung zugeschrieben<br />

wurde, ist nahezu endlos. Selbst in der<br />

oft so nüchtern-rationalen Gegenwart entfalten<br />

sich die Erwartungen an appetitliche<br />

Lustmacher. Auf dem Buchmarkt reihen sich<br />

Kochbücher mit betörenden Rezepten,<br />

Zeitschriften verkünden die heißesten Tipps<br />

fürs Verführungsmahl, Romane wie Martin<br />

Suters »Der Koch« – die Geschichte eines<br />

indischen Wunderkochs, der das Liebesfeuer<br />

seiner Gäste mit ayurvedischen Geheimrezepten<br />

entfacht – landen ganz oben auf den<br />

Bestsellerlisten. Natürlich fehlt auch auf der<br />

Kinoleinwand die intime Beziehung zwischen<br />

Essen und Erotik nicht, etwa das mit Erdbee-<br />

ren und Honig versüßte Vorspiel von Kim<br />

Basinger und Mickey Rourke in »9½<br />

Wochen« oder das stimulierende Dessert in<br />

Fatih Akins »Soul Kitchen«, das orgiastisch<br />

endet. Schon der italienische Filmemacher<br />

Luchino Visconti ließ sein Erstlingswerk<br />

»Ossessione« in der Küche einer Trattoria<br />

beginnen, wo sich der Gast den Künsten der<br />

umworbenen Köchin hingibt – obwohl der<br />

Film 1943, in der Ära des genussfeindlichen<br />

Faschismus, erschien. Das <strong>Festwochen</strong>-Stück<br />

»Obsession« liegt dem Film zugrunde.<br />

Aber hat Essen tatsächlich die Macht, Lust<br />

und Liebe zu entfachen, so wie es die zahllosen<br />

Bankett-Legenden erzählen? Was steckt<br />

hinter dem Mythos Aphrodisiakum?<br />

LUST MIT WÜRZE<br />

Schon als Aphrodite, die griechische Göttin<br />

der Liebe und der sinnlichen Begierde,<br />

erschaffen wird, passiert das nicht aus dem<br />

zufälligen Nichts. Die Namensgeberin aller<br />

erotisierenden Genussversprechen entsteigt<br />

einer Venusmuschel, die in vielen Kulturen<br />

ein Symbol der Liebe ist.<br />

Und es scheint, als hätten die alten<br />

Griechen ebenso wie Casanova nicht ganz<br />

danebengelegen: Delikatessen wie Austern,<br />

Meeresfrüchte oder Kaviar wirken auch aus<br />

wissen schaftlicher Sicht auf den ersten Blick<br />

wie eine vielversprechende Wahl, denn das in<br />

hoher Menge enthaltene Zink fördert die<br />

Produktion des männlichen Sexualhormons<br />

Testosteron. Dazu kommt das konzentrierte<br />

»Damit dich deine Frau für allemal lieb hat, nimm Eppichsaft<br />

mit Honig gestoßen, und schmier den Zagel und die<br />

Hoden damit ein, so machst du es ihr wohl, dass sie keinen<br />

anderen lieber haben wird als dich.«<br />

AUS EINEM ARZNEIBUCH, 15. Jahrhundert<br />

Fünfzig rohe Austern<br />

zum Frühstück empfahl<br />

der legendäre Liebhaber<br />

Casanova.<br />

114 spezial


Eiweiß, das für körperliche Leistungsfähigkeit<br />

bekanntlich generell gebraucht wird. Also<br />

Austerndiät statt Viagra? Nein, ganz so potent<br />

sind die Delikatessen dann doch wieder nicht.<br />

Zink und Eiweiß mögen zwar einen positiven<br />

Einfluss auf die Spermienproduktion und<br />

Fitness haben, doch um den Mann in einen<br />

casanovagleichen Liebesgott zu verwandeln,<br />

reicht diese Wirkung nicht aus.<br />

Das mit der männlichen Potenz ist nur eine<br />

der Erwartungen, die an die tatsächlichen<br />

oder vermeintlichen Aphrodisiaka aus der<br />

Küche gestellt werden. Öfter als um den<br />

erfolgreichen Vollzug, geht es um die Lust<br />

selbst, die geweckt oder gesteigert werden<br />

soll. Vor allem Gewürzen werden von China<br />

über Indien und die arabische Welt bis in die<br />

westlichen Kulturen hinein libidosteigernde<br />

Kräfte nachgesagt. Muskatnuss und Kardamom,<br />

Zimt und Safran gehören zu den<br />

Klassikern, genauso frisch gemahlener Pfeffer<br />

und Chili, Ingwer und Kren. Denn die Alkaloide<br />

der Scharfmacher regen die Durchblutung<br />

an, auch jene im Unterleib. Zudem<br />

reagiert der menschliche Körper auf den<br />

leichten Schärfeschmerz im Mund, indem er<br />

das Glückshormon Endorphin ausschüttet.<br />

Luststeigernd im engen Sinne ist das zwar<br />

nicht, aber immerhin keine schlechte Voraussetzung<br />

für erotische Zweisamkeit.<br />

Eine Hauptrolle auf den aphrodisischen<br />

Speiseplänen der Welt spielen Gewürze, die<br />

über ihre Gerüche verführen sollen. Der<br />

ausgeprägte Duft der Vanille soll zum Beispiel<br />

dem von Pheromonen ähnlich sein, ><br />

spezial<br />

115


festwochen<br />

/ WISSENSCHAFT<br />

><br />

den menschlichen Sexuallockstoffen. Eine<br />

ähnliche Wirkung wird auch einer Zutat<br />

nachgesagt, die man nicht gleich mit genüsslicherotischer<br />

Erquickung in Verbindung bringen<br />

würde: dem Sellerie, der mancherorts sogar<br />

Geilwurz oder Stehwurzel genannt wird. Die<br />

aromatische Knolle, deren hormon ähnliche<br />

Substanzen ausgerechnet den Lockstoffen im<br />

männlichen Achselschweiß gleichen sollen, galt<br />

in der mittelalterlichen Volksmedizin als<br />

Aphrodisiakum schlechthin. Ein Arzneibuch<br />

aus dem 15. Jahrhundert empfiehlt: »Damit<br />

dich deine Frau für allemal lieb hat, nimm<br />

Eppichsaft mit Honig gestoßen, und schmier<br />

den Zagel und die Hoden damit ein, so machst<br />

du es ihr wohl, dass sie keinen anderen lieber<br />

haben wird als dich.«<br />

VIAGRA DER NATUR<br />

Ob Grünkohl, Sauerampfer oder Petersilie: In<br />

der Alchemie der Lust aus der Küche taucht<br />

vieles auf, das in unserer Esskultur einen eher<br />

gewöhnlichen, denn anregenden Ruf trägt. Ein<br />

Grund dafür mag sein: Als aphrodisierend galt<br />

und gilt gern, was rar und teuer ist. Die Trüffel<br />

unserer Tage war im England des beginnenden<br />

17. Jahrhunderts zum Beispiel die Kartoffel.<br />

Auch Shakespeares Falstaff, der ebenso trinkfeste<br />

und genusssüchtige wie liebestolle<br />

Namensgeber dieses Magazins, betete um<br />

Hilfe von der Knolle: »Nun mag der Himmel<br />

Kartoffeln regnen (…), es erhebe sich ein<br />

Sturm von Versuchungen.«<br />

Allerdings wird vermutet, dass der englische<br />

Dichter statt des Erdapfels, der zu seinen<br />

Lebzeiten noch ungemein selten war, eher<br />

Süßkartoffeln oder Topi nambur gemeint<br />

haben könnte.<br />

Auch die Superfood-Welle unserer Tage<br />

wirbt mit der ekstatischen Liebe, die durch<br />

den Magen geht. Als »Viagra der Natur«<br />

wird in Europa und in den USA seit einigen<br />

Jahren die Maca-Wurzel vermarktet. Studien<br />

sollen die libidosteigernde Wirkung des<br />

Kreuzblütengewächses aus Peru belegen,<br />

doch hat die Sache einen kleinen Haken:<br />

Der Effekt äußert sich höchstens in homöopathisch<br />

spürbarer Weise. Andernfalls könnte<br />

man sich auch nur schwer vorstellen, wie in<br />

den Anden, wo Maca ein Grundnahrungsmittel<br />

ist wie hierzulande das Brot, die<br />

Libido soweit in Zaum gehalten werden<br />

kann, um alltäglichen Dingen fernab des<br />

amourösen Rausches nachgehen zu können.<br />

So ähnlich schaut es mit den meisten<br />

Zutaten der aphrodisischen Liebesspeisen<br />

aus, sobald es um einen wissenschaftlichen<br />

Nachweis ihrer Kräfte geht: Wahre Wunder<br />

bewirken sie höchstens durch die Macht der<br />

Suggestion. Der Placeboeffekt spricht natürlich<br />

nicht gegen ein prickelndes Glas Champagner<br />

in Austernbegleitung als sinnliche<br />

Stimmungsmacher – man muss es<br />

ja nicht gleich übertreiben und sich an<br />

Casanova halten, der das edle Getränk schon<br />

zum Frühstück gleich flaschenweise überschäumen<br />

ließ. Und selbst wer den Traum<br />

vom Aphrodisiakum auf dem Teller ins Reich<br />

der Legenden verweist, wird wissen: Schlechte<br />

Kost, die im Magen liegt, taugt am wenigsten<br />

zur erotischen Beflügelung.<br />

<<br />

Unscheinbares Libido-<br />

Gewächs? Der Verzehr<br />

von Maca-Wurzeln soll<br />

luststeigernd wirken.<br />

116 spezial


MARK & MARK<br />

Wir entwickeln<br />

Werte<br />

Als Unternehmer sind wir auf profitable Chancen fokussiert.<br />

Wir investieren in unsere Immobilien, um Werte zu entwickeln,<br />

die die S IMMO auch in Zukunft tragen.<br />

www.simmoag.at/projekte


festwochen<br />

/ SERVICE<br />

MUSEUMSQUARTIER:<br />

GR ÄTZELTIPPS<br />

Auf der Suche nach einem Snack vor dem Theaterbesuch oder<br />

Lust auf einen Drink danach? Falstaff präsentiert die besten Cafés,<br />

Restaurants und Bars rund um das Museumsquartier, in dem<br />

ab Ende Mai »Obsession« aufgeführt wird.<br />

Falstaff<br />

88<br />

davor<br />

ESPRESSO CAFÉ BAR<br />

Die ideale Café-Bar für einen schnellen<br />

Espresso vor dem Theaterbesuch:<br />

charmanter 1950er-Jahre-Stil mit Resopaltischchen<br />

und roten Kunstlederbänken.<br />

Der Kaffee kommt aus der legendären<br />

Faema E 61, und vor der Tür wartet ein<br />

Vintage-Gärtchen. Ein Gesamtkunstwerk.<br />

Falstaff<br />

85<br />

Burggasse 57, 1070 Wien<br />

T: +43 676 5961645<br />

www.espresso-wien.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–Fr: 7:30–1 Uhr<br />

Sa u. So: 10–1 Uhr<br />

drinks<br />

Fotos: Natascha Unkert, Hertha Hurnaus, beigestellt<br />

118<br />

spezial


SCHREINERS GASTWIRTSCHAFT<br />

Eine liebevoll zusammengestellte kleine Karte<br />

aus hochwertigen Produkten. Wem der Wein von<br />

der umfangreichen Karte zu gut schmeckt, der<br />

kann im angeschlossenen Hotel nächtigen.<br />

Westbahnstraße 42, 1070 Wien<br />

T: +43 676 4754060<br />

www.schreiners.cc<br />

Öffnungszeiten:<br />

Di–Fr: 17:30–24 Uhr<br />

Sa, So, Mo: geschlossen<br />

dinner<br />

DACHBODEN<br />

Das Wohnzimmer über den Dächern der Stadt wurde<br />

letztes Jahr neu gestaltet: roher Betonfußboden,<br />

Verschläge aus Dachlatten, Möbel aus alten Zeiten,<br />

Fundstücke vom Dachboden. Auf der Karte stehen<br />

individuelle Cocktails zu fairen Preisen.<br />

Lerchenfelder Straße 1–3, 1070 Wien<br />

T: +43 1 521510<br />

www.25hours-hotels.com/de/museumsquartier<br />

Falstaff<br />

87<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–So (auch feiertags): 15–1 Uhr<br />

MQ WIEN<br />

Das Museumsquartier ist dieses Jahr ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt<br />

der <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong>. Neben dem Stück »Obsession«<br />

mit Jude Law wird hier auch das syrische Drama »Während ich<br />

wartete« aufgeführt sowie »Battlefield«, ein Stück nach einem<br />

indischen Volksepos (mehr dazu ab S. 138).<br />

Obsession<br />

Halle E, MQ Wien<br />

Museumsplatz 1/5, 1070 Wien<br />

31. Mai, 19:30 Uhr/1. & 2. Juni, 19:30 Uhr/<br />

3. Juni, 15:00 & 19:30 Uhr<br />

95–100 Punkte 90–94 Punkte 85–89 Punkte 80–84 Punkte<br />

95–100 Punkte 90–94 Punkte 85–89 Punkte 80–84 Punkte<br />

95–100 Punkte 90–94 Punkte 85–89 Punkte 80–84 Punkte<br />

spezial<br />

119


festwochen / SERVICE<br />

ALTE BÄCKEREI<br />

Hier wird kein Brot mehr gebacken, dafür aber<br />

flüssiges Brot ausgeschenkt. Diese Bar am<br />

Spittelberg rühmt sich, das preiswerteste<br />

Budweiser ganz Wiens im Angebot zu haben.<br />

Daneben gibt es auch dreißg verschiedene Gins<br />

und eine gute Whisk(e)yselektion – and more!<br />

Sigmundsgasse 15, 1070 Wien<br />

T: +43 660 3823404, www.altebaeckerei.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo-Mi: 18–2 Uhr; Do-Sa: 18–4 Uhr<br />

CAFÉS<br />

Gemütlicher Gastgarten<br />

in der »Chinabar«.<br />

TOP-ADRESSEN<br />

UMS MQ WIEN<br />

PURE LIVING BAKERY<br />

Die »Pure Living Bakery« setzt auf Shabby-Chic<br />

und L.-A.-Lifestyle. Cookies, Bagels und Pancakes<br />

stehen auf der Speisekarte. Die Kaffeebohnen<br />

sind aber aus Hamburg, und zwar von der kleinen<br />

Privatrösterei Elbgold.<br />

Burggasse 68, 1070 Wien<br />

www.purelivingbakery.com<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–Do: 9–17:30 Uhr<br />

Fr–So (auch feiertags): 9–18 Uhr<br />

RESTAURANTS<br />

CHINABAR<br />

Simon Xie Hongs chinesisches<br />

Bistro mit charmantem Nachbar schaftscharme<br />

und sehr hübschem urbanem Gastgarten.<br />

Wärmste Empfehlung: die Schmorgerichte.<br />

Burggasse 76, 1070 Wien<br />

T: +43 1 5220831, www.chinabar.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–So (auch feiertags): 12–24 Uhr<br />

ST. ELLAS<br />

Viel vom Lavasteingrill – Burger, (Flank-)Steak,<br />

Garnelen – und ein paar ungewöhnliche Kreationen<br />

wie Tuna-Sashimi-Pizza mit Avocado. Kreative<br />

Cocktails, DJ-Line.<br />

Zieglergasse 52–54, 1070 Wien<br />

T: +43 1 5222084, www.stellas.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–Sa: 17–1 Uhr, Küche bis 23:30 Uhr<br />

So/Feiertage: geschlossen<br />

FLATSCHERS<br />

Steakhaus mit Rindfleisch aus den USA und<br />

Argentinien von Wiesbauer Gourmet. Die obligaten<br />

Burger und Surf and Turf gibt’s auch. Oder darf’s<br />

ein Kilo Beef Tatar sein?<br />

Kaiserstraße 113–115, 1070 Wien<br />

T: +43 1 5234268, www.flatschers.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–So: 17–1 Uhr<br />

BARS<br />

Siebensterngasse 21, 1070 Wien<br />

T: +43 664 5173730<br />

de-de.facebook.com/barrikade.wien/<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mi–Sa: 17–24 Uhr<br />

Mo, Di u. So: geschlossen<br />

DER FUCHS UND DIE TRAUBEN<br />

Modern-schlichtes Design. Zu den großartigen<br />

Gin-Tonic-Cocktails werden internationale Tapas<br />

und Burger serviert.<br />

Kandlgasse 16, 1070 Wien<br />

T: +43 1 2313917<br />

www.derfuchsunddietrauben.com<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–Mi: 17–24 Uhr<br />

Do–Fr: 17–1 Uhr<br />

Sa: 11–1 Uhr<br />

So: 11–24 Uhr<br />

FIGAR<br />

Den Raum des kleinen Lokals dominieren Streetart-<br />

Grafiken an den Wänden. Aber auch die Frühstückskarte<br />

ist sensationell: etwa die Eierkarte von Eggs<br />

Benedict über Eggs Florentine bis zu orientalischen<br />

Eierspeisen. Mittags und abends gibt es Burger und<br />

frisches Bio-Gemüse. Dazu werden ausgezeichneter<br />

Kaffee und hausgemachte Säfte serviert.<br />

Kirchengasse 18, 1070 Wien<br />

T: +43 1 8909947<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–Mi: 8–24 Uhr; Do–Sa: 8–2 Uhr; So: 8–24 Uhr<br />

ROTE RÜBE<br />

Frühstücken wie im Urlaub mit original griechischen<br />

Produkten kann man hier in der Zieglergasse –<br />

und das den ganzen Tag über. Das Lokal und der<br />

zuge hörige Shop sind winzig und nicht zuletzt<br />

auch ein Paradies für Vegetarier.<br />

Zieglergasse 37, 1070 Wien<br />

T: +43 650 7913860, www.rote-rübe.com<br />

Öffnungszeiten:<br />

Di–So: 9–16 Uhr<br />

Steakhouse mit toller<br />

Fleischqualität:<br />

»Flatschers«.<br />

BARRIKADE<br />

Nur eine kleine Theke im weitläufigen Areal einer<br />

Food-Location, aber eine große Bereicherung für<br />

das <strong>Wiener</strong> Barleben. Hier werkt Hubert Peter,<br />

ehemals Falstaff-»Rookie des Jahres«, mit seinen<br />

selbst gemachten Säften und Infusionen, dass es<br />

eine Freude ist.<br />

Fotos: beigestellt<br />

120 spezial


Bezahlte Anzeige<br />

Anton Schwendinger<br />

Geschäftsführer Doppelmayr Seilbahnen GmbH<br />

Angela Sartorius-Stüber<br />

Sachbearbeiterin<br />

Doppelmayr Seilbahnen GmbH<br />

Danke allen Unternehmen,<br />

die in Weiterbildung<br />

investieren.<br />

Die Doppelmayr Seilbahnen GmbH ermöglichte mit Unterstützung des<br />

AMS ihrer Mitarbeiterin eine Weiterbildung, die einen Mehrwert für<br />

das international tätige Unternehmen darstellt.<br />

Gemeinsam mit Unternehmen konnte das AMS im letzten Jahr 11.400<br />

Menschen mithilfe der Qualifizierungsförderung für Beschäftigte voranbringen.<br />

AMS ON TOUR 2017 – Wir kommen zu Ihnen und beraten Sie:<br />

www.ams.at/ontour<br />

UNIQUE/Grayling<br />

AMS. Vielseitig wie das Leben.


festwochen / FESTE FEIERN<br />

LUST UND<br />

LASTER<br />

Acht prominente Persönlichkeiten erinnern sich an ihre<br />

kulinarischen Höhepunkte und erzählen von den großen<br />

Genussmomenten in ihrem Leben.<br />

TEXTE VERENA BIERLING, ALEX. HESSE, SALOMEA KROBATH<br />

Foto: Getty IMages<br />

122 spezial


Beim Essen kommen sich<br />

Marilyn Monroe und Laurence<br />

Olivier in »Der Prinz und<br />

die Tänzerin« näher.<br />

<strong>Festwochen</strong>thema:<br />

Genuss<br />

In »All the Sex I’ve Ever Had«<br />

sprechen Senioren von den<br />

erotischen Highlights ihres<br />

Lebens. Premiere:<br />

30. Mai 2017, mehr dazu<br />

auf S. 139.<br />

Essen sei der Sex des Alters,<br />

behaupten böse Zungen. Zwar<br />

zeigen Enttabuisierungsoffensiven<br />

wie die <strong>Festwochen</strong>produktion<br />

»All the Sex I’ve Ever<br />

Had«, dass sich Lustbefriedigung<br />

im hohen Alter keineswegs auf<br />

Schweinsbraten und Sachertorte beschränkt<br />

– doch sind auch kulinarische Genüsse in<br />

keinem Lebensabschnitt zu verachten. Im<br />

Gegenteil, bestätigt sich doch auf beiden<br />

Gebieten: Mit der Erfahrung wächst der<br />

Genuss. Doch wie beeinflusst zunehmendes<br />

Alter den Geschmackssinn, und verlangt es<br />

dem Vergnügen Entbehrungen ab? Aus ihrem<br />

reichen kulinarischen Erfahrungsschatz<br />

erzählen acht Prominente von ihren ersten<br />

Gourmetgenüssen, nahrhaften Höhenflügen<br />

und süßen Sünden. Außerdem verraten sie,<br />

wo sie am liebsten auswärts essen.<br />

spezial<br />

123


festwochen<br />

/ FESTE FEIERN<br />

URSULA<br />

STRAUSS<br />

»Ich liebe gutes Essen, und<br />

ich liebe es, selber zu kochen,<br />

wenn ich Ruhe habe.«<br />

URSULA STRAUSS Schauspielerin<br />

Ursula Strauss kostet sich<br />

gerne durch die Küchen<br />

der Welt. Ihr Traum: einmal<br />

im »Noma« essen.<br />

Die österreichische Schauspielerin schlüpft<br />

nicht nur beruflich in die verschiedensten<br />

Rollen, sie liebt auch beim Essen die<br />

Abwechslung. Egal, ob deftige österreichische<br />

Hausmannskost oder französische<br />

Küche, an der sie die Raffinesse und das<br />

»Selbstbewusstsein« schätzt – Ursula Strauss<br />

liebt einfach »gutes Essen«. Vor allem die<br />

libanesische Küche hat es ihr angetan: »Ich<br />

finde sie großartig, abwechslungsreich und<br />

bunt. Ich bin ein Zitronenfan, ich liebe diesen<br />

leichten erfrischenden Geschmack. Den<br />

findet man in der libanesischen Küche überall.«<br />

Obwohl ihr ältester Bruder in Däne-<br />

mark lebt, ist ihr diese Küche bisher<br />

unbekannt geblieben – »da<br />

sich alle ausgewanderten Familienmitglieder<br />

bei Zusammenkünften<br />

eher auf österreichische<br />

Kost freuen«. Auf jeden Fall<br />

möchte sie aber das wiedereröffnete<br />

»Noma« besuchen. Denn<br />

bevor sie dazu kam, im berühmten<br />

Kopenhagener Lokal einen<br />

Tisch zu reservieren, schloss René<br />

Redzepi sein Lokal, um es neu zu<br />

konzipieren. Wenn Ursula Strauss Zeit<br />

und Muße findet, kocht sie sowieso am<br />

liebsten selbst. Sogar ein Kochbuch hat<br />

die Schauspielerin 2012 herausgebracht, eine<br />

Hommage an ihre Familienküche mit dem<br />

Titel »Mir schmeckt’s«. Damals meinte sie<br />

zur Veröffentlichung: »Dieses Kochbuch ist<br />

das Intimste, das man je von mir gekriegt<br />

hat und kriegen wird.«<br />

Eine ihrer Leibspeisen sind Knödel in allen<br />

Variationen: »Das beste Mittel, um fit zu<br />

bleiben, ist Bewegung – dann geht sich auch<br />

ein Knödel mehr aus.« Dafür versucht<br />

Strauss wenigstens am Set ihrer Krimiserie<br />

»Schnell ermittelt« die Kohlenhydrate niedrig<br />

zu halten, um die »nötige Leichtigkeit<br />

zum Spielen« auch nach der Mittagspause<br />

beizubehalten.<br />

Fotos: Getty Images, Ingo Pertramer, beigestellt<br />

124 spezial


Jude Law ist Brite durch<br />

und durch . »Ich esse<br />

britisch, trinke britisch.«<br />

JUDE LAW<br />

Mit seinen Rollen in preisgekrönten Filmen<br />

wie »Unterwegs nach Cold Mountain« oder<br />

»Der talentierte Mr. Ripley« sowie Darstellungen<br />

als »Hamlet« und »Henry V« auf<br />

Theaterbühnen katapultierte sich der britische<br />

Beau längst in die Weltklasse-Liga der<br />

Schauspielerei. Die heurigen <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong><br />

bereichert er als attraktiver Herumtreiber<br />

Dino in »Obsession« – Vorlage zu dem<br />

Stück bildet »Ossessione«, das Erstlingswerk<br />

des 1976 verstorbenen italienischen<br />

Starregisseurs Luchino Visconti. Trotz seiner<br />

internationalen Erfolge bleibt Law seiner britischen<br />

Heimat verbunden: »Ich esse britisch,<br />

trinke britisch, spreche britisch.« Statt sich<br />

wie früher mit Kumpels die Nächte in Londoner<br />

Bars um die Ohren zu schlagen, geht<br />

es der 44-Jährige mittlerweile ruhiger an.<br />

Zum Wachwerden gibt es grünen Tee statt<br />

Kaffee, denn den verträgt sein Magen nicht.<br />

Schwach wird er nur bei Scotch und Shortbread.<br />

Ein gutes Glas Whisky bedeutet für<br />

ihn stets Genuss und eine kleine Auszeit vom<br />

turbulenten Alltag. Kein Wunder also, dass<br />

Law 2015 »Brand Ambassador« für die<br />

schottische Whisky-Marke »Johnnie Walker«<br />

wurde. Als Connaisseur trinkt er seinen<br />

Whisky am liebsten pur, ohne Eis, um auch<br />

das volle Aroma genießen zu können. Cocktails<br />

sind nichts für ihn – er bevorzugt die<br />

Dinge »straight up«.<br />

Schwach wird der sportliche<br />

Brite nur bei Scotch<br />

und Shortbread. Seinen<br />

Whisky trinkt er am liebsten<br />

pur, ohne Eis.<br />

spezial<br />

125


festwochen<br />

/ FESTE FEIERN<br />

Heidelbeerschmarren<br />

mit viel Zucker: eine der<br />

schönsten kulinarischen<br />

Erinnerungen für Maria<br />

Großbauer.<br />

MARIA<br />

GROSSBAUER<br />

Der Opernball-Lady und Tochter des Philharmonikers<br />

Karl Jeitler wurde guter Musikgeschmack<br />

quasi in die Wiege gelegt, aber<br />

auch die Kulinarik spielte immer eine große<br />

Rolle in ihrer Familie. »Ich bin zugleich mit<br />

bodenständig-einfacher, aber auch mit Gourmetküche<br />

aufgewachsen«, erzählt Großbauer,<br />

die bereits als Kind mit ihren Eltern Haubenlokale<br />

wie das »Obauer« in Werfen<br />

besuchte und statt Extrawurst oft und gerne<br />

Trüffel aß – am liebsten »dick aufs Butterbrot<br />

gerieben«. Doch unvergesslich sind für<br />

Großbauer vor allem die gemütlichen Abende<br />

im Kreis ihrer Familie in einer kleinen<br />

Hütte am Wolfgangsee. Dort kochte eine<br />

befreundete Sängerin auf einem urigen Holzofen<br />

gerne Salzburger Schmankerln wie<br />

Zeckbeer Muas, eine Art Heidelbeerschmarren<br />

mit frischen Waldheidelbeeren und viel<br />

Zucker, der dann gemeinschaftlich direkt aus<br />

der Pfanne verspeist wurde. Abgesehen von<br />

österreichischen Spezialitäten liebt die gelernte<br />

Werbefachfrau vor allem die italienische<br />

Küche. Besonders die Philosophie, aus wenigen,<br />

aber guten Grundzutaten ein hervorragendes,<br />

aber unkompliziertes Gericht zu zaubern,<br />

begeistert Großbauer, die auch eine<br />

Verfechterin der Slow-Food-Philosophie ist.<br />

Oft und gerne ist sie daher bei »Ströck Feierabend«<br />

zu Gast. Für eine »kleine Jause« geht<br />

sie aber auch gerne mal in die »Meierei im<br />

Stadtpark«. Und wenn ihr nach etwas Dolce-<br />

Vita-Feeling in Wien ist, geht sie einfach auf<br />

ein Glas ins »Schwarze Kameel«, denn da<br />

»steht oder sitzt man abends mit einer Decke<br />

im Freien – fast italophil!«.<br />

»Ich bin zugleich mit bodenständig-einfacher, aber auch mit<br />

Gourmetküche aufgewachsen. Als Kind habe ich gerne<br />

Trüffel dick aufs Butterbrot gerieben.«<br />

MARIA GROSSBAUER Opernballorganisatorin<br />

Fotos: Shutterstock, Wr. Staatsoper/Ashley TAylor, Xenia Hausner, Steiermark Tourismus/Ikarus.cc<br />

126 spezial


Der gebürtige Steirer<br />

liebt es bis heute bodenständig.<br />

Seine Lieblings -<br />

speise ist Backhendl.<br />

PETER<br />

SIMONISCHEK<br />

Schauspieler reisen für gewöhnlich viel herum<br />

und können dadurch auch kulinarisch die Welt<br />

entdecken. Doch der gebürtige Steirer Peter<br />

Simonischek liebt es bis heute bodenständig<br />

und traditionell. Seine Lieblingsspeise ist Backhendl<br />

mit Salat, mariniert mit Kürbiskernöl,<br />

»am liebsten im Freien unterm Apfelbaum<br />

genossen«. Doch auch die italienische Küche<br />

lässt sein Herz höherschlagen. Mit Begeisterung<br />

erzählt er von dem grandiosen Bistecca<br />

alla fiorentina, das er einmal in einem kleinen<br />

Vorort von Florenz gegessen hat und das so<br />

»herrlich mit italienischem Rosmarin<br />

gewürzt« war. Auch die mediterranen Klassiker<br />

wie Spaghetti aglio e olio oder Risotto mit<br />

Steinpilzen liebt Simonischek. Er braucht kein<br />

großes kulinarisches Brimborium, die einfachen<br />

Dinge genügen dem »Nachkriegskind«,<br />

wie er sagt, voll und ganz. Noch heute erinnert<br />

er sich gerne an die Kochkünste seiner Oma<br />

zurück, die ihrem Enkel oft einfache Gerichte<br />

wie Polenta mit Zucker oder Kärntner Nudeln<br />

mit Topfen-Erdäpfel-Füllung kochte. Auch<br />

Innereien standen damals auf dem Speiseplan<br />

und begeistern Simonischek bis heute. Doch<br />

sein absolutes kulinarisches Highlight hat ihm<br />

sein Sohn Kaspar beschert, als er ihm als Praktikant<br />

im Gasthaus »Haberl« ein <strong>Wiener</strong><br />

Schnitzel mit der Botschaft »Für meinen Papa«<br />

serviert hat. Wenn Simonischek nicht von seinem<br />

Sohn oder seiner Frau bekocht wird, geht<br />

er auch gerne auswärts essen, am liebsten in<br />

den Lokalen von Robert Huth, aber auch die<br />

Küchen des »Mochi«, der »Pizza Mari« oder<br />

des »Tian« haben es ihm angetan. Sein einziges<br />

Problem: Nach den späten Abendvorstellungen<br />

im Burgtheater gibt es in der Nähe<br />

kaum noch Lokale, die geöffnet haben, und<br />

im »Vestibül« ist es ihm »zu laut und die<br />

Akustik generell zu schlecht«. Doch um seinen<br />

Hunger zu vertreiben, hat Simonischek<br />

ein probates Mittel: Er erinnert sich einfach<br />

an die Pizza zurück, die ihm in einem Düsseldorfer<br />

Restaurant serviert wurde – inklusive<br />

gebrauchtem Pflaster.<br />

spezial<br />

127


festwochen<br />

/ FESTE FEIERN<br />

CHRIS LOHNER<br />

Ihr erstes Gourmeterlebnis hatte Chris Lohner<br />

als 18-Jährige in New York. »Ruby Foo« hieß<br />

der überwältigende Fünf-Sterne-Chinese, der<br />

Lohners Karriere als regelmäßige Restaurantbesucherin<br />

schnellstartete. »Es war ja 1961.<br />

Zu Hause gab es kaum etwas«, erinnert sich<br />

die heute 73-Jährige. Wie im Wien der Nachkriegszeit<br />

typisch, wuchs die Schauspielerin<br />

und Moderatorin mit eher einfachen Speisen<br />

auf: »Es gab Eierspeis, Schmalzbrot, Kartoffelsuppe.<br />

Man hat gesehen, was im Essen drinnen<br />

war.« Fertigprodukte würde sie daher nie kaufen.<br />

»Im Alter entwickelt man ein größeres<br />

Bewusstsein – nicht nur fürs Essen«, sagt sie.<br />

Fleisch kaufe sie selten und wenn, dann informiere<br />

sie sich, woher es komme.<br />

Als »Licht für die Welt«-Botschafterin tingelt<br />

Lohner regelmäßig um den Globus, nie<br />

müde, afrikanische, arabische und asiatische<br />

Köstlichkeiten kennenzulernen. Zur selben<br />

Offenheit rät sie Gourmetjungspunden:<br />

»Probiert alles aus, esst bewusst und gesteht<br />

euch Sündigungen zu. Verzicht ist das<br />

Schlimmste, das man sich antun kann.«<br />

»Verzicht ist das<br />

Schlimmste, das man<br />

sich antun kann.«<br />

CHRIS LOHNER Moderatorin und Autorin<br />

Chris Lohner hatte im<br />

»Ruby Foo« ihr kulinarisches<br />

Initiationserlebnis.<br />

»Spinnert darf das Essen<br />

nicht sein. Wenn man mit<br />

flüssigem Stickstoff arbeitet,<br />

interessiert mich das nicht.«<br />

HEINZ MARECEK Schauspieler<br />

HEINZ MARECEK<br />

Weil er so gern kulinarische Zwischenstopps<br />

einlegt, reist Kabarettist und Schauspieler<br />

Heinz Marecek stets mit dem Auto in seine<br />

Zweitheimat Ibiza. Neugier hält ja bekanntlich<br />

jung – und auf der Suche nach neuen<br />

Gerichten zeigt Heinz Marecek jede Menge<br />

davon. Die Hoffnung auf kulinarische Neuentdeckungen<br />

und die Freude auf ein Wiedersehen<br />

mit bereits etablierten Lieblingen treiben<br />

den 71-Jährigen regelmäßig dazu, die<br />

rund 30 Stunden durch die Lande zu rollen.<br />

Von einer Genussreise durch Andalusien<br />

kehrte er soeben mit zwei neuen Gerichten<br />

im Sortiment zurück: Ajoblanco, eine Kaltschale<br />

auf Mandelbasis, und Bacalao adobado,<br />

in Zitrone und Petersil marinierte Fischhäppchen.<br />

Sein unkompliziertes Wesen schätze<br />

alles, »wo authentische Küche in lupenreiner<br />

Qualität entsteht« – nur »spinnert« dürfe<br />

das Essen nicht sein: »Wenn man mit flüssigem<br />

Stickstoff arbeitet oder den Hummer in<br />

die Maschine für gesponnenen Zucker gibt,<br />

interessiert mich das nicht.« Und so besucht<br />

Marecek noch immer am liebsten richtige<br />

Beisln. »Ob Fleischlaberl oder Gulasch – egal<br />

was, aber es muss immer in optimaler Qualität<br />

zubereitet sein«, sagt er. In »Rudis Beisl«<br />

auf der Wiedner Hauptstraße »haben wir uns<br />

teilweise ernährt«.<br />

Übers Zunehmen habe er sich dabei nie<br />

Sorgen gemacht – immerhin mache die Dosis<br />

das Gift, und da sich Marecek einer beneidenswerten<br />

Selbstkontrolle erfreut, erreicht<br />

sie nie extreme Ausmaße: »Ich esse mit der<br />

gleichen Freude Palatschinken und Powidltatschkerln<br />

wie in meiner Kindheit. Auch<br />

Grammeln – aber nur einmal im Jahr. Öfter<br />

habe ich einfach keinen Gusto.« Ein wahrer<br />

Feinspitz eben.<br />

Marecek liebt authentische Gasthausküche, zum<br />

Beispiel die von »Rudis Beisl«.<br />

Fotos: Inge Prader, Lukas Beck, Ian Ehm, Jason van der Merwe, Shutterstock, Felicitas Matern.feel image Fotografie, beigestellt<br />

128 spezial


»Unvergesslich«,<br />

sagt Hillinger, sei ein<br />

Abend in »The Test<br />

Kitchen« in Cape Town.<br />

LEO HILLINGER<br />

Der von »Ernst & Young« zum »Entrepreneur<br />

Of The Year 2012« gekürte Ausnahmewinzer<br />

steht heute an der Spitze der österreichischen<br />

Weinproduzenten im Topqualitätssegment. Es<br />

ist vor allem Leo Hillingers Blick für Feinheiten,<br />

der den Burgenländer auszeichnet und ihn<br />

zu solch wirtschaftlichem Erfolg führte. Kulinarisch<br />

unternimmt Hillinger gern Reisen im<br />

eigenen Land: Während er als Kind noch »heißen<br />

Bohnensterz mit einer kalten Milch« von<br />

seiner Oma serviert bekam, diniert er heute<br />

bevorzugt in Spitzenlokalen rund um den<br />

Neusiedler See. Man trifft ihn in der »Dankbarkeit«<br />

in Podersdorf, in der »Blauen Gans«<br />

in Weiden oder beim Heurigen »Strommer« in<br />

Purbach. Aber auch die Küche der »Speisenmeisterei«<br />

in Zell am See begeistert Hillinger.<br />

Außerdem liebt er die südafrikanische Küche<br />

mit ihren vielen internationalen Einflüssen und<br />

schwärmt von einem Abend im »The Test Kit-<br />

Leo Hillinger ist<br />

einer der bekanntesten<br />

Winzer Österreichs.<br />

Leo Hillinger liebt die<br />

südafrikanische Küche<br />

mit ihren vielen internationalen<br />

Einflüssen.<br />

chen« in Kapstadt. Dort zu essen sei ein<br />

»unvergessliches Erlebnis« für ihn gewesen. Er<br />

liebt es scharf: Gewürze wie Chili und Ingwer,<br />

aber auch Koriander und Kurkuma wecken<br />

bei ihm sofort »positive Erinnerungen«. Sein<br />

Lieblingsgericht ist aber immer noch ein Bratlfettbrot<br />

und eine Blunzn, natürlich »mit einem<br />

guten Glas Wein dazu«.<br />

WERNER GRUBER<br />

In die Rolle des experimentellen Gourmets<br />

schlüpfte Werner Gruber im zarten Alter von<br />

sechs Jahren. Die Frage, ob Omas Gulasch<br />

auch knorpelfrei gekocht werden konnte, ließ<br />

den Enkel nicht los: »Ich wusste, dass dieses<br />

Problem zu den drängendsten meines Lebens<br />

zählte, und ich schwor, es zu lösen«, so der<br />

ehemalige »Science Buster« und heutige Leiter<br />

des <strong>Wiener</strong> Planetariums. Während des Studiums<br />

fand er tatsächlich die Lösung: »Knorpel<br />

im Fleisch sind so wichtig, weil sie in Gelatine<br />

umgewandelt werden und das Gulasch sämig<br />

machen«, ergab die Untersuchung des Physikers.<br />

Hochwertiges Fleisch gemischt mit<br />

Ochsenschwanz führe hingegen zu einer<br />

»fleischigeren« Lösung. Es war nur eines der<br />

vielen Geschmacksexperimente Grubers.<br />

Mit 47 Jahren zählt der Genießer mit dem<br />

Hang zur Analyse zwar nicht zum älteren<br />

Semester, er durchlebte jedoch bereits radikale<br />

Einschnitte und Veränderungen: Zu seinem<br />

Leidwesen ist und war er immer schon ebenso<br />

Gourmand wie Gourmet, daher unterzog er<br />

sich vor zwei Jahren einer Magenbypass-Operation.<br />

Sein Geschmack habe sich seither verändert:<br />

»Früher hatte ich einen irrsinnigen<br />

Gusto auf Speck – jetzt greife ich öfter zu<br />

Fisch.« Außer natürlich in seiner Lieblingspizzeria<br />

»Il Faro« in Venedig, wo der Wirt stets<br />

die Arme ausbreitet und ihn – in Anspielung<br />

auf seine übliche Speisenwahl – mit dem Ausruf<br />

»Ah, Signore Gorgo-Speck!« begrüßt.<br />

»Die Frage, ob Omas Gulasch<br />

auch knorpelfrei gekocht<br />

werden kann, zählte zu den<br />

drängendsten meines Lebens.«<br />

WERNER GRUBER Physiker und Kabarettist<br />

Werner Gruber ist Genussmensch durch und durch.<br />

Speck isst er aber nur mehr auf seiner Pizza.


festwochen / SERVICE<br />

THEATER AKZENT:<br />

GR ÄTZELTIPPS<br />

Vor der Vorstellung noch auf einen schnellen Espresso<br />

in die »Kaffeefabrik« oder zu einem gemütlichen<br />

Abendessen ins »Gußhaus«? Falstaff präsentiert die<br />

besten Adressen rund um das Theater Akzent, in dem<br />

»All the Sex I’ve Ever Had« gezeigt wird.<br />

KAFFEEFABRIK<br />

Klein, fein und ums Eck<br />

vom Theater Akzent. Die<br />

Kaffeebar und Rösterei<br />

verkaufen ausschließlich<br />

nachhaltige Kaffees, die<br />

sie selbst importieren. Neben<br />

dem Klassiker Arabica-Bohne<br />

setzen die Kaffee-Aficionados<br />

auch auf die wiederentdeckte<br />

Robusta-Bohne.<br />

Favoritenstraße 4–6<br />

1040 Wien<br />

T: +43 660 1789092<br />

www.kaffeefabrik.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–Fr: 8–18 Uhr<br />

Sa: 11–17 Uhr<br />

davor<br />

130 spezial


dinner<br />

Falstaff<br />

88<br />

PETZ IM GUSSHAUS<br />

Christian Petz zeigt in seinem Wirtshaus, wie<br />

gut österreichische Küche sein kann, wenn<br />

sie mit Liebe, Talent und Weltoffenheit<br />

gemacht wird. Grandios.<br />

Gußhausstraße 23<br />

1040 Wien<br />

T: +43 1 5044750<br />

www.gusshaus.at<br />

Öffnungszeiten: Di–Sa: 17:30–24 Uhr<br />

Küche: 18–22 Uhr<br />

Falstaff<br />

94<br />

THEATER AKZENT<br />

Fotos: Heinz Holzmann, Herbert Lehmann, Bruno Klomfar, beigestellt<br />

»All the Sex I’ve Ever Had« war in ausverkauften Theatern,<br />

etwa in Bern, Singapur oder Portland, zu sehen – jetzt kommt<br />

das Stück nach Wien ins Theater Akzent. Eine Gruppe sexuell<br />

erfahrener Seniorinnen und Senioren gewährt darin intime<br />

Einblicke in ihr erotisches Liebesleben (siehe S. 139).<br />

All the Sex I’ve Ever Had<br />

Theater Akzent<br />

Theresianumgasse 18, 1040 Wien<br />

Di, 30. Mai, 20 Uhr/Mi, 31. Mai, 20 Uhr<br />

Do, 1. Juni, 20 Uhr<br />

95–100 Punkte 90–94 Punkte 85–89 Punkte 80–84 Punkte<br />

95–100 Punkte 90–94 Punkte 85–89 Punkte 80–84 Punkte<br />

95–100 Punkte 90–94 Punkte 85–89 Punkte 80–84 Punkte<br />

drinks<br />

HEUER AM KARLSPLATZ<br />

In der rundum verglasten modernen Bar mit<br />

Terrasse serviert Barchef Bert Jachmann aus<br />

Brandenburg großartige Cocktail-Kreationen.<br />

Zudem ist Jachmann mit seiner freundlichen,<br />

persönlichen Art ein hervor ragender Gastgeber.<br />

Treitlstraße 2, 1040 Wien<br />

T: +43 1 8900590<br />

www.heuer-amkarlsplatz.com<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–Fr: 11:30–2 Uhr<br />

Sa, So, Feiertage: 10–2 Uhr


festwochen<br />

/ SERVICE<br />

TOP-ADRESSEN<br />

UMS THEATER<br />

Gemütliches Lokal mit<br />

großartigen Steaks: »Artner<br />

auf der Wieden«.<br />

BARS<br />

Charmantes<br />

Paradewirtshaus:<br />

»Gasthaus Wolf«.<br />

RESTAURANTS<br />

LIMA56<br />

Peruanische Küche von Ceviche bis zu Rinderherzspießen.<br />

Sehr schöner Gastgarten im grünen<br />

Innenhof.<br />

Favoritenstraße 56, 1040 Wien<br />

T: +43 1 5035888, www.lima56.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–Fr: 12–15:30 Uhr, 17–23 Uhr<br />

Sa, So: 12–23 Uhr<br />

ARTNER AUF DER WIEDEN<br />

Wiedner Dependance der Familie Artner mit sehr<br />

ähnlichem Angebot und Qualität wie in der Innenstadt-Location.<br />

Mit wechselnden Mittagsmenüs,<br />

feiner Terroir-Küche und Steaks vom Josper-Grill.<br />

Floragasse 6, 1040 Wien<br />

T: +43 1 5035033, www.artner.co.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–Fr: 12–24 Uhr<br />

Sa, So, Feiertage: 18–24 Uhr<br />

GRACE<br />

Ein modernes Lokal mit Anklängen von New<br />

Nordic Cuisine, bekocht von Oliver Lucas, einst<br />

Heinz Reitbauers rechte Hand im »Steirereck«.<br />

Eine der aufregendsten Neueröffnungen 2016.<br />

Danhausergasse 3, 1040 Wien<br />

T: +43 1 5031022, www.grace-restaurant.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

Di–Fr: ab 18:30 Uhr, Sa: 12–15 und ab 18:30 Uhr<br />

CAFÉS<br />

GUERILLA BAKERY<br />

Vom Pop-up-Lokal zum Kaffeehaus: Drei<br />

Vorarl berger Schwestern setzen auf hoch -<br />

wertige Produkte, Mehlspeisen mit Liebe und<br />

eine Greißlerei mit kulinarischen Überraschungen.<br />

House Blend kommt von Charly Fürth. Toll:<br />

selbst gemachte Limonaden und die Terrasse.<br />

Favoritenstraße 7, 1040 Wien<br />

www.guerillabakery.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–Fr: 8–17 Uhr<br />

WORTNER<br />

Seit 130 Jahren Teil der <strong>Wiener</strong> Kaffeehaus -<br />

kultur, inklusive smokingtragendem Klavier spieler.<br />

Das wahre Highlight ist aber der tolle<br />

Gastgarten, der von malerischem Grün<br />

umgeben ist.<br />

Wiedner Hauptstraße 55, 1040 Wien<br />

T: +43 1 9458683<br />

www.wortner.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–So: 8–23 Uhr<br />

SANTOS<br />

Eigentlich ein mexikanisches Restaurant mit einer<br />

ellenlangen Barkarte, die nicht nur Mittelamerikanisches<br />

bietet, sondern auch Klassisches und<br />

Kreatives aus allen Teilen der Erde. Und die Barkeeper<br />

geben sich große Mühe, immer wieder<br />

Neues zu erfinden.<br />

Favoritenstraße 4-6, 1040 Wien<br />

T: +43 1 9429902, www.santos-bar.com<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo–Do, So: 11–24 Uhr<br />

Fr, Sa: 11–1 Uhr<br />

SILVER BAR<br />

Kleine, diskrete Hotelbar, die schon eine Menge<br />

Celebritys gesehen hat und noch sehen wird.<br />

Ein Insider-Geheimtipp, in dem Barchef Keita<br />

auf einer klug zusammengestellten Karte seine<br />

mixologische Kunst präsentiert, etwa mit seinem<br />

legendären Ingwer-Cocktail.<br />

Wiedner Hauptstraße 12, 1040 Wien<br />

T: +43 1 58918133, www.dastriest.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mo: 18–2 Uhr, Di–Sa: 19–3 Uhr<br />

So, Feiertage: 16–24 Uhr<br />

GASTHAUS WOLF<br />

Das urige Paradewirtshaus bietet herrlich<br />

ungenierte <strong>Wiener</strong> Innereienküche von<br />

knusprigen Schweinsohren über Kalbshirnpofesen<br />

bis hin zu gegrilltem Herzzapfen.<br />

Rienößlgasse 17/Große Neugasse 20, 1040 Wien<br />

T: +43 1 5811544, www.gasthauswolf.at<br />

Öffnungszeiten: Di–Fr: 11:30–14 Uhr, 17–1 Uhr<br />

Sa: 17–1 Uhr, Küche: 18–22 Uhr<br />

Das »Grace«<br />

bietet nordisch<br />

inspirierte Küche.<br />

Fotos: Oliver Spies, beigestellt<br />

132 spezial


SPIELZEIT 2017/18<br />

Premieren Auswahl<br />

Dantons Tod von Georg Büchner<br />

Inszenierung Alia Luque | Premiere Fr 15.09.17<br />

Romeo und Julia von William Shakespeare<br />

Inszenierung Sebastian Schug | Premiere Sa 30.09.17<br />

Die Marquise von O. Auf der Suche nach dem „Ach“<br />

nach Texten von Heinrich von Kleist u.a.<br />

Szenische Einrichtung Olivér Illés | Uraufführung Fr 24.11.17<br />

Ein Theaterprojekt von Árpád Schilling<br />

Inszenierung Árpád Schilling | Uraufführung Fr 01.12.17<br />

Die Flucht ohne Ende von Joseph Roth<br />

Inszenierung Felix Hafner | Uraufführung Sa 20.01.18<br />

Mother Song von Mokhallad Rasem<br />

Inszenierung Mokhallad Rasem | Uraufführung Sa 03.03.18<br />

Der Zerrissene von Johann Nepomuk Nestroy<br />

Inszenierung Sabine Derflinger | Premiere Sa 17.03.18<br />

Ein neues Stück Gewinnerstück des Peter-Turrini-DramatikerInnenstipendiums<br />

Inszenierung N.N. | Uraufführung Fr 27.04.18<br />

Der Revisor von Nikolaj Gogol<br />

Inszenierung Sandy Lopičić | Premiere Sa 04.05.18<br />

Jetzt<br />

Abo<br />

kaufen!<br />

Die Stunde da wir nichts voneinander wussten von Peter Handke, Bürgertheater<br />

Inszenierung Nehle Dick | Premiere Sa 12.05.18<br />

Gastspiele Auswahl<br />

Der Gott des Gemetzels von Yasmina Reza | Inszenierung Karin Beier<br />

Deutsches Schauspielhaus Hamburg | Mi 18.10.17, Do 19.10.17<br />

Onkel Wanja von Anton Tschechow | Inszenierung Karin Henkel<br />

Schauspielhaus Zürich | Fr 23.02.18, Sa 24.02.18<br />

Wer einmal aus dem Blechnapf frisst von Hans Fallada | Inszenierung Luk Perceval<br />

Thalia Theater, Hamburg | Mi 21.03.18, Do 22.03.18<br />

Macht und Widerstand von Ilija Trojanow | Inszenierung Dušan David Pařízek<br />

Schauspiel Hannover | Fr 15.06.18, Sa 16.06.18<br />

Lesungen und Blätterwirbel 2017<br />

Blätterwirbel mit Feridun Zaimoglu, Katja Gasser, Josef Haslinger, Günter Kaindlstorfer<br />

Lesungen mit Tamara Metelka und Nicholas Ofczarek, Birgit Minichmayr<br />

Theaterfest für alle, Theater für Kinder und<br />

Jugendliche, Klassenzimmertheater, Bürgertheater,<br />

Workshops und vieles mehr …<br />

www.landestheater.net


KULTUR<br />

GENIESSEN


Die <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong> finden dieses Jahr vom 12. Mai<br />

bis 18. Juni statt – ihr Programm ist so vielfältig wie noch<br />

nie. Der neue Intendant Tomas Zierhofer-Kin überrascht<br />

mit ungewöhnlichen Produktionen und internationalem<br />

Anspruch. Verschiedene Kunstformen, die Künstler selbst<br />

und das Publikum treten miteinander in Dialog.<br />

Foto: Andreas Balon<br />

spezial<br />

135


festwochen / KULTUR GENIESSEN<br />

EIN FEST<br />

FÜR<br />

DIE KULTUR<br />

ANDREAS MAILATH-POKORNY<br />

Was gibt es zu feiern? Eine rein rhetorische<br />

Frage, denn Wien und seine Einwohner­<br />

Innen finden immer einen Grund, etwas<br />

hochleben zu lassen. Das Loslassen alltäglicher<br />

Strukturen und ihre Auflösung in festlichem Rahmen<br />

gehören zur Stadt. Bereits die Habsburger ließen bei ihren öffentlichen<br />

Banketten nebst Speis und Trank auch Musik zum Gaudium<br />

der Beteiligten auffahren, und selbst eine rein oberflächliche Ausführung<br />

über die Bedeutung von Bällen für Wien und die <strong>Wiener</strong><br />

Seele würde hier den Rahmen sprengen.<br />

WIR HALTEN FEST<br />

Wien feiert also gerne. Und Wien feiert vor allem gerne Kunst und<br />

KünstlerInnen. Theater, Schauspiel, Tanz, Musik sind der Stadt ein<br />

über die Jahrhunderte gewachsenes Heiligtum. Dementsprechend<br />

wird die Kunst in der pulsierenden Donaumetropole als Fest wahrgenommen<br />

und würdig zelebriert. MusikerInnen und SchauspielerInnen<br />

sind gefeierte Stars. Das ganze Jahr über gibt es in Wien<br />

eine Vielzahl an Möglichkeiten und ein breites Angebot, um die<br />

schönen Künste würdig zu begehen.<br />

Den <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong> kommt in dieser Hinsicht besondere<br />

Bedeutung zu. Sie sind der mehrwöchige Höhepunkt im kulturellen<br />

Jahresablauf und als <strong>Wiener</strong> Kunstfest schon seit über sechzig<br />

Jahren ein Spiegel für die Kulturbegeisterung dieser Stadt. Eine Kulturbegeisterung,<br />

die sich nicht eingrenzen lässt, denn die <strong>Festwochen</strong><br />

sind ein Großstadtfest, das die Auseinandersetzung mit dem<br />

künstlerischen Schaffen in anderen Städten Europas und der Welt<br />

sucht und diese herausragenden künstlerischen Leistungen vorstellt.<br />

ZUR PERSON:<br />

Andreas Mailath-Pokorny ist seit 2001 amtsführender<br />

Stadtrat für Kultur und Wissenschaft, seit 2015 auch<br />

für Sport. Außerdem amtiert er als Präsident des<br />

Bundes sozialdemokratischer AkademikerInnen,<br />

Intellektueller und KünstlerInnen.<br />

KULTUR FINDET ÜBERALL RAUM<br />

Das Feiern der Kunst geht nach Vorstellungsende natürlich weiter,<br />

denn ein fundamentaler Part eines Festes ist es, gemeinsam zu essen<br />

und zu trinken. Ein Lokalbesuch ist dabei die Weiterführung des<br />

Kunsterlebnisses. Kunstgenuss bekommt ein kulinarisches Unterfutter,<br />

auf dem sich vortrefflich über zuvor in Theatern, Konzertsälen<br />

und Ausstellungsräumen Erlebtes diskutieren lässt. Spricht man in<br />

Wien von Gastro-, Beisl- oder Kaffeehauskultur, schwingt immer<br />

auch ein wenig die Kunst mit, denn die <strong>Wiener</strong> Gastroszene ist<br />

immer auch ein Ort, an dem das gemeinsame Erleben von Kunst<br />

verhandelt wird, ein Ort, an dem intensiv über Wahrnehmungen,<br />

Erlebnisse, Beobachtungen und Empfindungen gesprochen wird.<br />

Die Suche nach Neuem und die Auseinandersetzung mit Einflüssen<br />

aus der ganzen Welt gewähren Einblicke in aktuelle Diskurse und<br />

nehmen nicht selten auch künftige Entwicklungen vorweg. Die<br />

<strong>Festwochen</strong> als Fenster zur internationalen Theaterwelt bringen<br />

Frischluft in die Stadt. Das beweist Jahr für Jahr die traditionelle<br />

Eröffnung am Rathausplatz, wenn Tausende Kunstbegeisterte nicht<br />

selten widrigen Wetterkapriolen trotzen, um gemeinsam ein großes<br />

Kultur- und Musikfest zu feiern.<br />

Und ja, is(s)t man dabei noch in einem Lokal, in dem einer der wahren<br />

HerdkünstlerInnen in der Küche dirigiert, wird man schnell die engen<br />

Bande zwischen Kulinarik und Kunst und Kultur bemerken. Was aus<br />

den Kochtöpfen der Stadt kommt, sind nicht selten Meisterwerke, und<br />

die Zusammenführung von Kultur und Kulinarik ist mehr als nur ein<br />

Dienst am Publikum: Es ist die Erweiterung des Kunsterlebnisses.<br />

Daher: ein Toast auf die Kunst in all ihren Facetten!<br />

Fotos: Peter Rigaud, Markus Morianz<br />

136 falstaff spezial


ZUR PERSON:<br />

Tomas Zierhofer-Kin gibt dieses Jahr sein<br />

Debüt als Intendant der <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong>.<br />

Mit seinem Vorgänger Markus Hinterhäuser<br />

gründete der Kulturmanager<br />

Anfang der 1990er-Jahre das »Zeitfluss<br />

Festival« als Teil der Salzburger<br />

Festspiele. Zuletzt war<br />

er bis 2016 Intendant des<br />

»donau festivals« in Krems.<br />

EIN FEST<br />

FÜR<br />

DIE STADT<br />

TOMAS ZIERHOFER-KIN<br />

Feste sind besondere Ereignisse. Das FEST als<br />

gemeinschaft liches Ritual stellt den Alltag und<br />

die Ordnung der Dinge auf den Kopf und eröffnet<br />

Gelegenheiten für den geistigen, emotionalen und gesellschaftlichen<br />

Ausnahmezustand. In diesem Sinne begreifen wir<br />

auch die <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong> als FEST für die Stadt und wollen<br />

gemeinsam mit den eingeladenen KünstlerInnen, DenkerInnen und<br />

unserem Publikum ein rauschendes FEST feiern. Neben dem Geist<br />

sollen in gleichberechtigter Weise auch all unsere Sinne<br />

stimuliert und temporäre wie lang währende Gemeinschaften<br />

geschaffen werden. Denn ein FEST ist auch in gewisser Weise ein<br />

groß angelegtes geistiges wie sinnliches Experiment, das utopische<br />

Gegenentwürfe produziert. Es stellt sowohl gängige Denk- und<br />

Handlungsmuster infrage, schafft aber auch Raum für ekstatische<br />

Erfahrung und setzt Potenziale und Utopien frei.<br />

Franz Schuh hat im Vorwort der Publikation »<strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong><br />

1951–2001. Ein Festival zwischen Repräsentation und Irritation«<br />

kulturkritisch festgestellt, dass »heutzutage … keiner mehr Feste<br />

ernst nimmt und sie deshalb gespielt werden müssen«. Der zivilisatorische<br />

Prozess der artifiziellen Trennung von Geist und Körper<br />

in der abendländischen Tradition lässt sich auch ganz gut anhand<br />

des Symposiums, der wissenschaftlichen Konferenz, und seinem<br />

altgriechischen Ursprungsritual, dem Symposion als gemeinsames,<br />

geselliges Trinken, erkennen.<br />

Die <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong> verstehen sich – ganz in ihrer Tradition als<br />

spartenübergreifendes Kunstfestival, das Hoch-, Avantgarde- und<br />

Subkulturen in sich vereint – auch als kulturkritisches Festival,<br />

das tradierte Konzepte in der Kunst, aber auch im Denken und<br />

Handeln infrage stellt. Wir wollen zu einem lustvollen Perspektivenwechsel<br />

anregen, Dinge infrage stellen, ohne einfache Antworten<br />

auf komplexe Themen zu geben, wir wollen zu GastgeberInnen<br />

eines fünfwöchigen FESTES im geistigen wie sinnlichen Ausnahmezustand<br />

werden.<br />

In diesem Sinne freue ich mich ganz besonders über die Sondernummer<br />

des Falstaff zum Anlass der <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong>. Wenn<br />

eine Stadt und ihre Menschen, vernetzt und im Austausch mit der<br />

ganzen Welt, ein FEST feiern, dann gehören so sinnliche Erfahrungen<br />

wie Essen und Trinken nicht nur untrennbar dazu, sie sind –<br />

ebenso wie die Kunst – ein Statement für Kommunikation jenseits<br />

kultureller, sozialer, sprachlicher oder ideologischer Barrieren!<br />

spezial<br />

falstaff<br />

137


festwochen<br />

/ KULTUR GENIESSEN<br />

KUNST & BÜHNE:<br />

DIE HIGHLIGHTS<br />

Mit ihrem diesjährigen Programm brechen die <strong>Wiener</strong> <strong>Festwochen</strong> Tabus,<br />

füllen Leerstellen, lassen Neues entdecken und Altes schätzen.<br />

Die Veranstaltungen finden an 29 Orten in ganz Wien statt. Die Höhepunkte.<br />

Tickets<br />

Tickets und alle Informationen<br />

unter www.festwochen.at oder<br />

+43 1 589 22 22. Tageskassen<br />

befinden sich in der Lehárgasse 3a,<br />

1060 Wien (Sa–Mi: 10–18 Uhr,<br />

Do–Fr: 10–19 Uhr), im MQ<br />

sowie ab 18. Mai im<br />

Performeum.<br />

Fotos: Guido Mencari, Jan Versweyveld, Lucia Eggenhoffer<br />

138 spezial


OBSESSION<br />

Mit »Obsession« bringt der belgische Regisseur Ivo van<br />

Hove die Geschichte von Luchino Viscontis Filmklassiker<br />

»Ossessione« auf die Bühne. Der attraktive Herumtreiber<br />

Gino (Jude Law) trifft auf die junge, unglückliche Giovanna<br />

(Halina Reijn), Ehefrau eines Tankstellenbetreibers, die<br />

ihrem von Armut ge prägten Leben zu entkommen versucht.<br />

Zusammen schmieden sie den Plan, Giovannas<br />

Ehemann zu töten. Aber die verbrecherische Tat kann<br />

das Liebespaar nicht auf Dauer vereinen. In kurzen,<br />

rohen, poetischen und brutalen Szenen geht es um<br />

die großen Themen des Lebens: Liebe, Leidenschaft,<br />

die Macht der Natur und den Druck der Gesellschaft.<br />

Termine:<br />

Mi, 31. Mai, 19:30 Uhr<br />

Do, 01. Juni, 19:30 Uhr<br />

Fr, 02. Juni, 19:30 Uhr<br />

Sa, 03. Juni, 15:00 & 19:30 Uhr<br />

Ort: Halle E im MuseumsQuartier<br />

Jude Law ist diesjähriger<br />

Stargast der <strong>Wiener</strong><br />

<strong>Festwochen</strong>.<br />

Let’s talk about sex:<br />

Senioren erzählen von<br />

ihrem Liebesleben.<br />

ALL THE SEX<br />

I’VE EVER HAD<br />

Das Tabuthema Sex im Alter wird in »All the Sex I’ve Ever<br />

Had« charmant auf die Bühne gebracht. Sechs Seniorinnen<br />

und Senioren erzählen offenherzig von ihren Liebes- und<br />

Sexerlebnissen. Man darf gespannt sein auf Enthüllungsgeschichten<br />

über erste Verliebtheiten, Abstürze, wilde<br />

Affären, unerwartete Schwangerschaften und sexuelle<br />

Neuorientierungen, aber auch über vergangene Lieben,<br />

Herausforderungen und Vergnügungen.<br />

Termine:<br />

Di, 30. Mai, 20:00 Uhr<br />

Mi, 31. Mai, 20:00 Uhr<br />

Do, 01. Juni, 20:00 Uhr<br />

Ort: Theater Akzent<br />

spezial<br />

139


festwochen<br />

/ KULTUR GENIESSEN<br />

WÄHREND ICH<br />

WARTETE<br />

»Während ich wartete«<br />

spielt im vom Bürgerkrieg<br />

zerrissenen Syrien.<br />

Das Drama von Omar Abusaada und Mohammad Al<br />

Attar bewegt sich in der Grauzone zwischen Leben<br />

und Tod des heutigen Syriens. Der junge Taim wird<br />

in Damaskus zusammengeschlagen. Im Krankenhaus<br />

wird er von seiner Familie besucht. Dabei entwickeln<br />

sich Gesprächsthemen wie die anfängliche Revolution<br />

und die kriegerischen Verwüstungen der Gegenwart.<br />

Die Protagonisten bewegen sich zwischen Hoffnung<br />

und Verzweiflung, Liebe und Gewalt. Ein Bericht aus<br />

dem Inneren des Landes.<br />

Termine:<br />

Mi, 24. Mai, 20.30 Uhr<br />

Do, 25. Mai, 20.30 Uhr<br />

Fr, 26. Mai, 20.30 Uhr<br />

Ort: Halle G im MuseumsQuartier<br />

DEMOCRACY<br />

IN AMERICA<br />

Romeo Castellucci ist Schöpfer von bildgewaltigen,<br />

gesellschaftspolitisch aufgeladenen Performances. Er<br />

nutzt das Theater in seiner ursprünglichen Funk tion:<br />

als Spiegelbild des Schauplatzes von politischen<br />

Aus einandersetzungen. »Democracy in America« ist<br />

seine Reflexion über die Gründung der USA und eines<br />

damit einhergehenden neuen Demokratie-Modells.<br />

Termine:<br />

Di, 23. Mai, 20:00 Uhr<br />

Mi, 24. Mai, 20:00 Uhr<br />

Do, 25. Mai, 20:00 Uhr<br />

Fr, 26. Mai, 20:00 Uhr<br />

Ort: Volkstheater<br />

Fotos: Guido Mencari, Didier Nadeau, Christian Stangl, Artur van Balen<br />

140 spezial


TRAISKIRCHEN.<br />

DAS MUSICAL<br />

Das Kollektiv »Die<br />

Schweigende Mehrheit«<br />

bringt das Traiskirchen-<br />

Musical auf die Bühne.<br />

Ein Musical, das weit mehr ist als eine dumpfe<br />

Abendunterhaltung. Hier geht es um Geflüchtete,<br />

Helfer und Helferinnen, Hetzer und Gehetzte,<br />

Hoffnungen und Realitäten, die im Sommer 2015 im<br />

überfüllten Flüchtlingslager Traiskirchen aufeinandertreffen.<br />

Man erlebt weltumspannende Liebesgeschichten,<br />

herzzerreißende Skrupellosigkeiten und groteske<br />

Missverständnisse sowie politische Intrigen. Ein<br />

Musical, das einige der dringendsten Fragen stellt,<br />

die uns auch in nächster Zeit beschäftigen werden.<br />

Termine:<br />

Fr, 09. Juni, 19:30 Uhr<br />

Do, 15. Juni, 19:30 Uhr<br />

Sa, 17. Juni, 19:30 Uhr<br />

Ort: Volkstheater<br />

Die »Akademie des Verlernens«<br />

ist in der ganzen Stadt präsent.<br />

AKADEMIE DES<br />

VERLERNENS<br />

Die »Akademie des Verlernens« lädt zum Umdenken und<br />

Neudenken ein. In verschiedenen Veranstaltungen – von<br />

Performances bis zu Vorträgen – werden Regeln hinterfragt<br />

und gebrochen, Neues ausprobiert und alternative Sicht -<br />

weisen gemeinsam entworfen. Ein Highlight ist etwa die<br />

»Anti-Fascist Ballet School«, die die Vielfalt feiert und<br />

zum gemeinsamen Tanzen einlädt. Die offenen Trainings<br />

finden in verschiedenen Shoppingzentren in Wien statt.<br />

Außerdem finden wöchentlich »Picknicks des Verlernens«<br />

mit lokalen und internationalen Gästen statt. Und die 140<br />

Quadratmeter große Installation »Hamamness« bietet<br />

im Performeum mehrere Ruheräume im Hamam-Stil, in<br />

denen Gäste in entspanntem Rahmen diskutieren können.<br />

Termine »Anti-Fascist Ballet School«<br />

während der <strong>Festwochen</strong>: Mi–Fr ab 16:00 Uhr<br />

Orte:<br />

Lugner City, 17.–19. Mai/Wien Mitte – The Mall, 24.–26. Mai/<br />

Gasometer Einkaufszentrum, 31. Mai–2. Juni/<br />

Millennium City, 7.–9. Juni/Performeum, 16. Juni, 19:00 Uhr<br />

Termine »Picknicks des Verlernens«:<br />

Stadt als Beute: 21. Mai, 11:00 Uhr, Performeum-Garten<br />

Stadt als Klasse: 28. Mai, 11:00 Uhr, Bacherpark<br />

Stadt als Queer: 04. Juni, 11:00 Uhr, Türkis Rosa Lila Villa (Hof)<br />

Simmeringer Frühschoppen: 11. Juni, 11:00 Uhr, Enkplatz<br />

Stadt als Solidarität: 15. Juni, 11:00 Uhr, Hawi Wohnprojekt<br />

Termine »Hamamness« während der <strong>Festwochen</strong>:<br />

Do–So ab 18:00 Uhr, Performeum, Halle 2<br />

spezial<br />

141


festwochen<br />

NATHI.AHA.SASA.<br />

US.HERE.NOW.<br />

/ KULTUR GENIESSEN<br />

Die Künstlerin Zohra Opoku kuratierte für diese performative<br />

Gruppenausstellung aufstrebende und, bis auf<br />

eine Ausnahme, weibliche künstlerische Positionen<br />

aus verschiedenen Ländern Afrikas. Ein interdiszipli -<br />

näres und vor allem inspirierendes Setting zwischen<br />

Fotografie, Video, Skulptur, Live-Kunst, Performance,<br />

Tanz und Musik in einem temporären afrofuturis -<br />

tischen und feminisierten Raum. Eine Hommage<br />

an die reichhaltige moderne Kunstszene Afrikas.<br />

Termine:<br />

8. Juni–11. Juni, ab 18:00 Uhr<br />

Ort: Performeum, Halle 4<br />

Die <strong>Festwochen</strong> bringen<br />

die vielfältige Kunstszene<br />

Afrikas nach Wien.<br />

Jonathan Meese<br />

präsentiert seinen<br />

unkonventionellen<br />

»Mondparsifal«.<br />

MONDPARSIFAL<br />

ALPHA 1–8<br />

(ERZMUTTERZ<br />

DER ABWEHRZ)<br />

Der international polarisierende Künstler Jonathan<br />

Meese befördert die Auseinandersetzung mit »Parsifal«<br />

in eine andere Dimension. Die Gäste erwartet eine zeitgenössische<br />

Neuinterpretation und Würdigung der letzten<br />

Wagner-Oper. Komponist Bernhard Lang hält sich dabei<br />

stark an das Libretto und die Struktur der Oper Wagners.<br />

Daraus erzeugt er einen völlig neuen Klangkosmos.<br />

Termine:<br />

So, 04. Juni, 18:00 Uhr<br />

Di, 06. Juni, 18:00 Uhr<br />

Do, 08. Juni, 18:00 Uhr<br />

Ort: Theater an der Wien<br />

Fotos: fondjoyimage, Jan Bauer.Net/ Courtesy Jonathan Meese.com, Lorenzo Fiaschi, Oliver Ottenschläger, Knut Klaßen, Pascal Victor<br />

142 spezial


THE CONUNDRUM<br />

OF IMAGINATION<br />

Die <strong>Festwochen</strong>-Ausstellung umfasst sechzehn<br />

künstlerische Positionen. Alle Künstler tragen zudem<br />

auch verschiedene Performances und Lectures bei und<br />

werfen einen ungewohnten, postkolonialen Blick auf<br />

das »Europäische Zeitalter der Entdeckungen«.<br />

Termine:<br />

18. Mai–18. Juni<br />

Ort: Performeum, Leopold Museum<br />

PROMISED ENDS:<br />

THE SLOW ARROW OF SORROW AND MADNESS<br />

Derrick Ryan Claude Mitchell erzeugt bildgewaltige<br />

Räume, in denen emotionale Performances mit Tänzern<br />

und Musikern stattfinden. Die überbordende Schönheit<br />

kann jederzeit in Schmerz und Hysterie umschlagen.<br />

Termine:<br />

Di, 16. Mai, 20:00 Uhr/Mi, 17. Mai, 20:00 Uhr<br />

Fr, 19. Mai, 20:00 Uhr/Sa, 20. Mai, 20:00 Uhr<br />

Ort: Halle G im MuseumsQuartier<br />

LES ROBOTS<br />

NE CONNAI SSENT PAS LE BLUES ODER<br />

DIE ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL<br />

Das deutsch-ivorische Ensemble von Gintersdorfer/<br />

Klaßen analysiert und dekonstruiert in dieser musikalischen<br />

Entdeckungsreise gemeinsam mit Benedikt von<br />

Peter die Mozart-Oper »Die Entführung aus dem Serail«.<br />

Termine:<br />

Fr, 26. Mai, 19:30 Uhr<br />

Sa, 27. Mai, 19:30 Uhr<br />

So, 28. Mai, 15:00 & 19:30 Uhr<br />

Ort: Halle E im MuseumsQuartier<br />

BATTLEFIELD<br />

Inspiriert durch das berühmte indische Volksepos<br />

»Mahabharata« zeigt der vielfach prämierte Regisseur<br />

Peter Brook die apokalyptischen Nachwirkungen des<br />

Krieges zwischen rivalisierenden Königsfamilien.<br />

Eine Parabel für die Gegenwart.<br />

Termine:<br />

Fr, 16. Juni, 20:00 Uhr<br />

Sa, 17. Juni, 20:00 Uhr<br />

So, 18. Juni, 20:00 Uhr<br />

Mo, 19. Juni, 20:00 Uhr<br />

Ort: Halle E im MuseumsQuartier<br />

spezial<br />

143


festwochen<br />

/ KULTUR GENIESSEN<br />

DEATH CENTER<br />

FOR THE LIVING<br />

Interaktive Installation aus Mineralien, Pflanzen<br />

und verrottendem Obst von Daniel Lie. Ausgangs -<br />

punkt für dieses atmosphärische Szenario ist der<br />

Tod in seiner Unausweichlichkeit und Banalität.<br />

CONGO NA CHANEL<br />

Performance und Videoinstallation von Elisabeth<br />

Bakambamba Tambwe. In einer Collage aus<br />

doku mentarischem und fiktionalem Material<br />

wird ein vielfältiger und verunsichernder Blick<br />

auf die Demo kratische Republik Kongo geworfen.<br />

Termine:<br />

18. Mai–11. Juni, Do–So,<br />

18:00 bis 22:00 Uhr<br />

Ort: Performeum, Halle 3<br />

Termine:<br />

Do, 15. Juni, 19:30 Uhr<br />

Fr, 16. Juni, 19:30 Uhr<br />

Sa, 17. Juni, 19:30 Uhr<br />

Ort: Performeum, Halle 7<br />

NSK STATE VENICE PAVILION IN VIENNA<br />

THINKING EUROPE<br />

Der Pavillon des »NSK State in Time« thematisiert<br />

Fragen wie Migration, Geschichte und Identität.<br />

Das gemeinsame kulturelle oder politische Erbe,<br />

Staats angehörigkeiten sowie die Bedeutung des<br />

Staates sollen neu betrachtet werden.<br />

Termine:<br />

Eröffnung: Di, 16. Mai, 19:00 Uhr<br />

17. Mai–11. Juni, Di–So, 14:00 bis 21:00 Uhr<br />

Ort: ARCC.art Open Space<br />

HYPERREALITY<br />

Nur 9,4 Prozent aller Acts in <strong>Wiener</strong> Clubs sind<br />

weiblich. Dass das nicht an einem Mangel, sondern<br />

an einer strukturellen Untervorteilung liegt, zeigt das<br />

großartige Line-Up von »Hyperreality 27«: Von Tomasa<br />

del Real, Tonica Hunter über Tami T bis Princess Nokia<br />

ist alles dabei, was Rang und Namen in der Szene hat.<br />

Termine:<br />

Mi, 24. Mai, 21:00 Uhr<br />

Do, 25. Mai, 21:00 Uhr<br />

Fr, 26. Mai, 22:00 Uhr<br />

Sa, 27. Mai, 22:00 Uhr<br />

Ort: Schloss Neugebäude<br />

Fotos: Pequintana, Irwin/ Chiara Figore, beigestellt<br />

144 spezial


FEINE ADRESSEN / promotion<br />

Feine Adressen für Wien!<br />

Wer das Besondere sucht, ist an diesen Adressen mehr als gut aufgehoben.<br />

MODERNE WIENER KÜCHE IN EDLER ATMOSPHÄRE<br />

DAS SPITTELBERG<br />

Das Spittelberg<br />

Spittelberggasse 12<br />

1070 Wien<br />

T: +43 1 5877628<br />

www.das-spittelberg.at<br />

»Das Spittelberg« liegt im historisch und kulturell interessanten »Dorf der<br />

Stadt«, wenige Minuten vom Zentrum entfernt. Harald Brunner verwöhnt<br />

seine Gäste auf höchstem Niveau – von der Ziegenlabne-Terrine, der mariniert<br />

und gebackenen Chili-Blunzn bis zu seinem berühmten Dim Sum mit Kalbs -<br />

bries und Flusskrebsen spannt sich die Genusspalette. Das Herzstück des<br />

Restaurants ist der edle Rotisserie-Grill von Molteni: Hier werden große<br />

Fleischstücke im Ganzen gebraten.<br />

GAUMENFREUDEN UND HERZGENUSS IN WIENS ZENTRUM<br />

Fotos: beigestellt<br />

FÜHRICH<br />

Führichgasse 6<br />

1010 Wien<br />

T: +43 1 5130880<br />

www.fuehrich.at<br />

Wer schmackhaftes und gesundes Essen schätzt, findet nebst der <strong>Wiener</strong><br />

Staatsoper, der Albertina und dem Stephansplatz eine Restaurant-Oase: das<br />

»Führich« in der Führichgasse 6, wo traditionelle <strong>Wiener</strong> Küche auch auf vegetarische<br />

Innovationen trifft. Neben Wiens berühmter Einkaufsmeile, der Kärntner<br />

Straße, lädt die zierliche Vollblut-Gastronomin Petra Führich zu wahren Gaumenfreuden<br />

der <strong>Wiener</strong> Küche. Ein stimmiges Ambiente, freundlicher Service<br />

und Gemütlichkeit werden hier großgeschrieben.<br />

Colorado River Delta #2, Near San Felipe, Baja, Mexico 2011 © Edward Burtynsky, courtesy Admira, Milano / Galerie Springer Berlin / Metivier Gallery, Toronto<br />

23. 03.<br />

27. 08.<br />

2017<br />

Untere Weißgerberstraße 13, 1030 Wien, Täglich 10 – 18 Uhr | www.kunsthauswien.com


TISCHGESPRÄCH MIT CONCHITA ÜBER ...<br />

… DEN PUREN<br />

LUXUS DES<br />

GENIESSENS<br />

INTERVIEW ALEX. HESSE<br />

FALSTAFF »Respekt« ist ein<br />

Leitthema der diesjährigen <strong>Wiener</strong><br />

<strong>Festwochen</strong>. Auch Sie appellieren<br />

immer wieder dafür. Wie achtsam gehen<br />

Sie mit sich und Ihrer Ernährung um?<br />

CONCHITA (lacht): Jaja, der Respekt vor sich<br />

selbst ... Der kommt oft auch bei mir zu kurz.<br />

Ich versuche, mich gesund zu ernähren. Das ist<br />

nicht immer leicht, denn ein Sandwich ist<br />

schneller geordert und gegessen als ein gesundes<br />

ausgewogenes Menü. Sie merken, wo’s hakt?<br />

CONCHITA<br />

In einem kleinen steirischen Dorf aufgewachsen,<br />

erlangte Tom Neuwirth mit seiner Kunstfigur<br />

Conchita Weltruhm. Der internationale Durchbruch<br />

gelang Conchita mit ihrem Sieg beim Eurovision Song<br />

Contest im Mai 2014. Seitdem tourt sie nicht nur<br />

als Musikerin um die Welt, sie setzt sich auch aktiv für<br />

Toleranz und die Einhaltung von Menschenrechten ein.<br />

Welchen Stellenwert hat denn kulinarischer<br />

Genuss in Ihrem Leben?<br />

Ich liebe es, gut zu essen! Wenn ich auf meinen<br />

Reisen etwas für mich kulinarisch Neues kennenlerne,<br />

schwärme ich wochenlang davon. Eigentlich<br />

sollte man jeden Moment genießen, ich schaffe das<br />

aber nicht immer. Deswegen ist Genuss für mich<br />

ein Luxusgut. Und Luxus ist nur dann aufregend,<br />

wenn man ihn nicht immer haben kann.<br />

Dabei hatten Sie ihn in Ihrer Kindheit stets verfügbar<br />

– Sie sind in einem Wirtshaus aufgewachsen.<br />

Ich war natürlich sehr verwöhnt, denn ich konnte<br />

jeden Tag aus der Speisekarte auswählen. Es hat<br />

meine Neugier gefördert, unbekannte Gerichte zu<br />

probieren. Aber ich koche kaum selbst – musste ich<br />

ja nie. Das sehe ich als Defizit. Ich kann zwar<br />

kochen, mache es aber nicht gern.<br />

Kochen und Kunst liegen aber nah beieinander.<br />

Der österreichische Künstler<br />

Peter Kubelka sagte: »Das Kochen ist<br />

nicht nur ein bildender Prozess wie andere<br />

Künste, sondern beides: unmittelbares Eingreifen<br />

in die Natur und künstlerisch bildender Prozess.«<br />

Kochen ist definitiv etwas sehr Kreatives. Deswegen<br />

denke ich, dass es mir gefallen könnte, würde ich mich<br />

darauf einlassen.<br />

Die Werbewelt<br />

verkauft uns das<br />

Bild, dass sich Frauen<br />

am liebsten von Salat<br />

ernähren und Männer von<br />

einem saftigen Stück Fleisch. Gibt es<br />

typisches Frauen- oder Männeressen?<br />

Ich tue mir etwas schwer mit geschlechterspezifischen<br />

Verhaltensmustern in der Kulinarik ...<br />

Ich habe ein so vielfältiges Umfeld, dass ich sowohl<br />

Männer als auch Frauen kenne, die sich gesund bzw.<br />

ungesund ernähren, »leichtes« oder »schweres«<br />

Essen bevor zugen. Da ich kein Fan von Schubladendenken<br />

bin, kann ich dieses Klischee nicht verstehen.<br />

Geht ein Paar in ein Restaurant essen,<br />

wird beinahe immer – ohne zu fragen<br />

– dem Mann der Wein zum Kosten<br />

eingeschenkt.<br />

Ich weiß nicht, ob es bei meinen<br />

Restaurant besuchen ausschließlich<br />

Männer waren, die zum Probieren aufgefordert<br />

wurden. Allerdings bin ich<br />

froh, wenn das jemand anderes macht.<br />

Denn ich kenne mich null aus.<br />

Fotos: Thomas Schauer, markus Morianz, Shutterstock<br />

146 spezial


von 10. Mai bis 16. Juli<br />

Weitere Informationen auf www.illy.com und in illypoint – Webgasse, 43 – 1060 Wien erhältlich.


BAR REFAELI<br />

by Chen Man<br />

T H E A R T O F F U S I O N<br />

Big Bang Turquoise Linen.<br />

Gehäuse, Zifferblatt und Armband aus<br />

100% natürlichen Leinenfasern gefertigt.<br />

Lünette besetzt mit 36 Topasen. Auf 200<br />

Exemplare limitierte Serie.

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!