1 Mittermaier Hauptbahnhof, Helmut, 3mn11s - Sound Studies

lebensraeume.soundstudies.info

1 Mittermaier Hauptbahnhof, Helmut, 3mn11s - Sound Studies

Berliner Klanglandschaften

Ein Projekt für die Ausstellung „Das neue Berlin“ im Brüsseler Rathaus (Februar bis April

2007) in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Brüssel.

Aufgenommen und zusammengestellt von Studierenden der Klasse „Experimentelle

Klanggestaltung“ bei Prof. Sabine Breitsameter und Thomas Schumacher am

Studiengang Sound Studies, Universität der Künste Berlin

Track 1

Stini Arn, Der Abschiedspfiff, 2’28

Track 2

Christine Schön, Markthalle Marheinekeplatz 5.1.2007, 3’38

Track 3

Frauke Schmidt, There’s A Light, 3’26

Track 4

Helmut Mittermaier, Kinder im Monbijou-Park, 5’04

Track 5

Satoshi Morita, Kronprinzenbrücke 18:20 Uhr, 4’22

Track 6

Ulrike Sowodniok, Türkenmarkt am Kreuzberger Maybachufer, 5’08

Track 7

Heidrun Schramm, Hackesches Dorf, 5’14

Track 8

Helmut Mittermaier, Die Räume des Hauptbahnhofs, 3’08

Track 9

Satoshi Morita, Berlin, Hauptbahnhof 14:05 Uhr, 2’45

Track 10

Valeria Merlini, Bewegung, 2’51

Track 11

Marcel Türkowsky, Königlicher Bau im Frühling 2006, 4’58

Track 12

Max Schneider, Ein alltäglicher Streifzug durch meinen Kiez, 3’03

Track 1

Stini Arn, Der Abschiedspfiff

Ankunft eines Zuges im Berliner Hauptbahnhof, ganz unten am Gleis 2. Mit

Ansagestörungen und Abschiedspfiff.

Stini Arn: „Mir gefällt die Ankunftsstimmung des Zuges, wie sich Leute

begrüssen, die Ansage mit dem technischen Defekt und der Kondukteur, der mir so von

hinten in die Ohren pfiff, dass ich erschrak, und ich dachte meine Aufnahme sei

bestimmt übersteuert.“


Track 2

Christine Schön, Markthalle Marheinekeplatz 5.1.2007

Der vorletzte Tag der letzten traditionellen Markthalle in Berlin, erbaut

1892. Wiedereröffnung mit vollkommen neuer Architektur im Oktober 2007.

Christine Schön: „Diese Soundscape ist der Nachhall einer Berliner Institution, in

dem es neben Blumen, Haushaltswaren und Currywurst vor allem eines gab:

Kommunikation.“

Track 3

Frauke Schmidt, There’s A Light

Eine Autofahrt durch den kaum frequentierten Tiergartentunnel, der unter großer

öffentlicher Kritik im Jahr 2006 fertiggestellt wurde.

Frauke Schmidt: „Die Soundscape-Aufnahme macht deutlich: Beim Durchfahren

verliert man hier den gewöhnlichen Fokus auf das Licht am Ende eines Tunnels und

nimmt damit den eigentlichen Weg stärker wahr.“

Track 4

Helmut Mittermaier, Kinder im Monbijou-Park

Eine vielschichtige Klangkulisse aus Kindern, Eltern, quietschenden Dreirädern, Schiffen

und Zügen.

Helmut Mittermaier: „Einerseits schön, andererseits alarmierend, was die

gewaltigen Klangeinwirkungen in urbaner Kindheit angeht.“

Track 5

Satoshi Morita, Kronprinzenbrücke 18:20 Uhr

Der Stadtraum Berlins wird auch durch Wasserläufe und Brücken geprägt. Die

Kronprinzenbrücke verbindet das Regierungsviertel mit dem neuen Hauptbahnhof. Am

Flussufer sieht man Spaziergänger und Jogger.

Satoshi Morita: „Unterhalb der Brücke mischen sich die vielfältigsten Geräusche,

die unterschiedlichen Rhythmen des Wassers, der Spaziergänger,

Jogger und der Autos zu einem charakteristischen Eindruck dieses Stadtraums.“

Track 6

Ulrike Sowodniok, Türkenmarkt am Kreuzberger Maybachufer

Zweimal in der Woche wird hier bei jedem Wetter unter freiem Himmel neun Stunden

lang gefeilscht. Fundamentalisten neben Kreuzberger Künstlern, Migranten aus aller

Welt neben Touristen schieben sich dicht an dicht durch die enge Gasse aus geduckten

Ständen direkt am Landwehrkanal.

Ulrike Sowodniok: „Der Markt gerät mit fortgeschrittener Tageszeit immer mehr

ins Beben. Nicht nur die Händler werden immer lauter, aufdringlicher und immer

erfindungsreicher in ihren anpreisenden Gesängen, die fast schon wie Balzgesänge bei

Vögeln anmuten. Auch der vielsprachige Strom der Käufer und Passanten wird immer

lauter und direkter in seinen Äußerungen.“

Track 7

Heidrun Schramm, Hackesches Dorf


Sonntagsspaziergang vom Hackeschen Markt entlang der Bahntrasse zur U-

Bahn "Weinmeisterstrasse": Dabei werden grosse Kübel Altglas in einem offenen

Gewölbe entsorgt. Die schleifenden Schritte einer junge Asiatin ziehen vorüber und

verhallen langsam in der Ferne.

Heidrun Schramm: „Diese Soundscape-Aufnahme ergibt eine ‚natürliche’

Komposition aus einer deutlich hörbaren Abfolge verschiedener Klangereignisse und

zeigt ein ungewöhnliches dörfliches Stimmungsbild.“

Track 8

Helmut Mittermaier, Die Räume des Hauptbahnhofs

Ein Soundwalk, beginnend in der U-Bahn, dann weiter durch Hallen, Geschäfte und

Aufzüge des Hauptbahnhofs.

Helmut Mittermaier: „Es ist faszinierend, wie sich die unterschiedlichen Räume

akustisch öffnen und wieder schließen.“

Track 9

Satoshi Morita, Berlin, Hauptbahnhof 14:05 Uhr

Im neuen Berliner Hauptbahnhof kreuzen sich zwei Achsen: die Nord-Süd Verbindungen

(tief) und die Ost-West Verbindungen (oben). Wegen ihrer unterschiedlichen Bauweise

hat jede der Bahnsteighallen ihre eigene akustische Charakteristik.

Satoshi Morita: „Die vom bogenförmigen Glasdach geprägte Raumakustik in der

oberen Bahnsteighalle hat einen enormen Nachhall. Dadurch nimmt man ihre räumliche

Offenheit deutlich wahr.“

Track 10

Valeria Merlini, Bewegung

Flaneure und Passanten, Käufer und Verkäufer, Handeln und Verhandeln, in der Ferne

die Autos: Ein Markt im Zentrum Berlins.

Valeria Merlini: „Verschiedene Sprachen, Stimmen und Dialekte mischen sich im

öffentlichen Raum. Die Klänge lassen den Ort sprechen und machen erkennbar: Hier ist

der Wittenbergplatz."

Track 11

Marcel Türkowsky, Königlicher Bau im Frühling 2006

Ein Berliner Hinterhof. Eine Sonne, eine Baustelle, vier Bauarbeiter, drei Hämmer.

Maschinen, Pflastersteine. - Ein Spielplatz. Acht spielende Kinder, zwei Schaukeln, sdrei

Bäume, ein Himmel, Frühlingsluft.

Marcel Türkowsky: „Ich mag das Zusammenspiel der einzelnen unterschiedlichen

Klangquellen. Arbeit und Spiel musizieren miteinander. Und trotz der vielen Geräusche

ist es so friedlich still. Berlin hat diese ganz beson-dere Stille.“

Track 12

Max Schneider, Ein alltäglicher Streifzug durch meinen Kiez

Ein ausgedehnter Spaziergang im Bezirk Prenzlauer Berg. Ausgehend von meiner

Wohnung bewege ich mich in einem Park, dem Ziel meines Spazierganges, und auf den

Straßen zwischen Ausgangspunkt und Ende.

Max Schneider: „In meinen Aufnahmen „verfolge“ ich mich selbst mit dem


Richtmikrofon. Ich begebe mich auf die Jagd nach Klängen, mehr, um sie zu isolieren,

als sie in ihren größeren Zusammenhang warhzunehmen, und lasse mich, immer dem

Mikrofon nach, durch die Straßen und Parks der Stadt treiben. Dabei höre ich, wie ich

mir selbst näher komme und mich immer wieder an ein anderes Geräusch verliere.“

- Ende –

Berliner Klanglandschaften

Aufgenommen und zusammengestellt von

Stini Arn, Helmut Mittermaier, Valeria Merlini, Satoshi Morita, Frauke Schmidt , Christine

Schön, Max Schneider, Heidrun Schramm, Marcel Türkowsky, Ulrike Sowodniok

Unterstützung: Maximillian Bräunlich und Georg Stummer

Ein Projekt für die Ausstellung „Das neue Berlin“, Brüsseler Rathaus Februar/März 2007,

in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Brüssel.

Die Künstlerinnen und Künstler sind Studierenden der Klasse „Experimentelle

Klanggestaltung“ von Prof. Sabine Breitsameter und Thomas Schumacher im

Studiengang Soundstudies, Univerisität der Künste Berlin:

Ton und Mastering: Marcel Türkowsky

Organisation: Thomas Schumacher

Produktion: Soundstudies, Universität der Künste Berlin, 2007

Leitung: Sabine Breitsameter

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine