Heilkunst und Spiritualität. Wege zur Genesung

zeitenwende

Leseprobe des Buches "Heilkunst und Spiritualität. Wege zur Genesung" von Klaus Bielau.
Weitere Infos: www.verlag-zeitenwende.de/Heilkunst-und-Spiritualität

Klaus Bielau: Heilkunst und Spiritualität

Wege zur Genesung

© Verlag Zeitenwende

Steigerstraße 64

01705 Freital OT Kleinnaundorf

www.verlag-zeitenwende.de

buecher@verlag-zeitenwende.de

1. Auflage 2017

Alle Rechte, auch die des auszugsweisen Nachdrucks, der

fotomechanischen und multimedialen Wiedergabe sowie der

Übersetzung in andere Sprachen, vorbehalten.

Umschlaggestaltung: Verlag Zeitenwende

Satz: Verlag Zeitenwende

ISBN 978-3-945701-04-1

Die Deutsche Bibliothek – CIP-Einheitsaufnahme

Ein Titelsatz für diese Publikation

ist bei der Deutschen Bibliothek erhältlich.

* * *

Hinweise des Verlages:

Die Texte in diesem Buch entstammen unter anderem Vorträgen oder wurden

teilweise in »Pulsar. Zeitschrift für aktives Bewusstsein« veröffentlicht.

Alle Angaben und Ratschläge in diesem Buch – vor allem die gesundheitlichen

– sind nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Sie sind

vom Autor und vom Verlag sorgfältig erwogen und geprüft worden, dennoch

kann eine Garantie nicht übernommen werden. Eine Haftung des Autors

beziehungsweise des Verlages und seiner Beauftragten für Personen-,

Sach- und Vermögensschäden ist ausgeschlossen.


Inhaltsverzeichnis

Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9

Spurensuche

Paracelsus – Visionär für unsere Tage . . . . . . . . . . . . . . . . 12

Schmerz, dein Freund und Helfer

Oder auch: alles ist Homöopathie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17

Sensibel und stark – und doch

kein Widerspruch!? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21

Humor – der Ernst der Gegenwart . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27

Ankommen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31

Kopfmüll . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35

Durchbrüche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40

Bewegung, Stillstand, Tod und neues Leben . . . . . . . . . . . . . 45

Konzept Selbstheilung – Erwachen aus

dem Schlaf des Patient-Seins . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50

Der Mensch zwischen sich und anderen . . . . . . . . . . . . . . . . 54

Die Seele – ein weites Land . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59

Vom Geben und Nehmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63

Gehirnvergiftung oder Gehirnwäsche . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68

Herzhören

Oder: zum Einswerden von Zeit und Ewigkeit . . . . . . . . 73

Ohne Revolte geht nichts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77

Unser Leben – unsere Kinder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82

Gehe deinen Weg… . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 86

Der Heiler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90


Renaissance – wann, wo? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95

Alte Heilkunst – neue Wege . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 99

Kunst . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 103

Dialog am Hafen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 107

Gesetze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 111

Aus der Leere . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 115

Das universelle Heilmittel – eine Untersuchung . . . . . . . . . 120

Über die Ursachen der Krankheiten

nach Paracelsus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 126

Feuer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 130

Nada Brahma – die Welt ist Klang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 135

Liebe – zur Signatur des Wesentlichen . . . . . . . . . . . . . . . . . 138

Essenzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 142


Vorwort

Der Weise,

da er auf sein Herz hört,

lernt aus allem,

der Kluge aus Erfahrung,

der Dumme weiß alles besser.

1

Religion oder Spiritualität? Ist die Rede von einem religiösen

Menschen, meinen wir meist einen, der etwas glaubt, was mit

irgendeiner religiösen Richtung zusammenhängt, dessen Vorstellungen

von einer Institution belebt werden; er hängt mehr

oder weniger einer der vielen Glaubensrichtungen an, die in unseren

freien Ländern nebeneinander bestehen können. Obwohl

ja eigentlich bekannt ist, was das Wort Religion bedeutet, sei zur

Wiederholung kurz darauf eingegangen: re-ligio, wörtlich Rück-

Verbindung. Was wird womit rückverbunden? Gewöhnlich verbinden

wir uns mit irgendetwas außerhalb von uns, mit Ideologien,

Meinungen, kollektiven Ideen und ähnlichem. Wenn das

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so ist, dann hängen wir Matrizen, Mustern, familiären Prägungen

an, von denen wir uns noch immer nicht gelöst haben, oder

irgendeinem Gedankengut, das gemischt ist aus persönlichen Eigenheiten

und Vorlieben – und um uns herum sind die alten

Wolken von Angst und Sorge, die unsere Gehirne ohne Unterlass

bewegen. Diese Gedanken und Vorstellungen sind es, die unser

Leben schwer und kompliziert machen. Und immer wieder erfahren

wir Mangel und Verdruss. Was also ist es, zu dem wir uns,

wie man so sagt, rück-verbinden können?

2

Wer bin ich, wer sind wir und wozu sind wir da? Was haben wir

mit Tieren, mit Pflanzen, mit der Schöpfung zu tun? Irgendwann

werden in unserem Leben diese und ähnliche Fragen geboren,

so als wollte etwas bei uns anklopfen. Es ist ein Drang, zu suchen

nach dem Verborgenen, nach den Hintergründen; er wird geboren,

und wir werden irgendwann hellhörig, wollen das Wesen

dessen erkennen, was wir Leben nennen. Wir machen uns auf

die Suche – wer suchet, der findet. Aber das Finden ist etwas, das

uns nicht zu leicht gemacht wird. Zunächst lacht unser Herz,

doch dann wird es wieder kompliziert, denn unsere Seele zweifelt

an den mannigfachen philosophischen und spirituell-esoterischen

Richtungen, oder wir finden keine praktischen Wege,

um das verwirklichen zu können, was wir ahnen.

Ja, es ist bald klar, der Mensch ist nicht nur eine Persönlichkeit,

nicht nur der, den wir so von außen her kennen, sondern

viel mehr. Denken, wollen, fühlen … das Leben eben … aber da

muss noch etwas sein, etwas wie ein Geheimnis in der Brust, im

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Herzen. Und irgendwie kann es der Verstand nicht fassen, dass

es etwas gäbe, das nicht mit dem üblichen Denken gefunden

werden kann: Gegenwart, Unendlichkeit, der Atem von Unendlichkeit

in uns – in uns, natürlich, wo sonst. Wir sehen nur mit

dem Herzen gut, für die Augen ist das Wesentliche unsichtbar.

Das Wesentliche, der Quell, das muss es sein, worum es geht: die

Liebe.

An diesen Quell, das geistige Zentrum, müssen wir uns rückverbinden.

Spätestens dann ist da kein Platz mehr für einen

Autoritäts- oder anderen Aberglauben, und der Funke in unseren

Herzen ist dabei, Feuer zu werden – wie viele Zeitläufe,

Äonen hat das gedauert!? Von verschiedenen Seiten wollen wir

uns dem Thema nun nähern, dem Thema der Gesundung der

Seele durch das eine große Heilmittel: das Feuer des Herzens.

Der Wunsch des Verfassers ist es, dass – angeregt auch durch

diese Arbeit – immer mehr Menschen verstehen, worum es geht.

Unser äußeres Leben ist reich an Hinweisen, die uns immer und

immer wieder den Weg zeigen, der zu den Quellen führt. Dabei

werden alte Sichtweisen und vor allem Denkmuster zerbrechen.

Was kann an ihre Stelle treten?

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Spurensuche

Paracelsus – Visionär für unsere Tage

Eines in allem

alles in einem

feuriges Leben

hier und heute.

1 Der Weise, ein Magier…

… verändert sein Leben mit dem Tod, er stirbt nicht. – Theophrastus

von Hohenheim, genannt Paracelsus, gilt als der vielleicht

bedeutendste Arzt und medizinische Revolutionär unserer

Zeitrechnung. Er machte Reformationsvorschläge auf vielen Gebieten,

so in der Theologie, der Philosophie, der Medizin und

anderen Wissenschaftsbereichen. Auch gilt er als Begründer der

Pharmakologie, da er natürliche Substanzen im Labor veränderte,

wirksamer machte durch die Kunst der Spagyrik. Diese

findet übrigens ihre Fortsetzung in der heute landauf landab bekannten

Homöopathie. Paracelsus ruft die Menschen – dich,

mich, eben uns alle – auf zu wahrer Selbsterkenntnis und Auto-

12


nomie. Sein Lebensmotto heißt entsprechend: »Eines anderen sei

nicht, wer er selbst sein kann.« In diesem Sinne ist auch ein weiterer

Schlüsselsatz zu verstehen: »Der Patient sei sein Arzt und

der Arzt dessen Helfer.«

Paracelsus’ Lehre wirkt nachhaltig bis in unsere Tage, weil sie

aus der unvergänglichen Wahrheit des Lebens zeugt und weil er

das, was er lehrte, selbst auch lebte, ohne Rücksicht auf seine

eigenen Vorteile. Alles ist rein, echt, gerade, ohne Schminke; die

Sprache ist stark, unverblümt, ja wie ein Schwert, das morsche

Traditionen scheidet vom lebendigen Neuen. – Seine Wanderungen

brachten ihn durch ganz Europa, er lehrte, er behandelte

die Menschen, reiche wie arme, letztere umsonst. Er schrieb, es

sind viele tausend Seiten, und das, obwohl er kaum länger als einige

Monate an einem Ort weilen konnte. Die letzte Zeit seines

Lebens verbrachte er in Salzburg, da sich in dieser Stadt die einzige

von Jesuiten freie Universität im südlicheren Europa befand,

weil der dort residierende mächtige Fürsterzbischof keine Mitglieder

jenes Ordens in seiner Stadt und seinem Lande duldete.

Die Jesuiten nämlich hatten Paracelsus’ Bücher auf den Index

gesetzt und verbrannten sie, wo sie deren habhaft werden konnten.

Einige Tage vor seinem Tode verfasste er vor sieben Zeugen

im »Gasthof zum weißen Ross« sein Testament. Vermutlich ist er

von Häschern seiner Feinde – ob es die Jesuiten oder neidische

Kollegen waren, ist schwer zu beurteilen – eine Stiege hinuntergeworfen

worden. Sein Grabmal befindet sich in Salzburg, wo

wir auch folgenden Satz lesen können: »Vitam cum morte mutavit.«

– »Er hat das Leben mit dem Tod verändert.« Verändert und

nicht vertauscht, wie die häufige, jedoch falsche Übersetzung lautet;

denn mutare heißt nun einmal verändern. Nur ist es eine

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Frage des Verständnisses, ob wir uns vorstellen können, dass sich

das Leben mit dem Tod verändert. Dieses bezeugt nämlich eine

tiefe Sicherheit in das eine wahrhafte und unendliche Leben, das

aus dem Quell aller Dinge ist.

2 Paracelsus’ Antwort auf die Not der Seele

»Anders bin ich – lasst euch das nicht seltsam sein.« Ja, Theophrastus

war immer anders als die anderen, die Gelehrten und

Doktoren. Wie kommt das? Nun, er schreibt: »Ich habe für gut

angesehen, nicht allein den natürlichen Menschen zu beschreiben,

sondern auch noch viel mehr den ewigen Menschen, den himmlischen

in der Neuen Geburt, damit der alte Mensch sehe und

merke, was der Mensch sei, und lerne, sich nach demselbigen zu

richten…« – Und so versteht er die Not des Menschen als Not

der Seele. Der Mensch ist nicht frei, sondern gefesselt von Ehrgeiz,

Materialismus, Angst und Eifersucht usw. usf. Und er ist

dazu verurteilt, zu leiden, krank zu werden, zu sterben.

Ist es in unseren Tagen so viel anders? Ja, die Möglichkeiten,

tatsächlich zu lernen, was die Wege des Menschen sind, sind

heutigentags deutlich sichtbar. Doch ergreifen wir sie? Theophrastus

ermutigt uns höchst aktuell: »Lerne, lerne, frage und

frage – und höre nicht auf zu lernen…« Haben wir doch den Mut,

Erfahrungen zu sammeln; irgendwann wird in uns die Sehnsucht

wachsen nach etwas anderem, nach dem, was jenseits ist

von Gut und Böse, von Licht und Schatten. Dann werden wir erkennen,

dass der Kern des Menschen, der Funke des Ewigen, der

schöne Götterfunke, als Essenz in uns wartet, um wieder lebendig

zu werden – und unsterblich. Dann erst wird die Not der Seele

ein Ende haben können.

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3 Einige Texte von Paracelsus

Der Weg

»Ihr sollt nur den heutigen Tag kennen und die jetzige Stunde.

Was gehen die Sorgen des morgigen Tages den heutigen an? Der

Tod kommt nämlich nicht morgen, er kommt heute.«

Gott im Menschen

»Schön und groß, edel und gut hat Gott sich seinen Himmel gemacht.

Denn Gott ist im Himmel, das heißt im Menschen; sagt er

doch selbst, er sei in uns und wir seien sein Tempel. Ist er nun in

uns, so senden wir unsere Gebete zu ihm, dorthin, wo er ist, nämlich

im Himmel – also im Menschen.«

Die Arznei

»Niemand sieht die Arznei; was die Zähne kauen, ist nicht die

Arznei. Die Arznei ist nicht Stoff, sondern Kraft.«

Viel Fleiß ist nötig…

»Wo ist das Werk, dessen sich die Autoren rühmen können, dass

es aus der Kunst entspringe? Darum richtet ihr erdichtete Künste

auf, reine Phantasiewerke, die dann die Arbeit des Dichtens und

viel Fleiß brauchen. Denn hundertmal mehr Fleiß gehört dazu,

einen Arzt zu fingieren, als ein wirklicher Arzt zu sein. Also befinden

sie sich gleichsam auf einer falschen Waage, die mit besonders

großem Fleiße instand gehalten werden muss, da sonst der Betrug

offenbar wird. – Im gleichen Sinn also wie Judas seid ihr auserwählt.

Denn so oft etwas Wahrhaftes aus dem heiligen Geiste entsteht,

so ist Ihm ein erwählter Widersacher entgegengesetzt.«

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Die Mysterien der Natur

»Wir wollen zuerst bedenken, was für den Menschen am nützlichsten

und edelsten ist, nämlich nur die Kenntnis der Mysterien

der Natur. Daraus wird ersehen, was Gott ist, was der Mensch ist,

was die Tätigkeit beider ist, die himmlische in der Ewigkeit der

Gottheit und die irdische in der Zerbrechlichkeit.

So halten wir die Vernunft, die nicht sichtlich auf den Mysterien

begründet ist, für nichts.«

Die Arznei – das Wort Gottes

»Mit solchen Gnaden hat uns Gott auf der Erde versehen, dass

wir zwei Arzneien haben, eine sichtbare und eine unsichtbare. Die

sichtbare ist die geschaffene, die unsichtbare ist das Wort Gottes.

Nun wisset, dass die Arznei nur von Gott ist und sein Wort ist.

Sein Wort hat die Arznei gemacht und geschaffen. Wer mit der

Arznei gesund wird, wird mit seinem Worte gesund. Wer sein Wort

verachtet, der verachtet die Arznei und umgekehrt, denn es ist der

gleiche Gott. Wer sagt, dass keine Arznei vorhanden sei oder helfe,

der sagt, dass kein Gott da ist.«

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Schmerz, dein Freund und Helfer

Oder auch: alles ist Homöopathie

1 Resonanzgesetz

Für jene, die sich mit Homöopathie befassen, ist es nichts Neues,

schon Paracelsus verwendete diese Worte: Ähnliches werde

durch Ähnliches geheilt, similia similibus curentur. Nehmen wir

als ein bekanntes Beispiel die Zwiebel. Schneiden wir, wofür auch

immer, eine Zwiebel, beginnen bald die Augen und dann die

Nase zu rinnen, und in der Homöopathie kennen wir die Zwiebel

als allium cepa beispielsweise zur Anwendung bei Fließschnupfen.

Ein anderes Beispiel ist der Tabak: Wer zurück an

seine erste Zigarette denkt, wird sich vermutlich auch der Übelkeit

erinnern, vielleicht auch des Schwindels, der einen, je nach

Empfindlichkeit, befallen kann. Nun, tabacum ist häufig angezeigt

bei Schwindel, Übelkeit, vor allem bei sommerlich-schwülem

Wetter, wenn, wie beim Rauchen auch, irgendwie wenig

Sauerstoff in der Luft ist. Und so ließen sich unzählige Beispiele

aus der Natur finden. Nicht umsonst sprechen wir auch von den

Signaturen, den Zeichen, die einen Hinweis geben, wozu eine

Substanz im Falle von Krankheit eingesetzt werden kann.

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Für den praktischen Gebrauch in der Homöopathie werden

die Arzneien in erster Linie durch die Arzneimittel-Prüfung

gefunden, wobei eine Arznei »am ruhigen Wasserspiegel der

Gesundheit zeigt, was sie verlässlich zu heilen imstande ist«, so der

Arzt Samuel Hahnemann (1755-1843, Begründer der Homöopathie

wie wir sie heute kennen). Der gesunde Mensch nimmt

einen vermuteten Arzneistoff, manchmal sind es auch giftige

Substanzen wie zum Beispiel Schlangengifte, beobachtet und

protokolliert, ob und welche Symptome bei ihm auftreten. Das

bedeutet, dass ausschließlich der einigermaßen, also normal gesunde

und wache Mensch mittels Selbstbeobachtung erfahren

kann, wozu dieser oder jener Stoff tauglich für Heilung ist. Es

handelt sich dabei auch um eine interessante Form der Bewusstwerdung,

des Verständnisses für die Zusammenhänge in der

Natur.

2 Selbsterkenntnis

Wir sind krank und wollen wieder genesen (na klar!) – was heilt?

Nicht das, was im Allgemeinen Arznei genannt wird. Wenn in

irgendeiner Form von Heilung gesprochen werden soll, egal

worum es geht, dann kann es sich ausschließlich um Selbstheilung

handeln, von außen gibt’s immer nur mehr oder weniger

sinnvolle Hilfen. Und so heilen natürlich die homöopathischen

Mittel auch nicht, es sind ja Arzneien, sondern sie unterstützen,

sie erleichtern die Selbstheilung. Durch das universelle Gesetz

der Ähnlichkeit verstehen die »ähnlichen« Arzneimittel gleichsam

die Erkrankung, helfen bei der Ausscheidung dessen, was

raus muss. Allerdings erleben wir tagtäglich, dass dies nicht so

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ist. Und nur zu oft verzweifeln, hadern wir mit unserem Schicksal,

weil nichts so läuft, wie wir’s eigentlich wollen. Für die Heilung,

wovon auch immer, müssen wir forschen, arbeiten, um

Ursachen sichtbar zu machen; wir werden unsere Lebensführung,

unsere Gewohnheiten, unser Denken hinterfragen, was es

eigentlich ist, das uns von der Gesundung abhält.

Ob es sich nun um körperliche Symptome oder seelische

Leiden handelt – nur wenn wir sie festhalten, um sie zu durchgründen

mit der Kraft der uns innewohnenden autonomen Bewusstheit,

werden wir die Felder unseres Lebens besser und

besser verstehen. Und durch Änderung unserer alten Sichtweisen,

unserer gewohnten Matrizen, können wir von innen her

genesen. Diese Prozesse der Selbst-Erkenntnis und das Übernehmen

von Verantwortung für uns und unsere Lebenskreise

sind der Schlüssel für eine fundamentale Genesung der Seele.

Das alles ist eigentlich Homöopathie. Durch Verständnis

machen wir uns ähnlich, Trennungen werden aufgehoben, die

Lebenskräfte führen zur Ausscheidung all dessen, was nicht

mehr gebraucht werden kann. Und jetzt dürfte es auch ganz

deutlich sein, warum wir Schmerz als Freund und Helfer sehen

können! Zusammengefasst: wahrnehmen, verstehen, annehmen,

besseres Verstehen. Letztlich ist die Lösung, die Auflösung selten

in unsere Hand gelegt, wir können sie bewusst und aufmerksam

geschehen lassen durch die Kräfte des Lebens.

3 Der Schmerz – ein Bote

Und jetzt, nach diesem Ausflug in die Prinzipien der Heilkunst,

fragt ihr euch vielleicht, was das mit dem Schmerz zu tun hat.

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Es ist immer dasselbe: wie oben, so unten; wie innen, so außen.

Schmerzen haben, wie alles eben, stets Ursachen. Dies zu erkennen,

sie ganz prinzipiell verstehen und so annehmen zu

können, um an ihnen zu arbeiten, wird auch den Schmerz lösen

helfen. – Chemische Schmerzmittel lähmen und unterdrücken,

sie in Ausnahmen zu nehmen, kann sinnvoll sein. Wir werden

aber in dieser Phase noch nicht von Heilung sprechen können,

und um die sollte es ja eigentlich gehen.

Alles, was auf uns zukommt, ist in irgendeiner Weise eine

Signatur unseres eigenen Lebens, so auch der Schmerz. Versuchen

wir, ihn als Boten zu verstehen, der eine Botschaft, eine

»Message« für uns hat, die aus unserem Lebensbuch entnommen

uns endlich erreichen will. Der Schmerz ist nicht die Botschaft,

er transportiert sie, als der Bote eben. Und wenn wir uns gegen

den Boten wehren, ihm Widerstand leisten, ihn knebeln, mundtot

machen, wegsperren in einen dunklen Winkel unseres

Kellers, bleibt die Botschaft ungehört, der Auftrag, den sie an

uns weiterreichen will, bleibt unerkannt. – Was vermutest du,

geschieht nun? Es steht zu klar vor uns, wir brauchen darüber

eigentlich nicht weiter reden. Eine weitere Frage wird auftauchen:

Wer hat die Botschaft verfasst und warum braucht es den

Boten, die Zufälle, die Ereignisse, oft genug unsere Leiden?

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