Aufrufe
vor 1 Jahr

KuS 2017-1

Handwerk in der

Handwerk in der Denkmalpflege Was waren deine Erwartungen, als du dich für die Weiterbildung anmeldet hast? DL: Meine Erwartungen waren relativ diffus. Es war ja die erste Durchführung des Lehrgangs, und es war mir nicht ganz klar, was auf mich zukam. Zum Teil hat man sich auch ein bisschen ein falsches Bild gemacht. Zum Beispiel wird im Lehrgang relativ viel Zeit darauf verwendet, bei anderen Gewerken hineinzuschauen – beim Gipser, beim Maler, beim Maurer. Da hatte ich ist das jetzt? Wo ich früher gleich losgewettert habe, atme ich heute tief durch und rede dann mit dem Kollegen. Und wenn ich dann doch mal fluche, gebe ich mir Mühe, ihm zu erklären, weshalb ich fluche. Daniel, du bist selbständig – wie war das für dich, den Lehrgang und deine Berufstätigkeit unter einen Hut zu bringen? DL: Es war sehr, sehr anstrengend. Umso mehr, als ich in dieser Zeit auch noch einen Budenwechsel hatte. Ich habe mir sogar überlegt, abzubrechen, hab es dann aber doch durchgezogen. Worüber ich im Nachhinein froh bin. Gehst du als Handwerker in der Denkmalpflege mit einem anderen Blick an Arbeiten heran? DL: An Steine gehe ich nicht anders heran als zuvor, dort brachte der Lehrgang einfach eine Bestätigung. Aber wenn ich zum Beispiel ein Mehrfamilienhaus mit Schimmel sehe, Nordseite, dann fängt es nun gleich an zu kombinieren in mir, ah ja, Plastikputz …; oder auch für Farben und andere Materialien hat der Lehrgang den Blick geschärft. für mich gedacht, jaja, das ist sicher spannend, aber das buchen wir dann unter lustig ab. Und während dem Lehrgang merkte man dann, von welcher Bedeutung gerade diese gewerkübergreifenden Einblicke sind – es wurde einem bewusst, wie wenig wir voneinander wissen, zum Beispiel die Maler von uns, von dem, was wir machen, was wir können müssen, und warum wir dauernd ihre Arbeit bemängeln. Es war für mich auch eine Entdeckung, dass es durchaus Maler gibt, die ein Verständnis für Altbau haben – solche Leute hatte ich früher auf der Baustelle nie getroffen. Nützt dir das grössere Verständnis für die anderen Gewerke nun auch in deinem Berufsalltag? DL: Ja – dadurch, dass ich nun ein bisschen weiss, wie die anderen arbeiten und denken, und auch einiges an Materialkenntnis bekommen habe, kann ich jetzt zum Beispiel «dumme Fragen» stellen. Zum Beispiel, du, was hast du jetzt da für eine Farbe im Kessel, und wieso schmierst du die jetzt da hinauf, für was genau Ihr habt zwei der drei fachspezifischen Module gemeinsam mit den Malern, Maurern und Gipsern. Bewährt sich das? FH: Für mich gibt es nur Vorteile. Die Teilnehmer sind alle erfahrene Handwerker, die ihren Beruf kennen und ihre Erfahrungen in den Lehrgang mit einbringen. Die Zusammenarbeit unter den «ES GIBT KEINE REZEPTUREN, DIE SICH AUF ALLES ANWENDEN LASSEN.» Gewerken wirkt gegenseitig befruchtend und ist für jeden Einzelnen eine wertvolle Horizonterweiterung. DL: Ja, das sehe ich auch so. Es war sehr spannend. 12 01/17

Handwerk in der Denkmalpflege Die Teilnehmer der Fachrichtung Naturstein haben in den bisherigen beiden Lehrgängen nicht nur alle bestanden, sondern haben beide Male zu den Besten gehört – Zufall? FH (lacht): Die sind einfach gut. DL: Ich sehe den Hauptgrund darin, dass wir vieles bereits in der Grundbildung haben. Stilkunde zum Beispiel. Die meisten anderen Fachrichtungen haben keine Stilkunde in der Grundbildung. FH: Ja, die Grundbildung ist sicher das eine. Aber wir arbeiten auch in der Praxis viel an Werkstücken, die im Altbau vorkommen. Unsere Teilnehmer bringen vergleichsweise viel Erfahrung im Altbau mit. Felix, du bildest deine eigenen Konkurrenten in einem hart umkämpften Feld aus – hast du hin und wieder Zweifel an der Richtigkeit deines Einsatzes? FH: Diese Zweifel könnten einem schon kommen, wenn man sein ganzes Wissen weitergibt. Aber ich finde, und das ist einfach meine persönliche Haltung, man muss über sein eigenes Gartenhäglein hinausschauen. Es geht darum, dafür zu sorgen, dass auch in Zukunft noch Leute vorhanden sind, die wissen, wie man Arbeiten an denkmalgeschützten Objekten sauber ausführt. Wenn man mit dem Gedanken an die spätere Konkurrenz im Hinterkopf an die Sache herangeht, kann man das Ganze gleich beerdigen. DL: Es muss ja auch nicht immer ein Nachteil sein, mehr ausgebildete Kollegen zu haben – wenn du eine grössere Baustelle hast, bist du angewiesen auf Mitarbeiter, und wenn du die aus einem Kreis ziehen kannst, wo du weisst, doch, die können was, dann hast du zwar vielleicht einen gewissen finanziellen Abzug – aber meine Erfahrung ist jedenfalls, ich bezahle denen lieber mehr und habe am Schluss immer noch genug verdient und weniger Ärger gehabt. Und das waren meine besten Baustellen überhaupt. Dort konnte man teilen und sich austauschen. Im März beginnt der dritte Lehrgang. Abgesehen von Berufserfahrung: Was müssen die Teilnehmer mitbringen? DL: Neugier, Flexibilität und vor allem viel Freude am Beruf. FH: Ja, und Offenheit den anderen Gewerken gegenüber. Den Willen, über das eigene Handwerk hinauszublicken und mit anderen zusammenzuarbeiten. Daniel, du hast es vorhin angedeutet: Der Lehrgang ist kein Spaziergang, vor allem für Selbständige. Wo liegen die grössten Schwierigkeiten? DL: Ein Hauptproblem ist sicher die Zeit. Aber auch die finanzielle Belastung ist ziemlich «TEILEN UND SICH AUSTAUSCHEN – DAS WAREN MEINE BESTEN BAUSTELLEN ÜBERHAUPT.» gross. Man muss wirklich wollen und sich für die Sache interessieren, anders geht es nicht. Felix, was wünschst du dir für die Zukunft? FH: Das grösste Problem in unserer Fachrichtung ist es, genügend Teilnehmer zusammenzubekommen. Beim letzten Lehrgang hing die Durchführung an einem Faden. Das liegt bei uns an einem einzigen Modul: dem Fachmodul Naturstein. Wir brauchen mindestens sieben Teilnehmer, um dieses Modul kostendeckend durchführen zu können. Ganz unabhängig von den Kosten ist eine geringe Anzahl Leute aber auch didaktisch nicht konstruktiv, weder für mich als Dozenten noch für die Teilnehmer. Was für die Zusammenarbeit mit den anderen Gewerken gilt, gilt ja auch für die eigene Fachrichtung: Je mehr Berufsleute zusammenkommen und ihre Erfahrungen miteinbringen, desto grösser die gegenseitige Befruchtung und der Gewinn für den Einzelnen. 01/17 13