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20 Im Blickpunkt

20 Im Blickpunkt diabeteszeitung · 2. Jahrgang · Nr. 5 · 23. Mai 2017 Noch alles im Normbereich oder schon statistisch auffällig? Foto: thinkstock Kodierfehler erkennen und beheben „ICDiab“ ermöglicht diabetologischen Schwerpunktpraxen ein Benchmarking DÜSSELDORF. Wegen zweifelhafter Bemühungen, die Kodierqualität der Vertragsärzte zu verbessern, sind die Krankenkassen in die Schlagzeilen geraten. Das Wissenschaftliche Institut der niedergelassenen Diabetologen (winDiab) bietet den diabetologischen Schwerpunktpraxen schon seit 2009 ein einwandfreies Werkzeug an, um Kodierfehler abzustellen. Mit Erfolg. Pro Quartal übermittelt eine diabetologische Schwerpunktpraxis zwischen 10 000 und 40 000 ICD-Kodes in einem standardisierten Datenformat zur Abrechnung an ihre Kassenärztliche Vereinigung. Diese Basis nutzt das Projekt „ICDiab“ für Praxisstatistiken. Ein auf dem Praxisrechner installiertes Controlling-Tool filtert die für die Diabetes therapie relevanten ICD-Kodes aus der Abrechnungsdatei heraus (Personenangaben werden anonymisiert) und übermittelt diese per E-Mail in verschlüsselter Form ans winDiab. Dort werden sie in eine Datenbank eingepflegt und gewertet. Die ICD-Kodes von aus- mittlerweile über 125 000 Patienten werden in (Co-) Morbiditätsprofile transferiert und den Praxen für Vergleiche mit dem Kollektiv und zur Fehlersuche zurückgespiegelt. Jedes Quartal nutzen gut 60 der 110 winDiab-Partnerpraxen das Angebot. Die Kassen sind an guter Kodierung interessiert „Es geht darum, die Qualität der Kodierung zu verbessern“, sagt der Kölner Diabetologe Dr. Dietmar Weber, der fürs winDiab die Daten der Praxen auswertet. Und das gelingt auch. Dr. Weber erinnert sich an die erste Analyse für seine Praxis. Die Statistik wies keine Patienten mit Hypertonie aus. Wurde diese Diagnose durchweg vergessen? Nein. Aber es waren statt gesicherter Diagnosen (E10.G) nur Verdachtsdiagnosen (E10.V) gespeichert worden – und das fiel in dem Programm sofort auf. Auch bei den Krankenkassen hat es sich herumgesprochen, dass winDiab-Praxen gut kodieren, berichtet Dr. Weber. Kein einziger Patient mit Adipositas – das kann nicht sein Für sie ist es aus finanziellen Gründen interessant, ob eine Retinopathie mit H36.0 – ohne Relevanz im morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich – oder mit E11.3- (Diabetes Typ 2 mit Augenkomplikationen) bzw. E11.7- (Typ 2 mit multiplen Komplikationen) kodiert wird. Die Quartalsauswertung bietet einer Praxis eine Gegenüberstellung der Anteile ihrer Diabetes-Patienten (Typ 1, Typ 2, Schwangerschaftsdiabetes) mit ausgewählten Erkrankungen (Nephropathie, pAVK, KHK, diabetisches Fußsyndrom etc.) zur Gesamtgruppe (Mittelwerte, Mediane). Weist die pdf-Datei, die das winDiab der Praxis etwa Mitte des Quartals für das Vorquartal zusendet, z.B. 0 % Patienten mit Adipositas aus, ist das auffällig. Der Arzt wird beim nächsten Mal genauer auf die Diagnoseverschlüsselung achten. Mit der Zeit pendeln sich die jeweiligen Kodierungen auf einen plausiblen »Auswertungen helfen auch bei Regressgefahr« Wert ein, den alle Praxen haben, berichtet Dr. Weber. Gleich auf der ersten Seite seiner Analyse weist das winDiab eine Praxis auf die Zahl der Patienten hin, bei denen vermutliche oder sichere Kodierungsfehler vorliegen, z.B.: • Patienten, bei denen gleichzeitig E10 (Typ 1) und E11 (Typ 2) kodiert wurde (ggf. liegt aber tatsächlich Doppeldiabetes vor) • E14-Kodierung (nicht näher bekannter Diabetes-Typ) • Patienten, die mit G63.2 (diabetische Polyneuropathie) und nicht mit E1x.4x oder E1x.7x kodiert wurden • Patienten, die mit N08.3 (diabetische Nephropathie) kodiert wurden und nicht mit E1x.2x oder E1x.7x • Patienten, bei denen I79.2 (pAVK bei Diabetes) oder I70.2x (pAVK) kodiert wurde und nicht E1x.5x oder E1x.7x Die Auswertungen helfen dem Arzt nicht nur beim richtigen Kodieren. Sie können auch in Regressverfahren eine Rolle spielen, indem sie eine diabetologische Praxisbesonderheit, z.B. mehr insulinpflichtige Diabetes- Patienten als die Vergleichsfach- gruppe (Hausärzte), belegen, erzählt Dr. Weber. Warum nicht alle Partnerpraxen das ICDiab nutzen, kann sich der Diabetologe allerdings auch nicht erklären. Schließlich ist der Service im Jahresbeitrag der Ärzte inklusive. Auch der Aufwand ist laut Dr. Weber überschaubar: eine Stunde für die Installation und pro Quartal eine Viertelstunde für die Datenumschreibung. Das Hauptproblem sei vielleicht, die Abrechnungsdatei für die KV im Praxisrechner zu finden, wenn diese in der „siebten Unterebene“ versteckt ist (auf Datei mit der Betriebsstättennummer und „.con“-Endung achten!). Jahresberichte liefern Vergleiche im Zeitablauf Das winDiab nutzt die ICD10-Auswertungen auch für seine wissenschaftlichen Betrachtungen. Wie viele neue Diabetes-Patienten kommen innerhalb eines Jahres in die Praxen? Wie hat sich von 2010 bis 2015 die Häufigkeit von Folgeerkrankungen wie Nephropathie, Retinopathie, Neuropathie usw. entwickelt? Die Antworten sind für jedermann im Jahresbericht 2016 auf der winDiab- Homepage nachzulesen. REI Beispiele einer „ICDiab“-Auswertung: Wie liegen die Patientenanteile der Praxis (rot) im Vergleich zum Kollektiv? Wie entwickeln sich die Patientenzahlen? Fotos: winDiab

diabeteszeitung · 2. Jahrgang · Nr. 5 · 23. Mai 2017 Im Blickpunkt 21 Diabetes und gefahrgeneigte Berufe Dienst an der Waffe, Feuerwehr, Maschinenbedienung – individuelles Risiko beurteilen NÜRNBERG. Es gibt Situationen, bei denen ist die Lage eindeutig: Wer sich für einen Job als Soldat bei der Bundeswehr bewirbt und bereits an Diabetes erkrankt ist, wird für untauglich erklärt und muss sich für einen anderen Berufsweg entscheiden. ruf nicht mehr erfüllen, muss er in Absprache mit seinem Arbeitgeber in den Innendienst oder eine andere Dienststelle versetzt werden. Hilfreich sei bei diesen Entscheidungen der „Leitfaden für Betriebsärzte zu Diabetes und Beruf“, der online auf der Internetseite der DGUV erhältlich ist. Schütt erinnerte daran, dass auch in solchen Fällen unbedingt die ärztliche Schweigepflicht zu wahren ist: „Sie gilt auch bei Patienten in »Schweigepflicht beachten« gefahrgeneigten Berufen. Der Diabetologe sollte Überzeugungsarbeit leisten und den Patienten aufklären, dass er sich mit seiner Diagnose dem Betriebsarzt vorstellen muss. Doch er darf nicht über den Kopf des Patienten hinweg den Betriebsarzt oder Arbeitgeber informieren.“ thie 10. Diabetes Herbsttagung Eine schwierige Kombination: Feuerwehrdienst und Diabetes. Foto: fotolia/wellphoto Schwieriger ist es bei Menschen, die zum Zeitpunkt ihrer Diagnose bereits mitten im Beruf stehen. Bei ihnen ist eine individuelle Gefahrenbeurteilung angezeigt, so der Sozialpädagoge und Diabetesberater Wolfgang Schütt aus Eckernförde; er berät Menschen mit Diabetes bei der Integration ihrer Erkrankung in den Arbeitsalltag. „Doch auch hier kann einen das Offenlegen einer chronischen Erkrankung den Job kosten.“ Wenn die Erkrankung den Beruf gefährdet Besonders schwierig sei es für Rettungskräfte, den Diabetes mit ihrem Beruf zu vereinbaren: „Was ist, wenn ein Polizist zu einer Einsatzfahrt mit Sonderrechten gerufen wird, er aber gerade vier Einheiten Insulin gespritzt hat? Ihm bleibt dann keine Zeit, schnell noch zu essen.“ Ähnlich schwierig kann es für Feuerwehrleute sein. So wäre es einem Diabetespatienten bei einem Einsatz im Vollschutz, also einem Ganzkörperschutzanzug, unmöglich, eine Hypoglykämie zu behandeln. „Er kann ja in einem brennenden Gebäude nicht einfach sein Visier hochklappen, um Traubenzucker zu sich zu nehmen“, erklärte Schütt. Kann ein Diabetespatient aufgrund seiner Erkrankung die gesundheitlichen Anforderungen an seinen Be- LANTUS ® GLÄNZT MIT MELDUNGS- SCHNIPSEL Im BMBF-Projekt „LAUF“, kurz für »Lasergestützter Aufbau von kundenindividueller Fußbekleidung«, arbeiten Forscher des Fraunhofer-Instituts gemeinsam mit Industriepartnern an der digitalen Herstellung von Einlegesohlen, die sich 3D ausdrucken lassen. In ca. zwei Jahren könnte die Software Orthopädietechnikern zur Verfügung stehen. Pressemitteilung Fraunhofer-Institut 1601_LAN_A–SADE.GLA.16.10.2469 WIRTSCHAFTLICHKEIT 100% Vertragsabdeckung mit GKVen* *Erstattung für 100% der GKV-Versicherten, durch Rabattverträge nach §130a Abs. 8 SGB V, gewährleistet. Lantus ® 100 Einheiten/ml Injektionslösung in einer Patrone · Lantus ® SoloStar ® 100 Einheiten/ml Injektionslösung in einem Fertigpen · Lantus ® 100 Einheiten/ml Injektionslösung in einer Durchstechflasche Wirkstoff: Insulin glargin. Verschreibungspflichtig. Zusammensetzung: 1ml enthält 100 Einheiten Insulin glargin (entsprechend 3,64mg). Sonstige Bestandteile: Zinkchlorid, m-Cresol, Glycerol, Salzsäure, Natriumhydroxid, Wasser für Injektionszwecke, (Durchstechflasche 10 ml: Polysorbat 20). Anwendungsgebiete: Zur Behandlung von Diabetes mellitus bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern im Alter von 2 Jahren und älter. Dosierung, Art und Dauer der Anwendung: Lantus ® enthält Insulin glargin, ein Insulinanalogon mit einer lang anhaltenden Wirkdauer. Lantus ® sollte einmal täglich zu einer beliebigen Zeit, jedoch jeden Tag zur gleichen Zeit, verabreicht werden. Dosierung und Zeitpunkt der Verabreichung von Lantus ® sollten individuell festgelegt werden. Bei Patienten mit Typ-2- Diabetes kann Lantus ® auch zusammen mit oralen Antidiabetika gegeben werden. Lantus ® wird subkutan verabreicht. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der sonstigen Bestandteile. Warnhinweise/Vorsichtsmaßnahmen: Nicht das Insulin der Wahl bei diabetischer Ketoazidose. Umstellung auf anderen Insulintyp/-marke/-ursprung nur unter strenger ärztlicher Überwachung. Bei Kombination mit Pioglitazon Herzinsuffizienz möglich, besonders bei Patienten mit Risikofaktoren. Bei Verschlechterung der kardialen Symptomatik Pioglitazon absetzen. Nebenwirkungen: Sehr häufig: Hypoglykämie. Häufig: Reaktionen an der Einstichstelle, Lipohypertrophie. Gelegentlich: Lipoatrophie. Selten: Allergische Reaktionen, Ödeme, Sehstörungen, Retinopathie. Sehr selten: Myalgie, Geschmacksstörung. Im Allgemeinen ist das Sicherheitsprofil bei Kindern und Jugendlichen (≤18 Jahre) ähnlich dem bei Erwachsenen. Gekürzte Angaben, vollständige Information siehe Fachinformation, die wir Ihnen auf Wunsch gern zur Verfügung stellen.Pharmazeutischer Unternehmer: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH,D-65926 Frankfurt am Main,Postanschrift: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Potsdamer Straße 8, 10785 Berlin. Stand: Juli 2015 (SADE.GLA.16.04.1166).

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