Zweizueins - Kunstpreis Preisverleihung 2016

castringiusstiftung

PREISVERLEIHUNG 2016


LIEBE KUNSTFREUNDE,

verfolgt man eine Vision nur entschieden genug, entwickelt

sie bald die Kraft zur Realisierung; so formte sich auch

„zwei:eins – Der Münchner Preis für Kunst“ aus einer Idee,

für die sich rasch engagierte Mitstreiter begeisterten. Dass

wir die Auszeichnung nun bereits zum zweiten Mal vergeben

konnten, freut mich daher ganz besonders.

Der Verdienst um den besonderen Charakter von „zwei:eins

– Der Münchner Preis für Kunst“ kommt zahlreichen engagierten

Akteuren aus dem Münchner Kunstleben zu. Namhafte

Repräsentanten von Museen, Galerien und Stiftungen

sowie Kulturschaffende fanden den Netzwerkgedanken

und demokratischen Prozess ebenso inspirierend wie ich

und haben ihn in der Folge mitgeprägt. In den vergangenen

zwei Jahren ist unser Netzwerk kontinuierlich gewachsen;

nicht zuletzt konnten wir kürzlich auch das Kulturreferat

der Stadt München gewinnen.

Von Medien, Institutionen und Künstlern wurde die Auszeichnung

bereits sehr gut aufgenommen. Darüber hinaus

beweist uns auch die Vielfalt und Relevanz der eingereichten

Projekte: Mit unserem Konzept haben wir den Puls der

Zeit getroffen. Dies macht uns sehr zuversichtlich, dass sich

„zwei:eins“ langfristig als Institution etabliert, die beispielhaft

weit über den Münchner Kulturbetrieb hinaus wirkt.

Ich danke insbesondere dem Co-Initiator und meinem langjährigen

Freund Martin Schütz, Vorstand der Stiftung Otto

Eckart und Vorsitzender von whiteBOX e.V., Karsten Schmitz,

Gründer und Vorstand der Stiftung Federkiel für zeitgenössische

Kunst und Kultur, der maßgeblich an der Entwicklung

dieses Preises mitgewirkt hat sowie allen Mitgliedern

unseres Netzwerks für ihr Engagement, ihren langen Atem

und für ihr Know-how, das sie so großzügig in unsere gemeinsame

Arbeit einbringen.

Ihr Frank Enzmann


DAS ZWEI:EINS-NETZWERK

zwei:eins wird von einem Netzwerk getragen, vergeben und begleitet.

SoNet – Soziales Netzwerk München e.V.,

als Stifter von zwei:eins

Castringius Stiftung,

vertreten durch Frank Enzmann

whiteBOX e.V. | Stiftung Otto Eckart,

vertreten durch Martin Schütz

Akademieverein, vertreten durch

Monika Renner und Dina Renninger

ARTMUC Kunstmesse,

vertreten durch Raiko Schwalbe

Akademie der Bildenden Künste München,

vertreten durch Prof. Dieter Rehm

Dörthe Bäumer, Künstlerin

ERES Stiftung, vertreten durch Dr. Sabine Adler

Kulturreferat der Landeshauptstadt München,

vertreten durch Dr. Daniela Rippl

Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung,

vertreten durch Oliver Kasparek

little ART, vertreten durch Elena Janker

Museum Villa Stuck, vertreten durch Michael

Buhrs und Roland Wenninger

Nusser und Baumgart,

vertreten durch Gregor Nusser

PIN – Freunde der Pinakothek der Moderne e.V.,

vertreten durch Katharina von Perfall

Platform, vertreten durch Dr. Elisabeth Hartung

Richard Stury Stiftung,

vertreten durch Dr. Helmut Hess

Städtische Galerie im Lenbachhaus

und Kunstbau, vertreten durch

Dr. Matthias Mühling

Stiftung Pinakothek der Moderne,

vertreten durch Anette Meister

Gotlind Timmermanns, Künstlerin

Münchner Stadtmuseum,

vertreten durch Dr. Ulrich Pohlmann

whiteBOX.art,

vertreten durch Dr. Martina Taubenberger


EIN INNOVATIVER KUNSTPREIS ETABLIERT SICH

„zwei:eins – Der Münchner Preis für Kunst“ ist so zukunftsweisend

wie inspirierend. Denn er führt vor, wie das Kulturleben

um innovative Ideen bereichert werden kann. 2016

wurden Künstlerinnen und Künstler bereits zum zweiten

Mal dazu aufgerufen, sich einem anderen Bereich – wie

etwa einer Wissenschaft – zu öffnen und interdisziplinär

ein Projekt zu realisieren. So stößt „zwei:eins“ Kooperationen

an, die fachliche Grenzen überwinden und einen neuen,

frischen Blickwinkel auf gesellschaftliche Strömungen

eröffnen. Da ist es nur konsequent, dass auch die Bewerbung

mittels einer Idee anhand einer Projektskizze erfolgt.

Ebenso unkonventionell verlief der Weg der Entwicklung

von „zwei:eins – Der Münchner Preis für Kunst“. Eine kleine

Runde um den leidenschaftlichen Kunstsammler, Stifter

und Netzwerker Frank Enzmann (Castringius Stiftung) und

Martin Schütz (whiteBOX e.V., Stiftung Otto Eckart) konnte

weitere namhafte Akteure der Münchner Kunst- und Kulturszene

für die Idee gewinnen, diesen innovativen Kunstpreis

in einem stetig wachsenden Netzwerk weiterzuentwickeln,

zu vergeben und zu begleiten.

Erste Preisträgerin war 2015 Judith Egger mit ihrem Projektpartner

Dieter Braun, Professor für Biophysik, mit

der Arbeit „Ursprung – eine Versuchsannäherung über

die Selbstorganisation der Materie des ersten Lebens“.

Aktuell ausgezeichnet wurde der Konzeptkünstler Axel

Dworsky mit Andreas Ruby, einem Pionier der Münchner

Parkour-Szene. In ihrem Kunstprojekt „Urban Trimm dich!“

erobern sie die Stadt als Frei-Turn-Raum für eine zunehmend

individualisierte Gesellschaft zurück.

Diese ersten Projekte beweisen durch ihre künstlerische

Qualität und gesellschaftliche Relevanz, dass sich das

Engagement aller Netzwerkmitglieder gelohnt hat. Das

Konzept der neu geschaffenen Auszeichnung ist weit über

München hinaus einmalig und besitzt die Kraft, sich über

die Jahre zu einer festen Größe zu entwickeln.


Der Preisträger Alexis Dworsky und sein Projektpartner Andreas Ruby

PREISTRÄGER 2016: ALEXIS DWORSKY MIT SEINEM PROJEKTPARTNER ANDREAS RUBY

URBAN TRIMM DICH!

Der städtische Raum wird zusehends kommerzialisiert und leblos. Doch

mitten in München entsteht jetzt ein frei zugänglicher Trimm-Dich-

Pfad. Hierfür werden aber keine Fitnessgeräte aufgestellt, sondern bestehende

Situationen radikal umgedeutet – über Mülleimer kann man

prima Bocksprünge machen und während die Ampel rot ist, heißt es

Hampelmann-Hüpfen. Schilder weisen auf zum Teil abstruse Übungen

hin. Das irritiert den Betrachter, setzt womöglich ein Nachdenken über

den öffentlichen Freiraum in Gang oder motiviert vielleicht tatsächlich

zu körperlichem Aktivismus.

Zur Olympiade 1972 in München erlebte die Trimm-Dich-Bewegung

ihren Höhepunkt: Überall in Deutschland, vor allem in Naherholungsgebieten

und nahen Waldstücken, entstanden die gleichnamigen Pfade.

Dort waren die typischen naturnahen Sportgeräte aufgestellt, an denen

man sich entlanghangelte, über die man sprang oder sonst wie

trainierte – je fünfmal die Familienmenschen, je zehnmal die wahren

Sportler. Markant waren insbesondere die Übungsschilder im charakteristischen

Siebzigerjahre-Design. Die meisten Trimm-Dich-Pfade sind

mittlerweile verfallen.

Als Konzeptkünstler beschäftige ich mich seit Langem mit dem urbanen

Freiraum, etwa in meinem Projekt „Graffiti für Blinde“. Dabei arbeite

ich häufig interdisziplinär und kooperiere mit ganz unterschiedlichen

Personen. Und auch hier möchte ich mit einem Experten zusammenarbeiten,

der kein Bildender Künstler ist, mit Andreas Ruby aus München,

einem weithin bekannten Parkour-Artisten – bei dieser Disziplin blickt

man mit anderen Augen auf die Stadt, klettert athletisch auf Hauswände

und springt trickreich von Mauer zu Mauer.

Wer sich heute in Form bringen möchte, der geht ins Fitnessstudio,

vollklimatisiert, 79,90 Euro im Monat. In unseren Städten wird es zunehmend

öde. Geschäfte wandern in Shopping Malls auf der Grünen Wiese.

Sogar Trendsportarten, die ursprünglich mitten in der Stadt ausgeübt

wurden, etwa das Skateboardfahren, sind jetzt ins Exil in Hallen und an

spezielle Plätze verbannt. Aber: Wir sind zurück und trimmen uns jetzt

mittendrin!

Auszug aus der Bewerbung


LAUDATIO

Ohne genau zu wissen oder eingrenzen zu wollen, was man unter interdisziplinärer

Kunst verstehen kann, braucht es sicher einen ergebnisoffenen Austausch

zwischen neugierigen Menschen dazu. Es geht dabei nicht um eine Selbstversorgung

in „fremdem“ Gebiet oder eine Kombination von Lösungsansätzen aus

unterschiedlichen Teilgebieten, sondern um gemeinsam entwickelte Verständigungsprozesse,

idealerweise so, dass alle Beteiligten von- und miteinander lernen.

Solche Recherche- und Entwicklungsprozesse sind daher teambasiert und unkonventionell:

Kollaboration in der Kunst ist antiautoritär, emanzipatorisch, experimentell.

Antiautoritär, weil mit dem kollaborativen Produktionsbegriff das

Genieprinzip oder das antiquierte Künstler-Meister-Verständnis infrage gestellt

wird, von daher sind solche Projekte auch anti-ideologisch und antirassistisch.

Emanzipatorisch sind sie grundsätzlich, weil solche Projekte als Top-Down-Systeme

nie funktionieren, sondern als Bottom-up Prozesse wachsen können müssen

und deshalb sind sie es auch im Rollenverständnis, in Themen- und Motivfragen

und nicht zuletzt in ökonomischer Hinsicht. Und experimentell sind sie, weil jedes

interdisziplinäre Projekt eine neue und einmalige Entwicklungschance darstellt.

Kollaborative künstlerische Prozesse sind kritisch in Bezug auf das Verfahren

selber, die Fragestellung und das Team. So sind es immer auch soziale Prozesse

und ihre Vermittlung beinhaltet daher strategische Überlegungen, die über den

klassischen Präsentationskontext von Kunst (white cube etc.) hinausgehen und

in öffentliche Bereiche tendieren. Da solche Projekte nicht von einem medialen

oder sonst wie formal festgelegten Produktionsziel ausgehen, sondern aus der

Untersuchung von Phänomenen und Zusammenhängen entstehen, wird der interdisziplinäre

Prozess selbst zur plastischen Masse und zum kreativen Kapital.

Das Gestaltungsmaterial entsteht aus der Nutzung der vielfältigen Relationen,

die sich durch die kollaborativen Recherchen und Entwicklungen herausstellen

oder die neu interpretiert werden. Die soziale Einmischung ermöglicht außerdem

eine neue künstlerische Positionierung des künstlerischen Aktes. Befreit

von ökonomischem Zwang, schafft er Zugang auch zu einem Publikum, das

nicht mit Kunst rechnet. Die Bereicherung findet daher oft im unerwarteten

Rahmen statt und setzt Energien frei, die man nicht kaufen kann. Damit steht

diese Form interdisziplinärer Kunst in der Tradition von Aktionskunst, Fluxus und

Happening oder Cultural Hacking und anderer Verfahren, die durch Verfremdung

und Irritation Aufmerksamkeit erzeugen.

Mit seinen Vorstudien als Landschaftsarchitekt überblickt Alexis Dworsky als

Künstler und Kunstpädagoge mit kulturanthropologischen Qualifikationen ein

komplexes Gebiet, das aus sehr unterschiedlichen Teilgebieten besteht, und orientiert

sich darin als gewiefter Scout und Selbstdarsteller. Das Profil trägt eine

Reihe unterschiedlicher, auch widersprüchlicher Züge wie die eines Spielers

und Empirikers, eines Forensikers und Ästheten, eines Naturkundlers, Ökoaktivisten

und eines Clowns. Geprägt ist es aber in erster Linie durch Neugier auf

jugend- und popkulturelle Phänomene und die Fähigkeit, aus unterschiedlichsten

Quellen und kulturellen Forschungsfeldern zu schöpfen. Dazu kommt eine

Cleverness, die Potenziale verschiedenster Methoden durch präzisen Ausdruck

zu verbinden und nachhaltig zu vermitteln.

Ein typischer Ansatz für diese Art von Kunstbegriff ist in dem Projekt „Mit Google

Street View um die Welt reisen“ erkennbar: In einer crossmedialen Vortragsperformance

nimmt er das Publikum auf eine Zimmerreise rund um den Globus

mit, bei der sich mediale Konstruktionen mit lokalen Realitäten und Dienstleistungen

aus dem Internet vermischen. Mit Clicks und Tricks pendelt er zwischen

Kontexten und Kontinenten, ohne sich weit vom Computer zu entfernen. Auch

das Projekt „In World of Warcraft auf Wanderschaft“ ist eine Mockumentary-Performance,

die in ähnlicher Weise zwischen den parallelen Realitäten von Onlinespiel

und Tourismus springt. Die Erzählung baut auf Videos, in denen er Episoden

aus der populären Fantasy an Originalschauplätzen nachspielt und kommen-

tiert. Beispielsweise in Venedig, wo er mit einer Dreifachrolle als Protagonist,

Ego-Shooter und Familienvater zusammen mit Sohn, Kamera und

Spielzeugwaffen auf reale Carabinieri trifft.

Neben dem transmedialen Aspekt seiner Erzählungen spielt die Realitätswahrnehmung

aus verschiedenen Perspektiven und physiologischen Rezeptionen

eine zentrale Rolle in seiner künstlerischen Arbeit. Phänomene

werden hinterfragt und als Möglichkeitsformen aufgefasst, die durch spekulative

Übersetzungen in ein anderes Licht gestellt werden können. Im

Rahmen der Veranstaltungsreihe „Was geht? Kunst und Inklusion“, die das

Kulturreferat der Stadt München 2015 initiiert hatte, entwickelte er einen

künstlerischen Empathieansatz für den Dialog zwischen Sehenden und

Blinden. Mit „Graffiti für Blinde“ übersetzt er nicht nur Sprayer-Tags in Braillezeichen,

sondern montiert sie direkt auf die besprühte Wand. In einigen

Veranstaltungen erhielten solche mit Blindenschrift markierten Sprüche

und Zeichen durch Sound-Interpretationen des Musikproduzenten Sepalot

zusätzlich ein synoptisches Echo.

Dworsky wird nun mit seinem neuesten Projekt „Urban Trimm Dich!“ mit

dem interdisziplinären Kunstpreis „zwei:eins“ prämiert. Hier versucht

der Künstler gemeinsam mit dem Parkour-Sportler Andreas Ruby den

aktionistischen Spagat zwischen Trendsport und Volkskunst, indem er

den Turnübungs-Kontext vom Erholungsgelände in den öffentlichen Citybereich

verlagert. Im urbanen Umfeld erhalten die Anweisungstafeln für

Leibesübungen subversiven Charakter, denn sie animieren nicht nur zu akrobatischen

Umnutzungen raumgestalterischer Anlagen, sondern fordern

allgemein zu einem „Hacking the City“ auf.

Res Ingold, Professor für interdisziplinäre Projekte im Studiengang

Kunstpädagogik an der Akademie der Bildenden Künste München


ÜBER ALEXIS DWORSKY

Alexis Dworsky, geboren 1976, ist Konzeptkünstler. Nach seinem Studium

an der Akademie der Bildenden Künste bei Res Ingold hat Dworsky bei Bazon

Brock über die Kulturgeschichte des Dinosauriers promoviert. Dworsky

ist freischaffend als Künstler sowie als künstlerischer Mitarbeiter an der

Münchner Kunstakademie tätig. Er lebt und arbeitet in Freising, München

und im Unterwegs.

Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Diese Frage zieht sich wie ein roter Faden

durch Alexis Dworskys ganz unterschiedlich ausgeprägte Arbeiten. Das

Interesse an der Wahrnehmung unserer Welt und deren Befragung mit

künstlerischen Mitteln steht dabei im Zentrum seines Schaffens.

Hierfür zieht es Dworsky immer wieder hinaus in den urbanen Freiraum. So

untersucht er in seiner Arbeit „Graffiti für Blinde“ (seit 2015), wie Menschen,

die nicht sehen können, die Stadt wahrnehmen. Graffitis übersetzt er dann

in die Braille-Schrift, die sogenannte Blindenschrift – in Originalgröße!

Auch in seinem aktuellen Projekt „Urban Trimm Dich“ beschäftigt sich

Dworsky mit unserer Wahrnehmung der Stadt. Wie lassen sich bestehende

Situationen neu sehen und nutzen, wenn man sie plötzlich als Sportgeräte

versteht?

Preise und Stipendien (Auswahl)

2016 „zwei:eins – Der Münchner Preis für Kunst“

2015 Projekt- und Katalogförderung, Bezirk Oberbayern,

LfA Förderbank Bayern, Erwin und Gisela von Steiner Stiftung

2012 Projektstipendium „Junge Kunst/Neue Medien“,

Kulturreferat der Landeshauptstadt München

2010 Europäisches Kunststipendium Oberbayern,

Artist in Residence im Baskenland

2007–2010 Promotionsstipendium der Andrea von Braun Stiftung

www.alexisdworsky.de

www.urban-trimm-dich.de

Aktionen, Ausstellungen und Veröffentlichungen (Auswahl)

2016 „Urban Trimm Dich!“, Interventionen im öffentlichen Freiraum, in Kooperation mit dem

Parkour-Sportler Andreas Ruby

2016 „Die ersten Jahre der Professionalität“, Galerie der Künstler, München

2015 „Graffiti für Blinde“, Interventionsreihe im urbanen Freiraum, München, Sarajevo und

anderswo; im Rahmen von „Kunst und Inklusion“

2015 „Flimmern“, Versuchsanordnung zur menschlichen Echo-Ortung in der Galerie Bezirk

Oberbayern, München

2015 „Weiße Kaninchen, rote Pillen“, Künstlerkatalog, Kerber Verlag, Bielefeld

2012 „Mit Google Street View um die Welt reisen“, crossmediale Vortragsperformance, unter

anderem im Gasteig, München, in der Shedhalle, Tübingen, und an der Newcastle

University, England

2011 „Science meets Dharma“, Symposium mit tibetischen Mönchen, westlichen Naturwissenschaftlern

... und mir, Dalai Lama Institute of Higher Education, Bangalore, Indien

2011 „Dinosaurier! Die Kulturgeschichte“, Buch im Wilhelm Fink Verlag, Paderborn

2011 „Urbane Satelliten“, Installationsreihe im öffentlichen Freiraum, Ausstellung im Sala

Amárica in Vitoria-Gasteiz, Baskenland

2008 Vortragsperformance zur Gala „Von Nagel zu Nagel“ in der Kunst- und Ausstellungshalle

der Bundesrepublik Deutschland, Bonn

2001 „Naturdetektor“, Intervention im Abstandsgrün mit High-Tech-Placebos, Bern, Schweiz


ÜBER ANDREAS RUBY

Andreas Ruby, geboren 1985, lebt in München und ist freiberuflich als Trainer,

Sportlehrer, Referent und Event/Show-Organisator im Bereich Parkour

tätig.

Im Alter von 10 bis 14 Jahren erzielte er kleinere Erfolge als Leistungsturner.

Anschließend widmete er sich voll und ganz den modernen Bewegungskünsten:

Den Anfang machte ein intensives Breakdance-Training, später

ergänzt durch Parkour, Freerunning und Tricking sowie durch Capoeira und

Slacklining-Training. Seit seinem 20. Lebensjahr widmet er sich der Freestyle-

Akrobatik. Zugleich verbesserte er sich im Wasser- und Trampolin-Springen

auf ein höchstes Niveau. In den Bereichen Parkour und Freerunning ist er

einer der Pioniere im deutschsprachigen Raum.

Ruby ist Gründungsmitglied und Vorsitzender von FAM München e.V.; FAM

steht für Free Arts of Movement (engl. „Freie Bewegungskünste“). Der Verein

wurde 2008 von einer Gruppe aktiver Sportler gegründet, die eine Plattform

für mehrere Trendsportarten schaffen wollten. Im Vordergrund stehen freie

Bewegung und Körperkontrolle und nicht Geräte und Hilfsmittel. So leben

bei FAM München e.V. unter einem Dach Parkour/Freerunning (Freestyle),

Trampolin, Walltrampolin, Tricking, X-Diving (Freestyle Wasserspringen),

Capoeira, Breakdance, Slacklining. Die einzelnen Sportarten/Bewegungskünste

werden im Training oft separat geübt; sehr gerne werden aber auch

Elemente aus verschiedenen Disziplinen zusammengefügt.

www.rubymove.com


PRESSESCHAU

Süddeutsche Zeitung

15.11.2016

Städtisches Turnen

Der Konzeptkünstler Alexis Dworsky und der Parkour-Sportler Andreas Ruby werden für ihr „Urban Trimm Dich!“-Projekt

ausgezeichnet.

Tatsächlich steht die endgültige Form von „Urban Trimm

Dich!“ noch nicht fest. „Es könnte ein richtiger Trimm-Dich-

Pfad werden“, sagt Alexis Dworsky, „eine Trimm-Dich-App

oder ein Trimm-Dich-Tutorial auf YouTube“. Kontrovers im

Sinne eines sportlich-künstlerischen Vandalismus‘ soll das

Projekt, zu dem mit urban-trimm-dich.de immerhin schon

eine Website existiert, aber nicht unbedingt werden. Vielmehr

geht es Andreas Ruby als Parkour-Sportler darum, im

Bereits bei der ersten Übung „Kletter Max“ gibt es die erste

kleine Kontroverse. Denn kurz nachdem Parkour-Sportler städtischen Raum sein „Grundrecht auf Bewegung“ auszuüben.

Und für Alexis Dworsky soll das Turnen im Stadtraum

Andreas Ruby am Montagmorgen einen der beiden Felsen

neben dem Portal der Asamkirche erklommen hat, um dort Anlass dafür sein, dass man die städtische Umgebung aus

oben ein paar sportliche Posen auszuprobieren, tritt ein Aufseher

aus der Kirchentüre, zusammen mit einer weiblichen wie es Ruby mit großem Schwung am Rand des Sendlin-

neuen, ungewohnten Perspektiven sieht. Etwa indem man,

Begleitung. Die Frau: „Ich habe dem Herrn von der Aufsicht ger-Tor-Platzes demonstriert, von Poller zu Poller springt.

bereits gesagt, dass ich nicht gut finde, was Sie hier tun.“ Oder, auch diese Übung haben sich Dworsky und Ruby ausgedacht:

indem man gemeinsam vor einem AfD-Plakat die

Was Ruby tut? Zusammen mit dem Konzeptkünstler Alexis

Dworsky das Projekt „Urban Trimm Dich!“ demonstrieren, Nackenmuskeln lockert.

oder eher: einen ersten Eindruck davon vermitteln, wie das

Projekt, das an diesem Donnerstag in der Whitebox mit dem Das sportliche Hin und Her des Kopfes könnte hier oder alternativ

auch vor einer Pegida-Demo eine politische Dimen-

„zwei:eins“-Kunstpreis ausgezeichnet wird, am Ende vielleicht

ausschaut.

sion erhalten. So hat das jedenfalls laut Frank Enzmann auch

die 21-köpfige Jury des „zwei:eins“-Preises gesehen und das

Team Dworsky & Ruby deshalb und wegen der sozialen

Bezüge ihres Projekts gegenüber immerhin 20 Konkurrenten-Teams

bevorzugt. Enzmann ist Vorsitzender der sozialen

Castringius-Stiftung, die wiederum das 20 Stiftungen umfassende

Soziale Netzwerk München (SoNet) repräsentiert,

welches das „zwei:eins“-Preisgeld in Höhe von 12.000 Euro

stiftet. Enzmann hat den Preis auch maßgeblich initiiert, hat

das „zwei:eins“-Netzwerk mit gegründet, das neben weiteren

Stiftungsvertretern aus Kuratoren, Galeristen und Künstlern

aus München besteht. Diese stammen unter anderem

vom Stadtmuseum, der Pinakothek der Moderne, dem

Lenbachhaus oder der Villa Stuck, von der Akademie der Bildenden

Künste oder der Galerie Nusser und Baumgart. Was

sich insgesamt fast wie ein Who is Who der Kunstszene liest.

Die aktuell 21 Netzwerk-Mitglieder haben zusammen nicht

nur den Preis und sein Vergabeverfahren entworfen, sondern

sie durften jeweils auch einen Künstler oder eine

Künstlerin als Wettbewerbsteilnehmer vorschlagen. Bedingung

dafür war, dass die Bewerber eine interdisziplinäre

Projekt-Idee entwickeln und der Jury einen geeigneten Kooperationspartner

dafür vorschlagen. Bei Judith Egger, die

im vergangenen Jahr den ersten Preis gewonnen hat, war

das der System-Biophysiker Dieter Braun, mit dem sie noch

bis März ihr Gewinner-Projekt realisiert.

Auch Alexis Dworsky und Andreas Ruby können sich für „Urban

Trimm Dich!“ Zeit lassen, 18 Monate sind für die Realisierung

eingeplant. Und dass man sie bereits jetzt nur für die

Idee zu diesem Projekt prämiert, das findet Dworsky, der an

der Münchner Akademie Kunst studiert und bei Bazon Brock

über die Kulturgeschichte des Dinosauriers promoviert hat,

dann doch recht ungewöhnlich. Tatsächlich werden die

meisten der aktuell über 50 Münchner Kunstpreise eher für

bereits fertige Werke oder alternativ für das Lebenswerk

eines Künstlers verliehen.

Auf die Idee für „Urban Trimm Dich!“ sei er, sagt Dworsky,

durch zwei frühere Arbeiten gekommen, in denen er sich

mit dem Thema Blind-Sein künstlerisch beschäftigt habe.

Und dabei konkret mit der Frage, wie Menschen mit einer

Sehbehinderung den städtischen Raum wahrnehmen. Auch

für sie ist die Stadt eine Art Hindernis-Parcours, den sie auf

ihre Weise täglich meistern. Ein Parcours, der ansonsten

zunehmend kommerzialisiert und öde wird, weil sich das

soziale Leben, und dazu gehört eben auch der Sport, immer

mehr von außen nach innen verlagert. Auch gegen diese

Verödung wollen Dworsky und Ruby angehen. Mal sehen, ob

ihnen das mit dem Motto „Wir sind zurück und trimmen uns

jetzt mittendrin!“ gelingt.

Von Jürgen Moises

Abendzeitung

6.11.2016

Münchner Preis für Kunst

Wenn die Laterne

zur Poledance-Stange wird

Dem Konzeptkünstler Alexis Dworsky wird der

Münchner Preis für Kunst verliehen.

Wie lassen sich bestehende Situationen neu sehen und

nutzen, wenn man sie plötzlich als Sportgeräte versteht?

Mit dieser Frage hat sich der Konzeptkünstler Alexis

Dworsky in seinem Projekt „Urban Trimm Dich!“ auseinandergesetzt

– und da wird für Parkour-Sportler Andreas

Ruby schon mal eine Laterne zur Poledance-Stange.

Dafür bekommt Dworsky am Donnerstag den Münchner

Preis für Kunst verliehen.


Hallo München

mucbook

„Unser Ziel ist es, dass die Münchner durch das Projekt ihre

„Mit ihrem „Urban Trimm Dich!“-Projekt wollen die beiden

Augen öffnen und die Wahrnehmung für ihre Umgebung

dazu anregen, den urbanen Raum aus einem anderen Blick-

und die Stadt wieder schärfen“, so Dworsky. „Sie sollen die

winkel wahrzunehmen und die Stadt neu zu entdecken.

Stadt aus einem anderen Blickwinkel sehen.“ Andreas Ruby

„Andere Sachen machen als die, die man machen soll oder

ist bereits seit 2005 Parkour-Sportler und Freerunner. Er ist

machen darf. Das geht ganz einfach, mitten in der Stadt“,

für den praktischen Teil des Projekts verantwortlich und

sagt Dworsky. Parkour-Übungen gibt es schon in der Stadt,

versucht die künstlerischen Ideen von Dworsky in die Tat

sie müssen nur erkannt und genutzt werden.“

umzusetzen.

Die Stiftung

ganz-muenchen.de

„Zwei Disziplinen, eine Idee – „zwei:eins – Der Münchner

„Der mit 12.000 Euro dotierte „zwei:eins – Der Münch-

Preis für Kunst“. Im Rahmen eines Pressegesprächs am

ner Preis für Kunst“ geht 2016 an den Künstler Alexis

Montag, den 14. November 2016, haben die Preisträger mit

Dworsky und seinen Projektpartner Andreas Ruby, Trendund

Actionsportler sowie Pionier der Münchner Parkour-Szene.

Ausgezeichnet werden sie für ihre Projektskizze „Urban

Trimm Dich!“.“

muenchenarchitektur

„Der Münchner Konzeptkünstler Alexis Dworsky kooperiert

mit Parkour-Sportler Andreas Ruby, um mit dem Projekt „Urban

Trimm Dich!“ die Wahrnehmung des urbanen Raums zu

verändern. Das von Interaktion geprägte Konzept lädt ein,

die Stadt aus neuen Blickwinkeln zu entdecken und durch

Irritationen im gewohnten Umfeld zur Reflexion über alltägliche

Handlungen und Gegebenheiten anzuregen.“

Interventionen in der Sendlinger Straße ihre Projektskizze

„Urban Trimm Dich!“ vorgestellt. Im zweiten Jahr seines

Bestehens zeichnet die Jury von „zwei:eins – Der Münchner

Preis für Kunst“ ein interdisziplinäres Projekt aus, das die

künstlerischen Gattungen Performance und Sport mit Interventionen

im öffentlichen Raum vereint. Der Münchner Konzeptkünstler

Alexis Dworsky kooperiert mit Parkour-Sportler

Andreas Ruby, um mit dem Projekt „Urban Trimm Dich!“ die

Wahrnehmung des urbanen Raums zu verändern.“

IMPRESSUM

zwei:eins – Der Münchner Preis für Kunst

vertreten durch Frank Enzmann und Martin Schulz

c/o SoNet – Soziales Netzwerk München e.V.

Ruffiniallee 4, 82152 Planegg

Tel. +49 160 972 252 66

Wir danken Frau Dr. Taubenberger und ihrem Team

für die Zurverfügungstellung der whiteBOX und die

Unterstützung bei der Preisverleihung.

Konzept und Redaktion: Sofie Langmeier; www.langmeiers.de

Grafik: Debüser & Bee; www.debueser-bee.de

Logo: Ulrike von Dewitz; www.ulrikevondewitz.com

Foto Umschlagseite: Alexis Dworsky; www.alexisdworsky.de

Fotos Seite 19 (obere Reihe links und Mitte) und Seite 20: Simon Frey

Alle anderen Fotos: Michael McKee; www.michaelmckee.de

Texte Seite 3, 6: Marion Vorbeck

Soweit auf den weiteren Seiten keine Autoren angegeben sind, handelt es sich um Auszüge

aus der Bewerbung.

Presseschau: Wir danken den Redaktionen sehr herzlich, dass wird diese Texte übernehmen

durften.


www.zweizueins-kunstpreis.de

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