Aufrufe
vor 1 Jahr

DZM-Ausgabe Mai 2017

Das Monatsmagazin für die Region Uzwil und Flawil.

Mein Hobby + Ich Text

Mein Hobby + Ich Text Helen Landolt-Maier / Foto ZVG Mit Liebe geknüpft Bevor ich Lidia Funari zum Interview treffe, werfe ich einen Blick auf ihre homepage www.knotsandlovebylinsi.ch, um mir einen Eindruck über ihre kreative Arbeit zu verschaffen. Der stilvolle und überaus professionelle Auftritt ihrer Produkte sticht sofort ins Auge. Alle Armbänder sind wunderschön fotografiert, als blättere ich in einem Hochglanz-Magazin für Modeschmuck. Die Leidenschaft und die Liebe zum Handwerk sind visuell spürbar, und die trendigen Modelle lassen viel modisches Flair erahnen. dzm: Lidia, hast du eine kreative Ausbildung gemacht oder liegt dir dieses Gespür für Farben und Formen einfach in den Genen? LF: (lacht) Ich habe eine unkreative KV-Lehre auf der Gemeinde absolviert. Aber meine Mutter war Schneiderin und sie knüpfte mit der Makramee-Technik diese Deckenhänger für Blumentöpfe. Bei mir fing diese Leidenschaft mit ca. 20 Jahren an. Mich interessierte von Anfang an aber ausschliesslich das Knüpfen von Armbändern. Andere Sachen habe ich nie gemacht. Und wann hast du dich entschieden, deine Freizeitbeschäftigung in professionellere Bahnen zu lenken? LF: Im Sommer 2016 startete ich mit „knots & love by Linsi“. Im Vorfeld machte ich mir ein Konzept, wie ich genau mit meiner Idee starten möchte. Ich legte fest, dass ich ausschliesslich Armbänder knüpfe, dass jeder Armband-Typ einen Namen bekommt und dass ich via facebook und einer homepage verkaufe. Das hört sich jetzt relativ simpel an, ich spüre aber im Gespräch, dass Lidia sehr überlegt und mit einer ausgereiften Produktstrategie ihre kleine „Firma“ startete. Schon der Marken-Name „knots & love by Linsi“ war wohlüberlegt und das Logo war von Anfang an Teil der gesamten Geschäftsidee. Auf ihrer homepage beschreibt sie, dass der Begriff „knots“ für die spezielle Makramee-Knüpftechnik steht und „love“ für ihre Liebe und Leidenschaft, die sie in jedes der Produkte investiert. Und „Linsi“ ist seit Kindertagen ihr Nickname. Lidia machte ein Budget, führte Gespräche mit Lieferanten und liess sich Zeit, die für sie besten Materialien und Rohprodukte zu finden. Sie verwendet fast ausschliesslich Garne aus reiner Baumwolle, inzwischen experimentiert sie aber auch mit Polyester-Varianten, die etwas andere Eigenschaften besitzen. Lidia startete mit 3 Armband-Typen. Sie war selber überrascht, wie schnell sich der Verkaufserfolg einstellte. Im Nachhinein erwies sich die warme Jahreszeit für die Lancierung als ideal gewählt und wahrscheinlich auch mitverantwortlich für den sofortigen Verkaufserfolg. Lidia erzählt, dass sie sogar in der Badi auf ihre Armbänder angesprochen wurde und ihr die Kundinnen sozusagen die Türen einrannten. Natürlich waren die Käuferinnen anfangs vor allem Freundinnen und Bekannte. Die aber wiederum verschenkten diese Armbänder und durch Mund-zu-Mund-Propaganda kam der Verkaufs-Schneeball immer schneller und grösser ins Rollen. Die Veröffentlichung ihre Produktepalette auf Facebook ermöglichte ebenfalls, schnell in einer grossen Benutzergemeinde bekannt zu werden. Noch heute ist diese Plattform ein wichtiger Präsentations- und Absatzkanal. Um andere Zielgruppen ansprechen zu können, hat Lidia ihre Armbänder auch an verschiedenen Koffermärkten angeboten. Ganz glücklich war sie dabei nicht. Das Laufpublikum strömte zwar immer zahlreich, aber auch ziemlich oberflächlich durch die Ausstellungen. Das Angebot sei einfach zu gross und man geht mit den eigenen Seite 18 > DZM 2017 2

Produkten praktisch unter in der Vielzahl der Anbieter. Viel lieber berät und zeigt sie deshalb ihre Erzeugnisse individuell bei sich zu Hause und kann so ganz auf den/die Wünsche der Kundschaft eingehen. dzm: Gab es eine Zeit, als dir die Arbeit über den Kopf wuchs? LF: Nein, das passierte (bis heute) noch nicht. Natürlich bin ich mittlerweile auch viel schneller und geübter in der Makramee-Technik geworden. Ich knüpfe Armbänder schon fast blind, kann dabei Fernsehen oder mich mit der Familie unterhalten. Meine Arbeit findet sozusagen im Wohnzimmer statt, ich muss mich nicht in einen separaten Raum zurückziehen. Am Anfang war das sicherlich anders, zum Teil musste ich mir jeden Schritt bzw. jeden Knopf aufschreiben, um das Muster richtig hinzubekommen. Ideen für die verschiedenen Armband-Modelle holt sich Lidia von überall. Natürlich durchforstet auch sie das Internet, aber viele Ideen kommen ihr auch einfach im Alltag. Inspirationen geben ausserdem Modemagazine und Kleidergeschäfte, vor allem was die jeweiligen neuen Modefarben und Trends betreffen. Lidia ist stolz auf jede einzelne ihrer Kreationen, die alle in ihrer eigenen Kreativ-Küche „zusammengemixt“ werden. Besonders stolz ist sie auf ihren absoluten Verkaufsschlager, das Modell „Roma“, eines ihrer Gründungsmodelle. Es ist ein dreifaches Wickelarmband mit gewachster Baumwollschnur und verschiedenen Perlen. Dazu wird ein passender Verschluss eingearbeitet. dzm: Ich spüre einen grossen Stolz auf all deine Kreationen. Gibt es auch Nachahmer, die deine Armbänder kopieren? LF: Ja, das ist ein grosses Problem. Um dies zu verhindern, müsste ich jedes Modell beim Eidgenössischen Institut für geistiges Eigentum anmelden und schützen lassen. Das ist ein Prozess, der mit viel Bürokratie und Kosten verbunden wäre. Hinzu kommt, dass die Durchsetzung des Rechts auf ein Modell-Typ damit verbunden wäre, dass ICH gegen den anderen Anbieter klagen und damit wieder einen bürokratischen Prozess in Bewegung setzen müsste. Also im Klartext: viel zu kompliziert, teuer und in der Praxis bei meiner Umsatzgrösse total überdimensioniert. Aber natürlich ärgert es mich, wenn andere (leider schon passiert) meine Ideen als ihre eigenen anpreisen und verkaufen. Es steckt in jedem Modell mein persönliches Herzblut und meine Kreativität. Deshalb schmerzt es richtiggehend, seine eigenen Erfindungen von anderen Personen als deren eigene Idee zum Verkauf angeboten zu sehen. dzm: Du gibst jedem Armband einen Namen? Was steckt dahinter? LF: Stimmt – das gehört zu meinem Geschäftsmodell. Die Namen haben für mich persönlich immer eine Bedeutung, wie zum Beispiel „Roma“. Lidia ist als Tochter italienischer Eltern in Niederuzwil aufgewachsen. Nach der Schule absolvierte sie eine KV-Lehre in der Gemeindeverwaltung Oberuzwil. Danach ging Lidia auf Reisen - unter anderem verschlug es sie für einen längeren Aufenthalt in die italienische Hauptstadt. Dort lernte Sie Alessio Funari kennen – die beiden heirateten im Jahr 1998. Bis 2007 lebte das Paar in Rom, im Jahr 2002 kam Tochter Zoé und 2006 Sohn Aaron auf die Welt. Da beide vom Schulsystem und der allgemeinen Lebensqualität in der italienischen Grossstadt nicht überzeugt waren, entschloss sich die Familie Funari, 2007 einen Neustart in der Schweiz, genauer gesagt in Niederuzwil, zu wagen. Die Integration klappte ohne Probleme, und bis heute haben sie diesen Schritt nicht bereut. Trotzdem sind die italienischen Wurzeln und die Liebe zum Südländischen bei „knots & love by Linsi“ unverkennbar. Einerseits in der Namensgebung der Armbänder andererseits aber auch beim Stil und Chic der ganzen Produktepalette. Dass Sie ausserdem ein hervorragendes, fotografisches Auge und Können für edle Bilder hat, passt in das Gesamtbild einer modebewussten Südländerin. dzm: Was sind deine Zukunftspläne für «knots & love» by Linsi? LF: Auf jeden Fall möchte ich weiterhin Spass und Freude damit haben! Es ist wahnsinnig schön zu erleben, wie meine Armbänder den Kundinnen gefallen und gerne getragen werden. Das kreative Tüfteln an neuen Modellen und mit neuen Materialien ist eine meiner Lieblingsbeschäftigungen. Ausserdem habe ich diverse Ideen, wie ich meine Produkte noch anderweitig an die Frau (und übrigens auch den Mann!) bringen kann. Mir schwebt sowas wie ein „Gartenverkauf“ vor, ausgereift ist die Idee aber noch nicht. Lasst euch überraschen! Liebe Lidia – vielen Dank für den Einblick in deine kreative Welt der Makramee-Kunst. Weiterhin viel Freude und Erfolg mit „knots & love by Linsi“. Sind Sie interessiert an diesen handgeknüpften Armbändern? Hier gibt’s mehr Infos: • www.knotsandlovebylinsi.ch • facebook.com/knotsandlove • lidia.funari@hotmail.com • Telefon: Lidia Funari – Tel. 071 950 22 77 Steckbrief: Name: Zivilstand: Alter: Wohnort: Beruf: Hobby: Ihre «Werkzeugkiste» Modell «Roma» Lidia Funari-Brogna verheiratet – 2 Kinder 14 und 11 Jahre 42 Jahre Niederuzwil Verwaltungsangestellte Armbänder knüpfen mittels Makramee-Technik Ist die Bezeichnung für eine aus dem Orient stammende Knüpftechnik zur Herstellung von Ornamenten, Textilien oder Schmuck. Mit den Kreuzrittern und den Mauren (über Spanien) gelangte diese Technik nach Europa. Hier erlebte sie seitdem mehrere Blütezeiten, in denen zum Teil sehr feine Knotenarbeiten entstanden. Die letzte Blütezeit in der Schweiz lag in den 1970er Jahren, mit meist sehr rustikal anmutenden Arbeiten. Erinnern kann man sich vor allem an die hängenden Blumentöpfe, die zu jener Zeit fast in jeder Wohnung zu finden waren. Gemäss Lidia und ihren Beobachtungen in Möbel- und Einrichtungsgeschäften erleben diese Makrameegeknüpften Wohnaccessoires momentan ein trendiges Revival. DZM 2017 > Seite 19