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KVH Journal 06/2017

SELBSTVERWALTUNG VON DR.

SELBSTVERWALTUNG VON DR. SVEN-HOLGER KÜHN Versammlung des Kreises 19 Warum Stadtteil-Betrachtungen die Versorgungsrealität nur unzureichend abbilden Zu unserer ersten Versammlung der neuen Amtsperiode konnte ich im Konferenzraum des Bergedorfer Krankenhauses Bethesda erneut etwa 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer begrüßen. Bemerkenswert ist, dass unser Kreis mit sechs Vertretern, die auch vollständig erschienen waren, in der nur 30-köpfigen Vertreterversammlung der KV Hamburg repräsentiert wird. Wie bei unseren Treffen der letzten Jahre versuche ich jeweils einen Vortragenden aus der KV sowie ein Mitglied aus unserem Kreis für ein Referat zu gewinnen. Unsere Versammlungen sind stets als Fortbildung durch die Ärztekammer mit drei Punkten anerkannt. Wer in den vergangenen Monaten regelmäßig die Bergedorfer Zeitung gelesen hat, dem sind immer wieder Artikel aufgefallen, in denen die Region Bergedorf als unterversorgt dargestellt wurde: Ärzte verabschieden sich in den Ruhestand, doch ihre Praxissitze werden von Klinik-MVZ aufgekauft und nach einer Weile in andere Stadtteile verlagert. Zu unserer Kreisversammlung am 18. April 2017 hatte ich mit dem Leiter der Pressestelle, Dr. Jochen Kriens, deshalb einen Vertreter der KV Hamburg eingeladen. Er diskutierte mit uns über die Auseinandersetzung der KV Hamburg mit der lokalen Forderung nach mehr Ärzten in Bergedorf. Dr. Kriens betonte, dass die KV Hamburg den Bedarfsplanungsvorgaben des Gemeinsamen Bundesausschusses folgen muss und nicht eigenständig über die Vergabe von Sitzen entscheiden kann. Außerdem verwies er auf eine Entfernungsanalyse, welche die KV Hamburg zusammen mit dem Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung (ZI) im November 2014 vorgestellt hatte. Diese Analyse zeigte, dass Patienten nicht zwingend an ihrem Wohnort zum Arzt gehen, sondern häufig auch in der Nähe ihres Arbeitsortes beziehungsweise in anderen Gegenden, in denen sie sich regelmäßig aufhalten. Die Darstellung von Bergedorf als unterversorgtem Stadtteil bezeichnete der Pressesprecher daher als zu plakativ. Mit dieser Darstellung mochten sich die anwesenden Kolleginnen und Kollegen allerdings nicht so einfach zufriedengeben. Schließlich versorgen wir alle in Bergedorf nicht nur Patienten aus dem Hamburger Stadtgebiet, sondern auch aus dem Umland, sprich: aus dem angrenzenden Schleswig- Holstein, aber auch aus Niedersachsen. Diese Patientenströme tauchen in der Bedarfsplanung allerdings nur unzureichend auf. Wie so oft, ging es letztlich natürlich im Wesentlichen darum, dass wir Ärzte für einen großen Teil unserer Arbeit kein Honorar erhalten und dass darüber hinaus kein Geld für zusätzliche Ärzte in Sichtweite ist. Verantwortlich für diese Misere ist – wie wir alle wissen – allerdings nicht die KV, sondern die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die eine strikte Budgetierung vorsehen. Spontan meldete sich mit einem Kurzvortrag der orthopädische Kollege Dr. Matthias Soyka. Er stellte sein Anfang Mai erschienenes Buch vor, das für 16,99 Euro über den lokalen Buchhandel oder online über www.bod.de/buchshop erhältlich ist. Es heißt „Wahnsinn Wartezeit – Hintergründe und Perspektiven von Wartezeiten im Gesundheitswesen“ und behandelt Klischees und Mythen zum Thema Wartezeit, aber auch Bürokratiebelastung, Ärztemangel und übermäßige Nachfrage als Ursache für Wartezeiten im Gesundheitswesen. Anschließend wurde in einer wie angekündigt geheimen Wahl die Hamburger Allgemeinärztin Dr. Silke Lüder, vielen auch bekannt als stellvertretende Bundesvorsitzende der Freien Ärzteschaft e. V., einstimmig zur stellvertretenden Kreisobfrau gewählt. Als zweite Rednerin des Abends referierte Frau Dr. Lüder darüber, dass die Krankenkassen maximales Interesse an Diagnosen haben, mit deren Hilfe sie mehr Geld aus dem Gesundheitsfonds zugeteilt bekommen. Aufgrund ihrer Versichertenstruktur habe die AOK kurz 28 | KVH-JOURNAL 6/2017

SELBSTVERWALTUNG Kreis 19 nach Inkrafttreten des Morbi-RSA rund eine Milliarde mehr Beitragsgelder erhalten, was bei anderen Kassen natürlich Begehrlichkeiten weckte. Sie haben entsprechend in den letzten Jahren versucht, mit Selektivverträgen Druck in Richtung schwerwiegenderer Diagnosen auszuüben. Diese Praxis ist jetzt nach einer neuen Gesetzesänderung faktisch nicht mehr möglich. Die Praxisärzte sind seit 15 Jahren laut Sozialgesetz verpflichtet, differenziert zu codieren. Auch die Geldverteilung unter den KV-Regionen verläuft nach Diagnosecodes, ein System, welches nicht wirklich dafür geeignet ist, ärztliche Leistungsentwicklungen widerzuspiegeln. Die anwesenden Kolleginnen und Kollegen stimmten Dr. Lüder zu, dass die Bezahlung ärztlicher Leistungen nach tatsächlichem Aufwand statt nach Diagnosecodes deutlich sinnvoller sei. So eine Systemänderung könne aber nur durch die Politik erfolgen. Eine Kreisversammlung dient aber nicht nur dazu, Vorträge zu diskutieren, sondern ist auch eine gute Gelegenheit, rein praktische Anliegen zu erörtern. So wurde von hausärztlicher Seite gebeten, Überweisungen mehr Beachtung zu schenken. Aus den Reihen der Fachärzte war daraufhin zu hören, dass viele Hausärzte keine konkrete Fragestellung auf ihrer Überweisung vermerken und diese daher keinerlei Informationswert für den weiterbehandelnden Facharzt habe. In meiner Funktion als Obmann bin ich natürlich auch außerhalb der Kreisversammlungen für solche Probleme ansprechbar. Auf Grund meiner Arbeit in Gremien der KV ist es mir ebenfalls möglich, Kollegen bei Fragestellungen mit der KV vermittelnd weiterzuhelfen. Vielleicht gelingt es durch diesen Mix aus Fachvorträgen, Diskussionen und Gesprächen auch über Alltägliches, mehr Kolleginnen und Kollegen das Engagement in der ärztlichen Selbstverwaltung schmackhaft zu machen. In einer Zeit, in der der Medizinbetrieb durch an Klinikketten angegliederte MVZ und Angestelltenstrukturen immer unpersönlicher wird, kommt dem persönlichen Austausch umso mehr Bedeutung zu. Wir sollten nicht vergessen, dass Ärztinnen und Ärzte nicht nur für ihre Patienten da sein sollten, sondern auch füreinander. Dr. Sven-Holger Kühn Urologe in Bergedorf, Obmann des Kreises 19, Mitglied der Vertreterversammlung der KV Hamburg und 1. Vorsitzender der niedergelassenen Urologen in Hamburg Die Termine weiterer Kreisversammlungen finden Sie im Kalender auf Seite 34. 6/2017 KVH-JOURNAL | 29

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