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Leo Juni 2017

4 MÜNCHEN FOTO: BERND

4 MÜNCHEN FOTO: BERND MÜLLER FOTO: DIETMAR HOLZAPFEL International Gay and Lesbian Travel Association Denkt man an Florida, fallen einem Miami, Key West oder Disneyland ein. Dabei wartet St. Petersburg am Golf von Mexiko mit den fantastischsten Stränden auf, die es auf der Erde gibt: weiß, sauber, hunderte Meter breit – unglaublich! Muss man dann dafür noch Werbung machen? Man will! Und so lud die mit 250.000 Einwohnern eher kleine Stadt die IGLTA (International Gay and Lesbian Travel Association), die größte Tourismus-Vereinigung der LGBT*-Welt, zur jährlichen Convention. Es kamen LGBT*-Vertreter der Reisebranche aus 37 Ländern, ein Rekord! Dietmar Holzapfel und Sepp Sattler vertraten wie jedes Jahr die Stadt München. Zum Auftakt lud die Stadt in ihr spektakuläres Dalì-Museum mit der weltweit Sichtbares Gedenken größten Sammlung des Malers Salvador Dalì. Die Central Avenue war natürlich rainbowbeflaggt und die drei LGBT* Council Members von St. Petersburg (von insgesamt acht) waren selbstverständlich anwesend. Während der viertägigen Convention wurden immer wieder kurze Filme von Städten aus der ganzen Welt gezeigt, die um LGBT*-Touristen buhlen. So wurde unter anderem Mariela Castro-Espín, eine Nichte des ehemaligen Staatschefs Fidel Castro, dafür geehrt, dass sie sich für diesen Nischenmarkt in Kuba einsetzt. Aber auch negative Themen wurden nicht ausgespart, ob „Trump-Effekt“ oder der Einfluss von Attentaten auf die Wahl von Reisezielen. Ergreifender Höhepunkt war Das Münchner Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Lesben und Schwulen wird am 27. Juni eingeweiht – endlich. Fast drei Jahre nach dem Beschluss des Stadtrats erhalten die Münchner Lesben und Schwulen ihr erstes eigenes Denkmal. Es erinnert an die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus und ist an der Ecke Dultstraße/Oberanger zu sehen. Am von der Künstlerin Ulla von Brandenburg gewählten Standort befand sich 1934 der „Schwarzfischer“ ein Schwulenlokal, das im Mittelpunkt der ersten großen Razzia am 20. Oktober 1934 stand, mit der die systematische Verfolgung Homosexueller durch Polizei, Gestapo und Justiz einsetzte. Die 43-jährige Künstlerin entwarf ein etwa 70 Quadratmeter großes Bodenmosaik, in dem unterschiedlich große Farbsteine in Form eines Winkels angeordnet sind, der sich um die Ecke des Gebäudes Oberanger/Dultstraße legt. Oberbürgermeister Dieter Reiter wird das Denkmal am 27. Juni im Rahmen einer feierlichen Eröffnungsveranstaltung in Anwesenheit der Künstlerin der Öffentlichkeit übergeben. Außerdem spricht der Initiator und „Vater“ des Projekts, Rosa- Liste- Stadtrat Thomas Niederbühl. Für die musikalische Umrahmung sorgt der Münchner Regenbogenchor. *bm 27.6., Dultstraße/Ecke Oberanger, 18 Uhr dabei die Rede der Besitzerin des PULSE in Orlando, Barbara Poma. In ihrem Klub wurden vor einem Jahr, am 12. Juni 2016, 49 LGBT*-Gäste erschossen und zahlreiche weitere verletzt. Tief betroffen erhoben sich alle Anwesenden nach ihrer Rede zu einer Schweigeminute. Mit einer Schiffsfahrt in den Sonnenuntergang und einer kulinarischen Abschlussparty endete die Tagung, wie immer finanziert vom Gastgeber des nächsten Jahres: Toronto (schon zum 2. Mal!). Sollte sich nicht auch Deutschland, Berlin oder auch noch einmal München, mal wieder als Reiseziel für LGBT*-Touristen weltweit in Erinnerung bringen? Die Convention 2001 in München war jedenfalls ein nachhaltiger Erfolg und könnte eine Auffrischung vertragen. *dh CSD IN AUGSBURG Volles Programm Münchens Nachbarn in Augsburg treiben’s bunt! Der Christopher Street Day dauert dort tatsächlich nicht nur einen Tag, sondern erstreckt sich vom 15. bis zum 19. Juni. Der CSD beginnt am Donnerstag mit einem Queer-Film-Abend im Kino LILIOM ab 19 Uhr. Am Freitag ab 21 Uhr heißt es dann: Die Kehlen warm singen bei der KaraOKI-Party in Oki’s Bar und Bistro. Eure trainierten Stimmen könnt ihr dann am Samstag ab 15 Uhr gut gebrauchen, bei der queerpolitischen Podiumsdiskussion im Zeughaus. Ab 23 Uhr folgt dann die Lovepop-Party CSD-Edition im Kesselhaus. Der CSD klingt schließlich bei Kaffee und Kuchen in der KArisMA Café Bar ab 15 Uhr gemütlich aus. Einen melancholischen Beigeschmack hat das diesjährige Programm jedoch auch: Viele vermissen schmerzlich die Parade und das Straßenfest am CSD, die seit einigen Jahren nicht mehr zustande gekommen sind. Wir als Münchner Nachbarn drücken die Daumen, dass auch Augsburg bald wieder einen „größeren“ CSD veranstalten kann. *jb

STADT 5 Eine Münchnerin für alle Münchner – INTERVIEW GEWALT Am 13. Mai ging ein Aufschrei durch die Münchner Szene. Wie Marcel Rohrlack 2015 wurde wieder ein Schwuler schwer verletzt. Wir sprachen mit Gregor, der zu Redaktionsschluss nicht sicher sein kann, ob die Nerven seiner Gesichtsmuskulatur vollständig wiederhergestellt werden können. Wie hat sich die Polizei verhalten? Ich wurde zuerst mal gefragt, ob ich was getrunken hätte. Es wurde dann auch ein Alkoholtest gemacht, bevor gefragt wurde, wie es mir geht. Die weitere Kommunikation läuft jetzt wohl über den Postweg, man hat sich aber am 16. Mai bei mir auch telefonisch gemeldet. Fühlst du dich sicher? Ich hab mir natürlich immer gesagt, mir passiert so was nicht. Ich bin jetzt auch nicht gerade jemand, der schwul auffällt. Heterolike nennt man das wohl. (lacht) Ich dachte auch, ich könnte mich wehren. Und obwohl ich schon viel gehört habe, dass die Stimmung schlechter ist im Glockenbach, Beleidigungen zunehmen, hab ich es einfach nicht ernst genommen. Ich würde jetzt nicht mehr Händchen haltend durchs Viertel laufen. Ich bin jetzt wirklich ängstlicher. Das ist schade. Deine Reaktion und Forderung? Ich lasse mich nicht vertreiben. Ich werde auch trotzdem weiter dort ausgehen. Die vielen positiven Kommentare und Besserungswünsche helfen und tun gut. Ich will aber auf jeden Fall die Politik und die Szene wachrütteln: Wacht auf. Da muss etwas passieren! Was genau, müssen die da oben entscheiden, aber so darf es nicht weitergehen. Ein Szenegeschäftsmann, der namentlich nicht genannt werden will, äußerte sich gegenüber Leo in ähnlicher Richtung. Gruppen junger Männer, vielfach mit mutmaßlichem Migrationshintergrund, würden im Glockenbackviertel regelmäßig verbal übergriffig und hätten schon mehrfach Regenbogenfahnen heruntergerissen. Die Stimmung sei angespannt. Die Fahndung: Drei Männer im Alter von 20 bis 30 Jahren, der Haupttäter wird als 1,80 Meter großer Mann mit blonden Haaren beschrieben. Er trug ein zurückgedrehtes schwarzes Basecap und eine dunkle dünne Jacke sowie dunkle Jeans. Die Männer sprachen Deutsch ohne Akzent. Hinweise nimmt die Polizei unter der Nummer 089 29100 entgegen. MANEO VORBILD FÜR DAS SUB? In Berlin wurde der jährliche Bericht des schwulen Antigewaltprojekts MANEO mit angestiegenen Fallzahlen veröffentlicht. Berlin gerät durch die daraus resultierende Berichterstattung in den Ruf, besonders homofeindlich zu sein. Aber ist das so? Berlin ist die einzige Stadt, in der die Polizei konsequent ausgebildet und sensibilisiert worden ist, und in der Verbrechen wegen Homo- und Trans*phobie gesondert statistisch erfasst werden. Auch deswegen werden sie hier besonders wahrgenommen. Bastian Finke, Leiter von MANEO: „Der Erfolg wird auch durch höhere Zahlen bei den Strafverfolgungsbehörden in Berlin sichtbar: Das Dunkelfeld wird kleiner, Berlin ist in dieser Hinsicht ein Vorbild.“ *Interview: Christian Knuth – so bunt wie das Leben. Münchner Bank eG Filiale Altstadt Sonnenstraße 19, 80331 München Telefon: 089 2128-6260 Filiale Schwabing Nordendstraße 64, 80801 München Telefon: 089 2128-5700 www.muenchner-bank.de kontakt@muenchner-bank.de