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PT-Magazin_03_2017

Magazin für Wirtschaft und Gesellschaft. Offizielles Informationsmagazin des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" der Oskar-Patzelt-Stiftung

PT-MAGAZIN 3/2017 Gesellschaft © cartoonresource - Fotolia 12 Für eine offene Welt Hanspeter Georgi warnt vor einer bösen Ironie der Weltgeschichte 1. Shitstorms gegen TTIP und CETA!? Dabei geht es in beiden Fällen doch nur um das Ringen für eine faire Grundlage für den internationalen Austausch von Gütern und Diensten, also für Austauschbeziehungen, die sich in den letzten Jahrzehnten ohnehin entwickelt haben. Der Handel zwischen den Vertragspartnern soll über die Zölle hinaus vereinfacht werden. Es geht also um die Anpassung des Handelsrechts an die globale Entwicklung. CETA und TTIP sowie andere vergleichbare „megaregionale“ Abkommen treten an die Stelle, die die WTO bislang - leider - nicht ausfüllen konnte. “Megaregionale“ Abkommen ersetzen also das fehlende WTO- Abkommen. 2. Bestand früher der internationale Austausch in der Regel aus gehandelten Endprodukten, sieht die Weltwirtschaft heute völlig anders aus. Entlang gesamter Wertschöpfungsketten und über alle Zeitzonen hinweg gestalten sich die Austauschprozesse. Das Internet hat diese Prozesse erleichtert und beschleunigt. Das Zurückzuschrauben würde die Welt ins Chaos stürzen. Dementsprechend geht es bei den Abkommen nicht nur um die Reduzierung, gar Beseitigung von Zöllen, sondern vielmehr auch um das Setzen von technischen Standards und weiteren Bestimmungen, zum Beispiel auf den Gebieten der Zertifizierung, der Produktsicherheit, des geistigen Eigentums und der Konfliktlösung. Dass derartige Regelwerke sehr komplex ausfallen und eine große sachliche, diplomatische und politische Expertise voraussetzen, sei nur angemerkt. Aber allein schon dieser Hinweis möge verdeutlichen, dass Nutznießer solcher Vertragswerke nicht in erster Linie die „Multis“ sind, sondern die KMU’s, die sich im Gegensatz zu den global tätigen Großunternehmen schwer tun, auf die Regelungen der jeweiligen Zielmärkte individuell reagieren zu müssen. 3. Wenn in Europa mit antiamerikanischen und antikapitalistischen Parolen dagegen Stimmung gemacht und derartige Abkommen verhindert werden, schadet sich Europa selbst. Man muss nicht so schwarzsehen wie John Kornblum, ehemaliger US-Botschafter in Deutschland, es kürzlich formulierte: Europa laufe Gefahr, „sich in ein wertvolles Industriemuseum zu verwandeln“. Europa habe die Internet-Revolution verschlafen und sei nur noch Konsument amerikanischer Produkte, fügte er kritisch an. Doch nebenbei bemerkt: Es ist schon bedenklich und bedarf der Klärung, warum es keine europäischen Produkte wie Google, Facebook und Co. gibt. BRUDER Spielwaren GmbH + Co. KG Postfach 190164 · 90730 Fürth/Germany Telefon: + 49 (0)911 / 7 52 09-0 Telefax: + 49 (0)911 / 7 52 09-100 / 29 vertrieb@bruder.de www.bruder.de

4. Schädlich sind natürlich auch die nationalistischen Strömungen in einigen europäischen Mitgliedsstaaten (neuerlich auch in den USA wegen Trump). Sie verhindern europäische Positionen, die angesichts der Globalisierung erforderlich wären. Stattdessen Brexit und seine Folgen. Wo bleibt die europäische Leadership? Und wo bleiben das europäische Bürgertum und die europäischen Intellektuellen, die zur europäischen Aufklärung beitragen? Der Sündenfall „Wallonie“ hätte vermieden werden müssen. Die Kompetenz des Handelsrechts hat auf der EU-Ebene zu bleiben, anstatt es entgegen dem Subsidiaritätsprinzip wieder auf die Ebene der Mitgliedsstaaten zurückzuverlagern. Rolle rückwärts bei der Integration - die Väter der europäischen Vereinigung würden die Welt nicht mehr verstehen. 5. Wenn Europa nicht mehr mit einer Stimme, nämlich der europäischen, an der Modernisierung des internationalen Handelsrechts aus innereuropäischen Gründen mitwirken kann, verzichtet es auf seinen Einfluss und seine Mitwirkung auf die wettbewerblichen Rahmenbedingungen im globalen Markt. © Wikipedia, StagiaireMGIMO, CC BY-SA 3.0 Botschafter a.D. John Kornblum 6. Den Globalisierungsgegnern aller Couleur sei zum Nachdenken gesagt: Was hat erheblich in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg zum Wirtschaftswunder beigetragen? Die Offenheit der Märkte, Deutschland war sofort wieder eingebunden in die damalige Weltwirtschaft! Was ist die effektivste Unterstützung von Entwicklungsländern? Ihnen den Zugang zur Weltwirtschaft zu ermöglichen und zu erleichtern! Und schließlich: Was wird aus Europa, wenn es sich aus der Globalisierung verabschiedet? Kornblum’s Antwort: „Die USA und China werden alle Zukunftsindustrien haben und die Produkte herstellen. Europa wird mit Ausnahme hochwertiger Nischenprodukte nur noch Abnehmer sein“. Das Geschrei der heutigen CETA- und TTIP-Gegner möchte ich dann nicht hören. 7. Eine stärkere Verflechtung in den wirtschaftlichen Beziehungen hat auch positive Wirkungen auf den Weltfrieden. Global tätige Unternehmen vereinigen in ihren internen Arbeitsmärkten die verschiedenen Ethnien, Religionen und Nationen. Unternehmen, die mit anderen Unternehmen weltweit im Austausch stehen, sorgen ebenso für ein friedliches Miteinander, denn sie wollen in Ruhe ihren Geschäften nachgehen. Protektionistische und nationalistische Tendenzen dagegen führen zu Abschottung und all dem, wovon uns die Geschichte der Menschheit viel Schreckliches zu berichten weiß. Es wäre eine Ironie der Weltgeschichte, wenn für die USA und Europa nun China zum Lehrmeister und Verteidiger eines freien Welthandels werden würde. ó Über den Autor Hanspeter Georgi ist Politiker und Diplom- Volkswirt. Zuletzt war er saarländischer Minister für Wirtschaft und Arbeit. Er ist Mitglied des Präsidiums der Oskar-Patzelt- Stiftung. 13 PT-MAGAZIN 3/2017 Gesellschaft MENSCH • Kundenbegeisterung • Mitarbeiterbegeisterung • Lieferantenbegeisterung WIR ZEIGEN PROFIL PRODUKT • Stahlbau & Stahlkonstruktionen • Schlüsselfertig- & Industriebau • Schlosser- & Metallbauarbeiten Stahlbau Nägele GmbH | Gutenbergstraße 3 73054 Eislingen www.stahlbau-naegele.de

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