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12 Physiotherapeutische Intervention auf der Intensivstation

Begrifflichkeit bei

Begrifflichkeit bei Outcomedefinition Woran orientiert sich die Nützlichkeit der Parameter? Welche Begrifflichkeiten spielenbeiderDefinitioneinesOutcomes eine Rolle? Von 45 Studien benennen 33 MessparameterausdemManual„Physiotherapie in der Intensivmedizin“ zur Outcomeermittlung. Innerhalb ihrer Studie differenzieren 4 Studien Parameter zwischen der Therapieplanung und der Therapiezielsetzung. Zwischen 13 und 15 Studien bezeichnen einzelne definierte Werte zur Bestimmung von Einschluss-, Ausschluss- oder Abbruchkriterien. Insgesamt wird die Aussage der Sicherheit für Patienten und der Durchführbarkeit für Therapeuten 26-mal wiedergegeben. Kein Outcome durch eine Intervention der Physiotherapeuten ist 12-mal zu verzeichnen. Als Grund gibt eine Studie die Verzögerung der Weaningdauer durch die selektive Atemtherapie an. Als Intervention fand insgesamt 25-mal eine Atemtherapie statt. Extremitäten wurden 9-mal passiv durchbewegt. Aktive Bewegungsübungen fanden in 7 Studien statt. Mobilisation erfolgt 17-mal. Unter weiteren Untersuchungen befanden sich 2 Umfragen, die Überprüfung eines Assessments sowie einer Elektrotherapieanwendung. Eine Kombination von Interventionen wurde 11-mal praktiziert. Eine Übersicht der Datenmengen und Mittelwerte zeigen . Tab. 2, 3 und 4. Sie bilden 3 Kerngruppen in der Anwendung von Parametern. Interpretation der Begutachtung der Mittelwerte Abbruchkriterien werden vorzüglich durch Vitalparameter aus dem KriteriumMonitorbedient.Ausschlusskriterien erschließen sich aus selbigen Vitalparametern und zusätzlichen Daten aus dem Kriterium Beatmung. Die Angaben zum Blutdruck schwanken zwischen 70 mm Hg im Minimum und 200 mm Hg im Maximum des systolischen Drucks. ImMittelbezeichnensowohlAusschlussals auch Abbruchkriterien einen Grenzwert von 189 mm Hg als Obergrenze und 82 mm Hg als Untergrenze. Ähnlich verhält es sich mit dem mittleren arteriellen Druck (MAP). Hier ergeben sich Mittelwerte von 115 mm Hg als obersten Wert und 65 mm Hg als unterster Wert. Einschlusskriterien bewegen sich über 3 Kriterien hinweg, dem Monitor, der Beatmung und der Laborwerte. Die Atemfrequenz und die periphere Sauerstoffsättigung im Blut zeigen homogene Amplituden auf und lassen auf ein Mittel von 4–34 Atemzügen pro Minute, als meist genutzt, schließen. Die pulsoxymetrisch bestimmte Sauerstoffsättigung (S pO 2) hat ihren Schwellenwert im Mittel bei 88 %. Abbruchkriterien müssen schnell und sicher getroffen werden. Die Kategorie Beatmung benötigt mehr Zeit zur Interpretation und Laborwerte sind nicht so zeitnah zu erörtern wie die anderen beiden Kategorien. Outcome nach Mobilisation und Bewusstseinseinschätzung AlsprimäreZielsetzungmiterhöhterEvidenzqualität werden der Rückgang der Mortalitätsrate,dieVerringerungderLiegenzeitenaufderIntensivstation, die Verkürzung der Liegenzeiten im Krankenhaus und die Reduzierung der Intubationsraten betrachtet. Diese Zielsetzungen erfüllen 12 Studien mit aktiver Teilhabe der Physiotherapie (. Tab. 5). Zwei Auffälligkeiten sind erkennbar. Erstens erfolgt als Intervention überwiegend eine Mobilisation oder eine Kombinationsbehandlung. Zweitens fließen Parameter außerhalb der 4 genannten Kategorien ein. Darunter zählen quantitative (RASS und GCS) und qualitative (CAM-ICU und GCS) Skalen zur Erfassung der Vigilanz und des Bewusstseinszustands sowie Assessments zur Beurteilung der Mobilität mittels Medical Research Council (MRC) und Handgrip Dianometry (HD) und der Selbsthilfefähigkeit mittels „functional independence measure“ (FIM) und Barthel-Index (BI). Leeetal.Thrushetal.undWangetal.nutzenzwarkeinerlei Parameterdergenannten Kategorien, sind jedoch dennoch in der Lage, signifikante Aussagen zu treffen. Schlussfolgerungen Die Verfügbarkeit von 172 Studien stellt klar dar, dass sich die Physiotherapie durchaus mit dem intensivmedizinischen Umfeld und 4 der 7 im Manual „Physiotherapie in der Intensivmedizin“ beschriebenen Kategorien ausgiebig auseinandersetzt. Aussagen zur Sicherheit und Durchführbarkeit sind ausreichend vorhanden. Outcomeorientiert ist Physiotherapie in vielen Bereichen weiterhin nicht. Zu erforschen ist, ob die Ursache in der Verknüpfung mit den Messparametern liegt oder ob Zielsetzungen nicht angemessen ausgearbeitet werden oder ob andere Gründe vorliegen. » Physiotherapie ist in vielen Bereichen weiterhin nicht outcomeorientiert Eine Möglichkeit des Therapeuten, auf Weaningstrategien Einfluss zu nehmen, ist, die Belastungseinstellungen für den Patienten anzupassen. Die therapeutische Intervention bleibt die selbe. Ist- Situationen adäquat einzuschätzen und Zielsetzungen zu benennen, sind in der Entwöhnung beatmeter Patienten wichtig. Welcher Ansatz verfolgt mehr das Prinzip der Superkompensation [14]und welcher Ansatz steigert die Resilienz des Patienten (Infobox)? Entsprechend sind weitere Untersuchungen unter entsprechenden Fragestellungen durchzuführen. Beurteilungsverfahren und Assessments zur Aktivität und Teilhabe haben die größte Aussagekraft. Beide Prinzipien sind im Berufsbild der Physiotherapie und dem Gedankengut der Rehabilitation verankert. Der Physiotherapeut hat die Verpflichtung, diesen rehabilitativenGedankenindas„fremde“Umfeld einfließen zu lassen. Erst durch die Integration im interdisziplinären Team der Intensivstation wird es ermöglicht, den Fremdgedanken des Querversorgers abzustreifen und Interventionen outcomeorientiert anzuwenden. Medizinische Klinik - Intensivmedizin und Notfallmedizin 4 · 2017 367

Physiotherapie Fazit für die Praxis 4 Die Schwierigkeiten, Physiotherapie auf der Intensivstation sinnvoll einzusetzen, liegen nicht in der Gewährleistung der Sicherheit des Patienten oder der Durchführung physiotherapeutischer Anwendungen. 4 Die Rahmenbedingungen des intensivmedizinischen Umfelds stellen kein Hindernis dar. Das Hindernis besteht darin, Outcomedefinitionen auf die Patientenklientel angepasst zu formulieren und zugleich den rehabilitativen Gedanken im intensivmedizinischen Umfeld zu realisieren. Korrespondenzadresse E. Zeiser, B.A. Berufsförderungswerk Mainz, DIPLOMA Hochschule – Private Fachhochschule Nordhessen z.H. Dorit Engelmann Lortzingstraße 4, 55127 Mainz, Deutschland pt.zeiser@gmail.com d.engelmann@bfw-mainz.de Danksagung. Vielen Dank an Fr. Dr. med. P. Runge fürdieBetreuungbeiderBachelorthesis. Einhaltung ethischer Richtlinien Interessenkonflikt. E. Zeiser gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht. Dieser Beitrag beinhaltet keine von den Autoren durchgeführten Studien an Menschen oder Tieren. Literatur 1. Statistisches Bundesamt (2013) Fachserie 12, Reihe 6.1.1, S.19: S.75. https://www.destatis.de/ DE/Publikationen.Zugegriffen:14.Dez.2014 2. Baghshaw SM, Webb SAR, Delaney A et al (2009) Very old patients admitted to intensive care in Australia and New Zealand: a multi-centre cohort analysis.CritCare13(R45):1–14 3. Michalsen A, Hartog CS (2010) End-of-Life Care in derIntensivmedizin. Springer, Berlin Heidelberg, S 12 4. Zeiser E, Betz U, Berliner Seminare (2016) Die Re-Mobilisierung beim betagten Patienten – eine besondere Herausforderung. Berl Seminare Jan:30–33 5. Statistisches Bundesamt(2011)Fachserie 12 Reihe 7.3.2. https://www.destatis.de/DE/Publikationen. Zugegriffen:14.Dez.2014 6. Gutenbrunner C (2014) 5.1 Aufgaben, Ziele und Therapiemöglichkeiten–5.1.2AufgabenundZiele derphysikalischenMedizininderIntensivmedizin. 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Intensivmedizin und Notfallmedizin - Städtisches Klinikum Solingen
physiotherapeutische unterstützung auf dem weg zum erfolg - Salk