NordstadtMagazin-2-17

godesign

Das Nordstadt Magazin Dortmund Nummer2

#02 | Juni 2017

HAFENSZENE Mehr als nur ein Wochenende

NORDSTADTSOMMER Festival-Termine

SKATEN Sport-Phänomen mit Kultfaktor

KOMM-KIDS-COM

IG BORNSTRASSE

100 JAHRE CEAG-GEBÄUDE

EVANGELISCHE KIRCHE

№2

Foto: Alexander Huegel


Editorial & Impressum

„NORD.MAG – Das Nordstadt-Magazin“ ist keine Werbebeilage,

sondern eine Publikation mit journalistischem Anspruch. Sie wird

redaktionell von den Nordstadtbloggern gestaltet, die seit mehr als

vier Jahren online aus und über die Nordstadt berichten.

Fernab des nachrichtlichen Klein-Klein will das „NORD. MAG“

mit großen Reportagen, Portraits und Geschichte(n) informieren.

Es will mit einem modernen Heimatdesign das urbane Lebensgefühl

vermitteln und mit Fairness die gesamte Bandbreite der

Themen in der Nordstadt deutlich machen. Es geht um die Visualisierung

der Vielfalt. Daher auch die Auswahl des Titelfotos – eine

ungewöhnliche Ansicht von der Eröffnung des Rekorder II.

Herausgeber (V.i.S.d.P.): Nordstadt Plus e.V., Christian Schmitt,

Bornstraße 136, 44145 Dortmund. Kontakt zum Verein:

info@nordstadtplus.de

Redaktion/Produktion: Susanne Schulte und Alexander Völkel

www.nordstadtblogger.de

Kontakt zur Redaktion: info@nordstadtblogger.de

Layout: godesign, Gode Klingemann, www.gode-sign.de

zehn23 – studio für gestaltung, Heike Kollakowski, www.zehn23.de

Druck: Lensing Druck GmbH & Co KG, Auflage: 84.100 Exemplare.

NORD.MAG soll vier Mal im Jahr erscheinen.

Werbung: Wollen Sie werben? E-Mail: anzeigen@nordstadtplus.de

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komm-kids-com:

Dutzende Kinder folgen dem Aufruf

Es ist ein Verein mit sperrigem Namen, aber einem klarem Ziel:

Die ehrenamtlich arbeitenden Männer und Frauen bei „kommkids-com“

versorgen die Nordstadt-Kinder aller Nationen kostenlos

mit Mittagessen, Nachhilfe und Aufmerksamkeit, deren Eltern

ihnen das nicht bieten können.

Dreimal in der Woche, immer dienstags, mittwochs und donnerstags

sind 16 Ehrenamtliche im Wechsel im Dietrich-Keuning-Haus

vor Ort, verteilen das Essen, hören zu, helfen bei den Hausaufgaben,

spielen und basteln mit den Sechs- bis Zwölfjährigen. Karin

Liskamm ist meist dabei. Sie ist seit drei Jahren Mitglied und heute

die Vorsitzende des Vereins, kennt alle Jungen und Mädchen,

aber zur Idee des Vereinsnamens kann auch sie nur mutmaßen.

Internationale Gemeinschaft

Den Namen habe die Gründerin des Vereins, Nicole Schuchmann,

ausgesucht. Das war 2008. Zu der Frau habe man aber heute keinen

Kontakt mehr, sagt Liskamm. Die beiden Frauen haben sich

auch nie kennengelernt. „Ich selbst habe mir bei dem Namen immer

gedacht: Die Kinder, die Hilfe brauchen, sollen zu uns kommen.“

Soweit zum ersten Teil. Fürs com hat sie zwei Erklärungen:

Zum einen die weltweit zu erreichende Internet-Domäne oder die

Abkürzung für Community, Gemeinschaft. Zusammengefasst:

Kinder aus allen Ländern sind in der Gemeinschaft willkommen.

Übrigens: Nach den Nationalitäten

An die 50 kommen jeweils an jedem der drei Vereinstage ins Jugendcafé

des Keuning-Hauses (DKH). Miete für die zwei Stunden

muss komm-kids-com nicht bezahlen. „Zwischen 13 und 15 Uhr

sind die Räume frei und unsere Initiative passt zur Ausrichtung

des Hauses, das schon immer ein Schmelztiegel der Nationalitäten

ist.“ Wer von den Kindern nach 15 Uhr nicht nach Hause geht,

kann ab 15 Uhr am Angebot des offenen Bereichs im Keuning-

Hauses teilnehmen.

Der Verein finanziert sich nur aus Spenden. 13.000 Euro braucht

man im Jahr, um das Mittagessen zu bezahlen, das von Anfang

an im Bistro des Keuning-Hauses gekocht wird, um Spiel- und

Bastelmaterial zu kaufen und die Kinder auch mal an Ausflügen

oder am Zirkusprojekt des DKH teilnehmen zu lassen. Verbände

und Institutionen unterstützen den Verein, und Privatleute. „Wir

erleben, dass Menschen ihre Geburtstagsgäste darum bitten, keine

Geschenke zu kaufen, sondern stattdessen für uns zu spenden.“

Ehrenamtliches Team sucht Verstärkung

16 Frauen und Männer, die

ehrenamtlich mitarbeiten, das

hört sich nach einer ausreichend

großen Belegschaft an.

„Mehr geht immer“, sagt Karin

Liskamm. Sie selbst kümmert

sich mit der Kassenwartin

Jutta Kühn um all den Büround

Verwaltungskram, der zur

Betreuungsarbeit für beide

Frauen noch dazu kommt. Urlaub, Wegzug, neue Lebensumstände

– die Stammmannschaft ist nicht auf Dauer gesetzt. Verstärkung

ist immer willkommen. Über die freut sich auch Dieter

Heuser. Er ist immer da und ein verlässlicher Ansprechpartner für

die Jungen und Mädchen geworden. Für eine Erwerbsarbeit reicht

seine Gesundheit nicht mehr aus, die sechs Stunden bei kommkids-com

seien ideal für ihn, sagt er. Die Freiwilligen-Agentur hat

ihm den Verein vermittelt.

Karin Liskamm hat ihr Erwerbsleben als MTA hinter sich. Sie

kennt die Nordstadt gut. Oma und Patentante wohnten hier. „Vielleicht

merken die Kinder, die in unsere Gruppe kommen, dass sie

frei von Vorurteilen miteinander lernen und Spaß haben können

und nehmen das mit in ihr Erwachsenenleben.“

Dazu soll auch das Projekt „Eine Reise durch die Welt“ beitragen.

Die Künstlerin Bärbel Thier-Jaspert kommt einmal die Woche ins

Jugendcafé, um mit den jungen Menschen kreativ zu arbeiten.

Dafür gibt es Geld aus dem Programm „Kultur macht stark“ vom

Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Text und Fotos: Alex Völkel

komm-kids-com e.V.

Schleswigerstr. 12 • 44145 Dortmund • 0231 9785070

info@kommkidscom.de • www.kommkidscom.de

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SKATEN

Sport-Phänomen mit Kultfaktor

Für die einen die schönste Form der Bewegung, für die anderen ein Kultfaktor mit immer währender

Jugendlichkeit und für wiederum andere ein Szene-Zusammenschluss, der wesentlich mehr zu bieten

hat, als ein Stück Holz mit Rollen drunter: Skateboarding oder Skaten. Bis heute ein Phänomen mit

Kultfaktor und Trend- wie auch Funsport für alle Generationen.

Foto: Jonas Wedelstädt / Verein

In Dortmund ist diese Disziplin seit Langem vor allem mit einem Ort verbunden – der Halle am

Dietrich-Keuning-Haus (DKH). Seit über zehn Jahren ist die Sportstätte ein reiner Skatepark, den viele

noch als Eisbahn kennen. Seit dem 1. Februar 2012 ist hier die Skateboardinitiative Dortmund aktiv

und betreibt die Halle unter dem Namen „Verein zur Förderung der Jugendkultur Dortmund e.V.“, das

ist ein Zusammenschluss von Skateboardern aus dem Raum Dortmund und dem Ruhrgebiet.

Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, diesen Sport und die damit verbundene Kultur in allen

Bereichen zu beleben, zu fördern und weiterzuentwickeln. „Die Skaterszene ist in den letzten Jahren

massentauglicher geworden“, so Kleppo alias Dennis Klepping, Vorsitzender des Vereins. „Wir sind

etwas weg von der subkulturellen Erscheinung und werden auch in der Öffentlichkeit anders wahrgenommen“,

ergänzt er.

2020 in Tokio olympische Disziplin

Ein Zeichen dafür ist die steigende gesellschaftliche Toleranz der Szene an sich, wie auch der sportliche

Aspekt. So wird im Jahr 2020 Skatboarding erstmals olympische Disziplin in Tokio sein. Dennoch

ist man sich hier einig, dass Skaten vor allem ein elementarer Baustein der Jugendkultur und der

Mobilität, der sportliche Betätigung und der Freizeitgestaltung ist.

4


„Skaten ist sicherlich ein Ausdruckssport und auch ein Trendsport,

der sich immer wieder neu erfindet“, erklärt Spike Grandt,

2. Vorsitzender. Heutzutage bietet Skateboarding Spaß an der

Bewegung, Hingabe, Leidenschaft, Kreativität und ein generationsübergreifendes

Miteinander. Zumal man sich nicht an Trainingszeiten

orientieren muss und man sich jederzeit auch den

öffentlichen Raum zunutze machen kann. Skaten ist aber auch

eigene Kultur. Begriffe wie Flip, Freakout, Kinkrail, Moshen,

Tweak und Spin sind Teil einer eigenen Sprache. Dazu gehören

noch spezielle musikalische Vorlieben und natürlich die typischen

Klamotten.

Facettenreich ist der Sport allemal. Vor allem beweist hierbei die

Skateboard Initiative am DKH, dass wirklich jeder in der Skatehalle

mitmachen kann – außer BMX-Fahrern und Scootern. Außerhalb

der allgemeinen Öffnungszeiten besteht die Möglichkeit,

andere Trendsport zu lernen und zu betreiben, wie Parcours: die

Fortbewegung auf Beinen und Armen, mit Überschlägen und

Sprüngen über sämtliche Hindernisse hinweg.

Angebote für Rollstuhl-Fahrer

Auch das WCMX zählt dazu. WheelchairMX ist die Bezeichnung

für den Sport, bei dem Rollstuhlfahrer im Skatepark fahren. David

Lebuser, gerade WM-Dritter in den USA geworden, ist der deutsche

Pionier dieser weltweiten Bewegung und hat mittlerweile

seine Heimat und den Trainingsmittelpunkt in der Nordstadt. Er

hat am DKH ein Angebot geschaffen, das aus dem gesamten Bundesgebiet

die Rollstuhlsportler anzieht. Neben dem monatlichen

WCMX-Treff gibt es auch spezielle Workshops und Dortmund ist

mittlerweile das deutschlandweite Epizentrum dieser Bewegung.

Was die Reichweite der einzigen Skatehalle im Ruhrgebiet generell

angeht, so sind es vor allem die beiden jährlich stattfindenden

Wettbewerbe, die weit über die Stadtgrenzen hinaus die Skater

in die Nordstadt ziehen. Hierbei ist es vor allem der Bajohr Cup,

benannt nach Klaus Bajohr, der mit seinen jungen 70 Jahren weiterhin

die gute Seele der Halle und der Skater ist. Für diesen Contest

kommen Teilnehmer aus vielen europäischen Ländern nach

Dortmund und kämpfen um die Preisgelder.

Zubehör kann ausgeliehen werden

Auch hier gilt generell wie bei allen anderen Angeboten, dass man

sich Skateboards, Schoner und Helme ausleihen kann. „Jeder der

Bock hat, kann einfach mal vorbeikommen“, so Kleppo. Das gilt auch

für die Aktionen und Festivals außerhalb der Skatehalle. Beim „Sommer

am U“ (Juni bis August) wird in Kooperation mit dem Jugendamt

und den Urbanisten ein Skateparcour aufgebaut und jeden Donnerstag

und Sonntag wird zwischen 12.30 und 15 Uhr eine Sommerskateschule

angeboten. Während dessen ist auch die mobile Minirampe

mehrfach auf Reisen: 24. Juni Park am Stadthaus, 15. Juli an den

Westfalenhallen und am 26. August am U-Turm. Also – einfach mal

vorbei kommen und aufs Brett steigen!

Text: Gerhard Schwarzdorn

Verein zur Förderung der Jugendkultur Dortmund e.V.

Leopoldstr. 50 – 58, 44147 Dortmund

info@skateboard-initiative-dortmund.de | T.: 0231/50 25 147

Öffnungszeiten:

Di 16-22h, Mi 15-20h, Do 16-22h, Fr 15-21h, Sa und So 14-20h

Wöchentliche Angebote:

Skateschule für Anfänger Sonntag 11:30-14h

Skateschule für Fortgeschrittene Montag, 16:30-19h

Mitglieder-Session: Montag 19-21h

Old-Dogs-Session (Ü-30) Mittwoch, 20-22h

Monatliche Angebote:

WCMX-Treff jeden 2. Samstag im Monat: 13-15h,

Mädels-Session jeden 2. Samstag im Monat: 20-23h

Eintrittspreise:

Kinder (bis 14) 1,00 €, Jugendliche (14 -17) 1,50 €,

Erwachsene (ab 18) / Parcours (dienstags, von 16-18h Kindertraining

10-13 Jahre und von 18-20h Teens und Erwachsene

ab 14 Jahren) 2,50 €

www.skateboard-initiative-dortmund.de

Der Knusper-Cup mit Contest und Afterskate-Konzert ist mehr auf

den Spaß ausgelegt und findet als kleineres Format bundesweit

Anklang. Eins muss man auch noch wissen: die Halle wird jedes

Jahr aufs Neue verändert. Module werden den neuen Trends und

Wünschen angepasst, wobei jede Rampe in der Halle selbst gebaut

und ein Unikat ist. Ach ja, ein paar Angebote darf man aber auch

nicht vergessen. Dazu zählt auf jeden Fall die „Mädels Session“.

Diese findet an jedem zweiten Samstag in Zusammenarbeit mit

GörlsRocknRoll statt und ist ein spezielles Angebot an Teilnehmerinnen

jeglichen Alters und Könnens.

David Lebuser im DKH. Foto: Kai Stiepermann / Verein

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Nordstadt-

Geschichte(n)

Die Concordia-Elektrizitäts-AG (CEAG) wurde 1906

gegründet, um Berg- und Hüttenwerke mit elektrischem

Gerät auszustatten. Dazu wurden Büros in

verschiedenen Städten eingerichtet. In Dortmund arbeitete

der Ingenieur Fritz Färber an der Entwicklung

einer elektrischen Grubenlampe. Seine Mühen wurden

bei einem Wettbewerb in London belohnt, wo er mit

einer spektakulären Demonstration seiner Lampe den

1. Preis gewann.

100 Jahre

CEAG-Haus

Die Concordia-Elektrizitäts-AG in Dortmund

In Folge des gewonnenen Wettbewerbs entstand eine

große Nachfrage nach Grubenlampen der CEAG.

1913 rüstete die erste Zeche ihre ganze Belegschaft

mit CEAG-Lampen aus. Nachfrage

kam auch aus dem Ausland,

wo die CEAG Niederlassungen

gründete.

6


In Dortmund war das Büro von der Langestraße zunächst zur

Kreuzstraße verlegt worden. Mitten im I. Weltkrieg wurde unter der

Adresse Münsterstraße 231 dann ein großzügiges Fabrik- und Verwaltungsgebäude

errichtet und 1917 in Betrieb genommen. Der repräsentative

Neubau konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass

kriegsbedingt der Auslandsbesitz der CEAG verloren ging.

Nach dem Krieg profitierte die

CEAG von einem Gesetz, das

im Bergbau nur noch elektrische

Lampen erlaubte. Ein

Vorteil war ebenfalls, dass

die CEAG ihre Produkte nicht

Alte Rechnung aus den 1930er Jahren nur verkaufte, sondern auch

(Sammlung Klaus Winter)

vermietete. In dem Fall richtete

sie auf der Zeche ganze

Lampenstuben ein und stellte das Personal dafür. So sparte sich das

Bergwerk die hohen Anschaffungskosten und die CEAG band langfristig

Kunden an sich.

Ein Brand im eigenen Haus war der Anlass für die CEAG ihre Produktpalette

um Feuerlöschgeräte auszuweiten. Feuerlöscher wurden

zum zweiten Standbein der CEAG. Doch in der Weltwirtschaftskrise

brach vieles in sich zusammen. Das 25jährige Bestehen der CEAG

wurde in aller Stille begangen.

Das Gebäude in der Münsterstraße 231 des kriegswichtigen

Betriebs sowie die Baracken für

70 Ostarbeiterinnen auf dem Firmengelände

wurden 1943 durch

Bomben zerstört. Die Produktion

musste

nach Thüringen verlagert werden. Der Wiederaufbau begann zügig

nach dem Ende des II. Weltkriegs.

Außer auf Beleuchtungs- und Feuerlöschgeräte setzte man nun

zusätzlich auf Luftreinigungsanlagen, wobei man von dem

Wissensvorsprung US-amerikanischer Partner profitierte.

1970 schlossen sich die Concordia Elektrizitäts-AG Dortmund

und die DOMINIT-Werke GmbH Brilon zusammen. Beide Unternehmen

gehörten zur VAR-

TA-Gruppe und waren auf

gleichen Produktionsgebieten

tätig. Durch die Fusion wollte

man die Kräfte bündeln. Die

1.700 Arbeitsplätze in Dortmund

und 2.500 in Brilon

sollten nicht gefährdet sein.

Detail aus den Fensterbildern im

Tatsächlich geriet das neue Eingangsbereich des Gebäudes

Unternehmen innerhalb weniger

Jahre in Schieflage. 1974 wurde die Licht- und Stromversorgungstechnik

verkauft. Die Luftreinigung blieb das letzte Geschäftsfeld

des Unternehmens. Die einseitige Ausrichtung führte

zum Niedergang,

als es im deutschen

Kraftwerksbereich

quasi zu einem

Baustopp kam und

wichtige Abnehmer

für Luftfilter ausfielen.

1979 wurde

die Schließung des

In dem Gebäude sind heute 30 Sozialwohnungen Werks in Dortmund

angekündigt. Nach

Aussagen des Betriebsrates verloren 335 Angestellte und 289 Arbeiter

ihren Arbeitsplatz, unter ihnen 54 Schwerbehinderte und

56 Auszubildende.

Ende Juni 1980, im 74. Geschäftsjahr wurde der Betrieb des

CEAG-Werkes in Dortmund eingestellt. Es blieb nur

noch ein Büro mit 30 Mitarbeitern an der Alten

Straße.

Mehr Infos zum CEAG-Gebäude:

www.nordstadtblogger.de/ceag

Text: Klaus Winter

Fotos: Alex Völkel

# 02 | Juni 2017 7


CLUBS, SZENE, GASTRO UND MEHR:

EIN WOCHENENDE

IM HAFENVIERTEL

SCHEINT

NICHT GENUG

Herr Walter Foto: Janosch Gruschczyk / Veranstalter

8


Der Dortmunder Hafen ist mit seinen Container-Terminals einer der bedeutendsten

Hinterland-Häfen Europas. Das gleichnamige Hafen-Viertel braucht sich nicht

hinter den Containern verstecken. Kunst, Kultur, Kreativität - urbanes Leben fließt

neben den Schiffen und durchs angrenzende Wohnviertel. Ich wollte das Quartier

erleben - ein Sprung ins gar nicht kalte Wasser..

Ein Beitrag von „Last Junkies On Earth“-Blogger Bjoern Hering

Wie startet man einen Freitagnachmittag besser

als mit einer Tasse Kaffee? Kaum irgendwo geht

das stilvoller als im Rockaway Beat in der Gneisenaustraße

61. Sitzt man erst einmal an der wunderschönen,

stylischen Bar aus dem Jahre 1962, die Inhaber

Bernd Stähler vor knapp fünf Jahren in seinem liebevoll

betriebenem Gitarrengeschäft aufgestellt hat, vergisst

man schnell, dass wir im hektischen 2017 leben.

Warm eingehüllt in einem Sammelsurium aus alten

Gitarren, Showcases und 60ies -Nippes dauert es dann

auch meist nicht lang, bis Bernd dem Besucher seinen

hauseigenen Hafenlikör präsentiert. Den gibt es hier

neben den Gitarren-Cases auch zu kaufen. Gitarren

und selbstgemachten Likör? Hafenviertel sind wunderbar

kauzig und überraschend, das merkt man hier sehr

schnell. Übrigens lohnt auch ein gelegentlicher Blick ins

Programm des Rockaway Beat, denn hier gibt es des öfteren

urige Konzerte und Veranstaltungen.

Rockaway Beat Foto: Alex Völkel

Bevor es mir aber zu gemütlich wird, will ich

mir noch das Fußballspiel in der Hafenschänke

subrosa gegenüber anschauen. Diese Bar ist seit Jahren

eine Institution für Fußball- und Musikliebhaber, ein

kunterbuntes Unikat und einer der authentischsten

Plätze der Stadt. Fast jeden Abend wird hier die kleine

Bühne bespielt, ob mit Konzerten oder wöchentlichen

Poetry Slams. Kaum ein Abend, den man hier nicht als

gelungen bewerten würde, dazu kann man die aktuellen

Fußballspiele in bodenständiger Fan-Atmosphäre erleben.

Ein Besuch ist bei einem Hafenspaziergang unumgänglich,

denn in der Bar von Chef Cornel lernt man den

Dortmunder Norden und seine Hafengestalten im Handumdrehen

lieben. Einzig der Hunger treibt mich weiter,

auch wenn das subrosa mit einer wirklich empfehlenswerten

Käse-Lauch-Suppe lockt.

Call me Mary im subrosa Foto: Alexander Huegel

# 02 | Juni 2017 9


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sissykin


Auf dem Weg kurzen Weg zum Sissikingkong

schaue ich noch ins Programm des Black

Pigeon in der Scharnhorststraße 50, einem anarchistischen

Buchladen, der Lesungen und Veranstaltungen

für Interessierte von Queer- , Gender- und

Feminismusbewegungen sowie für Gewerkschaftsund

linkspolitische Aktivisten anbietet.

Keine fünf Minuten später sitze ich im Herzen

der Hipster und bestelle Biolachs mit Orangen-

Fenchel-Salat und Zucchiniblüten. Das Sissikingkong

in der Landwehrstraße ist eine stilvolle Bar im

Stil der 1970er und ein Garant für gutes, nicht zu

üppiges Essen.

So ruhig und gelassen man im Anschluss die Mascarponecreme

mit Mandelkrokant hier genießen kann,

so wild ist oft das nächtliche Treiben im Keller des

Lokals: Hier finden neben vielen Indierock-Konzerten

auch die Native-Party sowie die äußerst erfolgreiche

La Boum-Party mit Timmi Twister und Martini

statt. Heute habe ich aber einen ruhigen Abend

erwischt, daher ziehe ich weiter in den Rekorder.

„Der Rekorder entstand eigentlich aus einer

Schnapsidee“, erzählt mir Vereinsmitglied

Max Tröndle. „Ein paar unserer Gründungsmitglieder,

darunter auch der Rapper Schlakks, saßen

im subrosa an der Bar und hatten plötzlich den

Einfall, die leerstehende Bar gegenüber anzumieten

und als gemeinnütziger Verein dort einen Raum für

Kunst und Veranstaltungen zu etablieren.“

Heute komplettiert der Rekorder seit mittlerweile

fast vier Jahren direkt gegenüber des subrosa

das Gneisenau-Triangle, wie man das Dreieck aus

Rockaway Beat, subrosa und Rekorder bezeichnet.

Der junge Verein namens tonbande e.V. eröffnete

jüngst nur wenige hundert Meter weiter den

Rekorder II.

Black Pigeon Foto: Alexander Huegel

„Im Rekorder haben wir ja regelmäßig Parties mit

Vinyl-DJs, dazu gibt es Ausstellungen, Lesungen,

Tischtennisrundlauf oder Vinylstammtische unterhalb

der Woche. Was uns fehlte, war ein komplett

offener Raum für KünstlerInnen und Projekte aller

Art. Das konnten wir nun mit Hilfe von Fördergeldern

mit dem Rekorder II in der Scharnhorststraße

68 realisieren.“

gkong Foto: Alexander Huegel

Max und seine zehn weiteren Vereinsmitglieder sind

nicht zu unrecht Stolz auf ihr Treiben. „Anfangs hat

jeder von uns 50 Euro Mitgliedsbeitrag in den Topf

getan, aber schon nach den ersten drei Monaten

merkten wir, dass das gar nicht mehr nötig war. Der

Rekorder finanziert sich völlig aus den Eintritts- und

Getränkeeinnahmen.“

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Nach einer umfassenden Kaffeesierung meines Körpers

schlendere ich durch den Teil des Hafens, der in

naher Zukunft einem gründlichen Strukturwandel

unterzogen werden soll: die Speicherstraße. Hier kann

man die alten Lagergebäude beäugeln, die sich demnächst

in einen GründungsCampus, ein Proberaumund

ein Atelierzentrum verwandeln sollen. So ist es

zumindest geplant.

Auf halbem Weg zum zweiten Hafen-Strand,

dem Herr Walter, stößt man unweigerlich auf

den Export 33 / Projektspeicher. Stehen die Türen

offen, sollte man mal in die tolle Location hineinschauen,

denn hinter den tristen Stahltüren verbergen

sich des öfteren interessante Ausstellungen der

FH Dortmund, die diese Räume als Ausstellungsräume

nutzt.

So wunderbar der Strand von Herr Walter auch

ist, ich habe mir den Besuch des Schiffes erst

für den späten Abend vorgemerkt. Vorab mache ich

einen Abstecher zu einer anderen Art von Schiff: Die

Pauluskirche an der Schützenstraße. Die Kulturkirche

ist eine ungewöhnliche Location und bietet Raum für

beeindruckende Konzerte.

REKORDER II Eröffnung Foto: Alexander Huegel

Wer den Rekorder II für eine Ausstellung, eine Versammlung,

ein Kunstprojekt oder für Musikaufnahmen mieten möchte,

kann sich über die Webseite www.rekorder.org an die tonbande

wenden. „Den Umkostenbeitrag kann jeder nach eigenem Ermessen

spenden“, wirbt Max.

Meine Partynacht im Rekorder endet spät. Ein extrem abwechslungs-

und ereignisreicher Freitag, verbracht auf nur hundert Quadratmetern,

neigt sich auf der Tanzfläche des Rekorders für mich

dem Ende zu.

Der Samstag beginnt ein wenig verspätet, dafür bei bestem

Wetter, am Beach der Tyde Studios. Die Lokalität direkt

unterhalb des Hafenamtes ist Restaurant, Bar und Nachtclub in

einem. In dem Außenbereich sitzt man direkt gegenüber des

Santa-Monika Anlegers am Hafenbecken und kann bei gutem

Frühstück und veganer Küche entspannt die Sonne genießen.

Diesen Abstecher kann man natürlich ganz

wunderbar mit einem guten Essen in einer der

vielen Lokalitäten auf der Schützenstraße verbinden,

bevor es am späten Abend nun endlich weiter in

den Schiffsrumpf von Herr Walter geht: Subport, so

der Name der Drum’n’Bass-Veranstaltung heute

Abend, die der bekannte Dortmunder DJ Dash hier

veranstaltet.

Drum’n’Bass Parties in einem Schiffsbauch? „Ich mag

Oliver Buschmann (Betreiber Herr Walter, A.d.R.) und

seine Offenheit für Visionen und Experimente. Das

ist neben dem Strand, dem Stahlbauch des Schiffes

als besonderer Bassresonanzkörper, der entspannt

offengeistigen Atmosphäre an der Speicherstraße sowie

dem melancholisch-schönen Ausblick, der Grund,

warum Herr Walter der kreative Ankerpunkt meiner

Subport-Reihe ist“, erzählt mir DJ Dash.

Das stimmt. Denn wer hier im Schiffsrumpf zu den

treibenden Drums tanzt, der vergisst schnell, dass er

sich eigentlich gerade auf einem alten Boot im Dortmunder

Hafenbecken befindet. Ein weiterer Tag vollgepackt

mit Kultur geht zu Ende und ich tanze noch

weit in den Sonntag hinein.

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Dieser Sonntag ruft nach Kino: Mit der Camera auf der Mallinckrodtstraße und

dem Sweetsixteen-Kino im Depot auf der Immermannstraße habe ich gleich die

Qual der Wahl. Da ich Henry, den Sweetsixteen Kino-Beagle, schon lange nicht mehr

gesehen habe, entschließe ich mich für einen Besuch im Depot.

In der benachbarten Depothek kann man gemütlich speisen und über den Film

quatschen und wer mag, der sollte im Anschluss noch eine Aufführung im

Theater des Depots mitnehmen. Apropos Theater: Das Roto-Theater an der Gneisenaustraße

hofft auf viele Gäste.Wenn man schon mal in der Nähe ist, könnte man doch

gleich noch einmal ins subrosa rüber gehen. Oder, oder oder. Ein Wochenende im

Hafenviertel scheint nicht genug. Wenn man hier vor Anker geht, gibt hier viele

Möglichkeiten für einen unterhaltsamen Landgang.

HANUK Festival im export 33 Foto: Alexander Huegel

# 02 | Juni 2017 13


Internationale

Gemeinde

Das richtige Viertel für das Pilotprojekt –Westfälische Landeskirche ließ die Lydia-Gemeinde entscheiden, ob sie sich zusammen

mit anderen Gemeinden auf den Weg in die Zukunft machen wollte: Die Antwort war ein Ja

/// Die Pauluskirche an der Schützenstraße ist der erste Neubau einer evangelischen Kirche nach

der Reformation auf Dortmunder Stadtgebiet. Doch die Lydia-Kirchengemeinde, die die Bezirke

Luther, Markus und Paulus umfasst, hat nicht nur stadtgeschichtliche Besonderheiten zu bieten.

Seit anderthalb Jahren ist sie auf dem Weg zur Internationalen Gemeinde. Kommt dieser Weg nach

fünf Jahren zum guten Ende, ist die Lydia-Kirchengemeinde die erste internationale Gemeinde in

Westfalen.

„Wir haben zwei Ziele“, sagt Pfarrerin Birgit Worms-Nigmann. „Als Nordstadt-Gemeinde haben wir

Mitglieder anderer Sprache und Herkunft, die kommen bislang, außer in der Kinderkirche, nicht

vor. Und dann gibt es die tamilische und die koreanische Gastgemeinden. Zu denen allen wollen wir

engeren Kontakt.“ Und weil man schon mal dabei ist, geht man auch auf afrikanische und rumänische

Gläubige zu, die ihre Gottesdienste in anderen Häusern der Nordstadt feiern.

Die ersten Erfahrungen sind sehr ermutigend. Die Internationalen Gottesdienste waren gut besucht,

in einer waren fünf verschiedenen Predigten zu hören – alle auf Deutsch, gesprochen unter anderen

von Benjamin Patrick aus der tamilische Gemeinde und einem Mitglied der afrikanischen Band

Living Worshippers: „Da war so viel Schwung drin. Man war versucht, Halleluja zu rufen“, so

Kornelius Heering, der bis März als Vikar in der Lydia-Gemeinde arbeitete, einige Ideen hatte und

für diese viel Unterstützung bekam.

/// Mit einem Kaffee auf der Straße redet es sich leichter

Wie für den Besuchskreis. Da nicht alle Gemeindemitglieder besucht werden können, ging die

Kirche zumindest in die nahe Nachbarschaft und auf die Straße. Von dieser Aktion kündeten Einladungsschreiben,

die in allen Briefkästen der Gemeindemitglieder rund um den Treffpunkt landeten.

Vor dem Wiechernhaus war die Resonanz noch etwas zurückhaltend, vielleicht lag’s auch am

kalten Wind, vor der Pauluskirche im März war schon sehr viel mehr los. Da schien die Sonne und

man konnte es gut auf den Bierzelt-Bänken aushalten.

Birgit Worms-Nigmann (l.) und ihre Kollegin

Carola Theilig sind die beiden Pfarrerinnen,

die die Lydiagemeinde zu einer internationalen

begleiten. (Foto: Susanne Schulte)

Die einzelnen Vorbereitungsgruppen und Organisationsteams sind international besetzt. Das gilt

auch für die Teilnehmer des internationalen Bibelkreises. Jede Kultur hat einen anderen Umgang

mit dem Glauben, andere Predigtkulturen, andere Gottesdienst-Formen, andere theologische Ansichten.

Da hörte auch Vikar Kornelius Heering oft verblüfft zu.

Dass die die Gastgemeinden, wie die Tamilien, gerne näher an die Lydia-Gemeinde rücken, merkten

auch die Gäste der Sommerabende im Garten der Lutherkirche. Während der Sommerferien stellt

immer eine Gruppe wie die Erzieherinnen oder die Frauenhilfe am Dienstag das Büffet zusammen.

Jetzt übernehmen die tamilischen Frauen und Männer einen der Abende. Nicht nur ganze Gemeinden

kommen sich näher. „Auch die passiven GottesdienstbesucherInnen sind aktiver geworden“,

hat Birgit Worms-Nigmann bemerkt.

/// Jetzt wird etwas aufgebaut, nicht verkleinert

Auch auf die schon immer ehrenamtlich tätigen Frauen, Männer und Jugendlichen hätte der Weg

zur Internationalen Gemeinde eine „vitalisierende Wirkung“. Was kein Wunder ist: „Früher war die

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Wochenend und Sonnenschein: Während der Nachbarschaftstreffen der Lydia-Kirchengemeinde kommen die Mitglieder und die PassantInnen gerne ins Gespräch.

Bei der Veranstaltung neben der Pauluskirche war der Weg zur Internationalen Gemeinde immer ein Thema. (Foto: Alex Völkel)

Arbeit geprägt durch die Frage: Wie setzen wir uns kleiner?“, sagt Worms-Nigmanns Kollegin

Carola Theilig. „Jetzt haben wir die Aufgabe, etwas aufzubauen.“ Mehr als zwanzig Jahre arbeiten

die beiden Pfarrerinnen zwischen Hoeschpark und Fredenbaum, haben erlebt, wie die Gemeinden

immer mehr schrumpften, wie sie sich zusammentaten, wie Stellen gestrichen wurden. Zurzeit

ist jede der Frauen mit einer halben Stelle in die reguläre Gemeindearbeit eingebunden und

mit einer halben Stelle für die Internationale Gemeinde tätig. Diese Stelle zahlen Landeskirche

(75 Prozent) und Kirchenkreis (25 Prozent) aus ihren Etats.

Freunde und Freundinnen aus anderen Herkunftsländern als Deutschland zu haben, ist für

Kinder schon lange Alltag. So passte auch die Internationale Kindergruppe, die sich seit vielen

Jahren immer freitags für zwei Stunden im Markus-Gemeindehaus trifft, hervorragend ins Konzept.

Das dachte sich auch die MÖWe, die Mission Ökume und Weltverantwortung mit Sitz in

Dortmund, die der Lydia-Gemeinde vorschlug, sich doch als Pilotgemeinde zur Internationalen

Gemeinde auf den Weg zu machen. Die MÖWe stellte für 15 Wochenstunden Morya Gnanko an,

der nun die Ehrenamtliche in der Kinder- und Jugendarbeit unterstützt und das ganze Projekt

auch dokumentiert.

Und weil Kinder aller Nationalitäten gut miteinander können und Musik verbindet, wagte man

sich daran, einen Internationalen Kinderchor zu gründen. Der probt nicht regelmäßig, sondern

immer vor größeren und besonderen Veranstaltungen. Wie letztens für den Ostermontagsgottesdienst

in der Lutherkirche. Hannah Perret und Tobias Schneider, die mit den Jungen und

Mädchen die vielen schwungvollen Lieder einstudierten, sind selbst begeistert bei der Sache.

/// Der Internationale Kinderchor bringt die Gottesdienste zum Klingen

Mit Musik geht eben vieles leichter. So sang der Chor der russisch-orthodoxen Gemeinde, die

gleich neben der Lutherkirche im ehemaligen evangelischen Gemeindehaus seine Heimat gefunden

hat, schon gemeinsam mit dem Chor CantaStrophe in der Lydia-Gemeinde. Ein Gegenbesuch

ist geplant. Belinda Ewang, die Vorsitzende des Vereins „Heaven Bright“, der die Förderung der

Gospelkultur und das Miteinander der christlichen Kirchen zum Inhalt hat, bezog ein Büro im

Markuszentrum.

Eine feste Größe für besondere Gottesdienste ist

der Internationale Kinderchor. Geprobt wird

immer vor den Veranstaltungen und speziell für

die Veranstaltungen. (Foto: Susanne Schulte)

„Es ist viel passiert, es hat sich viel bewegt, aber es gibt auch noch viel zu tun“, sagt Carola Theilig.

Sie und ihre Kollegin sind sehr zufrieden, dass die Internationale Gemeinde nicht als ein Projekt

neben der Gemeinde angesehen wurde, dass alle in dieselbe Richtung gehen. Jetzt wollen sie

unter anderem an der Willkommenskultur arbeiten. „In vielen Gemeinden ist es üblich, dass

jemand, der zum ersten Mal zum Gottesdienst kommt, den anderen BesucherInnen namentlich

vorgestellt wird.“ Soweit wollen die beiden Pfarrerin ersteinmal noch nicht gehen. Aber sie wollen

sich darum kümmern, dass neue Gäste nach dem Gottesdienst nicht alleine zum Kaffeetrinken

gehen müssen: In der Gemeinde sollen sich alle, die zu ihr kommen, wohl fühlen.

Text: Susanne Schulte

# 02 | Juni 2017 15


Die Bornstraße ist vor allem als wenig ansehnliche Hauptverkehrsachse durch die Nordstadt bekannt. Fotos: Alex Völkel

Das Bornviertel braucht

ĪDENTĪTĀT

Interessengemeinschaft gegründet

Es ist ein vielseitiges Quartier mit leistungsstarkem Handel und Gewerbe,

aber auch ein interessantes Viertel zum Wohnen, Ausgehen

und Studieren. Doch bislang hat das Viertel entlang der Bornstraße

kein eigenständiges Gesicht. Diese ist vor allem als wenig ansehnliche

Hauptverkehrsachse bekannt. Das soll sich ändern: Zahlreiche

Interessierte haben daher die „Interessengemeinschaft Bornviertel“

ins Leben gerufen.

Als ein wichtiges „Nordwärts“-Projekt wird die Gründung von der

Stadt unterstützt. Bei den bisherigen Treffen kamen rund 40 Interessierte

aus Handel und Gewerbe, aus Vereinen und Schulen, aus Gastronomie-Betrieben

und benachbarten Gewerbevereinen zusammen.

Sie alle wollen aktiv oder mit ihrem guten Namen das Bornviertel aus

der Schmuddelecke holen. Mit der Fokussierung auf „Bornviertel“

kann und will sich das Gebiet, das zwischen Münsterstraße und Borsigplatz

ein reges, aber zurückhaltendes Geschäftsleben führt, einen

Namen machen, der für die Qualität steht, die heute hier schon in

den Unternehmen geboten wird.

Max Kummer, Geschäftsführer des gleichnamigen Holzgroßhandels

und Poco-Filialleiterin Anja Jäckel sind die beiden Gesichter der

Initiative. Verkaufsoffene Sonntage sind für sie kein Thema, stattdessen

die Stärkung der eigenen Identität und Außenwahrnehmung.

Dazu wollen sie auch die Anlieger aus den von der Bornstraße

abgehenden Straßen einbinden. Denn auch diese hätten ein vitales

Interesse an einer Aufwertung und Attraktivierung der Hauptverkehrsachse.

_ Leerstānde und Schrottplātze

sorgen fūr eīn negatīves Bīld

Doch Leerstände wie Herdes Gartencenter oder die verkommenen

und teils verlassenen Schrottplätze entlang der Bornstraße seien wenig

einladend. „Diese Betriebe und Brachen machen keinen guten

Eindruck“, ärgert sich Inez Koestel, Direktorin der Medien-Akademie

WAM. Ihre private Bildungseinrichtung ist geradezu „umzingelt“ von

Problem- oder - weil es besser klingt - Potenzialflächen.

Dabei sei das Quartier in der Nordstadt durchaus interessant, unterstreicht

Bornstraßen-Anwohner und Immobilienunternehmer

Christian Schmitt. Trotz deutlich gestiegener Kaufpreise seien die

Rahmenbedingungen für Investitionen günstig. „Es gibt ein großes

16


Interesse an Inwertsetzung von Immobilien“, so Schmitt. Dafür

gebe es prägende Schlüsselimmobilien, die dem Viertel ein Gesicht

geben - positiv oder eben auch auch negativ.

„Die Bornstraße braucht Identität“, fasst Ubbo de Boer, ehrenamtlicher

Obmann für die Nordstadt und zugleich Vorsitzender

des Nordwärts-Kuratoriums, die Botschaft zusammen. Sie wurde

gehört: Daraus entstand die Interessengemeinschaft. Sie wird im

Frühsommer als Verein institutionalisiert.

_ Vīele Unternehmen mīt Strahlkraft

und hoher Kundenfrequenz

Mietnebenkostensenker.

Standort Service Plus steht für ein abfallwirtschaftliches,

einheitliches Dienstleistungsspektrum

kommunaler Entsorgungsunternehmen

und dient der Optimierung der Abfallsituation

in Großwohnanlagen.

Anzeigen

Jäckel und Kummer

sehen ihre Aufgabe

darin, vor allem

Geschäftsleute und

Unternehmen anzusprechen.

Von ihnen

gibt es im Viertel

viele - teils mit hoch

attraktiven Angeboten

Anja Jäckel und Max Kummer sind die beiden Gesichter

der Interessengemeinschaft Bornviertel. und Häusern mit

Strahlkraft und hoher

Kundenfrequenz.

So hat beispielsweise auch Poco vor zwei Jahren Millionen Euro

in den Standort an der Eisenhüttenstraße investiert. „Wir sind das

Vorzeigehaus für ganz Deutschland“, sagt Jäckel nicht ohne Selbstbewusstsein.

Auch andere Unternehmen können mit ihren Stärken

punkten und haben Kunden aus einem weiten Einzugsbereich.

In der Nordstadt wird viel investiert, so auch bei Stellfeld & Ernst,

wo unter anderem Dortmunds erste Grillakademie entstehen wird.

In Betrieb ist mittlerweile der „Junkyard“, eine neue Szene- und

Veranstaltungslocation, die das Thema Schrottplatz aufgegriffen

und positiv besetzt hat. Auch dessen Macher sind bei der Interessengemeinschaft

dabei. Auch Privatleute, Institutionen und Gruppen

sind willkommen. Interessierte können sich melden.

Text und Fotos: Alex Völkel

_

Kontakt:

Koordinierungsstelle Nordwärts

Daniel Merkes

0231/50-28776

dmerkes@stadtdo.de

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Gebīetsabgrenzung:

Im Osten bildet die Eisenbahnlinie, die parallel zur Bornstraße

verläuft, eine Grenze. Im Süden ist der Burgwall als

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Grenze zu sehen. Im Nordwesten sollte die Burgholzstraße

die Grenze bilden. Die nördliche Grenze bildet die Eisenbahnbrücke

an der Derner Straße.

Eine Abgrenzung im Westen ist nicht klar definierbar. Es

wurden Vorschläge wie Münsterstraße oder Nordstraße

genannt. Eine klare Einigung hierzu konnte nicht getroffen

werden. Im Konsens wurde entschieden, dass hier zunächst

keine klare Grenze bestimmt werden sollte.

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# 02 | Juni 2017 17


Festivalformate, Mitmachaktionen, Livemusik, Kunst, Kultur und Kulinarisches

Die Nordstadt besticht seit vielen Jahren durch bunte, informative und facettenreiche Veranstaltungsformate – die vor allem

durch und mit verschiedensten Akteuren umgesetzt werden. Neben Orten des öffentlichen Raums, der Grünflächen und Parks

sind es auch die Kunst- und Kreativorte der Nordstadt, die hier aktiv und belebend eingebunden werden.

Musik.Kultur.Picknick.

Foto: Alex Völkel

16.07. - 20.08.2017, jeweils 12 – 14 Uhr, auf dem Nordmarkt

Die Auftaktveranstaltung 2017 ist die 100ste in der Reihe Musik.Kultur.Picknick.

Das wird am 16. Juli gefeiert. An sechs Sonntagen werden

eigene Kompositionen regionaler Künstler live dargeboten. Die

neue Nordmarkt-Gastronomie „Grüne Salon“ ist mit dabei.

Folgende Bands sind bei freiem Eintritt auf dem Nordmarkt geplant:

16.07. – Boris Gott & King´s Tonic + Special Guest: Honigdieb

23.07. – Skankin‘ Sun & Third Party People

30.07. – Backyard Dreamer & John Hubertus

06.08. – Wenn Einer Lügt Dann Wir & Jann Tholen

13.08. – Call Me Mary & Different Inside

20.08. – Frank Scheele & Miss Me On Friday

Still-Leben Borsigplatz

Foto: Alex Völkel

27.08.2017, 11.00 – 18.00 Uhr

Unter dem Titel "BORSIG nehmen Sie PLATZ" gelang es im Vorjahr

ein weiteres großes Event in der Nordstadt zu platzieren. Trotz der

Größenordnung, für die immerhin einen Tag lang der gesamte Verkehr

am Borsigplatz zur Ruhe kommen musste, war es ein echtes

Nachbarschaftsfest. Inspiriert vom Kulturhauptstadtjahr hat sich dabei

ein ganz eigener Veranstaltungscharakter entwickelt. Die Fördermittel,

weitere Unterstützung und ganz viel Engagement der Beteiligten

machen eine Neuauflage am 27.08.2017 möglich.

Summersounds-DJ-Picknick

Vom 1. Juli bis 26. August gibt es im Dortmunder Stadtgebiet wieder

die Summersounds-DJ-Picknicks. An acht Samstagen (jeweils von 14

bis 22 Uhr) gibt es Electronic-Beats, Hip Hop und Rap bis Reggae und

Urban Beats. Die Nordstadt ist zwei Mal vertreten: Am 22. Juli steigt

die Party im Fredenbaumpark. Zudem findet der Abschluss am 26.

August mit einem großen Open Air mit Live-Musik, Sport und Streetfood

im Hoeschpark statt.

18

Foto: Wolfgang Strausdat/Veranstalter


NORDSTADT

SOMMER

Hafenspaziergang

Foto: Dietmar Wäsche/QM

Hofmärkte

Foto: Dietmar Wäsche/QM

02.09.2017, 14 Uhr – Open End, im Hafenquartier

Schon zum siebten Mal wird gemeinsam mit der Dortmunder Hafen

AG der Hafenspaziergang veranstaltet. Zusammenhalt im Quartier

wird gelebt, wenn von Wirtschaftsunternehmen, der Baptistengemeinde,

dem Atelierhaus, der Szenegastronomie über das freie Theater

bis hin zur Kulturkirche ganz unterschiedliche Partner zusammenwirken.

Voraussichtlich werden wieder mehr als 30 verschiedene Orte, Einrichtungen

oder Livebühnen im gesamten Hafenquartier weit über

60 unterschiedliche Veranstaltungen und Aufführungen bieten.

16.09.2017, 11 – 17 Uhr, in der gesamten Nordstadt

Mit dem bereits im Vorjahr erfolgreichen Projekt sollen die Innenhöfe

der Nordstadt für die Dortmunder Bürgerinnen und Bürger geöffnet

und der Austausch zwischen Bewohnern und Bewohnerinnen

und Besuchern und Besucherinnen gefördert werden. Nachbarinnen

und Nachbarn aus den jeweiligen (Innen-)Höfen gestalten die kleinen

Märkte in Eigenregie. Hierbei kann jeder mitmachen und seinen

Hinterhof der Öffentlichkeit zugänglich machen – mit Kunst, Kultur,

Kulinarischem, Tauschaktionen, einem Flohmarkt und vielem

mehr. Die Anmeldung hierzu ist ab sofort unter immobilien@nordstadt-qm.de

möglich.

Holifestival

Am 26. August steigt eine weitere Riesen-Party mit elektronischer

Musik in der Nordstadt:

Von 12 bis 22 Uhr findet im Fredenbaumpark das farbenfrohe Holi

Festival statt. Kommerziell, aber sehr unterhaltsam.

Foto: Alex Völkel

# 02 | Juni 2017 19


AUSBLICK

Vormerken:

Offene Nordstadt-Ateliers

Die Offenen Nordstadt-Ateliers gehen am 9. und 10. September

2017 in die nächste Runde. Die Großveranstaltung bietet

eine einmalige Chance, die lebendige Kunstszene der Nordstadt

mit ihrer künstlerischen und kulturellen Vielfalt zu erleben

und zu entdecken - über 100 KünstlerInnen arbeiten hier.

Die VeranstalterInnen rechnen mit einer Teilnahme von über

80 KünstlerInnen an ca. 25 Standorten. Kunst- und Kulturinteressierte

können in diesen Tagen sowohl in kleine Wohnraumateliers

als auch in größere Kultur- und Atelierhäuser

sowie Werkstätten hineinschauen und auf Entdeckungsreise

gehen.

Sie können den KünstlerInnen über die Schultern schauen

und sich von der Bandbreite des kreativen Potentials überraschen

lassen. Viele Der TeilnehmerInnen sind weit über

Dortmund hinaus bekannt und haben sich sogar in der internationalen

Kunstszene einen Namen erworben.

SA, 09.09., 15-22 Uhr - SO, 10.09., 11-18 Uhr

www.offenenordstadtateliers.de

Foto: Alex Völkel

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