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NordstadtMagazin-2-17

Das Nordstadt Magazin Dortmund Nummer2

Internationale Gemeinde

Internationale Gemeinde Das richtige Viertel für das Pilotprojekt –Westfälische Landeskirche ließ die Lydia-Gemeinde entscheiden, ob sie sich zusammen mit anderen Gemeinden auf den Weg in die Zukunft machen wollte: Die Antwort war ein Ja /// Die Pauluskirche an der Schützenstraße ist der erste Neubau einer evangelischen Kirche nach der Reformation auf Dortmunder Stadtgebiet. Doch die Lydia-Kirchengemeinde, die die Bezirke Luther, Markus und Paulus umfasst, hat nicht nur stadtgeschichtliche Besonderheiten zu bieten. Seit anderthalb Jahren ist sie auf dem Weg zur Internationalen Gemeinde. Kommt dieser Weg nach fünf Jahren zum guten Ende, ist die Lydia-Kirchengemeinde die erste internationale Gemeinde in Westfalen. „Wir haben zwei Ziele“, sagt Pfarrerin Birgit Worms-Nigmann. „Als Nordstadt-Gemeinde haben wir Mitglieder anderer Sprache und Herkunft, die kommen bislang, außer in der Kinderkirche, nicht vor. Und dann gibt es die tamilische und die koreanische Gastgemeinden. Zu denen allen wollen wir engeren Kontakt.“ Und weil man schon mal dabei ist, geht man auch auf afrikanische und rumänische Gläubige zu, die ihre Gottesdienste in anderen Häusern der Nordstadt feiern. Die ersten Erfahrungen sind sehr ermutigend. Die Internationalen Gottesdienste waren gut besucht, in einer waren fünf verschiedenen Predigten zu hören – alle auf Deutsch, gesprochen unter anderen von Benjamin Patrick aus der tamilische Gemeinde und einem Mitglied der afrikanischen Band Living Worshippers: „Da war so viel Schwung drin. Man war versucht, Halleluja zu rufen“, so Kornelius Heering, der bis März als Vikar in der Lydia-Gemeinde arbeitete, einige Ideen hatte und für diese viel Unterstützung bekam. /// Mit einem Kaffee auf der Straße redet es sich leichter Wie für den Besuchskreis. Da nicht alle Gemeindemitglieder besucht werden können, ging die Kirche zumindest in die nahe Nachbarschaft und auf die Straße. Von dieser Aktion kündeten Einladungsschreiben, die in allen Briefkästen der Gemeindemitglieder rund um den Treffpunkt landeten. Vor dem Wiechernhaus war die Resonanz noch etwas zurückhaltend, vielleicht lag’s auch am kalten Wind, vor der Pauluskirche im März war schon sehr viel mehr los. Da schien die Sonne und man konnte es gut auf den Bierzelt-Bänken aushalten. Birgit Worms-Nigmann (l.) und ihre Kollegin Carola Theilig sind die beiden Pfarrerinnen, die die Lydiagemeinde zu einer internationalen begleiten. (Foto: Susanne Schulte) Die einzelnen Vorbereitungsgruppen und Organisationsteams sind international besetzt. Das gilt auch für die Teilnehmer des internationalen Bibelkreises. Jede Kultur hat einen anderen Umgang mit dem Glauben, andere Predigtkulturen, andere Gottesdienst-Formen, andere theologische Ansichten. Da hörte auch Vikar Kornelius Heering oft verblüfft zu. Dass die die Gastgemeinden, wie die Tamilien, gerne näher an die Lydia-Gemeinde rücken, merkten auch die Gäste der Sommerabende im Garten der Lutherkirche. Während der Sommerferien stellt immer eine Gruppe wie die Erzieherinnen oder die Frauenhilfe am Dienstag das Büffet zusammen. Jetzt übernehmen die tamilischen Frauen und Männer einen der Abende. Nicht nur ganze Gemeinden kommen sich näher. „Auch die passiven GottesdienstbesucherInnen sind aktiver geworden“, hat Birgit Worms-Nigmann bemerkt. /// Jetzt wird etwas aufgebaut, nicht verkleinert Auch auf die schon immer ehrenamtlich tätigen Frauen, Männer und Jugendlichen hätte der Weg zur Internationalen Gemeinde eine „vitalisierende Wirkung“. Was kein Wunder ist: „Früher war die 14

Wochenend und Sonnenschein: Während der Nachbarschaftstreffen der Lydia-Kirchengemeinde kommen die Mitglieder und die PassantInnen gerne ins Gespräch. Bei der Veranstaltung neben der Pauluskirche war der Weg zur Internationalen Gemeinde immer ein Thema. (Foto: Alex Völkel) Arbeit geprägt durch die Frage: Wie setzen wir uns kleiner?“, sagt Worms-Nigmanns Kollegin Carola Theilig. „Jetzt haben wir die Aufgabe, etwas aufzubauen.“ Mehr als zwanzig Jahre arbeiten die beiden Pfarrerinnen zwischen Hoeschpark und Fredenbaum, haben erlebt, wie die Gemeinden immer mehr schrumpften, wie sie sich zusammentaten, wie Stellen gestrichen wurden. Zurzeit ist jede der Frauen mit einer halben Stelle in die reguläre Gemeindearbeit eingebunden und mit einer halben Stelle für die Internationale Gemeinde tätig. Diese Stelle zahlen Landeskirche (75 Prozent) und Kirchenkreis (25 Prozent) aus ihren Etats. Freunde und Freundinnen aus anderen Herkunftsländern als Deutschland zu haben, ist für Kinder schon lange Alltag. So passte auch die Internationale Kindergruppe, die sich seit vielen Jahren immer freitags für zwei Stunden im Markus-Gemeindehaus trifft, hervorragend ins Konzept. Das dachte sich auch die MÖWe, die Mission Ökume und Weltverantwortung mit Sitz in Dortmund, die der Lydia-Gemeinde vorschlug, sich doch als Pilotgemeinde zur Internationalen Gemeinde auf den Weg zu machen. Die MÖWe stellte für 15 Wochenstunden Morya Gnanko an, der nun die Ehrenamtliche in der Kinder- und Jugendarbeit unterstützt und das ganze Projekt auch dokumentiert. Und weil Kinder aller Nationalitäten gut miteinander können und Musik verbindet, wagte man sich daran, einen Internationalen Kinderchor zu gründen. Der probt nicht regelmäßig, sondern immer vor größeren und besonderen Veranstaltungen. Wie letztens für den Ostermontagsgottesdienst in der Lutherkirche. Hannah Perret und Tobias Schneider, die mit den Jungen und Mädchen die vielen schwungvollen Lieder einstudierten, sind selbst begeistert bei der Sache. /// Der Internationale Kinderchor bringt die Gottesdienste zum Klingen Mit Musik geht eben vieles leichter. So sang der Chor der russisch-orthodoxen Gemeinde, die gleich neben der Lutherkirche im ehemaligen evangelischen Gemeindehaus seine Heimat gefunden hat, schon gemeinsam mit dem Chor CantaStrophe in der Lydia-Gemeinde. Ein Gegenbesuch ist geplant. Belinda Ewang, die Vorsitzende des Vereins „Heaven Bright“, der die Förderung der Gospelkultur und das Miteinander der christlichen Kirchen zum Inhalt hat, bezog ein Büro im Markuszentrum. Eine feste Größe für besondere Gottesdienste ist der Internationale Kinderchor. Geprobt wird immer vor den Veranstaltungen und speziell für die Veranstaltungen. (Foto: Susanne Schulte) „Es ist viel passiert, es hat sich viel bewegt, aber es gibt auch noch viel zu tun“, sagt Carola Theilig. Sie und ihre Kollegin sind sehr zufrieden, dass die Internationale Gemeinde nicht als ein Projekt neben der Gemeinde angesehen wurde, dass alle in dieselbe Richtung gehen. Jetzt wollen sie unter anderem an der Willkommenskultur arbeiten. „In vielen Gemeinden ist es üblich, dass jemand, der zum ersten Mal zum Gottesdienst kommt, den anderen BesucherInnen namentlich vorgestellt wird.“ Soweit wollen die beiden Pfarrerin ersteinmal noch nicht gehen. Aber sie wollen sich darum kümmern, dass neue Gäste nach dem Gottesdienst nicht alleine zum Kaffeetrinken gehen müssen: In der Gemeinde sollen sich alle, die zu ihr kommen, wohl fühlen. Text: Susanne Schulte # 02 | Juni 2017 15