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KuS 2017-1

Rubriktitel Daniel

Rubriktitel Daniel Ledergerber (links), Steinbildhauermeister, Fachausweis HiD Naturstein 2014, seit 2015 als Nachfolger von Marco Marazzi im Vorstand HiD für das Ressort Ausbildung zuständig. Felix Hotz (rechts), Steinmetz- und Steinbildhauermeister, HiD Fachdozent Naturstein und Mitglied der Qualitätssicherungskommission. (Fotos: Franziska Mitterecker) «DEN TEILNEHMERN EINE HALTUNG VERMITTELN» EIN BLICK AUF DEN LEHRGANG HANDWERKER/IN IN DER DENKMALPFLEGE AUS DER INNENPERSPEKTIVE: EIN GESPRÄCH MIT FACHDOZENT FELIX HOTZ UND ABSOLVENT DANIEL LEDERGERBER. Interview: Franziska Mitterecker «Kunst und Stein»: Felix, Du hast die Ausbildung in der Fachrichtung Naturstein mitentwickelt – welches Konzept liegt den Lehrinhalten zugrunde? Felix Hotz: Für die Erarbeitung der einzelnen Qualifikationsprofile haben wir mit ausgewiesenen Fachleuten zusammengearbeitet, die Erfahrung im Aufbau von neuen Weiterbildungen haben. Die Inhalte der fachspezifischen Module ergaben sich zunächst aus der Auswertung von Fragebogen, die an Berufsleute mit langjähriger Erfahrung im Bereich Denkmalschutz und Altbau verteilt worden waren. Wir haben diese Leute gefragt: Was könnt ihr, was müsst ihr können? Aus den Antworten stellten wir das Qualifikationsprofil zusammen, welches wir dann in die Wegleitung und die Prüfungsordnung hineingepackt haben. Die Ausbildung beinhaltet in allen Modulen viel Theorie. Wie beurteilst du das Verhältnis Theorie zu Praxis? FH: Ich denke, die Gewichtung ist gut und richtig. In den fachübergreifenden Grundmodulen liegt der Schwerpunkt klar auf der Theorie – das ist wichtig, weil es gerade am Anfang vor allem auch einmal darum geht, dass ein Handwerker weiss, was der Denkmalpfleger, der Bauherr, der Bauphysiker sowie die anderen beteiligten Gewerke für Zielsetzungen und Vorstellungen haben. Die Grundmodule vermitteln nicht nur Wissen, sondern wecken vor allem auch das Verständnis für andere Denkweisen. Die Teilnehmer lernen, gewerkübergreifend miteinander zu kommunizieren. In den fachspezifischen Modulen haben wir dann ungefähr zur Hälfte Theorie, zur Hälfte Praxis. 10 01/17

Handwerk in der Denkmalpflege In den fachspezifischen Modulen werden Techniken gelehrt, die heute kaum oder gar nicht mehr bekannt sind. Reicht die Zeit, um diese Techniken nach der Ausbildung wirklich zu beherrschen? FH: Man braucht natürlich Übung. Die Teilnehmer bringen zwar grundsätzlich Erfahrungen im Bereich Altbau mit – aber ein 23-jähriger Kursteilnehmer hat natürlich noch nicht das Können seines 55-jährigen Kollegen, der 30, 40 Jahre Berufserfahrung auf dem Buckel hat. Es geht allerdings in unserer Ausbildung nicht darum, dass man eine bestimmte Technik noch zehnmal übt, so wie in der Lehre, bis man sie wirklich kann. Es geht vielmehr um die Erweiterung des Horizonts. In der Praxis gerät man bei jedem neuen Auftrag wieder an einen ganz anderen Stein, und der sieht kaum jemals so aus wie das Lehrstück, an dem man etwas geübt hat. Unsere Kursteilnehmer lernen nebst verschiedenen Techniken vor allem auch, an jeden Stein mit offenen Augen heranzutreten, ihn zu analysieren, mögliche Vorgehensweisen gegeneinander abzuwägen und diese wo nötig auch zu modifizieren. Also kein Vorgehen nach Rezeptbuch. FH: Genau. Es gibt keine Rezepturen, die sich auf alles anwenden lassen. Wie man einen Stein flickt oder einen Riss injiziert, ist bei jedem Einzelfall wieder anders. Deshalb bin ich auch sehr zurückhaltend im Abgeben von Rezepturen. Zu guter Letzt ist gerade das auch etwas, was sich jeder selber erarbeiten muss: die Fähigkeit, eigene Überlegungen anzustellen und zu wissen, weshalb er etwas auf diese Weise tut und nicht auf eine andere. Genau aus diesem Grund liegt ein Schwerpunkt der Ausbildung auch auf dem Verfassen von theoretischen Arbeiten – hier üben die Teilnehmer, ihr Vorgehen zu begründen. Wer begründen kann, was er tut, gewinnt darüber hinaus auch enorm an Sicherheit. Was ist in deinen Augen das Wertvollste, was die Teilnehmer in dieser Ausbildung lernen? FH: Für mich persönlich eines der wichtigsten Ziele ist es, den Teilnehmern eine Haltung zu vermitteln. Eine Haltung, wie man mit historischen Bauwerken umgeht. Aber auch, wie man miteinander kommuniziert. Unsere Teilnehmer lernen, mit dem Denkmalpfleger oder dem Architekten auf gleicher Höhe zu reden. Sie kennen die bauphysikalischen Probleme, die im Altbau auftreten – und wenn nun ein «ES GEHT UM DIE ERWEITERUNG DES HORIZONTS.» Bauphysiker kommt, der nur ganz modern denkt und zum Beispiel sagt, man muss bei einer alten Fassade so viel Aussendämmung machen, dann können sie sich hinstellen und sagen, ja aber hör mal, ich glaube nicht, dass das wirklich so ist. Natürlich kann der Handwerker nicht alles allein entscheiden, aber er soll die Dinge hinterfragen, und zwar über sein eigenes Handwerk hinaus. Dass er dies nicht nur kann, sondern auch den Mut hat, es zu tun: Das ist eben diese Haltung, die wir den Teilnehmern mitgeben möchten. Daniel, du hast die Ausbildung Ende 2014 abgeschlossen – kannst Du bestätigen, was Felix sagt? Daniel Ledergerber: Auf jeden Fall. Ich hatte zwar schon vor dem Lehrgang lange Jahre Berufserfahrung, und das fachspezifische Modul Naturstein war für mich in erster Linie eine Auffrischung und Aktualisierung von bereits Bekanntem. Aber in anderen Bereichen hat mir der Lehrgang schon viel gebracht. Zum Beispiel im Umgang mit dem Baumeister, im Gespräch mit Fachkollegen oder gegenüber Behörden, da habe ich jetzt deutlich mehr Sicherheit und kann auch mal auf meinem Standpunkt bestehen oder den Leuten die Sachlage erklären. 01/17 11