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Meyrink Abenteuer des Polen Sendivogius

Macht die Riemen daran

Macht die Riemen daran zu reiben begann. Es gelang ihm, sich so zu legen, dass die Fesseln, mit denen seine Hände verschnürt waren, die Schärfe des Steines erreichten. Nun rieb er langsam und ingrimmig, ob auch dabei Haut und Fleisch seiner Hände an vielen Stellen sich gleichfalls blutig aufrissen. Als die Schmerzen anfingen, unerträglich zu werden, machte er eine äußerste, letzte Anstrengung, drehte seine zerschundenen Arme mit voller Macht im Armgelenk, und ein Riemen zerriss. Jetzt wälzte er sich zu der Stelle zurück, wo das Messer lag, es gelang ihm, es zu ergreifen, aber es brauchte ungemessene Zeit, die er zum Teil in rasch und immer häufiger vorüberdämmernden Ohnmachten verbrachte, bis es ihm gelang, die Klinge des Messers von der Schale zu Seite 118 von 189

trennen. Endlich schnitt er sich die Riemen auf, die seine Füße fesselten. Er erhob sich mühsam und taumelte kraftlos gegen die Wand. Ganz matt erhellt war noch der schmale Fensterschlitz, unter dem er zufällig zu stehen kam. Mit dem Messer hatte er den Papierstreifen in Händen, und er begann das Gekritzel zu entziffern, das er darauf geschrieben fand. Es enthielt in ungelenken lateinischen Buchstaben nur die Worte: „Wache und lausche!“ Und Sendivogius lauschte mit angestrengten Sinnen, wenn er auch nichts anderes vernehmen konnte als das abendliche Rauschen der Bäume oder von Zeit zu Zeit den hellen Schrei des Bussards, der seine Kreise durch den Abendhimmel zog. Das Bewusstsein der Zeit begann dem Gefangenen zu Seite 119 von 189

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