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KuS 2017-1

Handwerk in der

Handwerk in der Denkmalpflege Warum? Da gibt es Restauratoren, die ausgebildete Handwerker aus Italien kommen lassen, welche dann im Unterakkord für sie arbeiten. Der Restaurator ist ortsansässig, die italienischen Handwerker sind ausgebildet und qualifiziert – da kann die Denkmalpflege nicht viel machen. Fälle wie diese gibt es dutzendfach. Das habe ich vorhin gemeint, als ich sagte, der Preis sei nach wie vor entscheidend. Aber sobald wir einmal über eine ausreichend grosse Zahl an eigenen ausgebildeten Leuten verfügen, kann die Denkmalpflege sagen: Wir wollen wissen, wer da kommt, wo die ihre Ausbildung herhaben. teilt wird. Darüber hinaus ist es aber auch wichtig, dass Betriebe oder auch die Absolventen selber ihren jeweiligen Denkmalpfleger informieren. Wenn einer zu mir kommt und sagt: Du, mein Mitarbeiter hat das jetzt gemacht oder er geht da jetzt hin, dann weiss ich das nachher. Viele der Absolventen sind selbstständig. Viele Baustellen der Denkmalpflege sind Grossprojekte. Wie sind die Chancen für einen Einmannbetrieb, hier unterzukommen? NL: Eine Möglichkeit in diesem Fall ist es, sich für eine bestimmte Aufgabe mit anderen zusammenzuschliessen. MM: Auch für einen grösseren Betrieb kann es sich rechnen, so einen zu nehmen aus einem Einmannbetrieb, der die Baustelle führt und seine Leute betreut. Ich denke, unsere Zukunft wird allgemein in stärkerer Vernetzung und Zusammenarbeit liegen. Wir müssen aufhören zu denken, das ist meine Baustelle, mit meinem Gartenhag drum herum. Abgesehen vom Bereich Denkmalpflege: Wo seht ihr sonst noch Einsatzgebiete für Handwerker in der Denkmalpflege? MM: Zum Beispiel im Dokumentieren von Bauten. Oder wenn jemand privat ein Haus hat und sagt: Du, schau mal diese Substanz an, was hältst du davon. Da kann ein ausgebildeter Fachmann beratend wirken. Man kann also davon ausgehen, dass die Bereitschaft, für Qualität einen entsprechend höheren Preis zu zahlen, in Zukunft vermehrt vorhanden sein wird? MM: Ja, ich denke, absolut. Wenn für die Denkmalpflege Qualität an erster Stelle steht, und wenn genügend viele ausgebildete Handwerker zur Verfügung stehen, kommt das von selber. NL: Bei uns in der Ostschweiz ist es tatsächlich im Augenblick noch so, dass wir relativ wenige Absolventen haben, und deshalb spielt dieser Mechanismus noch nicht so richtig. Woher weiss ein Denkmalpfleger, wo er die ausgebildeten Leute finden kann? NL: Da ist einmal das Absolventendossier, das an alle Denkmalpflegestellen der Schweiz ver- NL: Da hast du etwas sehr Wichtiges genannt; Dokumentation wird heute immer bedeutungsvoller, nicht nur in der Denkmalpflege, und da haben unsere Absolventen natürlich schon einen Vorteil. MM: Ein Beispiel: In jeder Stadt steht ein historischer Friedhof. Der interessiert die Denkmalpflege nicht unbedingt. Aber unsere Absolventen können hier eine Bestandesaufnahme machen und zum Beispiel sagen: Also dieser Stein hier hat überhaupt keinen Wert, aber den da drüben kann man behalten und auf diese und diese Art restaurieren. Und noch etwas ist zu sagen. Im Bereich Grabsteine gibt es für Bildhauer und Steinmetze immer weniger Arbeit. Unsere Ausbildung ist eine sehr gute Möglichkeit für einen, der an der 8 01/17

Handwerk in der Denkmalpflege Arbeit mit historischen Objekten Freude hat, sich ein zweites Standbein zu schaffen. Und dass er mit dieser Zusatzqualifikation dann auch gebraucht wird, davon bin ich überzeugt. Wenn jemand plant, später vom Handwerk weg und zum Beispiel in die Bauleitung zu gehen: Bietet der Lehrgang auch hierfür eine Basis? MM: Auf jeden Fall. Vorarbeiter oder Bauleiter müssen wissen, wie etwas gemacht wird, und dafür sorgen, dass es von den Mitarbeitern richtig gemacht wird. Unsere Absolventen sind prädestiniert dafür, auf Baustellen «UNSERE ZUKUNFT LIEGT IN STÄRKERER VERNETZUNG.» leitende Funktionen zu übernehmen. Für die Betriebe ist es auch wertvoll, solche Leute für die Kalkulation zu haben; jemanden der weiss, wovon er redet, wieviel Zeit benötigt wird und was die Kosten sein werden. Das kann nicht irgendeiner im Büro durchrechnen, der keine Ahnung hat. Angenommen, jemand arbeitet seit Jahrzehnten im Bereich Denkmalpflege und braucht diese Weiterbildung nicht. Wenn der Fachausweis zunehmend an Bedeutung gewinnt, kann es ihm passieren, dass er irgendwann keine Aufträge mehr bekommt, weil er ihn nicht hat? MM (lacht): Es wäre zu hoffen, dass das passiert. Aber das wird noch eine Weile dauern, bis dahin sind wir in Rente. Und es ist klar: Wir müssen mit dieser Weiterbildung vor allem auch die Jungen ansprechen. Viele früher elementare Techniken kommen heute in der Lehre nicht mehr vor. Es geht permanent Fachwissen verloren. Und die Bewahrung und Weitergabe dieses bedrohten Fachwissens ist eines der Hauptanliegen der Ausbildung. Die Bilanz nach den ersten beiden Lehrgängen: Sind die Erwartungen erfüllt, die Ziele erreicht? NL: Hier muss man unterscheiden zwischen den qualitativen und den quantitativen Zielen. Die Prüfungsarbeiten der Absolventen haben einen hohen Standard. Wenn dieser Standard nachher auch auf den Baustellen eingehalten wird, kann man sicher sagen, dass wir qualitativ das Ziel erreicht haben. Quantitativ sieht es anders aus. Unser Wunsch wäre, dass es in jedem Betrieb jemanden gibt, der diese Ausbildung gemacht hat. Von diesem Ziel sind wir natürlich noch weit entfernt. SALVISBERG KENNT STEIN. KENNEN SIE SALVISBERG? Küchenabdeckungen, Tische, Bodenplatten, Bilder, Cheminéebänke, Skulpturen, Grabsteine, Lavabos ... E. Salvisberg AG Marmor- und Granitwerk 3417 Rüegsau Tel 034 460 35 35 Fax 034 460 35 36 info@salvisbergag.ch www.salvisbergag.ch 01/17 9